[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Rotor für eine Strömungsmaschine gemäß dem
Oberbegriff des Anspruchs 1. Des Weiteren betrifft die vorliegende Erfindung einen
Verdichter gemäß Anspruch 11.
[0002] Rotoren für Strömungsmaschinen müssen vielfältige Anforderungen und Randbedingungen
erfüllen. Beispielsweise sollten einzelne Rotorgrundkörper oder Rotorstufen ausgewuchtet
werden können, um im Betrieb unwuchtfrei, verschleißarm und wartungsarm betrieben
werden zu können. Zu den gängigen Wuchtmöglichkeiten ist beispielsweise eine Montage
von einzelnen Wuchtgewichten an Rotorgrundkörpern (oder Rotorscheiben) zu zählen.
Bei diesen konstruktiven Lösungen können sich jedoch Bereiche in Rotortrommeln, also
in Rotorinnenbereichen aneinandergereihter Rotorstufen, ausbilden, in denen sich Lagerölansammlungen
oder andere Fluide durch deren Fliehkraft im Betrieb des Rotors ansammeln. Diese Lagerölansammlungen
können bei einem zwischenzeitlichen Stoppen des Rotors und einem erneuten Starten
zu unerwünschten Effekten führen. Zu diesen Effekten ist ein Austreten von Lageröl
(beispielsweise aufgrund von Lagerdichtungs-Leckagen) oder Lagerölnebel in den Hauptströmungsbereich
von beispielsweise Flugzeugturbinen und ein nachfolgendes ungewolltes bzw. unerwünschtes
Weiterleiten in sogenannte Zapfluftbereichen für Kabinenluftzugängen zu zählen.
[0003] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Rotor für eine Strömungsmaschine
vorzuschlagen, der unter Berücksichtigung der genannten Problematik geeignete Wuchtmöglichkeiten
aufweist. Ferner ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Verdichter mit einem
erfindungsgemäßen Rotor vorzuschlagen.
[0004] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird durch einen Rotor mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst. Sie wird ferner durch einen Verdichter mit den Merkmalen des Anspruchs 11
gelöst.
[0005] Erfindungsgemäß wird somit ein Rotor für eine Strömungsmaschine vorgeschlagen, wobei
der Rotor wenigstens einen ersten Rotorgrundkörper mit einem ersten Verbindungsflansch
zum Verbinden des ersten Rotorgrundkörpers mit einem zweiten Rotorgrundkörper umfasst.
Der erste Rotorgrundkörper weist einen axial ausgerichteten Wuchtflansch auf. Der
erste Verbindungsflansch ist stoffschlüssig mit dem Wuchtflansch verbunden.
[0006] Ein erfindungsgemäßer Verdichter einer Strömungsmaschine weist wenigstens einen erfindungsgemäßen
Rotor auf. Der Verdichter kann ein Hochdruckverdichter eines Flugtriebwerks sein.
[0007] Vorteilhafte Weiterentwicklungen der vorliegenden Erfindung sind jeweils Gegenstand
von Unteransprüchen und Ausführungsformen.
[0008] Erfindungsgemäße beispielhafte Ausführungsformen können eines oder mehrere der im
Folgenden genannten Merkmale aufweisen.
[0009] In bestimmten erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist die axiale Strömungsmaschine
eine axiale Gasturbine, beispielsweise eine Fluggasturbine. Eine axiale Strömungsmaschine
kann als Flugtriebwerk bezeichnet werden. Ein Flugtriebwerk kann einen Verdichter
mit mehreren Verdichterstufen und eine Turbine mit mehreren Turbinenstufen umfassen.
Verdichterstufen und Turbinenstufen können jeweils mehrere Rotorstufen und mehrere
Statorstufen aufweisen.
