[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Bogendruckmaschine mit einzeln angetriebenen
Zylindern, wobei die verwendeten Einzelantriebe für eine verbesserte Kollisionsvermeidung
zwischen den einzeln angetriebenen Zylindern über eine galvanisch getrennte Doppelwicklung
verfügen.
[0002] Die Erfindung liegt in dem technischen Gebiet der Bogendruckmaschinen.
[0003] Für den Antrieb der Papier führenden Zylinder in einer Druckmaschine sind verschiedene
Antriebstechniken im Stand der Technik bekannt. Die klassische Antriebsart besteht
dabei aus einem gemeinsamen Motor, der mehrere Zylinder antreibt, wobei diese über
einen entsprechenden Zahnradzug miteinander gekoppelt sind, um eine gleichmäßige Kraftübertragung
vom Motor auf die einzelnen Zylinder zu gewährleisten. In dieser Ausführungsform ist
ein hoher Fertigungsaufwand vonnöten, um eine entsprechende Winkelgenauigkeit zu erzielen,
welche sicherstellt, dass die einzelnen Zylinder entsprechend synchron angetrieben
werden.
[0004] Wesentlich einfacher, was den Fertigungsaufwand angeht, sind daher einzeln angetriebene
Zylinder, welche jeweils über einen separaten Antrieb verfügen. Eine solche Lösung
von einzeln angetriebenen Zylindern hat jedoch den Nachteil von erhöhten Kosten durch
die jeweils mehrfach vorhandenen Antriebe. Zudem ergibt sich bei dieser Antriebsart
das Problem einer möglichen Kollision, besonders dadurch, dass die einzeln angetriebenen
Zylinder nicht mehr direkt physisch miteinander verbunden sind. Im Stand der Technik
wird dieses Problem bisher dadurch gelöst, dass die Einzelantriebe durch ein Notzahnrad
zur Kollisionsvermeidung im Fehlerfall noch miteinander verbunden sind. Dies schränkt
jedoch die durch die Einzelantriebe erreichte Flexibilität wieder ein und verursacht
ebenfalls zusätzliche Kosten.
[0005] Aus dem europäischen Patent
EP 1 609 598 B1 ist daher bekannt, dass bei einer Druckmaschine mit Einzelantrieben das Greifersystem
der einzelnen Zylinder bei einer auftretenden Synchronabweichung eingezogen wird,
um mögliche Kollisionen zu vermeiden. Bei Bogen verarbeitenden Druckmaschinen können
Kollisionsschäden jedoch nicht nur beim Aufeinandertreffen von Greifern auftreten,
sondern in jeder beliebigen Winkellage, besonders wenn steifere Materialien, wie zum
Beispiel Karton, verarbeitet werden. Diese Lösung ist also nur dann praktikabel, wenn
eine Beeinträchtigung durch den Bedruckstoff zu vernachlässigen ist. Da dies meistens
nicht der Fall ist, ist diese Lösung nicht geeignet, das prinzipielle Problem möglicher
Kollisionen bei einzeln angetriebenen Zylindern in Druckmaschinen zu beheben.
[0006] Aus dem europäischen Patent
EP 0 904 934 B1 ist es weiterhin bekannt, die Transferzylinder im Fehlerfall in eine kollisionsfreie
Stellung zu bringen. Hierbei stellt es jedoch ein grundlegendes Problem dar, dass
in einem solchen Fehlerfall die Transferzylinder von ihrem defekten Antrieb nicht
mehr ausreichend gesteuert werden können. Falls sich zudem noch ein Papierbogen im
Greifer befindet, kann das Wegschwenken des Zylinders weitere Probleme verursachen.
Auch das Wegschwenken der Transferzylinder ist somit als grundlegende Lösung für das
Problem einer möglichen Kollision nicht anzuwenden.
