[0001] Kompressionsartikel dienen dem Bandagieren von Gliedmaßen und/oder Gelenken. Sie
werden außerdem zur Behandlung von Ödemen eingesetzt.
[0002] Zur Ödembehandlung sind insbesondere Bein- oder Armstrümpfe, aber auch Handschuhe
mit und ohne Finger im Einsatz. Diese Artikel werden in der Regel nur tagsüber getragen.
Sie sind mittlerweile durchaus modisch gestaltet und fallen kaum noch als medizinische
Produkte auf. Die gebräuchlichen Kompressionsartikel sind teilweise der Patientenanatomie
sehr gut angepasst bzw. passen sich dieser sehr gut an und können einen patientenindividuellen
Kompressionsdruck und Kompressionsdruckverlauf aufweisen. Dadurch sind diese Produkte
sicher in der Anwendung und gewährleisten die therapeutische Wirksamkeit.
[0003] Schwerere Ödeme werden insbesondere nachts dadurch behandelt, dass die betroffenen
Extremitäten mit Bandagen zur Kompressionstherapie umwickelt werden. Das Bandagieren
wird meist von den Patienten selbst durchgeführt, was ein gewisses Geschick und Erfahrung
erfordert. Die Bandagen werden meist mehrlagig aufgebracht, wobei die unterschiedlichen
Lagen unterschiedliche Funktionen übernehmen. Eine erste Lage ist meist eine Hautschutz-
und Polster/Druckverteilungslage, eine weitere die eigentliche Kompressionslage. Die
Kompressionstherapie ist nur dann wirksam, wenn die Bandagen der Kompressionslage
straff genug angelegt werden, sodass die gestaute Flüssigkeit in die Lymphgefäße und
in die Venen abfließen kann. Andererseits muss aber darauf geachtet werden, dass es
beim Bandagieren zu keinen Einschnürungen an den Gliedmaßen kommt und ein erholsamer
Schlaf weiterhin möglich ist. Vielfach werden Bandagen aus therapeutischer Sicht mit
zu geringer Kompression oder ungünstigen Kompressionsverläufen entlang des Gliedmaßes
und damit falsch angelegt.
[0004] Bei Verletzungen sind herkömmliche Kompressionsartikel ebenfalls nur bedingt einsetzbar,
da offene Wunden sehr empfindlich für Druckspitzen sind. Ebenso müssen knöcherne und
andere Erhebungen an den Gliedmaßen vor Druckspitzen geschützt werden.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Kompressionsartikel
bereitzustellen, der eine verbesserte Verteilung des Kompressionsdruckverlaufs sowie
eine bessere Polsterung ermöglicht als bekannte Kompressionsartikel und der auch derart
gestaltet werden kann, dass er als Ersatz für das Bandagieren zur Kompressionstherapie
einsetzbar ist.
[0006] Die Aufgabe wird gelöst durch einen Kompressionsartikel mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1.
[0007] Der Kompressionsartikel kann ein im Wesentlichen schlauchförmiges Gebilde sein, das
über das zu stützende Körperteil ziehbar ist. Der Kompressionsartikel kann dazu beispielsweise
als Arm- oder Beinstrumpf, als Handschuh oder als Bandage ausgebildet sein und einfach
über das entsprechende Körperteil gezogen werden.
[0008] Alternativ oder zusätzlich kann der Kompressionsartikel über eine Verschlusseinrichtung
verfügen, mit der er an dem zu stützenden oder komprimierenden Körperteil festlegbar
ist. Als Verschlusseinrichtungen kommen beispielsweise Reißverschlüsse, Klettverschlüsse,
Riemen, Bänder oder aufrollbare Schnüre oder Drähte oder Kombinationen daraus in Frage,
die in Umfangsrichtung z.B. distal am Kompressionsartikel angeordnet sind. Die Verschlusseinrichtungen
können dabei auch derart gestaltet sein, dass mit ihrer Hilfe der Kompressionsartikel
unterschiedlich straff angelegt werden kann. Dies ist insbesondere dann von Vorteil,
wenn der Kompressionsartikel zur Kompressionstherapie nach den Grundsätzen der komplexen
physikalischen Entstauungstherapie eingesetzt werden soll. Mit zunehmendem Ausleiten
der Gewebsflüssigkeit verringert sich der Umfang des Körperteils. Mit Hilfe der Verschlusseinrichtung
lässt sich dies ausgleichen, sodass der gewünschte Kompressionsdruck durch den Kompressionsartikel
aufrechterhalten werden kann. Ferner kann durch Öffnen der Verschlusseinrichtung das
Anziehen des Artikels erleichtert werden, beim Wiederschließen wird der vorgesehene
Kompressionsdruck wieder hergestellt.
