[0001] Die Erfindung betrifft eine Zugabeleitung gemäß Anspruch 1, einen extrakorporalen
Blutkreislauf gemäß Anspruch 4 sowie eine Blutbehandlungsvorrichtung gemäß Anspruch
6.
[0002] Bei der extrakorporalen Blutbehandlung werden Infusionslösungen oder Medikamente
meist über den extrakorporalen Blutkreislauf, d. h. das verwendete Blutschlauchsystem,
infundiert. Je nach Art der Infusionslösung kann eine schnelle Mischung der Infusionslösung
mit dem Blut wünschenswert sein.
[0003] So werden bei der extrakorporalen Blutbehandlung standardmäßig Infusionslösungen
zur Hemmung der Blutgerinnung infundiert, um einem möglichen Verschluss des extrakorporalen
Blutkreislaufs vorzubeugen.
[0004] Dazu werden hauptsächlich zwei Verfahren angewendet, die systemische und die regionale
Antikoagulation. Bei der regionalen Antikoagulation wird als Antikoagulanz meist eine
Citratlosung verwendet, die Calcium komplexiert und so die Gerinnung des Blutes unterdrückt.
Vor Rückgabe des Bluts an den Patienten muss typischerweise zusätzliches Calcium verabreicht
werden, da zu niedrige Calciumkonzentrationen Auswirkungen auf Nerven und Muskeln,
die Blutgerinnung sowie Funktion von Lunge, Herz und Nieren haben. Deshalb wird bei
der regionalen Antikoagulation dem Blut vor Reinfusion in den Patienten eine calciumhaltige
Lösung zudosiert, durch die die physiologische Calciumkonzentration im systemischen
Blut und damit gleichzeitig dessen Gerinnungsfähigkeit wiederhergestellt werden.
[0005] Die Infusion von Infusionslösungen oder Medikamenten in das Schlauchsystem des extrakorporalen
Blutkreislaufs erfolgt üblicherweise über Zugabestellen in T-Form, sogenannte T-Stücke.
In diesen T-Stücken herrschen aufgrund des kreisförmigen Querschnitts und der glatten
Innenwandung an der Zugabestelle laminare Strömungsbedingungen vor. Zusätzlich sind
die Flussraten der infundierten Lösungen im Vergleich zum Blutfluss gering.
[0006] Die weitgehend laminaren Strömungsbedingungen und die geringen Flüsse der in den
Blutstrom einfließenden Infusionslösungen oder Medikamente können eine zeitlich verzögerte
oder nur langsame Durchmischung des Blutes mit der zugegebenen Infusionslösung bedingen.
Diese langsame Vermischung der beiden Flüssigkeiten an der Zugabestelle ist speziell
bei der Zugabe der Calciumlösung zu Blut unerwünscht und kann aufgrund punktuell hoher
Calciumkonzentrationen im Blut vereinzelt zur Gerinnselbildung flussabwärts führen.
[0007] Um dies zu verhindern, ist die rasche und homogene Durchmischung der zugegebenen
Calciumlösung mit dem Blut wünschenswert.
[0008] Das Problem kann sich aber auch bei der Zumischung anderer Flüssigkeiten ergeben,
z. B. Medikamenten, deren schnelle Durchmischung ebenfalls vorteilhaft sein kann.
[0009] Im Stand der Technik ist dieses Problem bekannt und zur Lösung werden spezielle Zugabestellen,
die Mittel zur Turbulenzerzeugung enthalten, beschrieben.
[0010] In der
WO 2014/026771 A1 wird ein Einsatzstück für ein Blutschlauchsystem mit einer Spiralstruktur beschrieben.
Die Spiralstruktur dient dem Erzeugen von Turbulenzen im Bereich der Infusionsstelle.
Die Turbulenzen sollen einer besseren Vermischung dienen.
[0011] In der
DE 42 40 681 A1 ist eine Vorrichtung zur Hämodialyse ohne Antikoagulation offenbart.
[0012] Aus der
EP 1 666 078 A2 sind eine extrakorporale Blutbehandlung und entsprechende Vorrichtungen bekannt.
[0013] Eine erfindungsgemäße Aufgabe kann darin bestehen, eine weitere Lösung zum Begünstigen
einer Vermischung einer Infusionslösung mit einem weiteren Fluid, etwa Blut, vorzuschlagen.
