Technisches Gebiet
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines beschichteten
Substrats durch Auftragen wenigstens eines Beschichtungsmittels auf das Substrat,
das einen Kunststoff umfasst, welcher ausgewählt ist aus einer Gruppe bestehend aus
Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), thermoplastischen Polyolefinen (TPO) oder Mischungen
daraus, sowie ein entsprechendes Kunstoffbauteil.
Stand der Technik
[0002] Kunststoffe nehmen im Automobilbau inzwischen einen Anteil zwischen 15 und 20 Gewichtsprozent
mit steigender Tendenz ein. Dabei handelt es sich häufig um Exterieur- und Interieurteile,
die ihre entsprechenden optischen, haptischen und funktionalen Eigenschaften durch
eine Lackierung erhalten. Die steigenden Anforderungen an Qualität und Wirtschaftlichkeit
sowie Ressourceneffizienz, aber auch der globale Wettbewerbsdrucks erfordern immer
wirtschaftlichere, nachhaltigere und flexiblere Lackierprozesse.
[0003] So erfreut sich der Trend zu weniger Lackierschritten beispielsweise durch füllerlose
Lacksysteme auch bei Anbauteilen aus Kunststoff großer Beliebtheit. Dabei reduziert
sich durch den Wegfall der Zwischentrocknung der Energieverbrauch und gleichzeitig
sinken Materialverbrauch und Lösemittelemissionen. Außerdem wird weniger Produktionsfläche
für die Lackieranlage benötigt.
[0004] Entsprechende Lacklösungen gibt es unter anderem für glänzende, spritzgegossene Interieurteile,
beispielsweise Zierleisten, aus einem ABS-PC-Blend (ABS: Acrylnitril-Butadien-Styrol,
PC: Polycarbonat). Der Lack sorgt mit einem nur einschichtigen Lackaufbau für eine
edle, hochglänzende Oberfläche.
[0005] In der Automobilindustrie kommen bisher für die Beschichtung von Kunststoffen überwiegend
lösemittelhaltige und wasserbasierte Lacke zum Einsatz. Lösemittelhaltige UV-Dual-Cure-Systeme
werden ebenfalls seit einigen Jahren angewendet. Sie ermöglichen eine gute Mattierbarkeit
sowie Metallic-Farbtöne. Allerdings lassen sich mit UV-Lacken nicht alle Metallic-Farbtöne
herstellen. Hochglanzoberflächen werden mit lösemittelhaltigen UV-Dual-Cure-Klarlacken
im Aufbau mit Basislacken erzeugt. Verstärkt zum Einsatz kommen in letzter Zeit für
die Kunststofflackierung sowohl 100%UV-Klarlacke mit Klavierlackoptik als auch 2K-Dual-Cure-Systeme,
wobei Erstere deutlich höhere chemische Beständigkeitseigenschaften aufweisen. Auf
vielen gängigen Kunststoffsubstraten wie ABS, SAN (Styrol-Acrylnitril), PS (Polystyrol)
und ABS/PC (Polycarbonat) werden gute Haftungswerte ohne Vorbehandlung erzielt. Ansonsten
lassen sich die Haftungseigenschaften in der Regel durch eine Aktivierung der Oberfläche
durch Beflammen, Plasmabehandlung oder Gasphasenfluorierung optimieren.
[0006] Dual-Cure bezeichnet die kombinierte Härtung durch Hitze und aktinische Strahlung.
Dual-Cure-Beschichtungsstoffe und Verfahren und Vorrichtungen zu ihrer Härtung mit
aktinischer Strahlung, insbesondere UV-Strahlung, sind aus den deutschen Patentanmeldungen
DE 198 18 735 A1,
DE 42 15 070 A1,
DE 199 30 665 A1,
DE 199 30 067 A1,
DE 199 30 664 A1,
DE 199 24 674 A1 oder
DE 199 20 799 A1 bekannt. Sie dienen der Herstellung von Beschichtungen, insbesondere von Klarlackierungen
und farb- und/oder effektgebenden Mehrschichtlackierungen. Die Härtung mit aktinischer
Strahlung wird vor allem mit UV-Strahlung durchgeführt.
