(19)
(11) EP 3 239 467 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
01.11.2017  Patentblatt  2017/44

(21) Anmeldenummer: 16167263.9

(22) Anmeldetag:  27.04.2016
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
F01D 5/28(2006.01)
F01D 11/12(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
MA MD

(71) Anmelder: Siemens Aktiengesellschaft
80333 München (DE)

(72) Erfinder:
  • Ahmad, Fathi
    41564 Kaarst (DE)
  • Stamm, Werner
    45481 Mülheim an der Ruhr (DE)
  • Häbel, Roland
    51427 Bergisch Gladbach (DE)

   


(54) STRÖMUNGSMASCHINE, LAUFSCHAUFEL UND GEHÄUSE


(57) Die Erfindung betrifft eine Strömungsmaschine (1), insbesondere Gasturbine, mit einem Gehäuse (2) und einem darin aufgenommen, sich in Längsrichtung (L) des Gehäuses (2) erstreckenden Läufer (3), an dem zumindest ein eine Vielzahl von Laufschaufeln (4) aufweisender Laufschaufelkranz angeordnet ist, wobei ein den zumindest einen Laufschaufelkranz umfänglich umgebender Bereich des Gehäuses (2) mit einem Einlaufbelag (5) und die diesem zugewandten Schaufelblattspitzen der Laufschaufeln (4) jeweils mit einer Laufschaufelbeschichtung (6) versehen sind, dadurch gekennzeichnet, dass der Einlaufbelag (5) eine HHP-Beschichtung (7) und die Laufschaufelbeschichtungen (6) jeweils eine MCC-Beschichtung (8) aufweisen. Ferner betrifft die Erfindung eine Laufschaufel (4) mit einer solchen Laufschaufelbeschichtung (6) sowie ein Gehäuse (2) mit einem solchen Einlaufbelag (5).




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Strömungsmaschine, insbesondere Gasturbine, mit einem Gehäuse und einem darin aufgenommen, sich in Längsrichtung des Gehäuses erstreckenden Läufer, an dem zumindest ein eine Vielzahl von Laufschaufeln aufweisender Laufschaufelkranz angeordnet ist, wobei ein den zumindest einen Laufschaufelkranz umfänglich umgebender Bereich des Gehäuses mit einem Einlaufbelag und die diesem zugewandten Schaufelblattspitzen der Laufschaufeln jeweils mit einer Laufschaufelbeschichtung versehen sind. Ferner betrifft die vorliegende Erfindung eine Laufschaufel mit einer solchen Laufschaufelbeschichtung sowie ein Gehäuse mit einem solchen Einlaufbelag.

[0002] Der Wirkungsgrad von Strömungsmaschinen ist unmittelbar abhängig von demjenigen Anteil des durch das Gehäuse der Strömungsmaschine geleiteten Fluidstroms, der die Laufschaufeln antreibt. Wird ein zwischen dem ortsfesten Gehäuse und den rotierenden Laufschaufeln vorhandener Spalt zu groß, so kommt es zu Leckageverlusten, die eine Reduzierung des Wirkungsgrads der Strömungsmaschine bewirken. Derzeit gibt es unterschiedliche Ansätze, eine Fluidleckage aufgrund eines zwischen dem Gehäuse und den Laufschaufeln vorhandenen Spalts zu verringern. Einer dieser Ansätze besteht darin, das Gehäuse in einem einen Laufschaufelkranz umfänglich umgebenden Bereich mit einem Einlaufbelag und die diesem Einlaufbelag zugewandten Schaufelblattspitzen der Laufschaufel jeweils mit einer Laufschaufelbeschichtung zu versehen, wobei die Einlaufbeschichtung weniger verschleißfest als die Laufschaufelbeschichtungen ausgebildet ist. Berühren der Einlaufbelag und die Laufschaufelbeschichtungen während des bestimmungsgemäßen Betriebs der Strömungsmaschine einander, so soll der Einlaufbelag unter Einstellung einer optimalen Spaltbreite abgerieben und die Schaufelblattspitzen durch die Laufschaufelbeschichtungen vor einem Verschleiß geschützt werden.

[0003] Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass mit bislang vorgeschlagenen Reibpaarungen von Einlaufbelag und Laufschaufelbeschichtungen insbesondere ein Verschleiß der Schaufelblattspitzen der Laufschaufeln nicht hinreichend verhindert werden kann, weshalb die Lebensdauer der Laufschaufeln weiterhin relativ gering ist, was zu kurzen Wartungs- und Reparaturintervallen führt. Darüber hinaus wird der Spalt durch den unerwünschten Verschleiß an der Laufschaufelspitze vergrößert, was zu einer Erhöhung der Leckageverluste beiträgt. Auch sind die bislang verwendeten Reibpaarungen aus Einlaufbelag und Laufschaufelbeschichtungen sehr teuer.