[0014] Die Aufgabe kann gelöst werden durch eine Zugabeleitung mit den Merkmalen des Anspruchs
1, einen extrakorporalen Blutkreislauf mit den Merkmalen des Anspruchs 4 sowie eine
Blutbehandlungsvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 6. Erfindungsgemäß wird
somit eine Zugabeleitung vorgeschlagen, die zum Zugeben einer Infusionslösung zu einem
Fluid, welches in einem extrakorporalen Blutkreislauf strömt, bestimmt ist. Die Zugabeleitung
ist daher zu ihrer Verbindung mit einem extrakorporalen Blutkreislauf vorgesehen und
optional bereits entsprechend ausgestaltet, beispielsweise durch entsprechende Verbinder,
T-Stücke, oder dergleichen. Die erfindungsgemäße Zugabeleitung weist wenigstens ein
Druckentlastungsventil auf, wobei das Druckentlastungsventil konfiguriert ist, um
einen Durchfluss hierdurch erst dann zu erlauben, wenn sich ein ausreichend hoher
Druck stromauf hiervon eingestellt hat, so dass, auch wenn die Infusionslösung mittels
einer Pumpe kontinuierlich entlang der Zugabeleitung in Richtung des Druckentlastungsventils
gefördert wird, mittels des Druckentlastungsventils ein pulsierender Strom an Infusionslösung
erzeugt wird.
[0015] Der erfindungsgemäße extrakorporale Blutkreislauf weist wenigstens eine Blutrückgabeleitung
und eine erfindungsgemäße Zugabeleitung auf.
[0016] Die erfindungsgemäße Blutbehandlungsvorrichtung ist mit einem erfindungsgemäßen extrakorporalen
Blutkreislauf verbunden. Letzterer weist, wie vorstehend festgehalten, zumindest eine
erfindungsgemäße Zugabeleitung und eine Blutrückgabeleitung auf. Die Blutbehandlungsvorrichtung
weist ferner eine Infusionspumpe zum Fördern einer Infusionslösung innerhalb der Zugabeleitung
oder durch diese hindurch auf, oder sie ist mit einer solchen Infusionspumpe körperlich
oder in Signalverbindung verbunden. Ferner weist sie eine Blutpumpe zum Fördern von
Blut innerhalb der Blutrückgabeleitung oder durch diese hindurch auf. Die Infusionspumpe
wird mittels einer Steuervorrichtung oder Regelvorrichtung gesteuert (im Folgenden
kurz: Steuervorrichtung) oder geregelt. Eine solche ist vorgesehen.
[0017] Das hierin offenbarte erfindungsgemäße Verfahren dient nicht dem Steuern einer Infusionspumpe
zum Fördern einer Infusionslösung innerhalb einer erfindungsgemäßen Zugabeleitung.
Es umfasst zumindest ein Bereitstellen einer erfindungsgemäßen Zugabeleitung, ein
Verbinden der Infusionspumpe mit einer Quelle für die Infusionslösung, ein Verbinden
oder Inkontaktbringen der Infusionspumpe mit einem Pumpabschnitt der Zugabeleitung,
und ein Fördern der Infusionslösung durch, vorzugsweise kontinuierliches oder andauerndes,
Betreiben der Infusionspumpe unter einer kontinuierlichen Förderrate.
[0018] Erfindungsgemäße Ausführungsformen können eines oder mehrere der vorstehend oder
im Folgenden genannten Merkmale in beliebiger Kombination aufweisen.
[0019] Erfindungsgemäße Ausführungsformen sind ferner Gegenstand der Unteransprüche.
[0020] Bei allen hierin gemachten Ausführungen ist der Gebrauch des Ausdrucks "kann sein"
bzw. "kann haben" usw. synonym zu "ist vorzugsweise" bzw. "hat vorzugsweise" usw.
zu verstehen und soll eine erfindungsgemäße Ausführungsform erläutern.
[0021] Wann immer hierin Zahlenworte genannt werden, so versteht der Fachmann diese als
Angabe einer zahlenmäßig unteren Grenze. Sofern dies zu keinem für den Fachmann erkennbaren
Widerspruch führt, liest der Fachmann daher beispielsweise bei der Angabe "ein" oder
"einem" stets "wenigstens ein" oder "wenigstens einem" mit. Dieses Verständnis ist
ebenso von der vorliegenden Erfindung mit umfasst wie die Auslegung, dass ein Zahlenwort
wie beispielsweise "ein" alternativ als "genau ein" gemeint sein kann, wo immer dies
für den Fachmann erkennbar technisch möglich ist. Beides ist von der vorliegenden
Erfindung umfasst und gilt für alle hierin verwendeten Zahlenworte.