[0007] Üblicherweise besitzen die enthaltenen Bindemittelkomponenten dabei unterschiedliche
funktionelle Gruppen die unter geeigneten Bedingungen i.d.R. unabhängig voneinander
miteinander vernetzen. Übliche, zum Stand der Technik gehörende Dual Cure-Systeme
besitzen strahlen- sowie thermisch härtbare Gruppen, wobei besonders vorteilhafte
Eigenschaften bei Verwendung von Isocyanat- und Hydroxygruppen als thermisch vernetzende
Funktionen erzielt werden.
[0008] EP 1 419 015 offenbart ein Verfahren zur Herstellung von Beschichtungen aus thermisch und mit
aktinischer Strahlung härtbaren Beschichtungsstoffen, bei dem man A) die Beschichtungsstoffe
auf grundierte oder ungrundierte Substrate oder auf hierauf befindliche ungehärtete,
partiell gehärtete und/oder vollständig gehärtete Lackschichten appliziert und B)
die resultierenden Schichten aus den Beschichtungsstoffen für sich alleine oder gemeinsam
mit den ungehärteten und/oder partiell gehärteten Lackschichten thermisch und mit
aktinischer Strahlung härtet, wobei die Härtung mit aktinischer Strahlung unter einer
sauerstoffabgereicherten Atmosphäre durchgeführt wird.
[0009] DE 199 45 291 A1 offenbart eine Lackieranlage zum Lackieren von Kunststoffgegenständen mit einer Vorbehandlungszone,
in welcher die Oberflächen zum Lackieren vorbereitet, insbesondere gereinigt und gespült,
werden. Die so vorbehandelten Gegenstände werden dann durch eine Trockenzone in eine
Lackierzone gebracht. In einem ersten Durchgang durch diese Lackierzone werden die
Gegenstände in einer ersten Lackierstation mit einem modifizierten, Primereigenschaften
aufweisenden Basislack vorlackiert und sodann mit normalem Basislack bespritzt, sodann
abgedunstet und getrocknet und in einem zweiten Durchgang durch diese Lackierzone
in einer zweiten Lackierstation mit Klarlack bespritzt und sodann abschließend getrocknet.
Beschreibung der Erfindung
[0010] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, ein vereinfachtes Verfahren
zur Herstellung eines beschichteten Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), oder thermoplastische
Polyolefinen (TPO) enthaltenden Kunststoffteils bereitzustellen, bei dem die Zahl
der Lackierschritte und die Kosten für die Lackieranlage reduziert und gleichzeitig
die Qualitätsanforderungen an die Lackierung erfüllt werden.
[0011] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß verfahrensseitig durch folgende Schritte gelöst:
a- Nassreinigen des unbehandelten Substrats;
b- Auftragen eines ersten Beschichtungsmittels;
c- Zwischentrocknung oder Nass/Nass-Behandlung des mit dem ersten Beschichtungsmittel
beschichteten Substrats;
d- Auftragen eines zweiten Beschichtungsmittels, welches thermisch und durch aktinische
Strahlung (Dual-Cure) härtbar ist;
e- Erwärmen oder Trocknen des beschichteten Substrats, wobei eine Polyaddition erfolgt;
f- Bestrahlen des beschichteten Substrats mit aktinischer Strahlung, wobei eine Polymerisation
ausgelöst wird.
[0012] Mit Blick auf den Stand der Technik war es überraschend und für den Fachmann nicht
vorhersehbar, dass die Aufgabe, die der vorliegenden Erfindung zugrundelag, mit Hilfe
des erfindungsgemäßen Verfahrens gelöst werden konnte. Ein besonderer Vorteil der
Erfindung besteht nämlich darin, dass in dem vorgeschlagenen Verfahren gänzlich auf
den Schritt einer Aktivierung des Substrats verzichtet wird.
[0013] Damit entfallen nicht nur Investitionskosten für die Aktivierungseinheiten beim Um-
oder Aufrüsten bestehender Lackieranlagen, sondern auch die mit den Aktivierungseinheiten
(Beflammung, Plasma) verbundenen Brandschutzmaßnahmen und Betriebskosten. Das Kunststoffsubstrat
aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), oder thermoplastische Polyolefinen (TPO)
kann gefüllt oder ungefüllt sein.
[0014] Auf den Kunststoffsubstraten aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), oder thermoplastische
Polyolefinen (TPO) können so ohne Aktivierung Ein-, Zwei, und Dreischichtaufbauten
aus Dual-Cure, 2K- oder 1K-Systemen bereitgestellt werden, die den Anforderungen der
Automobilhersteller, beispielsweise für lackierte Interieurkunststoffbauteile aus
Polypropylen, genügen.
