[0001] Die Erfindung betrifft einen Düsenkopf für eine Brennstoffeinspritzdüse eines Grossdieselmotors,
insbesondere eines längsgespülten Zweitakt-Grossdieselmotors, sowie ein Verfahren
zum Herstellen eines solchen Düsenkopfes gemäss dem Oberbegriff des unabhängigen Patentanspruchs
der jeweiligen Kategorie.
[0002] Grossdieselmotoren, wie beispielsweise längsgespülte Zweitakt-Grossdieselmotoren,
werden häufig als Antriebsaggregate für Schiffe oder auch im stationären Betrieb,
z.B. zum Antrieb grosser Generatoren zur Erzeugung elektrischer Energie eingesetzt.
Dabei laufen die Motoren in der Regel über beträchtliche Zeiträume im Dauerbetrieb,
was hohe Anforderungen an die Betriebssicherheit und die Verfügbarkeit stellt. Daher
sind für den Betreiber insbesondere lange Wartungsintervalle, geringer Verschleiss
und ein wirtschaftlicher Umgang mit den Betriebsstoffen zentrale Kriterien.
[0003] Seit einigen Jahren ist auch mit zunehmender Bedeutung die Qualität der Abgase, insbesondere
die Stickoxid Konzentration in den Abgasen ein wesentlicher Aspekt. Das hat insbesondere
bei Zweitakt-Grossdieselmotoren zur Folge, dass die Verbrennung des klassischen, mit
Schadstoffen hoch belasteten Schweröls, aber auch die Verbrennung von Dieselöl oder
anderen Brennstoffen problematischer wird, weil die Einhaltung der Abgasgrenzwerte
immer schwieriger, technisch aufwändiger und damit teurer wird oder am Ende deren
Einhaltung gar nicht mehr sinnvoll möglich ist.
[0004] In der Praxis besteht daher bereits seit langem das Bedürfnis nach sogenannten "Dual-Fuel
Motoren", also Motoren, die mit zwei unterschiedlichen Brennstoffen betrieben werden
können. In einem Gasmodus wird ein Gas, z.B. ein Erdgas wie LNG (liquefied natural
gas), oder ein Gas in Form eines Autogases oder eines anderen zum Antrieb einer Brennkraftmaschine
geeigneten Gases verbrannt, während in einem Flüssigmodus ein geeigneter flüssiger
Brennstoff wie Diesel oder Schweröl in demselben Motor verbrannt werden kann.
[0005] Mit dem Begriff "Grossdieselmotor" sind im Rahmen dieser Anmeldung auch solche Grossmotoren
gemeint, die ausser im Dieselbetrieb, der durch die Selbstzündung des Brennstoffs
gekennzeichnet ist, auch in einem Ottobetrieb, der durch die Fremdzündung des Brennstoffs
gekennzeichnet ist, oder in Mischformen aus diesen beiden betrieben werden kann. Ferner
umfasst der Begriff Grossdieselmotor insbesondere auch die genannten Dual-Fuel-Motoren
und solche Grossmotoren, bei denen die Selbstzündung des Brennstoffs zur Fremdzündung
eines anderen Brennstoffs genutzt wird.
[0006] Im Flüssigmodus wird üblicherweise der Brennstoff direkt in den Brennraum des Zylinders
eingebracht und verbrennt dort nach dem Prinzip der Selbstzündung. Im Gasmodus ist
es bekannt, nach dem Otto-Prinzip das Gas im gasförmigen Zustand mit der Spülluft
zu vermischen, um so im Brennraum des Zylinders ein zündfähiges Gemisch zu erzeugen.
Bei diesem Nieder- oder Hochdruckverfahren erfolgt die Zündung des Gemisches im Zylinder
üblicherweise, indem im richtigen Moment eine kleine Menge flüssigen Brennstoffs in
den Brennraum des Zylinders oder in eine Vorkammer eingespritzt wird, die dann zur
Zündung des Luft-Gas-Gemisches führt. Ein Dual-Fuel Motor kann während des Betriebs
vom Gasmodus in den Flüssigmodus umgeschaltet werden und umgekehrt.
[0007] Wird ein Grossdieselmotor mit flüssigem Brennstoff, also beispielsweise Schweröl
oder Dieselöl, betrieben, so werden üblicherweise zum Einbringen des Brennstoffs in
den Brennraum des Zylinders Brennstoffeinspritzdüsen verwendet, die einen Düsenkörper
und einen Düsenkopf aufweisen. Der Düsenkopf wird auch als Zerstäuber bezeichnet.
Im Düsenkopf sind in der Regel mehrere Düsenöffnungen vorgesehen, durch welche der
Brennstoff in den Brennraum eingespritzt wird. Um den Einspritzvorgang zu beginnen
oder zu beenden, ist in der Brennstoffeinspritzdüse eine bewegliche Düsennadel vorgesehen,
die mit einem Ventilsitz derart zusammenwirkt, dass der Durchgang zu den Düsenöffnungen
geöffnet oder geschlossen wird.
[0008] Typischerweise ist der Düsenkopf ein Verschleissteil, das einem hohen thermischen,
mechanischen und chemischen Belastungskollektiv unterliegt. Die mechanischen Belastungen
beruhen unter anderem auf dem hohen Einspritzdruck, der über tausend bar betragen
kann. Die thermischen Belastungen werden durch die hohen Temperaturen im Brennraum
und die enormen Temperaturwechsel zwischen Verbrennungstemperatur und Temperatur der
frisch zugeführten Spülluft verursacht, während die chemischen Belastungen hauptsächlich
in der Hochtemperatur- oder Heisskorosion begründet liegen.
[0009] Aus diesen Gründen und insbesondere aufgrund der thermischen Belastung wird der Ventilsitz
üblicherweise etwas entfernt von den Düsenöffnungen angeordnet, damit eine übermässige
Beaufschlagung mit Verbrennungswärme vermieden wird. Stromabwärts des Ventilsitzes
ist im Düsenkopf eine als Sacklochbohrung ausgestaltete Längsbohrung vorgesehen, von
welcher Bohrungen abzweigen, die zu den Düsenöffnungen führen.
