(19)
(11) EP 3 184 679 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
28.06.2017  Patentblatt  2017/26

(21) Anmeldenummer: 16200132.5

(22) Anmeldetag:  23.11.2016
(27) Früher eingereichte Anmeldung:
 19.12.2015 DE 102015016594
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
D01H 4/24(2006.01)
D01H 4/44(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
MA MD

(30) Priorität: 19.12.2015 DE 102015016594

(71) Anmelder: Saurer Germany GmbH & Co. KG
42897 Remscheid (DE)

(72) Erfinder:
  • Balboul, Nour-Eddine
    50969 Köln (DE)

(74) Vertreter: Schniedermeyer, Markus 
Saurer Germany GmbH & Co. KG Patentabteilung Carlstraße 60
52531 Übach-Palenberg
52531 Übach-Palenberg (DE)

   


(54) VERFAHREN ZUM BETREIBEN EINER OFFENEND-ROTORSPINNEINRICHTUNG UND OFFENEND-ROTORSPINNMASCHINE MIT EINER VIELZAHL NEBENEINANDER ANGEORDNETER OFFENEND-ROTORSPINNEINRICHTUNGEN


(57) Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinneinrichtung (1). Zum Spinnen wird ein Rotorgehäuse (2) mit einem Deckelelement (8) verschlossen und mittels einer Unterdruckversorgung (10) mit Unterdruck beaufschlagt, ein Spinnrotor (3) rotiert in dem Rotorgehäuse (2) und ein an dem Deckelelement (8) befestigter Ansatz (12) mit einem Fadenabzugskanal (15) ragt in den Spinnrotor. Beim Bremsen des Spinnrotors (2) wird die Drehzahl des Spinnrotors (2) reduziert, der Unterdruck in dem Rotorgehäuse (2) wird oberhalb einer ersten Drehzahl (n1), bei der die Fliehkräfte einen Faserring (5) noch sicher in der Rotorrille (4) des Spinnrotors (3) halten, aufgehoben und der Faserring (5) wird durch Verlagerung des Deckelelementes (8) zwischen einer Öffnungsstellung und einer Schließstellung unterhalb einer zweiten Drehzahl (n2), bei der der Faserring (5) aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse (2) wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt. Die vorliegende Erfindung betrifft außerdem eine Offenend-Rotorspinnmaschine zur Durchführung des Verfahrens.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinneinrichtung und eine Offenend-Rotorspinnmaschine mit einer Vielzahl nebeneinander angeordneter Offenend-Rotorspinneinrichtungen.

[0002] Offenend-Rotorspinnmaschinen weisen eine Vielzahl nebeneinander angeordneter Arbeitsstellen auf. An den Arbeitsstellen ist jeweils eine Offenend-Rotorspinneinrichtung angeordnet. Eine Offenend-Rotorspinneinrichtung umfasst ein Rotorgehäuse mit einem Deckelelement zum Verschließen des Rotorgehäuses. In dem Rotorgehäuse ist ein Spinnrotor angeordnet. Der Spinnrotor ist drehbar gelagert. Der Spinnrotor kann zum Spinnen auf verschiedene Weise angetrieben werden. Es ist bekannt, die Spinnrotoren mehrerer Offenend-Rotorspinneinrichtungen über einen gemeinsamen Antrieb anzutreiben. Die Kraft kann von dem gemeinsamen Antrieb auf die Spinnrotoren beispielsweise mittels eines Riemens übertragen werden. Es ist auch bekannt, dass jedem Spinnrotor ein elektromotorischer Einzelantrieb zugeordnet ist. In Verbindung mit einem Einzelantrieb ist der Spinnrotor vorzugsweise berührungslos gelagert. Eine berührungslose Lagerung kann als magnetische Lagerung ausgebildet sein. Berührungslos gelagerte Spinnrotoren mit Einzelantrieben sind besonders empfindlich gegen Verschmutzungen.

[0003] Zum Spinnen ist ein Unterdruck in dem Rotorgehäuse erforderlich. Deshalb weisen bekannte Offenend-Rotorspinnmaschinen eine zentrale Unterdruckquelle und eine maschinenlange Unterdruckleitung auf. Die Unterdruckversorgung der Offenend-Rotorspinneinrichtungen wird durch einen Anschluss des Rotorgehäuses an die maschinenlange Unterdruckleitung realisiert.

