(19)
(11) EP 3 235 550 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
25.10.2017  Patentblatt  2017/43

(21) Anmeldenummer: 17155879.4

(22) Anmeldetag:  13.02.2017
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
A63G 7/00(2006.01)
A63G 21/08(2006.01)
A63G 31/16(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
MA MD

(30) Priorität: 19.04.2016 DE 102016107239
29.07.2016 US 201615223001

(71) Anmelder: Simtec Systems GmbH
38108 Braunschweig (DE)

(72) Erfinder:
  • Kaufmann, Bernd
    38124 Braunschweig (DE)

(74) Vertreter: Plöger, Jan Manfred 
Gramm, Lins & Partner Patent- und Rechtsanwälte PartGmbB Freundallee 13 a
30173 Hannover
30173 Hannover (DE)

   


(54) FAHRGESCHÄFT


(57) Die Erfindung betrifft ein Fahrgeschäft (10), insbesondere eine Geisterbahn, mit einem Vehikel (12), das ein Fahrgestell (16) und eine Fahrgastaufnahme (24) für Fahrgäste (34) aufweist, wobei das Vehikel (12) einen auf dem Fahrgestell (16) angeordneten Hexapodantrieb (20) und einen Drehtisch (22), der mit dem Hexapodantrieb (20) verbunden ist, aufweist, wobei der Hexapodantrieb (20) sechs Teleskopantriebe (36) aufweist, die in jeweiligen Fußpunkten (38) an einer Plattform (38) befestigt sind, und der einen Zentralpunkt hat, der der Mittelpunkt (M) des Ausgleichskreises (K) durch alle Fußpunkte ist. Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass die Fahrgastaufnahme (24) am Drehtisch (22) um eine Fahrgastaufnahmen-Drehachse (D24) kippbar befestigt ist und eine senkrechte Projektion der Fahrgastaufnahmen-Drehachse (D24) auf eine Ebene (E) durch den Ausgleichskreis (K) einen Abstand vom Zentralpunkt hat, der zumindest zwei Drittel des Radius (R) des Ausgleichskreises (K) entspricht.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Fahrgeschäft gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1. Derartige Fahrgeschäfte dienen der Unterhaltung der Fahrgäste, die in der Fahrgastaufnahme Platz nehmen und dann mittels des Fahrgestells an Kulissen, Leinwänden oder sonstigen Unterhaltungseinrichtungen vorbei gefahren werden.

[0002] Es ist bekannt, die Fahrgastaufnahme an einem Roboter zu befestigen, sodass die Fahrgastaufnahme in allen sechs Bewegungsfreiheitsgraden bewegt werden kann. Ein derartiger Aufbau ist sehr flexibel, hat aber den Nachteil, dass er in der Regel nicht eigensicher ist. Das bedeutet, dass die Fahrgastaufnahme in Positionen bringbar ist, die die Fahrgäste gefährden. Es muss daher ausgeschlossen werden, dass das Vehikel falsch programmiert wird. Ein Beweis der Fehlerfreiheit ist jedoch prinzipbedingt nicht führbar. Es verbleibt deshalb stets ein systemimmanentes Restrisiko, das Fahrgäste aufgrund einer Fehlprogrammierung zu Schaden kommen.

[0003] Aus der US 2005/0014566 A1, der US 7,094,157 B2 und der DE 694 23 873 T2 sind Fahrgeschäfte bekannt, bei denen die Fahrgastaufnahme mittels eines Hexapod-Antriebs bewegt wird. Nachteilig an derartigen Systemen ist, dass sie vergleichsweise aufwendig zu konstruieren sind, wenn die Fahrgastaufnahme große Höhenunterschiede zu überwinden hat.

[0004] Aus der DE 295 12 759 U1, der US 7,033,177 B2 und der US 8 641 540 B2 sind Fahrgeschäfte bekannt, bei denen die Fahrgastaufnahme hängt. Derartige Systeme sind wegen der Notwendigkeit einer Oberbau-Konstruktion aufwendig.

[0005] Ein gattungsgemäßes Fahrgeschäft ist aus der DE 699 29 187 T2 bekannt. Ein derartiges System ist in der Verwendung von Themenparks, bei denen große Kulissen verwendet werden, nicht geeignet.

