[0001] Die Erfindung betrifft einen Schmelzleiter für eine Schmelzsicherung, beispielsweise
für eine Halbleiterschutzsicherung, sogenannte HLS-Sicherung, oder eine Niederspannungs-Hochleistungssicherung,
sogenannte NH-Sicherung. Weiterhin betrifft die Erfindung eine Überstrom-Schutzeinrichtung,
beispielsweise eine Schmelzsicherung, welche zumindest einen derartigen Schmelzleiter
aufweist.
[0002] Leiter, die von einem elektrischen Strom durchflossen werden, erwärmen sich. Bei
unzulässig hohen Strömen kann es zu einer unzulässig starken Erwärmung des Leiters
und infolgedessen zu einem Abschmelzen der den Leiter umgebenden Isolation kommen,
was in der Folge bis zu einem Kabelbrand führen kann. Um dieser Brandgefahr vorzubeugen,
muss bei Auftreten eines zu hohen elektrischen Stromes, d.h. eines Überlaststromes
oder eines Kurzschlussstromes, dieser elektrische Strom rechtzeitig abgeschaltet werden.
Mit Hilfe einer sogenannten Überstrom-Schutzeinrichtung wird dies gewährleistet.
[0003] Ein Beispiel für eine derartige Überstrom-Schutzeinrichtung ist beispielsweise eine
Schmelzsicherung, die durch das Abschmelzen eines oder mehrerer Schmelzleiter den
Stromkreis unterbricht, wenn die Stromstärke des durch die Schmelzsicherung abgesicherten
Stromkreises einen bestimmten Wert über eine bestimmte Zeitdauer hinweg überschreitet.
Die Schmelzsicherung besteht aus einem isolierenden Körper, welcher zwei elektrische
Anschlüsse aufweist, die im Inneren des isolierenden Körpers durch einen oder mehrere
Schmelzleiter elektrisch leitend miteinander verbunden sind. Der Schmelzleiter, welcher
einen im Vergleich zu den übrigen Leitern des Stromkreises reduzierten Querschnitt
aufweist, wird durch den ihn durchfließenden Strom erwärmt und schmilzt, wenn der
maßgebliche Nennstrom der Sicherung für eine vorbestimmte Zeitdauer deutlich überschritten
wird. Aufgrund seiner guten Isolationseigenschaften wird als Material für den isolierenden
Körper zumeist Keramik verwendet. Ein derartiger Schmelzsicherungseinsatz ist beispielsweise
aus der europäischen Patentschrift
EP 0 917 723 B1 bekannt.
[0004] Schmelzsicherungen sind in verschiedenen Bauarten erhältlich. Neben einfachen Gerätesicherungen,
welche einen einfachen Glaszylinder, in dem der Schmelzleiter aufgenommen ist, aufweisen,
existieren auch Bauformen, bei denen der Keramikkörper mit Sand - zumeist Quarzsand
- gefüllt ist: Hierbei wird zwischen Typen mit verfestigtem sowie mit unverfestigtem
Quarzsand unterschieden. Bei einer mit Sand verfestigten Schmelzsicherung ist der
Schmelzleiter von Quarzsand umgeben. In der Regel ist das Gehäuse der Schmelzsicherung
dabei durch einen Keramikkörper, in dem der verfestigte Sand, die elektrischen Anschlüsse
sowie der Schmelzleiter aufgenommen bzw. gehaltert sind, gebildet. Der Quarzsand fungiert
hierbei als Lichtbogenlöschmittel: wird der Nennstrom der Schmelzsicherung deutlich
überschrittenen - beispielsweise aufgrund eines hohen Kurzschlussstromes - so führt
dies zu einem Ansprechen der Schmelzsicherung, in dessen Verlauf der Schmelzleiter
zunächst schmilzt und anschließend aufgrund der hohen Temperaturentwicklung verdampft.
Dabei entsteht ein elektrisch leitendes Plasma, über das der Stromfluss zwischen den
elektrischen Anschlüssen zunächst aufrecht erhalten wird - es bildet sich ein Lichtbogen.
Indem sich der Metalldampf des verdampften Schmelzleiters auf der Oberfläche der Quarzsand-Körner
niederschlägt, wird der Lichtbogen wiederum abgekühlt. In der Folge steigt der Widerstand
im Inneren des Sicherungseinsatzes derart an, dass der Lichtbogen endgültig verlischt.
Die durch die Schmelzsicherung zu schützende elektrische Leitung ist damit unterbrochen.
[0005] Aus dem Stand der Technik sind im Bereich der Schmelzsicherungen Niederspannungs-Hochleistungssicherungen,
sogenannte NH-Sicherungen, aber auch Halbleiterschutzsicherungen, sogenannte HLS-Sicherungen,
wie sie beispielsweise unter dem Produktnamen SITOR vertrieben werden, prinzipiell
vorbekannt. Bei NH-Sicherungen werden üblicherweise ein oder mehrere Schmelzleiter
in Form von Kupferbändern verwendet. Jeder dieser Schmelzleiter weist dabei sogenannte
Engstellenreihen zur selektiven Ausschaltung der Schmelzsicherung auf. Weiterhin kann
auf einen oder mehrere der Schmelzleiter zumindest ein Lotdepot aufgebracht sein,
mit dessen Hilfe die Überlastcharakteristik der Schmelzsicherung beeinflussbar ist.
NH-Sicherungen dienen beispielsweise zum Schutz von Anlagen oder Schaltschränken vor
Brand, beispielsweise durch überhitzte Anschlussleitungen. Der für das Abschaltverhalten
der Sicherung maßgebliche Durchlassenergiewert I
2t ist bei NH-Sicherungen relativ groß, weswegen diese eine eher trägere Charakteristik
aufweisen.