[0010] Der Begriff "Rotor", wie er hierin verwendet wird, kann eine oder mehrere Rotorstufen
umfassen, die sich im bestimmungsgemäßen Gebrauch der Strömungsmaschine um eine Rotationsachse
oder Drehachse der Strömungsmaschine drehen. Ein Rotor oder eine Rotorstufe kann als
Laufrad bezeichnet werden oder ein Laufrad umfassen. Ein Rotor oder eine Rotorstufe
kann mehrere Laufschaufeln und einen Rotorgrundkörper umfassen. Der Rotorgrundkörper
kann als Rotorscheibe oder Rotorring bezeichnet werden oder diesen umfassen.
[0011] Ein Rotor kann in eine Strömungsmaschine, insbesondere in eine axiale Gasturbine,
eingebaut und montiert werden.
[0012] Die Laufschaufeln eines Rotors oder eines Laufrads können formschlüssig mittels einer
wieder lösbaren Verbindung oder integral mit dem Rotorgrundkörper verbunden sein.
Eine integrale Verbindung ist insbesondere eine materialschlüssige oder stoffschlüssige
Verbindung. Eine integrale Verbindung kann mittels eines generatives Herstellungsverfahrens
gefertigt werden. Ein Rotorgrundkörper mit integral mit dem Rotorgrundkörper verbundenen
Schaufeln kann als integral beschaufelter Rotor bezeichnet werden. Ein integral beschaufelter
Rotor kann ein sogenannter BLISK (Bladed Disk) oder ein BLING (Blade Ring) sein.
[0013] Der Rotorgrundkörper kann nach radial innen gerichtete Rotorscheiben und/oder axial
ausgerichtete Rotorarme umfassen. Die nach radial innen gerichteten Rotorscheiben
können als Verlängerungen oder T-förmige Verlängerungen der Laufschaufeln bezeichnet
werden.
[0014] Der Rotor kann zum direkten oder indirekten Verbinden mit einer Welle der Strömungsmaschine
ausgestaltet oder vorbereitet sein.
[0015] Der Begriff "Rotortrommel", wie er hierin verwendet wird, kann Abschnitte von wenigstens
zwei axial miteinander verbundenen Rotorgrundkörpern umfassen. Insbesondere Rotorarme
können eine radiale oder zylinderförmige Form der Rotortrommel ausbilden. Eine Rotortrommel
kann gleichfalls über mehr als zwei Rotorgrundkörper sowie optional über mehrere Rotorarme
und Rotorscheiben ausgebildet sein.
[0016] Die Begriffe "Rotorinnenraum und Rotoraußenraum", wie sie hierin verwendet werden,
können die Räume innerhalb und außerhalb von Rotortrommeln bezeichnen. Der Rotorinnenraum
kann somit nach radial außen im Wesentlichen durch einen oder mehrere Rotorarme begrenzt
sein. In axialer Richtung kann der Rotorinnenraum im Wesentlichen durch Rotorscheiben
begrenzt werden. Der Rotoraußenraum kann nach radial innen im Wesentlichen durch einen
oder mehrere Rotorarme begrenzt werden. Der Rotoraußenraum umfasst im Wesentlichen
den Hauptdurchströmungskanal der Strömungsmaschine. Zwischen einem Rotorarm und dem
Hauptdurchströmungskanal können weiterhin beispielsweise Leitradinnenringe, mit oder
ohne Einlaufdichtungen, angeordnet sein. Der Rotorinnenraum und/oder der Rotoraußenraum
kann mehrere Rotorstufen umfassen.
[0017] Axial hintereinander angeordnete Rotorgrundkörper können mittels Rotorarmen und/oder
Rotorscheiben miteinander verbunden sein. Die Verbindung ist insbesondere formschlüssig
und/oder kraftschlüssig.
