[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur thermischen Behandlung
von Feststoffen. Insbesondere betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren und
eine Vorrichtung zur effizienten, direkt volumenbezogenen und hinsichtlich ihrer Temperaturverteilung
gesteuerten thermischen Behandlung von Feststoffen mittels Hochfrequenzenergie. Dies
kann u. a. für einen chemikalienfreien Holzschutz, die Trocknung oder die Dekontamination
von Feststoffen eingesetzt werden.
Technologischer Hintergrund der Erfindung
[0002] Der Ablauf vieler technischer Prozesse kann durch die Temperatur wesentlich beeinflusst
werden, da eine Vielzahl von physikalischen und chemischen Parametern mehr oder weniger
stark temperaturabhängig sind. Im Kontext des Bauwesens und der Bausanierung betrifft
dies unter anderem die Trockenlegung von Gebäuden, den Austrag von Chemikalien aus
Baustoffen oder die thermische Bekämpfung von Holzschädlingen. Im letzteren Fall ist
das Erreichen einer Letaltemperatur von ca. 55 °C eine Alternative zum Einsatz von
toxischen Chemikalien als Holzschutzmittel [
C. Hoyer et al., Chem. Ing. Technik 86 (2014) 1187]. In Wohn- und Nutzräumen wird der Qualität der Raumluft eine zunehmende Bedeutung
beigemessen. Hier ist der Einsatz von Chemikalien oft kritisch zu sehen, wodurch thermische
Behandlungsmethoden an Bedeutung gewinnen.
[0003] Aus der Vielzahl von Problemstellungen im Bauwesen, bei der Bausanierung und in anderen
Anwendungsbereichen konzentriert sich das Anwendungspotenzial der Erfindung auf die
Behandlung von mehr oder weniger ausgedehnten flächigen Materialien aus Feststoffen,
die nur einseitig zugänglich sind oder die nur mit großem Aufwand beidseitig zugänglich
wären. Besonders bevorzugt sind dabei Materialdicken von bis zu 10 cm. Exemplarisch
seien hier Parkett- und andere Holzfußböden, Wandtäfelungen und andere Wandverkleidungen
oder Estrichböden genannt. Oft lässt sich ein Sanierungsbedarf auf diese Baustrukturen
begrenzen, so dass ein Bedarf an adäquaten Verfahren zur Behandlung von relativ dünnen,
flächig ausgedehnten Feststoffstrukturen besteht, die es ermöglichen, beispielsweise
Holzschädlinge thermisch zu bekämpfen oder Wasser und Chemikalien aus diesen Materialien
zu entfernen. Für eine effiziente und schonende Behandlung ist es dabei notwendig,
einerseits schnell möglichst homogene Temperaturverteilungen zu erzielen und andererseits
die Erwärmung genau zu kontrollieren, um Materialschädigungen durch lokale Überhitzung
zu vermeiden. Für sensible Oberflächenbeschichtungen wie Lacke oder Furniere ist es
oft wünschenswert, die Oberflächentemperatur niedrig, gegebenenfalls sogar niedriger
als die Volumentemperatur in der Feststoffmatrix zu halten. Die vorliegende Erfindung
hat das Ziel, ein entsprechendes Verfahren auf Basis der direkten dielektrischen Erwärmung
unter Nutzung von Hochfrequenz-Energie zur Verfügung zu stellen. Die Vorrichtung erlaubt
eine nicht-invasive Behandlung, was besonders auch Einsatzoptionen im Bereich des
Denkmalschutzes und die Anwendung an Kunstgegenständen ermöglicht.
[0004] Nach dem Stand der Technik gibt es eine Reihe von Verfahren, die eine Erwärmung des
Materialvolumens durch Wärmeleitung von der Oberfläche her ermöglichen. Genannt seien
hier das Heißluftverfahren, bei dem die Oberfläche durch einen darüberstreichenden
Luftstrom erwärmt wird, die Anwendung von Heizplatten oder Heizdecken oder das Infrarotverfahren,
bei dem die primäre Energieabsorption praktisch ebenfalls auf die Oberfläche beschränkt
ist. Die Wärmeleitung ins Innere der zu behandelnden Struktur wird vom Parameter spezifische
Wärmeleitfähigkeit bestimmt, welche gerade für trockene Materialien oft gering ist,
was zu langen Erwärmungszeiten führt. Grundsätzlich ist der Wärmefluss umso stärker,
desto höher der Temperaturgradient, d. h. die Temperaturänderung pro Abstand, und
damit desto höher die mit den genannten Verfahren eingestellte Oberflächentemperatur
ist. Der Überhitzung an der Oberfläche sind jedoch aus materialtechnischen Gründen
Grenzen gesetzt, zumal eine thermische Schädigung gerade dieser Sichtflächen besonders
kritisch wäre. Für ausgedehnte Flächen wie beispielsweise Parkettfußböden in repräsentativen
Räumen ist für die meisten Behandlungsmethoden eine sukzessive Behandlung notwendig.
Dies bedeutet, dass Behandlungseinrichtungen wie Heizplatten oder IR-Strahler nach
bestimmten Zeitregimes verschoben werden müssen, um die gesamte Fläche abzudecken.
Eine Heißluftbehandlung der gesamten Fläche und der Räume hat hingegen den Nachteil,
dass hohe Temperaturen für oft dort vorhandene andere Gegenstände (z. B. Gemälde)
schädlich sind.
[0005] Um die Nachteile einer inhomogenen Temperaturverteilung, einer Überhitzung der Oberfläche
und einer langsamen passiven Erwärmung des Inneren über die Wärmeleitfähigkeit zu
umgehen, werden seit einiger Zeit direkte Heizverfahren wie die Anwendung von Mikrowellen
(MW) [
EP 1 374 676 B1] oder Radiowellen (RW) [
DE 20 2010 001 410 U1] untersucht, für die eine Wärmeerzeugung im Volumen des Feststoffes charakteristisch
ist. Die Erwärmung beruht auf der Wechselwirkung der eingesetzten elektromagnetischen
Wellen mit Frequenzen meist im GHz- (für MW) bzw. MHz-Bereich (für RW) mit polaren
Strukturen im Feststoff. Für die Mikrowellen-Erwärmung ist bei den meisten Anwendungen
die Umorientierung des Wassermoleküls, das einen elektrischen Dipol darstellt, das
dominierende Wirkprinzip. Durch die Interaktion des sich umorientierenden Wassermoleküls
mit seiner Umgebung, die als innere Reibung beschrieben werden kann, entsteht Wärme.
Aus diesem Grund lassen sich feuchte Materialien in der Regel gut mittels MW erwärmen.
Für trockene Materialien ist die Methode hingegen häufig weniger geeignet. Die Temperaturprofile
sind für die MW-Erwärmung meist sehr inhomogen, wodurch lokale Überhitzungen auftreten.
Dies ist einerseits auf die geringen Eindringtiefen der MW und andererseits auf Interferenzerscheinungen
oder die Abstrahlungscharakteristiken der eingesetzten Hornantennen zurückzuführen.
In der Konsequenz ist eine zwar im Vergleich zu den konventionellen Verfahren geringere,
aber dennoch signifikante und oft kritische Überhitzung an verschiedenen Oberflächenpositionen
zu konstatieren. Das RW-Verfahren nach dem beschriebenen Stand der Technik führt zwar
zu wesentlich homogeneren Temperaturprofilen, die beidseitige Anordnung von Elektroden
im Hinblick auf das zu erwärmende Material führt jedoch zu Einschränkungen in der
Anwendbarkeit der Methode besonders bei nur einseitig zugänglichen Strukturen, wie
sie eingangs beschrieben wurden. Weitere Vorteile der Anwendung von RW gegenüber MW
im beschriebenen Kontext sind die höhere Flexibilität hinsichtlich der zu erwärmenden
Materialien und deren Feuchtegehalten sowie die höhere energetische Effizienz durch
die Einsetzbarkeit eines elektronischen Anpassnetzwerkes. Die genannten Aspekte prädestinieren
die RW-Methode für den Einsatz an flächigen, nicht zu dicken Strukturen zum Zwecke
des chemikalienfreien Holzschutzes, der Trocknung oder der Dekontamination, wenn es
gelingt, die Energieeinkopplung in die entsprechenden Materialien bei einseitiger
Zugänglichkeit zu realisieren.
