[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anfahren eines Mahlrohrs mit einer zugeordneten
Antriebsvorrichtung, wobei im Betrieb des Mahlrohrs ein Mahlmodus und ein Ladungslösemodus
einstellbar sind. Die Erfindung betrifft weiterhin eine Steuervorrichtung, eine Antriebsvorrichtung
sowie eine Rohrmühle.
[0002] Rohrmühlen werden vorzugsweise zum Mahlen von Materialien wie Erz eingesetzt. Es
ist nicht unüblich, dass der Betrieb einer Rohrmühle für eine längere Zeitdauer unterbrochen
wird und die Rohrmühle stillsteht. Dies geschieht beispielsweise aus Wartungsgründen.
Während des Stillstands der Rohrmühle kann sich das im Mahlrohr der Rohrmühle befindliche
Material festigen und an der Innenwand des Mahlrohrs festkleben. Derartig festgeklebtes,
verfestigtes, an der Innenwand des Mahlrohrs haftendes Material wird als festgeklebte
Ladung oder auch als "frozen charge" bezeichnet. Wird die Rohrmühle nach längerem
Stillstand wieder in Betrieb genommen besteht die Gefahr, dass sich die festgeklebte
Ladung in großer Höhe von der Innenwand ablöst, abstürzt und beim anschließenden Aufschlagen
auf das Mahlrohr erhebliche Schäden an der Rohrmühle bewirkt.
[0003] Aus der
EP 1 735 099 B1 geht zudem ein Verfahren zum Entfernen einer festgeklebten Ladung von der Innenwand
eines Mahlrohrs hervor, bei dem durch eine Antriebsvorrichtung der Drehwinkel um mindestens
einen vorgegeben Drehwinkel schwingend eingestellt wird.
[0004] Es existieren bereits Überwachungseinrichtungen bzw. Überwachungsfunktionen in der
Steuerung der Rohrmühle, die das Vorhandensein festgeklebter Ladungen erkennen und
die, wenn das Vorhandensein einer festgeklebten Ladung erkannt wird, die Rohrmühle
abschalten. Eine derartige Überwachung des Lastzustandes einer Rohrmühle ist beispielsweise
in der
deutschen Offenlegungsschrift DE 35 28 409 A1 beschrieben.
[0005] Bei einer solchen Überwachungsfunktion kann beispielsweise das beim Anlaufen der
Rohrmühle erforderliche Drehmoment kontinuierlich beobachtet und der Maximalwert des
Verlaufes wird gespeichert werden. Beim Erreichen des eingestellten Drehwinkels der
Überwachung (z.B. 70°) wird für ein darauffolgendes Zeitfester das aktuelle Drehmoment
mit dem gespeicherten Spitzenwert verglichen. Ist das Drehmoment im Überwachungsfenster
größer als 95% des gespeicherten Maximalwertes, wird auf festgebackene Ladung geschlossen
(bei der sich das Drehmoment bis Drehwinkel 90° kontinuierlich erhöht) und die Rohrmühle
wird abgeschaltet.
[0006] Insbesondere bei Mühlen, die ohne Stahlkugeln als Mahlhilfe betrieben werden (AG-Mühlen,
engl. autogenous mill) ist die Ladung relativ flüssig, so dass sich beim Anfahren
keine ausgeprägte Drehmomentspitze ergibt. Damit ist die Bedingung für die Abschaltung
durch die Überwachung jedoch erfüllt, obwohl keine festgebackene Ladung vorliegt.
Die Mühle wird trotzdem abgeschaltet.
[0007] Eine automatische Deaktivierung der oben beschriebenen Überwachungsfunktion ist jedoch
nicht zielführend, da auch bei diesen Mühlen die Gefahr besteht, dass das im Mahlrohr
befindliche Wasser im Stillstand abfließt und das Material anschließend festbackt.
Daher kann auf die Überwachung nicht verzichtet werden.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine besonders zuverlässige Überwachung
des Zustands des in einem Mahlrohr einer Rohrmühle befindlichen Materials zu gewährleisten.
