[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Sicherungssystem zum Sichern eines Gegenstands
gegen Manipulation, mit einem Siegeletikett, das zumindest eine Klebeschicht und eine
Deckschicht aufweist, wobei das Siegeletikett mittels der Klebeschicht an einem zu
sichernden Gegenstand anbringbar ist und mindestens ein Sicherungsmittel zum Signalisieren
eines manipulativen Eingriffs aufweist.
[0002] Die vorliegende Erfindung betrifft ferner eine Gehäuseanordnung mit einem Gehäuse
als einem besonders bevorzugten zu sichernden Gegenstand und einem entsprechenden
Sicherungssystem sowie ein Verfahren zum Herstellen eines entsprechenden Sicherungssystems.
[0003] In der Praxis treten immer wieder Anwendungsfälle auf, bei denen die Echtheit und/
oder Manipulationsfreiheit von Gegenständen überprüfbar sein muss. Betroffene Gegenstände
sind beispielsweise Gehäusebaugruppen, wie SmartMeter-Gateways (SMGWs), Kartenlesegeräte
oder Bankterminal, oder Dokumente aus Papier oder aus anderen Materialien. Häufig
werden hierfür Sicherheitssiegel oder Etikette nach TL 03400 (Richtlinie des Bundesamts
für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu "Produkten für die materielle Sicherheit")
eingesetzt, die die Aufgabe haben:
- a) die Echtheit eines Gegenstands erkennbar (Fälschungssicherheit) und/ oder
- b) eine Manipulation feststellbar zu machen (Manipulationssicherheit).
[0004] Bei Dokumenten aus Papier oder anderen Materialien kann ein Siegel die Echtheit nachvollziehbar
machen und ein Fälschen des Dokuments erschweren oder gar unmöglich machen. Zur Sicherung
von mehrteiligen Gehäusen ist es üblich, über eine Stoßkante benachbarter Gehäuseteile
an sicherheitskritischen Teilen ein Siegel anzubringen, um ein unbemerktes Öffnen
zu verhindern. Je nach Elektronikbaugruppe, die in diesem Gehäuse enthalten ist, gibt
es zudem gesetzliche Vorgaben oder Richtlinien, wo das Siegel angebracht werden muss
und wie damit umzugehen ist. Im Fall eines SMGWs muss der Monteur des SMGWs beispielsweise
laut Technischer Richtlinie BSI TR 03109-1, Kapitel 6.2 die Unversehrtheit des Siegels
überprüfen, sofern sich das Siegel nach Einbau des SMGWs in einem nicht sichtbaren
Bereich befindet (Zeilen 2590 bis 2592 der Version 1.0 der Technischen Richtlinie
vom 18. März 2013).
[0005] Zum Erreichen einer Erkennbarkeit einer Manipulation auch im eingebauten Zustand
des SMGWs hat die Anmelderin ein Gehäuse entwickelt, bei dem das Etikettensiegel an
einer Frontseite des Gehäuses angebracht ist und auch in montiertem Zustand vor einer
verplombten Berührschutzabdeckung eines Schaltkastens sichtbar bleibt. Gleichzeitig
macht ein einzelnes Siegeletikett jedes unberechtigte Öffnen des Gehäuses erkennbar.
Ein derartiges Gehäuse ist in den Fig. 1 und 2 dargestellt und ist in der
DE 10 2014 220 169 A1 detailliert beschrieben.
[0006] Siegeletikette beinhalten diverse Fälschungssicherheitsmerkmale, die sich mit gebräuchlichen
Mitteln, wie beispielsweise mit einem Farbdrucker, nicht reproduzieren lassen. Hierzu
gehören beispielsweise UV- oder wärmereaktive Materialien, Feinstrukturen oder Hologramme,
wodurch sich abhängig vom Betrachtungswinkel, der Beleuchtung und/oder der Temperatur
ein abweichendes Erscheinungsbild des Siegels ergibt. Manipulationssicherheitsmerkmale
können beispielsweise durch einen verbleibenden Rückstand, eine Veränderung des Etikettenhintergrunds,
ein Zerfallen in Einzelteile oder ein Verformung des Siegeletiketts bei Manipulationsversuchen
gebildet sein.
[0007] Siegeletikette bestehen in der Regel aus mindestens zwei Schichten: einer Klebeschicht
und einer Deckschicht mit fälschungssicheren Inhalten. Ein Manipulationsversuch soll
Manipulationssicherheitsmerkmale aktivieren, indem sich beispielswiese die mindestens
zwei Schichten voneinander lösen. Die Gesamtdicke derartiger Siegeletikette liegt
üblicher Weise im Bereich zwischen 0,01 mm und 0,04 mm.
[0008] Die Schichtdicken sind dafür ausgelegt, bei der Applikation ein zerstörungsfreies
Lösen des Siegeletiketts von der Trägerfolie zu gewährleisten, und beeinflussen den
Schweregrad der schützbaren Manipulation. Je dünner das Siegeletikett ist, umso schwieriger
werden Manipulationsversuche, da es beispielsweise bei geringer mechanischer Beanspruchung
während eines versuchten Ablösens reißt. Im Gegensatz dazu sind dickere Siegeletikette
einfacher zu handhaben, da das Risiko einer Zerstörung während des Applizierens mit
zunehmender Dicke geringer wird. Daher stellt die Auslegung der Gesamtdicke des Siegeletiketts
einen Kompromiss zwischen der Handhabung während der Applikation und dem zu erreichenden
Schutzgrad dar.
[0009] Einer der hauptsächlichen Manipulationsversuche erfolgt durch Wärmeeinwirkung, beispielsweise
mittels Heißluftgebläse. Hierbei wird versucht, die Klebeschicht ausreichend weich
zu machen, damit ein Abnehmen des Siegeletiketts und anschließendes Wiederanbringen
möglich wird. Prozessbedingt ist eine höhere Adhäsion zwischen den Etikettenschichten
zu erwarten als zum Geräteuntergrund. Bei manipulativem Wärmeeintrag ist es bei dickeren
Etiketten, z.B. 0,04 mm, einfacher als bei dünnen Etiketten, z.B. 0,01 mm, diese unbeschädigt
von einem Gegenstand zu lösen. Bei dünnen Etiketten kommt es durch Wärmeeintrag häufig
zu einer Verformung der Folienschicht, so dass das Etikett zerstört wird. Daher ist
es für eine Sicherung gegen Manipulationen unter Wärmeeinwirkung sinnvoll, dünnere
Etikette einzusetzen.