[0022] Hierin gemachte räumliche Angaben wie "oben", "unten", usw. beziehen sich im Zweifel
auf die Darstellung, wie sie den hier beigefügten Figuren zu entnehmen ist.
[0023] Das Druckentlastungsventil kann ein Rückschlagventil sein.
[0024] In bestimmten, beispielhaften erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist das Druckentlastungsventil
in einem Abschnitt der Zugabeleitung angeordnet. Dieser Abschnitt liegt zwischen einem
Pumpabschnitt der Zugabeleitung, welcher vorgesehen und/oder ausgestaltet ist, um
in eine Infusionspumpe eingelegt oder mit dieser verbunden zu werden, und einem Verbindungsabschnitt,
welcher vorgesehen und/oder ausgestaltet ist, um mit einer Blutleitung eines extrakorporalen
Blutkreislaufs in Fluidkommunikation verbunden zu werden.
[0025] In bestimmten, beispielhaften erfindungsgemäßen Ausführungsformen weist die Zugabeleitung
eine Quelle für die Infusionslösung auf oder ist hiermit in Fluidverbindung verbunden.
[0026] Die Infusionslösung kann eine Calciumlösung sein.
[0027] In bestimmten, beispielhaften erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist die Steuervorrichtung
eingerichtet oder programmiert, um die Infusionspumpe ausschließlich kontinuierlich
fördern zu lassen.
[0028] In bestimmten, beispielhaften erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist die Zugabeleitung
in Fluidkommunikation mit der Blutentnahmeleitung verbunden.
[0029] In bestimmten, beispielhaften erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist die Steuervorrichtung
ausdrücklich nicht eingerichtet oder programmiert, um die Infusionspumpe pulsierend
fördern zu lassen.
[0030] Eine pulsierende Fördertätigkeit oder ein sich hieraus ergebendes gepulstes Fluss-
oder Förderprofil, welches erwünschtes oder gezieltes Ergebnis der Steuerung ist,
welches also durch entsprechende Steuersignale erzeugt wird, ist in einigen beispielhaften
erfindungsgemäßen Ausführungsformen ausdrücklich nicht Gegenstand oder Teil der vorliegenden
Erfindung.
[0031] Bei einem gepulsten Flussprofil können sich Phasen, in denen die Flüssigkeit oder
die Infusionslösung mittels der Infusionspumpe gefördert wird (Flusspulse oder Pulse)
und Phasen, in denen keine oder deutlich weniger Flüssigkeit gefördert wird (Flusspausen),
periodisch abwechseln. Dies führt zu einem sogenannten gepulsten Flussprofil. In anderen
Worten, die Infusionspumpe läuft diskontinuierlich, was bedeutet, dass in der Förderrate
der Infusionspumpe prägnante Änderungen auftreten. Die Infusionspumpe muss zum Erzeugen
eines solchen gepulsten Flussprofils nicht unbedingt in periodischen Abständen oder
regelmäßig gestoppt werden. Eine derartige Steuerung ist nicht Gegenstand der vorliegenden
Erfindung.
[0032] Ein gepulstes Flussprofil kann dabei ein Rechteck-Profil aufweisen, ein sinusförmiges
Profil, ein nadelförmiges Profil oder ähnliche.
[0033] In einer Ausführungsform des nicht erfindungsgemäßen Verfahrens kann die Steuereinrichtung
die Infusionspumpe derart steuern oder regeln, dass diese kontinuierlich läuft, um
die Infusionslösung mit einem stetigen Fluss zu fördern.
[0034] Unter einem kontinuierlichen Fördern kann ein nicht-gepulstes Fördern verstanden
werden.
[0035] Für den Fachmann ist selbstverständlich, dass, bedingt durch die Struktur der Infusionspumpe,
z. B. eine okkludierende Infusionspumpe, Druck- und Flusspulse entstehen können. Dieses
von der Pumpenstruktur, nicht aber von einer Steuervorrichtung, technisch bedingte
Flussprofil zählt in bestimmten erfindungsgemäßen, beispielhaften Ausführungsformen
nicht als ein gepulstes Flussprofil im Sinne der vorliegenden Erfindung und darf daher
erfindungsgemäß auftreten. Ein hingegen von einer Steuervorrichtung erzeugte gepulstes
Flussprofil ist, wie oben ausgeführt, im Unterschied hierzu nicht von der vorliegenden
Erfindung erfasst. Ein allein von der Pumpenstruktur ohne Mitwirkung des hierin beschriebenen
Druckentlastungsventils erzeugtes gepulstes Flussprofil kann, da dies möglicherweise
bereits im üblichen Gebrauch einer Infusionspumpe auftreten kann, selbst wenn die
Infusionspumpe konstant betriebenen wird, hingegen auch erfindungsgemäß auftreten.