[0007] Die deutsche Patentschrift
DE 101 22 906 C1 offenbart daher eine Strukturumschaltung zur Drehzahlregelung im Fehlerfall. In diesem
Verfahren ist vorgesehen, den fehlerhaften Antrieb als Leitwert zum Herunterfahren
der Druckmaschine zu verwenden. Der Istwert des fehlerhaften Antriebes wird also als
Sollwert für das Herunterfahren der anderen Einzelantriebe verwendet. Nachteilig dabei
ist, dass die gestörte Achse nach Fehlererkennung abgeschaltet wird und ein genauerer
Wegeverlauf des Auslaufens somit nicht vorhersehbar ist. Bei Bogendruckmaschinen kann
dadurch eine Kollision auch durch einen klemmenden Bogen entstehen. Zusätzlich sind
bei Kurzschlüssen in der Leistungselektronik momentenbildende Ströme möglich, die
den Motor unkontrolliert beeinflussen. Es besteht dort die Gefahr, dass die intakten
Antriebe dem fehlerhaften Antrieb nicht folgen können, wodurch zusätzliche Winkelabweichungen
und Kollisionsmöglichkeiten entstehen.
[0008] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Bedruckstoffe verarbeitende
Maschine mit einzeln angetriebenen Zylindern zu offenbaren, welche über ein sicheres
und zuverlässiges System zur Kollisionsvermeidung zwischen den einzelnen angetriebenen
Zylindern verfügt und welches die aus dem Stand der Technik bekannten Nachteile behebt.
[0009] Eine erfindungsgemäße Lösung dieser Aufgabe stellt eine Bedruckstoffe verarbeitende
Maschine mit einzeln angetriebenen Zylindern dar, wobei der Elektromotor des jeweiligen
Einzelantriebes aus mindestens zwei Teilsystemen besteht und welche dadurch gekennzeichnet
ist, dass die mindestens zwei Teilsysteme aus mindestens zwei galvanisch getrennten,
parallelen Doppelwicklungen bestehen, mindestens ein Stromregler für beide Teilsysteme
vorhanden ist, beide Teilsysteme eine eigene Ansteuerung besitzen und von einer rechnergestützten
Überwachungs- und Steuerungslogik gewichtet ansteuerbar sind. Die Lösung der gestellten
Aufgabe wird also dadurch erreicht, dass jeder Einzelantrieb für den entsprechenden
Zylinder aus mindestens zwei Teilsystemen besteht. Die Teilsysteme besitzen jeweils
eine eigene Ansteuerung und können dadurch von der rechnergestützten Überwachungslogik
getrennt angesteuert werden. Die Gewichtung der Stromverteilung zwischen den einzelnen
Teilsystemen wird dabei von der Überwachungs- und Steuerungslogik durchgeführt, wobei
der mindestens eine Stromregler den vollen Strom für alle Teilsysteme regelt, der
Verteilung bzw. Gewichtung jedoch die Überwachungs-und Steuerungslogik übernimmt.
Um nicht zwei komplett separate Motoren für den Einzelantrieb verwenden zu müssen,
beschränkt man sich darauf, die Teilsysteme durch galvanisch getrennte parallele Doppelwicklungen
zu realisieren. Im Unterschied zum Stand der Technik existieren dabei mindestens zwei
Teilsysteme der Einzelantriebe, deren entsprechende Fehlerreaktionen auch auf Strom-Istwert-Ebene
überwacht werden, wobei stets mindestens ein Teilsystem funktionsfähig bleibt und
damit das fehlerhafte Teilsystem entsprechend kompensieren kann.
[0010] Ein weiterer Unterschied zum Stand der Technik besteht darin, dass der einzeln angetriebene
Zylinder durch mindestens zwei auf der Momentenebene parallele und winkelsynchrone
Antriebe angetrieben wird. Bei Ausfall eines Antriebs oder einer Leistungselektronik
bleibt der Zylinder damit steuerbar. Die Überwachung der Antriebe findet dabei jeweils
auf der Drehmomentebene statt, so dass eine Auswirkung auf die Drehzahl bzw. die Winkelstellung
des Zylinders vermieden wird.
[0011] Vorteilhafte, daher bevorzugte Weiterbildungen dieser Erfindung ergeben sich aus
den zugehörigen Unteransprüchen sowie aus der Beschreibung und den zugehörigen Zeichnungen.
[0012] Eine bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Druckmaschine ist dabei, dass
es sich um zwei Teilsysteme handelt, die einen gemeinsamen Stromregler besitzen oder
jeweils einen eigenen Stromregler. Bevorzugt wird für die erfindungsgemäße Druckmaschine,
dass zwei Teilsysteme mittels zwei galvanisch getrennten Doppelwicklungen verwendet
werden. Es besteht dabei sowohl die Möglichkeit, dass ein gemeinsamer Stromregler
die beiden Teilsysteme ausregelt, als auch dass jedes Teilsystem seinen eigenen, separaten
Stromregler besitzt.