[0010] Die räumliche Entfernung zwischen Ventilsitz und Düsenöffnungen bringt folgendes
Problem mit sich. Beim Beenden der Brennstoffeinspritzung wird die Düsennadel in den
Ventilsitz gedrückt, sodass der Brennstoff, der sich stromabwärts des Ventilsitzes
- also zwischen Ventilsitz und Düsenlöchern - in der Sacklochbohrung befindet, nicht
mehr mit dem Speisedruck beaufschlagt wird. Dieser Teil des Brennstoffs kann zu unerwünschten
Ablagerungen im Düsenkopf führen und nach Beendigung der Einspritzung durch die Düsenöffnungen
schlecht zerstäubt in den Brennraum gelangen, oder dort hinein tropfen, wo er jedoch
nur wenig oder gar nicht verbrennt. Dies führt zu einem erhöhten Brennstoffverbrauch,
zu zusätzlichen Schadstoffbelastungen des Abgases insbesondere mit Sickoxiden NO
x, sowie zu Ablagerungen von unverbranntem Brennstoff an allen Teilen des Brennraums
und der abgasführenden Komponenten.
[0011] Zur Lösung dieses Problems sind schon verschiedene Vorschläge gemacht worden. Beispielsweise
ist es bekannt, an der Düsennadel stromabwärts des Ventilsitzes ein Absperrelement
vorzusehen, welches das Fliessen von Brennstoff durch die Düsenöffnungen verhindert,
sobald die Düsennadel in den Ventilsitz gedrückt wird. Auch wenn sich solche Ausgestaltungen
bewährt haben, so sind sie doch apparativ relativ aufwändig und dementsprechend kostenintensiv.
[0012] Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es daher eine Aufgabe der Erfindung, einen
möglichst einfachen Düsenkopf für eine Brennstoffeinspritzdüse eines Grossdieselmotors
vorzuschlagen, mit dem sich die genannten Probleme zumindest deutlich reduzieren lassen,
welche durch den Brennstoff verursacht werden, der nach Beendigung der Einspritzung
noch stromabwärts des Ventilsitzes vorhanden ist. Ferner ist es eine Aufgabe der Erfindung,
ein Verfahren zum Herstellen eines solchen Düsenkopfes vorzuschlagen.
[0013] Die diese Aufgabe lösenden Gegenstände der Erfindung sind durch die Merkmale des
unabhängigen Anspruchs der jeweiligen Kategorie gekennzeichnet.
[0014] Erfindungsgemäss wird also ein Düsenkopf vorgeschlagen für eine Brennstoffeinspritzdüse
eines Grossdieselmotors, insbesondere eines längsgespülten Zweitakt-Grossdieselmotors,
mit einem Längskanal, dem ein Brennstoff zuführbar ist, und welcher sich in einer
axialen Richtung von einem oberen Ende bis zu einem unteren Ende erstreckt, sowie
mit mindestens einem Düsenkanal, welcher sich von dem Längskanal bis zu einer Düsenöffnung
erstreckt, durch welche der Brennstoff in einen Brennraum des Grossdieselmotors einbringbar
ist, wobei jeder Düsenkanal einen Strömungsquerschnitt aufweist, der kleiner ist als
der Strömungsquerschnitt des Längskanals, und wobei das untere Ende des Längskanals
bezüglich der axialen Richtung und bezüglich der normalen Gebrauchslage oberhalb jeder
Düsenöffnung angeordnet ist.
[0015] Durch diese Ausgestaltung des Düsenkopfs, bei welcher sich der Längskanal nicht über
im Wesentlichen die gesamte Länge des Düsenkopfs in axialer Richtung erstreckt, sondern
bereits oberhalb jeder Düsenöffnung endet, lässt sich das Volumen zwischen dem Ventilsitz
und den Düsenöffnungen im Vergleich zu bekannten Düsenköpfen drastisch verkleinern.
In Verbindung mit dem kleineren Strömungsquerschnitt des mindestens einen Düsenkanals,
resultiert somit eine wesentlich kleinere Brennstoffmenge, die sich nach Beendigung
des Einspritzvorgangs, also wenn die Düsennadel wieder dichtend mit dem Ventilsitz
zusammenwirkt, stromabwärts des Ventilsitzes im Düsenkopf befindet. Folglich ist nach
Beendigung des Einspritzvorgang stromabwärts des Ventilsitzes nur noch eine beträchtlich
kleinere Menge an Brennstoff im Düsenkopf vorhanden, sodass die durch diesen Brennstoff
verursachten negativen Effekte - insbesondere die schädlichen Emissionen, der Brennstoffverbrauch
und die schädlichen Ablagerungen, erheblich reduziert werden. Da hierfür keine apparativ
aufwändigen Massnahmen notwendig sind, ist ein solcher Düsenkopf auch besonders einfach
in seiner Ausgestaltung.
[0016] Erfindungsgemäss wird ferner ein Verfahren zum Herstellen eines erfindungsgemässen
Düsenkopfes vorgeschlagen, bei welchem der Düsenkopf mithilfe eines additiven Bearbeitungsverfahrens
hergestellt wird.
[0017] Mit einem additiven Bearbeitungsverfahren bzw. mit einer additiven Fertigung, die
auch als generative Fertigung bezeichnet wird, ist dabei ein Bearbeitungsverfahren
gemeint, bei welchem Material aufgebracht oder aufgetragen wird. Üblicherweise werden
bei einem additiven Bearbeitungsverfahren aus einem formlosen Material, beispielsweise
Flüssigkeiten oder Pulver, oder aus einem formneutralen Material, beispielsweise band-
oder drahtförmigem Material, mittels chemischer und/oder physikalischer Prozesse die
gewünschten Strukturen generiert, z. B. durch Aufbauen auf einem Grundkörper. An sich
bekannte additive Fertigungsmethoden für metallische Werkstoffe sind beispielsweise
Auftragschweissverfahren, speziell Inert-Gas-Verfahren wie Wolfram-Inert-Gas-Schweissen
(WIG) oder Laserauftragschweissen, oder Plasmaverfahren oder selektives Laserschmelzen
(SLM Selective Laser Melting) oder Laser Sintern.
[0018] Im Vergleich zu subtraktiven Bearbeitungs- oder Fertigungsverfahren, bei welchen
Material von einem Werkstück bzw. einem Rohling abgetragen bzw. entfernt wird, unterliegen
additive Bearbeitungsverfahren zumindest fast keinen geometrischen Beschränkungen,
sodass beliebig strukturierte Körper, insbesondere solch mit inneren Kavitäten hergestellt
werden können. Subtraktive Bearbeitungen umfassen beispielsweise alle Formen der zerspanenden
Fertigung, womit - wie allgemein üblich - eine Fertigung gemeint ist, bei welcher
zur Erzielung einer gewünschten geometrischen Form überschüssiges Material in Form
von Spänen von einem Rohling bzw. einem Werkstück abgetrennt wird. Zerspanende Fertigungen
sind beispielsweise Fräsen, Drehen, Bohren, Hobeln, Feilen, Schleifen, Hohnen oder
Läppen, um nur einige Beispiele zu erwähnen.