[0006] Erwärmt sich der Schmelzleiter durch einen elektrischen Überlaststrom auf eine Temperatur,
welche oberhalb der Schmelztemperatur des Lotes liegt, so diffundiert dieses Lot in
das Schmelzleitermaterial ein und bildet mit diesem eine Legierung. Dadurch erhöht
sich der elektrische Widerstand des Schmelzleiters, was zu dessen weiterer Erwärmung
führt, wodurch der Diffusionsvorgang solange weiter beschleunigt wird, bis der Schmelzleiter
in der Umgebung des Lotdepots vollständig aufgelöst ist, so dass er abreißt, wodurch
der Stromfluss unterbrochen wird. Bei einem kurzzeitigen, zulässigen Überstrom erfolgt
keine vorzeitige Ausschaltung durch die NH-Sicherung. Bei Auftreten eines Kurzschluss-Stromes
hingegen reißt der Schmelzleiter an den Engstellenreihen auf. Dadurch entstehen gleichzeitig
mehrere kleine, in Reihe geschaltete Lichtbögen, deren Spannungen sich addieren und
damit zu einer schnelleren Ausschaltung der Schmelzsicherung führen. NH-Sicherungen
dienen beispielsweise zum Schutz von Anlagen oder Schaltschränken vor Brand, beispielsweise
durch überhitzte Anschlussleitungen. Der für das Abschaltverhalten der Sicherung maßgebliche
Durchlassenergiewert I
2t ist bei NH-Sicherungen relativ groß, weswegen diese eine trägere Charakteristik
aufweisen. Ein Halbleiterschutz ist mit NH-Sicherungen daher in aller Regel nicht
realisierbar.
[0007] Ebenfalls aus dem Stand der Technik bekannt sind Halbleiterschutzsicherungen, welche
hochwertige Bauteile und Komponenten, beispielsweise Leistungshalbleiter, vor den
schädlichen Auswirkungen eines Kurzschlusses schützen. Aufgrund ihrer deutlich schnelleren
Abschaltcharakteristik werden Halbleiterschutzsicherungen beispielsweise im Gleichrichterteil
sowie im Zwischenkreis von Umrichtern, aber auch bei USV-Anlagen sowie bei Softstartern
für Motoren eingesetzt. Sie zeichnen sich in der Regel durch eine höhere Verlustleistung
aus, weswegen als Schmelzleitermaterial zumeist Silber verwendet wird.
[0008] Die Abschalteigenschaften einer Schmelzsicherung werden daher maßgeblich durch die
Gestaltung des Schmelzleiters bestimmt. Diese hat Einfluss auf die schaltbare Spannung,
die Erwärmung im Allgemeinen, das Zeit-Temperaturverhalten in der Aufschmelz- sowie
der Lösch- bzw. Abschaltphase, und damit auf den Schmelz- sowie den Abschalt-I
2t-Wert. Dabei kann eine unvorteilhafte Gestaltung des Schmelzleiters zu Problemen
bei der Abschaltung der Schmelzsicherung führen, beispielsweise aufgrund zu geringer
Bogenspannung, Körperrissen des Schmelzsicherungskörpers oder Platzen der Schmelzsicherung
mit nachfolgendem Lichtbogenaustritt aufgrund zu hoher Erwärmung. Ferner kann eine
unvorteilhafte Gestaltung des Schmelzleiters dazu führen, dass die Schmelzsicherung
zu hohe Schmelz- oder Abschalt-I
2t-Werte aufweist.
[0009] Üblicherweise wird das Schaltverhalten der Schmelzsicherung durch die Auswahl des
Schmelzleitermaterials, die Gestaltung und Anordnung der Lotpunkte, die Auswahl des
Sicherungssandes und ggf. der Verfestigung des Sandes, sowie durch teilweise hochfeste
Keramiken als Sicherungskörper, optimiert. Zudem wird üblicherweise die Anordnung
der Engstellen-Reihen auf dem Schmelzleiter hinsichtlich eines optimalen Abschaltverhaltens
der Sicherung optimiert. Insbesondere die Stromtragfähigkeit der Schmelzsicherung
wird dabei im Wesentlichen durch die Gestaltung dieser Engstellenreihen bestimmt.
[0010] Schmelzsicherungen werden beispielsweise zum Leitungsschutz, zum Halbleiterschutz,
zum Batterieschutz oder auch bei einer Photovoltaik-Anlage zum Schutz des jeweiligen
Leitungsnetzes eingesetzt. Derartige Schmelzsicherungen weisen eine definierte Auslösecharakteristik
auf und reagieren entsprechend ihrer jeweiligen Betriebskennlinie. Das Auslöseverhalten
einer derartigen Schmelzsicherung wird jedoch auch durch externe Einflussgrößen -
beispielsweise die Umgebungstemperatur, die Einbauverhältnisse oder die Möglichkeit
zur Kühlung oder Erwärmung - beeinflusst. Aufgrund ihrer Bauweise ist es nicht möglich,
die Auslöseempfindlichkeit einer derartigen Schmelzsicherung auf die aktuell vorherrschenden
Umgebungsbedingungen einzustellen oder die Schmelzsicherung gezielt abzuschalten,
beispielsweise um eine Photovoltaik-Anlage unmittelbar vom Leitungsnetz zu trennen.
Die eingesetzten Schmelzsicherungen müssen daher - um allen eventuell auftretenden
Umgebungseinflüssen (Temperatur, Einbausituation, Anlaufströme) trotzen zu können
- deutlich überdimensioniert gestaltet werden, um Fehlauslösungen sicher zu vermeiden.
Hierbei besteht jedoch die Gefahr einer zu späten Abschaltung, z.B. bei niedrigen
Temperaturen.
[0011] Aus dem Stand der Technik sind einstellbare Schmelzsicherungen bekannt, deren Auslösecharakteristik
bei der Installation einmalig fest einstellbar ist, um die Sicherung an einen bestimmten
Anwendungsfall anzupassen. Eine Anpassung an wechselnde Umgebungseinflüsse ist mit
derartigen einstellbaren Schmelzsicherungen jedoch nicht möglich.
[0012] Darüber hinaus existieren bereits Überlegungen zu sogenannten triggerbaren bzw. getriggerten
Schmelzsicherungen ("triggered fuses"), welche neben ihrer immanenten Auslösecharakteristik
zusätzlich durch eine externe Ansteuerung ausgelöst werden können, um bei Auftreten
einer Notfall-Situation ein Unterbrechen des abgesicherten Stromkreises zu ermöglichen.
