[0001] Die Erfindung betrifft eine Betttextilie, die mit einer chemischen Ausrüstung versehen
ist. Sie betrifft weiter ein Verfahren zur chemischen Ausrüstung einer derartigen
Betttextilie, die mit einer wässrigen Dispersion behandelt wird.
[0002] Die Anzahl der Fälle von Allergien nimmt in der Bevölkerung stetig zu. Vorbeugemaßnahmen
sind daher gesundheitspolitisch und volkswirtschaftlich wichtig. Im Haus sammeln sich
Innenraumallergene in Bettwäsche, Matratzen, Teppichen, Kuscheltieren, Polstermöbeln
und Kleidung an. Sie alle fungieren so als Reservoir und Allergenquelle. Aus diesen
Reservoirs können die Allergene an die Umwelt abgegeben werden und somit die Allergenexposition
in unmittelbarer Nähe zum Benutzer stark erhöhen, insbesondere bei langer und wiederholter
Verwendung, wie dies bei Betttextilien der Fall ist.
[0003] Unter Betttextilien werden im Folgenden sämtliche Textilien verstanden, die in Betten
verwendet werden. Dies umfasst zunächst Bettwaren, wobei unter Bettwaren zum Schlafen
verwendete Körperauflagen und -unterlagen verstanden werden, die einen von einem Bezugsstoff
gebildeten Innenraum aufweisen, der mit Füllmaterial (z.B. Federkiele) befüllt ist.
Die am häufigsten verwendete Körperauflage ist die Bettdecke (=Oberbett). Körperunterlagen
sind Kopfkissen, Seitenkissen, Matratzenauflage (=Unterbett) und Matratze. Neben Bettwaren
umfassen Betttextilien auch die üblicherweise aus einfachem Stoff gebildete Bettwäsche
(Bettbezüge und Bettlaken), die die Bettware schützend einhüllt, sowie Tagesdecken
(=Überbett).
[0004] Um die Allergenexposition substanziell zu reduzieren, ist die Kombination mehrerer
Maßnahmen nötig. Dazu gehört neben einer Verhinderung der Entstehung und der regelmäßigen
Entfernung vor allem auch das aktive Fernhalten von Allergenen vom Benutzer, z.B.
durch regelmäßige Reinigung. Dennoch kann es trotz regelmäßiger Reinigung insbesondere
bei Betttextilien zu einer Ansammlung von Milbenkotallergenen kommen, denen der Benutzer
häufig direkt und lange ausgesetzt ist.
[0005] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, eine Betttextilie und ein Verfahren zur chemischen
Ausrüstung einer Betttextilie der eingangs genannten Art anzugeben, die die Milbenkotallergenexposition
vermindern.
[0006] Bezüglich der Betttextilie wird die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst, indem die Ausrüstung
einen allergenbindenden, selbstvernetzenden Stoff umfasst.
[0007] Bezüglich des Verfahrens wird die Aufgabe gelöst, indem die wässrige Dispersion einen
allergenbindenden, selbstvernetzenden Stoff umfasst.
[0008] Die Erfingung geht dabei von der Überlegung aus, dass eine verminderte Allergenexposition
dadurch erreicht werden könnte, dass im Gebrauchszyklus aufgenommene Allergene von
den Fasern der Betttextilie zurückgehalten werden. Dies wird dadurch erreicht, dass
die chemische Ausrüstung allergenbindend ausgestaltet wird, insbesondere hinsichtlich
der Milbenkotallergene Der p1 und Der f1. Hierdurch stehen die Allergene der Umwelt
(und somit Allergikern) nicht mehr zur Verfügung. Erst beim Waschen werden die in
der Faser gebundenen Allergene dann gezielt aus den Betttextilien entfernt. Damit
wird die Füllung ein zusätzlicher Bestandteil in einem Maßnahmenkatalog zur Linderung
von Allergiesymptomen oder gar der Verhinderung von Sensibilisierungen. Desweiteren
soll aber die Wäsche nicht dazu führen, dass die allergiebindende Wirkung der Ausrüstung
abgeschwächt oder die Ausrüstung gar ausgewaschen wird. Vielmehr soll die Bindefunktion
des Textils regeneriert werden. Daher ist der Stoff für die Ausrüstung neben den allergenbindenden
Eigenschaften weiterhin selbstvernetzend ausgestaltet. Selbstvernetzend bedeutet in
diesem Zusammenhang, dass ein Stoff verwendet wird, dessen Molekülketten funktionale
Gruppen aufweisen, die Verknüpfungen zwischen den Molekülketten herstellen, z.B. durch
kovalente Bindungen, und das diese Vernetzungen ohne Zugabe z.B. eines zusätzlichen
Vernetzungsmittels von selbst während des Behandlungsprozesses stattfinden.
