[0001] Die Erfindung betrifft ein emissionsreduziertes Verfahren zur Herstellung von Olefinen
und eine entsprechende Anlage gemäß den Oberbegriffen der jeweiligen unabhängigen
Patentansprüche.
Stand der Technik
[0003] In Verfahren und Vorrichtungen zum Dampfspalten werden typischerweise Rohrreaktoren
eingesetzt, deren Reaktionsrohre unter Verwendung von Brennern von außen erwärmt werden.
Die Reaktionsrohre können unterschiedlich ausgestaltet sein. Beispielsweise können
Reaktionsrohre zunächst paarweise parallel geführt und anschließend zu einem gemeinsamen
Reaktionsrohr vereinigt werden, oder es können durchgängig parallele Rohre zum Einsatz
kommen. Die Dimensionierung der Reaktionsrohre richtet sich unter anderem nach den
verwendeten Einsätzen.
[0004] In einem entsprechenden Reaktor können eine oder mehrere Brennkammern von typischerweise
bis zu 15 m Höhe und 2 bis 3 m Breite vorgesehen sein, in denen wand- und/oder bodenmontierte
Brenner angeordnet sind. Eine Brennkammer, durch die auch die Reaktionsrohre verlaufen,
definiert eine sogenannte Strahlungszone. Sie steht unter leicht unteratmosphärischem
Druck, der durch die zum Abzug der Rauchgase verwendeten Ventilatoren zustande kommt.
Die Temperatur in einer Brennkammer beträgt typischerweise 1.000 bis 1.200 °C.
[0005] Der oder den Brennkammern, also der oder den Strahlungszonen, sind eine oder mehrere
sogenannte Konvektionszonen nachgeordnet, in denen eine Nutzung der Wärme der Rauchgase
erfolgt. Das Rauchgas mehrerer Brennkammern kann auch eine gemeinsame Konvektionszone
geführt werden. Beispielsweise können in einer Konvektionszone der Einsatz, die den
Brennern zugeführte Verbrennungsluft oder Kesselspeisewasser vorgewärmt oder Dampf
erzeugt oder überhitzt werden.
[0006] Das in der Strahlungszone in den Reaktionsrohren gebildete Spaltgas wird zur Vermeidung
von unerwünschten Weiterreaktionen rasch abgekühlt (sogenannter Quench bzw. Primärquench),
wozu ein sogenannter Spaltgaskühler zum Einsatz kommt. Das Spaltgas mehrerer Reaktionsrohre
kann in einer gemeinsamen Leitung zusammengefasst und in dieser durch einen entsprechenden
Spaltgaskühler geführt werden, oder die Reaktionsrohre können getrennt voneinander
durch einen als Linearkühler ausgebildeten Spaltgaskühler verlaufen.
[0007] Beim Dampfspalten handelt es sich aufgrund der erforderlichen Wärmemengen um das
Verfahren der chemischen Industrie, das am meisten Energie verbraucht. 2004 wurden
etwa 30% der in der chemischen Industrie verbrauchen Industrie beim Dampfspalten eingesetzt
(
T. Ren, Energy Efficiency and Innovative Emerging Technologies for Olefin Production,
European Conference on Energy Efficiency in IPPC-Installations, 21. bis 22. Oktober
2004, Wien). 2000 wurden beim Dampfspalten bei einer Produktionsmenge von mehr als 150 Mt
leichter Olefine durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe etwa 3 EJ Primärenergie
verbraucht und nahezu 200 Mt Kohlendioxid emittiert (
T. Ren et al., Steam cracking and methane to olefins: Energy use, CO2 emissions and
production costs, Energy 33, 2008, 817-833).
[0008] In den erläuterten Reaktoren wird dabei der überwiegende Anteil, nämlich 65% an Energie
eingesetzt. Hier sind 75% der Gesamtexergieverluste zu verzeichnen. Etwa 15 bis 20%
werden für die Kühlung, Verdichtung und Fraktionierung des Spaltgases eingesetzt.
Der Energieaufwand für das Dampfspalten von Naphtha lässt sich beispielsweise durch
verbesserte Materialien zur Verhinderung übermäßiger Verkokung verringern, wobei Energieeinsparungen
von bis zu 20% im Bereich der Reaktoren möglich sind (T. Ren, 2004; siehe oben).
[0009] Aufgrund der ausgesprochen hohen Kohlendioxidemissionen beim Dampfspalten sind Einsparungen
im Hinblick auf die globale Klimaproblematik besonders wünschenswert. Die vorliegende
Erfindung stellt sich daher die Aufgabe, Emissionen, insbesondere von Kohlendioxid,
beim Dampfspalten zu verringern.
Offenbarung der Erfindung
[0010] Die vorliegende Erfindung schlägt ein emissionsreduziertes Verfahren zur Herstellung
von Olefinen und eine entsprechende Anlage mit den Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche
vor. Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Patentansprüche sowie der nachfolgenden
Beschreibung.
[0011] Vor der Erläuterung der Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung werden deren
Grundlagen und die verwendeten Begriffe erläutert.
[0012] Gasgemische können im hier verwendeten Sprachgebrauch "überwiegend oder ausschließlich"
eine oder mehrere Komponenten enthalten sein, wobei "überwiegend" für einen Gehalt
von wenigstens 50%, 75%, 90%, 95%, 99%, 99,5%, 99,9%, 99,99% oder 99,999% auf molarer,
Gewichts- oder Volumenbasis stehen kann. Gasgemische können im hier verwendeten Sprachgebrauch
ferner "angereichert" oder "abgereichert" an einer oder mehreren Komponenten sein,
wobei sich diese Begriffe auf einen Gehalt in einem Ausgangsgasgemisch beziehen, aus
das Gasgemisch erhalten wurde. Das Gasgemisch ist "angereichert", wenn es zumindest
den 1,1-fachen, 1,5-fachen, 2-fachen, 5-fachen, 10-fachen, 100-fachen oder 1.000-fachen
Gehalt, "abgereichert", wenn es höchstens den 0,9-fachen, 0,5-fachen, 0,1-fachen,
0,01-fachen oder 0,001-fachen Gehalt einer Komponente, bezogen auf das Ausgangsgasgemisch
enthält. Ist hier kurz von "Wasserstoff" die Rede, sei darunter reiner Wasserstoff
verstanden oder ein Gasgemisch, das überwiegend oder ausschließlich Wasserstoff enthält.
