[0001] Die Erfindung betrifft ein Innenringsystem für einen Eintrittsleitschaufelkranz einer
Strömungsmaschine. Die Erfindung betrifft weiterhin einen Innenring und ein Zwischengehäuse
für ein solches Innenringsystem sowie eine Strömungsmaschine mit einem derartigen
Innenringsystem.
[0002] Aus der
EP 1 319 844 B1 ist ein Innen- oder Lagerring für einen Leitschaufelkranz einer Strömungsmaschine
bekannt. Der Innenring ist axial in ein erstes und in ein zweites Ringsegment geteilt,
die im montierten Zustand gemeinsam Ausnehmungen zur Lagerung von Schaufelfüßen der
Leitschaufeln des Leitschaufelkranzes bilden. Der Innenring weist hierzu eine Vielzahl
von axialen Montagebohrungen oder -öffnungen auf, über welche die beiden Ringsegmente
miteinander verschraubt werden. Die Montage des Innenrings erfolgt in einer zweiten
Stufe eines Verdichters der Strömungsmaschine, so dass der Innenring vom Leitschaufelkranz
getragen wird.
[0003] Als nachteilig an dem bekannten Innenring ist der Umstand anzusehen, dass dieser
im montierten Zustand in einer Strömungsmaschine eine vergleichsweise geringe mechanische
Stabilität aufweist und auftretende Lasten nur sehr eingeschränkt aufnehmen kann.
Damit eignet sich der Innenring insbesondere nicht für einen Eintrittsleitschaufelkranz,
das heißt für eine erste Stufe eines Verdichters oder einer Turbine. Mit Verdichter
oder Turbine ist insbesondere auch ein Verdichtermodul oder ein Turbinenmodul der
Strömungsmaschine gemeint. Hier können unter Umständen besonders hohe Lasten auftreten,
beispielsweise durch Vogelschlag. Ein Verdichtermodul kann beispielsweise ein Niederdruckverdichter,
Mitteldruckverdichter oder Hochdruckverdichter sein. Entsprechendes trifft für das
Turbinenmodul zu, eine Niederdruckturbine oder Mitteldruckturbine oder Hochdruckturbine
kann gemeint sein. Durch die vergleichsweise geringe mechanische Stabilität verändert
sich während des Betriebs der zugeordneten Strömungsmaschine zudem die relative Positionierung
der Ringsegmente des Innenrings zueinander, womit einerseits verschlechterte aerodynamische
Eigenschaften verbunden sind und andererseits ein erhöhter Verschleiß im Bereich der
gelagerten Schaufelfüße auftritt. Dieser hohe Verschleiß führt zu entsprechend hohen
Wartungskosten.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Innenringsystem für eine erste Stufe
eines Verdichters oder einer Turbine anzugeben, welches verbesserte aerodynamische
Eigenschaften und eine Senkung der Wartungskosten ermöglicht. Weitere Aufgaben der
Erfindung bestehen darin, einen Innenring und ein Zwischengehäuse für ein solches
Innenringsystem sowie eine Strömungsmaschine mit einem derartigen Innenringsystem
bereitzustellen.
[0005] Die Aufgaben werden erfindungsgemäß durch ein Innenringsystem mit den Merkmalen des
Patentanspruchs 1, einen Innenring gemäß Anspruch 11 und ein Zwischengehäuse gemäß
Anspruch 12 für ein solches Innenringsystem sowie durch eine Strömungsmaschine gemäß
Patentanspruch 13 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen mit zweckmäßigen Weiterbildungen
der Erfindung sind in den jeweiligen Unteransprüchen angegeben, wobei vorteilhafte
Ausgestaltungen jedes Erfindungsaspekts als vorteilhafte Ausgestaltung der jeweils
anderen Erfindungsaspekte anzusehen sind.