[0009] In vorteilhafter Ausgestaltung weist der für die Betttextilie bzw. im Rahmen des
Verfahrens verwendete Stoff anionische funktionale Gruppen auf. Hierdurch wird eine
besonders gute Allergenbindung gewährleistet. Diese Wirkung basiert auf der Erkenntnis,
dass die Allergene in Milbenkot (Der p1, Der f1) in der Regel positiv geladen sind.
Eine Bindung der Allergene erfolgt somit über das physikalische Prinzip der elektrostatischen
Wechselwirkung.
[0010] In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung ist der verwendete Stoff ein Copolymer auf
Acrylsäureester-Basis. Ein derartiger Stoff kann in besonders einfacher Weise mit
den o.g. Eigenschaften versehen werden. Darüber hinaus zeigt ein Copolymer auf Acrylsäureester-Basis
gegenüber anderen möglichen Stoffen eine besonders gute Waschpermanenz, d.h. beim
Waschen der Betttextilie bleibt das Copolymer besonders gut auf den Fasern haften.
Dies wird im Folgenden noch anhand der Ausführungsbeispiele näher erläutert. Die allergenbindende
Wirkung bleibt so über mehrere Wäschen hinweg erhalten.
[0011] In besonders vorteilhafter Ausgestaltung weist das Copolymer eine Glasübergangstemperatur
zwischen -25 und -5 Grad Celsius auf. Derartige Copolymere eignen sich durch ihre
vergleichsweise weichen, elastischen Eigenschaften bei Raumtemperatur besonders gut
für den Einsatzzweck im Rahmen der Behandlung von Fasern für Betttextilien.
[0012] In noch weiterer vorteilhafter Ausgestaltung hat der Stoff die allgemeine Formel
(I)

[0013] Dabei steht R
1 für gleiche oder verschiedene Wasserstoffatome, Methyl-, Ethyl-, Propyl- oder Butylreste,
R
2 für gleiche oder verschiedene Wasserstoffatome oder Methylreste, und X für gleiche
oder verschiedene Nitril-, Phenyl-, Carbamoylgruppen oder eine Gruppe der allgemeinen
Formel (II)
CO-NH-CH2-OH (II)
.
[0014] Ein derartiges Copolymer vereint sämtliche oben genannten gewünschten Eigenschaften,
es hat eine besonders hohe allergenbindende Wirkung und bleibt trotz mehrerer Waschvorgänge
auf den Fasern der Betttextilie haften.
[0015] In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung umfasst die Ausrüstung der Betttextilie oder
die im Rahmen der Behandlung verwendete wässrige Dispersion weiterhin ein amidofunktionelles
Aminopolydiorganosiloxan um. Insbesondere kann hierbei ein amidofunktionelles Aminopolydiorganosiloxan
zur Anwendung kommen, wie es in der interenationalen Patentanmeldung
WO 2002/088456 A1 beschrieben ist, deren Offenbarung hierin durch Verweis mit aufgenommen wird. Derartige
amidofunktionelle Aminopolydiorganosiloxane dienen in der Regel als Weichgriffmittel
und werden bereits zur Behandlung von Fasern für Betttextilien verwendet. Der besondere
Vorteil liegt hier jedoch in der Erkenntnis, dass die chemische Ausrüstung gleichzeitig
mit dem amidofunktionellen Aminopolydiorganosiloxan und dem hier beschriebenen allergenbindenden
und selbstvernetzenden Stoff versehen werden kann. Die im Behandlungsverfahren verwendete
wässrige Dispersion enthält also beide Stoffe, so dass eine besonders einfache Behandlung
ermöglicht wird.
