[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Wärmebehandlungsofen gemäß den Merkmalen
im Oberbegriff von Patentanspruch 1.
[0002] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zum Wärmebehandeln einer beschichteten
Stahlplatine gemäß den Merkmalen im Oberbegriff von Patentanspruch 7.
[0003] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zur Herstellung eines Kraftfahrzeugbauteils
gemäß den Merkmalen im Oberbegriff von Patentanspruch 14.
[0004] Aus dem Stand der Technik ist die Warmumform- und Presshärtetechnologie bekannt.
Hierbei wird eine Blechplatine aus einer härtbaren Stahllegierung auf eine Temperatur
oberhalb der AC3-Temperatur erwärmt, was zumeist mehr als 900°C entspricht. Die auf
dieser Temperatur befindliche Stahlblechplatine wird dann in ein Warmumformwerkzeug
eingelegt und in diesem warmen Zustand umgeformt. Ist die Formgebung abgeschlossen,
wird das umgeformte Stahlblechprodukt in dem Warmumformwerkzeug gehalten oder in ein
separates Presshärtewerkzeug überführt und derart rasch abgekühlt, dass eine Härtung
des Werkstoffgefüges einsetzt.
[0005] Nachteilig hierbei ist, dass das so hergestellte Stahlblechprodukt zwar zumindest
partiell eine hohe Härte aufweist gegenüber Korrosion jedoch anfällig ist. Da diese
Bauteile gerade im Karosseriebau von Kraftfahrzeugen eingesetzt werden, ist eine entsprechend
Korrosionsschutzmaßnahme zu treffen. Die hergestellten Bauteile werden beispielsweise
in einem KTL-Verfahren mit einer Korrosionsschutzschicht versehen.
[0006] Es ist jedoch auch bekannt, vorbeschichtete Stahlblechplatinen bereitzustellen, die
beispielsweise eine Aluminiumsiliziumbeschichtung (Al-Si) aufweisen. Diese werden
derart thermisch behandelt, dass ein Durchlegieren der Vorbeschichtung mit der Stahlblechplatine
erfolgt und dadurch eine Korrosionsschutzschicht an dem hergestellten Bauteil hergestellt
ist. Zugleich ist die Vorbeschichtung auch als Zunderschutz vorgesehen.
[0007] Nachteilig dabei ist, dass es bei der dem Warmumformen vorgeschalteten Erwärmung
der vorbeschichteten Platine gerade bei Blechplatinen mit geringer Wandstärke und/oder
partiell abgewalzten Blechplatine zu einer wasserstoffinduzierten Spannungsrissbildung
kommen kann. Diese ist auch als Wasserstoffversprödung oder delayed cracking bekannt.
Dies kann auch dazu führen, dass nach dem Warmumformen und Presshärten Risse auftreten.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Möglichkeit aufzuzeigen, die
auftretende Wasserstoffversprödung bei vorbeschichteten Stahlblechplatinen für einen
nachgelagerten Warmumform- und Presshärteprozess möglichst zu vermeiden. Es können
Stahlblechplatinen mit homogener Wandstärke verarbeitet werden, jedoch auch Stahlblechplatinen
mit voneinander verschiedener Wandstärke verarbeitet werden.
[0009] Die zuvor genannte Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Wärmebehandlungsofen gemäß
den Merkmalen im Patentanspruch 1 gelöst.
[0010] Der verfahrenstechnische Teil der Aufgabe wird weiterhin mit einem Verfahren zum
Wärmebehandeln einer vorbeschichteten Stahlblechplatine gemäß den Merkmalen im Patentanspruch
7 gelöst.
[0011] Der weitere verfahrenstechnische Teil der Aufgabe wird mit einem Verfahren zum Herstellen
eines Kraftfahrzeugbauteils gemäß den Merkmalen im Patentanspruch 14 gelöst.
[0012] Vorteilhafte Ausgestaltungsvarianten der Erfindung sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0013] Die vorliegende Erfindung sieht vor, dass eine vorbeschichtete Stahlblechplatine
zunächst vorerwärmt wird, danach mit der Vorbeschichtung durchlegiert wird und dann
die mit der Beschichtung durchlegierte Platine gezielt abgekühlt wird. Erst im Anschluss
daran erfolgt dann das eigentliche Erwärmen in Vorbereitung zum Warmumformen. Die
Abkühlung erfolgt dabei nicht zu schnell, so dass die in der Platine vorhandenen diffusiblen
Wasserstoffatome aus dem Material ausdiffundieren können. Es stellt sich ein Wasserstoffgehalt
kleiner 0,5 ppm, bevorzugt kleiner 0,3 ppm ein.
[0014] Hierdurch ist es möglich, dass die nach diesem erfindungsgemäßen Konzept erwärmten
und beschichteten Stahlblechplatinen einen deutlich reduzierten Wasserstoffgehalt
aufweisen und somit die Gefahr von wasserstoffinduzierten Spannungsrissen nahezu vermieden
ist. Durch ein anschließendes Erwärmen, insbesondere Schnellerwärmen der beschichteten
Stahlblechplatine mithin Austenitisieren ist somit die Gefahr von wasserstoffinduzierten
Spannungsrissen nahezu vermieden.