[0010] Allerdings sind dickere Etikette deutlich einfacher in einem automatisierten Produktionsprozess
auf den zu schützenden Gegenstand applizierbar. Das maschinelle Anbringen von dünnen
Etiketten ist derzeit äußerst schwierig oder überhaupt nicht zu realisieren. Daher
müssen bei maschinellem Anbringen dickere Etikette verwendet werden. Sollen dünne
Etikette eingesetzt werden, bleibt lediglich eine manuelle Applikation. Bei großen
Stückzahlen (beispielsweise 100.000 Stück pro Jahr und mehr) ist es allerdings ein
wesentlicher Kostenfaktor, Handarbeiten im Herstellungsprozess zu haben. Damit sind
dünne Etikette lediglich für Kleinserien einsetzbar.
[0011] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Sicherungssystem der eingangs
genannten Art derart auszugestalten und weiterzubilden, dass ein zuverlässiges Sichern
eines Gegenstands gegen Manipulation und/oder Fälschung möglich ist, wobei das Sicherungssystem
in einem automatischen Prozess herstellbar sein soll. Eine entsprechende Gehäuseanordnung
sowie ein Verfahren zur Herstellung des Sicherungssystems sollen angegeben werden.
[0012] Erfindungsgemäß wird die voranstehende Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 1
gelöst. Danach ist das in Rede stehende Sicherungssystem gekennzeichnet durch eine
Sicherungsstruktur, die das Siegeletikett partiell überdeckt und zumindest bereichsweise
mit dem Siegeletikett verbunden ist, wobei das Siegeletikett und die Sicherungsstruktur
eine unregelmäßige Gesamtstruktur bilden, so dass bei einem manipulativen Eingriff
das Auslösen eines oder mehrerer der mindestens einen Sicherungsmittel und/oder das
Zerstören der Sicherungsstruktur begünstigt wird.
[0013] Hinsichtlich einer Gehäuseanordnung ist die voranstehende Aufgabe durch die Merkmale
des Anspruchs 13 gelöst. Bezüglich des Verfahrens lösen die Merkmale des Anspruchs
15 die voranstehende Aufgabe.
[0014] In erfindungsgemäßer Weise ist zunächst erkannt worden, dass eine Verbesserung des
Manipulationsschutzes dadurch erreicht werden kann, dass auf dem Siegeletikett zusätzlich
eine Sicherungsstruktur aufgebracht wird. Diese Sicherungsstruktur überdeckt das Siegeletikett
partiell und ist zumindest bereichsweise mit dem Siegeletikett verbunden. Die Sicherungsstruktur
verändert die Gesamteigenschaften des Sicherungssystems bestehend aus Siegeletikett
und Sicherungsstruktur nicht unerheblich und es entsteht eine unregelmäßige Gesamtstruktur,
so dass ein ergänzender Schutz für das Siegeletikett geschaffen ist. In den Bereichen,
in denen das Siegeletikett mit einem Teil der Sicherungsstruktur verbunden ist, wird
sich das Sicherungssystem deutlich anders verhalten als in den Bereichen, in denen
sich keine Teile der Sicherungsstruktur auf dem Siegeletikett befinden. Dabei genügt
es bereits, wenn die Sicherungsstruktur eine Dicke in der Größenordnung des Siegeletiketts
aufweist. Aufgrund der üblicherweise sehr dünnen Siegeletiketten ist bereits eine
recht dünne Sicherungsstruktur ausreichend, um eine Manipulation, beispielsweise über
Erwärmen des Klebstoffs der Klebeschicht, effektiv zu verhindern. Die unregelmäßige
Gesamtstruktur aus Siegeletikett und Sicherungsstruktur führt dazu, dass bei einem
manipulativen Eingriff eines oder mehrerer der mindestens einen Sicherungsmittel des
Siegeletiketts auslöst und/oder die Sicherungsstruktur durch den manipulativen Eingriff
zerstört wird. In beiden Fällen ist der manipulative Eingriff sehr deutlich zu erkennen.
[0015] Eine derartige Sicherungsstruktur lässt sich problemlos in einem automatisierten
Produktionsprozess auf dem Siegeletikett erzeugen. So lässt sich die Sicherungsstruktur
beispielsweise mittels eines Druckverfahrens, mittels Extrusion oder mittels Aufspritzen
eines UV-aushärtenden Materials erzeugen. Als Druckverfahren kann beispielsweise das
PrintoLUX-Verfahren eingesetzt werden, bei dem eine wasserlösliche Tinte aufgedruckt
und anschließend in einem Ofen ausgehärtet wird. Eine Beschreibung eines derartigen
Verfahrens ist in der
DE 10 2008 034 839 A1 offenbart. Ein Auftrag mittels Extrusion ähnelt einem 3D-Druck, bei dem Material
dreidimensional auf eine Oberfläche aufgetragen wird und mit der Oberfläche verschmolzen
wird. Ein UV-aushärtendes Material, das als Sicherungsstruktur aufgespritzt werden
könnte, kann beispielsweise durch einen UV-aushärtenden Klebstoff gebildet sein. Entsprechende
Verfahren und Materialien sind aus dem Stand der Technik hinlänglich bekannt. Da die
Sicherungsstruktur eine zusätzliche Sicherung des Siegeletiketts bietet, kann ein
dickeres, maschinenapplizierbares Siegeletikett verwendet werden. Da auch die Sicherungsstruktur
maschinenapplizierbar ausgestaltet werden kann, entsteht ein Sicherungssystem, das
in einem automatischen Fertigungsprozess an einem zu sichernden Gegenstand angebracht
werden kann und gleichzeitig einen effektiven und hohen Manipulationsschutz bietet.
Dadurch kann die Notwendigkeit von Handarbeit im Herstellungsprozess vermieden werden.
[0016] Das Sicherungssystem ist ergänzend auch zum Sichern gegen Fälschung geeignet, wenn
einer der Sicherungsmittel zusätzlich Fälschungssicherheit bietet. Da durch die Sicherungsstruktur
eine Manipulation verhindert oder zumindest erheblich erschwert werden kann, zeigt
ein Fälschungssicherheitsmerkmal eine hohe Wahrscheinlichkeit an, dass der gesicherte
Gegenstand nicht gefälscht ist.
[0017] Das mindestens eine Sicherungsmittel, das das Siegeletikett zum Signalisieren eines
manipulativen Eingriffes aufweist, kann auf verschiedenste Weise gebildet sein. So
ist denkbar, dass das Sicherungsmittel durch eine Sollreißstelle, Verformung bei Wärmeeintrag,
Veränderung des Etikettenhintergrunds bei versuchtem Unterheben des Etiketts, Zerfallen
in Einzelteile, einem erkennbarem Rückstand nach Entfernen des Siegeletiketts oder
dergleichen gebildet ist. Entsprechende Manipulationssicherheitsmerkmale sind aus
der Praxis hinlänglich bekannt. Die vorliegende Erfindung legt den verwendbaren Sicherungsmitteln
keine nennenswerten Schranken auf. Zusätzlich kann das Etikettensiegel Fälschungssicherheitsmerkmale
aufweisen, wie beispielsweise UV- oder wärmereaktive Materialien, Feinstrukturen,
Hologramme oder metallisierte Oberflächen.