[0016] Vorteilhafterweise enthält die Ausrüstung das amidofunktionelle Aminopolydiorganosiloxan
in im Wesentlichen gleicher Menge wie den allergenbindenden, selbstvernetzenden Stoff.
In umfangreichen Versuchen hat eine derartige Mengenbemessung optimale Ergebnisse
hinsichtlich der allergenbindenden Wirkung gezeigt, wie in Bezug auf die Ausführungsbeispiele
noch erläutert wird.
[0017] Insbesondere ist bei der Behandlung eines Bezugsstoffes der allergenbindende, selbstvernetzende
Stoff vorteilhafterweise in einer Konzentration von 30 bis 160, vorzugsweise 60 bis
100 g/L in der Dispersion enthalten. Bei der Behandlung eines Füllmaterials einer
Bettware ist der Stoff hingegen vorteilhafterweise in einer Konzentration von mehr
als 60, vorzugsweise 120 bis 200 g/L in der Dispersion enthalten.
[0018] Das Füllmaterial wird vorteilhafterweise vor der Behandlung mit der wässrigen Dispersion
mit einem Acrylatbinder besprüht. Dieser dient einerseits dazu, im späteren Endprodukt
der Fasermigration vorzubeugen, d.h. dem Wandern einzelner Fasern des Füllmaterials
durch den Bezugsstoff. Andererseits wurde erkannt, dass ein derartiges Besprühen ebenfalls
die allergenbindenden Eigenschaften verbessert.
[0019] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass durch
die Verwendung eines allergenbindenden, selbstvernetzenden Stoffes zur Ausrüstung
der Fasern von Betttextilien eine Bindung von Milbenkotallergenen an der Faser erreicht
und die Allergenbelastung des Benutzers reduziert wird. Durch die selbstvernetzenden
Eigenschaften ist darüber hinaus eine effiziente Reaktivierung möglich, d.h. durch
Waschen wird der Milbenkot wieder gelöst und entfernt, wobei die Ausrüstung auf der
Faser haften bleibt. Die Ausrüstung ist waschbeständig und trocknergeeignet.
[0020] Insbesondere bei Stoffen mit anionischen funktionalen Gruppen basiert die Anhaftung
der Allergene auf einem physikalischen Prinzip, d.h. durch die Ausrüstung wird eine
negative Ladung der Oberfläche erzeugt, welche den positiv geladenen Milbenkot bzw.
die entsprechenden Allergene bindet. Dadurch kommt die Betttextilie bei hoher Funktionalität
ohne Biozide oder andere Schadstoffe aus. In Versuchen konnte nachgewiesen werden,
dass bei Verwendung eines oben beschriebenen Copolymers eine Erfüllung des Oeko-Tex®
Standard 100 Klasse 1 erreicht wurde. Die biologische Verträglichkeit (Haut- und Allergikerfreundlich)
ist durch Biokompatibilitätsprüfungen (Zytotoxizität, Sensibilisierung, Irritation)
nachgewiesen.
[0021] Durch den Einsatz der beschriebenen Betttextilien werden keine für Allergiker bislang
häufig beim Kauf von Bettwaren notwendigen sog. Encasings mehr benötigt. Es gibt somit
keine Einschränkung des Schlafkomforts für Allergiker, der bei den bislang verwendeten
Encasings häufig zu beklagen war: Die wie beschrieben ausgerüsteten Bettwaren sind
weicher und leichter als Encasings, sie verursachen keine störenden Geräusche (Rascheln,
Knittern), sie weisen eine hohe Luftdurchlässigkeit (ca. 80-100 I, Encasings liegen
nur bei ca. 10 I) auf und eine vollflächige Atmungsaktivität. Überdies sinken die
Kosten beim Neukauf, da von Allergikern nur eine Bettware gekauft werden muss, nicht
- wie bisher - eine Bettware und ein Encasing.
[0022] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden im Folgenden näher erläutert.