Die getriggerte Auslösung kann beispielsweise durch ein mechanisches Durchtrennen
des Schmelzleiters, ein Durchtrennen mittels pyroelektrischer Ladung oder über einen
zusätzlichen Heizwiderstand erfolgen. Unter dem Begriff "Notfall" ist dabei ein vordefinierter
Betriebszustand zu verstehen, der noch unterhalb der Auslösekennlinie der Schmelzsicherung
liegt, weswegen die Schmelzsicherung nicht von sich aus auslösen würde, bei dem aber
dennoch der durch die Schmelzsicherung abgesicherte elektrische Stromkreis unterbrochen
werden soll, um eine Gefahrensituation zu vermeiden oder zu eliminieren. Typische
Anwendungsfälle sind die Unterbrechung des Batteriestromkreises bei elektrisch betriebenen
Kraftfahrzeugen - beispielsweise im Falle eines Unfalls - oder die Trennung von Photovoltaik-Anlagen
vom Versorgungsnetz - beispielsweise im Falle eines Brandes.
[0013] Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Schmelzleiter sowie eine Überstrom-Schutzeinrichtung
bereitzustellen, welche flexibler an ihr jeweiliges Einsatzgebiet und die dort vorherrschenden
Umgebungseinflüsse anpassbar sind.
[0014] Diese Aufgabe wird durch den erfindungsgemäßen Schmelzleiter sowie die erfindungsgemäße
Überstrom-Schutzeinrichtung gemäß den unabhängigen Ansprüchen gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0015] Der erfindungsgemäße Schmelzleiter für eine Überstrom-Schutzeinrichtung weist einen
sich in einer Längserstreckungsrichtung erstreckenden, länglichen Grundkörper auf,
dessen erstes Ende einen ersten Kontaktbereich zur Kontaktierung mit einem ersten
Kontaktelement der Überstrom-Schutzeinrichtung aufweist, und dessen zweites Ende einen
zweiten Kontaktbereich zur Kontaktierung mit einem zweiten Kontaktelement der Überstrom-Schutzeinrichtung
aufweist. Zwischen dem ersten Kontaktbereich und dem zweiten Kontaktbereich sind dabei
mehrere Engstellenreihen angeordnet, die jeweils eine Mehrzahl an Löchern aufweisen,
welche ihrerseits quer zur Längserstreckungsrichtung des Schmelzleiters angeordnet
sind. In einem zwischen dem ersten Kontaktbereich und dem zweiten Kontaktbereich mittig
angeordneten, mittleren Bereich des Schmelzleiters weisen dabei zwei der Engstellenreihen
einen geringeren Abstand zueinander auf als die übrigen Engstellenreihen. Weiterhin
weist der Schmelzleiter in diesem mittleren Bereich zumindest einen zusätzlichen Anschlussleiter,
welcher mit dem Schmelzleiter elektrisch leitend verbunden ist, auf.
[0016] Erfindungsgemäß haben die beiden im mittleren Bereich des Schmelzleiters angeordneten
Engstellenreihen einen geringeren Abstand zueinander als die übrigen, zwischen dem
mittleren Bereich und den Kontaktbereichen angeordneten Engstellenreihen, welche zumeist
einen äquidistanten Abstand zueinander aufweisen. Der mittlere Bereich ist dabei im
Wesentlichen mittig zwischen dem ersten Kontaktbereich und dem zweiten Kontaktbereich
des Schmelzleiters angeordnet. Mit Hilfe des zusätzlichen Anschlussleiters werden
die beiden im mittleren Bereich angeordneten, enger voneinander beabstandeten Engstellenreihen
des Schmelzleiters mittels eines vordefinierten Steuerstroms der zwischen diesem zusätzlichen
Anschluss und dem ersten oder zweiten Kontakt fließt, gezielt thermisch vorbelastet.
Hierdurch wird die Auslösekennlinie des Schmelzleiters derart verschoben, dass dadurch
eine frühere Auslösung des Schmelzleiters und damit der Überstrom-Schutzeinrichtung
realisierbar ist. Die Auslösecharakteristik der Überstrom-Schutzeinrichtung wird somit
in Richtung einer empfindlicheren Kennlinie gezielt beeinflusst, wodurch der Schmelzleiter,
und damit die Überstrom-Schutzeinrichtung, flexibler an ihr jeweiliges Einsatzgebiet
und die dort vorherrschenden Umgebungseinflüsse - insbesondere Umgebungstemperatur,
Einbausituation sowie Anlaufströme - anpassbar sind.
[0017] Im Extremfall kann über einen kurzen Stromstoß auch eine Durchtrennung des im Zweifelsfall
stromlosen oder nur gering bestromten Schmelzleiters erfolgen. Hierbei ist die mittige
Anordnung der beiden Engstellenreihen mit geringerem Abstand besonders vorteilhaft,
damit der dort entstehende Lichtbogen, welcher sich im weiteren Verlauf in beide Richtungen
des Schmelzleiters zu den Enden hin ausbreitet - annähernd zeitgleich das erste und
das zweite Ende des Schmelzleiters erreicht. Auf diese Weise können Fehlabschaltungen
der Schmelzsicherung wirksam vermieden werden.
[0018] In einer vorteilhaften Weiterbildung des Schmelzleiters ist der Abstand der beiden,
im mittleren Bereich angeordneten Engstellenreihen wesentlich geringer als die Schmelzleiterbreite,
aber größer als der Lochabstand der Engstellenreihen.
[0019] Diese geometrischen relativen Größenverhältnisse haben sich als besonders vorteilhaft
herausgestellt, um über eine externe Beschaltung den mittleren Bereich des Schmelzleiters
auf vordefinierte Art und Weise thermisch vorzubelasten. Durch die Ausgestaltung des
Abstandes der beiden inneren Engstellenreihen kann die notwendige Höhe des Steuerstromes
sowie die damit realisierbare Verschiebung der Kennlinie beeinflusst werden. Dabei
gilt zum einen, dass mit einem geringeren Abstand der beiden inneren Engstellenreihen
ein umso geringer Steuerstrom erforderlich ist. Zum anderen kann die Kennlinie umso
weiter verschoben werden, je größer der Abstand der beiden inneren Engstellenreihen
gewählt ist.
[0020] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Schmelzleiters beträgt der Abstand
der beiden im mittleren Bereich angeordneten Engstellenreihen zwischen 3mm und 20mm.
Dieser Bereich hat sich als besonders vorteilhaft für die Konfiguration der Auslösecharakteristik
hinsichtlich des gewünschten Steuerstromes sowie der gewünschten Verschiebung der
Kennlinie erwiesen.
