[0001] Die Erfindung betrifft Papier, das skaleonedrisches präzipitiertes Calciumcarbonat
(s-PCC) einer bestimmten Spezifikation enthält. Ferner betrifft die Erfindung die
Verwendung eines s-PCC mit einer bestimmten Spezifikation als Füllstoff für Papier.
Technologischer Hintergrund
[0002] Papier ist ein flächiger Werkstoff, der im Wesentlichen aus Fasern pflanzlicher Herkunft
besteht und durch Entwässerung einer Fasersuspension auf einem Sieb gebildet wird.
Das dabei entstehende Faservlies wird verdichtet und getrocknet.
[0003] Ein Hauptbestandteil von Papier sind Cellulosefasern, deren Länge im Bereich von
wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern liegt. Die Cellulose wird zunächst
weitgehend freigelegt, also von Hemicellulosen, Harzen und anderen Pflanzenbestandteilen
getrennt. Der so gewonnene Zellstoff wird mit Wasser versetzt und zerfasert. Die wässrige
Suspension wird als dünne Schicht auf ein feines Sieb gegeben und beim Abtropfen durch
Bewegung des Siebs mechanisch verdichtet. Wenn das Papier getrocknet ist, wird die
Oberfläche imprägniert (sogenannte Leimung).
[0004] Die für das Papier notwendigen Ausgangsstoffe kann man in vier Gruppen einteilen.
- a) Faserstoffe (Holzschliff, Halbzellstoffe, Zellstoffe, Altpapier, andere Fasern)
- b) Leimung und Imprägnierung (tierische Leime, Harze, Paraffine, Wachse)
- c) Füllstoffe (Kaolin, Talkum, Gips, Bariumsulfat, Kreide, Titanweiß, etc.)
- d) Hilfsstoffe (Farbstoffe, Entschäumer, Dispergiermittel, Retentionsmittel, Flockungsmittel,
Netzmittel)
[0005] Die vorliegende Erfindung betrifft den Einsatz von PCC als Füllstoff. PCC ist ein
synthetisches Industriemineral, das aus gebranntem Kalk oder dessen Rohstoff, Kalkstein,
hergestellt wird. Im Gegensatz zu anderen Industriematerialien ist PCC ein synthetisches
Produkt, das geformt und modifiziert werden kann, um dem herzustellenden Papier unterschiedliche
Eigenschaften zu verleihen. Die physikalische Form des PCC kann sich im Reaktor erheblich
verändern. Variable Faktoren sind unter anderem die Reaktionstemperatur, die Geschwindigkeit,
mit der Kohlenstoffdioxidgas zugesetzt wird, und die Bewegungsgeschwindigkeit. Diese
Variablen beeinflussen die Körnung und die Kornform des PCC, seine Oberflächengröße
und Oberflächenchemie sowie die Korngrößenverteilung. Zwar ergeben sich daraus, dass
mithilfe des PCC die Eigenschaften des Papiers gesteuert werden können (größere Helligkeit,
Lichtundurchlässigkeit und Dicke als bei gemahlenem Calciumcarbonat GCC), viele Vorteile,
herkömmliches PCC kann jedoch bisher nur begrenzt als Füllstoff verwendet werden,
da es die Faserfestigkeit reduziert.
[0006] In der Praxis wird herkömmlich hergestelltes s-PCC mit einer mittleren Korngröße
D4,3 von 1,5 µm bis etwa 5 µm unter anderem als Füllstoff in Kopierpapier verwendet,
allerdings nur bis zu einem Füllgrad von ca. 30 %, da ansonsten die Reißfestigkeit
zu niedrig ist. Es wäre somit wünschenswert, wenn sich der Füllgrad mit s-PCC ohne
Verschlechterung der Papiereigenschaften steigern ließe.
Zusammenfassung der Erfindung
[0007] Mit der Bereitstellung des erfindungsgemäßen Papiers lassen sich die geschilderten
Nachteile überwinden. Das Papier enthält dazu modifiziertes skaleonedrisches präzipitiertes
Calciumcarbonat (s-PCC). Das s-PCC weist eine Korngrößenverteilung auf, bei der

