[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Fenster gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs
1.
[0002] Vorgenannte Fenster weisen in der Regel eine Dreheinrichtung und/oder Kippeinrichtung
auf. Sie werden dann als Drehfenster, Kippfenster oder Dreh-Kipp-Fenster bezeichnet.
Besonders große Fenster, insbesondere Dreh-Kipp-Fenster, werden beispielsweise auch
als Balkontüren eingesetzt.
[0003] Das Leben in der Großstadt wird heutzutage von mitunter sehr lauten Geräuschen im
Alltag begleitet. Häfen, Flughäfen, der Straßenverkehr und die Industrie sind nur
einige Verursacher einer ständigen Lärmemission, die mitunter gesundheitliche und
psychische Schäden bei den Anwohnern hervorrufen können.
[0004] Aus diesem Grund stellen Großstädte und Ballungsräume gewisse Lärmschutzanforderungen
für schutzbedürftige Räumlichkeiten. Ein angemessener Lärmschutz kann in der Regel
durch entsprechende Schallschutzfenster realisiert werden.
[0005] Da sich allerdings der Trend abzeichnet in Wohngegenden zu ziehen, die einer sehr
hohen Lärmimmission unterliegen (z.B. in direkter Nähe zu Häfen o.ä.), stoßen die
herkömmlichen Schallschutzfenster an Ihre Grenzen.
[0006] Der Schallschutz könnte ohne weiteres durch ein nicht zu öffnendes Schallschutzfenster
mit entsprechenden Schalldämmeigenschaften vollbracht werden. Dabei wird jedoch der
akustische Kontakt zur Außenwelt unterbunden, der wiederum zum Komfort des Nutzers
nötig ist. Auch kann keine Lüftung über das Fenster vollzogen werden.
[0007] Hier setzt die vorliegende Erfindung an und macht es sich zur Aufgabe, ein verbessertes
Fenster vorzuschlagen, insbesondere ein Kippfenster, Drehfenster oder Dreh-Kipp-Fenster
vorzuschlagen, mit dem Lüftung und Schallschutz gleichzeitig ermöglicht werden kann.
Mit anderen Worten: Der Nutzer soll die Möglichkeit haben, ein Fenster im klassischen
Sinne durch Kippen und/oder Drehen zu öffnen, um zu lüften und um etwas mehr von der
Umwelt wahrzunehmen. Trotzdem sollen aber hohe Schalldämmwerte erreicht werden.
[0008] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch ein Fenster mit den kennzeichnenden Merkmalen
des Anspruchs 1 dadurch gelöst, dass der Blendrahmen mit mindestens einem Lüftungskanal
ausgestattet ist, der eine erste Lüftungskanalöffnung und eine zweite Lüftungskanalöffnung
aufweist, wobei der Blendrahmen zumindest abschnittsweise, vorzugsweise vollständig,
mit einer Dichtung ausgestattet ist, wobei der Flügelrahmen mit einem Verschlussmittel
ausgestattet ist, welches in der ersten Position dazu eingerichtet ist, mindestens
einen, vorzugsweise beide, Lüftungskanalöffnungen zu verschließen, wobei der Flügelrahmen
in der zweiten Position dazu eingerichtet ist, die Lüftungskanalöffnungen freizugeben
und an der Dichtung anzuliegen. Der bei der Öffnung des Flügels durch Kippen oder
Drehen entstehende Spalt zwischen Flügelrahmen und Blendrahmen wird mittels einer
Dichtung verschlossen und es wird eine effektive Reduktion der Schallübertragung,
insbesondere Dämmung des eintretenden Lärms, ermöglicht. Zur Lüftung erfolgt eine
Umleitung über einen in den Blendrahmen eingelassenen Lüftungskanal, der vorzugsweise
mit schallabsorbierendem Material ausgekleidet wird. Der Lüftungskanal ist so angelegt,
dass er nur bei gekipptem oder gedrehtem Fenster frei liegt und im geschlossenen Zustand
weder eine Schallübertragung noch eine Belüftung zulässt.
[0009] Der Nutzer muss demnach nicht auf den Kontakt zur Außenwelt, so wie eine Belüftung
verzichten und wird des Weiteren vor zu hoher Lärmimmission geschützt.
[0010] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der vorgeschlagenen Erfindung ergeben sich insbesondere
aus den Merkmalen der Unteransprüche. Die Gegenstände bzw. Merkmale der verschiedenen
Ansprüche können grundsätzlich beliebig miteinander kombiniert werden.
