[0001] Die Erfindung betrifft eine Zylinderlauffläche eines Zylinders einer Hubkolbenmaschine.
[0002] Aus
DE 43 16 012 A1 ist ein Verfahren zur Fertigbearbeitung von Bohrungswandungen im Zylinder eines Verbrennungsmotors
bekannt, gemäß welchem sich überkreuzende Vertiefungen in Form von Riefen in der Oberfläche
durch Strahlbehandlung erzeugt werden sollen. Es wird darauf hingewiesen, dass die
Riefen abhängig von einem bereichsabhängigen Verschleiß innerhalb des Zylinders unterschiedlich
orientiert sein können. In diesem Zusammenhang werden kleine Überschneidungswinkel
der Riefen von 5° bis 30° im Bereich des oberen Totpunkts, etwas größere Überschneidungswinkel
von 30° bis 60° in einem mittleren Bereich und parallele Riefen in Axialrichtung im
Bereich des unteren Totpunkts vorgeschlagen. Es wird auch beschrieben, dass zwischen
zwei Riefen jeweils mehrere Plateaurillen mit geringerer Tiefe angeordnet sein können.
Auf eine bestimmte Orientierung der Plateaurillen und eine konkrete Anordnung zwischen
Riefen und Plateaurillen wird nicht Bezug genommen. Eine Bearbeitung von Bohrungen
mittels Plateauhonen wird als negativ beschrieben mit der Begründung, dass beim Plateauhonen
ein Anpressdruck erforderlich sei, der zu Abweichungen im Bohrungsquerschnitt von
der idealen Kreisform führen könne.
[0003] Aus
DE 10 2007 032 370 A1 ist ein Verfahren zur Bearbeitung von Zylinderlaufflächen von Verbrennungsmotoren
bekannt, das für die Erzeugung von als Honspuren bezeichneten, sich überkreuzenden
Riefen eingesetzt wird. Es wird darauf hingewiesen, dass die Riefen derart angeordnet
sein können, dass in verschiedenen Bereichen eines Zylinders (in Axialrichtung betrachtet)
unterschiedliche Überschneidungswinkel (in dem Dokument als Honwinkel bezeichnet)
zwischen den sich überkreuzenden Riefen gebildet sind. In einem Ausführungsbeispiel
wird vorgeschlagen, in einem oberen und einem unteren Bereich, welche den oberen und
den unteren Totpunkt des Verbrennungsmotors einschließen und somit Umkehrbereiche
des Kolbens sind, Überschneidungswinkel von 140° zu erzeugen und in einem mittleren
Bereich Überschneidungswinkel von 50°. In einem anderen Ausführungsbeispiel wird eine
umgekehrte Auswahl der Überschneidungswinkel beschrieben. Als mögliche Winkelunterschiede
zwischen den Überschneidungswinkeln wird auf Winkelunterschiede von 10° bis 60° und
auf 90° bis 110° oder darüber verwiesen, wobei keine Angabe dazu gemacht wird, wann
welche Winkelunterschiede geeignet sein sollen.
[0004] Aus
DE 196 07 774 A1 ist ein Verfahren zur honenden Bearbeitung von Zylinderlaufflächen von Hubkolben-Kraft-
und Arbeitsmaschinen bekannt, gemäß welchem als Drallhonspuren bezeichnete Riefen
und als Honspuren bezeichnete Plateaurillen erzeugt werden sollen. Hinsichtlich der
Riefen werden große Überschneidungswinkel von 120° bis 170° vorgeschlagen. Hinsichtlich
der Plateaurillen werden kleine Winkel von 30° bis 90° vorgeschlagen. Die Riefen und
die Plateaurillen weisen jeweils über die gesamte Zylinderlauffläche die gleiche Orientierung
auf.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Zylinderlauffläche für eine Hubkolbenmaschine
zur Verfügung zu stellen, mittels welcher ein besonders reibungsarmer Betrieb einer
Hubkolbenmaschine ermöglicht wird.
[0006] Die Lösung der Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß mit den Merkmalen der unabhängigen
Ansprüche. Weitere praktische Ausführungsformen und Vorteile der Erfindung sind in
Verbindung mit den abhängigen Ansprüchen beschrieben.
[0007] Eine erfindungsgemäße Zylinderlauffläche eines Zylinders für eine Hubkolbenmaschine,
insbesondere eine Hubkolbenbrennkraftmaschine oder eine sonstige Hubkolbenarbeitsmaschine,
beispielsweise eine Hubkolbenpumpe, weist Vertiefungen in Form von zueinander beabstandeten
Riefen auf, wodurch zwischen benachbarten Riefen Plateaus gebildet sind. Mit zueinander
beabstandeten Riefen ist gemeint, dass in Hochrichtung der Zylinderlauffläche betrachtet,
d.h. parallel zur Mittelachse, zwei benachbarte Riefen einen Abstand zueinander aufweisen.
Ferner weist die Zylinderlauffläche im Bereich der Plateaus ausgebildete Vertiefungen
in Form von Plateaurillen auf, wobei erste Plateaubereiche mit einer ersten Orientierung
von Plateaurillen ausgebildet sind und mindestens zweite Plateaubereiche mit einer
zweiten Orientierung von Plateaurillen ausgebildet sind. Die erste Orientierung und
die zweite Orientierung weichen dabei voneinander ab. Die genannten Riefen weisen
üblicherweise eine größere Tiefe auf als die Plateaurillen. Die Erfindung macht sich
ein durch Simulationsberechnungen ermitteltes Prinzip zunutze, gemäß welchem die Orientierung
der Riefen von der Orientierung der Plateaurillen entkoppelt wird. So können beispielsweise
in einer Ausführungsform der Erfindung an einer erfindungsgemäßen Zylinderlauffläche
mit - über die gesamte Zylinderhöhe betrachtet - nur in einer Richtung orientierten
Riefen oder mit nur in einer bestimmten Riefenstruktur mit sich in einem gleichbleibenden
Überschneidungswinkel kreuzenden Riefen auf den zwischen den Riefen gebildeten Plateaus
ausgebildete Plateaurillen bereichsbedingt in ersten Plateaubereichen in einer ersten
Orientierung und in zweiten Plateaubereichen in einer zweiten Orientierung angeordnet
sein. So kann durch eine geeignete Wahl der Orientierung der Plateaurillen die während
des Betriebes der Hubkolbenmaschine auftretende Reibung minimiert werden.
