[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Bauteil für medienführende Gas- oder Wasserleitungen,
insbesondere Fitting oder Armatur für Trinkwasserleitungen, wobei das Bauteil zumindest
teilweise aus einer bleifreien Kupferlegierung besteht.
[0002] An metallische Werkstoffe für den Einsatz in Bauteilen für wasserführende, insbesondere
trinkwasserführende Gewerke, wie beispielsweise Fittings, Armaturen, Rohre, Pressverbinder,
Dach- oder Ablaufrinnen, sind besondere Anforderungen zu stellen. Insbesondere im
Falle von mit Trinkwasser in Kontakt stehenden Bauteilen ist dabei die Korrosionsbeständigkeit
zu nennen. Speziell stark kupferhaltige Buntmetall-Legierungen wie Bronze, Messing
oder Rotguss enthalten auch einen gewissen Anteil an Blei, weil Blei die Bearbeitbarkeit
derartiger Legierungen verbessert. In der Praxis ist in solchen Legierungen auch Nickel
vorhanden, um die Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit der Legierungen zu erhöhen.
Aufgrund der Toxizität dieser Metalle müssen solche Werkstoffe allerdings eine geringe
Migrationsneigung von Metallionen in das Medium aufweisen, d.h. eine geringe Abgabe
von Ionen der Legierungskomponenten an das Medium. Hierzu sind von den Werkstoffen
zum Schutz der Verbraucher sehr enge Grenzen einzuhalten, die durch die Trinkwasserordnung
geregelt sind. Dazu ist aus der
EP 1 798 298 A1 eine weitgehend blei- und nickelfreie Kupferlegierung bekannt, die neben Kupfer und
unvermeidbaren Verunreinigungen 2 Gew.-% bis 4,5 Gew.-% Silizium, 1 Gew.-% bis 15
Gew.-% Zink, 0,05 Gew.-% bis 2 Gew.-% Mangan sowie optional 0,05 Gew.-% bis 0,4 Gew.-%
Aluminium und 0,05 Gew.-% bis 2 Gew.-% Zinn umfasst. Die in der
EP 1 798 298 A1 beschriebene Legierung zeigt ein gegenüber einem herkömmlichen Rotguss verbessertes
Migrationsverhalten für Blei-, Nickel-, Kupfer- und Zinkionen. Die Legierung kann
nach dem Gießen einer Wärmebehandlung unterzogen werden, um einen hohen Anteil an
α-Mischkristall und damit ein besonders günstiges Migrationsverhalten der Legierung
zu erzielen.
[0003] Für den Einsatz in der Trinkwasserinstallation findet derzeit die Rotgusslegierung
CuSn5Zn5Pb2 mit Gehalten von etwa 5 Gew.-% Zinn und etwa 5 Gew.-% Zink eine breite
Anwendung. Diese Kupferlegierung besitzt eine hervorragende Korrosionsbeständigkeit
und ist daher in allen Wasserqualitäten innerhalb der Trinkwasserversorgung einsetzbar.
Legierungen dieser Art sind üblicherweise im Gefüge einphasig ausgebildet und bieten
daher eine hohe plastische Verformbarkeit. Jedoch bereitet gerade diese plastische
Verformbarkeit bei der spanabhebenden mechanischen Bearbeitung Probleme. Einphasige
Kupferwerkstoffe neigen zu einer Langspanbildung. Diese Spanart hemmt den Arbeitsablauf
beim vollautomatisierten Drehen, bzw. Bohren, und führt zu einem starken Verschleiß
an den Werkzeugschneiden. Um die Produkte dennoch wirtschaftlich bearbeiten zu können,
werden den Legierungen Blei als spanbrechender Zusatz hinzugegeben. Blei ermöglicht
eine wirtschaftliche, vollautomatisierte mechanische Bearbeitung.
[0004] Blei ist in Kupfer praktisch unlöslich und besitzt einen niedrigen Schmelzpunkt.
Infolgedessen handelt es sich um das zuletzt erstarrende Element in Kupfer-Zinn-Legierungen.
Dieses Konstitutionsverhalten führt dazu, dass Blei am Ende der Erstarrung im Gefüge
in Form von gleichmäßig verteilten, kleinen, tropfenförmigen Partikeln zwischen den
Dendritenarmen vorliegt. Diese feinen, tropfenförmigen Partikel wirken als Spanbrecher,
ohne dass die ursprünglichen Eigenschaften des Werkstoffs, beeinflusst werden. Dies
ist besonders deutlich an der Korrosionsbeständigkeit erkenntlich, da die Bleipartikel
als inkohärente Phasen vorliegen und somit nicht mit der umgebenden Matrix interagieren
können. Auch wird durch die gleichmäßige Verteilung kleiner, tropfenförmiger Bleipartikel
gewährleistet, dass über einen gleichmäßigen Querschnitt durchgehend ähnliche mechanische
Kennwerte zu erwarten sind.
[0005] In der
Patentschrift US 8,470,101 B2 wird eine bleifreie Legierung beschrieben, die neben Kupfer und unvermeidbaren Verunreinigungen
aus 0,1 Gew.-% bis 0,7 Gew.-% Schwefel, bis zu 8 Gew.-% Zinn und bis zu 4 Gew.-% Zink
besteht und in der die Aufgabe des Bleis über Schwefelphasen in Form von Sulfidpartikeln
erfüllt werden. Im Gegensatz zum Element Blei besitzen diese Sulfide aber nicht die
Eigenschaft, sich zwangsläufig am Ende der Erstarrung in Form von kleinen, verteilten
Phasen auszubilden. Im Falle einer ungünstig gewählten Zusammensetzung der in
Patentschrift US 8,470,101 B2 beschriebenen Legierung, kann es zu einer ungünstigen Sulfidausbildung im Gefüge
kommen. Dadurch wird die Festigkeit reduziert und es kommt zu einer Absenkung der
mechanischen Kennwerte. Weiterhin besitzen die in der
Patentschrift US 8,470,101 B2 beschriebenen Sulfide keine hohe Korrosionsbeständigkeit. Jedoch gerade für einen
Einsatz einer solchen schwefelhaltigen Kupferlegierung in einer Trinkwasserinstallation
ist eine korrosionsbeständige Matrix notwendig, um die Langlebigkeit der Bauteile
zu gewährleisten.