[0013] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Druckmaschine ist dabei,
dass die zwei Teilsysteme aus zwei separaten Statorpaketen auf einer Achse bestehen,
während sie über einen gemeinsamen Rotor verfügen. Eine alternative Ausführung des
Einzelantriebsmotors mit zwei Teilsystemen zu den zwei galvanisch getrennten parallelen
Doppelwicklungen ist die Ausführung des Motors mit zwei separaten Statorpaketen. Der
Herstellaufwand steigt dadurch zwar, die Sicherheit gegen Spannungsüberschlag zwischen
den beiden Wicklungen erhöht sich jedoch.
[0014] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Druckmaschine ist dabei,
dass die zwei Teilsysteme aus zwei separaten Antrieben auf einer Achse bestehen. Der
Vorteil der Verwendung von zwei einzelnen und separaten Antrieben auf einer Achse
besteht darin, dass die beiden Teilsysteme so fast vollständig unabhängig voneinander
arbeiten können, da sie kaum noch über gemeinsame Komponenten verfügen. In dieser
Ausführungsform haben die beiden Teilsysteme daher getrennte Rotoren.
[0015] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Druckmaschine ist dabei,
dass durch die Überwachungs- und Steuerungslogik eine symmetrische Aufteilung des
Drehmoments zwischen den beiden Teilsystemen bewirkt wird.
Durch eine symmetrische Aufteilung des Drehmoments zwischen den beiden Teilsystemen
lässt sich eine genauere Überwachung des Antriebsverlaufs realisieren.
[0016] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Druckmaschine ist dabei,
dass die rechnergestützte Überwachungs- und Steuerungslogik die Stromsymmetrie durch
einen Vergleich der Stromistwerte sicherstellt. Die symmetrische Aufteilung des Drehmoments
zwischen den beiden Teilsystemen wird dabei sichergestellt, indem der Stromregler
einen ihm fest vorgegebenen Strom-Sollwert an beiden Teilsystemen umsetzt. Der vorgegebene
Strom-Sollwert kann dabei z.B. von der rechnergestützten Überwachungslogik vorgegeben
werden. Gleichzeitig und zusätzlich werden die beiden Strom-Istwerte, die an beiden
Teilsystemen anliegen, verglichen, um im Fehlerfall, also bei abweichenden Strom-Istwerten,
eingreifen zu können. Dies wird von einem aktiven Bauelement durchgeführt, z.B. von
der rechnergestützten Überwachungslogik.
[0017] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Druckmaschine ist dabei,
dass die rechnergestützte Überwachungs- und Steuerungslogik so eingerichtet ist, dass
sie die Stromistwerte zusätzlich mit einem Referenzwert vergleicht und das Teilsystem
abschaltet, welches einen vom Referenzwert abweichenden Wert ausgibt. Die Aufgabe
der rechnergestützten Überwachungslogik ist dabei nicht nur, die Stromsymmetrie sicherzustellen,
sondern auch im Fehlerfall, das heißt, wenn die beiden Strom-Istwerte voneinander
bzw. von einem vorgegebenen Referenzwert abweichen, das defekte Teilsystem, welches
einen abweichenden Strom-Istwert liefert, entsprechend abzuschalten.
[0018] Eine weitere bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Druckmaschine ist dabei,
dass am zweiten Teilsystem eine Phasenkorrektur mittels eines Offsets für den von
einem Drehwinkel-Istwert-Messgerät ermittelten Lagewinkel des Motors durchgeführt
wird. Da die beiden Teilsysteme mittels verschiedener Doppelwicklungen realisiert
werden, welche nicht absolut genau zueinander ausgerichtet werden können, ist es erforderlich
die so entstehenden Abweichungen des Phasenwinkels des Motors durch einen Offset auszugleichen.
Dieser Offset wird dabei digital dem Wert des vom Drehwinkel-Istwert-Messgerätes bestimmten
Messwertes hinzugefügt.