[0009] Durch die beiden Deckschichten und die verbindende Zwischenlage lassen sich sehr
viel stärkere Variationen des Kompressionsdrucks und der Kompressionscharakteristik
- der Veränderung des Kompressionsdrucks durch Dehnung des Materials (Elastizitätsmodul)
- realisieren als bei einlagigen Kompressionsartikeln. Die Elastizität bzw. der Elastizitätsverlauf
der beiden Deckschichten kann unterschiedlich sein. Die verbindende Zwischenlage kann
eine geringere oder eine höhere Elastizität und/oder einen abweichenden Elastizitätsverlauf
als die Deckschichten aufweisen. Die für die Kompressionstherapie von Ödemen erforderlichen
Druckverteilungen und gewünschten Kompressionscharakteristiken können damit problemlos
nachgebildet werden.
[0010] Sind Verschlusseinrichtungen vorgesehen, so kann mit diesen der Kompressionsdruck
eingestellt werden, wobei Hilfsmittel, insbesondere Markierungen, vorgesehen sind,
die die Druckeinstellung erleichtern. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn
Ödeme behandelt werden sollen, die eine schrittweise Erhöhung des Kompressionsdruckes
erfordern. Neben Markierungen können auch Beschriftungen oder mit einer Anzeigeeinrichtung
versehene Druckmesseinrichtungen vorgesehen sein.
[0011] Im entspannten Zustand des Kompressionsartikels können die Deckschichten vorzugsweise
zwischen 0,5 mm und 5 mm dick sein und die Zwischenlage zwischen 1 mm und 20 mm. Das
Verhältnis der Dicke der Zwischenlage zu der Dicke einer Deckschicht kann bis zu 40
betragen. Besonders bewährt haben sich Deckschichten mit einer Dicke von 0,5 bis 3
mm und eine Zwischenlage mit einer Dicke von 2 bis 10 mm, ganz besonders bewährt haben
sich Deckschichten mit einer Dicke von 0,5 bis 2 mm und eine Zwischenlage mit einer
Dicke von 3 bis 7 mm. Wenn die Dicke der Zwischenschicht über den Artikel variiert,
so wird die größte Dicke innerhalb der Struktur zur Dickenbestimmung herangezogen.
[0012] Die Dicke des Artikels unter Druckbelastung kann sich im Laufe des Gebrauchs durch
Materialermüdung verändern. Nach 1000 Prüfzyklen kann die plastische, d.h. bleibende
Verformung des Artikels vorzugsweise im Bereich von maximal 60%, bevorzugt von maximal
50% und besonders bevorzugt von maximal 40% und die elastische Verformung im Bereich
von wenigstens 5% bis 100%, bevorzugt von mindestens 10% bis 100% und besonders bevorzugt
von mindestens 15% bis 100% liegen. Dabei wird die Anfangs- und Enddicke einer Probe
nach DIN EIN ISO 5084 bestimmt. Dazwischen wird die Probe je Prüfzyklus für eine Minute
mit einer Flächenlast von 3,82 N/cm2 belastet. Die Kraftreaktion des Artikels auf
die Druckbelastung verläuft vorzugsweise (im mathematischen Sinne) stetig, die Kraft
steigt kontinuierlich mit dem Eindrücken des Materials an. Kleinere Bereiche von max.
25% Eindrückungsweg, bevorzugt jedoch 15%, gemessen an der Ausgangsdicke, über die
Kraft nicht ansteigt, können akzeptiert werden.
[0013] Die Steifigkeit des Kompressionsartikels in Umfangsrichtung kann vorzugsweise zwischen
2 bis 30 mm Hg/cm betragen, wobei der Druckanstieg bei einer Vergrößerung des Umfangs
um 1 cm gemessen wird. Bevorzugt beträgt die Steifigkeit 3 bis 20 mmHg/cm und besonders
bevorzugt 4 bis 15 mmHg/cm und ganz besonders bevorzugt 4 bis 9 mmHg/cm. Um die Steifigkeit
zu ermitteln, werden in Anlehnung an die RAL-GZ 387 jeweils 6cm breite und 24cm lange
Streifen des Strickmaterials in Querdehnungsrichtung mit einer Einspannlänge von 20cm
in der Zwick-Zugprüfmaschine eingespannt und mit einer Geschwindigkeit von 200mm/min
jeweils 6 Mal um 20% gedehnt. Zur Berechnung der für die Steifigkeit maßgeblichen
Kompressionswerten wird der Kraftwert im 6ten Zug-Zyklus bei 15% Dehnung und bei 20%
Dehnung mit den jeweiligen Körpermaßen 23cm bzw. 24cm verwendet. Die Steifigkeit ist
die Differenz der beiden Werte.