[0006] Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zur effizienten, direkt volumenbezogenen und hinsichtlich ihrer Temperaturverteilung
gesteuerten thermischen Behandlung von Feststoffen mittels Hochfrequenzenergie zur
Verfügung zu stellen, welche die die genannten Vorteile der Radiofrequenz-Erwärmung
aufgreifen und dabei die beschriebenen Nachteile des Standes der Technik überwinden
und eine einsatzfähige Vorrichtung bereitzustellen, die es erlaubt, die RW-Methode
für die genannten Anwendungsfälle erfolgreich einzusetzen. Die noch vorhandene technologische
Lücke, insbesondere hinsichtlich einer adäquat realisierbaren Elektrodenanordnung,
soll durch die vorliegende Erfindung geschlossen werden. Die Nachteile des Standes
der Technik sollen überwunden und eine einsatzfähige Vorrichtung bereitgestellt werden,
die es erlaubt, die RW-Methode für die genannten Anwendungsfälle erfolgreich einzusetzen.
Zusammenfassung der Erfindung
[0007] Diese Aufgaben werden erfindungsgemäß durch die unabhängigen Patentansprüche gelöst.
Bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen enthalten.
[0008] Die erfindungsgemäße Vorrichtung umfasst eine auf einer Oberfläche eines Feststoffs
anordenbare binäre Elektrodenanordnung mit jeweils mindestens zwei elektrisch voneinander
isolierten Elektroden (Elektrodenstruktur), wobei sich die Elektroden bevorzugt in
einer planaren Ebene parallel zur Oberfläche des zu behandelnden Feststoffes befinden.
Die Elektrodenstruktur ist elektrisch leitend mit einer Hochfrequenz-Spannungsquelle
verbunden, die dazu ausgebildet ist, an die Elektrodenanordnung eine Hochfrequenz-Spannung
mit einer Frequenz zwischen 100 kHz und 50 MHz anzulegen. Die erfindungsgemäße Vorrichtung
ist so ausgebildet, dass innerhalb einer unter der Vorrichtung angeordneten Struktur
(Feststoff) ein hochfrequentes elektrisches Feld etabliert wird. Die erfindungsgemäße
Vorrichtung umfasst eine Haltevorrichtung, welche dazu ausgebildet ist, eine translatorische
Bewegung der Elektrodenanordnung entlang der Oberfläche eines Feststoffs zu ermöglichen.
[0009] Weiterhin ist es bevorzugt, dass die Elektroden als ineinandergreifende kammartige
Strukturen ausgebildet sind, wobei jede der Strukturen eine Vielzahl von Einzelelektroden
(Finger) aufweist, die über einen gemeinsamen Steg miteinander verbunden sind. In
diesem Fall ist es bevorzugt, dass die Längsachsen der Einzelelektroden parallel oder
im Wesentlichen parallel zueinander verlaufen. Weiter ist es bevorzugt, dass die Längsachsen
der Stege parallel oder im Wesentlichen parallel zueinander verlaufen.
[0010] Es handelt sich um eine Vorrichtung zur effizienten thermischen Behandlung im Volumen
durch eine auf der Oberfläche der zu erwärmenden Struktur angeordnete binäre Elektrodenstruktur
zur Einspeisung von Hochfrequenz-Energie in vorwiegend flächig ausgedehnte Festkörper,
welche mit einer Hochfrequenz-Spannungsquelle, die Spannungen mit einer Frequenz im
Bereich zwischen 100 kHz und 50 MHz erzeugt, elektrisch leitend verbunden ist, und
die ein dreidimensionales elektrisches Feld außerhalb der Elektrodenebene im zu behandelnden
Festkörper erzeugt, das zu einer Erwärmung im Volumen führt. Elektroden einer Polarität
können auch zu Gruppen verbunden werden, wobei dann zwischen den Einzelelektroden
eine Kontaktierung erfolgt.
[0011] Unter einer solchen binären Elektrodenanordnung ist dabei eine zweiteilige Anordnung
von einzelnen Elektroden zu zwei Elektrodengruppen zu verstehen. Die Elektroden der
einzelnen Gruppen sind dabei jeweils elektrisch leitend miteinander verbunden, die
beiden Elektrodengruppen der binären Elektrodenanordnung sind jedoch elektrisch voneinander
isoliert. Durch die gegenseitige Lage der einzelnen Elektroden der Elektrodenanordnung
kann eine gemeinsame Hauptachse definiert werden. Besonders bevorzugt erstreckt sich
diese Hauptachse entlang der längsten Symmetrieachse der Elektrodenanordnung.
[0012] Die vorliegende Erfindung kann insbesondere eine binäre, im Wesentlichen zweidimensional
ausgelegte Elektrodenstruktur beinhalten, die elektrisch leitend mit einem HochfrequenzGenerator,
der eine hochfrequente Spannung mit einer Frequenz im Bereich zwischen 100 kHz und
50 MHz bereitstellt, verbunden ist. Bevorzugt ist dabei ein Frequenzbereich von 1
MHz bis 30 MHz. Ganz besonders bevorzugt sind Frequenzen, die für industrielle, wissenschaftliche
und medizinische Anwendungen freigegeben sind (ISM-Frequenzen). Die Elektrodenstruktur
ist so ausgelegt, dass die Einkopplung der elektromagnetischen Wellen in die zu behandelnde
Struktur derart erfolgt, dass im Vergleich zu konventionellen, ausschließlich auf
Wärmeleitung beruhenden Methoden eine homogenere dielektrische Erwärmung zu verzeichnen
ist, da die Erwärmung direkt im Volumen erfolgt. Vorzugsweise enthält die Vorrichtung
darüber hinaus ein elektronisches Anpassnetzwerk, das zwischen HF-Generator und Elektrodensystem
geschaltet ist, um die zum Generator reflektierte HF-Leistung zu minimieren bzw. ganz
zu eliminieren. Eine elektromagnetische Abschirmung, die die Abstrahlung von elektromagnetischen
Wellen von der Elektrodenstruktur in den Raum signifikant reduziert, ist ebenfalls
Bestandteil von bevorzugten Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Vorrichtung. Neben
diesen Grundkomponenten enthalten bevorzugte Realisierungen dieser Vorrichtung vorteilhafterweise
einen oder mehrere Temperatursensoren und/oder Vorrichtungen zur automatischen Anlagensteuerung
über ein Computersystem und/oder Vorrichtungen zur automatischen Bewegung der Vorrichtung
über die zu behandelnde Fläche und/oder Vorrichtungen zur automatischen Temperaturregulierung
der Oberfläche.
[0013] Die Idee der vorliegenden Erfindung besteht darin, durch Anwendung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung bei nur einseitiger Zugänglichkeit des zu behandelnden Feststoffes Temperaturprofile
zu erzielen, die im Vergleich zu anderen Verfahren homogener sind und somit schneller
zum Erreichen der Zielvorgaben führen. Dies bedeutet in der Regel, dass bereits der
primäre Energieeintrag in den meisten Materialien eine Eindringtiefe von einigen Zentimetern
hat. Es gelingt sogar, die Oberflächentemperatur niedriger zu halten als die Temperatur
unterhalb der Oberfläche im Volumen des Festkörpers.
[0014] Das binäre Elektrodensystem ist vorteilhafterweise so ausgelegt, dass sich in einem
Bereich der Vorrichtung geerdete Elektrodenteile (so genannte "kalte" Elektroden)
und spannungsführende Elektrodenteile (so genannte "heiße" Elektroden) abwechseln
(Interdigitalstruktur) und dadurch in dem darunter liegenden Material ein hochfrequentes
elektromagnetisches Feld erzeugt wird. Wenn der Abstand zwischen den Elektroden in
derselben Größenordnung wie die Breite der Elektroden ist, so wird ein elektromagnetisches
Feld erzeugt, dessen Verteilung den Anforderungen einer hinreichend gleichmäßigen
Erwärmung besonders gut genügt. Eine besonders bevorzugte und konstruktiv robuste
Ausführung dieses binären Elektrodensystems stellt eine ineinander greifende Kammstruktur
(Doppelkammstruktur) dar. Die Elektrodenanordnung umfasst daher zwei ineinandergreifende
Kammstrukturen. Unter einer Kammstruktur ist dabei eine Struktur zu verstehen, bei
der die einzelnen Elektroden der Elektrodenanordnung kammartig als Zinken oder Zähne
nebeneinander entlang eines elektrisch leitenden Steges angeordnet sind. Insbesondere
kann dabei der Steg parallel zur Hauptachse der Elektrodenanordnung ausgerichtet sein.