[0011] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung kann vorgesehen
sein, dass der Blendrahmen mehrere, vorzugsweise vier, Blendrahmenelemente umfasst,
die zu einem rechteckförmigen Blendrahmen zusammengesetzt sind, wobei der Flügelrahmen
mehrere, vorzugsweise vier, Flügelrahmenelemente umfasst, die zu einem rechteckförmigen
Flügelrahmen zusammengesetzt sind. Die einzelnen Elemente können mit den jeweiligen
Komponenten wie beispielsweise Verschlussmittel, Dichtung und Lüftungskanal ausgestattet
werden.
[0012] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung in einer Ausgestaltung
als Kipp- oder Dreh-Kipp-Fenster kann vorgesehen sein, dass das Fenster eine zum Kippen
des Flügelrahmens in dem Blendrahmen eingerichtete Kippeinrichtung mit einer Kippachse
aufweist, um welche der Flügelrahmen zwischen der ersten Position und der zweiten
Position gekippt werden kann, wobei der Flügelrahmen ein Flügelrahmenelement aufweist,
welches auf der von der Kippachse gegenüberliegenden Seite des Flügelrahmens angeordnet
ist, wobei das Flügelrahmenelement mit dem Verschlussmittel ausgestattet ist, wobei
der Blendrahmen ein zu dem Flügelrahmenelement paralleles und nächstliegendes Blendrahmenelement
mit der Dichtung und dem Lüftungskanal aufweist.
[0013] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung in einer Ausgestaltung
als Dreh- oder Dreh-Kipp-Fenster, kann vorgesehen sein, dass das Fenster eine zum
Drehen des Flügelrahmens in dem Blendrahmen eingerichtete Dreheinrichtung mit einer
Drehachse aufweist, um welche der Flügelrahmen zwischen der ersten Position und der
zweiten Position gedreht werden kann, wobei der Flügelrahmen ein Flügelrahmenelement
aufweist, welches auf der von der Drehachse gegenüberliegenden Seite des Flügelrahmens
angeordnet ist, wobei das Flügelrahmenelement mit dem Verschlussmittel ausgestattet
ist, wobei der Blendrahmen ein zu dem Flügelrahmenelement paralleles und nächstliegendes
Blendrahmenelement mit der Dichtung und dem Lüftungskanal aufweist.
[0014] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung kann
vorgesehen sein, dass es sich bei der dem Flügelrahmenelement zugewandten Dichtung
des Blendrahmenelementes um eine in dem Fensterfalz angeordnete Dichtung, insbesondere
eine Mitteldichtung, die einteilig oder mehrteilig ausgebildet sein kann, handelt.
Eine derartige Dichtung eignet sich in vorteilhafter Weise zur Anlage an einen Flügelrahmen
in einer zweiten Position.
[0015] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung kann
vorgesehen sein, dass die erste Lüftungskanalöffnung und die zweite Lüftungskanalöffnung
in den Fensterfalz hin geöffnet sind. Auf diese Weise sind die Lüftungskanalöffnungen
in der Regel nicht sichtbar, so dass sich das Fenster in einer herkömmlichen Betrachtungsweise
optisch nicht von einem Fenster gemäß dem Stand der Technik unterscheidet.
[0016] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung kann
vorgesehen sein, dass der Weg zwischen der ersten Position und der zweiten Position
des Flügelrahmens gegenüber dem Blendrahmen, gemessen über den Bahnabschnitt, der
von der Oberkante bzw. Seitenkante des Flügelrahmens beim Kippen bzw. Drehen zurückgelegt
wird, 40 bis 50mm, vorzugsweise 45mm, beträgt. Durch die Begrenzung des Dreh- bzw.
Kippwinkels lässt sich sicherstellen, dass eine Dichtung nicht übermäßig ausladend
ausgestaltet sein muss, um an dem Flügelrahmen anliegen zu können.
[0017] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung kann
vorgesehen sein, dass die Dichtung zwischen der ersten Lüftungskanalöffnung und der
zweiten Lüftungskanalöffnung angeordnet ist. Entsprechend ist die Dichtung, bezogen
auf einen Blickwinkel von der Außenseite zur Innenseite des Fensters, zwischen der
ersten Lüftungskanalöffnung und der zweiten Lüftungskanalöffnung angeordnet.
[0018] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung kann
vorgesehen sein, dass der Lüftungskanal zumindest abschnittsweise mit synthetischem
Kautschuk (EPDM) ausgestattet, insbesondere beklebt, ist. Durch diese Maßnahme kann
die Bildung von Kondenswasser in diesem Bereich vermieden werden.