[0021] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung ist der Schmelzleiter streifenförmig
ausgebildet. Unter dem Begriff "streifenförmig" ist dabei zu verstehen, dass zum einen
die Länge des Schmelzleiters deutlich größer ist als dessen Breite, und zum anderen
seine Breite wiederum deutlich größer als seine Dicke. Diese Geometrie ist für die
Ausbildung von Engstellenreihen sowie das Anbringen von Lotpunkten besonders geeignet.
[0022] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Schmelzleiters ist der zusätzliche
Anschlussleiter seitlich an den Schmelzleiter angeformt.
[0023] Der Schmelzleiter kann durch Stanzen aus einem geeigneten Bandmaterial gefertigt
werden, wobei das Schnittwerkzeug in Richtung der Dicke des Schmelzleiters bewegt
wird. In diesem Fall ist das seitliche Anformen des zusätzlichen Anschlussleiters
besonders vorteilhaft, da zum Ausstanzen des Schmelzleiters kein gesonderter Fertigungsschritt
erforderlich ist. Der Begriff "seitlich" ist als quer zur Längserstreckungsrichtung,
d.h. bei Blick auf die Breitseite des Schmelzleiter-Streifens mit Blickrichtung in
Richtung der Dickenerstreckung, zu verstehen.
[0024] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung weist der Schmelzleiter im Bereich
des zusätzlichen Anschlussleiters ein Lotdepot auf. Mit Hilfe dieses Lotdepots ist
der Überlastbereich der Schmelzsicherung gezielt beeinflussbar.
[0025] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Schmelzleiters sind die beiden
im mittleren Bereich des Schmelzleiters angeordneten Engstellenreihen schräg zueinander
angeordnet.
[0026] Der Begriff "schräg" ist dahingehend zu verstehen, dass die beiden Engstellenreihen
nicht über ihren gesamten Verlauf hinweg denselben Abstand zueinander aufweisen, sondern
dass dieser Abstand am einen Ende der Engstellenreihe geringer ist als am anderen
Ende. Mittels dieser Anordnung kann ein unterschiedliches Ansprechverhalten der Kennlinienverschiebung
zu erreicht werden.
[0027] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Schmelzleiters weist dieser einen
weiteren zusätzlichen Anschlussleiter auf, welcher derart elektrisch leitend mit dem
Schmelzleiter verbunden ist, dass die beiden im mittleren Bereich des Schmelzleiters
angeordneten Engstellenreihen zwischen dem ersten zusätzlichen Anschlussleiter und
dem weiteren zusätzlichen Anschlussleiter angeordnet sind.
[0028] Mit Hilfe des ersten zusätzlichen Anschlussleiters sowie des weiteren zusätzlichen
Anschlussleiters ist der mittlere Bereich des Schmelzleiters mit einer externen Steuereinrichtung
elektrisch leitend verbindbar, um diesen bei Bedarf mittels einer geeigneten elektrischen
Beschaltung mit einem definierten Steuerstrom gezielt thermisch vorbelasten zu können.
[0029] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Schmelzleiters sind die beiden
zusätzlichen Anschlussleiter symmetrisch angeordnet.
[0030] Hierunter ist sowohl eine achssymmetrische Anordnung bezüglich der Längserstreckungsrichtung
des Schmelzleiters, als auch eine punktsymmetrische der beiden zusätzlichen Anschlussleiter
bezüglich eines Mittelpunkts des Schmelzleiters zu verstehen. Durch die punkt- oder
achssymmetrische Anordnung ist eine günstige Lage der Anschlusspunkte entsprechend
den Spannungspotentialen und der mechanisch günstigen Lage der zusätzlichen Kontakte
realisierbar.
[0031] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Schmelzleiters sind die beiden
zusätzlichen Anschlussleiter in der Längserstreckungsrichtung um mindestens eine Engstellenreihe
versetzt zueinander angeordnet.
[0032] Durch die versetzte Anordnung ist eine gleichmäßige Vorbelastung aller Engstellen
mit geringer Steuerleistung realisierbar. Ferner ist es diese Anordnung auch für eine
ungerade Anzahl an Engstellenreihen geeignet. Dabei können die beiden mittleren Engstellenreihen
auch den gleichen Abstand wie die übrigen Engstellenreihen aufweisen.
[0033] In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Schmelzleiters sind die beiden
Anschlussleiter mit einer Steuereinrichtung elektrisch leitend verbindbar.
[0034] Mit Hilfe der Steuereinrichtung können die beiden, im mittleren Bereich angeordneten
Engstellenreihen gezielt thermisch vorbelastet werden, wodurch die Auslösekennlinie
der Überstrom-Schutzeinrichtung auf definierte Art und Weise verändert werden kann.
Die Steuereinrichtung kann dabei Bestandteil der Überstrom-Schutzeinrichtung sein.
Es ist jedoch ebenso möglich, eine übergeordnete Steuereinrichtung zu verwenden, welche
mit einer Mehrzahl von Überstrom-Schutzeinrichtungen elektrisch leitend verbunden
ist und derart mit diesen zusammenwirkt, dass deren Auslösecharakteristik auf individuell
vordefinierte Art und Weise variiert werden kann. Insbesondere kann das Auslöseverhalten
der Schmelzsicherung dabei ähnlich einer bei Leistungsschaltern üblichen elektronischen
Auslöseeinheit (ETU) gestaltet werden. Durch einen entsprechend hohen Stromimpuls
ist darüber hinaus auch eine direkte, d.h. unmittelbare Auslösung der Schmelzsicherung
realisierbar.
[0035] Die erfindungsgemäße Überstrom-Schutzeinrichtung weist zumindest einen Schmelzleiter
der vorstehend beschriebenen Art auf.
[0036] Hinsichtlich der allgemeinen Vorteile der erfindungsgemäßen Überstrom-Schutzeinrichtung
wird auf die vorstehend genannten Vorteile des erfindungsgemäßen Schmelzleiters verwiesen.
Bei Schmelzsicherungen mit mehreren elektrisch parallel geschalteten Schmelzleitern
können alle, einige oder auch nur ein einzelner der mehreren Schmelzleiter nach Art
des erfindungsgemäßen Schmelzleiters ausgebildet sein. Um eine Abschaltung bei einem
unter Nennstrom liegenden Betriebsstrom zu erzielen, ist es ausreichend, bei einer
Schmelzsicherung mit beispielsweise zwei Schmelzleitern nur einen davon erfindungsgemäß
auszubilden. Wird dieser durchtrennt, so trägt der verbleibende, nicht erfindungsgemäß
ausgebildete Schmelzleiter den doppelten Strom, weswegen auch dieser Schmelzleiter
kurz darauf schmilzt und damit die Schmelzsicherung endgültig auslöst.