[0015] Bevorzugt enthält dabei das erste Beschichtungsmittel in Schritt b wenigstens einen
1K- oder 2K- Hydroprimer oder einen Lösemittelprimer und/oder UV-2K-Dualcure-Primer.
[0016] Erfindungsgemäß enthält das zweite Beschichtungsmittel wenigstens einen UV-2K-Dualcure-Hydrolack.
[0017] Die Verfahrenskombination aus 1K oder 2K-Lösemittel- und/oder Hydroprimer und/oder
UV/2K-Dualcureprimer mit UV/ 2K-Dualcure Hydrolacksystemen auf Substraten aus PP und
TPO kann dabei im Verbund mit ABS, ABS mod. PC, PC ABS, PC, PMMA für lackierte Interieurbauteile
erfolgen. Eine Aktivierungseinheit, z.B. mit Beflammung oder Plasma ist nicht erforderlich.
[0018] Das Verfahren unter Verwendung von UV/2K-Dualcure Hydrolacken ermöglicht vorteilhaft
die Herstellung mattierter und hochkratzfester Lacksysteme mit Dekor-, Soft- und Comforthaptik
für lackierte Interieurbauteile.
[0019] Ein weiterer Vorteil eines derart beschichteten Kunststoffbauteils liegt u.a. in
seiner Parfümbeständigkeit, z.B. gegen ätherische Öle und in seinem weichen Haptikcharakter.
[0020] Die Verfahrenskombination aus UV/2K-Hydro-Dualcure Klarlacke mit 1K oder 2K-Lösemittel-
und Hydroprimer und/oder 2K-Basislacken und/oder UV/2K-Dualcure Hydrolacksystemen
ermöglicht zudem die Generierung einer breiten Produktpallette mit matten, seidenglänzenden
oder hochglänzenden Oberflächen.
[0021] Die Oberfläche des Substrats bzw. Kunststoffs wird vor dem Auftragen des ersten Beschichtungsmittels
erfindungsgemäß nicht aktiviert.
[0022] Die herkömmliche Aktivierung von Kunststoffsubstraten mittels Beflammung, Plasmaverfahren,
die in Niederdruck- und Atmosphärendurckplasmen unterschieden werden, und Gasphasenfluorierung
lässt sich vor allem für die Abreinigung dünner organischer Verunreinigungen bei gleichzeitiger
Aktivierung der Oberfläche einsetzen. Diese Doppelfunktion basiert auf einer physikalischen
und chemischen Reaktion des Verfahrens. Dadurch wird neben einer sauberen Oberfläche
auch die Erhöhung der Oberflächenspannung bzw. Oberflächenenergie erzielt, um optimale
Voraussetzungen für den nachfolgenden Lackierprozess zu schaffen.
[0023] Angesichts des erfindungsgemäßen Verfahrens scheint jedoch für die Haftfestigkeit
auf den genannten Kunststoffsubstraten die gleichzeitige Schwächung der Kunststoffoberfläche
durch den Energieeintrag bei der Aktivierung genauso entscheidend zu sein und wird
bisher kaum beachtet. Analytische Untersuchungen der Aktivierungseffekte zielen meist
auf die Art und den Anteil der erzeugten polaren funktionellen Gruppen sowie die dadurch
erzielte Polarität, lassen aber nachteilige Abbaueffekte außer Acht.
[0024] Bei PE-, PP-, bzw. TPO-Werkstoffen, die für einen Polymerabbau anfällig sind, scheint
es beispielsweise so zu sein, dass auf eine Aktivierung verzichtet werden kann, um
eine sichere Haftfestigkeit wasserbasierender Lacksysteme zu ermöglichen, ohne dass
die nachteilige Wirkung eines potentiellen Polymerabbaus aufgrund einer Aktivierung
eintritt.
[0025] Unbehandeltes PP zeigt in der XPS-Analyse (Photoelektronenspektroskopie) reine -C-C
Anteile von 91,25%, keine -COOH Anteile. Beim Beflammen und bei ADP-Verfahren (Atmosphärendruckplasmaverfahren
über Düse) steigen insbesondere die Carboxylgruppenanteile (-COOH) sehr stark an.
Mit 2K-Systemen erfolgen über die Härtung bekannte Isocyanatnebenreaktionen in Richtung
Biureth- und Harnstoffgruppen.
