[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Reinigen, insbesondere Entzundern,
eines relativ zur Vorrichtung in einer Bewegungsrichtung bewegten Körpers mit einer
abzutragenden Oberflächenschicht gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie ein Verfahren
zum Reinigen eines Körpers gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 13.
[0002] Gattungsgemäße Vorrichtungen zum Reinigen, insbesondere Entzundern von Körpern mit
einer abzutragenden Oberflächenschicht, insbesondere warmem Walzgut mit einer abzutragenden
Zunderschicht, sind beispielsweise aus der
DE 43 28 303 C2 oder der
EP 1 798 424 B1 bekannt. Eine solche Entzunderungsvorrichtung dient dazu, eine auf dem Stahl vorhandene
Zunderschicht mittels eines unter Hochdruck auf eine Oberfläche des Walzgutes auftreffenden
Flüssigkeitsstrahls, beispielsweise eine Hochdruckwasserstrahls zu lösen. Die dazu
eingesetzten Flachstrahldüsen sind an einem zylindrischen Düsenhalter befestigt, wobei
der Düsenhalter um eine zum Walzgut senkrechte Achse rotierbar ist und so die an der
Vorrichtung vorbeibewegte Oberfläche des Walzgutes mehrfach überstrichen wird, um
den Zunder von dem Walzgut zu lösen.
[0003] In den beiden genannten Schriften sind mehrere Düsenköpfe mit jeweils mehreren Flachstrahldüsen
in einer Reihe nebeneinander senkrecht zur Bewegungsrichtung des Walzgutes angeordnet.
[0004] Nachteilig bei diesen aus dem Stand der Technik bekannten Reinigungsvorrichtungen
ist, dass zum einen durch die Rotation der Düsenköpfe mit daran angeordneten Flachstrahldüsen
Randbereiche des Walzgutes stärker mit der Flüssigkeit beaufschlagt werden als zentrale
Bereiche, wodurch sich sogenannte Wärmestreifen auf dem Walzgut infolge einer inhomogenen
Abkühlung des Walzgutes durch die Bestrahlung bilden.
[0005] Des Weiteren können beim Abtragen des Zunders von der Walzgutoberfläche Teile des
Zunders in Richtung der Bewegungsrichtung des Walzgutes abgetragen werden, was die
Gefahr birgt, dass beim nächsten Walzvorgang zuvor durch die Druckflüssigkeitsbeaufschlagung
gelöste Zunderstücke beim darauf folgenden Walzvorgang wieder in die Walzgutoberfläche
eingewalzt werden.
[0006] Ein zusätzlicher Nachteil aus dem Stand der Technik entsteht dadurch, dass auf der
Walzgutoberseite nicht nur der Zunder, sondern auch die Strahlflüssigkeit selbst nicht
gerichtet vom Walzgut abgeführt wird. Die dadurch bedingte längere und unbestimmte
Verweildauer der Flüssigkeit auf der Walzgutoberfläche bewirkt eine qualitätsmindernde
Dämpfungswirkung für nachfolgend auftreffende Flüssigkeitsstrahlen, eine aus energetischen
Gründen unerwünschte Abkühlung des Walzguts sowie eine in Hinblick auf die Betriebssicherheit
unvorteilhafte Temperaturdifferenz zwischen der Unterseite und der kälteren Oberseite
des Walzguts.
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Vorrichtung und ein Verfahren zur
Reinigung von relativ zur Vorrichtung in eine Bewegungsrichtung bewegtem Körpern mit
einer abzutragenden Oberflächenschicht bereitzustellen, mit der die oben genannten
Nachteile beseitigt sind und die bzw. das sowohl flüssigkeitsals auch energiesparender
betreibbar ist.
[0008] Diese Aufgabe wird durch eine Vorrichtung zum Reinigen mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst. Die gestellte Aufgabe des Weiteren durch ein Verfahren zum Reinigen mit
den Merkmalen des Anspruchs 12 gelöst.
[0009] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Reinigen weist wenigstens einen an einem senkrecht
oder geneigt zur zu bearbeitenden Oberflächenschicht stehenden Zentrallager drehbar
gehaltenen Düsenhalter auf.
[0010] Der wenigstens eine Düsenhalter weist wenigstens eine in einem Arm des Düsenhalters
gehalten Strahldüse auf, aus der in Funktion die unter Druck stehende Flüssigkeit
austritt.