Die Kammstruktur kann dabei ein- oder zweiseitig ausgebildet sein, d. h. entlang des
Steges können die einzelnen Elektroden entlang eines einzelnen Steges entweder nur
in eine einzige Richtung oder in zwei voneinander unabhängige Richtungen zeigen. Bevorzugt
liegen bei der zweiseitigen Ausbildung des Kammes die beiden Richtungen innerhalb
einer gemeinsamen Ebene. Unter einer ineinandergreifenden Kammstruktur ist jede gegenseitige
Anordnung zweier solcher Kammstrukturen zu verstehen, bei der die einzelnen Zinken
beider Kämme ohne elektrischen Kontakt zueinander miteinander verzahnt sind.
[0015] Die Feldstärkemaxima an den Kanten der Elektroden können dadurch reduziert werden,
dass abgeschrägte oder abgerundete Elektroden verwendet werden. Diese Veränderung
führt dazu, dass sich die Überhitzung an den Kanten der Elektroden deutlich verringert,
ohne dass der Effekt einer Einkopplung in das Material signifikant eingeschränkt wird.
Zum Erreichen der gewünschten Veränderung sind bereits Biegeradien bzw. Abschrägungen
von einigen Millimetern ausreichend. Halbrund gegenüber der Oberfläche ausgebildete
Elektroden bzw. Elektrodenteile sind hingegen weniger geeignet, da die Energieeinkopplung
zu stark auf die Mitte der Elektrode (entlang der Berührungslinie) konzentriert wäre.
Vorzugsweise umfasst die Elektrodenanordnung daher eine Oberfläche, die auf der Oberfläche
des Feststoffs anordenbar ist, wobei die der Oberfläche des Feststoffs zugewendeten
Kanten der Oberfläche abgerundet oder abgeschrägt sind. Insbesondere kann es sich
bei besagter Oberfläche um die Oberfläche handeln, welche auf der Oberfläche des Feststoffs
so angeordnet werden kann, dass durch die Elektrodenanordnung eine maximal große Oberfläche
des Feststoffs abgedeckt wird. Diese Oberfläche weist im Bezug zu angrenzenden Oberflächen
der Elektrodenanordnung Kanten auf, welche abgerundet oder abgeschrägt sein können.
Beim Anlegen einer Hochfrequenz-Spannung an die Elektrodenanordnung wird ein elektromagnetisches
Wechselfeld erzeugt, dessen Feldlinien meist senkrecht an den einzelnen Oberflächen
der Kontakte enden. An Spitzen tritt in der Regel eine Konzentration der Feldlinien
ein. Durch ein Abrunden oder Abschrägen der Kanten kann eine homogenere Verteilung
der Feldlinien im Festkörper erreicht werden, da so die Feldstärkemaxima an den Kanten
der Elektroden verringert werden können und zugleich eine verbesserte und homogenere
Durchdringung des Bereich zwischen den Kontakten erreicht werden kann. Bevorzugt ist
weiterhin, dass alle der zu behandelnden Oberfläche zugewandten Kanten der Elektroden
abgerundet oder abgeschrägt sind.
[0016] Die Elektroden können perforiert sein, um für die Fälle einer Trocknung oder eines
Chemikalienaustrages aus der erwärmten Struktur einen ungehinderten Abtransport zu
gewährleisten und damit eine Rekondensation zu verhindern. Vorzugsweise ist die Elektrodenanordnung
also zumindest in Teilbereichen perforiert. Hierbei können einzelne Elektroden der
Elektrodenanordnung ganz oder teilweise perforiert sein. Die Perforation kann bevorzugt
zirkular, quadratisch, rechteckig oder sechseckig ausgeführt sein. Ebenfalls möglich
sind Mischformen daraus sowie eine Anzahl unterschiedlich großer Perforationsdurchlässe.
In Bereichen hoher Feldliniendichte kann durch eine Variation der Perforationsdichte
und/oder -art eine Erhöhung der Transportfähigkeit zugunsten einer homogeneren Feldlinienverteilung
erwirkt werden. Bei Bedarf kann sich unmittelbar an den Elektroden auch ein geeignetes
Adsorptionsmittel befinden, das Wasser oder Schadstoffe binden und so den Austrag
unterstützen kann. Für organische Schadstoffe können bevorzugt Aktivkohleschüttungen
oder Aktivkohlevliese eingesetzt werden, die in einer vorteilhaften Ausgestaltung
direkt mit den Elektroden verbunden sind.
[0017] Die erfindungsgemäße Elektrodenanordnung kann zur Ausführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens auf die Oberfläche eines Feststoffs aufgebracht und entlang der Oberfläche
des zu behandelnden Feststoffs translatorisch bewegt werden. Dieses Aufbringen kann
als direkter Kontakt zwischen den jeweils einander gegenüber liegenden Oberflächen
erfolgen. Ebenfalls möglich ist ein geringer Abstand zwischen den jeweiligen Oberflächen;
vorzugsweise kleiner 1 mm, kleiner 2 mm, kleiner 5 mm oder kleiner 10 mm. Um bei einer
translatorischen Bewegung der Elektrodenanordnung die Kontakte und die Oberfläche
des zu behandelnden Materials vor Verschmutzung und/oder Beschädigung zu schützen,
kann zumindest in besonders beanspruchten Bereichen eine Schutzschicht, beispielsweise
aus einem Kunststoffpolymer wie PTFE oder PE oder auch aus einer textilen Schicht
wie Filz, aufgebracht sein. Vorzugsweise umfasst die Elektrodenanordnung daher eine
Oberfläche, die auf der Oberfläche des Feststoffs anordenbar ist, wobei die Oberfläche
zumindest teilweise durch eine Schutzschicht geschützt ist. Bevorzugt ist weiterhin,
dass die der zu behandelnden Oberfläche zugewandten Flächen der Elektroden derart
beschichtet sind, dass eine Schädigung der Oberfläche bei der Bewegung während der
Behandlung verhindert oder wesentlich vermindert wird.
[0018] Um die elektromagnetische Verträglichkeit der Anordnung zu gewährleisten, kann das
binäre Elektrodensystem vorzugsweise von einer elektromagnetischen Abschirmung oberhalb
der zu behandelnden Fläche ganz oder teilweise umschlossen sein. Als Schirmungsmaterialien
sind beispielsweise massive Metallbleche, Gazen oder metallbeschichtete Kunststofffolien
geeignet. Vorzugsweise ist die Elektrodenanordnung zumindest teilweise von einer elektrisch
leitfähigen Abschirmung umgeben. Bevorzugt ist weiterhin, dass die Elektroden von
einer Schirmung bestehend aus einem elektrisch leitfähigen Material wie beispielsweise
massivem Blech, Gaze oder metallbeschichteter Folie umgeben sind, so dass eine elektromagnetische
Abstrahlung in den Raum signifikant verringert bzw. eliminiert wird.
[0019] Neben der räumlichen Ausprägung des elektromagnetischen Feldes in dem zu erwärmenden
Material ist aus verfahrenstechnischer Sicht eine kontinuierliche oder quasi-kontinuierliche
translatorische Bewegung der Elektrodenanordnung eine Möglichkeit, die Erwärmungsprofile
zu homogenisieren. Dies kann beispielsweise durch eine entsprechende manuelle Bewegung
der Vorrichtung entlang der Oberfläche des Festkörpers erfolgen. Vorzugsweise umfasst
die Vorrichtung jedoch ein Mittel zur automatisierten translatorischen Bewegung der
Elektrodenanordnung. Dieses Mittel kann beispielsweise durch eine entsprechend gelagerte
Aktuatorplattform bereitgestellt werden. Durch eine entsprechende Ansteuerung bzw.
Vorprogrammierung der Bewegung mindestens der Elektrodenanordnung kann eine homogene
Erwärmung des Feststoffs erreicht werden. Vorzugsweise verfügt die Vorrichtung über
ein Mittel zur translatorischen Bewegung der Elektrodenanordnung mit der Peripherie
wie Abschirmung über die behandelte Fläche.