[0019] Da erfindungsgemäss der Düsenkopf mithilfe eines additiven Bearbeitungsverfahrens
hergestellt wird, unterliegt seine konkrete geometrische Ausgestaltung praktisch keinen
Grenzen.
[0020] Gemäss einer Ausführungsform wird der gesamte Düsenkopf mit dem additiven Bearbeitungsverfahren
hergestellt, d.h., der gesamte Düsenkopf wird generativ aufgebaut.
[0021] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsform wird mit dem additiven Bearbeitungsverfahren
ein Einsatz hergestellt, in welchem alle Düsenkanäle angeordnet sind, und der Einsatz
wird in eine Längsbohrung des Düsenkopfs eingesetzt, welche sich in axialer Richtung
erstreckt, und welche Längsbohrung den Längskanal umfasst.
[0022] Dabei ist es bevorzugt, dass der Einsatz so ausgestaltet ist, dass er mit seiner
gesamten äusseren Begrenzungsfläche an der die Längsbohrung begrenzenden Wandung anliegt,
die Längsbohrung bezüglich der radialen Richtung also komplett ausfüllt. Vorzugsweise
hat der Einsatz eine zylindrische Form, wobei sein Aussendurchmesser im Wesentlichen
dem Innendurchmesser der Längsbohrung entspricht, sodass der Einsatz in die Längsbohrung
eingesetzt werden kann und mit seiner äusseren Begrenzungsfläche an der Wandung anliegt,
welche die Längsbohrung bezüglich der radialen Richtung begrenzt.
[0023] Jeder Düsenkanal ist als innerer Kanal ausgestaltet, der sich vollständig im Inneren
des Einsatzes befindet. Das heisst, jeder Düsenkanal wird vollständig von dem Einsatz
umschlossen, sodass nur der Einsatz selbst jeden Düsenkanal begrenzt. Insbesondere
wird dadurch vermieden, dass andere Komponenten wie beispielsweise die Wandung, welche
die Längsbohrung begrenzt, eine Begrenzung für den Düsenkanal bildet.
[0024] Diese Ausführungsform hat den Vorteil, dass nicht nur die Düsenkanäle in praktisch
beliebiger Geometrie hergestellt werden können, sondern dass der Einsatz mit den Düsenkanälen
auch in die Längsbohrung bzw. in das Sackloch eines an sich bekannten konventionellen
Düsenkopfs eingesetzt werden kann, um einen erfindungsgemässen Düsenkopf zu realisieren.
Diese Ausführungsform ermöglicht es somit insbesondere auch, einen bereits vorhandenen
konventionellen Düsenkopf in einen erfindungsgemässen umzugestalten. Dazu kann es
notwendig sein, in dem konventionellen Düsenkopf die Längsbohrung bzw. die Sacklochbohrung
zu erweitern, sodass der additiv gefertigte Einsatz mit den Düsenkanälen in diese
Längsbohrung eingesetzt werden kann.
[0025] Der Einsatz ist bevorzugt so gefertigt, dass er über seinen gesamten Umfang an der
inneren Wandung der Längsbohrung anliegt, sodass der Brennstoff aus dem Längskanal
im Wesentlichen nur durch den Düsenkanal bzw. die Düsenkanäle in den Brennraum gelangen
kann.
[0026] Das additive Bearbeitungsverfahren hat, wie bereits erwähnt, insbesondere den Vorteil,
dass der Düsenkanal oder die Düsenkanäle mit einer beliebigen Geometrie hergestellt
werden kann/können. Somit ist es möglich, jeden Düsenkanal in freier, beliebiger Form
herzustellen, und ihn somit für den jeweiligen Anwendungsfall zu optimieren. Dadurch
lassen sich Kavitationen zumindest reduzieren und ein störungsfreier, optimaler Strömungsverlauf
für den Brennstoff ist realisierbar. Auch Ablagerungen im Düsenkopf können zumindest
deutlich reduziert werden.
[0027] Ein weiterer Vorteil der Ausgestaltung mit dem Einsatz ist es, dass er aus einem
anderen Material gefertigt werden kann als der Rest des Düsenkopfes. Da der Einsatz
den extrem herausfordernden Umgebungsbedingungen im Brennraum selbst nicht ausgesetzt
ist, kann für ihn ein Werkstoff gewählt werden, der unter Aspekten wie beispielsweise
Kostenoptimierung und möglichst guter Durchleitung des Brennstoffs ausgewählt wird,
während für den Rest des Düsenkopfes ein anderes an sich bewährtes Material gewählt
wird, das besonders vorteilhaft im Hinblick auf die Bedingungen im Brennraum ist.
[0028] Im Hinblick auf die apparativen Aspekte ist es bevorzugt, wenn der Düsenkopf eine
Mehrzahl von Düsenkanälen aufweist, von denen sich jeder jeweils von dem Längskanal
bis zu einer Düsenöffnung erstreckt, durch welche der Brennstoff in den Brennraum
des Grossdieselmotors einbringbar ist. Durch diese Massnahme lässt sich eine besonders
günstige Verteilung des Brennstoffs im Brennraum des Zylinders gewährleisten.
[0029] Gemäss einer bevorzugten Ausgestaltung hat der Düsenkopf eine Längsbohrung, welche
sich in axialer Richtung erstreckt, wobei die Längsbohrung den Längskanal umfasst,
und wobei in der Längsbohrung ein Einsatz vorgesehen ist, in welchem alle Düsenkanäle
angeordnet sind. Wie bereits im Zusammenhang mit dem erfindungsgemässen Verfahren
erläutert, hat diese Ausgestaltung einige Vorteile. Der Einsatz mit dem zumindest
einen Düsenkanal wird in die Längsbohrung des Düsenkopfs eingesetzt, sodass der bezüglich
der normalen Gebrauchslage obere Teil der Längsbohrung des Düsenkopfs den Längskanal
bildet, an den sich stromabwärts der Einsatz mit dem mindestens einen Düsenkanal anschliesst,
durch welchen der Brennstoff aus dem Längskanal in den Brennraum gelangen kann.