[0008] Ebenso können an Zylinderlaufflächen mit sich in einem ersten Überschneidungswinkel
kreuzenden Riefen auf Plateaus zwischen diesen Riefen Plateaurillen ausgebildet sein,
die sich in einem anderen Überschneidungswinkel kreuzen und/oder in andere Art und
Weise anders orientiert sind, z.B. indem die Mittelachse gegenüber dem ersten Überschneidungswinkel
verschwenkt ist.
[0009] Die Erfindung trägt damit insbesondere der Tatsache Rechnung, dass in Zylindern von
Hubkolbenmaschinen üblicherweise ein Hubkolben von der Zylinderlauffläche geführt
wird und Schmiermittel, insbesondere Öl, zur Reibungsverringerung verwendet wird.
Dadurch, dass der Hubkolben seine Bewegungsrichtung während des Betriebes von Hubkolbenmaschinen
ständig ändert, bewegt er sich in einem mittleren Bereich mit relativ hohen Geschwindigkeiten,
während er in den Umkehrbereichen punktuell zum Stillstand kommt bzw. nur mit geringen
Geschwindigkeiten bewegt wird. Schmiermittel sammelt sich in den Riefen und Plateaurillen
und soll reibungsverringernd wirken, indem es ein Abgleiten des Kolben an der Zylinderlauffläche
mittels eines Schmierfilmes erleichtert. Mit einer erfindungsgemäßen Ausbildung einer
Zylinderlauffläche kann die Reibung in einer Hubkolbenmaschine dadurch verringert
werden, dass die Plateaurillen abhängig von der Geschwindigkeit des Kolbens in bestimmten
Bereichen der Zylinderlauffläche mit Hilfe von Simulationsberechnungen optimiert werden.
Es hat sich gezeigt, dass eine von der Orientierung der Riefen entkoppelte Optimierung
der Orientierung der Plateaurillen zu einer deutlichen Reibungsverringerung beitragen
kann. Insbesondere in den Umkehrbereichen ist die Orientierung der Plateaurillen von
besonderer Bedeutung, da dort der Kolben nur mit sehr geringer Geschwindigkeit verfahren
wird. In diesen Bereichen können durch eine geeignete Gestaltung der Plateaurillen
- insbesondere unabhängig von der Orientierung der Riefen in diesem Bereich - besonders
gute Ergebnisse hinsichtlich einer Reibungsverringerung erzielt werden.
[0010] Unter Riefen und Plateaurillen werden vorliegend insbesondere sich über den Umfang
einer Zylinderlauffläche und zumindest über einen Höhenbereich erstreckende Vertiefungen
verstanden, die beispielsweise durch Honen erzeugt werden können und bei gleichmäßiger
Drehgeschwindigkeit und gleichmäßigen Vorschub des Werkzeugs wendelförmig an der Zylinderlauffläche
ausgebildet sind. Dadurch ergeben sich in Hochrichtung des Zylinders betrachtet an
jeder Stelle des Umfangs Riefen und Plateaurillen in gleichmäßigen Abständen zueinander.
Durch Variation der Drehgeschwindigkeit und/oder des Werkzeugvorschubs können auch
abweichende Gestaltungen erzeugt werden, insbesondere wellenförmige Muster von Riefen
und/oder Plateaurillen.
[0011] Wie vorstehend bereits erwähnt, werden in der Praxis häufig sich kreuzende Riefen
und Plateaurillen mit - zumindest in gewissen Bereichen - gleichbleibenden Überschneidungswinkeln
an Zylinderlaufflächen ausgebildet. In Verbindung mit der Erfindung durchgeführte
Simulationsberechnungen wurden insbesondere an Zylinderlaufflächen ermittelt, bei
welchen in ersten Plateaubereichen und/oder in zweiten Plateaubereichen sich in einem
Überschneidungswinkel β überkreuzende Plateaurillen ausgebildet sind. Als Überschneidungswinkel
β wird in diesem Zusammenhang derjenige Winkel verstanden, welcher in Hochrichtung
des Zylinders zwischen zwei Plateaurillen ausgebildet ist und die auf die Mittelachse
des Zylinders senkrecht stehende, durch den Kreuzungspunkt der Plateaurillen verlaufende
Ebene überstreicht. In ersten Plateaubereichen und in zweiten Plateaubereichen können
unterschiedliche Überschneidungswinkel β und/oder zwar gleiche Überschneidungswinkel,
aber die Plateaurillen in unterschiedlichen Ausrichtungen zur auf die Mittelachse
senkrechten Ebene ausgebildet sein. Bei allen Varianten handelt es sich um voneinander
abweichende Orientierungen im Sinne der Erfindung. Es wurde festgestellt, dass mit
sich überkreuzenden Plateaurillen und/oder Riefen der Schmiermitteltransport zwischen
einzelnen Plateaurillen bzw. Riefen verbessert und die Reibung reduziert ist. Besonders
bevorzugt ist es, wenn sowohl für die Riefen als auch für die Plateaurillen sich überkreuzende
Anordnungen gewählt werden, insbesondere mittels Plateauhonen bei - innerhalb eines
Bereichs - konstanter Drehgeschwindigkeit und konstantem Vorschub, so dass parallelogrammförmig
ausgebildete Muster von Riefen und Plateaurillen entstehen.