[0026] Mit ToF-SIMS (Sekundärionenmassenspektrometrie) werden derartige Oberflächenspecies
nachweisbar, wobei sich dann Unterschiede zum unbehandelten PP zeigen. Die Charakterisierung
und Nachweisführung erfolgt demnach mit gekoppelten Analysen von XPS und ToF-SIMS.
[0027] Bevorzugt enthält das erste Beschichtungsmittel und/oder das zweite Beschichtungsmittel
wenigstens ein UV-Adsorptionsmittel, wodurch das ausgehärtete Beschichtungsmittel
wirksam vor UV-Strahlung, insbesondere vor Sonnenlicht, geschützt wird. Sonnenlicht
ausgesetzter Lack versprödet dadurch deutlich langsamer und erhält eine längere Haltbarkeit.
[0028] Bevorzugt enthält das erste Beschichtungsmittel und/oder das zweite Beschichtungsmittel
wenigstens einen Haftzusatz oder ein Bindemittel, um die Haftung des Lackes auf dem
Substrat zu verbessern. Der Haftzusatz bzw. das Bindemittel beinhalten beispielsweise
Pigmente und Harze.
[0029] Das durch ein oben beschriebenes Verfahren erhaltene Kunststoffbauteil mit beschichtetem
Substrat weist das erste Beschichtungsmittel eine Schichtdicke von 10-30 µm, bevorzugt
15 µm und/oder das zweite Beschichtungsmittel eine Schichtdicke von 3-20 µm, bevorzugt
15-40 µm, besonders bevorzugt 25-30 µm auf. Bevorzugt weist das zweite Beschichtungsmittel
eine Schichtdicke von 3 bis 20 µm zur Beschichtung transparenter Substrate, insbesondere
in Verbindung mit Polycarbonat, auf.
[0030] Eine Vorrichtung zur Herstellung eines beschichteten Substrats durch Auftragen wenigstens
eines Beschichtungsmittels auf das Substrat, das einen Kunststoff umfasst, welcher
ausgewählt ist aus einer Gruppe bestehend aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP),
thermoplastischen Polyolefinen (TPO) oder Mischungen daraus, umfasst
eine Wascheinrichtung zur alkalischen Nassreinigung des nicht-aktivierten Substrats;
einen nachgeordneten Haftwassertrockner mit Kühlzone;
eine erste Lackiereinrichtung mit einem Bereich zum Auftragen eines ersten Beschichtungsmittels
und eine nachgelagerte zweite Lackiereinrichtung mit einem Bereich zum Auftragen eines
zweiten Beschichtungsmittels, welches wenigstens einen durch Hitze und aktinischer
Strahlung (Dual-Cure) härtenden Hydrolacks aufweist, wobei
eine Zwischentrocknungs- und/oder Kühlzone zwischen der ersten Lackiereinrichtung
und der zweiten Lackiereinrichtung angeordnet ist; und
eine der ersten und zweiten Lackiereinrichtung nachgelagerte Bestrahlungseinheit mit
aktinischer Strahlung.
[0031] Bevorzugt ist die erste Lackiereinrichtung zum Auftragen eines ersten Beschichtungsmittels
geeignet, welches wenigstens einen 1K- oder 2K- Hydroprimer oder Lösemittelprimer
und/oder UV-2K-Dualcure-Hydro-Primer enthält.
[0032] Bevorzugt ist die zweite Lackiereinrichtung zum Auftragen eines zweiten Beschichtungsmittels
geeignet, welches wenigstens einen UV-2K-Dualcure-Hydrolack enthält.
[0033] Vorzugsweise ist die Zwischentrocknungs- und/oder Kühlzone für Trocknungstemperaturen
von 20-90°C ausgelegt.
Beispiele
Beispiel Lackaufbauten:
[0034] Die folgenden Beispiele zeigen tabellarisch verschiedene Lackaufbauten bestehend
aus Hydro-Grundierung als erstem Beschichtungsmittel und Basislack bzw. Schutzlack
als zweitem Beschichtungsmittel auf geflämmten und ungeflämmten Substraten. Die Beschichtungen
weisen allgemein eine 1K-Grundierung mit UV-Dualcure Decklack oder eine 1K-Grundierung
mit 2K-Decklack oder UV-Hydro-Dualcure Decklacke auf.
[0035] Anschließend erfolgt eine lacktechnische Prüfung auf Kratzfestigkeit und Cremeeinflüsse.
