[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von reinen Lithium-Titanphosphaten
(engl.: Lithium Titanium Phosphates (LiTi
2(PO
4)
3, abgekürzt: LTP) sowie von substituierten Lithium-Titanphosphaten für den Einsatz
als Festelektrolyte für Lithium-Batterien.
Stand der Technik
[0002] Große leistungsfähige und sichere Lithium-basierte Energiespeicher sind ein essentieller
Baustein für die Weiterentwicklung von alternativen Antriebskonzepten, z. B. für Hybridfahrzeuge,
oder regenerative Energietechniken, z. B. zur Speicherung des erzeugten Stroms aus
Windkraft. Lithium-Ionen Batterien (engl.: Lithium Ion Battery, LIB) sind heute die
am weitesten verbreitete Stromquellen für mobile Anwendungen. Der zwischen den Elektroden
liegende Elektrolyt umfasst gelöstes Lithiumsalz. Je nachdem, ob der Elektrolyt flüssig
oder fest ist, spricht man von Lithium-Ionen-Akkumulatoren oder Lithium-Polymer-Akkumulatoren
oder Lithium-Festkörper-Akkumulatoren.
[0003] Die Entwicklung von Festkörperelektrolyten kann dabei der Schlüssel für die nächste
Generation von Lithium-Batterien darstellen. Bei Verwendung von metallischem Lithium
als Anode weisen sie eine deutlich höhere Energiedichte auf und sind vorteilhaft schwerer
entflammbar, da auf organische Komponenten in den Batteriekomponenten verzichtet werden
kann. Auf Grund ihrer in der Regel gelartigen oder keramischen Elektrolyte weisen
sie zudem bessere Auslaufeigenschaften auf und sind auf Grund ihres weiten Stabilitätsbereiches
auch bis zu höheren Temperaturen anwendbar.
[0004] Unter den potentiellen Kandidaten für einen Lithium-ionenleitenden Festelektrolyten
wurden die substituierten Lithium-Titanphosphate bereits im großen Umfang untersucht
und auf Grund ihrer hohen lonenleitfähigkeit und ihrer mechanischen Stabilität als
sehr erfolgversprechend eingestuft.
[0005] Das Potential von Lithium-Titanphosphaten als Elektrolyt ist bereits seit längerem
bekannt. Lithium-Titanphosphat kristallisiert in der so genannten NASICON-Struktur.
NASICON ist dabei ein Akronym für "Natrium Super lonic CONductor", und bezeichnet
eine Gruppe von Feststoffen mit der chemischen Formel Na
1+xZr
2Si
xP
3-xO
12 mit 0 < x < 3.
[0006] Im weiteren Sinne wird der Begriff NASICON auch für ähnliche Verbindungen verwendet,
bei denen Na, Zr und/oder Si durch isovalente Elemente ersetzt werden kann und in
der gleichen Struktur kristallisieren.
[0007] NASICON-Verbindungen zeichnen sich in der Regel durch einen hohe ionische Leitfähigkeit
in der Größenordnung 10
-5 - 10
-3 S/cm bei Raumtemperatur aus. Bei erhöhten Temperaturen von 100 - 300 °C steigt die
ionische Leitfähigkeit auf 10
-2 - 10
-1 S/cm und ist damit vergleichbar mit flüssigen Elektrolyten. Diese hohe Leitfähigkeit
wird durch die Beweglichkeit der Na- oder Li-Ionen innerhalb des NASICON Kristallgitters
bewirkt.
[0008] Die Kristallstruktur von NASICON-Verbindungen besteht aus einem kovalenten Netzwerk
aus ZrO
6-Oktaedern und PO
4/SiO
4-Tetraedern, die über gemeinsame Ecken verbunden sind. Die Na- oder Li-Ionen befinden
sich dabei auf zwei unterschiedlichen Zwischengitterplätzen, zwischen denen sie sich
bewegen. Dabei müssen sie durch sogenannte Engpässe. Die Größe der Engpässe beeinflusst
aufgrund der sterischen Wechselwirkung der Na-Ionen mit der lokalen Umgebung des [Zr
2(P,Si)
3O
12]
--Gitters die ionische Leitfähigkeit und hängt von der jeweils konkreten Zusammensetzung
der NASICON-Verbindung sowie vom Sauerstoffgehalt der umgebenden Atmosphäre ab. Die
ionische Leitfähigkeit kann gesteigert werden, indem ein Selten-Erd-Element, wie beispielsweise
Yttrium, zur NASICON-Verbindung hinzugefügt wird.
[0009] In der Kristallstruktur von Lithium-Titanphosphaten kann die teilweise Substitution
der Ti
4+ Kationen durch ein trivalentes Kation M
3+ wie beispielsweise Al
3+, Y
3+ oder Sc
3+ einen Defekt in der positiven Ladung verursachen, die durch zusätzliche Li
+ Ionen ausgeglichen werden kann, und in Summe zu einer höheren ionischen Leitfähigkeit
führt, da dadurch die Zahl der Ladungsträger erhöht wird.
[0010] Die bislang in der Literatur offenbarten ionischen Leitfähigkeiten für substituierte
LTP-Materialien liegen bei Raumtemperatur typischerweise im Bereich von 1 × 10
-4 bis 1 × 10
-3 S/cm, und sind damit - neben den Li-ionenleitenden Granaten vom Typ Li
7La
2Zr
3O
12 - die höchsten Werte, die in der Literatur für oxidische Festelektrolyte bekannt
sind. Es wurde vermutet, dass eine weitere Substitution von Phosphatgruppen durch
Silikatgruppen gemäß der allgemeinen Formel Li
1+x+yM
xTi
2-x(PO
4)
3-y(SiO
4)
y die ionische Leitfähigkeit und die mechanische Stabilität nochmals verbessern würde
(
US 6,475,677 B1).
[0011] Derzeit sind bereits einige unterschiedliche Verfahren zur Herstellung von LTP-basierten
Pulvern bekannt. Dazu zählen die Festphasenreaktion, die Sol-Gel Methode sowie die
Aufschmelztechnik mit anschließender Abschreckung (melt-quenching).
[0012] Eine der größten Herausforderungen bei der Herstellung LTP-basierter Materialien
ist jedoch, die Phasenreinheit der hergestellten Pulver sicherzustellen. Bei der herkömmlichen
Verfahrensweise über eine Festphasenreaktion weisen die hergestellten Pulver in der
Regel Unreinheiten im Inneren auf. Diese führen nachteilig zu einer Senkung der ionischen
Leitfähigkeit dieser Pulver.