[0037] In einer vorteilhaften Weiterbildung weist die Überstrom-Schutzeinrichtung ferner
eine Steuereinrichtung auf, mit welcher der zumindest eine zusätzliche Anschlussleiter
elektrisch leitend verbunden ist, um die Auslösecharakteristik der Überstrom-Schutzeinrichtung
mittels der Steuereinrichtung gezielt zu beeinflussen.
[0038] Mit Hilfe der Steuereinrichtung können die beiden, im mittleren Bereich angeordneten
Engstellenreihen gezielt thermisch vorbelastet werden, wodurch die Auslösekennlinie
der Überstrom-Schutzeinrichtung auf definierte Art und Weise verändert werden kann.
Ferner ist durch einen entsprechend hohen Stromimpuls auch eine direkte, d.h. unmittelbare
Auslösung der Schmelzsicherung realisierbar.
[0039] Im Folgenden werden Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen Schmelzleiters unter
Bezug auf die beigefügten Figuren näher erläutert. In den Figuren sind:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung zum prinzipiellen Aufbau einer Schmelzsicherung;
- Figuren 2A bis 2D
- schematische Darstellungen verschiedener Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Schmelzleiters;
- Figur 3
- eine schematische Darstellung verschiedener Auslösekennlinien des erfindungsgemäßen
Schmelzleiters bzw. der erfindungsgemäßen Schmelzsicherung.
[0040] In den verschiedenen Figuren der Zeichnung sind gleiche Teile stets mit dem gleichen
Bezugszeichen versehen. Die Beschreibung gilt für alle Zeichnungsfiguren, in denen
das entsprechende Teil ebenfalls zu erkennen ist.
[0041] Figur 1 zeigt schematisch den prinzipiellen Aufbau einer Schmelzsicherung 1. Diese
weist ein erstes Kontaktelement 4 sowie ein zweites Kontaktelement 5 auf, welche aus
einem elektrisch leitenden Werkstoff, beispielsweise Kupfer, bestehen. Die Kontaktelemente
4 und 5 sind mechanisch fest und dicht mit einem Sicherungskörper 2 verbunden, welcher
aus einem festen, nichtleitenden und möglichst hitzebeständigen Werkstoff, beispielsweise
aus einer Keramik, besteht. Der Sicherungskörper 2 weist im Allgemeinen eine röhrenförmige
Grundform auf und ist nach außen druckdicht, beispielsweise mit Hilfe zweier Verschlusskappen
3, verschlossen. Die Kontaktelemente 4 und 5 erstrecken sich dabei jeweils durch eine
in den Verschlusskappen 3 ausgebildete Öffnung in einen Innenraum des Sicherungskörpers
2. Im diesem Innenraum ist ein sogenannter Schmelzleiter 10 angeordnet, welcher das
erste Kontaktelement 4 und das zweite Kontaktelement 5 elektrisch leitend verbindet.
Hierzu ist ein erstes Ende 14 des Schmelzleiters 10 mit dem ersten Kontaktelement
4, und ein zweites Ende 15 mit dem zweiten Kontaktelement 5 elektrisch leitend verbunden.
Der verbleibende Innenraum des Sicherungseinsatzes 1 ist im vorliegenden Fall vollständig
mit einem Löschmittel 6 befüllt, welches zum Löschen und Kühlen der Schmelzsicherung
1 im Auslösefall dient und den Schmelzleiter 10 vollständig umgibt. Als Löschmittel
6 wird beispielsweise Quarzsand verwendet. Anstelle des in Figur 1 dargestellten einen
Schmelzleiters 10 ist es ebenso möglich, mehrere Schmelzleiter 10 elektrisch zueinander
parallel geschaltet in dem Sicherungskörper 2 anzuordnen und entsprechend mit den
beiden Kontaktelementen 4 und 5 zu kontaktieren.
[0042] Der Schmelzleiter 10 besteht im Allgemeinen aus einem gut leitenden Werkstoff wie
Kupfer oder Silber und weist über seine Länge, d.h. in seiner Längserstreckungsrichtung
L, mehrere Engstellenreihen 11 sowie ein oder mehrere Lotdepots 13 - sogenannte Lotpunkte
- auf. Über die Engstellenreihen 11 sowie die Lotpunkte 13 kann die Auslösekennlinie
des Schmelzleiters 10 - und damit der Schmelzsicherung 1 - an den jeweiligen Anwendungsfall
angepasst werden. Bei Strömen, die kleiner sind als der Nennstrom der Schmelzsicherung
1, wird im Schmelzleiter 10 nur so viel Verlustleistung umgesetzt, dass diese in Form
von Wärme schnell über den Sand, den Sicherungskörper 2 und die Kontakte 4 und 5 nach
außen abgegeben werden kann. Die Temperatur des Schmelzleiters 10 steigt dabei nicht
über dessen Schmelzpunkt hinaus an. Fließt ein Strom, der im Überlastbereich der Schmelzsicherung
1 liegt, so steigt die Temperatur der Sicherung 1 stetig weiter an, bis der Schmelzpunkt
des Schmelzleiters 3 überschritten wird und dieser an einer der Engstellenreihen 11
durchschmilzt. Bei hohen Fehlerströmen - wie sie beispielsweise aufgrund eines Kurzschlusses
auftreten - wird so viel Energie im Schmelzleiter 10 umgesetzt, dass dieser praktisch
auf der ganzen Länge aufgeheizt wird und infolge dessen an allen Engstellenreihen
11 gleichzeitig schmilzt.
