Technisches Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein System bzw. ein Verfahren zur Überwachung von
Personen und zur Meldung von sogenannten Totmann- oder ähnlichen Ausfall-Ereignissen.
Insbesondere, jedoch nicht ausschliesslich, bezieht sie sich auf die Überwachung von
mehreren einzelnen Einsatzpersonen, die sich in mehreren, voneinander entfernten Einsatzorten
befinden, wobei die Sicherheit der Einsatzpersonen von einer gemeinsamen Kontrollstelle
überwacht werden kann.
Stand der Technik
[0002] Alarmsysteme sind bekannt in welchen die Vitalzeichen von Einsatzpersonen überwacht
werden. Ein Mitarbeiter, der in einer gefährlichen Umgebung arbeitet, wird zum Beispiel
mit einem Meldegerät ausgerüstet, das bei Abweichungen der normalen Vitalzeichen bzw.
Umgebungsbedingungen des Mitarbeiters ein Alarmsignal auslöst.
[0003] Es ist auch bekannt, dass bei einem solchen Alarmereignis, eine sogenannte Totmann-Meldung
automatisch an eine entfernte Zentralstation übermittelt wird. Anschliessend wird
ein Rettungsdienst eingeschaltet, der sich umgehend zur gefährdeten Person begibt,
um sie aus der Gefahr zu holen bzw. um ihr Erste Hilfe zu leisten.
[0004] Da kein Alarmsystem absolut zuverlässig und fehlerfrei sein kann, tendieren bekannte
Systeme stets auf der sicheren Seite zu agieren. In Grenz- bzw. Zweifelsfällen soll
der Alarm eher doch ausgelöst werden, wobei ein falsch-positives Alarmsignal eventuell
ausgegeben wird, als keine Meldung. Bei solchen bekannten Systemen kann es also vorkommen,
dass ein Alarmsignal versehentlich oder zu leicht ausgelöst wird. Nach mehrmaligem
Vorkommen solcher Fehlalarme kann sich eine gewisse Skepsis unter den Überwachungs-
bzw. Rettungsdiensten ausbreiten, welche langfristig eine deutlich negative Auswirkung
auf die Zuverlässigkeit des Systems und auf die Sicherheit der Mitarbeiter haben kann.
[0005] Es besteht daher der Bedarf an einem Überwachungssystem bzw. -verfahren, in welchem
zwar auf alle ausserordentliche Meldungen eingegangen, jedoch in welchem das Auftreten
solch falsch positiver Alarmsignalen an Häufigkeit vermindert wird.
Kurze Beschreibung der Erfindung
[0006] Um mindestens einige der o.g. Nachteile im Stand der Technik zu beseitigen, sieht
die Erfindung einen Backend-Server gemäss Anspruch 1, ein Mobilgerät gemäss Anspruch
2 und ein Verfahren gemäss Anspruch 8 vor. Dank des mehrstufigen, gestaffelten Ablaufes
der Überwachung bei Abweichungen in den körperlichen oder Umgebungszuständen der überwachten
Person, kann auf alle ausserordentliche Umständen eingegangen werden. Dabei können
Meldungen, die ein Auslösen des Alarmsignals eventuell nicht rechtfertigen, vorab
durch zwei vorläufige Totmann-Anfrage-Stufen unterzogen werden.
[0007] Dank der inhärenten Intelligenz und des mehrstufigen Alarmauslösers ist das System
wesentlich zuverlässiger und weniger anfällig für Falschmeldungen als bekannte Alarmsysteme,
da die Spezifität und Sensitivität bei der Erkennung von echten Vorfällen optimiert
werden.
[0008] Die Erfindung wird anhand der beigelegten Zeichnungen beschrieben, in welchen:
Figur 1 zeigt in einer vereinfachten schematischen Darstellung ein beispielhaftes
System mit einem erfindungsgemässen Backend-Server und Mobilgerät.
Figur 2 zeigt in einer vereinfachten schematischen Darstellung einen beispielhaften
Aufbau des in der Figur 1 abgebildeten Backend-Servers.
Figur 3 zeigt als Flussdiagramm ein erstes Beispiel eines erfindungsgemässen Überwachungsverfahrens.