[0019] Eine weitere erfindungsgemäße Lösung der gestellten Aufgabe wird durch ein Verfahren
zur Kollisionsvermeidung in einer Bedruckstoffe verarbeitenden Maschine nach einem
der Ansprüche 1 bis 8 offenbart, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die rechnergestützte
Überwachungslogik die beiden Teilsysteme des Einzelantriebes überwacht und im Fehlerfall
eines Teilantriebes den Einzelantrieb über die eigene Ansteuerung mit gemeinsamem
Stromregler des noch funktionierenden Teilantriebes geordnet abschaltet. Ermittelt
also die Überwachungslogik, dass ein Teilantrieb, einen vom Referenzwert abweichenden
Strom-Istwert ausgibt und somit fehlerhaft arbeitet, so fährt die rechnergestützte
Überwachungslogik mittels der separaten Ansteuerung des noch funktionierenden, mindestens
einen anderen Teilantriebes den gesamten Einzelantrieb geordnet herunter. Die Ansteuerungen
des noch funktionierenden, mindestens einen Teilantriebes und des fehlerhaften Teilantriebes
müssen dabei derart aufeinander abgestimmt sein, dass es zu einer kollisionsfreien
Abschaltung des Einzelantriebes des entsprechenden Zylinders kommt.
[0020] Eine weitere Lösung der gestellten Aufgabe stellt dabei ein Verfahren zur Kollisionsvermeidung
in einer Bedruckstoffe verarbeitenden Maschine nach einem der Ansprüche 1 bis 9 dar,
welches dadurch gekennzeichnet ist, dass rechnergestützte Überwachungs- und Steuerungslogik
die Teilsysteme des Einzelantriebes überwacht und im Fehlerfall eines Teilantriebes
die rechnergestützte Überwachungs- und Steuerungslogik mittels der Information über
den gestörten Teilantrieb eine Neuberechnung der Stromverteilung durchführt und damit
über den anderen, noch funktionierenden mindestens einen Teilantrieb den Fehler des
gestörten Teilantriebes kompensiert. Falls die Störung eines der Teilsysteme des Einzelantriebes
nicht so gravierend ist, dass eine geordnete Abschaltung zwingend notwendig ist, so
ist es auch möglich, dass die Überwachungslogik die Stromverteilung und damit die
Aufteilung des Drehmoments zwischen den Teilsystemen neu berechnet, wodurch dann mit
einer nicht mehr symmetrischen Aufteilung des Drehmomentes zwischen den Teilantrieben
der noch funktionierende, mindestens einen Teilantrieb den Fehler des gestörten Teilantriebes
kompensiert und daraus resultierend der Einzelantrieb weiter betrieben werden kann.
[0021] Die Erfindung als solche sowie konstruktiv und funktionell vorteilhafte Weiterbildungen
der Erfindung werden nachfolgend unter Bezug auf die zugehörigen Zeichnungen anhand
wenigstens eines bevorzugten Ausführungsbeispiels näher beschrieben. In den Zeichnungen
sind einander entsprechende Elemente mit jeweils denselben Bezugszeichen versehen.
Die Zeichnungen zeigen:
- Figur 1:
- Eine Übersicht über den strukturellen Aufbau des Antikollisionssystems im Einzelantrieb
der Druckmaschine
- Figur 2:
- Drei möglich Ausführungen der Motorteilsysteme des Einzelantriebes
[0022] In Figur 1 ist das Antikollisionssystem der erfindungsgemäßen Druckmaschine in seinem
strukturellen Aufbau beschrieben. Wie im rechten Teil der Figur schematisch dargestellt,
treibt dabei ein Motor 12 des Einzelantriebes den entsprechend zugeordneten Zylinder
13 an, wobei die Winkellageposition des Zylinders 13 über ein Drehwinkel-Istwert-Messgerät
an das System zurückgemeldet wird.
[0023] Im mittleren Teil ist dargestellt, dass der Elektromotor 12 aus einer Ausführung
mit galvanisch getrennten parallelen Doppelwicklungen 9, 10 besteht. Diese werden
durch zwei getrennte Umrichter 7, 8 getrennt voneinander separat angesteuert.
[0024] Im linken Teil der Figur ist die Antriebssteuerung schematisch dargestellt. Die symmetrische
Aufteilung des Drehmoments auf die beiden Teilsysteme 6, 19 des Einzelantriebes wird
dabei durch einen gemeinsamen Stromregler 2 umgesetzt, welcher sowohl den drehmomentbildenden
Anteil des Stromes Iq, als auch den Magnetisierungsstromanteil Id steuert. Abhängig
von der aktuellen Winkellageposition des Zylinders die vom Drehwinkel-Istwert-Messgerät
gemeldet wird, gibt dabei ein Drehzahlgeber 1 einen Zieldrehzahlwert für den Elektromotor
12 des anzutreibenden Zylinders 13 vor. Der davon abhängige Strom-Sollwert für beide
Teilsysteme wird dann von einem gemeinsamen Stromregler 2 symmetrisch auf die beiden
Teilsysteme des Einzelantriebes 6, 19 verteilt. Zwei Strommessgeräte 4, 5 messen die
anliegenden Strom-Istwerte und melden sie an den gemeinsamen Stromregler 2 zurück.