[0019] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der vorgeschlagenen Erfindung kann
vorgesehen sein, dass der Lüftungskanal zumindest abschnittsweise von einer akustischen
Absorberelementanordnung gebildet wird. Durch diese Maßnahme kann zu einer zusätzlichen
Reduktion der Schallübertragung beitragen, insbesondere eine zusätzliche Schalldämmung
vorgenommen werden.
[0020] Weitere Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung werden deutlich anhand der
nachfolgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme auf die
beiliegenden Abbildungen. Darin zeigen:
- Fig. 1
- eine Teildarstellung eines Querschnitts eines erfindungsgemäßen Fensters in einer
ersten Position des Flügelrahmens;
- Fig. 2
- eine Teildarstellung eines Querschnitts eines erfindungsgemäßen Fensters in einer
zweiten Position des Flügelrahmens;
- Fig. 3
- eine Draufsicht auf ein erfindungsgemäßes Fenster in einer ersten Position des Flügelrahmens;
- Fig. 4
- eine Schnittdarstellung eines erfindungsgemäßen Fensters in einer zweiten Position
des Flügelrahmens.
[0021] Folgende Bezugszeichen werden in den Abbildungen verwendet:
- S
- Abstand
1 Blendrahmen
2 Flügelrahmen
3 Kippachse
4 Anschlagdichtung
5 Mittel zur Verhinderung bzw. Reduzierung von Kondenswasser
6 schallabsorbierendes Material
- 11
- Blendrahmenelement
- 12
- Lüftungskanal
- 21
- Flügelrahmenelement
- 22
- Flächenelement
- 111
- erstes Profil
- 112
- zweites Profil
- 113
- Isoliersteg
- 114
- Dichtung
- 121
- erste Lüfungskanalöffnung
- 122
- zweite Lüfungskanalöffnung
- 211
- erstes Profil
- 212
- zweites Profil
- 213
- Isoliersteg
- 214
- Verschlussmittel
[0022] Soweit hier die Begrifflichkeiten "Außen" (A) und "Innen" (I) verwendet werden, ist
damit die Ausrichtung der Komponente insbesondere in den Innenraum eines Gebäudes
oder in Richtung außerhalb des Gebäudes, sprich zur Umgebungsluft gemeint.
[0023] Ein erfindungsgemäßes Fenster umfasst im Wesentlichen einen Blendrahmen 1, einen
Flügelrahmen 2 mit einem Flächenelement 22, beispielsweise einer Isolierglasscheibe,
und vorzugsweise eine Kippeinrichtung oder eine Dreheinrichtung oder eine Kipp-Dreh-Einrichtung.
Insofern ist der Flügelrahmen 2 wahlweise kippbar und/oder drehbar in dem Blendrahmen
1 aufgenommen.
[0024] In einer üblichen Einbaulage des Fensters kann der Flügelrahmen 2 gegenüber dem Blendrahmen
1 über die Kippeinrichtung oder die Dreheinrichtung bzw. Kipp-Dreh-Einrichtung zwischen
einem geschlossenen und einem geöffneten Zustand gekippt oder gedreht werden. Die
Kippachse 3 verläuft dabei in der Regel horizontal, die Drehachse entsprechend vertikal.
Die Öffnung des Fensters mittels der Dreheinrichtung ist dabei aber wesentlich größer
als die Öffnung des Fensters mit der Kippeinrichtung. Weder die Kippeinrichtung, noch
die Dreheinrichtung bzw. die Kipp-Dreh-Einrichtung als solches sind in den Abbildungen
explizit dargestellt. Dem Fachmann sind die einzelnen Einrichtungen jedoch hinreichend
bekannt, so dass hierauf an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden muss.
[0025] Der Blendrahmen 1 umfasst in der Regel vier Blendrahmenelemente, die zu einem rechteckförmigen
Rahmen zusammengefügt sind. Jedes Blendrahmenelement als solches umfasst in der Regel
ein erstes Profil 111, ein zweites Profil 112 und einen oder mehrere die Profile verbindende
Isolierstege 113. Der Blendrahmen ist in der Regel in eine Öffnung eines Mauerwerks
eingesetzt. Das erste Profil 111 kann auf Grund der beabsichtigten Ausrichtung des
Fensters als Außenprofil und das zweite Profil 112 als Innenprofil angesprochen werden.
[0026] Auch der Flügelrahmen umfasst in der Regel vier
Flügelrahmenelemente, die zu einem rechteckförmigen Rahmen zusammengefügt sind. Jedes
Flügelrahmenelement als solches umfasst in der Regel ein erstes Profil 211, ein zweites
Profil 212 und einen oder mehrere die Profile verbindende Isolierstege 213. In dem
Flügelrahmen ist das Flächenelement 22 eingesetzt, in der Regel eine Isolierglasscheibe.
