TECHNISCHES GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung umfasst eine Glasflasche gemäss Oberbegriff des Anspruchs 1.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
[0002] In der Lebensmittelindustrie eingesetzte Glasflaschen können mit Bügelverschluss
versehen sein, um zum Beispiel Getränkeflaschen zu verschliessen, welche aufgrund
des Kohlensäuregehalts im Getränk unter Druck stehen. Das Öffnen und Verschliessen
eines Bügelverschlusses kann beliebig oft von Hand erfolgen und bedarf keines Hilfsmittels.
Herkömmliche Bügelverschlussglasflaschen sind aus Kalk-Natron-Glas gefertigt, einem
Massenglas das zur Fertigung von Behälterglas und Flachglas verwendet wird. Kalk-Natron-Glas
besitzt relativ gute chemische Eigenschaften und eignet sich für Produkte, die einer
in der Regel kurzzeitigen chemischen Beanspruchung standhalten müssen und thermisch
nicht hoch belastet werden.
[0003] Ein Glasmaterial, welches verschiedensten Einflüssen besser stand hält ist zum Beispiel
das Borosilikatglas. Dieses ist als chemikalien-, temperatur- und temperaturwechselbeständiges
Glas bekannt und wird vielfach als Behälterglas in der Chemie und allgemein in der
Industrie verwendet.
[0004] Es hat sich nun herausgestellt, dass eine Fertigung von Bügelverschlussglasflaschen
aus einem anderen Glasmaterial nicht ohne weiteres möglich ist. Bei Verwendung von
Borosilikatglas als Ausgangsmaterial für Bügelverschlussglasflaschen führten die kreisrunden
Einstichlöcher im Flaschenhals, welche für die Befestigung des Bügelverschlusses vorgesehen
sind, zu Rissen bei der Abkühlung des Glases.
AUFGABE
[0005] Es ist deshalb eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Lösung für das Problem
der Rissbildung zu finden. Insbesondere ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung
eine alternative Glasflasche bzw. einen alternativen Glasflaschefuhals für Bügelverschlüsse
und ein alternatives Verfahren zur Herstellung einer Glasflaschen bzw. eines Glasflaschenhalses
für Bügelverschlüsse bereitzustellen. Im Besonderen ist ein Ziel der vorliegenden
Erfindung die Bereitstellung einer Glasflasche aus Borosilikatglas, welche sich für
den Verschluss per Bügelverschluss eignet.
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
[0006] Bei der Glasflaschenherstellung, insbesondere den üblichen Press-Blas-Verfahren können
Risse um die Sacklöcher auftreten. Dieses Problem tritt besonders bei Glasflaschen
auf, welche aus einem anderen Glas als Kalk-Natron-Glas, z.B. aus Borosilikatglas,
hergestellt sind. Werden die Sacklöcher wie üblich bei herkömmlichen Kalk-Natron-Glasflaschen
als kreisrunde zylindrische Vertiefungen geformt, dann ergeben sich je nach Glaszusammensetzung
Risse im Flaschenhals in Bereichen um die Sacklöcher. Überraschenderweise wurde festgestellt,
dass Risse, insbesondere bei Nicht-Kalk-Natron-Gläsern wie z.B. bei Borosilikatglas,
verhindert werden können, wenn die Sacklöcher zumindest im Flaschenhalslängsrichtungsverlauf
asymmetrisch ausgebildet sind und somit insgesamt ein inhomogenes Sacklochbild aufweisen.
[0007] Der Begriff des Sacklochbilds beinhaltet im Besonderen die Lochkontur mit deren Abfolge
von konkav und konvex geformten Bereichen, den Verhältnissen von konkav und konvex
geformten Bereichen sowie deren Symmetrieausbildung oder des Fehlen einer Symmetrieausbildung.
[0008] Eine erfindungsgemässe Glasflasche beinhaltend einen Flaschenhals mit flaschenhalsaussenseitigen
Sacklöchern für einen Bügelverschluss zeichnet sich dadurch aus, dass die Sacklöcher
asymmetrisch sind. Rissbildung bei der Glasflaschenherstellung kann dadurch verhindert
werden. Insbesondere weisen die Sacklöcher keine Rotationssymmetrie auf.
[0009] Die im Folgenden angeführten weiteren vorteilhaften Ausführungsvarianten führen allein
oder in Kombination miteinander zu weiteren Verbesserungen der Sacklöcher und somit
der Bügelverschlussglasflasche.