[0025] Weiterhin ist eine Phasenkorrektur vorhanden, die auf eines der beiden Teilsysteme
6, 19 einwirken kann, um damit zusätzlich eine Korrektur der durch das Drehwinkel-Istwert-Messgeräts
ermittelten Winkellageposition des Zylinders 13 zu bewirken.
[0026] Zusätzlich kontrolliert eine rechnerbasierte Überwachungslogik 3 über die beiden
zwei Strommessgeräte 4, 5, ob sich die Strom-Istwerte der beiden Teilsysteme 6, 19
gemäß der symmetrischen Verteilung ungefähr zu jeweils 50% gleich verteilen. Weichen
diese von der angestrebten Gleichverteilung ab, bzw. weichen sie von einem jeweils
vorgesetzten Referenzwert ab, so initiiert die Überwachungslogik 3 ein geordnetes
Abschalten des Teilsystems des Einzelantriebes, welches den abweichenden Wert erzeugt.
Ist das fehlerhafte Teilsystem abgeschaltet worden, wird das ganze Antriebssystem
aller relevanten Einzelantriebe der Druckmaschine langsam kollisionsfrei heruntergefahren.
Dabei ist der defekte Teilantrieb entsprechend gesperrt und der intakte Teilantrieb
wird bis zum Herunterfahren des Gesamtsystems entsprechend angepasst weiter betrieben.
[0027] In einer alternativen Betriebsart wird nach einer Fehlererkennung eines der beiden
Teilsysteme 6, 19 das andere intakte Teilsystem durch die Überwachungslogik 3 derart
angesteuert, dass damit der Fehler des gestörten Teilsystems kompensiert werden kann.
Hierzu ist es erforderlich, dass sowohl Informationen über die Stromverteilung des
intakten Teilsystems, als auch des gestörten Teilsystems abgefragt werden und diese
Informationen in die Neuberechnung der Stromverteilung, die zur Kompensation notwendig
ist, mit einbezogen werden. Umgesetzt wird dies über eine Neuberechnung der Stromzeiger,
die im ungestörten System bei beiden Systemen jeweils identisch sind. In dieser Betriebsart
wird das Gesamtsystem aller Einzelantriebe dann weiter betrieben und die Druckmaschine
nicht heruntergefahren.
[0028] Neben der Umsetzung des Elektromotors 12 des Antikollisionssystems für die erfindungsgemäße
Druckmaschine mit zwei galvanisch getrennten parallelen Doppelwicklungen 9, 10, welche
in Figur 2a dargestellt sind, mit den beiden Doppelwicklungen w1 und w2 über die Nut
14, ist in Figur 2b eine alternative Ausführungsform des getrennten Antriebes bei
Verwendung von zwei separaten Statorpaketen 16, 17 auf einer Achse dargestellt. Auch
hier gibt es zwei Doppelwicklungen, w1 und w2, welche den Statorpaketen entsprechen,
jedoch eine gemeinsame Achse und einen gemeinsamen Rotor 15.
[0029] In Figur 2c ist eine weitere alternative Ausführungsform des Einzelantriebes, bestehend
aus zwei Teilsystemen 6, 19, dargestellt. Hier ist nicht nur das Statorpaket in zwei
Hälften geteilt, sondern auch der Rotor 15. Diese Ausführungsform entspricht also
der Verwendung von zwei separaten Antrieben auf einer Achse. Sie hat den Vorteil,
dass Standardkomponenten verwendet werden können. Nachteilig ist hierbei jedoch, dass
beide Antriebe, also Rotor 15 und Stator 16, 17, genau zueinander ausgerichtet werden
müssen, da nur ein gemeinsames Gebersystem für die Rückmeldung der Rotorlage vorhanden
ist.
