[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinneinrichtung
und eine Offenend-Rotorspinnmaschine mit einer Vielzahl nebeneinander angeordneter
Offenend-Rotorspinneinrichtungen.
[0002] Offenend-Rotorspinnmaschinen weisen eine Vielzahl nebeneinander angeordneter Arbeitsstellen
auf. An den Arbeitsstellen ist jeweils eine Offenend-Rotorspinneinrichtung angeordnet.
Eine Offenend-Rotorspinneinrichtung umfasst ein Rotorgehäuse mit einem Deckelelement
zum Verschließen des Rotorgehäuses. In dem Rotorgehäuse ist ein Spinnrotor angeordnet.
Der Spinnrotor ist drehbar gelagert. Der Spinnrotor kann zum Spinnen auf verschiedene
Weise angetrieben werden. Es ist bekannt, die Spinnrotoren mehrerer Offenend-Rotorspinneinrichtungen
über einen gemeinsamen Antrieb anzutreiben. Die Kraft kann von dem gemeinsamen Antrieb
auf die Spinnrotoren beispielsweise mittels eines Riemens übertragen werden. Es ist
auch bekannt, dass jedem Spinnrotor ein elektromotorischer Einzelantrieb zugeordnet
ist. In Verbindung mit einem Einzelantrieb ist der Spinnrotor vorzugsweise berührungslos
gelagert. Eine berührungslose Lagerung kann als magnetische Lagerung ausgebildet sein.
Berührungslos gelagerte Spinnrotoren mit Einzelantrieben sind besonders empfindlich
gegen Verschmutzungen.
[0003] Zum Spinnen ist ein Unterdruck in dem Rotorgehäuse erforderlich. Deshalb weisen bekannte
Offenend-Rotorspinnmaschinen eine zentrale Unterdruckquelle und eine maschinenlange
Unterdruckleitung auf. Die Unterdruckversorgung der Offenend-Rotorspinneinrichtungen
wird durch einen Anschluss des Rotorgehäuses an die maschinenlange Unterdruckleitung
realisiert.
[0004] Im Spinnbetrieb wird über einen Faserleitkanal Fasermaterial in das Rotorgehäuse
eingeführt und der fertig gesponnene Faden wird über einen Fadenabzugskanal aus dem
Rotorgehäuse abgezogen. Das spinnrotorseitige Ende des Fadenabzugskanals befindet
sich an einem Ansatz, der an dem Deckelelement befestigt ist und in den Spinnrotor
ragt.
[0005] Die
DE 10 2004 016 547 B4 offenbart ein Verfahren zum Reinigen eines Spinnrotors. Die Reinigung wird bereits
am noch drehenden oder auslaufenden Spinnrotor durchgeführt. Dazu wird das Deckelelement
des Rotorgehäuses mittels einer verfahrbaren Wartungseinrichtungseinrichtung automatisch
geöffnet und dem Spinnrotor eine Reinigungseinrichtung zugestellt, wobei eine Mindestdrehzahl
des Spinnrotors noch nicht unterschritten ist. In der Rotorrille des Spinnrotors sammeln
sich Faserringe, die durch die Fliehkräfte in der Rotorrille gehalten werden. Die
Reinigungseinrichtung soll eingreifen, bevor sich ein Faserring aus der Rotorrille
löst. Eine solche Reinigungseinrichtung kann zum Beispiel den äußeren, den Spinnrotor
umgebenen Ringraum abdichten und so ein Austreten der Fasern verhindern. Das Verfahren
soll verhindern, dass sich Faser um den Ansatz mit dem Fadenabzugskanal legen und
beim Öffnen des Deckelelementes aus dem Spinnrotor herausgezogen werden.
[0006] Darüber hinaus können sich beim Bremsen des Spinnrotors nicht nur Fasern um den Ansatz
mit dem Fadenabzugskanal legen, sondern es können sich die Fasern bei geschlossenem
Deckelelement zwischen der Außenwand des Spinnrotors und dem Ansatz bewegen und hinter
den Spinnrotor gelangen. Die Fasern können dann die Lagerung verschmutzen und es kann
zu Ausfällen der Offenend-Rotorspinneinrichtungen kommen. Besonders empfindlich gegen
Verschmutzungen sind auch elektromotorische Einzelantriebe, die hinter dem Spinnrotor
angeordnet sind. Bei berührungslosen Lagerungen können Verschmutzungen des Lagerluftspaltes
schnell zu Fehlern führen.