[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Fahrgeschäft vorzuschlagen bei dem die Passivsicherheit auch dann gewährleistet ist, wenn es einen großen Hub hat.

[0007] Die Erfindung löst das Problem durch ein Fahrgeschäft mit den Merkmalen von Anspruch 1.

[0008] Vorteilhaft an einem derartigen Fahrgeschäft ist, dass das Vehikel die Fahrgastaufnahme in alle Positionen bringen kann, die Vehikel nach dem Stand der Technik erreichen und die gleichzeitig für die Verwendung in dem Fahrgeschäft notwendig sind. Gleichzeitig ist das Vehikel aber eigensicher aufbaubar, das heißt, dass selbst ein vollständiges Versagen aller Antriebe und/oder eine Fehlprogrammierung nicht zu einer die Fahrgäste gefährdenden Kollision führen kann.

[0009] Aus der so erreichten inhärenten Sicherheit folgt zudem, dass das Vehikel einfach umprogrammiert werden kann. Es ist nämlich nicht mehr notwendig, einen neuen Bewegungsablauf darauf hin zu untersuchen, dass eine Gefährdung der Fahrgäste in allen denkbaren Situationen ausgeschlossen ist.

[0010] Vorteilhaft ist zudem, dass die Versorgung des Vehikels mit Energie einfach aufgebaut werden kann. Versagt nämlich die Energieversorgung, so führt dies bei einem erfindungsgemäßen Fahrgeschäft lediglich dazu, dass die Fahrgäste in eine Ruheposition kommen. Bei Systemen nach dem Stand der Technik muss sichergestellt werden, dass auch ein Ausfall der Energieversorgung nicht zu einer Gefährdung der Fahrgäste führen kann. Das ist deutlich aufwendiger.

[0011] Das erfindungsgemäße Fahrgeschäft hat zudem den Vorteil, dass die Zahl der Fahrgäste pro Vehikel größer gewählt werden können. Sowohl ein Hexapodantrieb als auch einen Drehtisch können konstruktionsbedingt mit einfachen Mitteln so gebaut werden, dass sie große Kräfte aufnehmen können. Dem gegenüber ist es bei seriellen Robotern aufwendig, an der Roboterhand große Lasten zu befestigen, da dies zu beträchtlichen Drehmomenten in den Antriebsachsen führt.

[0012] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist die Fahrgastaufnahme zur Aufnahme von mehr als vier Fahrgästen ausgebildet. Die Vehikel bekannter Fahrgeschäfte, bei denen die Fahrgastaufnahme an einem Roboter befestigt ist, können bislang nur für vier Fahrgäste gebaut werden, da ansonsten der apparative Aufwand zum Aufbringen der notwendigen Drehmomente unvertretbar groß würde. Ein erfindungsgemäßes Fahrgeschäft hingegen ermöglicht leicht die Aufnahme von mehr als vier Fahrgästen, beispielsweise sieben, acht, neun, zehn oder sogar mehr Fahrgästen.

[0013] Besonders günstig ist es, wenn das Fahrgestell pfadgebunden ist. Hierunter ist zu verstehen, dass es so ausgebildet ist, dass es einem baulich vorgegebenen Pfad folgt, ohne ihn verlassen zu können. In anderen Worten ist es ausreichend, wenn das Fahrgestell stets konstruktionsbedingt entlang des Pfads fährt. Beispielsweise ist der baulich vorgegebene Pfad genau eine Schiene oder ein Schienenpaar. In anderen Worten kann das Fahrgestell ein Schienenfahrzeug sein. Dann ist das Fahrgestell so ausgebildet, dass es an oder auf genau einer Schiene geführt bewegbar ist. Alternativ ist das Fahrgestell so ausgebildet, dass es auf oder an zwei Schienen geführt bewegbar ist. Die zumindest eine Schiene kann Kräfte und/oder Momente aufnehmen, das ist aber nicht notwendig.

[0014] Alternativ kann der baulich vorgegebene Pfad ein Leitstrang sein, also eine Vorrichtung, die sich entlang der Trajektorie erstreckt, die das Vehikel nehmen soll. Das Vehikel ist dann vorzugsweise ausgebildet zum Erfassen seiner Position relativ zum Leitstrang und zum autonomen Bewegen, sodass ein Abstand vom Leitstrang minimiert wird. Das hat den Vorteil, dass die Trajektorie, auf der sich das Vehikel bewegt, baulich vorgegeben ist und damit Unfälle aufgrund einer fehlerhaften Programmierung der Trajektorie ausgeschlossen sind.