[0010] Jedes Sackloch ist zweckmässigerweise als eine gekrümmte Fläche ausgebildet. Ein
Anteil an planen, d.h. nicht gekrümmten, Flächen im Sackloch ist bevorzugt auf maximal
40%, weiter bevorzugt auf maximal 30%, noch weiter bevorzugt auf maximal 20% und noch
weiter bevorzugt auf maximal 10%, der gesamten Sacklochfläche beschränkt. Bevorzugterweise
besitzt jede Flächenkrümmung im Sackloch, inklusive der Kante zwischen Flaschenhalsaussenwand
und Sackloch (d.h. der Sacklochrandkante), einen Krümmungsradius von mindestens 1
mm oder mehr, weiter bevorzugt von mindestens 1,2 mm oder mehr, besonders bevorzugt
von mindestens 1,3 mm oder mehr.
[0011] In einer vorteilhaften Ausführung weist das Sackloch keine Ebenen, d.h. keine plane
Flächen, auf. Insbesondere ist jedes Sackloch zweckmässigerweise als eine einzige
gekrümmte Fläche ausgebildet; d.h. 100% der Sacklochfläche ist als gekrümmte Fläche
ausgebildet. Vorteilhafterweise besitzt jede Fläche im Sackloch, inklusive der Kante
zwischen Flaschenhalsaussenwand und Sackloch (d.h. der Sacklochrandkante), einen Krümmungsradius
im Bereich von mindestens 1 mm und maximal 10 mm, weiter bevorzugt im Bereich von
mindestens 1,2 mm und maximal 7 mm, besonders bevorzugt im Bereich von mindestens
1,3 mm und maximal 5 mm.
[0012] Funktionstechnischerweise ist es von Vorteil, wenn die Sacklochlinie (bzw. Lochkontur)
im Flaschenhalslängsrichtungsverlauf flaschenmündungsnah (d.h. sacklochoberseitig)
steiler ausgebildet ist als flaschenmündungsfern (d.h. sacklochunterseitig). Somit
sind insgesamt die Schenkel des Sacklochs im Flaschenhalslängsrichtungsverlauf unterschiedlich
geformt. Die steilere Ausführung im flaschenmündungsnahen Bereich des Sacklochs dient
der Stützung des Verschlussbügels in geschlossener Stellung des Bügelverschlusses
sowie beim Öffnen und Schliessen. Die gleichzeitig vorhandene flachere Ausführung
im flaschenmündungsfernen Bereich des Sacklochs erhöht das Sacklochvolumen und wurde
überraschenderweise als rissreduzierend erkannt. Diese flachere Ausführung im flaschenmündungsfernen
Bereich des Sacklochs kann gegebenenfalls zwar, wenn sie stark ausgeprägt ist, ein
teilweises Abrutschen des Bügels in offener Stellung verursachen, kann aber mit Hinblick
auf die Vorteile einer reduzierten Riss- und Faltenbildungstendenz toleriert werden.
[0013] Vorteilhafterweise ist die Glasflasche aus Borosilikatglas hergestellt. Im Vergleich
zu herkömmlichem Kalknatronglas hat Borosilikatglas normalerweise eine bessere Temperaturbeständigkeit,
eine bessere Temperaturwechselbeständigkeit, porenfreie und glattere Flächen und somit
einen besseren Glanz und ein geringeres Risiko auf Bakterienbefall, eine höhere Festigkeit,
zerspringt daher beim Fallenlassen weniger häufig, und eine höhere chemische Resistenz,
insbesondere eine bessere Säurebeständigkeit.
[0014] Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sich
die Sacklöcher dadurch ausweisen, dass die Sacklochkonturlinie einer Ebene (oder anders
ausgedrückt - dass die Sacklochkonturlinie, welche in einer Ebene liegt), welche aufgespannt
wird durch die Flaschenhalslängsachse und eine Radialrichtung, keine Spiegelsymmetrie
aufweist. Dies kann als eine erste Inhomogenität bezeichnet werden. Eine Sacklochkonturlinie,
wird als Schnittbild einer bestimmten Ebene mit dem Sackloch bzw. dessen Kontur verstanden.
Für den beschriebenen Fall liegt die Sacklochkonturlinie somit in einer bezüglich
einer stehenden Flasche vertikalen Querschnittebene.
[0015] Als zweite Inhomogenität kann die von der vorgenannten Lochform im Flaschenhalslängsverlauf
sich unterscheidende Lochform in Umfangsumlaufrichtung genannt werden. Denn die Sacklöcher
weisen sich vorteilhafterweise weiter dadurch aus, dass die Sacklochkonturlinie einer
Ebene normal zur Flaschenhalslängsachsrichtung (oder anders ausgedrückt - dass die
Sacklochkonturlinie welche in einer Ebene normal zur Flaschenhalslängsachsrichtung
liegt) eine Spiegelsymmetrie aufweist. Für den beschriebenen Fall liegt die Sacklochkonturlinie
somit in einer bezüglich einer stehenden Flasche horizontalen Querschnittebene. Die
Spiegelsymmetrie ist dabei eine Spiegelgerade in Radialrichtung (und somit normal
zur Flaschenhalslängsachse).