Das erste Profil 211 kann auf Grund der beabsichtigten Ausrichtung des Fensters als
Außenprofil und das zweite Profil 212 als Innenprofil angesprochen werden.
[0027] Die Profile sind in der Regel aus Aluminium gefertigt, wohingegen die Isolierstege
in der Regel aus Kunststoff bestehen. Aber auch andere geeignete Materialien, wie
beispielsweise Holz, sind denkbar.
[0028] Nachfolgend soll zunächst auf die Ausführung des Fensters mit einer Kippeinrichtung
eingegangen werden.
[0029] Von besonderem Interesse ist nachfolgend das in einer üblichen Einbaulage des Fensters
obere horizontale Blendrahmenelement, welches in den Abbildungen mit dem Bezugszeichen
11 bezeichnet werden soll, ferner das obere horizontale Flügelrahmenelement, welches
in den Abbildungen mit dem Bezugszeichen 21 bezeichnet werden soll.
[0030] Wie bereits oben dargestellt, ist der Flügelrahmen 2 über die Kippeinrichtung kippbar
in dem Blendrahmen 1 aufgenommen. In einer üblichen Einbaulage des Fensters verläuft
die Kippachse 3 parallel zu dem unteren horizontalen Blendrahmen- bzw. Flügelrahmenelement
des Fensters. Insofern stellt das obere horizontale Flügelrahmenelement 21 dasjenige
Flügelrahmenelement dar, welches auf der von der Kippachse 3 gegenüberliegenden Seite
des Flügelrahmens 2 angeordnet ist. Dementsprechend stellt das obere horizontale Blendrahmenelement
das zu dem Flügelrahmenelement 21 parallele und nächstliegende Blendrahmenelement
11 dar.
[0031] Mit der zum Kippen des Flügelrahmens 2 in dem Blendrahmen 1 eingerichteten Kippeinrichtung,
kann der Flügelrahmen 2 zwischen einer ersten Position und einer zweiten Position
um die Kippachse 3 gekippt werden. Die erste Position soll dem geschlossenen Fenster
entsprechen.
[0032] In einem gekippten Zustand des Flügelrahmens 2 entsteht bei herkömmlichen Fenstern
entsprechend ein Spalt zwischen dem oberen horizontalen Blendrahmenelement 11 und
dem oberen horizontalen Flügelrahmenelement 21. Durch diesen Spalt erfolgt der größte
Teil der Lüftung.
[0033] Die Lüftung in diesem Bereich ist jedoch bei dem erfindungsgemäßen Fenster anders
gelöst. Es ist vorgesehen, dass der Blendrahmen 1, insbesondere das Blendrahmenelement
11, mit mindestens einem Lüftungskanal 12 ausgestattet ist, der eine erste Lüftungskanalöffnung
121 und eine zweite Lüftungskanalöffnung 122 aufweist, wobei der Blendrahmen 1, insbesondere
das Blendrahmenelement 11, mit einer dem Flügelrahmen 2, insbesondere dem Flügelrahmenelement
21, zugewandten Dichtung 114 ausgestattet ist, wobei der Flügelrahmen 2, insbesondere
das Flügelrahmenelement 21, mit einem Verschlussmittel 214 ausgestattet ist, welches
in der ersten Position dazu eingerichtet ist, mindestens einen, vorzugsweise beide,
Lüftungskanalöffnungen 121, 122 zu verschließen, wobei der Flügelrahmen 2, insbesondere
das Flügelrahmenelement 21, in der zweiten Position dazu eingerichtet ist, die Lüftungskanalöffnungen
121, 122 freizugeben bzw. zu öffnen und an der Dichtung 114 anzuliegen.
[0034] Das Verschlussmittel 214 kann unterschiedlich ausgestaltet sein. Es kann beispielsweise
durch den Isoliersteg 213 des Flügelrahmenelementes 21, eine Anschlagdichtung 4 und/oder
auch in Zusammenspiel mit der Dichtung 114 oder Teilen der Dichtung 114 gebildet werden.
Letztendlich geht es darum, die Lüftung durch den Lüftungskanal bei geschlossenem
Fenster, sprich dem Flügelrahmen in seiner ersten Position, zu unterbinden und in
der zweiten Position freizugeben.
