[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Turbomaschine mit einem in
aktiven Magnetlagern gelagerten Rotor, insbesondere eines Turboverdichters, wobei
ein Regler in Abhängigkeit von einer Differenz einer mittels mindestens eines Sensors
festgestellten Rotorposition zu einer Rotorsollposition den Betrieb der aktiven Magnetlager
mittels mindestens einer Spannungsquelle derart steuert, dass sich die Rotorposition
der Rotorsollposition annähert, wobei in einem ersten Schritt der Regler auf Grundlage
einer Parametergruppe den Betrieb des aktiven Magnetlagers regelt. Daneben betrifft
die Erfindung eine Regelungseinheit zur Ausführung des Verfahrens.
[0002] Turbomaschinen, insbesondere Turbokompressoren können im Falle einer spontan notwendigen
Abbremsung der Betriebsdrehzahl bis zum Stillstand (Trip) aufgrund eines unerwünschten
Betriebszustandes aus dem vorgesehenen Arbeitsbereich zwischen Pump- und Schluckgrenze
herauslaufen. Infolgedessen können Prozessgaskräfte zu sehr hohen Axial- und Radialkräften
im Verdichter führen, die im Falle aktiv magnetgelagerter Rotoren möglichst durch
die entsprechenden aktiven Magnetlager aufzunehmen sind. Andernfalls würden die in
der Regel zusätzlich vorhandenen Fanglager belastet, was deren Wartungsintervall verkürzt
bzw. deren Austausch erforderlich machen kann.
[0003] Die Erfindung hat es sich zur Aufgabe gemacht, ungünstige Auswirkungen von Betriebszuständen
bzw. Betriebskriterien auf die Sicherheit des Maschinenbetriebes oder die Lebensdauer
der Turbomaschine zu minimieren.
[0004] Zur Lösung schlägt die Erfindung ein Verfahren und eine Regelungseinheit gemäß den
Ansprüchen vor. Die jeweils rückbezogenen Unteransprüche beinhalten vorteilhafte Weiterbildungen
der Erfindung.
[0005] Die in herkömmlich für Nennbetrieb optimierte Parametrierung der zur Ansteuerung
der Aktivlager verwendeten (Digital-) Regler kann ungeeignet sein, ungünstige Betriebszustände
zu verhindern. Wenn mit dem Ziel einer besonders robusten Reglerauslegung der proportionale
Anteil (P-Anteil) der üblicherweise in der Industrie eingesetzten PID-Regler vergleichsweise
niedrig gewählt wurde, kann die Reaktion der aktiven Magnetlager zu schwach ausfallen,
den Fanglagerkontakt zu verhindern. Ein herkömmlich angesteuertes aktives Magnetlager
entwickelt entsprechend geringe Rückstellkräfte bei sehr dynamischer Auslenkung des
Rotors aus seiner Sollposition, und die Wahrscheinlichkeit eines Fanglagerkontaktes
nimmt unter diesen Umständen deutlich zu.
[0006] Es gibt einen Zielkonflikt bei der Reglerparametrierung. Einerseits ist eine möglichst
robuste Reglerparametrierung erwünscht, die auch bei Abweichungen von der vorgesehenen
Rotordynamik (etwa durch Fertigungstoleranzen, nicht berücksichtigte thermische Einflüsse
etc.) einen zuverlässigen Betrieb des Kompressors ermöglicht. Eine solch herkömmliche
Reglerparametrierung wird tendenziell zu einer weichen Lagerung des Rotors führen,
was wiederum vergleichsweise große Abweichungen von der Rotorsolllage ungewollt begünstigt.