[0013] Eine weitere Schwierigkeit bei der Herstellung von LTP-basierten Materialien ist
die für manche Anwendungen notwendige Verdichtung, weil die Temperatur für die Verdichtung
in der Regel sehr nahe an der Zersetzungstemperatur dieser Materialien liegt. Bislang
sind nur teure und aufwändige Methoden in der Lage, diese angesprochenen Probleme
zu lösen.
[0014] In
US 6,475,677 B1 wird beispielsweise die Methode des melt-quenchings beschrieben. Dabei wird das Ausgangsmaterial
(stöchiometrische Mengen an NH
4H
2PO
4, Al(PO
3)
3, LiCO
3, SiO
2 und TiO
2) zur Herstellung von Li
1+x+yM
xTi
2-x(PO
4)
3-y(SiO
4)
y mit 0 ≤ x ≤ 0,4 und 0 ≤ y ≤ 0,6 zunächst bei ca. 1500 °C aufgeschmolzen und anschließend
im Wasserbad abgekühlt, um dann bei 950 °C erneut zu kristallisieren. Die so erhaltene
Glaskeramik wurde in einer Kugelmühle gemahlen, so dass mittlere Partikelgrößen von
7 µm erhalten wurden.
[0015] Von
Wen et al., "Preparation, Microstructure and Electrical Properties of Li1,4Al0,4Ti1,6(PO4)3
Nanoceramics," J. Electroceram, Volume 22, 2009, Seiten 342 - 345, wird berichtet, dass eine Verdichtung von hergestelltem Li
1,4Al
0,4Ti
1,6(PO
4)
3-Pulver über eine Sol-Gel Methode auf nahezu 100 % der theoretischen Dichte durch
eine Laserversinterung mit Funken erreicht wurde. Es wurde eine Li-Ionenleitfähigkeit
bei Raumtemperatur von 1,39 x 10
-3 S/cm erreicht. Die dafür eingesetzte Laservorrichtung erscheint für eine industrielle
Herstellung jedoch ungeeignet.
[0016] Von
M. Holzapfel et al. (US 2012/0295168 A1) wurde ein Sprühtrocknungsverfahren vorgestellt, mit dem Li
1+xAl
xTi
2-x(PO
4)
3 mit x ≤ 0,4 als Pulver erstmalig "phasenrein" hergestellt wurde. Dabei wurden entsprechende
Mengen an Lithium-, Aluminium- und Titansalzen oder entsprechende die Oxide zunächst
in Phosphorsäure gelöst. Die primären Pulver wurden anschließend durch Sprühtrocknung
der Lösung erhalten. Das "phasenreine" Li
1+xAl
xTi
2-x(PO
4)
3 Pulver konnte dann durch Sinterung der primären Pulver bei ca. 900 °C erzeugt werden.
Unter "phasenrein" wird verstanden, dass Fremdphasen, wie beispielsweise AlPO
4 oder TiP
2O
7 zu einem Anteil von weniger als 1 % vorliegen. Untersuchungen zur Dichte der Li
1+xAl
xTi
2-x(PO
4)
3 Grünkörper werden in der Druckschrift nicht offenbart. Zudem stellt sich die Frage
nach der Gefährlichkeit des Sprühtrocknens von Phosphorsäure-basierten Lösungen.
[0017] Ein weiteres Verfahren zur Herstellung von Li
1+x+yAl
xTi
2-xP
3-ySi
yO
12 Pulver mit x ≤ 0,4 wird in
DE 10 2012 103 409 B3 beschrieben. Dort wird eine Sol-Gel Methode zur Herstellung offenbart. Wässrige Lithium-
und Aluminiumsalzlösungen werden mit einem Titanalkoxid und gegebenenfalls einem Orthosilikat
in entsprechenden Mengenverhältnissen versetzt, wodurch ein Sol entsteht. Die wässrigen
Lösungen weisen einen pH-Wert im neutralen bis basischen Bereich von pH 7 bis pH 12
auf. Dem Sol wird anschließend eine wässrige Ammoniumdihydrogenphosphat-Lösung zugeführt,
wodurch ein Gel entsteht. Die Gelbildung erfolgt durch eine Kondensations- und Polymerisationsreaktion,
die durch das Zusammenbringen von Alkoxid- mit Phosphatlösung ausgelöst wird, ohne
dass weitere Hilfssubstanzen wie Glykol oder Zitronensäure erforderlich wären.
[0018] Das endgültige reine Pulver wird im Anschluss durch Trocknung und Kalzination des
Gels erhalten. Die dabei erzielten durchschnittlichen Partikelgrößen liegen im Bereich
von 0,5 µm bis 5 µm. Alle Prozessschritte, bis auf das Kalzinieren finden bei Raumtemperatur
statt. Die Wärmebehandlung soll störende, verdampfbaren Anteile pyrolytisch zersetzen.
[0019] Allerdings wird in
DE 10 2012 103 409 B3 offenbart, dass über den so beschriebenen Syntheseweg Verunreinigungen des Li
1+x+yAl
xTi
2-xP
3-ySi
yO
12 Pulvers nicht ganz verhindert werden können. Es wird berichtet, dass jedoch trotz
der auftretenden Fremdphasen eine Li-Ionenleitfähigkeit bei Raumtemperatur in der
Größenordnung von 1 x 10
-3 S/cm erreicht würde. Ferner würde durch das Sintern bei einem Druck zwischen 5 MPa
und 50 MPa ein dichter Sinterkörper erhalten.
[0020] Weiterhin wird von Kotobuki et al. in "Preparation of Li
1,5Al
0,5Ti
1,5 (PO
4)
3 solid electrolyte via a sol-gel route using various AI sources", ceramics international,
Elsevier Amsterdam, NL, Bd. 39, Nr. 4, 22. Oktober 2012 (2012-10-22), Seiten 4645
- 4649, bereits von einem Festkörperelektrolyt mit der Formel Li
1,5Al
0,5Ti
1,5(PO
4)
3 berichtet.