[0015] Der Wärmebehandlungsofen für beschichtete Stahlblechplatinen weist dazu mindestens
eine Ofenkammer sowie ein Transportsystem zum Durchführen der Stahlblechplatinen durch
die Ofenkammer auf. Er zeichnet sich erfindungsgemäß dadurch aus, dass eine Vorwärmkammer,
eine Durchlegierungsstrecke und eine Abkühlkammer vorgesehen sind, wobei die vorbeschichtete
Stahlblechplatine in der Vorwärmkammer auf eine Temperatur größer 200°C erwärmbar
ist, in der Durchlegierungsstrecke auf eine Temperatur über AC3 erwärmbar ist und
in der Abkühlkammer auf eine Temperatur kleiner 450°C gesteuert abkühlbar ist.
[0016] Bevorzugt ist dazu zumindest die Durchlegierungsstrecke als Durchlaufofen mit einer
Ofenkammer ausgebildet. In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltungsvariante sind
jedoch auch die Vorwärmkammer als Vorwärmstrecke und die Abkühlkammer als Abkühlstrecke
ebenfalls nach dem Prinzip eines Durchlaufofens ausgebildet.
[0017] Damit der Wärmebehandlungsofen in Bezug auf den benötigten Stellplatz in einer Montagehalle,
jedoch auch unter energetischen Aspekten, jeweils wirtschaftlich zu betreiben ist,
ist vorgesehen, dass die Vorwärmstrecke, die Durchlegierungsstrecke und die Abkühlstrecke
in einem Durchlaufofen angeordnet sind, insbesondere parallel übereinander oder parallel
nebeneinander.
[0018] Der erfindungsgemäße Wärmebehandlungsofen zeichnet sich insbesondere dadurch aus,
dass die Durchlegierungsstrecke hauptsächlich bzw. primär von darin angeordneten Wärmequellen
bzw. Heizquellen beheizt wird. Beispielsweise erfolgt die Erwärmung mittels Heizstrahlern,
Heizkartuschen, Induktion, Konduktion, Brennererwärmung und/oder in ähnlicher Weise.
So kann in der Durchlegierungsstrecke ein Luftumwälzer vorgesehen sein. Durch die
parallele Anordnung von der Vorwärmstrecke sowie der Abkühlstrecke ist es möglich,
dass die Wärmeenergie, insbesondere überschüssige Wärmeenergie, der Durchlegierungsstrecke
auch genutzt wird in der Vorwärmstrecke bzw. Abkühlstrecke. Hierzu ist eine temperaturdurchlässige
Trennschicht vorgesehen. Dies kann beispielsweise ein Lochblech sein oder eine andere
insbesondere physische Trennschicht, die einen gezielt vorausgelegten bzw. regel-
und/oder steuerbaren Temperaturdurchlass ermöglicht. Hiermit kann dann ein Teil der
in der Durchlegierungsstrecke vorherrschenden Wärmeenergie in die Vorwärmstrecke bzw.
Abkühlstrecke überführt werden. Ferner kann durch einen geringen Abstand von Abkühlstrecke
und Vorwärmstrecke die Wärmestrahlung der abzukühlenden Stahlblechplatinen dazu genutzt
werden, die in der Vorwärmstrecke transportierten Stahlblechplatinen zu erwärmen.
[0019] Am jeweiligen Ende des Wärmebehandlungsofens sind Manipulatoren vorgesehen, so dass
das Durchlaufen der einzelnen Strecken des Wärmebehandlungsofens insbesondere im Gegenlaufprinzip
bzw. Gegenstromprinzip erfolgen kann. Insbesondere bei auf die Vertikalrichtung bezogen
übereinander angeordneten Strecken werden Vertikalförderer eingesetzt, bei auf die
Vertikalrichtung bezogen nebeneinander angeordneten Strecken werden Horizontalförderer
eingesetzt.
[0020] Im Rahmen der Erfindung ist unter Strecke die Durchlegierungsstrecke, die Abkühlstrecke
sowie die Vorwärmstrecke zu verstehen.
[0021] Für die Abkühlkammer aber auch für die Vorwärmkammer können jedoch auch andere Bauarten
eingesetzt werden. Beispielsweise kann als Vorwärmkammer ein Etagenofen aber auch
ein Drehofen oder aber auch ein Paternostraofen, mithin ein Vertikalförderofen, eingesetzt
werden.
[0022] Die Abkühlkammer kann auch in Etagenbauweise ausgebildet sein. Weiterhin besonders
bevorzugt ist es bei einer separaten Anordnung von Vorwärmkammer und/oder Abkühlkammer
gegenüber der Durchlegierungsstrecke, dass die Abluft aus der Durchlegierungsstrecke
in die Vorwärmkammer bzw. Abkühlkammer geleitet wird.
[0023] Die vorliegende Erfindung zeichnet sich weiterhin durch ein Verfahren zum Wärmebehandeln
einer beschichteten Stahlblechplatine aus, wobei eine vorbeschichtete Stahlblechplatine
durchlegiert wird. Das Verfahren wird insbesondere in einem vorbeschriebenen Wärmebehandlungsofen
durchgeführt. Es zeichnet sich durch folgende Verfahrensschritte aus:
- Erwärmen der vorbeschichteten Stahlblechplatine von Raumtemperatur auf eine Vorwärmtemperatur
oberhalb von 200°C,
- Danach Erwärmen auf Durchlegierungstemperatur über AC3 Temperatur, so dass die Vorbeschichtung
durchlegiert wird,
- Danach Abkühlen der durchlegierten Stahlblechplatine auf eine Abkühltemperatur kleiner
450°C in einer Zeit größer 30 s, insbesondere größer 90 s,
- Danach Lagern oder Weiterverarbeiten der abgekühlten Stahlblechplatine.