[0036] In bestimmten, beispielhaften erfindungsgemäßen Ausführungsformen erfolgt das Fördern
solange mit einer kontinuierlichen Förderrate, wie die Blutpumpe mit einer kontinuierlichen
Förderrate fördert, oder stets dann, wenn die Blutpumpe mit einer kontinuierlichen
Förderrate fördert.
[0037] In bestimmten, beispielhaften erfindungsgemäßen Ausführungsformen erfolgt das Fördern
solange mit einer kontinuierlichen ersten Förderrate, bis eine manuelle oder automatische
Veränderung der Förderrate der Infusionspumpe vorgenommen wird. Anschließend kann
erneut mit einer kontinuierlichen zweiten Förderrate gefördert werden, wobei sich
die erste Förderrate von der zweiten unterscheiden kann.
[0038] Der erfindungsgemäße extrakorporale Blutkreislauf kann neben der blutführenden Hauptleitung
eine oder mehrere Infusionsleitungen aufweisen, die über T-Stücke mit einer blutführenden
Leitung verbunden sind. T-Stücke können Kunststoffteile mit drei Öffnungen sein, die
über eine T-förmige Fluidleitung verbundenen sind. Die Fluidleitung kann auch y-förmig
oder ähnlich ausgebildet sein. T-Stücke können als Einsatzstücke in ein Schlauchsystem
eingeklebt werden, wodurch die Hauptleitung des Schlauchsystems, z. B. die blutführende
Leitung, mit der Infusionsleitung verbunden werden kann.
[0039] Einige oder alle erfindungsgemäßen Ausführungsformen können einen oder mehrere der
oben oder im Folgenden genannten Vorteile aufweisen.
[0040] Ein Vorteil besteht darin, dass durch das Einspritzen der Infusionslösung in das
Blut - im Gegensatz zu einem kontinuierlichen Einbringen, wie dies im Stand der Technik
üblich ist - eine kurzzeitige Verwirbelung der Infusionslösung innerhalb des Bluts
erzeugt wird. Dies beschleunigt die Durchmischung der Infusionslösung mit dem Blut.
[0041] Ein Vorteil der Verwendung der erfindungsgemäßen Zugabeleitung oder des erfindungsgemäßen
Blutkreislaufs kann darin bestehen, dass die hierin beschriebenen Vorteile erzielbar
sein können, ohne dass hierzu eine Veränderung an der Steuerung der Blutbehandlungsvorrichtung
oder der Pumpe für die Infusionslösung vorgenommen werden müsste. Denn die Verwendung
der erfindungsgemäßen Zugabeleitung bewirkt keine Veränderung in der Menge oder der
Konzentration der dem Patienten zugeführten Infusionslösung. Der erfindungsgemäße
Effekt wird mit den bekannten Vorrichtungen allein durch die pulsierende Zugabe, bewirkt
allein mittels der Auf-Zu-Funktion des Druckentlastungsventils, erzielt. Insbesondere
fördert die Infusionspumpe für die Infusionslösung nicht anders als im Stand der Technik,
nämlich vorzugsweise kontinuierlich. Ihr Förderverhalten kann beibehalten bleiben.
[0042] Damit einher geht vorteilhaft, dass es keiner baulichen oder andersartigen Anpassung
bereits ausgelieferter Blutbehandlungsvorrichtungen, etwa einer Softwareanpassung,
bedarf. Die Umsetzung der vorliegenden Erfindung kann aus dem Verwenden von erfindungsgemäßen
Zugabeleitungen oder Blutschlauchsätzen bestehen. Ein Umstellen auf Letztere ist auch
deshalb einfach zu bewerkstelligen, da es sich hierbei ohnehin um Einwegartikel oder
Disposables handelt.
[0043] Die Wirkung der erfindungsgemäßen Zugabeleitung ist unabhängig von Parametern der
Blutbehandlung. Wird beispielsweise die Förderrate der Blutpumpe und im Einklang hiermit
die Förderrate der Pumpe für die Infusionslösung verändert, so ändert dies nichts
am Wirkprinzip der erfindungsgemäßen Zugabeleitung. Allein die Frequenz, mit welcher
das Druckentlastungsventil öffnet, kann sich - selbsttätig - an die veränderte(n)
Förderrate(n) anpassen.