[0023] Im Rahmen der Erzeugung einer erhöhten Allergenanbindung an die Faseroberfläche während
des Gebrauchs wurden verschiedene Ausrüstungskomponenten verglichen, um die größtmögliche
Allergenanbindung zu erreichen. Hierzu wurden Rohwaren von Bezugsstoff aus 100 % Baumwolle
und von Füllwatte-Vliesen aus 100 % Polyester mit unterschiedlichen Ausrüstungsmitteln
in unterschiedlichen Konzentrationen (siehe Ausführungsbeispiele unten) in wässriger
Dispersion behandelt, um eine negativ geladene Faseroberfläche zu erzeugen. Die Anbindung
von positiv geladenen Allergenen im Milbenkot (Der p1, Der f1) erfolgt über das physikalische
Prinzip der elektrostatischen Wechselwirkung. Insgesamt wurden hierbei 42 verschiedene
unterschiedlich behandelte und unbehandelte Fasern für Betttextilien untersucht.
[0024] Von jedem Probenmaterial wurden drei Prüflinge von 5 cm x 5 cm ausgeschnitten und
einzeln in Bechergläser gegeben. Anschließend wurden 5 mg eines standardisierten Milbenkots
(bekannter Allergengehalt) in die Bechergläser eingewogen und in das Material eingerieben.
Dabei wurde möglichst das gesamte Kotmaterial vom Stoff aufgenommen. Die so behandelten
Prüflinge wurden in trockenem Zustand in sterile Kunststoffbeutel überführt und im
Labormixer für 60 sec mit 240 U/min mechanisch behandelt. Dieser Arbeitsschritt soll
das Aufschütteln der Betttextilie simulieren. Haftet der Milbenkot nicht fest an den
Fasern, so wird er in den Kunststoffbeutel geschüttelt.
[0025] Anschließend wurden die Prüflinge aus dem Beutel entnommen. Die leeren Kunststoffbeutel
und auch die Bezugs- und Füllmaterialien selbst wurden mit Tensid-haltigem Puffer
eluiert. Der Der p1-Allergengehalt der Eluate wurde anschließend im ELISA-(Enzyme-linked
Immunosorbent Assay-)Immunoassay quantifiziert. Diese ermittelten Allergengehalte
korrespondieren im Falle des leeren Kunststoffbeutels mit der Allergenmenge, die nach
dem Aufschütteln frei in der Umgebung verfügbar war und im Falle der Bezugs- und Füllmaterialien
mit der Allergenmenge, die nach dem Aufschütteln noch immer an den Fasern gebunden
war (und beim Waschen der Bettware wieder entfernt werden kann). Die letztere Allergenmenge
ist also ein Indikator dafür, wie sich die Faseroberflächen beim Waschen regenerieren.
Hierbei sollen sich die Milbenkotallergene während des Waschprozesses von den Fasern
lösen, so dass nach dem Waschen und Trocknen der aufbereiteten Betttextilie Allergene
erneut gebunden werden können.
[0026] Im direkten Vergleich verschiedener Materialien und Ausrüstungen sowie verschiedener
Konzentrationen zeigte sich auf den Bezugsstoffen, die mit einer wässrigen Dispersion
behandelt wurden, die das oben anhand der Formeln (I) und (II) beschriebene Copolymer
auf Acrylsäureester-Basis in einer Konzentration von 80 g/L und ein amidofunktionelles
Aminopolydiorganosiloxan (wie in der
WO 2002/088456 A1 beschrieben) ebenfalls in einer Konzentration von 80g/L enthielt (Ausführungsbeispiel
1), das höchste Allergenbindevermögen an der Faser bei mechanischer Belastung. Konkret
wurden bei unterschiedlichen Bezugsstoffen jeweils weniger als 5 % des ursprünglich
eingebrachten Allergens (5 mg) durch den Labormixer freigesetzt, im Vergleich zu 15
%, die bei Bezugsstoffen freigesetzt wurden, die nur mit dem amidofunktionellen Aminopolydiorganosiloxan
in der o.g. Konzentration behandelt wurden.