bevorzugt ≥ 60, besonders bevorzugt ≥ 62, ganz besonders bevorzugt ≥ 65 ist und die
mittlere Korngröße D4,3 des s-PCC im Bereich von 1,5 bis 5, 0 µm, besonders bevorzugt
2,0 bis 4,0 µm, insbesondere 2,9 bis 3,1 µm liegt.
[0008] Der Erfindung liegt die experimentell gewonnene Erkenntnis zugrunde, dass mit größer
werdendem D4,3 Wert des s-PCC auch die Breite der Korngrößenverteilung zunimmt, was
sich nachteilig auf einige Papiereigenschaften, wie beispielsweise die Reißfestigkeit,
auswirkt. Es konnte gezeigt werden, dass dagegen eine enge Korngrößenverteilung vorteilhaft
ist.
[0009] Das erfindungsgemäße Papier ist vorzugsweise ein graphisches Papier. Grafische Papiere
sind Papiere zum Bedrucken, Beschreiben und Kopieren. Mit dem wachsenden Bedarf an
grafischen Papieren erlangt eine Prozesstechnologie, die speziell auf diese Sorten
ausgelegt ist, besondere Bedeutung.
[0010] Bevorzugt weist das Papier ein Flächengewicht von 20 bis 90 g/m
2, besonders bevorzugt 40 bis 80 g/m
2, insbesondere von 50 bis 60 g/m
2, auf. Das Papier kann also insbesondere Tissue Papier (ca. 20 bis 30 g/m
2), Dünndruckpapier (ca. 40 g/m
2), Zeitungspapier oder LWC-Papier (ca. 50 g/m
2), Briefpapier oder Tabellierpapier (ca. 60 g/m
2), Schreibmaschinenpapier (ca. 70 g/m
2) oder Kopierpapier (ca. 80 g/m
2) sein. Es ist aber auch möglich, sogenannte Schwerpapiere, z.B. Kartonpapiere mit
einem Flächengewicht von 200 bis 500 g/m
2, mit diesem erfindungsgemäßen s-PCC vorteilhaft zu füllen.
[0011] Der Füllgrad von s-PCC der genannten Spezifikation im Papier kann angehoben und der
Anteil des wesentlich kostspieligeren Zellstoffs dementsprechend reduziert werden,
ohne dass sich die wesentlichen Papiereigenschaften verschlechtern. Es hat sich vielmehr
gezeigt, dass der Zusatz des erfindungsgemäß verwendeten s-PCC wichtige Papiereigenschaften,
wie die Opazität, Zugfestigkeit und das spezifische Volumen verbessert.
[0012] Vorzugsweise liegt der Füllgrad von s-PCC im Papier im Bereich von 10 % bis 30 %
Asche. Dabei wird die Gesamtmenge des in einer Probe enthaltenen anorganischen Materials
als "Asche" bezeichnet. Beim Verbrennen von organischem Material entsteht im Wesentlichen
nur CO
2 und Wasserdampf, eventuell noch SO
2 oder NH
3. Diese Gase entweichen, es bleiben keine Rückstände. Dagegen bilden die anorganischen
Bestandteile Salze oder Oxide, die in der Regel bei normalen Flammentemperaturen nicht
einmal schmelzen. Die Verbrennungsrückstände, die Asche, enthält also alle anorganischen
Bestanteile der Probe. Unter Veraschung versteht man ein kontrolliertes Verbrennen
durch Erhitzen auf 575±25°C, so lange, bis keine Gewichtsabnahme mehr zu beobachten
ist. Das Verbrennen muss zugfrei und darf nicht zu heftig erfolgen, damit nicht feine
Flugasche weggetragen werden kann. Die "Asche" ungestrichener Papiere besteht zum
überwiegenden Teil aus Füllstoff, bei gestrichenen Papieren finden sich in ihr noch
die anorganischen Streichpigmente. Die Aschemenge wird in Prozent der gesamten Papiermasse
(getrocknet) angegeben.
[0013] Ein weiterer Aspekt der Erfindung liegt demnach in der Verwendung von skaleonedrischen
präzipitierten Calciumcarbonat (s-PCC) mit einer Korngrößenverteilung, bei der für
das

-Verhältnis gilt:

und mit einer mittleren Korngröße D 4,3 im Bereich von 1,5 bis 5,0 µm als Füllstoff
für Papier. Das

-Verhältnis (D4,3/D90 x 100) ist bevorzugt ≥ 60, besonders bevorzugt ≥ 62, ganz besonders
bevorzugt ≥ 65. Die mittlere Korngröße D4,3 des s-PCC liegt vorzugsweise im Bereich
von 2,0 bis 4,0 µm, insbesondere 2,9 bis 3,1 µm.
[0014] Es bestand somit ein Bedarf nach s-PCC, das eine mittlere Korngröße D4,3 im Bereich
von 1,5 bis 5,0 µm bei einem