[0007] Andererseits ist eine möglichst steife Lagerung des Rotors erwünscht um sowohl unter
Unwuchtanregung, in Gegenwart der üblichen Prozessgaskräfte, als auch unter den besonders
verschärften Offset-Bedingungen, wie sie während eines Maschinentrips auftreten können,
die Schwingungsamplituden des Rotors gering halten zu können bzw. Fanglagerkontakte
möglichst zu vermeiden. Eine steife, aktive Lageregelung des Rotors verhält sich tendenziell
weniger robust gegenüber bei der Reglerauslegung nicht berücksichtigten Eigenschaften
der Regelstrecke bzw. weniger tolerant gegenüber Regelstreckenveränderungen.
[0008] In dem Spannungsfeld zwischen einem möglichst robusten Regelverhalten einerseits
und einem möglichst steifen Regelverhalten andererseits, ist herkömmlich ein Kompromiss
für die Reglerparametrierung zu finden, der zu naturgemäß zu ungewollten Einschränkungen
führt.
[0009] In Abkehr dieser Vorgehensweise schlägt die Erfindung insbesondere für den Fall eines
Trips vor, um einen Fanglagerkontakt infolge vergleichsweise hoher (insbesondere axial
wirksamer) Gaskräften zu vermeiden ohne dafür die ReglerRobustheit im Nennbetrieb
zu opfern, eine Reglerparameterkonfiguration in Abhängigkeit von Betriebskriterien
vorzusehen, beispielsweise eine andere Parametergruppe vorzusehen, die bei einem Trip
angewendet wird als diejenige Parametergruppe die im Normalbetrieb die Grundlage der
Regelung bildet.
[0010] Das üblicherweise durch Messwerte über dem jeweiligen Triplevel ausgelöste Tripsignal
löst eine Bremsung des Verdichterstranges aus. Dieses ohnehin vorhandene Tripsignal
wird in einer bevorzugten Weiterbildung als ein weiteres (digitales) Eingangssignal
für die Regeleinrichtung genutzt und schaltet gleichzeitig mit der Einleitung des
Bremsvorganges auf eine für den Tripfall optimierte Reglerparameterkonfiguration (von
einer ersten Parametergruppe auf eine zweite Parametergruppe) um, die zu einem besonders
steifen Axiallager führt.
[0011] Bevorzugt für die Dauer des Bremsvorganges wird diese Konfiguration beibehalten und
anschließend wieder auf die für Nennbetrieb vorgesehene Reglerkonfiguration (erste
Parametergruppe) zurückgeschaltet.
[0012] Bevorzugt wird hierbei der proportionale Anteil (P-Anteil oder Verstärkung Kp) des
bevorzugt eingesetzten PID-Reglers erhöht bzw. nach der Bremsung wieder zurückgesetzt.
[0013] Der Vorteil liegt in der Nutzung der sowohl für den Nennbetrieb wie auch für den
Fall des Trips jeweils spezifisch optimierten Parametergruppe für den Regler. Somit
geht die für den Tripfall wünschenswert hohe Lagersteifigkeit nicht zulasten der für
den Nennbetrieb gewünschten Reglerrobustheit.
[0014] Die Erfindung richtet sich speziell auf den Einsatz in magnetgelagerten Rotoren,
insbesondere Verdichtern, um bei einem Trip Fanglagerkontakte zu vermeiden und damit
deren Wartungsintervalle zu verlängern und entsprechende Wartungskosten zu verringern.
[0015] Eine andere vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass anstatt oder
zusätzlich zu einem Tripsignal auch andere Signalquellen einzeln oder miteinander
kombiniert verwendet werden. Hierzu wird vorgeschlagen, dass die Drehzahl des Rotors,
eine Druckdifferenz, über die Turbomaschine, Druckänderung, Volumenstrom, Volumenstromänderung,
Alarmsignale, Schwingungswerte, Geschwindigkeiten, Beschleunigungen von Bauteilen
jeweils alternativ zueinander ohne in einer beliebigen Kombination miteinander verwendet
wird.