[0044] Die vorliegende Erfindung wird im Folgenden anhand der beigefügten Zeichnungen, in
welcher identische Bezugszeichen gleiche oder ähnliche Bauteile bezeichnen, exemplarisch
erläutert. In den zum Teil stark vereinfachten Figuren gilt:
- Fig. 1
- zeigt die Anordnung einer erfindungsgemäßen Zugabeleitung an einem erfindungsgemäßen
extrakorporalen Blutschlauchsatz;
- Fig. 2
- zeigt Details der Zugabeleitung der Fig. 1 mit einem Druckentlastungsventil; und
- Fig. 3
- zeigt den Eingangsdruck, der am Druckentlastungsventil der Fig. 2 anliegen kann, und
die dem Eingangsdruck jeweils entsprechende Geschwindigkeit einer Infusionslösung
beim Durchströmen der Zugabeleitung.
[0045] Fig. 1 zeigt die grundsätzliche Anordnung einer erfindungsgemäßen Zugabeleitung 209 an einem
schematisch sehr vereinfacht dargestellten, erfindungsgemäßen extrakorporalen Blutschlauchsatz
200 in einer exemplarischen Ausführungsform des Blutschlauchsatzes.
[0046] Der Blutschlauchsatz 200 weist einen Hämofilter 201 auf. Mit dem Hämofilter 201,
oder Dialysator oder Blutfilter, sind eine Blutentnahmeleitung 203 (oder arterielle
Leitung) und eine Blutrückgabeleitung 205 (oder venöse Leitung) verbunden.
[0047] Die Blutentnahmeleitung 203 ist mit einer Blutpumpe 301 in Wirkverbindung verbunden
oder weist diese auf.
[0048] Stromauf der Blutpumpe 301 mündet eine weitere Zugabeleitung, hier eine Leitung 207
für Citratlösung, in die Blutentnahmeleitung 203.
[0049] Die Leitung 207 ist mit einer Citratpumpe 307 in Wirkverbindung verbunden oder weist
diese auf.
[0050] Stromab des Hämofilters 201 mündet die erfindungsgemäße Leitung 209 für Calciumlösung
in die Blutrückgabeleitung 205.
[0051] Die erfindungsgemäße Leitung 209 ist mit einer Calciumpumpe 309 in Wirkverbindung
verbunden oder weist diese auf. Sie wird aus einer nur in Fig. 2 gezeigten Quelle
für eine Infusionslösung, hier exemplarisch eine Calciumquelle 319, gespeist. Die
Quelle kann ein Beutel oder eine Flasche sein. Optional kann die Infusionslösung on-line
erzeugt sein; in diesem Fall zählt die entsprechende Vorrichtung, in welcher erzeugt
wird, als Quelle.
[0052] Der Hämofilter 201 ist mit einer Leitung 311 für frische Dialysierflüssigkeit und
einer Leitung 315 für verbrauchtes Dialysat oder Filtrat verbunden. Die Leitung 311
ist mit einer Dialysierflüssigkeitspumpe 313 verbunden oder weist diese auf. Die Leitung
315 ist mit einer Filtratpumpe 317 verbunden oder weist diese auf.
[0053] Die gezeigten Pfeilspitzen geben jeweils die Strömungsrichtung in einer bestimmungsgemäßen
Benutzung des Blutschlauchsatzes 200 an.
Der in Fig. 1 gezeigt Blutschlauchsatz 200 kann einem üblichen extrakorporalen Blutschlauchsatz
entsprechen und insbesondere für die CVVHD (
continuous veno-venous hemodialysis) geeignet sein, mit Ausnahme der in Fig. 2 detailliert gezeigten erfindungsgemäßen
Leitung 209 für Calcium als Beispiel einer erfindungsgemäßen Zugabeleitung für Infusionslösungen.
[0054] Die Pumpen 301, 307, 309, 313 und 317 können Teil einer nur schematisch angedeuteten
Blutbehandlungsvorrichtung 300 sein. Dasselbe gilt für die Leitungen 311 und 315.
[0055] Die Blutbehandlungsvorrichtung 300 kann eine Steuervorrichtung 350 aufweisen oder
hiermit verbunden sein.
[0056] Die Steuervorrichtung 350 kann zum Steuern oder zum Regeln ausgestaltet und verwendet
werden. Sie kann eine Regelvorrichtung sein.
[0057] Die Steuervorrichtung 350 kann Teil der Blutbehandlungsvorrichtung 300 sein, sie
kann extern zur Blutbehandlungsvorrichtung 300 sein oder getrennt von dieser vorliegen.
