[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Steuerungsverfahren für einen Verbrennungsmotor
zur Bestimmung wenigstens einer Führungsgröße für einen Verbrennungsmotor.
[0002] Wichtige Motorfunktionen werden mit geeigneten Steuerungsverfahren eingestellt. Steuerungsverfahren
ergänzen dabei konstruktive Maßnahmen wie die Brennraumgestaltung und beeinflussen
die Gemischbildung in Einspritzsystemen und durch Einspritzverfahren. Im Motorbetrieb
senken sie den Kraftstoffverbrauch und die damit zusammenhängenden CO
2-Emissionen sowie wesentliche Abgaskomponenten wie Kohlenmonoxid (CO), Kohlenwasserstoffe
(HC), Stickoxide (NOx) sowie Ruß und Partikel.
[0003] Dabei werden Informationen über einen Betriebszustand des Motors (zum Beispiel Drehzahl,
Drehmoment, gewünschtes Drehmoment, Temperatur, DPF (Diesel-Partikelfilter)beladung)
ausgewertet und Führungsgrößen bestimmt, welche den Verbrauch und die Emissionen im
Betrieb beeinflussen.
[0004] Zur Bestimmung dieser Führungsgrößen dienen oft in einem das Steuerungsverfahren
ausführenden Steuergerät zusätzlich hinterlegte Motorkennfelder, in denen bspw. eine
Soll-Abgasrückführungsrate oder ein Soll-Ladedruck in Abhängigkeit zum oben genannten
Betriebszustand hinterlegt sind.
[0005] Geeignete Führungsgrößen sind zum Beispiel Abgasrückführungsrate, Abgasrückführungsaufteilung,
Füllung, Einspritzzeitpunkt, Zündzeitpunkt. Von diesen Führungsgrößen werden dann
Stellgrößen abgeleitet (zum Beispiel Drosselklappenstellung, Stellung einer VTG (Variable
Turbinengeometrie)).
[0006] Der Begriff "Verbrennungsmotor" umfasst in diesem Zusammenhang das vollständige Verbrennungsmotorsystem
mit all seinen Aggregaten, Hilfsaggregaten und Stellelementen.
[0007] Mit dieser Strategie kann sichergestellt werden, dass in festgelegten Geschwindigkeitsprofilen
durch eine optimierte Zuordnung bestimmter Führungsgrößen die Emissionsobergrenzen
nicht überschritten werden. Ein Beispiel für solche Geschwindigkeitsprofile sind normierte
Fahrzyklen, zum Beispiel der NEFZ (neuer Europäischer Fahrzyklus), die zur Bestimmung
der Abgas- und/oder Verbrauchswerte gefahren werden. Für solche Zyklen sind beispielsweise
globale Optimierungsansätze bekannt, wie sie in Heiko Sequenz: Emission Modelling
and Model-Based Optimisation of the Engine Control, D17 Darmstädter Dissertationen
2012 angegeben sind.
[0008] Im realen Fahrbetrieb treten nun beliebige, unterschiedliche Geschwindigkeitsprofile
und Betriebszustände auf, die vor und während der Fahrt nicht bekannt sind. Da die
einzelnen Betriebszustände auch unabhängig von der Motorsteuerung schon unterschiedliche
Emissionswerte aufweisen, können die Verbrauchs- und Emissionswerte (l/100km bzw.
mg/km) bei diesen beliebigen, unterschiedlichen Fahrprofilen teilweise erheblich nach
unten oder oben abweichen. Eine globale Optimierung von bspw. Kraftstoffverbrauch
oder CO
2-Emissione bei Nichtüberschreiten von Emissionsgrenzen ist durch die bekannten Steuerungsverfahren
somit nicht mehr gegeben.
[0009] Insbesondere bei konkurrierenden Emissionsgrößen, wie sie beispielsweise in einem
Dieselmotor bei den Ruß(partikel)emissionen und den Stickoxidemissionen auftreten,
können Situationen auftreten, bei denen beispielsweise in einem Geschwindigkeitsprofil
die zulässigen Stickoxidemissionen überschritten werden und die zulässigen Rußemissionen
deutlich unterschritten werden.
[0010] Steuerungsverfahren sollen also auch im realen Fahrbetrieb die Führungsgrößen - beispielsweise
Abgasrückführungsrate (AGR-Rate), AGR-Aufteilung (Hochdruck/Niederdruck), Füllung,
Raildruck etc. - optimiert einstellen aber auch die Nutzung von Abgasnachbehandlungssystemen
wie beispielsweise Dieselpartikelfilter und SCR (selektive katalytische Reduktion)
im Hinblick auf den Kraftstoff- und AdBlue-Verbrauch sowie die Emissionsgrößen verbessern.
[0011] Ein möglicher Ansatz wäre es, unter Berücksichtigung einer Betriebszustandsinformation,
Emissionsobergrenzen und einer kumulierten Ist-Emissionsgröße eine Führungsgröße zu
bestimmen (zum Beispiel AGR-Rate, AGR-Aufteilung, Füllung), die an den Verbrennungsmotor
abgegeben wird.
[0012] Die Betriebszustandsinformationen könnten dabei zum Beispiel die Drehzahl, das aktuelle
Drehmoment, das gewünschte Drehmoment, Temperaturen, die DPF-Beladung und andere Größen
umfassen.
[0013] Die kumulierte Ist-Emissionsgröße umfasst die Summe aller in einem bestimmten Betriebszeitraum
vom Verbrennungsmotor ausgestoßenen Emissionen.