[0016] die Sacklöcher weisen sich vorteilhafterweise dadurch aus, dass eine Ebene, aufgespannt
durch die Flaschenhalslängsachsrichtung und einer Radialrichtung, welche zentral durch
ein Sackloch führt, eine Spiegelebene für das genannte Sackloch bildet.
[0017] Die Sacklöcher weisen sich vorzugsweise dadurch aus, dass die Sacklochkonturlinie
in einer Ebene normal zur Flaschenhalslängsachsrichtung tulpenförmig mit gespreizten
Schenkeln ausgebildet ist bzw. gespreizte Schenkel aufweist.
[0018] Die erste Inhomogenität kann optional dadurch beschrieben werden, dass sich die Sacklöcher
dadurch ausweisen, dass sie in Bezug auf die Flaschenhalslängsachse in Richtung vom
Flaschenhalsmündungsrand weg (d.h. zum Flaschenkörper hin) flacher auslaufen als in
Richtung zum Flaschenhalsmündungsrand hin. Konkreter können die Sacklöcher dadurch
beschrieben werden, dass im axialen Längsschnitt eine Tangente an der Sacklochkonturlinie
des unteren (d.h. des flaschenrandfernen) Übergangs von konkaver zu konvexer Krümmung
des Sacklochs mit der äusseren Flaschenhalsmantelfläche einen kleineren Winkel bildet
als eine Tangente an der Sacklochkonturlinie des oberen (d.h. des flaschenrandnahen)
Übergangs von konkaver zu konvexer Krümmung des Sacklochs.
[0019] Optional kann am Flaschenhals um das jeweilige Sackloch herum eine Materialanhäufung
mit verstärkter Wanddicke ausgebildet sein. Eine Materialanhäufung ist vorzugsweise
flaschenlalsaussenseitig ausgebildet.
[0020] Zweckmässigerweise wird die erfindungsgemässe Glasflasche im Pressblasverfahren hergestellt.
Dabei wird ein Rohling am Flaschenhals gepresst, insbesondere werden dabei auch die
Sacklöcher eingestochen. Die Formgebung der Sacklöcher erfolgt somit zweckmässigerweise
in einem Pressschritt. Gleichzeitig und/oder kurz zuvor oder danach wird der Flaschenkörper
(vorzugsweise gegen eine formgebende Struktur) aufgeblasen.
[0021] Hier und im Weiteren dort wo bevorzugte Bereiche angegeben sind, ergeben sich weitere
bevorzugte Bereiche aus Kombinationen der in den Bereichen genannten Minima und Maxima
KURZBESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0022] Weitere Vorteile und vorteilhafte Merkmale ergeben sich aus der nachfolgend detaillierten
Beschreibung mehrerer Ausführungsbeispiele der Erfindung unter Bezugnahme auf schematische
Darstellungen. Es zeigen in nicht massstabsgetreuer, schematischer Darstellung:
- Figur 1:
- ein Längsschnittbild eines erfindungsgemässen Flaschenhalsabschnitts entlang der Flaschenhalsachse
bis zur Mündung;
- Figur 2:
- ein vergrösserter Ausschnitt des Lochbereichs in Fig. 1;
- Figur 3:
- ein Vergleichsausschnitt eines Lochbereichs einer Ausführung nach dem Stand der Technik;
- Figur4:
- eine Überlagerung des Lochbereichs der erfindungsgemässen Ausführung in Fig. 2, der
Ausführung nach dem Stand der Technik in Fig. 3 und einer weiteren, alternativen erfindungsgemässen
Ausführung ;
- Figur 5:
- ein Draufsicht auf den erfindungsgemässen Flaschenhalsabschnitt nach Fig. 1 mit Kennzeichnung
des Lochbereichs; die Linie AA zeigt die Schnittbildposition für das Längsschnittbild
der Fig. 1 an;
- Figur 6:
- ein vergrösserter Ausschnitt des Lochbereichs in Fig. 5;
- Figur 7
- ein Vergleichsausschnitt eines Lochbereichs einer Ausführung nach dem Stand der Technik;
- Figur 8
- eine Überlagerung des Lochbereichs der erfindungsgemässen Ausführung in Fig. 6, der
Ausführung nach dem Stand der Technik in Fig. 7 und einer weiteren, alternativen erfindungsgemässen
Ausführung;
- Figur 9
- ein Längsschnittbild eines weiteren alternativen erfindungsgemässen Flaschenhalsabschnitts
entlang der Flaschenhalsachse bis zur Mündung;
- Figur 10
- eine Draufsicht auf den weiteren alternativen erfindungsgemässen Flaschenhalsabschnitt
nach Fig. 9 mit Kennzeichnung des Lochbereichs; die Linie AA zeigt die Schnittbildposition
für das Längsschnittbild der Fig. 9 an;
- Figur 11
- Beispiel einer Sacklochabmessungsverteilung gemäss einer erfindungsgemässen Ausführung:
(a) Sacklochlinie in Längsrichtung, (b) Sacklochlinie in Umfangsumlaufrichtung.