[0020] Da die höchsten Feldstärken und damit die größten Aufheizraten an den Kanten der
binären Elektrodenstruktur auftreten, ist es vorteilhaft, die Struktur der Elektroden
so auszurichten, dass bei der kontinuierlichen Bewegung für die Erwärmung einer größeren
Fläche nach Möglichkeit keine längere Positionierung einer Kante an einer Stelle des
zu behandelnden Untergrundes auftritt. Diese Verfahrensweise soll zur besseren Veranschaulichung
für einen Parkettfußboden in einem rechteckigen Raum erläutert werden. Um die gesamte
Fläche zu behandeln, ist es sinnvoll, eine rechteckig ausgelegte Behandlungsvorrichtung
parallel zu zwei gegenüber liegenden Wänden zu bewegen. Wenn die Elektrodenstruktur
von einer quaderförmigen Abschirmung umgeben ist, welche parallel zur Wand bewegt
wird, so wäre es vorteilhaft, die binäre Elektrodenstruktur in einem Winkel von 45°
zu den Begrenzungen der Abschirmung und damit zur Bewegungsrichtung anzuordnen. Vorzugsweise
werden die Elektroden daher weder parallel noch senkrecht in Relation zur bevorzugten
Bewegungsrichtung angeordnet, wobei eine Anordnung der Elektroden im Winkel von 45°
bevorzugt ist.
[0021] Vorzugsweise sind die Elektroden der Elektrodenanordnung senkrecht zur Hauptachse
angeordnet, wobei die Länge der Elektroden entlang der Elektrodenanordnung variiert.
Besonders bevorzugt ist dabei, dass die Länge der Elektroden entlang der Elektrodenanordnung
linear variiert. Insbesondere ist eine Vorrichtung bevorzugt, die eine maximale Elektrodenlänge
in der Mitte der Elektrodenanordnung aufweist und bei der sich die Länge der daran
beiderseits angrenzenden Elektroden zu den äußeren Enden der Elektrodenanordnung hin
linear verringert. Weiterhin bevorzugt ist, dass die Abschirmung der Elektrodenanordnung
eine quadratische Grundfläche aufweist, in die die vorgenannte Ausführungsform mit
beidseitig abfallender Elektrodenlänge derart angeordnet werden kann, dass die Hauptachse
der eingeschlossenen Elektrodenstruktur durch zwei gegenüberliegende Eckpunkte verläuft.
Eine solche Vorrichtung wird bevorzugt entlang der Seiten der quadratischen Abschirmung
bewegt, so dass hierbei eine Anordnung im Winkel von 45° zu den Kanten der Abschirmung
vorliegt.
[0022] Eine solche Auslegung führt dazu, dass bei einer kontinuierlichen Bewegung der Anordnung
parallel zur Wand jede Position auf der zu behandelnden Oberfläche nur kurzzeitig
von einer Kante überstrichen wird. Dies wäre bei einer parallelen oder rechtwinkligen
Anordnung einer Kammstruktur relativ zur Bewegungsrichtung und zum Rahmen nicht der
Fall. Natürlich sind auch andere Geometrien der erfindungsgemäßen Anordnung unter
Berücksichtigung der genannten Randbedingungen möglich. All diesen Anordnungen ist
gemeinsam, dass durch eine im Wesentlichen zweidimensionale, flächige Elektrodenanordnung
ein dreidimensionales elektrisches Feld in der zu behandelnden Struktur etabliert
wird, das durch die Energieabsorption eine dielektrische Erwärmung im Volumen ermöglicht.
Die Bewegung der Elektrodenanordnung und die immanente Wärmeleitung im Feststoff tragen
zu einer Homogenisierung des Temperaturprofils bei, was bei der Wahl der Behandlungszeit
und Behandlungsintensität (Leistungseintragsdichte) berücksichtigt werden sollte.
Auch ein gepulster Energieeintrag mit der Ausnutzung der Wärmeleitung in den Phasen
ohne Radiowellen-Anwendung ist eine verfahrenstechnische Option zur Homogenisierung
der Temperaturverteilungen im Feststoff.
[0023] Für einen automatisierten und zeiteffizienten Behandlungsablauf ist die kontinuierliche
Messung der Erwärmung von Vorteil. Da im Anwendungskontext das Einbringen von Sensoren
in die zu behandelnde Struktur selbst in der Regel nicht möglich ist, sollte die berührungslose
Messung der Oberflächentemperatur zwischen den Elektroden mittels optischer Sensoren
zu Steuerung genutzt werden. Hierfür können vorzugsweise pyrometrische Sensoren in
die Vorrichtung integriert werden. Besonders bevorzugt ist die zusätzliche Integration
eines Computersystems, das auf der Basis der gemessenen Temperatur oder mehrerer gemessener
Temperaturen die HF-Leistung und/oder die Bewegungsgeschwindigkeit der Vorrichtung
über die zu behandelnde Struktur regelt, um eine Überhitzung der Oberfläche zu vermeiden
und gleichzeitig durch die Sicherstellung einer Mindesttemperatur den Behandlungserfolg
zu gewährleisten.
[0024] Obwohl die erfindungsgemäße Vorrichtung eine Erwärmung des Volumens ermöglicht, kann
die Eindringtiefe der Erwärmung jedoch auch durch die Gestaltung der Elektrodenstruktur
kontrolliert werden. Dies ist für Fälle ein großer Vorteil, bei denen der Untergrund
unter der zu behandelnden Holzstruktur unbekannt ist und eine Erwärmung dieses Teils
der Baustruktur minimiert werden soll.
[0025] Vorzugsweise umfasst die erfindungsgemäße Vorrichtung eine Regelungseinrichtung zur
Regelung der Oberflächentemperatur des Feststoffes. Die Regelungseinrichtung kann
ein Mittel zur Bestimmung der Oberflächentemperatur des Festkörpers umfassen. Hierbei
kann es sich um mindestens einen, vorzugsweise elektronischen oder optischen, Sensor
handeln, der die Oberflächentemperatur erfasst. Die Regelungseinrichtung kann ein
Mittel zur Bestimmung der Oberflächentemperatur des Festkörpers umfassen. Die Regelungseinrichtung
kann ein Mittel zur Bestimmung der elektrischen Feldstärke umfassen. Hierbei kann
es sich um mindestens einen Sensor handeln, der die elektrische Feldstärke erfasst.
Die Regelungseinrichtung kann ein Mittel zur Auswertung und Steuerung umfassen. Hierbei
kann es sich beispielsweise um ein Computersystem handeln, welches zur Auswertung
der Messsignale der einzelnen Mittel zur Bestimmung und zur Steuerung der gesamten
Vorrichtung ausgebildet ist. Insbesondere können zur Auswertung das oder die Mittel
zur Bestimmung der Oberflächentemperatur und/oder das oder die Mittel zur Bestimmung
der elektrischen Feldstärke mit dem Mittel zur Auswertung und Steuerung verbunden
sein. Weiterhin können zur Steuerung das Mittel zur translatorischen Bewegung und/oder
die Hochfrequenz-Spannungsquelle mit dem Mittel zur Auswertung und Steuerung verbunden
sein. Durch das Mittel zur Auswertung und Steuerung können somit in Abhängigkeit von
bestimmten Größen die an die Anordnung angelegte HF-Leistung und/oder das translatorische
Bewegungsprofil derart angepasst werden, dass eine weitgehend homogene Bearbeitung
des Feststoffs ermöglicht wird. Insofern kann das Mittel zur Auswertung und Steuerung
in Kombination mit Sensoren eine Steuerung und Regelung der thermischen Behandlung
von Feststoffen ermöglichen. Insbesondere kann die an die Elektroden angelegte HF-Leistung
in Abhängigkeit von der gemessenen Oberflächentemperatur geregelt werden.
[0026] Weiterhin bevorzugt ist, dass die Vorrichtung mindestens ein Mittel zur Kühlung der
Oberfläche des Feststoffs umfasst, welches eine Kühlung der Oberfläche des dielektrisch
erwärmten Feststoffs ermöglicht. Diese Mittel zur Kühlung der Oberfläche des Feststoffs
kann ebenfalls über das Mittel zur Auswertung und Steuerung geregelt sein. Vorzugsweise
kann es sich bei dem Mittel zur Kühlung der Oberfläche um eine Einrichtung zur Luftführung
handeln. Bei der Einrichtung zur Luftführung kann es sich beispielsweise um ein aktives
System handeln, bei dem einzelnen Teilbereiche der Elektrodenanordnung Luft zugeführt
wird. Die zugeführte Luft kann als Luftströmung von einer Vielzahl von Lüftern lokal
erzeugt oder durch eine entsprechende Luftstromsteuerung den einzelnen Teilbereichen
zugeführt werden. Der Luftstrom kann vorzugsweise über einen einzelnen Hauptlüfter
erzeugt werden. Die zugeführte Luft kann zusätzlich über eine Kühleinrichtung gekühlt
werden. Für die Führung des Luftstromes zur Kühlung kann auch eine Perforation in
der Elektrodenstruktur genutzt werden.
