[0001] Die Erfindung betrifft eine hydraulische Antriebseinrichtung mit einem Presszylinder
für eine hydraulische Presse, vorzugsweise Pulverpresse, nach Anspruch 1 sowie eine
hydraulische Presse, vorzugsweise Pulverpresse und ein Verfahren zum Pressen eines
Pressteils, insbesondere zum Pulverpressen eines Pulverpressteils. Insbesondere betrifft
die vorliegende Erfindung eine hydraulische Presse bzw. ein entsprechendes Verfahren
und eine entsprechende Antriebseinrichtung, die für eine (maximale) Presskraft von
über 500 kN, insbesondere über 1000 kN, vorzugsweise über 1500 kN ausgelegt sind.
[0002] Zentrales Bauteil von hydraulischen Pressen sind Presszylinder, die verschiedene
Funktionen erfüllen. Einerseits werden solche Presszylinder zum Öffnen und Schließen
eines Presswerkzeugs der hydraulischen Presse mit einer hohen Geschwindigkeit (Eilgang)
genutzt. Andererseits wird über solche Presszylinder eine hohe Kraft in Schließrichtung
(bei geringer Geschwindigkeit) aufgebaut. Die hohen zum Pressen benötigten Schließkräfte
erfordern eine entsprechend große Kolbenfläche zur Erzeugung einer maximalen Presskraft
bei einem vorbestimmten Maximaldruck. Bei einer großen Kolbenfläche ergeben sich entsprechend
hohe Volumenströme, so dass im Stand der Technik vergleichsweise groß bauende bzw.
dimensionierte Pumpen und Ventile benötigt werden. Zur Vermeidung von übergroßen hydraulischen
Antriebs- und Steuerelementen werden im Stand der Technik die Eilgang- und Pressenfunktion
getrennt. Das heißt, es werden Zylindereinheiten mit einer großen Fläche für die Schließkraft
sowie mit einer kleinen Fläche für die vergleichsweise schnellen und "kraftlosen"
Öffnungs- und Schließbewegungen verwendet. Derartige Presszylinder können mit integriertem
oder mit getrenntem Eilgangzylinder ausgestattet sein. Bei bestimmten Lösungen werden
Schließzylinderkolben während der Eilgangbewegung mitgezogen. Die Zufuhr der Hydraulikflüssigkeit
(Ölzufuhr) kann separat aus einem Behälter gespeist werden ("Nachsaugbetrieb"). Alternativ
können Kolben- und Ringraum mittels eines hydraulischen Schaltventils zyklisch verbunden
werden ("Umspülung").
[0003] Derartige Lösungen sind sowohl hinsichtlich des Aufwandes für die Herstellung (insbesondere
die Zylinderbauweise) als auch hinsichtlich des steuerungstechnischen Aufwandes (insbesondere
betreffend die Hydraulikansteuerung) vergleichsweise komplex und daher mit hohen Kosten
verbunden.
[0004] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, eine hydraulische Antriebseinrichtung, eine hydraulische
Presse sowie ein Verfahren zum Pressen eines Pressteils vorzuschlagen, wobei der konstruktive
Aufwand und insbesondere auch der verfahrenstechnische Aufwand reduziert sein sollen.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0006] Insbesondere wird die Aufgabe durch eine hydraulische Antriebseinrichtung mit einem
Presszylinder für eine hydraulische Presse, vorzugsweise Pulverpresse, gelöst, wobei
die hydraulische Antriebseinrichtung konfiguriert ist, um einen Zylinderkolben in
einem Vorwärts-Eilgang mit erhöhter Geschwindigkeit zu einem Pressteil hinzuführen
und in einem Pressgang mit niedriger Geschwindigkeit das Pressteil zu pressen, wobei
der Presszylinder einen Zylinderkolben aufweist, der einen Kolbenraum und einen Stangenraum
definiert, wobei eine Pumpeneinrichtung zur Bereitstellung eines Volumenstroms einer
Hydraulikflüssigkeit in den Kolbenraum, so dass der Pressraum durchlaufen wird, vorgesehen
ist, wobei eine hydraulische Speichereinrichtung zur Bereitstellung zumindest eines
Teiles, insbesondere eines überwiegenden Teiles, eines Volumenstroms der Hydraulikflüssigkeit
in den Kolbenraum, so dass der Vorwärts-Eilgang durchlaufen wird, vorgesehen ist.
[0007] Ein zentraler Gedanke der Erfindung liegt darin, eine hydraulische Speichereinrichtung
bereitzustellen und insgesamt die hydraulische Antriebseinrichtung so zu konfigurieren,
dass über diese hydraulische Speichereinrichtung zumindest ein erheblicher (insbesondere
überwiegender) Teil des vergleichsweise großen Volumenstroms, der im Vorwärts-Eilgang
benötigt wird, bereitgestellt wird. Unter einem "überwiegenden Teil" ist ein Anteil
von mindestens 50% zu verstehen. Der Anteil kann aber vorzugsweise auch mindestens
70% oder weiter vorzugsweise mindestens 90% betragen. Die hydraulische Speichereinrichtung
ist eine Einrichtung zur Speicherung der Hydraulikflüssigkeit unter Druck (auf beispielsweise
mindestens 10 bar oder mindestens 30 bar oder mindestens 35 bar). Weiterhin kann die
hydraulische Speichereinrichtung entladen werden und dadurch einen Volumenstrom der
Hydraulikflüssigkeit abgeben. Bei der hydraulischen Speichereinrichtung kann es sich
insbesondere um eine hydraulische Speichereinrichtung mit Gasspannvorrichtung handeln.
[0008] Insofern kann die hydraulische Speichereinrichtung einen (Druck-) Behälter umfassen.
Weiterhin kann die hydraulische Speichereinrichtung ein bewegliches Element (beispielsweise
einen beweglichen Kolben) zur Trennung von Hydraulikflüssigkeit und einem (unter Druck
stehenden) Gas aufweisen. Die Hydraulikflüssigkeit kann dann gegen den Druck des Gases
in die hydraulische Speichereinrichtung (insbesondere den Behälter) gepresst werden.