[0006] Ein erster Aspekt der Erfindung betrifft ein Innenringsystem für einen Eintrittsleitschaufelkranz
einer Strömungsmaschine. Erfindungsgemäß umfasst das Innenringsystem ein Zwischengehäuse
zum Aufnehmen struktureller Lasten und einen Innenring, welcher axial in ein erstes
und in ein zweites Ringsegment geteilt ist, die gemeinsam Ausnehmungen zur Lagerung
radial innerer Endbereiche von Leitschaufeln des Eintrittsleitschaufelkranzes bilden,
wobei zumindest das zweite Ringsegment mittels Verschraubungen am Zwischengehäuse
festgelegt ist. Hierdurch weist das Innenringsystem eine besonders hohe mechanische
Stabilität auf, da während des Betriebs einer zugeordneten Strömungsmaschine auftretende
Lasten, die über in den Ausnehmungen gelagerte Leitschaufeln auf die Ringsegmente
des Innenrings übertragen werden, auf das Zwischengehäuse weitergeleitet werden können,
welches als maschinenfestes Element die strukturellen Lasten wesentlich besser aufnehmen
und verteilen kann, als dies bei Innenringen möglich ist, die ausschließlich durch
einen Leitschaufelkranz getragen werden. Durch die Verschraubung des Innenrings an
das Zwischengehäuse entstehen zudem während des Betriebs der zugeordneten Strömungsmaschine
geringere Relativbewegungen durch Toleranzen oder thermische Bewegungen zwischen den
beiden Ringsegmenten. Dieses führt zu einer besseren Schaufelpositionierung und damit
zu besseren aerodynamischen Eigenschaften, die sich ohne Verschraubungen bzw. nur
mit Verklinkungen oder dergleichen nicht realisieren lassen. Durch die genauere und
verwindungsärmere Positionierung der Leitschaufeln wird auch der Verschleiß im Bereich
der Leitschaufelfüße reduziert, wodurch sich eine entsprechende Reduzierung der Wartungskosten
realisieren lässt. Die Verschraubung des Innenrings an das Zwischengehäuse, welches
auch als IMC (intermediate casing) bezeichnet wird, reduziert oder eliminiert zudem
axiale Auslenkungen beispielsweise während eines Vogelschlags.
[0007] Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Ausgestaltung mit der zweiteiligen Konstruktion
des Innenrings liegt in der Möglichkeit einer gemeinsamen Bearbeitung der beiden Ringsegmente.
Beispielsweise können die Ausnehmungen für die Lagerung der Leitschaufelfüße gemeinsam
gebohrt werden. Hierzu können die zwei Ringsegmente mit einem entsprechenden Werkzeug
geklemmt bzw. aneinander festgelegt werden, wonach die Ausnehmungen entsprechend präzise
gebohrt werden können. Dadurch können die Ausnehmungen genauer positioniert werden,
was zusammen mit der Verschraubung des Innenrings an das Zwischengehäuse zu zusätzlich
verringerten Relativbewegungen durch Toleranzen oder thermische Bewegungen im Betrieb
zwischen den beiden Ringsegmenten führt. Damit können die Schaufelpositionierung und
damit deren aerodynamische Eigenschaften zusätzlich verbessert werden.
[0008] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist es vorgesehen, dass das erste
Ringsegment bezüglich einer Primärströmung der Strömungsmaschine stromauf und das
zweite Ringsegment bezüglich der Primärströmung stromab anzuordnen ist. Mit anderen
Worten sind das erste und das zweite Ringsegment axial getrennt und in Strömungsrichtung
nacheinander anzuordnen. Dies erleichtert die Montage und Demontage der Ringsegmente.
Es kann dabei insbesondere vorgesehen sein, dass das erste Ringsegment unmittelbar
am Zwischengehäuse angeordnet ist, während das zweite Ringsegment seinerseits stromab
am ersten Ringsegment anliegt.
[0009] Weitere Vorteile ergeben sich, indem das erste und das zweite Ringsegment mehrere
Paare miteinander fluchtender Montageöffnungen aufweisen, durch welche jeweils eine
Schraube der Verschraubungen zum Zwischengehäuse geführt ist. Hierdurch können sowohl
das erste als auch das zweite Ringsegment gemeinsam mit dem Zwischengehäuse verschraubt
werden, was zu einer besonders hohen mechanischen Stabilität führt. Darüber hinaus
verbessert die gemeinsame Verschraubung auch eine korrekte relative Ausrichtung der
beiden Ringsegmente zueinander.