[0004] Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Strömungsmaschine der eingangs genannten Art mit einem alternativen Aufbau zu schaffen, ebenso wie eine entsprechende Laufschaufel und ein entsprechendes Strömungsmaschinengehäuse.

[0005] Zur Lösung dieser Aufgabe schafft die vorliegende Erfindung eine Strömungsmaschine der eingangs genannten Art, die dadurch gekennzeichnet ist, dass der Einlaufbelag eine HHP-Beschichtung und die Laufschaufelbeschichtungen jeweils eine MCC-Beschichtung aufweisen. Dank dieser spezifischen Paarung werden optimale Ergebnisse erzielt. Während die HHP-Beschichtung (Homogeneous High Porosity Coating) aufgrund ihrer hohen Porosität leicht abreibbar ist, zeichnet sich die segmentiert gerissene MCC-Beschichtung (Micro Cracked Coating), die sich quer bzw. vertikal zur Beschichtung erstreckende Haarrisse aufweist, dadurch aus, dass sie dicht, hart und schwierig abzutragen ist, wodurch einer Beschädigung der Laufschaufelspitzen effektiv entgegengewirkt wird. Entsprechend wird die Lebensdauer der Laufschaufeln erhöht, was dazu führt, dass Wartungs- und Reparaturintervalle verlängert werden. Darüber hinaus werden auch Leckageverluste minimiert, die auf eine Spaltvergrößerung aufgrund eines Verschleißes der Laufschaufelspitzen zurückzuführen sind. Zudem sind sowohl HHP- als auch MCC-Beschichtungen vergleichsweise einfach und preiswert herzustellen, beispielsweise unter Einsatz eines LPPS-Verfahrens (Low Pressure Plasma Spray), eines PVD-Verfahrens (Physical Vapor Deposition), eines HVOF-Verfahrens (High Velocity Oxy-Fuel) oder dergleichen.

[0006] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung sind die HHP-Beschichtung und die MCC-Beschichtungen einander unmittelbar gegenüberliegend angeordnet, so dass sie eine direkte Reibpaarung bilden.

[0007] Vorteilhaft ist/sind die HHP-Beschichtung und/oder die MCC-Beschichtung aus 8YSZ (Yttria-stabilised Zirconia) hergestellt, wobei zum Auftragen der Beschichtungen unterschiedliche Beschichtungsverfahren beziehungsweise Prozessparameter verwendet werden.

[0008] Die MCC-Beschichtungen weisen bevorzugt Metalloxide und/oder Metallcarbide und/oder Nitride auf, wodurch eine hohe Festigkeit sichergestellt ist.

[0009] Die Dicke der HHP-Beschichtung liegt vorteilhaft im Bereich zwischen 0,4 mm bis 1,4 mm und/oder die Dicke der MCC-Beschichtung beträgt maximal 0,1 mm. Mit dieser Beschichtungsdicke wurden sehr gute Resultate erzielt.

[0010] Zur Lösung der eingangs genannten Aufgabe schafft die vorliegende Erfindung ferner eine Laufschaufel mit einem Schaufelblatt, das an seiner Schaufelblattspitze mit einer Laufschaufelbeschichtung versehen ist, wobei die Laufschaufelbeschichtung erfindungsgemäß eine MCC-Beschichtung aufweist, die insbesondere eine Außenfläche der Laufschaufelbeschichtung definiert die zuvor bereits beschriebenen weiteren Merkmale aufweisen kann.

[0011] Darüber hinaus schafft die vorliegende Erfindung ein Gehäuse für eine Strömungsmaschine, das an seiner Innenseite mit zumindest einem umlaufenden Einlaufbelag versehen ist, wobei der Einlaufbelag eine HHP-Beschichtung aufweist, die insbesondere eine Außenfläche des Einlaufbelags definiert und die zuvor bereits beschriebenen weiteren Merkmale aufweisen kann.

[0012] Weitere Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung werden anhand der nachfolgenden Beschreibung einer Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Strömungsmaschine unter Bezugnahme auf die beiliegende Zeichnung deutlich, die eine schematische, teilweise geschnittene Teilansicht der Strömungsmaschine zeigt.