[0014] Über die Führungsgröße(n) könnte dann wenigstens ein Betriebszustand des Verbrennungsmotors
so eingestellt werden, dass mehrere Ist-Emissionsgrößen so beeinflusst würden, dass
die kumulierten Ist-Emissionsgrößen in einem bestimmten Betriebszeitraum mit einer
Zusammenstellung aus beliebigen, in zufälliger Reihenfolge eingestellten, unterschiedlichen
Betriebszuständen des Verbrennungsmotors Emissionsobergrenzen für diesen Betriebszeitraum
nicht überschritten würden (mg/km) und eine Zielfunktion so weit wie möglich reduziert
würde.
[0015] Hier wird eine zu minimierende bzw. zu optimierende Größe als Zielfunktion bezeichnet
(z.B. Kraftstoffverbrauch bzw. die davon abhängigen CO
2-Emissionen, Regenerationsintervalle diverser Abgasnachbehandlungssysteme wie Rußpartikelfilter,
AdBlue-Verbrauch, NOx Emissionen etc. oder eine Kombination solcher Größen).
[0016] Der Begriff "beliebige" Betriebszustände soll alle technisch sinnvollen Betriebszustände
umfassen, die im sachgerechten Normalbetrieb eines Verbrennungsmotors auftreten können.
[0017] So ein Steuerungskonzept hätte den Vorteil, dass beispielsweise eine unkritische
Ist-Emissionsgröße durch eine Veränderung der Führungsgröße so weit erhöht würde,
dass eine kritische Ist-Emissionsgröße so weit verringert würde, dass sichergestellt
wäre, dass das Emissionsgrenzniveau (Emissionsgrenzwert) einer Emissionsgröße für
die kritische Emissionsgröße in einem bestimmten Betriebszeitraum nicht überschritten
würde.
[0018] Dabei könnten eine oder mehrere Führungsgröße(n) durch eine Indifferenzkurve aus
pareto-optimalen Alternativen - von bspw. Einspritzmenge, Ist-Emissionen und/oder
AdBlue-Dosierung - ausgewählt werden. Dies geschieht nach einer Heuristik, die die
Abstände der kumulierten Ist-Emissionen zu ihrem Grenzniveau berücksichtigt. Die Führungsgröße
wird also bei diesem Verfahren dynamisch und situationsbedingt bestimmt bzw. adaptiert.
[0019] So ein Ansatz wäre jedoch auf die Betrachtung bereits zurückliegender Betriebszustände
reduziert.
[0020] Aus dem Hybridfahrzeugbetrieb Ansätze sind bekannt, bei denen die Drehmoment- bzw.
Leistungsaufteilung zwischen Verbrennungsmotor und Elektromotor unter Berücksichtigung
zu erwartender Fahrzustände optimiert wird.
Lin et al. "A stochastic control strategy for hybrid electric vehicles"
, legt beispielsweise ein stochastisches, dynamisches Programmierungsverfahren vor,
bei dem eine Antriebsmanagementstrategie für eine Gruppe zufälliger Fahrzyklen optimiert
und in Echtzeit implementiert wird. So eine dynamische Programmierung ist zwar global
optimal, erfordert aber unter Umständen einen sehr hohen Rechenaufwand, so dass solche
Steuerungsverfahren in typischen Fahrzeugsteuergeräten mit beschränkter Rechenkapazität
unter Umständen nur eingeschränkt anwendbar sind.
[0021] Es besteht also die Aufgabe, ein Steuerungsverfahren für einen Verbrennungsmotor
in einem Fahrzeug bereitzustellen, bei dem auf einfache und effiziente Weise eine
aktuelle Führungsgröße bestimmt wird, bei der auch erwartete zukünftige Fahrzustände
berücksichtigt werden können.
[0022] Diese Aufgabe wird durch das erfindungsgemäße Steuerungsverfahren nach Anspruch 1,
einem Steuergerät nach Anspruch 12 und einem Verbrennungsmotor nach Anspruch 13 sowie
einem Fahrzeug nach Anspruch 14 gelöst.
[0023] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen
und der folgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung.
[0024] Die Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass eine Zielfunktion minimiert wird, indem
bei der Bestimmung der Führungsgröße eine Differenz zwischen einer Emissionsobergrenze
und einer kumulierten Ist-Emissionsgröße berücksichtigt wird. Dabei wird eine Zielfunktion
(z.B. eine Emissionsgröße wie der CO
2-Ausstoß, der NOx-Ausstoß und/oder der Ruß- bzw. Partikelausstoß) minimiert, indem
die Führungsgröße mittels einer aus der Differenz bestimmten Indifferenzkurve aus
pareto-optimalen Alternativen ausgewählt wird. Zur Bestimmung dieser Differenz wird
dabei zusätzlich eine Prädiktionsinformation berücksichtigt.
[0025] Das Verfahren bestimmt also die gewünschten Führungsgrößen wie zum Beispiel Abgasrückführungsrate
(AGR-Rate), Ladedruck/Füllung, AdBlue-Dosierung oder auch die Drehmoment- bzw. Leistungsaufteilung
in Hybridfahrzeugen zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor in Abhängigkeit von bisherigen
Emissionen (Vergangenheitsbetrachtung) und prädizierten Emissionen (Prädiktionsinformation),
die in die Differenzbetrachtung einfließen. Das Verfahren beruht also auf einer rechnerisch
einfach zu bewältigenden Differenzbetrachtung, bei der sowohl kumulierte Ist-Emissionsgrößen
betrachtet werden als auch Prädiktionsinformationen.