[0013] Gängige Verfahren zur Fraktionierung von Gasgemischen aus Dampfspaltverfahren umfassen
insbesondere die Erzeugung von Fraktionen auf Grundlage der Siedepunkte der enthaltenen
Komponenten. In der Fachwelt werden für entsprechende Fraktionen Kurzbezeichnungen
verwendet, die die Kohlenstoffanzahl der überwiegend oder ausschließlich enthaltenen
Kohlenwasserstoffe angeben. So ist eine "C1-Fraktion" eine Fraktion, die überwiegend
oder ausschließlich Methan (jedoch konventionsgemäß unter Umständen auch Wasserstoff,
dann auch "C1 minus-Fraktion" genannt) enthält. Eine "C2-Fraktion" enthält überwiegend
oder ausschließlich Ethan, Ethylen und/oder Acetylen. Eine "C3-Fraktion" enthält überwiegend
Propan, Propylen, Methylacetylen und/oder Propadien. Eine "C4-Fraktion" enthält überwiegend
oder ausschließlich Butan, Buten, Butadien und/oder Dimethylacetylen. Entsprechendes
gilt für die "C5-Fraktion" und die höheren Fraktionen. Mehrere solcher Fraktionen
können auch Verfahrens- und/oder bezeichnungsmäßig zusammengefasst werden. Beispielsweise
enthält eine "C2plus-Fraktion" überwiegend oder ausschließlich Kohlenwasserstoffe
mit zwei und mehr und eine "C2minus-Fraktion" überwiegend oder ausschließlich Kohlenwasserstoffe
mit einem oder zwei Kohlenstoffatomen.
Vorteile der Erfindung
[0014] Ein wesentlicher Aspekt der vorliegenden Erfindung ist der Einsatz von parallel betriebenen
Rohrreaktoren beim Dampfspalten, die zum Teil mit elektrischer Energie, d.h. Elektrowärme,
und zum Teil mit Verbrennungswärme beheizt werden. Auf diese Weise lassen sich im
Rahmen der vorliegenden Erfindung beträchtliche Emissionsreduzierungen erzielen. Die
vorliegende Erfindung kann auch ein Verfahren schaffen, bei denen überhaupt keine
Kohlendioxidemissionen mehr auftreten, so dass ein sogenanntes "Zero Emission"-Verfahren
geschaffen wird.
[0015] Ist hier davon die Rede, dass mehrere Rohrreaktoren "parallel angeordnet" sind, sei
hierunter insbesondere verstanden, dass unter Verwendung dieser Rohrreaktoren jeweils
bereitgestellte Gasgemische miteinander vereinigt werden. In "seriell" angeordneten
Rohrreaktoren würde hingegen ein unter Verwendung eines der Rohrreaktoren bereitgestelltes
Gasgemisch einem anderen der Rohrreaktoren zugeführt. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung
können, wie auch unten noch erläutert, zusätzlich auch derartige seriell angeordnete
Rohrreaktoren vorgesehen sein, denen die vereinigten Gasgemische der parallel angeordneten
Rohrreaktoren zugeführt wird, oder die ein Gasgemisch bereitstellen, das dann den
parallel angeordneten Rohrreaktoren zugeführt wird.
[0016] Es kann auch vorgesehen sein, den parallel angeordneten Rohrreaktoren parallel identische
Einsätze zuzuführen, die hierzu insbesondere von einer Hauptleitung ausgehend auf
die parallel angeordneten Rohrreaktoren verteilt werden können. Eine parallele Anordnung
schließt nicht aus, dass ein Volumenstrom durch einen der parallel angeordneten Rohrreaktoren
deutlich von einem Volumenstrom durch einen anderen der parallel angeordneten Rohrreaktoren
abweichen kann oder dass unterschiedliche Einsätze verwendet werden.
[0017] Die vorliegende Erfindung schlägt ein emissionsreduziertes Verfahren zur Herstellung
von Olefinen durch Dampfspalten vor, bei dem unter Verwendung mehrerer Rohrreaktoren
jeweils ein Gasgemisch bereitgestellt wird, wobei die unter Verwendung der mehreren
Rohrreaktoren bereitgestellten Gasgemische vereinigt werden. Die vorliegende Erfindung
setzt also parallel angeordnete Rohrreaktoren ein. Erfindungsgemäß ist vorgesehen,
dass zumindest einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren Verbrennungswärme,
die durch Verfeuern wenigstens eines Brennstoffs erzeugt wird, zugeführt wird, und
dass zumindest einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren Elektrowärme, die
mittels elektrischer Energie erzeugt wird, zugeführt wird.
[0018] Durch das erfindungsgemäße Verfahren wird es möglich, "sauber" erzeugbare Elektrowärme
einzusetzen und parallel dazu insbesondere konventionelle Brennstoffe zu verfeuern.
Die parallele Anordnung ermöglicht eine besondere Flexibilität. Insbesondere kann
vorgesehen sein, beispielsweise je nach Angebot an elektrischer Energie oder an Brennstoffen,
die jeweils entsprechend beheizten Reaktoren zumindest teilweise stillzulegen und
das Verfahren in entsprechenden Zeiträumen in den anderen Reaktoren durchzuführen.
Zu diesem Zweck können die "mehreren" Rohrreaktoren auch mehr als zwei Rohrreaktoren
umfassen. Auf diese Weise kann im Rahmen der vorliegenden Erfindung eine gewisse Verschiebung
zwischen den parallel angeordneten Rohrreaktoren vorgesehen sein.
[0019] Bei parallel angeordneten Rohrreaktoren kann auch, beispielsweise je nach Angebot
an elektrischer Energie oder an Brennstoffen, wie erwähnt, eine entsprechende Verschiebung
in der Menge der den parallel angeordneten Rohrreaktoren zugeführten Einsatzgemische
erfolgen. Mit anderen Worten können dann, wenn ein großes Angebot an elektrischer
Energie vorliegt, dem oder den mittels Elektrowärme beheizten Rohrreaktoren größere
Mengen eines Einsatzgemischs zugeführt werden, wobei gleichzeitig die Menge des Einsatzgemischs,
das dem oder den mittels Verbrennungswärme beheizten Rohrreaktoren zugeführt wird,
entsprechend reduziert wird. Dabei kann je nach Bedarf eine Ab- oder Zuschaltung eines
oder mehrerer Rohrreaktoren oder auch nur eines Teils der in den entsprechenden Rohrreaktoren
vorhandenen Reaktionsrohre erfolgen. In sämtlichen Fällen kann jedoch die Menge der
mittels der Rohrreaktoren bereitgestellten Gasgemische konstant oder zumindest nahezu
konstant gehalten werden.