[0030] Dabei ist es aus den bereits genannten Gründen bevorzugt, wenn der Einsatz aus einem
Material gefertigt ist, das verschieden ist von dem Material, aus welchem der Rest
des Düsenkopfes besteht. In der Wandung des Düsenkopfs sind dann eine oder mehrere
Bohrungen vorgesehen, welche die Düsenöffnungen bilden, durch welche der Brennstoff
aus dem jeweiligen Düsenkanal in den Brennraum gelangen kann.
[0031] Im Hinblick auf eine möglichst gute Verteilung des Brennstoffs im Brennraum ist es
bevorzugt, wenn jeder Düsenkanal so ausgestaltet ist, dass der Brennstoff unter einem
Einspritzwinkel geneigt zur axialen Richtung aus der jeweiligen Düsenöffnung austreten
kann, wobei jeder Einspritzwinkel kleiner als 90° und vorzugsweise kleiner als 80°
ist. Mit dem Einspritzwinkel ist dabei der kleinere der beiden Winkel gemeint, welche
die Flächennormale der Düsenöffnung mit der axialen Richtung einschliesst.
[0032] Um eine möglichst optimale Brennstoffeinspritzung zu gewährleisten, ist es bevorzugt,
wenn mindestens zwei Düsenkanäle vorgesehen sind, die unterschiedliche Einspritzwinkel
aufweisen.
[0033] Eine weitere bevorzugte Massnahme ist es, wenn jeder Düsenkanal so ausgestaltet ist,
dass er in axialer Richtung in den Längskanal einmündet. Durch diese Massnahme lässt
sich der Strömungswiderstand für den Brennstoff beim Übergang aus dem Längskanal in
jeden Düsenkanal minimieren, weil sich jeder Düsenkanal in der Nähe des Längskanals
in gleicher Richtung erstreckt wie der Längskanal, sodass der Brennstoff beim Übergang
aus dem Längskanal in den Düsenkanal nicht umgelenkt werden muss. Hierdurch lassen
sich insbesondere auch erosionsbedingte Degradationseffekte vermeiden.
[0034] Auch kann es je nach Anwendung vorteilhaft sein, wenn mindestens ein Düsenkanal in
einem an die Düsenöffnung angrenzenden Bereich sich erweiternd oder sich verjüngend
ausgestaltet ist. Hierdurch kann sich das Strömungsverhalten des Brennstoffs optimieren
lassen.
[0035] Insbesondere ist es vorteilhaft, wenn jeder Düsenkanal frei von Kanten und Ecken
ausgestaltet ist, denn hierdurch lassen sich Ablagerungen, Erosionserscheinungen und
Kavitationen zumindest deutlich reduzieren, die üblicherweise verstärkt an scharfen
Kanten oder Ecken auftreten können und zu verstärktem Verschleiss führen.
[0036] Eine weitere bevorzugte Ausgestaltung besteht darin, dass der mindestens eine Düsenkanal
bogenförmig oder gekrümmt ausgestaltet ist. Durch die bogenförmige oder gekrümmte
Ausgestaltung lässt sich die Strömung des Brennstoffs besonders verlustfrei und vorteilhaft
aus der axialen Richtung in die gewünschte Einspritzrichtung überführen.
[0037] Auch ist es vorteilhaft, wenn mindestens zwei Düsenkanäle vorgesehen sind, welche
einen gekrümmten Bereich aufweisen, wobei die Krümmungen der beiden Düsenkanäle in
dem gekrümmten Bereich unterschiedlich sind. Durch diese Ausgestaltung lassen sich
besonders gut unterschiedliche Einspritzwinkel für den Brennstoff realisieren, wobei
Kavitationen und erosionsbedingte Verschleisserscheinungen zumindest deutlich reduziert
werden.
[0038] Durch die Erfindung wird ferner ein Grossdieselmotor, insbesondere ein längsgespülter
Zweitakt-Grossdieselmotor vorgeschlagen mit einer Brennstoffeinspritzdüse, welche
einen Düsenkopf umfasst, welcher erfindungsgemäss ausgestaltet oder gemäss einem erfindungsgemässen
Verfahren hergestellt ist.
[0039] Weitere vorteilhafte Massnahmen und Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus
den abhängigen Ansprüchen.
[0040] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen und anhand der Zeichnung
näher erläutert. In der Zeichnung zeigen:
- Fig. 1:
- einen Längsschnitt durch eine Brennstoffeinspritzdüse eines Grossdieselmotors gemäss
Stand der Technik,
- Fig. 2:
- eine schematische Längsschnittdarstellung des Düsenkopfs der Brennstoffeinspritzdüse
aus Fig. 1, und
- Fig. 3:
- einen schematische Längsschnittdarstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemässen
Düsenkopfs.
[0041] Im Rahmen der vorliegenden Anmeldung sind relative Lagebezeichnungen, wie "unten",
"oben", "unterhalb", "oberhalb", usw. so zu verstehen, dass sie sich jeweils auf die
normale Gebrauchslage beziehen.
[0042] Zum besseren Verständnis der Erfindung wird zunächst anhand der Fig. 1 der Aufbau
einer Brennstoffeinspritzdüse eines Grossdieselmotors erläutert, wie sie aus dem Stand
der Technik bekannt ist. Zur besseren Unterscheidung des Stands der Technik von der
vorliegenden Erfindung werden dabei für die aus dem Stand der Technik bekannte Vorrichtung
Bezugszeichen verwendet, die mit einem Hochkomma versehen sind.
[0043] Fig. 1 zeigt einen Längsschnitt durch eine aus dem Stand der Technik bekannte Brennstoffeinspritzdüse
eines Grossdieselmotors, die gesamthaft mit dem Bezugszeichen 10' bezeichnet ist.
Im speziellen handelt es sich um die Brennstoffeinspritzdüse 10' eines längsgespülten
Zweitakt-Grossdieselmotors, mit welcher ein flüssiger Brennstoff, insbesondere Schweröl
oder ein Dieselöl, in einen Brennraum 20' eines Zylinders des Grossdieselmotors eingebracht
werden kann.
[0044] Die bekannte Brennstoffeinspritzdüse 10' umfasst einen Düsenkörper 11' mit einem
Düsenkopf 1', der mit dem Düsenkörper 11' verbunden ist. Die Verbindung erfolgt hier
mittels einer Haltehülse 12', die sich an ihrem darstellungsgemäss unteren Ende zur
Längsachse der Brennstoffeinspritzdüse 10' hin verjüngt. Durch die Längsachse der
Brennstoffeinspritzdüse 10', die gleichzeitig auch die Längsachse des Düsenkopfs 1'
ist, wird eine axiale Richtung A` festgelegt. Die Haltehülse 12' ist mittels einer
Überwurfmutter 13' sowie eines elastischen Elements 14', zum Beispiel eines Sprengrings,
am Düsenkörper 11' befestigt. Der Düsenkopf 1' stützt sich in dem sich verjüngenden
Teil der Haltehülse 12' ab.