[0018] Auch bezüglich der Dicke des Siegeletiketts stellt die vorliegende Erfindung keine
wesentlichen Anforderungen. Wichtig ist, dass das Siegeletikett ausreichend dünn ist,
so dass bei einem manipulativen Eingriff das Siegeletikett reißt oder ein anderes
Sicherungsmittel aktiviert bzw. ausgelöst wird. Alle Gesamtdicken, die diese Anforderungen
erfüllen können, sind damit prinzipiell im Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen
Lehre nutzbar. Vorzugsweise liegt die Gesamtdicke des Siegeletiketts jedoch im Bereich
von 30 µm bis 50 µm, wobei eine ganz besonders bevorzugte Gesamtdicke bei ca. 40 µm
liegt.
[0019] Bezüglich des zu sichernden Gegenstands sind ebenso keine wesentlichen Beschränkungen
vorhanden. Der zu sichernde Gegenstand kann durch ein Dokument, einen Bereich einer
Gehäusebaugruppe, ein vollständiges Gerät, ein Fahrzeug, ein Behältnis oder dergleichen
gebildet sein. Wesentlich ist lediglich, dass die Oberfläche des zu sichernden Gegenstands
für eine ausreichende Haftung des Siegeletiketts auf dem zu sichernden Gegenstand
geeignet ist. Dies ist beispielsweise dann gegeben, wenn die Oberfläche ausreichend
glatt ist und die Klebeschicht auf dem Material des zu sichernden Gegenstands gut
haftet. Diese Forderung ist jedoch hinreichend einfach zu erfüllen. In einer ganz
besonders bevorzugten Ausgestaltung ist der zu sichernde Gegenstand jedoch durch ein
Gehäuse gebildet, in dem ganz besonders bevorzugter Weise die Elektronik eines SmartMeter-Gateways
angeordnet ist.
[0020] Das Siegeletikett kann prinzipiell durch ein übliches, aus dem Stand der Technik
bekanntes Siegeletikett gebildet sein, das aus mindestens zwei Schichten, insbesondere
einer Klebeschicht und einer Deckschicht, besteht. Dabei ist es prinzipiell unerheblich,
aus welchen Materialien die Deckschicht und die Klebeschicht besteht und ob weitere
Schichten vorhanden sind. Denkbar wären beispielsweise Siegeletikette mit einer Deckschicht
aus einer Kunststofffolie, aus Metall, wie beispielsweise Aluminium, oder auch aus
Papier. Wichtig für die Wahl eines passenden Siegeletiketts ist lediglich, dass eine
Sicherungsstruktur partiell überdeckend auf dem Siegeletikett angebracht werden kann
und eine Verbindung zwischen dem Siegeletikett und der Sicherungsstruktur herstellbar
ist. Diese Forderung ist jedoch sehr einfach zu erfüllen, wenn das Material der Sicherungsstruktur
geeignet auf das gewählte Siegeletikett angepasst ist.
[0021] In einer bevorzugten Ausgestaltung unterscheiden sich die mechanischen Eigenschaften
des Siegeletiketts und der Sicherungsstruktur voneinander. Hierbei können die verschiedensten
mechanischen Eigenschaften unterschiedlich sein. Denkbar ist beispielsweise ein unterschiedlicher
Wärmeausdehnungskoeffizient, wodurch bei einem Wärmeeintrag, beispielsweise mittels
Heizluftgebläse, die Sicherungsstruktur eine stärkere Wärmeausdehnung erfährt als
das Siegeletikett, so dass die Sicherungsstruktur das darunterliegende Siegeletikett
zerreißt. Denkbar ist auch, dass das Siegeletikett biegbar ausgebildet ist, während
die Sicherungsstruktur spröde ist. Auf diese Weise kann beispielsweise bei einem Unterheben
mittels Rasierklinge die Sicherungsstruktur springen, wodurch beispielsweise die optischen
Eigenschaften der Sicherungsstruktur verändert werden. In einer besonders bevorzugten
Ausgestaltung unterschiedlicher mechanischer Eigenschaften weist das Siegeletikett
und die Sicherungsstruktur jedoch eine voneinander abweichende Biegesteifigkeit auf.
So kann beispielsweise das Siegeletikett relativ flexibel ausgestaltet sein, während
die Sicherungsstruktur aus einem biegesteifen Material ausgebildet ist. Auf diese
Weise führt ein Unterheben des Siegeletiketts, beispielsweise mittels einer Rasierklinge,
dazu, dass Teile mit Sicherungsstruktur unterschiedlich angehoben werden als Teile
ohne Sicherungsstruktur. Dadurch entsteht eine noch stärkere mechanische Beanspruchung
des Siegeletiketts, wodurch dieses bei dem Manipulationsversuch, beispielsweise an
Stanzungskanten, zuverlässiger reißt.
[0022] In einer bevorzugten Weiterbildung ist die Sicherungsstruktur aus einem zumindest
teilweise transparenten Material gebildet. Diese Ausgestaltung bietet den Vorteil,
dass eventuell bei einem Siegeletikett vorhandene Fälschungssicherheitsmerkmale durch
die Sicherungsstruktur nicht überdeckt werden. Des Weiteren können auf dem Siegeletikett
Informationen abgedruckt sein, die durch eine transparente Ausgestaltung trotz Sicherungsstruktur
weiterhin erkennbar bleiben. Des Weiteren kann, insbesondere bei einer Sicherungsstruktur
aus einen transparenten und zusätzlich spröde Material, erreicht werden, dass bei
einem manipulativen Eingriff die Sicherungsstruktur die Transparenz verliert und beispielsweise
opak wird. Auf diese Weise wird durch die Sicherungsstruktur ein weiteres Sicherungsmittel
geschafften, mittels dessen ein Manipulationsversuch erkennbar wird.
[0023] Das Material der Sicherungsstruktur kann ferner derart ausgebildet sein, dass es
sich bei Temperatureinwirkung, beispielsweise über ein Heißluftgebläse, dauerhaft
verändert. Dieses Material erfährt dann einen sogenannten Thermobreak. Eine der gebräuchlichsten
Veränderungen bei Wärmeeinfluss ist eine Veränderung der Farbe. Auf diese Weise würde
durch die Sicherungsstruktur erkennbar, wenn ein manipulativer Wärmeeintrag vorgenommen
worden ist.