[0006] Nickel ist in Kupferlegierungen in der Lage, sowohl die Korrosionsbeständigkeit zu
erhöhen als auch die Verteilung von Sulfidphasen im Gefüge zu verbessern. Hohe Nickelgehalte
führen aber zu einer hohen Metallionenabgabe ins Trinkwasser und sind daher als hygienisch
bedenklich eingestuft. Der vorgegebene Legierungsbereich in der
Patentschrift US 8,470,101 B2 kann nicht über den gesamten, darin beschriebenen Umfang gewährleisten, dass ausreichend
hohe Korrosions-, Festigkeits-, Bearbeitungs- oder Hygieneeigenschaften vorliegen.
Doch besonders diese Eigenschaften sind für dünnwandige trinkwasserführende Bauteile
essenziell.
[0007] Vor diesem Hintergrund liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine
bleifreie Kupferlegierung zur Herstellung von Bauteilen für medienführende Gas- oder
Wasserleitungen anzugeben, die im Vergleich zu einer konventionellen Rotgusslegierung,
wie z.B. CuSn5Zn5Pb2, eine korrosionsbeständige Matrix, gute Festigkeitseigenschaften
bei gleichzeitig guten Bearbeitungseigenschaften, eine hohe Druckdichtigkeit und ein
verbessertes Migrationsverhalten aufweist. Darüber hinaus soll die bleifreie Kupferlegierung
ein gutes Gießverhalten, bspw. im Sand- oder Strangguss, besitzen.
[0008] Diese und andere Aufgaben werden durch ein Bauteil für medienführende Gas- oder Wasserleitungen
mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen des erfindungsgemäßen
Bauteils sind in den abhängigen Ansprüchen beschrieben.
[0009] Gemäß der vorliegenden Erfindung wurde überaschenderweise erkannt, dass eine bleifreie
Kupferlegierung, die als Legierungskomponenten in Gew.-% neben Kupfer (Cu) und unvermeidbaren
Verunreinigungen noch 3,5 Gew.-% ≤ Zinn (Sn) ≤ 4,8 Gew.-%, 1,5 Gew.-% ≤ Zink (Zn)
≤ 3,5 Gew.-%, 0,25 Gew.-% ≤ Schwefel (S) ≤ 0,65 Gew.-% und 0,015 Gew.-% ≤ Phosphor
(P) ≤ 0,1 Gew.-% umfasst, bei Kontakt mit Wassern verschiedener Wasserqualitäten eine
gegenüber Standardmessing (CuZn40Pb2) und entzinkungsbeständigem Messing (CuZn36Pb2As)
verbesserte Deckschichtbildung zeigt, was u.a. durch geeignete Warmauslagerungsversuche
belegt wurde. Aufgrund dieser verbesserten Deckschichtbildung, zeigt die bleifreie
Kupferlegierung keinerlei Entzinkung oder ähnliche selektive Korrosionsangriffe. Daher
verfügt die bleifreie Kupferlegierung über eine verbesserte Korrosionsbeständigkeit
über den gesamten, durch die Trinkwasserverordnung (nachstehend als "TWVO" bezeichnet)
vorgegebenen Rahmen. Dementsprechend stellt die vorliegende Erfindung bevorzugt ein
Bauteil für medienführende Gas- oder Wasserleitungen dar, insbesondere ein Fitting
oder eine Armatur für Trinkwasserleitungen, wobei das Bauteil zumindest teilweise
aus der erfindungsgemäßen bleifreien Kupferlegierung besteht.
[0010] Es wurde festgestellt, dass sich in der erfindungsgemäß verwendeten Legierung zwei
schwefelhaltige Phasen, Kupfersulfid und Zinksulfid, im Gefüge temperaturabhängig
und versetzt voneinander ausbilden. Um durch Sulfidpartikel optimale Zerspanungseigenschaften
zu erreichen, sollten diese möglichst rund, feinverteilt und klein vorliegen. Dieses
Verhalten ist bevorzugt bei der Bildung von Kupfersulfiden zu beobachten. Zinksulfide
hingegen neigen zu einer geometrisch ungünstigen Form. Es wurde erkannt, dass der
Zeitpunkt der Phasenausbildung, die Art, die Anzahl und die Verteilung der schwefelhaltigen
Partikel entscheidend für die Zerspanbarkeit und für die mechanischen Eigenschaften,
wie etwa der Dehnung, des Bauteils sind. Die ausgebildeten Sulfide, bevorzugt als
Kupfersulfid, bieten ähnlich den Bleipartikeln den Vorteil, als inkohärente Phasen
vorzuliegen.
[0011] Der Zinngehalt nimmt Einfluss auf die Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und auf
die Phasenverteilung und erreicht im beanspruchten Bereich von 3,5 Gew.-% bis ≤ 4,8
Gew.-% ein optimal ausgewogenes, wirtschaftliches Verhältnis der davor beschriebenen
Eigenschaften. Mit einem Zinngehalt von über 4,8 Gew.-% steigt zwar die Festigkeit
und Korrosionsbeständigkeit in der Matrix weiter an, bei üblichen Abkühlungsbedingungen
im Sandguss wird die Verteilung der Sulfide aber gröber und die Größe nimmt zu. Bei
Gehalten unter 3,5 Gew.-% Zinn liegt keine ausreichende Korrosionsinhibierung vor.
Auch werden wegen der schwachen Mischkristallverfestigung die für die Praxis notwendigen
Eigenschaften nicht erreicht. Bei Gehalten über 4,8% Gew.-% Zinn kann zwar eine hohe
Zugfestigkeit erreicht werden, wohingegen die Dehnungswerte des Materials reduziert
werden. Gehalte von weit über 4,8 Gew.-% Zinn führen zur Ausbildung eines Gefüges,
welches sich versprödend und ungünstig auf die Bearbeitung auswirkt.