[0009] Durch die hydraulische Speichereinrichtung kann auf einen zusätzlichen Presszylinder
zur Realisierung eines Eilgangs, wie im Stand der Technik üblicherweise vorgesehen,
verzichtet werden. Dadurch wird die Antriebseinrichtung in struktureller Hinsicht
erheblich vereinfacht, wodurch Kosten gesenkt werden können. Weiterhin vereinfacht
sich auch die Steuerung, insbesondere Regelung, einer solchen Antriebseinrichtung,
da ein zweiter Presszylinder (mit entsprechend zugeordneten Elementen, wie insbesondere
einer Förderpumpe) verzichtet werden kann. Insbesondere kommt die hydraulische Antriebseinrichtung
gemäß der Erfindung mit nur einer Pumpeneinrichtung aus. Insgesamt werden die Kosten
(sowohl im Hinblick auf die Herstellung als auch den Betrieb bzw. die Wartung) erheblich
reduziert.
[0010] Als Hydraulikflüssigkeit kommt insbesondere (Hydraulik-)Öl in Frage.
[0011] Vorzugsweise ist die hydraulische Antriebseinrichtung konfiguriert, um den Zylinderkolben
in einem Rückwärts-Eilgang mit erhöhter Geschwindigkeit von dem Pressteil wegzuführen,
wobei ein im Rückwärts-Eilgang aus dem Kolbenraum austretender Volumenstrom der Hydraulikflüssigkeit
zumindest teilweise, insbesondere überwiegend, in die hydraulische Speichereinrichtung
transferiert wird. Die hydraulische Speichereinrichtung wird also bei dieser Weiterbildung
gleichzeitig als Aufnahmebehälter für die (große) Menge an Hydraulikflüssigkeit verwendet,
die beim Rückwärts-Eilgang aus dem Kolbenraum ausgeschoben wird. Gleichzeitig wird
die hydraulische Speichereinrichtung dabei wieder beladen, so dass sie sich in einem
nächsten Zyklus wieder (in einem darauffolgenden Vorwärts-Eilgang) entladen kann.
Dadurch wird die Struktur und der Steuerungs- bzw. Regelungsaufwand weiter vereinfacht.
[0012] Grundsätzlich kann die Geschwindigkeit im Vorwärts-Eilgang und/oder Rückwärts-Eilgang
mindestens 1,5mal, weiter vorzugsweise mindestens 3mal, noch weiter vorzugsweise mindestens
4mal so hoch sein wie die Geschwindigkeit im Pressgang.
[0013] In einer bevorzugten Ausführungsform ist die hydraulische Antriebseinrichtung so
konfiguriert, dass im Vorwärts-Eilgang ein Volumenstrom der Hydraulikflüssigkeit in
den Kolbenraum teilweise aus dem Stangenraum, insbesondere über die Pumpeneinrichtung,
bereitgestellt wird. Alternativ oder zusätzlich kann die hydraulische Antriebseinrichtung
so konfiguriert sein, dass im Rückwärts-Eilgang der aus dem Kolbenraum austretende
Volumenstrom teilweise in den Stangenraum, insbesondere über die Pumpeneinrichtung,
transferierbar ist. Konkret kann der gesamte im Vorwärts-Eilgang in den Kolbenraum
einströmende Volumenstrom (ausschließlich) über die hydraulische Speichereinrichtung
und die Pumpeneinrichtung bereitgestellt werden. Weiterhin kann der gesamte im Rückwärts-Eilgang
aus dem Kolbenraum strömende Volumenstrom (ausschließlich) in Richtung hydraulische
Speichereinrichtung und Pumpeneinrichtung geschoben werden.
[0014] Im Rückwärts-Eilgang und/oder Vorwärts-Eilgang werden die jeweiligen Drücke im Kolbenraum
sowie Stangenraum vorzugsweise so eingestellt, dass sich die auf den Kolben wirkenden
Kräfte neutralisieren (zumindest im Wesentlichen; ggf. kann eine zumindest geringe
Differenz zur Überwindung von Reibungskräften oder dergleichen vorliegen).
[0015] Vorzugsweise ist der Presszylinder ein Differentialzylinder. Ein Verhältnis der größeren
Fläche zu der kleineren Fläche kann vorzugsweise mindestens 2, weiter vorzugsweise
mindestens 5 betragen. Alternativ oder zusätzlich kann ein oberer Grenzwert für das
genannte Verhältnis höchstens 20, weiter vorzugsweise höchstens 10 sein. Besonders
bevorzugt ist ein Verhältnis von (etwa) 7. Bei einer derartigen Dimensionierung kann
die hydraulische Antriebseinrichtung besonders effektiv betrieben werden.
[0016] In einer konkreten Ausführungsform ist die hydraulische Antriebseinrichtung so konfiguriert,
dass in einer ersten Kraftabbau-Phase der Kolbenraum mit der hydraulischen Speichereinrichtung,
vorzugsweise über die Pumpeneinrichtung, verbindbar ist, derart, dass der Druck im
Kolbenraum (von seinem Maximalwert) auf das Druckniveau der hydraulischen Speichereinrichtung
abbaubar ist. Alternativ oder zusätzlich kann die hydraulische Antriebseinrichtung
so konfiguriert sein, dass in einer zweiten Kraftabbau-Phase ein Druck im Stangenraum
(vorzugsweise durch die Pumpeneinrichtung) erhöhbar ist. Die Speicher- und Pumpeneinrichtung
werden hier also synergistisch genutzt, um einen kontrollierbaren und zuverlässigen
Kraftabbau zu ermöglichen. Beschädigungen am zu pressenden Teil (Pressteil) können
damit verhindert werden (oder sind zumindest weniger wahrscheinlich).