[0014] Mindestens eine der Deckschichten kann vorzugsweise aus einem textilen Material hergestellt
sein. Weist diese zur Haut des Trägers, so ergibt sich ein vergleichsweise hoher Tragekomfort
des Kompressionsartikels.
[0015] Die Zwischenfage kann fest mit mindestens einer der Deckschichten verbunden oder
auch in mindestens eine der Deckschichten integriert sein. Hierdurch ergibt sich ein
fester Verbund aus den verschiedenen Lagen.
[0016] Weitere Vorteile ergeben sich, wenn die Zwischenlage mindestens teilweise aus Monofilamenten
hergestellt ist. Monofilamentfäden sind auf relativ günstige Weise in der gewünschten
Qualität, insbesondere hinsichtlich ihrer Biegesteifigkeit und Verarbeitbarkeit, herstellbar.
[0017] Um den erforderlichen Kompressionsdruck zu erzeugen bzw. auf das Körperteil übertragen
zu können, können die Monofilamente vorzugsweise in einem Winkel zwischen 30° und
90°, bevorzugt zwischen 45° und 90° zu den Deckschichten angeordnet sein. In Versuchen
haben sich Winkel zwischen 65° und 85° als besonders vorteilhaft erwiesen.
[0018] Die Monofilamente können alle aus dem gleichen Material oder aus verschiedenen Materialien,
vorzugsweise aus Polyester, Polyamid oder Polyolefin oder anderen extrudierbaren,
thermoplastischen Materialien hergestellt sein.
[0019] Der Titer der einzelnen Monofilamente kann zwischen 10 dtex und 2240 dtex betragen.
Besonders vorteilhaft sind Titer zwischen 22 und 1000 dtex, besonders bevorzugt sind
Titer zwischen 40 und 500 dtex. Die Monofilamente können dabei einzeln oder gefacht
oder gezwirnt verarbeitet werden, sodass die resultierende Materialstärke anwendungsbezogen,
auch in einem Artikel, variiert werden kann. Der Querschnitt der Monofilamente kann
rund sein oder andere Querschnittsformen aufweisen, die in geeigneter Weise das Flächenträgheitsmoment
der Monofile beeinflussen, z.b. Trilobal. Ferner können die individuellen Monofilamente
aus mehreren Materialien, z.b. als Bicomponentenmonofilament mit einer side-by-side
oder einer sheath-core Anordnung hergestellt sein. Die Materialien können hierbei
unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, z.B. unterschiedliche Schmelzpunkte oder
unterschiedliche molekulare Orientierungen oder Orientierungs- bzw. Kristallisationsgrade
aufweisen. Durch späteres Erwärmen des Artikels kann damit z.B. an den Berührpunkten
der Monofilamente untereinander eine Verklebung erreicht werden, die eine Erhöhung
der Druckstabilität des Materials bewirkt.
[0020] Besondere Vorteile lassen sich erzielen, wenn der Kompressionsartikel aus einem Gestrick
oder Gewirk hergestellt ist, das wenigstens bereichsweise als Abstandsgestrick oder
-gewirk ausgebildet ist, wobei die obere und untere Gestricklage die Deckschichten
bilden und die Polfäden die Zwischenlage.
[0021] Das Abstandsgestrick oder -gewirk kann komplett auf einer Strick- oder Wirkmaschine
produziert werden. Das Abstandsgestrick oder -gewirk hat außerdem einen polsternden
und druckverteilenden Effekt. Somit lassen sich auch Gliedmaßen mit Haut- oder Gewebeverletzungen
noch mit einem solchen Kompressionsartikel versorgen. Der Kompressionsartikel kann
dabei vollständig als Abstandsgestrick ausgebildet sein oder nur bereichsweise. Bei
Armstrümpfen hat sich im Hand- oder Fußbereich ein Anteil von ca. 20% an Abstandsgestricken
oder mehr und im Arm- oder Beinbereich von ca. 40% bewährt. Bevorzugt wird die Gestaltung
mit ca. 50% oder mehr im Hand- und Fußbereich und mit 80 bis 100% im Arm- oder Beinbereich.