[0012] Es konnte festgestellt werden, dass bei gleichbleibenden Abkühlungsbedingungen mit
steigendem Zinkgehalt der Anteil von Kupfersulfid abnimmt und der Anteil von Zinksulfid
steigt. Mit einem Zinkgehalt von 1,5 Gew.-% bis 3,5 Gew.-%, besonders bevorzugt mit
einem Zinkgehalt im Bereich von 1,8 Gew.-% bis 3,0 Gew.-%, kann gesichert werden,
dass in Wänden von bis zu 6 mm eine homogene Verteilung kleinerer Sulfide begünstigt
wird. Unter diesem Gesichtspunkt ist ein Zinkgehalt von 2,0 Gew-% bis 2,8 Gew-% besonders
bevorzugt. Der Gehalt von max. 3,5 Gew.-% Zink sichert zusätzlich, dass partielle
Korrosionserscheinungen vermieden und eine hohe Korrosionsbeständigkeit erreicht werden
kann.
[0013] Der Schwefelgehalt von 0,25 Gew.-% bis 0,65 Gew.-% bestimmt den Volumenanteil der
Sulfide mit. Ab 0,25 Gew.-% Schwefel wird eine Menge an Sulfidpartikeln erzeugt, welche
eine ausreichende Zerspanbarkeit der Legierung gewährleistet. Ein Schwefelgehalt über
0,65 Gew.-% Schwefel kann zur Ausbildung von unerwünschten, groben Sulfidpartikeln
führen. Darüber hinaus kann sich durch den hohen Sulfidpartikelanteil der lastübertragene
Querschnitt, d.h. der Querschnitt des Bauteiles, welcher Spannungen von außen aufnimmt,
so stark reduzieren, dass es zu einer Verschlechterung der mechanischen Kennwerte,
wie z.B. Bruchdehnung und dergleichen, kommt. Weiter verbesserte Eigenschaften wurden
mit einer Legierung erzielt, deren Schwefelanteil im Bereich von 0,3 Gew.-% bis 0,6
Gew.-%, insbesondere im Bereich von 0,35 Gew.-% bis 0,55 Gew.-% liegt. Aufgrund der
erfindungsgemäß verwendeten Legierungszusammensetzung liegen die Metallsulfide bei
einem derartigen Schwefelgehalt in der bleifreien Kupferlegierung als inkohärente,
fein verteilte, disperse Phase in Form von fein verteilten Partikeln vor. Dies bietet
den Vorteil, dass eine eventuell auftretende Korrosion nur in einem geringem Umfang
lokal an diesen Partikeln und nicht entlang zusammenhängender, größerer, einzelner
Phasen des Legierungsgefüges stattfindet, wie dies beispielsweise bei Standardmessing
der Fall ist. Bedingt durch die geringe Größe der Partikel findet kein signifikanter
Korrosionsangriff statt.
[0014] Der Anteil an Phosphor (P) in der bleifreien Kupferlegierung beträgt erfindungsgemäß
0,015 Gew.-% bis 0,1 Gew.-%. Unterhalb von 0,015 Gew.-% Phosphor erfolgt keine ausreichende
Desoxidation der Schmelze, was sich auf die Phasenbildung der Legierung negativ auswirkt.
Hingegen neigt die bleifreie Kupferlegierung bei einem Phosphoranteil von mehr als
0,1 Gew.-% zu ungünstigen Auswirkungen auf die mechanischen Eigenschaften, wie z.B
reduzierter Bruchdehnung. Unter diesen Gesichtspunkten liegt der Gewichtsanteil an
Phosphor in der bleifreien Kupferlegierung vorzugsweise im Bereich von 0,02 Gew.-%
bis 0,08 Gew.-%, besonders bevorzugt im Bereich von 0,04 Gew.-% bis 0,06 Gew.-%.
[0015] Wie hierin verwendet, bedeutet der Begriff "bleifreie Kupferlegierung" eine Kupferlegierung,
die insbesondere Blei als unvermeidbare Verunreinigung in einer Menge von nicht mehr
als 0,25 Gew.-% bevorzugt aber 0,09 Gew.-%, besonders bevorzugt nicht mehr als 0,05
Gew.-% umfasst. In der Legierung liegt der Bleianteil bei maximal 0,25 Gew.-%, vorzugsweise
bei maximal 0,09 Gew.-% und besonders bevorzugt bei maximal kleiner gleich 0,05 Gew.-%.
Bei einer Prüfung der Bleimigration nach Norm DIN EN 15664-1 zeigt die Legierung keine
Anzeichen einer erhöhten Bleiabgabe in den ersten Wochen. Stattdessen lässt sich ab
der achten Prüfwoche keine nennenswerte Bleimigration mehr ins Trinkwasser ermitteln
oder liegt im Bereich der Messgenauigkeit des Verfahrens. Der niedrige Bleigehalt
in der erfindungsgemäß verwendeten Legierung, führt somit zu einer deutlichen Reduzierung
der Metallionenmigration im Trinkwasser, wobei der niedrige Bleigehalt keine negativen
Auswirkungen auf den Spanbruch und somit auf die Zerspanbarkeit der erfindungsgemäß
verwendeten Legierung besitzt.
[0016] Der Nickelanteil in der erfindungsgemäß verwendeten Legierung beträgt maximal 0,4
Gew.-%, bevorzugt beträgt der Nickelanteil maximal 0,3 Gew.-%. Der Nickelzusatz erhöht
die Korrosionsbeständigkeit der Legierung, ohne im Widerspruch zur hygienischen Unbedenklichkeit
zu stehen. Ähnlich wie beim Blei, befinden sich die Werte der Nickelmigration bei
einer Prüfung nach Norm DIN EN 15664-1 weit unter den gesetzlich geforderten Grenzwert.
[0017] Des Weiteren konnte festgestellt werden, dass ein Antimongehalt von maximal 0,1 Gew.-%
bzgl. der Eigenschaften der Trinkwassermigration unkritisch ist. Die Legierung kann
weiterhin einen Eisengehalt von maximal 0,3 Gew.-% aufwiesen.