[0027] Diese Zahlen sind insbesondere in Beziehung zur Aufnahmekapazität der Bezugsstoffe
zu sehen: Die mit dem Copolymer und dem Aminopolydiorganosiloxan behandelten Bezugsstoffe
konnten auch nach der Behandlung im Labormixer noch ca. 70% des ursprünglich eingebrachten
Allergens (5 mg) gebunden halten, während die nur mit dem Aminopolydiorganosiloxan
behandelten Bezugsstoffe nur noch lediglich ca. 30-40% der Allergene enthielten. Da
nur 30-40% der Allergene noch gebunden waren und 15% durch den Labormixer freigesetzt
wurden, bedeutet dies, das überhaupt nur 55-65% der ursprünglich eingesetzten Allergene
zu Beginn der Versuchsreihe von der Faser aufgenommen wurden, im Vergleich zu 75%
nach Behandlung zusätzlich mit dem Copolymer. Dies zeigt, dass durch die zusätzliche
Behandlung mit dem oben beschriebenen anionischen Copolymer einerseits die Aufnahmekapazität
der Fasern für Allergene steigt, andererseits deren Bindung an die Faser stärker wird.
[0028] Ebenfalls gute Ergebnisse wurden mit einer Behandlung der Bezugsstoffe mit einer
wässrigen Dispersion erzielt, die ein endständig funktionalisiertes Dicarboxysiloxan,
d.h. ein anionisches Silikon in einer Konzentration von 100 g/L und das bereits beschriebene
amidofunktionelle Aminopolydiorganosiloxan in einer Konzentration von 80g/L enthielt
(Ausführungsbeispiel 2). Hier konnte ebenfalls die Aufnahmekapazität für Allergene
erhöht werden, allerdings ist die Bindung an die Faser weniger stark als im Ausführungsbeispiel
1. Konkret wurden mehr als 70% des ursprünglich eingebrachten Allergens nach Behandlung
mit dem Labormixer in der Faser gehalten, ca. 20% wurden jedoch freigesetzt.
[0029] Die Versuche umfassten weiterhin zur Bestimmung einer optimalen Konzentration wässrige
Dispersionen mit dem Copolymer auf Acrylsäureester-Basis in einer Konzentration von
30 g/L und dem amidofunktionellen Aminopolydiorganosiloxan in einer Konzentration
von 80g/L enthielt (Ausführungsbeispiel 3) sowie wässrige Dispersionen mit dem anionischen
Silikon in einer Konzentration von 30 g/L und dem amidofunktionellen Aminopolydiorganosiloxan
in einer Konzentration von 80g/L enthielt (Ausführungsbeispiel 4). Hier zeigten sich
schlechtere Ergebnisse als in den Ausführungsbeispielen 1 bzw. 2.
[0030] Beim oben beschriebenen Füllmaterial wurden im oben beschriebenen Verfahren auf den
Mustern die besten Ergebnisse erzielt, die mit einer wässrigen Dispersion behandelt
wurden, die das anionische Silikon in einer Konzentration von 200 g/L, das amidofunktionelle
Aminopolydiorganosiloxan in einer Konzentration von 160g/L sowie ein Netzmittel in
einer Konzentration von 2g/L enthielt (Ausführungsbeispiel 5). Hier wurden nahezu
100% der Allergene zurückgehalten und durch das Behandeln mit dem Labormixer nahezu
keine Allergene freigesetzt.
[0031] Auch eine wässrige Dispersion mit dem Copolymer auf Acrylsäureester-Basis in einer
Konzentration von 160 g/L, dem amidofunktionellen Aminopolydiorganosiloxan in einer
Konzentration von 160g/L und dem Netzmittel in einer Konzentration von 2g/L (Ausführungsbeispiel
6) zeigte eine sehr gute Allergenanbindung auf der Füllwatte. Mehr als 70% der Allergene
wurden zurückgehalten, nur 10% wurden im Labormixer freigesetzt.
[0032] Vergleichsversuche, in denen gegenüber Ausführungsbeispiel 5 die Konzentration des
anionischen Silikons auf 60g/L reduziert wurde (Ausführungsbeispiel 7) oder gegenüber
Ausführungsbeispiel 6 die Konzentration des Copolymers auf 60g/L reduziert wurde (Ausführungsbeispiel
8), zeigten schlechtere Ergebnisse. In den oben genannten Ausführungsbeispielen wurde
das Füllmaterial vor der Ausrüstung mit einem Acrylatbinder besprüht. In Vergleichsversuchen
zeigte sich, dass dann die Ausrüstung auf dem Füllmaterial effektiver wirkte. Dies
ist durch einen leichten Klebeeffekt des Harzes zu erklären.