[0018] Der Begriff "Verbindungsflansch", wie er hierin verwendet wird, kann ein Bauteil
zum, insbesondere formschlüssigen und/oder kraftschlüssigen, Verbinden oder Anflanschen
eines Rotorgrundkörpers oder einer Rotorstufe an einen weiteren Rotorgrundkörpers
oder an eine weitere Rotorstufe bedeuten. In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen
weist diese Verbindung des Verbindungsflansches keine Verschraubung zum miteinander
verbinden auf. Ein formschlüssiges Verbinden eines Verbindungsflansches mit beispielsweise
einem weiteren Verbindungsflansch eines benachbarten oder sich axial anschließenden
Rotorgrundgrundkörpers kann ein Ineinanderpassen von radialen und/oder axialen Absätzen
der beiden Verbindungsflansche bedeuten. Ein formschlüssiges Verbinden kann eine Passung
der beiden Bauteile aufweisen. Eine Passung kann eine Spielpassung, eine Übergangspassung
oder eine Presspassung sein. Bei einer Presspassung kann ein zusätzlicher Kraftschluss
zu dem Formschluss hinzutreten.
[0019] Der Begriff "Wuchtflansch", wie er hierin verwendet wird, kann ein Absatz, ein Steg,
eine Verlängerung oder ähnliches sein, um ein Bauteil, insbesondere das Bauteil, an
dem der Wuchtflansch fixiert ist oder von dem der Wuchtflansch ein Abschnitt ist,
zu wuchten oder auszuwuchten. In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen kann
der Wuchtflansch zusätzlich oder ausschließlich zum Wuchten weiterer, insbesondere
angrenzender Bauteile, verwendet werden. Insbesondere ist ein Wuchtflansch nicht zum
Verbinden mit einem weiteren Bauteil, also nicht zum Anflanschen an ein weiteres Bauteil,
vorgesehen oder ausgestaltet.
[0020] In gewissen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der Wuchtflansch zur Materialentnahme
an dem Wuchtflansch zum Wuchten vorgesehen. Eine Materialentnahme kann beispielsweise
an einem axialen Endbereich, an einem radialseitig äußeren Bereich, an einem radialseitig
inneren Bereich des Wuchtflansches vorgenommen werden.
[0021] In manchen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der Wuchtflansch zur Materialaufnahme
zum Wuchten vorgesehen. Eine Materialaufnahme kann ein punktförmiges oder bereichsförmiges
Auftragen, beispielsweise ein materialschlüssiges Auftragen mittels Schweißen, Löten
oder Kleben, bedeuten.
[0022] In bestimmten erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der Wuchtflansch zur Materialentnahme
und zur Materialaufnahme zum Wuchten vorgesehen.
[0023] In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der erste Verbindungsflansch integral
mit dem Wuchtflansch verbunden. Eine integrale Verbindung kann eine einstückige Verbindung
sein. Eine einstückige Verbindung kann beispielsweise mittels eines Gußverfahrens
oder mittels eines generatives Fertigungsverfahrens hergestellt sein.
[0024] In bestimmten erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist eine radial innere Kontur des
ersten Rotorgrundkörpers im Bereich des ersten Verbindungsflansches und des Wuchtflansches
zum, insbesondere fliehkraftbedingten, also in einem Betriebszustand mit einer Drehbewegung
des Rotors, Abfließen von Fluiden in einen radial außen angeordneten Rotoraußenraum
ausgestaltet. Das Fluid kann ebenso im Stillstand, insbesondere nach dem Abstellen
des Rotors oder der Turbine, aus dem Rotorinnenraum nach außen fließen. Dies kann
bei einem erneuten oder darauffolgenden Starten des Rotors im Fall einer Flugzeugturbine
zu einem Ölgeruch in der Kabine des Flugzeugs führen. Austretendes Öl kann unmittelbar
nach einem Startvorgang über Abschleuderbohrungen ausgeblasen werden. Die Ausgestaltung
der Kontur weist insbesondere keine Kavitäten und Staubereiche zur Aufnahme von Fluid
auf. Die radial innere Kontur des ersten Rotorgrundkörpers kann als Begrenzung oder
Umrandung einer Rotortrommel (Definition siehe weiter oben) bezeichnet werden. Ein
fliehkraftbedingtes Abfließen von Fluiden, insbesondere von Lagerölen von stromauf
und/oder stromab der Rotorstufen angeordneten Rotorlagern in den Rotoraußenraum, kann
mittels radialer Bohrungen oder Öffnungen in der Rotortrommel erfolgen. Die radiale
Bohrung (oder mehrere radiale Bohrungen) kann an einem größtmöglichen Radius oder
maximalen Radius innerhalb der Rotortrommel angeordnet sein. Dies kann ein vollständiges
oder weitgehend vollständiges Abfließen von Fluiden aus dem Rotorinnenraum in den
Rotoraußenraum ermöglichen. Insbesondere weist die radial innere Kontur des ersten
Rotorgrundkörpers im Bereich des ersten Verbindungsflansches und des Wuchtflansches
keine Kavitäten auf, in denen sich das Fluid fliehkraftbedingt sammeln oder anstauen
kann. Mit anderen Worten ist die radial innere Kontur des ersten Rotorgrundkörpers
im Bereich des ersten Verbindungsflansches und des Wuchtflansches barrierefrei und
strömungsoptimiert ausgestaltet.