[0017] Kolbenraum und Stangenraum können über eine Fluidverbindung verbunden oder verbindbar
sein. Innerhalb dieser Fluidverbindung können Pumpeneinrichtung und hydraulische Speichereinrichtung
(insbesondere zueinander fluidtechnisch parallelgeschaltet) angeordnet sein. Ein mit
dem Kolbenraum verbundener erster Fluidverbindungsabschnitt kann mit einer ersten
Verzweigungsstelle (Verzweigungsstruktur) verbunden sein, von der ein zweiter Fluidverbindungsabschnitt
in Richtung Pumpeneinrichtung abzweigt und ein dritter Fluidverbindungsabschnitt in
Richtung hydraulischer Speichereinrichtung abzweigt. Ein mit dem Stangenraum verbundener
vierter Fluidverbindungsabschnitt kann mit einer zweiten Verzweigungsstelle (Verzweigungsstruktur)
verbunden sein, von der ein fünfter Fluidverbindungsabschnitt in Richtung Pumpeneinrichtung
abzweigt und ein sechster Fluidverbindungsabschnitt in Richtung hydraulischer Speichereinrichtung
abzweigt. Besonders bevorzugt ist in dem fünften Fluidverbindungsabschnitt eine erste
Ventileinrichtung vorgesehen. Alternativ oder zusätzlich kann in dem sechsten Fluidverbindungsabschnitt
eine zweite Ventileinrichtung vorgesehen. Parallel zu der zweiten Ventileinrichtung
ist vorzugsweise ein (Rückschlag-) Ventil fluidtechnisch geschaltet. Durch die genannten
Ventile bzw. Ventileinrichtungen kann mit geringem Aufwand ein jeweils gewünschter
Volumenstrom erreicht werden. Der Aufwand in konstruktiver und steuerungstechnischer
Hinsicht wird weiter vereinfacht.
[0018] In konkreten Ausführungsformen kann die Pumpeneinrichtung eine bidirektionale Pumpe,
insbesondere eine 4-Quadrantenpumpe, und/oder einen Servomotor umfassen. Im Allgemeinen
ist es bevorzugt, wenn die Pumpeneinrichtung ein bidirektionales Fördern der Hydraulikflüssigkeit
ermöglicht. Beispielsweise kann dies auch dadurch realisiert werden, dass eine unidirektionale
Pumpe (beispielsweise 1- oder 2-Quadrantenpumpe) bereitgestellt wird und entsprechende
Ventile (Servoventile oder dergleichen) vorgesehen sind. In jedem Fall wird es dadurch
ermöglicht, dass die Pumpeneinrichtung sowohl vom Kolbenraum zu dem Stangenraum hin
fördern kann als auch umgekehrt. Dadurch wird auf einfache Art und Weise ein effizienter
Betrieb der hydraulischen Antriebseinrichtung ermöglicht.
[0019] Eine Wirkfläche (also eine Fläche, die durch den Zylinderkolben definiert wird und
in Kontakt mit der Hydraulikflüssigkeit steht) des Kolbenraums kann mindestens 200
cm
2, vorzugsweise mindestens 450 cm
2 und/oder höchstens 1100 cm
2, vorzugsweise höchstens 700 cm
2 betragen. Untere und obere Grenzwerte für die Wirkfläche des Stangenraums können
den oberen Werten geteilt durch 7 entsprechen.
[0020] Ein Verhältnis einer Wirkfläche des Kolbenraums zu einer Wirkfläche des Stangenraums
kann mindestens 3, vorzugsweise mindestens 6 betragen und/oder höchstens 15, vorzugsweise
höchstens 9 betragen. Besonders bevorzugt beträgt dieses Verhältnis (etwa) 7. Bei
einem derartigen Verhältnis kann ein effektives Antreiben und Steuern des Presszylinders
ermöglicht werden.
[0021] Die hydraulische Speichereinrichtung kann ein Volumen von mindestens 10 l, vorzugsweise
mindestens 30 l und/oder höchstens 100 l, vorzugsweise höchstens 70 l aufweisen. Besonders
bevorzugt ist ein Volumen von (etwa) 50 l. In einem maximal beladenen Zustand kann
das Volumen, das durch die Hydraulikflüssigkeit in der hydraulischen Speichereinrichtung
eingenommen wird, mindestens 3 l, vorzugsweise mindestens 10 l und/oder höchstens
30 l, vorzugsweise höchstens 20 l betragen. Besonders bevorzugt beträgt dieses Volumen
(etwa) 12 l.
[0022] Die hydraulische Speichereinrichtung kann einen Basisdruck (also einen Druck ohne
Beladung durch die Hydraulikflüssigkeit) von mindestens 10 bar, vorzugsweise mindestens
25 bar und/oder höchstens 80 bar, vorzugsweise höchstens 50 bar aufweisen. Besonders
bevorzugt beträgt dieser Druck 30 bar. Im (maximal beladenen) Zustand kann der Druck
innerhalb der hydraulischen Speichereinrichtung mindestens 12 bar, vorzugsweise mindestens
30 bar und/oder höchstens 100 bar, vorzugsweise höchstens 60 bar aufweisen. Besonders
bevorzugt beträgt der Druck in diesem Fall (etwa) 40 bar.
[0023] Der Stangenraum bildet vorzugsweise einen Ringraum aus, der durch eine Innenwandung
des Presszylinders sowie eine durch den Stangenraum laufende Stange definiert wird.
Ein Verhältnis zwischen Innendurchmesser des Presszylinders und Außendurchmesser der
Stange kann beispielsweise mindestens 1,05; vorzugsweise mindestens 1,15 betragen
und/oder höchstens 1,5; vorzugsweise höchstens 1,3.
[0024] In einer kombinierten Ausführungsform ist mindestens eine Steuereinrichtung, insbesondere
Regeleinrichtung zur Steuerung, insbesondere Regelung, der einzelnen Komponenten der
hydraulischen Antriebseinrichtung, vorgesehen. Dieser Steuereinrichtung (Regeleinrichtung)
können entsprechende Sensoren (wie Drucksensoren und/oder Volumenstrom-Messeinrichtungen)
zugeordnet sein, die beispielsweise eine Messgröße (Druck- und/oder Volumenstrom)
an einem Anschluss (Aus- bzw. Eingang) des Kolbenraums und/oder einem Anschluss (Aus-
bzw. Eingang) des Stangenraumes messen. Aus den gemessenen Größen (insbesondere Druck-
und/oder Volumenstrom) können dann erforderliche Schaltvorgänge, insbesondere betreffend
die oben beschriebenen ersten und zweiten Ventileinrichtungen durchgeführt werden
und/oder die Pumpeneinrichtung entsprechend angesteuert (geregelt) werden.