[0024] In einer Ausgestaltung variiert die Dicke der Sicherungsstruktur. Auf diese Weise
entsteht bei der Sicherungsstruktur eine dreidimensional strukturierte Oberfläche.
Dies kann wiederum dazu genutzt werden, um ein weiteres Sicherungsmittel zu schaffen,
da ein Nachbilden der dreidimensional strukturierten Oberfläche nach einem Manipulationsversuch
eine erhebliche Hürde darstellen kann.
[0025] In einer weiteren Ausgestaltung der Sicherungsstruktur kann dieselbe hinsichtlich
ihrer Materialeigenschaften strukturiert sein. Es ist denkbar, dass ein Teil der Sicherungsstruktur
relativ flexibel ist, während ein anderer Bereich spröde ist. Bei dieser oder einer
anderen Strukturierung der Sicherungsstruktur über ihre Materialeigenschaften stoßen
Teilbereiche mit unterschiedlichen Materialeigenschaften aufeinander. Dadurch wird
bei einem Unterheben des Siegeletiketts mittels eines Rasiermessers das Verhalten
des Sicherungssystems praktisch kaum vorhersehbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass das
Siegeletikett bei einem derartigen Manipulationsversuch zerstört wird, steigt dadurch
erheblich.
[0026] Eine Strukturierung der Sicherungsstruktur kann derart erfolgen, dass in der Struktur
eine Information kodiert ist. Diese Information kann durch Abtasten oder auf anderer
Weise ausgelesen werden und mit einem Sollwert der Sicherungsstruktur des betreffenden
zu sichernden Gegenstands verglichen werden. Hierzu kann beispielsweise mittels einer
Datenbank eine Seriennummer des zu sichernden Gegenstands mit der ausgelesenen Information
verglichen werden und bei Übereinstimmung zwischen Informationen und Seriennummer
auf einen ungefälschten Gegenstand geschlossen werden. Auf diese Weise ist eine optische
maschinenlesbare Auswertung zur Verifikation der Sicherungsstruktur möglich. Dies
erhöht sowohl Fälschungssicherheit als auch Manipulationssicherheit.
[0027] Ergänzend oder alternativ kann die Sicherungsstruktur in mehrere Teilbereiche strukturiert
sein. Dabei können die Teilbereiche voneinander beabstandet sein oder sich, insbesondere
bei einer weiteren Strukturierung der Sicherungsstruktur, auch berühren. Beabstandete
Teilbereiche können beispielsweise durch parallel verlaufende Linien, beispielsweise
Sinuskurven, Dreieckkurven, Sägezähne oder beliebig geformte Linienzüge, gebildet
sein. Die Linien können dabei eine konstante Breite aufweisen, können aber auch in
ihrer Breite variieren. Die Teilbereiche können auch einen Schnitt in Form von Rechtecken,
Dreiecken, Sechsecken oder anderen regelmäßigen oder unregelmäßigen Flächen aufweisen.
Die Berandungen der Teilbereiche können parallel verlaufen oder auch windschief zueinander
sein. Durch die Art der Unterteilung in Teilbereiche kann wiederum eine auslesbare
Information codiert sein.
[0028] In einer Ausgestaltung der Verbindung zwischen Siegeletikett und Sicherungsstruktur
kann die Verbindung mittels Adhäsion gebildet sein. Dies bedeutet, dass die Grenzflächenschichten
des Siegeletiketts bzw. der Sicherungsstruktur durch molekularer Wechselwirkung einen
mechanischen Zusammenhalt erfahren. Eine derartige Verbindung kann beispielsweise
durch einen Klebstoff erreicht werden, der mittels UV-Licht oder Wärme aushärtet.
[0029] Eine Verbindung zwischen Siegeletikett und Sicherungsstruktur könnte jedoch auch
durch zumindest partielle Verschmelzung erreicht werden. In diesem Fall verschmilzt
das Material des Siegeletiketts mit dem Material der Sicherungsstruktur, wenn beide
beispielsweise auf Kunststoffbasis aufgebaut sind. Eine derartige Verbindung kann
beispielsweise bei Extrusion der Sicherungsstruktur auf dem Siegeletikett erreicht
werden. Es wäre auch denkbar, dass die Sicherungsstruktur teilweise in die Deckschicht
des Siegeletiketts hineindiffundiert.
[0030] Zusätzlich oder alternativ ist es auch möglich, dass eine mechanische Verbindung
zwischen dem Siegeletikett und der Sicherungsstruktur gebildet ist. D.h. die Sicherungsstruktur
reicht an mindestens einer Stelle in das Siegeletikett hinein. In einer besonders
bevorzugten Ausgestaltung kann dies dadurch erreicht werden, dass das Siegeletikett
mindestens eine Öffnung aufweist und dass sich die Sicherungsstruktur durch diese
mindestens eine Öffnung erstreckt und damit zumindest teilweise beidseits des Siegeletiketts
angeordnet ist. Auf diese Weise entsteht eine Sicherungsstruktur, bei der ein Teil
eine Art Anker durch die Öffnung in dem Siegeletikett bildet. Dabei ist es unerheblich,
in welcher Weise diese Ankerstruktur aufgebaut ist. Der Anker kann durch ein Quader,
einen Kegelstumpf, einen Zylinder, einen Pyramidenstumpf oder eine andere geometrische
Form gebildet sein.
[0031] Zum Schutz der Sicherungsstruktur vor äußeren Einflüssen kann das Sicherungssystem
eine Schutzschicht aufweisen. Die Schutzschicht könnte auf den Siegeletikett und der
Sicherungsstruktur angebracht sein. Dadurch wird erreicht, dass das Sicherungssystem
vor Feuchtigkeit und anderen potentiell ungünstigen Einflüssen geschützt ist. Dadurch
lässt sich das Risiko einer unbeabsichtigten Beschädigung des Sicherungssystems reduzieren.
Zusätzlich kann diese Schutzschicht aber auch eine Manipulation weiter erschweren.
Wenn beispielsweise die Sicherungsstruktur aus einem transparenten Werkstoff gebildet
ist, würde die Schutzschicht den Verlauf der Sicherungsstruktur oder deren Teilbereiche
schwieriger erkennbar machen. Dadurch reduzieren sich für einen Angreifer die Möglichkeiten,
auf den Verlauf der Sicherungsstruktur reagieren zu können.
[0032] Als weitere Sicherungsmaßnahme könnte das Sicherungssystem Taschen aufweisen, die
mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Diese Taschen könnten derart ausgestaltet sein,
dass bei einem manipulativen Eingriff die Tasche zerstört wird und sich die Flüssigkeit
in Richtung Siegeletikett ergießt. Wenn die Flüssigkeit gefärbt ist oder in sonstiger
Weise eine sichtbare Veränderung des Siegeletiketts und/oder der Sicherungsstruktur
herbeiführen kann, kann auf diese Weise eine weitere Erkennbarkeit einer versuchten
Manipulation geschaffen werden. Die flüssigkeitsgefüllten Taschen könnten beispielsweise
während eines Aufspritzvorgangs der Sicherungsstruktur hergestellt werden.