[0011] Die Strahldüse ist dabei derart ausgerichtet, dass die Oberflächenschicht mit einem
aus der Strahldüse im Betrieb austretenden Flüssigkeitsstrahl schräg zur Oberflächenschicht
beaufschlagt ist.
[0012] Dabei ist die wenigstens eine Strahldüse um eine parallel zum Zentrallager des Düsenhalters
ausgerichtete Drehachse drehbar an dem Düsenhalter gelagert, wobei die Strahldüse
im Betriebe derart drehend angetrieben ist, dass ein Winkel zwischen der Bewegungsrichtung
des Körpers und der Ausrichtung des aus der Strahldüse austretenden Flüssigkeitsstrahls
in der Ebene der Oberflächenschicht konstant ist.
[0013] In dem Zentrallager ist eine Drehachse mit einer darin eingelassenen Zuleitung für
die unter Druck stehende Flüssigkeit aufgenommen ist, die mit einer Zuleitung im jeweiligen
Arm des Düsenhalters verbunden ist, die in eine Zulauföffnung eines Düsengehäuses
der Strahldüse mündet.
[0014] Ein die Abstrahlrichtung des unter einem Druck von 80 bar bis 1000 bar stehenden
Flüssigkeitsstrahls aus der Strahldüse definierender Vektor weist dabei keine Komponente
in Bewegungsrichtung des Körpers auf.
[0015] Dadurch ist ermöglicht, den die abzutragende Schicht, insbesondere eine Zunderschicht,
abtragenden Flüssigkeitsstrahl bei gleichzeitiger Rotation des Düsenhalters stets
in die gleiche Richtung auszurichten, was zum einen eine gleichmäßige Beaufschlagung
der Oberflächenschicht, insbesondere der Walzgutoberfläche, ermöglicht und damit die
Möglichkeit eröffnet, deutlich weniger Flüssigkeit einzusetzen, bedingt durch eine
Reduzierung der Unterschiede im spezifischen Energieeintrag von mehrfach beaufschlagten
Flächen des Walzgutes.
[0016] Zum zweiten ist durch die konstant gehaltene Strahlrichtung der Strahldüse ermöglicht,
die Strahldüsen so auszurichten, dass sie stets mit einer voreinstellbaren Geschwindigkeitskomponente
entgegen der Bewegungsrichtung des Körpers strahlen und damit vermieden werden kann,
dass insbesondere losgelöste Zunderteile auf dem Walzgut jenseits der Vorrichtung
zum Entzundern verbleiben, die in einem nachfolgenden Walzvorgang wieder in die Oberfläche
des Walzgutes eingewalzt würden, sowie dass die Strahlflüssigkeit zu lange auf der
Oberseite des Walzguts verbleibt, was zu nachteiliger Abkühlung und thermischer Asymmetrie
führen würde.
[0017] Aufgrund der Abstrahlrichtung des Flüssigkeitsstrahls aus der Strahldüse werden durch
die Einwirkung des Flüssigkeitsstrahls gelöste Oberflächenstücke stets entgegen der
Bewegungsrichtung des Körpers von der Oberfläche des Körpers abgetragen.
[0018] Vorteilhafte Ausführungsvarianten der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0019] Gemäß eine vorteilhaften Ausführungsvariante der Erfindung ist die wenigstens eine
Strahldüse mittels eine Getriebes motorisch antreibbar. Dieses Getriebe ist besonders
bevorzugt so ausgebildet, dass in jedem Arm des Düsenhalters ein erstes Zahnrad drehbar
gelagert ist, das mit einem zentralen drehfest am Zentrallager befestigten zweiten
Zahnrad und einem drehfest an der Strahldüse befestigten dritten Zahnrad kämmt, wobei
das erste und das dritte Zahnrad gleichgroß sind, wodurch der Betrag der Drehgeschwindigkeiten
der Strahldüse und des Düsenhalters gleich ist.
[0020] Durch die Wahl des Radius des ersten Zahnrades ist auch ermöglicht, die Strahldüsen
in unterschiedlichen Abständen von der Drehachse des Düsenhalters zu positionieren,
so dass damit auch eine Ausbildung von Düsenhaltern mit mehreren unterschiedlich langen
Armen ermöglicht ist was im Sinne einer gleichmäßigen Flächenverteilung der hydraulischen
Strahlenergie vorteilhaft ist.