Andere Ausführungen mit anderen Anteilen des Abstandsgestricks am Gesamtprodukt für
andere Körperteile, z. B. den Torso oder den Genitalbereich, sind ebenfalls möglich.
Der Kompressionsartikel bedeckt dabei sinnvollerweise bis zu 100% des zu behandelnden
Gliedmaßes, kann aber auch lediglich einen Teil des Gliedmaßes bedecken, z.B. um Kombinationen
mit anderen Kompressionsprodukten zu ermöglichen. Bevorzugt deckt er aber mindestens
30% der Länge des Gliedmaßes (Arm, Bein) ab. Besonders bevorzugt kann es aber auch
bis zu 50% des Körperteils in dessen Längsrichtung abdecken.
[0022] Die Polfäden können dabei zumindest teilweise elastische Fäden sein. Soll dagegen
die Druckstabilität des Kompressionsartikels zumindest in einigen Bereichen erhöht
werden, können auch nicht elastische Polfäden verwendet werden. Die Polfäden können
aus Monofilamenten gebildet sein, wobei mehrere Monofilamente parallel in einer Bindung
verstrickt werden können.
[0023] Weitere Vorteile lassen sich erzielen, wenn der Abstand der beiden Deckschichten
über die Oberfläche des Kompressionsartikels variiert. Der Kompressionsartikel liegt
dann nicht mehr vollflächig auf dem Körperteil auf, sondern nur in den Bereichen,
in denen der Abstand der Deckschichten größer ist, das heißt das Abstandsgestrick
eine kissenartige Struktur hat. Dadurch lassen sich Massageeffekte der Haut und des
Gewebes erzielen. In einigen Bereichen des Kompressionsartikels kann auch der Auflagedruck
verringert werden, wodurch empfindliche Körperstellen geschont werden können und sich
der Tragekomfort des Kompressionsartikels erhöht.
[0024] Vorzugsweise kann das Abstandsgestrick dabei durch den variierenden Abstand der beiden
Deckschichten eine regelmäßige, z.B. waffelartige oder rautenartige Struktur aufweisen.
Die Struktur kann jedoch auch unregelmäßig sein.
[0025] Bei einer bevorzugten Ausgestaltung des Kompressionsartikels sind zwischen die Deckschichten
Schussfäden und/oder Kettfäden eingelegt oder an mindestens eine Deckschicht angebunden.
Die Schussfäden können dabei zumindest teilweise elastische Fäden sein. Mit Hilfe
der Schussfäden lässt sich der Kompressionsdruck des Artikels weiter regulieren. Mit
derselben Bindung und demselben Fadenmaterial für die Deckschichten lassen sich somit
Kompressionsartikel mit unterschiedlichen Druckeigenschaften herstellen.
[0026] Ist der Kompressionsartikel ein auf einer Flachstrickmaschine hergestelltes Gestrick,
so ergeben sich hinsichtlich der Formgebung, Musterung und Bindungsart die meisten
Freiheitsgrade bei der Herstellung des Artikels. Er kann auch maßgenau dem Körper
eines Patienten angepasst werden.
[0027] Vorzugsweise kann der Kompressionsartikel dabei eine dreidimensionale Struktur aufweisen
und dadurch dem zu stützenden Körperteil in der Form angepasst werden. Durch ein vorab
festgelegtes Verhältnis zwischen den Körperteilmaßen und den Maßen des Kompressionsartikels
kann in Abhängigkeit von der Elastizitätscharakteristik des Materials ein vorab festgelegter
Kompressionsdruck oder Kompressionsdruckbereich und Kompressionsdruckverlauf erzielt
werden. Die dabei notwendige Dehnung des Materials in Umfangsrichtung sollte bevorzugt
bei 5% oder mehr liegen um die notwendige Flexibilität bei der Anwendung sicherzustellen.
Bevorzugt überschreitet die zur Erreichung der Kompression notwendige Dehnung 100%
nicht, um das Anziehverhalten nicht negativ zu beeinflussen. Besonders vorteilhaft
ist eine Dehnung, die zur Erreichung des festgelegten Kompressionsdruckbereiches notwendig
ist, in Umfangsrichtung von 2% bis 50% und ganz besonders bevorzugt von 5% bis 25%.