-Verhältnis von größer oder gleich 59 aufweist. Allerdings gab es bisher keinen Industrieprozess,
der ein solches Material liefert. Dieses Problem wurde jedoch erfindungsgemäß ebenfalls
gelöst.
[0015] Nach Stand der Technik ist eine Vielzahl von Verfahren bekannt, bei denen in wässriger
Suspension aus Ca(OH)
2 (der sogenannten Kalkmilch) unter Eintrag von CO
2 das PCC gebildet wird. Das CO
2 kann dabei in flüssiger Form oder über ein geeignetes Belüftungssystem als Gas in
die Kalkmilch eingetragen werden. Unter Zuhilfenahme von Additiven oder Impfkristallen
und bei entsprechend angepasster Verfahrensführung lassen sich die gewünschten PCC-Morphologien
erzeugen. Großtechnisch wird üblicherweise im Batch-Betrieb gearbeitet.
[0016] Modifikationen des PCC sind in der Literatur hinlänglich beschrieben. Unter dem Begriff
"Modifikation" wird vorliegend die Familie der industriell erzeugten Kristalle definierter
Morphologie verstanden, von denen besonders bedeutend Aragonite und Calcite und weitaus
weniger bedeutend Vaterite und Ikaite sind. Ferner existieren spezielle Übergangsformen,
wie z.B. basische Calciumcarbonate oder amorphe Carbonate, die ebenfalls isolierbar
sind. Der Fachmann in der Industrie kennt in der Regel die teilweise recht komplexen
Randbedingungen seiner PCC-Anlage, welche die Modifikation beeinflussen können, aus
zahlreichen Versuchen und Fehlversuchen. Grundsätzliche steuernde Parameter, wie die
Starttemperatur zu Beginn eines typischen Batch-Zyklus in Verbindung mit der Konzentration
der vorgelegten Kalkmilch und der CO
2-Konzentration, werden vorab festgelegt. Einflüsse aus dem Rohstoff werden in langen
Versuchsreihen eliminiert und gegebenenfalls durch Additive diverser Art beherrschbar
gemacht. Ebenfalls gelingt es, den Agglomerationsgrad der PCC-Kristalle durch Beeinflussung
der Reaktionsbedingungen einzustellen.
[0017] Allerdings gibt es bisher keinen systematischen Ansatz zur Herstellung von PCC mit
einer definierten Korngröße und definiert (engen) Korngrößenverteilung. Ursache hierfür
mag das komplexe Zusammenspiel einer Vielzahl von Parametern sein. Diese umfassen
beispielsweise Begasungsparameter in Verbindung mit der CO
2-Konzentration, die geodätisch wirksame Höhe eines Reaktors und den dissipativen Energieeintrag.
Weiterhin ändern sich bei einer typischen Batch-Reaktion, die industriell dominierend
ist, in jedem Augenblick der Reaktion wichtige Prozessparameter in einer jeweils unterschiedlichen
Charakteristik, wie z.B. der pH-Wert der zu begasenden Suspension, die Leitfähigkeit,
die Temperatur, das Verhältnis von freien Calcium-Ionen zu Bicarbonat-Ionen, die Dichte
der Suspension und die Viskosität der Suspension. Die Dynamik der genannten Änderungen
ist zudem nicht gleichbleibend stetig, sondern einige der Parameter ändern sich erst
gegen Ende des Batch-Zyklus erkennbar, dann aber dramatisch, wie der pH-Wert und die
Leitfähigkeit; andere Parameter zeigen jedoch eine quasi lineare Änderungscharakteristik,
wie die Temperatursteigerung, die Änderung der Dichte und der Viskosität. Hinzu kommt
noch der Umstand, dass sich offensichtlich zwei Hauptphasen während der Carboxylierung
abspielen, eine Phase der bevorzugten Keimbildung gleich zu Anfang der Reaktion gefolgt
von einer Phase des tendenziell bevorzugten Keimwachstums. Wie in der jüngeren Literatur
beschrieben, verläuft die Keimbildung auch nicht gradlinig, sondern über eine ganze
Reihe von Zwischenstufen unterschiedlichster Morphologie.
[0018] Aus diesen Gründen sind die Kenntnisse darüber, welche der zahlreichen Phänomene
für die charakteristische Ausprägung der mittleren Korngröße (D4,3 Wert) sowie die
Breite der Korngrößenverteilung maßgeblich, beeinflussbar und einstellbar sind, allenfalls
sehr limitiert. Es bestehen demnach kaum Anhaltspunkte, welche Maßnahmen der Fachmann
an einer bestehenden PCC-Anlage zu ergreifen hat, um zu einem Produkt mit einer definierten
Korngröße, als auch definierter Korngrößenverteilung zu gelangen. Das Ziel könnte
daher bisher allenfalls erratisch erreicht werden.
[0019] US 6,251,356 B1 schlägt vor, in einem Druckreaktor über die Höhe des aufgebauten Arbeitsdruckes die
mittlere Korngröße zu beeinflussen. Das Korngrößenverhältnis soll gegenüber konventioneller
Verfahrensführung enger sein. Das Verfahren selber ist technisch sehr aufwendig.
[0020] EP 1 222 146 B1 betrifft ein zweistufiges kontinuierliches Verfahren. In der ersten Stufe wird eine
bestimmte Konzentration an Keimen erzeugt. Hierzu wird der Volumendurchsatz der Kalkmilch
bei konstantem Gasdurchsatz verändert. Zusätzlich wird Einfluss auf die angestrebte
Korngröße durch Vorlage einer feinen Kalkmilch angenommen, deren Reaktivität erhöht
ist.
[0023] Es ist ferner bekannt, dass bei kontinuierlichem Betrieb einer PCC-Anlage aragonitische
Kristalle allmählich größer werden.
[0025] EP 1 712 597 A1 beschreibt den Einfluss der Zugabe diverser Additive, wie Zn-Salze, Mg-Salze, und
kationischer und anionische Dispergierungsmittel auf die Korngrößenverteilung.
[0026] Es bestand somit ein anhaltender Bedarf nach systematischen Lösungsansätzen, die
es ermöglichen mit einer gegebenen PCC-Anlage präzipitiertes Calciumcarbonat einer
definierten Korngröße und definierten Korngrößenverteilung herzustellen. Die geschilderten
Limitierungen des Standes der Technik ließen sich mit Hilfe eines neu entwickelten
Verfahrens zur Herstellung von s-PCC durch Einleiten von Kohlendioxid in Kalkmilch
in einer PCC-Anlage beheben. Das Verfahren umfasst die folgenden Schritte:
- a) Erfassen aller Parameter der PCC-Anlage, die im Betrieb der PCC-Anlage einen wesentlichen
Beitrag auf den spezifischen molaren Energieeintrag liefern, wobei der spezifische
molare Energieeintrag dem Energieeintrag des Gesamtsystems entspricht, der erforderlich
ist, um ein Mol CO2 von Beginn der Reaktion bis zu einem Umsetzungsgrad von 90% der batchweise verlaufenden
Carboxylierungsreaktion einzutragen;
- b) Festlegen der mittleren Korngröße D4,3 in Abhängigkeit vom spezifischen molaren
Energieeintrag;
- c) Festlegen des

-Verhältnisses in Anhängigkeit von zumindest einem der folgenden Parameter: CO2-Konzentration während der Reaktion, Temperatur der Kalkmilch, Füllstand im Reaktor
der PCC-Anlage, und Drehzahl eines Begasungsrührers der PCC-Anlage; und
- d) Einleiten von Kohlendioxid in die Kalkmilch unter Maßgabe der in den Schritten
b) und c) bestimmten Vorgaben.
[0027] Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Breite oder Enge der Korngrößenverteilung
zu beschreiben. Vorliegend erfolgt die Charakterisierung über das im Bereich von Partikelgütern,
wie PCC, häufig verwendete Verhältnis von

D90 bedeutet dabei, dass 90% der Partikel volumengewichtet kleiner als der zugewiesene
Wert sind.
[0028] Die mittlere Korngröße D4,3 ist der arithmetische Mittelwert einer Verteilung über
alle Partikel. Eine sehr enge Korngrößenverteilung ist zum Beispiel gegeben, wenn
der D4,3 bei 3,1 und der zugehörende D90 bei 5,0 µm liegt. Für das