[0026] Dabei werden prädizierte Emissionen für erwartete Betriebszustände ermittelt, abgeschätzt
oder auch aus hinterlegten Daten abgeleitet. Dazu können beispielsweise Streckenvorausschauinformationen
für eine geplante Fahrroute dienen, die beispielsweise Informationen zum Höhenprofil,
zu Geschwindigkeitsbegrenzungen, zu Verkehrs- und Ampelinformationen, sowie Informationen
zu Umgebungstemperaturen oder Luftdruckbedingungen dienen.
[0027] Dabei gibt es Ausführungen, bei denen die Prädiktionsinformationen Informationen
zu einer Fahrstrecke (z.B. die Länge der Fahrstrecke) umfassen, die dann mit einem
fahrstreckenbezogenen Emissionsgrenzwert multipliziert werden.
[0028] Es gibt auch Ausführungen, bei denen die Betriebszustandsprognoseinformation wenigstens
eine Information aus der folgenden Gruppe umfasst: Fahrstreckenqualität, Fahrstreckenlänge
und Umweltbedingungen. Über die Fahrstreckenqualität (bspw. Steigungen), die Fahrstreckenlänge
und Umweltbedingungen (z.B. die Höhe über Meeresspiegel) lassen sich wesentliche Betriebszustandsinformationen
(Drehmoment, Drehzahl) und der Leistungsbedarf einer Verbrennungskraftmaschine bestimmen.
[0029] Es gibt eine Ausführung, bei welcher die Prädiktionsinformation weiterhin alternativ
oder zusätzlich eine Emissions-Prognosegröße umfasst. Damit ist es möglich, bei der
Differenzbetrachtung sowohl den zulässigen Emissionsgrenzwert - einschließlich einer
prädizierten Komponente - als auch die tatsächliche und erwartete Emission zu betrachten.
So ist es möglich, die kritische Differenz zwischen diesem Grenzwert und den erwarteten
Emissionen vergangenheits- und zukunftsorientiert zu analysieren und zur Bestimmung
der Indifferenzkurve heranzuziehen.
[0030] Dabei gibt es Ausführungen, bei denen die Betriebszustandsinformation wenigstens
eine Drehzahl (n) und ein Soll-Drehmoment (M) umfasst.
[0031] Bei einer Ausführung umfassen die Ist-Emissionsgrößen (Zielfunktionen) wenigstens
zwei der folgenden Größen. Zu den Größen gehören NOx-Ausstoß, HC-Ausstoß, CO-Ausstoß,
CO
2-Ausstoß, kombinierter HC- und NOx-Ausstoß, Rußpartikelanzahl, Rußpartikelmasse, Beladungszustand
eines Dieselpartikelfilters und/oder eines NOx-Speicherkatalysators.
[0032] In einer anderen Ausführung umfasst die Führungsgröße wenigstens eine der folgenden
Größen, die sich auf das Emissionsverhalten auswirken, nämlich AGR-Rate, AGR-Aufteilung,
Füllung, Zündzeitpunkt. Die daraus abgeleiteten Stellgrößen umfassen dabei eine der
folgenden Größen, über die bei modernen Motoren die gewünschte Führungsgröße bewirkt
werden kann, nämlich Drosselklappenstellung; Einstellung der variablen Turbinengeometrie,
Einspritzzeitpunkt, Nockenwellenverstellung.
[0033] In einer anderen Ausführung werden zwei Ist-Emissionsgrößen betrachtet, und zwar
insbesondere der Stickoxidausstoß und der Rußausstoß, die bei Dieselmotoren konkurrierend
zusammenhängen.
[0034] Es gibt auch Ausführungen, bei denen der CO
2-Ausstoß und der NOx-Ausstoß konkurrierend optimiert werden.
[0035] Es gibt auch Ausführungen, bei denen der CO
2-Ausstoß, der NOx-Ausstoß und der Rußausstoß, also drei Ist-Emissionsgrößen, konkurrierend
optimiert werden.
[0036] Mit Hilfe eines Verbrennungsmotors mit einem erfindungsgemäßen Steuergerät, lassen
sich verbesserte Verbrauchswerte und Emissionswerte realisieren. So ein Verbrennungsmotor
ist besonders für Fahrzeuge geeignet.
[0037] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nun beispielhaft und unter Bezugnahme auf
die beigefügte Zeichnung beschrieben. Darin zeigt:
- Fig. 1
- schematisch ein Motorsystem mit einem erfindungsgemäßen Steuergerät;
- Fig. 2
- ein schematisches Fahrzeuglayout mit einem erfindungsgemäßen Steuergerät;
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung eines erfindungsgemäßen Steuerverfahrens mit wesentlichen
Input- und Output-Größen;
- Fig. 4
- ein Diagramm, in dem Ruß- und NOx-Emissionen in Abhängigkeit der AGR-Rate dargestellt
sind;
- Fig. 5
- pareto-optimale Arbeitspunkte, für die eine bestimmte Rußemission und eine bestimmte
NOx-Emission gilt;
- Fig. 6
- Auswahl einer Führungsgröße durch eine Indifferenzkurve basierend auf dem Zusammenhang
von Rußemissionen und NOx-Emissionen bei einer bestimmten (erhöhten) kumulierten NOx-Emission;
- Fig. 7
- die in Fig. 6 dargestellte Auswahl für eine niedrigere kumulierte NOx-Emission;
- Fig. 8
- die in Fig. 6 dargestellte Auswahl für eine überhöhte kumulierte NOx-Emission;
- Fig. 9
- die in Fig. 6 dargestellte Auswahl basierend auf dem Zusammenhang von CO2- und NOx-Emissionen;
- Fig. 10
- die in Fig. 6 dargestellte Auswahl durch eine nichtlineare Indifferenzkurve;
- Fig. 11
- eine Darstellung verschiedener Emissionsgrößen über einen Verlauf
- Fig. 12
- den Verlauf einer Kennlinie zur Bestimmung einer Indifferenzkurve
- Fig. 12A-C
- unterschiedliche Indifferenzkurven, die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren bestimmt
sind.
