[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur modellbasierten
Kompensation auftrags- und maschinenspezifischer Passerungenauigkeiten und Registerfehler
in der Druckvorstufe eines Druckprozesses.
[0002] Die Erfindung liegt in dem technischen Gebiet des Offsetdrucks.
[0003] Bei der Übertragung von Informationen auf einen Bedruckstoff in Form eines Sujets,
egal ob Bilder oder Texte, können Geometriefehler im Druckbild auftreten, so dass
das Sujet Abweichungen von einer gewünschten Geometrie in Lage und/oder Form aufweist.
Eine häufig auftretende Quelle für solche geometrischen Verformungen ist, insbesondere
beim Offsetdruck, die Papierverformung, welche sich durch eine Verzerrung des Druckbildes
bemerkbar macht. Diese Verzerrungen sind vor allem im Mehrfarbendruck störend, da
dort die einzelnen Farbauszüge aufgrund der unterschiedlichen Verzerrungen nicht mehr
passgenau übereinander gedruckt werden können. Weitere Gründe für derartige Geometriefehler
sind von vielen verschiedenen Parametern abhängig, wie zum Beispiel den Eigenschaften
des Bedruckstoffes hinsichtlich Aufbau und Steifigkeit, hinsichtlich der Farbbelegung
des Sujets, von der Zügigkeit der verwendeten Farben sowie dem Betriebszustand der
Druckmaschine hinsichtlich Temperatur und Druckgeschwindigkeit. Weitere Fehlerquellen
sind auch in den verwendeten Druckmaschinen selbst zu finden, wie zum Beispiel Einbautoleranzen
in den Plattenspannschienen, Positionsfehler bei der Plattenstanzung, sowie Abwicklungs-
und Übergabefehler bei den hergestellten Druckplatten.
[0004] Typischerweise handelt es sich dabei um Maschinen- oder Prozess-spezifische Parameter,
bzw. auch um Konsequenzen aus fehlerhaften Einstellungen, oder um Nebenwirkungen von
falsch eingestellten Prozessparametern.
[0005] Zur Behebung dieser Geometriefehler gibt es im Stand der Technik mehrere Ansatzpunkte.
[0006] Beim ersten Ansatz werden, nachdem die geometrischen Verzerrungen festgestellt und
ausgemessen wurden, über Verstelleinrichtungen der Druckmaschine die aufgetretenen
Geometriefehler des Druckbildes, also die Passerungenauigkeiten der einzelnen Farbauszüge
und Registerfehler des Druckbildes selbst, sowie Plattenverzerrungen korrigiert. Diese
Verstelleinrichtungen umfassen üblicherweise Seiten-, Umfangs- und Diagonalregister,
sowie Plattenverzerrungseinrichtungen. Sie sind mit dem Plattenzylinder verbunden
und bewirken eine geringe Lagekorrektur des Zylinders. Mit diesen Verstelleinrichtungen
können daher kleinere Abweichungen im Druckbild korrigiert werden. Größere Abweichungen
können damit jedoch prinzipbedingt, insbesondere beim Diagonalregister, nicht mehr
korrigiert werden, da die Lagekorrektur der Zylinder in der Druckmaschine nur bis
zu einem gewissen Grad möglich ist. Zudem ist die Abstimmung der verschiedenen Verstelleinrichtungen
für den Drucker ein komplizierter Vorgang, der nur von entsprechend ausgebildetem
Fachpersonal durchgeführt werden kann und auch der Verstellvorgang selber ist entsprechend
zeitintensiv, da nach jeder neuen Einstellung Probedrucke nötig sind, die zudem auch
zu einer erhöhten Makulatur führen.
[0007] Deshalb ist als weitere Maßnahme aus dem Stand der Technik zur Vermeidung solcher
Geometriefehler auch bekannt, Marken für Passer und Register auf dem Bedruckstoff
neben dem eigentlichen Druckbild mit zu drucken, diese Marken auszumessen, daraus
die aufgetretenen Geometriefehler abzuleiten, um damit in der Druckvorstufe durch
Manipulation des noch digitalen Druckbildes den geometrischen Verzerrungen entgegenzuwirken.