[0025] In gewissen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der axial angeordnete Wuchtflansch
radial innenseitig von dem ersten Verbindungsflansch angeordnet. In anderen Ausführungsformen
kann der axial angeordnete Wuchtflansch radial außenseitig von dem ersten Verbindungsflansch
angeordnet sein.
[0026] In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen weist der Wuchtflansch wenigstens
einen Bereich zur Materialentnahme zum Wuchten des Rotors auf. Der Bereich zur Materialentnahme
kann an einem axialen Endbereich, an einem radialen inneren und/oder äußeren Bereich
des Wuchtflansches sein. Der Bereich zur Materialentnahme kann sich über den gesamten
Umfang des Wuchtflansches erstrecken oder nur einzelne Bereiche über dem Umfang betreffen.
Beispielsweise können bereichsweise kleinere oder größere Bereiche spanend (z. B.
mittels Fräsen) abgetragen werden. Es kann beispielsweise der Wuchtflansch axial endseitig,
über dem gesamten Umfang oder nur in einzelnen Umfangssegmenten, verkürzt und abgetragen
werden, und/oder weitere Bereiche an der radial inneren und/oder äußeren Seite zum
Wuchten abgetragen werden. Insbesondere weisen die abgetragenen Bereiche auf der radial
inneren Seite des Wuchtflansches keine Kavitäten auf, die einen möglichen Abfluss
von Fluiden aus dem Rotorinnenraum behindern könnten. Die Umfangssegmente zum Materialabtrag
können sich beispielsweise über 5 Grad, 10 Grad, 15 Grad, 20 Grad oder andere Winkelbereiche
erstrecken.
[0027] In manchen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist im montierten Zustand des ersten
mit dem zweiten Rotorgrundkörper zwischen dem Wuchtflansch und dem zweiten Rotorgrundkörper
ein radialer Spalt angeordnet. Der radiale Spalt kann ein Wuchten mittels Materialabtrag
an dem Wuchtflansch vereinfachen. Weiterhin kann der radiale Spalt ein formschlüssiges
und/oder kraftschlüssiges Verbinden des ersten Verbindungsflansches mit einem zweiten
Verbindungsflansch des zweiten Rotorgrundkörpers vereinfachen.
[0028] In bestimmten erfindungsgemäßen Ausführungsformen sind der Wuchtflansch und der erste
Verbindungsflansch aus einem Material hergestellt.
[0029] In gewissen erfindungsgemäßen Ausführungsformen sind der erste Rotorgrundkörper,
der Wuchtflansch und der erste Verbindungsflansch integral miteinander verbunden sind.
[0030] In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen weist der erste Rotorgrundkörper keine
Wuchtgewichte und/oder Schraubendurchlässe zum Fixieren von Wuchtgewichten auf. Insbesondere
weist der erste Rotorgrundkörper im Bereich des ersten Verbindungsflansches keine
nach radial innen ausgerichtete Absätze oder Flansche zum Fixieren von Wuchtgewichten
auf.
[0031] In manchen erfindungsgemäßen Ausführungsformen sind der erste Rotorgrundkörper, der
Wuchtflansch und der erste Verbindungsflansch aus einem Material hergestellt. Eine
aus einem Material hergestellte Einheit aus erstem Rotorgrundkörper, Wuchtflansch
und erstem Verbindungsflansch kann als einstückig bezeichnet werden.