[0028] Die Elastizität des Materials/des Artikels in Längsrichtung des Gliedmaßes liegt,
gemessen nach RAL GZ 387 (Ausgabe 1 oder 2 entsprechend des Styles) zwischen 5% und
200%. Bevorzugt kann die Längselastizität 20% bis 100% und besonders bevorzugt 30%
bis 75% betragen. Die Elastizität des Materials kann partiell eingeschränkt werden
(z.b. durch Applikationen oder Laminierung mit weiteren Materialien oder Anpassung
des Gestricks).
[0029] Das Abstandsgestrick kann sich bevorzugt über den gesamten Umfang des Kompressionsartikels
erstrecken. Außerdem kann der Kompressionsartikel quer- und längselastisch sein, um
den gewünschten Tragekomfort und die gewünschte therapeutische Wirkung zu erzielen.
Vorzugsweise wird der Artikel dabei derart gestrickt, dass die Maschenreihenrichtung
der Deckschichten der Umfangsrichtung des Kompressionsartikels entspricht.
[0030] Im Folgenden werden bevorzugte Ausführungsbeispiele erfindungsgemäßer Kompressionsartikel
mit Bezug auf die Zeichnung näher beschrieben.
[0031] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Ansicht eines Beinstrumpfes;
- Fig. 2
- eine Schnittansicht durch das Gestrick des Beinstrumpfes aus Fig. 1;
- Fig. 3
- eine schematische Ansicht einer Kniebandage mit Reißverschluss.
[0032] Der in Fig. 1 dargestellte Beinstrumpf 10 dient der Behandlung eines Unterschenkelödems
und kann vorzugsweise für das Bein des Patienten maßgefertigt sein. Er besteht aus
einem dreidimensionalen Schlauchgestrick 11, an dessen oberes Ende ein Halteband 12
angenäht ist. Aufgrund der Elastizität des Schlauchgestricks 11 und des Haltebands
12 kann der Beinstrumpf 10 einfach über das Bein übergezogen werden.
[0033] Das Schlauchgestrick 11 ist als Abstandsgestrick 20 ausgebildet, das in Fig. 2 in
einer prinzipiellen Querschnittsdarstellung abgebildet ist. Es weist eine äußere Deckschicht
21 und eine innere Deckschicht 22 auf. Beide Deckschichten 21, 22 sind unter Verwendung
elastischer Fäden hergestellt. Die innere Deckschicht 22, die mit der Haut des Trägers
des Kompressionsartikels 10 in Kontakt kommt, kann außerdem Fäden aus hautfreundlichem
Material wie Baumwolle enthalten. Für die äußere Deckschicht 21 lassen sich dagegen
auch Fäden mit hoher Abriebfestigkeit einsetzen. Die beiden Deckschichten 21, 22 sind
durch einen Polfaden 23 miteinander verbunden, der vorzugsweise ebenfalls elastisch
sein kann. Die Verbindung durch den Polfaden ist dabei derart gewählt, dass Bereiche
24 geringeren Abstands zwischen den Deckschichten 21, 22 entstehen, in denen die innere
Deckschicht nicht oder nur mit geringem Druck auf der Haut des Trägers aufliegt. Die
zwischen den Bereichen 24 liegenden Bereiche 25 größeren Abstands zwischen den beiden
Deckschichten üben dagegen einen Massageeffekt auf die Haut und das Gewebe des Trägers
aus und unterstützen somit die therapeutische Wirkung des Kompressionsartikels 10.
[0034] In Fig. 3 ist eine alternative Ausgestaltung eines Kompressionsartikels 30 in Form
einer Kniebandage gezeigt. Auch die Kniebandage 30 ist zumindest bereichsweise aus
einem Abstandsgestrick 20 gemäß Fig. 2 gefertigt. Im Gegensatz zum Kompressionsartikel
10 ist sie jedoch nicht schlauchförmig ausgebildet, sondern besitzt auf ihrer Rückseite
einen Reißverschluss 31, mit dessen Hilfe die Kniebandage 30 am Bein des Patienten
angelegt werden kann.