[0045] Zum besseren Verständnis zeigt Fig. 2 noch eine schematische Längsschnittdarstellung
des Düsenkopfs 1' der Brennstoffeinspritzdüse 10' aus Fig. 1,
[0046] Der Düsenkopf 1' weist eine Längsbohrung 5' auf und im Bereich seines unteren Endes
mindestens eine Düsenöffnung 3', typischerweise mehrere z. B. fünf Düsenöffnungen
3', die mit der Längsbohrung 5' verbunden sind, sodass der Brennstoff durch die Düsenöffnungen
3' in den Brennraum 20' austreten kann.
[0047] Im Innern des Düsenkörpers 11' ist ein Druckraum 14' vorgesehen, in welchen eine
Zuführleitung 15' für den Brennstoff einmündet. Durch die Zuführleitung 15' kann der
Brennstoffeinspritzdüse 10' der unter Hochdruck stehende Brennstoff aus einem Vorratsbehälter,
üblicherweise einem Akkumulator eines Common Rail Systems, zugeführt werden. Der Druckraum
14' wird in axialer Richtung A' von einem Ventilsitz 16' begrenzt. Ferner ist im Innern
des Düsenkörpers 11' eine Düsennadel 17' angeordnet, die sich im Wesentlichen in axialer
Richtung A' erstreckt, und die mit dem Ventilsitz 16' zusammenwirkt. In der in Fig.
1 dargestellten Schliessstellung wird die untere Spitze der Düsennadel 17' in den
Ventilsitz 16' gedrückt, sodass der Durchlass aus dem Druckraum 14' in die sich stromabwärts
anschliessende Längsbohrung 5' verschlossen ist. Die Düsennadel 17' ist mittels einer
nicht dargestellten Druckfeder federbelastet und gegen den Ventilsitz 16' vorgespannt.
In der Offenstellung der Düsennadel 17' ist diese darstellungsgemäss nach oben aus
dem Ventilsitz 16' herausgehoben, sodass zwischen dem unteren Ende der Düsennadel
17' und dem Ventilsitz 16' ein Durchlass offen ist, durch welchen der Brennstoff aus
dem Druckraum 14' in die Längsbohrung 5' gelangen kann.
[0048] Das Volumen der Längsbohrung 5' stromabwärts des Ventilsitzes 16' wird üblicherweise
als Sackloch oder Sacklochvolumen bezeichnet.
[0049] Die Längsbohrung 5' ist bei dem hier beschriebenen Beispiel als im wesentlichen zylindrische
Bohrung ausgestaltet, die sich in axialer Richtung A' erstreckt und eine Länge L'
aufweist (siehe Fig. 2). Der Durchmesser D' der Längsbohrung 5' legt einen Strömungsquerschnitt
fest, womit die für die Strömung des Brennstoffs zur Verfügung stehende Querschnittsfläche
in der Längsbohrung 5' gemeint ist.
[0050] Die Düsennadel 17' ist in einer in axialer Richtung A' verlaufenden Bohrung 18' des
Düsenkörpers 11' angeordnet, die in Fig. 1 aus Platzgründen nur teilweise dargestellt
ist. Die Bohrung 18' hat einen inneren Durchmesser B', der etwas grösser ist als ein
äusserer Durchmesser der Düsennadel 17', so dass die Düsennadel 17' sicher und präzise
in der Bohrung 18' geführt wird.
[0051] Wie dies insbesondere die schematische Darstellung in Fig. 2 zeigt, ist jede Düsenöffnung
3' über einen Düsenkanal 53' mit der Längsbohrung 5' des Düsenkopfes 1' verbunden,
sodass der unter Druck stehende Brennstoff aus der Längsbohrung 5' durch die Düsenkanäle
53' und die Düsenöffnungen 3' in den Brennraum 20' eingespritzt wird. Der Strömungsquerschnitt
jedes Düsenkanals 53' ist deutlich kleiner, insbesondere mindestens fünfmal kleiner
als der Strömungsquerschnitt der Längsbohrung 5', welcher durch den Durchmesser D'
der Längsbohrung festgelegt ist. Üblicherweise verlaufen die Düsenkanäle 53' jeweils
geneigt bzw. schräg zur axialen Richtung A', sodass der Brennstoff unter einem Einspritzwinkel
α' geneigt zur axialen Richtung A' aus der jeweiligen Düsenöffnung 3' austreten kann.
Mit dem Einspritzwinkel α' ist dabei der kleinere der beiden Winkel gemeint, welche
die Flächennormale der Düsenöffnung 3' mit der axialen Richtung einschliesst. Natürlich
können die jeweiligen Einspritzwinkel α' für verschiedene Düsenöffnungen 3' verschieden
voneinander sein.
[0052] Fig. 3 zeigt in einer schematischen Längsschnittdarstellung ein Ausführungsbeispiel
eines erfindungsgemässen Düsenkopfs, der gesamthaft mit dem Bezugszeichen 1 bezeichnet
ist. Der Düsenkopf 1 ist in sinngemäss gleicher Weise wie dies anhand von Fig. 1 erläutert
wurde für eine Brennstoffeinspritzdüse eines Grossdieselmotors , insbesondere eines
längsgespülten Zweitakt-Grossdieselmotors, bestimmt und wirkt in analoger Weise wie
vorangehend beschrieben mit einem Düsenkörper der Brennstoffeinspritzdüse zusammen.
[0053] Der Düsenkopf 1 weist einen Längskanal 2 auf, welcher sich in einer axialen Richtung
A von einem oberen Ende 21 bis zu einem unteren Ende 22 erstreckt und die Länge L1
hat. Der Längskanal 2 ist vorzugsweise zylindrisch ausgestaltet und hat einen Durchmesser
D. In analoger Weise, wie dies anhand von Fig. 1 erläutert wurde, ist die axiale Richtung
A durch die Längsachse des Düsenkopfs 1 festgelegt, welche identisch ist mit der Längsachse
der Brennstoffeinspritzdüse, wenn der Düsenkopf 1 in der Brennstoffeinspritzdüse montiert
ist. In sinngemäss gleicher Weise wie im Stand der Technik ist dem Längskanal 2 ein
Brennstoff zuführbar, der in einen Brennraum eines Zylinders des Grossdieselmotors
eingebracht werden soll.