[0024] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es somit insbesondere möglich, das Durchlegieren
der Stahlblechplatine von dem eigentlichen Warmumform- und Presshärteprozess zu entkoppeln.
[0025] Insbesondere liegt diese Vorwärmtemperatur oberhalb von 250°C, insbesondere auf einer
Temperatur zwischen 250°C und 450°C.
[0026] Danach wird die vorbeschichtete und vorerwärmte Stahlblechplatine von der Vorwärmtemperatur
auf eine Temperatur (Durchlegierungstemperatur) oberhalb der AC3 Temperatur erwärmt
und optional gehalten, so dass die Vorbeschichtung mit der Oberfläche der Stahlblechplatine
vollständig durchlegiert. Hierbei erfolgt eine Durchlegierung der Vorbeschichtung,
so dass eine intermetallische Phase mit der Stahlblechplatine ausgebildet wird.
[0027] Nach dem Durchlegieren wird erfindungsgemäß eine gezielte Abkühlung durchgeführt
in einer Abkühlkammer und/oder Abkühlstrecke. Dies erfolgt derart, dass auf eine Abkühltemperatur
kleiner 450°C, insbesondere zwischen 450°C und 300°C gezielt abgekühlt wird. Weiterhin
besonders bevorzugt kann ein zweistufiges Abkühlen durchgeführt werden. Insbesondere
wird somit zunächst langsam und kontrolliert abgekühlt auf eine Abkühltemperatur.
Dies erfolgt langsamer als eine Abkühlung an Luft bei Raumtemperatur. Ist die Abkühltemperatur
erreicht, kann ein weiteres aktives Schnellabkühlen stattfinden. Durch das langsame
Abkühlen kann somit der Wasserstoff langsam ausdiffundieren. Durch die nachgelagerte
schnelle Abkühlung wird ein Verzug der Platine vermieden.
[0028] Weiterhin kann durch in Transportrichtung zumindest abschnittsweises paralleles Übereinander
oder Nebeneinanderliegen von Abkühlstrecke und Vorwärmstrecke die Wärmestrahlung der
abzukühlenden Stahlblechplatinen dazu genutzt werden, die durch die Vorwärmstrecke
transportierten Stahlblechplatinen mitzuerwärmen.
[0029] Weiterhin bevorzugt wird das Erwärmen auf Durchlegierungstemperatur mithin das Erwärmen
zum Durchlegieren von der Vorwärmtemperatur zum Durchlegieren als Schnellerwärmung
durchgeführt, mit einer Zeit kleiner 20 s/mm der Blechdicke der vorbeschichteten Stahlblechplatine.
Insbesondere mit einer Zeit weniger als 10 s pro mm Blechdicke bevorzugt weniger als
5 s pro mm Blechdicke. Mithin wird von der Vorwärmtemperatur auf über AC3 Temperatur
in der vorbeschriebenen Zeitspanne erwärmt. Ungerade von einem vollen Millimeter abweichende
Blechdicken können entsprechend interpoliert werden.
[0030] Weiterhin besonders bevorzugt wird das Abkühlen von der Erwärmungstemperatur auf
die Abkühltemperatur in einer Zeit größer 30 s pro mm Blechdicke der abzukühlenden
Blechplatine durchgeführt.
[0031] Insbesondere kann somit eine Schichtdicke der Beschichtung kleiner 0,6 µm erzeugt
werden, wobei die Schichtdicke bevorzugt größer 0,15 µm ist. Besonders bevorzugt wird
eine Schichtdicke zwischen 10 µm und 35 µm erzeugt.
[0032] Alternativ oder ergänzend ist der Anteil atomaren Wasserstoffs kleiner 0,5 ppm, insbesondere
kleiner 0,3 ppm. Insbesondere bezieht sich diese Angabe auf den Wasserstoffgehalt
in dem Stahlwerkstoff der durchlegierten Stahlblechplatine. Es kann somit mit dem
erfindungsgemäßen Verfahren eine mit einer Aluminium-Silizium-Legierung vorbeschichtete
Stahlblechplatine aus einer härtbaren Stahllegierung wärmebehandelt werden, so dass
sich zwischen Stahlblechplatine und Vorbeschichtung eine intermetallische Phase insbesondere
mit Eisen-Aluminiumanteil bildet. Insbesondere wird das Verfahren zum Wärmebehandeln
der beschichteten Blechplatine genutzt, um diese homogen wärmezubehandeln.
[0033] Die so homogen wärmebehandelte Stahlblechplatine kann dann in einem nachgelagerten
Warmumform- und Presshärteprozess zu einem gehärteten Stahlbauteil, insbesondere zu
einem Kraftfahrzeugbauteil verarbeitet werden. Insbesondere erfolgt die erneute Erwärmung
als Schnellerwärmung. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass die nach der Wärmebehandlung
wieder neu zu erwärmende beschichtete und durchlegierte Stahlblechplatine in einer
Zeit von weniger als 20 s, bevorzugt weniger als 10 s, insbesondere weniger als 5
s auf Austenitisierungstemperatur, mithin AC3 Temperatur erwärmt wird. Insbesondere
erfolgt die Erwärmung in einer Zeit kleiner 20 s pro mm, bevorzugt kleiner 10 s pro
mm, besonders bevorzugt kleiner 5 s pro mm Blechdicke der zu erwärmenden Stahlblechplatine.