[0016] Im Folgenden ist die Erfindung anhand eines speziellen Ausführungsbeispiels unter
Bezugnahme auf eine Zeichnung näher beschrieben. Es zeigen:
- Figur 1
- ein schematisches Flussdiagramm zur Illustration des erfindungsgemäßen Verfahrens
und der erfindungsgemäßen Reglungseinheit.
[0017] Figur 1 zeigt eine schematische Wiedergabe eines Diagramms zur Illustration des erfindungsgemäßen
Verfahrens bzw. der erfindungsgemäßen Reglungseinheit CTRU. Das erfindungsgemäße Verfahren
befasst sich mit dem Betrieb einer Turbomaschine TFEM, bevorzugt mit dem Betrieb eines
Turboverdichters TCO, der einen in aktiven Magnetlagern AMB gelagerten Rotor R aufweist.
[0018] Die in Figur 1 dargestellte Anordnung umfasst außerdem einen Antrieb DRU, um den
Rotor R mittels eines Antriebsmoments TDR in Rotation mit einer Solldrehzahl zu versetzen.
Darüber hinaus umfasst die Turbomaschine TFEM auch eine Reglungseinheit CTRU mit einem
Regler CTR.
[0019] Eine Rotorsollposition SEP ist ein Eingangssignal in einen Differenzierer DIF, der
mittels Differenzbildung zu einer Rotorposition CUP eine Differenz CDF ermittelt.
Diese Differenz CDF bzw. Regeldifferenz empfängt der Regler CTR der Reglungseinheit
CTRU. Der Regler CTR ist als PID-Regler ausgebildet (proportional-integral-derivative-controller).
Der Regler CTR umfasst dementsprechend ein P-Glied, ein I-Glied und ein D-Glied und
arbeitet demensprechend auf Basis einer Parametergruppe bestehend aus einer Verstärkung
Kp des P-Glieds, einer integralen Verstärkung Ki bzw. der Nachstellzeit Tv und einem
Differenzierbeiwert Verstärkung Kd. Dem Regler CTR werden diese Parameter in Form
der Parametergruppen PIDi von einem Parametrierungsmodul PMOD der Reglungseinheit
CTRU vorgegeben. Diese Vorgabe erfolgt in Abhängigkeit von zu überwachenden Betriebskriterien
OPC, die von einem Überwachungssystem OPO erfasst werden und dann als beispielsweise
ein Tripsignal TSG an das Parametrierungsmodul PMOD übermittelt werden, falls die
erfassten Betriebskriterien OPC mit mindestens einem vorgegebenen Betriebskriterium
OPC übereinstimmt, so dass das Überwachungssystem OPO dem Parametrierungsmodul das
Betriebskriterium OPC übermittelt, so dass das Parametrierungsmodul PMOD dem Regler
CTR eine geänderte Parametergruppe PIDi vorgibt. Konkret wird aus den Parametergruppen
PIDn in einem Fall, dass der Regler CTR in einem Normalbetrieb auf Basis einer ersten
Parametergruppe PID1 arbeitet bei der Übermittelung des Vorliegens eines vorgegebenen
Betriebskriteriums OPC durch das Überwachungssystem OPO dieses Betriebskriterium als
ein Tripsignal TSG übermittelt, so dass die Parametrierungseinheit PMOD dem Regler
CTR statt der ersten Parametergruppe PID1 eine zweite Parametergruppe PID2 vorgibt.
Die zweite Parametergruppe PID2 weist ein gegenüber der ersten Parametergruppe PID1
eine doppelt so hohe Verstärkung Kp für das P-Glied auf. Konkret bedeutet das:

[0020] Als Ausgangssignal überliefert der Regler CTR bzw. die Reglungseinheit CTRU an aktive
Magnetlager AMB die Sollagerkräfte FSET, mittels derer die Magnetlagerung des Rotors
R erfolgt. Das aktive Magnetlager AMB übermittelt an die Überwachungseinheit OPO ebenfalls
Betriebskriterien OPC, beispielsweise Temperaturen oder Leistungsaufnahmen. Der Rotor
steht unter dem Einfluss von Prozessgaskräften FPF, die sich dynamisch verändern,
so dass die von dem aktiven Magnetlager AMB wirksam auf den Rotor R ausgeübten Lagerkräfte
FACT permanent angepasst werden müssen. Aus dem Zusammenspiel dieser Kräfte ergibt
sich schließlich die Rotorposition CUP, die bevorzugt mittels eines Wirbelstromsensors
(nicht abgebildet) aufgenommen wird und an die Überwachungseinheit OPO sowie an den
Differenzierer DIF übermittelt wird.