[0004] Im Spinnbetrieb wird über einen Faserleitkanal Fasermaterial in das Rotorgehäuse eingeführt und der fertig gesponnene Faden wird über einen Fadenabzugskanal aus dem Rotorgehäuse abgezogen. Das spinnrotorseitige Ende des Fadenabzugskanals befindet sich an einem Ansatz, der an dem Deckelelement befestigt ist und in den Spinnrotor ragt.

[0005] Die DE 10 2004 016 547 B4 offenbart ein Verfahren zum Reinigen eines Spinnrotors. Die Reinigung wird bereits am noch drehenden oder auslaufenden Spinnrotor durchgeführt. Dazu wird das Deckelelement des Rotorgehäuses mittels einer verfahrbaren Wartungseinrichtungseinrichtung automatisch geöffnet und dem Spinnrotor eine Reinigungseinrichtung zugestellt, wobei eine Mindestdrehzahl des Spinnrotors noch nicht unterschritten ist. In der Rotorrille des Spinnrotors sammeln sich Faserringe, die durch die Fliehkräfte in der Rotorrille gehalten werden. Die Reinigungseinrichtung soll eingreifen, bevor sich ein Faserring aus der Rotorrille löst. Eine solche Reinigungseinrichtung kann zum Beispiel den äußeren, den Spinnrotor umgebenen Ringraum abdichten und so ein Austreten der Fasern verhindern. Das Verfahren soll verhindern, dass sich Faser um den Ansatz mit dem Fadenabzugskanal legen und beim Öffnen des Deckelelementes aus dem Spinnrotor herausgezogen werden.

[0006] Darüber hinaus können sich beim Bremsen des Spinnrotors nicht nur Fasern um den Ansatz mit dem Fadenabzugskanal legen, sondern es können sich die Fasern bei geschlossenem Deckelelement zwischen der Außenwand des Spinnrotors und dem Ansatz bewegen und hinter den Spinnrotor gelangen. Die Fasern können dann die Lagerung verschmutzen und es kann zu Ausfällen der Offenend-Rotorspinneinrichtungen kommen. Besonders empfindlich gegen Verschmutzungen sind auch elektromotorische Einzelantriebe, die hinter dem Spinnrotor angeordnet sind. Bei berührungslosen Lagerungen können Verschmutzungen des Lagerluftspaltes schnell zu Fehlern führen.

[0007] Das in der DE 10 2004 016 547 B4 beschriebene Verfahren würde zwar eine Verschmutzung des Antriebes und der Lagerung verhindern; die Reinigungseinrichtung ist jedoch relativ aufwendig und bei jedem Bremsvorgang müsste zuerst die Wartungs-einrichtung vor der Offenend-Rotorspinneinrichtung positioniert werden.

[0008] Es ist damit die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, auf einfache Weise zu verhindern, dass sich beim Bremsen des Spinnrotors Fasern um den Ansatz mit der Fadenabzugsdüse legen.

[0009] Zur Lösung der Aufgabe wird ein Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinneinrichtung vorgeschlagen. Zum Spinnen wird ein Rotorgehäuse mit einem Deckelelement verschlossen und mittels einer Unterdruckversorgung mit Unterdruck beaufschlagt, ein Spinnrotor rotiert in dem Rotorgehäuse und ein an dem Deckelelement befestigter Ansatz ragt mit einem Fadenabzugskanal in den Spinnrotor. Beim Bremsen des Spinnrotors wird die Drehzahl des Spinnrotors reduziert, der Unterdruck in dem Rotorgehäuse wird oberhalb einer ersten Drehzahl, bei der die Fliehkräfte einen Faserring noch in der Rotorrille des Spinnrotors halten, aufgehoben, und der Faserring wird durch Verlagerung des Deckelelementes zwischen einer Öffnungsstellung und einer Schließstellung unterhalb einer zweiten Drehzahl, bei der der Faserring aufgrund der nachlassenden. Fliehkräfte bereits zusammengefallen ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt.