[0015] Vorzugsweise weist das Vehikel eine Bildwiedergabefläche auf, die in eine aktive Stellung, in der die Bildwiedergabefläche sich in einem Sichtfeld von auf der Fahrgastaufnahme sitzenden Fahrgästen befindet, und in eine inaktive Stellung, in der die Bildwiedergabefläche außerhalb des Sichtfelds ist, bringbar ist. Besonders günstig ist es, wenn die Bildwiedergabefläche gekrümmt ist. Insbesondere ist die Bildwiedergabefläche so gekrümmt, dass sie von der Fahrgastaufnahme aus gesehen konkav ist. Unter der Bildwiedergabefläche wird insbesondere eine Leinwand oder ein Monitor verstanden.

[0016] Ist die Bildwiedergabefläche eine Leinwand, umfasst das Vehikel vorzugsweise einen Projektor, der angeordnet ist zum Projizieren eines Films auf die Leinwand. Besonders bevorzugt ist der Projektor angeordnet zum Projizieren des Films auf die Leinwand dann, wenn sie in ihrer aktiven Stellung ist. Auf diese Weise kann den Fahrgästen ein Film gezeigt werden, während sie mit dem Fahrgestell entlang einer Trajektorie bewegt werden.

[0017] Besonders günstig ist es, wenn das Fahrgeschäft eine Steuervorrichtung aufweist, beispielsweise einen Steuerrechner, der die Bewegung des Vehikels, die Bewegung der Bildwiedergabefläche und die Projektion des Films andererseits synchronisiert. Auf diese Weise kann die Bewegung des Vehikels auf den Film, den die Fahrgäste sehen, abgestimmt werden. Besonders günstig ist es, wenn die Steuervorrichtung zudem den Hexapodantrieb und/oder den Drehteller ansteuert, sodass den Fahrgästen ein Bewegen durch einen virtuellen Raum simuliert werden kann.

[0018] Günstig ist es, wenn die Fahrgastaufnahme eine Rückenlehne aufweist und der Hexapodantrieb und die Fahrgastaufnahme so ausgebildet sind, dass die Rückenlehnen in eine Neigungsstellung bringbar sind, in der ein Neigungswinkel der Rückenlehne zur Horizontalen kleiner ist als 20°, insbesondere kleiner ist als 15°. Auf diese Weise kann den Fahrgästen beispielsweise die Illusion vermittelt werden, sie würden relativ zur Sitzaufnahme beschleunigt.

[0019] Vorzugsweise ist die Fahrgastaufnahme um eine Fahrgastaufnahmen-Drehachse kippbar und der Hexapodantrieb und der Drehtisch sind in eine Position bringbar, in der die Fahrgastaufnahmen-Drehachse mit einer Horizontalebene einen Winkel von höchstens 10°, insbesondere höchstens 5°, einnimmt. In diesem Fall können die Fahrgäste in horizontaler Reihung nebeneinander sitzen.

[0020] Der Hexapodantrieb besitzt sechs Teleskopantriebe, die mit jeweiligen Fußpunkten an einer Plattform befestigt sind, wobei der Hexapodantrieb einen Zentralpunkt hat, der der Mittelpunkt des Ausgleichskreises der Fußpunkte ist, wobei eine senkrechte Projektion der Fahrgastaufnahmen-Drehachse auf eine Ebene durch den Ausgleichskreis einen Abstand vom Zentralpunkt hat, der zumindest zwei Drittel des Radius des Ausgleichskreises entspricht. In anderen Worten ist die Fahrgastaufnahme azentrisch am Hexapodantrieb befestigt, sodass die Fahrgastaufnahme durch Betätigen des Hexapodantriebs mit einem großen Hub hoch- und herunter bewegt werden kann. Es ist möglich, nicht aber notwendig, dass alle Fußpunkte auf einem Kreis liegen. Dann ist dieser Kreis der Ausgleichskreis. Liegen die Fußpunkte nicht alle auf einem Kreis, ist der Ausgleichskreis derjenige Kreis, für den die Summe der Abstandsquadrate zwischen dem Kreis und den Fußpunkten minimal wird.