[0008] Durch diesen Ansatz ist es möglich, aufgetretene und gemessene Geometriefehler ohne
mechanische Eingriffe auf der Druckform zu kompensieren. Nachteilig an diesem Verfahren
ist jedoch, dass es genaue Messsysteme zur Erfassung der Abweichungen benötigt. Es
kann auch immer nur zur Korrektur bereits aufgetretener Abweichungen verwendet werden,
das heißt, wenn bereits unerwünschte Makulatur aufgetreten ist. Ein weiterer Nachteil
ist, dass nach der Kompensation aufgetretener Geometriefehler ein neuer Satz von Druckplatten
erzeugt werden muss, was zusätzlichen Kosten- und Zeitaufwand bedeutet.
[0009] Zur Behebung dieses Nachteils ist aus dem Stand der Technik ein Verfahren aus der
deutschen Patentanmeldung
DE 197 24 066 A1 bekannt. Dabei wird ausgehend von einer geräteunabhängigen Beschreibung der zu druckenden
Seiteninformationen diese Information mittels eines After-Image-Prozessors in eine
geräteabhängige digitale Matrix umgewandelt. Nach der Erzeugung der einzelnen Matrizen
für die einzelnen Seiten werden diese einer Matrix-Manipulationseinrichtung zugeführt,
die jede dieser Matrizen durch bestimmte Parameter einer Korrekturtransformation unterzieht.
Nach Anpassung der Matrizen werden diese mittels einer Matrix-Transfereinrichtung
den digitalen Bebilderungseinrichtungen in den Druckwerken zugeführt.
[0010] Ein weiteres dieser Verfahren ist aus der deutschen Patentanmeldung
DE 10 2012 020 238 A1 bekannt, welche ein Verfahren zur Belichtung einer Druckform offenbart, in welcher
eine Transformationsvorschrift im Voraus vor einer ersten Belichtung einer Druckform
berechnet wird, wobei zur Berechnung der Transformationsvorschrift die vorgesehene
Flächendeckung des Bedruckstoffes als Prozessparameter verwendet wird und die Transformationsvorschrift
proportional zur Flächendeckung berechnet wird.
[0011] Problematisch an diesen Verfahren ist jedoch, dass sie sich nur auf auftragsspezifische
Fehlerquellen, wie Material und/oder Prozessparameter, für die auftretenden Geometriefehler
konzentrieren. Maschinenbedingte Parameter, wie Einbautoleranzen der Plattenspannschienen,
Positionsfehler bei der Plattenstanzung, Abwicklungsfehler und Übergabefehler oder
die Farbreihenfolge, Temperatur der Maschine und Druckgeschwindigkeit, die ebenfalls
eine großen Einfluss auf die auftretenden Geometriefehler haben, werden nicht erfasst,
wodurch weiterhin die zeit- und kostenintensive Verwendung der Verstelleinrichtungen
der Druckmaschine notwendig ist.
[0012] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zu offenbaren, mit dem die aufgetretenen Geometriefehler, die durch prozess- und maschinentypische
Prozessfehler verursacht werden, effizient und ohne erhöhten Zeit- und Kostenaufwand
kompensiert werden können.
[0013] Die Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren und eine Vorrichtung
zur modellbasierten Kompensation auftrags- und maschinenspezifischer Passerungenauigkeiten
und Registerfehler in der Druckvorstufe eines Druckprozesses erreicht.
[0014] Es handelt sich dabei um ein Verfahren zur modellbasierten Kompensation auftrags-
und maschinenspezifischer Passerungenauigkeiten und Registerfehler in der Druckvorstufe
eines Druckprozesses einer Druckmaschine durch einen Rechner, die folgenden Schritte
umfassend:
- 1. Erstellen eines mathematischen Vorhersagemodells für die auftrags- und maschinenspezifischer
Passerungenauigkeiten und Registerfehler, wobei das mathematische Vorhersagemodell
Einflussgrößen auf den Druckprozess und Parameter, bestehend aus Maschinen-, Prozess-
und Materialparametern, des Druckprozesses enthält
- 2. Quantifizieren der Parameter des Modells durch Auswerten gemessener Passerabweichungen
und Registerfehler im Rechner
- 3. Berechnen der auftrags- und maschinenspezifischen Passerungenauigkeiten und Registerfehler
der Farbauszüge unter Einsatz des erstellten Vorhersagemodells und der quantifizierten
Parameter im Rechner
- 4. Modifikation der einzelnen Farbauszüge zur Kompensation der berechneten auftrags-
und maschinenspezifischer Passerungenauigkeiten und Registerfehler im Rechner
[0015] Entscheidender Punkt des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei, dass ein mathematisches
Modell zur Vorhersage möglicher auftretender Geometriefehler, das heißt lokaler Passerungenauigkeiten
und Registerfehler, erstellt wird. Das Modell beschreibt die während des Druckprozesses
auftretenden Einflussgrößen und beinhaltet zudem Parameter, welche ebenfalls Passerungenauigkeiten
und Registerfehler beeinflussen und sich in Maschinen-, Prozess- und Materialparameter
unterscheiden lassen. Es muss dabei nur einmal erstellt werden und kann dann für die
spezifische Druckmaschine immer wieder verwendet werden. Lediglich die Parameter,
insbesondere die Material- und Prozessparameter, welche vom jeweiligen Druckauftrag
abhängig sind, müssen jeweils für einen neuen Druckauftrag neu ermittelt werden. Das
Vorhersagemodell besteht dabei aus Transformationsgleichungen, welche die entsprechenden
Einflussgrößen und Parameter beinhalten. Die Transformationsgleichungen sind nach
dem beispielhaften Muster:

aufgebaut, wobei x und y hier die Einflussgrößen darstellen, während a und b den
Prozess- und Materialparametern entsprechen, und c dagegen den Maschinenparametern.
[0016] Mit diesen Parametern werden jeweils auftrags- und maschinenspezifische Passerungenauigkeiten
abgebildet. Diese werden vom Rechner, in dem die digitalen Vorstufendaten des Druckprozesses
verarbeitet werden und in dem auch das mathematische Modell als Teil der digitalen
Vorstufe verwendet wird, mit Hilfe dieses Modells berechnet. Mit den derart prognostizierten
Geometriefehlern ist es dann möglich, die in der Vorstufe digital vorliegenden Druckbilddaten
so anzupassen, dass die auftretenden Geometriefehler kompensiert werden können. So
kann zum Beispiel eine durch Papierdehnung aufgetretene Verzerrung des Druckbildes
durch eine in der Vorstufe vorgenommene digitale Stauchung des entsprechenden Bildbereichs
kompensiert werden. Mit dem derart modifizierten Druckbild werden dann die entsprechenden
Druckplatten hergestellt, mit denen die Druckmaschine das Druckbild umsetzt und bei
korrekter Funktion des mathematischen Vorhersagemodells möglichst fehlerfrei auf das
Drucksubstrat aufbringt. Das erfindungsgemäße Verfahren muss sich dabei naturgemäß
auf vorher bekannte und berechenbare Fehler beschränken. Nicht deterministische Fehlerquellen,
wie zum Beispiel falsches Einspannen der Druckplatten durch den Drucker, können damit
natürlich nicht kompensiert werden.
[0017] Vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildungen des Verfahrens ergeben sich aus
den zugehörigen Unteransprüchen sowie aus der Beschreibung mit den zugehörigen Zeichnungen.
[0018] Eine bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei, dass die
auftragsspezifischen Passerungenauigkeiten und Registerfehler von Materialeinflussgrößen,
wie Art des Bedruckstoffes, Grammatur des Bedruckstoffes, Aufbau des Bedruckstoffes
und Steifigkeit des Bedruckstoffes, sowie von Prozesseinflussgrößen, wie Farbbelegung
des Sujets und Zügigkeit der Farbe, sowie von auftragsspezifischen Maschineneinflussgrößen,
wie Farbreihenfolge, Temperatur der Maschine und Druckgeschwindigkeit, abhängen, welche
in Form von entsprechenden Parametern in das Modell Eingang finden.
Die auftragsspezifischen Maschineneinflussgrößen umfassen diejenigen Parameter, welche
zwar maschinenspezifisch, jedoch auch klar von den Auftragsdaten abhängig sind. So
ist die Farbreihenfolge direkt von den Auftragsdaten abhängig, die Temperatur der
Maschine und die Druckgeschwindigkeit sind zumindest indirekt von den Auftragsdaten
abhängig.
[0019] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei,
dass die maschinenspezifischen Passerungenauigkeiten und Registerfehler von Maschineneinflussgrößen
abhängen, die die Wirkung von Einbaulagen z.B. der Plattenspannschienen oder von Übergabeelementen
und Toleranzen z.B. der Abwicklung abbilden und in Form von entsprechenden Parametern
in das Modell Eingang finden.
Die Maschinenparameter müssen dabei durch Messungen ermittelt, quantifiziert und dann
in das mathematische Vorhersagemodell, bzw. in dessen Transformationsgleichungen,
eingebracht werden.
[0020] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei,
dass die Maschineneinflussgrößen, quantifiziert in Form von Maschinenparametern, ihrerseits
die Prozess- und Materialparameter beeinflussen.
Die Maschineneinflussgrößen können die Prozess- und Materialparameter beeinflussen.
Dies muss im Vorhersagemodell berücksichtigt werden.
[0021] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei,
dass die Maschinenparameter bei Durchführung des Verfahren zur modellbasierten Kompensation
bereits vorliegen, indem sie bereits während der Produktion und/oder der Auslieferung
der Druckmaschine quantifiziert werden.
[0022] Da die Maschinenparameter nicht von den Auftragsdaten abhängig sind, können sie bereits
im Rahmen von Inbetriebnahmetests, sowohl als Teil der Produktion, als auch bei Auslieferung,
ermittelt werden. Sie müssen dann lediglich dem Rechner, welcher über das Workflowsystem
das Vorhersagemodell umsetzt, zur Verfügung gestellt werden. Eine Aktualisierung des
Maschinenparametersatzes über die Einsatzzeit der Druckmaschine ist jedoch angeraten,
da sich bestimmte Maschinenparameter im Laufe der Zeit verändern können.
[0023] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei,
dass die Parameter über mehrere Druckvorgänge hinweg eingelernt werden.
Das Quantifizieren der Parameter für das Vorhersagemodell sollte für eine erhöhte
Fehlertoleranz, z.B. verursacht durch Messfehler, über mehrere Druckvorgänge geschehen,
damit das Modell entsprechend eingelernt werden kann. Da vor jedem Druckauftrag ohnehin
mehrere Probedrucke durchgeführt werden müssen, ist dafür kein zusätzlicher Aufwand,
z.B. in Form von Makulatur nötig. Das Prinzip gilt für alle Parameterklassen.
[0024] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei,
dass das erfindungsgemäße Verfahren auftretende Passerungenauigkeiten und Registerfehler
kompensiert, womit Passerjustagen mit mindestens einer der Registerverstelleinrichtungen
im Druckprozess ersetzt werden.
Durch Einsatz des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Vorhersage auftretender auftrags-
und maschinenspezifischer Passerungenauigkeiten und Registerfehler, kann auf den Einsatz
von Seiten-, Umfangs- oder Diagonalregisterverstelleinrichtungen oder mehrerer bzw.
aller dieser Registerverstelleinrichtungen im Druckprozess verzichtet werden.
[0025] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei,
dass Geometriefehler, welche auf einem konstanten Störeinfluss basieren, durch eine
statische zeitunabhängige Kompensation korrigiert werden.
Sind die Einflussgrößen, welche die geometrischen Abweichungen verursachen, konstant,
zum Beispiel eine konstante Druckgeschwindigkeit, so wird die Kompensation statisch
durchgeführt. Statisch bedeutet dabei, die Verzerrung ist zeitunabhängig und die Kompensation
bleibt konstant für alle nachfolgenden Druckwerke und unabhängig von der verstrichenen
Zeit.
[0026] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei,
dass Geometriefehler, welche auf dynamischen zeitabhängigen Störeinflüssen basieren,
durch ein zeitvariantes Modell erfasst und durch eine zeitabhängige Kompensation korrigiert
werden.
Sind die Einflussgrößen, welche die geometrischen Abweichungen verursachen, dagegen
zeitabhängig, wie zum Beispiel der Wärmetransport, dann ist über ein zeitvariantes
Modell die Verformung zum Zeitpunkt des Druckvorganges in den einzelnen Druckwerken
zu ermitteln und genau für diesen Zeitraum, durch Modifikation der digitalen Druckdaten
vor dem Erstellen der Druckplatten, zu kompensieren.
[0027] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dabei,
dass das Verfahren in den Workflow zur Abarbeitung des Druckprozesses integriert ist
und die Ermittlung der Einflussgrößen des Modells sowie die Berechnung und Durchführung
der Kompensation vom Rechner automatisiert durchgeführt werden.
Da die Berechnung und Kompensation vor der Durchführung des Druckprozesses durchgeführt
wird, liegt es nahe, diese in den Rechner- und Software-gestützten Steuerungsprozess
der Druckmaschine zu integrieren, welcher von einem Workflowsystem durchgeführt wird.
Das Workflowsystem leitet den Anwender dabei durch die komplette digitale Vorstufe
des Druckprozesses, in welchem die Druckdaten erstellt werden, sowie im Rahmen der
Kompensation modifiziert werden, bis hin zur Weiterleitung der modifizierten Druckdaten
an den Plattenbelichter zur Herstellung der modifizierten Druckplatten zur Abarbeitung
des Druckauftrages.
Im Rahmen des Workflows zur Abarbeitung des Druckauftrages ermittelt der Steuerungsrechner
der Druckmaschine automatisch die Einflussgrößen des Modells. Die Grundkonfiguration
ist dabei für den Anwender einsehbar und kann je nach Ausführung manuell justiert
werden.
[0028] Eine weitere Lösung der gestellten Aufgabe stellt dabei eine Bogenoffsetdruckmaschine,
eingerichtet zur Umsetzung eines Verfahrens, nach einem der vorherigen Ansprüche dar.
[0029] Eine solche Bogenoffsetdruckmaschine ist in der Lage, mittels des zugeordneten Korrekturdatensatzes
für die digitale Vorstufe wesentlich kürzere Rüstzeiten für die Druckmaschine umzusetzen.
Da durch die modifizierten Druckbilddaten in der Vorstufe die mechanischen Registerverstelleinrichtungen
für Umfangs-, Seiten- und Diagonalregister nicht mehr betätigt werden müssen, ist
eine solche Bogenoffsetdruckmaschine im Einsatz wesentlich einfacher und schneller
zu justieren als eine aus dem Stand der Technik bekannte Bogenoffsetdruckmaschine.
[0030] Eine bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Bogenoffsetdruckmaschine ist
dabei, dass in der Bogenoffsetdruckmaschine wenigstens eine Registerverstelleinrichtung
durch ein Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche ersetzt wird, wobei die wenigstens
eine Registerverstelleinrichtung Seitenregisterverstelleinrichtungen, Diagonalregisterverstelleinrichtungen
oder Umfangsregisterverstelleinrichtungen sein können.
In dieser besonderen Ausführungsvariante der erfindungsgemäßen
Bogenoffsetdruckmaschine werden die Registerverstelleinrichtungen weggelassen, da
diese durch das Einsetzen des erfindungsgemäßen Verfahrens, in welchem auftretende
Geometriefehler in Form von Passer- und Registerungenauigkeiten bereits in der Vorstufe
korrigiert werden, größtenteils überflüssig werden. Je nach Art der Geometriefehler,
welche durch das erfindungsgemäße Verfahren kompensiert werden können, können dabei
Seitenregisterverstelleinrichtungen, Diagonalregisterverstelleinrichtungen oder Umfangsregisterverstelleinrichtungen
weggelassen werden. Auch ein Weglassen mehrerer dieser Registerverstelleinrichtungen
oder gar aller ist möglich.
[0031] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Bogenoffsetdruckmaschine
ist dabei, dass auf passerrelevante Justagen, insbesondere die Stufung von Druckzylinder-Durchmessern
und die genaue Ausrichtung der Plattenspannschienen, im Montageprozess verzichtet
wird und diese Störgrößen durch das erfindungsgemäße Verfahren kompensiert werden.
In dieser weiteren besonderen Ausführungsvariante der erfindungsgemäßen Bogenoffsetdruckmaschine
werden auch passerrelevante Justagen, wie die Stufung von Druckzylinder-Durchmessern
und die genaue Ausrichtung der Plattenspannschienen, die im Montageprozess der Druckmaschine
notwendig sind, durch den Einsatz des erfindungsgemäßen Verfahrens überflüssig.
[0032] Eine weitere Lösung der gestellten Aufgabe stellt dabei ein Datensatz für eine Bogenoffsetdruckmaschine
nach den vorherigen Ansprüchen dar. Der Datensatz liegt in digitaler Form vor und
enthält ein für die Bogenoffsetdruckmaschine spezifisches Passer- und Registerprofil,
welches von sämtlichen relevanten Maschinenparametern der Bogenoffsetdruckmaschine
abhängig ist und dem Workflowsystem zur Druckauftragsbearbeitung zur Verfügung gestellt
wird.
Der Datensatz enthält die bereits vorliegenden Maschinenparameter. Er wird bevorzugt
mit der Druckmaschine ausgeliefert und steht dann dem Rechner des Workflowsystems
zur Umsetzung des Verfahrens zur modellbasierten Kompensation auftrags- und maschinenspezifischer
Passerungenauigkeiten und Registerfehler in der Druckvorstufe zur Verfügung. Der Datensatz
sollte zudem in regelmäßigen Abständen durch erneutes Einlernen der Maschinenparameter
aktualisiert werden.
[0033] Das erfindungsgemäße Verfahren sowie funktionell vorteilhafte Weiterbildungen des
Verfahrens werden nachfolgend unter Bezug auf die zugehörigen Zeichnungen anhand wenigstens
eines bevorzugten Ausführungsbeispiels näher beschrieben. In den Zeichnungen sind
einander entsprechende Elemente mit jeweils denselben Bezugszeichen versehen.
[0034] Die Zeichnungen zeigen:
Figur 1: eine schematische Darstellung der drei Registerverstelleinrichtungen
Figur 2: den strukturellen Aufbau des notwendigen Druckmaschinensystems
Figur 3: den schematischen Ablauf des erfindungsgemäßen Verfahrens
[0035] Das erfindungsgemäße Verfahren in seiner bevorzugten Ausführungsvariante ist dabei
in Figur 3 dargestellt. Als erster Schritt muss das mathematische Vorhersagemodell
7, falls noch nicht vorhanden, erstellt werden. Es besteht aus mehreren
Transformationsgleichungen, z.B. jeweils eine Gleichung zur Ausdehnung des Drucksubstrates
quer und längs zur Druckrichtung, für welche insbesondere die Materialparameter 13,
aber auch die Druckprozessparameter 12 und die maschinenspezifischen Parameter 11
wichtig sind. Letztere Parameter 11 sind jeweils vom Typ der Druckmaschine 1 abhängig.
Eine Bogenoffsetdruckmaschine 1, wie sie in der bevorzugten Ausführungsvariante verwendet
wird, hat andere maschinenspezifische Parameter 11, bzw. andere Gewichtungsfaktoren
zwischen den Parametern als z.B. eine Rollenoffsetdruckmaschine. Das Vorhersagemodell
7 lässt sich jedoch für jeden Druckmaschinentyp anpassen. Ist das Vorhersagemodell
7 einmal erstellt, kann es für verschiedenste Druckaufträge verwendet werden. Dafür
muss es in einem nächsten Schritt für die aktuell verwendete Druckmaschine 1 kurz
eingelernt werden, da jede Druckmaschine 1, auch abhängig von den Umgebungsbedingungen,
leicht veränderte Werte für die Parameter 10 aufweist. Dazu wird für die Inbetriebnahme
des Vorhersagemodells 7 mindestens ein Probedruck durchgeführt, aus dem die Parameter
10 des Vorhersagemodells 7 z.B. vom Steuerungsrechner 8 der Druckmaschine 1 ermittelt
werden und dem Rechner 17, auf welchem das Workflowsystem 9 als digitale Vorstufe
des Druckprozesses läuft und in welches das Vorhersagemodell 7 integriert ist, zur
Verfügung gestellt. Das kann automatisch durch den Steuerungsrechner 8 der Druckmaschine
1 geschehen oder durch einen Anwender.
[0036] Der bevorzugte Aufbau des beschriebenen Systems ist in Figur 2 zu sehen. Das Vorhersagemodell
7 läuft auf dem Rechner der digitalen Vorstufe 17. Es ist in einer weiteren Ausführungsvariante
auch möglich, dass die Steuerung der Druckmaschine 1 und die digitale Vorstufe auf
demselben Rechner laufen. Die Parameter 10 müssen dabei im Rahmen eines oder mehrerer
Probedrucke eingelernt werden. Die Probedrucke können im Rahmen des Vorlaufs eines
neuen Druckauftrages geschehen. Es muss nicht zwangsläufig ein eigener Probedruck
nur für das Einlernen des Vorhersagemodells 7 durchgeführt werden. Sind die Parameter
10 einmal eingelernt, werden sie dann für verschiedene Druckaufträge verwendet. Zudem
können sie in einer weiteren Ausführungsvariante auch bereits bei der Herstellung
oder der Inbetriebnahme der Druckmaschine 1 beim Kunden ermittelt werden. Dies ist
insbesondere für die Maschinenparameter 11 sinnvoll. Diesem werden sie dann in Form
eines Datensatzes zur Verfügung gestellt. Es empfiehlt sich allerdings von Zeit zu
Zeit die Parameter 10 nach einer gewissen Betriebsdauer der Druckmaschine 1 durch
erneutes Einlernen zu aktualisieren.
Die Prozess- und Materialeinflussgrößen, welche in den entsprechenden Parametern 12,
13 quantifiziert werden, sind hingegen vom Druckauftrag abhängig und werden erst bei
Vorliegen des Druckauftrages dem Vorhersagemodell 7 zugeführt.
[0037] Ist das Einlernen durchgeführt und die Parameter 10 ermittelt, werden für den aktuellen
Druckauftrag auf der verwendeten Druckmaschine 1 mit dem Vorhersagemodell 7 die geometrischen
Abweichungen, also Passer- und Registerfehler 14, prognostiziert. Mit diesen Werten
lassen sich, analog zu aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren wo die geometrischen
Abweichungen durch Messen ermittelt werden, in der digitalen Vorstufe Gegenmaßnahmen
einleiten. Dabei werden die digitalen Druckdaten 16 entsprechend den ermittelten,
bzw. prognostizierten Fehlern 14 manipuliert, um diese Fehler 14 auszugleichen. So
wird zum Beispiel bei einer vorhergesagten Aufweitung des Druckbildes an einer bestimmten
Stelle des Druckbildes 16, an dieser Stelle das Druckbild 16 gestaucht und damit der
Fehler kompensiert.
[0038] Falls Fehler 14 prognostiziert werden, die mittels der in der digitalen Vorstufe
möglichen Kompensationsmethoden nicht korrigiert werden können, wird eine Warnung
an den Anwender ausgegeben. Meist handelt es sich dann um Einstellungsfehler oder
um nicht umsetzbare Vorgaben aus den Druckauftragsdaten 16.
[0039] Sind die digitalen Druckdaten 15 entsprechend angepasst, werden damit die Druckplatten
für den Druckauftrag gefertigt. Bei korrekter Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens
lassen sich damit die meisten Passer- und Registerfehler 14 von vornherein vermeiden.
Dies bedeutet, dass der zeit- und kostenaufwändige Einsatz der Registerverstelleinrichtungen
4, 5, 6 durch den Anwender unterbleiben kann.
[0040] In einer weiteren alternativen Ausführungsvariante kann somit sogar ganz oder zumindest
teilweise auf die Registerverstelleinrichtungen 4, 5, 6 an der Druckmaschine 1 verzichtet
werden. In Figur 1 sind die verschiedenen Registerverstelleinrichtungen 4, 5, 6 noch
einmal schematisch in einer abstrakten Darstellung eines beispielhaften Druckwerkes
2 dargestellt. Sie sind mit dem Plattenzylinder 3 verbunden und bewirken eine geringe
Lagekorrektur des Zylinders 3.
[0041] Ob dabei hinsichtlich einer effizienten Druckauftragsbearbeitung auf alle Registerverstelleinrichtungen
4, 5, 6 oder nur auf Seitenregister 5, Umfangsregister 4 und/oder Diagonalregister
6 verzichtet werden kann, hängt vom Druckmaschinentyp, dessen Einsatzgebiet und natürlich
von den Erfahrungswerten beim Einsatz des erfindungsgemäßen Verfahrens ab.
Bezugszeichenliste
[0042]
- 1
- Offset-Druckmaschine
- 2
- Druckwerk
- 3
- Plattenzylinder
- 4
- Umfangsregisterverstelleinrichtung
- 5
- Seitenregisterverstelleinrichtung
- 6
- Diagonalregisterverstelleinrichtung
- 7
- mathematisches Vorhersagemodell
- 8
- Steuerungsrechner
- 9
- Workflowsystem
- 10
- Parameter
- 11
- Maschinenparameter
- 12
- Prozessparameter
- 13
- Materialparameter
- 14
- Passer- und Registerfehler
- 15
- modifizierte Druckdaten
- 16
- ursprüngliche Druckdaten
- 17
- Rechner der Vorstufe
- 18
- Plattenbelichter
1. Verfahren zur modellbasierten Kompensation auftrags- und maschinenspezifischer Passerungenauigkeiten
und Registerfehler (14) in der Druckvorstufe eines Druckprozesses einer Druckmaschine
(1) durch einen Rechner (8, 17), die folgenden Schritte umfassend:
• Erstellen eines mathematischen Vorhersagemodells (7) für die auftrags- und maschinenspezifischen
Passerungenauigkeiten und Registerfehler (14) im Rechner (8, 17), wobei das mathematische
Vorhersagemodell (7) Einflussgrößen auf den Druckprozess und Parameter (10), bestehend
aus Maschinen-, Prozess- und Materialparametern (11, 12, 13), des Druckprozesses enthält
• Quantifizieren der Parameter (10) des Modells (7) durch Auswerten gemessener Passerabweichungen
und Registerfehler (14) im Rechner (8, 17)
• Berechnen der auftrags- und maschinenspezifischen Passerungenauigkeiten und Registerfehler
(14) der Farbauszüge unter Einsatz des erstellten Vorhersagemodells (7) und der quantifizierten
Parameter (10) im Rechner (8, 17)
• Modifikation der einzelnen Farbauszüge zur Kompensation der berechneten auftrags-
und maschinenspezifischer Passerungenauigkeiten und Registerfehler (14) im Rechner
(8, 17)
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die auftragsspezifischen Passerungenauigkeiten und Registerfehler von Materialeinflussgrößen,
wie Art des Bedruckstoffes, Grammatur des Bedruckstoffes, Aufbau des Bedruckstoffes
und Steifigkeit des Bedruckstoffes, sowie von Prozesseinflussgrößen, wie Farbbelegung
des Sujets und Zügigkeit der Farbe, sowie von auftragsspezifischen Maschineneinflussgrößen,
wie Farbreihenfolge, Temperatur der Maschine (1) und Druckgeschwindigkeit, abhängen,
welche in Form von entsprechenden Parametern (11, 12, 13) in das Modell (7) Eingang
finden.
3. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die maschinenspezifischen Passerungenauigkeiten und Registerfehler von Maschineneinflussgrößen
abhängen, die die Wirkung von Einbaulagen z.B. der Plattenspannschienen oder von Übergabeelementen
und Toleranzen z.B. der Abwicklung abbilden und in Form von entsprechenden Parametern
(11) in das Modell (7) Eingang finden.
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Maschineneinflussgrößen, quantifiziert in Form von Maschinenparametern (11),
ihrerseits die Prozess- und Materialparameter (12, 13) beeinflussen.
5. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Maschinenparameter (11) bei Durchführung des Verfahren zur modellbasierten Kompensation
bereits vorliegen, indem sie bereits während der Produktion und/oder der Auslieferung
der Druckmaschine (1) quantifiziert werden.
6. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Parameter (10) über mehrere Druckvorgänge hinweg eingelernt werden.
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das erfindungsgemäße Verfahren auftretende Passerungenauigkeiten und Registerfehler
(14) kompensiert, womit Passerjustagen mit mindestens einer der Registerverstelleinrichtungen
(4, 5, 6) im Druckprozess ersetzt werden.
8. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass auftrags- und maschinenspezifische Passerungenauigkeiten und Registerfehler (14),
welche auf einem konstanten Störeinfluss basieren, durch eine statische, zeitunabhängige
Kompensation korrigiert werden.
9. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass auftrags- und maschinenspezifischer Passerungenauigkeiten und Registerfehler (14),
welche auf dynamischen, zeitabhängigen Störeinflüssen basieren, durch ein zeitvariantes
Modell erfasst werden und durch eine zeitabhängige Kompensation korrigiert werden.
10. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Verfahren in den Workflow (9) zur Abarbeitung des Druckprozesses integriert ist
und dass die Ermittlung der Parameter (10) des Modells (1) sowie die Berechnung und
Durchführung der Kompensation vom Rechner (8, 17) automatisiert durchgeführt wird.
11. Bogenoffsetdruckmaschine (1) eingerichtet zur Umsetzung eines Verfahrens nach einem
der vorherigen Ansprüche.
12. Bogenoffsetdruckmaschine (1) nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Druckmaschine (1) wenigstens eine Registerverstelleinrichtung (4, 5, 6) durch
ein Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche ersetzt wird, wobei die wenigstens
eine Registerverstelleinrichtung (4, 5, 6) Seitenregisterverstelleinrichtungen (5),
Diagonalregisterverstelleinrichtungen (6), Umfangsregisterverstelleinrichtungen (4)
oder Plattenverzerrungseinrichtungen sein können.
13. Bogenoffsetdruckmaschine (1) nach Anspruch 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass auf passerrelevante Justagen, insbesondere die Stufung von Druckzylinder-Durchmessern
und die genaue Ausrichtung der Plattenspannschienen, im Montageprozess verzichtet
wird und diese Störgrößen durch das erfindungsgemäße Verfahren kompensiert werden.
14. Datensatz für eine Bogenoffsetdruckmaschine (1) nach den Ansprüchen 11 bis 13
dadurch gekennzeichnet,
dass der Datensatz in digitaler Form vorliegt, ein für die Bogenoffsetdruckmaschine (1)
spezifisches Passer- und Registerprofil enthält, welches von sämtlichen relevanten
Maschinenparametern (11) der Bogenoffsetdruckmaschine (1) abhängig ist und dem Workflowsystem
(9) zur Druckauftragsbearbeitung zur Verfügung gestellt wird.