[0020] Um eine Reduktion von Emissionen im Sinne der vorliegenden Erfindung zu erzielen,
kann insbesondere vorgesehen sein, die zur Erzeugung der Elektrowärme verwendete Energie
zumindest teilweise und/oder zumindest zeitweise regenerativ zu erzeugen. Im Rahmen
der vorliegenden Erfindung kann durch den erläuterten flexiblen Betrieb der Rohrreaktoren
beispielsweise auch vorgesehen sein, zu Zeiten, zu denen ein Stromüberschuss besteht,
beispielsweise tagsüber oder bei Sonnenschein bei einer Photovoltaikanlage oder bei
hohem Windaufkommen bei einer Windenergieanlage, in einem ersten Verfahrensmodus erhöhte
Mengen an Elektrowärme einzusetzen. In diesen Zeiträumen können auch beispielsweise
Brennstoffe, die wie unten erläutert unter Verwendung der vereinigten Gasgemische
der mehreren Rohrreaktoren gebildet werden können, zwischengespeichert werden. Dies
kann insbesondere im Sinne eines bekannten "Peak Shaving " in großem Umfang anfallend
elektrische Energie sinnvoll verwertet werden.
[0021] Zu Zeiten, zu denen entsprechende Energieüberschüsse an elektrischer Energie nicht
zur Verfügung stehen, kann die Menge der eingesetzten Elektrowärme reduziert werden
und stattdessen auf entsprechende Brennstoffe zur Erzeugung von Verbrennungswärme
zurückgegriffen werden. In diesem zweiten Betriebsmodus können auch die in dem ersten
Betriebsmodus ggf. zwischengespeicherten Brennstoffe eingesetzt werden. Auf diese
Weise ermöglicht das erfindungsgemäße Verfahren eine besonders vorteilhafte Anpassung
an schwankende Angebote elektrischer Energie. Auch wenn in Zeiträumen geringeren Angebots
an elektrischer Energie, d.h. in dem zweiten Verfahrensmodus, ggf. keine oder nur
eine geringe Emissionsreduzierung erzielt wird, ergibt sich durch Nutzung der regenerativen
elektrischen Energie insgesamt jedoch eine entsprechende Verringerung. Im Rahmen der
vorliegenden Erfindung kann also (auch konventionelle) Verbrennungswärme und elektrische
Energie in unterschiedlichen Anteilen, je nach Verfügbarkeit und Preis, eingesetzt
werden.
[0022] In einem Verfahren gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung
wird zumindest einem der mehreren Rohrreaktoren nur die Verbrennungswärme und zumindest
einem der Rohrreaktoren mehreren Reaktoren nur die Elektrowärme zugeführt wird. Den
entsprechenden Rohrreaktoren wird daher vorzugsweise keine weitere Wärme zugeführt.
Auf diese Weise lassen sich auf die jeweilige Wärmequelle optimierte Reaktoren schaffen,
die einen besonders effizienten und damit zur Emissionsreduktion beitragenden Betrieb
ermöglichen.
[0023] Grundsätzlich ist es aber auch möglich, in einen Rohrreaktor sowohl Verbrennungswärme
als auch Elektrowärme einzubringen. So können Reaktionsrohre, die elektrisch beheizt
werden, zusätzlich durch Verbrennung von außen beheizt werden. Es ist auch möglich,
in einem entsprechenden Rohrreaktor mittels Elektrowärme und mittels Verbrennungswärme
beheizte Reaktionsrohre nebeneinander vorzusehen, insbesondere in unterschiedlichen
Anteilen. Auch rein durch Verbrennungswärme und/oder rein durch Elektrowärme beheizte
Rohrreaktoren können parallel zu gemischt beheizten Rohrreaktoren vorgesehen sein.
[0024] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist es möglich, dass die zumindest einem der
mehreren Rohrreaktoren zugeführte Verbrennungswärme durch Verbrennen eines methanreichen
Gasgemischs erzeugt wird. Dieses methanreiche Gasgemisch kann von anlagenextern, beispielsweise
in Form von Erdgas, oder von anlagenintern bereitgestellt werden. In beiden Fällen
kann auf bekannte Brennerkonzepte zurückgegriffen werden, die zur Beheizung entsprechender
Rohrreaktoren etabliert und daher besonders zuverlässig sind.
[0025] Insbesondere kann das methanreiche Gasgemisch unter Verwendung der durch die mehreren
Rohrreaktoren bereitgestellten und vereinigten Gasgemische gebildet werden. Insbesondere
kann ein entsprechendes Gasgemisch in einem Demethanizer bereitgestellt werden. Auf
diese Weise kann zumindest teilweise oder zumindest zeitweise auf extern bereitgestellte
Energie verzichtet werden.
[0026] Zur Fraktionierung des Spaltgases eines Dampfspaltverfahrens sind aus dem Stand der
Technik unterschiedliche Fraktionierungsverfahren bekannt, die auch im Rahmen der
vorliegenden Erfindung eingesetzt und zur Fraktionierung entsprechender Gasgemische
werden können. Zu Details sei nochmals auf die eingangs erwähnte Fachliteratur verwiesen.
Entsprechende Fraktionierungsverfahren unterscheiden sich unter anderem durch die
Abfolge der Fraktionierungsschritte. Im Rahmen entsprechender Fraktionierungsverfahren
werden aber typischerweise immer die erwähnten Demethanizer eingesetzt.