Hierdurch wird eine erneute Eindiffusion von Wasserstoff vermieden. Somit wird auch
am warmgeformten und pressgehärteten Bauteil der Wasserstoffgehalt kleiner 0,5 ppm,
bevorzugt kleiner 0,3 ppm eingestellt. Die Schnellerwärmung kann insbesondere mit
Kontaktplatten oder Induktion oder aber als direkte Widerstandserwärmung ausgeführt
werden. Im Anschluss daran wird die beschichtete austenitisierte Stahlblechplatine
warmumgeformt und pressgehärtet. Bevorzugt wird ein Bauteil mit einer Zugfestigkeit
Rm größer 1250 MPa, insbesondere größer 1450 MPa hergestellt.
[0034] Das zuvor genannte Bauteil ist insbesondere ein Blechumformbauteil, ganz besonders
bevorzugt ein Kraftfahrzeugbauteil. Dieses wird insbesondere derart hergestellt, dass
die mit dem zuvor beschriebenen Verfahren hergestellte wärmebehandelte und durchlegierte
Stahlblechplatine einen atomaren Wasserstoffgehalt kleiner 0,5 ppm, insbesondere 0,3
ppm aufweist. Die durchlegierte Stahlblechplatine wird entweder direkt nach dem Wärmebehandeln
einem Warmumform- und Presshärteprozess zugeführt oder aber mit einem diesem zwischengeschalteten
Lagern. Mithin wird entweder die Stahlblechplatine von der Abkühltemperatur, beispielsweise
in einem Bereich zwischen 450°C und 100°C für den nachgelagerten Warmumformprozess
wiederum auf über Ac3 erwärmt oder wenn die Blechplatine aus dem Lager entnommen wird
von Raumtemperatur auf über Ac3 erwärmt.
[0035] Die Erwärmung auf über Ac3 findet zumindest bereichsweise insbesondere vollständig
statt mit einem Schnellerwärmungsprozess. Dies bedeutet, dass die Stahlblechplatine
in einer Zeit kleiner 20 s, bevorzugt kleiner 10 s, insbesondere kleiner 5 s von ihrer
Ist-Temperatur auf eine Temperatur größer gleich Ac3 Temperatur erwärmt wird. Es kann
beispielsweise mittels Kontakterwärmung erfolgen, jedoch auch mittels Induktion oder
aber als direkte Widerstandserwärmung. Durch die Schnellerwärmung wird es wiederum
ermöglicht, dass kein in der Umgebungsluft befindlicher Wasserstoff in die Beschichtung,
die zwischen Beschichtung und Stahlblechplatine gebildete intermetallische Phase sowie
die Stahlblechplatine selber eindringt. Nach dem Warmumformen und Presshärten auftretende
Sprödbrüche werden somit vermieden.
[0036] Das somit hergestellte Kraftfahrzeugbauteil weist mithin einen Anteil an atomaren
Wasserstoff kleiner 0,5 ppm, insbesondere kleiner 0,3 ppm auf. Weiterhin bevorzugt
kann somit ein hochfestes bzw. höchstfestes, bevorzugt ultrahöchstfestes umgeformtes
Stahlbauteil hergestellt werden. Die Angabe ppm ist bevorzugt im Sinne dieser Erfindung
als Massenangabe bezogen auf das gesamte Kraftfahrzeugbauteil zu verstehen. Insbesondere
liegt der Wasserstoffgehalt auch in den gehärteten Bereichen vor. Die Angabe ppm bezieht
sich somit auf die Gesamtmasse des hergestellten Kraftfahrzeugbauteils;

[0037] Das Kraftfahrzeugbauteil weist bereichsweise, insbesondere vollständig eine Zugfestigkeit
Rm größer 1250 MPa, insbesondere größer 1450 MPa auf. Die Zugfestigkeit sollte mit
den technisch möglich erreichbaren Zugfestigkeiten begrenzt sein. Insbesondere ist
die Zugfestigkeit somit kleiner 3000 MPa bevorzugt kleiner 2000 MPa.
[0038] Weitere Vorteile, Merkmale, Eigenschaften und Aspekte der vorliegenden Erfindung
sind Gegenstand der nachfolgenden Beschreibung. Bevorzugte Ausgestaltungsvarianten
werden in den schematischen Figuren dargestellt. Diese dienen dem einfachen Verständnis
der Erfindung. Es zeigen:
- Figur 1a und b
- eine erste erfindungsgemäße Variante eines Wärmebehandlungsofens mit Temperaturprofil,
- Figur 2a und b
- eine zweite erfindungsgemäße Variante eines Wärmebehandlungsofens mit Temperaturprofil,
- Figur 3a und b
- eine dritte erfindungsgemäße Variante eines Wärmebehandlungsofens mit Temperaturprofil,
- Figur 4a und b
- eine vierte erfindungsgemäße Variante eines Wärmebehandlungsofens mit Temperaturprofil,
- Figur 5a und b
- eine fünfte erfindungsgemäße Variante eines Wärmebehandlungsofens mit Temperaturprofil
und
- Figur 6
- eine Ansicht des erfindungsgemäß durchgeführten Verfahrens zur Herstellung eines Kraftfahrzeugbauteils.
[0039] In den Figuren werden für gleiche oder ähnliche Bauteile dieselben Bezugszeichen
verwendet, auch wenn eine wiederholte Beschreibung aus Vereinfachungsgründen entfällt.
[0040] Figur 1a zeigt einen erfindungsgemäßen Wärmebehandlungsofen 1 in Form eines Durchlaufofens.