[0013] Die Strömungsmaschine 1, bei der es sich vorliegend um eine Gasturbine handelt, umfasst ein Gehäuse 2 und einen in diesem aufgenommen, sich in Längsrichtung L des Gehäuses 2 erstreckenden Läufer 3, an dem eine Vielzahl von Laufschaufeln 4 angeordnet ist, die in bekannter Weise mehrere Laufschaufelstufen bilden, die Längsrichtung L voneinander beabstandet angeordnet sind. Die Laufschaufeln 4 umfänglich umgebende Bereiche des Gehäuses 2 sind jeweils mit einem Einlaufbelag 5 und die den Einlaufbelägen 5 zugewandten Schaufelblattspitzen der Laufschaufeln 4 jeweils mit einer Laufschaufelbeschichtung 6 versehen. Erfindungsgemäß weisen die Einlaufbeläge 5 jeweils eine HHP-Beschichtung 7 auf, und die Laufschaufelbeschichtungen 6 umfassen jeweils eine MCC-Beschichtung 8, wobei die HHP-Beschichtungen 7 und die MCC-Beschichtungen 8 bevorzugt direkte Reibpaarungen bilden, also radial einander unmittelbar gegenüber angeordnet sind. Die HHP-Beschichtungen 7 ebenso wie die MCC-Beschichtungen 8 sind vorliegend aus 8 YSZ hergestellt, wobei während des Auftragens der HHP-Beschichtungen 7 einerseits und der MCC-Beschichtungen 8 andererseits unterschiedliche Beschichtungsverfahren oder zumindest unterschiedliche Prozessparameter verwendet werden. Die MCC-Beschichtungen 7 weisen vorteilhaft Metalloxide und/oder Metallcarbide und/oder Nitride auf.

[0014] Der wesentliche Vorteil der dargestellten Anordnung besteht darin, dass HHP-Beschichtungen 7 und MCC-Beschichtungen 8 eine optimale Reibpaarung für die Ausbildung eines leckageverlustarmen Spaltes 9 zwischen Gehäuse 2 und Laufschaufeln 4 darstellen, welche die Ausbildung eines minimalen Spaltes 9 unterstützt, einen geringen Verschleiß der Laufschaufelspitzen nach sich zieht und mit geringen Kosten einhergeht.

[0015] Obwohl die Erfindung im Detail durch das bevorzugte Ausführungsbeispiel näher illustriert und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden, ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen. Insbesondere sei darauf hingewiesen, dass, auch wenn im Ausführungsbeispiel die Einlaufbeläge 5 jeweils aus einer HHP-Beschichtung 7 und die Laufschaufelbeschichtungen 6 jeweils aus einer MCC-Beschichtung 8 bestehen, die Einlaufbeläge 5 und/oder die Laufschaufelbeschichtungen 6 auch weitere Schichten aufweisen kann.


Ansprüche

1. Strömungsmaschine (1), insbesondere Gasturbine, mit einem Gehäuse (2) und einem darin aufgenommen, sich in Längsrichtung (L) des Gehäuses (2) erstreckenden Läufer (3), an dem zumindest ein eine Vielzahl von Laufschaufeln (4) aufweisender Laufschaufelkranz angeordnet ist, wobei ein den zumindest einen Laufschaufelkranz umfänglich umgebender Bereich des Gehäuses (2) mit einem Einlaufbelag (5) und die diesem zugewandten Schaufelblattspitzen der Laufschaufeln (4) jeweils mit einer Laufschaufelbeschichtung (6) versehen sind, dadurch gekennzeichnet, dass der Einlaufbelag (5) eine HHP-Beschichtung (7) und die Laufschaufelbeschichtungen (6) jeweils eine MCC-Beschichtung (8) aufweisen.
 
2. Strömungsmaschine (1) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die HHP-Beschichtung (7) und die MCC-Beschichtungen (8) einander unmittelbar gegenüberliegend angeordnet sind.
 
3. Strömungsmaschine (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüchen,
dadurch gekennzeichnet, dass
die HHP-Beschichtung (7) und/oder die MCC-Beschichtung aus 8 YSZ hergestellt ist/sind.
 
4. Strömungsmaschine (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüchen,
dadurch gekennzeichnet, dass
die MCC-Beschichtungen (8) Metalloxide und/oder Metallcarbide und/oder Nitride aufweisen.
 
5. Strömungsmaschine (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Dicke der HHP-Beschichtung (7) im Bereich zwischen 0,4 mm bis 1,4 mm liegt und/oder die Dicke der MCC-Beschichtung (8) maximal 0,15 mm beträgt.
 
6. Laufschaufel (4) mit einem Schaufelblatt, das an seiner Schaufelblattspitze mit einer Laufschaufelbeschichtung (6) versehen ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Laufschaufelbeschichtung (6) eine MCC-Beschichtung (8) aufweist, die insbesondere eine Außenfläche der Laufschaufelbeschichtung (6) definiert.
 
7. Gehäuse (2) für eine Strömungsmaschine (1), das an seiner Innenseite mit zumindest einem umlaufenden Einlaufbelag (5) versehen ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Einlaufbelag (5) eine HHP-Beschichtung (7) aufweist, die insbesondere eine Außenfläche des Einlaufbelags (5) definiert.
 




Zeichnung







Recherchenbericht















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