[0036] Unbehandeltes PP als Substrat zeigt bei alleiniger Verwendung von 1K-, 2K-, etc.
Hydrolacken mangelhafte Untergrundhaftung, wobei sich die Beschichtungen komplett
vom Untergrund abziehen lassen. Lösemittelhaltige Lacke haften ohne Vorbehandlung
ebenfalls schlechter. Die Gitterschnittprüfungen ergeben hierbei Kennwerte > GT 3
- GT 5 (sehr schlechte Haftfestigkeit) für Hydrolacke auf PP ohne Aktivierung. Die
erfindungsgemäßen Lackaufbauten zeigen dagegen bei den Gitterschnittprüfungen Kennwerte
≤ GT 1 - GT 0 (sehr gute Haftfestigkeit).
[0037] Ferner kommen zur Charakterisierung der Lackhaftung Analysemethoden wie beispielsweise
DSC (Differential Scanning Calorimetrie) und Prüfungen der Kratzfestigkeit (z.B. Vickers
Eindringhärte), Nutzung allgemeiner Oberflächenanalytik, wie IR-Spektroskopie, XPS
und ToF-SIMS, wie oben beschrieben, in Betracht.
[0038] Die erzielten Effekte für UV/2K-Dualcure Decklacke sind für Dekor, Soft, Comfort,
beliebige Farbtöne für Interieur, Exterieur, wie Schwarz, Beige, Rot, Silber, Chrom,
Kontrast Anthrazit, Titan, etc., matt, seidenmatt und pianoschwarz, Pianowhite und
Hochglanz.
[0039] Die optischen Effekte für UV/2K-Klarlacke sind Hochglanz, Seidenmatt und Matt, gängige
Farbtöne sind möglich.
[0040] Die folgenden Tabellen zeigen beispielhaft verschiedene Kombinationen von erstem
und zweitem Beschichtungsmittel auf einem Substrat sowie deren Eigenschaften:
| Lackaufbau |
Farbe 1 |
Farbe 2 |
Farbe 3 Hochglanz Schwarz |
Farbe 4 |
Farbe 5 |
| Farbhersteller |
|
| Farbenart |
UV-2K - Dualcure zweischichtig |
UV Silber K 2K-UV-Hydrolack |
UV Schwarz 2K - UV-Hydrolack |
UV Schwarz Hochglanz |
Zusätzlich: Kontrastfarbtöne, Galvanaoeffekt, Titansilbe, Titangrau, etc. Quicksilver,Meica-,
Micra-Farbtöne, matt seidenglänzend, hochglänzend Matte Interleurfabtöne nach Vorgabe
OEM |
|
| Härter |
Härter 1 für UV matt schwarz und silber, galvano Härter 2 für Hochglanz Schwarz |
Batch -No. Decor - / Soft-/ Comfort Farbe: |
| Mischungsverhältnis |
100 : 10 (Vol.) bei Silber |
1405577 |
1405454 |
1405635 |
|
|
| 100 : 20 (Vol. ) bei Schwarz |
| 100 : 5 ( Vol.) ) bei Schwarz |
| Hochglanz |
| Primer |
2K - Hydrogrundierung für Standardsubstrate ABS PC modifiziert / PB ABS |
Ankreuzen gemessene Viskosität Decklack in sec |
Temperatur in °C |
| PP-Bauteile wurde vorab mit 1K-Lösemittelprimer lackiert. |
| Zukünftig 1 K-, 2K-Hydroprimer oder UV-/2K -Dualcure-Hydroprimer |
| Härter |
Härter 1 |
DIN |
Primer |
4 |
ja |
| Michungsverhältnis |
100 : 10 (Vol.) ) |
ISO |
Decklack |
6 |
ja |
| Angaben Schichdickenvorgabe |
Viskosität Decor - / Soft- / Comfort Farbe: |
| Schichtdicke |
15 - 20 µm |
27 |
22 |
16 |
|
|
| Schichtdicke UV-/ 2K Dualcure |
15 - 25 µm |
Primer Batch -Nr. |
2K-Hydrogrundierung + 2% VE-Wasser |
Viskosität |
35 |
Beispiel Hochglanzaufbauten:
[0041]
| Lackaufbau |
Grundierung |
Decklack |
| Materialbezeichnung |
1 K - Lösemittelprimer |
UV-Hydrolackfarbe silber matt |
| Substrat |
PP GF 30 |
PP GF 30 |
| Vorbehandlung |