-Verhältnis resultiert dann der Zahlenwert 62. Die Angaben gelten für die Ausbildung
der sogenannten Primärpartikel des PCC-Prozesses. Agglomerationen zu einem späteren
Zeitpunkt bleiben unberücksichtigt.
[0029] Die Größenbestimmung kann mit einem Laserbeugungs-Partikelgrößenmessgerät erfolgen.
Alle Werte beziehen sich auf ein dispergiertes Produkt, um Agglomeration möglichst
auszuschließen. Vorliegend wurden alle Messungen entweder mit einem Partikelgrößenanalysator
der Firma Malvern (Gerätebezeichnung Malvern 3000) oder der Firma Quantachrome (Gerätebezeichnung
Cilas 1064 L) durchgeführt. Beide Messgeräte sind in der Papierindustrie sehr gebräuchlich
und lieferten stets sehr ähnliche Werte.
[0030] Dem neu entwickelten Verfahren liegt nun unter anderem die Erkenntnis zugrunde, dass
der spezifische molare Energieeintrag der maßgebende steuernde Parameter für die Korngröße
ist. Dieser Wert beschreibt die Summe des spezifischen Energieeintrages des Gesamtsystems,
der erforderlich ist, um ein Mol CO
2 im maßgeblichen Teil der Reaktion von etwa Null bis 90% der batchweise verlaufenden
Carboxylierungsreaktion einzutragen. Der Energieeintrag ist unabhängig davon, aus
welcher Quelle er stammt, zu erfassen. Bei einer herkömmlichen PCC-Anlage werden insbesondere
Beiträge aus der anliegenden CO
2-Konzentration des Gases, des volumetrischen spezifischen Gasdurchsatzes, des Füllstandes
des Reaktors, der Umdrehungszahl der frequenzgesteuerten Begasungsturbine beziehungsweise
des Rührorganes, der Leistungsabgabe eines vorgeschalteten Gebläses, sofern eines
vorhanden ist, bei der Bestimmung des spezifische Energieeintrags zu berücksichtigen
sein.
[0031] Im Schritt a) des Verfahrens werden demnach die einzelnen Einflussgrößen einer PCC-Anlage
erfasst, die einen nennenswerten Beitrag zum spezifischen molaren Energieeintrag liefern.
Es hat sich gezeigt, dass der kumulierte Beitrag all dieser Einflussgrößen auf den
spezifischen molaren Energieeintrag in direktem Zusammenhang mit der zu erzielenden
Korngröße steht.
[0032] Im Schritt b) wird daher dieser Zusammenhang für die in Frage stehende PCC-Anlage
ermittelt. Grundsätzlich wurde festgestellt, dass die Korngröße mit zunehmendem spezifischen
molaren Energieeintrag abnimmt. Vorzugsweise wird im Schritt b) dazu ein linearer
Zusammenhang zwischen der mittleren Korngröße D4,3 und dem spezifischen molaren Energieeintrag
des Gesamtsystems ermittelt. Zur konkreten Bestimmung des Zusammenhangs zwischen dem
spezifischen molaren Energieeintrag und der Korngröße an einer PCC-Anlage werden in
der Praxis beispielsweise eine Anzahl von Testeinstellungen mit vorgegebenem spezifischen
molaren Energieeintrag gefahren und anschließend die Korngrößen bestimmt. Beide Werte
werden gegeneinander aufgetragen und über ein graphisches Auswerteverfahren eine zugehörige
lineare Funktion bestimmt. Für eine gewünschte Korngröße kann nun mit Hilfe der Funktion
der notwendige Energieeintrag ermittelt werden. Anschließend werden die Einflussgrößen
entsprechend angepasst, um diesen Energieeintrag darzustellen.
[0033] Es wurde demnach überraschenderweise gefunden, dass ausschließlich der spezifische
Energieeintrag des Stoffeintragungssystems den entscheidenden Parameter für die Korngröße
der entstehenden Kristalle darstellt. Er kann aus beliebigen Kombinationen der Begasungsparameter
mit der anliegenden CO
2-Konzentration so eingestellt werden kann, dass der Zielwert für die gewünschte Korngröße
gebildet wird. Es ist somit erstmalig möglich, mit den Grundkenntnissen über die Kennwerte
der Begasungseinrichtung gezielt Vorgaben für die Korngröße der PCC-Kristalle zu machen.
[0034] Das Verhältnis

liegt bei herkömmlich hergestellten Partikelgrößen im Bereich von etwa 2,8 µm und
größer bei maximal 55 und ist in der Regel zahlenmäßig zumeist deutlich kleiner. Dies
ist zurückzuführen auf spinodale Entmischungungsvorgänge während der Carboxylierung,
die dazu führen, dass ständig kleinere Zonen mit gegenüber dem Durchschnittswert höherer
beziehungsweise niedrigerer Übersättigung auftreten. In der Folge bilden sich einerseits
neue kleinere Keime, andererseits wachsen bereits vorhandene Kristalle weiter zu größeren
Kristallen auf.
[0035] Erst im Rahmen der vorliegenden Erfindung wurde nun experimentell ermittelt, welche
Einflussfaktoren aus der Fülle nahezu unendlicher Möglichkeiten für die Korngrößenverteilung
tatsächlich bedeutsam und bei der Festlegung des jeweils gewünschten Wertes für das

Verhältnis zu berücksichtigen sind. Ermittelt wurden die folgenden Parameter: CO
2-Konzentration während der Reaktion, Temperatur der Kalkmilch, Füllstand im Reaktor
der PCC-Anlage, und Drehzahl eines Begasungsrührers der PCC-Anlage (Schritt c) des
Verfahrens). Die vier Maßnahmen können einzeln oder in beliebiger Kombination angewendet
werden und bewirken bei sinnfälliger Berücksichtigung eine Verkleinerung der Korngrößenverteilung.
[0036] Insbesondere ist bevorzugt, wenn im Schritt c) zu Beginn der Reaktion die CO
2-Konzentration dem 0,5 bis 0,8-fachem, insbesondere 0,6 bis 0,7-fachem der CO
2-Konzentration am Ende der Reaktion entspricht und die CO
2-Konzentration kontinuierlich oder stufenweise erhöht wird. Wenn also, was fast immer
der Fall ist, ein fester Wert für die CO
2-Konzentration der Quelle bekannt ist (z.B. bei Kraftwerken zwischen 10 bis 11 %,
bei Brennöfen zur Herstellung von Branntkalk etwa 22 bis 26 %, bei Biogasanlagen zwischen
etwa 35 und 55 %, oder bei synthetischen Gasen etwa 98 %), wird die Startkonzentration
auf einen Wert, der um 20 bis 50%, insbesondere 30 bis 40% kleiner ist als die CO
2-Konzentration der Quelle, gemindert und kontinuierlich oder stufenweise bis zum Ende
der Reaktion auf die maximal mögliche Konzentration angehoben. Dies kann auf einfachste
Weise durch Verdünnen mit Luft geschehen. Es wurde überraschend gefunden, dass die
Maßnahme das Verhältnis des Wertes für