[0012] Bei einer besonders reibungsarmen Zylinderlauffläche sind in den ersten Plateaubereichen
sich in einem Überschneidungswinkel β
A kreuzende Plateaurillen ausgebildet und in den zweiten Plateaubereichen sich in einem
Überschneidungswinkel β
B kreuzende Plateaurillen ausgebildet, wobei die Überschneidungswinkel einen Abstand
von mindestens 30° zueinander aufweisen. Diese Ausführungsform der Erfindung ist insbesondere
in Verbindung mit Plateaurillen mit Überschneidungswinkeln gemacht worden, die symmetrisch
zu senkrecht auf die Hochrichtung stehenden Ebenen (Querebenen) angeordnet sind. Sie
ist jedoch unabhängig von dieser Ausrichtung realisierbar, d.h. auch in Verbindung
mit gegenüber den Querebenen verdrehten Überschneidungswinkeln. Es hat sich gezeigt,
dass es bevorzugt ist, wenn der Abstand der Überschneidungswinkel zueinander mindestens
55° und besonders bevorzugt mindestens 70° beträgt. Ein solcher Abstand zwischen den
Überschneidungswinkeln hat sich als vorteilhaft erwiesen, um die Zylinderlauffläche
an die sich insbesondere im Mittelbereich und in den Umkehrbereichen stark unterscheidenden
Reibungskräfte zwischen der Zylinderlauffläche und dem Hubkolben anzupassen.
[0013] Wenn die ersten Plateaubereiche in mindestens einem Umkehrbereich des Zylinders angeordnet
sind und/oder die zweiten Plateaubereiche in einem von dem Umkehrbereich abweichenden
Mittelbereich angeordnet sind und die Plateaurillen in diesen Bereichen geeignet ausgebildet
sind, ergibt sich ein besonders reibungsarmer Betrieb einer Hubkolbenmaschine. Dies
gilt insbesondere für Zylinderlaufflächen, die in einen mittleren Bereich (oder mehrere
mittlere Bereichen) mit hoher Kolbengeschwindigkeit und in Umkehrbereiche mit geringeren
Kolbengeschwindigkeiten aufgeteilt sind. Mit dem Begriff Umkehrbereich ist vorliegend
ein Bereich einer Zylinderlauffläche gemeint, der mindestens auch den oberen Totpunkt
des ersten Kolbenrings oder unteren Totpunkt des untersten Kolbenrings (Ölabstreifring)
eines in dem Zylinder geführten Hubkolbens umfasst oder unmittelbar an diesen Bereich
angrenzt. Ein solcher Bereich kann sich bei Kolben mit mehreren Kolbenringen beispielsweise
ausgehend von dem jeweils äußersten Kolbenring, z.B. ausgehend von der Oberkante des
obersten Kolbenrings eines Kolbens mit mehreren Kolbenringen im oberen Totpunkt, über
das 0,5-fache bis 2-fache des Abstands von dem obersten Kolbenring bis zum untersten
Kolbenring (Ölabstreifring) erstrecken.
[0014] Alternativ und/oder in Ergänzung kann ein Umkehrbereich auch ausgehend von der Oberkante
des obersten Kolbenrings des Gesamthubs festgelegt werden, beispielsweise als maximal
5% des Gesamthubs (Arbeitshöhe H) von einem dieser Totpunkte. Durch die unterschiedlichen
Geschwindigkeiten in den unterschiedlichen Bereichen, verändert sich die Reibung.
Mit einer erfindungsgemäßen Ausbildung einer Zylinderlauffläche kann für jeden Bereich
eine besonders geeignete Gestaltung der Plateaurillen realisiert werden, nicht nur
unter Berücksichtigung von in diesen Bereichen ausgebildeten Riefen unter Berücksichtigung
der Wechselwirkung mit den Riefen, sondern auch in Bezug auf die in diesen Bereichen
auftretenden Kolbengeschwindigkeiten. Dies erfolgt besonders vorteilhaft durch die
Anordnung erster Plateaubereiche mit Plateaurillen, die sich in einem Überschneidungswinkel
β
A kreuzen, in Umkehrbereichen und durch die Anordnung zweiter Plateaubereiche mit Überschneidungswinkeln
β
B in einem Mittelbereich. Die Zylinderlauffläche kann so an die Gestaltung und das
Geschwindigkeitsprofil sowie an die Ausbildung der Riefen der Zylinderlauffläche optimal
angepasst werden. Besonders bevorzugt ist es, wenn erste Plateaubereiche mit gleicher
Gestaltung der Plateaurillen und/oder Riefen sowohl im oberen Umkehrbereich als auch
im unteren Umkehrbereich angeordnet sind.
[0015] Als oberer Umkehrbereich, welcher den oberen Totpunkt des ersten Kolbenrings umfasst
oder welcher in der Nähe des oberen Totpunkts angeordnet ist, wird bevorzugt gemäß
der alternativen Definition ein sich entlang der Mittelachse M über eine Höhe von
2 bis 10% der gesamten Arbeitshöhe H des Hubkolbens erstreckender Bereich festgelegt.
Als unterer Umkehrbereich, welcher den unteren Totpunkt des untersten Kolbenrings
(Ölabstreifring) umfasst oder welcher in der Nähe des unteren Totpunkts angeordnet
ist, wird bevorzugt ein sich entlang der Mittelachse M über eine Höhe von 5 bis 20%
erstreckender Bereich ausgehend von dem unteren Totpunkt des untersten Kolbenrings
(Ölabstreifring) festgelegt. Der Mittelbereich erstreckt sich demnach bevorzugt über
eine Höhe von 60 bis 93% der Arbeitshöhe H zwischen den jeweiligen Umkehrbereichen.