[0025] Die oben genannte Aufgabe wird weiterhin insbesondere durch eine hydraulische Presse,
vorzugsweise Pulverpresse, umfassend eine hydraulische Antriebseinrichtung der oben
beschriebenen Art, gelöst.
[0026] Weiterhin wird die oben genannte Aufgabe insbesondere durch ein Verfahren zum Pressen
eines Pressteils, insbesondere zum Pulverpressen eines Pulverpressteils, vorzugsweise
unter Verwendung einer hydraulischen Antriebseinrichtung der oben beschriebenen Art
und/oder einer hydraulischen Presse der oben beschriebenen Art, insbesondere hydraulischen
Pulverpresse der oben beschriebenen Art, gelöst, wobei ein Zylinderkolben eines Presszylinders
in einem Vorwärts-Eilgang mit erhöhter Geschwindigkeit zu einem Pressteil hingeführt
wird und das Pressteil in einem Pressgang mit niedriger Geschwindigkeit des Zylinderkolbens
gepresst wird, wobei im Pressgang über eine Pumpeneinrichtung ein Volumenstrom in
einen Kolbenraum des Presszylinders gepumpt wird, wobei im Eilgang über eine hydraulische
Speichereinrichtung zumindest ein Teil, insbesondere ein überwiegender Teil, eines
Volumenstroms in den Kolbenraum bereitgestellt wird. Wenn hier (genauso wie weiter
oben und im Folgenden) angegeben wird, dass ein Volumenstrom entweder von der Pumpeneinrichtung
oder der hydraulischen Speichereinrichtung bereitgestellt wird, bedeutet dies insbesondere,
dass der entsprechende Volumenstrom unmittelbar, d.h. bestenfalls über entsprechende
Ventileinrichtungen in den Kolbenraum bzw. Stangenraum geführt oder von dort abgeleitet
wird (also insbesondere nicht über die jeweilige andere Einrichtung). Beispielsweise
soll eine Bereitstellung eines Volumenstroms über (oder durch) die hydraulische Speichereinrichtung
bedeuten, dass der jeweilige Volumenstrom nicht über die Pumpe geführt wird. Umgekehrt
soll eine Bereitstellung eines Volumenstroms durch die Pumpeneinrichtung bedeuten,
dass der jeweilige Volumenstrom nicht zusätzlich noch über die hydraulische Speichereinrichtung
geführt wird.
[0027] Der Zylinderkolben kann in einem Rückwärts-Eilgang mit erhöhter Geschwindigkeit von
dem Pressteil weggeführt werden, wobei ein im Rückwärts-Eilgang aus dem Kolbenraum
austretender Volumenstrom zumindest teilweise, insbesondere überwiegend, in die hydraulische
Speichereinrichtung transferiert werden kann.
[0028] Vorzugsweise wird im Vorwärts-Eilgang ein Volumenstrom in den Kolbenraum teilweise
aus dem Stangenraum, insbesondere über die Pumpeneinrichtung, bereitgestellt. Alternativ
oder zusätzlich wird im Rückwärts-Eilgang der aus dem Kolbenraum austretende Volumenstrom
teilweise in den Stangenraum, insbesondere über die Pumpeneinrichtung, transferiert.
Alternativ oder zusätzlich wird in einer ersten Kraftabbau-Phase der Kolbenraum mit
der hydraulischen Speichereinrichtung, vorzugsweise über die Pumpeneinrichtung, verbunden
derart, dass der Druck im Kolbenraum auf das Druckniveau der hydraulischen Speichereinrichtung
abgebaut wird. Alternativ oder zusätzlich wird in einer zweiten Kraftabbau-Phase ein
Druck im Stangenraum vorzugsweise durch die Pumpeneinrichtung erhöht.
[0029] Vorzugsweise wird in dem Verfahren eine Presskraft von mindestens 100 kN, insbesondere
mindestens 500 kN, vorzugsweise mindestens 1500 kN erzeugt. Die oben beschriebene
Antriebseinrichtung sowie die oben beschriebene Presse können entsprechend konfiguriert
sein, um eine derartig Pressekraft zu erzeugen.
[0030] Vorzugsweise wird ein maximaler Differenzdruck zwischen Kolbenraum und Stangenraum
in Höhe von mindestens 100 bar, vorzugsweise mindestens 250 bar erzeugt. Die oben
beschriebene Antriebseinrichtung sowie die oben beschriebene Presse können entsprechend
konfiguriert sein, um einen derartigen Druck zu erzeugen.
[0031] Die obengenannte Aufgabe wird weiterhin insbesondere gelöst durch die Verwendung
einer hydraulischen Antriebseinrichtung der oben beschriebenen Art oder einer Presse
der oben beschriebenen Art zum Pressen eines Pressteils, insbesondere zum Pulverpressen
eines Pulverpressteils.
[0032] Erfindungsgemäß wird insbesondere ein Antrieb und eine hydraulische Steuerung eines
Presszylinders einer hydraulischen Presse vorgeschlagen. Der Presszylinder ist vorzugsweise
in Differentialbauweise ausgeführt (mit einer großen Kolbenfläche und einer kleinen
Differenzfläche). Daraus können sich bei den Verfahrbewegungen an einem Anschluss
zum Kolbenraum vergleichsweise hohe Volumenströme ergeben, die durch eine hydraulische
Speichereinrichtung versorgt werden können. An einem Anschluss zum Stangenraum können
vergleichsweise niedrige Volumenströme anstehen, die zur Positionierung des Zylinderkolbens
geregelt werden können. Die Regelung von Kraft bzw. Druck, Position und Geschwindigkeit
des Zylinderkolbens kann mittels einer Pumpeneinheit (insbesondere Servopumpeneinheit)
erfolgen. Insbesondere kann die Bauart der Pumpe einen 4-Quadranten-Betrieb ermöglichen,
so dass eine Regelung von Drücken in beiden Durchflussrichtungen möglich ist.