Dieser weist einen auf die Bildebene bezogen unten angeordnete Durchlegierungsstrecke
2 auf, in der Mitte eine Abkühlstrecke 3 und oben eine Vorwärmstrecke 4. Hierzu werden
vorbeschichtete Stahlblechplatinen 5 von einem Stapel 6 an einem Ende 7 des Wärmebehandlungsofens
1 in die Vorwärmstrecke 4 eingelegt. Die Wärmestrahlung der durch die Abkühlstrecke
3 transportierten abzukühlenden Stahlblechplatinen 16 kann gleichzeitig dazu genutzt
werden, die durch die Vorwärmstrecke 4 zu transportierenden Stahlblechplatinen mit
vorzuwärmen. Ferner ist ein Abstand A von Vorwärmstrecke 4 zu Abkühlstrecke 3 eingezeichnet,
so dass der Wärmeübergang
Q̇ in Form von Wärmestrahlung der abzukühlenden Stahlblechplatinen an die vorzuerwärmenden
Stahlblechplatinen erfolgt. Dieser Abstand beträgt bevorzugt 20 bis 300 mm.
[0041] Als Transportmittel 9 können überall in dem Ofen Rollen 8 angeordnet sein. Es ist
jedoch auch möglich andere Transportmittel zur Durchführung zu verwenden. In einer
Transportrichtung der Vorwärmstrecke 4 werden die vorbeschichteten Stahlblechplatinen
5 durch die Vorwärmstrecke 4 befördert.
[0042] Am gegenüberliegenden Ende 10 des Wärmebehandlungsofens 1 ist ein Vertikalförderer
11 vorgesehen, der die vorerwärmten Stahlblechplatinen 5 auf die Bildebene bezogen
absenkt und in die Durchlegierungsstrecke 2 überführt. Im Anschluss daran werden die
vorerwärmten Stahlblechplatinen in Transportrichtung 12 durch die Durchlegierungstrecke
2 befördert. In der Durchlegierungsstrecke 2 sind Heizmittel 13 angeordnet, beispielsweise
Brenner oder aber auch Induktionsspulen. Die durch die Durchlegierungsstrecke 2 transportierten
vorerwärmten Stahlblechplatinen sind zumindest am Ende der Durchlegierungsstrecke
2 auf eine Temperatur oberhalb der AC3 Temperatur erwärmt, so dass die Vorbeschichtung
eine intermetallische Phase mit der Stahlblechplatine ausbildet und die Stahlblechplatinen
14 durchlegiert sind.
[0043] Wiederum am zuvor beschriebenen Ende 7 ist ebenfalls ein Vertikalförderer 11 vorgesehen,
der die durchlegierten Stahlblechplatinen 14 anhebt und in die Abkühlstrecke 3 einführt.
In Transportrichtung 15 durch die Abkühlstrecke 3 werden die durchlegierten Stahlblechplatinen
14 auf eine Temperatur abgekühlt und am Ende der Abkühlstrecke 3 entnommen und die
durchlegierten und abgekühlten Stahlblechplatinen 16 auf einem Platinenstapel 17 gelagert.
Diese können einer nicht näher dargestellten weiteren Verarbeitung zugeführt werden,
insbesondere einem nachgelagerten Warmumform- und Presshärteprozess.
[0044] In Figur 1b ist ein beispielhaftes Temperaturprofil dargestellt, welches in den einzelnen
Strecken 2, 3, 4 vorherrschend ist. Auf die Bildebene bezogen von links nach rechts
nimmt die Temperatur innerhalb der Durchlegierungsstrecke 2 von 750°C auf 930°C zu.
Die durch die Durchlegierungsstrecke 2 beförderte Stahlblechplatine erwärmt sich somit
aufgrund der innerhalb der Durchlegierungsstrecke 2 herrschenden Ofentemperatur bzw.
Wärmeeinwirkung auf die zu erwärmende durchzulegierende Stahlblechplatine. In der
Abkühlstrecke 3 bzw. Vorwärmstrecke 4 ist eine relativ kontinuierliche Temperatur
von 350°C vorherrschend. Aufgrund einer Wahl der Transportgeschwindigkeit durch die
Vorwärmstrecke 4 bzw. Abkühlstrecke 3 ist es somit möglich die Erwärmungszeit sowie
am Ende 7, 10 der jeweiligen Strecke 2, 3, 4 eingenommene Vorerwärmungstemperatur
bzw. Abkühltemperatur zu beeinflussen. Die Vorwärmstrecke 4 und die Abkühlstrecke
3 weisen keine eigenen Heizmittel auf. Hierzu ist eine Trennschicht 18 vorgesehen,
zwischen Durchlegierungsstrecke 2 und Abkühlstrecke 3 bzw. Vorerwärmungsstrecke 4.
Durch Vorauswahl, Regelung und/oder Steuerung der Trennschicht ist es möglich den
Wärmeübergang von der Durchlegierungsstrecke 2 in die Abkühlstrecke 3 bzw. Vorerwärmungsstrecke
4 zu beeinflussen.
[0045] Figur 2a und b zeigen eine alternative Ausgestaltungsvariante zu Figur 1a und b.
Auch hier sind auf die Vertikalrichtung V bezogen die einzelnen Strecken 2, 3, 4 übereinander
gestapelt angeordnet. Im Gegensatz zu Figur 1 ist jedoch die Vorwärmstrecke 4 in der
Mitte angeordnet, die Abkühlstrecke 3 oben angeordnet sowie die Durchlegierungsstrecke
2 wiederum unten angeordnet, jeweils auf die Bildebene bzw. Vertikalrichtung V bezogen.