Figur 4 zeigt als Flussdiagramm ein zweites Beispiel eines erfindungsgemässen Überwachungsverfahrens.
Figur 5 zeigt als Flussdiagramm ein Beispiel eines Initialisierungsablaufs eines erfindungsgemässen
Überwachungsverfahrens bzw. Backend-Servers.
[0009] Die beigefügten Zeichnungen sind lediglich als illustrative Beispiele gedacht, welche
dem besseren Verständnis der Erfindung dienen. Sie stellen keine Einschränkung der
beanspruchten Erfindung dar. In den Zeichnungen werden gleiche Bezugszeichen für identische
oder funktionsähnliche Elemente verwendet. Die Verwendung unterschiedlicher Zeichnungen
bedeutet jedoch nicht, dass die angedeuteten Merkmale unterschiedlich sind.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0010] In der folgenden detaillierten Beschreibung werden Ausführungsbeispiele der Erfindung
beschrieben.
[0011] Als Einsatzperson ist jede Person gemeint, die sich in einer Lage befindet, wo sie
keinen umgehenden Zugriff auf Notfall- oder Rettungsdienste hat. Beispiele können
zum Beispiel Bau- oder Unterhaltsmitarbeiter in einem Kraftwerk oder Baugrube, Bergwanderer,
Flugzeugpersonal, Busfahrer oder Taucher umfassen. Eine Einsatzperson kann typischerweise
eine von vielen sein, die sich an verschiedenen Orten aufhalten. Die automatisierte
Überwachung einer solchen verstreuten Anzahl von Menschen, wo jedes Individuum unterschiedliche
interne (körperlich), wie externe (Umgebung) Gegebenheiten aufweist, ist komplex.
[0012] In der Figur 1 ist ein Überwachungssystem 1 dargestellt, welches einen Backend-Server
2 aufweist. Der Backend-Server 2 steht in Verbindung (10-15) mit einem tragbaren Mobilgerät
3 wie z.B. einer Smartwatch, sowie mit dem Kommunikationsgerät 4 einer Kontrollstelle
und einem Alarmauslöser 5. Die Kommunikation zwischen Backend-Server 2 und den entfernten
Geräten 3 und 4 kann z.B. über drahtlose Verbindungen wie WLAN, Bluetooth
®, Mobilfunk-Netz, usw. erfolgen.
[0013] Von einem Mobilgerät 3 werden Sensor- bzw. Messdaten, welche die Vitalzeichen und/oder
den Umgebungszustand der tragenden Person darstellen, kontinuierlich oder chargenweise
an den Backend-Server 2 übermittelt. Die Messdaten können auch Ortungsinformationen
wie z.B. GPS-Koordinaten des Mobilgeräts umfassen. Unabhängig davon, ob sie an einen
Vorfall deuten oder nicht, werden die Messdaten weiterhin an den Backend-Server 2
übertragen, wo sie abgespeichert und ausgewertet werden. Erkennt der Server 2 eine
Abweichung oder einen ausserordentlichen Zustand (Messdaten ausserhalb eines ersten
Sollbereichs) aus den empfangenen Daten, so kann der Server ein erstes Anfragesignal
11 an das Mobilgerät 3 senden. Das Anfragesignal 11 kann z.B. eine Push-Nachricht
auf einer Smartwatch, einem Smartphone in Form einer SMS, einer E-Mail oder eines
automatischen Telefonanrufs umfassen. Es kann eine Nachricht an den Sensor auf der
Person, von deren Sensor die abweichende Messung stammt sein. Auf Erhalt des ersten
Anfragesignals 11 kann, z.B. automatisch oder mit Eingriff der die Smartwatch tragenden
Einsatzperson, ein erstes Antwortsignal 12 an den Backend-Server gesendet werden.