Aufgabe und Lösung
[0021] Die Aufgabe der Erfindung ist es, ein phasenreines, auf Lithium-Titanphosphaten (LTP)
basiertes Material in NASICON-Struktur zur Verfügung zu stellen, welches eine hohe
Lilonenleitfähigkeit von mehr als 10
-4 S/cm bei Raumtemperatur aufweist und als Festkörperelektrolyt für Li-Batterien eingesetzt
werden kann. Bei diesem Material kann es sich sowohl um reines Lithium-Titanphosphat
als auch um ein substituiertes Lithium-Titanphosphat, insbesondere um ein solches
mit der allgemeinen Formel Li
1+x+yM
xTi
2-x(PO
4)
3-y(SiO
4)
y, mit M = AI, Ga, In, Sc, V, Cr, Mn, Co, Fe, Y, La - Lu, und 0 ≤ x ≤ 0,5 sowie 0 ≤
y ≤ 0,5 handeln.
[0022] Gleichzeitig ist es die Aufgabe der Erfindung, eine solches, auf Lithium-Titanphosphaten
basiertes Material zur Verfügung zu stellen, welches zudem in einem einfachen und
wenig aufwändigen Verdichtungsschritt auf mehr als 95 % der theoretischen Dichte verdichtet
werden kann.
[0023] Darüber hinaus ist es eine weitere Aufgabe der Erfindung, ein kostengünstiges und
effektives Verfahren zur Herstellung eines reinen oder substituierten Lithium-Titanphosphats
bereit zu stellen.
[0024] Die Aufgaben der Erfindung werden gelöst durch ein Herstellungsverfahren mit den
Merkmalen des Hauptanspruchs, sowie durch die Erzeugnisse dieses Herstellungsverfahrens
gemäß Nebenanspruch. Vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens und der damit hergestellten
Erzeugnisse finden sich in den darauf rückbezogenen Ansprüchen.
Gegenstand der Erfindung
[0025] Gegenstand der Erfindung ist ein Herstellungsverfahren zur Herstellung eines Materials
basierend auf Lithium-Titanphosphaten, welches großtechnisch einfach und kostengünstig
durchzuführen ist, eine hohe Phasenreinheit aufweist und leicht zu sintern bzw. auf
mehr als 95 % der theoretischen Dichte zu verdichten ist. Das auf diese Weise hergestellte,
auf einem Lithium-Titanphosphat-basierte Material ist auf Grund seiner hohen Lithiumionenleitfähigkeit
insbesondere für den Einsatz als Festelektrolyt in einer Lithium-Batterie oder einer
Li/Luft-Batterie bzw. einem Lithium-Ionen-Akkumulator geeignet.
[0026] Das erfindungsgemäß hergestellte Material hat dabei die folgende Zusammensetzung:
Li
1+x+yM
xTi
2-x(PO
4)
3-y(SiO
4)
y, mit M = Al, Ga, In, Sc, V, Cr, Mn, Co, Fe, Y, La - Lu, und 0 ≤ x ≤ 0,5 sowie 0 ≤
y ≤ 0,5 handeln.
[0027] Die vorliegende Erfindung offenbart eine einfache, kostengünstige und leicht zu kontrollierende
Methode (Synthese), um phasenreines und leicht sinterbares Material herzustellen,
welches auf Lithium-Titanphosphaten basiert. Neben reinem, nicht substituiertem Lithium-Titanphosphat
(LiTi
2(PO
4)
3) sind auch solche Verbindungen mit umfasst, bei dem das Titan zumindest teilweise
durch Übergangsmetalle, wie Al, Ga, In, Sc, V, Cr, Mn, Co, Fe, Y, La - Lu ersetzt
ist. Unter der Bezeichnung La - Lu werden dabei die Elemente mit der Ordnungszahl
57 bis 71 verstanden. Ferner sind auch solche Verbindungen umfasst, bei denen das
Phosphat teilweise durch Silikat ersetzt ist. Die vorgenannten Substitutionen können
entweder alternativ oder auch kumulativ auftreten.
[0028] Das erfindungsgemäße Material weist die vorteilhafte Eigenschaft auf, auf einfache
Weise und ohne eine druckunterstützte Sinterung zu einem hochdichten Bauteil verdichtet
werden zu können.
[0029] Das erfindungsgemäße Verfahren basiert auf einem an sich bekannten Sol-Gel Verfahren,
bei dem zunächst aus Lithium-, Titan- und ggfs. weitere Ionen in einer wässrigen Lösung
ein Sol bereit gestellt wird, welches sich bei Zugabe von Phosphationen zu einem Gel
umwandelt.
[0030] Ein Sol ist ein Spezialfall eines Kolloids. Unter einem Kolloid werden Partikel oder
Tröpfchen verstanden, die in einem festen, flüssigen oder gasförmigen Dispersionsmedium
fein verteilt vorliegen. Die Größe der einzelnen Partikel bzw. Tröpfchen liegt dabei
typischerweise im Nanometer- oder Mikrometer-Bereich. Unter einem Sol wird ein einphasiges
System verstanden, bei dem eine erste Komponente ein schwammartiges, dreidimensionales
Netzwerk ausbildet, dessen Poren mit einer weiteren Komponente, insbesondere mit einem
Lösungsmittel, gefüllt sind. Ein Sol kann sich durch Kondensation in ein Gel umwandeln
und durch Hydrolyse seinerseits wieder in ein Sol überführt werden.
[0031] Im Rahmen dieser Erfindung wird unter einem Sol eine polymere Lösung verstanden die
sich im Rahmen einer kontinuierlichen Phasenumwandlung zu einem viskoelastischen Festkörper
(Gel) umwandeln kann. Bei einem Gel liegt ein dreidimensionales Netzwerk aus einer
ersten Komponente vor, welche bei der Synthese in einem Lösemittel unter Aufnahme
desselben ein dreidimensionales Netzwerk ausbildet oder bei dem ein bereits vorhandenes
Netzwerk durch Aufnahme eines Lösemittels aufquillt. Ein Gel ist dadurch charakterisiert,
dass das Netzwerk seine äußere Gestalt beibehält und elastische Eigenschaften besitzt.
[0032] Das erfindungsgemäß hergestellte Pulver weist eine Zusammensetzung mit der folgenden
allgemeinen Formel Li
1+x+yM
xTi
2-x(PO
4)
3-y(SiO
4)
y mit M = Al, Ga, In, Sc, V, Cr, Mn, Co, Fe, Y, La-Lu, 0 ≤ x ≤ 0,5 sowie 0 ≤ y ≤ 0,5
auf.