Die vorbeschichteten Stahlblechplatinen 5 werden somit wiederum von einem Stapel 6
an einem Ende 7 in die Vorwärmstrecke 4 eingeführt, durchlaufen die Vorwärmstrecke
4 und werden durch einen am Ende der Vorwärmstrecke 4 angeordneten Vertikalförderer
11 in die Durchlegierungsstrecke 2 überführt. Im Anschluss durchlaufen diese die Durchlegierungsstrecke
2 in deren Transportrichtung 12 und werden wiederum am anfänglichen Ende 7 von einem
Vertikalförderer 11 in die Abkühlstrecke 3 überführt, in diesem Beispiel angehoben
und durchlaufen die Abkühlstrecke 3.
[0046] Am Ende 10 der Abkühlstrecke 3 werden die abgekühlten Stahlblechplatinen 16 entnommen
und einem Platinenstapel 17 zugeführt. Auch hier sind wiederum Heizmittel 13 vorgesehen,
in der Durchlegierungsstrecke 2 sowie thermische Trennschicht 18, so dass Wärmeenergie
von der Durchlegierungsstrecke 2 an die Vorwärmstrecke 4 bzw. Abkühlstrecke 3 übergeben
wird.
[0047] Das Temperaturprofil des Wärmebehandlungsofens 1 gemäß Figur 2a findet sich in Figur
2b wieder.
[0048] Ebenfalls erkennbar in Figur 2b ist, dass das Temperaturprofil der Durchlegierungsstrecke
2 auf die Bildebene bezogen von links nach rechts zunimmt. Durch die thermische Trennschicht
sind die Temperaturprofile von Abkühlstrecke 3 und Vorwärmstrecke 4 geringer als die
der Durchlegierungsstrecke 2. Jedoch zeigt sich auch der Verlauf die Bildebene von
links nach rechts, wonach die Temperatur innerhalb der Strecke zunimmt.
[0049] Figur 3a und b zeigt eine alternative Ausgestaltungsvariante des erfindungsgemäßen
Wärmebehandlungsofens 1. Hierbei sind die einzelnen Strecken 2, 3, 4 in Horizontalrichtung
H nebeneinander liegend angeordnet. Die vorbeschichteten Stahlblechplatinen 5 werden
wiederum von einem Stapel 6in eine Vorwärmstrecke 4 an einem Ende 7 des Wärmebehandlungsofens
1 eingelegt und durchlaufen die Vorwärmstrecke 4 in deren Transportrichtung 9. Am
Ende 10 werden diese über einen Horizontalförderer 19 in Horizontalrichtung H in eine
parallel liegende Durchlegierungsstrecke 2 überführt und durchlaufen die Durchlegierungsstrecke
2 in deren Transportrichtung 12, am anfänglichen Ende 7 werden die durchlegierten
Stahlblechplatinen 14 von einem weiteren Horizontalförderer 19 in Horizontalrichtung
H in eine parallel zur Durchlegierungsstrecke 2 liegende Abkühlstrecke 3 überführt
und durchlaufen die Abkühlstrecke 3 in deren Transportrichtung 15. Am Ende 10 der
Abkühlstrecke 3 werden die abgekühlten Stahlblechplatinen 16 entnommen und auf einem
Platinenstapel 17 gelagert, so dass diese einer weiteren Verwendung zugeführt werden
können.
[0050] Figur 3b zeigt wiederum ein Temperaturprofil der parallel nebeneinander liegenden
Strecken 2, 3, 4. Zu erkennen ist, dass in der Vorwärmstrecke 4 zunächst mit einer
Übertemperatur zur schnelleren Vorwärmung der vorbeschichteten Stahlblechplatinen
5 gearbeitet wird, im Anschluss daran wird in der Durchlegierungsstrecke 2 die Temperatur
von 750°C auf 930°C Innentemperatur und somit auch der den Ofen durchlaufenden Platinen
erhöht, so dass eine Durchlegierung stattfindet. Im Anschluss daran wird eine Abkühlstrecke
3 durchlaufen von 400°C auf 300°C, so dass eine kontrollierte Abkühlung der durchlegierten
Stahlblechplatine 14 auf ca. kleiner 350°C am Ende der Abkühlstrecke 3 erfolgt. Die
Abkühlstrecke 3 sowie die Vorwärmstrecke 4 liegen parallel neben der Durchlegierungsstrecke
2, so dass in dieser Ausgestaltungsvariante nicht dargestellte Heizmittel der Durchlegierungsstrecke
2 entsprechend auch die Abkühlstrecke 3 bzw. Vorwärmstrecke 4 mit temperieren.
[0051] Figur 4a zeigt einen Wärmebehandlungsofen 1 mit separater Vorwärmkammer 20 sowie
einer Durchlegierungsstrecke 2 und Abkühlstrecke 3 in Form eines übereinander liegenden
Durchlaufofens. Zunächst werden die vorbeschichteten Stahlblechplatinen 5 von einem
Stapel 6 überführt in die Vorwärmkammer 20. Die Vorwärmkammer 20 wird dabei optional
mit Abluft 21 aus dem eigentlichen Wärmebehandlungsofen 1 betrieben. Die vorbeschichteten
Stahlblechplatinen 5 werden in Transportrichtung 9 durch die Vorwärmkammer 20 auf
die Vertikalrichtung V bezogen nach oben transportiert und dort von einem Vertikalförderer
11 wiederum abwärts bewegt in die Durchlegierungsstrecke 2. Diese ist wiederum als
Durchlaufofen mit Heizmitteln 13 ausgebildet, so dass die Platinen durchlegiert werden
und die durchlegierten Stahlblechplatinen 14 von einem Vertikalförderer 11 an einem
Ende 7 der Durchlegierungsstrecke 2 auf die Vertikalrichtung V bezogen angehoben werden
und in die Abkühlstrecke 3 überführt werden. Die Abkühlstrecke 3 durchlaufen sie im
Gegenstromprinzip zu der Durchlegierungsstrecke 2 in deren Transportrichtung 15. Am
Ende der Abkühlstrecke 3 können zusätzlich Kühlmittel 22, beispielsweise auflegbare
Kühlplatten vorgesehen sein. Die durchlegierten und abgekühlten Stahlblechplatinen
16 können dann einer weiteren Verarbeitung oder Lagerung zugeführt werden.