[0016] In den durchgeführten Simulationsrechnungen hat es sich ebenfalls als besonders bevorzugt
gezeigt, wenn die Plateaurillen derart ausgebildet sind, dass sich ein stumpfer Überschneidungswinkel
β
A (d.h. ein Winkel zwischen 90° und 180°) in ersten plateauartigen Bereichen, insbesondere
in einem Umkehrbereich, und/oder ein spitzer Überschneidungswinkel β
B (d.h. ein Winkel zwischen 0° und 90°) in zweiten plateauartigen Bereichen, insbesondere
in einem Mittelbereich, ergibt. Eine besonders deutliche reibungsverringernde Wirkung
stellt sich immer dann ein, wenn in mindestens einem Umkehrbereich Plateaurillen mit
einem stumpfen Überschneidungswinkel ausgebildet sind. Es ist dabei dementsprechend
besonders bevorzugt, wenn ein Überschneidungswinkel β
A mindestens 90° beträgt, weiter bevorzugt mindestens 100° und besonders bevorzugt
mindestens 110°. Ein bevorzugter Wertebereich für β
A liegt zwischen 100° und 170°, weiter bevorzugt zwischen 110° und 150° und besonders
bevorzugt zwischen 120° und 140°. Der Überschneidungswinkel β
B in einem Mittelbereich wird bevorzugt zwischen 10° und 50° gewählt, weiter bevorzugt
zwischen 20° und 40° und besonders bevorzugt zwischen 25° und 35°.
[0017] Die eingangs bereits beschriebene Entkopplung ist besonders reibungsverringernd,
wenn die Orientierung der Plateaurillen mindestens in einem Teilbereich des Zylinders
im Vergleich zu der Orientierung der diese Plateaurillen unmittelbar umgebenden Riefen
zumindest teilweise abweichend ausgebildet ist. Damit sind alle Ausführungsformen
gemeint, bei welchen die Richtung der Plateaurillen von der Richtung der die Plateaurillen
unmittelbar umgebenden Riefen abweichend ist, insbesondere wenn die Riefen und Plateaurillen
keinen gekrümmten Verlauf aufweisen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die
Riefen und Plateaurillen mittels Honen bei gleichbleibender Drehgeschwindigkeit und
gleichbleibendem Werkzeugvorschub erzeugt werden. In diesem Fall verlaufen die Riefen
und die Plateaurillen auf zwischen den Riefen gebildeten Plateaus nicht parallel.
[0018] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform weisen die Riefen einen Flächenanteil
von mindestens 20% an der gesamten Zylinderlauffläche auf. Der Flächenanteil der Riefen
an der gesamten Zylinderlauffläche beträgt bevorzugt 30% bis 60%. Unter dem Flächenanteil
der Riefen wird vorliegend der Anteil an der gesamten Zylinderlauffläche verstanden,
welcher Riefen umfasst.
[0019] Eine exemplarische Berechnung des Flächenanteils wird nachfolgend in Verbindung mit
Fig. 3 erläutert. Der Flächenanteil der Riefen wird insbesondere durch die Anzahl
der Riefen und durch die Breite der Riefen bestimmt. Je größer der Flächenanteil der
Riefen ist, desto kleiner ist der Flächenanteil der Plateaus und damit die für Plateaurillen
zur Verfügung stehende Fläche. Es sei darauf hingewiesen, dass anstelle des Flächenanteils
auch annähernd der Wert Mr2 einer Abottkurve als Grundlage zur Berechnung des Flächenanteils
der Riefen verwendet werden kann, wobei der Flächenanteil ungefähr dem Wert (1-Mr2)
entspricht. Insoweit ist es vorteilhaft, wenn als Wert Mr2 ein Maximum von 80% vorgegeben
wird, bevorzugt ein Maximum von 70% und weiter bevorzugt ein Maximum von 60%. Der
Flächenanteil der Riefen wird bevorzugt zwischen 20% und 50% gewählt.
[0020] Mit Riefen, die zumindest teilweise einen spitzen Überschneidungswinkel α aufweisen,
wurden bei mehreren Simulationsrechnungen besonders gute Ergebnisse hinsichtlich einer
Reibungsreduzierung erzielt. Dabei hat sich gezeigt, dass Überschneidungswinkel α
von 20° bis 40° bevorzugt sind, solche von 25° bis 35° besonders bevorzugt sind, und
solche zwischen 28° bis 32° weiter bevorzugt sind. Dies gilt vor allem für solche
Zylinderlaufflächen, bei denen die Riefen gleichbleibend über die gesamte Arbeitshöhe
H des Hubkolbens mit dem gleichen Überschneidungswinkel α ausgebildet sind. In diesem
Fall ergibt sich auch eine kostengünstige Herstellung, weil die Riefen über die gesamte
Arbeitshöhe H gleichbleibend erzeugt werden. Eine Änderung oder komplizierte Programmierung
von Werkzeugparametern ist in diesem Fall nicht erforderlich.
[0021] In einer weiteren praktischen Ausführungsform weisen sowohl die Riefen als auch die
Plateaurillen im Mittelbereich jeweils einen spitzen Überschneidungswinkel α bzw.
β auf. Insbesondere ist es einfach und kostengünstig, wenn die Überschneidungswinkel
α der Riefen und die Überschneidungswinkel β der Plateaurillen im Mittelbereich gleich
ausgebildet sind. In diesem Fall können Riefen und Plateaurillen im Mittelbereich
- abgesehen von der Eindringtiefe - mit den gleichen Werkzeugwinkeleinstellungen erzeugt
werden.
[0022] Grundsätzlich kann eine wie vorstehend beschriebene geometrische Ausbildung einer
Zylinderlauffläche zwar mit jedem geeigneten Verfahren flexibel erzeugt werden. Besonders
bevorzugt und besonders kostengünstig ist es aber, wenn die Riefen und/oder die Plateaurillen
durch honende Bearbeitung erzeugt sind. Insbesondere kann hier das sogenannte Plateauhonen
in Form einer mehrstufigen honenden Bearbeitung erfolgen. Üblicherweise werden dabei
in einer ersten Bearbeitungsstufe Riefen mit einer bestimmten Tiefe in einer Zylinderlauffläche
erzeugt, wodurch zwischen zwei benachbarten Riefen Plateaus ausgebildet werden. In
einer zweiten Bearbeitungsstufe werden dann Plateaurillen auf den Plateaus zwischen
Riefen ausgebildet, wobei die Plateaurillen ebenfalls eine Tiefe aufweisen, die aber
geringer ist als die Tiefe der Riefen. Der Vollständigkeit halber wird darauf verwiesen,
dass sich zur Herstellung einer erfindungsgemäßen Zylinderlauffläche auch andere mechanische
und/oder optische Verfahren eignen, insbesondere Strahlverfahren, Ätzverfahren und
Laserverfahren.