Bezugszeichenliste
[0030]
- 1
- Drehzahlsteuerung
- 2
- gemeinsamer Stromregler Iq,d
- 3
- rechnergestützte Überwachungslogik
- 4
- erstes Strommessgerät
- 5
- zweites Strommessgerät
- 6
- erstes Motorteilsystem
- 7
- erster Umrichter
- 8
- zweiter Umrichter
- 9
- erste parallele Doppelwicklung
- 10
- zweite parallele Doppelwicklung
- 11
- Drehwinkel-Istwert-Messgerät
- 12
- Elektromotor
- 13
- Zylinder
- 14
- Wicklungen, Nut
- 15
- Rotor
- 16
- erstes Statorpaket
- 17
- zweites Statorpaket
- 18
- Phasenkorrektur
- 19
- zweites Motorteilsystem
1. Bedruckstoffe verarbeitende Maschine mit einzeln angetriebenen Zylindern (13), wobei
der Elektromotor (12) des jeweiligen Einzelantriebes aus mindestens zwei Teilsystemen
(6, 19) besteht,
dadurch gekennzeichnet,
dass die mindestens zwei Teilsysteme (6, 19) aus mindestens zwei galvanisch getrennten,
parallelen Doppelwicklungen (9, 10) bestehen, mindestens ein Stromregler (2) für beide
Teilsysteme (6, 19) vorhanden ist, beide Teilsysteme (6, 19) eine eigene Ansteuerung
besitzen und von einer rechnergestützten Überwachungs- und Steuerungslogik (3) gewichtet
ansteuerbar sind.
2. Bedruckstoffe verarbeitende Maschine nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass es sich um zwei Teilsysteme (6, 19) handelt, die einen gemeinsamen Stromregler (2)
besitzen oder jeweils einen eigenen Stromregler.
3. Bedruckstoffe verarbeitende Maschine nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zwei Teilsysteme (6, 19) aus zwei separaten Statorpaketen (16, 17) auf einer
Achse bestehen, während sie über einen gemeinsamen Rotor (15) verfügen.
4. Bedruckstoffe verarbeitende Maschine nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zwei Teilsysteme (6, 19) aus zwei separaten Antrieben auf einer Achse bestehen.
5. Bedruckstoffe verarbeitende Maschine nach einem der vorherigen Ansprüche 2 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass durch die Überwachungs- und Steuerungslogik (3) eine symmetrische Aufteilung des
Drehmoments zwischen den beiden Teilsystemen (6, 19) bewirkt wird.
6. Bedruckstoffe verarbeitende Maschine nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die rechnergestützte Überwachungs- und Steuerungslogik (3) die Stromsymmetrie durch
einen Vergleich der Stromistwerte sicherstellt.
7. Bedruckstoffe verarbeitende Maschine nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die rechnergestützte Überwachungs- und Steuerungslogik (3) so eingerichtet ist, dass
sie die Stromistwerte zusätzlich mit einem Referenzwert vergleicht und das Teilsystem
abschaltet, welches einen vom Referenzwert abweichenden Wert ausgibt.
8. Bedruckstoffe verarbeitende Maschine nach einem der vorherigen Ansprüche 2 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass am zweiten Teilsystem eine Phasenkorrektur (18) mittels eines Offsets für den von
einem Drehwinkel-Istwert-Messgerät (11) ermittelten Phasenwinkel des Motors durchgeführt
wird.
9. Verfahren zur Kollisionsvermeidung in einer Bedruckstoffe verarbeitenden Maschine
nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die rechnergestützte Überwachungs- und Steuerungslogik (3) die Teilsysteme (6, 19)
des Einzelantriebes überwacht und im Fehlerfall eines der Teilantriebe den Einzelantrieb
über die eigene Ansteuerung des noch funktionierenden mindestens einen Teilantriebes
geordnet abschaltet.
10. Verfahren zur Kollisionsvermeidung in einer Bedruckstoffe verarbeitenden Maschine
nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die rechnergestützte Überwachungs- und Steuerungslogik (3) die Teilsysteme (6, 19)
des Einzelantriebes überwacht und im Fehlerfall eines Teilantriebes die rechnergestützte
Überwachungs- und Steuerungslogik (3) mittels der Information über den gestörten Teilantrieb
eine Neuberechnung der Stromverteilung durchführt und damit über den anderen, noch
funktionierenden mindestens einen Teilantrieb den Fehler des gestörten Teilantriebes
kompensiert.