[0010] Alternativ ist es in einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen,
dass das erste Ringsegment schwimmend am zweiten Ringsegment und am Zwischengehäuse
gelagert und das zweite Ringsegment mit dem Zwischengehäuse verschraubt ist und/oder
dass das erste Ringsegment am zweiten Ringsegment, am Zwischengehäuse und an in den
Ausnehmungen anzuordnenden Lagerelementen der Leitschaufeln abzustützen ist. Mit anderen
Worten ist bei dieser Ausgestaltungsform lediglich das zweite Ringsegment mit dem
Zwischengehäuse verschraubt, während das erste Ringsegment schwimmend gelagert bzw.
nur mittelbar über das zweite Ringsegment am Zwischengehäuse festgelegt bzw. am Zwischengehäuse
geklemmt ist. Hierdurch kann eine besonders kompakte Bauform für geometrisch kleine
Stufen bzw. für beengte Einbausituationen realisiert werden.
[0011] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist es vorgesehen, dass das erste Ringsegment
eine Nut umfasst, in welcher ein Vorsprung des zweiten Ringsegments angeordnet ist.
Dies vereinfacht während der Montage die relative Positionierung der beiden Ringsegmente
zueinander und erhöht im montierten Zustand die mechanische Stabilität des Innenrings
zusätzlich. Vorzugsweise ist der Vorsprung nicht formschlüssig in der Nut aufgenommen,
um thermisch und/oder mechanisch bedingte Relativbewegungen, Volumenänderungen etc.
der beiden Ringsegmente zu erlauben.
[0012] Weitere Vorteile ergeben sich, wenn das erste Ringsegment über ein radial äußeres
und/oder über ein radial inneres Dichtelement, insbesondere einen O-Ring, gegen das
Zwischengehäuse und/oder gegen das zweite Ringsegment abgedichtet ist. Dies verbessert
die aerodynamischen Eigenschaften des Innenringsystems und verhindert Strömungsverluste
während des Betriebs der zugeordneten Strömungsmaschine, wodurch sich entsprechende
Wirkungsgradsteigerungen ergeben. Vorzugsweise sind das erste und zweite Ringsegment
durch einen entsprechenden den radialen Sitz derart ausgestaltet, dass das erste Ringsegment
lediglich ein Dichtelement zur radial inneren oder zur radial äußeren Abdichtung benötigt,
da hierdurch zusätzliche Herstellungs- und Montagekosten eingespart werden.
[0013] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist es vorgesehen, dass
der Innenring von einer stromabwärtigen Seite und/oder von einer stromaufwärtigen
Seite mit dem Zwischengehäuse verschraubt ist. Dies erlaubt eine hohe konstruktive
Flexibilität. Vorzugsweise ist zumindest das zweite Ringsegment des Innenrings nur
von der stromabwärtigen Seite verschraubt, da dies eine vorteilhafte und kostengünstige
Montage und Demontage des Innenrings ohne komplette Demontage des gesamten Innenringsystems
bzw. des Lagergehäuses erlaubt.
[0014] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung umfasst wenigstens eines
der Ringsegmente wenigstens eine Aufnahme zur Anordnung einer Bürstendichtung. Mit
anderen Worten ist wenigstens eines und vorzugsweise zumindest das zweite Ringsegment
dazu ausgebildet, eine Bürstendichtung zu tragen, wobei die Bürstendichtung beispielsweise
mittels einer mechanischen Klemmung in der Aufnahme befestigt oder fixiert werden
kann. Mit Hilfe einer an wenigstens einem der Ringsegmente gehaltenen Bürstendichtung
kann eine besonders kompakte, leichte und leistungsfähige Abdichtung des Innenringsystems
gegenüber einem Rotor der zugeordneten Strömungsmaschine realisiert werden. Als Bürstendichtung
können grundsätzlich alle geeigneten Typen vorgesehen sein. Beispielsweise umfasst
eine geeignete Bürstendichtung ein Bürstendichtungsgehäuse, welches aus einem Stützblech
und einem Deckblech besteht, die miteinander verbunden werden und zusammen zumindest
einen Bürstenkopf des Bürstendichtungssystems U-förmig umgreifen und gegen ein Herausfallen
aus dem Bürstendichtungsgehäuse sichern. Das Deckblech bzw. der in Strömungsrichtung
stromauf liegende Bereich des zweiteiligen Bürstendichtungsgehäuses soll in erster
Linie störende Strömungseinflüsse auf ein vom Bürstenkopf ab- und aus dem Bürstendichtungsgehäuse
herausragendes Bürstenpaket abhalten, während das in Strömungsrichtung betrachtet
stromab liegende Stützblech des Bürstendichtungsgehäuses als Stützelement dient, das
ein Durchbiegen des Bürstenpakets in axialer Richtung des Flugzeugtriebwerks aufgrund
der Druckdifferenz über das Bürstendichtungsgehäuse verhindern soll.