[0032] Manche oder alle erfindungsgemäßen Ausführungsformen können einen, mehrere oder alle
der oben und/oder im Folgenden genannten Vorteile aufweisen.
[0033] Mittels des erfindungsgemäßen Rotors können Ölansammlungen, beispielsweise Lagerölansammlungen,
im Rotorinnenraum, also innerhalb der Rotortrommel, vorteilhaft vermieden oder zumindest
verringert werden. Insbesondere ermöglicht es die Anordnung des Wuchtflansches, nur
noch kleine oder überhaupt keine Kavitäten, in denen sich Öl ansammeln kann, in der
Rotortrommel entstehen zu lassen. Dadurch kann die Möglichkeit, dass sich Kontaminationen
von Kabinenluft durch Lageröl, bei einer Anwendung des Rotors in einem Flugtriebwerk,
zumindest verringert werden.
[0034] Weiterhin können mittels des erfindungsgemäßen Rotors aufgrund des Vermeidens von
Ölansammlungen innerhalb der Rotortrommel im Rotorinnenraum vorteilhaft Öl-Verkokungen
verhindert oder zumindest verringert werden. Verkokungsrückstände könnten einen negativen
Einfluss beispielsweise auf eine Unwucht des Rotors ausüben.
[0035] Der Wuchtflansch kann vorteilhaft als Einzelteil ausgewuchtet werden. Dieses Wuchten
kann als Einzelteilwuchten bezeichnet werden. Ein Einzelteilwuchten ermöglicht ein
Wuchten bei gleichwertigem Potential gegenüber alternativen Lösungen nach dem Stand
der Technik, in dem Einzelwuchtgewichte verwendet werden können, die als Zusatzteile
angeschraubt, angeflanscht oder mittels Presspassungen aufgeschrumpft werden.
[0036] Mittels des erfindungsgemäßen Rotors und dem axial ausgerichteten Wuchtflansch kann
eine Flansch-Kavität gegenüber Verbindungsflanschen mit separaten Wuchtgewichten vorteilhaft
auf Null oder auf annähernd Null reduziert werden.
[0037] Der erfindungsgemäße Rotor kann in Turbinen und/ oder Verdichtern eingesetzt werden.
Durch die Bauform eines ersten Rotorgrundkörpers mit integralem Wuchtflansch kann
der Bauraum und das Gewicht des Rotors und damit der Strömungsmaschine vorteilhaft
optimiert werden. Dadurch können sich wirtschaftliche Vorteile ergeben, beispielsweise
durch einen geringeren Kerosinverbrauch und/ oder eine kompakte Bauform.
[0038] Die vorliegende Erfindung wird im Folgenden anhand der beigefügten Zeichnungen, in
welcher identische Bezugszeichen gleiche oder ähnliche Bauteile bezeichnen, exemplarisch
erläutert. In den jeweils schematisch vereinfachten Figuren gilt:
- Fig. 1
- zeigt einen Rotor nach dem Stand der Technik mit einem ersten Rotorgrundkörper, einem
angeflanschten zweiten Rotorgrundkörper, angeschraubte Wuchtgewichte sowie ein Leitrad
in Längsschnittdarstellung; und
- Fig. 2
- zeigt einen Detailausschnitt eines erfindungsgemäßen Rotors mit einem Verbindungsflansch
zum Verbinden eines ersten Rotorgrundkörpers mit einem zweiten Rotorgrundkörper, sowie
einen axial ausgerichteten Wuchtflansch.
[0039] Fig. 1 zeigt einen Rotor 100 nach dem Stand der Technik mit einem ersten Rotorgrundkörper
101, einem angeflanschten zweiten Rotorgrundkörper 103, angenietete Wuchtgewichte
105 an dem ersten Rotorgrundkörper 101 sowie ein Leitrad 107 in Längsschnittdarstellung.