[0018] In bevorzugten Ausführungsformen kann die bleifreie Kupferlegierung auch Anteile
der Elemente Eisen (Fe), Zirconium (Zr) und/oder Bor (B) allein oder in einer Kombination
von mindestens zwei der genannten Elemente als Kornfeiner enthalten. Dabei ist es
bevorzugt, dass Eisen in einem Gewichtsanteil von bis zu 0,3 Gew.-%, Zirconium in
einem Gewichtsanteil von bis zu 0,01 Gew.-% und/oder Bor in einem Gewichtsanteil von
bis zu 0,01 Gew.-% in der bleifreien Kupferlegierung enthalten sind. Die Kornfeiner
vermeiden Warmrissigkeit und beeinflussen die mechanischen Eigenschaften, wie z.B.
Zugfestigkeit, Materialhärte und dergleichen positiv.
[0019] Vorzugsweise beträgt der Kupfergehalt der bleifreien Kupferlegierung mindestens 90
Gew.-%, vorzugsweise mehr als 91 Gew.-%.
[0020] Erfindungsgemäß ist es bevorzugt, wenn die Sulfide der bleifreien Kupferlegierung
homogen im Gefüge verteilt vorliegen sind. Die Anzahl der Sulfidpartikel sollte hoch
und deren mittlere Größe gering sein, um über das gesamte Gefüge gleichmäßige mechanische
Kennwerte, eine gute Korrosionsbeständigkeit, eine verbesserte Spanbarkeit und eine
hohe Druckdichtigkeit zu gewährleisten. Als Material der Sulfidpartikel ist Kupfersulfid
bevorzugt, da das Auftreten von Kupfersulfid ermöglicht, mit einem deutlich geringeren
Gehalt an Schwefel das Volumen von Blei zu substituieren.
[0021] Darüber hinaus hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, wenn das erfindungsgemäße
Bauteil zumindest abschnittsweise eine Wandstärke im Bereich von 0,5 mm bis 6,0 mm
aufweist, da die dünne Wandstärke zu für die Ausbildung der Kupfersulfide geeigneten
Abkühlungsraten führt. Weiterhin ist es bevorzugt, wenn das gesamte erfindungsgemäße
Bauteil eine Wandstärke innerhalb der genannten Bereiche von 0,5 mm bis 4,0 mm besitzt,
da es bei einer Wandstärke in diesem Bereich zu einer besonders erhöhten Ausbildung
der gewünschten Sulfidpartikel kommt. Eine Wandstärke unterhalb von 0,5 mm könnte
aufgrund des geringen Querschnitts keine ausreichende mechanische Festigkeit des erfindungsgemäßen
Bauteils aufweisen. Unter diesen Gesichtspunkten ist es bevorzugt, dass das erfindungsgemäße
Bauteil zumindest abschnittsweise eine Wandstärke im Bereich von 1,0 mm bis 4,0 mm
aufweist.
[0022] Es kann auch von Vorteil sein, wenn bei einer Wandstärke unter 6 mm im Querschliff
des erfindungsgemäßen Bauteiles mindestens ein Anteil von 1,6 Flächenprozent Sulfidpartikeln
und/oder eine Flächeninhaltskennzahl ASP % kleiner als 1000 vorliegt. Derartige Werte
führen dazu, dass Schwefelsulfide als inkohärente, fein verteilte, disperse Phase
vorliegen. Dadurch werden tiefe mulden- und/oder lochförmige Angriffe, insbesondere
Korrosionsangriffe, auf die erfindungsgemäßen Bauteile vermieden. Wie hierin verwendet
ist der Begriff "Flächeninhaltskennzahl ASP %" die mathematische Beschreibung für
das Maß der Form und der Lage einer Glockenkurve, welche sich aus einer Auftragung
der Mittelwerte der Flächenklassen (Abszisse) in Kombination mit der prozentualen
Verteilung der Sulfidpartikel in diesen Flächenklassen (Ordinate) ergibt (vgl. Fig.
1). Der Wert der Flächeninhaltskennzahl ASP% ergibt sich durch ein Vermessen der Fläche
der jeweiligen Partikel, beispielsweise aus einer vergrößerten Aufnahme eines Schliffbildes,
der prozentualen Zuteilung der in der Aufnahme erkennbaren Partikel in Klassen, der
Multiplikation der prozentualen Werte der Zuteilung mit dem Mittelwert der Klasse
und der Bildung eines großen Mittelwerts aus den sich ergebenden Mittelwerten der
Klassen, wobei der große Mittelwert als "Flächeninhaltskennzahl ASP %" angenommen
wird.
[0023] Die erfindungsgemäß verwendete Legierung weist die hervorragende Eigenschaft auf,
sehr schnell auf der inneren, trinkwasserbenetzten Oberfläche eine Deckschicht zu
bilden. Die Deckschicht weist eine Dicke von vorzugsweise mindestens 2 µm, besonders
bevorzugt von mindestens 3 µm, auf. Diese Deckschicht erhöht die Korrosionsbeständigkeit
und sichert die Langlebigkeit der Bauteile aus diesem Werkstoff, da eine weitere Korrosion
verhindert wird. Eine Migration aus dem Werkstoff an das Trinkwasser kann nur stattfinden,
wenn Korrosionsvorgänge im Werkstoff ablaufen. Hier fungiert die Deckschicht also
als Schutzschicht und begrenzt die weitere Metallabgabe an das Trinkwasser auf ein
Minimum. Obwohl der Kupfergehalt in der beschriebenen Legierung höher liegt als in
konventionellen Rotgusslegierungen, wie z. B. CuSnZn5Pb2, findet nur eine reduzierte
Kupfermetallabgabe statt. Die guten Ergebnisse der Prüfung nach DIN EN 15664-1 beweisen,
dass ohne weitgehende Einschränkungen in der Bearbeitbarkeit die Zusammensetzung der
erfindungsgemäß verwendeten Legierung über den gesamten beanspruchten Bereich die
Qualität des Trinkwassers nicht beeinträchtigt. Dabei weist die erfindungsgemäß verwendete
Legierung im Vergleich zu konventionellen Rotguss-Legierungen, wie z.B. CuSnZn5Pb2,
gleichzeitig ein verbessertes Migrationsverhalten in Kombination mit einer ausgezeichneten
Korrosionsbeständigkeit auf.
[0024] In Gussversuchen konnte belegt werden, das die erfindungsgemäßen Bauteile für medienführende
Gas- oder Wasserleitungen mit den herkömmlichen Gussverfahren, wie Sand-, Kokillen-,
oder Stranggussverfahren herstellbar sind. Das durch derartige Gussverfahren hergestellte
Gussteil lässt sich gut spanhebend bearbeiten.