- Figur 12
- Beispiel einer Sacklochabmessungsverteilung gemäss einer herkömmlichen Ausführung:
(a) Sacklochlinie in Längsrichtung, (b) Sacklochlinie in Umfangsumlaufrichtung.
DETAILIERTE BESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0023] Im Folgenden werden gleiche Bezugsziffern für gleiche oder funktionsgleiche Elemente
in unterschiedlichen Figuren verwendet. Ein zusätzlicher Apostroph dient zur Unterscheidung
mehrerer gleichartiger bzw. funktionsgleicher Elemente.
[0024] In den Fig. 1, 5, 9 und 10 sind Ausführungen eines erfindungsgemässen Glasflaschenhalses
mit Sacklöchern zur Befestigung eines Bügelverschlusses dargestellt. Zu einer ersten
Ausführung in den Fig. 1 und 5 werden Details der Sacklöcher in den Fig. 2 und 6 aufgezeigt.
Die Fig. 3 und 7 zeigen Sacklöcher gemäss dem Stand der Technik. In den Fig. 4 und
8 werden die erste erfindungsgemässe Sacklochvariante und eine alternative Abwandlung
davon zusammen mit einer herkömmlichen Sacklochausführung in Überlagerung vergleichend
dargestellt. Fig. 9 und 10 zeigen eine weitere, alternative erfindungsgemässe Ausführung.
In Fig. 11 (a) und (b) wird ein konkretes Ausführungsbeispiel in erfindungsrelevanter
Vermassung dargestellt. Vergleichend dazu zeigt Fig. 12 (a) und (b) eine herkömmliche
Ausführung.
[0025] Der in Fig. 1 als Längsschnitt und in Fig. 5 als Draufsicht dargestellte Flaschenhalsabschnitt
11 einer Glasflasche ist ab Beginn einer üblichen jedoch optionalen Flaschenhalswandverstärkung
12 bis und mit Mündungsrand 13 dargestellt. Die Flaschenhalsinnenwand 15 ist zweckmässigerweise
flach ausgeführt und weist einen zylindrischen oder einen sich zur Mündung hin leicht
konisch öffnenden Durchgang auf, was herstellungstechnisch zweckmässig sein kann.
In der Flaschenaussenwand 17 befinden sich zwei Sacklöcher 19, 19' an zwei diametral
entgegengesetzten Positionen. Die Sacklöcher 19, 19' dienen zur Befestigung, d.h.
zum Einstecken bzw. Verankern, eines Bügelverschlusses. Ein z.B. handelsüblicher Bügelverschluss
(in den Figuren nicht gezeigt), welcher aus einem oberen Drahtbügel mit Deckelteil
und Dichtung und einem unteren Drahtbügel besteht, kann zweckmässigerweise über die
Drahtenden des unteren Bügels in den Sacklöchern verankert werden. Die Sacklöcher
19, 19' sind zumindest im Flaschenhalslängsrichtungsverlauf (wie in Fig. 1 gezeigt)
asymmetrisch ausgebildet und weisen somit ein inhomogenes Sacklochbild auf. Dabei
ist die Sacklochlinie (bzw. Lochkontur) 21, 21' im Flaschenhalslängsrichtungsverlauf
gegenüber der Flaschenhalsaussenwand 17 flaschenmündungsnah (d.h. sacklochoberseitig)
steiler ausgebildet als flaschenmündungsfern (d.h. sacklochunterseitig) - oder anders
ausgedrückt - ist der Winkel zwischen der Tangente (vgl. Fig. 11 (a)) am Übergangsbereich
von konvexer Eingangskrümmung 31 zu konkaver Lochgrundkrümmung 33 des oberen Bereichs
der Sacklochlinie 21, 21' und der Flaschenhalsaussenwand 17 grösser als der Winkel
zwischen der Tangente (vgl. Fig. 11 (a)) am Übergangsbereich von konvexer Eingangskrümmung
37 zu konkaver Lochgrundkrümmung 35 des unteren Bereichs der Sacklochlinie 21, 21'
und der Flaschenhalsaussenwand 17. Jede der Tangenten bildet dabei typischerweise
mit der angrenzenden Flaschenhalsaussenwandpartie einen Winkel welcher kleiner als
90° ist.