[0021] Zum Drehantrieb des Düsenhalters ist gemäß einer bevorzugten Ausführungsvariante
der Düsenhalter drehfest mit einer drehbar angetriebenen, im Zentrallager aufgenommen
Drehachse verbunden, wobei in der Drehachse eine Zuleitung der unter Druck stehenden
Flüssigkeit aufgenommen ist.
[0022] Alternativ ist gemäß einer weiteren Ausführungsvariante der Erfindung an den Düsenhalter
selbst ein von einem Antriebszahnrad angetriebenes viertes Zahnrad drehfest angeordnet.
[0023] Der Düsenhalter weist nach einer bevorzugten Ausführungsvariante wenigstens zwei
Arme auf, an denen jeweils eine Strahldüse drehbar befestigt ist.
[0024] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsvariante sind mehrere Düsenhalter nebeneinander
angeordnet, wobei die Drehradien der von den Armen der Düsenhalter überstrichenen
Flächen einander teilweise überlappen. Dies ermöglicht, die Vorrichtung entsprechend
der Breite des Walzgutes mit mehreren solcher Düsenhalter auszustatten.
[0025] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die den Winkel
zwischen der Bewegungsrichtung des Walzgutes und der Auftrefflinie des aus der Strahldüse
austretenden Flüssigkeitsstrahls bestimmende Ausrichtung der Strahldüsen voreinstellbar.
[0026] Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass die wenigstens eine
Strahldüse bei der Beaufschlagung der Oberflächenschicht, insbesondere einer Walzgutoberfläche
mit dem Flüssigkeitsstrahl derart um eine parallel zum Zentrallager des Düsenhalters
ausgerichtete Drehachse relativ zum sich drehenden Düsenhalter gedreht wird, dass
ein Winkel zwischen der Bewegungsrichtung des Körpers, insbesondere Walzgutes und
der Auftrefflinie des aus der Strahldüse austretenden Flüssigkeitsstrahls konstant
beibehalten wird.
[0027] Die Strahldüse wird dabei gegenüber dem sich drehenden Düsenhalter so gedreht, dass
die Abstrahlrichtung des Flüssigkeitsstrahls aus der Strahldüse stets entgegen der
Bewegungsrichtung des Körpers erfolgt.
[0028] Nachfolgend werden bevorzugte Ausführungsvarianten der Erfindung anhand der beiliegenden
Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine perspektivische Ansicht einer ersten Ausführungsvariante der Vorrichtung mit
einem zwei Arme aufweisenden Düsenhalter,
- Figur 2
- eine Schnittansicht durch die in Figur 1 gezeigte Vorrichtung,
- Figur 3
- eine perspektivische Ansicht einer alternativen Ausführungsvariante der erfindungsgemäßen
Vorrichtung mit einem drei Arme ausweisenden Düsenhalter,
- Figur 4
- eine Aufriss-Darstellung der in Figur 3 gezeigten Vorrichtung,
- Figur 5
- eine perspektivische Ansicht mehrerer in einer Reihe angeordneter Vorrichtungen gemäß
Figur 3,
- Figuren 6a bis 6d
- eine Ansicht von unten auf die in Figur 1 gezeigte Vorrichtung in jeweils zeitlich
unterschiedlichen Drehpositionen,
- Figur 7a bis 7d
- eine Draufsicht von oben auf entsprechend der Figur 3 ausgebildete Vorrichtungen in
zeitlich unterschiedlichen Drehpositionen und
- Figur 8
- eine Draufsicht von oben auf entsprechend der Figur 3 ausgebildete Vorrichtungen mit
unterschiedlich ausgerichteten Strahldüsen.
[0029] In der nachfolgenden Figurenbeschreibung beziehen sich Begriffe wie oben, unten,
links, rechts, vorne, hinten usw. ausschließlich auf die in den jeweiligen Figuren
gewählte beispielhafte Darstellung und Position des Walzguts, des Zentrallagers, Düsenhalters,
Armes, der Strahldüse und dergleichen. Diese Begriffe sind nicht einschränkend zu
verstehen, das heißt, durch verschiedene Arbeitsstellungen oder die spiegelsymmetrische
Auslegung oder dergleichen können sich diese Bezüge ändern.