[0023] Neben der Orientierung der Riefen und Plateaurillen sowie den Überschneidungswinkeln
können auch die Tiefe und die Breite der Riefen und der Plateaurillen variiert werden.
Bezüglich der Tiefe von Riefen hat sich eine Tiefe von mindestens 1 µm als vorteilhaft
erwiesen.
[0024] Ferner können Riefen und Plateaurillen mit unterschiedlichen Konturen (Querschnittsformen)
erzeugt werden, so können die Riefen bzw. die Plateaurillen beispielsweise w-förmige,
v-förmige, u-förmige oder rechteckige Querschnittsformen aufweisen. Dabei können nur
für Riefen und Plateaurillen in verschiedenen Bereichen unterschiedliche Querschnittsformen
gewählt werden.
[0025] Es können auch unterschiedliche Breiten sowohl der Plateaurillen als auch der Riefen
gewählt werden. Auch diese können in verschiedenen Bereichen verschieden ausgebildet
sein. Riefen weisen bevorzugt eine größere Breite auf als Plateaurillen.
[0026] Die Messung der Oberflächenbeschaffenheit von Zylinderlaufflächen kann insbesondere
mittels Laser, Profilometer oder Rastersondenmikroskop erfolgen. Zur Charakterisierung
kann eine sogenannte Abbottkurve erstellt und analysiert werden. Dabei werden verschiedene,
die Oberfläche charakterisierende Parameter ermittelt. Über diese Parameter, insbesondere
die Kernrautiefe R
k, die reduzierte Spitzenhöhe R
pk, und die reduzierte Riefentiefe R
vk sowie den Materialanteil Mr1 sogenannter Spitzen und den Materialanteil Mr2 sogenannter
Täler können Rückschlüsse auf die Oberflächenbeschaffenheit gezogen werden. Dabei
stellt der Wert Mr2 ein Maß für den Flächenanteil der Riefen dar. Einzelne Werte einer
sogenannten Abbottkurve können auch für die Herstellung von gewünschten Oberflächenbeschaffenheiten
vorgegeben werden, insbesondere wenn die Herstellung mittels Plateauhonen erfolgt.
[0027] Vorliegend wurden besonders gute Zylinderlaufflächen mit Oberflächen mit Parametern
in den folgenden Wertebereichen erzielt, wobei die Wertbereiche einzelner Parameter
sowohl für sich gesehen als auch in Kombination mit Wertebereichen anderer Parameter
vorteilhaft sind:
- Rk: 0.05 - 0.4 µm, insbesondere 0,1 - 0,3 µm,
- Rpk: ≤0.2 µm, insbesondere ≤0,1 µm, bevorzugte Wertebereiche sind 0,04 µm - 0,14 µm,
weiter bevorzugt 0,06 µm +/- 0,04µm,
- Rvk: 0.4 - 4.0 µm, insbesondere 0,8 - 3.0 µm.
[0028] Aus Simulationen und Versuchen wurde insbesondere folgende Anordnung von Riefen und
Plateaurillen als besonders reibungsarm ermittelt:
- Flächenanteil der Riefen: 20 - 50 Prozent, insbesondere 30 - 50 Prozent oder alternativ:
Mr2=80 - 50 Prozent, insbesondere 70 - 50 Prozent,
- Riefentiefe: 0,5µm - 4 µm, insbesondere 1 µm - 3 µm und bevorzugt 2 µm +/- 0,5 µm,
- Überschneidungswinkel im oberen Umkehrbereich: α = 30° (+/- Toleranz), βA = 130° (+/-Toleranz),
- Überschneidungswinkel im Mittelbereich: α = 30° (+/- Toleranz), βB = 30° (+/- Toleranz),
- Überschneidungswinkel im unteren Umkehrbereich: α = 30° (+/- Toleranz), βA = 130° (+/- Toleranz),
- Die vorstehend genannten Toleranzen, insbesondere für βA, können bis zu 30° betragen. Sie betragen vorzugsweise 10°, besonders bevorzugt 5°
und weiter bevorzugt 3°,
- Prozentuale Verteilung der Gesamthöhe H des Zylinders auf einen oberen Umkehrbereich,
einen Mittelbereich und einen unteren Umkehrbereich: vorzugsweise wie vorstehend beschrieben,
insbesondere ausgehend von dem oberen Totpunkt eines ersten Kolbenrings: das 0,5 bis
2-fache des Abstands zwischen dem ersten Kolbenring und dem untersten Kolbenring (Ölabstreifring)
und/oder 5 Prozent +/- 3 Prozent für den oberen Umkehrbereich,
ausgehend von dem unteren Totpunkt eines untersten Kolbenrings (Ölabstreifring) das
0,5-fache bis 2-fache des Abstands zwischen dem ersten Kolbenring und dem untersten
Kolbenring (Ölabstreifring) und/oder 10 Prozent +/- 5 Prozent für den unteren Umkehrbereich
und
den sich dazwischen ergebenden Bereich als Mittelbereich, d.h.
Gesamthub zuzüglich dem Abstand zwischen dem ersten Kolbenring und dem untersten Kolbenring
abzüglich des oberen Umkehrbereichs und des unteren Umkehrbereichs oder bei prozentualer
Definition: 85 Prozent +/- 5 Prozent für den Mittelbereich.