[0015] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist es vorgesehen, dass
das erste und/oder zweite Ringsegment im Bereich der Aufnahme Mittel zum axialen Abstützen
der Bürstendichtung umfasst. Hierdurch kann auf konstruktiv einfache Weise ein Anschlag
für ein Element der Bürstendichtung, beispielsweise für das Bürstendichtungsgehäuse
bereitgestellt werden, wodurch einerseits die Montage der Bürstendichtung erleichtert
und andererseits die Belastbarkeit der Bürstendichtung zusätzlich gesteigert werden.
[0016] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung sind das erste und das
zweite Ringsegment über wenigstens einen Passstift relativ zueinander und/oder relativ
zu einer Umfangsrichtung des Zwischengehäuses ausgerichtet. Hierdurch wird auf konstruktiv
einfache Weise eine weitere Verbesserung der Positionierungsgenauigkeit der Ringsegmente
sichergestellt.
[0017] Ein zweiter Aspekt der Erfindung betrifft einen Innenring für ein Innenringsystem
gemäß dem ersten Erfindungsaspekt. Der Innenring ist dabei erfindungsgemäß axial in
ein erstes und in ein zweites Ringsegment geteilt, die im montierten Zustand gemeinsam
Ausnehmungen zur Lagerung radial innerer Endbereiche von Leitschaufeln des Eintrittsleitschaufelkranzes
bilden, wobei zumindest das zweite Ringsegment Montageöffnungen zur Verschraubung
mit dem Zwischengehäuse des Innenringsystems aufweist. Hierdurch ermöglicht der Innenring
verbesserte aerodynamische Eigenschaften sowie eine Senkung der Wartungskosten des
Innenringsystems. Grundsätzlich kann es auch vorgesehen sein, dass nur das zweite
Ringsegment Montageöffnungen umfasst oder dass sowohl das erste als auch das zweite
Ringsegment Montageöffnungen zur gemeinsamen Verschraubung mit dem Zwischengehäuse
aufweisen. Weitere Merkmale und deren Vorteile sind den Beschreibungen des ersten
Erfindungsaspekts zu entnehmen, wobei vorteilhafte Ausgestaltungen des ersten Erfindungsaspekts
als vorteilhafte Ausgestaltungen des zweiten Erfindungsaspekts anzusehen sind. Umgekehrt
sind auch vorteilhafte Ausgestaltungen des zweiten Erfindungsaspekts als vorteilhafte
Ausgestaltungen des ersten Erfindungsaspekts anzusehen.
[0018] Ein dritter Aspekt der Erfindung betrifft ein Zwischengehäuse für ein Innenringsystem
gemäß dem ersten Erfindungsaspekt. Erfindungsgemäß ist es dabei vorgesehen, dass das
Zwischengehäuse Montageöffnungen zum Verschrauben zumindest des zweiten Ringsegments
des Innenrings des Innenringsystem umfasst. Hierdurch ermöglicht das Zwischengehäuse
verbesserte aerodynamische Eigenschaften sowie eine Senkung der Wartungskosten des
Innenringsystems. Weitere Merkmale und deren Vorteile sind den Beschreibungen des
ersten und des zweiten Erfindungsaspekts zu entnehmen, wobei vorteilhafte Ausgestaltungen
des ersten und zweiten Erfindungsaspekts als vorteilhafte Ausgestaltungen des dritten
Erfindungsaspekts anzusehen sind. Umgekehrt sind auch vorteilhafte Ausgestaltungen
des dritten Erfindungsaspekts als vorteilhafte Ausgestaltungen des ersten und zweiten
Erfindungsaspekts anzusehen.
[0019] Ein vierter Aspekt der Erfindung betrifft eine Strömungsmaschine, insbesondere ein
Flugtriebwerk. Erfindungsgemäß umfasst die Strömungsmaschine ein Innenringsystem gemäß
dem ersten Erfindungsaspekt und einen Eintrittsleitschaufelkranz, welcher eine Vielzahl
von Leitschaufeln aufweist, die bezogen auf eine Kranzlängsachse jeweils einen radial
äußeren und einen radial inneren Endbereich umfassen, wobei die radial inneren Endbereiche
der Leitschaufeln in den gemeinsam durch das erste und das zweite Ringsegment des
Innenrings gebildeten Ausnehmungen angeordnet sind. Hierdurch besitzt die Strömungsmaschine
verbesserte aerodynamische Eigenschaften und kann mit geringeren Kosten gewartet werden.