[0021] Günstig ist es, wenn eine Drehtisch-Drehachse des Drehtischs durch den Ausgleichskreis verläuft. Insbesondere ist es vorteilhaft wenn die Drehtisch-Drehachse einen Abstand vom Mittelpunkt des Ausgleichskreises hat, der kleiner ist als die Hälfte des Radius des Ausgleichskreises.

[0022] Ein besonders einfacher Aufbau ergibt sich, wenn die Drehtisch-Drehachse mit der Ebene durch den Ausgleichskreis einen Winkel einschließt, der um höchstens 10° vom rechten Winkel abweicht.

[0023] Vorzugsweise ist der Hexapodantrieb in eine Position bringbar, in der ein Anstellwinkel zwischen dem Ausgleichskreis und der Horizontalebene zumindest 25° beträgt. Auf diese Weise kann die Fahrgastaufnahme um eine große Strecke auf- und ab bewegt werden.

[0024] Wie einleitend bereits erwähnt, ist die passive Sicherheit bei Fahrgeschäften sehr wichtig. Vorzugsweise besitzt das Vehikel daher ein Lichtraumprofil, wobei das Fahrgeschäft Kulissen aufweist, und alle Kulissen außerhalb des Lichtraumprofils angeordnet sind. Unter dem Lichtraumprofil wird insbesondere diejenige Hüllkurve des Raums verstanden, den ein Teil des Fahrgeschäfts bauartbedingt erreichen kann. Die Hüllkurve umgibt damit den gedachten Raum, in dem das Fahrgeschäft in allen möglichen Positionen von Hexapodantrieb, Drehtisch und Fahrgastaufnahme positioniert sein kann. In anderen Worten sind die Kulissen vorzugsweise so angeordnet, dass eine Kollision der Fahrgastaufnahme oder eines Fahrgasts mit einer Kulisse deshalb ausgeschlossen ist, weil das Vehikel zu keiner Bewegung imstande ist, die zu einer Kollision führen könnte.

[0025] Vorzugsweise ist das Vehikel zum Bewegen entlang einer vorgegebenen Trajektorie ausgebildet, wobei das Fahrgeschäft zumindest eine erste Kulisse in Form einer Fix-Leinwand an einer ersten Stelle entlang der Trajektorie aufweist und das Fahrgeschäft eine Steuervorrichtung aufweist, die ausgebildet ist zum automatischen Bewegen des Vehikels entlang der Trajektorie und zum automatischen Projizieren von Bildern auf die erste Fix-Leinwand, wobei das Projizieren mit der Bewegung des Vehikels synchronisiert ist. In anderen Worten wird eine vorgegebene Filmsequenz genau dann auf die Fix-Leinwand projiziert, wenn das Vehikel in einer vorgegebenen Position angekommen ist.

[0026] Alternativ oder zusätzlich ist die Steuervorrichtung eingerichtet zum automatischen Projizieren eines Filmes auf die Bildwiedergabefläche, die Teil des Vehikels ist. Besonders günstig ist es, wenn das Projizieren auf die Fix-Leinwand und das Projizieren auf die mit dem Vehikel verbundene Bildwiedergabefläche sowie die Bewegung der Bildwiedergabefläche zueinander synchronisiert sind.

[0027] Beispielsweise ist es dann möglich, dass das Vehikel vor einer Fix-Leinwand automatisch positioniert wird, dann eine vorgegebene Filmsequenz gezeigt wird, wobei die am Vehikel befestigte Bildwiedergabefläche in ihrer inaktiven Stellung ist. Danach wird die am Vehikel befestigte Bildwiedergabefläche in die aktive Stellung gebracht, wobei es möglich ist, dass bereits während des Bringens in die aktive Stellung das Zeigen eines Films auf der Bildwiedergabefläche begonnen wird. Die Steuervorrichtung ist in diesem Fall ausgebildet zum automatischen Ansteuern der Komponenten des Fahrgeschäfts, sodass dieses Verfahren durchgeführt wird. Ein besonders eindrucksvoller Effekt ergibt sich, wenn der auf die Bildwiedergabefläche projizierte Film dem auf die Fix-Leinwand projizierten Film entspricht, sodass das Bringen der Bildwiedergabefläche von der inaktiven Stellung in die aktive Stellung von den Fahrgästen kaum wahrgenommen wird.