[0038] In Fig. 1 ist ein Motorschema dargestellt, welches über ein erfindungsgemäßes Steuergerät
1 geregelt bzw. gesteuert wird. Dargestellt ist ein als Hubkolbenmotor 2 (Diesel-
oder Otto-Motor), ausgebildeter Verbrennungsmotor, der über Ventile 3 und über einen
Ladeluftstrang 4 befüllt wird und über einen Abgasstrang 5 entleert wird. Die Zuluft
gelangt durch einen Luftfilter 6 und einen Abgasturbolader 7 mit verstellbarer Turbinengeometrie
durch einen Zwischenkühler 8 über ein Einlassventil 3 in den Zylinder 9, wo gegebenenfalls
über ein Einspritzsystem Kraftstoff zugeführt wird. Nach der Verdichtung und Verbrennung
des Luft-Kraftstoffgemischs wird das entstandene Abgas durch ein Auslassventil 3 über
den Abgasstrang abgeführt.
[0039] Das verdichtete Abgas passiert dabei den Abgasturbolader 7, treibt diesen an und
verdichtet so die Ladeluft. Anschließend passiert es einen Stickstoffspeicherkatalysator
10 sowie einen Dieselpartikelfilter 11 und gelangt schließlich durch eine Abgasklappe
12 in den Auspuff 13.
[0040] Die Ventile 3 werden über eine verstellbare Nockenwelle 14 angetrieben. Die Verstellung
erfolgt über eine Nockenwellenverstelleinrichtung 15, die vom Steuergerät 1 ansteuerbar
ist.
[0041] Ein Teil des Abgases kann über ein Hochdruck-Abgasrückführventil 16 in den Ladeluftstrang
4 eingeleitet werden. Ein abgasbehandelter Teilstrom kann im Niederdruckbereich nach
dem Abgasturbolader 7 über eine entsprechende Abgaskühlung 17 und ein Abgasrückführungs-Niederdruckventil
18 in den Ladeluftstrang 4 geführt werden. Die Turbinengeometrie des Abgasturboladers
7 ist über eine Stelleinrichtung 19 einstellbar. Die Ladeluftzufuhr ("Gas") wird über
die Hauptdrosselklappe 20 geregelt.
[0042] Über das Steuergerät 1 sind u.a. das Abgasrückführungs-Niederdruckventil 18, die
Stelleinrichtung 19, die Hauptdrosselklappe 20, das Abgasrückführungs-Hochdruckventil
16, die Nockenwellenverstelleinrichtung 15 sowie die Abgasklappe 12 ansteuerbar (durchgezogene
Linien).
[0043] Weiterhin wird das Steuergerät 1 über Sensoren und Sollwertgeber beispielsweise mit
Temperaturinformationen (Zwischenkühler 8, Abgaskühlung 17) und mit Ist-Emissionswerten
(z.B. aus einem Sensor oder physikalischen/empirischen Modell) versorgt.
[0044] Dazu können noch weitere Betriebszustandsinformationen kommen wie: Fahrpedalstellung,
Drosselklappenstellung, Luftmasse, Batteriespannung, Motortemperatur, Kurbelwellendrehzahl
und oberer Totpunkt, Getriebestufe, Fahrzeuggeschwindigkeit.
[0045] Es besteht also ein komplexes Steuer- und Regelsystem, welches den Motorbetrieb in
unterschiedlichsten Betriebszuständen hinsichtlich unterschiedlicher Zielgrößen einstellen,
regeln und möglichst optimieren soll.
[0046] Figur 2 zeigt ein schematisch dargestelltes Fahrzeug 200, in dem der Hubkolbenmotor
2 mit dem Abgasstrang 5 angeordnet ist und der über eine Kupplung 24 mit einem Antriebsstrang
25 verbunden ist.
[0047] Optional oder alternativ ist das Fahrzeug mit einem elektrischen Antrieb 23 versehen,
der über die Kupplung 24 mit dem Hubkolbenmotor 2 bzw. dem Getriebe 2a und dem Antriebsstrang
25 gekoppelt ist. Der elektrische Antrieb 23 ist bspw. als permanentmagneterregte
Synchronmaschine ausgebildet, die über einen elektrischen Energiespeicher 21 (und
einen Umrichter 22) mit Energie versorgt wird. Das Steuergerät 1 ist über entsprechende
Signalleitungen (nicht dargestellt) ebenfalls mit den elektrischen Antriebseinheiten
(21, 22, 23) gekoppelt.
[0048] Die nachfolgenden Ausführungsbeispiele beziehen sich auf die Steuerung und Regelung
von Emissionswerten in Abhängigkeit von vorgegebenen Emissionsobergrenzen und kumulierten
Ist-Werten.