[0033] Prinzipiell kann das erfindungsgemäße Sicherungssystem zur Sicherung verschiedenster
Gegenstände genutzt werden. Dokumente aus Papier oder anderen Materialien lassen sich
ebenso gegen Manipulation und/oder Fälschung sichern, wie Gehäusebaugruppen oder Geräte.
Eine ganz besonders bevorzugte Nutzung des erfindungsgemäßen Sicherungssystems besteht
jedoch in der Verwendung bei der Sicherung eines Gehäuses. In dem Gehäuse könnten
wiederum verschiedenste Elektrobaugruppen angeordnet sein. Vorzugsweise ist dieses
Gehäuse jedoch dazu ausgestaltet eine Kommunikationseinheit aufzunehmen, ganz besonders
bevorzugter Weise ein SmartMeter-Gateway.
[0034] Die erfindungsgemäße Anordnung besteht dann aus einem Gehäuse - dem zu schützenden
Gegenstand - und einem erfindungsgemäßen Sicherungssystem. Das Gehäuse besteht aus
mindestens zwei Gehäuseteilen, die an mindestens einer Stoßkante zusammengefügt sind.
Das Siegeletikett und Sicherungsstruktur sind dabei zumindest teilweise über der Stoßkante
angeordnet. Prinzipiell kann das Gehäuse auf verschiedenste Weise ausgebildet sein.
Wichtig dabei ist, dass das Siegeletikett und die Sicherungsstruktur derart an dem
Gehäuse anbringbar sind, dass ein unautorisiertes Öffnen des Gehäuses erkennbar wird.
Ein Gehäuse, das hierfür besonders gut geeignet ist, ist in der
DE 10 2014 220 169 A1 beschrieben.
[0035] Vorzugsweise überdeckt die Sicherungsstruktur nicht lediglich nur einen Teil des
Siegeletiketts, sondern erstreckt sich auch über den Rand des Siegeletiketts hinaus.
Dabei könnte die Sicherungsstruktur zusätzlich zumindest bereichsweise mit dem Gehäuse
verbunden sein. Auf diese Weise wird eine ergänzende Erkennbarkeit eines manipulativen
Eingriffs erreicht. Denn selbst wenn es einem Angreifer gelingen sollte, die Sicherungsstruktur
samt Siegeletikett unerkennbar von dem Gehäuse abzulösen und auf einem anderen Gehäuse
anzubringen, so wird der Teil der Sicherungsstruktur, der mit dem Gehäuse verbunden
war/ist nicht auf das "neue" Gehäuse übertragbar sein. Dadurch wird erkennbar, wenn
ein derartiger Manipulationsversuch durchgeführt worden ist.
[0036] Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, die Lehre der vorliegenden Erfindung in vorteilhafter
Weise auszugestalten und weiterzubilden. Dazu ist einerseits auf die den nebengeordneten
Ansprüchen nachgeordneten Ansprüche und andererseits auf die nachfolgende Erläuterung
bevorzugter Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnung zu verweisen.
In Verbindung mit der Erläuterung der bevorzugten Ausführungsbeispiele der Erfindung
anhand der Zeichnung werden auch im Allgemeinen bevorzugte Ausgestaltungen und Weiterbildungen
der Lehre erläutert. In der Zeichnung zeigen
- Fig. 1
- eine Ansicht eines bekannten Hutschienengehäuses mit Blick auf die Frontseite,
- Fig. 2
- eine Schrägansicht des bekannten Hutschienengehäuses auf Fig. 1,
- Fig. 3
- verschiedene Siegeletikette mit unterschiedlichen Sicherungsmitteln (Teilfiguren A
bis E),
- Fig. 4
- eine Draufsicht auf ein erstes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Sicherungssystems,
- Fig.5
- einen Schnitt durch das Sicherungssystem nach Fig. 4 entlang der Längsachse des Siegeletiketts,
- Fig. 6
- einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Sicherungssystems
mit ersten strukturierten Materialeigenschaften,
- Fig. 7
- einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Sicherungssystems
mit zweiten strukturierten Materialeigenschaften,
- Fig. 8
- einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Sicherungssystems
mit einer rahmenförmigen Sicherungsstruktur,
- Fig. 9
- einen Schnitt durch ein Ausführungsbeispiel ähnlich Fig. 8 mit einem dachförmigen
Fortsatz des Gehäuses,
- Fig. 10
- eine Draufsicht auf ein Ausführungsbeispiel ähnlich Fig. 4 mit Sollreißstellen in
dem Siegeletikett,
- Fig. 11
- einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Sicherungssystems
mit einer ankerförmigen mechanischen Verbindung zwischen der Sicherungsstruktur und
dem Siegeletikett,
- Fig. 12
- einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Sicherungssystem
mit einer rahmenförmigen Sicherungsstruktur und einer ankerförmigen Verbindung und
- Fig. 13
- einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Sicherungssystem
mit einer anderen rahmenförmigen Sicherungsstruktur.
[0037] Fig. 1 zeigt eine Draufsicht auf ein bekanntes Hutschienengehäuse mit Blick auf die
Frontseite. Eine Schrägansicht des Gehäuses ist in Fig. 2 dargestellt. Eine detaillierte
Beschreibung der Funktionsweise und der einzelnen Elemente dieses Gehäuses kann der
DE 10 2014 220 169 A1 entnommen werden, auf deren Inhalt hiermit ausdrücklich Bezug genommen wird. Das
Gehäuse 1 umfasst eine erste Gehäusehälfte 2 und eine zweite Gehäusehälfte 3. In den
Gehäusehälften 2, 3 sind mehrere Öffnungen ausgebildet, durch die Anschlüsse einer
Elektrobaugruppe innerhalb des Gehäuses 1 erreichbar sind. In Fig. 2 ist beispielhaft
ein Anschluss für eine Energieversorgung 4 und mehrere RJ45-Buchsen 5 zum Anschluss
von Netzwerkkabeln erkennbar. An der Frontseite 6 des Gehäuses 1 ist eine Siegeltasche
ausgebildet, innerhalb der ein Siegeletikett 7 eingeklebt ist. Das Siegeletikett 7
bzw. die Siegeltasche ist dabei an einer Stoßkante 8 angeordnet und erstreckt sich
über die erste und zweite Gehäusehälfte 2, 3. Bei einem derartigen Gehäuse kann das
erfindungsgemäße Sicherungssystem besonders gut angewandt werden.