[0028] Im Folgenden wird die Erfindung anhand der beigefügten Zeichnung näher erläutert. Dabei zeigt
Figur 1
ein erfindungsgemäßes Fahrgeschäft in einer ersten Position,
Figur 2
das Fahrgeschäft gemäß Figur 1, bei dem das Vehikel in einer zweiten Position ist, und
Figur 3
das Vehikel gemäß Figuren 1 und 2, bei dem die Bildwiedergabefläche in der inaktiven Stellung ist.
Figur 4
zeigt ein Ablaufdiagramm eines erfindungsgemäßen Verfahrens.


[0029] Figur 1 zeigt ein Fahrgeschäft 10, das ein Vehikel 12 und eine erste Kulisse 14.1 in Form einer Fix-Leinwand aufweist. Das Vehikel 12 besitzt ein Fahrgestell 16, das selbstfahrend ausgebildet ist und sich an einer Schiene 18 orientiert. In anderen Worten ist das Fahrgestellt16 so ausgebildet, dass es der Schiene 18 folgt, ohne an der Schiene 18 geführt zu sein.

[0030] Alternativ kann das Vehikel 12 an genau einer Schiene geführt sein, wobei die Schiene die Antriebskraft und die Führungskraft sowie gegebenenfalls Kippmomente aufnimmt.

[0031] Das Vehikel 12 besitzt einen Hexapodantrieb 20, auf dem ein Drehtisch 22 montiert ist. Am Drehtisch 22 ist eine Fahrgastaufnahme 24 befestigt, in der Fahrgäste Platz nehmen können.

[0032] Figur 1 zeigt, dass das Vehikel 12 zudem eine Bildwiedergabefläche 26 besitzt, die ganz allgemein auch als Projektionsfläche bezeichnet werden könnte. In Figur 1 ist die Bildwiedergabefläche 26 in ihrer aktiven Stellung gezeigt, in der Fahrgäste auf die Bildwiedergabefläche 26 blicken können. Figur 3 zeigt die Bildwiedergabefläche 26 in ihrer inaktiven Stellung. In der vorliegenden Ausführungsform ist die Bildwiedergabefläche 26 relativ zur Fahrgastaufnahme 24 schwenkbar befestigt.

[0033] In Figur 1 ist schematisch ein Projektor 28 eingezeichnet, mittels dem ein Film auf die Bildwiedergabefläche 26 projiziert werden kann, die als gekrümmte Leinwand ausgebildet ist. Selbstverständlich ist auch möglich, dass das Vehikel alternativ oder zusätzlich zur Bildwiedergabefläche 26 einen Bildschirm aufweist.

[0034] Figur 2 zeigt das Vehikel 12 in einer abweichenden Position, bei der die Fahrgastaufnahme 24 angehoben ist. In Figur 2 ist die Bildwiedergabefläche 26 nicht mit eingezeichnet. Die Fahrgastaufnahme 24 besitzt eine Mehrzahl an Sitzen, von denen der Sitz 30.1 schematisch eingezeichnet ist. Der Sitz 30.1 besitzt eine Rückenlehne 32, die einen Neigungswinkel α mit der Horizontalen H einschließt, der in der in Figur 2 gezeigten Stellung kleiner ist als α = 20°. Ein schematisch eingezeichneter Fahrgast 34 liegt dann quasi auf dem Rücken.

[0035] Der Hexapodantrieb 20 besitzt sechs Teleskopantriebe von 36.1, 36.2, ..., 36.6, die mit jeweiligen Fußpunkten 38.i (i = 1, 2, 3, 4, 5, 6) an einer Plattform 40 befestigt sind. Im rechten Teilbild ist die Plattform 40 schematisch von oben gezeigt. Es ist zu erkennen, dass die Fußpunkte 38.i im vorliegenden Fall auf einem Ausgleichskreis K liegen, der einen Mittelpunkt M hat.

[0036] Die Fahrgastaufnahme 24 ist um eine Fahrgastaufnahmen-Drehachse D24 kippbar gelagert. Ein Abstand der Fahrgastaufnahmen-Drehachse D24 von dem Mittelpunkt M ist im vorliegenden Fall größer als ein Radius R des Ausgleichskreises K. Das stellt eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung dar.