[0049] Ein Grundsystem für die Durchführung eines solchen Verfahrens ist in Fig. 2 dargestellt.
Dabei bestimmt das Steuergerät 1 eine oder mehrere zur Beeinflussung der Emissionen
erforderliche und wirksame Führungsgrößen x(t).
[0050] Als Eingangsgrößen dienen der Fahrerwunsch FW, der bspw. über die Stellung eines
Gaspedals und/oder eines Bremspedals abgeleitet wird, sowie weitere Betriebsbedingungen
SB des Fahrzeugs 200 bzw. des Motors 2. Weiterhin werden die Emissionsgrenzwerte EM
G berücksichtigt, die während des Betriebs nicht überschritten werden dürfen und schließlich
dient eine Prädiktionsinformation PI dazu, zukünftige Betriebszustände zu berücksichtigen.
Typische Prädiktionsinformationen PI sind z.B. eine Emissionsprognose EM
P oder Betriebszustandsprognoseinformationen, die bspw. bei einem Fahrzeug Informationen
über die Fahrstreckenlänge s(t), die Fahrstreckenqualität und erwartete Umweltbedingungen
während des Betriebes umfassen.
[0051] Daraus werden Führungsgrößen x(t) (z.B. AGR-Rate, AGR-Aufteilung, Füllung, Zündzeitpunkt)
abgeleitet und Stellgrößen bestimmt, die im Verbrennungsmotor 2 bzw. dessen Komponenten
(zum Beispiel Stellung der Hauptdrosselklappe 20, Nockenwelleneinstellung, Einstellung
der Turbinengeometrie des Abgasturboladers 7, Einstellung der Abgasklappe 12, etc.)
die Emissionen (zum Beispiel NOx, HC, CO, Ruß) des Verbrennungsmotors beeinflussen.
Diese werden als Massenströme (Emissionsraten) EM
DS erfasst (zum Beispiel Masse pro Zeit [mg/s]). Aus diesen Emissionen werden kumulierte
Ist-Werte EM
K der Emissionen abgeleitet (Integration der Emissionsraten über die Zeit).
[0052] Aus diesen kumulierten Ist-Werten EM
K werden im Steuergerät 1 zusammen mit der verstrichenen Betriebszeit t bzw. der zurückgelegten
Strecke s, bekannten bzw. vorgegebenen Emissionsobergrenzen EM
G und Informationen über den Fahrerwunsch FW (z.B. Beschleunigung: a
Soll; Drehmoment: M
Soll) und sonstige Betriebsbedingungen SB (z.B. Geschwindigkeit: v; Drehzahl: n) des Verbrennungsmotors
2 die Führungsgröße(n) x(t) bestimmt.
[0053] Fig.4 zeigt beispielhaft den Zusammenhang zwischen NOx-Emissionen und Rußemissionen
in Abhängigkeit von der Abgasrückführrate (AGR), die hier eine Führungsgröße x(t)
bildet. Das Diagramm zeigt, dass durch Erhöhung der AGR die NOx-Emissionen zwar gesenkt
werden können, dabei aber die Rußemissionen ansteigen.
[0054] Fig. 5 zeigt ein Diagramm mit Zielgrößenkombinationen von bestimmten Rußemissionen,
die über bestimmte NOx-Emissionen aufgetragen sind. Besteht nun z.B. die Aufgabe,
in einem (beliebigen) Betriebszustand die Rußemissionen zu minimieren/zu senken, dabei
aber einen (kumulierten) NOx-Grenzwert einzuhalten, muss die Emissionshistorie (kumulierte
Ist-Werte Em
G) für zurückliegende (ggf. beliebige, in zufälliger Reihenfolge eingestellte, unterschiedliche
Betriebszustände) berücksichtigt werden.
[0055] Pareto-optimale Zielgrößenkombinationen, bei denen der Ruß-Ausstoß nur weiter gesenkt
werden kann, wenn die NOx-Emission erhöht wird, sind durch die Punkte x gekennzeichnet
Alle pareto-optimalen Zielgrößenkombinationen bilden die sogenannte Paretofront, welche
die Punkte x miteinander verbindet. Bei einem Minimierungsproblem sind Punkte links
unterhalb der Pareto-Front (schraffierter Bereich) nicht realisierbar und alle rechts
oberhalb vorgesehenen Zielgrößenkombinationen nicht pareto-optimal, da es jeweils
Kombinationen (Punkte x) gibt, die sowohl hinsichtlich Ruß- Emission als auch der
NOx-Emission günstiger auf der Paretofront realisiert werden können.
[0056] Die Auswahl aus pareto-optimalen Zielgrößenkombinationen von zwei Zielgrößen (NOx-Emissionen
und Rußemissionen) zeigt die Darstellung in Fig. 6. In der rechten Säule ist als Emissionsobergrenze
EM
G ein NOx-Grenzwert NOx-G (gestrichelte Linie) angegeben und die darunter dargestellte
Säule zeigt im schraffierten Bereich als kumulierten Ist-Wert Em
K die bisherigen kumulierten NOx-Emissionen NOx-K
1. Da die kumulierten NOx-Emissionen NOx-K
1 bereits relativ nah am NOx-Grenzwert NOx-G sind, ist hier ein relativ hohes Austauschverhältnis
zwischen den Zielgrößen Rußemissionen und NOx-Emissionen gewählt (erhöhte Rußemissionen,
zugunsten von geringen NOx), um den NOx-Grenzwert NOx-G nicht zu überschreiten. Diese
hier gewünschte Austauschrate wird durch die Indifferenzkurve I angegeben, die hier
relativ steil abfallend dargestellt ist, und dann an die nächstliegende Zielgrößenkombination
verschoben wird, in dem für diesen Betriebspunkt eine bestimmte Rußemission und eine
bestimmte NOx-Emission realisierbar ist. Dieser Zielgrößenkombination wird dann mit
Hilfe der im Diagramm aus Fig. 4 bekannten Informationen eine AGR als geeignete pareto-optimierte
Führungsgröße x(t) zugeordnet.