[0040] Der Rotor 100 wird in Axialrichtung a in der Hauptdurchströmungsrichtung 109 durchströmt.
An dem ersten Rotorgrundkörper 101 sind mehrere über dem Umfang u angeordnete Laufschaufeln
111 fixiert. Stromab (in Axialrichtung a) des ersten Rotorgrundkörpers 101 und der
Laufschaufeln 111 ist das Leitrad 107 angeordnet, das statisch mit dem Gehäuse der
Strömungsmaschine (in Fig. 1 nicht dargestellt) verbunden ist. Radial innen an den
über dem Umfang u angeordneten Leitschaufeln 113 des Leitrads 107 ist ein Innenring
115 angeordnet. Weiter stromab nach dem Leitrad 107 sind die mit dem zweiten Rotorgrundkörper
103 verbundenen Laufschaufeln 117 dargestellt.
[0041] Der erste Rotorgrundkörper 101 weist einen Verbindungsflansch 119 und einen (oder
mehrere über dem Umfang u verteilte) Befestigungsflansch 121 zum Befestigen von Wuchtgewichten
105 auf. Der Verbindungsflansch 119 verbindet den ersten Rotorgrundkörper 101 mit
dem zweiten Rotorgrundkörper 103. Der zweite Rotorgrundkörper 103 weist einen Rotorarm
123 auf, an dessen axialen, stromauf gelegenen Ende ein weiterer Verbindungsflansch
125 angeordnet ist. Die beiden Verbindungsflansche 119, 125 sind formschlüssig (der
Verbindungsflansch 125 umschließt oder umfasst den Verbindungsflansch 119 axial- und
radialseitig) und kraftschlüssig (die erste Rotorstufe mit dem ersten Rotorgrundkörper
101 und den Laufschaufeln 111 wird axial mit der zweiten Rotorstufe mit dem zweiten
Rotorgrundkörper 103 und den Laufschaufeln 117 verspannt) miteinander verbunden.
[0042] Weiterhin weist der Rotorarm 123 wenigstens eine radiale Bohrung 127 auf. Über dem
Umfang des Rotorarms 123 können weitere radiale Bohrungen angeordnet sein. Mittels
dieser radialen Bohrung 127 sollen Fluide, beispielsweise Lageröle aus axial stromauf
und/oder stromab angeordneten Rotorlagern, aus dem Rotortrommelraum 129, der auch
als Rotorinnenraum bezeichnet werden kann, in den Rotoraußenraum 131 transportiert
werden. Bei einem sich drehenden Rotor 100 werden diese Fluide fliehkraftbedingt durch
die Bohrung 127 nach außen geschleudert. Aus dem Rotoraußenraum 131 können die Fluide
mit der Hauptdurchströmung weitertransportiert werden. Die radiale Bohrung 127 kann
als Ölabschleuderbohrung bezeichnet werden.
[0043] In der Ausführungsform nach dem Stand der Technik in Fig. 1 kann sich jedoch Lageröl
in sogenannten radialen Kavitäten 133 im Bereich des Befestigungsflansches 121 ansammeln.
Dieses angesammelte Lageröl kann bei einem Anhalten oder Stillstand des Rotors 100
in den Rotoraußenraum 129 und/oder in Gehäusekavitäten tropfen oder abfließen. Bei
einem erneuten bzw. anschließendem Start des Turbinentriebwerks wird dann dieses Lageröl
unmittelbar durch die Strömung in den Hauptdurchströmungskanal gesaugt. Da jedoch
in dieser Startphase des Rotors 100 die Hauptdurchströmung zunächst noch niedrig ist,
könnte das Lageröl oder zumindest Teile des Lageröls bei einer Anwendung der Strömungsmaschine
als Flugtriebwerk in die sogenannte Zapfluft gelangen, die durch radiale Öffnungen
im Gehäuse in die Kabinenluft gelangen könnte. Dadurch könnte ein Ölgeruch in der
Kabinenluft auftreten, der weitere Folgen nach sich ziehen könnte und unbedingt zu
vermeiden ist.