[0009] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zum Anfahren eines Mahlrohrs
mit einer zugeordneten Antriebsvorrichtung, wobei im Betrieb des Mahlrohrs ein Mahlmodus
und ein Ladungslösemodus einstellbar sind, wobei ausgehend von einem Stillzustand
des Mahlrohrs:
- das Mahlrohr rotiert wird und bei einem ersten Drehwinkel ein erster Ist-Drehmoment
erfasst wird,
- anhand des ersten Ist-Drehmoments ein Soll-Drehmoment für einen zweiten, größeren
Drehwinkel berechnet wird,
- beim Erreichen des zweiten Drehwinkels ein tatsächliches, zweites Ist-Drehmoment erfasst
wird,
- mit Hilfe eines vorgegebenen Schwellbereichs untersucht wird, in wie weit das zweite
Ist-Drehmoment vom Soll-Drehmoment abweicht,
- wenn das zweite Ist-Drehmoment innerhalb des Schwellbereichs liegt, der Ladungslösemodus
des Mahlrohrs eingestellt wird,
- anderenfalls das Mahlrohr im Mahlmodus betrieben wird.
[0010] Die Aufgabe wird weiterhin erfindungsgemäß gelöst durch eine Steuervorrichtung für
die Antriebsvorrichtung eines Mahlrohrs zur Durchführung des Verfahrens.
[0011] Die Aufgabe wird darüber hinaus erfindungsgemäß gelöst durch eine Antriebsvorrichtung
für ein Mahlrohr, umfassend eine solche Steuervorrichtung.
[0012] Die Aufgabe wird schließlich erfindungsgemäß gelöst durch eine Rohrmühle umfassend
ein Mahlrohr und eine solche Antriebsvorrichtung.
[0013] Die in Bezug auf das Verfahren nachstehend angeführten Vorteile und bevorzugten Ausgestaltungen
lassen sich sinngemäß auf die Steuervorrichtung, die Antriebsvorrichtung und die Rohrmühle
übertragen.
[0014] Unter Mahlmodus wird hierbei der normale Betrieb einer Rohrmühle verstanden, in dem
das Mahlrohl im Hinblick auf ein Zerkleinern oder Zermahlen der Ladung rotiert wird.
[0015] Mit Ladungslösemodus wird ein betrieblicher Zustand der Rohrmühle verstanden, bei
dem, wenn eine festgeklebte Ladung detektiert wird, Maßnahmen zur Entfernung der festklebenden
Ladung von der Innenwand des Mahlrohrs eingeleitet werden. Solche Maßnahmen können
sich nach den automatisierten Betriebsweisen beschrieben in der
EP 1 735 099 B1 und in
EP 2 525 914 B1 richten. Es kann alternativ z.B. lediglich ein Abschalten der Drehung des Mahlrohrs
im Hinblick auf eine manuelle Entfernung der festgeklebten Ladung von der Innenwand
vorgesehen sein.
[0016] Die Erfindung basiert auf der Überlegung, durch eine Erfassung des Drehmoments der
Antriebsvorrichtung bei zwei verschiedenen Drehwinkeln zu prüfen, ob es sich bei der
Ladung des Mahlrohrs um ein "gleitendes" oder festklebendes Material handelt. Das
erfasste Drehmoment ist hierbei das Antriebsdrehmoment (oder alternativ das Lastmoment)
des Mahlrohrs. Grundsätzlich gilt, dass im Falle, dass die komplette Ladung eine "frozen
charge" bildet, bei einem Drehwinkel kleiner 90° das Drehmoment der Antriebsvorrichtung
stetig ansteigt, solange die Ladung an der Innenwand des Mahlrohrs haftet. Wenn sich
jedoch Teile der Ladung beim Anfahren des Mahlrohrs lösen und andere noch an der Innenwand
klebend bleiben, ist der Drehmomentanstieg mit der Zeit bzw. mit dem ansteigenden
Drehwinkel kleiner als im Falle des totalen frozen charge.