[0027] In einem Demethanizer wird aus einem Spaltgas bzw. einem aus dem Spaltgas gebildeten
Gasgemisch eine leichte Fraktion abgetrennt, die einen niedrigeren Siedepunkt als
Ethylen aufweisen, also insbesondere Wasserstoff und Methan. Es verbleibt eine schwerere
Fraktion, die überwiegend oder ausschließlich Kohlenwasserstoffe mit zwei Kohlenstoffatomen
sowie ggf. zuvor in dem Gasgemisch enthaltene Kohlenwasserstoffe mit höherem Siedepunkt
enthält. Die leichte Fraktion kann, beispielsweise durch Kondensation auf geeigneten
Temperaturen, in eine überwiegend oder ausschließlich Wasserstoff enthaltende Fraktion
und in eine überwiegend oder ausschließlich Methan enthaltende Fraktion getrennt werden.
Die Trennung kann jedoch auch ganz oder teilweise unterbleiben, so dass ein Gemisch
aus im Wesentlichen Wasserstoff und Methan vorliegt. Dieses wird auch als sogenannte
Heizgasfraktion bezeichnet.
[0028] Zur Fraktionierung des Spaltgases eines Dampfspaltverfahrens bzw. eines aus einem
entsprechenden Spaltgas gebildeten Gasgemischs kann beispielsweise eine Demethanizer-First-
oder Front-End-Demethanizer-Fraktionierung zum Einsatz kommen. Hierbei steht der Demethanizer
an erster Stelle der Fraktionierung. Daher enthält das im Demethanizer bearbeitete
Spaltgas bzw. das aus dem Spaltgas gebildete Gasgemisch neben den Kohlenwasserstoffen
mit zwei Kohlenstoffatomen auch Kohlenwasserstoffe mit drei und mehr Kohlenstoffatomen.
In einer Deethanizer-First- oder Frontend-Deethanizer-Fraktionierung werden hingegen
Kohlenwasserstoffe mit drei und mehr, in einer Depropanizer-First- oder Frontend-
Depropanizer-Fraktionierung Kohlenwasserstoffe mit vier und mehr Kohlenstoffatomen
zuvor abgetrennt und gelangen daher nicht mehr in den Demethanizer.
[0029] Ungeachtet der anschließenden Fraktionierung wird ein Spaltgas eines Dampfspaltverfahrens
jedoch vor der Fraktionierung in geeigneter Weise aufbereitet. Details hierzu sind
unter Bezugnahme auf die beigefügte Figur 1 veranschaulicht. Diese Aufbereitung umfasst
insbesondere, da die Bearbeitung in einem Demethanizer eine Tieftemperaturtrennung
vorsieht, insbesondere die Abtrennung von Kohlendioxid und die Trocknung des Produktgemischs.
Ferner kann eine Entfernung von beispielsweise Kohlenmonoxid und anderer, nicht erwünschter
Komponenten vorgenommen werden. Insbesondere werden schwere Kohlenwasserstoffe der
Pyrolyseöl- und/oder Pyrolysebenzinfraktion stromauf des Demethanizers, Deethanizers
oder Depropanizers in einer Primärfraktionierung abgetrennt.
[0030] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die zumindest einem der mehreren Rohrreaktoren
zugeführte Verbrennungswärme durch Verbrennen eines wasserstoffreichen Gasgemischs
erzeugt wird. Auf diese Weise lassen sich die Kohlendioxidemissionen eines entsprechenden
Verfahrens besonders effizient reduzieren. Auch ein entsprechendes wasserstoffreiches
Gasgemisch kann von anlagenextern oder von anlagenintern bereitgestellt werden. Insbesondere
kann auch das wasserstoffreiche Gasgemisch unter Verwendung der durch die mehreren
Rohrreaktoren bereitgestellten und vereinigten Gasgemische gebildet werden, beispielsweise
ebenfalls in einem Demethanizer. Da in einem entsprechenden Demethanizer auch eine
Wasserstoff und Methan enthaltende Fraktion (die erwähnte Heizgasfraktion) anfallen
kann, kann auch diese genutzt werden. Durch den Wasserstoffanteil im Vergleich zu
beispielsweise Erdgas verringern sich auch hier die Emissionen.
[0031] Im Gegensatz zu herkömmlich betriebenen Rohrreaktoren zum Dampfspalten, in denen
typischerweise eine Beheizung mit ca. 10% extern bereitgestelltem Brennstoff und ca.
90% einer rückgeführten Heizgasfraktion erfolgt, können durch die Verbrennung von
Wasserstoff insbesondere die Kohlendioxidemissionen im Rahmen des Verfahrens gemäß
der soeben erläuterten Ausführungsform deutlich reduziert werden. Selbst wenn die
Wirtschaftlichkeit im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens möglicherweise unterhalb
der Wirtschaftlichkeit herkömmlich betriebener Rohrreaktoren liegt, besteht der große
Vorteil der vorliegenden Erfindung darin, dass die Emissionen drastisch reduziert
sind. Durch den Einsatz von Wasserstoff anstelle von Kohlenwasserstoffen als Brennstoff
können die bei der Beheizung des oder der entsprechenden Rohrreaktoren in herkömmlichen
Verfahren durch die Verfeuerung von Kohlenwasserstoffen unvermeidlichen Emissionen
auf null reduziert werden. Als Verbrennungsabgas des erfindungsgemäß vorgeschlagenen
Verfahrens wird dann idealerweise lediglich Wasserdampf gebildet. In allen Fällen
ist es möglich, beispielsweise um Minderangebote entsprechender Brennstoffe auszugleichen,
auch weitere geeignete als die genannten Brennstoffe einzusetzen
[0032] Neben dem jeweiligen Brennstoff können dem oder den Brennern in einem oder mehreren
mit Verbrennungswärme beheizten Rohrreaktoren auch ein oder mehrere Verbrennungsunterstützungsgase
wie Luft oder Sauerstoff zugeführt werden. Beispielsweise kann durch die Verwendung
von Sauerstoff oder sauerstoffangereicherter Luft als Verbrennungsunterstützungsgas
die Stickstoffkonzentration bei der Verbrennung reduziert werden. Auf diese Weise
kann auch die Emission von Stickoxiden gegenüber bekannten Verfahren, bei denen Verbrennungsluft
eingesetzt wird, beträchtlich verringert werden.
[0033] Wie bereits erläutert, kann es gemäß der vorliegenden Erfindung insbesondere vorgesehen
sein, den mehreren Rohrreaktoren ein Einsatzgasgemisch zuzuführen, das auf die Rohrreaktoren
verteilt wird. Wie erwähnt, kann dabei auch eine flexible Verteilung erfolgen, insbesondere
um den entsprechenden Angeboten an Elektrowärme bzw. Verbrennungswärme gerecht zu
werden.