[0033] In weiteren Versuchen wurde die Waschpermanenz der Betttextilien-Ausrüstung gemäß
den o.g. Ausführungsbeispielen 1-8 getestet. Hierzu wurden die Materialien von Bezugsstoff
und Füllwatte gemäß den Ausführungsbeispielen 1, 2, 5 und 6 zehnmal in einem haushaltsüblichen
Waschverfahren bei 60°C gewaschen. Anschließend wurde das Allergenbindevermögen erneut
geprüft und mit den Ergebnissen der Prüfung im Neuzustand verglichen.
[0034] Die Waschversuche wurden in einer Haushaltswaschmaschine mit der Einstellung "Baumwolle
60°C" mit 67,5 g Vollwaschmittel durchgeführt. Als Beiladung wurden ca. 3,8 kg Bundlewäsche
verwendet, zu Beginn wurde ohne Schmutzzugabe gewaschen, bei Bedarf (nach Schaumentwicklung)
wurden 2 SBL-(Schmutzballast-)Tücher zugegeben. Nach jeder Wäsche wurden die Textilien
im Haushaltstrockner mit der Einstellung "Baumwolle, schranktrocken" getrocknet. Die
Muster wurden nach den zehn Wäschen wie oben beschrieben erneut mit standardisiertem
Milbenkot beaufschlagt, ausgeschüttelt und eluiert und der Allergengehalt der Eluate
im Der p1-ELISA quantifiziert.
[0035] Die Bezugsstoffe gemäß Ausführungsbeispiel 1 (Copolymer) zeigten eine sehr hohe Waschpermanenz,
das Allergenbindevermögen wurde durch das Waschen nicht beeinträchtigt. Die Füllwatte
gemäß Ausführungsbeispiel 5 (Silikonausrüstung) zeigte ein deutlich schlechteres Ergebnis
in der Allergenanbindung nach zehn Haushaltswäschen. Dies spricht dafür, dass die
Ausrüstung nicht waschecht ist.
[0036] Im Gegensatz dazu zeigte die Füllwatte gemäß Ausführungsbeispiel 6 (Copolymer) nach
zehn Wasch-/Trockenzyklen ein gleich hohes Allergenbindevermögen wie im Neuzustand.
Aus diesem Grund ist trotz der oben beschriebenen Ergebnisse die Füllwatte gemäß Ausführungsbeispiel
6 zu bevorzugen.
[0037] Da obigen Ergebnisse bezüglich der Bezugsstoffe lassen Rückschlüsse auf jegliche
Betttextilien zu, die aus einfachen Stoffbahnen bestehen, d.h. insbesondere auch auf
Bettwäsche und Überbetten. Bezüglich Bettwaren, die ein mit dem Bezugsstoff umschlossenes
Füllmaterial umfassen, wurden abschließend die ermittelten Ergebnisse realitätsnah
getestet. Ein realitätsnaher Zustand in Bezug auf Bettwaren sollte hierbei mit kleinen
Gebrauchsmustern der in Serienfertigung ausgerüsteten Bettwaren und einer Milbenpopulation
nachgestellt werden. Die Allergenanbindung soll durch die reale Belastung mit Milbenkot
und das erneute Simulieren des Gebrauchs in der konfektionierten Bettware überprüft
werden.
[0038] Zwei Varianten der Muster wurden in einer Größe von 5x5 cm hergestellt: Erstens wurde
hergestellt eine Kombination aus einem ersten Bezugsstoff (50er Einschütte), behandelt
mit wässriger Dispersion mit dem beschriebenen Copolymer auf Acrylsäureester-Basis
in einer Konzentration von 80 g/L und dem amidofunktionellen Aminopolydiorganosiloxan
in einer Konzentration von 80g/L, und einer Füllwatte, besprüht mit einem Acrylatbinder
und behandelt mit wässriger Dispersion mit dem beschriebenen Copolymer auf Acrylsäureester-Basis
in einer Konzentration von 160 g/L (Ausführungsbeispiel 9).