vergrößert, insbesondere auf 59 oder mehr.
[0037] Ferner ist bevorzugt, wenn im Schritt c) zu Beginn der Reaktion eine Temperatur vorgegeben
wird, bei der das PCC in der jeweils gewünschten Morphologie anfällt, und diese Temperatur
über die Reaktion konstant gehalten wird oder bis zum Ende der Reaktion kontinuierlich
oder stufenweise um bis zu 15°C, insbesondere 10°C abgesenkt wird. Als Starttemperatur
wird demnach die Temperatur vorgegeben, bei der sich die gewünschte Morphologie maßgeblich
bilden kann. Im Falle von s-PCC liegt die Starttemperatur im Bereich von 25 bis 45°C.
Herkömmlich wird zwar eine bestimmte Starttemperatur ebenfalls vorgegeben, jedoch
wird die Temperatur nachfolgend nicht geregelt und bedingt durch die Exothermie der
Reaktion ist ein Temperaturanstieg die Folge. Demgegenüber wird erfindungsgemäß die
Temperatur konstant gehalten beziehungsweise stufenweise oder kontinuierlich um bis
15°C abgesenkt. Es wurde überraschend gefunden, dass diese Maßnahme den Wert für

vergrößert, insbesondere auf 59 oder mehr.
[0038] Weiterhin ist bevorzugt, wenn im Schritt c) zu Beginn der Reaktion ein Füllstand
der Kalkmilch 50 % bis 80 %, insbesondere 50 % bis 70 % des Arbeitsvolumens des Reaktors
beträgt und nach einer Keimbildungsphase kontinuierlich oder stufenweise Kalkmilch
bis zum Ende der Reaktion zugeführt wird. Der Reaktor wird also zu Beginn der Reaktion
lediglich zu 50 % bis 80 % seines Arbeitsvolumens mit Kalkmilch der verlangten Stärke
befüllt. Frühestens nach Ablauf der sogenannten Keimbildungsphase, im praktischen
Betrieb für alle Morphologien ist dies nach etwa 20 Minuten der Fall, wird stufenweise
oder kontinuierlich weiterhin Kalkmilch zudosiert und zwar möglichst gleichmäßig über
die gesamte T90 Laufzeit verteilt, bis der Reaktor sein nominales Arbeitsvolumen erreicht
hat. Nach Ablauf der T90 Zeit, also der maßgeblichen Reaktionszeit, in welcher 90
% des gesamten Umsatzes abgeschlossen sind, wird nicht mehr nachgefüllt. Es wurde
überraschend gefunden, dass die Maßnahme den Wert für

vergrößert, insbesondere auf 59 oder mehr.
[0039] Schließlich ist bevorzugt, wenn im Schritt c) zu Beginn der Reaktion die Drehzahl
des Begasungsrührers dem 0,5 bis 0,9fachem, insbesondere 0,8 bis 0,9fachem der Drehzahl
am Ende der Reaktion entspricht und die Drehzahl kontinuierlich oder stufenweise auf
den Endwert erhöht wird, wenn mehr als 90 % Umsatz der Reaktion erreicht wird. Der
Reaktor wird demnach gestartet mit der vorausberechneten Drehzahl, die so gewählt
wurde, dass noch ein Steigerungspotential von etwa 10 bis 50 % möglich ist. Nach Ablauf
der Keimbildungsphase, spätestens aber nach Ablauf der T 90 Zeit, wird die Drehzahl
des Begasungsrührers kontinuierlich oder stufenweise um die fehlenden 10 bis 50 %
bis zum Ende der Reaktion angehoben. Es wurde überraschend gefunden, dass die Maßnahme
den Wert für

vergrößert, insbesondere auf 59 oder mehr. Das nach dem Verfahren erhältliche s-PCC
weist eine besondere Kombination aus Korngröße D4,3 und dem Verhältnis

auf. Die Eigenschaften lassen sich mit bisher bekannten PCC-Verfahren nicht erreichen.
[0040] Weitere bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung lassen sich den Ansprüchen sowie
der nachfolgenden Beschreibung entnehmen.
Kurzbeschreibung der Figuren
[0041] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen und dazugehöriger
Zeichnungen näher erläutert. Die Figuren zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung einer PCC-Anlage;
- Fig. 2
- die Ergebnisse von Batch-Carboxylierungen im Pilotreaktor für s-PCC, wobei D4,3 als
Funktion des spezifischen Energieeintrages aufgetragen ist;
- Fig. 3
- die Ergebnisse von Batch-Carboxylierungen im Technikumsreaktor für s-PCC, wobei D4,3
als Funktion des spezifischen Energieeintrages aufgetragen ist;
- Fig. 4
- die Teilchengrößenverteilung einer erfindungsgemäßen s-PCC Probe und zweier Vergleichsproben;
und
- Fig. 5 - 10
- vergleichende Messergebnisse für Papierproben mit verschiedenen Füllgraden an erfindungsgemäßem
s-PCC und konventionellem s-PCC und GCC jeweils für das spezifische Volumen, die Steife,
die Opazität, die Weiße, die Reißlänge und die Dicke der Papierproben.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0042] Figur 1 illustriert - stark schematisiert - den grundsätzlichen Aufbau einer PCC-Anlage
10, die zur Durchführung eines PCC-Verfahrens genutzt werden kann: Das Verfahren liefert
s-PCC mit einer Korngrößenverteilung, bei der für den Wert