[0052] Figur 4b zeigt wiederum ein Temperaturprofil der Abkühlstrecke 3 und Durchlegierungsstrecke
2 sowie der Vorwärmkammer 20 gemäß Figur 4a.
[0053] Figur 5a und b zeigen eine weitere alternative Ausgestaltungsvariante mit einer Vorwärmstrecke
4 sowie einer auf die Vertikalrichtung V bezogen darunter angeordneten Durchlegierungstrecke
2 sowie ein beispielhaftes Temperaturprofil. Hier ist eine Vorwärmstrecke 4 und eine
Durchlegierungsstrecke 2 dargestellt. Am Ende der Durchlegierungsstrecke 2 ist ein
Kühlmittel 22 vorgesehen. Alternativ oder ergänzend zu dem Kühlmittel 22 ist ein Isolationstransportgestell
23 vorgesehen, in welches die durchlegierten Stahlblechplatinen 14 eingelegt werden
und dann in diesem gezielt abkühlen. Die Abkühlrate kann durch die Dicke des Isolationsmaterials
des Isolationsabkühlgestells beeinflusst werden.
[0054] In Figur 6 wird zunächst eine vorbeschichtete Stahlblechplatine 5 einem Wärmebehandlungsofen
1 zugeführt. Nach Durchlaufen des Wärmebehandlungsofens 1 ist diese Stahlblechplatine
14 durchlegiert und wird einer Temperierstation 24 zugeführt und es wird eine Schnellerwärmung
durchgeführt. Die zumindest bereichsweise mit der Schnellerwärmung auf über Ac3 temperierte
durchlegierte Stahlblechplatine 14 wird dann einem kombinierten Warmumform- und Presshärtewerkzeug
25 zugeführt und warmumgeformt sowie durch rasches Abkühlen gehärtet. Somit wird erfindungsgemäß
ein Kraftfahrzeugbauteil 26 hergestellt, welches aufgrund der erfindungsgemäßen Wärmebehandlung
sowohl eine Korrosionsschutzschicht aufweist als auch eine reduzierte Rissneigung.
Das Verfahren ist insbesondere anwendbar auf Stahlblechplatinen aus AlSi-vorbeschichteten
Blechbändern mit in Walzrichtung der Bänder bereichsweise reduzierter Blechdicke,
auch Tailor Rolled Blanks genannt. Insbesondere sind die stärker dickenreduzierten
Bereiche mit dünnerer Blechdicke aufgrund des geringen Wasserstoffgehalts weniger
riss- bzw. bruchanfällig. Das Walzen erfolgt idealerweise als Kaltwalzen. So lassen
sich beschichtete Bauteile mit belastungsgerechter Blechdickenverteilung ohne Rissneigung
herstellen. Es können auch andere Stahlbauteile mit mindestens zwei Bereichen unterschiedlicher
Wandstärke bzw. Blechdicke mit dem Verfahren hergestellt werden. Oben genannte Vorteile
gelten entsprechend.
Bezugszeichen:
[0055]
- 1 -
- Wärmebehandlungsofen
- 2 -
- Durchlegierungsstrecke
- 3 -
- Abkühlstrecke
- 4 -
- Vorwärmstrecke
- 5 -
- vorbeschichtete Stahlblechplatine
- 6 -
- Stapel zu 5
- 7 -
- Ende zu 1
- 8 -
- Rolle
- 9 -
- Transportrichtung zu 4
- 10 -
- Ende zu 1
- 11 -
- Vertikalförderer
- 12 -
- Transportrichtung zu 2
- 13 -
- Heizmittel
- 14 -
- durchlegierte Stahlblechplatine
- 15 -
- Transportrichtung zu 3
- 16 -
- gekühlte Stahlblechplatine
- 17 -
- Platinenstapel zu 16
- 18 -
- Trennschicht
- 19 -
- Horizontalförderer
- 20 -
- Vorwärmkammer
- 21 -
- Abluft
- 22 -
- Kühlmittel
- 23 -
- Isolationstransportgestell
- 24 -
- Temperierstation
- 25 -
- Warmumform- und Presshärtewerkzeug
- 26 -
- Kraftfahrzeugbauteil
- A -
- Abstand
- H -
- Horizontalrichtung
- V -
- Vertikalrichtung
- Q̇-
- Wärmestrahlung
1. Wärmebehandlungsofen (1) für beschichtete Stahlblechplatinen (5), aufweisend mindestens
eine Ofenkammer sowie ein Transportsystem zum Durchführen der Stahlblechplatinen durch
die Ofenkammer, dadurch gekennzeichnet, dass eine Vorwärmkammer (20), eine Durchlegierungsstrecke (2) und eine Abkühlkammer vorgesehen
sind, wobei die Stahlblechplatine in der Vorwärmkammer auf eine Temperatur größer
200°C erwärmbar ist, in der Durchlegierungsstrecke (2) auf eine Temperatur über AC3
Temperatur erwärmbar ist und in der Abkühlkammer auf eine Temperatur kleiner 450°C
abkühlbar ist.