[0057] Fig. 7 zeigt ein Beispiel, bei dem die kumulierten NOx-Emissionen (NOx-K
2) weiter unter dem NOx-Grenzwert NOx-G liegen. Hier ist das Austauschverhältnis der
Indifferenzkurve I kleiner (die Gerade fällt flacher ab). Hier kann also eine höhere
NOx-Emission in Kauf genommen werden, ohne dass Gefahr bestünde, dass der NOx-Grenzwert
NOx-G überschritten wird. Damit kann die Rußemission geringer gehalten werden. Die
flacher verlaufende Gerade wird an die nächste Zielgrößenkombination verschoben, an
dem eine bestimmte NOx-Emission und eine entsprechende Rußemission mit einer zugehörigen
Führungsgröße x(t) (hier die entsprechende AGR aus Fig.3) realisierbar ist.
[0058] Fig. 8 zeigt ein Beispiel, bei dem die kumulierten NOx-Emissionen (NOx-K
3) den NOx-Grenzwert NOx-G überschritten haben. Hier ist das Austauschverhältnis der
Geraden I (senkrechte Indifferenzkurve) quasi unendlich. Ungeachtet der Höhe der Rußemissionen
wird die Führungsgröße x(t) für minimale NOx-Emission ausgewählt.
[0059] Fig. 9 zeigt analog zu Fig. 5 ein Beispiel, bei dem in Abhängigkeit der kumulierten
NOx-Emissionen CO
2 minimiert werden soll.
[0060] Fig. 10 zeigt analog zu Fig. 5 ein Beispiel, bei dem die Indifferenzkurve nicht linear
verläuft.
[0061] Die Figuren 11 bis 12C zeigen beispielhaft anhand der kombinierten Emissionsbetrachtung
des CO
2-Ausstoßes und des NOx-Ausstoßes die Bestimmung der Indifferenzkurven I (Fig. 12A-C),
die an unterschiedliche Paretofronten f angelegt werden, um optimierte Betriebspunkte
hinsichtlich der CO
2-Emissionen ṁ
CO2 und der NOx-Emissionen ṁ
NOx zu ermitteln und daraus in bekannter Weise die entsprechende(n) Führungsgröße(n)
abzuleiten.
[0062] Die Grundlage bildet die in Figur 12 dargestellte Größe β, die abhängig von einer
Differenz δ bestimmt wird und mit der Steigung der Indifferenzkurven I korrespondiert.
ϕ(β) bezeichnet hier den Winkel, mit der die Indifferenzkurve I die ṁ
NOx-Achse (Abszisse) schneidet.
[0063] δ ergibt sich gemäß Figur 11 aus der Differenz eines zeit- (bzw. strecken-)abhängigen
Grenzwertverlaufs EM
G über die Zeit t (gestrichelte Funktion). Der eigentliche Grenzwert EM
G wird dabei bspw. in mg/km also einer Masseneinheit pro Strecke angegeben und wächst
also mit zunehmender Zeit bzw. zurückgelegter Strecke s. Daneben wird der Verlauf
der kumulierten Emissionswerte EM
K (z.B. eine NOx Menge m
NOx aufgezeichnet (durchgezogene Linie) und aus beiden wird die Differenz δ gebildet
(gepunktete Linie). Es gilt die Beziehung gemäß Formel 1:

[0064] Demnach ergibt sich das zeit- bzw. streckenabhängige δ aus der Emissionsobergrenze
EM
G, für NOx die mit einem Streckenwert s multipliziert wird, der sich aus einer bisherigen,
also bereits abgefahrenen Strecke s(t) und einer prognostizierten Strecke s(t) ergibt.
In den Verlauf der Emissionsobergrenze fließt also sowohl eine auf Ist-Größen beruhende
Information (bisherige Strecke) und eine auf prognostizierten Informationen beruhender
Streckenverlauf ein.
[0065] Von diesem strecken- bzw. zeitabhängigen Grenzwert wird dann die tatsächliche, kumulierte
Emission EM
K (hier m
NOx(t)) und eine zukünftige, prognostizierte Emission EM
P (hier m̃
NOx(t)) abgezogen. Die Prädiktion ist bis zu einem Prädiktionshorizont t = T möglich.
[0066] Zu einem Zeitpunkt t = t
1 zeigen die Kurven in einer rückschauenden Betrachtung (Pfeil V nach links) die bisherigen
Verläufe der Komponenten EM
G s(t) und m
NOx(t), wobei eine vorausschauende Betrachtung (Pfeil Z nach rechts) zusätzlich die Prädiktionskomponenten
EM
G s(t) und m̃
NOx(t) berücksichtigt.