[0010] Wie bereits erläutert, legen sich beim Bremsen des Spinnrotors in dem geschlossenen Rotorgehäuse Fasern um den in den Spinnrotor ragenden Ansatz. Der Grund dafür liegt aber nicht alleine in den nachlassenden Fliehkräften und der Positionierung des Ansatzes im Innenraum des Spinnrotors; vielmehr haben die Strömungsverhältnisse in dem geschlossenen Rotorgehäuse entscheidenden Einfluss. Zum Spinnen muss in dem Rotorgehäuse ein Unterdruck herrschen; beim Bremsen wird dieser Unterdruck aber zum Problem. Der Unterdruck sorgt dafür, dass über die spinntechnologisch notwendigen Öffnungen in dem Rotorgehäuse, insbesondere durch den Fadenabzugskanal, Luft in das Rotorgehäuse strömt. Dadurch ergibt sich in dem Rotorgehäuse eine Luftströmung vom Inneren des Spinnrotors vorbei an dem Ansatz heraus aus dem Spinnrotor. Aus der Rotorrille aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte herausgefallene Fasern bewegen sich entlang der Luftströmung. Die Restdrehung des Spinnrotors unterstützt diese Bewegung noch.

[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren setzt bei dieser Erkenntnis an. Demnach soll der Unterdruck in dem Rotorgehäuse aufgehoben werden, bevor die Fliehkräfte einen in der Rotorrille befindlichen Faserring nicht mehr in der Rotorrille halten. Durch das Aufheben des Unterdrucks wird die oben beschriebene Luftströmung unterbunden. Ein aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte zusammengefallender Faserring verbleibt damit im Inneren des Spinnrotors. Anders als im Stand der Technik beschrieben, ist es also nicht erforderlich, dass möglichst schnell eine Reinigungseinrichtung eingreift. Vielmehr können die im Inneren des Spinnrotors befindlichen Fasern später auf einfache Weise durch eine Verlagerung des Deckelelementes bei wiederhergestelltem Unterdruck abgesaugt werden. Damit erfordert das erfindungsgemäße Verfahren keine zusätzliche Reinigungseinrichtung. Die Verlagerung des Deckelelementes kann durch einen Stellvorrichtung an der Arbeitsstelle erfolgen.

[0012] Bei der Verlagerung des Deckelelementes zwischen einer Öffnungsstellung und einer Schließstellung wird eine Stellung des Deckelelementes durchlaufen, bei der das Deckelelement so weit geöffnet ist, dass ausreichend Platz zwischen dem Ansatz und dem Spinnrotor vorhanden ist, und das Deckelelement so weit geschlossen ist, dass ein ausreichender Unterdruck in dem Rotorgehäuse herrscht, um die Fasern abzusaugen.

[0013] Die Verlagerung des Deckelementes kann bei noch drehendem Spinnrotor oder bei bereits stillstehendem Spinnrotor erfolgen. Wichtig ist nur, dass die zweite Drehzahl, bei der der Faserring bereits zusammengefallen ist, unterschritten ist. Ansonsten wäre die Verlagerung kontraproduktiv und würde genau das bewirken, was die vorliegende Erfindung verhindern soll, nämlich das sich Fasern um den Ansatz legen.

[0014] Um den Unterdruck in dem Rotorgehäuse oberhalb der ersten Drehzahl aufzuheben, sind prinzipiell zwei Alternativen denkbar.

[0015] Die eine Möglichkeit ist die Verlagerung des Deckelelementes in die Öffnungsstellung. Auch wenn die Unterdruckversorgung weiter Luft aus dem Rotorgehäuse absaugt, wird die Luft über die Öffnung sofort nachgeliefert, so dass in dem Rotorgehäuse kein Unterdruck herrscht.

[0016] Die andere Möglichkeit ist das Abschalten der Unterdruckversorgung der Offenend-Rotorspinneinrichtung. Beim Abschalten der Unterdruckversorgung kann das Deckelelement zunächst auch geschlossen bleiben. Das Abschalten der Unterdruckversorgung hat den Vorteil, dass eine Unterdruckquelle der Offenend-Rotorspinnmaschine weniger belastet ist und Energie gespart wird. Der Energieverbrauch der Unterdruckquelle ist bei einem geöffneten Rotorgehäuse deutlich höher als bei einem geschlossenen Rotorgehäuse.