Die Steuervorrichtung kann programmiert sein, um die Calciumpumpe 309 - und optional
auch weitere Pumpen, insbesondere die vorstehend genannten - oder andere Komponenten
der Blutbehandlungsvorrichtung 300, zu steuern oder zu regeln.
[0058] Fig. 2 zeigt schematisch wiederum sehr vereinfacht Details der Zugabeleitung bzw. Leitung
209 für Calcium der Fig. 1 mit einem Druckentlastungsventil 309 in einer beispielhaften
erfindungsgemäßen Ausführungsform der Leitung 209 oder der Zugabeleitung.
[0059] Die Leitung 209 erstreckt sich zwischen der Quelle 319 für Infusionslösung, hier
eine Calciumlösungsquelle, und einer Blutleitung, hier die Blutrückgabeleitung 205,
also die venösen Patientenleitung.
[0060] Dabei steht die Leitung 209 in Wirkverbindung mit der Calciumpumpe 309 oder weist
diese auf, wie zu Fig. 1 erläutert.
[0061] Stromab der Calciumpumpe 309, welche bei der Behandlung in Richtung Blutrückgabeleitung
205 fördert, weist die Leitung 209 ein Druckentlastungsventil 209a auf oder ist hiermit
verbunden. Das Druckentlastungsventil 209a kann ein übliches Rückschlagventil sein.
[0062] Bedingt durch die Calciumpumpe 309 und das Druckentlastungsventil 209a lässt sich
die Leitung 209 in Abschnitt 209', welcher sich zwischen der Quelle 319 und der Pumpe
309 erstreckt, Abschnitt 209", welcher sich zwischen der Pumpe 309 und dem Druckentlastungsventil
209a erstreckt, und Abschnitt 209"', welcher sich zwischen Druckentlastungsventil
209a und Verbindung mit der Blutrückgabeleitung 205 erstreckt, unterteilen.
[0063] Das Druckentlastungsventil 209a erlaubt einen Durchfluss hierdurch erst dann, wenn
sich ein ausreichend hoher Druck stromauf hiervon eingestellt hat. Bei kontinuierlich
fördernder Pumpe 309 wird mittels (ausschließlich) des Druckentlastungsventils 209a
somit ein pulsierender Strom an Infusionslösung erzeugt, welcher in die Blutleitung
einfließen kann.
[0064] Vorteilhaft ist es, wenn die Kopplung zwischen Pumpe 309 und Druckentlastungsventil
209a gedämpft ist. Dies kann beispielsweise dadurch bewirkt werden, dass das Schlauchmaterial
der Leitung 209 zumindest in ihrem Abschnitt 209", also zwischen Pumpe 309 und Druckentlastungsventil
209a, eine elastische Verformung erlaubt oder elastisch verformbar ist. Abschnitt
209" kann daher beispielsweise als Kunststoffschlauch, nicht aber als Metallrohr ausgestaltet
sein. Durch die elastische Verformbarkeit kann ein optionales Lösungsmittelreservoir
zwischen Pumpe 309 und Druckentlastungsventil 209a geschaffen werden, welches jenes
von der Pumpe 309 zwischen einem Schließen des Druckentlastungsventils 209a und dem
erneuten Öffnen geförderte Fluidvolumen aufnehmen kann.
[0065] Zudem kann sich optional bei ausreichend langsam schließendem Druckentlastungsventil
209a, wie dies erfindungsgemäß ebenfalls vorgesehen sein kann, ein Druckabfall (messbar
direkt stromauf des Druckentlastungsventils 209a) bis unter den Öffnungsdruck des
Druckentlastungsventils 209a einstellen.
[0066] Unter einem ausreichend langsam schließenden Druckentlastungsventil kann in einigen
erfindungsgemäßen Ausführungsformen ein Ventil verstanden werden, welches - optional
im Zusammenspiel mit einem geeigneten Schlauch, etwa wie vorstehend beschrieben -
ein pulsierendes Fördern ermöglicht. Ein Ventil, welches derart rasch auf Druckänderungen
reagiert, dass ein Druck unmittelbar stromauf des Ventils nicht bis unter Öffnungsdruck
abfallen kann, gilt nicht als ausreichend langsam im vorliegenden Sinne.