[0026] Bevorzugte Ausführungen zeichnen sich dadurch aus, dass im axialen Längsschnitt die
Tangente an der Sacklochkonturlinie 21 des unteren (d.h. des flaschenrandfernen) Übergangs
von konkaver 35 zu konvexer 37 Krümmung des Sacklochs 19, 19', 92, 92' mit der äusseren
Flaschenhalsmantelfläche einen Winkel im Bereich von 10° bis 70°, vorzugsweise im
Bereich von 20° bis 65°, bildet und die Tangente an der Sacklochkonturlinie 21 des
oberen (d.h. des flaschenrandnahen) Übergangs von konkaver 33 zu konvexer 31 Krümmung
des Sacklochs 19, 19', 92, 92' mit der äusseren Flaschenhalsmantelfläche einen Winkel
im Bereich von 65° bis 85°, vorzugsweise im Bereich von 70° bis 80°, bildet. In Fig.
2 sind die genannten Tangenten nicht eingezeichnet. Ein Vergleich mit Fig. 11 (b)
verdeutlicht jedoch deren Lage.
[0027] Zweckmässigerweise weisen die Sacklöcher keine Hinterschneidungen auf.
[0028] Ein herkömmliches Sackloch am Flaschenhals für einen Bügelverschluss ist in den Figuren
3 und 7 dargestellt. Das für die Herstellung einer herkömmlichen Flasche verwendete
Glasmaterial ist üblicherweise ein Kalk-Natron-Glas. Das Sackloch 41 ist ein zylinderartiges
Einstichloch. Es hat insbesondere eine kreisrunde zylindrische Form. Die entsprechende
Sacklochlinie 43 weist im Flaschenhalslängsrichtungsverlauf eine symmetrische Form
auf. Jede der Übergangsbereichstangenten bzw. die Zylinderwand bildet dabei typischerweise
mit der angrenzenden Flaschenhalsaussenwandpartie einen Winkel von ca. 90° (im Wesentlichen
eine gerade Zylinderform). Besonders bei Nicht-Kalk-Natronglas, wie z.B. Borosilikatgläsern,
führen derartige Einstichlöcher zu Rissen bei der Abkühlung des Glases.
[0029] Um Riss- und Faltenbildung am und um Sacklöcher herum (in z.B. Borosilikatgläsern)
zu verringern und vorzugsweise zu verhindern müssten die Radien und das Lochbild bzw.
die Lochkontur eines herkömmlichen Sacklochs wesentlich grösser bzw. grosszügiger
gestaltet werden. Sind Radien und Lochkontur jedoch zu grosszügig gestaltet (indem
das Lochvolumen z. B. sehr gross ist), kann es beim Anziehen des Bügels aufgrund der
starken Krafteinwirkung nach oben und auch zu den Seiten hin zum Herausspringen der
Bügelenden kommen.
[0030] Eine Krafteinwirkung nach oben gewährleistet den Druck und die Dichtung, d.h. der
Bügelverschluss zieht Deckel und Dichtungsring nach unten, gleichermassen wirkt die
Kraft auf die Oberseite des Sackloches. Eine Krafteinwirkung auf die Seiten des Sacklochs
kann zum einen nach vorne zum Unterbügel gerichtet sein, denn beim Öffnen wird der
Unterbügel im Sackloch nach vorne gezogen, oder zum andern nach hinten vom Unterbügel
weg gerichtet sein, denn beim Schliessen drückt der Unterbügel nach hinten bevor der
Druck dann in der geschlossenen Endposition im Wesentlichen nach oben geleitet wird.
Aus diesem Grunde ist es von Vorteil, wenn sacklochoberseitig, wo die grösste Krafteinwirkung
stattfindet, ein ausgeprägter Anschlag (z.B. grossflächig) den Bügel im Sackloch hält.
Sacklochseitlich sind ebenfalls gewisse Anschlagseigenschaften gefordert. Nach unten
wirken die geringsten Kräfte, jedoch sollte ein Ausgleiten des geöffneten Bügelverschlusses
verhindert werden.