[0035] Die dargestellten Kompressionsartikel 10, 30 sind lediglich beispielhaft. Sie können
auch andere Formen und/oder Verschlusstechniken aufweisen. Auch das Abstandsgestrick
20 ist nur ein mögliches Ausführungsbeispiel. Es könnte auch ein Gewirk eingesetzt
werden. Anstelle des Polfadens kann auch eine Zwischenschicht zum Beispiel aus einem
Kunststoffschaum zur Verbindung der beiden Deckschichten 21, 22 vorgesehen werden.
1. Kompressionsartikel, der mindestens bereichsweise zwei aus zumindest teilweise elastischem
Material hergestellte Deckschichten (21, 22) aufweist, die durch eine Zwischenlage
(23) miteinander verbunden sind, wobei mittels der Deckschichten (21, 22) ein Kompressionsdruck
erzeugbar ist und die Zwischenlage (23) mindestens die doppelte Dicke wie eine der
Deckschichten oder die dünnere der Deckschichten (21, 22) aufweist und der mindestens
bereichsweise aus einem komprimierbaren Material gefertigt ist, dadurch gekennzeichnet, dass er über das zu stützende oder zu komprimierende Körperteil ziehbar ist und/oder über
eine Verschlusseinrichtung (31) verfügt, mit der er an dem zu stützenden oder komprimierenden
Körperteil festlegbar ist, sodass er im angelegten Zustand ein im Wesentlichen schlauchförmiges
Gebilde ist.
2. Kompressionsartikel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass mit der Verschlusseinrichtung (31) der Kompressionsdruck einstellbar ist, wobei Hilfsmittel,
insbesondere Markierungen, vorgesehen sind, die die Druckeinstellung erleichtern.
3. Kompressionsartikel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine der Deckschichten (21, 22) aus einem textilen Material hergestellt
ist.
4. Kompressionsartikel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zwischenlage (23) fest mit mindestens einer der Deckschichten (21, 22) verbunden
ist oder in mindestens eine der Deckschichten (21, 22) integriert ist.
5. Kompressionsartikel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zwischenlage (23) mindestens teilweise aus Monofilamenten hergestellt ist.
6. Kompressionsartikel nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Monofilamente im entspannten Zustand des Kompressionsartikels in einem Winkel
zwischen 30° und 90° zu den Deckschichten (21, 22) angeordnet sind.
7. Kompressionsartikel nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass alle Monofilamente aus dem gleichen Material oder aus verschiedenen Materialien,
vorzugsweise aus Polyester, Polyamid oder Polyolefin, hergestellt sind.
8. Kompressionsartikel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass er aus einem Gestrick (11) oder Gewirk hergestellt ist, das wenigstens bereichsweise
als Abstandsgestrick (20) oder -gewirk ausgebildet ist, wobei die obere und untere
Gestricklage die Deckschichten (21, 22) bilden und die Polfäden die Zwischenlage (23).
9. Kompressionsartikel nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Polfäden (23) zumindest teilweise elastische Fäden sind.
10. Kompressionsartikel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstand der beiden Deckschichten (21, 22) über die Oberfläche des Kompressionsartikels
(10, 30) variiert.
11. Kompressionsartikel nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Abstandsgestrick (20) durch den variierenden Abstand der beiden Deckschichten
(21, 22) eine waffelartige oder rautenartige Struktur aufweist.
12. Kompressionsartikel nach einem der Ansprüche, 8 - 11, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen die Deckschichten (21, 22) Schuss- und/oder Kettfäden eingelegt oder an
mindestens eine Deckschicht angebunden sind.
13. Kompressionsartikel nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Schussfäden (21, 22) zumindest teilweise elastische Fäden sind.
14. Kompressionsartikel nach einem der Ansprüche 8 - 13, dadurch gekennzeichnet, dass er ein auf einer Flachstrickmaschine hergestelltes Gestrick ist.
15. Kompressionsartikel nach einem der Ansprüche 8 - 14, dadurch gekennzeichnet, dass sich das Abstandsgestrick (20) über den gesamten Umfang des Kompressionsartikels
(10, 30) erstreckt.
16. Kompressionsartikel nach einem der Ansprüche 8 - 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschenreihenrichtung der Deckschichten (21, 22) der Umfangsrichtung des Kompressionsartikels
entspricht.
17. Kompressionsartikel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass durch ein vorab festgelegtes Verhältnis zwischen den Körperteilmaßen und den Maßen
des Kompressionsartikeis ein vorab festgelegter Kompressionsdruck oder Kompressionsdruckbereich
und Kompressionsdruckverlauf erzielbar ist.