[0067] Als "ausreichend langsam" ist hingegen ein Druckausgleichventil zu verstehen, welches
bei einem Öffnungsdruck öffnet und bei einem vorbestimmten oder bestimmbaren und vorzugsweise
konstanten Schließdruck wieder schließt, wobei der Schließdruck niedriger ist als
der Öffnungsdruck. Als "ausreichend langsam" ist ferner auch ein Druckausgleichventil
zu verstehen, welches bei einem Öffnungsdruck zu einem ersten Zeitpunkt öffnet und
erst nach Ablauf einer vorbestimmten oder ausreichenden Zeitdauer zu einem späteren,
zweiten Zeitpunkt wieder schließt. Auch dies kann dazu führen, dass das Ventil bei
einem Schließdruck schließt, welcher unter dem Öffnungsdruck liegt.
[0068] Die Größe oder das Volumen des vorstehend genannten Lösungsmittelreservoirs zwischen
Pumpe 309 und Druckentlastungsventil 209a kann beispielsweise durch Auswählen einer
konkreten Länge des Abschnitts 209" festgelegt werden. Ein erfindungsgemäß sinnvoller
Wert beträgt 1 ml.
[0069] Die Pumpe 309 kann als Rollerpumpe, Kolbenpumpe, Zentrifugalpumpe, Membranpumpe oder
auf jede andere Art ausgestaltet sein. Insbesondere kann sie peristaltisch oder okkludierend
sein. Vorzugsweise aber ist die Pumpe 309 eine kontinuierlich fördernde Pumpe, welche
tatsächlich auch kontinuierlich fördernd, d. h. mit konstanter Förderleistung, eingesetzt
wird.
[0070] Die Förderleistung kann erfindungsgemäß auf Werte wie 0,1 ml/min, 0,6 ml/min, 1,4
ml/min, 2 ml/min und jeden beliebigen Zwischenwert eingestellt werden.
[0071] Fig. 3 zeigt in einem gemeinsamen Diagramm einen Eingangsdruck p und eine Flussgeschwindigkeit
v über der Zeit t.
[0072] Der Eingangsdruck p ist jener Druck, der zu einem Zeitpunkt t am Eingang des Druckentlastungsventils
309 der Fig. 2 anliegen kann, also insbesondere im Abschnitt 209" der Leitung 209.
[0073] Die Flussgeschwindigkeit v gibt die dem Eingangsdruck p jeweils entsprechende Geschwindigkeit
einer Infusionslösung an, mit welcher diese die Leitung 209 und insbesondere deren
Abschnitt 209'" durchströmt.
[0074] Im Diagramm der Fig. 3 sind der Öffnungsdruck p_o und der Schließdruck p_c für das
Druckentlastungsventil 209a gezeigt. Beim Öffnungsdruck p_o ist der erforderliche
Durck erreicht, bei welchem das Druckentlastungsventil 209a mit dem Öffnen beginnt.
Beim Schließdruck p_c ist das Druckentlastungsventil 209a vollständig geschlossen.
[0075] Die in Fig. 3 gezeigten Verläufe sind als idealisiert zu betrachten.
Bezugszeichenliste
[0076]
- 200
- Blutschlauchsatz
- 201
- Hämofilter oder Blutfilter oder Dialysator
- 203
- Blutentnahmeleitung
- 205
- Blutrückgabeleitung
- 207
- Leitung für Citratlösung
- 209
- Leitung für Calciumlösung; Zugabeleitung
- 209'
- Abschnitt
- 209"
- Abschnitt
- 209'"
- Abschnitt
- 209a
- Druckentlastungsventil
- 300
- Blutbehandlungsvorrichtung
- 301
- Blutpumpe
- 307
- Citratpumpe
- 309
- Calciumpumpe
- 311
- Leitung für Dialysierflüssigkeit
- 313
- Pumpe für Dialysierflüssigkeit
- 315
- Leitung für Dialysat, Filtrat
- 317
- Pumpe für Dialysat, Filtrat
- 319
- Quelle für Infusionslösung, Calciumquelle
- 350
- Steuer- oder Regelvorrichtung
1. Zugabeleitung (209) zum Zugeben einer Infusionslösung zu einem Fluid, welches in einem
extrakorporalen Blutkreislauf (200) strömt, wobei die Zugabeleitung (209) ein Druckentlastungsventil
(209a) oder ein Rückschlagventil aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass das Druckentlastungsventil (209a) konfiguriert ist, um einen Durchfluss hierdurch
erst dann zu erlauben, wenn sich ein ausreichend hoher Druck stromauf hiervon eingestellt
hat, so dass, auch wenn die Infusionslösung mittels einer Pumpe (309) kontinuierlich
entlang der Zugabeleitung (209) in Richtung des Druckentlastungsventils (209a) gefördert
wird, mittels des Druckentlastungsventils (209a) ein pulsierender Strom an Infusionslösung
erzeugt wird.