[0027] Vorzugsweise ist in die elektrisch leitende Verbindung zwischen der Elektrodenanordnung
und der Hochfrequenz-Spannungsquelle ein elektronisches Anpassnetzwerk zur Verringerung
der von der Elektrodenanordnung zur Hochfrequenz-Spannungsquelle zurückreflektierten
Hochfrequenz-Leistung geschaltet. Insbesondere kann ein elektronisches Anpassnetzwerk,
eine so genannte Matchbox, zwischen HF-Spannungsquelle und Elektrodenanordnung derart
geschaltet sein, dass die zum Generator reflektierte HF-Leistung verringert bzw. eliminiert
wird.
[0028] Das erfindungsgemäße Verfahren basiert auf der Anwendung der vorab beschriebenen
Vorrichtung und nutzt die sich daraus ergebenden Vorteile bei der thermischen Behandlung
von Feststoffen. Insbesondere umfasst das vorgestellte Verfahren zur thermischen Behandlung
von Feststoffen als Verfahrensschritte das Bereitstellen einer binäre Elektrodenanordnung
mit mindestens zwei elektrisch voneinander isolierten Elektroden, wobei die Elektrodenanordnung
auf eine Oberfläche eines Feststoffs angeordnet wird, und das Anlegen einer Hochfrequenz-Spannung
an die Elektrodenanordnung, wobei ein elektrisches Wechselfeld in einem Feststoff
erzeugt wird und durch dieses Wechselfeld eine Erwärmung des Feststoffes im Volumen
erfolgt. In einer vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens wird eine Erwärmung im
Volumen erreicht, ohne dass eine Überhitzung der Oberfläche stattfindet. Das erfindungsgemäße
Verfahren ist geeignet, eine kontrollierte und direkte Erwärmung der zu behandelnden
Struktur zu ermöglichen und dabei ungewollte Überhitzungen an Teilen der Oberfläche
und des Volumens sicher auszuschließen.
[0029] Vorzugsweise wird die Elektrodenanordnung während einer verfahrensgemäßen Verwendung
der erfindungsgemäßen Vorrichtung entlang der Oberfläche des Feststoffs allgemein
translatorisch, d.h. in beliebiger Richtung entlang besagter Oberfläche, bewegt. Bevorzugter
erfolgt eine translatorische Bewegung jedoch ausschließlich in Richtungen die nicht
parallel zu Kanten der Elektrodenanordnung verlaufen. Eine translatorische Bewegung
kann vorzugsweise manuell durch einen Benutzer der Vorrichtung oder mittels eines
entsprechenden Mittels zur translatorischen Bewegung der Elektrodenanordnung erfolgen.
[0030] Beim erfindungsgemäßen Verfahren kann durch eine Regelungseinrichtung die Oberflächentemperatur
des Feststoffes kontrolliert und nach Bedarf eingestellt werden. Vorzugsweise kann
dabei durch die Regelungseinrichtung eine zumindest abschnittsweise Kühlung der Oberfläche
des Feststoffes erfolgen. Vorzugsweise wird die Elektrodenanordnung entlang der Oberfläche
des Feststoffs manuell oder automatisiert translatorisch bewegt. In einer bevorzugten
Ausgestaltung des Verfahrens wird die Kühlung der Oberfläche über einen Luftstrom
realisiert, der über Perforationen in dem Elektrodensystem geführt wird. In einer
weiteren bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens werden Wasser und/oder Schadstoffe
in einer bereitgestellten Substanz gebunden, die für die Aufnahme dieser Substanzen
geeignet ist. In bevorzugten Ausgestaltungen des Verfahrens handelt es sich um Trockenmittel
und/oder hydrophobe Adsorbenzien wie Aktivkohle beispielsweise in granularer oder
Vliesform.
Kurzbeschreibung der Figuren
[0031] Die Erfindung wird nachfolgend in Ausführungsbeispielen anhand der zugehörigen Zeichnungen
erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur thermischen
Behandlung von flächig ausgedehnten Feststoffen;
- Figur 2
- eine schematische Darstellung einer bevorzugten erfindungsgemäßen Elektrodenanordnung
nach Fig. 1;
- Figur 3
- schematische Darstellungen einer weiteren bevorzugten erfindungsgemäßen Vorrichtung
zur thermischen Behandlung von flächig ausgedehnten Feststoffen in Aufsicht und in
Seitenansicht;
- Figur 4
- schematische Darstellungen von unterschiedlichen Ausgestaltungen des Querschnitts
der Elektroden;
- Figuren 5a, 5b
- schematische Darstellungen einer Anwendung der erfindungsgemäßen Vorrichtung;
- Figur 6
- Temperaturprofile für vier unterschiedliche Behandlungsregimes am Beispiel des Feststoffs
Holz;
- Figur 7
- ein Temperaturtiefenprofil für die vier Behandlungsregimes nach Figur 6 mit Angabe
der Reichweite für das Erreichen einer Letaltemperatur von 60 °C;
- Figur 8
- schematische Darstellung einer weiteren erfindungsgemäßen Elektrodenanordnung mit
Angabe der Positionen der faseroptischen Temperatursensoren; und
- Figur 9
- den zeitlichen Verlauf der Temperaturen in 10 mm Tiefe sowie die zeitlichen Verläufe
von HF-Leistung und HF-Spannung bei Verwendung der in Figur 8 gezeigten erfindungsgemäßen
Vorrichtung.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0032] Figur 1 zeigt eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung 100
zur thermischen Behandlung von Feststoffen 10. Die Vorrichtung 100 ist dabei aufliegend
auf der Oberfläche A des Feststoffs 10 dargestellt, wobei die laterale Ausdehnung
in der Regel deutlich größer ist als in der Fig. 1 angegeben. Insbesondere befindet
sich hierbei ein Teil der dargestellten Oberfläche A des Feststoffs 10 in direktem
Kontakt mit der unterseitigen Oberfläche B der Elektrodenanordnung 20. Ein solcher
direkter Kontakt zwischen der Elektrodenanordnung 20 und der Oberfläche A des Feststoffs
10 ist jedoch nicht zwingend erforderlich, erfindungsgemäß ist es ausreichend, wenn
der von der Elektrodenanordnung 20 ausgehende Feldlinienverlauf zu einer entsprechenden
Durchdringung des Feststoffs 10 führt.
[0033] Die Elektrodenanordnung 20 ist nach oben und zu den Seiten hin von einer Abschirmung
40 umgeben. Diese dient dazu, den Feldlinienverlauf auf das Volumen des Feststoffs
10 zu fokussieren und die parasitäre Abstrahlung in die Umgebung, d.h. außerhalb des
Feststoffs 10, signifikant zu reduzieren. Oberhalb der Abschirmung 40 ist beispielhaft
eine Haltevorrichtung 42 dargestellt. Vorliegend dient diese dazu, einem Benutzer
der Vorrichtung 100 die manuelle Handhabung der Vorrichtung 100 zu erleichtern. Die
Haltevorrichtung 42 kann dabei beispielsweise als Klemmhalterung, Umgriffhalterung
oder als Schraub- bzw. Steckhalterung zur Befestigung eines Teleskopstangenkopfes
ausgeführt sein. Ebenfalls kann die Haltevorrichtung 42 eine Möglichkeit zur Fixierung
der Elektrodenanordnung 20 an ein Mittel zur translatorischen Bewegung der Elektrodenanordnung
20 aufweisen. Mithilfe einer entsprechenden Haltevorrichtung 42 kann die Elektrodenanordnung
translatorisch entlang der Oberfläche A des Feststoffs 10 bewegt werden. Insbesondere
ist erfindungsgemäß eine möglichst vollständige sukzessive Abdeckung einer zusammenhängenden
Oberfläche A des Feststoffs 10 besonders bevorzugt. Hierbei kann das entsprechende
Bewegungsprofil frei gewählt werden, insbesondere bei manueller Bewegung ist jedoch
ein vollständig die Oberfläche A des Feststoffs 10 abdeckendes Zick-Zack-Profil bei
der translatorischen Bewegung besonders bevorzugt. Erfindungsgemäß wird ein hochfrequentes
elektromagnetisches Wechselfeld in das Volumen des Feststoffs 10 eingekoppelt. Dieses
HF-Feld wird vorzugsweise durch eine Hochfrequenz-Spannungsquelle 30 erzeugt. Dies
kann über eine elektrisch leitende Verbindung mit der Elektrodenanordnung 20 verbunden
sein. Vorzugsweise ist in die elektrische leitende Verbindung zwischen der Elektrodenanordnung
20 und der Hochfrequenz-Spannungsquelle 30 ein elektronisches Anpassnetzwerk 50 zur
Verringerung der von der Elektrodenanordnung 20 zur Hochfrequenz-Spannungsquelle 30
rückreflektierten Hochfrequenz-Leistung geschaltet. Bei der dargestellten Elektrodenanordnung
20 handelt es sich um zwei ineinander greifenden Kammstrukturen. Die Zähne des Kamms
und der verbindende Quersteg bilden dabei die einzelnen Elektroden aus. Der erste
Steg 26 und der zweite Steg 28 stellen dabei auch leitfähige elektrische Verbindungen
zwischen den einzelnen Zähnen eines Kamms dar. Die von der Hochfrequenz-Spannungsquelle
30 erzeugte Hochfrequenzspannung liegt an den Stegen 26, 28 an und ist somit auch
mit den einzelnen Elektroden des jeweiligen Kamms verbunden. Erfindungsgemäß bildet
sich somit zwischen den Doppelkämmen ein starkes elektromagnetisches Wechselfeld aus,
wobei der dabei erzeugte Feldlinienverlauf vorzugsweise tief in das Volumen des Feststoffs
10 eindringt und zu einer Aufheizung des Materials führt.