[0033] Insgesamt ergibt sich durch die erfindungsgemäße Ausbildung der Antriebsvorrichtung
eine Reihe von Vorteilen. Zunächst kann ein zusätzlicher Zylinder (Eilgang-Zylinder),
wie er üblicherweise im Stand der Technik vorgesehen ist, entfallen. Weiterhin kann
eine aufwändige "Umspülung" (wie weiter oben im Zusammenhang mit dem Stand der Technik
erläutert) entfallen. Insgesamt handelt es sich um ein eingespanntes System, so dass
die Effizienz gesteigert wird. Durch die vorliegende Struktur kann ein äußerst genauer
(aktiver) Kraftabbau ermöglicht werden. Es ist keine aufwändige Verrohrung notwendig.
Die Größe der Pumpeneinrichtung kann vergleichsweise klein sein. Es kann ggf. auf
weitere Pumpeneinrichtungen verzichtet werden. Insgesamt ergeben sich Kosteneinsparungen
bei der Bereitstellung des (Zylinder-) Antriebs, von Ventilen, der Pumpe und der Steuerung.
[0034] Weitere Ausführungsformen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0035] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels beschrieben, das
anhand der Abbildungen näher erläutert wird. Hierbei zeigen
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung einer hydraulischen Antriebsvorrichtung gemäß einer
Ausführungsform der Erfindung; und
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung der Ausführungsform gemäß Fig. 1 mit einer Darstellung
der jeweiligen Volumenströme.
[0036] In der nachfolgenden Beschreibung werden für gleiche und gleichwirkende Teile dieselben
Bezugsziffern verwendet.
[0037] Fig. 1 zeigt einen Presszylinder 1, der sowohl zum Öffnen und Schließen eines (nicht
in Fig. 1 gezeigt) Presswerkzeuges mit einer hohen Geschwindigkeit (Eilgang) verwendet
wird als auch zum Aufbau einer hohen Kraft in Schließrichtung bei geringer Geschwindigkeit
(Pressgang zum Pressen eines Pressteils). Der Presszylinder ist in Differentialbauweise
ausgeführt und weist eine vergleichsweise große Kolbenfläche A
1 zur Erzeugung einer (maximalen) Presskraft und eine vergleichsweise kleine Differenzfläche
A
2 für den Rückzug eines Zylinderkolbens 9 auf. Aufgrund dieser Bauweise des Presszylinders
1 muss ein vergleichsweise hoher Volumenstrom eines Hydraulikfluids an einen Anschluss
10 des Kolbenraums herangeführt werden. Dieser hohe Volumenstrom Q1 zum Kolbenraum
wird durch eine hydraulische Speichereinrichtung 4 realisiert. Ein Anschluss 11 eines
Stangenraums 12 wird durch eine Pumpeneinrichtung 2 geregelt. Bei diesem Vorwärts-Eilgang
ist eine erste Ventileinrichtung 3 (Y1) geöffnet und eine zweite Ventileinrichtung
5 (Y2) geschlossen.
[0038] Beim Rückwärts-Eilgang (also beim Öffnen des Presswerkzeuges oder einer Kolbenbewegung
nach oben in Fig. 1) wird umgekehrt ein Hydraulikflüssigkeitsvolumen aus dem Kolbenraum
13 in die hydraulische Speichereinrichtung 4 geschoben. Auch bei diesem Rückwärts-Eilgang
ist die erste Ventileinrichtung 3 geöffnet und die zweite Ventileinrichtung 5 geschlossen.
[0039] In der Pressphase (Pressgang) des Presszylinders sind erste und zweite Ventileinrichtung
3, 5 jeweils geschlossen. Eine Zufuhr der Hydraulikflüssigkeit (Ölzufuhr) zum Kolbenraum
13 erfolgt dann (ausschließlich) über die Pumpeneinrichtung 2. Die Regelung von Druck
und (Förder-) Geschwindigkeit erfolgt über Drehzahl und Drehmoment eines Servomotors
7 der Pumpeneinrichtung 2. Die Pumpeneinrichtung 2 umfasst hierbei eine bidirektionale
Pumpe 14.
[0040] Aufgrund der vergleichsweise kleinen Fläche A
2 (im Verhältnis zu A
1) und des Kompressionsvolumens (aufgrund des Druckaufbaus in der Pressphase) entsteht
in dieser Pressphase an der Pumpeneinrichtung 2 (Saugseite) ein Mangel an Hydraulikflüssigkeit
(Ölmangel), der über eine Verbindung zu der hydraulischen Speichereinrichtung 4 und
ein Rückschlagventil 6 ausgeglichen wird. Sobald (aufgrund des Mangels an Hydraulikflüssigkeit)
an der Saugseite der Pumpeneinrichtung 2 der Druck unter das Druckniveau der hydraulischen
Speichereinrichtung 4 sinkt, öffnet sich das Rückschlagventil 6 und die Hydraulikflüssigkeit
aus der hydraulischen Speichereinrichtung 4 gleicht das Differenzvolumen aus.
[0041] Nach der Pressphase (Pressgang) erfolgt der Kraftabbau des Presszylinders in zwei
Phasen. In einer ersten Kraftabbau-Phase öffnet sich die zweite Ventileinrichtung
5, so dass eine Verbindung zwischen hydraulischer Speichereinrichtung 4 und Stangenraum
12 realisiert ist. Der Druck im Kolbenraum 13 wird (von seinem Maximalwert) abgebaut
auf das Druckniveau der hydraulischen Speichereinrichtung 4. Ein Kompressionsvolumen
wird dabei vom Kolbenraum 13 über die Pumpeneinrichtung 2 in die hydraulische Speichereinrichtung
4 entlastet.
[0042] Sobald der Druck im Kolbenraum 13 den Druck in der hydraulischen Speichereinrichtung
4 erreicht hat, beginnt die zweite Kraftabbau-Phase. Dazu wird die zweite Ventileinrichtung
5 geschlossen und die erste Ventileinrichtung geöffnet. In der zweiten Kraftabbau-Phase
erfolgt ein Druckaufbau im Stangenraum 12 (der Druck p
1 im Kolbenraum bleibt auf dem Wert des Drucks in der hydraulischen Speichereinrichtung
4). Eine Kraft am Zylinderkolben wird proportional zu diesem Druckanstieg im Stangenraum
12 (bis auf Null) abgebaut.