[0025] Hierin verwendet sind unter dem Begriff "Bauteil für medienführende Gas- oder Trinkwasserleitungen"
insbesondere solche Bauteile zu verstehen, die einem Hausinstallationsrohrsystem mit
Wasser, insbesondere mit Trinkwasser in Verbindung kommen, wobei Fitting und Armaturen
derartiger Hausinstallationsrohrsysteme erfindungsgemäß bevorzugt sind. Als Beispiel
für ein derartiges Fitting ist insbesondere das aus der
EP 2 250 421 A1 bekannte Verbindungsstück zu nennen.
[0026] Nachstehend soll die vorliegende Erfindung unter Bezugnahme auf Ausführungsbeispiele
und damit durchgeführte Tests sowie beigefügte Zeichnungen näher erläutert werden.
Es versteht sich, dass diese Beispiele nicht als die Erfindung in irgendeiner Weise
einschränkend zu betrachten sind. Sofern nichts Anderes angegeben ist, sind in der
vorliegenden Anmeldung einschließlich der Ansprüche sämtliche Prozentangaben und Anteilsangaben
auf das Gewicht bezogen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0027] In den Zeichnungen zeigen
- Fig. 1
- exemplarische Auftragungen der Flächen der Partikel gegen die prozentuale Verteilung
der Partikel in verschiedenen Größenklassen, welche als Basis zur Ermittlung der ASP%
dienen ("Glockenkurve");
- Fig. 2
- eine Übersicht der Prüfwässer im Diagramm nach Turner;
- Fig. 3
- ein Diagramm, aus dem die Angriffstiefen der Entzinkung beim Standardmessing im durchgeführten
Warmauslagerungstest nach 5 Monaten Auslagerungsdauer hervorgehen;
- Fig. 4
- ein Übersichtsdiagramm, dass die Bildung der Deckschicht bei der erfindungsgemäß verwendeten
bleifreien Kupferlegierung im durchgeführten Warmauslagerungstest nach 5 Monaten Auslagerungsdauer
zeigt;
- Fig. 5
- eine fotografische Aufnahme, die ein Beispiel eines Korrosionsangriffs von Standardmessing
im Warmauslagerungstest (angelehnt an Turner mit einem Chloridgehalt von 250 mg/l
und einer Karbonathärte von 5,5 °dH) zeigt;
- Fig. 6
- eine fotografische Aufnahme der erfindungsgemäß verwendeten Legierung 2, die ein Beispiel
einer durchgängigen Deckschicht im Warmauslagerungstest (angelehnt an Turner mit einem
Chloridgehalt von 250 mg/l und einer Karbonathärte von 5,5 °dH) zeigt;
- Fig. 7
- ein Diagramm der thermischen Analyse zweier Schmelzen mit unterschiedlichen Zinkgehalten,
die unter gleichen Bedingungen vergossen wurden;
- Fig. 8
- ein Gefügeschliffbild eines Bauteiles aus einer Schmelze, die mit einem Zinkgehalt
von ca. 3,9 Gew.-% vergossen wurde;
- Fig. 9
- ein Gefügeschliffbild eines erfindungsgemäßen Bauteiles aus einer Schmelze, die mit
einem Zinkgehalt von ca. 2,4 Gew.-% vergossen wurde;
- Fig. 10
- ein Gefügeschliffbild eines erfindungsgemäßen Bauteiles aus einer Schmelze, die langsam
abgekühlt wurde; und
- Fig. 11
- ein Gefügeschliffbild eines erfindungsgemäßen Bauteiles aus einer Schmelze, die schnell
abgekühlt wurde.
Warmauslagerungstests zur Korrosionsbeständigkeit von Legierungen
[0028] Zur Beurteilung der Korrosionsbeständigkeit von Kupferlegierungen wurde ein Warmauslagerungstest
entwickelt, der das Langzeitkorrosionsverhalten von Legierungen in einem fünfmonatigen
Versuchszeitraum simuliert. Aufbau und Durchführung des Tests lehnen sich an die seit
Jahrzehnten etablierten Korrosionstest und das darauf basierende Diagramm von
Turner ("The Influence of Water Composition on the Dezincification of Duplex Brass
Fittings"; 1965) und die weiterführenden Untersuchungen durch Ladeburg ("Untersuchungen von Entzinkungserscheinungen
an Fittings aus Kupferlegierungen"; 1966) an. In diesen Untersuchungen wurden Korrosionskurven
für die Entzinkung der Werkstoffe aufgenommen. Dabei wurde die Oberfläche der Bauteile
nach einem Monat Auslagerungszeit in verschiedenen Wässern beurteilt und daraus Rückschlüsse
auf die Entzinkungsbeständigkeit der Legierung gezogen.
[0029] Fig. 2 zeigt ein Turner-Diagramm für die im Warmauslagerungstest eingesetzten Versuchswässer.
In dem Diagramm ist die Karbonathärte (als Maß der Wasserhärte) gegen den Chloridionengehalt
des Versuchswassers aufgetragen. Die mit "Turner klassisch" bezeichnete Linie stellt
die durch Turner entwickelte Korrosionskennlinie für Entzinkung dar ("
The Influence of Water Composition on the Dezincification of Duplex Brass Fittings";
1965). Nach der gängigen Interpretation der Korrosionsfachwelt, findet im Bereich unterhalb
dieser Linie keine Entzinkung statt, oberhalb dieser Line besteht dagegen ein sehr
hohes Risiko, dass ein auf Entzinkung zurückzuführender Schaden des betreffenden Bauteils
auftritt. Die eingezeichneten Punkte geben einen Überblick über die unterschiedlichen
Versuchswässer, die im beschriebenen Warmauslagerungstest verwendet wurden.