[0034] Figur 2 zeigt eine schematische Darstellung einer beispielhaften erfindungsgemäßen
Elektrodenanordnung 20 nach Fig. 1. Hierbei wird insbesondere die miteinander verzahnte
kammartige Anordnung der ersten Elektroden 22 und der zweiten Elektroden 24 als Interdigitalstruktur
deutlich. Die zum ersten Kamm gehörenden Elektroden 22a - 22f sind elektrisch leitend
über den ersten Steg 26 miteinander verbunden, wobei der Steg ebenfalls als Elektrode
wirkt. Die zum zweiten Kamm gehörenden Elektroden 24a - 24f sind elektrisch leitend
über den zweiten Steg 28 miteinander verbunden. Auch dieser wirkt gleichzeitig als
Elektrode. Beide Kämme sind elektrisch vollständig gegeneinander isoliert und weisen
keine elektrisch leitende Verbindung untereinander auf. Eine indirekte Verbindung
erfolgt lediglich im Betrieb der Vorrichtung 100 durch den Anschluss beider Kämme
an die Hochfrequenz-Spannungsquelle. Die einzelnen Elektroden 22, 24 erstrecken sich
entlang einer gemeinsamen Hauptachse X der Elektrodenanordnung 20, wobei in der gezeigten
Darstellung der erste Steg 26 und der zweite Steg 28 ebenfalls parallel zur Hauptachse
X der Elektrodenanordnung 20 verlaufen. Die Stege 26, 28 können jedoch auch beliebig
anders zur Hauptachse X der Elektrodenanordnung 20 orientiert sein, insbesondere können
die Elektroden 22, 24 auch ohne eine feste Stegstruktur elektrisch miteinander verbunden
sein. Beispielsweise kann eine Verbindung der jeweils zusammengehörigen Elektroden
auch mittels individueller Kabelverbindung oder Lötung erfolgen. Im beispielhaft dargestellten
Fall liegen die Stege 26 und 28 in einer Ebene mit den Elektroden 22a - 22f und 24a
- 24f. Es ist jedoch auch möglich, dass sich diese Stege weitgehend oberhalb der Ebene
der Elektroden 22a - 22f und 24a - 24f befinden. In diesem Fall wirken die Stege praktisch
nicht selbst als HF-Elektroden bezüglich des zu behandelnden Materials 10.
[0035] Ein wesentliches Merkmal der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung einer
Vorrichtung zur möglichst homogenen thermischen Behandlung von Feststoffen. Daher
ist auch bei der Auslegung einer erfindungsgemäßen Elektrodenanordnung 20 ein entsprechendes
Maß an Homogenität und Einheitlichkeit besonders bevorzugt. Insbesondere sollten die
jeweiligen geometrischen Abstände, Maße und Winkel zwischen den einzelnen Elektroden
22, 24 einheitlich sein. In der Darstellung der Fig. 2 wird dies dadurch deutlich,
dass hier zwei identische Kammstrukturen derart ineinandergreifen, dass die Elektrodenstege
jeweils im gleichen Abstand parallel zueinander angeordnet sind. Insbesondere sind
der linkseitige und rechtsseitige Abstand jeder einzelnen Elektrode 22, 24 zu ihren
beiden nächsten Nachbarn jeweils gleich groß. Das Tastverhältnis zwischen der Breite
der Elektroden 22, 24 und dem Abstand der einzelnen Elektroden 22, 24 kann frei gewählt
werden. Bevorzugt ist jedoch auch hier ein Tastverhältnis, welches in Abhängigkeit
der an die Elektrodenanordnung 20 angelegten Hochfrequenz-Spannung und der jeweiligen
Elektrodenform eine möglichst optimale Umsetzung der erfinderischen Idee des Verfahrens
sicherstellt.
[0036] Figur 3 zeigt eine schematische Darstellung der wesentlichen Komponenten einer weiteren
erfindungsgemäßen Vorrichtung 100 zur thermischen Behandlung von Feststoffen 10 in
Aufsicht (oben) und in Seitenansicht (unten). Dargestellt ist eine Elektrodenanordnung
20 mit zwei ineinander greifenden Kammstrukturen, wobei es sich um zweiseitig ausgeführte
Kammstrukturen handelt, bei denen die Elektroden 22, 24 sich an beiden Seiten (in
der Figur oberhalb und unterhalb) der jeweiligen Stege 26, 28 befinden. Die Elektroden
22, 24 erstrecken sich wie dargestellt entlang einer gemeinsamen Hauptachse X, wobei
auch bei dieser Ausführungsform die Stege 26, 28 jeweils parallel zu der Hauptachse
X verlaufen. Die Elektroden 22, 24 der Elektrodenstruktur 20 sind senkrecht zur Hauptachse
X angeordnet, wobei die Länge der Elektroden entlang der Elektrodenstruktur variiert.
Es ist hervorzuheben, dass bei der Anordnung nach Fig. 3 die Stege oberhalb der Elektrodenstruktur
und nicht in einer Ebene mit dieser angeordnet sind. Sie wirken in diesem Fall praktisch
nicht als Elektroden bezüglich der zu erwärmenden Struktur 10. Die Länge der Elektroden
22, 24 entlang der Elektrodenstruktur 20 variiert linear. Insbesondere weist die Elektrodenanordnung
20 eine maximale Elektrodenlänge in der Mitte der Elektrodenstruktur 20 auf. Die Länge
der daran beiderseits angrenzenden Elektroden 22, 24 verringert sich zu den äußeren
Ende der Elektrodenstruktur 20 hin linear. Der Aufsicht ist zu entnehmen, dass die
Abschirmung 40 im gezeigten Ausführungsbeispiel einen quadratischen Querschnitt bezüglich
der Draufsicht aufweist. Die Elektrodenanordnung 20 ist dabei diagonal in die Grundfläche
dieses Quadrates eingefasst. Das Quadrat folgt in der Regel der Lage der Abschirmung
40. Eine erfindungsgemäße translatorische Bewegung der gezeigten Elektrodenanordnung
20 erfolgt bevorzugt entlang der Seiten der quadratischen Abschirmung 40, daher liegt
in dem gezeigten Ausführungsbeispiel in der gezeigten Anordnung ein Winkel von 45°
zu den Kanten der Abschirmung 40 vor.