[0017] Gemäß einer möglichen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Deckelelement zum Absaugen des zusammengefallenen Faserrings unterhalb der zweiten Drehzahl bei wirksamer Unterdruckversorgung von der Öffnungsstellung in die Schließstellung überführt wird. Dieser Verfahrensschritt lässt sich unabhängig von der Vorgeschichte ausführen. Wurde die Aufhebung des Unterdrucks in dem Rotorgehäuse durch Öffnen des Deckelelementes erreicht, ohne dass die Unterdruckversorgung abgeschaltet wurde, ist die Unterdruckversorgung wirksam und das Deckelelement kann direkt in die Schließstellung überführt werden. Wurde die Aufhebung des Unterdrucks durch Abschalten der Unterdruckversorgung erreicht, kann das Deckelelement irgendwann geöffnet werden. Solange die Unterdruckversorgung ausgeschaltet ist, ist das Öffnen des Deckelelementes ohne Wirkung. Vor dem Schließen des Deckelelementes muss die Unterdruckversorgung allerdings wieder eingeschaltet werden, damit der zusammengefallene Faserring beim Schließen auch abgesaugt wird.

[0018] Alternativ kann der zusammengefallene Faserring auch abgesaugt werden, indem das Deckelelement unterhalb der zweiten Drehzahl bei wirksamer Unterdruckversorgung von der Schließstellung in die Öffnungsstellung überführt wird. Eine solche Vorgehensweise bietet sich vor allem an, wenn das Aufheben des Unterdrucks durch Abschalten der Unterdruckversorgung erreicht wurde. Die Unterdruckversorgung muss dann vor dem Öffnen vorzugsweise im Stillstand des Spinnrotors wieder eingeschaltet werden.

[0019] Die Aufgabe wird außerdem durch eine Offenend-Rotorspinnmaschine zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens mit einer Vielzahl nebeneinander angeordneter Offenend-Rotorspinneinrichtungen gelöst. Die Offenend-Rotorspinneinrichtungen weisen jeweils ein Rotorgehäuse, einen in dem Rotorgehäuse angeordneten Spinnrotor, ein Deckelelement zum Verschließen des Rotorgehäuses, das zwischen einer Öffnungsstellung und einer Schließstellung verlagerbar ist, eine Stellvorrichtung zur Verlagerung des Deckelelementes zwischen der Öffnungsstellung und der Schließstellung, einen an dem Deckelelement befestigten Ansatz mit einem Fadenabzugskanal, der in der Schließstellung in den Spinnrotor ragt, und eine Unterdruckversorgung zur Beaufschlagung des Rotorgehäuses mit Unterdruck auf. Zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist eine Steuereinrichtung dazu ausgebildet, eine oder mehrere Offenend-Rotorspinneinrichtungen beim Bremsen des Spinnrotors so anzusteuern, dass der Unterdruck in dem Rotorgehäuse oberhalb einer ersten Drehzahl, bei der die Fliehkräfte einen Faserring noch in der Rotorrille des Spinnrotors halten, aufgehoben wird. Weiter ist die Steuereinrichtung dazu ausgebildet, eine oder mehrere Offenend-Rotorspinneinrichtungen so anzusteuern, dass der Faserring durch Verlagerung des Deckelelementes zwischen der Öffnungsstellung und der Schließstellung unterhalb einer zweiten Drehzahl, bei der der Faserring aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt wird.

[0020] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist die Steuereinrichtung zur Aufhebung des Unterdrucks dazu ausgebildet, oberhalb der ersten Drehzahl die Stellvorrichtung so anzusteuern, dass das Deckelelement in die Öffnungsstellung verlagert wird.

[0021] Gemäß einer anderen Ausführungsform ist ein Ventil zur Abschaltung der Unterdruckversorgung vorhanden und die Steuereinrichtung ist dazu ausgebildet, zur Abschaltung der Unterdruckversorgung oberhalb der ersten Drehzahl das Ventil zu schließen.

[0022] Gemäß einer Weiterbildung der erfindungsgemäßen Offenend-Rotorspinnmaschine ist die Steuereinrichtung dazu ausgebildet, die Stellvorrichtung so anzusteuern, dass das Deckelelement unterhalb der zweiten Drehzahl bei wirksamer Unterdruckversorgung von der Öffnungsstellung in die Schließstellung überführt wird.

[0023] Die Steuereinrichtung kann ferner dazu ausgebildet sein, die Stellvorrichtung so anzusteuern, dass das Deckelelement unterhalb der zweiten Drehzahl bei wirksamer Unterdruckversorgung von der Schließstellung in die Öffnungsstellung überführt wird.

[0024] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.