[0038] Die Teilfiguren der Fig. 3 stellen verschiedene Sicherheitsmerkmale eines bekannten
Siegeletiketts dar. In Fig. 3A ist das Siegeletikett bei Tageslichtbeleuchtung und
in nicht manipuliertem Zustand erkennbar. Unter einer ultravioletten Beleuchtung fluoresziert
ein Teil des Siegeletiketts, wodurch in dem in Fig. 3B dargestellten Beispiel ein
Schriftzug erkennbar wird, hier die Abkürzung der Anmelderin. Fig. 3C zeigt ein manipuliertes
Siegeletikett, bei dem ein Sicherungsmittel ausgelöst ist. Es haben sich Schichten
des Siegeletiketts voneinander getrennt, so dass sich der Siegelhintergrund verändert
hat, wodurch ein Manipulationsversuch erkennbar wird. In Fig. 3D ist ein verbleibender
Rückstand auf dem zu sichernden Gegenstand erkennbar. In dem in Fig. 3D dargestellten
Fall ist dies ein Schriftzug mit der Abkürzung der Anmelderin. Ein verbleibender Rückstand
macht sichtbar, dass ein Siegeletikett entfernt worden ist. Ohne Rückstand könnte
das Anbringen des Siegeletiketts vergessen worden sein.
[0039] Fig. 3E stellte eine vergrößerte Ansicht dieses Siegeletiketts dar. Es sind mehrere
Sicherungsmittel vorgesehen, die eine Manipulation und/oder eine Echtheit des Siegeletiketts
erkennbar machen. Im linken Bereich des Siegeletiketts ist ein thermoreaktives Feld
9 ausgebildet, das ein Erwärmen des Siegeletiketts über eine bestimmte Temperatur
signalisiert. Wenn beispielsweise ein manipulativer Eingriff mittels Heißluftgebläse
vorgenommen worden ist, verfärbt sich dieses thermoreaktive Feld 9. Der ferner auf
dem Siegeletikett erkennbare QR-Code bzw. die Buchstaben- und Zahlenfolge am unteren
Rand des Siegeletiketts können Informationen über den gesicherten Gegenstand enthalten,
mit denen über eine Datenbank die Originalität des Siegeletiketts bzw. des gesicherten
Gegenstands verifiziert werden kann. Der Schriftzug "PPC" im rechten oberen Bereich
des Siegeletiketts ist mit einem Regenbogeneffekt erzeugt sein, so dass auch hier
die Originalität erkennbar wird.
[0040] Fig. 4 zeigt Draufsicht auf ein erstes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
Sicherungssystems, das beispielsweise an einem Gehäuse entsprechend Fig. 1 und 2 angebracht
sein kann. Das Gehäuse ist lediglich ausschnittsweise dargestellt. Eine erste Gehäusehälfte
2 und eine zweite Gehäusehälfte 3 sind an einer Stoßkante 8 zusammengefügt. Über der
Stoßkante 8 ist ein Siegeletikett 7 angebracht, das partiell durch eine Sicherungsstruktur
10 überdeckt ist. Die Sicherungsstruktur 10 ist durch mehrere linienförmige Teilbereiche
gebildet, die als unregelmäßige Linien ausgebildet sind. Zwei linienförmige erste
Teilbereiche 11 sind parallel zueinander und in einer Richtung im Wesentlich parallel
zu der Stoßkante 8 angeordnet. Vier zweite linienförmige Teilbereiche 12 sind ebenfalls
parallel zueinander und in einer Richtung im Wesentlichen senkrecht zu der Stoßkante
8 angeordnet. Die einzelnen Teilbereiche 11, 12 sind jeweils beabstandet voneinander
angeordnet.
[0041] Die einzelnen Teilbereiche 11, 12 überdecken das Siegeletikett 7 partiell und erstrecken
sich über den Rand des Siegeletiketts 7 hinaus. In dem Bereich des Siegeletiketts
7 sind die Teilbereiche 11, 12 der Sicherungsstruktur 10 mit dem Siegeletikett 7 verbunden.
Der Bereich der Teilbereiche 11, 12, der sich jeweils über das Siegeletikett hinaus
erstreckt, ist jeweils mit dem Gehäuse verbunden.
[0042] Ein derartiges Sicherungssystem ist in Fig. 5 im Schnitt dargestellt, wobei die Schnittlinie
parallel der Längsachse des Siegeletiketts und senkrecht zu der Stoßkante 8 verläuft.
Es sei darauf hingewiesen, dass der Fig. 5 geringfügig von dem Schnitt durch die Fig.
4 ab. In dem Schnitt der Fig. 5 ist ein Siegeletikett 7 über eine Stoßkante 8 zwischen
einer ersten Gehäusehälfte 2 und einer zweiten Gehäusehälfte 3 angeordnet. Das Siegeletikett
7 besteht aus einer Klebeschicht 13 und einer Deckschicht 14, wobei die Klebeschicht
13 auf dem zu sichernden Gehäuse 1 angebracht ist und damit auf den Gehäusehälften
2, 3 haftet. Die Sicherungsstruktur 10 überdeckt das Siegeletikett 7 partiell und
erstreckt sich über den Rand des Siegeletiketts hinaus. Im Bereich des Siegeletiketts
ist die Sicherungsstruktur 10 mit der Deckschicht 12 des Siegeletiketts 7 verbunden
und damit mit dem Siegeletikett 7 selbst. Der Teil der Sicherungsstruktur 10, der
über das Siegeletikett 7 hinausreicht, ist ebenfalls zumindest bereichsweise mit dem
Gehäuse bzw. den Gehäusehälften 2, 3 verbunden.
[0043] Es ist erkennbar, dass die Sicherungsstruktur 10 eine strukturierte Oberfläche aufweist
und damit eine 3D-Struktur bildet. Ferner ist zu erkennen, dass sich Sicherungsstruktur
10 dem Rand des Siegeletiketts anschmiegt. Dadurch ist ein Einschieben einer Rasierklinge
oder eines anderen scharfen Gegenstands zwischen Klebeschicht 11 und Gehäuseteil 2,
3 deutlich erschwert. Selbst wenn es gelingen sollte, eine Rasierklinge einzuschieben,
so sorgt die durch die Sicherungsstruktur herbeigeführte unregelmäßige Gesamtstruktur
dafür, dass die Rasierklinge das Sicherungssystem sehr unterschiedlich abhebt. In
Bereichen ohne Sicherungsstruktur wird das Siegeletikett lediglich in einem kleinen
Bereich vor der Rasierklinge angehoben werden. Ein Bereich mit Sicherungsstruktur
wird dagegen steifer sein und wird damit durch das Einschieben der Rasierklinge in
einem größeren Bereich vor der Rasierklinge mit Kräften beansprucht. Auf diese Weise
entstehen deutlich abweichende Beanspruchungen des Siegeletiketts bei Einschieben
der Rasierklinge. Damit begünstigt die Sicherungsstruktur bei diesem Manipulationsversuch
das Reißen des Siegeletiketts und damit das Auslösen eines Sicherungsmittels.