[0054] Der Düsenkopf 1 weist ferner mindestens einen Düsenkanal 4 auf, welcher sich von
dem Längskanal 2 bis zu einer Düsenöffnung 3 erstreckt, durch welche der Brennstoff
in den Brennraum des Zylinders einbringbar ist. Üblicherweise umfasst der Düsenkopf
1 mehrere separate Düsenöffnungen 3, von denen dann jede jeweils durch einen Düsenkanal
4 mit dem Längskanal 2 verbunden ist. In der schematischen Darstellung in Fig. 3 sind
zwei Düsenöffnungen 3 dargestellt, die jeweils über einen Düsenkanal 4 mit dem Längskanal
2 strömungsverbunden sind.
[0055] Jeder Düsenkanal 4 hat dabei einen Strömungsquerschnitt der deutlich kleiner, beispielsweise
mindestens fünfmal kleiner ist als der Strömungsquerschnitt des Längskanals 2. Mit
dem Strömungsquerschnitt ist dabei jeweils die Fläche gemeint, die senkrecht auf der
Hauptströmungsrichtung des Brennstoffs steht.
[0056] Erfindungsgemäss ist das untere Ende 22 des Längskanals 2 bezüglich der axialen Richtung
und bezüglich der in Fig. 3 dargestellten normalen Gebrauchslage oberhalb jeder Düsenöffnung
3 angeordnet. Durch diese Massnahme kann das Volumen, welches dem Brennstoff in dem
Düsenkopf zur Verfügung steht, drastisch reduziert werden, sodass nach Beendigung
der Einspritzung nur noch eine deutlich kleinere Menge an Brennstoff in dem Düsenkopf
1 vorhanden ist.
[0057] Der Düsenkopf 1 wird mithilfe eines additiven Bearbeitungsverfahrens hergestellt.
Diese Bearbeitungs- oder Herstellungsverfahren werden auch als generative Verfahren
bzw. als generative Fertigung bezeichnet. Mit einem additiven Bearbeitungsverfahren
bzw. mit einer additiven Fertigung, ist dabei ein Verfahren gemeint, bei welchem Material
aufgebracht oder aufgetragen wird, um den entsprechenden Körper aufzubauen. Üblicherweise
werden bei einem additiven Bearbeitungsverfahren aus einem formlosen Material, beispielsweise
Flüssigkeiten oder Pulver, oder aus einem formneutralen Material, beispielsweise band-
oder drahtförmigem Material, mittels chemischer und/oder physikalischer Prozesse die
gewünschten Strukturen generiert, z. B. durch Aufbauen auf einem Grundkörper. An sich
bekannte additive Fertigungsmethoden für metallische Werkstoffe sind beispielsweise
Auftragschweissverfahren, speziell Inert-Gas-Verfahren wie Wolfram-Inert-Gas-Schweissen
(WIG) oder Laserauftragschweissen, oder Plasmaverfahren oder selektives Laserschmelzen
(SLM Selective Laser Melting) oder Laser Sintern.
[0058] Die additive oder generative Fertigung hat insbesondere den Vorteil, dass sie praktisch
keinen geometrischen Beschränkungen unterliegen, sodass insbesondere auch Körper mit
beliebig geformten inneren Kavitäten hergestellt werden können. Dies hat im Hinblick
auf den Düsenkanal 4 bzw. die Düsenkanäle 4 den erheblichen Vorteil, dass jeder Düsenkanal
4 mit nahezu beliebiger Geometrie herstellbar ist. So kann die jeweilige Geometrie
des Düsenkanals 4 unter verschiedenen Aspekten optimiert werden, beispielsweise unter
den Aspekten, Kavitationen zumindest deutlich zu reduzieren, erosionsbedingte Degradationen
so weit wie möglich zu verringern, Ablagerungen in dem Düsenkanal 4 zu vermeiden,
das Strömungsverhalten des Brennstoffs zu optimieren, oder eine optimale Zerstäubung
bzw. Verteilung des Brennstoffs im Brennraum zu realisieren.
[0059] Bei dem in Fig. 3 dargestellten, bevorzugten Ausführungsbeispiel ist ein Einsatz
6 vorgesehen, welcher in einer Längsbohrung 5 des Düsenkopfes 1 angeordnet ist, die
sich in axialer Richtung A über eine Länge L erstreckt, die grösser ist als die Länge
L1 des Längskanals 2 in axialer Richtung A. Dieser Einsatz 6 enthält alle Düsenkanäle
4 und füllt das darstellungsgemäss untere Ende der Längsbohrung 5 über eine Länge
L2 komplett aus. Das heisst insbesondere, dass der Einsatz 6 vollumfänglich an der
inneren Wandung der Längsbohrung 5 anliegt.
[0060] Jeder Düsenkanal 4 ist als innerer Kanal ausgestaltet, der sich vollständig im Inneren
des Einsatzes 6 befindet. Jeder Düsenkanal 4 wird also lateral vollumfänglich von
dem Einsatz 6 begrenzt. Das ist insbesondere so zu verstehen, dass der Düsenkanal
4 bzw. die Düsenkanäle 4 nicht in der Oberfläche des Einsatzes 6 angeordnet ist/sind,
welche den Einsatz 6 in radialer Richtung begrenzt, sondern eben im Inneren des Einsatzes
6. Lediglich die Mündungen der Düsenkanäle 4 einerseits in die Düsenöffnungen 3 und
andererseits in den Längskanal 2 befinden sich in der Oberfläche des Einsatzes 6.
[0061] Der Einsatz 6 mit den Düsenkanälen 4 wird mit einem additiven Bearbeitungsverfahren
hergestellt.
[0062] Vorzugsweise kann für die Herstellung des Düsenkopfes 1 ein an sich bekannter Düsenkopf
verwendet werden, wie er beispielsweise in Fig. 2 dargestellt ist. In der Wandung
7 des Düsenkopfes 1, welche die Längsbohrung 5 begrenzt, ist mindestens eine Bohrung
vorgesehen, welche die Düsenöffnung 3 bildet. In Fig. 3 sind zwei solche Düsenöffnungen
3 dargestellt. Diese Düsenöffnungen 3 sind vorzugsweise identisch mit den Düsenöffnungen
des an sich bekannten Düsenkopfes 1' der in Fig. 2 dargestellt ist. Der Einsatz 6
wird dann in die Längsbohrung 5 oder in die Längsbohrung 5' des an sich bekannten
Düsenkopfes 1' eingeführt, bis er am unteren Ende der Längsbohrung 5 bzw. 5' anliegt.