[0039] Zweitens wurde hergestellt eine Kombination aus einem zweiten Bezugsstoff (100er
Einschütte), behandelt mit wässriger Dispersion mit dem beschriebenen Copolymer auf
Acrylsäureester-Basis in einer Konzentration von 80 g/L und dem amidofunktionellen
Aminopolydiorganosiloxan in einer Konzentration von 80g/L, und einer Füllwatte, besprüht
mit einem Acrylatbinder und behandelt mit wässriger Dispersion mit dem beschriebenen
Copolymer auf Acrylsäureester-Basis in einer Konzentration von 160 g/L (Ausführungsbeispiel
10).
[0040] Jeweils drei Gebrauchsmuster je Ausführungsbeispiel wurden im Neuzustand geprüft
und weitere drei Muster je Ausführungsbeispiel nach zehn haushaltsüblichen Wäschen
bei 60°C (siehe oben). In jede Bettware wurden 50 Hausstaubmilben (
Dermatophagoides pteronyssinus) gesetzt und nach Zugabe von Futtersubstrat über 6 Wochen bei Raumtemperatur inkubiert.
Danach wurde die Milbenpopulation (inzwischen angewachsen auf ca. 800-1000 Exemplare)
durch Einfrieren der kontaminierten Bettwaren abgetötet. Anschließend wurden die konfektionierten
Gebrauchsmuster in trockenem Zustand in sterile Kunststoffbeutel überführt und im
Labormixer für 2 x 60 sec mit 240 U/min mechanisch behandelt. Dieser Arbeitsschritt
soll ein starkes Aufschütteln der Bettware simulieren. Haftet der Milbenkot nicht
fest am Textil, so wird er in den Kunststoffbeutel geschüttelt.
[0041] Anschließend wurden - wie bereits oben beschrieben - die Gebrauchsmuster aus den
Beuteln entnommen. Die leeren Kunststoffbeutel und auch die Gebrauchsmuster selbst
wurden mit Tensid-haltigem Puffer eluiert. Der Der p1-Allergengehalt der Eluate wurde
anschließend im ELISA-Immunoassay quantifiziert. Wie oben beschrieben korrespondieren
diese ermittelten Allergengehalte im Falle des leeren Kunststoffbeutels mit der Allergenmenge,
die nach dem Aufschütteln frei in der Umgebung verfügbar war und im Falle der Bezugs-
und Füllmaterialien mit der Allergenmenge, die nach dem Aufschütteln noch immer an
den Fasern gebunden war und so nicht in Kontakt mit dem Allergiker kommen kann (aber
beim Waschen der Bettware wieder entfernt werden kann).
[0042] Im Ergebnis zeigten beider Ausführungsbeispiele 9 und 10 der Bettware eine sehr starke
Bindung des Milbenkotallergens Der p1. Selbst bei starker mechanischer Belastung (Simulation
des zweifachen Ausschütteins) blieben bei allen Mustern mehr als 99,5% des Allergens
im Textil gebunden. Durch die anschließende Elution (Simulation des Waschens) konnten
die Hausstaubmilbenallergene in allen Fällen zuverlässig vom Textil entfernt werden.
Die Allergenbindefähigkeit war auch nach 10 Wasch-Trockenzyklen ungemindert vorhanden.
[0043] In weiteren Versuchen sollte die Biokompatibilität der verwendeten Ausrüstungssubstanzen
geprüft werden. Hierzu wurden die 5x5 cm Gebrauchsmuster (Ausführungsbeispiele 9 und
10) nach Einwaschen (1mal Haushaltswäsche bei 60°C, Baumwollprogramm) in Biokompatibilitätstests,
welche für Medizinprodukte verwendet werden, geprüft, um zellschädigende, sensibilisierende
oder irritierende Substanzen in der ausgerüsteten Bettware auszuschließen. Die Ergebnisse
wurden im Anschluss durch Tests mit Bettwaren so, wie sie aus der Produktion in den
Verkauf gelangen würden (nämlich mit eingewaschenem Bezugstoff und ungewaschener Füllwatte),
verifiziert.
[0044] Die Prüfmuster wurden hierzu für 24 Stunden bei 37°C in saurer Schweißlösung extrahiert.