[0033] Eine auf Lithium-Titanphosphat (LTP) basierte Verbindung, bei der das Lithium teilweise
substituiert durch M vorliegt, wird im Folgenden auch mit LMTP abgekürzt.
[0034] Eine auf Lithium-Titanphosphat (LTP) basierte Verbindung, bei der das Phosphat teilweise
substituiert durch Silikat vorliegt, wird im Folgenden auch mit LTPS abgekürzt.
[0035] Eine auf LTP basierte Verbindung, bei der sowohl das Lithium teilweise substituiert
durch M als auch das Phosphat teilweise substituiert durch Silikat vorliegt, wird
im Folgenden auch mit LMTPS abgekürzt.
[0036] Erfindungsgemäß können bei dem Verfahren zur Herstellung von LTP, LMTP, LTPS bzw.
LMTPS Pulver kostengünstige Ausgangsmaterialien einsetzt werden, und das Verfahren
selbst mit einfachen Laborgeräten durchgeführt werden. Das Verfahren kann auch leicht
vom Labormaßstab mit einer Ausbeute von beispielsweise 10 g bis 1000 g für industrielle
Anwendungen mit einer Ausbeute von mehreren Tonnen hochskaliert werden.
[0037] Als Ausgangsmaterial wird eine saure wässrige Lösung vorgelegt. Als erster Verfahrensschritt
wird erfindungsgemäß eine stabile TiO
2+-Nitratlösung bereitgestellt.
[0038] Da TiO
2+ bekanntermaßen bevorzugt lange (TiO)
n2n+-Ketten ausbildet und komplexe Titanhydroxid-Oxide selbst unter extrem sauren Bedingungen
ausfallen, ist die Herstellung einer relativ stabilen Lösung nicht einfach.
[0039] Die vorliegende Erfindung löst dieses Problem dadurch, dass in einem ersten wesentlichen
Verfahrensschritt eine stabile TiO
2+-Lösung zur Verfügung gestellt wird. Dazu wird zunächst Titan(IV)isopropoxid zu einer
ausreichenden Menge destilliertem Wasser gegeben Es bilden sich umgehend Titanhydroxid-Oxidausfällungen
(TiO
2*nH
2O) in Isopropanol.
[0040] Die frischen Ausfällungen können leicht mit Salpetersäure wieder aufgelöst werden.
Als frisch werden solche Ausfällungen bezeichnet, die der Luft nur für kurze Zeit,
das bedeutet nur für wenige Stunden, ausgesetzt sind.
[0041] Im Rahmen der Erfindung hat sich herausgestellt, dass bei Raumtemperatur das wieder
in Lösung bringen der Titanhydroxid-Oxidausfällungen nur für eine kurze Zeit gelingt.
Es hat sich gezeigt, dass sich bald darauf wieder erneut Titanhydroxid-Oxidausfällungen
bilden, die dann nicht mehr durch die vorliegende Salpetersäure aufgelöst werden können.
Das bedeutet, dass sowohl die bereits einmal wieder in Lösung gebrachten und erneut
ausgefällten Niederschläge nicht mehr aufgelöst werden können, und dass ein erstmaliger
(frischer) Niederschlag nach einer bestimmten Zeit, wie im Abschnitt zuvor erläutert,
regelmäßig nicht mehr aufgelöst werden kann.
[0042] Der Prozess der Ausfällung verläuft dabei derart kontinuierlich, so dass es auch
für einen Fachmann schwer ist, einen exakten Zeitpunkt zu bestimmen, wann aus der
Lösung ein Sol entsteht
[0043] Bei der vorliegenden Erfindung wird die Auflösung der frischen Titanhydroxid-Oxidausfällungen
in Salpetersäure erfindungsgemäß bei niedrigen Temperaturen zwischen 0 und 10 °C,
vorteilhaft zwischen 0 und 8 °C durchgeführt. Der pH-Wert liegt dabei im Bereich von
0 bis 1. In diesem Fall kann der Transformationsprozess der Titanhydroxid-Oxidausfällung
auf eine Zeitspanne von regelmäßig 10 bis 20 Tagen verlängert werden.
[0044] Während dieser Zeit, d. h. solange die TiO
2+-Nitratlösung vorliegt, wird eine Polycarbonsäure, beispielsweise Zitronensäure, hinzugegeben.
In diesem Zustand bildet sich dann ein stabiles wässriges System aus, welches auch
bei Raumtemperatur ohne weitere Veränderungen für längere Zeit, d. h. auch länger
als 20 Tage, aufbewahrt werden kann. Es hat sich unter anderem herausgestellt, dass
eine Zugabe von doppelt so viel Mol Zitronensäure wie Mol TiO
2+ vollkommen ausreicht, um den vorgenannten Effekt zu erzielen. Neben Zitronensäure
sind beispielsweise auch weitere Polycarbonsäuren mit wenigstens zwei Carbonsäuren,
wie Oxalsäure, Fumarsäure oder auch Weinsäure geeignet.
[0045] Auf Basis dieser erfindungsgemäß stabilen TiO
2+-Nitratlösung können dann, je nachdem ob reines oder substituiertes Lithium-Titanphosphat
erhalten werden soll, die Zugaben entsprechender Mengen an Salzen für eine gewünschte
Stöchiometrie an Lithium und M erfolgen.
[0046] Das Lithium und die Übergangsmetalle M können beispielsweise als Nitrate, Azetate
oder Karbonate dem wässrigen System zugefügt werden. Ferner können auch geeignete
Oxide von Li oder M vorab in Salpetersäure gelöst werden. Im Grundsatz kann jedes
lösliche Salz oder jede Säure der gewünschten Elemente (Li, Al, Ga, In, Sc, V, Cr,
Mn, Co, Fe, Y, La-Lu) eingesetzt werden, solange sie durch einen späteren Kalzinierungsprozess
zersetzt werden können und keine Verunreinigungen im wässrigen System hinterlassen.
[0047] Für die Ausbildung der Phosphatgruppen werden in der Regel Phosphorsäure und/oder
Ammoniumdihydrogenphosphat zugefügt.