Beflammt |
Unbeflammt |
| |
|
|
| TL226 |
| Hydrolyselagerung 72h bei 90°C und > 96% rel. Feuchte |
| Veränderung der Oberfläche |
Keine Veränderung der Oberfläche |
Keine Veränderung der Oberfläche |
| Gitterschnitt nach 3.7.1 < = 1 |
GT0 |
GT< 1 |
| Kratzbeständigkeit nach 3.8 |
kein Aufreissen der Lackoberfläche |
kein Aufreissen der Lackoberfläche |
| Cremeprüfung |
| Veränderung der Oberfläche |
Keine Veränderung der Oberfläche |
Keine Veränderung der Oberfläche |
| Gitterschnitt nach 3.7.1 < = 1 |
GT0 |
GT< 1 |
| Kratzbeständigkeit nach 3.8 |
kein Aufreissen der Lackoberfläche |
kein Aufreissen der Lackoberfläche |
| Parfümbeständigkeit Standardprüfung Hohl-/Flachglas |
| G1 Lösung auf beträufeltes Filtermedium. Nach 24 h Lagerungbei Raumtempertur wird
das Filtermedium entfernt, mit feuchten Tuch abgewischt und Probe visuell beurteilt. |
Keine Veränderung der Oberfläche |
Keine Veränderung der Oberfläche |
| Kratzbeständigkeit nach PLN-Kr-1/01 Erichsen Prüfstab 318 Prüfspitze 1,00 mm Belastung
5 N |
kein Aufreissen der Lackoberfläche |
kein Aufreissen der Lackoberfläche |
Kurze Figurenbeschreibung
[0042] Nachfolgend seien einzelne Ausführungsformen der Lackiervorrichtung der Erfindung
anhand der Zeichnungen näher beschrieben.
[0043] Darin zeigen:
- Fig. 1a,b
- eine schematische Darstellung zweier Lackiervorrichtungen aus dem Stand der Technik
für Interieurbauteile im Nass/Nass Prozess (Fig. 1a) oder mit Zwischentrocknung nach
Grundierung (Fig. 1b);
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung einer Lackiervorrichtung für Kunststoffbauteile im Nass/Nass-Prozess;
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung einer Lackiervorrichtung für Kunststoffbauteile mit
Zwischentrocknung nach Grundierung;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung einer Lackiervorrichtung für Kunststoffbauteile im Nass/Nass-Prozess
für Klarlacke;
- Fig. 5
- eine schematische Darstellung einer Lackiervorrichtung für Kunststoffbauteile mit
Zwischentrocknung nach Grundierung für Klarlacke.
[0044] Fig. 1 zeigt zwei Lackiervorrichtungen aus dem Stand der Technik für Interieurbauteile
aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) Copolymerisat, ABS-modifiziertes Polycarbonat
(PC), Polycarbonat (PC), Polymethylmethacrylat (PMMA) oder Mischungen daraus, im Nass/Nass
Prozess, d.h. ohne Zwischentrocknung (Fig. 1 a) im Trockner 8, oder mit Zwischentrocknung
nach Grundierung in der ersten Lackierkabine 6 (1 b).
[0045] In dieser üblichen Prozessfolge wird gemäß Fig. 1a der Dekorsoftlack in zwei Aufträgen
nass in nass aufgebracht. Es erfolgt keine Zwischentrocknung, sondern lediglich ein
Flash-Off für 7-10 Min bei 20° - 26°C und 55±5% relativer Feuchte.
[0046] In der ersten Lackierkabine 6 wird ein Primer mit oder ohne Zwischentrocknung zur
Grundierung aufgetragen. In der zweiten Lackierkabine 11 erfolgt die Auftragung von
2K-Hydro-Decklack für Interieurfarben, Dekor, Soft und Effektlacke wie Metallic, Silber,
Chrom, etc.