[0034] Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung kann
auch eine erweiterte parallele Anordnung von Rohrreaktoren vorgenommen werden. In
diesem Fall sind zwei (oder mehr) Gruppen an parallel angeordneten Rohrreaktoren vorgesehen,
wobei ein den parallel angeordneten Rohrreaktoren einer Gruppe entnommenes Gasgemisch
den parallel angeordneten Rohrreaktoren einer anderen Gruppe zugeführt wird. Dies
ist insbesondere auch in der Figurenbeschreibung nochmals erläutert. Ein derartiges
Verfahren, bzw. die Verwendung von parallel angeordneten Rohrreaktoren an sich, hat
den besonderen Vorteil, dass Einsätze und Wärme gezielt auf diese verteilt werden
können und gleichzeitig auch eine besonders vorteilhafte Vor- und Nachwärmung von
entsprechenden Einsätzen vorgenommen werden kann.
[0035] Es kann also, mit anderen Worten, im Rahmen der vorliegenden Erfindung vorgesehen
sein, dass die mehreren Rohrreaktoren in mehreren Gruppen angeordnet sind, wobei die
Anzahl von Rohrreaktoren derart gewählt ist, dass jede dieser mehreren Gruppen mehrere
Rohrreaktoren umfasst, und wobei die Gasgemische, die jeweils unter Verwendung der
Rohrreaktoren einer Gruppe bereitgestellt und vereinigt werden, den Rohrreaktoren
einer anderen Gruppe zugeführt werden.
[0036] Auch in einer oder mehreren solcher Gruppen kann vorgesehen sein, die Beheizung unterschiedlicher
Rohrreaktoren unterschiedlich zu gestalten. Hierbei ergeben sich die zuvor erwähnten
Vorteile. Mit anderen Worten kann zumindest einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren
in zumindest einer der mehreren Gruppen die Verbrennungswärme und zumindest einem,
aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren in der zumindest einen der mehreren Gruppen
die Elektrowärme zugeführt werden. Besonders vorteilhaft kann sein, wenn zumindest
einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren in zumindest einer der mehreren
Gruppen nur die Verbrennungswärme und zumindest einem, aber nicht allen der mehreren
Rohrreaktoren in der zumindest einen der mehreren Gruppen nur die Elektrowärme zugeführt.
Auch hier sind sämtliche Ausgestaltungsvarianten möglich, die oben unter Bezugnahme
auf die parallele Anordnung grundsätzlich erläutert wurden. Auf die entsprechenden
Vorteile wird dabei verwiesen.
[0037] Neben den erfindungsgemäß vorgesehenen und wie oben erläutert betriebenen parallel
angeordneten Rohrreaktoren können auch zusätzliche Rohrreaktoren vorgesehen sein,
die seriell zu diesen parallel angeordneten Rohrreaktoren angeordnet sind. Beispielsweise
kann wenigstens ein weiterer Rohrreaktor bereitgestellt sein, der mit den unter Verwendung
der mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren bereitgestellten und vereinigten
Gasgemischen gespeist wird. Dieser weitere Rohrreaktor kann ebenfalls mit Elektro-
und/oder Verbrennungswärme beheizt werden, wie grundsätzlich zuvor erläutert. Durch
eine entsprechende Anordnung ist es möglich, in den parallel angeordneten Rohrreaktoren
einen Einsatz vorzuwärmen oder teilweise umzusetzen und den vorgewärmten bzw. teilweise
umgesetzten Einsatz dann in dem oder den seriell angeordneten zusätzlichen Rohrreaktoren
nachzuwärmen bzw. weiter umzusetzen.
[0038] Es kann alternativ oder zusätzlich auch wenigstens ein weiterer Rohrreaktor bereitgestellt
werden, unter dessen Verwendung ein Gasgemisch bereitgestellt wird, das den mehreren
parallel angeordneten Rohrreaktoren zugeführt wird. Ein entsprechender, seriell vor
den parallel angeordneten Rohrreaktoren angeordneter Rohrreaktor kann insbesondere
zur Vorwärmung verwendet werden. Dieser weitere Rohrreaktor kann ebenfalls mit Elektro-
und/oder Verbrennungswärme beheizt werden, wie grundsätzlich zuvor erläutert.
[0039] Weil im Rahmen der vorliegenden Erfindung teilweise ein Einsatz von Elektrowärme
erfolgt, stehen nicht in dem Umfang heiße Verbrennungsgase zur Verfügung, wie dies
in herkömmlichen betriebenen Rohrreaktoren der Fall ist. Daher steht auch für die
Erzeugung von Dampf in der Konvektionszone entsprechender Rohrreaktoren, die eingangs
erläutert wurde, eine geringere Energiemenge zur Verfügung. Daher kann es dazu kommen,
dass im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens erzeugter Dampf nicht mehr für den
Betrieb üblicherweise in einem entsprechenden Verfahren vorgesehenen Dampfturbinen
ausreicht. Daher sieht ein Verfahren gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung vor, das wenigstens eins mittels elektrischer Energie angetriebener
Verdichter zum Einsatz kommt. Dieser Verdichter kann beispielsweise zur sogenannten
Rohgasverdichtung eingesetzt werden, wie sie auch unter Bezugnahme auf die beigefügten
Figuren erläutert ist. Auch hier kann zum Antrieb des oder der Verdichter regenerativ
erzeugter elektrischer Energie eingesetzt werden.
[0040] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auch auf eine Anlage zur Herstellung von Olefinen
durch Dampfspalten, mit mehreren Rohrreaktoren, die dazu eingerichtet sind, jeweils
ein Gasgemisch bereitzustellen, und mit Mitteln, die dazu eingerichtet sind, die unter
Verwendung der mehreren Rohrreaktoren bereitgestellten Gasgemische zu vereinigen.
Erfindungsgemäß sind Mittel vorgesehen, die dafür eingerichtet sind, zumindest einem,
aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren Verbrennungswärme, die durch Verfeuern
wenigstens eines Brennstoffs erzeugt wird, zuzuführen, und Mittel, die dafür eingerichtet
sind, zumindest einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren Elektrowärme, die
mittels elektrischer Energie erzeugt wird, zuzuführen.