ein Zahlenwert von ≥59 resultiert bei einer mittleren Korngröße D4,3 im Bereich von
1,5 bis 5,0 µm. Die PCC-Anlage 10 umfasst einen Batch-Reaktor 20, in dem eine wässrige
Suspension aus Ca(OH)
2 (sogenannte Kalkmilch) vorgelegt wird und in dem unter Eintrag von CO
2 nachfolgend s-PCC gebildet wird. Die Kalkmilch wird über eine Vorlage 30 zugeführt.
Das CO
2 wird hier über ein geeignetes Belüftungssystem 40, das in diesem Beispiel einen Begasungsrührer
42 umfasst, als Gas in die Kalkmilch eingetragen. Ein weiteres Rührwerk 50 kann vorgesehen
sein. Der Reaktor 20 ist temperierbar. Die PCC-Anlage 10 beinhaltet hier nicht näher
dargestellte sensorische Mittel zur Überwachung des Füllstands des Reaktors 20 und
Erfassung der Temperatur der Kalkmilch. Ferner können sensorische Mittel vorgesehen
sein, mit denen direkt oder indirekt auf eine CO
2-Konzentration in der Kalkmilch geschlossen werden kann.
[0043] Dem Verfahren liegt nun unter anderem die Erkenntnis zugrunde, dass der spezifische
molare Energieeintrag der maßgebende steuernde Parameter für die Korngröße ist. Dementsprechend
sind alle Parameter der PCC-Anlage 10, die im Betrieb derselben einen wesentlichen
Beitrag auf den spezifischen molaren Energieeintrag liefern, zu erfassen. Der spezifische
molare Energieeintrag entspricht dabei dem Energieeintrag des Gesamtsystems, der erforderlich
ist, um ein Mol CO
2 von Beginn der Reaktion bis zu einem Umsetzungsgrad von 90 % der batchweise verlaufenden
Carboxylierungsreaktion einzutragen.
[0044] Wie allgemein geläufig ist, verläuft die Bildung von Calciumcarbonat aus Calciumhydroxid
und CO
2 im Hauptteil der Reaktion näherungsweise linear. Ab einem Wert von circa 90 bis 95
% der Gesamtreaktion fallen pH-Wert und der Leitfähigkeitswert stark ab und die CO
2-Ausbeute nimmt ebenfalls stark ab. Als maßgebliche Reaktionszeit wird daher der Durchschnittswert
der CO
2-Ausbeute in den ersten 90 % der Gesamtreaktionszeit herangezogen.
[0045] Gebräuchlich für die Bemessung der spezifischen Begasungsrate ist der sogenannte
vvm Wert der folgendes bedeutet: Volumeneinheit Gas pro Volumeneinheit Reaktorinhalt
pro Zeiteinheit. In der industriellen Praxis und bei einem typischen Reaktorinhalt
von 10 m
3 sind beispielweise Begasungsraten von etwa 0,25 vvm bis 5 vvm üblich, was umgerechnet
bedeutet, dass der Rektor mit möglichen Begasungsraten von 150 Nm
3 pro h bis zu etwa 3000 Nm
3 pro h begast wird. Kleinere Werte werden als unwirtschaftlich angesehen, größere
Werte sind technisch nicht möglich wegen der ansteigenden Gefahr des Durchschlagens
der Begasungsluft im Reaktor. Durchschlagen bedeutet, dass die Gasblasen bei Überschreiten
der zulässigen Begasungsrate schlagartig koaleszieren und damit kein nennenswerter
Stoffübergang mehr möglich ist.
[0046] Zumeist verfügen PCC-Anlagen über komplexe Anordnungen zur Begasung des Reaktors,
die einen möglichst gleichmäßigen CO
2-Eintrag über die Höhe und den Querschnitt des Reaktors bei möglichst geringem Energieverbrauch
erlauben. Aus der Summe des Energieverbrauches der im Reaktor befindlichen, mit Motorkraft
betriebenen Rührorgane beziehungsweise Begasungsturbinen und der gegebenenfalls den
Vordruck liefernden Gebläsestation saldiert sich im Wesentlichen der stündliche Energieverbrauch
des Gesamtsystems. Üblich sind Kennzahlen für den Energieverbrauch bezogen auf die
Masse an hergestelltem PCC im Bereich von etwa 60 kWh bis 250 kWh pro Tonne hergestelltem
PCC und zwar in Abhängigkeit der Charakteristika der Begasungseinrichtung und der
vorgegebenen CO
2-Konzentration. Der Anlagenbetreiber kennt diesen Energieverbrauch im Allgemeinen
sehr genau. Zur Vereinfachung kann von der insgesamt verbrauchten Energie ausgegangen
werden, die sich proportional zur tatsächlich eingetragenen Energie verhält.
[0047] Im Folgenden wird an einem Beispiel die Berechnung des spezifischen molaren Energieantrags
veranschaulicht.
Berechnungsbeispiel
[0048] Folgender Datensatz einer Carboxylierung ist gegeben, wobei das Ziel die Gewinnung
von s-PCC ist:
Herstellung einer reaktiven Kalkmilch mit 11 % Trockengewichtsanteil an Calciumhydroxid
und mit der Dichte 1.065 kg pro m3, somit enthaltend 15,8 kmol Calciumhydroxid in 10 m3. Die Viskosität der Kalkmilch beträgt etwa 50 mps.
[0049] Der Reaktor wird mit 10 m
3 dieser Kalkmilch befüllt.
[0050] Die konstante Begasungsrate beträgt 2.000 Nm
3/h, was einem vvm Wert von 3,33 entspricht.
[0051] Die CO
2-Konzentration beträgt 26%.
[0052] Der durchschnittliche Ausnutzungsgrad des CO
2 beträgt 90 %. Die maßgebliche 90 % Zeit der Carboxylierung (T90 Zeit) beträgt 46
min.
[0053] Der gemessene Kraftbedarf einer Turbine beträgt 130 kW.
[0054] Die Stromaufnahme eines vorgeschalteten Gebläses beiträgt 40 kW.
[0055] Die Gaseintrittstemperatur wird mittels Kühlung auf 40°C eingestellt.
[0056] Die Starttemperatur im Reaktor (Kalkmilch) beträgt 38°C. Nach Ablauf von 90 % der
Carboxylierung beträgt die Temperatur im Reaktor 72°C.
[0057] In den 41 min der Reaktion wurden demnach 90 % der vorgelegten Kalkmilch umgesetzt
zu s-PCC. Dies entspricht einer Bildung von 14,3 kmol oder 1.430 kg s-PCC. Für die
restlichen 10 % an noch nicht umgesetzter Kalkmilch wird eine längere Reaktionszeit
benötigt, da die spezifische Umsatzrate bekanntlich am Ende des Batchzyklus abfällt.
[0058] Der gesamte Energieverbrauch für die T90 Zeit beträgt 117 kWh.
[0059] Eingetragen wurden in diesem Zeitraum 14,3 kmol CO
2. Der spezifische Energieeintrag (ε) pro Mol CO
2 beträgt