Die Leitschaufeln des Eintrittsleitschaufelkranzes werden dabei auch als IGV (inlet
guide vanes) bezeichnet, während ihre radial inneren Endbereiche auch als Schaufelfüße
bezeichnet werden können. Weitere Merkmale und deren Vorteile sind den Beschreibungen
des ersten, zweiten und dritten Erfindungsaspekts zu entnehmen, wobei vorteilhafte
Ausgestaltungen des ersten, zweiten und dritten Erfindungsaspekts als vorteilhafte
Ausgestaltungen des vierten Erfindungsaspekts und umgekehrt anzusehen sind.
[0020] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist es vorgesehen, dass die Leitschaufeln
verstellbar sind und/oder dass die radial inneren Endbereiche der Leitschaufeln über
Lagerbuchsen in den Ausnehmungen gehalten sind. Durch die Schraubverbindung des Innenrings
zum Zwischengehäuse werden die als Verstellleitschaufeln ausgebildeten Leitschaufeln
im bereich ihres Schaufelfußes (z. B. Innenzapfen oder Schaufelteller) mechanisch
besonders stabil gelagert, wodurch neben einer Verbesserung der mechanischen und aerodynamischen
Eigenschaften auch die Schwingbelastung der Leitschaufeln erheblich reduziert wird.
Die Lagerbuchsen können beispielsweise in den Ausnehmungen geklemmt sein. Mit Hilfe
von Lagerbuchsen können Lagerung, Dichtigkeit und Montage der Leitschaufeln vorteilhaft
verbessert werden. Aufgrund der durch die Verschraubung des Innenrings geringeren
Relativbewegungen der Ringsegmente, sind die Lagerbuchsen zudem einem erheblich geringeren
Verschleiß unterworfen.
[0021] Weitere Vorteile ergeben sich, indem das Innenringsystem und der Eintrittsleitschaufelkranz
Teil einer Niederdruckverdichterstufe und/oder einer Mitteldruckverdichterstufe und/oder
einer Hochdruckverdichterstufe und/oder einer Hochdruckturbinenstufe und/oder einer
Mitteldruckturbinenstufe und/oder einer Niederdruckturbinenstufe der Strömungsmaschine
sind. Mit anderen Worten ist das Innenringsystem Teil einer ersten Stufe eines ND-,
MD- und/oder HD-Verdichters bzw. einer ND-, MD, und/oder HD-Turbine der Strömungsmaschine.
Hierdurch können die vorteilhaften Eigenschaften des Innenringsystems für unterschiedlich
aufgebaute Strömungsmaschinentypen bzw. an unterschiedlichen Stellen innerhalb der
Strömungsmaschine realisiert werden.
[0022] Weitere Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen und den Ausführungsbeispielen.
Die vorstehend in der Beschreibung genannten Merkmale und Merkmalskombinationen, sowie
die nachfolgend in den Ausführungsbeispielen genannten und/oder alleine gezeigten
Merkmale und Merkmalskombinationen sind nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination,
sondern auch in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar, ohne den
Rahmen der Erfindung zu verlassen. Es sind somit auch Ausführungen von der Erfindung
als umfasst und offenbart anzusehen, die in den Ausführungsbeispielen nicht explizit
gezeigt und erläutert sind, jedoch durch separierte Merkmalskombinationen aus den
erläuterten Ausführungen hervorgehen und erzeugbar sind. Es sind auch Ausführungen
und Merkmalskombinationen als offenbart anzusehen, die somit nicht alle Merkmale eines
ursprünglich formulierten unabhängigen Anspruchs aufweisen. Dabei zeigt:
- Fig. 1
- einen schematischen Ausschnitt einer erfindungsgemäßen Strömungsmaschine im Bereich
einer ersten Stufe eines Verdichters;
- Fig. 2
- einen schematischen Ausschnitt einer alternativen Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Strömungsmaschine im Bereich einer ersten Stufe eines Verdichters; und
- Fig. 3
- einen schematischen Ausschnitt einer weiteren alternativen Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Strömungsmaschine im Bereich einer ersten Stufe eines Verdichters.