[0043] Nach Erreichen eines notwendigen Drucks p
2 im Stangenraum 12 startet der Zylinderkolben 9 (übergangslos) eine Öffnungsbewegung
nach oben. Der Volumenstrom Q
1 aus dem Kolbenraum 13 wird (zum größeren Teil) wieder in die hydraulische Speichereinrichtung
4 geschoben, wobei der Volumenstromanteil entsprechend Q
2 über die Pumpeneinrichtung 2 gefördert wird.
[0044] Fig. 2 zeigt in Ergänzung zu der Darstellung gemäß Fig. 1 Pfeile, die den jeweiligen
Volumenstrom (oder einen Entlastungsstrom) kennzeichnen. Hierbei zeigen Pfeile 15
einen Volumenstrom, der sich im Vorwärts-Eilgang ergibt. Pfeile 16 zeigen einen Volumenstrom,
der sich während der Pressphase ergibt. Pfeile 17 zeigen einen Volumenstrom (Entlastungsstrom)
während der ersten Kraftabbau-Phase. Pfeile 18 zeigen einen Volumenstrom (Entlastungsstrom),
der sich während der zweiten Kraftabbau-Phase ergibt. Pfeile 19 zeigen einen Volumenstrom,
der sich im Rückwärts-Eilgang ergibt.
[0045] Die Verbindungsstrukturen zwischen Anschluss 10 des Kolbenraums 13 und Anschluss
11 des Stangenraums 12 werden nachfolgend erläutert. Ausgehend von dem Anschluss 10
des Kolbenraums 13 schließt sich zunächst ein erster Fluidverbindungsabschnitt 21
(siehe Fig. 1) an, der mit einer ersten Verzweigungsstelle 31 verbunden ist. Von der
ersten Verzweigungsstelle 13 zweigt ein zweiter Fluidverbindungsabschnitt 22 in Richtung
Pumpeneinrichtung 2 ab sowie ein dritter Fluidverbindungsabschnitt 23 in Richtung
hydraulische Speichereinrichtung 4. In dem dritten Fluidverbindungsabschnitt ist die
erste Ventileinrichtung 3 vorgesehen. Der Anschluss 11 des Stangenraums 12 ist über
einen vierten Fluidverbindungsabschnitt 24 mit einer zweiten Verzweigungsstelle 32
verbunden. Von dort zweigt ein fünfter Fluidverbindungsabschnitt 25 ab, der mit der
Pumpeneinrichtung 2 verbunden ist. Außerdem zweigt von dort ein sechster Fluidverbindungsabschnitt
26 ab, der mit der hydraulischen Speichereinrichtung 4 verbunden ist. In dem sechsten
Fluidverbindungsabschnitt 26 befindet sich die zweite Ventileinrichtung 3. Parallel
zu der zweiten Ventileinrichtung 5 verläuft ein siebter Fluidverbindungsabschnitt
27, in dem das Rückschlagventil 6 angeordnet ist. Grundsätzlich kommt es im vorliegenden
Zusammenhang darauf an, wie die einzelnen Elemente entweder in Serie oder parallel
zueinander geschaltet werden. Im Allgemeinen sind jedoch sowohl Pumpeneinrichtung
2 als auch hydraulische Speichereinrichtung 4 in einer Fluidverbindung zwischen Kolbenraum
und Stangenraum angeordnet.
[0046] Insgesamt ergibt sich durch die erfindungsgemäße Ausbildung der Antriebsvorrichtung
eine Reihe von Vorteilen. Zunächst kann ein zusätzlicher Zylinder (Eilgang-Zylinder),
wie er üblicherweise im Stand der Technik vorgesehen ist, entfallen. Weiterhin kann
eine aufwändige "Umspülung" (wie weiter oben im Zusammenhang mit dem Stand der Technik
erläutert) entfallen. Insgesamt handelt es sich um ein eingespanntes System, so dass
die Effizienz gesteigert wird. Durch die vorliegende Struktur kann ein äußerst genauer
(aktiver) Kraftabbau ermöglicht werden. Es ist keine aufwändige Verrohrung notwendig.
Die Größe der Pumpeneinrichtung kann vergleichsweise klein sein. Es kann ggf. auf
weitere Pumpeneinrichtungen verzichtet werden. Insgesamt ergeben sich Kosteneinsparungen
bei der Bereitstellung des (Zylinder-) Antriebs, von Ventilen, der Pumpe und der Steuerung.
[0047] In der Ausführungsform gemäß Fig. 1 und 2 ist vorzugsweise noch eine (nicht dargestellte)
Steuereinrichtung vorgesehen. Zur Steuerung, insbesondere Regelung sind weiterhin
(siehe Fig. 1) Sensoren (beispielsweise eine Druck- und/oder Volumenstrom-Messeinrichtung)
vorgesehen, über die die Steuereinrichtung die Ventile 3, 5 so schaltet und die Pumpeneinrichtung
2 so ansteuert, dass die notwendigen Volumenströme und Drücke realisiert werden.
[0048] Im Folgenden wird tabellarisch ein Beispiel für bestimmte Parameter während des Betriebs
der Antriebseinrichtung angegeben.
TABELLE 1
|
Y1 |
Y2 |
p1 |
p2 |
Vorwärts-Eilgang |
Auf |
Zu |
40 bar |
280 bar |
Pressen |
Zu |
Zu |
290 bar |
40 bar |
Erste Kraftabbau-Phase |
Zu |
Auf |
40 bar |
40 bar |
Zweite Kraftabbau-Phase |
Auf |
Zu |
40 bar |
280 bar |
Rückwärts-Eilgang |
Auf |
Zu |
40 bar |
280 bar |
[0049] Eine Kraft während des Pressens kann 1600 kN betragen. Eine Kraft zum Ende der ersten
Kraftabbau-Phase kann 320 kN betragen. Eine Kraft zum Ende der zweiten Kraftabbau-Phase
kann 0 kN betragen.