Somit ist der untere Bereich der Längsbohrung 5 bzw. 5' vorzugsweise komplett über
die Länge L2 mit dem Einsatz 6 ausgefüllt, und der obere Bereich der Längsbohrung
5 bzw. 5' bildet den Längskanal 2, welcher die Länge L1 aufweist. L1 und L2 ergänzen
sich zur Länge L der Längsbohrung 5.
[0063] Falls für die Herstellung des Düsenkopfes 1 ein an sich bekannter Düsenkopf 1' verwendet
wird, kann es je nach Anwendung vorteilhaft sein, den ursprünglichen Durchmesser D'
(Fig. 2) der Längsbohrung 5' durch Aufbohren oder ein sonstiges geeignetes Bearbeitungsverfahren
zu vergrössern, um so die Längsbohrung 5 mit dem Durchmesser D herzustellen, in welche
dann der Einsatz 6 eingesetzt wird.
[0064] Es versteht sich, dass bei der Herstellung des Einsatzes 6 die Austrittsöffnungen
aller Düsenkanäle 4 so angeordnet werden, dass sie nach dem Platzieren des Einsatzes
6 in die Längsbohrung 5 jeweils mit einer der Düsenöffnungen 3 in der Wandung 7 des
Düsenkopfes 1 fluchten.
[0065] Die Massnahme, den Düsenkopf 1 ausgehend von einem an sich bekannten Düsenkopf 1'
herzustellen, hat mehrere Vorteile. So kann das äussere Design des Düsenkopfs 1, womit
insbesondere die Anordnung und die Ausgestaltung der Düsenöffnungen 3 gemeint ist,
von einem an sich bekannten Düsenkopf übernommen werden. Ferner kann der Düsenkopf
1 problemlos in eine existierende Brennstoffdüse eingesetzt werden, ohne dass dafür
bauliche Änderungen oder Anpassungen notwendig sind. Auch ist es möglich, einen bereits
existierenden Düsenkopf in einen erfindungsgemässen Düsenkopf 1 umzurüsten oder nachzurüsten,
indem in die Längsbohrung 5' des existierenden Düsenkopfs 1' eventuell nach einer
Vergrösserung des Durchmessers D' der ursprünglichen Längsbohrung 5' der additiv gefertigte
Einsatz 6 eingesetzt wird.
[0066] Ein weiterer Vorteil der Ausgestaltung mit dem Einsatz 6 besteht darin, dass er aus
einem anderen Material gefertigt werden kann als der Rest des Düsenkopfs 1, also beispielsweise
seine Wandung 7. Hierdurch ist es möglich, für die Herstellung des Düsenkopfs 1 -
mit Ausnahme des Einsatzes 6 - ein bewährtes Material zu verwenden, dass insbesondere
im Hinblick auf die äussert anspruchsvollen Bedingungen im Brennraum, beispielsweise
die enormen thermischen Belastungen geeignet ist. Solche an sich bekannten Werkstoffe
für die Herstellung eines Düsenkopfs 1 eines Grossdieselmotors sind beispielsweise
Stähle oder Legierungen auf Nickel- oder Cobaltbasis, beispielsweise Stellite 6. Diese
Materialien sind insbesondere auch im Hinblick auf Erosion, Abrasion und Kavitation
speziell in den Düsenöffnungen 3 geeignet.
[0067] Für die Herstellung des Einsatzes 6 kann dann ein anderes Material, vorzugsweise
ein metallisches Material gewählt werden, weil der Einsatz 6 selbst den extremen Bedingungen
im Brennraum nicht ausgesetzt ist, sondern durch die Wandung 7 des Düsenkopfs 1 geschützt
ist. Man hat also jetzt eine deutlich höhere Flexibilität bei der Auswahl eines geeigneten
Materials, mit dem der Einsatz 6 des Düsenkopfs 1 in additiver Fertigung aufgebaut
wird. Das Material für den Einsatz 6 kann beispielsweise unter dem Aspekt der Kosten
oder einer möglichst optimalen Führung des Brennstoffs ausgewählt werden.
[0068] Ein besonderer Vorteil der erfindungsgemässen Ausgestaltung des Düsenkopfs 1 ist
es, dass die jeweilige Strömungsverbindung zwischen dem Längskanal 2 und der Düsenöffnung
3, also der jeweilige Düsenkanal 4, freiformig ausgestaltet werden kann, also insbesondere
praktisch keinen geometrischen Beschränkungen unterworfen ist. Somit kann jeder Düsenkanal
4 im Hinblick auf ein optimales Strömungsverhalten des Brennstoffs bzw. im Hinblick
auf eine optimale Führung des Brennstoffs ausgestaltet werden. Somit lässt sich jeder
Düsenkanal 4 insbesondere auch bezüglich Kavitationen, Erosion, Abrasion und einer
möglichst effizienten Einbringung des Brennstoffs in den Brennraum optimieren.
[0069] Im Folgenden werden in einer nicht abschliessenden Aufzählung einige bevorzugte Massnahmen
und Varianten zur Ausgestaltung des jeweiligen Düsenkanals 4 erläutert.
[0070] Vorzugsweise ist jeder Düsenkanal 4 so ausgestaltet, dass der Brennstoff unter einem
Einspritzwinkel α geneigt Fig. 3 zur axialen Richtung A aus der jeweiligen Düsenöffnung
3 austreten kann. Mit dem Einspritzwinkel α ist dabei der kleinere der beiden Winkel
gemeint, welche die Flächennormale der Düsenöffnung 3 mit der axialen Richtung einschliesst.
Natürlich können die jeweiligen Einspritzwinkel α für verschiedene Düsenöffnungen
3 verschieden voneinander sein. Bevorzugt ist jeder Einspritzwinkel α kleiner als
90° und vorzugsweise kleiner als 80°. Ein besonders bevorzugter Wertebereich ist 70°
bis 75°.
[0071] Auch ist es vorteilhaft, wenn auch nicht zwingend, dass, wie in Fig. 3 dargestellt,
jeder Düsenkanal 4 so ausgestaltet ist, dass er in axialer Richtung A in den Längskanal
2 einmündet. Hierdurch lässt sich ein besonders guter Übergang des Brennstoffs aus
dem Längskanal 2 in den jeweiligen Düsenkanal 4 realisieren.