[0031] In Fig. 4 ist ein Vergleich im Flaschenhalslängsrichtungsverlauf einer herkömmlichen
Sacklochlinie 43 und einer ersten erfindungsgemässen Sacklochlinie 21 mit Auslauf
53 nach unten gezeigt sowie einer zweiten erfindungsgemässen Sacklochlinie eines Sacklochs
mit grösserem Volumen aufgrund eines tiefer gelegenen Auslaufs 55 nach unten.
[0032] Die zweite erfindungsgemässe Sacklochvariante wie oben gezeigt (Fig. 4), deutet im
Vergleich zur ersten Sacklochvariante darauf hin, dass nach unten noch mehr Sacklochvolumen
generieren werden kann, jedoch die Sacklochform nach oben und - wie weiter unten ausgeführt
- auf die Seite hin weniger Spielraum besitzt.
[0033] In Fig. 5 wird in einer Draufsicht auf die Flaschenhalsmündung 13 das Lochbild des
Sacklochs 19 im Querschnitt zur Flaschenhalslängserstreckung gezeigt. Dabei sind Sacklochlinien
61, 61' im Umfangsumlaufrichtungsverlauf gezeigt. Diese Sacklochlinien 61, 61' sind
vorzugsweise symmetrisch ausgebildet, insbesondere symmetrisch in Bezug auf eine gemeinsame
Durchmessergerade in der Querschnittsebene bzw. in Bezug auf eine Ebene durch die
Flaschenhalslängsachse.
[0034] Der Vergleich von Sacklochlinien im Umfangsumlaufrichtungsverlauf in Fig. 8 zeigt,
dass die erfindungsgemässe Sacklochlinie 61 gegenüber der herkömmlichen Sacklochlinie
71 deutlich flacher und damit das erfindungsgemässe Sackloch 19 in Umfangsumlaufrichtung
(Fig. 6) insgesamt breiter und voluminöser ausgebildet ist als das herkömmliche Sackloch
41 (Fig. 7).
[0035] Die Sacklochlinien 61 und 81 im Umfangsumlaufrichtungsverlauf der in Fig. 4 gezeigten
zwei erfindungsgemässen Ausführungen sind in Fig. 8 deckungsgleich. Die zweite erfindungsgemässe
Sacklochvariante wie oben gezeigt (Fig. 8), deutet im Vergleich zur ersten Sacklochvariante
somit darauf hin, dass die Sacklochform auch auf die Seite hin ebenfalls weniger Spielraum
besitzt als nach unten.
[0036] In Fig. 9 und 10 werden eine Längsschnittbild und eine Draufsicht einer weiteren
alternativen erfindungsgemässen Sacklochvariante gezeigt. Dieses Sackloch 92, 92'
weist einen deutlichen, d.h. relativ kurzen und steilen Anschlag an der Sacklochoberseite
auf und demgegenüber an der Sacklochunterseite einen relativ langen und flachen Auslauf
95. Die Sacklochlinie 101 weist im Umfangsumlaufrichtungsverlauf einen Ausgeprägten
Sacklochgrund auf.
[0037] In Fig. 11 bzw. in Fig. 12 werden konkrete Sacklochausführungen einer erfindungsgemässen
Ausführung bezugsweise einer herkömmlichen Ausführung gezeigt. Daraus lassen sich
bevorzugte Lochabmessungsverhältnisse ableiten.
[0038] Eine vorteilhaften Ausführung zeichnet sich dadurch aus, dass sacklochunterseitig
(d.h. auf der flaschenrandnahen Seite des Sacklochs) die Summe von konvexem Kantenradius
37 und konkavem Lochradius 35 grösser ist als sacklochoberseitig (d.h. auf der flaschenrandnahen
Seite des Sacklochs) die Summe von konvexem Kantenradius 31 und konkavem Lochradius
33.