[0030] Für die durchgeführten Warmauslagerungstests wurden unter anderem die folgenden bleifreien
Kupferlegierungen eingesetzt, wobei die Anteile der Komponenten in nachstehender Tabelle
1 in Gew.-% angegeben sind:
Tabelle 1:
| Legierung |
Cu |
Sn |
Zn |
P |
S |
Pb |
| 1 |
91,1 |
4,8 |
3,0 |
0,01 |
0,55 |
0,01 |
| 2 |
93,4 |
4,2 |
1,4 |
0,02 |
0,56 |
0,02 |
[0031] Zur Herstellung von Prüfkörpern wurden, aus den Legierungen 1 und 2 Halbzylinder
mit einer Wandstärke von 5 mm gegossen. Danach wurden die Prüfkörper an der Außenseite
mittels einer Drehbearbeitung auf eine Rauigkeit Rz von max. 25µm bearbeitet und an
der Innenseite mittels einer Bohrbearbeitung mit einer Durchgangsbohrung der Rauigkeit
Rz von max. 40 µm versehen. Diese spezielle Oberflächenbehandlung soll eine Vergleichbarkeit
der Probekörper mit real gefertigten Bauteilen ermöglichen.
[0032] Die Oberfläche der Prüfkörper wurde mit Aceton gereinigt. Anschließend wurden die
Prüfkörper frei hängend in ein Prüfbehältnis eingebracht. Die Prüfbehältnisse wurden
dann für fünf Monate in einen Wärmeschrank bei 90°C eingestellt, wobei das Prüfmedium
jeweils in Intervallen von sieben Tagen gewechselt wurde.
[0033] Als Prüfmedien wurden jeweils 21 verschiedene Prüfwasser mit unterschiedlichen pH-Werten
und Karbonathärten (Die Karbonathärte (KH) ist jener Anteil an Calcium- und Magnesiumionen,
für den in der Volumeneinheit eine äquivalente Konzentration an Hydrogencarbonationen
vorliegt) eingestellt, darüber hinaus wurden verschiedene Gehalte an Chloridionen
und/oder Sulfationen eingestellt. Die Gehalte können aus Tabelle 2 entnommen werden:
Tabelle 2:
| Wassernummer |
pH-Wert |
Karbonathärte in °dH |
Chlorid in mg/l |
Sulfat in mg/l |
| 1 |
8 |
0,5 |
10 |
- |
| 2 |
8 |
0,5 |
100 |
- |
| 3 |
8 |
0,5 |
250 |
- |
| 4 |
8 |
0,5 |
1000 |
- |
| 5 |
8 |
1,5 |
15 |
- |
| 6 |
8 |
1,5 |
60 |
- |
| 7 |
8 |
1,5 |
140 |
- |
| 8 |
8 |
3,0 |
30 |
- |
| 9 |
8 |
3,0 |
100 |
- |
| 10 |
8 |
5,5 |
80 |
- |
| 11 |
8 |
5,5 |
120 |
- |
| 12 |
8 |
5,5 |
250 |
- |
| 13 |
7 |
9,0 |
100 |
- |
| 14 |
7 |
9,0 |
160 |
- |
| 15 |
7 |
14,0 |
140 |
- |
| 16 |
7 |
18,0 |
40 |
- |
| 17 |
7 |
18,0 |
100 |
- |
| 18 |
7 |
18,0 |
250 |
- |
| 19 |
8 |
0,5 |
250 |
250 |
| 20 |
8 |
5,5 |
250 |
250 |
| 21 |
7 |
18,0 |
250 |
250 |
[0034] Nach Abschluss des fünfmonatigen Testzeitraums werden die Prüfbehältnisse aus dem
Wärmeschrank entnommen, auf Raumtemperatur abgekühlt, die Prüfkörper aus den jeweiligen
Prüfbehältnissen entnommen, getrocknet, aufgeschnitten und die Schnittfläche wird
jeweils nach entsprechender Aufarbeitung lichtmikroskopisch untersucht.
[0035] Die Legierungen 1 und 2 zeigten über den gesamten in der Warmauslagerung geprüften
Bereich der Trinkwasserverordnung eine herausragende Bildung einer für Kupferlegierungen
notwendigen schützenden festhaftenden, geschlossenen Deckschicht, welche im Warmauslagerungstest
eine Dicke von mindestens 2 µm besitzt und damit eine verbesserte Deckschicht im Bezug
auf eine herkömmliche, bleihaltige Kupferlegierung auf Basis einer CuSnZn-Legierung
(z.B. CuSn5Zn5Pb) aufweist. Des Weiteren ist diese Schicht nahezu frei von Störungen
bzw. Defekten und entfaltet damit ihren vollständigen Schutz durch die Vermeidung
eines tiefergehenden, lokalen Korrosionsangriffes (siehe Fig. 4 und Fig. 6).
[0036] Im Diagramm gemäß Fig. 3 sind die Angriffstiefen bei Standardmessing
(CuZn40Pb2) nach einem fünfmonatigen Warmauslagerungstest für die jeweiligen Prüfwässer dargestellt.
Es zeigt sich jeweils eine selektive Korrosion in Form einer Entzinkung, vorwiegend
einer Propfenentzinkung. Deutlich zu erkennen sind Angriffstiefen, die teilweise bis
zu ca. 750 µm hinreichen und somit eine sehr schlechte Korrosionsbeständigkeit illustrieren.
[0037] Fig. 4 zeigt dagegen das Verhalten der Deckschichtbildung einer erfindungsgemäß eingesetzten
bleifreien Kupferlegierungen (Legierung 1 und Legierung 2) nach einem fünfmonatigen
Warmauslagerungstest für die jeweiligen Prüfwässer. Es zeigt sich, dass es lediglich
zur Bildung einer schützenden Deckschicht kommt. Es ist keinerlei selektiver Korrosionsangriff
sichtbar. Die Dicke der gebildeten, festhaftenden, schützenden Deckschicht beträgt
mindestens 4 µm.
[0038] In Fig. 5 ist eine fotographische Aufnahme der Mikrostruktur bei Standardmessing
(CuZn40Pb2) als Ergebnis eines exemplarischen Korrosionsangriffs nach dem fünfmonatigen
Warmauslagerungstest, angelehnt an Turner, mit einem Chloridgehalt von 250 mg/l und
einer Karbonathärte von 5,5 °dH gezeigt. Hierbei ist ein ungleichmäßiger, teilweise
gestörter Aufbau der Deckschicht und der selektive Korrosionsangriff in Form einer
Entzinkung deutlich erkennbar.