[0047] In beiden Fällen erfolgt eine alkalische Nassreinigung 1 als Äquivalent für zwei
Entfettungszonen in zwei Spülzonen sowie anschließendem Spülen mit VE-(vollentsalztem)
Wasser. Daran schließt sich eine Blaszone 2 mit einem Haftwassertrockner 3 an. Üblicherweise
ist bei Kunststoffbauteilen, die nicht aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) Copolymerisat,
ABS-modifiziertes Polycarbonat (PC), Polycarbonat (PC), Polymethylmethacrylat (PMMA)
oder Mischungen daraus hergestellt sind, nach dem Haftwassertrockner 3 eine Aktivierungseinrichtung
(nicht dargestellt) vorgesehen. Es folgt ein Durchfahrbereich 5 vor der ersten 6 und
zweiten 11 Lackierkabine. Vor dem Durchfahrbereich 5 zur ersten Lackierkabine 6 befindet
sich eine erste Kühlzone 4.
[0048] Beim üblichen Verfahren zum Zweischichtaufbau werden nun zwei Dekorsoftlacke nass
in nass in der ersten 6 und zweiten 11 Lackierkabine aufgebracht, wobei zwischen den
Lackierkabinen eine Kontrollzone 10 angeordnet ist, in der auch der Flash-Off stattfindet.
Der zweiten Lackierkabine ist eine Abdunstzone 12 mit dem abschließenden Lacktrockner
13 angeordnet, in dem das vollständig beschichtete Substrat bei 80°C für 30 Min getrocknet
wird. Nach Durchlaufen der abschließenden Kühlzone 14 gelangt das nunmehr lackierte
Bauteil in den Ausfahrbereich 15 und weiterhin in die Teileabnahmekontrolle 17, sowie
der Teileaufgabe 18 und dem Bestückungsbereich 19.
[0049] In der Prozessfolge gemäß Fig. 1b wird der Dekorsoftlack in zwei Aufträgen im Primer-Trockner
8, dem eine Abdunstzone 7 vorgeschaltet ist, nach Grundierung in der ersten Lackierkabine
6 (1 b) zwischengetrocknet. Auch hier ist zwischen den Lackierkabinen eine Kontrollzone
10 angeordnet, in der auch der Flash-Off stattfindet. Der zweiten Lackierkabine ist
eine Abdunstzone 12 mit dem abschließenden Lacktrockner 13 nachgeschaltet, in dem
das vollständig beschichtete Substrat bei 80°C für 30 Min getrocknet wird. Nach Durchlaufen
der abschließenden Kühlzone 14 gelangt das nunmehr lackierte Bauteil in den Ausfahrbereich
15 und weiterhin in die Teileabnahmekontrolle 17, sowie der Teileaufgabe 18 und dem
Bestückungsbereich 19.
[0050] Für PP-/TPO-Substrate sind im Stand der Technik keine Direktlackierungen ohne Aktivierung
möglich. Auch für den Einsatz wässriger Primer ist derzeit eine Aktivierung zwingend
erforderlich. Die nachfolgend beschriebenen Lackieranlagen stellen eine vorrichtungsseitige
Lösung dieses Problems dar.
[0051] Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung einer Lackiervorrichtung für Kunststoffbauteile,
insbesondere Interieurbauteile, enthaltend Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), thermoplastischen
Polyolefinen (TPO) oder Mischungen daraus im Nass/Nass-Prozess. Es erfolgt keine Zwischentrocknung
8, sondern lediglich ein Flash-Off für 7-10 Min bei 20° - 26°C und 55±5% relativer
Feuchte.
[0052] Als Substrate werden PP, TPO ohne Aktivierung, gegebenenfalls in Verbindung mit ABS,
ABS mod., PC ABS, PC oder PMMA verwendet. Die Verfahrenskombination aus 1K oder 2K-Lösemittel-
und/oder Hydroprimer und/oder UV/2K-Dualcureprimer mit UV/ 2K-Dualcure Hydrolacksystemen
auf Substraten aus PP und TPO kann, auch im Verbund mit ABS, ABS mod. PC, PC ABS,
PC, PMMA für sämtliche lackierten Interieurbauteile erfolgen. Eine aufwändige und
kostenintensive Aktivierungseinheit, z.B. mit Beflammung oder Plasma ist nicht erforderlich.
Damit entfallen nicht nur Investitionskosten für die Aktivierungseinheiten beim Um-
oder Aufrüsten bestehender Lackieranlagen, sondern auch die mit den Aktivierungseinheiten
(Beflammung, Plasma) verbundenen Brandschutzmaßnahmen und Betriebskosten.