[0044] Ein konstruktives Vermeiden derartiger Kavitäten 133 wird in Fig. 2 durch den erfindungsgemäßen
Rotor 100 dargestellt und beschrieben.
[0045] Fig. 2 zeigt einen Detailausschnitt eines erfindungsgemäßen Rotors 100 mit einem Verbindungsflansch
119 zum Verbinden eines ersten Rotorgrundkörpers 101 mit einem weiteren Verbindungsflansch
125 eines zweiten Rotorgrundkörper 103, sowie einen axial ausgerichteten Wuchtflansch
201.
[0046] Der erste Rotorgrundkörper 101 weist im Vergleich zur Fig. 1 (Stand der Technik)
keinen Befestigungsflansch mit Wuchtgewichten auf. Das Wuchten des ersten Rotorgrundkörpers
101, und gegebenenfalls der gesamten ersten Rotorstufe und weiterer benachbarter Bauteile
des Rotors 100, erfolgt dagegen in dieser erfindungsgemäßen Ausführungsform mittels
dem axial ausgerichteten Wuchtflansch 201. Mittels der axialen Ausrichtung des Wuchtflansches
201 kann eine, oder mehrere, radiale Kavität, wie sie in Fig. 1 beschrieben wurde,
vermieden werden. Dadurch können die genannten Effekte, wie sie zur Fig. 1 beschrieben
wurden (Ansammeln von Lageröl in den Kavitäten und einem möglichen nachfolgenden Einleiten
von Teilen dieses Lageröls oder zumindest von Lagerölnebel in die Kabinenluft von
Flugzeugen) vorteilhaft verhindert werden. Trotzdem kann das Wuchten in diesem Verbindungsbereich
der beiden Verbindungsflansche 119, 125 durch den axial ausgerichteten Wuchtflansch
201 erfolgen.
[0047] Das Wuchten mittels des Wuchtflansches 201 kann durch einen Materialabtrag am axialen
Ende (in Fig. 2 am rechten Ende) des Wuchtflansches 201 erfolgen. Mit geeigneten und
bekannten Verfahren kann die notwendige Stelle oder Position zum Wuchten analysiert
und lokalisiert werden. Anschließend kann an den entsprechenden Stellen, beispielsweise
an ausgewählten Winkelpositionen über dem Umfang des Wuchtflansches 201 ein Materialabtrag
und damit ein Auswuchten des Bauteils (des ersten Rotorgrundkörpers 101 oder der ersten
Rotorstufe insgesamt) erfolgen.
[0048] Der radiale Spalt 203 ist für einen Abfluss von Fluiden aus dem Rotorinnenraum (siehe
Fig. 1) unproblematisch, da ein Fluid, beispielsweise Lageröl, problemlos zu einer
radialen Öffnung abfließen kann, ohne in einer Kavität blockiert oder gesammelt zu
werden. Weiterhin kann der radiale Spalt 203 die formschlüssige und/oder kraftschlüssige
Verbindung der beiden Verbindungsflansche 119, 125 vereinfachen.
[0049] Der erste Rotorgrundkörper 101 ist in einer integralen Bauweise zusammen mit dem
ersten Verbindungsflansch 119 und dem axialen Wuchtflansch 201 ausgeführt. Eine integrale
Bauweise bedeutet eine stoffschlüssige Verbindung dieser Bauteile, die insbesondere
mittels dem gleichen Material ausgeführt sind. Bei einem generativen Verfahren als
Fertigungsoption können gleichfalls unterschiedliche Materialien zur Herstellung eines
integralen Bauteile verwendet werden. Dies kann vorteilhaft sein, um beispielsweise
ein optimiertes Material zum Materialabtrag des Wuchtflansches 201 zu verwenden.
[0050] Die Trennungslinie 205 kann einen maximal möglichen axialen Materialabtrag des Wuchtflansches
201 anzeigen. Dies kann beispielsweise zur Stabilität und Bauteilintegrität des ersten
Rotorgrundkörpers 101 notwendig sein.