[0041] Eine derartige Anlage ist vorzugsweise zur Durchführung eines Verfahrens eingerichtet,
wie es zuvor erläutert wurde, und weist hierzu entsprechend eingerichtete Mittel auf.
Auf die entsprechende Merkmale und Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens, die
zuvor ausdrücklich erläutert wurden, sei daher ausdrücklich verwiesen.
[0042] Die vorliegende Erfindung wird anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele in den beigefügten
Zeichnungen näher erläutert.
[0043] Kurze Beschreibung der Zeichnung
Figur 1 zeigt ein Verfahren gemäß einer Ausführungsform der Erfindung.
Figuren 2A bis 2C zeigen in einem Verfahren gemäß einer Ausführungsform der Erfindung
einsetzbare Reaktoranordnungen.
Ausführliche Beschreibung der Zeichnung
[0044] In Figur 1 ist ein emissionsreduziertes Verfahren zur Herstellung von Olefinen gemäß
einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung schematisch veranschaulicht und insgesamt
mit 100 bezeichnet. Wird nachfolgend das Verfahren beschrieben, gelten die entsprechenden
Erläuterungen für eine Anlage gemäß einer Ausführungsform der Erfindung in gleicher
Weise.
[0045] Das in Figur 1 gezeigte Verfahren 100 umfasst eine Deethanizer-First-Fraktionierung
eines Spaltgases. Wie mehrfach erläutert, eignet sich die vorliegende Erfindung aber
in gleicher Weise für den Einsatz anderen Fraktionierungen, beispielsweise in einer
Deethanizer- oder Depropanizer-First-Fraktionierung.
[0046] In dem Verfahren 100 werden mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10 bzw.
dessen oder deren Reaktionsrohren ein oder mehrere Kohlenwasserstoffströme a und ein
oder mehrere Dampfströme b zugeführt. Den mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren
10 können seriell ein oder mehrere Rohrreaktoren vor- oder nachgeschaltet sein (nicht
gezeigt). Auch eine Dampferzeugung erst in dem oder den Rohrreaktoren ist möglich.
In den mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10, insbesondere deren Konvektionszone
oder Konvektionszonen, können dabei der oder die Kohlenwasserstoffströme und der oder
die Dampfströme vorgewärmt oder überhitzt werden. Auch eine Dampferzeugung ist möglich.
Auch weitere Ströme, beispielsweise Verbrennungsluft, können entsprechend erwärmt
werden. Details zu im Rahmen der vorliegenden Erfindung einsetzbaren mehreren parallel
angeordneten Rohrreaktoren 10 sind in den nachfolgenden Figuren 2A bis 2C veranschaulicht.
[0047] Gemäß der in Figur 1 veranschaulichten Ausführungsform der Erfindung wird einer oder
ein Teil der mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10 unter Verwendung von
Verbrennungswärme beheizt, die unter Verwendung eines oder mehrerer überwiegend oder
ausschließlich Wasserstoff enthaltender Ströme c erzeugt wird, dessen oder deren Gewinnung
nachfolgend noch ausführlich erläutert wird. Auch ein oder mehrere weitere Brennstoffströme
oder beispielsweise im Prozess abgetrenntes Methan oder ein Heizgasstrom aus einem
Demethanizer können alternativ oder zusätzlich zur Bereitstellung der Verbrennungswärme
verwendet werden. Dies ist mit einem Strom d veranschaulicht. Die Beheizung eines
oder mehrerer anderer der mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10 erfolgt
unter Verwendung von elektrischem Strom, wie in Form eines Pfeils e veranschaulicht.
Generell ist der Betrieb unterschiedlicher Rohrreaktoren 10 unter Verwendung unterschiedlicher
Energiequellen möglich, wie oben erläutert.
[0048] In den mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10 und ggf. unter Verwendung
vor- oder nachgeschalteter Rohrreaktoren wird ein Spaltgas erzeugt, das in Form eines
Stroms f einer oder mehreren Quencheinrichtungen 101 zugeführt werden kann. Hierbei
können eine Kühleinrichtung in Form eines Linearkühlers (Primärquench) und eine Ölsäule
(Sekundärquench, Ölquench) verwendet werden. Das entsprechend abgekühlte Spaltgas
kann in Form eines Stroms g in eine Primärfraktionierung überführt werden, wo Pyrolyseheizöl
in Form eines Stroms h abgetrennt werden kann. Das entsprechend primärfraktionierte
Spaltgas kann dann in Form eines Stroms i einer Wasserwäsche 103 zugeführt werden.
In der Wasserwäsche 103 kann mittels Waschwasser Pyrolysebenzin in Form eines Stroms
k aus dem Spaltgas abgetrennt werden. Bei der Wasserwäsche wird auch der noch vorhandene
Prozessdampf kondensiert. Das dabei anfallende Wasser kann in Form eines Stroms I
zu Prozessdampf umgesetzt werden, der zusammen mit dem Strom b in die parallel angeordneten
Rohrreaktoren 10 eingespeist werden kann. Wie erwähnt, kann auch erst in den Rohrreaktoren
10 bzw. deren Konvektionszonen eine Dampferzeugung erfolgen.
[0049] Stromab der Wasserwäsche kann das Spaltgas in Form eines Stroms m in einer ersten
Verdichtung 104 unterworfen werden, in der weiteres Pyrolysebenzin in Form eines Strom
n anfallen kann. Der Strom n kann mit dem Strom k vereinigt werden. Das teilweise
verdichtete Spaltgas kann anschließend einer Sauergasentfernung 105 unterworfen werden,
in der beispielsweise Kohlendioxid in Form eines Stroms p abgetrennt werden kann.
Das auf diese Weise bearbeitete Spaltgas kann nun in Form eines Stroms r einer weiteren
Verdichtung 106 unterworfen werden. Nach einer entsprechenden Verdichtung kann das
Spaltgas in Form eines Stroms s einer Trocknung und Kühlung 107 und anschließend in
Form eines Stroms t einer Deethanisierung 108 unterworfen werden.