[0030] In den Figuren 1, 2 und 6a bis 6d ist eine erste Ausführungsvariante einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung 1 zum Reinigen, insbesondere Entzundern, eines relativ zur Vorrichtung
in einer Bewegungsrichtung x bewegten Körpers 2 mit einer abzutragenden Oberflächenschicht,
insbesondere warmem Walzgut, insbesondere Brammen oder Bänder, mit einer unter Druck
stehenden Flüssigkeit dargestellt.
[0031] Die Erfindung wird nachfolgend anhand einer Vorrichtung und eines Verfahrens zum
Entzundern von relativ zur Vorrichtung in einer Bewegungsrichtung X translatorisch
bewegtem, warmem Walzgut weiter erläutert, aber nicht auf diese Anwendung beschränkt.
[0032] Bei dem zu entzundernden Walzgut handelt es sich insbesondere um Brammen oder Bänder.
Denkbar ist auch der Einsatz der Vorrichtung für andere Formgestaltungen des Rohstahls.
[0033] Die Vorrichtung weist in der in den Figuren 1, 2 und 6a bis 6d gezeigten Ausführungsvarianten
einen zweiarmigen Düsenhalter 3 mit zwei Armen 31 und 32 auf, der gegenüber einem
Zentrallager 5 drehbar gelagert ist.
[0034] Zum Rotationsantrieb des Düsenhalters 3 ist auf dem Düsenhalter 3 ein Zahnrad 6 drehfest
angeordnet, das mit einem (nicht dargestellten) Antriebszahnrad in formschlüssiger
Wirkverbindung steht und so den Düsenhalter 3 im Betrieb in Rotation versetzt.
[0035] Aus der dem Walzgut 2 zugewandten Unterseite des Düsenhalters 3 steht aus jedem der
Arme 31, 32 eine Strahldüse 4 hervor, durch die in Funktion eine unter Druck stehenden
Flüssigkeit, beispielsweise Wasser, austritt, um eine auf der Oberfläche des Walzgutes
vorhandene Zunderschicht zu lösen und abzutragen.
[0036] Die Strahldüse 4 ist in den in den Figuren gezeigten Ausführungsvarianten als Flachstrahldüse
ausgebildet, die einen Flüssigkeitsstrahl 12 in einem Spritzwinkel β von vorzugsweise
0° bis 90°, besonders bevorzugt von 10° bis 50° auf die Oberfläche des Walzguts ausstrahlt.
Als Spritzwinkel β wird hier die Auffächerung des Flüssigkeitsstrahles vom Kanalende
der Strahldüse hin zur zu bearbeitenden Oberfläche verstanden.
[0037] Die Strahldüse 4 ist dabei so ausgerichtet, dass der ausgehende Flüssigkeitsstrahl
12 in einem Anstellwinkel γ von 0° bis 40°, vorzugsweise von 5° bis 20° zur Flächennormalen
der bearbeitenden Oberfläche ausgerichtet ist.
[0038] Die dabei eingesetzten Drücke bewegen sich zwischen 80 und 1000 bar, vorzugsweise
in einem Bereich von 200 bis 400 bar.
[0039] Jede der Strahldüsen 4 ist dabei von einem Gehäuse 41 umgeben, an dem außen ein zweites
Zahnrad 9, 10 drehfest befestigt ist. Das Gehäuse 41 ist dazu drehbar in dem Düsenhalter
3 gelagert.
[0040] Die Zufuhr der unter Druck stehenden Flüssigkeit, die im Betrieb aus der Strahldüse
4 austritt, erfolgt über eine Zuleitung 14, die über eine Drehdichtung 42 abgedichtet
wird und in eine Zulauföffnung 43 im Düsengehäuse 41 mündet.
[0041] Um die Rotation des Düsenhalters 3 mit der entsprechend gegenläufigen Rotation der
Strahldüse 4 zu koppeln, ist gemäß Fig. 2 in jedem Arm 31, 32 des Düsenhalters 3 ein
erstes Zahnrad 7, 8 drehbar gelagert, das mit einem zentralen drehfest am Zentrallager
5 befestigten zweiten Zahnrad 11 und an dem drehfest an der Strahldüse 4 befestigten
dritten Zahnrad 9, 10 kämmt.