[0017] Basierend auf dieser Kenntnis wird erfindungsgemäß beim Anfahren des Mahlrohrs das
Drehmoment bei zwei Drehwinkeln erfasst. Beim ersten, kleineren Drehwinkel, ist vergleichsweise
wenig von der Ladung beim Anfahren des Mahlrohrs nach unten gerutscht. Anhand von
diesem ersten Ist-Drehmoment wird berechnet, welches Drehmoment beim zweiten, höheren
Drehwinkel zu erwarten ist, wenn sich die Bedingungen im Mahlrohr nicht mehr ändern.
Das tatsächliche Ist-Drehmoment für den zweiten Drehwinkel wird anschließend ebenfalls
erfasst, es liegt im Regelfall unterhalb des extrapolierten Soll-Werts, da sich üblicherweise
bei ansteigender Höhe der Ladung während der weiteren Rotation des Mahlrohrs mehr
Material von der Innenwand löst.
[0018] Schließlich wird der Schwellbereich herangezogen, der eine Aussage darüber liefert,
in wie weit das Ist-Drehmoment vom Soll-Drehmoment abweicht. Wenn das zweite Ist-Drehmoment
deutlich unterhalb des extrapolierten Soll-Drehmoments, außerhalb des Schwellbereichs
liegt, ist davon auszugehen, dass sich die Ladung größtenteils oder sogar komplett
von der Innenwand des Mahlrohrs gelöst hat und es kann der normale Mahlbetrieb der
Rohrmühle fortgesetzt werden. Wenn jedoch der zweite Ist-Drehmoment innerhalb des
Schwellbereichs liegt, bedeutet dies, dass das Material noch größtenteils an der Innenwand
des Mahlrohrs haftet. Es wird daher der Ladungslösemodus eingestellt, so dass die
Ladung von der Wand gelöst wird, bevor das Mahlrohr weiter gedreht wird.
[0019] Durch eine geeignete Wahl des Schwellbereichs ist eine sehr hohe Zuverlässigkeit
bei der "frozen charge" Detektion gewährleistet, wodurch die Verfügbarkeit der Rohrmühle
ebenfalls erhöht wird, da unnötige Abschaltungen und somit Produktionsausfälle vermieden
werden. Ein wesentlicher Vorteil beim vorgeschlagenen Verfahren ist, dass das Verfahren
unabhängig von einem Maximalwert des Verlaufs des Drehmoments ist. Zudem ist der Aufwand
für die Realisierung des Verfahrens minimal, da in der Regel alle erforderlichen Messgrößen
ohnehin zur Verfügung stehen, sie werden lediglich in eine weitere Software-Funktion
in die Steuerung der Rohrmülle implementiert. Darüber hinaus ist das Verfahren drehrichtungsunabhängig.
[0020] Nach einer bevorzugten Weiterbildung werden zur Berechnung des Soll-Drehmoments der
Sinus des ersten Drehwinkels und der Sinus des zweiten Drehwinkels herangezogen, insbesondere
das Verhältnis des Sinus des ersten Drehwinkel zum Sinus des zweiten Drehwinkels.
Dies ist besonders vorteilhaft, da bei fest gebackenem Mahlgut das Drehmoment im Wesentlichen
entsprechend einem Sinus des Drehwinkels ansteigt. Eine Berechnung des Soll-Drehmoments
im zweiten Drehwinkel ausgehend vom ersten Drehwinkel auf Grundlage einer sinusbasierten
Extrapolation liefert somit das genaueste Ergebnis für das Soll-Drehmoment.
[0021] Gemäß einer bevorzugten Ausführung wird aus dem zweiten Ist-Drehmoment und dem Soll-Drehmoment
ein Quotient gebildet. Ein solcher Quotient bietet eine besonders einfache Möglichkeit
eine Relation zwischen den beiden Werten aufzustellen, um zu untersuchen, wie diese
zueinander stehen bzw. wie groß die Abweichung voneinander ist. Alternativ zum Quotienten
kann beispielsweise die Differenz aus dem zweiten Ist-Drehmoment und dem Soll-Drehmoment
gebildet werden und diese kann ebenfalls mit einem vorgegeben Schwellbereich oder
Schwellwert verglichen werden.