Der Einfluss der einzelnen Größen auf den spezifischen molaren Energieeintrag ist
grundsätzlich bekannt oder kann in einfacher Weise durch den Fachmann an einer gegebenen
PCC-Anlage bestimmt werden. So kann beispielsweise für eine Anlage der Füllstand des
Reaktors gegen den Gesamtleistungseintrag (Summe aus Gebläse, Begasungseinheit, Rührer,
etc.) aufgetragen werden. Ebenso lässt sich die Abhängigkeit der Gasausnutzung von
der anliegenden CO
2-Konzentration, der Drehzahl des Begasungsrührers, des relativen Gaseintrags, etc.
erfassen und auswerten.
[0060] Die Figuren 2 und 3 zeigen die Ergebnisse aus Versuchsreihen, die mit einem Pilotreaktor
beziehungsweise technischem Reaktor durchgeführt wurden. Aufgetragen ist jeweils die
charakteristische mittlere Korngröße D4,3 gegen den spezifischen Energieeintrag pro
Mol eingetragenem CO
2 im maßgeblichen Teil der Batch-Reaktion 0 bis 90 %. Die charakteristische Partikelgröße
D4,3 wurde jeweils mit einem Laserbeugungs-Partikelgrößenmessgerät Mastersizer der
Firma Malvern bestimmt.
[0061] In einer Versuchsreiche wurden skalenoedrische Kristalle (s-PCC) mit einer Korngröße
D4,3 im Bereich von ca. 1,1 µm bis 3,0 µm im Pilotreaktor (Figur 2) und technischem
Reaktor (Figur 3) hergestellt. Zur Anpassung des Energieeintrags wurde in den einzelnen
Versuchen unter anderem die CO
2-Konzentration, der Füllstand, die Gasmenge sowie die Drehzahl und der Vordruck der
Begasungsturbine einzeln oder auch in Kombination variiert.
[0062] Beispielhaft ist nachfolgend ein Datensatz für den Pilotreaktor angegeben.
Beispiel 1 - Herstellung s-PCC im Pilotreaktor
[0063] Es wurde folgender Datensatz zu Grunde gelegt:
Kalkmilch 11,3 Gewichtsprozent
Füllstand Reaktor: 9 l
Drehzahl Begasungsturbine: 35 Hz
vvm : 0,5 (0,27 Nm3/h)
CO2-Konzentration: 30 %
Reaktionsdauer T 90: 281 min
Gasausnutzungsgrad: 81 %
CO2-Eintrag in der Zeit T 90 : 12,8 Mol
Gesamtenergieeintrag in der Zeit T 90: 536 Wh
Spezifischer Energieeintrag pro Mol CO2: 42 Wh pro mol CO2
Es wurde s-PCC erzeugt mit einem D4,3 von 2,83 µm.
[0064] Es ist zu erkennen, dass es eine direkte Abhängigkeit zwischen dem molaren Energieeintrag
pro Mol eingetragenem CO
2 und der resultierenden charakteristischen Korngröße D4,3 gibt. Je größer der auf
ein Mol CO
2 eingetragene Energiebetrag ist, desto kleiner werden die Kristalle und umgekehrt.
Überraschenderweise kann man also auch bei geringeren CO
2-Konzentrationen durch Kombination entsprechender Parameter - zum Beispiel der Begasung,
des Füllstandes und der Drehzahl der Begasungseinrichtung - kleinere Partikel erzeugen,
wenn nur entsprechende Parameter so zusammengestellt werden, dass der zugehörende
resultierende spezifische Energieeintrag dargestellt werden kann.
[0065] Die beiden nachfolgenden Beispiele 2 und 3 zeigen exemplarisch s-PCC Chargen mit
einem sehr großen Wert für

der durch gezielte Variation der Versuchsbedingungen erreicht wurde.
Beispiel 2 - Herstellung von s-PCC
[0066] Es wurde folgender Datensatz zu Grunde gelegt:
Kalkmilch 11,3 Gewichtsprozent
Füllstand Reaktor: zu Beginn der Carboxylierung: 220 l, nach 20 min 280 l, nach 40
min 240 l bis zum Ende der Reaktion
Drehzahl Begasungsturbine: zu Beginn der Carboxylierung 38 Hz, nach 20 min 40 Hz,
nach 40 min 45 Hz bis zum Ende der Reaktion
Temperatur: 45°C, konstant (Wärmeabfuhr über innenliegenden Kühler)
CO2-Konzentration: 45 % (Biogas), konstant
vvm : 1,5 pro min, konstant
Spezifischer Energieeintrag pro Mol CO2 unmittelbar zu Beginn der Reaktion: 7 Wh pro mol CO2
[0067] Es wurde s-PCC erzeugt mit einem charakteristischen D4,3 von 3,0 µm und einem Wert
für

von größer als 62.
Beispiel 3 - Herstellung von s-PCC
[0068] Es wurde folgender Datensatz zu Grunde gelegt:
Kalkmilch 11,3 Gewichtsprozent
Füllstand Reaktor: zu Beginn der Carboxylierung: 220 I, nach 20 min 280 I, nach 40
min 240 I bis zum Ende der Reaktion
Drehzahl Begasungsturbine: zu Beginn der Carboxylierung 38 Hz, nach 20 min 40 Hz,
nach 40 min 45 Hz bis zum Ende der Reaktion
Temperatur: zu Beginn der Carboxylierung 45°C, nach 20 min 43°C, nach 40 min 41 °C
bis zum Ende der Reaktion (Wärmeabfuhr über innenliegenden Kühler)
CO2-Konzentration: zu Beginn der Carboxylierung 35 %, nach 40 min 45 %
vvm : 1,5 pro min, konstant
Spezifischer Energieeintrag pro Mol CO2 unmittelbar zu Beginn der Reaktion: 8 Wh pro mol CO2
[0069] Es wurde s-PCC erzeugt mit einem charakteristischen D4,3 von 2,9 µm und mit einem
Wert für