Der Extrakt wurde mit L929-Zellen gemäß DIN EN ISO 10993-5 auf Zytotoxizität sowie
gemäß INVITTOX-Protokoll Nr. 96 im HET-CAM (Hühnerei-Test an der Chorionallantoismembran)
auf chemische Irritation geprüft. Außerdem wurde das Sensibilisierungspotential des
Textilextraktes im mMUSST (modified Myeloid U937 Skin Sensitization Test) untersucht.
[0045] In keiner der drei durchgeführten Biokompatibilitätsprüfungen zeigte sich eine biologische
Aktivität der ausgerüsteten Bettwaren. Aus den geprüften Mustern wurden keine zelltoxischen
oder irritativen Substanzen freigesetzt. Ein Sensibilisierungspotential wurde nicht
festgestellt.
1. Betttextilie, die mit einer chemischen Ausrüstung versehen ist, wobei die Ausrüstung
einen allergenbindenden, selbstvernetzenden Stoff umfasst.
2. Betttextilie nach Anspruch 1, bei der der Stoff anionische funktionale Gruppen aufweist.
3. Betttextilie nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der der Stoff ein Copolymer
auf Acrylsäureester-Basis ist.
4. Betttextilie nach Anspruch 3, bei der das Copolymer eine Glasübergangstemperatur zwischen
-25 und -5 Grad Celsius aufweist.
5. Betttextilie nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der der Stoff die allgemeine
Formel (I)

hat, wobei R
1 für gleiche oder verschiedene Wasserstoffatome, Methyl-, Ethyl-, Propyl- oder Butylreste
steht, wobei R
2 für gleiche oder verschiedene Wasserstoffatome oder Methylreste steht, und wobei
X für gleiche oder verschiedene Nitril-, Phenyl-, Carbamoylgruppen oder eine Gruppe
der allgemeinen Formel (II)
CO-NH-CH2-OH (II)
steht.
6. Betttextilie nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der die Ausrüstung weiterhin
ein amidofunktionelles Aminopolydiorganosiloxan umfasst.
7. Betttextilie nach Anspruch 6, bei der die Ausrüstung das amidofunktionelle Aminopolydiorganosiloxan
in im Wesentlichen gleicher Menge wie den allergenbindenden, selbstvernetzenden Stoff
umfasst.
8. Verfahren zur chemischen Ausrüstung einer Betttextilie, die mit einer wässrigen Dispersion
behandelt wird, wobei die wässrige Dispersion einen allergenbindenden, selbstvernetzenden
Stoff umfasst.
9. Verfahren nach Anspruch 8, bei dem der Stoff anionische funktionale Gruppen aufweist.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, bei dem der Stoff ein Copolymer auf Acrylsäureester-Basis
ist.
11. Verfahren nach Anspruch 10, bei dem das Copolymer eine Glasübergangstemperatur zwischen
-25 und -5 Grad Celsius aufweist.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 11, bei dem der Stoff die allgemeine Formel
(I)

hat, wobei R
1 für gleiche oder verschiedene Wasserstoffatome, Methyl-, Ethyl-, Propyl- oder Butylreste
steht, wobei R
2 für gleiche oder verschiedene Wasserstoffatome oder Methylreste steht, und wobei
X für gleiche oder verschiedene Nitril-, Phenyl-, Carbamoylgruppen oder eine Gruppe
der allgemeinen Formel (II)
CO-NH-CH2-OH (II)
steht.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 12, bei dem ein Bezugsstoff behandelt wird
und der Stoff in einer Konzentration von mehr als 30, vorzugsweise 60 bis 100 g/L
in der Dispersion enthalten ist.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 12, bei dem die Betttextilie eine Bettware
ist, ein Füllmaterial der Bettware behandelt wird und der Stoff in einer Konzentration
von mehr als 60, vorzugsweise 120 bis 200 g/L in der Dispersion enthalten ist.
15. Verfahren nach Anspruch 14, bei dem das Füllmaterial vor der Behandlung mit der wässrigen
Dispersion mit einem Acrylatbinder besprüht wird.
16. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die wässrige Dispersion
weiterhin ein amidofunktionelles Aminopolydiorganosiloxan umfasst.