1. Verfahren zum Betrieb einer Turbomaschine (TFEM) mit einem in aktiven Magnetlagern
(AMB) gelagerten Rotor (R), insbesondere eines Turboverdichters (TCO), wobei ein Regler
(CTR) in Abhängigkeit von einer Differenz (CDF) einer mittels mindestens eines Sensors
(SEN) festgestellten Rotorposition (CUP) zu einer Rotorsollposition (SEP) den Betrieb
der aktiven Magnetlager (AMB) mittels mindestens einer Spannungsquelle (U) derart
steuert, dass sich die Rotorposition (CUP) der Rotorsollposition (SEP) annähert, wobei
in einem ersten Schritt der Regler (CTR) auf Grundlage einer Parametergruppe (PIDn)
den Betrieb des aktiven Magnetlagers (AMB) regelt,
dadurch gekennzeichnet, dass
mehrere Parametergruppen (PIDn) vorgesehen sind und die als Grundlage für die Regelung
mittels des Reglers gegeneinander austauschbar sind,
wobei in einem zweiten Schritt als Grundlage für den Regelungsbetrieb eine erste Parametergruppe
(PID1) durch eine zweite Parametergruppe (PID2) ersetzt wird, wenn ein Betriebskriterium
(OPC) der Turbomaschine (TFEM) eintritt dass mindestens einem vorgegeben Betriebskriterium
(OPC) entspricht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Parametergruppen (PIDn) jeweils einen Verstärkungsfaktor
(KPn) umfassen, wobei der Verstärkungsfaktor (KP1) der ersten Parametergruppe (PID1)
kleiner ist als der Verstärkungsfaktor (KP2) der zweiten Parametergruppe (PID2).
3. Verfahren nach Anspruch 2, wobei mindestens ein vorgegebenes Betriebskriterium (OPC)
zur Anwendung der zweiten Parametergruppe (PID2) eine Störung im Betrieb der Turbomaschine
(TFEM) ist.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, wobei der Verstärkungsfaktor (KP2) der zweiten Parametergruppe
(PID2) einem Vielfachen (V) des Verstärkungsfaktors (KP1) der ersten Parametergruppe
(PID1) entspricht, mit

und
5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei gilt:
6. Regelungseinheit (CTRU) mit einem Regler (CTR) ausgebildet zur Ausführung des Verfahrens
zum Betrieb einer Turbomaschine (TFEM) mit einem in aktiven Magnetlagern (AMB) gelagerten
Rotor (R), nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei der Regler (CTR) auf
Grundlage einer Parametergruppe (PIDn) den Betrieb des aktiven Magnetlagers (AMB)
regelt,
dadurch gekennzeichnet, dass die Regelungseinheit (CTRU) ein Parametrierungsmodul (PMOD) umfasst, dass ausgebildet
ist:
a) in einem ersten Schritt einen Betriebskriterium (OPC) der Turbomaschine (TFEM)
zu erfassen und
b) in einem zweiten Schritt eine erste Parametergruppe (PID1), auf dessen Basis der
Regler (CTR) gegenwärtig regelt, durch eine zweite Parametergruppe (PID2) zu ersetzen,
wenn das erfasste Betriebskriterium (OPC) der Turbomaschine (TFEM) einem vorgegebenen
Betriebskriterium (OPC) entspricht.