[0048] Es hat sich herausgestellt, dass bei der Zugabe der Phosphorsäure und/oder des Ammoniumdihydrogenphosphats
die vorherige Zugabe der Zitronensäure auch dann sinnvoll ist, wenn die die frisch
gebildete TiO
2+-Nitratlösung sofort weiter verarbeitet wird. Ohne die Zugabe der Zitronensäure würde
es andernfalls in der TiO
2+-Nitratlösung zu spontanen Ausfällungen kommen. Zudem würden sich in dem Sol größere
Partikel ausbilden, die nachfolgend nicht mehr die gewünschten Eigenschaften aufweisen.
[0049] Für eine teilweise Substitution der Phosphatgruppen kommt beispielsweise die Zugabe
von löslichen Silikaten oder ortho-Silikatsäuren oder Alkylester der ortho-Silikatsäure
in entsprechender Menge in Betracht. Diese Zugabe erfolgt jedoch immer vor der Zugabe
der Phosphorsäure und/oder Ammoniumdihydrogenphosphat.
[0050] Ein besonderer Vorteil dieses erfindungsgemäßen Verfahrens ist der vielfältige Einsatz
an geeigneten Ausgangsmaterialien. Beispielsweise werden in
US 6,475,677 B1 explizit NH
4H
2PO
4, Al(PO
3)
3, LiCO
3, SiO
2 und TiO
2 als Ausgangsmaterialien offenbart. In
US 20120295168 A1 muss zwingend TiO
2 in der Anatas-Modifikation, LiOH, Al(OH)3 sowie ortho-Phosphorsäure verwendet werden.
[0051] Bei der vorliegenden Erfindung können - sobald die TiO2
+-Lösung hergestellt ist - vorteilhaft alle löslichen Salze oder Säuren der Elemente
Li, Al, Ga, In, Sc, V, Cr, Mn, Co, Fe, Y und La - Lu in Form von beispielsweise Nitraten,
Azetaten, Karbonaten oder auch Hydroxiden oder ähnlichen Verwendung finden. Zudem
können ortho-Kieselsäuren, Kieselsäuretetraethylester (TEOS) oder andere organische
Siliziumquelle sowie NH
4H
2PO
4, (NH
4)
2HPO
4 oder auch H
3PO
4 eingesetzt werden.
[0052] Die eingesetzten Verbindungen sollten löslich sein und regelmäßig nur die entsprechende
Zusammensetzung, d. h. möglichst keine Verunreinigungen aufweisen.
[0053] Es ist zu beachten, dass die Zugabe der Phosphorsäure bzw. des Ammoniumdihydrogenphosphats
als letzte Zugabe zum wässrigen System umfassend das TiO
2+, die Salze (ionen) des Lithiums und von M sowie optional das Silikat bzw. die ortho-Silikatsäure
und/oder die oder Alkylester der ortho-Silikatsäure.
[0054] Die Zugabe der Phosphorsäure bzw. des Ammoniumdihydrogenphosphats findet bei niedrigen
Temperaturen zwischen 0 und 10 °C, vorteilhaft zwischen 0 und 5 °C statt. Selbst bei
0° C würde auf Grund der gelösten Salze keine Eisbildung eintreten. Da das sich möglicherweise
bildende Titanphosphat prinzipiell eine sehr starke Tendenz zur Ausfällung hat, kann
durch die Einhaltung der vorgenannten niedrigen Temperaturen diese Tendenz zur Ausfällung
vorteilhaft vermieden, zumindest aber stark eingeschränkt werden.
[0055] Sobald die Phosphorsäure oder das Ammoniumdihydrogenphosphat dem wässrigen System
zugegeben und mit diesem vermischt wird, bildet sich umgehend ein homogenes Sol aus.
Dieser Prozess läuft regelmäßig innerhalb weniger Sekunden ab, beispielsweise innerhalb
von 2 Sekunden.
[0056] Die Vermischung der reinen oder substituierten LTP-Komponenten erfolgt in der Lösung
auf der Nanometerskala, was einen positiven Effekt auf die Phasenreinheit des herzustellenden
Pulvers hat. Darüber hinaus verhindert die niedrige Temperatur regelmäßig das Wachstum
von Partikel innerhalb des Sols. Kleine Partikelgrößen im Sol führen demgegenüber
auch zu kleinen Partikelgrößen während der Pulverherstellung, was wiederum vorteilhaft
für einen sich anschließenden Sinterprozess ist.
[0057] Das auf die vorgenannte Weise gebildete Sol ist in der Regel nicht langzeitstabil.
Nach einer gewissen Zeit wandelt sich das Sol kontinuierlich in ein homogenes Gel
um. Die Umwandlung erfolgt dabei je nach Temperatur im Bereich von Minuten, beispielsweise
in einem Zeitraum von 30 Minuten bis zu einer Stunde. Bei Raumtemperatur erfolgt die
Umwandlung zum Gel eher schneller im Minutenbereich, bei tiefen Temperaturen um 0
°C entsprechend langsamer, d. h. bis zu einer Stunde.
In
DE 102012103409 B3 ist ebenfalls ein sich spontan bildendes Gel beschrieben, welches erhalten wird,
sobald eine Ammoniumdihydrogenphosphatlösung (NH
4H
2PO
4) zu der wässrigen Mischung aus Aluminiumnitrat (Al(NO
3)
3), Lithiumazetat (LiCH
3OO) und Titan(IV)-isopropoxid (Ti(OCH
2)CH
3)
4 gegeben wird. Allerdings wird vermutet, dass es sich bei der wässrigen Mischung aus
Aluminiumnitrat (Al(NO
3)
3), Lithiumazetat (LiCH
3OO) und Titan(IV)iospropoxid (Ti(OCH
2(CH
3)
2)
4 nicht um ein Sol im Sinne dieser Erfindung handelt, da dieser Verfahrensschritt der
sich anschließenden Gelbildung bislang nicht reproduziert werden konnte.
[0058] Die in
DE 102012103409 B3 beschriebene nicht vorhandene Phasenreinheit lässt darauf schließen, dass die wässrige
Mischung der Ausgangsmaterialien weder als reine Lösung noch als Sol vorliegt, sondern
vermutlich bereits Ausfällungen größerer Partikel enthält. Dies würde auch erklären,
warum zur Verdichtung des erhaltenen Pulvers ein Druck-unterstützter Sinterprozess
benötigt wird, der üblicherweise nur bei Vorliegen größerer Partikel benötigt wird.