[0037] Figur 3 zeigt, dass der Drehtisch 22 eine Drehtisch-Drehachse D22 hat, die im vorliegenden Fall durch den Mittelpunkt M (vergleiche Figur 2) des Ausgleichskreises K verläuft. Die Drehtisch-Drehachse D22 verläuft zudem senkrecht zu einer Ebene durch den Ausgleichskreis K. Die Fahrgäste 34 können auf eine zweite Kulisse in Form einer Fix-Leinwand 14.2 blicken.

[0038] In Figur 3 ist die Bildwiedergabefläche 26 in ihrer inaktiven Stellung gezeigt. Dabei befindet sie sich außerhalb eines Sichtfeldes S der Fahrgäste 34. Das Sichtfeld bezeichnet den Bereich von β1 = 60° oberhalb der Horizontalen und β2 = 70° unterhalb der Horizontalen. Diese Angabe gilt insbesondere, wenn die Fahrgäste in einer normalen Sitzposition sind. Wird die Fahrgastaufnahme 34 nach hinten verkippt, bezieht sich diese Winkelangabe nicht auf die Horizontale, sondern auf eine Ebene, die um den gleichen Winkel verkippt wurde wie die Fahrgastaufnahme 34.

[0039] Die Bildwiedergabefläche 26 kann im vorliegenden Fall in die in Figur 1 gezeigte aktive Stellung gekippt werden, wobei die Drehachse, um die die Kippung stattfindet, parallel zur Fahrgastaufnahmen-Drehachse D24 verläuft.

[0040] Im Folgenden wird beschrieben, wie ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Verwendung des erfindungsgemäßen Fahrgeschäfts durchgeführt wird. Zunächst wird das Vehikel 12 in eine Position gebracht, in der die Fahrgäste 34 die Fahrgastaufnahme 24 besteigen können, insbesondere können sich die Fahrgäste 34 in die Fahrgastaufnahme 24 setzen. Danach fährt das Vehikel 12 beispielsweise zu einer ersten Kulisse 14.1, bei der es sich um eine Fix-Leinwand handeln kann. Dort wird, nachdem das Vehikel 12 angekommen ist, ein Film vorgeführt, den die Fahrgäste 34 betrachten können. Gegen Ende des Films schwenkt die Bildwiedergabefläche 26 in das Sichtfeld der Fahrgäste und der Projektor 28 projiziert einen Film auf diese Bildwiedergabefläche 26. Dieser Film kann so gestaltet sein, dass die Fahrgäste 34 das Verschwenken der Bildwiedergabefläche 26 kaum bemerken.

[0041] Sobald die Bildwiedergabefläche 26 vollständig im Sichtfeld der Fahrgäste ist, bewegt sich das Vehikel 12 zur nächsten Kulisse 14.2. Bei dieser Bewegung kann der Hexapodantrieb zusammen mit dem Drehtisch eine Bewegung simulieren, die auf den Film abgestimmt ist, der auf die Bildwiedergabefläche 26 projiziert wird. Die Fahrgäste haben dann die Illusion, in die im Film gezeigte Szene einzutauchen.

[0042] Sobald das Vehikel vor der nächsten Kulisse angekommen ist, wird die Bildwiedergabefläche 26 weggeklappt. Dabei handelt es sich bei der zweiten Kulisse um eine Fix-Leinwand und es kann auf dieser ein weiterer Film gezeigt werden. Die angegebenen Verfahrensschritte werden dadurch ausgeführt, dass eine Steuervorrichtung 42 die beteiligten Komponenten des Fahrgeschäfts 10, insbesondere des Vehikels 12, entsprechend ansteuert.

[0043] Figur 4 zeigt ein Ablaufdiagramm eines erfindungsgemäßen Verfahrens.