[0037] Figur 4 zeigt eine schematische Darstellung von unterschiedlichen Ausgestaltungen
des Querschnitts der Elektroden 22, 24. Die einzelnen Elektroden 22, 24 der Elektrodenanordnung
20 weisen an ihrer Unterseite, d.h. an der der Oberfläche A des Feststoffs 10 zugewendeten
Oberfläche B, jeweils einen Randbereich auf, welcher durch eine Kanten K gekennzeichnet
ist. Zur Beeinflussung des Feldlinienverlaufs im Betrieb der erfindungsgemäßen Vorrichtung
100 kann die Form dieses Randbereichs, insbesondere die der Kanten K, im Unterscheid
zu einer rechtwinkligen oder eckigen Ausgestaltung (Links), durch Abrunden (Rechts)
oder Abschrägen (Mitte) modifiziert werden. Zum Schutz zumindest der Oberfläche B
der Kontakte 22, 24 und/oder der Oberfläche A der zu behandelnden Struktur 10 können
die Kontakte 22, 24 auch mit einer Schutzschicht 60 versehen sein. Die Schutzschicht
60 kann dabei beispielsweise den gesamten Kontakt 22, 24, lediglich einzelne Kontaktstellen
oder nur die Oberfläche B der Kontakte 22, 24 umfassen. Letzteres ist zu illustrativen
Zwecken bei der dargestellten Ausführungsform eines Kontaktes 22, 24 mit abgerundeten
Kanten K (Rechts) dargestellt. All diese Ausführungsformen können auch eine Perforation
aufweisen, die die Abführung von Substanzen von der zu behandelnden Festkörperstruktur
10 und/oder die Belüftung der Oberfläche A der Festkörperstruktur 10 gestattet.
Ausführungsbeispiel 1:
Modellierung der räumlichen Verteilung der Energieeinkopplung in die behandelte Struktur
[0038] Unter den vielfältigen Variationsmöglichkeiten bei der Anwendung sei ein Beispiel
veranschaulicht, bei dem parallele Elektroden bzw. Elektrodenteile mit wechselnder
Polarität ("heiße", d. h. spannungsführende, und "kalte", d. h. geerdete, Elektroden)
zur Erwärmung genutzt werden. Über den Elektroden ist eine Schirmung angeordnet, die
sich auch über die angrenzende Oberfläche erstreckt. Die "kalten" Elektroden sind
mit der geerdeten Schirmung und dem Matchboxgehäuse elektrisch leitend verbunden,
während die "heißen" Elektroden spannungsführend über ein Kupferband mit dem elektronischen
Anpassnetzwerk bzw. mit der Spannungsquelle zur Kontaktierung verbunden sind. Die
Anordnung für eine vertikale Behandlung (beispielsweise eines Fragments einer Wandvertäfelung)
ist schematisch in Fig. 5 dargestellt.
[0039] Figur 5 zeigt schematische Darstellungen einer Anwendung der erfindungsgemäßen Vorrichtung
mit einer oberflächengebundenen binären Elektrodenanordnung am Beispiel einer zu erwärmenden
Mauer. Dabei zeigt Fig. 5a die Schirmung mit darunterliegender, nicht sichtbarer Kammstruktur
und Fig. 5b einen Schnitt durch die erfindungsgemäße Vorrichtung mit sichtbarer Kammstruktur.
[0040] Legt man für eine Simulation zugrunde, dass die Elektroden eine Breite von 20 mm
besitzen und der Abstand der Elektrodenmitten jeweils 25 mm beträgt, so ergibt sich
eine Spaltbreite zwischen den Elektroden von 5 mm. In Richtung zur Maueroberfläche
wurden die Elektroden jeweils 5 mm im Winkel von 45° abgeschrägt, so dass auf der
Oberfläche ein effektiver Elektrodenabstand von 15 mm vorlag, der auch für die Feldverteilung
im Material maßgebend ist. Unter Verwendung von realistischen Annahmen für die Wärmeausbreitung
im Material, den Wärmeübergang zwischen Materialoberfläche und Luft sowie unter Nutzung
der dielektrischen und physikalischen Parameter für das Material Holz wurden die Temperaturverteilungen
für ein 50 mm dickes Holzbauteil nach bestimmten Zeiten des dielektrischen Energieeintrages
ermittelt.
[0041] Dabei wurden vier unterschiedliche Szenarien verglichen: eine konventionelle Erwärmung
mit einer Heizplatte, eine dielektrische Erwärmung unter Nutzung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung mittels Radiowellen-Energie sowie die Nutzung beider Verfahren im Impulsbetrieb
(1 min Heizung, 2 min Pause). In allen Fällen wurde eine Leistung von 1 kW eingesetzt.
[0042] Figur 6 zeigt Temperaturprofile für vier unterschiedliche Behandlungsregimes am Beispiel
des Feststoffs Holz. Dargestellt sind die vier sich ergebenden Temperaturprofile nach
jeweils 3 min, 6 min, 9 min und 15 min. Dabei zeigt (a) das Temperaturprofil bei einer
kontinuierlichen HF-Erwärmung, (b) das Temperaturprofil bei kontinuierlicher konventioneller
HF-Erwärmung, (c) das Temperaturprofil bei Radiowellen-Erwärmung im Impulsbetrieb
(1 min Leistung eingeschaltet, danach jeweils 2 min Pause) und (d) das Temperaturprofil
bei konventioneller Erwärmung im Impulsbetrieb (Zeiten wie vorher).
[0043] Es wird deutlich, dass das Maximum der Erwärmung sowie der Energieeintrag insgesamt
für den Fall der Radiowellen-Methode deutlich hinein in das Volumen des Materials
verschoben sind. Für eine nicht thermisch isolierte Oberfläche kann die Oberflächentemperatur
gegenüber der im Volumen zu erreichenden Zieltemperatur abgesenkt werden, beispielsweise,
um sensible Beschichtungen nicht zu schädigen. Der Grad der Temperaturabsenkung kann
durch die Wahl der isolierenden Oberflächenbedeckung bzw. die Einstellung des Wärmeabtransports
von der Oberfläche beispielsweise durch einen kühlenden Luftstrom variiert werden.
Die konventionelle Erwärmung mittels Heizplatte (analoge Resultate würden mit der
Heißluft- und der IR-Behandlung erzielt) führt hingegen zu einer hohen Oberflächentemperatur,
zu einer ausgeprägten Temperaturabnahme mit der Tiefe und zu einer deutlich geringeren
Aufheizgeschwindigkeit im Volumen. Bei einer Verringerung der Oberflächentemperatur
zum Schutz sensibler Oberflächen würde sich die ohnehin schon geringere Erwärmungsgeschwindigkeit
des Volumens nochmals verringern.
[0044] Für die praktische Anwendung ergibt sich meist die Situation, dass eine bestimmte
Maximaltemperatur nicht überschritten werden darf, jedoch eine Mindesttemperatur (z.
B. die Letaltemperatur für die Schädlingsbekämpfung) erreicht werden muss.
[0045] Figur 7 zeigt ein Temperaturtiefenprofil für die vier Behandlungsregimes nach Fig.
6. Es werden die vier bereits genannten Verfahren für eine Situation gegenübergestellt,
bei der die Maximaltemperatur auf 100 °C begrenzt ist. Dargestellt ist jeweils der
Zeitpunkt, zu dem erstmalig an einem Ort die Grenztemperatur von 100 °C erreicht wurde.
Da die verfahrensgemäße Zieltemperatur 60 °C betrug, sind zudem die Eindringtiefen
markiert, bis zu denen diese Temperatur erreicht wurde.
[0046] Auch hier zeigen sich wiederum die klaren Vorteile des Radiowellen-Verfahrens unter
Verwendung der erfindungsgemäßen Vorrichtung und des erfindungsgemäßen Verfahrens
bei einer verwendeten Leistung von 1 kW (kontinuierlich oder in den Pulsen im Impulsbetrieb).
Die Eindringtiefen für die Radiowellen-Erwärmung (13 mm bzw. 17 mm, bezogen auf das
Erreichen der Letaltemperatur von 60 °C) waren deutlich höher als die, die bei einer
konventionellen Erwärmung mittels Heizplatte (oder analog mit dem Heißluft- oder Infrarotverfahren)
erreicht wurden (5 mm und 8 mm für den kontinuierlichen bzw. den Impulsbetrieb). Die
dafür benötigten Behandlungszeiten waren vergleichbar. Dies bedeutet gleichzeitig,
dass für gleiche Eindringtiefen wesentlich längere Behandlungszeiten für die konventionelle
Erwärmung notwendig wären, wenn in einem bestimmten Volumen die Zieltemperatur durchgängig
erreicht werden soll. Es sei angemerkt, dass in dem beschriebenen Fall keine Bewegung
der Vorrichtung über die zu behandelnde Oberfläche erfolgte. Bei einer mobilen Anwendung
müsste die effektive Verweilzeit des Systems an der Position berücksichtigt werden.