[0023] Fig. 1 zeigt einen schematischen Ausschnitt einer erfindungsgemäßen Strömungsmaschine
10 im Bereich einer ersten Stufe eines Verdichters 12. Die Strömungsmaschine 10 ist
vorliegend als Flugtriebwerk ausgebildet. Der Verdichter 12, bei dem es sich beispielsweise
um einen ein- oder mehrstufigen Nieder-, Mittel- oder Hochdruckverdichter handeln
kann, umfasst als erste Stufe einen Eintrittsleitschaufelkranz 14, welcher eine Vielzahl
von Leitschaufeln 16 (inlet guide vanes, IGV) aufweist, die bezogen auf eine Kranzlängsachse
A jeweils einen radial äußeren Endbereich (nicht gezeigt) und einen radial inneren
Endbereich 18 umfassen, wobei der Endbereich 18 auch als Schaufelfuß bezeichnet werden
kann. Die radial inneren Endbereiche 18 der Leitschaufeln 16 sind zusammen mit jeweiligen
Lagerbuchsen 20 in Ausnehmungen 22 angeordnet. Die Ausnehmungen 22 werden gemeinsam
durch ein erstes Ringsegment 24a und ein zweites Ringsegment 24b eines axial geteilten
Innenrings 26 gebildet. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel ist das erste Ringsegment
24a bezüglich einer Primärströmung der Strömungsmaschine 10 stromauf und das zweite
Ringsegment 24b bezüglich der Primärströmung stromab angeordnet. Zur Verbesserung
der mechanischen und aerodynamischen Eigenschaften ist der Innenring 26 mit einem
Zwischengehäuse 28 (IMC) zum Aufnehmen struktureller Lasten verschraubt. Hierzu weisen
im vorliegenden Ausführungsbeispiel das erste Ringsegment 24a und das zweite Ringsegment
24b mehrere über den Umfang des Zwischengehäuses 28 verteilte Paare miteinander fluchtender
Montageöffnungen 30a, 30b auf, durch welche jeweils eine Schraube 32 zum Zwischengehäuse
28 geführt und in einer entsprechenden, vorliegend mit einem Gewinde versehenen Montageöffnung
30c des Zwischengehäuses 28 verschraubt ist. Alternativ können auch andere Befestigungsvarianten
wie beispielsweise Kontermuttern oder dergleichen vorgesehen sein. Die Verschraubung
erfolgt vorliegend von der stromabwärtigen Seite des Innenrings 26 her. Dieses ermöglicht
vorteilhaft die Demontage der Ringsegmente 24a, 24b ohne komplette Demontage der gesamten
Lagerstruktur.
[0024] Man erkennt, dass das erste Ringsegment 24a im gezeigten Ausführungsbeispiel eine
Nut 34 umfasst, in welcher ein Vorsprung 36 des zweiten Ringsegments 24b spielbehaftet
angeordnet ist. Hierdurch wird eine relative Bewegbarkeit des zweiten Ringsegments
24b gegenüber dem ersten Ringsegment 24a eingeschränkt, wodurch die mechanische Stabilität
erhöht und die Montage des Innenrings 26 erleichtert werden. Das erste Ringsegment
24a ist über ein radial äußeres, vorliegend als O-Ring ausgebildetes Dichtelement
38 gegen das Zwischengehäuse 28 abgedichtet. Eine radial untere Dichtung kann entfallen,
da die Dichtung für das Luftsystem über den radialen Sitz zwischen dem vorderen und
hinteren Ringsegment 24a, 24b erfolgt. Der Entfall einer Dichtung führt zu geringeren
Kosten, sowohl bei der Herstellung als auch bei der Wartung der Strömungsmaschine
10.
[0025] Das zweite Ringsegment 24b umfasst weiterhin im Bereich seines stromabwärtigen Endes
eine Aufnahme 40, in welcher eine Bürstendichtung 42 montiert ist, über welche eine
Abdichtung des Innenrings 26 gegenüber einem Rotor 44 des Verdichters 12 erreicht
wird. Die Bürstendichtung 42 umfasst ein Bürstendichtungsgehäuse 46, welches über
zwei Klemmbleche 48 in der Aufnahme 40 fixiert ist. Weiterhin umfasst das zweite Ringsegment
24b im Bereich der Aufnahme 40 einen Anschlag 50 zum axialen Abstützen der Bürstendichtung
42.