Das Antwortsignal 12 kann z.B. eine Eingabe auf der Smartwatch oder dem Smartphone
umfassen. Die Kommunikation 10, 11, 12 zwischen Mobilgerät 3 (auch Frontend genannt)
und Backend-Server 2 erfolgt vorzugsweise über das Internet, verschlüsselt. Die Anbindung
von Front- und Backend 2 kann über eine drahtlose Technologie wie z.B. WLAN und/oder
ein Mobiltelefon-Netz (GSM) erfolgen. Das Antwortsignal 12 wird anschliessend im Backend-Server
ausgewertet. Kann der Server 2 aus dem Antwortsignal 12 erkennen, dass die genannte
Abweichung bzw. der ausserordentlicher Zustand wieder in einem normalen Bereich (Sollbereich)
ist, bzw., dass die Abweichung keine weitere Interventionsschritte rechtfertigt, so
erfolgen keine weitere Sonderschritte; der Backend-Server 2 kehrt in einen normalen
Überwachungs-Modus zurück. Erhält der Backend-Server 2 hingegen kein zufriedenstellendes
Antwortsignal, so geht er in einen ersten Alarmstufe-Modus über, in welchem er ein
zweites Anfragesignal 13 an die Kontrollstelle 4 sendet. Die Kontrollstelle 4 kann
z.B. der reguläre PC bzw. ein Smartphone oder eine Smartwatch derjenigen Person sein,
welche die Sicherheit einer Mehrzahl von Einsatzpersonen verantwortet. Das zweite
Anfragesignal 13 kann z.B. eine Push-Nachricht, eine SMS, eine E-Mail oder einen automatischen
Telefonanruf umfassen. Auf Erhalt des zweiten Anfragesignals 13 werden weitere Schritte
unternommen, z.B. durch die genannte verantwortliche Person, um den Zustand der entsprechenden
Einsatzperson zu ermitteln. Es kann z.B. versucht werden, den Kontakt mit der Einsatzperson
aufzunehmen, z.B. telefonisch oder persönlich, um eine unabhängige Ermittlung über
deren Zustand durchzuführen.
[0014] Ist alles in Ordnung, bzw. konnte alles wieder in Ordnung gebracht werden, so kann
das zweite Entwarnungssignal 14, von der Kontrollstelle 4, oder das erste Entwarnungssignal
12 von dem Mobilgerät 3, an den Backend-Server 2 gesendet werden. Der Backend-Server
2 wartet auf eines der beiden Entwarnungssignale 12 oder 14 und stellt sich wieder
automatisch in den normalen Modus um, sobald er eines der beiden Signale empfängt.
[0015] Ist ein Ereignis eingetreten (z.B. ein Sturz oder ein medizinischer Vorfall), so
wird kein Entwarnungssignal 12 oder 14 in Antwort auf die Anfragesignale 11 und 13
an den Backend-Server 2 übermittelt. Erhält der Backend-Server 2 keine solche Antwort
(z.B. innert einer vorgegebenen Zeitspanne), so löst er 15 automatisch den Alarm 5
aus. Der Alarmauslöser 5 kann z.B. eine automatisierte Verbindung zu einem Notfalldienst
herstellen oder eine vordefinierte Massnahme vor Ort auslösen.
[0016] Messdaten können z.B. von Sensoren des Mobilgeräts 3 gewonnen werden. Alternativ,
oder zusätzlich, können Daten von separaten Fernsensoren (sog. Beacons) in der Umgebung
am Mobilgerät empfangen werden, und zwar z.B. über Bluetooth®, Infrarot, WLAN usw.
Die Messdaten können durchgehend an den Backend-Server 2 übertragen werden 10, wo
sie vorübergehend abgespeichert werden können. Die abgespeicherten Messdaten können
dazu verwendet werden, um Verlaufsmuster und Trends in den Daten automatisch zu erkennen.
Das Auftreten gewisser Muster oder Trends, die ausserhalb eines Sollbereichs liegen,
kann auch als Basis für eine Anfrage- oder Alarmsignal genommen werden. Die abgespeicherten
Daten können persönliche medizinische Daten enthalten. Aus Datenschutzgründen können
sie vorzugsweise, z.B. am Ende einer Arbeitsschicht ohne Zwischenfall, gelöscht werden.
Kommt es jedoch zu einem medizinischen Notfall, so können die abgespeicherten Daten
ggfs. dem Notfalldienst übergeben werden.