[0050] In der Deethanisierung 108 kann eine Fraktion gebildet werden, die überwiegend oder
ausschließlich Kohlenwasserstoffe mit drei und mehr Kohlenstoffatomen enthält, also
eine C3plus-Fraktion. Diese kann in Form eines entsprechenden Stroms, hier mit C3+
veranschaulicht, abgezogen werden. In der Deethanisierung kann ferner eine Fraktion
gebildet werden, die überwiegend oder ausschließlich Wasserstoff, Methan und Kohlenwasserstoffe
mit zwei Kohlenstoffatomen, darunter Ethan, Ethylen und Acetylen, enthält. Diese kann
in Form eines entsprechenden Stroms, hier mit u bezeichnet, einer C2-Hydrierung 109
zugeführt werden. In der C2-Hydrierung 109 kann Acetylen zu Ethylen hydriert werden.
Anstelle einer C2-Hydrierung kann auch beispielsweise eine sogenannte Frontend-Hydrierung
eingesetzt werden. In der C2-Hydrierung wird ein Gasgemisch erhalten, das nun noch
überwiegend oder ausschließlich Wasserstoff, Methan, Ethan und Ethylen enthält.
[0051] Dieses, auch als C2minus-Fraktion bezeichnete Gasgemisch kann in Form eines Stroms
C2- einer Demethanisierung 110 zugeführt werden. In der Demethanisierung 110 kann
ein überwiegend oder ausschließlich Wasserstoff enthaltender Strom H
2 und ein überwiegend oder ausschließlich Methan enthaltender Strom CH
4 gebildet werden. Es kann auch zunächst ein Strom gebildet werden, der Wasserstoff
und Methan enthält, und der dann in den überwiegend oder ausschließlich Wasserstoff
enthaltenden Strom H
2 und den überwiegend oder ausschließlich Methan enthaltenden Strom CH
4 aufgetrennt wird. Der überwiegend oder ausschließlich Wasserstoff enthaltende Strom
H
2 kann gemäß der hier dargestellten Ausführungsform der Erfindung in Form des Stroms
c einem oder einem Teil der mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10 zur Beheizung
verwendet werden. Der überwiegend oder ausschließlich Methan enthaltende Strom CH
4 kann grundsätzlich ebenfalls hierfür verwendet werden, beispielsweise alternativ
oder zusätzlich zu dem Strom c als Strom d. Auch ein Wasserstoff und Methan enthaltender
Strom aus der Demethanisierung kann als Strom d verwendet werden.
[0052] Die überwiegend oder vollständig von Wasserstoff und Methan befreite Fraktion, die
nun noch überwiegend oder ausschließlich Ethan und Ethylen enthält, also eine C2-Fraktion,
kann nun in Form eines Stroms C2 einem C2-Splitter 111 zugeführt und in diesem in
eine Ethylen- und eine Ethanfraktion getrennt werden. Die Ethylenfraktion kann in
Form eines Stroms C
2H
4 als Produkt ausgeführt werden, die Ethanfraktion kann in Form eines Stroms C
2H
6 in den oder die Rohrreaktoren 10 zurückgeführt und dort weiter umgesetzt werden.
[0053] Nicht veranschaulicht ist die weitere Behandlung des Stroms C3+. Beispielsweise können
in einem entsprechenden Verfahren eine Depropanisierung, Debutanisierung, C3-Hydrierung
und ein C3-Splitter vorgesehen sein.
[0054] In den Teilfiguren 2A bis 2C der Figur 2 sind Anordnungen mit jeweils mehreren Rohrreaktoren
gezeigt, die in einem Verfahren gemäß einer Ausführungsform der Erfindung, beispielsweise
einem Verfahren 100 gemäß Figur 1 zum Einsatz kommen können. Die jeweils bereits zu
Figur 1 erwähnten, mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren sind auch hier mit
10 bezeichnet, die entsprechenden Einzelreaktoren der mehreren parallel angeordneten
Rohrreaktoren 10 mit 10a bis 10d.
[0055] Wie in Teilfigur 2A veranschaulicht, können den mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren
10 dabei jeweils Anteile eines Kohlenwasserstoffstroms a und eines Dampfstroms b zugeführt.
Es ist aber grundsätzlich auch möglich, Wasser und Dampf nicht aus einer gemeinsamen
Quelle bereitzustellen. Beispielsweise können den Rohrreaktoren 10a und 10b unterschiedliche
Kohlenwasserstoffeinsätze zugeführt werden, einem der Einsätze kann ein weiterer Kohlenwasserstoffstrom
zugespeist werden usw. Die Aufteilung ist beliebig. Die unter Verwendung der Rohrreaktoren
10a und 10b bereitgestellten Gasgemische, also das Spaltgas, werden zu dem bereits
in Figur 1 gezeigten Strom f vereinigt.
[0056] Wie in Teilfigur 2A veranschaulicht, wird der Rohrreaktor 10a mittels Elektrowärme,
wie in Figur 1 mit Strom e veranschaulicht, der Rohrreaktor 10b hingegen mit Verbrennungswärme
beheizt. Die Verbrennungswärme wird dabei unter Verwendung des Stroms c und/oder des
Stroms d bereitgestellt. Zu weiteren Erläuterungen sei auf Figur 1 verwiesen. Die
Verbrennungswärme kann also unter Verwendung unterschiedlicher Brennstoffe bereitgestellt
werden.
[0057] Gemäß Teilfigur 2B ist den mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10 ein weiterer
Rohrreaktor 10c seriell nachgeschaltet, der im dargestellten Beispiel mit Verbrennungswärme
beheizt wird, die dabei unter Verwendung des Stroms c und/oder des Stroms d bereitgestellt
wird. Alternativ oder zusätzlich ist aber auch eine elektrische Beheizung möglich.
Die unter Verwendung der Rohrreaktoren 10a und 10b bereitgestellten Gasgemische, also
ein beispielsweise ein erst teilweise umgesetztes Spaltgas, wird zu einem Strom x
vereinigt, der dem weiteren Rohrreaktor 10c zugeführt und dort weiter zu dem Strom
f bearbeitet wird.
[0058] Gemäß Teilfigur 2C ist den mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10 ein weiterer
Rohrreaktor 10d seriell vorgeschaltet, der im dargestellten Beispiel mit Verbrennungswärme
beheizt wird, die dabei unter Verwendung des Stroms c und/oder des Stroms d bereitgestellt
wird. Alternativ oder zusätzlich ist aber auch eine elektrische Beheizung möglich.