[0026] Zur relativen Ausrichtung können das erste und das zweite Ringsegment 24a, 24b über
wenigstens einen Passstift (nicht gezeigt) relativ zueinander bzw. relativ zu einer
Umfangsrichtung des Zwischengehäuses 28 ausgerichtet werden.
[0027] Durch die genauere Positionierung der Montagebohrungen 30a-c und damit auch der Lagerbuchsen
20 wird der Buchsenverschleiß reduziert. Geringerer Verschleiß bedeutet auch Reduzierung
der Wartungskosten. Die genauere Positionierung und ein geringerer Buchsenverschleiß
führt auch zu einer verbesserten Positionierung der Leitschaufeln 16 im Betreib und
somit zu einer verbesserten Aerodynamik.
[0028] Fig. 2 zeigt einen schematischen Ausschnitt einer alternativen Ausführungsform der
erfindungsgemäßen Strömungsmaschine 10 im Bereich einer ersten Stufe eins Verdichters
12. Der grundsätzliche Aufbau entspricht dabei dem im Zusammenhang mit Fig. 1 diskutierten.
Im Unterschied zum vorhergehenden Ausführungsbeispiel weist das erste Ringsegment
24a keine Nut 34 oder Vertiefung aus. Dementsprechend besitzt auch das zweite Ringsegment
24b keinen Vorsprung 36.
[0029] Fig. 3 zeigt einen schematischen Ausschnitt einer weiteren alternativen Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Strömungsmaschine 10 im Bereich einer ersten Stufe eines Verdichters
12. Man erkennt, dass der Innenring 26 im vorliegenden Beispiel lediglich über das
zweite Ringsegment 24b mit dem Zwischengehäuse 28 verschraubt ist. Das erste Ringsegment
24a ist demgegenüber schwimmend gelagert und wird über das verschraubte zweite Ringsegment
24b, die Lagerbuchse 20, den Schaufelfuß 18 und das Zwischengehäuse 28 lagegesichert.
Die Verschraubung des zweiten Ringsegments 24a mit dem Zwischengehäuse 28 erfolgt
im Unterschied zu den vorherigen Ausführungsbeispielen von der stromaufwärtigen Seite
des Innenrings 26, so dass das zweite Ringsegment 24b in seiner Montageöffnung 30b
ein entsprechendes Innengewinde aufweist. Zur Abdichtung weist das erste Ringsegment
24a ein radial oberes und ein radial unteres Dichtelement 38 auf, die jeweils als
O-Ring ausgebildet sind. Der grundsätzlich optionale Anschlag 50 ist gestrichelt dargestellt.
Bezugszeichenliste:
[0030]
- 10
- Strömungsmaschine
- 12
- Verdichter
- 14
- Eintrittsleitschaufelkranz
- 16
- Leitschaufeln
- 18
- Endbereich
- 20
- Lagerbuchse
- 22
- Ausnehmungen
- 24a
- Ringsegment
- 24b
- Ringsegment
- 26
- Innenring
- 28
- Zwischengehäuse
- 30a
- Montageöffnung
- 30b
- Montageöffnung
- 30c
- Montageöffnung
- 32
- Schraube
- 34
- Nut
- 36
- Vorsprung
- 38
- Dichtelement
- 40
- Aufnahme
- 42
- Bürstendichtung
- 44
- Rotor
- 46
- Bürstendichtungsgehäuse
- 48
- Klemmbleche
- 50
- Anschlag
1. Innenringsystem für einen Eintrittsleitschaufelkranz (14) einer Strömungsmaschine
(10), umfassend:
- ein Zwischengehäuse (28) zum Aufnehmen struktureller Lasten; und
- einen Innenring (26), welcher axial in ein erstes und in ein zweites Ringsegment
(24a, 24b) geteilt ist, die gemeinsam Ausnehmungen (22) zur Lagerung radial innerer
Endbereiche (18) von Leitschaufeln (16) des Eintrittsleitschaufelkranzes (14) bilden,
wobei zumindest das zweite Ringsegment (24b) mittels Verschraubungen am Zwischengehäuse
(28) festgelegt ist.
2. Innenringsystem nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste Ringsegment (24a) bezüglich einer Primärströmung der Strömungsmaschine stromauf
und das zweite Ringsegment (24b) bezüglich der Primärströmung stromab anzuordnen ist.