[0072] Auch kann es vorteilhaft sein, dass der Düsenkanal 4 insbesondere in einem an die
Düsenöffnung 3 angrenzenden Bereich sich erweiternd oder sich verjüngend ausgestaltet
ist. Durch diese Massnahme kann die Zerstäubung des Brennstoffs im Brennraum verbessert
werden.
[0073] Insbesondere ist es bevorzugt, wie dies auch in Fig. 3 dargestellt ist, wenn jeder
Düsenkanal 4 frei von Kanten und Ecken ausgestaltet ist. Da Kanten und Ecken im Strömungsverlauf
besonders hoher Gefahr von unerwünschten Kavitationen und Erosionserscheinungen sind,
werden solche Kanten und Ecken vorzugsweise vermieden. Daher ist es vorteilhaft, wenn
der Düsenkanal 4 wie in Fig. 3 dargestellt bogenförmig oder gekrümmt ausgestaltet
ist, sodass der Brennstoff möglichst optimal aus der axialen Richtung A in die gewünschte
Einspritzrichtung umgelenkt werden kann.
[0074] Dabei ist es insbesondere auch vorteilhaft, wenn mindestens zwei Düsenkanäle 4 vorgesehen
sind, welche einen gekrümmten Bereich aufweisen, wobei die Krümmungen der beiden Düsenkanäle
4 in dem gekrümmten Bereich unterschiedlich sind. Dies ist in Fig. 3 durch die beiden
Pfeile mit den Bezugszeichen r
1 und r
2 angedeutet.
[0075] Gemäss einem anderen Ausführungsbeispiel der Erfindung wird der gesamte Düsenkopf
mithilfe eines additiven Bearbeitungsverfahrens hergestellt. Bei dieser Ausführungsform
ist also kein Einsatz 6 vorgesehen, sondern der Düsenkopf 1 wird gesamthaft in additiver
bzw. generativer Fertigung aufgebaut. Ansonsten gelten die vorangehenden Erläuterungen
in sinngemäss gleicher Weise auch für die Ausgestaltung ohne Einsatz 6.
1. Düsenkopf für eine Brennstoffeinspritzdüse eines Grossdieselmotors, insbesondere eines
längsgespülten Zweitakt-Grossdieselmotors, mit einem Längskanal (2), dem ein Brennstoff
zuführbar ist, und welcher sich in einer axialen Richtung (A) von einem oberen Ende
(21) bis zu einem unteren Ende (22) erstreckt, sowie mit mindestens einem Düsenkanal
(4), welcher sich von dem Längskanal (2) bis zu einer Düsenöffnung (3) erstreckt,
durch welche der Brennstoff in einen Brennraum des Grossdieselmotors einbringbar ist,
wobei jeder Düsenkanal (4) einen Strömungsquerschnitt aufweist, der kleiner ist als
der Strömungsquerschnitt des Längskanals (2), dadurch gekennzeichnet, dass das untere Ende (22) des Längskanals (2) bezüglich der axialen Richtung (A) und bezüglich
der normalen Gebrauchslage oberhalb jeder Düsenöffnung (3) angeordnet ist.
2. Düsenkopf nach Anspruch 1, mit einer Mehrzahl von Düsenkanälen (4), von denen sich
jeder jeweils von dem Längskanal (2) bis zu einer Düsenöffnung (3) erstreckt, durch
welche der Brennstoff in den Brennraum des Grossdieselmotors einbringbar ist.
3. Düsenkopf nach einem der vorangehenden Ansprüche, mit einer Längsbohrung (5), welche
sich in axialer Richtung erstreckt, wobei die Längsbohrung (5) den Längskanal (2)
umfasst, und wobei in der Längsbohrung (5) ein Einsatz (6) vorgesehen ist, in welchem
alle Düsenkanäle (4) angeordnet sind.
4. Düsenkopf nach Anspruch 3 wobei der Einsatz (6) aus einem Material gefertigt ist,
das verschieden ist von dem Material, aus welchem der Rest des Düsenkopfes (1) besteht.
5. Düsenkopf nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei welchem jeder Düsenkanal (4)
so ausgestaltet ist, dass der Brennstoff unter einem Einspritzwinkel (α) geneigt zur
axialen Richtung (A) aus der jeweiligen Düsenöffnung (3) austreten kann, wobei jeder
Einspritzwinkel (α) kleiner als 90° und vorzugsweise kleiner als 80° ist.
6. Düsenkopf nach Anspruch 5, wobei mindestens zwei Düsenkanäle (4) vorgesehen sind,
die unterschiedliche Einspritzwinkel (α) aufweisen.
7. Düsenkopf nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei jeder Düsenkanal (4) so ausgestaltet
ist, dass er in axialer Richtung (A) in den Längskanal (2) einmündet.
8. Düsenkopf nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei mindestens ein Düsenkanal
(4) in einem an die Düsenöffnung (3) angrenzenden Bereich sich erweiternd oder sich
verjüngend ausgestaltet ist.
9. Düsenkopf nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei jeder Düsenkanal (4) frei
von Kanten und Ecken ausgestaltet ist.
10. Düsenkopf nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der mindestens eine Düsenkanal
(4) bogenförmig oder gekrümmt ausgestaltet ist.
11. Düsenkopf nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei mindestens zwei Düsenkanäle
(4) vorgesehen sind, welche einen gekrümmten Bereich aufweisen, wobei die Krümmungen
(r1, r2)der beiden Düsenkanäle (4) in dem gekrümmten Bereich unterschiedlich sind.
12. Verfahren zum Herstellen eines Düsenkopfes gemäss einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass der Düsenkopf (1) mithilfe eines additiven Bearbeitungsverfahrens hergestellt wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12, bei welchem der gesamte Düsenkopf (1) mit dem additiven
Bearbeitungsverfahren hergestellt wird.
14. Verfahren nach Anspruch 12, bei welchem mit dem additiven Bearbeitungsverfahren ein
Einsatz (6) hergestellt wird, in welchem alle Düsenkanäle (4) angeordnet sind, und
wobei der Einsatz (6) in eine Längsbohrung (5) des Düsenkopfs (1) eingesetzt wird,
welche sich in axialer Richtung (A) erstreckt, und welche Längsbohrung (5) den Längskanal
(2) umfasst.
15. Grossdieselmotor, insbesondere längsgespülter Zweitakt-Grossdieselmotor, mit einer
Brennstoffeinspritzdüse, welche einen Düsenkopf (1) umfasst, welcher gemäss einem
der Ansprüche 1-11 ausgestaltet ist, oder welcher gemäss einem der Ansprüche 12-14
hergestellt ist.