Die unter Verwendung der Rohrreaktoren 10a und 10b bereitgestellten Gasgemische, also
ein beispielsweise ein erst teilweise umgesetztes Spaltgas, werden zu dem Strom f
vereinigt. Dem Rohrreaktor 10d kann der Kohlenwasserstoffstrom a zugeführt werden.
Ferner kann dem Rohrreaktor 10d ein Dampfstrom zugeführt werden (nicht veranschaulicht).
Der Rohrreaktor 10d kann zur Vorwärmung oder teilweisen Umsetzung der Kohlenwasserstoffe
des Kohlenwasserstoffstroms a verwendet werden. Ein hierbei erhaltenes Gasgemisch
kann in Form eines Stroms y den mehreren parallel angeordneten Rohrreaktoren 10 zugeführt
werden.
[0059] Anstelle des einzelnen Rohrreaktors 10c bzw. 10d der Teilfiguren 2B und 2C können
auch jeweils mehrere parallel angeordnet Rohrreaktoren vorgesehen sein. In dieser
Ausgestaltung können mehrere repetitive Einheiten an Rohrreaktoren 10a und 10b in
entsprechenden Gruppen seriell hintereinander angeordnet sein.
1. Emissionsreduziertes Verfahren (100) zur Herstellung von Olefinen durch Dampfspalten,
bei dem unter Verwendung mehrerer Rohrreaktoren (10, 10a-10d) jeweils ein Gasgemisch
bereitgestellt wird, wobei die unter Verwendung der mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d)
bereitgestellten Gasgemische vereinigt werden, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) Verbrennungswärme,
die durch Verfeuern wenigstens eines Brennstoffs erzeugt wird, zugeführt wird, und
dass zumindest einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) Elektrowärme,
die mittels elektrischer Energie erzeugt wird, zugeführt wird.
2. Verfahren (100) nach Anspruch 1, bei dem zumindest einem der mehreren Rohrreaktoren
(10, 10a-10d) nur die Verbrennungswärme und zumindest einem der mehreren Reaktoren
(10, 10a-10d) nur die Elektrowärme zugeführt wird.
3. Verfahren (100) nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die zumindest einem der mehreren Rohrreaktoren
(10, 10a-10d) zugeführte Verbrennungswärme durch Verbrennen eines methanreichen Gasgemischs
erzeugt wird.
4. Verfahren (100) nach Anspruch 3, bei dem das methanreiche Gasgemisch unter Verwendung
der durch die mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) bereitgestellten und vereinigten
Gasgemische gebildet wird.
5. Verfahren (100) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem die zumindest einem
der mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) zugeführte Verbrennungswärme durch Verbrennen
eines wasserstoffreichen Gasgemischs erzeugt wird.
6. Verfahren (100) nach Anspruch 5, bei dem das wasserstoffreiche Gasgemisch unter Verwendung
der durch die mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) bereitgestellten und vereinigten
Gasgemische gebildet wird.
7. Verfahren (100) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem zumindest zweien der
mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) ein Einsatzgasgemisch zugeführt wird, das auf
die zumindest zwei Rohrreaktoren (10, 10a-10d) verteilt wird.
8. Verfahren (100) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem die mehreren Rohrreaktoren
(10, 10a-10d) in mehreren Gruppen angeordnet sind, wobei die Anzahl von Rohrreaktoren
(10, 10a-10d) derart gewählt ist, dass jede dieser mehreren Gruppen mehrere Rohrreaktoren
(10, 10a-10d) umfasst, und die Gasgemische, die jeweils unter Verwendung der Rohrreaktoren
(10, 10a-10d) einer Gruppe bereitgestellt und vereinigt werden, den Rohrreaktoren
(10, 10a-10d) einer anderen Gruppe zugeführt werden.
9. Verfahren (100) nach Anspruch 6, bei dem zumindest einem, aber nicht allen der mehreren
Rohrreaktoren (10, 10a-10d) in zumindest einer der mehreren Gruppen die Verbrennungswärme
und zumindest einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) in
der zumindest einen der mehreren Gruppen die Elektrowärme zugeführt wird.
10. Verfahren (100) nach Anspruch 9, bei dem zumindest einem, aber nicht allen der mehreren
Rohrreaktoren (10, 10a-10d) in zumindest einer der mehreren Gruppen nur die Verbrennungswärme
und zumindest einem, aber nicht allen der mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) in
der zumindest einen der mehreren Gruppen nur die Elektrowärme zugeführt wird.
11. Verfahren (100) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem wenigstens ein weiterer
Rohrreaktor (10, 10a-10d) bereitgestellt ist, der mit den unter Verwendung der mehreren
Rohrreaktoren (10, 10a-10d) bereitgestellten und vereinigten Gasgemischen gespeist
wird.
12. Verfahren (100) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem wenigstens ein weiterer
Rohrreaktor (10, 10a-10d) bereitgestellt ist, unter dessen Verwendung ein Gasgemisch
bereitgestellt wird, das den mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) nach einem der vorstehenden
Ansprüche zugeführt wird.
13. Anlage zur Herstellung von Olefinen durch Dampfspalten, mit mehreren Rohrreaktoren
(10, 10a-10d), die dazu eingerichtet sind, jeweils ein Gasgemisch bereitzustellen,
und mit Mitteln, die dazu eingerichtet sind, die unter Verwendung der mehreren Rohrreaktoren
(10, 10a-10d) bereitgestellten Gasgemische zu vereinigen, dadurch gekennzeichnet, dass Mittel vorgesehen sind, die dafür eingerichtet sind, zumindest einem, aber nicht
allen der mehreren Rohrreaktoren (10, 10a-10d) Verbrennungswärme, die durch Verfeuern
wenigstens eines Brennstoffs erzeugt wird, zuzuführen, und dass Mittel vorgesehen
sind, die dafür eingerichtet sind, zumindest einem, aber nicht allen der mehreren
Rohrreaktoren (10, 10a-10d) Elektrowärme, die mittels elektrischer Energie erzeugt
wird, zuzuführen.
14. Anlage nach Anspruch 13, die zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der vorstehenden
Ansprüche eingerichtet ist.