[0044] Fig. 6 und 7 zeigen einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
Sicherungssystems mit strukturierten Materialeigenschaften. Dabei sind zwei unterschiedliche
Materialien (A, B) unter einem Deckmaterial (C) versteckt. Dadurch wird ein Unterheben
mit einer Rasierklinge noch schwieriger, da das Verhalten des Sicherungssystems kaum
abschätzbar ist. Insbesondere dann, wenn alle Materialien A, B, C ähnliche oder gar
identische optische Eigenschaften aufweisen, sind die Grenzen zwischen den Materialstrukturen
kaum erkennbar. Sollte durch Manipulation eines anderen Geräts gelernt worden sein,
wie und wo die unterschiedlichen Strukturen positioniert sind, ergibt sich daraus
nicht zwangsläufig die Position auf dem anzugreifenden Objekt. Dies kann dadurch noch
verstärkt werden, wenn die Strukturen bei unterschiedlichen Sicherungssystemen variiert
werden.
[0045] Eine andere Weiterbildung kann eine Unterhebung oder einen Abzug verhindern. Durch
die Etikettendicke und Untergrundbeschaffenheit wird wesentlich die Unterhebungsschweregrad
mittels Werkzeugen (z.B. Rasiermesser) bestimmt. Ebenso spielt die Schichtdicke bei
einem Angriffsszenario mit Wärmeeinwirkung eine entscheidende Rolle. Das Abziehen
der Deckschicht inclusive Klebeschicht kann neben der Wahl einer dünnen Schichtdicke
erschwert werden, indem eine zusätzliche Schicht mit anderen Materialeigenschaften
im Vergleich zu Untergrund und Folie verwendet wird und mit dem Untergrund verklebt.
Dadurch verhindert man eine Unterhebung. Diesen Effekt kann man dadurch verstärken,
dass das Siegeletikett in Gehäusen in einer Vertiefung bzw. einer Tasche angeordnet
ist. Eine ringsum Umrandung ist aber nicht immer ratsam, da dadurch ein "Rahmen" entsteht,
der die Folie in Form halten kann. Außer man lässt eine feste Masse / Rahmen zwischen
einer Tasche mit Dach einfließen, das das Siegel überdeckt. Beim versuchten Abzug
ermöglichen Einreißstellen, dass das Siegel zerstört wird.
[0046] Derartige Ausgestaltungen sind in den Figuren 8 und 9 dargestellt. Hier ist das Siegeletikett
7 in einer Siegeltasche angeordnet, die durch eine rampenförmige Umrandung 15 in den
Gehäusehälften 2, 3 ausgebildet ist. Die Sicherungsstruktur 10 ist im Randbereich
des Siegeletiketts 7 angeordnet und füllt den Bereich zwischen Siegeletikett 7 und
Umrandung 15 auf. In Fig. 9 ist die Umrandung ergänzend dachförmig ausgebildet. Damit
ist ein Unterheben des Sicherungssystems praktisch ausgeschlossen.
[0047] Fig. 10 zeigt eine Draufsicht auf ein Ausführungsbeispiel ähnlich Fig. 4 mit Sollreißstellen
in dem Siegeletikett. Die Sollreißstellen sind beispielsweise durch Stanzung eingebracht.
Die Einreißstellen, die bei Abziehen oder Unterhebung eine Sollreißstelle bilden,
sind mit Bezugszeichen 18 gekennzeichnet.
[0048] Bei der Sicherungsstruktur kann eine Kombination verschiedener Materialeigenschaften
genutzt werden, beispielsweise hart und spröde in Kombination mit weich. Ziel unterschiedlicher
Materialeigenschaften ist es Deformationen vor allem im Bereich der Deckschicht zu
erreichen. Der Effekt eines Aufwellens ist gewünscht, wenn Wärme auf das Gesamtkonstrukt
eingebracht wird. Teile des Siegeletiketts sollen gehalten werden - am besten mit
dem Untergrund - und andere Teile sollen sich dafür strecken beim Erwärmen - vor allem
die Folie. Dafür ist ein Überdecken mit weichem Material günstig oder das Herstellen
von dedizierten Lufteinschlüssen bzw. Brücken ohne Materialkontakt. Gleicher Effekt
ist bei besonders niedrigen Temperaturen ebenfalls gegeben.
[0049] In einer anderen Weiterbildung können geometrische Punkte und/oder Einschlüsse vorgesehen
sein, die damit eine mechanische Verbindung zwischen Sicherungsstruktur und Siegeletikett
bilden. Ein unbemerktes Abziehen kann auch dadurch verhindert werden, dass Material
durch das Siegeletikett oder an dessen Kante fließt und in Form eines Ankers erstarrt.
Dadurch muss an dieser Stelle die Abziehkräfte im Vergleich zu dem umliegenden Bereich
erhöht werden, wodurch eine Verformung entsteht, wenn Haftung zur Deckschicht besteht.
Weiter vorteilhaft ist, wenn in einem Siegel mehrere dieser Punkte vorgesehen ist,
diese nicht immer genutzt werden müssen und durch die blickdichte Überdeckung der
Angreifer nicht weiß, ob ein Anker ausgefüllt wurde oder nicht.
[0050] Eine derartige Ausgestaltung ist in den Figuren 11 (eine Ankerstruktur) und 12 (zwei
Ankerstrukturen) jeweils im Schnitt dargestellt. In Fig. 11 ist in dem Siegeletikett
7 eine Öffnung 16 ausgebildet, durch die Material der Sicherungsstruktur 10 reicht
und eine Ankerstruktur 17 bildet. In dem in Fig. 11 dargestellten Fall ist dieses
Material durch Material A gebildet. Die Ankerstruktur 17 kann prinzipiell direkt unter
dem Siegeletikett angeordnet sein. In dem In Fig. 11 dargestellten Ausführungsbeispiel
reicht die Ankerstruktur 17 bis in eine Ausnehmung in dem Gehäuse, so dass eine weiter
verbesserte Verbindung zwischen Sicherungssystem und Gehäuse entsteht.
[0051] In Fig. 12 ist die Ankerstruktur 17 am Rand des Siegeletiketts 7 gebildet.