[0043] Da flüssiges Kupfer bzw. Silber noch gute elektrisch leitende Eigenschaften aufweist,
wird der Stromfluss zu diesem Zeitpunkt noch nicht unterbrochen. Die aus dem Schmelzleiter
10 gebildete Schmelze wird folglich weiter aufgeheizt, bis sie schließlich in den
gasförmigen Zustand übergeht und ein Plasma bilden. Dabei entsteht ein Lichtbogen,
um den Stromfluss über das Plasma weiter aufrecht zu erhalten. Im letzten Stadium
einer Sicherungsabschaltung reagieren die leitfähigen Gase mit dem Löschmittel 6,
welches bei konventionellen Schmelzsicherungen 1 zumeist aus Quarzsand besteht. Dieser
wird aufgrund der durch den Lichtbogen bedingten, extrem hohen Temperaturen im Umfeld
des Lichtbogens aufgeschmolzen, was zu einer physikalischen Reaktion des geschmolzenen
Schmelzleitermaterials mit dem umgebenden Quarzsand 6 führt. Da das dabei entstehende
Reaktionsprodukt elektrisch nicht leitend ist, sinkt der Stromfluss zwischen dem ersten
Kontaktelement 4 und dem zweiten Kontaktelement 5 der Schmelzsicherung 1 rasch gegen
Null ab. Dabei ist jedoch zu beachten, dass einer bestimmten Masse an Schmelzleitermaterial
auch eine entsprechende Masse an Löschmittel erfordert. Nur so kann sichergestellt
werden, dass am Ende der Sicherungsabschaltung noch genügend Löschmittel 6 vorhanden
ist, um das gesamte leitfähige Plasma wirksam zu binden.
[0044] In den Figuren 2A bis 2D sind verschiedener Ausführungsformen des erfindungsgemäßen
Schmelzleiters 10 schematisch dargestellt. Der erfindungsgemäße Schmelzleiter 10 weist
in seiner Längserstreckungsrichtung L mehrere Engstellenreihen 11 auf, welche sich
quer zur Längserstreckungsrichtung L des Schmelzleiters 10 erstrecken. In den in den
Figuren 2A bis 2C dargestellten Fällen sind die Engstellenreihen 11 rechtwinklig zur
Längserstreckungsrichtung L des Schmelzleiters 10 orientiert. Dies ist jedoch nicht
zwingend, wie das in Figur 2D dargestellte Ausführungsbeispiel zeigt. Über das erste
Ende 14 und das zweite Ende 15 kann der Schmelzleiter 10 mit dem ersten Kontaktelement
4 bzw. dem zweiten Kontaktelement 5 der Schmelzsicherung 1 (siehe Fig.1) elektrisch
leitend verbunden werden.
[0045] Die Engstellenreihen 11 sind aus einer Mehrzahl in einer Reihe hintereinander angeordneter
Löcher 16 gebildet und sind in der Regel in einem äquidistanten Abstand a
2 voneinander beabstandet angeordnet. Lediglich in einem mittleren Bereich 12, welcher
mittig zwischen dem ersten Ende 14 und dem zweiten Ende 15 angeordnet ist, weisen
die beiden dort angeordneten Engstellenreihen 11-1 und 11-2 einen geringeren Abstand
a
1 zueinander auf. Dieser Abstand a
1 ist dabei so gewählt, dass er wesentlich geringer ist als die in einer Breitenerstreckungsrichtung
B gemessene Breite des Schmelzleiters 10, aber größer als der Zwischenraum zwischen
den einzelnen Löchern 16 einer Engstellenreihe 11.
[0046] Im mittleren Bereich 12 ist zumindest ein zusätzlicher Anschlussleiter 17 an den
Schmelzleiter 10 angeformt. Die Figuren 2A und 2D zeigen hierbei Ausführungsformen
mit nur einem zusätzlichen Anschlussleiter 17. In den Figuren 2B und 2C sind Ausführungsformen
mit zwei Anschlussleitern, dem ersten zusätzlichen Anschlussleiter 17 und dem weiteren
zusätzlichen Anschlussleiter 18 dargestellt. Die zusätzlichen Anschlussleiter 17 und
18 sind also - je nach Ausführungsform - einseitig oder beidseitig an den Schmelzleiter
10 angebunden. Vorteilhafter Weise sind die zusätzlichen Anschlussleiter 17 und 18
aus dem Schmelzleitermaterial gebildet und weisen einen ähnlichen Querschnitt wie
der Schmelzleiter 10 auf. Dieser Querschnitt der zusätzlichen Anschlussleiter 17 und
18 darf dabei nur so groß gewählt werden, dass bei einer Abschaltung der Schmelzsicherung
1, d.h. bei einem Durchschmelzen des Schmelzleiters 10, der zusätzliche Anschlussleiter
17 und ggf. der weitere zusätzliche Anschlussleiter 18 ebenfalls mit abgetrennt werden.
Mit Hilfe einer externen Beschaltung kann der mittlere Bereich 12 - d.h. der Bereich
zwischen den im Abstand a
1 angeordneten, enger voneinander beabstandeten Engstellenreihen 11 - über die zusätzlichen
Anschlussleiter 17 und 18 mit einem elektrischen Steuerstrom beaufschlagt werden,
wodurch der mittlere Bereich 12 gezielt thermisch vorbelastet werden kann.
[0047] In Figur 2D sind die beiden, im mittleren Bereich 12 angeordneten Engstellenreihen
11-1 und 11-2 hingegen schräg zueinander angeordnet, d.h. ihr Abstand ist in der Breitenerstreckungsrichtung
B nicht konstant, sondern nimmt kontinuierlich zu bzw. ab. Mit dem Abstand a
1 ist dann der geringste Abstand der beiden Engstellenreihen 11-1 und 11-2 bezeichnet,
in Figur 2D am jeweils linken Ende der Engstellenreihen 11-1 und 11-2. Mit Hilfe dieser
schrägen Anordnung ist ein unterschiedliches Ansprechverhalten der Kennlinienverschiebung
realisierbar.
[0048] Eine grobe Steuerung kann auch ohne externe Stromquelle erfolgen: hierzu wird beispielsweise
der in Figur 2A dargestellte Schmelzleiter 10 verwendet und elektrisch derart verschaltet,
dass der über den zusätzlichen Anschlussleiter 17 realisierte Steueranschluss mit
den Hauptkontakten der Schmelzsicherung 1 - dem ersten Kontaktelement 4 und dem zweiten
Kontaktelement 5 - elektrisch leitend verbunden wird. Da durch die äußeren Engstellenreihen
11 der Schmelzsicherung 1 unter Strom ein Spannungsabfall entsteht, führt dies zu
einem entsprechenden Steuerstrom mit einer entsprechenden Verschiebung der Auslösekennlinie
des Schmelzleiters 10 bzw. der Schmelzsicherung 1 (siehe auch Figur 3).
