[0001] Die Erfindung betrifft ein Kaltumformverfahren zur Herstellung eines Stoßdämpferrohres
sowie ein Stoßdämpferrohr, das insbesondere nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt
wurde. Hierbei werden in mehreren Kaltumform-Verfahrensschritten verschiedene Rohrbereiche
eines Präzisrohrrohlings zu Rohrabschnitten des Stoßdämpferrohres ausgebildet bzw.
umgeformt, wobei die Rohrabschnitte voneinander abweichende Rohrwandstärken und/oder
Rohrdurchmesser aufweisen. Stoßdämpferrohre sind aus verschiedenen Anwendungsbereichen
bekannt. Gerade jedoch im Kfz-Bereich sind die gestellten Anforderungen an Präzision
und Materialeigenschaften besonders hoch. Das erfindungsgemäße Stoßdämpferrohr und
dessen Herstellungsverfahren eignen sich insbesondere zur Verwendung als bzw. zur
Herstellung eines Innenrohrs für ein Zweirohr-Stoßdämpfer-/Federbeinsystem für Kraftfahrzeuge.
[0002] Um die hohen Anforderungen an Materialeigenschaften und Präzision einzuhalten, werden
Stoßdämpferrohre im Stand der Technik zumeist aus Präzisrohrrohlingen, insbesondere
gemäß DIN EN 10305-2 (November 2002) oder DIN EN 10305-3 (Februar 2003), mittels verschiedener
Herstellungsverfahren hergestellt. Besonders eignet sich hierzu ein sogenanntes axiales
Kaltumformverfahren, wobei eine plastische Umformung eines metallischen Werkstoffs
unterhalb dessen Rekristallisationstemperatur, insbesondere mittels Abstrecken, Einziehen,
Stauchen und/oder Aufweiten, stattfindet. Aufgrund der einwirkenden Umformkräfte unterliegt
der Werkstoff einer Kaltverfestigung, die zu einer Erhöhung der Werkstofffestigkeit
innerhalb der umgeformten Werkstoffbereiche führt. Ein Nachteil der bekannten Kaltumformverfahren
ist die Ausbildung von Riefen oder Poren zumeist an der Oberfläche der Rohrinnenwand
(z.B. beim Stauchen) aber auch die Entstehung von Rissen oder ähnlichen Materialfehlern
bei zu hohen Umformgraden. Aus letzterem Grund werden kaltumgeformte Rohraufweitungen
nur bis zu einer Rohrdurchmesserdifferenz von maximal 15 % vorgenommen.
[0003] Aus der
WO 2014/082666 A1 ist ein Kaltumformverfahren zur Herstellung eines Zylinderrohres für einen Stoßdämpfer
eines Kraftfahrzeugs bekannt. Mit dem beschriebenen Verfahren können in den kalt umgeformten
Bereichen jeweils gezielte Rohrwandstärken und Werkstofffestigkeiten eingestellt werden.
Insbesondere wird ausgehend vom Rohling die Wandstärke reduziert und/oder der Innen-
bzw. Außendurchmesser des Rohlings verändert. Ein derart umgeformtes Zylinderrohr
lässt sich insbesondere als Außenrohr für ein Zweirohr-Stoßdämpfer-/Federbeinsystem
für Kraftfahrzeuge verwenden.
[0004] Ein derartiges Zweirohr-Stoßdämpfer oder -Federbeinsytem ist aus der
DE 41 27 453 C1 bekannt. Solche Stoßdämpfersysteme umfassen ein Außenrohr sowie ein koaxial darin
angeordnetes Innenrohr, dessen Inneres als Arbeitsraum für den Kolbenhub dient. Der
Zwischenraum zwischen Innenrohr und Außenrohr dient als Ausgleichsraum und wird nach
einer Befüllung mit Stoßdämpferflüssigkeit mittels Dichtungen fluiddicht verschlossen.
Innenrohr und Außenrohr sind im oberen Bereich durch ein zusätzliches Kopfteil und
im unteren Bereich über einen zusätzlichen Boden miteinander verbunden.
[0005] Ein Gasdruckdämpfer in ähnlicher Zweirohr-Teleskop-Bauart ist aus der
DE 37 08 978 A1 bekannt. Innenrohr und Außenrohr sind hier mittels einer Kolbenstangenführung, die
zur Führung des Kolbens innerhalb des Innenrohrs dient, miteinander verbunden. Die
Kolbenstangenführung weist eine ringförmig verlaufende Nut zur Aufnahme einer Dichtung
auf.
[0006] Gemäß
DE 10 2004 022 409 B4 sind der Zylinder (Innenrohr) und das Mantelrohr (Außenrohr) eines Kolben-Zylinder-Aggregats
im unteren Bereich mittels eines Behälterbodens miteinander verbunden. Im oberen Bereich
dient eine Zylinderaufnahme mit Kolbenstangenführung zur Aufnahme des Zylinders. Die
Kolbenstangenführung weist einen Winkelring auf, in den eine Dichtung einlegbar ist.
[0007] Die zuvor beschriebenen Stoßdämpfer-Systeme weisen jeweils ein Innenrohr einfacher
zylindrischer Bauart auf. Weitere Funktionalitäten, z.B. die Aufnahme von Dichtungen
oder auch bauliche Verbindungen zwischen Außen- und Innenrohr werden mittels zusätzlicher
Bauteile bzw. Fügeteile realisiert. Derlei Zusatzteile führen oftmals zu unerwünschter
Geräuschentwicklung wie Klappern, was gerade bei Verwendung als Stoßdämpfersystem
in einem Kraftfahrzeug als äußerst störend empfunden wird.
[0008] Daher ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein verbessertes Stoßdämpferdämpferrohr
sowie ein Verfahren zu dessen Herstellung anzugeben.
[0009] Die Erfindungsaufgabe wird durch ein Kaltumformverfahren gemäß Anspruch 1 sowie durch
ein Stoßdämpferrohr gemäß Anspruch 13 gelöst.
[0010] Ein erfindungsgemäßes Kaltumformverfahren der eingangs beschriebenen Art kennzeichnet
sich dadurch, dass ein erster Rohrbereich zur Ausbildung eines Dickwandabschnitts
in einem Stauchungsschritt gestaucht wird. Die Rohrwandstärke im Bereich des Dickwandabschnitts
wird hierbei gegenüber der Rohrwandstärke des Präzisrohrrohlings erhöht. Insbesondere
wird beim Stauchen eine Druckkraft in axialer Richtung auf den zu stauchenden Rohrbereich
derart aufgebracht, dass das Rohrmaterial radial in Richtung der Rohraußenwand kalt
umgeformt wird. Die Entstehung von Rissen oder ähnlichen Materialfehlern, die zu Einbußen
der Materialqualität führen würden, wird hierbei vermieden. Zusätzlich oder alternativ
werden zwei einander benachbarte Rohrbereiche mit einer Rohraufweitung ausgebildet,
wobei die Rohraufweitung zwischen den Rohrbereichen angeordnet ist. Unter einer Rohraufweitung
ist ein konisch verlaufender Abschnitt der Rohrwandung zu verstehen, der einen zweiten
Rohrbereich mit einem benachbarten Rohrbereich verbindet. Der zweite Rohrbereich,
wird hierzu mit einem ersten Rohrdurchmesser ausgebildet und der benachbarte Rohrbereich
mit einem zweiten Rohrdurchmesser, wobei die Differenz zwischen dem ersten Rohrdurchmesser
und dem zweiten Rohrdurchmesser mindestens 20%, insbesondere mindestens 30% beträgt.
Vorzugsweise weist ein Rohrendenabschnitt einen Rohrdurchmesser auf, der um mind.
20% größer ist als der Rohrdurchmesser eines benachbarten Rohrmittelstücks. Zur Ermittlung
der Rohrdurchmesserdifferenz werden entweder die jeweiligen Rohraußendurchmesser oder
die jeweiligen Rohrinnendurchmesser zueinander ins Verhältnis gesetzt. Die Rohraufweitung
kann z.B. mittels Einziehen und/oder Aufweiten kalt umgeformt werden, wobei die Entstehung
von Rissen oder ähnlichen Materialfehlern, die zu Einbußen der Materialqualität führen
würden, innerhalb der Rohrwandungen der entsprechenden Rohrbereiche vermieden wird.
[0011] Wird das Verfahren zur Herstellung eines Innenrohrs für einen Zweirohr-Stoßdämpfer
verwendet, ist es vorteilhaft den Dickwandabschnitts sowie einen Rohrendenabschnitt
des Innenrohrs mit einem Rohraußendurchmesser auszubilden, der im Wesentlichen dem
Rohrinnendurchmesser eines Außenrohrs für denselben Zweirohr-Stoßdämpfer entspricht.
Auf diese Weise können das Innenrohr und das Außenrohr miteinander verbunden, z. B.
verschweißt werden, und/oder gegeneinander abgedichtet werden, ohne dass zusätzliche
Bau- und/oder Fügeteile benötigt werden.
[0012] Nach einer vorteilhaften Verfahrensausgestaltung wird eine Oberflächenstruktur einer
Rohrinnenwandung im Bereich des Dickwandabschnitts während des Stauchens im Wesentlichen
nicht verändert. Insbesondere entstehen weder Kerben, noch Nuten, Rillen, Riefen,
Poren oder ähnliche Unebenheiten innerhalb der Oberfläche der Rohrinnenwand, die bei
herkömmlichen Stauchverfahren eine Folge des radial von innen nach außen stattfindenden
Materialversatzes sind. Je nach Ausgangsmaterial des Präzisrohrrohlings lässt sich
bspw. eine Rauheit von höchstens 5 µm auch an der Oberfläche der Rohrinnenwand des
Dickwandabschnitts erzielen. Unabhängig von der Oberflächenstruktur der Rohrinnenwand
können Rohrwandstärke und/oder Rohrdurchmesser innerhalb des Dickwandabschnitts variieren.
[0013] In einer optionalen Variante des Verfahrens wird ein Rohrinnendurchmesser im Bereich
des Dickwandabschnitts während des Stauchungsschritts im Wesentlichen nicht verändert.
Insbesondere wird der erste Rohrbereich derart gestaucht, dass der Rohrinnendurchmesser
entlang des gesamten Dickwandabschnitts nicht verändert wird bzw. konstant (innerhalb
der üblichen Toleranzen von +/- 0,03 mm) gehalten wird.
[0014] Vorteilhafterweise wird die Rohrwandstärke im Bereich der Rohraufweitung gegenüber
der Rohrwandstärke des Präzisrohrrohlings reduziert bzw. als Dünnwandabschnitt, d.h.
in Leichtbauweise ausgebildet. Durch eine Reduzierung der Rohrwandstärke um mindestens
50 % lassen sich erhebliche Gewichtseinsparungen erreichen.
[0015] Vorzugsweise umfasst das Kaltumformverfahren einen Einziehschritt, wobei durch einmaliges
oder mehrmaliges Einziehen, der Durchmesser des Präzisrohrrohlings zumindest bereichsweise
reduziert wird. Beim an sich bekannten Einziehen findet die Reduzierung des Rohrdurchmessers
durch die Einwirkung eines axialen Schubs statt. Beispielsweise erfolgt das Einziehen
ausgehend von einem Rohrendbereich in axialer Richtung entlang des gewünschten Rohrbereichs.
Die Reduzierung des Ausgangs-Rohrdurchmessers auf den erforderlichen End-Rohrdurchmesser
kann entweder in einem Schritt oder schrittweise durch mehrmaliges, aufeinander folgendes
Einziehen erfolgen. Insbesondere werden hierzu mehrere Einziehmatrizen mit abnehmendem
Innendurchmesser zu einem Mehrfachzug hintereinander geschaltet.
[0016] In einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird in einem Abstreckschritt
die Rohrwandstärke durch einmaliges oder mehrmaliges Abstrecken zumindest bereichsweise
reduziert. Beim an sich bekannten Abstrecken wirkt die Umformkraft in axialer Richtung
mittels einer Einziehmatrize auf die Rohrwandung ein. Dies führt einerseits zu einer
Reduzierung der Rohrwandstärke, andererseits zu einer Verlängerung des Rohlings in
Schubrichtung der Einziehmatrize. Auch die Reduzierung der Rohrwandstärke kann durch
einen oder mehrere, aufeinander folgende Abstreckvorgänge bzw. mittels eines Mehrfachzugs
entlang des jeweils gewünschten Rohrbereichs erfolgen.
[0017] Optional umfasst das Kaltumformverfahren einen Rohrwandstärken-Reduzierungschritt
zur spanabhebenden Reduzierung der Rohrwandstärke in einem oder mehreren der Rohrbereiche.
Beispielsweise lässt sich die Rohrwandstärke in den gewünschten Rohrbereichen durch
Drehen reduzieren. Im Gegensatz zum Abstrecken wird das Rohrmaterial hierbei nicht
umgeformt sondern abgetragen, sodass keine Kaltverfestigung, die zu einer erhöhten
Werkstofffestigkeit führt stattfindet. Vorzugsweise eignet sich die Reduzierung der
Rohrwandstärke durch spanabhebende Bearbeitung für einen oder beide Rohrendabschnitte.
[0018] Gemäß einer Verfahrensvariante wird die Rohraufweitung mittels eines Aufweitschritts
ausgebildet, wobei der zweite Rohrbereich gegenüber einem benachbarten Rohrbereich
um mindestens 20 % aufgeweitet wird. Hierzu wird ein Aufweitdorn ausgehend von einem
Rohrendabschnitt in das Rohrinnere eingeführt. Ähnlich wie beim Einziehen wirkt die
Umformkraft auch beim Aufweiten in axialer Richtung auf die Rohrwandung ein. Hierdurch
wird eine Vergrößerung des Rohrdurchmessers erzielt, während die Rohrwandstärke und
folglich die Gesamtlänge des Rohrrohlings unverändert bleiben.
[0019] Nach einer weiteren Verfahrensvariante wird der Stauchungsschritt mit einem Aufweitschritt
kombiniert, wobei z.B. der erste Rohrbereich aufgeweitet und zur Ausbildung des Dickwandabschnitts
gestaucht wird. Vorzugsweise wird der Präzisrohrrohling während des Aufweitschritts
derart fixiert, dass eine mittels eines Aufweitdorns axial aufgebrachte Schubkraft
zu einer Anstauung des Rohrmaterials in radialer Richtung führt. D.h., bereits während
des Aufweitens kann eine Materialanstauung im Bereich des Dickwandabschnitts erzeugt
und zur Stauchung genutzt werden.
[0020] In einer bevorzugten Verfahrensausgestaltung werden einer oder mehrere Rohrbereiche
mit einer geringeren Werkstofffestigkeit ausgebildet. Im Kaltumformverfahren wird
eine Erhöhung der Werkstofffestigkeit durch Kaltverfestigung erlangt. Je höher der
Umformgrad, desto höher die resultierende Werkstofffestigkeit. Insbesondere werden
einer oder beide Rohrendabschnitte, die mit einer Rohraufweitung ausbildbar sind und/oder
ein Rohrbereich der zur Ausbildung eines Dickwandabschnitts gestaucht wird, mit einem
(zunächst) geringeren Umformgrad ausgebildet. Durch spätere Kaltumformverfahrensschritte,
wie Stauchen, Aufweiten, Abstrecken und/oder Einziehen lässt sich die Werkstofffestigkeit
in den entsprechenden Rohrbereichen weiter erhöhen.
[0021] Nach einer optionalen Verfahrensvariante wird in einem Vorbearbeitungsschritt, der
dem Stauchungsschritt vorausgeht, eine Stauchungskante mittels spanabhebender Bearbeitung,
insbesondere durch Drehen ausgebildet. Die Stauchungskante eignet sich als Angriffsfläche
für ein Stauchungswerkzeug, eine sogenannte Druckhülse, die eine Druckkraft in axialer
Richtung auf die entsprechende Rohrwandung aufbringt.
[0022] In einem optionalen Verfahrensschritt, einem Rohrenden-Bearbeitungsschritt, werden
eines oder beide Rohrenden des Präzisrohrrohlings gekürzt. Insbesondere wird ein axial
außen liegender Bereich des entsprechenden Rohrendes mittels eines Drehvorgangs abgestochen.
[0023] Das erfindungsgemäße Kaltumformverfahren kann neben der Herstellung von Stoßdämpferinnenrohren
auch zur Herstellung anderer Stoßdämpferrohre, wie beispielsweise von Stoßdämpferaußenrohren,
aber auch zur Herstellung sonstiger Rohre in anderen Anwendungsgebieten mit hohen
Anforderungen an Materialeigenschaften und Präzision Verwendung finden.
[0024] Hinsichtlich des Stoßdämpferrohres wird die Erfindungsaufgabe durch ein Stoßdämpferrohr
gemäß Anspruch 13 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sind in den zugehörigen Unteransprüchen
genannt. Das Stoßdämpferrohr sowie dessen Ausgestaltungen und Vorteile wurden zum
Großteil bereits anhand des erfindungsgemäßen Verfahrens erläutert. Nachfolgend werden
daher lediglich ein Teil der Merkmale und/oder deren Vorteile näher erläutert.
[0025] Bezüglich eines erfindungsgemäßen Stoßdämpferrrohres weist insbesondere eine Oberflächenstruktur
einer Rohrinnenwandung im Bereich des Dickwandabschnitts weder Kerben, noch Nuten,
Rillen, Riefen, Poren oder ähnliche Unebenheiten innerhalb der Oberfläche der Rohrinnenwand
auf, die bei herkömmlichen Stauchungsverfahren eine Folge des radial von innen nach
außen stattfindenden Materialversatzes sind. In vorteilhafter Ausgestaltung weist
das Stoßdämpferrohr entlang der gesamten Oberfläche der Rohrinnenwandung, eine selbe
Oberflächenqualität auf, wobei die Rauhheit höchstens 5 µm beträgt. In einer weiteren
vorteilhaften Ausgestaltung ist das Stoßdämpferrohr als Leichtbauteil ausgeführt.
Beispielsweise sind alle Rohrabschnitte (d.h., auch die Rohraufweitung), mit Ausnahme
des Dickwandabschnitts, dünnwandig ausgebildet. Das Verhältnis der Rohrwandstärke
zwischen einem Dickwand- und einem Dünnwandabschnitt beträgt hierbei in etwa 1:4.
Insbesondere weist der Dickwandabschnitt eine minimale Rohrwandstärke von 7 mm auf
und die Dünnwandabschnitte eine maximale Rohrwandstärke von 1,7 mm. Die Rohrwandungen
sind frei von Rissen oder ähnlichen Materialfehlern. Zur Aufnahme einer Dichtung,
insbesondere eines O-Rings ist der Dickwandabschnitt mit einer umlaufenden Nut bzw.
Ringnut versehen.
[0026] Weitere Einzelheiten, Merkmale, Merkmals(unter) kombinationen, Vorteile und Wirkungen
auf der Basis der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung der bevorzugten
Ausführungsbeispiele der Erfindung und den Zeichnungen. Es zeigen, jeweils in einer
schematischen Prinzipskizze
Figur 1 bis 8 die Verfahrensschritte einer ersten Kaltumformverfahrensvariante zur
Herstellung eines Innenrohrs aus einem Präzisrohrrohling,
Figur 9 ein Innenrohr, das gemäß einer ersten Kaltumformverfahrensvariante aus einem
Präzisrohrrohling umgeformt wurde,
Figur 10 ein Innenrohr mit gestanzten Durchgangslöchern,
Figur 11 bis 18 die Verfahrensschritte einer zweiten Kaltumformverfahrensvariante
zur Herstellung eines Innenrohrs aus einem Präzisrohrrohling,
Figur 19 ein Innenrohr, das gemäß einer zweiten Kaltumformverfahrensvariante aus einem
Präzisrohrrohling umgeformt wurde.
[0027] Figur 1 zeigt einen zylindrischen Präzisstahlrohr-Rohling 1 aus einem Werkstoff E
235 bzw. E 195, normalgeglüht, gemäß DIN EN 10305-2: 2010-05, mit einem Nennaußendurchmesser
D
N von bspw. 48 mm und einer Rohrwandstärke S
R von bspw. 4 mm. Der Präzisrohrrohling 1 dient als Ausgangsrohling für eine erste
Variante des erfindungsgemäßen axialen Kaltumformverfahrens zur Herstellung eines
Innenrohrs 2 (s. Fig. 9) für ein Zweirohr-Stoßdämpfersystem, mit einem Innendurchmesser
von bspw. 32 mm. Der Präzisrohrrohling 1 weist an einem ersten Rohrende einen ersten
Rohrbereich 101 und an einem zweiten Rohrende einen zweiten Rohrbereich 102 auf.
[0028] Gemäß Figur 2 wird in einem ersten Einziehschritt der Rohrdurchmesser des Präzisrohrrohlings
1 mittels einer Einziehmatrize 3 eingezogen bzw. reduziert. Der Einziehschritt kann
durch einen oder mehrere, hintereinander ausgeführte Einziehvorgänge erfolgen. Innerhalb
des ersten Rohrbereichs 101 befindet sich ein Stützdorn 5, dessen Außendurchmesser
dem Innendurchmesser des bereits eingezogenen, ersten Rohrbereichs 101 entspricht.
Der Stützdorn 5 ist axial entlang des Doppelpfeils A bewegbar. Am axial gegenüberliegenden,
zweiten Rohrbereich 102 ist ein Schubstößel 7 angeordnet, dessen Schubseite 701 sich
an der Stirnseite des zweiten Rohrbereichs 102 abstützt. Der Schubstößel 7 ist axial
entlang des Doppelpfeils B bewegbar. Ein Führungszapfen 702 ist passgenau in das Innere
des zweiten Rohrbereichs 102 eingeschoben und dient der präzisen Führung des Schubstößels
7. Während des Einziehens übt der Schubstößel 7 eine Schubkraft auf das Rohrende des
zweiten Rohrbereichs 102 aus, wodurch der Präzisrohrrohling 1 axial in Richtung der
Einziehmatrize 3 bewegt wird. Der Präzisrohrrohling 1 wird zwischen Einziehmatrize
3 und Stützdorn 5 hindurch geschoben, wodurch der Rohrdurchmesser reduziert wird.
Ein Ausstoßer 9 ist axial entlang des Doppelpfeils C bewegbar und zum Auslösen des
Stützdorns 5 aus dem bereits eingezogenen, ersten Rohrbereich 101 vorgesehen.
[0029] In einem ersten Abstreckvorgang gemäß Figur 3 wird ein erster Abstreckdorn 11a im
Inneren des Präzisrohrrohlings 1 platziert. Der erste Abstreckdorn 11a umfasst einen
Führungszapfen 111 a, dessen Durchmesser in etwa dem Rohrinnendurchmesser des eingezogenen
ersten Rohrbereichs 101 entspricht, eine Mitnehmerkante 112a, die sich an einer inneren
Übergangskante 103 zwischen dem eingezogenen, ersten Rohrbereich 101 und einem nicht
eingezogenen Bereich des Präzisrohrrohlings 1 abstützt sowie einen vorderen Arbeitsabschnitt
113a, dessen Durchmesser bspw. 32 mm beträgt und einen hinteren Arbeitsabschnitt 114a,
dessen Durchmesser bspw. 39,5 mm beträgt. Während des Abstreckens wird der erste Abstreckdorn
11a axial in Richtung des Pfeils D bewegt. Die Mitnehmerkante 112a ist zum formschlüssigen
Eingriff mit der Übergangskante 103 ausgebildet, sodass der erste Abstreckdorn 11a
den Präzisrohrrohling 1 entlang seiner axialen Bewegungsrichtung "mitnimmt" und durch
eine erste Abstreckmatrize 13a führt. Ausgehend von der Übergangskante 103 wird der
Präzisrohrrohling 1 entlang der Arbeitsabschnitte 113a, 114a abgestreckt. Hierbei
wird der Präzisrohrrohling 1 im Bereich des vorderen Arbeitsabschnitts 113a mit einer
höheren Rohrwandstärke ausgebildet, als im Bereich des hinteren Arbeitsabschnitts
114a, wobei der Präzisrohrrohling 1 einen einheitlichen Rohraußendurchmesser entlang
des abgestreckten Bereichs aufweist. Ein Abstreifer 15 ist zum Auslösen des ersten
Abstreckdorns 11a aus dem Präzisrohrrohling 1 entlang des Doppelpfeils E radial bewegbar.
[0030] In Figur 4 ist eine erste Endposition EP 1 innerhalb des zweiten Rohrbereichs 102
markiert, die das Ende des mittels des ersten Abstreckvorgangs abgestreckten Rohrbereichs
darstellt. Zur Durchführung eines zweiten Abstreckvorgangs umfasst ein zweiter Abstreckdorn
17a einen Führungszapfen 171 a, eine Mitnehmerkante 172a, die formschlüssig in die
Übergangskante 103 des Präzisrohrrohlings 1 eingreift sowie einen Arbeitsabschnitt
173a, dessen Durchmesser bspw. 32 mm beträgt. Während des zweiten Abstreckvorgangs
wird der Präzisrohrrohling 1 mit Hilfe des zweiten Abstreckdorns 17a in Richtung des
Pfeils D bewegt und mittels einer zweiten Abstreckmatrize 19a abgestreckt. Der Abstreifer
15 ist entlang des Doppelpfeils E radial bewegbar und dient dem Auslösen des zweiten
Abstreckdorns 17a aus dem Präzisrohrrohling 1.
[0031] Gemäß Figur 5 findet ein dritter Abstreckvorgang des Präzisrohrrohlings 1 mit einem
dritten Abstreckdorn 21 a, der einen Führungszapfen 211 a, eine Mitnehmerkante 212a
zum Eingriff in die Übergangskante 103 sowie einen vorderen Arbeitsabschnitt 213a
und einen hinteren Arbeitsabschnitt 214a aufweist. Der hintere Arbeitsabschnitt 214a
ist konisch ausgebildet und dient der Auskalibrierung bzw. der Wandstärkenreduzierung
einer konisch verlaufenden Rohraufweitung 204 innerhalb des zweiten Rohrbereichs 102.
Die dritte Abstreckmatrize 23a weist eine hierzu komplementäre, konische Innenfläche
231 a auf. Ein vierter Abstreckvorgang gemäß Figur 6 wird mittels eines vierten Abstreckdorns
25a mit einem Führungszapfen 251 a, einer Mitnehmerkante 252a und einem Arbeitsabschnitt
253a sowie einer vierten Abstreckmatrize 27a durchgeführt. Die Rohrwandstärke des
Präzisrohrrohlings 1 wird hierbei lediglich bis zur ersten Endposition EP 1 innerhalb
des zweiten Rohrbereichs 102 auf bspw. 1,7 mm abgestreckt, sodass ein axial äußerer
Rohrendabschnitt 104 mit geringerer Werkstofffestigkeit verbleibt.
[0032] In Figur 7 ist der Präzisrohrrohling 1 nach der Durchführung eines Vorbearbeitungsschritts
dargestellt. Während des Vorbearbeitungsschritts wird einerseits die Rohrwandstärke
des ersten Rohrbereichs 101 teilweise durch Drehen reduziert, sodass eine Stauchungskante
105 entsteht. Andererseits wird der äußere Rohrendenabschnitt 104 (s. Figur 6) durch
Drehen entfernt bzw. abgestochen.
[0033] Ein Stauchungs-/Aufweitschritt zur Stauchung und Aufweitung des ersten Rohrbereichs
101 ist in Figur 8 dargestellt. Ein Aufweitdorn 29a wird hierzu axial in das Innere
des ersten Rohrbereichs 101, entlang des Doppelpfeils F geschoben. Ein Gegenhalter
31 a, der axial entlang des Doppelpfeils G bewegbar ist, arretiert den Präzisrohrrohling
1 in axialer Richtung. Zur radialen Arretierung umgibt eine 2-teilige Matrize 33a
den Präzisrohrrohling 1, die entlang des Doppelpfeils H scharniergelenkig auf- bzw.
zuklappbar ist. Die 2-teilige Matrize 33a wird wiederum in axialer Richtung zwischen
einer Druckplatte 35a sowie einem federgestützten Matrizenring 37a, der axial entlang
des Doppelpfeils K bewegbar ist, fixiert. Der Aufweitdorn 29a umfasst einen konischen
Arbeitsabschnitt 291 a welcher das Rohrmaterial des Präzisrohrrohlings 1 radial in
Richtung der Rohraußenwand umformt, sodass eine Rohraufweitung im ersten Rohrbereich
101 ausgebildet wird. Gleichzeitig wird eine Materialverdickung bzw. -anstauung 106
zwischen dem konischen Arbeitsabschnitt 291 a und einer Innenkante 331 a der 2-teiligen
Matrize 33a erzeugt. Eine Druckhülse 39a ist axial entlang des Doppelpfeils I bewegbar
und greift an der Stauchungskante 105 des Präzisrohrrohlings 1 an. Hierbei wird der
erste Rohrbereich 101 mit einem Druck (bis zu 100 t) beaufschlagt, sodass das Rohrmaterial
in radialer Richtung umgeformt bzw. gestaucht wird. Da der Aufweitdorn 29a eine Materialverlagerung
in das Rohrinnere verhindert, wird das Material so lange radial nach außen verlagert,
bis ein Anschlag 371 a des federgestützten Matrizenrings 37a erreicht ist. Die gewünschte
Formgebung des aufgeweiteten/gestauchten ersten Rohrbereichs 101 wird präzise durch
die Geometrie der ineinander greifenden und/oder zueinander komplementär angeordneten
Werkzeugkomponenten, insbesondere des Aufweitdorns 29a, der 2-teiligen Matrize 33a,
der Druckhülse 39a und des Matrizenrings 37a festgelegt.
[0034] In Figur 9 ist ein Innenrohr 2 dargestellt, das aus einem Präzisrohrrohling 1 kaltumgeformt
wurde. Das Innenrohr 2 umfasst einen Dickwandabschnitt 201, einen Rohrendenabschnitt
202, dessen Rohrinnendurchmesser bspw. 39,5 mm beträgt, ein Rohrmittelstück 203 dessen
Rohrinnendurchmesser bspw. 32 mm beträgt sowie eine dazwischen angeordnete, konisch
verlaufenden Rohraufweitung 204. Der Dickwandabschnitt 201 weist einen variablen Rohrinnendurchmesser
auf und kann mit einer maximalen Rohrwandstärke von bspw. 7 mm ausgebildet sein. Innerhalb
des Dickwandabschnitts 201 ist eine Ringnut 205, insbesondere durch Drehen ausgebildet,
die zur Aufnahme, bspw. einer O-Ring Dichtung geeignet ist. Mit Ausnahme des Dickwandabschnitts
201 ist das Innenrohr 2 nach Leichtbauweise mit einer Rohrwandstärke von bspw. 1,7
mm ausgebildet. Figur 10 zeigt einen Teil des Innenrohrs 2 aus Figur 9, in dessen
Rohraufweitung 204 z. B. vier Durchgangslöcher 206 gestanzt sind. Gemäß dem Pfeil
L wurden die Durchgangslöcher 206 ausgehend vom Rohrinneren in Richtung des Rohräußeren
gestanzt. Zum Einbau in ein Zweirohr-Stoßdämpfersystem wird der Rohrendenabschnitt
202 des Innenrohrs 2 mit einem entsprechenden Rohrabschnitt eines Außenrohrs fluiddicht
verbunden. Die Durchgangslöcher 206 dienen der Verbindung des Arbeitsraums mit dem
Ausgleichsraum.
[0035] Figur 11 stellt den zylinderförmigen Präzisstahlrohr-Rohling 1 in einer entlang der
mittleren Querachse gespiegelten Ansicht gegenüber der Figur 1 dar. Der Präzisrohrrohling
1 dient als Ausgangsrohling für eine zweite Variante des erfindungsgemäßen axialen
Kaltumformverfahrens zur Herstellung eines Innenrohrs 2 (s. Figur 19) für ein Zweirohr-Stoßdämpfersystem,
mit einem Innendurchmesser von bspw. 36 mm. Der Präzisrohrrohling 1 weist an seinem
ersten Rohrende einen ersten Rohrbereich 101 und an seinem zweiten Rohrende einen
zweiten Rohrbereich 102 auf.
[0036] Anders als in der ersten Variante wird gemäß Figur 12 in einem Einziehschritt ein
zweiter Rohrbereich 102 des Präzisrohrrohlings 1 mittels einer Einziehmatrize 3 gekrümpelt,
d.h. lediglich die Stirnseite des Rohrendbereichs 102 wird radial in das Rohrinnere
weisend umgeformt. Auf einen Stützdorn 5, gemäß Figur 2, kann hierbei verzichtet werden.
Der Schubstößel 7 dient analog der ersten Verfahrensvariante der Aufbringung eines
axialen Schubs in Richtung der Einziehmatrize 3, entlang des Doppelfeils B auf den
Präzisrohrrohling 1 und wird mittels des Führungszapfens 702 geführt.
[0037] Gemäß Figur 13 kann ein optionaler Rohrwandstärken-Reduzierungsschritt zur Reduzierung
der Rohrwandstärke des zweiten Rohrbereichs 102 des Präzisrohrrohlings 1 erfolgen.
In Figur 14 wird der Präzisrohrrohling 1 in einem ersten Abstreckvorgang auf eine
einheitliche Rohrwandstärke abgestreckt. Hierzu greift ein erster Abstreckdorn 11
b mit einer Mitnehmerkante 112b an der Krümpelung 106 des zweiten Rohrbereichs 102
an, sodass der Präzisrohrrohling 1 in Richtung des Pfeils D "mitgenommen" und durch
die erste Abstreckmatrize 13b geführt wird. Der Abstreifer 15 ist entlang des Doppelpfeils
E radial bewegbar und dient dem Auslösen des ersten Abstreckdorns 11 b aus dem Präzisrohrrohling
1.
[0038] Figur 15 stellt einen zweiten Abstreckvorgang mit einem zweiten Abstreckdorn 17b
dar, dessen Mitnehmerkante 172b sich an der Krümpelung 106 des zweiten Rohrbereichs
102 abstützt und den Präzisrohrrohling 1 in Arbeitsrichtung (Pfeil D) durch die zweite
Abstreckmatrize 19b führt. Die Rohrwandstärke des Präzisrohrrohlings 1 wird ausgehend
von der Krümpelung 106 bis hin zu einer zweiten Endposition EP 2 reduziert. Ein dritter
Abstreckvorgang ist der Figur 16 zu entnehmen. Mithilfe eines dritten Abstreckdorns
21 b, der eine Mitnehmerkante 212b aufweist, wird der Präzisrohrrohling 1 ausgehend
von dessen Krümpelung 106 bis hin zur zweiten Endposition EP 2 auf eine Rohrwandstärke
von bspw. 1,7 mm abgestreckt. Hierzu umfasst eine Zwillingsmatrize 41 einen Abstreckabschnitt
411 mit entsprechendem Innendurchmesser. Der Innendurchmesser eines Bügelabschnitts
412 der Zwillingsmatrize 41 entspricht dem Rohraußendurchmesser des ersten Rohrbereichs
101. Während des Abstreckvorgangs "bügelt" der Bügelabschnitt 412 den ersten Rohrbereich
101, wodurch dieser exakt am Abstreckdorn 21 b zum Anliegen kommt, dessen Rohrwandstärke
jedoch nicht verändert wird.
[0039] Figur 17 stellt den Präzisrohrrohling 1 in einer entlang der mittleren Querachse
gespiegelten Ansicht gegenüber den Figuren 11 bis 16 dar. Analog zur Figur 7 der ersten
Verfahrensvariante, ist die Durchführung eines Vorbearbeitungsschritts dargestellt.
Hierbei wird die Rohrwandstärke des Präzisrohrrohlings 1 innerhalb des ersten Rohrbereichs
101 teilweise durch Drehen reduziert, sodass eine Stauchungskante 105 entsteht. Die
stirnseitig am zweiten Rohrbereich 102 angeordnete Krümpelung 106 (s. Fig. 16) wird
ebenfalls mittels einer Drehoperation entfernt bzw. abgestochen und ist bereits nicht
mehr dargestellt.
[0040] Figur 18 zeigt einen Stauchungs-/Aufweitschritt der zweiten Verfahrensvariante. Zur
Stauchung des ersten Rohrbereichs 101 ist ein Stützdorn 43, der entlang des Doppelpfeils
N in axialer Richtung bewegbar ist, innerhalb des ersten Rohrbereichs 101 passgenau
angeordnet. Analog zur ersten Verfahrensvariante greift eine Druckhülse 39b an der
Stauchungskante 105 an und übt einen hohen Druck (bis zu 100t) auf diese aus. Ein
Gegenhalter 31 b sowie eine 2-teilige Matrize 33b arretieren den Präzisrohrrohling
1 in axialer Richtung, sodass eine radiale Stauchung des Rohrmaterials innerhalb des
ersten Rohrbereichs 101 resultiert. Der Stützdorn 43 verhindert eine Materialverlagerung
in das Rohrinnere. Durch den aufgebrachten Druck wird das Rohrmaterial so lange radial
nach außen verlagert, bis ein Anschlag 371 b eines federgestützten Matrizenrings 37b
erreicht ist. Die gewünschte Formgebung des gestauchten ersten Rohrbereichs 101 wird
präzise durch die Geometrie der ineinander greifenden und/oder zueinander komplementär
angeordneten Werkzeugkomponenten, insbesondere des Stützdorns 43, der 2-teiligen Matrize
33b, der Druckhülse 39b und des Matrizenrings 37b festgelegt. Der zweite Rohrbereich
102 wird mittels eines Aufweitdorns 29b, der einen konischen Arbeitsabschnitt 291
b umfasst aufgeweitet. Die 2-teilige Matrize 33b, die entlang des Doppelpfeils H scharniergelenkig
aufklappbar ist, weist hierzu einen komplementär angeordneten, ebenfalls konischen
Abschnitt 331 b auf. Eine Druckplatte 35b stützt die 2-teilige Matrize 33b in axialer
Richtung ab. Vorzugsweise geht der Stauchvorgang dem Aufweitvorgang voraus. Im Gegensatz
zur ersten Verfahrensvariante bleibt der Rohrinnendurchmesser des ersten Bereichs
101 während des gesamten Aufweit-/Stauchschritts unverändert.
[0041] In Figur 19 ist ein Innenrohr 2 dargestellt, das aus einem Präzisrohrrohling 1 kaltumgeformt
wurde. Das Innenrohr 2 umfasst einen Dickwandabschnitt 201, einen Rohrendenabschnitt
202 dessen Rohrinnendurchmesser bspw. 39,5 mm beträgt, ein Rohrmittelstück 203 sowie
eine dazwischen angeordnete, konisch verlaufende Rohraufweitung 204. Mit Ausnahme
des Rohrendenabschnitts 202 und der Rohraufweitung 204 beträgt der Rohrinnendurchmesser
des Innenrohrs 2 konstant bspw. 36 mm. Innerhalb des Dickwandabschnitts 201 ist eine
Ringnut 205 angeordnet, die zur Aufnahme, beispielsweise einer O-Ring Dichtung, insbesondere
durch Drehen ausgebildet ist. Die Rohrwandstärke des Innenrohrs 2 beträgt bspw. 1,7
mm innerhalb der dünnwandigen Abschnitte und bspw. 5 mm innerhalb des Dickwandabschnitts
201. Das Innenrohr 2 gemäß Figur 19 kann ebenfalls mit gestanzten Durchgangslöchern
206 (s. Fig. 10) versehen sein.
[0042] Die einzelnen Verfahrensschritte der beiden Verfahrensvarianten lassen sich beliebig
miteinander kombinieren, wodurch einerseits die zuvor beschriebenen Varianten abgeändert
werden können, aber auch neue Verfahrensvarianten entstehen.
- 1
- Präzisrohrrohling
- 101
- erster Rohrbereich
- 102
- zweiter Rohrbereich
- 103
- Übergangskante
- 104
- äußeres Rohrendstück
- 105
- Stauchungskante
- 106
- Krümpelung
- 2
- Innenrohr
- 201
- Dickwandabschnitt
- 202
- Rohrendenabschnitt
- 203
- Rohrmittelstück
- 204
- Rohraufweitung
- 205
- Ringnut
- 206
- Durchgangsloch
- 3
- Einziehmatrize
- 5
- Stützdorn
- 7
- Schubstößel
- 701
- Schubkante
- 702
- Führungszapfen
- 9
- Ausstoßer
- 11a, b
- erster Abstreckdorn
- 111a
- Führungszapfen
- 112a, b
- Mitnehmerkante
- 113a
- vorderer Arbeitsabschnitt
- 114a
- hinterer Arbeitsabschnitt
- 13a, b
- erste Abstreckmatrize
- 15
- Abstreifer
- 17a, b
- zweiter Abstreckdorn
- 171 a
- Führungszapfen
- 172a, b
- Mitnehmerkante
- 173a
- Arbeitsabschnitt
- 19a, b
- zweite Abstreckmatrize
- 21 a, b
- dritter Abstreckdorn
- 211 a
- Führungszapfen
- 212a, b
- Mitnehmerkante
- 213a
- vorderer Arbeitsabschnitt
- 214a
- hinterer Arbeitsabschnitt
- 23a
- dritte Abstreckmatrize
- 231 a
- konische Innenfläche
- 25a
- vierter Abstreckdorn
- 251 a
- Führungszapfen
- 252a
- Mitnehmerkante
- 253a
- Arbeitsabschnitt
- 27a
- vierte Abstreckmatrize
- 29a, b
- Aufweitdorn
- 291 a, b
- konischer Arbeitsabschnitt
- 31a, b
- Gegenhalter
- 33a, b
- 2-teilige Matrize
- 331 a
- Innenkante
- 35a, b
- Druckplatte
- 37a, b
- Matrizenring
- 371a, b
- Anschlag
- 39a, b
- Druckhülse
- 41
- Zwillingsmatrize
- 411
- Abstreckabschnitt
- 412
- Bügelabschnitt
- 43
- Stützdorn
- A, B, C, E, F, G, H, I, K, N
- Doppelpfeil
- D, L
- Pfeil
- EP 1
- erste Endposition
- EP 2
- zweite Endposition
- DN
- Nenndurchmesser des Präzisrohrrolings
- SR
- Rohrwandstärke des Präzisrohrrohlings
1. Kaltumformverfahren zur Herstellung eines Stoßdämpferrohres (2), insbesondere eines
Stoßdämpfer-Innenrohrs für ein Zweirohr-Stoßdämpfer-/Federbeinsystem für Kraftfahrzeuge,
wobei in mehreren Kaltumform-Verfahrensschritten wenigstens ein erster und ein zweiter
Rohrbereich (101, 102) eines Präzisrohrrohlings (1) zu Rohrabschnitten (201, 202,
203, 204) des Stoßdämpferrohres (2) mit voneinander abweichenden Rohrwandstärken und/oder
Rohrdurchmessern ausgebildet werden,
dadurch gekennzeichnet, dass
- der erste Rohrbereich (101) zur Ausbildung eines Dickwandabschnitts (201) in einem
Stauchungsschritt gestaucht wird, wobei die Rohrwandstärke im Bereich des Dickwandabschnitts
(201) erhöht wird, und/oder
- der zweite Rohrbereich (102) zur Ausbildung einer Rohraufweitung (204) mit einem
ersten Rohrdurchmesser versehen wird und ein dem zweiten benachbarter Rohrbereich
(203) mit einem zweiten Rohrdurchmesser versehen wird, wobei eine Differenz zwischen
dem ersten Rohrdurchmesser und dem zweiten Rohrdurchmesser mindestens 20 % beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass während des Stauchens des ersten Rohrbereichs (101) eine Oberflächenstruktur einer
Rohrinnenwandung im Bereich des Dickwandabschnitts (201) nicht oder im Wesentlichen
nicht verändert wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Rohrinnendurchmesser im Bereich des Dickwandabschnitts (201) während des Stauchens
des ersten Rohrbereichs (101) nicht oder im Wesentlichen nicht verändert wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohrwandstärke im Bereich der Rohraufweitung (204) gegenüber der Rohrwandstärke
des Präzisrohrrohlings (1) reduziert wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in einem Einziehschritt durch einmaliges oder mehrmaliges Einziehen, der Durchmesser
des Präzisrohrrohlings (1) zumindest bereichsweise reduziert wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in einem Abstreckschritt durch einen oder mehrere Abstreckvorgänge die Rohrwandstärke
des Präzisrohrrohlings (1) zumindest bereichsweise reduziert wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen Rohrwandstärken-Reduzierungschritt, wobei die Rohrwandstärke in einem oder
mehreren der Rohrbereiche (101, 102) mittels spanabhebender Bearbeitung reduziert
wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohraufweitung (204) in einem Aufweitschritt durch Aufweiten ausgebildet wird,
wobei der zweite Rohrbereich (102) gegenüber einem benachbarten Rohrbereich um mindestens
20 % aufgeweitet wird.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen Stauchungs-/Aufweitschritt, wobei der Stauchungsschritt mit einem Aufweitschritt
kombiniert wird, und ein selber Rohrbereich (101, 102) aufgeweitet und gestaucht wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass einer oder mehrere Rohrbereiche (101, 102) mit einer geringeren Werkstofffestigkeit
ausgebildet werden.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen Vorbearbeitungsschritt zur Ausbildung einer Stauchungskante (105), wobei die
Stauchungskante (105) durch spanabhebende Bearbeitung ausgebildet wird.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen Rohrenden-Bearbeitungsschritt, wobei eines oder beide Rohrenden (104) des Präzisrohrrohlings
(1) gekürzt werden.
13. Stoßdämpferrohr (2), insbesondere Innenrohr für ein Zweirohr-Stoßdämpfer-/Federbeinsystem
für Kraftfahrzeuge, das mit Hilfe eines Kaltumformverfahrens miteinander einstückig
ausgebildete Rohrabschnitte (201, 202, 203, 204) mit voneinander abweichenden Rohrdurchmessern
und/oder Rohrwandstärken aufweist, wobei einer oder mehrere Rohrabschnitte (201, 202,
203, 204) eine durch Kaltverfestigung erhöhte Werkstofffestigkeit aufweisen,
dadurch gekennzeichnet, dass
- ein erster Rohrabschnitt als Dickwandabschnitt (201) ausgebildet ist, wobei eine
Oberflächenstruktur einer Rohrinnenwandung im Bereich des Dickwandabschnitts (201)
keinerlei Riefen oder sonstige Unebenheiten aufweist, und/oder
- zwischen zwei einander benachbarten Rohrabschnitten (202, 203) eine Rohraufweitung
(204) angeordnet ist, wobei eine Differenz der Rohrdurchmesser der benachbarten Rohrabschnitte
(202, 203) mindestens 20 % beträgt
14. Stoßdämpferrohr (2) nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Stoßdämpferrohr als Leichtbauteil ausgeführt ist, wobei einer oder mehrere Rohrabschnitte
(202, 203, 204) als Dünnwandabschnitte ausgebildet sind.
15. Stoßdämpferrohr (2) nach einem der Ansprüche 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohraufweitung (204) sowie deren benachbarte Rohrabschnitte (202, 203) in Leichtbauweise
dünnwandig ausgebildet sind.
16. Stoßdämpferrohr (2) nach einem der Ansprüche 13 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis zwischen der Rohrwandstärke des Dickwandabschnitts (201) und der Rohrwandstärke
eines Dünnwandabschnitts (202, 203, 204) mindestens 4:1 beträgt.
17. Stoßdämpferrohr (2) nach einem der Ansprüche 13 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass der Dickwandabschnitt (201) zur Aufnahme einer Dichtung ausgebildet ist, insbesondere
mit einer Ringnut (205) versehen ist.