Ausführungsbeispiel 2:
Erwärmung einer Parkettfläche mit einer Doppelkammstruktur
[0047] Für Demonstrationszwecke wurde eine Holzplatte mit einer Dicke von 20 mm unter Nutzung
der in Fig. 8 dargestellten Doppelkammstruktur erwärmt. Für die Elektroden 22, 24
und die Stege 26, 28 wurden bei diesen orientierenden Versuchen Konstruktionselemente
aus Stahl verwendet. Der Abstand zwischen den Elektroden 22, 24 betrug zwischen 20
mm und 25 mm.
[0048] Es wurden ein HF-Generator (Arbeitsfrequenz 13,56 MHz, Maximalleistung 3 kW) und
ein elektronisches Anpassnetzwerk (maximale HF-Spannung 4 kV) verwendet.
[0049] Die Oberflächentemperatur wurde mittels einer IR-Kamera vermessen. In einer Tiefe
von 10 mm unter der Holzoberfläche wurden faseroptische Temperatursensoren positioniert,
um während der RW-Behandlung eine kontinuierliche Temperaturerfassung zu ermöglichen.
Die Positionen der Sensoren relativ zur Elektrodenstruktur (mit x markiert) sind ebenfalls
Fig. 8 zu entnehmen.
[0050] Figur 9 zeigt den zeitlichen Verlauf der Temperaturen in 10 mm Tiefe bei Verwendung
der in Fig. 8 gezeigten erfindungsgemäßen Vorrichtung und unter Verwendung des erfindungsgemäßen
Verfahrens. Es sind dies Resultate eines typischen Erwärmungsversuches unter Verwendung
der erfindungsgemäßen Anordnung. Es konnte nachgewiesen werden, dass eine vorgewählte
Mindesttemperatur von 60 °C in einer Tiefe von 10 cm in der Holzplatte überall erreicht
wurde. Eine Höchsttemperatur von 100 °C wurde nicht überschritten. Die Oberflächentemperaturen
waren deutlich niedriger, wie Aufnahmen mittels IR-Kamera zeigten. Hier war eine mittlere
Temperatur von ca. 75 °C bei einer maximalen Oberflächentemperatur von 82 °C zu konstatieren.
[0051] Es ist davon auszugehen, dass durch eine Optimierung der Elektrodenstruktur und durch
spezielle Versuchsregimes (vgl. Ausführungsbeispiel 1) eine noch bessere Homogenität
der Temperaturverteilung erzielt werden kann.
[0052] Die speziellen Versuchsregimes repräsentieren das erfindungsgemäße Verfahren, das
durch seine Flexibilität eine erfolgreiche Behandlung sehr unterschiedlicher Praxissituationen
erlaubt.
Bezugszeichenliste
[0053]
- 10
- Feststoff
- 20
- Elektrodenanordnung
- 22a, 22b,
- erste Elektroden
- 24a, 24b,
- zweite Elektroden
- 26
- erster Steg
- 28
- zweiter Steg
- 30
- Hochfrequenz-Spannungsquelle
- 40
- Abschirmung
- 42
- Haltevorrichtung
- 50
- Anpassnetzwerk
- 60
- Schutzschicht
- A
- Oberfläche des Feststoffs 10
- B
- Oberflächen der Elektrodenanordnung 20
- K
- Kanten der Elektroden 22, 24
- X
- Hauptachse der Elektrodenanordnung 20
1. Vorrichtung (100) zur thermischen Behandlung von Feststoffen (10), umfassend eine
auf einer Oberfläche (A) eines Feststoffs (10) anordenbare binäre Elektrodenanordnung
(20) mit jeweils mindestens zwei elektrisch voneinander isolierten Elektroden (22,
24), wobei die Elektrodenanordnung (20) zwei ineinandergreifende Kammstrukturen umfasst,
und die Elektrodenanordnung (20) elektrisch leitend mit einer Hochfrequenz-Spannungsquelle
(30) verbunden sind, die dazu ausgebildet ist, an die Elektrodenanordnung (20) eine
Hochfrequenz-Spannung mit einer Frequenz zwischen 100 kHz und 50 MHz anzulegen,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Haltevorrichtung (42) vorgesehen ist, dazu ausgebildet, eine translatorische
Bewegung der Elektrodenanordnung (20) entlang der Oberfläche (A) eines Feststoffs
(10) zu ermöglichen.
2. Vorrichtung (100) nach Anspruch 1, wobei die Vorrichtung (100) eine Oberfläche (B)
umfasst, die auf der Oberfläche (A) des Feststoffs (10) anordenbar ist, wobei die
der Oberfläche (A) des Feststoffs (10) zugewendeten Kanten (K) der Oberfläche (B)
abgerundet oder abgeschrägt sind und/oder die Oberfläche (B) zumindest teilweise durch
eine Schutzschicht (60) geschützt ist.
3. Vorrichtung (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Elektrodenanordnung
(20) zumindest in Teilbereichen perforiert ist und/oder zumindest teilweise von einer
elektrisch leitfähigen Abschirmung (26) umgeben ist.
4. Vorrichtung (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei jede der Kammstrukturen
einen Steg (26, 28) umfasst, über den die jeweiligen Elektroden (22, 22a, 22b, 22c,
22d, 22e, 22f, 24, 24a, 24b, 24c, 24d, 24e, 24f) der Elektrodenanordnung (20) miteinander
elektrisch verbunden sind, wobei die Stege (26, 28) parallel zu einer Hauptachse (X)
der Elektrodenanordnung (20) verlaufen und wobei die Elektroden (22, 22a, 22b, 22c,
22d, 22e, 22f, 24, 24a, 24b, 24c, 24d, 24e, 24f) senkrecht zur Hauptachse (X) angeordnet
sind und die Länge der Elektroden (22, 24) entlang der Elektrodenanordnung (20) variiert.
5. Vorrichtung (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiterhin umfassend ein
Mittel zur translatorischen Bewegung der Elektrodenanordnung (20).
6. Vorrichtung (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiterhin umfassend eine
Regelungseinrichtung zur Regelung der Oberflächentemperatur des Feststoffes (10).
7. Vorrichtung (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Vorrichtung (100)
ein Adsorptionsmittel zur Aufnahme der aus dem Feststoff austretenden Stoffe aufweist.
8. Vorrichtung (100) nach Anspruch 7, wobei das Adsorptionsmittel mindestens eine der
Elektroden (22, 24) direkt berührt.
9. Vorrichtung (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Elektrodenanordnung
(20) mindestens eine Perforation aufweist, die ausgebildet ist, einen Luftstrom zur
Kühlung zu führen.
10. Verfahren zur thermischen Behandlung von Feststoffen (10), folgende Verfahrensschritte
umfassend:
- Bereitstellen einer Vorrichtung (100) zur thermischen Behandlung von Feststoffen
(10) nach einem der Ansprüche 1 bis 9, wobei die Elektrodenanordnung (20) auf eine
Oberfläche (A) eines Feststoffs (10) angeordnet wird, und
- Anlegen einer Hochfrequenz-Spannung mit einer Frequenz zwischen 100 kHz und 50 MHz
an die Elektrodenanordnung (20), wobei ein elektrisches Wechselfeld in dem Feststoff
(10) erzeugt wird und durch dieses Wechselfeld eine Erwärmung des Feststoffes (10)
erfolgt.
11. Verfahren nach Anspruch10, wobei durch eine Regelungseinrichtung (70) die Oberflächentemperatur
und/oder die Volumentemperatur des Feststoffes (10) geregelt werden.
12. Verfahren nach Anspruch 11, wobei durch die Regelungseinrichtung (70) mittels mindestens
eines Mittels zur Kühlung der Oberfläche (A) des Feststoffs (10) eine zumindest abschnittsweise
Kühlung der Oberfläche (A) des Feststoffes (10) erfolgt.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 10 bis 12, wobei die Elektrodenanordnung
(20) entlang der Oberfläche (A) des Feststoffs (10) allgemein translatorisch bewegt
wird oder die translatorische Bewegung nicht parallel zu Kanten der Elektrodenanordnung
(20) erfolgt.
14. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 10 bis 13, wobei die aus der behandelten
Struktur des Feststoffs (10) austretenden Stoffe an einem Adsorbermaterial gebunden
werden.
15. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 10 bis 14, wobei eine Kühlung der
Oberfläche des Feststoffs über einen Luftstrom erfolgt, wobei der Luftstrom vorzugsweise
über Perforationen in den Elektroden (22, 24) der Elektrodenanordnung (20) geführt
wird.