[0049] Ferner ist es möglich, durch Messung und Überwachung des elektrischen Widerstands
des mittleren Bereichs 12 des Schmelzleiters 10 frühzeitig eine Alterung der Schmelzsicherung
1 zu erkennen. Hierzu müsste der mittlere Bereich 12 lediglich die Lotpunkte 13 der
Schmelzsicherung 1 tragen oder zumindest mit belotet sein. Eine Überwachung des Alterungszustands
der Schmelzsicherung 1 wäre dann sogar im laufenden Betrieb möglich. Weiterhin kann
auf Basis einer kontinuierlichen Widerstandsmessung des mittleren Bereichs 12 aufgrund
der Änderung des elektrischen Widerstands bei Temperaturänderung des Schmelzleitermaterials
auch auf den Betriebszustand der Schmelzsicherung 1 rückgeschlossen werden.
[0050] In Figur 3 sind verschiedener Auslösekennlinien des erfindungsgemäßen Schmelzleiters
10 bzw. der erfindungsgemäßen Schmelzsicherung 1 schematisch dargestellt. Dabei ist
die Zeitdauer t, welche zum Aufschmelzen des Schmelzleiters 10 benötigt wird, über
dem Kurzschlussstrom I aufgetragen. Die rechts dargestellte, mit K
1 bezeichnete Kennlinie beschreibt beispielhaft die Auslösecharakteristik einer 100A-Photovoltaiksicherung,
wie sie zur Absicherung von Photovoltaik-Anlagen eingesetzt wird. Die links dargestellte
Kennlinie K
2 beschreibt hingegen die Auslösecharakteristik einer erfindungsgemäßen 100A-Schmelzsicherung
1 bei thermischer Vorbelastung des erfindungsgemäßen Schmelzleiters 10: die Auslösekennlinie
K
2 ist dabei nach links verschoben und - insbesondere im oberen Bereich - der Auslösekennlinie
einer herkömmlichen 63A-Schmelzsicherung angenähert.
[0051] Weiterhin sind in das Diagramm der Figur 3 noch zwei senkrecht verlaufende Linien
eingetragen, welche die elektrischen Ströme I
1 und I
2 markieren. Bei vorliegen eines Kurzschlussstroms I
1 würde eine Absicherung mittels einer herkömmlichen 100A-Schmelzsicherung zu keiner
oder allenfalls einer sehr langwierigen Auslösung führen. Durch die thermische Vorbelastung
des erfindungsgemäßen Schmelzleiters 10 wird die ursprüngliche Auslösekennlinie K
1 nunmehr auf die Kennlinie K
2 verschoben: Dadurch ist eine Auslösezeit t
12 realisierbar, welche deutlich unterhalb der ursprünglichen Auslösezeit liegt.
[0052] Die sich daraus ergebende Einsatzmöglichkeit der erfindungsgemäßen Schmelzsicherung
1 sei am Beispiel einer Photovoltaik-Anlage exemplarisch dargestellt: würde bei einer
derartigen Anlage, welche drei Stränge zu je 100A aufweist, die mit je einer 100A-Schmelzsicherung
entsprechend der Kennlinie K
1 abgesichert sind, ein Kurzschluss in einem der drei Stränge auftreten, so würden
die beiden intakten Stränge unter voller Sonneneinstrahlung 200A bis 220A Kurzschlussstrom
erzeugen. Bei schräg stehender Sonne in den Morgen- bzw. Abendstunden oder bei entsprechender
Bewölkung würde jedoch nur ein Teilstrom, z.B. von 110A, auftreten. Die Photovoltaik-Anlage
würde in diesem Betriebszustand keinen Strom an den Umrichter liefern, da die gesamte
Anlage kurzgeschlossen ist. Mit Hilfe einer sonnenlicht- und temperaturabhängigen
Ansteuerung könnte jedoch der Schmelzleiter entsprechend der Kennlinie K
2 thermisch vorbelastet werden, so dass hierdurch eine Auslösung innerhalb einer vertretbaren
Zeitdauer t
12 erreichbar wäre. Die Photovoltaik-Anlage würde anschließend mit den zwei verbliebenen
Strängen ordnungsgemäß weiterlaufen.
[0053] Die Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung wird im Folgenden mit Hilfe der Linie
I
2 erläutert: wird bei Absicherung mit 100A-Schmelzsicherungen in einer Photovoltaik-Anlage
bedingt durch eine geringe Sonneneinstrahlung nur ein Kurzschlussstrom I
2 von beispielsweise 130A erreicht, so würde bis zu einer Auslösung der Schmelzsicherung
und damit einer Abschaltung der Photovoltaik-Anlage die Zeitdauer t
21 vergehen. In der Realität kann dies weit über eine Stunde dauern, ohne dass Strom
zum Umrichter gelangt. Durch eine geeignete einstrahlungsabhängige Vorsteuerung mittels
thermischer Vorbelastung des erfindungsgemäßen Schmelzleiters kann dieser Wert auf
eine akzeptable Zeitdauer t
22 von nur wenigen Minuten reduziert werden. Die Schmelzsicherung kann somit größer
dimensioniert werden, da sie in Abhängigkeit der vorherrschenden Umgebungsparameter
an die aktuelle Betriebssituation angepasst werden kann. Die Schmelzsicherung muss
somit auch nicht bis an ihre Leistungsgrenze betrieben werden, was einen wesentlich
robusteren Betrieb ermöglicht.
[0054] Ferner stellt sich bei kalter Witterung der Effekt ein, dass die reale Auslösekennlinie
der Schmelzsicherung aufgrund der niedrigen Temperaturen nach rechts verschoben ist.
Im realen Betrieb einer Photovoltaik-Anlage können sich daher bei sehr kalter Sicherung
um bis zu 20% höhere Auslösewerte ergeben als bei Normaltemperatur. Da die Kennlinien
auf Schwankungen der Umgebungstemperatur reagieren, müssen zur Verwendung bei hohen
Tagestemperaturen Sicherungen mit höheren Nennströmen verwendet werden. Wird z.B.
eine 63A Sicherung benötigt, würde sich deren Kennlinie bei hohen Umgebungstemperaturen
nach links verschieben und wäre damit zu empfindlich. Damit muss ggf. eine 100A Sicherung
eingesetzt werden. Aufgrund der geringen Überströme und Kurzschlussströme bei Photovoltaik-Anlagen
würde - insbesondere bei sehr kalten Umgebungstemperaturen, die zu einer Verschiebung
der Kennlinie nach rechts führen - die Sicherung im Fehlerfall nicht oder erst sehr
spät auslösen. Dies ist vermeidbar, indem die Kennlinie K
1 der Sicherung mittels geeigneter Vorsteuerung wieder nach links auf die Kennlinie
K
2, welche einer Sicherung mit 63A-Carakteristik entspricht, angepasst wird.