Bezugszeichenliste



[0044] 
10
Fahrgeschäft
12
Vehikel
14
erste Kulisse
16
Fahrgestell
18
Schiene
20
Hexapodantrieb
22
Drehtisch
24
Fahrgastaufnahme
26
Bildwiedergabefläche
28
Projektor
30
1 Sitz
32
Rückenlehne
34
Fahrgast
36
Teleskopantrieb
38
Fußpunkt
40
Plattform
D22
Drehtisch-Drehachse
D24
Fahrgastaufnahmen-Drehachse
H
Horizontale
K
Ausgleichskreis
M
Mittelpunkt
R
Radius
S
Sichtfeld
α
Neigungswinkel



Ansprüche

1. Fahrgeschäft (10), insbesondere Geisterbahn,
mit einem Vehikel (12), das

(a) ein Fahrgestell (16) und

(b) eine Fahrgastaufnahme (24) für Fahrgäste (34) aufweist,

(c) wobei das Vehikel (12)

- einen auf dem Fahrgestell (16) angeordneten Hexapodantrieb (20) und

- einen Drehtisch (22), der mit dem Hexapodantrieb (20) verbunden ist, aufweist,

(d) wobei der Hexapodantrieb (20) sechs Teleskopantriebe (36) aufweist, die in jeweiligen Fußpunkten (38) an einer Plattform (38) befestigt sind, und der einen Zentralpunkt hat, der der Mittelpunkt (M) des Ausgleichskreises (K) durch alle Fußpunkte ist,

dadurch gekennzeichnet, dass

(e) die Fahrgastaufnahme (24) am Drehtisch (22) um eine Fahrgastaufnahmen-Drehachse (D24) kippbar befestigt ist und

(f) eine senkrechte Projektion der Fahrgastaufnahmen-Drehachse (D24) auf eine Ebene (E) durch den Ausgleichskreis (K) einen Abstand vom Zentralpunkt hat, der zumindest zwei Drittel des Radius (R) des Ausgleichskreises (K) entspricht.


 
2. Fahrgeschäft (10) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Fahrgestell (16) pfadgebunden, insbesondere schienengebunden, ist.
 
3. Fahrgeschäft (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Vehikel (12) eine, insbesondere gekrümmte, Bildwiedergabefläche (26), aufweist, die

- in eine aktive Stellung, in der die Bildwiedergabefläche (26) in einem Sichtfeld (S) von auf der Fahrgastaufnahme (24) sitzenden Fahrgästen (34) ist, und

- in eine inaktive Stellung, in der die Bildwiedergabefläche (26) außerhalb des Sichtfelds (S) ist,

bringbar ist.
 
4. Fahrgeschäft (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass

- die Fahrgastaufnahme (24) eine Rückenlehne (32) aufweist und

- der Hexapodantrieb (20) und die Fahrgastaufnahme (24) so ausgebildet sind, dass die Rückenlehne (32) in eine Neigungsstellung bringbar ist, in der ein Neigungswinkel (α) der Rückenlehne (32) zur Horizontalen (H) kleiner ist als 20°, insbesondere kleiner als 15°.


 
5. Fahrgeschäft (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die senkrechte Projektion der Fahrgastaufnahmen-Drehachse (D24) auf eine Ebene (E) durch den Ausgleichskreis (K) einen Abstand vom Zentralpunkt hat, der größer ist als der Radius (R) des Ausgleichskreises (K).
 
6. Fahrgeschäft (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Vehikel (12) ein Lichtraumprofil besitzt,

- das Fahrgeschäft (10) Kulissen (14.1, 14.2) aufweist und

- alle Kulissen (14.1, 14.2) außerhalb des Lichtraumprofils angeordnet sind.


 
7. Fahrgeschäft (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass

- das Vehikel (12) zum Bewegen entlang einer vorgegebenen Trajektorie ausgebildet ist,

- das Fahrgeschäft (10) zumindest eine erste Kulisse (14) in Form einer Fix-Leinwand (26) an einer ersten Stelle entlang der Trajektorie aufweist und

- das Fahrgeschäft (10) eine Steuervorrichtung (42) aufweist, die ausgebildet ist zum automatischen Bewegen des Vehikels (12) entlang der Trajektorie und zum automatischen Projizieren von Bildern auf die erste Fix-Leinwand (26), wobei das Projizieren mit der Bewegung des Vehikels synchronisiert ist.


 
8. Fahrgeschäft (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trajektorie zumindest einer Schiene (18) folgt, sodass das Vehikel (12) durch Bewegen an der Schiene (18) entlang der Trajektorie bewegbar ist.
 




Zeichnung
















Recherchenbericht









Recherchenbericht




Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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