[0007] Das in der
DE 10 2004 016 547 B4 beschriebene Verfahren würde zwar eine Verschmutzung des Antriebes und der Lagerung
verhindern; die Reinigungseinrichtung ist jedoch relativ aufwendig und bei jedem Bremsvorgang
müsste zuerst die Wartungs-einrichtung vor der Offenend-Rotorspinneinrichtung positioniert
werden.
[0008] Es ist damit die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, auf einfache Weise zu verhindern,
dass sich beim Bremsen des Spinnrotors Fasern um den Ansatz mit der Fadenabzugsdüse
legen.
[0009] Zur Lösung der Aufgabe wird ein Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinneinrichtung
vorgeschlagen. Zum Spinnen wird ein Rotorgehäuse mit einem Deckelelement verschlossen
und mittels einer Unterdruckversorgung mit Unterdruck beaufschlagt, ein Spinnrotor
rotiert in dem Rotorgehäuse und ein an dem Deckelelement befestigter Ansatz ragt mit
einem Fadenabzugskanal in den Spinnrotor. Beim Bremsen des Spinnrotors wird die Drehzahl
des Spinnrotors reduziert, der Unterdruck in dem Rotorgehäuse wird oberhalb einer
ersten Drehzahl, bei der die Fliehkräfte einen Faserring noch in der Rotorrille des
Spinnrotors halten, aufgehoben, und der Faserring wird durch Verlagerung des Deckelelementes
zwischen einer Öffnungsstellung und einer Schließstellung unterhalb einer zweiten
Drehzahl, bei der der Faserring aufgrund der nachlassenden. Fliehkräfte bereits zusammengefallen
ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt.
[0010] Wie bereits erläutert, legen sich beim Bremsen des Spinnrotors in dem geschlossenen
Rotorgehäuse Fasern um den in den Spinnrotor ragenden Ansatz. Der Grund dafür liegt
aber nicht alleine in den nachlassenden Fliehkräften und der Positionierung des Ansatzes
im Innenraum des Spinnrotors; vielmehr haben die Strömungsverhältnisse in dem geschlossenen
Rotorgehäuse entscheidenden Einfluss. Zum Spinnen muss in dem Rotorgehäuse ein Unterdruck
herrschen; beim Bremsen wird dieser Unterdruck aber zum Problem. Der Unterdruck sorgt
dafür, dass über die spinntechnologisch notwendigen Öffnungen in dem Rotorgehäuse,
insbesondere durch den Fadenabzugskanal, Luft in das Rotorgehäuse strömt. Dadurch
ergibt sich in dem Rotorgehäuse eine Luftströmung vom Inneren des Spinnrotors vorbei
an dem Ansatz heraus aus dem Spinnrotor. Aus der Rotorrille aufgrund der nachlassenden
Fliehkräfte herausgefallene Fasern bewegen sich entlang der Luftströmung. Die Restdrehung
des Spinnrotors unterstützt diese Bewegung noch.
[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren setzt bei dieser Erkenntnis an. Demnach soll der Unterdruck
in dem Rotorgehäuse aufgehoben werden, bevor die Fliehkräfte einen in der Rotorrille
befindlichen Faserring nicht mehr in der Rotorrille halten. Durch das Aufheben des
Unterdrucks wird die oben beschriebene Luftströmung unterbunden. Ein aufgrund der
nachlassenden Fliehkräfte zusammengefallender Faserring verbleibt damit im Inneren
des Spinnrotors. Anders als im Stand der Technik beschrieben, ist es also nicht erforderlich,
dass möglichst schnell eine Reinigungseinrichtung eingreift. Vielmehr können die im
Inneren des Spinnrotors befindlichen Fasern später auf einfache Weise durch eine Verlagerung
des Deckelelementes bei wiederhergestelltem Unterdruck abgesaugt werden. Damit erfordert
das erfindungsgemäße Verfahren keine zusätzliche Reinigungseinrichtung. Die Verlagerung
des Deckelelementes kann durch einen Stellvorrichtung an der Arbeitsstelle erfolgen.
[0012] Bei der Verlagerung des Deckelelementes zwischen einer Öffnungsstellung und einer
Schließstellung wird eine Stellung des Deckelelementes durchlaufen, bei der das Deckelelement
so weit geöffnet ist, dass ausreichend Platz zwischen dem Ansatz und dem Spinnrotor
vorhanden ist, und das Deckelelement so weit geschlossen ist, dass ein ausreichender
Unterdruck in dem Rotorgehäuse herrscht, um die Fasern abzusaugen.
[0013] Die Verlagerung des Deckelementes kann bei noch drehendem Spinnrotor oder bei bereits
stillstehendem Spinnrotor erfolgen. Wichtig ist nur, dass die zweite Drehzahl, bei
der der Faserring bereits zusammengefallen ist, unterschritten ist. Ansonsten wäre
die Verlagerung kontraproduktiv und würde genau das bewirken, was die vorliegende
Erfindung verhindern soll, nämlich das sich Fasern um den Ansatz legen.
[0014] Um den Unterdruck in dem Rotorgehäuse oberhalb der ersten Drehzahl aufzuheben, sind
prinzipiell zwei Alternativen denkbar.
[0015] Die eine Möglichkeit ist die Verlagerung des Deckelelementes in die Öffnungsstellung.
Auch wenn die Unterdruckversorgung weiter Luft aus dem Rotorgehäuse absaugt, wird
die Luft über die Öffnung sofort nachgeliefert, so dass in dem Rotorgehäuse kein Unterdruck
herrscht.
[0016] Die andere Möglichkeit ist das Abschalten der Unterdruckversorgung der Offenend-Rotorspinneinrichtung.
Beim Abschalten der Unterdruckversorgung kann das Deckelelement zunächst auch geschlossen
bleiben. Das Abschalten der Unterdruckversorgung hat den Vorteil, dass eine Unterdruckquelle
der Offenend-Rotorspinnmaschine weniger belastet ist und Energie gespart wird. Der
Energieverbrauch der Unterdruckquelle ist bei einem geöffneten Rotorgehäuse deutlich
höher als bei einem geschlossenen Rotorgehäuse.
[0017] Gemäß einer möglichen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Deckelelement
zum Absaugen des zusammengefallenen Faserrings unterhalb der zweiten Drehzahl bei
wirksamer Unterdruckversorgung von der Öffnungsstellung in die Schließstellung überführt
wird. Dieser Verfahrensschritt lässt sich unabhängig von der Vorgeschichte ausführen.
Wurde die Aufhebung des Unterdrucks in dem Rotorgehäuse durch Öffnen des Deckelelementes
erreicht, ohne dass die Unterdruckversorgung abgeschaltet wurde, ist die Unterdruckversorgung
wirksam und das Deckelelement kann direkt in die Schließstellung überführt werden.
Wurde die Aufhebung des Unterdrucks durch Abschalten der Unterdruckversorgung erreicht,
kann das Deckelelement irgendwann geöffnet werden. Solange die Unterdruckversorgung
ausgeschaltet ist, ist das Öffnen des Deckelelementes ohne Wirkung. Vor dem Schließen
des Deckelelementes muss die Unterdruckversorgung allerdings wieder eingeschaltet
werden, damit der zusammengefallene Faserring beim Schließen auch abgesaugt wird.
[0018] Alternativ kann der zusammengefallene Faserring auch abgesaugt werden, indem das
Deckelelement unterhalb der zweiten Drehzahl bei wirksamer Unterdruckversorgung von
der Schließstellung in die Öffnungsstellung überführt wird. Eine solche Vorgehensweise
bietet sich vor allem an, wenn das Aufheben des Unterdrucks durch Abschalten der Unterdruckversorgung
erreicht wurde. Die Unterdruckversorgung muss dann vor dem Öffnen vorzugsweise im
Stillstand des Spinnrotors wieder eingeschaltet werden.
[0019] Die Aufgabe wird außerdem durch eine Offenend-Rotorspinnmaschine zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens mit einer Vielzahl nebeneinander angeordneter Offenend-Rotorspinneinrichtungen
gelöst. Die Offenend-Rotorspinneinrichtungen weisen jeweils ein Rotorgehäuse, einen
in dem Rotorgehäuse angeordneten Spinnrotor, ein Deckelelement zum Verschließen des
Rotorgehäuses, das zwischen einer Öffnungsstellung und einer Schließstellung verlagerbar
ist, eine Stellvorrichtung zur Verlagerung des Deckelelementes zwischen der Öffnungsstellung
und der Schließstellung, einen an dem Deckelelement befestigten Ansatz mit einem Fadenabzugskanal,
der in der Schließstellung in den Spinnrotor ragt, und eine Unterdruckversorgung zur
Beaufschlagung des Rotorgehäuses mit Unterdruck auf. Zur Ausführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens ist eine Steuereinrichtung dazu ausgebildet, eine oder mehrere Offenend-Rotorspinneinrichtungen
beim Bremsen des Spinnrotors so anzusteuern, dass der Unterdruck in dem Rotorgehäuse
oberhalb einer ersten Drehzahl, bei der die Fliehkräfte einen Faserring noch in der
Rotorrille des Spinnrotors halten, aufgehoben wird. Weiter ist die Steuereinrichtung
dazu ausgebildet, eine oder mehrere Offenend-Rotorspinneinrichtungen so anzusteuern,
dass der Faserring durch Verlagerung des Deckelelementes zwischen der Öffnungsstellung
und der Schließstellung unterhalb einer zweiten Drehzahl, bei der der Faserring aufgrund
der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse
wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt wird.
[0020] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist die Steuereinrichtung zur Aufhebung des
Unterdrucks dazu ausgebildet, oberhalb der ersten Drehzahl die Stellvorrichtung so
anzusteuern, dass das Deckelelement in die Öffnungsstellung verlagert wird.
[0021] Gemäß einer anderen Ausführungsform ist ein Ventil zur Abschaltung der Unterdruckversorgung
vorhanden und die Steuereinrichtung ist dazu ausgebildet, zur Abschaltung der Unterdruckversorgung
oberhalb der ersten Drehzahl das Ventil zu schließen.
[0022] Gemäß einer Weiterbildung der erfindungsgemäßen Offenend-Rotorspinnmaschine ist die
Steuereinrichtung dazu ausgebildet, die Stellvorrichtung so anzusteuern, dass das
Deckelelement unterhalb der zweiten Drehzahl bei wirksamer Unterdruckversorgung von
der Öffnungsstellung in die Schließstellung überführt wird.
[0023] Die Steuereinrichtung kann ferner dazu ausgebildet sein, die Stellvorrichtung so
anzusteuern, dass das Deckelelement unterhalb der zweiten Drehzahl bei wirksamer Unterdruckversorgung
von der Schließstellung in die Öffnungsstellung überführt wird.
[0024] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert.
[0025] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Seitenansicht einer Offenend-Rotorspinneinrichtung einer erfindungsgemäßen Offenend-Rotorspinnmaschine;
- Fig. 2
- eine Darstellung der Strömungsverhältnisse in einem Spinnrotor
- Fig. 3
- Drehzahlverlauf beim Bremsen des Spinnrotors.
[0026] Die in Fig. 1 dargestellte Offenend-Rotorspinneinrichtung einer Offenend-Rotorspinnmaschine
trägt insgesamt die Bezugszahl 1. Solche Offenend-Rotorspinnvorrichtungen verfügen,
wie bekannt, jeweils über ein Rotorgehäuse 2, in dem ein Spinnrotor 3 mit hoher Drehzahl
n umläuft. Der Spinnrotor 3 wird durch einen elektromotorischen Einzelantrieb 33 in
Drehung versetzt. Der Antrieb 33 beinhaltet gleichzeitig die magnetische Lagerung
des Spinnrotors 3.
[0027] Wie aus Fig. 1 ersichtlich, ist das nach vorne hin an sich offene Rotorgehäuse 2
während des Spinnbetriebes durch ein schwenkbar gelagertes Deckelelement 8, in das
eine (nicht näher dargestellte) Kanalplatte mit einer Dichtung 9 eingelassen ist,
verschlossen.
[0028] Das Rotorgehäuse 2 ist außerdem über eine entsprechende Unterdruckleitung 10 an eine
Unterdruckquelle 11 angeschlossen, die den beim Spinnprozess im Rotorgehäuse 2 benötigten
Spinnunterdruck erzeugt. Die Unterdruckleitung 10 bildet die Unterdruckversorgung
der Offenend-Rotorspinneinrichtung 1. Die Unterdruckquelle 11 versorgt auch die übrigen
Offenend-Rotorspinneinrichtungen der Offenend-Rotorspinnmaschine. Um die Unterdruckversorgung
bei Bedarf abschalten zu können, weist die Unterdruckleitung 10 ein Ventil 31 auf.
[0029] Im Deckelelement 8 ist ein Ansatz 12 angeordnet, der das rotorseitige Ende 13 des
Fadenabzugskanals 15 sowie den Mündungsbereich des Faserleitkanals 14 aufweist. Außerdem
ist am Deckelelement 8, das um eine Schwenkachse 16 begrenzt drehbar gelagert ist,
ein Auflösewalzengehäuse 17 festgelegt. Das Deckelelement 8 weist des Weiteren rückseitig
Einzelantriebe 19, 20 für eine Auflösewalze 21 beziehungsweise einen Faserbandeinzugszylinder
22 auf.
[0030] Zum Öffnen und Schließen des Deckelelementes 8 ist an der Offenend-Rotorspinneinrichtung
1 eine als Pneumatikzylinder ausgebildete Stellvorrichtung 32 vorhanden. Die Fig.
1 zeigt das Deckelelement in einer Schließstellung. Durch Ausfahren des Pneumatikzylinders
32 schwenkt das Deckelelement 8 um die Schwenkachse 16 von dem Rotorgehäuse 2 weg.
Das Deckelement 8 kann so in eine Öffnungsstellung überführt werden. Für eine Öffnungsstellung
zum Zwecke der vorliegenden Erfindung ist es nicht unbedingt erforderlich, dass der
Spinnrotor ungehindert zugänglich. Es ist ausreichend, wenn die Umgebungsluft ungehindert
eindringen kann. Das wird dadurch erreicht, dass die Dichtung 9 vollständig von dem
Rotorgehäuse 2 beabstandet ist.
[0031] Der Offenend-Rotorspinneinrichtung 1 ist eine Steuereinrichtung 34 zugeordnet. Die
Steuereinrichtung 34 steuert die Stellvorrichtung 32 und das Ventil 31 bei Bedarf
an. In dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist die Steuereinrichtung 34 außerdem
zur Ansteuerung des elektromotorischen Einzelantriebes 33 ausgebildet. Die Steuereinrichtung
34 kann Verbindungen zu anderen Elementen der Arbeitsstelle oder der Offenend-Rotorspinnmaschine
aufweisen.
[0032] In Fig. 2 ist der Spinnrotor 3 und der in den Spinnrotor 3 ragende Ansatz 12 mit
dem Fadenanzugskanal 15 nur schematisch dargestellt, um die Strömungsverhältnisse
in dem Spinnrotor 3 zu verdeutlichen. Während des Spinnens wird dem Spinnrotor 3 über
den in Fig. 2 nicht dargestellten Faserleitkanal 14 ein Faserband zugeführt. Die Fasern
bilden in der Rotorrille 4 einen Faserring 5. Die in der Rotorrille 4 gesammelten
Fasern werden laufend in das Fadenende eingebunden und der Faden durch den Fadenabzugskanal
15 abgezogen. Beim Stillsetzen der Offenend-Rotorspinneinrichtung, zum Beispiel nach
einem Fadenbruch, verbleibt der Faserring 5 aufgrund der Fliehkräfte zunächst in der
Rotorrille 4. Beim Bremsen des Spinnrotors 3 nehmen die Fliehkräfte mit abnehmender
Drehzahl entsprechend ab. Bei geschlossenem Deckelelement 8 und wirksamer Unterdruckversorgung
10, das heißt, bei geöffnetem Ventil 31, wird Luft durch den Fadenabzugskanal 15 in
das Rotorgehäuse 2 eingesaugt. Die Pfeile 40 deuten die daraus resultierende Luftströmung
an. Wenn die Fliehkräfte den Faserring 5 nicht mehr in der Rotorrille 4 halten, bringt
die Luftströmung 40 den Faserring 5 aus der Rotorrille 4 in den Bereich zwischen dem
Ansatz 15 und den Seitenwänden 41 des Spinnrotors 3. In diesem Bereich befindet sich
in Fig. 2 der Faserring 5'. Durch die Drehung des Spinnrotors 3 schrauben sich die
Fasern um den Ansatz 12. So können sich die Fasern aus dem Inneren des Spinnrotors
herausbewegen und können über den Spinnrotor 3 in den Bereich hinter der Rückwand
42 des Spinnrotors gelangen. Von da aus gelangen die Fasern in den Antrieb 33. Dies
zu verhindern ist das Ziel der vorliegenden Erfindung.
[0033] Im Folgenden soll das erfindungsgemäße Verfahren noch einmal erläutert werden. Die
Fig. 3 zeigt einen Verlauf der Drehzahl n beim Bremsen des Spinnrotors 3, aufgetragen
über die Zeit t. Der Spinnrotor 3 dreht zunächst mit der Spinndrehzahl n
0. Die Drehzahl n wird reduziert und passiert dabei die Drehzahl n
1. Die Drehzahl n
1 ist so festgelegt, dass die Fliehkräfte den Faserring 5 bei dieser Drehzahl noch
sicher in der Rotorrille 5 halten. Oberhalb der Drehzahl n
1 wird der Unterdruck in dem Rotorgehäuse aufgehoben. Dazu gibt es prinzipiell zwei
Möglichkeiten. Das Deckelelement 8 kann mittels der Stellvorrichtung 32 geöffnet werden,
oder die Unterdruckversorgung 10 wird durch Schließen des Ventils 31 abgeschaltet.
Die Ansteuerung der Stellvorrichtung 32 oder des Ventils 31 erfolgt mittels der Steuereinrichtung
34. Bei der Drehzahl n
2 ist der Faserring 5 aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen.
Die Fasern verbleiben im Inneren des Spinnrotors 3. Unterhalb der Drehzahl n
2 können die Fasern des zusammengefallenen Faserrings 5 in der bereits beschriebenen
Weise durch Verlagerung des Deckelelementes 8 abgesaugt werden. Auch hierzu erfolgt
die Ansteuerung der Stellvorrichtung 32 und/ oder des Ventils 31 die Steuereinrichtung
34.
[0034] Die Drehzahlen n
1 und n
2 sind von verschiedenen Größen abhängig, insbesondere von dem Rotordurchmesser, aber
auch von dem verarbeiteten Fasermaterial. Die Drehzahlen, bei denen der Unterdruck
aufgehoben wird und die Fasern abgesaugt werden, können partiebezogen bestimmt werden
und in der Steuereinrichtung 34 gespeichert sein.
1. Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinneinrichtung (1)
wobei zum Spinnen
ein Rotorgehäuse (2) mit einem Deckelelement (8) verschlossen und mittels einer Unterdruckversorgung
(10) mit Unterdruck beaufschlagt wird,
ein Spinnrotor (3) in dem Rotorgehäuse (2) rotiert und
ein an dem Deckelelement (8) befestigter Ansatz (12) mit einem Fadenabzugskanal (15)
in den Spinnrotor (3) ragt,
und wobei beim Bremsen des Spinnrotors (3)
die Drehzahl des Spinnrotors (2) reduziert wird,
der Unterdruck in dem Rotorgehäuse (2) oberhalb einer ersten Drehzahl (n1), bei der die Fliehkräfte einen Faserring (5) noch in der Rotorrille (4) des Spinnrotors
(3) halten, aufgehoben wird und
der Faserring (5) durch Verlagerung des Deckelelementes (8) zwischen einer Öffnungsstellung
und einer Schließstellung unterhalb einer zweiten Drehzahl (n2), bei der der Faserring (5) aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen
ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse (2) wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Unterdruck oberhalb der ersten Drehzahl (n1) durch Verlagerung des Deckelelementes (8) in die Öffnungsstellung aufgehoben wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Unterdruck oberhalb der ersten Drehzahl (n1) durch Abschalten der Unterdruckversorgung (10) der Offenend-Rotorspinneinrichtung
(1) aufgehoben wird.
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Deckelelement (8) unterhalb der zweiten Drehzahl (n2) bei wirksamer Unterdruckversorgung (10) von der Öffnungsstellung in die Schließstellung
überführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Deckelelement (8) unterhalb der zweiten Drehzahl (n2) bei wirksamer Unterdruckversorgung (10) von der Schließstellung in die Öffnungsstellung
überführt wird.
6. Offenend-Rotorspinnmaschine mit einer Vielzahl nebeneinander angeordneter Offenend-Rotorspinneinrichtungen
(1),
die Offenend-Rotorspinneinrichtungen (1) jeweils aufweisend ein Rotorgehäuse (2),
einen in dem Rotorgehäuse (2) angeordneten Spinnrotor (3),
ein Deckelelement (8) zum Verschließen des Rotorgehäuses (2), das zwischen einer Öffnungsstellung
und einer Schließstellung verlagerbar ist,
eine Stellvorrichtung (32) zur Verlagerung des Deckelelementes (8) zwischen der Öffnungsstellung
und der Schließstellung,
einen an dem Deckelelement (8) befestigten Ansatz (12) mit einem Fadenabzugskanal
(15), der in der Schließstellung in den Spinnrotor (3) ragt, und
eine Unterdruckversorgung (10) zur Beaufschlagung des Rotorgehäuses (2) mit Unterdruck,
wobei eine Steuereinrichtung (34) dazu ausgebildet ist, eine oder mehrere Offenend-Rotorspinneinrichtungen
(1) beim Bremsen des Spinnrotors (3) so anzusteuern, dass der Unterdruck in dem Rotorgehäuse
(2) oberhalb einer ersten Drehzahl (n1), bei der die Fliehkräfte einen Faserring (5) noch in der Rotorrille (4) des Spinnrotors
(3) halten, aufgehoben wird und dass der Faserring (5) durch Verlagerung des Deckelelementes
(8) zwischen der Öffnungsstellung und der Schließstellung unterhalb einer zweiten
Drehzahl (n2), bei der der Faserring (5) aufgrund der nachlassenden Fliehkräfte bereits zusammengefallen
ist, aufgrund des in dem Rotorgehäuse (2) wiederhergestellten Unterdrucks abgesaugt
wird.
7. Offenend-Rotorspinnmaschine nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (34) zur Aufhebung des Unterdrucks dazu ausgebildet ist, oberhalb
der ersten Drehzahl (n1) die Stellvorrichtung (32) so anzusteuern, dass das Deckelelement (8) in die Öffnungsstellung
verlagert wird.
8. Offenend-Rotorspinnmaschine nach einem der Ansprüche 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass
ein Ventil (31) zur Abschaltung der Unterdruckversorgung (10) vorhanden ist und die
Steuereinrichtung (34) dazu ausgebildet ist, zur Abschaltung der Unterdruckversorgung
(10) oberhalb der ersten Drehzahl (n1) das Ventil (31) zu schließen.
9. Offenend-Rotorspinnmaschine nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch
gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (34) dazu ausgebildet ist, die Stellvorrichtung (32) so anzusteuern,
dass das Deckelelement (8) unterhalb der
zweiten Drehzahl (n2) bei wirksamer Unterdruckversorgung (10) von der Öffnungsstellung in die Schließstellung
überführt wird.
10. Offenend-Rotorspinnmaschine nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (34) dazu ausgebildet ist, die Stellvorrichtung (32) so anzusteuern,
dass das Deckelelement (8) unterhalb der zweiten Drehzahl (n2) bei wirksamer Unterdruckversorgung (10) von der Schließstellung in die Öffnungsstellung
überführt wird.