[0022] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführung wird der Schwellbereich durch einen Wert
definiert, der insbesondere als Prozentangabe oder eine rationale Zahl angegeben wird.
Der Wert bildet dabei die Zahlengrenze für das Verhältnis vom Soll-Drehmoment und
dem zweiten Ist-Drehmoment zueinander. Im Falle, dass bei der Auswertung des Ist-Drehmoments
gegenüber dem Soll-Drehmoment mit einem Quotient gearbeitet wird, ist dieser Quotient
stets kleiner 1, wenn das Ist-Drehmoment im Zähler ist und er Soll-Drehmoment im Nenner
ist. Im umgekehrten Fall, wenn beim Quotienten das Soll-Drehmoment im Zähler ist und
das Ist-Drehmoment im Nenner ist, ist der Quotient stets größer 1. Entsprechend wird
auch der Schwellbereich gewählt.
[0023] Vorteilhafterweise wird der Schwellbereich als eine Abweichung des zweiten Ist-Drehmoments
vom Soll-Drehmoment um 15%, insbesondere um 10%, insbesondere um 5% definiert. Um
unnötige Störungen des Betriebs des Mahlrohrs zu vermeiden, ist hierbei der Schwellbereich
derart gewählt, dass der Ladungslösemodus nur eingeleitet wird, wenn die Abweichung
des zweiten Ist-Drehmoments vom Soll-Drehmoment minimal sind, was ein Hinweis dafür
ist, dass sich bei der Rotation des Mahlrohrs zwischen dem ersten Drehwinkel und dem
zweiten Drehwinkel kaum Material von der Innenwand des Mahlrohrs gelöst hat.
[0024] Vorzugsweise liegen der erste und der zweite Drehwinkel unterhalb 90°, insbesondere
unterhalb 70°. Erfahrungsgemäß wird bei einem Drehwinkel von ca. 70° der Ladungslösemodus
eingeleitet, um ein Abstürzen des Mahlguts auf den Boden des Mahlrohrs zu vermeiden,
daher wird die oben beschriebene Überprüfung in einem Winkelbereich unterhalb 70°
durchgeführt.
[0025] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert.
Hierin zeigen:
- FIG 1
- schematisch und stark vereinfacht ein Mahlrohr bei vier unterschiedlichen Drehwinkeln,
- FIG 2
- eine Auswertung des Drehmoments des Mahlrohrs gemäß FIG 1 über einem Drehwinkel.
[0026] Gleiche Bezugszeichen haben in den Figuren die gleiche Bedeutung.
[0027] In FIG 1 ist symbolisch ein Mahlrohr 2 einer hier nicht näher gezeigten Rohrmühle
dargestellt. Dem Mahlrohr 2 ist eine Antriebsvorrichtung 3 mit einer Steuervorrichtung
4 zugeordnet, welche u.a. das Anfahren des Mahlrohrs 2 ansteuert. Das Mahlrohr 2 ist
mit einem Mahlgut 6, insbesondere Erz, beladen, welches weiterhin als Ladung bezeichnet
ist.
[0028] Das Mahlrohr 2 kann sowohl in einem Mahlmodus als auch in einem Ladungslösungsmodus
betrieben werden. Der Mahlmodus stellt den normalen Betrieb einer Rohrmühle dar, bei
dem das Mahlrohl im Hinblick auf ein Zerkleinern oder Zermahlen der Ladung rotiert
wird. Der Ladungslösemodus ist der betriebliche Zustand der Rohrmühle, bei dem, wenn
eine festgeklebte Ladung detektiert wird, Maßnahmen zur Entfernung der festklebenden
Ladung von der Innenwand des Mahlrohrs eingeleitet werden.