[0050] Im Nachfolgenden werden noch tabellarisch exemplarische Werte für Volumenstrom und
Geschwindigkeit des Hydraulikfluids angegeben.
TABELLE 2
|
Q1 |
Q2 |
v |
Vorwärts-Eilgang |
620 l/min |
88 l/min |
180 mm/s |
Pressen |
137 l/min |
20 l/min |
40 mm/s |
Rückwärts-Eilgang |
620 l/min |
88 l/min |
180 mm/s |
[0051] Sämtliche obengenannten Werte (in Tabelle 1 und 2) sind exemplarisch angegeben. Abweichungen
davon (beispielsweise jeweils in einem Bereich von +/- 10 %) sind möglich.
[0052] An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass alle oben beschriebenen Teile für sich
alleine gesehen und in jeder Kombination, insbesondere die in den Zeichnungen dargestellten
Details, als erfindungswesentlich beansprucht werden. Abänderungen hiervon sind dem
Fachmann geläufig.
Bezugszeichen
[0053]
- A1
- (Wirk-) Fläche des Kolbenraums
- A2
- (Wirk-) Fläche des Stangenraums
- p1
- Druck im Kolbenraum
- p2
- Druck im Stangenraum
- Q1
- Volumenstrom an einem Anschluss des Kolbenraums
- Q2
- Volumenstrom an einem Anschluss des Stangenraums
- 1
- Presszylinder
- 2
- Pumpeneinrichtung
- 3
- Erste Ventileinrichtung
- 4
- Hydraulische Speichereinrichtung
- 5
- Zweite Ventileinrichtung
- 6
- Rückschlagventil
- 7
- Servomotor
- 8a
- Messeinrichtung
- 8b
- Messeinrichtung
- 9
- Zylinderkolben
- 10
- Anschluss
- 11
- Anschluss
- 12
- Stangenraum
- 13
- Kolbenraum
- 14
- Bidirektionale Pumpe
- 15
- Pfeil
- 16
- Pfeil
- 17
- Pfeil
- 18
- Pfeil
- 19
- Pfeil
- 21
- Erster Fluidverbindungsabschnitt
- 22
- Zweiter Fluidverbindungsabschnitt
- 23
- Dritter Fluidverbindungsabschnitt
- 24
- Vierter Fluidverbindungsabschnitt
- 25
- Fünfter Fluidverbindungsabschnitt
- 26
- Sechster Fluidverbindungsabschnitt
- 27
- Siebter Fluidverbindungsabschnitt
- 31
- Erste Verzweigungsstelle
- 32
- Zweite Verzweigungsstelle
1. Hydraulische Antriebseinrichtung mit einem Presszylinder (1) für eine hydraulische
Presse, vorzugsweise Pulverpresse, wobei die hydraulische Antriebseinrichtung konfiguriert
ist, um einen Zylinderkolben (9) in einem Vorwärts-Eilgang mit erhöhter Geschwindigkeit
zu einem Pressteil hin zu führen und in einem Pressgang mit niedriger Geschwindigkeit
das Pressteil zu pressen,
wobei der Zylinderkolben (9) einen Kolbenraum (13) und einen Stangenraum (12) definiert,
wobei eine Pumpeneinrichtung (2) zur Bereitstellung eines Volumenstromes einer Hydraulikflüssigkeit
in den Kolbenraum (13), so dass der Pressgang durchlaufen wird, vorgesehen ist,
wobei eine hydraulische Speichereinrichtung (4) zur Bereitstellung zumindest eines
Teiles, insbesondere eines überwiegenden Teiles, eines Volumenstromes der Hydraulikflüssigkeit
in den Kolbenraum (13), so dass der Vorwärts-Eilgang durchlaufen wird, vorgesehen
ist.
2. Hydraulische Antriebseinrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die hydraulische Antriebseinrichtung konfiguriert ist, um den Zylinderkolben (9) in
einem Rückwärts-Eilgang mit erhöhter Geschwindigkeit von dem Pressteil weg zu führen,
wobei ein im Rückwärts-Eilgang aus dem Kolbenraum austretender Volumenstrom der Hydraulikflüssigkeit
zumindest teilweise, insbesondere überwiegend, in die hydraulische Speichereinrichtung
(4) transferiert wird.
3. Hydraulische Antriebseinrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die hydraulische Antriebseinrichtung so konfiguriert ist, dass im Vorwärts-Eilgang
ein Volumenstrom in den Kolbenraum (13) teilweise aus dem Stangenraum (12), insbesondere
über die Pumpeneinrichtung (2), bereitstellbar ist und/oder
wobei die hydraulische Antriebseinrichtung so konfiguriert ist, dass im Rückwärts-Eilgang
der aus dem Kolbenraum (13) austretende Volumenstrom teilweise in den Stangenraum
(12), insbesondere über die Pumpeneinrichtung (2), transferierbar ist.
4. Hydraulische Antriebseinrichtung nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Presszylinder (1) ein Differentialzylinder ist,
wobei ein Verhältnis der größeren Fläche zu der kleineren Fläche vorzugsweise mindestens
2, weiter vorzugsweise mindestens 5 beträgt und/oder
wobei ein Verhältnis der größeren Fläche zu der kleineren Fläche vorzugsweise höchstens
20, weiter vorzugsweise höchstens 10 beträgt.
5. Hydraulische Antriebseinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die hydraulische Antriebseinrichtung so konfiguriert ist, dass in einer ersten Kraftabbau-Phase
der Kolbenraum (13) mit der hydraulischen Speichereinrichtung (4), vorzugsweise über
die Pumpeneinrichtung (2), verbindbar ist, derart, dass der Druck im Kolbenraum (13)
auf das Druckniveau der hydraulischen Speichereinrichtung (4) abbaubar ist, und/oder
wobei die hydraulische Antriebseinrichtung so konfiguriert ist, dass in einer zweiten
Kraftabbau-Phase ein Druck im Stangenraum (12) vorzugsweise durch die Pumpeneinrichtung
(9) erhöhbar ist.