2. Zugabeleitung (209) nach Anspruch 1, welche eine Quelle (319) für die Infusionslösung
aufweist oder hiermit in Fluidverbindung verbunden ist.
3. Zugabeleitung (209) nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Infusionslösung eine Calciumlösung
ist oder aufweist.
4. Extrakorporaler Blutkreislauf (200), welcher wenigstens eine Blutrückgabeleitung (205)
und eine Zugabeleitung (209) nach einem der Ansprüche 1 bis 3 aufweist.
5. Extrakorporaler Blutkreislauf (200) nach Anspruch 4, wobei die Zugabeleitung (209)
in Fluidkommunikation mit der Blutrückgabeleitung (205) verbunden ist.
6. Blutbehandlungsvorrichtung (300), welche verbunden ist mit einem extrakorporalen Blutkreislauf
(200) gemäß Anspruch 4 oder 5 mit einer Zugabeleitung (209) und einer Blutrückgabeleitung
(205), wobei die Blutbehandlungsvorrichtung (300) eine Infusionspumpe (309) zum Fördern
einer Infusionslösung innerhalb der Zugabeleitung (209) und eine Blutpumpe (301) zum
Fördern von Blut innerhalb der Blutrückgabeleitung (205) aufweist, wobei die erste
Pumpe (309) mittels einer Steuervorrichtung (350) gesteuert wird.
7. Blutbehandlungsvorrichtung (300) nach Anspruch 6, wobei die Steuervorrichtung (350)
eingerichtet oder programmiert ist, um die Infusionspumpe (309) ausschließlich kontinuierlich
fördern zu lassen.
8. Blutbehandlungsvorrichtung (300) nach Anspruch 6 oder 7, wobei die Steuervorrichtung
(350) nicht eingerichtet oder programmiert ist, um die Infusionspumpe (319) pulsierend
fördern zu lassen.
1. Une conduite d'addition (209) permettant d'ajouter une solution pour perfusion à un
fluide s'écoulant dans un circuit sanguin extracorporel (200), la conduite d'addition
(209) comprenant une vanne de surpression (209a) ou une vanne anti-retour,
caractérisée en ce que la vanne de surpression (209a) est configurée de façon à permettre un passage au
travers de celle-ci uniquement lorsqu'une pression suffisamment élevée s'est établie
en amont de celle-ci, de sorte que, même si la solution pour perfusion est acheminée
de manière continue au moyen d'une pompe (309) le long de la conduite d'addition (209)
en direction de la vanne de surpression (209a), un courant pulsé de solution pour
perfusion soit généré au moyen de la vanne de surpression (209a).
2. La conduite d'addition (209) selon la première revendication, comprenant une source
(319) pour la solution pour perfusion ou étant reliée en communication fluidique avec
celle-ci.
3. La conduite d'addition (209) selon la revendication 1 ou 2, où la solution pour perfusion
est ou contient une solution de calcium.
4. Un circuit sanguin extracorporel (200), comprenant au moins une conduite de retour
de sang (205) ainsi qu'une conduite d'addition (209) selon l'une quelconque des revendications
1 à 3.
5. Le circuit sanguin extracorporel (200) selon la revendication 4, où la conduite d'addition
(209) est reliée en communication fluidique avec la conduite de retour de sang (205).
6. Un appareil de traitement du sang (300), relié à un circuit sanguin extracorporel
(200) selon la revendication 4 ou 5, comprenant une conduite d'addition (209) ainsi
qu'une conduite de retour de sang (205), où l'appareil de traitement du sang (300)
comprend une pompe à perfusion (309) pour acheminer une solution pour perfusion à
l'intérieur du conduit d'addition (209) ainsi qu'une pompe à sang (301) pour acheminer
le sang à l'intérieur du conduit de retour de sang (205), la première pompe (309)
étant commandée au moyen d'un appareil de commande (350).
7. L'appareil de traitement du sang (300) selon la revendication 6, où l'appareil de
commande (350) est mis en place ou programmé pour laisser la pompe à perfusion (309)
acheminer exclusivement en continu.
8. L'appareil de traitement du sang (300) selon la revendication 6 ou 7, où l'appareil
de commande (350) n'est pas mis en en place ou programmé pour laisser la pompe à perfusion
(319) acheminer par pulsation.