[0029] In FIG 1 sind insgesamt vier Zustände der Ladung 6 des Mahlrohrs 2 je nach Drehwinkel
gezeigt. Z
1 stellt einen Stillzustand bei 0° dar, bei dem die Ladung 6 gleichmäßig verteilt auf
dem Boden des Mahlrohrs 2 liegt. Z
4 stellt die Lage der fest gebackenen Ladung bei einem Drehwinkel ca. 70° dar. Z
2 und Z
3 stellen die fest gebackene Ladung 6 bei zwei weiteren Drehwinkeln α
1, α
2 zwischen 0° und 70° dar.
[0030] Ausgehend vom Stillzustand Z
1 wird der Betrieb der Rohrmühle aufgenommen und das Mahlrohr 2 in Drehrichtung 10
angefahren, indem es um eine Mittelachse A rotiert wird. Bei einem ersten Drehwinkel
α
1, der kleiner als 90° ist, beispielsweise bei 45°, wird ein Drehmoment T der Antriebsvorrichtung
3 gemessen. Dieser Punkt ist in FIG 1 mit M1 bezeichnet. Bei einem zweiten Drehwinkel
α
2, z.B. 60°, wird im Punkt M2 das Drehmoment T erneut gemessen. Die Messungen können
auch bei anderen Drehwinkeln D zwischen 0° und 90° erfolgen, es sind lediglich mindestens
zwei Messwerte bei zwei unterschiedlichen Drehwinkeln erforderlich.
[0031] Die Auswertung der Messungen in den Messpunkten M1 und M2 ist in FIG 2 graphisch
dargestellt. Hierbei ist das Drehmoment T der Antriebsvorrichtung 3 über dem Drehwinkel
D aufgetragen. Mit V
1 ist der Anstieg des Drehmoments T bei einer festklebenden Ladung bezeichnet. V
2 ist der tatsächliche Verlauf des Drehmoments T beim Anfahren der Rohrmühle. Mit M
ist das maximal auftretende Drehmoment bezeichnet.
[0032] Im Bereich B, der im Stand der Technik für die Überwachung der "frozen charge" herangezogen
wird, liegt im gezeigten Ausführungsbeispiel eine minimale Abweichung des tatsächlichen
Verlauf V
2 des Drehmoments T vom maximalen Drehmoment M. Hierbei weist der Verlauf V
2 keine ausgeprägte Drehmomentspitze auf. Herkömmliche Überwachungssysteme würden an
dieser Stelle somit den Ladungslösungsmodus regelmäßig einleiten.
[0033] Um dies zu vermeiden, wird das Drehmoment T in den Messpunkten M1 und M2 bei α
1 bzw. α
2 bestimmt. Bei fest gebackenem Mahlgut 6 steigt das Drehmoment T weitgehend entsprechend
einem Sinus des Drehwinkels D an, wie aus dem Verlauf von V
1 ersichtlich ist. Daher kann aus dem Drehmoment T
1 zum ersten Drehwinkel (Messung M1) über die Beziehung

das theoretische Soll-Drehmoment T
2Soll zum Zeitpunkt M2 bei Drehwinkel α
2 berechnet werden.
[0034] Das tatsächliche Drehmoment T
2IST im Messpunkt M2 bei α
2 wird zusätzlich gemessen und mit T
2SOLL verglichen, indem ein Schwellbereich 8 herangezogen wird. Im gezeigten Ausführungsbeispiel
ist der Schwellbereich als 10% definiert, d.h. es wird untersucht, ob T
2IST mehr als 10% von T
2SOLL abweicht. Liegt T
2IST mehr als 10% unter T
2SOLL oder ist gleich T
2SOLL, ist davon auszugehen, dass sich das Material von der Innenwand des Mahlrohrs 2 gelöst
hat und die Rohrmühle wird ungestört weiter betrieben. Anderenfalls wird z.B. der
Ladungslösemodus eingestellt, insbesondere wird die Rohrmühle abgeschaltet oder es
wird ein kontrolliertes Rütteln oder Schütteln des Mahlrohrs 2 über eine Anpassung
des Antriebsdrehmoments hervorgerufen.