[0029] Weitere praktische Ausführungsformen der Erfindung sind nachfolgend im Zusammenhang
mit den Zeichnungen beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Ausschnitt eines Zylinderblocks zur Führung eines nicht dargestellten Kolbens
einer Hubkolbenbrennkraftmaschine mit einer Zylinderlauffläche in einer perspektivischen
und teilweise geschnittenen Darstellung,
- Fig. 2
- eine vergrößerte Darstellung des in Figur 1 mit II gekennzeichneten Ausschnitts,
- Fig. 3
- einen Querschnitt durch eine Zylinderlauffläche zur vergrößerten Darstellung von Riefen
und Plateaurillen in der Zylinderlauffläche in einer schematischen Darstellung,
- Fig. 4
- einen Ausschnitt einer sich über die Arbeitshöhe H erstreckenden Zylinderlauffläche
der in Figur 1 gezeigten Hubkolbenbrennkraftmaschine mit hinsichtlich der Riefen und
Plateaurillen unterschiedlich bearbeiteten Bereichen A, B und C in einer schematischen
Darstellung und
- Fig. 5
- eine exemplarische Darstellung eines Kolbens in seinem oberen Totpunkt und in seinem
unteren Totpunkt zur Erläuterung einer alternativen Definitionsmöglichkeit von unterschiedlich
bearbeiteten Bereichen A, B und C.
[0030] In Fig. 1 ist ein Ausschnitt eines Zylinderblocks einer Hubkolbenmaschine in Form
einer Hubkolbenbrennkraftmaschine 10 dargestellt, die beispielsweise für den Antrieb
eines Kraftfahrzeuges dienen kann. Der Zylinderblock weist eine Bohrung 12 zur Aufnahme
und Führung eines nicht dargestellten Hubkolbens in einem durch die Bohrung erzeugten
Zylinder 22 auf. Die Bohrung 12 ist von einer Zylinderlauffläche 14 für den Hubkolben
umgeben. Anhand der Figuren 2 bis 4 werden im Folgenden geometrische Gestaltungen
von Ausführungsformen erfindungsgemäßer Zylinderlaufflächen 14 beschrieben.
[0031] Ein in eine Ebene abgerollter Ausschnitt der Zylinderlauffläche 14 gemäß dem mit
11 gekennzeichneten Ausschnitt in Figur 1 ist in Figur 2 dargestellt. Bei den dicken,
parallel zueinander verlaufenden Linien in Figur 2 handelt es sich um Vertiefungen
in Form von sich überkreuzenden Riefen 16. Zwischen den Riefen 16 ergeben sich Plateaus
20 (nachfolgend auch plateauartige Flächen genannt), die in der gezeigten Ausführungsform
paralellogrammförmig ausgebildet sind. Auf diesen plateauartigen Flächen 20 sind Vertiefungen
mit sich überkreuzenden Plateaurillen 18 in regelmäßigen Abständen angeordnet. Die
Plateaurillen 18 umschließen ebenfalls parallelogrammförmig ausgebildete Teilflächen
26, die von den parallelogrammförmig ausgebildeten plateauartigen Flächen 20 überlagert
sind. Die sich in Hochrichtung des Zylinders 22 erstreckende Höhe H
T der durch die Plateaurillen 18 gebildeten parallelogrammförmigen Teilflächen 26 ist
vorliegend kleiner als die sich in Hochrichtung der Zylinders 22 erstreckende Höhe
H
F der parallelogrammförmigen plateauartigen Flächen 20. Dadurch ist jedes durch Plateaurillen
18 gebildete Parallelogramm von mindestens einer Riefe 16 durchsetzt.
[0032] Die Darstellung gemäß Figur 2 wurde gewählt, um die Ausbildung und Anordnung der
Riefen 16 und der Plateaurillen 18 schematisch in einer gemeinsamen Darstellung gut
sichtbar zu machen. In der Praxis beträgt die Höhe H
F vorzugsweise ein Vielfaches der Höhe H
T, insbesondere mindestens das 3-fache, mindestens das 5-fache oder sogar mindestens
das 10-fache. Bevorzugt werden die Plateaurillen 18 so angeordnet, dass sich zwischen
der Höhe H
F und der Höhe H
T ein Faktor zwischen 3 und 20 ergibt. Unabhängig von der Art der Flächenformen werden
die Plateaurillen 18 relativ zu den Riefen 16 vorzugsweise so angeordnet, dass durch
die Plateaurillen 18 innerhalb einer plateauartigen Fläche 20 zwischen 10 und 1000
Teilflächen 26 gebildet sind, bevorzugt 15 bis 500 Teilflächen und besonders bevorzugt
20 bis 300 Teilflächen.
[0033] Die sich überschneidenden Riefen 16 sind in Querrichtung des Zylinders 22 jeweils
mit einem Überschneidungswinkel α zueinander angeordnet. Die sich überschneidenden
Plateaurillen 18 auf den plateauartigen Flächen 20 sind mit einem Überschneidungswinkel
β zueinander angeordnet.
[0034] Figur 3 zeigt anhand einer schematischen Darstellung einer Zylinderlauffläche 14
eines Zylinders 22 die Geometrie der Zylinderlauffläche 14 im Querschnitt nach einer
ersten Bearbeitungsstufe einer Plateauhonung (ganz rechts) und nach einer zweiten
Bearbeitungsstufe einer Plateauhonung. Nach der zweiten Bearbeitungsstufe sind die
plateauartigen Flächen 20 und die diese umgebenden Riefen 16 in dem in Figur 2 gezeigten
Zustand. Durch weitere Bearbeitungsstufen können noch glattere plateauartige Flächen
20 erzeugt werden.
[0035] Wie ganz rechts in Figur 3 angedeutet ist, werden in einer ersten Bearbeitungsstufe
zunächst Riefen 16 in die Zylinderlauffläche 14 eingebracht, so dass sich ein gleichmäßiges
zackenförmiges Profil mit zur Innenseite des Zylinders 22 ragenden Spitzen 24 und
bereits mit der gewünschten Tiefe ausgebildeten Riefen 16 ergibt. Im vorliegenden
Fall sind die Riefen 16 im Querschnitt v-förmig ausgebildet, und das Verhältnis zwischen
der Tiefe der Riefen 16 und dem Abstand der parallel zueinander verlaufenden Riefen
16 in der zylindrischen Wand ist so gewählt, dass sich nach der ersten Bearbeitungsstufe
ein zickzackförmiger Profilquerschnitt ergibt. Die Erfindung ist nicht auf diese Möglichkeit
beschränkt. Es wird insoweit darauf hingewiesen, dass beliebige andere Formen, Tiefen
und Abstände der Riefen 16 zueinander gewählt werden können, wodurch sich auch andere
Querschnittsgeometrien ergeben können, beispielsweise zahnförmige Geometrien mit flankenartigen
Abflachungen zwischen zwei benachbarten Riefen 16 und/oder w-förmige, u-förmige oder
anders geformten Riefen (nicht dargestellt).