[0059] Während erfindungsgemäß das reine oder substituierte Lithium-Titanphosphat-Pulver
vorteilhaft bei Raumtemperatur gepresst (z. B. mit 100 MPa) und anschließend drucklos
gesintert wird, wird in
DE 102012103409 B3 das Pulver bei Temperaturen um 900 °C gepresst und anschließend gesintert. Für die
Verdichtung bei hohen Temperaturen sind dazu jedoch nachteilig aufwändige Vorrichtungen
bereit zu stellen.
[0060] Erfindungsgemäß wird das erhaltene homogene Gel im Anschluss für einige Stunden getrocknet,
bevor es vorgesintert wird. Beispielsweise kann das homogene Gel für einige Stunden
zunächst bei niedrigeren Temperaturen unterhalb von 100 °C vorgetrocknet und im Anschluss
für weitere Stunden bei Temperaturen oberhalb von 100 °C komplett getrocknet werden.
[0061] Daran schließt sich ein Vorsinterungsschritt bei Temperaturen um 600 °C an, bei dem
das gewünschte reine oder substituierte Lithium-Titanphosphat-Pulver erhalten wird.
[0062] Bei Temperaturen von ca. 600 °C kann davon ausgegangen werden, dass der Hauptanteil
an organischen Bestandteilen aus dem zuvor getrockneten Gel verdampft ist. Unter dem
getrockneten Gel wird im Rahmen der Erfindung das Pulver mit Anteilen an organischen
Bestandteilen und amorphen, anorganischen Bestandteilen verstanden.
Allerdings ist das so erhaltene Pulver regelmäßig noch nicht phasenrein. Zudem können
teilweise größere Agglomerationen beobachtet werden. Aus diesem Grund wird vor dem
eigentlichen Sinterprozess zur Verdichtung des Materials ein Mahlprozess beispielsweise
mit einer Kugelmühle und keramischen Kugeln vorgeschlagen, um die vorhandenen Agglomerationen
aufzubrechen, anhaftende Reste an organischen Bestandteilen zu verdampfen und das
vorgesinterte Pulver auch garantiert sinterfähig zu machen.
[0063] Das vorgesinterte Pulver zeigt eine weißlich graue Färbung und weist nach dem Mahlschritt
eine Partikelgröße zwischen 50 und 100 nm auf. Die Partikelgröße bezieht sich dabei
auf nicht agglomeriertes Pulver.
[0064] Als nächstes wird im Rahmen der Erfindung ein einfacher Verdichtungsschritt für das
vorgesinterte und ggfs. gemahlene Pulver vorgeschlagen. Dazu wird das Pulver vorteilhaft
bei Raumtemperatur zunächst verpresst und anschließend bei hohen Temperaturen für
einige Stunden gesintert. Zum Pressen des Pulvers ist insbesondere eine uniaxiale
Presse geeignet. Als Anpressdruck haben sich Drücke zwischen 50 und 200 MPa bewährt,
insbesondere Drücke um 100 MPa.
[0065] Im Anschluss daran kann der folgende Sinterschritt bei Temperaturen zwischen 820
und 1050 °C, vorteilhaft zwischen 870 und 920 °C erfolgen. Die Sinterung sollte einige
Stunden, vorteilhaft über einen Zeitraum von wenigstens 5 Stunden erfolgen. Die vorgenannten
Zeiten beziehen sich dabei auf die Haltezeit bei der höchsten eingestellten Temperatur
und berücksichtigen insofern nicht die benötigten Aufheiz- und Abkühlphasen. Als Aufheiz-
und Abkühlrate können Werte von typischerweise 3 bis 15 K/min angegeben werden. Während
der Sinterung ist regelmäßig keine Druckbeaufschlagung vorgesehen.
[0066] Eine Überprüfung des gesinterten Pulvers oder auch der verdichteten Pellets mittels
Röntgen-Diffraktometrie (XRD) hat ergeben, dass in den Proben des erfindungsgemäß
hergestellten reinen oder substituierten Lithium-Titanphosphat-Materials keine Fremdphase
detektiert werden konnte. Das Pulverdiffraktogramm zeigte keinerlei Reflexe für Fremdphasen,
wie beispielsweise AlPO
4 oder TiP
2O
7, wie sie in
DE 10 2012 103 409 B3 erwähnt werden.
[0067] Die Dichte der erfindungsgemäß hergestellten Proben erreichte mehr als 99 % der theoretischen
Dichte. Ein solches Verfahren, mit dem LTP, LMTP, LTPS oder LMTPS-Materialien mit
einer solch hohen Dichte über einen einfachen Verdichtungs- und Sinterschritt hergestellt
werden können, ist bislang nicht bekannt.
[0068] Diese hohen Dichten der erfindungsgemäß hergestellten Materialien bewirken eine sehr
gute Lithium-Ionentleitfähigkeit in dem Bereich von 1 × 10
-4 bis 1 × 10
-3 S/cm. Das gesinterte reine oder substituierte Lithium-Titanphosphat-Material kann
somit vorteilhaft direkt als Festelektrolyt in einer Lithium-Batterie eingesetzt werden.
[0069] Die lonenleitfähigkeit wurde durch elektrochemische Impedanzspektroskopie der entsprechenden
Pellets ermittelt. Die Ergebnisse sind in Figur 4 dargestellt.
[0070] Neben dem vorgenannten Verdichtungsschritt können dichte auf LTP-basierte Bauteile
aus dem vorgesinterten Pulver aber auch direkt mittels Foliengießen hergestellt oder
dichte LTP-basierte-Schichten mittels Siebdruck auf anderen Substraten aufgebracht
werden.
[0071] Zusammenfassend ist zu sagen, dass die vorliegende Erfindung ein phasenreines und
leicht zu sinterndes Material auf Basis von Lithium-Titanphosphaten bereitstellt,
welches die Zusammensetzung Li
1+x+yM
xTi
2-x(PO
4)
3-y(SiO
4)
y mit M = Al, Ga, In, Sc, V, Cr, Mn, Co, Fe, Y, La-Lu mit 0 < ≤ x ≤ 0,5 und 0 ≤ y ≤
0,5 aufweist, und in verdichteter Form eine sehr gute Lithiumionenleitfähigkeit im
Bereich von 1 × 10
-4 bis 1 × 10
-3 S/cm bei Raumtemperatur zeigt. Die Erfindung offenbart dazu ein einfaches und kostengünstiges
Herstellungsverfahren für diese reinen oder auch substituierten Lithium-Titanphosphat-Materialien,
die bevorzugt als Festelektrolyten eingesetzt werden können
Spezieller Beschreibungsteil
[0072] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von einigen Figuren und ausgewählten Ausführungsbeispielen
näher erläutert, ohne sich darauf einzuschränken.