von größer als 61.
Beispiel 4 - Herstellen von Papierproben
[0070] Im Allgemeinen werden Füllstoffe für die Papierherstellung hinsichtlich ihres mengenmäßigen
Einsatzes nach einer Reihe von Kriterien beurteilt. Diese umfassen verarbeitungstechnische
Merkmale wie Leimung, Retention, Abrasivität, Festigkeit, Steife, weiterhin anwendungstechnische
Merkmale wie Bedruckbarkeit, Porosität, Rauigkeit, Oberflächenenergie, und schließlich
optische Eigenschaften wie Opazität, Weißgrad, Lichtstreuung. In der Regel findet
eine Grundbeurteilung nach vier Kriterien statt: Dicke in µm, spezifisches Volumen
in g/m
2, Opazität und Steifigkeit. Wenn diese Grundkriterien für das jeweilige Papier erfüllt
sind, lassen sich in aller Regel die weiteren Eigenschaften korrigierend nachstellen.
Ein Füllstoff ist besonders geeignet, wenn er die Grundkriterien auch bei hohem Füllgrad
erfüllt.
[0071] Es wurden Standardausgangsmaterial Papierproben mit verschiedenen Füllstoffen und
Füllgraden von jeweils 15 %, 20 % und 24 % Asche hergestellt. Diese Papiere wurden
dann einheitlich als "100 % Asche" bezeichnet. Zusätzlich wurden diese Papiere aufgefüllt
mit weiterem PCC bis Werte für den Aschegehalt von 135 % Asche und 175% Asche resultierten.
[0072] Proben A-1 bis A-3: bezeichnen nach dem obigen Verfahren erhaltenes s-PCC (= Erf.
PCC) mit einem Wert für

von 59,3 und einer mittleren Korngröße D4,3 von 2,9 µm.
[0073] Proben B-1 bis B-3: bezeichnen kommerziell erhältliches s-PCC (= HW PCC) mit einem
Wert für

von 55,75 und einer mittleren Korngröße D4,3 von 2,8 µm.
[0074] Proben C-1 bis C-3: bezeichnen gemahlenes Carbonate (GCC) (= HW GCC) mit einem Wert
für

von 53 und einer mittleren Korngröße von 1,8 µm. GCC mit größeren Werten für den
D4,3 als etwa 1,8 µm werden papiertechnisch wegen der unerwünschten hohen Abrasivität
nicht eingesetzt.
[0075] Die Teilchengrößenverteilung der Proben wurde wie weiter oben angegeben bestimmt
und lässt sich der Figur 4 entnehmen. Auf der x-Achse ist die Größenverteilung in
µm logarithmisch aufgetragen und die y-Achse zeigt die Verteilung in Prozent. Wie
ersichtlich, zeigt das erfindungsgemäße s-PCC eine sehr enge Korngrößenverteilung
(Erf. PCC; durchgezogene Linie) gegenüber GCC (HW GCC; gepunktete Linie) beziehungsweise
kommerziellem PCC (HW PCC; gestrichelte Linie).
[0076] Die Papierproben wurden auf einem herkömmlichen branchenüblichen Blattbildner hergestellt,
die experimentellen Versuchsbedingungen wurden gemäß einem Standarddatensatz vorgenommen.
[0077] Anschließend wurden für Papierproben mit verschiedenen Füllgraden an erfindungsgemäßem
s-PCC und kommerziellem s-PCC und GCC (Füllgrade 100% Asche, 135% Asche und 170% Asche)
das spezifische Volumen (Figur 5), die Steife (Figur 6), die Opazität (Figur 7), die
Weiße (Figur 8), die Reißlänge (Figur 9) und die Dicke (Figur 10). Die Ergebnisse
der Untersuchungen sind in den Figuren 5 bis 10 dargestellt.
[0078] Wie ersichtlich, konnte das spezifische Volumen, die Opazität, die Reißlänge, die
Weiße und die Steifigkeit gesteigert werden. Erwartungsgemäß steigt auch die Dicke
des Papiers bei gleichem Flächengewicht.
[0079] Grundsätzlich ist bei allen Messungen zu beachten, dass Luftfeuchtigkeit und Temperatur
einen erheblichen Einfluss auf die Messwerte haben. Deshalb finden die Messungen immer
in Klimaräumen bei einem nach ISO-Normen festgelegten Normklima (23°C, 50 % Luftfeuchtigkeit)
statt. Die Papierprobe wurde vor der Messung 24 Stunden in dem Raum gelagert, um sie
zu akklimatisieren.
[0080] Der Grad der Lichtundurchlässigkeit des Papiers (Opazität) bezieht sich auf seine
Fähigkeit, Licht nicht durchscheinen zu lassen. Papier ist lichtundurchlässig, wenn
das einfallende Licht zurückgestreut oder im Papier absorbiert wird. Je höher die
Streuung des Lichts, umso lichtundurchlässiger ist das Papier. Lichtundurchlässigkeit
ist eine erwünschte Qualität, die das Durchscheinen des Druckes minimiert. Ein Blatt
mit 100%iger Lichtundurchlässigkeit lässt überhaupt kein Licht durchscheinen und damit
auch nicht den Druck, sofern die Druckfarbe nicht eindringt. Im Allgemeinen ist die
Lichtundurchlässigkeit des Papiers umso geringer, je niedriger seine flächenbezogene
Masse ist. Der Weißgrad und die Helligkeit des Füllstoffs, seine Kornstruktur und
-größe, sein Brechungsindex und der Füllstoffgehalt sind Faktoren, die die Lichtundurchlässigkeit
des Papiers bestimmen. Alle wichtigen papiertechnischen Eigenschaften konnten mit
Einsatz des erfindungsgemäßen PCC trotz eines um fast 50% höheren Füllgrades erhalten
oder gesteigert werden. Die Ergebnisse konnten auf einer Papiermaschine bestätigt
werden.