6. Hydraulische Antriebseinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
Kolbenraum (13) und Stangenraum (12) über eine Fluidverbindung verbunden oder verbindbar
sind, wobei innerhalb dieser Fluidverbindung die Pumpeneinrichtung (2) und die hydraulische
Speichereinrichtung (4), zueinander fluidtechnisch parallel geschalt, angeordnet sind,
wobei ein mit dem Kolbenraum verbundener erster Fluidverbindungsabschnitt (21) mit
einer ersten Verzweigungsstelle (31) verbunden ist, von der eine zweiter Fluidverbindungsabschnitt
(22) in Richtung Pumpeneinrichtung (2) abzweigt und ein dritter Fluidverbindungsabschnitt
(23) in Richtung hydraulischer Speichereinrichtung (4) abzweigt,
wobei ein mit dem Stangenraum (12) verbundener vierter Fluidverbindungsabschnitt (24)
mit einer zweiten Verzweigungsstelle (32) verbunden ist, von der ein fünfter Fluidverbindungsabschnitt
(25) in Richtung Pumpeneinrichtung (2) abzweigt und ein sechster Fluidverbindungsabschnitt
(26) in Richtung hydraulischer Speichereinrichtung (4) abzweigt,
wobei in dem fünften Fluidverbindungsabschnitt (25) vorzugsweise eine erste Ventileinrichtung
(3) vorgesehen ist und/oder wobei in dem sechsten Fluidverbindungsabschnitt (26) vorzugsweise
eine zweite Ventileinrichtung (5) vorgesehen ist, wobei parallel zu der zweiten Ventileinrichtung
(5) weiter vorzugsweise ein Rückschlagventil (6) fluidtechnisch geschaltet ist.
7. Hydraulische Antriebseinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Pumpeneinrichtung (2) eine bidirektionale Pumpe (14), insbesondere eine 4-Quadrantenpumpe,
und/oder einen Servomotor (7) umfasst.
8. Hydraulische Antriebseinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Wirkfläche des Kolbenraums (13) mindestens 200 cm2, vorzugsweise mindestens 450 cm2 und/oder höchstens 1100 cm2, vorzugsweise höchstens 700 cm2 beträgt und/oder
ein Verhältnis einer Wirkfläche des Kolbenraums (13) zu einer Wirkfläche des Stangenraums
(12) mindestens 3, vorzugsweise mindestens 6 beträgt und/oder höchstens 15, vorzugsweise
höchstens 9 beträgt, und/oder die hydraulische Speichereinrichtung (4) ein Volumen
von mindestens 10 l, vorzugsweise mindestens 30 l und/oder höchstens 100 l, vorzugsweise
höchsten 70 l, aufweist und/oder die hydraulische Speichereinrichtung (4) einen Basisdruck
von mindestens 10 bar, vorzugsweise mindestens 25 bar und/oder höchstens 80 bar, vorzugsweise
höchstens 50 bar aufweist.
9. Hydraulische Antriebseinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens eine Steuereinrichtung, insbesondere Regeleinrichtung zur Steuerung, insbesondere
Regelung, der einzelnen Komponenten der hydraulischen Antriebseinrichtung, vorgesehen
ist.
10. Hydraulische Presse, vorzugsweise Pulverpresse, umfassend eine hydraulische Antriebseinrichtung
nach einem der vorhergehenden Ansprüche.
11. Verfahren zum Pressen eines Pressteils, insbesondere zum Pulverpressen eines Pulverpressteils,
vorzugsweise unter Verwendung einer hydraulischen Antriebseinrichtung nach einem der
Ansprüche 1 bis 9 und/oder einer Presse, insbesondere Pulverpresse nach Anspruch 10,
wobei ein Zylinderkolben (4) eines Presszylinders in einem Vorwärts-Eilgang mit erhöhter
Geschwindigkeit zu einem Pressteil hin geführt wird und das Pressteil in einem Pressgang
mit niedriger Geschwindigkeit des Zylinderkolbens (9) gepresst wird,
wobei im Pressgang über eine Pumpeneinrichtung (2) ein Volumenstrom in Richtung eines
Kolbenraums (13) des Presszylinders (1) gepumpt wird,
wobei im Eilgang über eine hydraulische Speichereinrichtung (4) zumindest ein Teil,
insbesondere ein überwiegender Teil, eines Volumenstromes in den Kolbenraum (13) bereitgestellt
wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Zylinderkolben in einem Rückwärts-Eilgang mit erhöhter Geschwindigkeit von dem
Pressteil weg geführt wird, wobei ein im Rückwärts-Eilgang aus dem Kolbenraum austretender
Volumenstrom zumindest teilweise, insbesondere überwiegend, in die hydraulische Speichereinrichtung
transferiert wird.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet, dass
im Vorwärts-Eilgang ein Volumenstrom in den Kolbenraum (13) teilweise aus dem Stangenraum
(12), insbesondere über die Pumpeneinrichtung (2), bereitgestellt wird und/oder
im Rückwärts-Eilgang der aus dem Kolbenraum austretende Volumenstrom teilweise in
den Stangenraum, insbesondere über die Pumpeneinrichtung, transferiert wird
und/oder in einer ersten Kraftabbau-Phase der Kolbenraum (13) mit der hydraulischen
Speichereinrichtung (4), vorzugsweise über die Pumpeneinrichtung (1), verbunden wird
derart, dass der Druck im Kolbenraum (13) auf das Druckniveau der hydraulischen Speichereinrichtung
(4) abgebaut wird, und/oder
in einer zweiten Kraftabbau-Phase ein Druck im Stangenraum (12) vorzugsweise durch
die Pumpeneinrichtung (2) erhöht wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Presskraft von mindestens 100 kN, vorzugsweise mindestens 500 kN, weiter vorzugsweise
mindestens 1500 kN erzeugt wird und/oder ein maximaler Differenzdruck zwischen Kolbenraum
(13) und Stangenraum (12) von mindestens 100 bar, vorzugsweise mindestens 250 bar
erzeugt wird.
15. Verwendung einer hydraulischen Antriebseinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis
9 oder einer Presse nach Anspruch 10 zum Pressen eines Pressteils, insbesondere zum
Pulverpressen eines Pulverpressteils.