[0039] Eine vorteilhaften Ausführung zeichnet sich dadurch aus, dass sacklochoberseitig
(d.h. auf der flaschenrandnahen Seite des Sacklochs) die Summe von konvexem Kantenradius
und konkavem Lochradius 31 und 33 grösser ist als 50%, bevorzugt grösser als 60 %,
weiter bevorzugt grösser als 70 %, weiter bevorzugt grösser als 80 %, weiter bevorzugt
grösser als 90 %, weiter bevorzugt grösser als 100 %, der Lochtiefe, und/oder dass
sacklochlängsseitig (d.h. in Bezug auf die Flaschenhals(achs)längsrichtung seitlich
des Sacklochs) die Summe von konvexem Kantenradius und konkavem Lochradius grösser
ist als 50%, bevorzugt grösser als 60 %, weiter bevorzugt grösser als 70 %, weiter
bevorzugt grösser als 80 %, weiter bevorzugt grösser als 90 %, weiter bevorzugt grösser
als 100 %, der Lochtiefe.Es wird - ohne sich darauf festzulegen - angenommen, dass
Glasmaterial, welches unter Bearbeitungsbedingungen (insbesondere unter Formgebungsbedingungen,
wie z.B. Pressen und Blasen bei der Herstellung von Flaschen) schlechtere Formgebungseigenschaften
aufweist (sich z.B. zäher verhält) als herkömmliches Glasmaterial (d.h. z.B. zäher
als herkömmliches Kalknatronglas), bei der erfindungsgemäss asymmetrischen Ausgestaltung
von einer gesamthaft möglichst voluminös ausgebildeten und/oder insbesondere gesamthaft
möglichst gerundeten Sacklochausführung besonders profitiert, weil aufgrund der besonderen
Ausgestaltung bei Formgebungsprozessen weniger Fliessverzerrungen entstehen und somit
weniger bzw. keine Risse im ausgekühlten Glas enthalten sind.
[0040] Während vorstehend spezifische Ausführungsformen beschrieben wurden, ist es offensichtlich,
dass unterschiedliche Kombinationen der aufgezeigten Ausführungsmöglichkeiten angewendet
werden können, insoweit sich die Ausführungsmöglichkeiten nicht gegenseitig ausschliessen.
[0041] Während die Erfindung vorstehend unter Bezugnahme auf spezifische Ausführungsformen
beschrieben wurde, ist es offensichtlich, dass Änderungen, Modifikationen, Variationen
und Kombinationen ohne vom Erfindungsgedanken abzuweichen gemacht werden können.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0042]
- 11
- Flaschenhalsabschnitt gemäss einer ersten erfinderischen Variante, im Wesentlichen
ein wandverstärkter Flaschenhalsendbereich
- 12
- Übergang zu wandverstärktem Flaschenhalsendbereich
- 13
- Flaschenhalsmündungsrand
- 15
- Flaschenhalsinnenwand
- 17
- Flaschenhalsaussenwand
- 19, 19'
- Sackloch
- 21, 21'
- Sackloch(kontur)linie in Längsrichtung
- 31
- obere konvexe Krümmung
- 33
- obere konkave Krümmung
- 35
- untere konkave Krümmung
- 37
- untere konvexe Krümmung
- 41
- rundes Sackloch gemäss dem Stand der Technik
- 43
- Sackloch(kontur)linie in Längsrichtung gemäss dem Stand der Technik
- 53
- Auslauf nach unten gemäss der ersten erfinderischen Variante
- 55
- Auslauf nach unten gemäss einer zweiten erfinderischen Variante
- 61, 61'
- Sackloch(kontur)linie in Umfangsumlaufrichtung
- 71
- Sackloch(kontur)linie in Umfangsumlaufrichtung gemäss dem Stand der Technik
- 81
- Sackloch(kontur)linie in Umfangsumlaufrichtung gemäss der zweiten erfindungsgemässen
Variante
- 91
- Flaschenhalsabschnitt gemäss einer dritten erfindungsgemässen Variante, im Wesentlichen
ein wandverstärkter Flaschenhalsendbereich
- 92, 92'
- Sackloch
- 93
- Sacklochlinie in Längsrichtung
- 95
- Auslauf nach unten
- 99
- Übergang zu wandverstärktem Flaschenhalsendbereich
- 101
- Sacklochlinie in Umfangsumlaufrichtung
1. Glasflasche mit Flaschenhals (11, 91) mit flaschenhalsaussenseitigen Sacklöchern (19,
19', 92, 92') für einen Bügelverschluss
dadurch gekennzeichnet, dass
die Sacklöcher (19, 19', 92, 92') asymmetrisch sind.
2. Glasflasche nach dem vorangehenden Anspruch dadurch gekennzeichnet, dass die Sacklochlinie im Flaschenhalslängsrichtungsverlauf flaschenmündungsnah steiler
ausgebildet ist als flaschenmündungsfern.
3. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass die Glasflasche aus Borosilikatglas hergestellt ist.
4. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass jedes Sacklöch (19, 19', 92, 92') als eine gekrümmte Fläche ausgebildet ist, wobei
jede Flächenkrümmung im Sackloch einen Krümmungsradius von mindestens 1 mm oder mehr,
bevorzugt von mindestens 1,2 mm oder mehr, besonders bevorzugt von mindestens 1,3
mm oder mehr, besitzt.
5. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sich die Sacklöcher dadurch ausweisen, dass die Sacklochkonturlinie (21, 53, 55,
93, 93') einer Ebene, welche aufgespannt wird durch die Flaschenhalslängsachse und
einer Radialrichtung, keine Spiegelsymmetrie aufweist.
6. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sich die Sacklöcher weiter dadurch ausweisen, dass die Sacklochkonturlinie (61, 61',
101, 101') einer Ebene normal zur Flaschenhalslängsrichtung eine Spiegelsymmetrie
aufweist.
7. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sich die Sacklöcher weiter dadurch ausweisen, dass eine Ebene, aufgespannt durch
die Flaschenhalslängsrichtung und einer Radialrichtung, welche zentral durch ein Sackloch
(19, 19', 92, 92') führt, eine Spiegelebene für das genannte Sackloch bildet.
8. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sich das Lochbild weiter dadurch ausweist, dass die Sacklochkonturlinie (61, 61',
101, 101') in einer Ebene normal zur Flaschenhalsachsrichtung gespreizte Schenkel
aufweist bzw. tulpenförmig ausgebildet ist.
9. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sich die Sacklöcher (19, 19', 92, 92') dadurch ausweisen, dass sie in Bezug auf die
Flaschenhalslängsachse in Richtung vom Flaschenhalsrand weg flacher auslaufen als
in Richtung zum Flaschenhalsmündungsrand hin.
10. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sich die Sacklöcher dadurch ausweisen, dass im axialen Längsschnitt eine Tangente
an der Sacklochkonturlinie (21) des unteren (d.h. des flaschenrandfernen) Übergangs
von konkaver (35) zu konvexer (37) Krümmung des Sacklochs (19, 19', 92, 92') mit der
äusseren Flaschenhalsmantelfläche einen kleineren Winkel bildet als eine Tangente
an der Sacklochkonturlinie (21) des oberen (d.h. des flaschenrandnahen) Übergangs
von konkaver (33) zu konvexer (31) Krümmung des Sacklochs.
11. Glasflasche nach dem vorangehenden Anspruch dadurch gekennzeichnet, dass im axialen Längsschnitt die Tangente an der Sacklochkonturlinie (21) des unteren
(d.h. des flaschenrandfernen) Übergangs von konkaver (35) zu konvexer (37) Krümmung
des Sacklochs (19, 19', 92, 92') mit der äusseren Flaschenhalsmantelfläche einen Winkel
im Bereich von 10° bis 70°, vorzugsweise im Bereich von 20° bis 65°, bildet und die
Tangente an der Sacklochkonturlinie (21) des oberen (d.h. des flaschenrandnahen) Übergangs
von konkaver (33) zu konvexer (31) Krümmung des Sacklochs (19, 19', 92, 92') mit der
äusseren Flaschenhalsmantelfläche einen Winkel im Bereich von 65° bis 85°, vorzugsweise
im Bereich von 70° bis 80°, bildet.
12. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sacklochunterseitig (d.h. auf der flaschenrandnahen Seite des Sacklochs) die Summe
von konvexem Kantenradius (37) und konkavem Lochradius (35) grösser ist als sacklochoberseitig
(d.h. auf der flaschenrandnahen Seite des Sacklochs) die Summe von konvexem Kantenradius
(31) und konkavem Lochradius (33).
13. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sacklochoberseitig (d.h. auf der flaschenrandnahen Seite des Sacklochs) die Summe
von konvexem Kantenradius (31) und konkavem Lochradius (33) grösser ist als 50%, bevorzugt
grösser als 60 %, weiter bevorzugt grösser als 70 %, weiter bevorzugt grösser als
80 %, weiter bevorzugt grösser als 90 %, weiter bevorzugt grösser als 100 %, der Lochtiefe.
14. Glasflasche nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass sacklochlängsseitig (d.h. in Bezug auf die Flaschenhalsachsrichtung seitlich des
Sacklochs) die Summe von konvexem Kantenradius und konkavem Lochradius grösser ist
als 50%, bevorzugt grösser als 60 %, weiter bevorzugt grösser als 70 %, weiter bevorzugt
grösser als 80 %, weiter bevorzugt grösser als 90 %, weiter bevorzugt grösser als
100 %, der Lochtiefe.
15. Herstellungsverfahren für eine Glasflasche mit Flaschenhals (11, 91) mit flaschenhalsaussenseitigen
Sacklöchern (19, 19', 92, 92') für einen Bügelverschluss, insbesondere für eine Glasflasche
nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Formgebung der Sacklöcher (19, 19', 92, 92') in einem Pressschritt vorgenommen
wird.