[0042] Das erste Zahnrad 7, 8 und das dritte Zahnrad 9, 10 weisen dabei den gleichen Radius
auf, so dass die Drehgeschwindigkeit des Düsenhalters 3 um die Zentralachse 5 der
Drehgeschwindigkeit der Strahldüsen 4 gegenüber dem Düsenhalter 3 entspricht.
[0043] Durch die Drehbarkeit der Strahldüsen 4 gegenüber dem hier als Düsenbalken ausgebildeten
Düsenhalter 3 und der Drehbewegung des Düsenhalters 3 gegenüber der Zentralachse 5
ist ermöglicht, dass, wie in den zeitlich versetzt dargestellten Figuren 6a bis 6d
gezeigt, ein Winkel α zwischen der Bewegungsrichtung X des Walzgutes und der Auftrefflinie
des aus der Strahldüse 4 austretenden Flüssigkeitsstrahls 12 konstant gehalten ist.
Unter dem Begriff der Auftrefflinie ist dabei die große Achse der bei einer normalen
Beaufschlagungsrichtung ellipsenförmigen Auftrefffläche zu verstehen.
[0044] Der Flüssigkeitsstrahl 12, der linienförmig und schräg zur Walzgutoberfläche auf
der Walzgutoberfläche auftrifft, bewirkt dadurch eine stetige Abtragung des Zunders
von der Walzgutoberfläche, wobei der abgetragene Zunder und die Strahlflüssigkeit
stets in die gleiche Richtung relativ zur Bewegungsrichtung X des Walzgutes abgestrahlt
wird. Außerdem kann der Wasser- und Energieeinsatz gegenüber aus dem Stand der Technik
bekannten Entzunderungsvorrichtungen auf diese Weise deutlich reduziert werden, da
die Mehrfachbeaufschlagung der Walzgutoberfläche homogener und effektiver erfolgt,
was zum einen zu einem geringeren Flüssigkeits-, insbesondere Wasserverbrauch, und
andererseits auch zu einem reduzierten Energieverbrauch beiträgt, da die optimierte
Mehrfachbeaufschlagung mit Druckwasser das Walzgut weniger abkühlt und dieses vor
dem nächsten Walzvorgang dadurch weniger stark wiederaufgeheizt werden muss.
[0045] Bei der Ausbildung des Antriebs der Strahldüse und des Düsenhalters 3 über das aus
den mehreren Zahnrädern 7, 8, 9, 10, 11 gebildeten Getriebe ist bevorzugt durch anfängliche
Einstellung der Abstrahlrichtung b der Strahldüse 4 die Abstrahlrichtung b derart
einstellbar, dass ein die Abstrahlrichtung b des Flüssigkeitsstrahls 12 aus der Strahldüse
4 definierender Vektor keine Komponente in Bewegungsrichtung X des Walzgutes 2 aufweist,
wodurch sichergestellt ist, dass gelöste Zunderteile nicht in Bewegungsrichtung X
des Walzgutes abgetragen werden, was zu einem erneuten Einwalzen der mit der Vorrichtung
zuvor abgelösten Zunderstücken in einem anschließenden Walzvorgang führen würde.
[0046] In den Figuren 3 bis 5 und 7 ist eine weitere Ausführungsvariante der erfindungsgemäßen
Vorrichtung gezeigt. In dieser Ausführungsvariante ist der Düsenhalter 3 dreiarmig
mit drei Armen 31, 32 und 33 ausgebildet.
[0047] Die Arme 31, 32, 33 unterscheiden sich dabei in ihrer radialen Länge radial zum Zentrallager
5, wobei auch die Strahldüsen 4 so an den jeweiligen Armen des Düsenhalters 3 angeordnet
sind, dass deren Abstand zur Rotationsachse des Düsenhalters 3 unterschiedlich ist.
[0048] Der Antrieb des Düsenhalters 3 erfolgt in der in den Figuren 3 - 5 und 7 gezeigten
Ausführungsvariante über eine im Zentrallager 5 aufgenommene Drehachse 16. Ein Ende
der Drehachse 16 ragt aus einem Motorflansch hervor, auf dem ein Motor befestigbar
ist, mit dem die Drehachse 16 motorisch antreibbar ist.
[0049] Unterhalb dieses Endes der Drehachse 16 ist eine Einlassöffnung für einen an einem
Gehäuse 51 des Zentrallagers 5 angeordneten Hochdruckanschluss 17, durch den die unter
Druck stehende Flüssigkeit in eine Zuleitung 13 eingebracht wird, die in der Drehachse
16 eingelassen ist.