[0067] Zum Zeitpunkt t = t
1 gilt dann:

mit der abgefahrenen Strecke:

der prognostizierten Strecke:

dem kumulierten (bisher realisierten) Emissionswert EM
K, hier:

und dem prognostizierten Emissionswert EM
P, hier:

wobei
ν̃ die Prädiktion eines zukünftigen Geschwindigkeitsverlaufs ist und

der damit korrespondierende prognostizierte Verlauf eines NOx-Massenstroms.
[0068] Aus einem sich so ergebenden δ-Wert (z.B. δ1, δ2 oder δ3) wird dann mittels einer
Kennlinie, die in Figur 12 dargestellt ist, ein β-Wert abgeleitet, der zur Steigung
einer Indifferenzkurve I korrespondiert, die zur Ermittlung eines paretooptimierten
Betriebspunktes und damit zur gewünschten Führungsgröße führt. Paretofronten f
1, f
2 für unterschiedliche Betriebszustände (u
f1 und u
f2) sind in den Fig. 12A bis 12C dargestellt. Für die Kennlinie, die zur Ermittlung
des β-Wertes führt, soll gelten, dass

[0069] Gleichzeitig soll hier auch gelten, dass die Funktion streng monoton fallend ist,
so dass bei zunehmenden δ, β stetig abnimmt, wie dies in der Funktion in Fig. 13 beispielhaft
dargestellt ist.
[0070] In den Figuren 12A, 12B und 12C sind jeweils zwei Kurven (die Paretofronten f
1 und f
2) eingezeichnet, die jeweils paretooptimierte Emissionskombinationen für CO
2 und NOx in unterschiedlichen Betriebszuständen zeigen. f
1 kennzeichnet hier die Emissionskombinationen eines Betriebszustands mit niedrigerer
Leistung und insgesamt auch eher niedrigeren Emissionswerten (ṁ
CO2 und ṁ
NOx) und f
2 kennzeichnet die Emissionskombinationen eines Betriebszustands mit höherer Leistung
und damit auch mit eher höheren Emissionswerten (ṁ
CO2 und ṁ
NOx). f
1 und f
2 bilden Emissionsparetofronten für unterschiedliche Betriebszustände.
[0071] Die gewünschte Führungsgröße (x(t) für eine bestimmte Emissionskombination u
f1 oder u
f2, wird durch Anlegen der Indifferenzkurve I ermittelt, deren Steigung mit dem β-Wert
korrespondiert, der sich aus der Kennlinie in Figur 12 ergibt. Dieser so bestimmten
Zielgrößenkombination u
f1 oder u
f2 (Emissionskombination) wird dann beispielsweise mit Hilfe einer bekannten Informationen
eine AGR als geeignete pareto-optimierte Führungsgröße x(t) zugeordnet
[0072] (analog zum Diagramm aus Fig. 4). In Figur 4 ist der Zusammenhang zwischen NOx- und
Rußemission in Verbindung mit der AGR-Rate angegeben. Aus anderen Diagrammen oder
auch aus mehrdimensionalen Kennfeldern (mit Paretoflächen) sind die Zusammenhänge
zwischen Führungsgröße x(t) und Emissionskombinationen aus zwei oder mehr Emissionsgrößen
entnehmbar.
[0073] Figur 12A zeigt dabei ein β
1, Figur 12B ein β
2 und Figur 12C ein β
3. Die unterschiedlichen β-Werte (β
1, β
2 und β
3) ergeben sich aus den korrespondierenden δ-Werten mit Hilfe der Kennlinie in der
Figur 12.
[0074] Verringert sich das δ zwischen dem Emissionsgrenzwert und der kumulierten Emission
von δ1 zu δ2, so muss sich die Steigung der Indifferenzkurve erhöhen (die Indifferenzkurve
I wird steiler), da Betriebspunkte bevorzugt werden sollen, bei denen wegen des geringeren
Abstandes zum Emissionsgrenzwert für NOx-Emissionen solche Betriebspunkte bevorzugt
werden, bei denen die NOx-Emission reduziert ist. Entsprechend ist in diesen Betriebspunkten
der CO
2-Ausstoß erhöht (Figur 12B).
[0075] Umgekehrt sinkt bei einem zunehmenden δ das β und damit auch die Steigung der Indifferenzkurve,
deren Verlauf flacher wird, und es werden in der gewünschten Weise Betriebspunkte
bevorzugt bei denen höhere NOx-Werte in Kauf genommen werden können und auf der anderen
Seite die CO
2-Emission entsprechend reduziert wird (Figur 12C).
[0076] Mit dem dargestellten Ansatz lassen sich im Betrieb und in Abhängigkeit von sich
ändernden Randbedingungen die Emissionswerte (Zielfunktionen) verbessern. Neben den
hier dargestellten Problemen, bei denen Emissionsgrößen paarweise berücksichtigt wurden,
kann das Verfahren auch auf mehrdimensionale Probleme ausgedehnt werden. So ist es
zum Beispiel möglich, pareto-optimierte Führungsgrößen x(t) für Mehrfach-Kombinationen
(z.B. für CO
2-Ausstoß, Rußemission und NOx-Emission) zu bestimmen. Es können auch in Ergänzung
zur Führungsgröße AGR noch andere Führungsgrößen x(t) pareto-optimiert zur Regelung
bestimmt werden (z.B. AGR-Aufteilung, Füllung, Zündzeitpunkt oder Raildruck).