3. Innenringsystem nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste und das zweite Ringsegment (24a, 24b) mehrere Paare miteinander fluchtender
Montageöffnungen (30a, 30b) aufweisen, durch welche jeweils eine Schraube (32) der
Verschraubungen zum Zwischengehäuse (28) geführt ist.
4. Innenringsystem nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste Ringsegment (24a) schwimmend am zweiten Ringsegment (24b) und am Zwischengehäuse
(28) gelagert und das zweite Ringsegment (24b) mit dem Zwischengehäuse (28) verschraubt
ist und/oder dass das erste Ringsegment (24a) am zweiten Ringsegment (24b), am Zwischengehäuse
(28) und an in den Ausnehmungen (22) anzuordnenden Lagerelementen (20) der Leitschaufeln
(16) abzustützen ist.
5. Innenringsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste Ringsegment (24a) eine Nut (34) umfasst, in welcher ein Vorsprung (36) des
zweiten Ringsegments (24b) angeordnet ist.
6. Innenringsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste Ringsegment (24a) über ein radial äußeres und/oder über ein radial inneres
Dichtelement (38), insbesondere einen O-Ring, gegen das Zwischengehäuse (28) und/oder
gegen das zweite Ringsegment (24b) abgedichtet ist.
7. Innenringsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Innenring (26) von einer stromabwärtigen Seite und/oder von einer stromaufwärtigen
Seite mit dem Zwischengehäuse (28) verschraubt ist.
8. Innenringsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
das wenigstens eines der Ringsegmente (24b) wenigstens eine Aufnahme (40) zur Anordnung
einer Bürstendichtung (42) umfasst.
9. Innenringsystem nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste und/oder zweite Ringsegment (24a, 24b) im Bereich der Aufnahme (40) Mittel
(50) zum axialen Abstützen der Bürstendichtung (42) umfasst.
10. Innenringsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste und das zweite Ringsegment (24a, 24b) über wenigstens einen Passstift relativ
zueinander und/oder relativ zu einer Umfangsrichtung des Zwischengehäuses (28) ausgerichtet
sind.
11. Innenring (26) für ein Innenringsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 10, welcher
axial in ein erstes und in ein zweites Ringsegment (24a, 24b) geteilt ist, die im
montierten Zustand gemeinsam Ausnehmungen (22) zur Lagerung radial innerer Endbereiche
(18) von Leitschaufeln (16) des Eintrittsleitschaufelkranzes (14) bilden, wobei zumindest
das zweite Ringsegment (24b) Montageöffnungen (30b) zur Verschraubung mit dem Zwischengehäuse
(28) des Innenringsystems aufweist.
12. Zwischengehäuse (28) für ein Innenringsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 10, wobei
das Zwischengehäuse (28) Montageöffnungen (30c) zum Verschrauben zumindest des zweiten
Ringsegments (24b) des Innenrings (26) des Innenringsystems umfasst.
13. Strömungsmaschine (10), insbesondere Flugtriebwerk, umfassend
- ein Innenringsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 10; und
- einen Eintrittsleitschaufelkranz (14), welcher eine Vielzahl von Leitschaufeln (16)
aufweist, die bezogen auf eine Kranzlängsachse (A) jeweils einen radial äußeren und
einen radial inneren Endbereich (18) umfassen, wobei die radial inneren Endbereiche
(18) der Leitschaufeln (16) in den gemeinsam durch das erste und das zweite Ringsegment
(24a, 24b) des Innenrings (26) gebildeten Ausnehmungen (22) angeordnet sind.
14. Strömungsmaschine (10) nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Leitschaufeln (16) verstellbar sind und/oder dass die radial inneren Endbereiche
(18) der Leitschaufeln (16) über Lagerbuchsen (20) in den Ausnehmungen (22) gehalten
sind.
15. Strömungsmaschine (10) nach Anspruch 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Innenringsystem und der Eintrittsleitschaufelkranz (14) Teil einer Niederdruckverdichterstufe
und/oder einer Mitteldruckverdichterstufe und/oder einer Hochdruckverdichterstufe
und/oder einer Hochdruckturbinenstufe und/oder einer Mitteldruckturbinenstufe und/oder
einer Niederdruckturbinenstufe der Strömungsmaschine (10) sind.