[0050] Die Drehachse 16 ist dabei vorzugsweise über Wälzlager im Gehäuse 51 des Zentrallagers
5 gelagert.
[0051] An dem Gehäuse 51 des Zentrallagers 5 ist des Weiteren ein Befestigungsflansch 52
vorgesehen, mit dem das Gehäuse 51 an einem Träger befestigt werden kann, der oberhalb
oder unterhalb einer Transportbahn angeordnet ist, entlang der das Walzgut 2 bewegt
wird.
[0052] An einem zylindrischen, in den Düsenhalter 3 eingreifenden Teil des Gehäuses 51 ist
das zweite Zahnrad 11 umfänglich und drehfest befestigt, während ein in den Düsenhalter
3 reichender Bereich der Drehachse 16 drehfest mit dem Düsenhalter 3 verbunden ist.
[0053] Wird die Drehachse 16 in Rotationsbewegung versetzt, dreht sich mit dieser der Düsenhalter
3. Dadurch werden die ersten Zahnräder 7, 8 und 18 im Düsenhalter 3 gegenüber dem
stillstehenden zweiten Zahnrad 11 in Drehbewegung versetzt, so dass durch die Drehbewegung
der ersten Zahnräder 7, 8, 18 auch die dritten Zahnräder 9, 10, 19 in entgegengesetzter
Richtung drehen und damit die Ausrichtung der Strahldüsen 4 relativ zum Gehäuse 51
des Zentrallagers 5 konstant gehalten wird.
[0054] Figur 5 zeigt eine Anordnung von mehreren nebeneinander platzierten Vorrichtungen
zum Entzundern mit dreiarmigen Düsenhaltern. Die Vorrichtungen 1 sind dabei derart
miteinander angeordnet, dass sie gegensinnig rotieren. Denkbar ist auch, die einzelnen
Vorrichtungen so zu positionieren und anzutreiben, dass jeweils benachbarte Düsenhalter
3 gleichsinnig rotieren.
[0055] Die Beibehaltung der Ausrichtung der Strahldüsen 4 ist nochmals in den Figuren 7a
bis 7d dargestellt. Gut zu erkennen ist, dass die linienförmige Aufprallfläche der
unter Druck stehenden Flüssigkeit in jeder der Drehpositionen des Düsenhalters 3 gleich
ausgerichtet ist.
[0056] Figur 8 zeigt eine alternative Ausrichtung der Strahldüsen 4, bei der die Drehpositionen
der Düsenhalter 3 einer über einem linken Abschnitt der Walzgutoberfläche in einem
Spritzwinkel β von etwa 45° entgegen der Bewegungsrichtung x des Walzguts nach außen
und die Drehpositionen der Düsenhalter 3 einer über einem rechten Abschnitt der Walzgutoberfläche
in einem Spritzwinkel β von etwa 45° entgegen der Bewegungsrichtung x des Walzguts
nach außen ausgerichtet sind.
[0057] Denkbar ist beispielsweise auch eine individuelle Ausrichtung jeder der Strahldüsen
4, wichtig ist dabei, den Spritzwinkel β der Strahldüsen 4 entgegen der Bewegungsrichtung
des Walzguts auszurichten und damit zu vermeiden, dass losgelöste Zunderteile auf
dem Walzgut jenseits der Vorrichtung zum Entzundern verbleiben, die in einem nachfolgenden
Walzvorgang wieder in die Oberfläche des Walzgutes eingewalzt würden, sowie dass die
Strahlflüssigkeit zu lange auf der Oberseite des Walzguts verbleibt, was zu nachteiliger
Abkühlung und thermischer Asymmetrie führen würde.
[0058] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Entzundern von relativ zur Vorrichtung in
einer Bewegungsrichtung x translatorisch bewegtem warmem Walzgut mit einer unter Druck
stehenden Flüssigkeit mit einer oben beschriebenen Vorrichtung wird im Betrieb die
wenigstens eine Strahldüse 4 bei der Beaufschlagung der Walzgutoberfläche mit dem
Flüssigkeitsstrahl 12 derart um eine parallel zum Zentrallager 5 des Düsenhalters
3 ausgerichtete Drehachse relativ zum sich drehenden Düsenhalter 3 gedreht, dass ein
Winkel α zwischen der Bewegungsrichtung x des Walzguts 2 und der Auftrefflinie des
aus der Strahldüse 4 austretenden Flüssigkeitsstrahls 12 konstant beibehalten wird.