[0035] Zum Vergleich von T
2SOLL mit T
2IST ist der Schwellbereich 8 in der Steuerung 4 hinterlegt oder dieser wird nach Bedarf
fallbezogen angegeben. Für die Auswertung wird insbesondere der Quotient von T
2IST und T
2SOLL gebildet und dieser wird mit dem Schwellbereich 8 verglichen. Beim obigen Ausführungsbeispiel,
bei dem die Abweichungsgrenze bei 10% definiert ist, ist die Bedingung zum Einleiten
des Ladungslösemodus erfüllt, wenn

[0036] Da

gilt:

[0037] Mit den gemäß FIG 1 verwendeten Drehwinkeln α
1=45° und α
2=60° lässt sich somit die Bedingung für den Ladungslösemodus mathematisch ausdrücken
durch:

[0038] Wenn T
2IST jedoch gleich oder größer 10% vom T
2SOLL ist, dann wird der normale Mahlmodus fortgesetzt.
1. Verfahren zum Anfahren eines Mahlrohrs (2) mit einer zugeordneten Antriebsvorrichtung
(3), wobei im Betrieb des Mahlrohrs (2) ein Mahlmodus und ein Ladungslösemodus einstellbar
sind, wobei ausgehend von einem Stillzustand des Mahlrohrs (2):
- das Mahlrohr (2) rotiert wird und bei einem ersten Drehwinkel (α1) ein erster Ist-Drehmoment (T1) erfasst wird,
- anhand des ersten Ist-Drehmoments (T1) ein Soll-Drehmoment (T2SOLL) für einen zweiten, größeren Drehwinkel (α2) berechnet wird,
- beim Erreichen des zweiten Drehwinkels (α2) ein tatsächliches, zweites Ist-Drehmoment (T2IST) erfasst wird,
- mit Hilfe eines vorgegebenen Schwellbereichs (8) untersucht wird, in wie weit das
zweite Ist-Drehmoment (T2IST) vom Soll-Drehmoment (T2SOLL) abweicht,
- wenn das zweite Ist-Drehmoment (T2IST) innerhalb des Schwellbereichs (8) liegt, der Ladungslösemodus des Mahlrohrs (2)
eingestellt wird,
- anderenfalls das Mahlrohr (2) im Mahlmodus betrieben wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
wobei zur Berechnung des Soll-Drehmoments (T2SOLL) der Sinus des ersten Drehwinkels (α1) und der Sinus des zweiten Drehwinkels (α2) herangezogen werden, insbesondere das Verhältnis des Sinus des ersten Drehwinkel
(α1) zum Sinus des zweiten Drehwinkels (α2) gebildet wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei aus dem zweiten Ist-Drehmoment (T2IST) und dem Soll-Drehmoment (T2SOLL) ein Quotient gebildet wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Schwellbereich (8) durch einen Wert definiert wird, der insbesondere als
Prozentangabe oder eine rationale Zahl angegeben wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
wobei der Schwellbereich (8) definiert wird als eine Abweichung des zweiten Ist-Drehmoments
(T2IST) vom Soll-Drehmoment (T2SOLL) um 15%, insbesondere um 10%, insbesondere um 5%.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der erste und der zweite Drehwinkel (α1, α2) unterhalb 90°, insbesondere unterhalb 70° liegen.
7. Steuervorrichtung (4) für die Antriebsvorrichtung (3) eines Mahlrohrs (2) zur Durchführung
des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche.
8. Antriebsvorrichtung (3) für ein Mahlrohr (2), umfassend eine Steuervorrichtung (4)
nach Anspruch 7.
9. Rohrmühle umfassend ein Mahlrohr (2) und eine Antriebsvorrichtung (3) nach Anspruch
8.