[0025] Es zeigen:
Fig. 1
eine Seitenansicht einer Offenend-Rotorspinneinrichtung einer erfindungsgemäßen Offenend-Rotorspinnmaschine;
Fig. 2
eine Darstellung der Strömungsverhältnisse in einem Spinnrotor
Fig. 3
Drehzahlverlauf beim Bremsen des Spinnrotors.


[0026] Die in Fig. 1 dargestellte Offenend-Rotorspinneinrichtung einer Offenend-Rotorspinnmaschine trägt insgesamt die Bezugszahl 1. Solche Offenend-Rotorspinnvorrichtungen verfügen, wie bekannt, jeweils über ein Rotorgehäuse 2, in dem ein Spinnrotor 3 mit hoher Drehzahl n umläuft. Der Spinnrotor 3 wird durch einen elektromotorischen Einzelantrieb 33 in Drehung versetzt. Der Antrieb 33 beinhaltet gleichzeitig die magnetische Lagerung des Spinnrotors 3.

[0027] Wie aus Fig. 1 ersichtlich, ist das nach vorne hin an sich offene Rotorgehäuse 2 während des Spinnbetriebes durch ein schwenkbar gelagertes Deckelelement 8, in das eine (nicht näher dargestellte) Kanalplatte mit einer Dichtung 9 eingelassen ist, verschlossen.

[0028] Das Rotorgehäuse 2 ist außerdem über eine entsprechende Unterdruckleitung 10 an eine Unterdruckquelle 11 angeschlossen, die den beim Spinnprozess im Rotorgehäuse 2 benötigten Spinnunterdruck erzeugt. Die Unterdruckleitung 10 bildet die Unterdruckversorgung der Offenend-Rotorspinneinrichtung 1. Die Unterdruckquelle 11 versorgt auch die übrigen Offenend-Rotorspinneinrichtungen der Offenend-Rotorspinnmaschine. Um die Unterdruckversorgung bei Bedarf abschalten zu können, weist die Unterdruckleitung 10 ein Ventil 31 auf.

[0029] Im Deckelelement 8 ist ein Ansatz 12 angeordnet, der das rotorseitige Ende 13 des Fadenabzugskanals 15 sowie den Mündungsbereich des Faserleitkanals 14 aufweist. Außerdem ist am Deckelelement 8, das um eine Schwenkachse 16 begrenzt drehbar gelagert ist, ein Auflösewalzengehäuse 17 festgelegt. Das Deckelelement 8 weist des Weiteren rückseitig Einzelantriebe 19, 20 für eine Auflösewalze 21 beziehungsweise einen Faserbandeinzugszylinder 22 auf.

[0030] Zum Öffnen und Schließen des Deckelelementes 8 ist an der Offenend-Rotorspinneinrichtung 1 eine als Pneumatikzylinder ausgebildete Stellvorrichtung 32 vorhanden. Die Fig. 1 zeigt das Deckelelement in einer Schließstellung. Durch Ausfahren des Pneumatikzylinders 32 schwenkt das Deckelelement 8 um die Schwenkachse 16 von dem Rotorgehäuse 2 weg. Das Deckelement 8 kann so in eine Öffnungsstellung überführt werden. Für eine Öffnungsstellung zum Zwecke der vorliegenden Erfindung ist es nicht unbedingt erforderlich, dass der Spinnrotor ungehindert zugänglich. Es ist ausreichend, wenn die Umgebungsluft ungehindert eindringen kann. Das wird dadurch erreicht, dass die Dichtung 9 vollständig von dem Rotorgehäuse 2 beabstandet ist.

[0031] Der Offenend-Rotorspinneinrichtung 1 ist eine Steuereinrichtung 34 zugeordnet. Die Steuereinrichtung 34 steuert die Stellvorrichtung 32 und das Ventil 31 bei Bedarf an. In dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist die Steuereinrichtung 34 außerdem zur Ansteuerung des elektromotorischen Einzelantriebes 33 ausgebildet. Die Steuereinrichtung 34 kann Verbindungen zu anderen Elementen der Arbeitsstelle oder der Offenend-Rotorspinnmaschine aufweisen.