[0039] Im Vergleich dazu zeigt Fig. 6 eine fotographische Aufnahme der Mikrostruktur eines
Ergebnisses des fünfmonatigen Warmauslagerungstests, angelehnt an Turner, mit einem
Chloridgehalt von 250 mg/l und einer Karbonathärte von 5,5 °dH, der an einem erfindungsgemäßen
Bauteil aus der Legierung 2 (Legierung 1 zeigt ein dazu analoges Verhalten) durchgeführt
wurde. Im Vergleich zu der in Fig. 4 dargestellten Mikrostruktur zeigt sich bei dem
erfindungsgemäßen Bauteil nach einem identischen Wärmeauslagerungstest keinerlei selektiver
Korrosionsangriff, sondern ein einheitlicher, homogener Aufbau einer schützenden,
festhaftenden Deckschicht mit einer Dicke von 4 µm bis 23 µm.
[0040] Im Vergleich zum Standardmessing zeigt sich die Legierung in dem hier durchgeführten
Warmauslagerungstest in Anlehnung an Turner frei von selektiven Korrosionsangriffen
(z.B. Entzinkung und Spannungsrisskorrosion) und nahezu allen anderen Korrosionserscheinungen.
[0041] Die Versuche zeigen darüber hinaus, dass Schwefelsulfide als inkohärente, fein verteilte,
disperse Phasen einen deutlichen korrosiven Vorteil zeigen. Dies resultiert aus der
Vermeidung von tiefen mulden- und/oder lochförmigen Angriffen, welche durch ein mögliches
Absinken des pH-Wertes und einer Aufkonzentration der kritischen Inhaltsstoffe des
Mediums zu einer deutlich beschleunigten Korrosion führen könnten. Darüber hinaus
werden keine korrosionstechnisch ungünstigen unedleren, flächenmäßig sehr großen Phasen
gebildet, welche wie oben bereits beschrieben durch Korrosion angegriffen werden könnten
und dann zu einem schnellen Ausfall des Bauteiles führen (vgl. β-Phase im Standardmessing).
Gussversuche zur Bestimmung der Einflüsse auf die Sulfidausbildung
[0042] Es konnte aus Versuchen ermittelt werden, dass die Legierungszusammensetzung die
Verteilung, die Form und den Zeitpunkt der Phasenausbildung entscheidend mitbeeinflusst
und ungünstige Gehalte sich negativ auf die Phasen- und Gefügeausbildung auswirken.
[0043] Zuerst wurden thermische Versuche durchgeführt, die anschließend mittels Bildanalyse
verifiziert worden sind.
[0044] Fig. 7 stellt eine thermische Analyse in einem Temperatur-Zeit-Diagramm dar, durch
das bei Metallen thermische Effekte (beispielweise Freigabe latenter Wärme) detektiert
werden können, die bei Übergängen von fest nach flüssig oder bei Phasentransformationen
im festen Zustand entstehen können. Aufgetragen ist die Abkühlungstemperatur der Legierung
und die erste zeitliche Ableitung des Messsignals gegen die Zeit, die als Abkühlungsrate
beschrieben ist. Eine Änderung des Peaks in der Abkühlungsratenkurve entspricht einem
thermischen Effekt im Material. Bei der erfindungsgemäß verwendeten bleifreien Legierung
ist eine Sulfidausbildung kurz vor Ende der Erstarrung bei niedriger Temperatur anzustreben,
da hierdurch die Sulfide, ähnlich dem Blei, homogener im Gefüge verteilt werden.
Tabelle 3
| Legierung |
Cu |
Sn |
Zn |
S |
P |
Dehnung [A] |
| 3 |
91,0 |
4,2 |
3,9 |
0,45 |
0,06 |
25% |
| 4 |
92,6 |
4,1 |
2,5 |
0,45 |
0,06 |
31% |
[0045] Die Abkühlungsrate in Fig. 7 entspricht dem typischen Erstarrungsablauf einer Kupfer-ZinnLegierung
bis 5 Gew.-% Zinn im Sandguss. Beim weiteren Vergleich der beiden Kurven wird deutlich,
dass es in der Legierung 3 bei ca. 400s zu einem frühzeitigen thermischen Effekt während
des ablaufenden Erstarrungsvorgangs kommt, der auf eine Sulfidausbildung zurückzuführen
ist. Bei der erfindungsgemäßen Legierung 4 findet die Sulfidausbildung verzögert,
kurz vor Ende der Erstarrung statt. Das beide Proben unter identischen Bedingungen
abgekühlt worden sind, untermauert der weitere Abkühlungsratenverlauf der Proben,
der nach der Phasenausbildung identisch vorliegt. Der variierende Zeitpunkt der Phasenausbildung
ist somit auf den unterschiedlichen Zinkgehalt in den Legierungen zurückzuführen.
Die frühzeitige Sulfidausbildung beeinflusst die Sulfidform und die Verteilung im
Gefüge. Damit führt die frühzeitige Sulfidausbildung in der Legierung 3 zu einer heterogenen,
partiellen Phasenverteilung, welche die mechanischen Kennwerte wie die Dehnung negativ
beeinflusst.
[0046] In Fig. 8 (Legierung 3) und Fig. 9 (erfindungsgemäß verwendete Legierung 4) sind
die Unterschiede im Gefüge von Bauteilen, welche aus Schmelzen gemäß Legierung 3 und
4 aus Fig. 7 hergestellt worden sind, mit den unterschiedlichen Zinkgehalten zu sehen.
Gemäß der vorliegenden Erfindung ist die Materialzusammensetzung auf eine Art eingestellt,
die eine vorzeitige Sulfidausbildung vermeidet und eine homogene Verteilung fördert.
[0047] Desweiten wurde erkannt, dass die Abkühlungsbedingungen der Schmelze zu einem erfindungsgemäßen
Bauteil, einen Einfluss auf die Sulfidausbildung besitzen. Durch eine hohe Abkühlrate
wie sie bei einer dünnen Wand bevorzugt vorliegt entsteht ein feinmaschiges Dendritennetzwerk
mit feinen Restschmelzegebieten, aus denen eine globulare Ausbildung der Sulfide unterstützt
wird. Insofern ist ein schnelles Abkühlen erfindungsgemäß bevorzugt. Fig. 10 und Fig.