[0017] In der Figur 2 ist der Aufbau eines erfindungsgemässen Backend-Servers 2 beispielhaft
näher erläutert. In diesem Beispiel weist der Backend-Server eine erste Kommunikationseinheit
6
1 für die Kommunikation mit dem Mobilgerät 3, eine zweite Kommunikationseinheit 6
2 für die Kommunikation mit der Kontrollstelle 4 und eine dritte Kommunikationseinheit
6
3 für das Auslösen 15 des Alarms 5 auf. Eine Steuereinheit 8 übernimmt gewisse Aufgaben
des Backend-Servers, wie z.B. die Auswertung der Messdaten, empfangen vom Mobilgerät
3. Speicher 7 dient zum Abspeichern der empfangenen Messdaten, um diese nach vorgegebenen
Algorithmen und Wissensregeln (Wissensdatenbank) auszuwerten.
[0018] Figur 3 zeigt in einem ersten Ausführungsbeispiel den automatisierten Ablauf 100
eines erfindungsgemässen Verfahrens, das z.B. im Backend-Server 2 als Software-Algorithmus
implementiert werden kann. In einem ersten Schritt 110 werden Messwerte vom Mobilgerät
(z.B. Smartwatch) empfangen und ausgewertet. Liegen die Messwerte im Sollbereich ("normal"),
so wird dieser Schritt weiter bei jedem neuen Eingang von Messwerten wiederholt. Sobald
einer der Messwerte, bzw. eine Konstellation mehrerer empfangener Messwerte, aus dem
Sollbereich fällt, wird der zweite Schritt 130 eingeleitet, indem ein erstes Anfragesignal,
auch Warnmeldung genannt, an das Mobilgerät gesendet wird. Anschliessend wird auf
ein antwortendes Entwarnungssignal gewartet. Vorzugsweise wird der Alarmstatus und/oder
der Grund dafür auf der Anzeige des Mobilgeräts angezeigt. Auf diese Weise, oder z.B.
durch einen akustischen Alarmton des Mobilgeräts, wird die Einsatzperson auf den geänderten
Alarmstatus aufmerksam gemacht. Das Entwarnungssignal kann z.B. durch die Einsatzperson
selber ausgelöst werden, etwa mittels einer entsprechenden Eingabe bzw. einer grafischen
Interaktion mit der Benutzerschnittstelle des Mobilgeräts, eine SMS, E-Mail oder mittels
eines Telefonanrufs an eine Zentrale.
[0019] Nach Empfang des ersten Entwarnungssignals, z.B. innert einer vorgegebenen Wartezeit,
stellt sich der Backend-Server in seine Normalstellung 110 zurück. Kommt das Entwarnungssignal
während der Wartezeit nicht, so geht das System in einen zweiten Alarmzustand 150
über, indem der Backend-Server ein zweites Anfragesignal an die Kontrollstelle sendet.
An der Kontrollstelle werden Massnahmen getroffen, z.B. automatisch (etwa durch ein
generelles oder lokales Alarmsignal eines internen Betriebsalarms) oder manuell (ein
Mitarbeiter versucht, sich mit der Einsatzperson in Verbindung zu setzen, oder versucht,
diese zu erreichen) um eine Kommunikation mit der Einsatzperson zu erstellen. Gelingt
es dem Mitarbeiter bzw. der Kontrollstelle, eine Verbindung zur Einsatzperson herzustellen,
so wird der Grund für den ausserhalb des Sollbereichs liegenden Messwert bzw. für
das fehlende erste Entwarnungssignal ermittelt. Bei Feststellung eines plausiblen
Grundes, bzw. falls der Zustand der Einsatzperson wieder in das Sollbereich gebracht
werden konnte, so wird ein zweites Entwarnungssignal an den Backend-Server gesendet.
Das zweite Entwarnungssignal kann z.B. am Mobilgerät oder von der Kontrollstelle aus
erstellt werden. Wie beim ersten Entwarnungssignal kann das zweite Entwarnungssignal
z.B. durch die Einsatzperson selber ausgelöst werden, etwa mittels einer entsprechenden
Eingabe bzw. einer grafischen Interaktion mit der Benutzerschnittstelle des Mobilgeräts,
eine SMS, E-Mail oder mittels eines Telefonanrufs an eine Zentrale. Das Mobilgerät
kann z.B. mit einer App programmiert werden, die stets im Vordergrundmodus läuft,
wobei die Einsatzperson sich ständig über den aktuellen Stand der Messwerte und/oder
den Alarmstatus informieren kann, wobei er oder sie die Warnmeldungen an den Backend-Server
ggfs. manuell auslösen und/oder annullieren kann.
[0020] Nach Empfang des zweiten Entwarnungssignals, z.B. innert einer vorgegebenen zweiten
Wartezeit, stellt sich der Backend-Server in seine Normalstellung 110 zurück. Kommt
das Entwarnungssignal während der Wartezeit nicht, so geht das System in einen dritten
Alarmzustand 170 über, indem der Backend-Server einen dringenden Notfallstatus meldet,
und z.B. einen Notfalldienst aufbietet und/oder einen generellen Alarm auslöst.
[0021] Figur 4 zeigt eine weitere Variante eines erfindungsgemässen Verfahrens 101. In diesem
Beispiel können die zweite und/oder dritte Alarmstufe 150, 170 ggfs. direkt erreicht
werden, falls die Messwerte auf einen ernsthaften Zustand 112 oder einen kritischen
Zustand 111 der Einsatzperson hindeuten. Falls die Messwerte es rechtfertigen, wird
auf den ersten und/oder den zweiten Anfrage-Entwarnung-Zyklus verzichtet, damit der
passende Alarmstatus direkt ausgelöst werden kann.
[0022] Figur 5 zeigt eine Initialisierungs- bzw. Kalibrierungsphase 102 des Systems 1, welche
z.B. am Anfang einer Arbeitsschicht ausgeführt werden kann, um die Auswertung der
Messdaten mehrerer einzelnen Einsatzpersonen anzupassen. Nach den üblichen Systemchecks
werden Messdaten (Körperbewegung oder -orientierung, Blutdruck, Herzschlagfrequenz,
CO
2 im Blut, Blut-O
2-Messung, Blutzuckermessung, Harnstoffmessung, Umgebungs-CO
2-Messung, Umgebung-CO-Messung usw.) z.B. probeweise für jede der Einsatzpersonen gemessen
und gespeichert. Diese werden mit unabhängigen Kontrollparametern verglichen, um ein
plausibles, individuelles Messdatenmuster für die Einsatzperson festzulegen. Ein solcher
Kontrollparameter könnte z.B. sein, dass die Einsatzperson zum Zeitpunkt der Messung
sich in einem Ruhezustand befindet, dass sie die Smartwatch etwas locker am rechten
Handgelenk trägt, oder dass sie im Stehen arbeitet. Die Messdaten und Kontrollparameter
können anschliessend, z.B. im Backend-Server, verwendet werden, um den ersten und
zweiten Sollbereich zu berechnen. Auf diese Weise werden die Sollbereiche der Messdaten
auf die aktuellen körperlichen und Umgebungszustände der Einsatzperson an jenem Tag
justiert.
[0023] Die Kontrollstelle 4 kann mit einer z.B. Browser-basierten Schnittstelle versehen
werden, welche dem überwachenden Mitarbeiter eine bildliche Übersicht der gegenwärtigen
und/oder historischen Zustände mehrerer Mitarbeiter bereitet. Die Schnittstelle kann
auch so konfiguriert sein, dass gewisse Messwerte bzw. Konstellationen von Messwerten,
die an eine mögliche, sich aufbauende Vorfallsituation deuten, grafisch dargestellt
werden, und zwar obwohl die entsprechenden Messwerte eigentlich noch im Normalbereich
liegen.
[0024] Das System ist vorzugsweise so konfiguriert, dass Sensoren bzw. Sensor-Typen modularisch
angeschlossen werden können. Wenn z.B. das Mobilgerät an einen neuen externen Sensor,
etwa einen Rauchmelder, angeschlossen wird, so kann gleichzeitig ein entsprechender
Satz von Wissensregeln, die das erwartetet Verhalten bzw. ausweichende Verhalten des
Melders definieren, im Backend-Server geladen werden.
[0025] Somit kann das modularische System auch dann verwendet werden, wenn die überwachten
Personen sehr unterschiedlich sind und sich in sehr unterschiedlichen Umgebungen befinden.
[0026] Wie oben erwähnt können die Messdaten, die durch das Mobilgerät 3 gewonnen und im
Backend-Server 2 hinterlegten werden verschiedenster Art sein, wie z.B. körperliche
Bewegungen der Person, biometrische Messungen, Vitalzeichen, Umgebungsmessungen, Geopositionssdaten,
sowie weitere Daten, welche über beliebige Sensorik ermittelt werden. Die gewonnenen
Daten eines Anwenders bilden ein Profil des Anwenders und können für zusätzliche bzw.
alternative Zwecke z.B. ausserhalb des Bereichs Arbeit verwendet werden, wie etwa
Sport, Hobby, Lifestyle, Kommunikation usw. Der Backend-Server kann z.B. eine Identifikationseinheit
aufweisen, mittels welcher die Person und/oder ihre Umgebung an ihre Daten bzw. Profil
eindeutig identifiziert werden können. So kann eine Authentisierung der Person und/oder
ihrer Umgebung erfolgen. Verlangt der Träger des Mobilgeräts 3 Zugang zu einem abgesicherten
Sperrgebiet, zum Beispiel, so kann die Identifikationseinheit anhand der vom Mobilgerät
3 übertragenen Messdaten prüfen, ob die Person und/oder das Sperrgebiet wirklich diejenigigen
sind, die der Träger des Mobilgeräts 3 behauptet. Diese Art von Authentisierung findet
Anwendung in verschiedenen Arten von Situationen, wie z.B. für die Freigabe von Zahlungen,
die mit der Smartwatch getätigt werden.
[0027] Findet das dreistufige Alarmsystem im Sportbereich Einsatz, so können die gewonnenen
Daten auch für Trainings- und/oder Unterhaltungs-Zwecke verwendet werden. Erkennt
der Backend-Server 2 ein bestimmtes Verlaufsmuster in den Messdaten, zum Beispiel,
so kann der Sportler, der das Mobilgerät trägt, automatisch informiert werden und
seine Leistung bzw. Taktik entsprechend anpassen. Für Unterhaltungszwecke können die
Messdaten eines Teilnehmers (etwa ein Rennfahrer) z.B. live übertragen werden.
[0028] Die gewonnenen und im Backend gespeicherten Daten oder Profile können anonymisiert
und in einer mehrdimensionalen Datenbank von Verlaufsmustern hinzugefügt, und zwar
gegebenenfalls mit den entsprechenden Ergebnissen (z.B. Fehlalarm, medizinischer Befund),
die aus den jeweiligen Datensätzen entstanden sind. Mit Anwendung bekannter maschinellen
Lernverfahren kann die Datenbank mit den gewonnenen Daten bzw. Profilen erweitert,
vertieft und/oder bereichert werden.
[0029] Im medizinischen Bereich können die auf dem Backend gespeicherten Daten und/oder
Profile einen Hinweis auf diagnostischen oder therapeutischen Interventionen geben.
Falls der Backend-Server 2 ein bedenkliches Verlaufsmuster erkennt, das dessen eines
Krankheitsanfalls oder sonstiger Abweichung von Normwerten entspricht, so kann der
Träger des Mobilgeräts 3 über die eventuelle Notwendigkeit einer Intervention (medizinisch,
organisatorisch usw.) informiert werden. Bei Schlafstörungen können die hinterlegten
Daten im Backend-Server 2 für Verlaufsmuster durchsucht werden, die auf eine Ursache
der Störung hinweisen.
[0030] Ebenfalls können die Daten für Anwendungszwecke im Bereich Lifestyle verwendet werden.
Das individuelle Verhalten eines Anwenders kann gänzlich oder abschnittsweise mit
abgespeicherten Profilen verglichen, um Optimierungsmöglichkeiten oder Warnungshinweise
im Lifestyle des Anwenders zu identifizieren. Ob Schlaf, Schnarrchen, Stress, Diät,
Blutzucker, Körperhaltung, Bewegungen, Atmung oder Fitness, zum Beispiel, kann anhand
geeigneter Sensoren ein passendes Profil des Anwenders zusammengestellt und mit den
gelernten Daten in der Wissensdatanbank im Backend verglichen werden.
[0031] Tragen mehrere Personen ein erfindungsgemässes Mobilgerät, etwa in vergleichebaren
Umgebungen, so kann der Backend-Server 2 die mehreren Datensätze miteinander vergleichen,
um z.B. eine der Personen zu erkennen, deren Daten ausserhalb eines für die anderen
der Gruppe normalen Bereichs liegen.
[0032] Backend-Server 2 und Kontrollstelle (Kommunikationsgerät) 4 können jeweils aus einer
oder mehreren Einheiten aufgebaut werden, die spezielle Schaltung(en) oder Hardware
und/oder programmierbare Mehrzweck-Rechnergeräte wie z.B. eine Cloud-Plattform aufweisen.
Die Einheit(en) können sogar als App(s) auf einer Smartphone bzw. einer weiteren Smartwatch
ausgeführt werden.
[0033] Die hier erwähnten Merkmale können, soweit nicht anders angegeben, beliebig kombiniert
werden um weitere Ausführungsformen der Erfindung zu bilden.
1. Backend-Server (2) zur automatischen Überwachung eines Zustandes mindestens einer
Einsatzperson, durch Kommunikation (10, 11, 12) mit einem von der Einsatzperson tragbaren
Mobilgerät (3) und mit (13, 14) einem Kommunikationsgerät einer Überwachungs-Kontrollstelle,
dadurch gekennzeichnet dass
- der Backend-Server (2) eine erste Kommunikationseinheit (61) aufweist, welche derart konfiguriert ist, dass Messwerte des körperlichen und/oder
Umgebungszustandes der Einsatzperson vom Mobilgerät (3) empfangbar (10) sind;
- der Backend-Server (2) derart konfiguriert ist, dass ein ausserordentlicher körperlicher
und/oder Umgebungszustand der Einsatzperson aus den durch die erste Kommunikationseinheit
(61) empfangenen Messwerte ermittelbar ist und auf Feststellung des genannten ausserordentlichen
körperlichen und/oder Umgebungszustands, ein erstes Totmann-Anfragesignal (11) automatisch
an das Mobilgerät übertragbar ist, und falls kein Entwarnungssignal (12) in Antwort
auf das erste Totmann-Anfragesignal (1) von dem Mobilgerät (3) empfangen wird, ein
zweites Totmann-Anfragesignal (13) automatisch an das Kommunikationsgerät (4) der
Überwachungs-Kontrollstelle übertragbar ist, und, falls ein zweites Entwarnungssignal
(12, 14) in Antwort auf das zweite Totmann-Anfragesignal weder von dem Mobilgerät
(3) noch von dem Kommunikationsgerät (4) der Kontrollstelle empfangen wird, ein Alarmsignal
(15) auslösbar ist.
2. Ein von einer Einsatzperson tragbares Mobilgerät (3) zur Kommunikation mit einem Backend-Server
(2) gemäss Anspruch 1, das Mobilgerät (3)
gekennzeichnet durch:
- eine zweite Kommunikationseinheit zur Kommunikation mit der ersten Kommunikationseinheit
(61) des Backend-Servers (2);
- mindestens einen Sensor zur Ermittlung von Messwerten eines körperlichen und/oder
Umgebungszustandes der Einsatzperson;
- eine Bedienerschnittstelle zur Kommunikation mit der Einsatzperson; und
- eine Steuereinheit;
wobei die Steuereinheit, die zweite Kommunikationseinheit und der mindestens ein Sensor
derart konfiguriert sind, dass die Messwerte ermittelbar und an den Backend-Server
(2) übertragbar sind;
wobei die Steuereinheit und die Kommunikationseinheit derart konfiguriert sind, dass
ein erstes Totmann-Anfragesignal (11) von der ersten Kommunikationseinheit (6
1) empfangbar ist und dass, nach einem Empfang des ersten Anfragesignals (11), ein
erstes Entwarnungssignal (12) an die erste Kommunikationseinheit (6
1) übermittelbar ist.
3. Mobilgerät gemäss Anspruch 2, welches eine Bedienerschnittstelle zur Kommunikation
mit der Einsatzperson aufweist, wobei das Entwarnungssignal (12) durch manuelle Betätigung
der Bedienerschnittstelle auslösbar ist.
4. Mobilgerät gemäss Anspruch 2 oder 3, wobei das Mobilgerät (3) eine Smartwatch ist.
5. System (1) zur Überwachung des Zustandes mindestens einer Einsatzperson, wobei das
System (1) einen Backend-Server (2) gemäss Anspruch 1, mindestens ein von mindestens
der Einsatzperson tragbares Mobilgerät (3) gemäss einem der Ansprüche 2 bis 4 und
ein Kommunikationsgerät (4) einer Kontrollstelle aufweist.
6. System (1) gemäss Anspruch 5, welches mindestens einen Fernsensor aufweist, zum Erfassen
der genannten Messwerte eines körperlichen und/oder Umgebungszustandes der Einsatzperson,
wobei die Messwerte des mindestens einen Fernsensors über eine drahtlose Kommunikationsverbindung
an das Mobilgerät (3) übermittelbar sind.
7. System (1) gemäss einem der Ansprüche 5 oder 6, wobei die Messwerte der körperlichen
und/oder Umgebungszustände eine oder mehrere aus Körperbewegung, Körperorientierung,
Blutdruckmessung, Blut-O2-Messung, Blutzuckermessung, Harnstoffmessung, Blut-CO2-Messung, Herzschlagfrequenz, Atmungsfrequenz, Umgebungs-CO2-Messung, Umgebung-CO-Messung umfassen.
8. Verfahren (100) zur automatischen Überwachung der körperlichen und/oder Umgebungszustände
mindestens einer Einsatzperson,
gekennzeichnet durch:
- einen ersten Schritt (110), in welchem Messwerte des körperlichen und/oder Umgebungszustandes
der Einsatzperson, von einem von der Einsatzperson getragenen Mobilgerät (3) an einen
Backend-Server (2) übertragen werden, ausgewertet werden, wobei nach Messwerten, die
ausserhalb eines vorbestimmten ersten Sollbereichs liegen, gesucht wird;
- einen zweiten Schritt (130), in welchem, falls eine erste Bedingung erfüllt ist,
ein erstes Totmann-Anfragesignal (11) automatisch an das Mobilgerät (3) übertragen
wird, wobei die erste Bedingung ein Feststellen (120) mindestens eines der Messwerte,
das ausserhalb eines vorbestimmten ersten Sollbereichs liegt, umfasst;
- einen dritten Schritt (150), in welchem, falls eine zweite Bedingung erfüllt ist,
ein zweites Totmann-Anfragesignal (13) automatisch an ein Kommunikationsgerät (4)
einer Überwachungs-Kontrollstelle (3) übertragen wird, wobei die zweite Bedingung
ein Empfangen (140) des ersten Entwarnungssignals (12) in Antwort auf das erste Totmann-Anfragesignal
umfasst;
- einen vierten Schritt (170), in welchem, falls eine dritte Bedingung erfüllt ist,
ein Alarmsignal (15) ausgelöst wird, wobei die dritte Bedingung ein Empfangen (160)
des zweiten Entwarnungssignals (12, 14) in Antwort auf das zweite Totmann-Anfragesignal
(13) umfasst.
9. Verfahren (101) gemäss Anspruch 8, wobei:
- die genannte Auswertung der Messwerte eine Suche nach Messwerten, die ausserhalb
eines vorbestimmten zweiten Sollbereichs liegen, umfasst, wobei der zweite Sollbereich
breiter als der erste Sollbereich ist, und wobei die zweite Bedingung ein Feststellen
(112) mindestens eines der Messwerte, der ausserhalb des zweiten Sollbereichs liegt,
umfasst; und/oder
- die genannte Auswertung der Messwerte eine Suche nach Messwerten, die ausserhalb
eines vorbestimmten dritten Sollbereichs liegen, umfasst, wobei der dritte Sollbereich
breiter als der zweite Sollbereich ist, und wobei die dritte Bedingung ein Feststellen
(111) mindestens eines der Messwerte, der ausserhalb des dritten Sollbereichs liegt,
umfasst.
10. Verfahren (101) gemäss Anspruch 9, welches einen Kalibrierungsschritt (106) aufweist,
in welchem Kalibrierungsschritt:
der körperliche und/oder der Umgebungszustand der Einsatzperson mittels Kontrollparameter
kontrolliert werden, welche Kontrollparameter Zustandswerte umfassen, die auf eine
andere Weise gewonnen werden als die genannten Messwerte;
der erste, der zweite und/oder der dritte Sollbereich mindestens zum Teil auf Basis
der Zustandsdaten der Kontrollparameter festgelegt werden.