[0073] Bevorzugte Zusammensetzungen für das erfindungsgemäß hergestellte Material umfassend
Li
1+x+yM
xTi
2-x(PO
4)
3-y(SiO
4)
y mit M = Al, Ga, In, Sc, V, Cr, Mn, Co, Fe, Y, La - Lu mit 0 ≤ x ≤ 0,5 und 0 ≤ y ≤
0,5 schließen ein, sind jedoch nicht begrenzt auf: Li
1,5Al
0,5Ti
1,5(PO
4)
3, Li
1,4Y
0,4Ti
1,6(PO
4)
3, Li
1,3La
0,3Ti
1,7(PO
4)
3, Li
2Sc
0,5Ti
1,5(PO
4)
2,5(SiO
4)
0,5 oder auch Li
1,8Al
0,4 Ti
1,6(PO
4)
2.6(SiO
4)
0,4.
[0074] Es wird angenommen, dass ein Fachmann auf dem Gebiet auch andere Verbindungen mit
der allgemeinen Formel LiM
2(PO
4)
3 und einer geordneten NASICON-Struktur innerhalb des Umfangs der Erfindung als mit
eingeschlossen ansieht.
[0075] Es zeigen:
- Figur 1:
- Schema des erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens für LMTPS-Pulver, welches in Analogie
auch für die reinen LPT-Pulver eingesetzt werden kann.
- Figur 2:
- Partikelgrößenverteilung des bei 600 °C vorgesinterten Li1.5Al0.5Ti1.5(PO4)3-Pulvers nach einem Mahlschritt in einer Kugelmühle, wie im Text beschrieben.
- Figur 3:
- Röntgendiffraktogramm des erfindungsgemäß hergestellten Li1,5Al0,5Ti1,5(PO4)3-Pulvers nach dem Verdichtungsschritt.
- Figur 4:
- Impedanzspektrum für die Messung bei 20 °C des erfindungsgemäß hergestellten gesinterten
Li1,5Al0,5Ti1,5(PO4)3-Presskörpers.
- Figur 5:
- Temperaturabhängigkeit der ionischen Leitfähigkeit des erfindungsgemäß hergestellten
gesinterten Li1,5Al0,5Ti1,5(PO4)3-Presskörpers (Pellet).
[0076] Der Maßstab der nachfolgend aufgeführten Herstellung hängt stark von dem eingesetzten
Maschinenpark für den Trocknungs- und Sinterschritt ab. Im Labormaßstab, wo üblicherweise
Laboröfen und Sinteröfen bereit stehen, sind in der Regel Herstellungsmengen von einigen
kg möglich. Großtechnisch können aber auf diese Weise LMTPS-Pulver auch leicht im
Tonnenmaßstab erzeugt werden.
Ausführungsbeispiel 1: Herstellung von 1 kg Li1,5Al0,5Ti1,5(PO4)3 -Pulver
[0077] Die eingesetzten Chemikalien hatten einen Reinheitsgrad von mindestens 99 %. Zur
Herstellung von Li
1,5Al
0,5Ti
1,5(PO
4)
3-Pulver wurden zunächst 1120 g Titan-Isopropoxid [Ti(IV)(OCH
2(CH
3)
2)
4] langsam und unter Rühren in ein Becherglas mit 7 Liter deionisiertem Wasser gegeben.
Augenblicklich bildeten sich Titanhydroxid-Oxid-Ausfällungen. Die Ausfällungen wurden
sorgfältig gefiltert und gewaschen. Der gewaschene Niederschlag wurde in ein leeres
Becherglas überführt und mit 3 Liter deionisiertem Wasser aufgefüllt. Das Becherglas
mit der wässrigen Lösung der Ausfällungen wurde in einem Eisbad, umfassend eine Eis-Wassermischung
und ggfs. Kochsalz, unter ständigem Rühren auf Temperaturen unterhalb von 5 °C herunter
gekühlt.
[0078] In einem weiteren Becherglas wurden 670 ml Salpertersäure (65 Gew.-%-ig) ebenfalls
auf Temperaturen unterhalb von 5 °C heruntergekühlt. Die Kühlung erfolgte mit Hilfe
eines Kühlschranks. Die gekühlte Salpetersäure wurde langsam der immer noch gekühlten
Lösung mit den Titanhydroxid-Oxid-Ausfällungen zugegeben. Die bei dieser Reaktion
regelmäßig entstehende Wärme wurde über das Eisbad abgeführt. Die Geschwindigkeit,
mit der die Salpetersäure zugegeben wurde, wurde derart bemessen, dass die Temperatur
der Lösung mit den Titanhydroxid-Oxid-Ausfällungen 10 °C nicht überstieg. Das so erhaltene
wässrige System wurde in einem Kühlschrank bei 0 °C für 3 Tage aufbewahrt. Dabei bildete
sich die wässrige TiO
2+-Nitratlösung. Durch Zugabe von 1720 g Zitronensäure-Monohydrat konnte die Lösung
stabilisiert werden.
[0079] 271,7 g Lithiumnitrat (LiNO
3) und 492,7 g Aluminiumnitrat (Al(NO
3)
3·9 H
2O) wurden abgewogen und unter Rühren in die titanhaltige Lösung überführt. Die sich
daraus ergebende Lösung wurde erneut in einem Eisbad auf Temperaturen unterhalb von
5 °C gekühlt. Dazu wurden dann unter Rühren 906,6 g Ammoniumdihydrogenphosphat (NH
4H
2PO
4) gegeben, wobei sich spontan ein Sol ausbildete. Das Rühren wurde noch für 30 Minuten
fortgesetzt. Im Anschluss daran wurde das Sol langsam auf Raumtemperatur erwärmt.
Nach ca. 1 Stunde war die kontinuierliche Umwandlung in ein Gel abgeschlossen.
[0080] Das so erhaltene Gel wurde zunächst für 12 Stunden bei 60 °C vorgetrocknet und anschließend
für nochmals 24 Stunden bei 120 °C getrocknet. Das getrocknete Gel wurde für 3 Stunden
bei 600 °C vorgesintert. Dabei erhielt man ein grau-weißes Pulver. Das Pulver wurde
in einer Kugelmühle mit keramischen Kugeln für 48 Stunden gemahlen.