[0053] Auch bei den erfindungsgemäßen UV-Hydro Dualcure-Lackaufbauten kann der Lackierprozess
grundsätzlich "nass in nass" (Fig. 2) oder mit Zwischentrocknung im Primer-Trockner
8 (Fig. 3) der haftvermittelnden Schicht erfolgen. Zusätzlich erfolgt ein Flash-Off
für 7-10 Min bei 24° - 26°C und 55±5% relativer Feuchte.
[0054] Im Unterschied zur Anlage gemäß Fig. 1 a,b wird nunmehr die haftvermittelnde UV/2K
Dualcure-Hydroprimer/Grundierung oder ein 2K-Hydroprimer in der ersten Lackierkabine
6 aufgetragen.
[0055] In der zweiten Lackierkabine 11 erfolgt der Auftrag der UV/2K Dualcure - Hydrobasislacke
für Interieurfarben, Dekor, Soft und Effektlacke wie Metallic, Silber, Chrom, etc.
[0056] Vorrichtungsseitig weisen Vorrichtungen gegenüber dem Stand der Technik zusätzlich
eine UV-Strahlereinheit 16 auf, welche bevorzugt im Anlagenbereich zwischen der abschließenden
Kühlzone 14 und dem Ausfahrbereich 15 angeordnet ist.
[0057] Die Lackiervorrichtung zur Herstellung eines beschichteten Substrats zeichnet sich
somit insbesondere durch die Kombination aus einer Wascheinrichtung zur alkalischen
Nassreinigung 1 des nicht-aktivierten Substrats, einen nachgeordneten Haftwassertrockner
3 mit Kühlzone 4, einer ersten Lackiereinrichtung 6 zum Auftragen eines ersten Beschichtungsmittels
und eine nachgelagerte zweite Lackiereinrichtung 11 zum Auftragen eines zweiten Beschichtungsmittels,
welches wenigstens einen durch Dual-Cure härtenden Hydrolack aufweist, aus. Dabei
ist eine Zwischentrocknungs- und/oder Abdunstzone 7, 8 zwischen der ersten Lackiereinrichtung
und der zweiten Lackiereinrichtung angeordnet sowie eine der zweiten Lackiereinrichtung
11 nachgelagerte Bestrahlungseinheit 16 mit aktinischer Strahlung.
[0058] Fig. 4 zeigt, analog zu Fig. 2, eine schematische Darstellung einer Lackiervorrichtung
im Nass/Nass-Prozess für Klarlacke.
[0059] Bei den UV-Hydro-Dualcure-Klarlackaufbauten kann der Lackierprozess grundsätzlich
auch "nass in nass" (Fig. 4) oder als Zweischichtaufbau mit Zwischentrocknung 8 (Fig.
5) der haftvermittelnden Schicht erfolgen. Bei Zwischentrocknung 8 erfolgt ebenfalls
ein Flash-Off für 7-10 Min bei 24° - 26°C und 55+5% relativer Feuchte.
[0060] In der ersten Lackierkabine 6 wird ein haftvermittelnder UV-Hydrobasislack in Schwarz,
Metallic-wässrig, etc. (Interieurfarben, Dekor, Comfort, Soft und Effektlacke wie
Metallic, Silber, Chrom) aufgetragen. Anschließend erfolgt in der zweiten Lackierkabine
11 der Auftrag des UV-Hydro-Klarlacks, z.B. matt, seidenmatt oder hochglänzend.
[0061] Als UV-Strahler für UV/2K-Dualcure-Hydrobasislacke (Dekor, Soft, Comfort mattiert
mit Effekt und Interieurfarben) kommen vorzugsweise eisendotierte Strahler, für Klarlacksysteme
quecksilberdotierte UV-Strahler in Frage.
Bezugszeichenliste
[0062]
- 1
- - Nassreinigung
- 2
- - Blaszone
- 3
- - Haftwassertrockner
- 4
- - Kühlzone 1
- 5
- - Durchfahrbereich vor Lackierung
- 6
- - Lackierkabine 1
- 7
- - Abdunstzone 1
- 8
- - Trockner Primer
- 9
- - Kühlzone 2
- 10
- - Kontrollzone
- 11
- - Lackierkabine 2
- 12
- - Abdunstzone 2
- 13
- - Trockner Lack
- 14
- - Kühlzone 3
- 15
- - Ausfahrbereich
- 16
- - UV-Strahlereinheit
- 17
- - Teileabnahme/Kontrolle
- 18
- - Teileaufgabe
- 19
- - Bestückung des Schlittens
- 20
- - Start/Ende