2. Wärmebehandlungsofen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorwärmkammer (20) als Vorwärmstrecke (4) und/oder die Abkühlkammer als Abkühlstrecke
(3) ausgebildet ist/sind.
3. Wärmebehandlungsofen nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Durchlegierungsstrecke (2) und die Vorwärmstrecke (4), und/oder die Abkühlstrecke
(3) in einem Durchlaufofen angeordnet sind, insbesondere parallel übereinander oder
parallel nebeneinander.
4. Wärmebehandlungsofen nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass in der Durchlegierungsstrecke (2) Heizmittel (13) angeordnet sind, so dass eine Temperatur
größer Ac3 vorherrscht und dass die Abkühlstrecke (3) und/oder die Vorwärmstrecke
(4) über eine temperaturdurchlässige Trennschicht von der Durchlegierungsstrecke (2)
separiert sind, so dass ein Teil der Wärmeenergie der Durchlegierungsstrecke (2) die
Vorwärmstrecke (4) und/oder die Abkühlstrecke (3) heizt.
5. Wärmebehandlungsofen nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass an einem jeweiligen Ende (7, 10) des Wärmebehandlungsofens (1) Manipulatoren vorgesehen
sind, so dass die wärmebehandelten Stahlblechplatinen in die einzelnen Strecken überführbar
sind, insbesondere Vertikalförderer (11) oder Horizontalförderer (19).
6. Wärmebehandlungsofen nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Abkühlkammer von dem Wärmebehandlungsofen (1) separiert ist und insbesondere
mit Abluft (21) aus dem Wärmebehandlungsofen (1) betrieben ist.
7. Verfahren zum Wärmebehandeln einer vorbeschichteten Stahlblechplatine, wobei eine
vorbeschichtete Stahlblechplatine (5) durchlegiert wird,
gekennzeichnet, durch folgende Verfahrensschritte:
- Erwärmen der vorbeschichteten Stahlblechplatine (5) von Raumtemperatur auf eine
Vorwärmtemperatur oberhalb von 200°C,
- Danach Erwärmen auf Durchlegierungstemperatur über AC3 Temperatur, so dass die Vorbeschichtung
durchlegiert wird,
- Danach Abkühlen der durchlegierten Stahlblechplatine (14) auf eine Abkühltemperatur
kleiner 450°C in einer Zeit größer 30s,
- Danach Lagern oder Weiterverarbeiten der abgekühlten Stahlblechplatine (16).
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Erwärmen auf Vorwärmtemperatur oberhalb von 250°C, insbesondere 250°C bis 450°C
erfolgt und/oder dass das Abkühlen auf eine Abkühltemperatur zwischen 450°C und 300°C
erfolgt und optional in einem weiteren Abkühlprozess auf eine Temperatur kleiner 300°C
abgekühlt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Erwärmen auf Durchlegierungstemperatur als Schnellerwämung durchgeführt wird
mit einer Zeit kleiner 20s pro mm Blechdicke der zu erwärmenden Stahlblechplatine,
bevorzugt weniger als 10s pro mm Blechdicke, insbesondere weniger als 5s pro mm Blechdicke.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Abkühlen größer 30 s pro mm Blechdicke der abzukühlenden Blechplatine erfolgt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass eine Schichtdicke der Beschichtung kleiner 0,6 µm erzeugt wird und bevorzugt größer
0,15 µm und/oder dass der Anteil atomaren Wasserstoffs kleiner 0,5 ppm, insbesondere
kleiner 0,3 ppm ist.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass eine Stahlblechplatine aus einer härtbaren Stahllegierung mit einer Vorbeschichtung
aus eine Al-Si Legierung wärmebehandelt wird, so dass sich wenigstens eine intermetallische
Phase aus Fe-Al bildet.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Wärmestrahlung der durch die Abkühlstrecke (3) geführten Stahlblechplatinen (14)
genutzt wird, um die durch die Vorwärmstrecke (4) geführten Stahlblechplatinen (5)
mit zu erwärmen.
14. Verfahren zur Herstellung eines warmumgeformten und pressgehärteten Kraftfahrzeugbauteils
(26), wobei eine vorbeschichtete, durchlegierte Stahlblechplatine (14) hergestellt
gemäß dem Verfahren von Anspruch 7 verwendet wird, dadurch gekennzeichnet, dass die durchlegierte Stahlblechplatine (14) einer Zeit von weniger als 20 s zumindest
partiell, bevorzugt vollständig auf eine Temperatur größer gleich der Austenitisierungstemperatur
(Ac3) erwärmt wird, danach warmumgeformt und pressgehärtet wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die durchlegierte Stahlblechplatine (14) von der Abkühltemperatur schnell erwärmt
wird oder dass die durchlegierte Stahlblechplatine (14) aus einem Lager entnommen
wird und sich auf Raumtemperatur befindet.
16. Verfahren nach Anspruch 14 oder 15, dadurch gekennzeichnet, dass das hergestellte Kraftfahrzeugbauteil (26) zumindest bereichsweise, insbesondere
vollständig eine Zugfestigkeit Rm größer 1250 MPa, insbesondere größer 1450 MPa aufweist
und/oder dass der Anteil atomaren Wasserstoffs kleiner 0,5 ppm, insbesondere kleiner
0,3 ppm ist.