Bezugszeichenliste
[0077] 1 Steuergerät
2 Hubkolbenmotor
2a Getriebe
3 Ventile
4 Ladeluftstrang
5 Abgasstrang
6 Luftfilter
7 Abgasturbolader
8 Zwischenkühler
9 Zylinder
10 NOx-Speicherkatalysator
11 Dieselpartikelfilter
12 Abgasklappe
13 Auspuff
14 Nockenwelle
15 Nockenwellen-Verstelleinrichtung
16 AGR-Hochdruckventil
17 Abgaskühlung
18 AGR-Niederdruckventil
19 Stelleinrichtung
20 Hauptdrossel
21 el. Energiespeicher
22 Umrichter
23 el. Antrieb
24 Kupplung
25 Antriebsstrang
200 Fahrzeug
x(t) Führungsgröße
NOx-G Grenzwert
NOx-K
1 kumulierter Ist-Wert
FW Fahrerwunsch
SB Sonstige Betriebsbedingungen
EM
G Emissionsgrenzwert
EM
K kumulierte Emissionswerte
EM
DS Emissionsdurchsätze
I Indifferenzkurve
PI Prädiktionsinformation
EM
P Emissionsprognose
δ (t) Differenzfunktion
β Steigung
s(t) Betriebszustand-Prognoseinformation
s zurückgelegte Strecke
t Betriebszeit
f Paretofront
ϕ (β) Winkel
s(t) prognostizierte Strecke
ν̃ Prädiktion eines zukünftigen Geschwindigkeitsverlaufs

prognostizierter Verlauf eines NOx-Massenstroms
u
f Betriebszustand
V Vergangenheitsbetrachtung
Z Zukunftsbetrachtung
1. Steuerungsverfahren für einen Verbrennungsmotor (2) in einem Fahrzeug, umfassend:
Bestimmen einer Führungsgröße (x(t)) unter Berücksichtigung
- einer Betriebszustandsinformation (FW, SB) und
- einer Differenz (δ) zwischen einer Emissionsobergrenze (EMG) und einer kumulierten Ist-Emissionsgröße (EMK),
Beeinflussen eines Betriebszustands des Verbrennungsmotors (2) mittels der Führungsgröße
(x(t)), so dass wenigstens zwei Ist-Emissionsgrößen so eingestellt werden, dass die
entsprechenden kumulierten Ist-Emissionsgrößen in einem Betriebszeitraum mit einer
Zusammenstellung aus beliebigen, in zufälliger Reihenfolge eingestellten, unterschiedlichen
Betriebszuständen des Verbrennungsmotors (2) Emissionsobergrenzen (EMG) für diesen Betriebszeitraum nicht überschreiten, wobei eine Zielfunktion minimiert
wird, indem die Führungsgröße (x(t)) mittels einer aus der Differenz (δ) bestimmten
Indifferenzkurve (I) aus pareto-optimalen Alternativen ausgewählt wird und zur Bestimmung
der Differenz (δ) eine Prädiktionsinformation (PI) berücksichtigt wird.
2. Steuerungsverfahren nach Anspruch 1, wobei die Prädiktionsinformation (PI) eine Betriebszustands-Prognoseinformation
(s(t)) umfasst.
3. Steuerungsverfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Betriebszustands-Prognoseinformation
(s(t)) wenigstens eine Information aus der folgenden Gruppe umfasst: Fahrstreckenqualität,
Fahrstreckenlänge, Umweltbedingungen.
3. Steuerungsverfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Prädiktionsinformation (PI)
eine Emissions-Prognose-Größe (EMP) umfasst.
4. Steuerungsverfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, wobei die Indifferenzkurve (I) eine
Gerade ist, deren Steigung (β(δ)) mittels einer Differenzfunktion (δ(t)) bestimmbar
ist.
5. Steuerungsverfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Zielfunktion
eine Ist-Emissionsgröße (EmDS), einen Kraftstoffverbrauch und/oder eine CO2-Emission umfasst.
6. Steuerungsverfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Betriebszustandsinformation
(SB, FW) eine Drehzahl (n(t)) und ein Solldrehmoment (MSoll(t)) umfasst.
7. Steuerungsverfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Betriebszeitraum
und die unterschiedlichen Betriebszustände einer Fahrt bekannt sind.
8. Steuerungsverfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Ist-Emissionsgrößen
(EmDS) wenigstens zwei der folgenden Größen umfassen: NOx-Ausstoß, HC-Ausstoß, CO-Ausstoß,
CO2-Ausstoß, kombinierter HC- und NOx-Ausstoß, Rußpartikelanzahl, Rußpartikelmasse, AdBlue-Verbrauch.
9. Steuerungsverfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Führungsgröße
(x(t)) wenigstens eine der folgenden Größen umfasst: AGR-Rate, AGR-Aufteilung, Füllung,
Ladedruck, Einspritzzeitpunkt, Zündzeitpunkt, Raildruck.
10. Steuerungsverfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei wenigstens zwei
Ist-Emissionsgrößen (EmDS), insbesondere CO2 Ausstoß und NOx-Ausstoß und/oder NOx-Ausstoß und Rußausstoß, betrachtet werden.
11. Steuerungsverfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei wenigstens drei
Ist-Emissionsgrößen (EmDS) aus der folgenden Gruppe betrachtet werden: CO2 Ausstoß, NOx-Ausstoß und Rußausstoß.
12. Steuergerät (1) zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 11.
13. Verbrennungsmotor (2) mit einem Steuergerät (1) nach Anspruch 12.
14. Fahrzeug mit einem Verbrennungsmotor (2) nach Anspruch 13.