11 zeigt Gefügebilder erfindungsgemäßer Bauteile aus einer identischen Schmelze, die
unter variierenden Bedingungen abgekühlt wurde. Bei einer schnellen Abkühlung zeigt
das Gefügebild in Fig. 11 eine Struktur, die zu höheren mechanischen Kennwerten, wie
z.B. Zugfestigkeit, Bruchdehnung und dergleichen führt.
[0048] Zur Bestätigung dieser Charakteristik wurden die Partikel mittels Bildanalyse an
Gefügeschliffen der Probekörper untersucht und charakterisiert.
[0049] Dabei hat sich gezeigt, dass sich bei der Herstellung erfindungsgemäßer Bauteile
unter den genannten Abkühlungsbedingungen einer Schmelze, einer erfindungsgemäß zusammengesetzten
Legierung, erreicht werden kann, dass zumindest abschnittsweise in einem Gefügeschliff
des Gussteiles mindestens 1,8 Flächenprozent der Gesamtfläche als Sulfidpartikel ausgebildet
vorliegt.
[0050] Unter anderem kann das Volumen der Sulfide und die Flächeninhalte mittels dieser
Bildanalyse ermittelt werden.
[0051] Zur näheren Bestimmung der Sulfidpartikel werden verschiedene Größenklassen eingeführt
(vgl. Tabelle 4). Anschließend werden die Partikel vermessen und den Klassen prozentual
zugerechnet. Nun werden die prozentualen Zurechnungen mit dem Mittelwert der Klasse
multipliziert. Die sich ergebenden Mittelwerte der Klassen werden zu einem großen
Mittelwert zusammengefasst. Der sich ergebende Wert stellt die Flächeninhaltskennzahl
Sulfidpartikel ASP% dar.
[0052] Die erfindungsgemäß verwendeten Legierungen lassen sich mit einer Flächeninhaltskennzahl
ASP% kleiner als 1000 charakterisieren.
Tabelle 4:
| Nummer der Klasse |
Untergrenze der Klasse [µm2] |
Obergrenze der Klasse [µm2] |
Mittelwert der Klasse [µm2] |
| 1 |
0 |
10 |
5 |
| 2 |
10 |
30 |
20 |
| 3 |
30 |
60 |
45 |
| 4 |
60 |
100 |
80 |
| 5 |
100 |
150 |
125 |
| 6 |
150 |
200 |
175 |
| 7 |
200 |
300 |
250 |
| 8 |
300 |
500 |
400 |
| 9 |
500 |
800 |
650 |
| 710 |
800 |
+Inf |
950 |
[0053] Voranstehend wurde die vorliegende Erfindung unter Bezugnahme auf Beispiele und Vergleichsbeispiele
beschrieben. Für den Fachmann ist es jedoch ersichtlich, dass die Erfindung nicht
auf diese Beispiele eingeschränkt ist, sondern sich der Umfang der vorliegenden Erfindung
aus den beiliegenden Ansprüchen ergibt.
1. Bauteil für medienführende Gas- oder Wasserleitungen, insbesondere Fitting oder Armatur
für Trinkwasserleitungen, wobei das Bauteil zumindest teilweise aus einer bleifreien
Kupferlegierung besteht, die die folgenden Legierungskomponenten in Gew.-% aufweist:
3,5 Gew.-% ≤ Sn ≤ 4,8 Gew.-%;
1,5 Gew.-% ≤ Zn ≤ 3,5 Gew.-%;
0,25 Gew.-% ≤ S ≤ 0,65 Gew.-%;
0,015 Gew.-% ≤ P ≤ 0,1 Gew.-%;
unvermeidbare Verunreinigungen sowie
zum Rest Kupfer.
2. Bauteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Schwefel-Anteil in der Legierung 0,3 Gew.-% ≤ S ≤ 0,60 Gew.-%, insbesondere 0,35
Gew.-% ≤ S ≤ 0,55 Gew.-%, beträgt.
3. Bauteil nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Zink-Anteil in der Legierung 2,0 Gew.-% ≤ Zn ≤ 3,0 Gew.-% beträgt.
4. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Phospor-Anteil in der Legierung 0,02 Gew.-% ≤ P ≤ 0,08 Gew.-%, insbesondere 0,04
Gew.-% ≤ P ≤ 0,06 Gew.-%, beträgt.
5. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Gehalt an Blei nicht mehr als 0,25 Gew.-%, insbesondere nicht mehr als 0,09 Gew.-%
und bevorzugt nicht mehr als 0,05 Gew.-%, beträgt.
6. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Gehalt an Nickel nicht mehr als 0,4 Gew.-% beträgt.
7. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Gehalt an Antimon nicht mehr als 0,1 Gew.-% beträgt.
8. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Gehalt an Eisen, Zirkonium und/oder Bor allein oder in Kombination von zwei oder
mehr der genannten Elemente nicht mehr als 0,3 Gew.-% beträgt.
9. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Kupfer in der bleifreien Kupferlegierung in einer Menge von mehr als 90 Gew.-% enthalten
ist.
10. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Bauteil zumindest abschnittsweise eine Wandstärke im Bereich von 0,5 mm bis 6,0
mm, vorzugsweise im Bereich von 1,0 mm bis 4,0 mm aufweist.
11. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei einer Wandstärke unter 6 mm im Querschliff des Bauteiles mindestens ein Anteil
von 1,6 Flächenprozent Sulfidpartikeln und/oder eine Flächeninhaltskennzahl ASP% kleiner
als 1000 vorliegt.
12. Bauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass es eine homogene, schützende Deckschicht von mindestens 2 µm aufweist.
13. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Schwefelsulfide als inkohärente, fein verteilte, disperse Phase vorliegen und somit
tiefe mulden- und/oder lochförmigen Angriffen, insbesondere Korrosionsangriffe, vermieden
werden.
14. Bauteil nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkstoff nach DIN EN 15664-2 nach 16 Wochen keine erhöhten Blei- bzw. Nickelmigration
aufweist und den Vorgaben der DIN EN 15664-2 entspricht.