Dabei wird die Strahldüse 4 gegenüber dem sich drehenden Düsenhalter 3 bevorzugt so
gedreht, dass die Abstrahlrichtung des Flüssigkeitsstrahls 12 aus der Strahldüse 4
stets mit einer voreingestellten Geschwindigkeitskomponente entgegen der Bewegungsrichtung
x des Walzguts 2 erfolgt.
Bezugszeichenliste
[0059]
- 1
- Vorrichtung
- 2
- Körper
- 3
- Düsenhalter
- 31
- Arm
- 32
- Arm
- 33
- Arm
- 4
- Strahldüse
- 41
- Gehäuse
- 42
- Drehdichtung
- 43
- Zulauföffnung
- 5
- Zentrallager
- 51
- Gehäuse
- 52
- Befestigungsflansch
- 6
- Zahnrad
- 7
- Zahnrad
- 8
- Zahnrad
- 9
- Zahnrad
- 10
- Zahnrad
- 11
- Zahnrad
- 12
- Flüssigkeitsstrahl
- 13
- Zuleitung
- 14
- Zuleitung
- 15
- Wälzlager
- 16
- Drehachse
- 17
- Hochdruckanschluss
- 18
- Zahnrad
- 19
- Zahnrad
- a
- Drehrichtung
- X
- Bewegungsrichtung
- b
- Abstrahlrichtung
- α
- Winkel zwischen X und Auftrefflinie
- β
- Spritzwinkel
- γ
- Anstellwinkel
1. Vorrichtung zum Reinigen, insbesondere Entzundern, eines relativ zur Vorrichtung in
einer Bewegungsrichtung (x) bewegten Körpers (2) mit einer abzutragenden Oberflächenschicht,
insbesondere warmem Walzgut, insbesondere Brammen oder Bänder, mit einer unter Druck
stehenden Flüssigkeit, aufweisend
- wenigstens einen an einem senkrecht oder geneigt zur zu bearbeitenden Oberflächenschicht
stehenden Zentrallager (5) drehbar gehaltenen Düsenhalter (3),
- wenigstens eine in einem Arm (31, 32, 33) des Düsenhalters (3) gehaltene Strahldüse
(4), aus der in Funktion die unter Druck stehende Flüssigkeit austritt,
- wobei die Strahldüse (4) derart ausgerichtet ist, dass die Oberflächenschicht mit
einem aus der Strahldüse (4) im Betrieb austretender Flüssigkeitsstrahl (12) schräg
unter einem Anstellwinkel (γ) zur Oberflächenschicht beaufschlagt ist,
- wobei die wenigstens eine Strahldüse (4) um eine parallel zum Zentrallager (5) ausgerichtete
Drehachse drehbar an dem Düsenhalter (3) gelagert ist,
- wobei die Strahldüse (4) im Betrieb derart drehend angetrieben ist, dass ein Winkel
(α) zwischen der Bewegungsrichtung (x) des Körpers (2) und der Ausrichtung des aus
der Strahldüse (4) austretenden Flüssigkeitsstrahls (12) in der Ebene der Oberflächenschicht
konstant ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- in dem Zentrallager (5) eine Drehachse (16) mit einer darin eingelassenen Zuleitung
(13) für die unter Druck stehende Flüssigkeit aufgenommen ist, die mit einer Zuleitung
(14) im jeweiligen Arm (31, 32, 33) des Düsenhalters (3) verbunden ist, die in eine
Zulauföffnung (43) eines Düsengehäuses (41) der Strahldüse (4) mündet und dass
- ein die Abstrahlrichtung des unter einem Druck von 80 bar bis 1000 bar stehenden
Flüssigkeitsstrahls (12) aus der Strahldüse (4) definierende Vektor keine Komponente
in Bewegungsrichtung (x) des Körpers (2) aufweist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens eine Strahldüse (4) als Flachstrahldüse mit einem Spritzwinkel (β)
von 0° bis 90° ausgebildet ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens eine Strahldüse (4) mittels eines Getriebes motorisch antreibbar ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass in jedem Arm (31, 32, 33) des Düsenhalters (3) ein erstes Zahnrad (7, 8, 18) drehbar
gelagert ist, das mit einem zentralen drehfest am Zentrallager (5) befestigten zweiten
Zahnrad (11) und einem drehfest an der Strahldüse (4) befestigten dritten Zahnrad
(9, 10, 19) kämmt, wobei das zweite Zahnrad (11) und das dritte Zahnrad (9, 10, 19)
gleich groß sind.
5. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Düsenhalter (3) drehfest mit einer drehbar angetriebenen, im Zentrallager (5)
aufgenommenen Drehachse (16) verbunden ist, wobei in der Drehachse (16) eine Zuleitung
(13) der unter Druck stehenden Flüssigkeit aufgenommen ist.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass an dem Düsenhalter (3) ein von einem Antriebszahnrad angetriebenes viertes Zahnrad
(6) drehfest angeordnet ist.
7. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Düsenhalter (3) wenigstens zwei Arme (31, 32) aufweist.
8. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Düsenhalter (3) nebeneinander angeordnet sind, wobei die Drehradien der von
den Armen (31, 32, 33) der Düsenhalter (3) überstrichenen Flächen einander teilweise
überlappen.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die nebeneinander angeordneten Düsenhalter (3) in gleicher Drehrichtung (a) angetrieben
sind.
10. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die nebeneinander angeordneten Düsenhalter (3) jeweils mit unterschiedlicher Drehrichtung
(a) angetrieben sind.
11. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die den Winkel (α) zwischen der Bewegungsrichtung (x) des Körpers (2) und der Auftrefflinie
des aus der Strahldüse (4) austretenden Flüssigkeitsstrahls (12) bestimmende Ausrichtung
der Strahldüse (4) voreinstellbar ist.
12. Verfahren zum Reinigen, insbesondere Entzundern, eines relativ zur Vorrichtung in
einer Bewegungsrichtung (x) bewegten Körpers (2) mit einer abzutragenden Oberflächenschicht,
insbesondere warmem Walzgut, insbesondere Brammen oder Bänder, mit einer unter Druck
stehenden Flüssigkeit mit einer Vorrichtung, die wenigstens einen an einem senkrecht
oder geneigt zur zu bearbeitenden Oberflächenschicht stehenden Zentrallager (5) drehbar
gehaltenen Düsenhalter (3) aufweist sowie wenigstens eine in einem Arm (31, 32, 33)
des Düsenhalters (3) gehaltene Strahldüse (4), aus der in Funktion die unter Druck
stehende Flüssigkeit austritt, wobei die Strahldüse (4) derart ausgerichtet ist, dass
die Oberflächenschicht mit einem aus der Strahldüse (4) im Betrieb austretender Flüssigkeitsstrahl
(12) schräg zur Oberflächenschicht beaufschlagt ist, wobei die wenigstens eine Strahldüse
(4) bei der Beaufschlagung der Oberflächenschicht mit dem Flüssigkeitsstrahl (12)
derart um eine parallel zur Zentrallager (5) des Düsenhalters (3) ausgerichtete Drehachse
relativ zum sich drehenden Düsenhalter (3) gedreht wird, dass ein Winkel (α) zwischen
der Bewegungsrichtung (x) des Körpers und der der Ausrichtung des aus der Strahldüse
(4) austretenden Flüssigkeitsstrahls (12) in der Ebene der Oberflächenschicht konstant
beibehalten wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Strahldüse (4) gegenüber dem sich drehenden Düsenhalter (3) so gedreht wird,
dass die Abstrahlrichtung des unter einem Druck von 80 bar bis 1000 bar stehenden
Flüssigkeitsstrahls (12) aus der Strahldüse (4) stets mit einer Vektorkomponente entgegen
der Bewegungsrichtung (x) des Körpers (2) erfolgt und dass die unter Druck stehende
Flüssigkeit über eine Zuleitung (13) eingebracht wird, die in einer in dem Zentrallager
(5) eingelassenen Drehachse (16) aufgenommen ist, die mit einer Zuleitung (14) im
jeweiligen Arm (31, 32, 33) des Düsenhalters (3) verbunden ist, die in eine Zulauföffnung
(43) eines Düsengehäuses (41) der Strahldüse (4) mündet.