[0051] Ein Materialabtrag am Wuchtflansch 201 kann beispielsweise mittels spanenden Abtrags,
z. B. durch Fräsen oder Bohren, erfolgen.
Bezugszeichenliste
[0052]
- a
- axial; Axialrichtung
- r
- Radial; Radialrichtung
- u
- Umfangsrichtung
- 100
- Rotor
- 101
- erster Rotorgrundkörper
- 103
- zweiter Rotorgrundkörper
- 105
- Wuchtgewicht
- 107
- Leitrad
- 109
- Hauptdurchströmungsrichtung
- 111
- Laufschaufel
- 113
- Leitschaufel
- 115
- Leitschaufel
- 117
- Innenring
- 119
- Verbindungsflansch
- 121
- Befestigungsflansch
- 123
- Rotorarm
- 125
- weiterer Verbindungsflansch
- 127
- radiale Bohrung
- 129
- Rotortrommelraum; Rotorinnenraum
- 131
- Rotoraußenraum
- 133
- radiale Kavitäten
- 200
- erfindungsgemäßer Rotor
- 201
- Wuchtflansch
- 203
- radialer Spalt
- 205
- Trennungslinie
1. Rotor (100) für eine axiale Strömungsmaschine, umfassend wenigstens einen ersten Rotorgrundkörper
(101), wobei der erste Rotorgrundkörper (101) einen ersten Verbindungsflansch (119)
zum Verbinden des ersten Rotorgrundkörpers (101) mit einem zweiten Rotorgrundkörper
(103) aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass
der erste Rotorgrundkörper (101) einen axial ausgerichteten Wuchtflansch (201) aufweist,
wobei der erste Verbindungsflansch (119) stoffschlüssig mit dem Wuchtflansch (201)
verbunden ist.
2. Rotor (100) nach Anspruch 1, wobei eine radial innere Kontur des ersten Rotorgrundkörpers
(101) im Bereich des ersten Verbindungsflansches (119) und des Wuchtflansches (201)
zum, insbesondere fliehkraftbedingten, Abfließen von Fluiden in einen radial außen
angeordneten Rotoraußenraum (131) ausgestaltet ist, wobei die Ausgestaltung insbesondere
keine Kavitäten (133) und Staubereiche zur Aufnahme von Fluid aufweist.
3. Rotor (100) nach Anspruch 1 oder 2, wobei der Wuchtflansch (201) radial innenseitig
von dem ersten Verbindungsflansch (119) angeordnet ist.
4. Rotor (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der Wuchtflansch (201)
wenigstens einen Bereich zur Materialentnahme zum Wuchten aufweist.
5. Rotor (100) nach dem vorangegangenen Anspruch, wobei der Bereich zur Materialentnahme
am axialen Endbereich des Wuchtflanschs (201) angeordnet ist.
6. Rotor (100) nach dem vorangegangenen Anspruch, wobei im montierten Zustand des ersten
(101) mit dem zweiten (103) Rotorgrundkörpers zwischen dem Wuchtflansch (201) und
dem zweiten Rotorgrundkörper (103) ein radialer Spalt angeordnet ist.
7. Rotor (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der Wuchtflansch (201)
und der erste Verbindungsflansch (101) aus einem Material hergestellt sind.
8. Rotor (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der erste Rotorgrundkörper
(101), der Wuchtflansch (201) und der erste Verbindungsflansch (119) integral miteinander
verbunden sind.
9. Rotor (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der erste Rotorgrundkörper
(101) keine Wuchtgewichte (105) und/oder Schraubendurchlässe zum Fixieren von Wuchtgewichten
(105) aufweist.
10. Rotor (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der erste Rotorgrundkörper
(101), der Wuchtflansch (201) und der erste Verbindungsflansch (119) aus einem Material
hergestellt sind.
11. Verdichter einer axialen Strömungsmaschine, wobei der Verdichter wenigstens einen
Rotor (100) nach einem der Ansprüche 1 bis 10 aufweist.
12. Verdichter nach Anspruch 11, wobei der Verdichter ein Hochdruckverdichter eines Flugtriebwerks
ist.