[0055] Abschließend wird darauf hingewiesen, dass die Anwendungsfälle des erfindungsgemäßen
Schmelzleiters 10 sowie der erfindungsgemäßen Schmelzsicherung 1 nicht auf das Gebiet
der Photovoltaik-Anlagen beschränkt sind. Das Gebiet der Photovoltaik-Anlagen wurde
lediglich exemplarisch zur Verdeutlichung der Vorteile des erfindungsgemäßen Schmelzleiters
10 sowie der erfindungsgemäßen Schmelzsicherung 1 ausgewählt.
Bezugszeichenliste:
[0056]
- 1
- Überstrom-Schutzeinrichtung / Schmelzsicherung
- 2
- Sicherungskörper
- 3
- Verschlusskappe
- 4
- erstes Kontaktelement
- 5
- zweites Kontaktelement
- 6
- Löschmittel
- 10
- Schmelzleiter
- 11
- Engstellenreihe
11-1 Engstellenreihe
11-2 Engstellenreihe
- 12
- mittlerer Bereich
- 13
- Lotdepot
- 14
- erstes Ende
- 15
- zweites Ende
- 16
- Löcher
- 17
- zusätzlicher Anschlussleiter
- 18
- weiterer zusätzlicher Anschlussleiter
- a1
- Abstand
- a2
- Abstand
- L
- Längserstreckungsrichtung
- B
- Breitenerstreckungsrichtung
- ti
- Zeitdauer
- Ii
- Kurzschlussstrom
- Ki
- Kennlinie
1. Schmelzleiter (10) für eine Überstrom-Schutzeinrichtung (1),
- welcher einen sich in einer Längserstreckungsrichtung (L) erstreckenden, länglichen
Grundkörper aufweist, dessen erstes Ende (14) einen ersten Kontaktbereich zur Kontaktierung
mit einem ersten Kontaktelement (4) der Überstrom-Schutzeinrichtung (1) aufweist,
und dessen zweites Ende (15) einen zweiten Kontaktbereich zur Kontaktierung mit einem
zweiten Kontaktelement (5) der Überstrom-Schutzeinrichtung (1) aufweist,
- bei dem zwischen dem ersten Kontaktbereich und dem zweiten Kontaktbereich mehrere
Engstellenreihen (11) angeordnet sind, die jeweils eine Mehrzahl an Löchern (16) aufweisen,
welche quer zur Längserstreckungsrichtung (L) des Schmelzleiters (10) angeordnet sind,
dadurch gekennzeichnet,
- dass in einem zwischen dem ersten Kontaktbereich und dem zweiten Kontaktbereich mittig
angeordneten, mittleren Bereich (12) des Schmelzleiters (10) zwei der Engstellenreihen
(11-1, 11-2) einen geringeren Abstand zueinander aufweisen als die übrigen Engstellenreihen
(11),
- dass der Schmelzleiter (10) in diesem mittleren Bereich (12) zumindest einen zusätzlichen
Anschlussleiter (17, 18) aufweist, welcher mit dem Schmelzleiter (10) elektrisch leitend
verbunden ist.
2. Schmelzleiter (10) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Abstand (a1) der beiden im mittleren Bereich (12) angeordneten Engstellenreihen (11-1, 11-2)
wesentlich geringer ist als die Schmelzleiterbreite, aber größer als der Lochabstand
der Engstellenreihen (11-1, 11-2).
3. Schmelzleiter nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Abstand der beiden im mittleren Bereich angeordneten Engstellenreihen (11-1,
11-2) zwischen 3 und 20 mm beträgt.
4. Schmelzleiter (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Schmelzleiter (10) streifenförmig ausgebildet ist.
5. Schmelzleiter (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der zusätzliche Anschlussleiter (17) seitlich an den Schmelzleiter angeformt ist.
6. Schmelzleiter (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Schmelzleiter im Bereich des zusätzlichen Anschlussleiters (17) ein Lotdepot
aufweist.
7. Schmelzleiter (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die beiden im mittleren Bereich (12) des Schmelzleiters (10) angeordneten Engstellenreihen
(11-1, 11-2) schräg zueinander angeordnet.
8. Schmelzleiter (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Schmelzleiter (10) einen weiteren zusätzlichen Anschlussleiter (18) aufweist,
welcher derart elektrisch leitend mit dem Schmelzleiter (10) verbunden ist, dass die
beiden im mittleren Bereich (12) des Schmelzleiters (10) angeordneten Engstellenreihen
(11-1, 11-2) zwischen dem ersten zusätzlichen Anschlussleiter (17) und dem weiteren
zusätzlichen Anschlussleiter (18) angeordnet sind.
9. Schmelzleiter (10) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die beiden zusätzlichen Anschlussleiter (17, 18) des Schmelzleiters (10) symmetrisch
angeordnet sind.
10. Schmelzleiter (10) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die beiden zusätzlichen Anschlussleiter (17, 18) in der Längserstreckungsrichtung
(L) um mindestens eine Engstellenreihe versetzt zueinander angeordnet sind.
11. Schmelzleiter nach einem der Ansprüche 8 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass die beiden Anschlussleiter (17, 18) mit einer Steuereinrichtung elektrisch leitend
verbindbar sind.
12. Überstrom-Schutzeinrichtung (1),
welche zumindest einen Schmelzleiter (10) nach einem der vorstehenden Ansprüche 1
bis 11 aufweist.
13. Überstrom-Schutzeinrichtung (1) nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Überstrom-Schutzeinrichtung (1) ferner eine Steuereinrichtung aufweist, mit welcher
der zumindest eine zusätzliche Anschlussleiter (17, 18) elektrisch leitend verbunden
ist, um eine Auslösecharakteristik der Überstrom-Schutzeinrichtung (1) gezielt zu
beeinflussen.