[0036] Wie links der - von rechts aus betrachtet - ersten Riefe 16 dargestellt, werden in
einer zweiten Bearbeitungsstufe zwischen zwei Riefen 16 sich parallel zur Mittelachse
M des Zylinders 22 erstreckende, plateauartige Flächen 20 erzeugt, in welchen die
Plateaurillen 18 ausgebildet sind.
[0037] Anhand von Figur 3 wird nachstehend exemplarisch erläutert, wie der Flächenanteil
der Riefen 16 zu verstehen ist und berechnet werden kann. Dabei wird in dem Beispiel
davon ausgegangen, dass das Verhältnis von Riefen 16 zu Plateaus in dem in Figur 3
dargestellten linearen Querschnittsbereich repräsentativ für das Flächenverhältnis
der gesamten Zylinderlauffläche ist. In der Praxis kann die Berechnung auch auf der
Grundlage einer repräsentativen Teilfläche oder auf der Grundlage der gesamten Zylinderlauffläche
erfolgen. Vorliegend wird der Flächenanteil der Riefen 16 im Bereich der Länge L bestimmt.
Der Flächenanteil ergibt sich aus der Summe der einzelnen Breiten der Riefen 16 innerhalb
des Bereiches dividiert durch die Länge des Bereiches L, d.h. (R1+R2+R3/L). Als Breite
wird dabei die Stelle mit der größten Breite der Riefe 16 definiert. R1 und R3 bezeichnen
im gewählten Bereich die halbe Breite einer Riefe 16, wohingegen R2 die gesamte Breite
der Riefe 16 angibt.
[0038] In Fig. 4 ist die Zylinderlauffläche 14 des Zylinders 22 aus Figur 1 über die gesamte
Arbeitshöhe H dargestellt, wobei als Arbeitshöhe H in dieser Ausführungsform der Höhenbereich
des Zylinders 22 angesehen wurde, über welchen sich bei bestimmungemäßer Verwendung
der gezeigten Hubkolbenbrennkraftmaschine 10 der nicht dargestellte Hubkolben entlang
der Zylinderlauffläche 14 auf- und abbewegt. Wie dargestellt, ist die Zylinderlauffläche
14 in drei Bereiche A, B und C unterteilt, wobei der Bereich A den oberen Totpunkt
des dargestellten Zylinders 22 einschließt und der Bereich C den unteren Totpunkt
des dargestellten Zylinders 22 einschließt. Die Bereiche A und C sind daher Umkehrbereiche
für den in dem Zylinder 22 geführten Kolben (nicht dargestellt). Der Bereich B ist
entsprechend ein Mittelbereich. In Bezug auf die Geschwindigkeiten des nicht dargestellten
Hubkolbens kann daher qualitativ festgehalten werden, dass der Hubkolben in dem Mittelbereich
B die höchste Geschwindigkeit gegenüber der Zylinderlauffläche 14 erreicht, während
er in den Umkehrbereichen A und C mit geringeren Geschwindigkeiten gegenüber der Zylinderlauffläche
14 verfahren wird. An dem oberen Totpunkt und an dem unteren Totpunkt sinkt die Geschwindigkeit
sogar kurzzeitig auf null ab, wodurch eine hohe Haftreibung entsteht.
[0039] In den drei Bereichen A, B und C sind Riefen 16 und Plateaurillen 18 mit teilweise
unterschiedlichen Überschneidungswinkeln α und β ausgebildet, wobei sowohl die Riefen
16 als auch die Plateaurillen 18 nur in Teilbereichen und nur schematisch als gerade
Linien dargestellt sind. Tatsächlich erstrecken sich die Riefen 16 und Plateaurillen
18 wendelförmig über den gesamten Umfang der Zylinderlauffläche 14 mit einer konstanten
Steigung in den jeweiligen Bereichen A, B und C. Auch diese können tatsächlich unterschiedlich
ausgebildet sein, insbesondere wie im Folgenden erläutert.
[0040] In der gezeigten Ausführungsform weist die Zylinderlauffläche 14 über alle drei Bereiche
A, B und C, d.h. über die gesamte Arbeitshöhe H, Riefen 16 mit einem konstanten Überschneidungswinkel
α auf, der zwischen 20° und 40° gewählt wird, bevorzugt zwischen 25° und 35° und besonders
bevorzugt zwischen 28° und 32°. In der gezeigten Ausführungsform ist ein Überschneidungswinkel
α von 30° ausgebildet. Es hat sich gezeigt, dass Riefen-Überschneidungswinkel in diesen
Wertebereichen den hydrodynamischen Druckaufbau unterstützen und der Festkörperkontakt,
d.h. auch die Reibung, zwischen Hubkolben und der Zylinderlauffläche 14 reduziert
wird.
[0041] Die Plateaurillen 18 sind in der gezeigten Ausführungsform abhängig von dem Bereich
A, B oder C mit unterschiedlichen Überschneidungswinkeln β
A, β
B, β
C ausgebildet. In den Bereichen A und C wird vorzugsweise ein Überschneidungswinkel
β
A und β
C von mindestens 90° gewählt, bevorzugt mindestens 100° und besonders bevorzugt mehr
als 110°. Der Überschneidungswinkel β
B wird vorzugsweise zwischen 10° und 50°, bevorzugt zwischen 20° und 10° und besonders
bevorzugt zwischen 25° und 35° gewählt. In der gezeigten Ausführungsform betragen
die Überschneidungswinkel β
A und β
C 120° und der Überschneidungswinkel β
B 30°. Bevorzugt weisen die Riefen 16 und die Plateaurillen 18 im mittleren Bereich
B aus bearbeitungstechnischen Gründen denselben Überschneidungswinkel α bzw. β
B auf. Für die Überschneidungswinkel β
A und β
C können aber auch voneinander abweichende Werte gewählt werden, insbesondere innerhalb
der vorstehend genannten Wertebereiche.
[0042] Figur 5 zeigt einen Kolben 28, der in einem nur schematisch dargestellten Zylinder
22 mit einer Zylinderlauffläche 14 in seinem oberen Totpunkt (obere Darstellung) und
in einem unteren Totpunkt (unter Darstellung) gezeigt ist. An dem Kolben 28 sind in
erster Kolbenring 30, ein mittlere Kolbenring 32 und ein unterster Kolbenring (Ölabstreifring)
34 zur Zylinderlauffläche 14 orientiert angeordnet. Der Abstand zwischen dem ersten
Kolbenring 30 und dem untersten Kolbenring 34 ist mit Z gekennzeichnet. Ein oberer
Umkehrbereich erstreckt sich vorzugsweise in einem Bereich von dem Pfeil O in Richtung
des Pfeils A über eine Länge von 0,5Z bis 2Z.
[0043] Optional kann auch ein Bereich C als unterer Umkehrbereich festgelegt werden. Ein
solcher Umkehrbereich erstreckt sich vorzugsweise ausgehend von dem Pfeil U, welcher
die Position des untersten Kolbenrings 34 im unteren Totpunkt kennzeichnet um 1Z bis
4Z nach oben, insbesondere um 2Z.
[0044] Insbesondere aus fertigungstechnischen Gründen kann es geeignet sein, die Umkehrbereiche
A, C von dem mit O gekennzeichneten Bereich aus nach oben und/oder von dem mit U gekennzeichneten
Bereich nach unten - ggf. bis an den oberen bzw. unteren Rand des Zylinders genauso
zu bearbeiten wie in den jeweils angrenzenden Bereichen A bzw. C.
[0045] Der Mittelbereich B erstreckt sich in diesem Fall zwischen den Bereichen A und C.
[0046] Die in der vorliegenden Beschreibung, in den Zeichnungen sowie in den Ansprüchen
offenbarten Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebigen Kombinationen
für die Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausführungsformen wesentlich
sein. Die Erfindung kann im Rahmen der Ansprüche und unter Berücksichtigung der Kenntnisse
des zuständigen Fachmanns variiert werden.
Bezugszeichenliste
[0047]
- 10
- Hubkolbenbrennkraftmaschine
- 12
- Bohrung
- 14
- Zylinderlauffläche
- 16
- Riefen
- 18
- Plateaurillen
- 20
- plateauartige Fläche / Plateau
- 22
- Zylinder
- 24
- Spitzen
- 26
- Teilflächen
- 28
- Kolben
- 30
- erster Kolbenring
- 32
- mittlerer Kolbenring
- 34
- unterster Kolbenring (Ölabstreifring)
- α
- Überschneidungswinkel von Riefen
- β
- Überschneidungswinkel von Plateaurillen
1. Zylinderlauffläche eines Zylinders einer Hubkolbenmaschine mit Vertiefungen in Form
von zueinander beabstandeten Riefen (16), wodurch zwischen benachbarten Riefen (16)
Plateaus (20) gebildet sind und mit im Bereich der Plateaus (20) ausgebildeten Vertiefungen
in Form von Plateaurillen (18),
dadurch gekennzeichnet,
dass erste Plateaubereiche mit einer ersten Orientierung von Plateaurillen (18) ausgebildet
sind und mindestens zweite Plateaubereiche mit einer zweiten Orientierung von Plateaurillen
(18) ausgebildet sind, wobei die erste Orientierung und die zweite Orientierung voneinander
abweichen.
2. Zylinderlauffläche nach dem vorstehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass in den ersten Plateaubereichen und/oder in den zweiten Plateaubereichen sich in einem
Überschneidungswinkel (β) überkreuzende Plateaurillen (18) ausgebildet sind.
3. Zylinderlauffläche nach dem vorstehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass in den ersten Plateaubereichen sich in einem Überschneidungswinkel (βA) kreuzende Plateaurillen (18) ausgebildet sind und in den zweiten Plateaubereichen
sich in einem Überschneidungswinkel (βB) kreuzende Plateaurillen (18) ausgebildet sind, wobei die Überschneidungswinkel einen
Abstand von mindestens 30° zueinander aufweisen.
4. Zylinderlauffläche nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die ersten Plateaubereiche in mindestens einem Umkehrbereich (A, C) des Zylinders
(22) angeordnet sind und/oder dass die zweiten Plateaubereiche in einem von den Umkehrbereichen
(A, C) abweichenden Mittelbereich (B) angeordnet sind.
5. Zylinderlauffläche nach einem der beiden vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Plateaurillen (18) derart ausgebildet sind, dass sich ein stumpfer Überschneidungswinkel
(βA) und/oder ein spitzer Überschneidungswinkel (βB) ergibt.
6. Zylinderlauffläche nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Orientierung der Plateaurillen (18) mindestens in einem Teilbereich des Zylinders
(22) im Vergleich zu der Orientierung der diese Plateaurillen (18) unmittelbar umgebenden
Riefen (16) zumindest teilweise abweichend ausgebildet ist.
7. Zylinderlauffläche nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Riefen (16) einen Flächenanteil von mindestens 20 Prozent an der gesamten Zylinderlauffläche
(14) aufweisen.
8. Zylinderlauffläche nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Riefen (16) zumindest teilweise einen spitzen Überschneidungswinkel (α) aufweisen.
9. Zylinderlauffläche nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Riefen (16) und die Plateaurillen (18) in einem Mittelbereich (B) jeweils einen
spitzen Überschneidungswinkel (α, β) aufweisen.
10. Zylinderlauffläche nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Riefen (16) und/oder die Plateaurillen (18) durch honende Bearbeitung erzeugt
sind.