[0032] In Fig. 2 ist der Spinnrotor 3 und der in den Spinnrotor 3 ragende Ansatz 12 mit dem Fadenanzugskanal 15 nur schematisch dargestellt, um die Strömungsverhältnisse in dem Spinnrotor 3 zu verdeutlichen. Während des Spinnens wird dem Spinnrotor 3 über den in Fig. 2 nicht dargestellten Faserleitkanal 14 ein Faserband zugeführt. Die Fasern bilden in der Rotorrille 4 einen Faserring 5. Die in der Rotorrille 4 gesammelten Fasern werden laufend in das Fadenende eingebunden und der Faden durch den Fadenabzugskanal 15 abgezogen. Beim Stillsetzen der Offenend-Rotorspinneinrichtung, zum Beispiel nach einem Fadenbruch, verbleibt der Faserring 5 aufgrund der Fliehkräfte zunächst in der Rotorrille 4. Beim Bremsen des Spinnrotors 3 nehmen die Fliehkräfte mit abnehmender Drehzahl entsprechend ab. Bei geschlossenem Deckelelement 8 und wirksamer Unterdruckversorgung 10, das heißt, bei geöffnetem Ventil 31, wird Luft durch den Fadenabzugskanal 15 in das Rotorgehäuse 2 eingesaugt. Die Pfeile 40 deuten die daraus resultierende Luftströmung an. Wenn die Fliehkräfte den Faserring 5 nicht mehr in der Rotorrille 4 halten, bringt die Luftströmung 40 den Faserring 5 aus der Rotorrille 4 in den Bereich zwischen dem Ansatz 15 und den Seitenwänden 41 des Spinnrotors 3. In diesem Bereich befindet sich in Fig. 2 der Faserring 5'. Durch die Drehung des Spinnrotors 3 schrauben sich die Fasern um den Ansatz 12. So können sich die Fasern aus dem Inneren des Spinnrotors herausbewegen und können über den Spinnrotor 3 in den Bereich hinter der Rückwand 42 des Spinnrotors gelangen. Von da aus gelangen die Fasern in den Antrieb 33. Dies zu verhindern ist das Ziel der vorliegenden Erfindung.

[0033] Im Folgenden soll das erfindungsgemäße Verfahren noch einmal erläutert werden. Die Fig. 3 zeigt einen Verlauf der Drehzahl n beim Bremsen des Spinnrotors 3, aufgetragen über die Zeit t. Der Spinnrotor 3 dreht zunächst mit der Spinndrehzahl n0. Die Drehzahl n wird reduziert und passiert dabei die Drehzahl n1. Die Drehzahl n1 ist so festgelegt, dass die Fliehkräfte den Faserring 5 bei dieser Drehzahl noch sicher in der Rotorrille 5 halten. Oberhalb der Drehzahl n1 wird der Unterdruck in dem Rotorgehäuse aufgehoben. Dazu gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten. Das Deckelelement 8 kann mittels der Stellvorrichtung 32 geöffnet werden, oder die Unterdruckversorgung 10 wird durch Schließen des Ventils 31 abgeschaltet. Die Ansteuerung der Stellvorrichtung 32 oder des Ventils 31 erfolgt mittels der Steuereinrichtung 34. Bei der Drehzahl n2 ist der Faserring 5 aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen. Die Fasern verbleiben im Inneren des Spinnrotors 3. Unterhalb der Drehzahl n2 können die Fasern des zusammengefallenen Faserrings 5 in der bereits beschriebenen Weise durch Verlagerung des Deckelelementes 8 abgesaugt werden. Auch hierzu erfolgt die Ansteuerung der Stellvorrichtung 32 und/ oder des Ventils 31 die Steuereinrichtung 34.

[0034] Die Drehzahlen n1 und n2 sind von verschiedenen Größen abhängig, insbesondere von dem Rotordurchmesser, aber auch von dem verarbeiteten Fasermaterial. Die Drehzahlen, bei denen der Unterdruck aufgehoben wird und die Fasern abgesaugt werden, können partiebezogen bestimmt werden und in der Steuereinrichtung 34 gespeichert sein.