[0052] Ferner können unterschiedliche Adhäsionscharakteristika verwendeter Materialien gegen
Angriffe mit Transferfolie genutzt werden. Um einem Angriffsszenario mit Transferfolie
zu begegnen, ist die Verwendung von Materialien mit unterschiedlichen Adhäsionscharakteristika
sinnvoll. Dies erreicht man dadurch, dass man eine Perforation der Siegel vorsieht
und Teile dieser Perforation mit adhäsionsarmem Material (z.B. Silikon) überdeckt,
um dadurch durch anreiben einer Transferfolie Teile auf dem Originaluntergrund zu
hinterlassen.
[0053] Fig. 13 zeigt einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
Sicherungssystem mit einer anderen rahmenförmigen Sicherungsstruktur 10.
[0054] Hinsichtlich weiterer vorteilhafter Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Sicherungssystems
und der erfindungsgemäßen Gehäuseanordnung wird zur Vermeidung von Wiederholungen
auf den allgemeinen Teil der Beschreibung sowie auf die beigefügten Ansprüche verwiesen.
[0055] Schließlich sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die voranstehend beschriebenen
Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen Sicherungssystems und der erfindungsgemäßen
Gehäuseanordnung lediglich zur Erörterung der beanspruchten Lehre dienen, diese jedoch
nicht auf die Ausführungsbeispiele einschränken.
Bezugszeichenliste
[0056]
- 1
- Gehäuse
- 2
- Erste Gehäusehälfte
- 3
- Zweite Gehäusehälfte
- 4
- Energieversorgung
- 5
- RJ45-Buchsen
- 6
- Frontseite
- 7
- Siegeletikett
- 8
- Stoßkante
- 9
- Thermoreaktives Feld
- 10
- Sicherungsstruktur
- 11
- Erste Teilbereiche
- 12
- Zweite Teilbereiche
- 13
- Klebeschicht
- 14
- Deckschicht
- 15
- Umrandung der Siegeltasche
- 16
- Öffnung in Siegeletikett
- 17
- Ankerstruktur
- 18
- Sollreißstelle
1. Sicherungssystem zum Sichern eines Gegenstands gegen Manipulation, mit einem Siegeletikett
(7), das zumindest eine Klebeschicht (13) und eine Deckschicht (14) aufweist, wobei
das Siegeletikett (7) mittels der Klebeschicht (13) an einem zu sichernden Gegenstand
(2, 3) anbringbar ist und mindestens ein Sicherungsmittel zum Signalisieren eines
manipulativen Eingriffs aufweist,
gekennzeichnet durch eine Sicherungsstruktur (10), die das Siegeletikett (7) partiell überdeckt und zumindest
bereichsweise mit dem Siegeletikett (7) verbunden ist, wobei das Siegeletikett (7)
und die Sicherungsstruktur (10) eine unregelmäßige Gesamtstruktur bilden, so dass
bei einem manipulativen Eingriff das Auslösen eines oder mehrerer der mindestens einen
Sicherungsmittel und/oder das Zerstören der Sicherungsstruktur (10) begünstigt wird.
2. Sicherungssystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Siegeletikett (7) und die Sicherungsstruktur (10) unterschiedliche mechanische
Eigenschaft, vorzugsweise eine unterschiedliche Biegesteifigkeit, aufweist.
3. Sicherungssystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Sicherungsstruktur (10) zumindest teilweise aus transparentem Material gebildet
ist.
4. Sicherungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Sicherungsstruktur (10) in der Dicke variiert, so dass vorzugsweise eine dreidimensional
strukturierte Oberfläche ausgebildet ist.
5. Sicherungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Sicherungsstruktur (10) hinsichtlich ihrer Materialeigenschaften (A, B, C) strukturiert
ist.
6. Sicherungssystem nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Sicherungsstruktur (10) derart strukturiert ist, dass durch die Struktur eine
Information codiert ist.
7. Sicherungssystem nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Sicherungsstruktur (10) in Form mehrerer Teilbereiche (11, 12) strukturiert ist,
wobei die Teilbereiche (11, 12) vorzugsweise linienförmig ausgebildet sind.
8. Sicherungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass eine Verbindung zwischen Siegeletikett (7) und Sicherungsstruktur (10) mittels Adhäsion
und/oder partieller Verschmelzung gebildet ist.
9. Sicherungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Verbindung zwischen Siegeletikett (7) und Sicherungsstruktur (10) mittels einer
mechanischen Verbindung erfolgt.
10. Sicherungssystem nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Siegeletikett (7) mindestens eine Öffnung (16) aufweist und dass sich die Sicherungsstruktur
(10) zumindest teilweise beidseits des Siegeletiketts (7) und durch die mindestens
eine Öffnung (16) erstreckt, womit sich die Sicherungsstruktur (10) vorzugsweise als
Ankerstruktur (17) durch die mindestens eine Öffnung (16) erstreckt.
11. Sicherungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 10, gekennzeichnet durch eine über dem Siegeletikett (7) und der Sicherungsstruktur (10) angebrachten Schutzschicht.
12. Sicherungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass in der Sicherungsstruktur (10) Taschen ausgebildet sind, die mit einer Flüssigkeit
gefüllt sind, und dass sich die Flüssigkeit bei Zerstörung der Sicherungsstruktur
(10) über zumindest Teile des Siegeletiketts (7) ergießt.
13. Gehäuseanordnung bestehend aus einem Gehäuse und einem Sicherungssystem nach einem
der Ansprüche 1 bis 12, wobei das Gehäuse (1) aus mindestens zwei Gehäuseteilen (2,
3) besteht, die an mindestens einer Stoßkante (8) zusammengefügt sind, und wobei das
Siegeletikett (7) und die Sicherungsstruktur (10) zumindest teilweise über der Stoßkante
(8) angeordnet ist.
14. Gehäuseanordnung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Sicherungsstruktur (10) über den Rand des Siegeletiketts (7) hinaus erstreckt
und dass die Sicherungsstruktur (10) zusätzlich zumindest bereichsweise mit dem Gehäuse
(1) verbunden ist.
15. Verfahren zum Herstellen eines Sicherungssystems nach einem der Ansprüche 1 bis 12
umfassend die Schritte:
Anbringen eines Siegeletikettes (7) mittels einer Klebeschicht (13) des Siegeletiketts
(7) auf einem zu sichernden Gegenstand und
Erzeugen einer Sicherungsstruktur (10) auf dem Siegeletikett (7) zum Herstellen einer
unregelmäßigen Gesamtstruktur aus Siegeletikett (7) und Sicherungsstruktur (10), wobei
die Sicherungsstruktur (10) derart auf dem Siegeletikett (7) erzeugt wird, dass die
Sicherungsstruktur (10) das Siegeletikett (7) partiell überdeckt und zumindest bereichsweise
mit dem Siegeletikett (7) verbunden ist.