[0081] In der Figur 2 ist die Partikelgrößenverteilung dieses gemahlenen Pulvers dargestellt.
Das Pulver weist eine nahezu perfekte Partikelgrößenverteilung mit d
90 < 0,15 µm, d
50 < 0,097 µm und d
10 < 0,066 µm auf.
Ausführungsbeispiel 2: Herstellung von dichten Pellets aus Li1,5Al0,5Ti1,5(PO4)3
[0082] 1 g des vorgesinterten Pulvers aus dem Ausführungsbeispiel 1 wurde in eine zylindrische
Presshülse mit einem Durchmesser von 13 mm gegeben und unter uniaxialem Pressdruck
von 100 MPa bei Raumtemperatur verpresst. Die so hergestellten Pellets wurden für
5 Stunden bei 880 °C gesintert. Der Druck bezieht sich nur auf das Pressen des Pulvers
für die Formgebung, während des Sinterns wurde kein Druck aufgebracht.
[0083] Nach der Sinterung erhielt man reinweiße Pellets, die eine Dichte von mehr als 99
% der theoretischen Dichte aufwiesen. Das Diffraktogramm dieser Pellets, welches mit
einem Siemens D4 Röntgen-Diffraktometer unter Verwendung der Cu K
α-Wellenlänge aufgezeichnet wurde, zeigt keine Fremdphasen innerhalb der gesinterten
Proben an, wie aus der Figur 3 ersichtlich.
Ausführungsbeispiel 3: Leitfähigkeitsmessungen an den Pellets aus Li1,5Al0,5Ti1,5(PO4)3
[0084] Die dichten Pellets aus Li
1,5Al
0,5Ti
1,5(PO
4)
3 gemäß dem Ausführungsbeispiel 2 wurden auf beiden Seiten mit Gold bedampft. Die dielektrischen
Eigenschaften der Pellets wurden bei Temperaturen zwischen -30 °C und +40 °C mit einem
kommerziellen Frequenzganganalysator aufgenommen (Biologic VMP-300) mit einem AC-Frequenzbereich
von 1 MHz bis 1 Hz. Das entsprechende Impedanzspektrum für die Messung bei 20 °C ist
in Figur 4 dargestellt.
[0085] Für diese dichten Pellets aus Li
1,5Al
0,5Ti
1,5(PO
4)
3, die gemäß Ausführungsbeispiel 2 erzeugt wurden, ergab sich eine Gesamtleitfähigkeit
von 4 × 10
-4 S/cm bei 20 °C. Siehe dazu auch Figur 5.
Ausführungsbeispiel 4: Herstellung von 20 g Li2Sc0,5Ti1,5(PO4)2,5(SiO4)0,5-Pulver
[0086] Zur Herstellung von Li
2Sc
0,5Ti
1,5(PO
4)
2,5(SiO
4)
0,5-Pulver wurden 21,77 g Titan-Isopropoxid langsam und unter Rühren in ein Becherglas
mit 100 ml deionisiertem Wasser gegeben. Augenblicklich bildeten sich Titanhydroxid-Oxid-Ausfällungen.
Die Ausfällungen wurden sorgfältig gefiltert und gewaschen. Die gewaschenen Ausfällungen
wurden in ein neues leeres Becherglas überführt und mit 60 ml deionisiertem Wasser
aufgefüllt. Das Becherglas mit der wässrigen Lösung der Ausfällungen wurde in einem
Eisbad, umfassend eine Eis-Wassermischung, unter ständigem Rühren auf Temperaturen
unterhalb von 5 °C herunter gekühlt.
[0087] In einem weiteren Becherglas wurden 14 ml Salpertersäure (65 %-ig) in einem Kühlschrank
ebenfalls auf Temperaturen unterhalb von 5 °C heruntergekühlt. Die gekühlte Salpetersäure
wurde langsam der immer noch gekühlten Lösung mit den Titanhydroxid-Oxid-Ausfällungen
zugegeben. Die bei dieser Reaktion regelmäßig entstehende Wärme wurde über das Eisbad
abgeführt. Die Geschwindigkeit, mit der die Salpetersäure zugegeben wurde, wurde derart
bemessen, dass die Temperatur der Lösung mit den Titanhydroxid-Oxidausfällungen 10
°C nicht überstieg. Das so erhaltene wässrige System wurde in einem Kühlschrank bei
0 °C für 3 Tage aufbewahrt. Dabei bildete sich die wässrige TiO
2+-Nitratlösung. Durch Zugabe von 35 g Zitronensäure-Monohydrat wurde die Lösung stabilisiert.
[0088] 1,685 g Sc
2O
3 wurden abgewogen und in 20 ml 5M Salpetersäure gelöst. Diese Lösung wurde unter Rühren
zusammen mit 7,043 g LiNO
3 in die titanhaltige Lösung überführt.
[0089] 5,320 g Tetraethyl-orthosilikat wurde mit 25 ml 5M Salpetersäure vermischt und das
sich daraus ergebene Sol wurde mit der vorgenannten titanhaltigen Lösung mit den Sc-
und Li-Ionen vermischt. Das Sol wurde im Eisbad auf Temperaturen unterhalb von 5 °C
gekühlt.
[0090] Dazu wurden dann unter Rühren 14,69 g NH
4H
2PO
4 gegeben. Das Rühren wurde noch für 30 Minuten fortgesetzt. Im Anschluss daran wurde
das Sol langsam auf Raumtemperatur erwärmt. Nach ca. 30 Minuten war die kontinuierliche
Umwandlung in ein Gel abgeschlossen.
[0091] Das so erhaltene Gel wurde zunächst für 12 Stunden bei 60 °C vorgetrocknet und anschließend
für nochmals 24 Stundenbei 120 °C getrocknet. Das getrocknete Gel wurde für 3 Stunden
bei 600 °C vorgesintert. Dabei erhielt man ein grau-weißes Pulver. Das Pulver umfassend
Li
2Sc
0,5Ti
1,5(PO
4)
2,5(SiO
4)
0,5 wurde in einer Kugelmühle mit keramischen Kugeln für 48 Stunden gemahlen und konnte
analog zum Ausführungsbeispiel 2 zu dichten Pellets verdichtet werden.