Ansprüche

1. Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinneinrichtung (1)
wobei zum Spinnen
ein Rotorgehäuse (2) mit einem Deckelelement (8) verschlossen und mittels einer Unterdruckversorgung (10) mit Unterdruck beaufschlagt wird,
ein Spinnrotor (3) in dem Rotorgehäuse (2) rotiert und
ein an dem Deckelelement (8) befestigter Ansatz (12) mit einem Fadenabzugskanal (15) in den Spinnrotor (3) ragt,
und wobei beim Bremsen des Spinnrotors (3)
die Drehzahl des Spinnrotors (2) reduziert wird,
der Unterdruck in dem Rotorgehäuse (2) oberhalb einer ersten Drehzahl (n1), bei der die Fliehkräfte einen Faserring (5) noch in der Rotorrille (4) des Spinnrotors (3) halten, aufgehoben wird und
der Faserring (5) durch Verlagerung des Deckelelementes (8) zwischen einer Öffnungsstellung und einer Schließstellung unterhalb einer zweiten Drehzahl (n2), bei der der Faserring (5) aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse (2) wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Unterdruck oberhalb der ersten Drehzahl (n1) durch Verlagerung des Deckelelementes (8) in die Öffnungsstellung aufgehoben wird.
 
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Unterdruck oberhalb der ersten Drehzahl (n1) durch Abschalten der Unterdruckversorgung (10) der Offenend-Rotorspinneinrichtung (1) aufgehoben wird.
 
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Deckelelement (8) unterhalb der zweiten Drehzahl (n2) bei wirksamer Unterdruckversorgung (10) von der Öffnungsstellung in die Schließstellung überführt wird.
 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Deckelelement (8) unterhalb der zweiten Drehzahl (n2) bei wirksamer Unterdruckversorgung (10) von der Schließstellung in die Öffnungsstellung überführt wird.
 
6. Offenend-Rotorspinnmaschine mit einer Vielzahl nebeneinander angeordneter Offenend-Rotorspinneinrichtungen (1),
die Offenend-Rotorspinneinrichtungen (1) jeweils aufweisend ein Rotorgehäuse (2),
einen in dem Rotorgehäuse (2) angeordneten Spinnrotor (3),
ein Deckelelement (8) zum Verschließen des Rotorgehäuses (2), das zwischen einer Öffnungsstellung und einer Schließstellung verlagerbar ist,
eine Stellvorrichtung (32) zur Verlagerung des Deckelelementes (8) zwischen der Öffnungsstellung und der Schließstellung,
einen an dem Deckelelement (8) befestigten Ansatz (12) mit einem Fadenabzugskanal (15), der in der Schließstellung in den Spinnrotor (3) ragt, und
eine Unterdruckversorgung (10) zur Beaufschlagung des Rotorgehäuses (2) mit Unterdruck,
wobei eine Steuereinrichtung (34) dazu ausgebildet ist, eine oder mehrere Offenend-Rotorspinneinrichtungen (1) beim Bremsen des Spinnrotors (3) so anzusteuern, dass der Unterdruck in dem Rotorgehäuse (2) oberhalb einer ersten Drehzahl (n1), bei der die Fliehkräfte einen Faserring (5) noch in der Rotorrille (4) des Spinnrotors (3) halten, aufgehoben wird und dass der Faserring (5) durch Verlagerung des Deckelelementes (8) zwischen der Öffnungsstellung und der Schließstellung unterhalb einer zweiten Drehzahl (n2), bei der der Faserring (5) aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse (2) wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt wird.
 
7. Offenend-Rotorspinnmaschine nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (34) zur Aufhebung des Unterdrucks dazu ausgebildet ist, oberhalb der ersten Drehzahl (n1) die Stellvorrichtung (32) so anzusteuern, dass das Deckelelement (8) in die Öffnungsstellung verlagert wird.
 
8. Offenend-Rotorspinnmaschine nach einem der Ansprüche 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass
ein Ventil (31) zur Abschaltung der Unterdruckversorgung (10) vorhanden ist und die Steuereinrichtung (34) dazu ausgebildet ist, zur Abschaltung der Unterdruckversorgung (10) oberhalb der ersten Drehzahl (n1) das Ventil (31) zu schließen.
 
9. Offenend-Rotorspinnmaschine nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch
gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (34) dazu ausgebildet ist, die Stellvorrichtung (32) so anzusteuern, dass das Deckelelement (8) unterhalb der
zweiten Drehzahl (n2) bei wirksamer Unterdruckversorgung (10) von der Öffnungsstellung in die Schließstellung überführt wird.
 
10. Offenend-Rotorspinnmaschine nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (34) dazu ausgebildet ist, die Stellvorrichtung (32) so anzusteuern, dass das Deckelelement (8) unterhalb der zweiten Drehzahl (n2) bei wirksamer Unterdruckversorgung (10) von der Schließstellung in die Öffnungsstellung überführt wird.
 




Zeichnung













Recherchenbericht









Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente