(57) Die Erfindung stellt einen dichtereduzierten Werkstoff auf Eisenbasis zur Verfügung,
dessen mechanische Eigenschaften ihn für ein breites Anwendungsspektrum insbesondere
im Bereich der Automobilindustrie geeignet machen.
Zu diesem Zweck weist der Stahl erfindungsgemäß eine Dichte von weniger als 7,25 kg/dm
3 und besteht aus (in Gew.-%) C: bis zu 0,20 %, Si: 0,1 - 3,50 %, Mn: 0,1 - 3,50 %,
N: bis zu 0,020 % , S: bis zu 0,40 % , P: bis 0,009 %, Al: 6,0 - 25,0 %, Ti: 0,55
- 10,0 %, Cr: bis zu 6,0 %, Mo: bis zu 3,0 %, Ni: bis 4,0 %, V: bis 1,0 %, W: bis
1,0 %, Cu: bis 4 %, B: bis 0,08 %, Nb: bis 1,5 %, Rest Eisen und herstellungsbedingt
unvermeidbare Verunreinigungen. Dabei weist das Gefüge des Stahls mehr als 85 Vol.-%
Ferrit sowie bis zu 10 Vol.-% Austenit und als Rest Gehalte an intermetallischen Phasen
sowie Anteile von Karbid, Nitrid, Bainit oder Perlit auf.
[0001] Die Erfindung betrifft einen Stahl mit einem in Folge seines hohen Al-Gehalts reduzierter
Dichte und ein Verfahren zur Herstellung eines Flach- oder Langprodukts aus einem
solchen Stahl.
[0002] Wenn im vorliegenden Text im Zusammenhang mit Legierungsvorschriften oder Zusammensetzungen
von Werkstoffen Angaben in "%" gemacht werden, beziehen diese sich immer auf das Gewicht.
Werden dagegen Angaben zu den Anteilen von bestimmten Gefügebestandteilen gemacht,
beziehen diese sich immer auf das jeweils betrachtete Volumen.
[0003] Mit "Stahlflachprodukt" oder "Flachprodukt" sind im vorliegenden Text Walzprodukte
bezeichnet, deren Dicke sehr viel geringer als ihre Länge und Breite ist. Insbesondere
handelt es sich bei den betreffenden Stahlflachprodukten oder Flachprodukten um Bleche,
Bänder oder aus diesen Blechen oder Bändern gewonnene Platinen.
[0004] Die Begriffe "Stahllangprodukte" oder "Langprodukte" bezeichnen dagegen durch Umformen
eines Vorprodukts erhaltene Produkte, deren Länge deutlich größer als ihre Breite
und Dicke ist, bei denen jedoch üblicherweise die Breite und Dicke in vergleichbaren
Größenordnungen liegen. Typische Beispiele für Langprodukte sind Stangen, Stäbe, Profile
und desgleichen.
[0005] Bei dynamisch hoch beanspruchten Bauteilen, wie z.B. Pleueln für Verbrennungsmotoren,
ist neben der Festigkeit oder Steifigkeit des jeweiligen Bauteils seine bewegte Masse
von besonderer Bedeutung.
[0006] Um für solche Anwendungen kostengünstige Leichtbaulösungen zu realisieren, sind Leichtbaustähle
auf Eisenbasis mit hohen Al-Gehalten vorgeschlagen worden. Diese liegen weit über
den Al-Gehalten, welche bei Stählen vorhanden sind, bei denen Al im Zuge der Stahlerzeugung
lediglich zur Oxidation zugegeben wird. Einen Überblick über derartige Stähle geben
G. Frommeyer, E. J. Drewes and B. Engl in "Physical and mechanical properties of iron-aluminium-(Mn,
Si) lightweight steels", Revue de Metallurgie, 97, pp. 1245-1253, Oct. 2000, doi:
10. 1051/metal:2000110.
[0007] Neben Molybdän und Chrom gehört Aluminium zu den Elementen, die eine ferritstabilisierende
Wirkung aufweisen und sogar die Austenit-Ferrit-Umwandlung gänzlich unterdrücken können.
[0008] Die bekannten dichtereduzierten Stahlwerkstoffe lassen sich grob in vier Gruppen
klassieren:
Gruppe 1: Stähle mit Aluminiumgehalten von bis 25 Gew.-%, Kohlenstoffgehalten von
bis 2,5 Gew.-% und Mangangehalten von bis zu 40 Gew.-%. Derart zusammengesetzte Stähle
weisen ein umwandlungsfähiges Gefüge auf und werden zur Herstellung von durch Warmumformen
erzeugten Bauteilen, wie Pleuel oder Wälzlager, eingesetzt (R. L. Bülte, Dissertation:
Untersuchung von hochaluminiumhaltigen Kohlenstoffstählen auf ihre Eignung als Wälzlagerwerkstoff,
Aachen, 2008). Das dieser Werkstoffgruppe zu Grunde liegende Prinzip ist bereits seit
langem bekannt. Als ideale Gehaltsspannen werden dabei Al-Gehalte von 4,0 - 25,0 Gew.-%,
kombiniert mit Gehalten an C von 0,20 - 2,0 Gew.-%, Mn von 8,0 - 40,0 Gew.-%, Si von
bis zu 3,0 Gew.-%, N von bis 1,0 Gew.-% und Nb von bis zu 4,0 Gew.-% angesehen (US 1,892,316 A, DE 12 62 613 B, DE 10 2006 030 699 A1, DE 10 2005 027 258 A1, DE 10 2010 012 718 A1).
Gruppe 2: Stähle mit Aluminiumgehalten von bis 12 Gew.-% sowie Mangangehalten von
bis 50 Gew.-%, um auch hier eine Austenit / (Ferrit, Bainit, Martensit)-Umwandlung
zu gewährleisten. Stähle dieser Art finden Anwendung als Blech im Karosserie-, Behälter-
und Rohleitungsbau (DE 102 31 125 A1, DE 103 59 786 A1, DE 196 34 524 A1, EP 2 767 601 A1).
Gruppe 3: Ferritische Stähle mit Aluminiumgehalten von bis zu 23 Gew.-% und Chromgehalten
von bis 35 Gew.-%, um über eine Deckschichtbildung korrosionshemmende Eigenschaften
zu erzielen. Anwendungen finden diese Stähle im Bereich des Fahrzeugbaus, der Fassadenverkleidung,
bei chemischen Apparaten, bei Verbrennungsmotoren und in Abgassystemen (DE 10 2009 031 576 A1, DE 100 35 489 A1. DE 10 2010 006 800 A1, DE 10 2007 047 159 A1, DE 10 2007 056 144 A1, DE 12 08 080 B, GB 2 186 886 B).
Gruppe 4: Nichtrostende austenitische und Mehrphasenstähle mit bis zu 10 Gew.-% Aluminium,
bis zu 30 Gew.-% Mangan und bis zu 18 Gew.-% Chrom. Mangan dient hier als Austenitstabilisator
gegen die ferritstabilisierend wirkenden Elemente Al und Cr (DE 10 2005 024 029 B3, DE 10 2005 030 413 B3, DE 199 00 199 A1).
[0009] Die der Gruppe 1 zugeordneten Legierungskonzepte führen zwangsläufig zur Bildung
einer Eisen-Aluminium-Kohlenstoffphase, die in der Fachsprache auch als "Kappa-Karbid"
bezeichnet wird. Kappa-Karbide sind nur beschränkt festigkeitssteigernd, verschlechtern
aber aufgrund der bevorzugten Ausscheidung auf den Korngrenzen die Zähigkeitseigenschaften.
[0010] Vor dem Hintergrund des voranstehend erläuterten Standes der Technik bestand die
Aufgabe der Erfindung darin, einen dichtereduzierten Werkstoff auf Eisenbasis anzugeben,
dessen mechanische Eigenschaften ihn für ein breites Anwendungsspektrum insbesondere
im Bereich der Automobilindustrie geeignet machen.
[0011] Darüber hinaus sollte ein Verfahren angegeben werden, mit dem sich auf betriebssichere
und wirtschaftliche Weise Flach- oder Langprodukte aus Stählen der hier in Rede stehenden
Art erzeugen lassen.
[0012] In Bezug auf den Werkstoff hat die Erfindung diese Aufgabe durch den in Anspruch
1 angegebenen Stahl gelöst.
[0013] In Bezug auf das Verfahren hat die Erfindung die voranstehend genannte Aufgabe dadurch
gelöst, dass bei der Verarbeitung von erfindungsgemäßen Stählen zu Flach- oder Langprodukten
die in Anspruch 9 angegebenen Arbeitsschritte angewendet werden.
[0014] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben
und werden nachfolgend wie der allgemeine Erfindungsgedanke im Einzelnen erläutert.
[0015] Bei der erfindungsgemäßen Legierung wird die erforderliche Festigkeit von mehr als
500 MPa neben den bekannten mischkristallverfestigenden Elementen Chrom, Molybdän,
Silizium und Mangan über Ausscheidungsphasen gebildet. Diese Phasen werden überwiegend
intrakristallin ausgeschieden. Festigkeitssteigernde intermetallische Phasen, wie
die Lavesphase, bestehen im Wesentlichen aus Eisen, Titan und optional aus Molybdän,
Ni(Mn,Al, Ti), Ni
2MnAl, Ni
3Ti und Cu. Aber auch feine Karbide, feine Nitride und feine Karbonitride liefern einen
Beitrag zum Festigkeitsniveau.
[0016] Um die Absenkung der Dichte durch Legieren mit Aluminium ohne Kappa-Karbid-Ausscheidung
zu realisieren, wurde beim erfindungsgemäßen Legierungskonzept auf ein Legieren mit
Kohlenstoff weitgehend verzichtet und die Umwandlungsfreiheit akzeptiert.
[0017] Zum Vermeiden grober Karbide, Nitride oder Karbonitride sind beim erfindungsgemäßen
Stahl die Kohlenstoff- und Stickstoffgehalte stattdessen auf möglichst niedrige Werte
so begrenzt, dass höchstens vereinzelte Karbide oder Karbonitride bei der Erstarrung
entstehen.
[0018] Zu diesem Zweck beträgt der C-Gehalt des erfindungsgemäßen Stahls höchstens 0,2 Gew-%.
Besonders sicher lässt sich die Entstehung von unerwünschten Karbiden verhindern,
wenn der C-Gehalt weniger als 0,1 Gew.-%, insbesondere höchstens 0,02 Gew.-% oder
höchstens 0,01 Gew.-%, beträgt.
[0019] Ebenso ist zur Vermeidung der Entstehung von Nitriden der N-Gehalt auf höchstens
0,020 Gew.-%, insbesondere höchstens 0,005 Gew.-%, beschränkt.
[0020] Der Al-Gehalt erfindungsgemäßer Stähle beträgt 6 - 25 Gew.-%, insbesondere mindestens
10 Gew.-%.
[0021] Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen würden ab einem Al-Gehalt von mehr als 12 Gew.-%
Verschlechterungen der mechanisch technologischen Eigenschaften sowie ein schlechtes
Umformverhalten auftreten und zwar hervorgerufen durch eine sich im Gefüge bildende
Überstruktur D0
3 (Fe
3Al) oder Vorstufe einer Nahordnung (System FeAl). Diesen Effekten kann durch die ausreichende
Zugabe von Gehalten an Mangan, Silizium, Chrom, Molybdän, Vanadium, Wolfram, Nickel,
Niob oder Titan gegengesteuert werden. Zu diesem Zweck sieht die Erfindung bei Al-Gehalte
von mehr als 12 Gew.-% vor, dass die Gehalte an Cr, Mo, Mn, Si, V, W, Ni, Nb, Ti folgende
Bedingung erfüllen:
(%Cr + 2*%Mo + %Mn + %Si + %V + %W + %Ni + %Nb + %Ti) > 0,05*%Al
mit %Cr: Cr-Gehalt des Stahls, %Mo: Mo-Gehalt des Stahls, %Mn: Mn-Gehalt des Stahls,
%Si: Si-Gehalt des Stahls, %V: V-Gehalt des Stahls, %W: W-Gehalt des Stahls, %Ni:
Ni-Gehalt des Stahls, %Nb: Nb-Gehalt des Stahls, %Ti: Ti-Gehalt des Stahls und %Al:
Al-Gehalt des Stahls.
[0022] Als vorteilhaft erweist es sich dabei, dass im erfindungsgemäßen Stahl 0,1 - 3,5
Gew.-% Si, insbesondere bis zu 1,5 Gew.-% Si, vorhanden sind. Dabei ergibt sich eine
besonders sichere Wirkung der Anwesenheit von Si, wenn der Si-Gehalt mindestens 0,20
Gew.-% beträgt.
[0023] Schwefel kann dem erfindungsgemäßen Stahl zur Verbesserung seiner Zerspanbarkeit
in Gehalten von bis zu 0,40 Gew.-% zugegeben werden, wobei sich optimale Wirkungen
bei Gehalten von bis zu 0,28 Gew.-% ergeben. Um den positiven Einfluss der Anwesenheit
von S sicher zu nutzen, kann der S-Gehalt eines erfindungsgemäßen Stahls auf mindestens
0,01 Gew.-% gesetzt werden.
[0024] Durch die gezielte Zugabe von bis zu 10 Gew.-% Ti kann die Festigkeit des Werkstoffes
eingestellt werden. Dabei lässt sich diese Wirkung von Ti dadurch besonders sicher
erzielen, dass mindestens 0,60 Gew.-% Ti im erfindungsgemäßen Stahl vorhanden sind.
Optimale Wirkungen von Ti ergeben sich, wenn der Ti-Gehalt mindestens 0,90 Gew.-%
oder höchstens 2,0 Gew.-% beträgt.
[0025] Chrom in Gehalten von bis zu 6,0 Gew.-% trägt zur Vermeidung der Überstruktur D03
und zur Mischkristallverfestigung bei. Um die günstigen Einflüsse von Cr im erfindungsgemäßen
Stahl sicher zu nutzen, kann der Cr-Gehalt auf mindestens 0,30 Gew.-% gesetzt werden.
Optimale Wirkungen ergeben sich dabei dann, wenn mindestens 0,50 Gew.-% oder höchstens
3,5 Gew.-% Cr im erfindungsgemäßen Stahl vorhanden sind.
[0026] Mo in Gehalten von bis zu 3,0 Gew.-% hilft bei der Vermeidung der Überstruktur D03,
trägt zur Mischkristallverfestigung bei und fördert die Bildung von gewünschten Ausscheidungen.
Um dies sicher zu erreichen, kann der Mo-Gehalt auf mindestens 0,1 Gew.-% gesetzt
werden, wobei optimale Wirkungen der Anwesenheit von Mo im erfindungsgemäßen Stahl
eintreten, wenn sein Mo-Gehalt mindestens 0,25 Gew.-% oder maximal 2,8 Gew.-% beträgt.
[0027] Ist V in Gehalten von bis zu 1,0 Gew.-% im erfindungsgemäßen Stahl vorhanden, kann
ebenfalls die Überstruktur D03 vermieden werden. Um dies sicher zu erreichen, kann
der V-Gehalt auf mindestens 0,10 Gew.-% gesetzt werden, wobei optimale Wirkungen der
Anwesenheit von V im erfindungsgemäßen Stahl eintreten, wenn sein V-Gehalt mindestens
0,20 oder maximal 0,50 Gew.-% beträgt.
[0028] Wolfram in Gehalten von bis zu 1,0 Gew.-% wirkt sich ebenso positiv auf die Vermeidung
der Überstruktur D03 aus. Um die günstigen Einflüsse von W im erfindungsgemäßen Stahl
sicher zu nutzen, kann der W-Gehalt auf mindestens 0,20 Gew.-% festgelegt werden.
Optimale Wirkungen ergeben sich dabei dann, wenn mindestens 0,40 Gew.-% oder höchstens
1,0 Gew.-% W im erfindungsgemäßen Stahl vorhanden sind. Soll W als Alternative zu
Mo zugegeben werden, muss, um die gleiche Wirksamkeit zu erzielen, doppelt so viel
Wolfram wie Molybdän zugesetzt werden.
[0029] Kupfer in Gehalten von bis zu 4 Gew.-% bewirkt im erfindungsgemäßen Stahl, dass über
Kupferausscheidungen die Festigkeit gesteigert wird. Dieser Effekt kann dadurch sicher
genutzt werden, dass der Cu-Gehalt mindestens 0,5 Gew.-% beträgt, wobei sich Gehalte
von höchstens 3,50 Gew.-% als besonders positiv herausgestellt haben. Um die Warmumformbarkeit
zu gewährleisten, sollte dem Werkstoff annähernd die gleiche Menge Nickel zulegiert
werden.
[0030] Die Zugabe von bis zu 0,08 Gew.-% Bor kann im erfindungsgemäßen Stahl das Ausscheidungsverhalten
der härtesteigernden Phasen auf den Korngrenzen unterdrücken. Dies kann sicher dadurch
erreicht werden, dass mindestens 0,0005 Gew.-% B im erfindungsgemäßen Stahl vorhanden
sind. B-Gehalte von mehr als 0,08 Gew.-% wirken sich dagegen negativ auf die Umformbarkeit
des Stahls aus. Um dies sicher zu vermeiden, kann der B-Gehalt des erfindungsgemäßen
Stahls auf höchstens 0,0030 Gew.-% beschränkt werden.
[0031] Ist Nb in Gehalten von bis zu 1,5 Gew.-% im erfindungsgemäßen Stahl vorhanden, trägt
Nb ebenso zur Vermeidung der Überstruktur D03 bei und es bilden sich festigkeitssteigernde
Ausscheidungsphasen. Um dies sicher zu erreichen, kann der Nb-Gehalt auf mindestens
0,05 Gew.-% gesetzt werden, wobei optimale Wirkungen der Anwesenheit von Nb im erfindungsgemäßen
Stahl eintreten, wenn sein Nb-Gehalt mindestens 0,10 Gew.-% oder maximal 0,30 Gew.-%
beträgt.
[0032] Die Gefügematrix des erfindungsgemäßen Stahls besteht weitgehend, d.h. zu mindestens
85 Vol.-% aus Ferrit, wobei höhere Ferritgehalte von mindestens 90 Vol.-% besonders
günstig sein können.
[0033] Ein Austenit-Anteil von bis zu 10 Vol.-% im Gefüge kann sich allerdings ebenfalls
positiv auf die Zähigkeit des Stahls auswirken. Daher kann es zweckmäßig sein, die
Legierung des erfindungsgemäßen Stahls so einzustellen, dass mindestens 2 Vol.-% Austenit
im Gefüge des Stahls vorhanden sind. Ist der Austenitanteil größer als 10 Vol.-%,
wirkt sich dies negativ für das Ausscheidungsverhalten der intermetallischen Phasen
aus.
[0034] Bei den restlichen, nicht von Ferrit oder Austenit eingenommenen Gefügebestandteilen
handelt es sich um Gehalte an intermetallischen Phasen sowie Anteile von Karbid, Nitrid,
Bainit oder Perlit. Die Anteile dieser restlichen Bestandteile am Gefüge des erfindungsgemäßen
Stahls sind jedoch so gering, dass sie allenfalls unwesentliche Auswirkungen auf seine
Eigenschaften haben. 10 Vol.-% überschreitende, unerwünschte Austenitanteile können
durch eine geeignete Einstellung der Mn- und Ni-Gehalte des erfindungsgemäßen Stahls
verhindert werden. Zu diesem Zweck sind der Mn-Gehalt eines erfindungsgemäßen Stahls
auf höchstens 3,5 Gew.-% und der Ni-Gehalt auf höchstens 4,0 Gew.-% beschränkt. Optimiert
nutzen lässt sich der positive Einfluss von Mn und Ni auf die Beschaffenheit des erfindungsgemäßen
Stahls, wenn die Summe der Gehalte an Mn und Ni höchstens 5 Gew.-% beträgt. Besonders
vorteilhaft erweist es sich dabei, wenn der Mn-Gehalt auf höchstens 1,0 Gew.-% oder
der Ni-Gehalt auf höchstens das 1,5 fache des optional vorhandenen Kupfergehaltes
eingestellt wird. Die positiven Einflüsse der Anwesenheit von Mn oder Ni, wie die
durch die gezielte Zugabe von Ni oder Mn ermöglichte Aufrechterhaltung optimierter
mechanischer Eigenschaften, im erfindungsgemäßen Stahl lassen sich dadurch besonders
nutzen, dass der Mn-Gehalt des Stahls mindestens 0,20 Gew.-% beträgt.
[0035] Negative Auswirkungen des erfindungsgemäß gezielt zugelassenen S-Gehalts können dadurch
vermieden werden, dass das Verhältnis %Mn/%S des Mangan-Gehalts %Mn zum Schwefelgehalt
%S auf mehr als 2,0 eingestellt wird.
[0036] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung eines Stahlflach- oder -langprodukts
umfasst mindestens die folgenden Arbeitsschritte:
- a) Bereitstellen eines aus einem gemäß einem der voranstehenden Ansprüche ausgebildeten
Stahls bestehenden Vorprodukts, wie einer Bramme, einer Dünnbramme, einem Knüppel
oder einem gegossenen Band,
- b) Erwärmen des Vorprodukts auf eine 700 - 1280 °C betragende Warmumformtemperatur,
- c) Warmumformen des auf die Warmumformtemperatur erwärmten Vorprodukts zu dem Stahlflach-
oder -langprodukt.
[0037] Durch die Warmumformung im Temperaturbereich von 700 -1280 °C werden eine vollständige
Lösung eventuell vorhandener Ausscheidungen, angemessene Umformkräfte, eine ausreichende
Rekristallistaionskinetik und ein minimales Kornwachstum erreicht. Optimalerweise
beträgt die Warmumformtemperatur dabei 850 bis 1050 °C. Bei einer Umformung im Temperaturbereich
zwischen 850 °C und 1050 °C wird ein besonders feinkörniges Gefüge, Korngrößer nach
ASTM E 112 = 4 und feiner, erzielt.
[0038] Nach der Warmformgebung kann das erfindungsgemäß erhaltene Flach- oder Langprodukt
unterschiedliche Wärmebehandlungen durchlaufen, um seine mechanischen Eigenschaften
einzustellen.
[0039] Ein hinsichtlich der Energieausnutzung vorteilhafter Weg einer solchen Wärmebehandlung
kann darin bestehen, dass das nach dem Warmumformen erhaltene Stahlflach- oder -langprodukt
im Anschluss an die Warmformgebung mit einer Abkühlgeschwindigkeit von max. 3,0 K/min,
insbesondere 1,5 K/min langsam abgekühlt wird, wobei aus verfahrensökonomischer Sicht
die Abkühlgeschwindigkeit nicht weniger als 1,0 K/min betragen sollte. Auf diese Weise
wird auf direktem Wege die Endfestigkeit des Stahls durch Ausscheidung der Ausscheidungsphasen,
wie z.B Laves-, Heussler-, Kupfer, Ni3Ti- und/oder Ni3Al-Phasen, erzielt. Besonders
vorteilhaft ist dieses Vorgehen, wenn der Ti-Gehalt des erfindungsgemäßen Stahls mehr
als 0,60 Gew.-% beträgt. Die Zugfestigkeit des so erhaltenen Flach- oder Langprodukts
liegt typischerweise im Bereich von 700 - 1150 MPa.
[0040] Es kann vorteilhaft sein, das aus dem erfindungsgemäßen Stahl warmgeformte Flach-
oder Langprodukt zunächst einem Lösungsglühen bei mehr als 700 °C, insbesondere 700
- 1250 °C oder 700 - 1000 °C, zu unterziehen und es anschließend mit einer Abkühlgeschwindigkeit
von mindestens 25 K/min, um die Bildung von Ausscheidungen zu unterdrücken. Nach der
jeweiligen Abkühlung liegt ein Zwischenprodukt vor, das mit einer Zugfestigkeit von
weniger als 900 MPa vergleichbar weich und gut mechanisch bearbeitbar ist.
[0041] Nach der jeweiligen Abkühlung kann das erhaltene Produkt bei Temperaturen von 150
- 700 °C über eine Dauer von 15 Minuten bis 30 Stunden ausgelagert werden, um den
Ausscheidungszustand seines Gefüges positiv zu beeinflussen. Bei Ti-haltigen Varianten
des erfindungsgemäßen Stahls kommt es hier zu einer Ausscheidung der Ti-haltigen Ausscheidungsphasen,
die insbesondere eine Festigkeitssteigerung bewirken.
[0042] Nachfolgend wird die Erfindung von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
Beispiel 1:
[0043] Es wurde ein Stahl S1 mit der in Tabelle 1 angegebenen Zusammensetzung erschmolzen
und zu einem Block vergossen. Dieses Vorprodukt ist auf eine Warmumformtemperatur
von 1050 °C erwärmt und bei dieser Temperatur durch Pressen zu einem Halbzeug (Langprodukt)
umgeformt worden.
[0044] Das so erhaltene Produkt ist bei einer Lösungsglühtemperatur von 1050 °C über eine
Dauer von 1 h lösungsgeglüht und anschließend durch Eintauchen in Wasser abgeschreckt
worden.
[0045] Nach dem Abschrecken wies der Stahl eine Zugfestigkeit von 800 MPa auf und konnte
mit dieser vergleichbar geringen Festigkeit auf einfache Weise spanabhebend bearbeitet
werden.
[0046] Nach der mechanischen Bearbeitung wurde das bearbeitete Produkt zur Einstellung seiner
Endfestigkeit bei 500 °C über 4 Stunden ausgelagert. Nach diesem Auslagern wies der
Stahl des Produkts eine Festigkeit von 1070 MPa auf. Es zeigte sich, dass die Auslagerungsbehandlung
zu allenfalls minimalem Verzug des Produkts führte. Eine Auslagerung bei einer Temperatur
von 550 °C und einer Dauer von 1 h ergab eine Festigkeit von 1200 MPa. Bei einer Temperatur
von 600 °C und der gleichen Auslagerungsdauer von 1 h konnte eine Festigkeit von 1300
MPa erzielt werden.
[0047] Die Dichte des beim Beispiel 1 eingesetzten Stahls S1 betrug 6,9 kg/dm
3.
[0048] Sein Gefüge bestand zu mehr als 99 Vol.-% aus Ferrit und ausgeschiedenen Phasen.
Die ausgeschiedenen Phasen sind extrem fein und üblicherweise im Lichtmikroskop nicht
erkennbar.
Beispiel 2
[0049] Es wurde ein Stahl S2 mit der in Tabelle 1 angegebenen Zusammensetzung erschmolzen
und zu einem Block vergossen. Das betreffende Vorprodukt ist bei einer Warmumformtemperatur
von 1050 °C durch pressen umgeformt worden.
[0050] Das so erhaltene Produkt ist bei einer Lösungsglühtemperatur von 1050 °C über eine
Dauer von 1 h lösungsgeglüht und anschließend durch Eintauchen in Wasser abgeschreckt
worden.
[0051] Nach dem Abschrecken wies der Stahl eine Zugfestigkeit von 920 MPa auf und konnte
mit dieser vergleichbar geringen Festigkeit auf einfache Weise mechanisch bearbeitet
werden.
[0052] Zur Einstellung seiner Endfestigkeit wurde das Produkt nach der mechanischen Bearbeitung
bei 500 °C über 4 Stunden ausgelagert. Nach diesem Auslagern wies der Stahl des Produkts
eine Festigkeit von 1175 MPa auf. Es zeigte sich auch hier, dass die Auslagerungsbehandlung
zu allenfalls minimalem Verzug des Produkts führte.
[0053] Die Dichte des beim Beispiel 2 eingesetzten Stahls S2 betrug 6,9 kg/dm
3.
[0054] Sein Gefüge bestand zu mehr als 99 Vol.-% aus Ferrit und ausgeschiedenen Phasen.
Beispiel 3
[0055] Es wurde ein Stahl S3 mit der in Tabelle 1 angegebenen Zusammensetzung erschmolzen
und zu einem Block vergossen.
[0056] Das betreffende Vorprodukt ist bei einer Warmumformtemperatur von 1000 °C durch Pressen
zu einem Block umgeformt worden.
[0057] Das so erhaltene Produkt ist bei einer Lösungsglühtemperatur von 1075 °C über eine
Dauer von 1 h lösungsgeglüht und anschließend durch Eintauchen in Wasser abgeschreckt
worden.
[0058] Nach dem Abschrecken wies der Stahl eine Zugfestigkeit von 860 MPa auf und konnte
mit dieser vergleichbar geringen Festigkeit auf einfache Weise mechanisch bearbeitet
werden.
[0059] Nach der mechanischen Bearbeitung wurde das Produkt zur Einstellung seiner Endfestigkeit
bei 550 °C über 1 Stunde ausgelagert. Nach diesem Auslagern wies der Stahl des Produkts
eine Festigkeit von 1540 MPa auf. Es zeigte sich, dass die Auslagerungsbehandlung
zu allenfalls minimalem Verzug des Produkts führte.
[0060] Die Dichte des beim Beispiel 3 eingesetzten Stahls S3 betrug 6,7 kg/dm
3.
[0061] Sein Gefüge bestand zu mehr als 99 Vol.-% aus Ferrit und ausgeschiedenen Phasen.
Beispiel 4
[0062] Es wurde ein Stahl S4 mit der in Tabelle 1 angegebenen Zusammensetzung erschmolzen
und zu einem Block vergossen. Chrom und Molybdän wurden der Schmelze zur Vermeidung
einer schädlichen Überstruktur (D03) und zur Mischkristallverfestigung zulegiert.
[0063] Das betreffende Vorprodukt ist bei einer Warmumformtemperatur von 1075 °C durch Pressen
umgeformt worden.
[0064] Das so erhaltene Produkt ist bei einer Lösungsglühtemperatur von 1050 °C über eine
Dauer von 1 h lösungsgeglüht und anschließend durch Eintauchen in Wasser abgeschreckt
worden.
[0065] Nach dem Abschrecken wies der Stahl eine Zugfestigkeit von 805 MPa auf und konnte
mit dieser vergleichbar geringen Festigkeit auf einfache Weise mechanisch bearbeitet
werden.
[0066] Zur Einstellung seiner Endfestigkeit wurde das Produkt bei 550 °C über 1 Stunde ausgelagert.
Nach diesem Auslagern wies der Stahl des Produkts eine Festigkeit von 1260 MPa auf.
Es zeigte sich, dass die Auslagerungsbehandlung zu allenfalls minimalem Verzug des
Produkts führte.
[0067] Die Dichte des beim Beispiel 4 eingesetzten Stahls S4 betrug 6,1 kg/dm
3.
[0068] Sein Gefüge bestand zu mehr als 99 Vol.-% aus Ferrit und ausgeschiedener Phase.
Tabelle 1
| Stahl |
Al |
Ti |
C |
Si |
Mn |
N |
Cr |
Mo |
| S1 |
8 |
1,25 |
0,04 |
0,59 |
0,56 |
0,001 |
|
|
| S2 |
8 |
1,25 |
0,01 |
1,43 |
1,50 |
0,002 |
|
|
| S3 |
10 |
2,15 |
0,01 |
0,51 |
0,49 |
0,002 |
|
|
| S4 |
18 |
1,31 |
0,01 |
0,5 |
0,47 |
0,002 |
2 |
0,24 |
| Angaben in Gew.-%, Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen |
1. Stahl mit einer Dichte von weniger als 7,25 kg/dm
3 und bestehend aus (in Gew.-%)
| C: |
bis zu 0,20 % |
| Si: |
0,1 - 3,50 % |
| Mn: |
0,1 - 3,50 % |
| N: |
bis zu 0,020 % |
| S: |
bis zu 0,40 % |
| P: |
bis 0,009 % |
| Al: |
6,0 - 25,0 % |
| Ti: |
0,55 - 10,0 % |
| Cr: |
bis zu 6,0 % |
| Mo: |
bis zu 3,0 % |
| Ni: |
bis 4,0 % |
| V: |
bis 1,0 % |
| W: |
bis 1,0 % |
| Cu: |
bis 4 % |
| B: |
bis 0,08 % |
| Nb: |
bis 1,5 % |
Rest Eisen und herstellungsbedingt unvermeidbare Verunreinigungen, wobei das Gefüge
des Stahls mehr als 85 Vol.-% Ferrit sowie bis zu 10 Vol.-% Austenit und als Rest
Gehalte an intermetallischen Phasen sowie Anteile von Karbid, Nitrid, Bainit oder
Perlit aufweist.
2. Stahl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, das sein C-Gehalt weniger als 0,02 Gew.-% beträgt.
3. Stahl nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass für das Verhältnis %Mn/%S seines Mn-Gehalts %Mn und seines S-Gehalts %S gilt %Mn/%S
> 2,0.
4. Stahl nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Summe seiner Gehalte an Ni und Mn höchstens 5 Gew.-% beträgt.
5. Stahl nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sein N-Gehalt maximal 0,005 Gew.-% beträgt.
6. Stahl nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sein Al-Gehalt mindestens 10 Gew.-% beträgt.
7. Stahl nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, dass sein Al-Gehalt mehr als 12 Gew.-% beträgt und die Gehalte an Cr, Mo, Mn, Si, V, W,
Ni, Nb, Ti folgende Bedingung erfüllen:
(%Cr + 2*%Mo + %Mn + %Si + %V + %W + %Ni + %Nb + %Ti) > 0,05*%Al
| mit %Cr: |
Cr-Gehalt des Stahls, |
| %Mo: |
Mo-Gehalt des Stahls, |
| %Mn: |
Mn-Gehalt des Stahls, |
| %Si: |
Si-Gehalt des Stahls, |
| %V: |
V-Gehalt des Stahls, |
| %W: |
W-Gehalt des Stahls, |
| %Ni: |
Ni-Gehalt des Stahls, |
| %Nb: |
Nb-Gehalt des Stahls, |
| %Ti: |
Ti-Gehalt des Stahls, |
| %Al: |
Al-Gehalt des Stahls. |
8. Stahl nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sein B-Gehalt mindestens 0,0005 Gew.-% beträgt.
9. Verfahren zur Herstellung eines Stahlflach- oder -langprodukts umfassend die Arbeitsschritte
a) Bereitstellen eines aus einem gemäß einem der voranstehenden Ansprüche ausgebildeten
Stahls bestehenden Vorprodukts, wie einer Bramme, einer Dünnbramme, einem Knüppel
oder einem gegossenen Band,
b) Erwärmen des Vorprodukts auf eine 700 - 1280 °C betragende Warmumformtemperatur,
c) Warmumformen des auf die Warmumformtemperatur erwärmten Vorprodukts zu dem Stahlflach-
oder -langprodukt.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Warmumformtemperatur höchstens 1000 °C beträgt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 oder 10, dadurch
gekennzeichnet, dass das erhaltene Stahlflach- oder -langprodukt im Anschluss an das Warmumformen mit
einer Abkühlgeschwindigkeit von höchstens 3 K/min langsam abgekühlt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 oder 9, dadurch
gekennzeichnet, dass der Ti-Gehalt des Stahls mindestens 0,60 Gew.-% beträgt und dass das nach dem Warmumformen erhaltene Stahlflach- oder -langprodukt entweder in einem
ersten Wärmebehandlungsschritt direkt aus der Umformwärme oder nach einem Lösungsglühen
bei einer Temperatur von mehr als 700 °C mit einer Abkühlgeschwindigkeit von mindestens
25,0 K/min schnell abgekühlt wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflach- oder -langprodukt in einem weiteren Wärmebehandlungsschritt bei Temperaturen
von 150 - 700 °C über eine Dauer von 15 min bis 30 Stunden ausgelagert wird.
14. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12, dadurch
gekennzeichnet, dass das Stahlflach- oder-langprodukt zwischen den beiden Wärmebehandlungsschritten mechanisch
bearbeitet wird.