[0035] Durch diese Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Fensters kann folgender Effekt erzielt
werden. Bei geschlossenem Fenster, was der ersten Position des Flügelrahmens 2 entspricht,
ist der Schallschutz im Wesentlichen wie bei einem nicht zu öffnenden Fenster gewährleistet,
es findet jedoch keine Lüftung statt. Wird der Flügelrahmen 2 in die zweite Position
gekippt, gibt das Verschlussmittel 214 die Lüftungskanalöffnungen 121, 122 frei, jedoch
liegt die Dichtung 114 des oberen horizontalen Blendrahmenelementes 11 an dem oberen
horizontalen Flügelrahmenelement 21 mittelbar oder unmittelbar an, so dass letztendlich
kein Spalt zwischen dem obersten horizontalen Blendrahmenelement 11 und dem obersten
horizontalen Flügelrahmenelement 21 entsteht, durch den Luft, wie bei einem herkömmlichen
Fenster welches auf Kipp steht, ausgetauscht werden kann. Vielmehr ist dieser Spalt
durch die Dichtung 114 verschlossen, so dass eine Schalldämmung stattfindet, gleichermaßen
jedoch eine Lüftung über den Lüftungskanal 12 stattfinden kann. Der Lüftungskanal
12 wirkt sozusagen wie ein Bypass an dem durch die Dichtung 114 verschlossenen Spalt
vorbei. Entsprechend ist die Dichtung 114, bezogen auf einen Blickwinkel von der Außenseite
zur Innenseite des Fensters, zwischen der ersten Lüftungskanalöffnung 121 und der
zweiten Lüftungskanalöffnung 122 angeordnet. Mit anderen Worten ist die erste Lüftungskanalöffnung
121 auf der der Außenseite zugewandten Seite in der Fensterfalz des Blendrahmens 1
bzw. des Blendrahmenelementes 11 vorgesehen, während die zweite Lüftungskanalöffnung
122 auf der der Innenseite zugewandten Seite der Fensterfalz des Blendrahmens 1 bzw.
des Blendrahmenelementes 11 angeordnet ist.
[0036] Es wurde oben zunächst davon ausgegangen, dass die geöffnete Kippposition der zweiten
(Kipp)Position des Flügelrahmens entspricht, in der die die Lüftungskanalöffnungen
121, 122 freigegeben sind und der Flügelrahmen zumindest abschnittsweise an der Dichtung
114 anliegt. Dies muss nicht zwangsläufig so sein. Es kann beispielsweise vorgesehen
sein, dass der Kippwinkel, sprich der Winkel, den der Flügelrahmen 2 in der zweiten
Position einnimmt, geringer als bei einem herkömmlichen Kippfenster ausgestaltet ist
bzw. eine weitere geöffnete Kippposition existiert, bei welcher der Kippwinkel noch
größer als in der zweiten Position ausgestaltet ist, die Dichtung 114 jedoch nicht
mehr an dem Flügelrahmen, insbesondere dem oberen Flügelrahmenelement anliegt. Dies
kann beispielsweise durch einen nicht dargestellten schaltbaren Begrenzer im Kippmechanismus
realisiert werden. Wird beispielsweise der Begrenzer aktiviert, lässt sich der Flügelrahmen
lediglich in die zweite Position kippen. Die Lüftung findet über den Lüftungskanal
12 statt. Wird der Begrenzer deaktiviert, kann der Flügelrahmen weiter in die geöffnete
Position gekippt werden. Das erfindungsgemäße Fenster lüftet wie ein herkömmliches
Fenster.
[0037] In der zweiten Position soll bevorzugt ein Abschnitt des Flügelrahmenelementes 21
unter dem Blendrahmenelement 11 verbleiben, damit die Dichtung 114 auf dem Flügelrahmen
2 aufliegen kann. Ein bevorzugter Abstand zwischen dem Flügelrahmenelement und dem
Blendrahmenelement beträgt dabei 40 bis 50mm, insbesondere 45mm. Der Abstand ist mit
dem Maß S in der Fig. 2 eingezeichnet. Es könnte auch davon gesprochen werden, dass
der Bahnabschnitt S, der von der Oberkante des Flügelrahmens beim Kippen zwischen
der ersten und der zweiten Position zurückgelegt werden soll, maximal 40 bis 50mm,
vorzugsweise 45mm betragen soll. Dies könnte durch den oben bereits skizzierten Begrenzer
erreicht werden.
[0038] Das oben skizzierte Lüftungsprinzip bei einem Kippfenster lässt sich auch auf ein
Drehfenster und entsprechend natürlich auf ein Dreh-Kipp-Fenster übertragen. Auch
eine Anwendung in einem Fenster mit einer Parallel-Abstelleinrichtung für den Flügelrahmen
ist denkbar.
[0039] Im Wesentlichen ist hier vorzugsweise vorgesehen, dass das Fenster die zum Drehen
des Flügelrahmens 2 in dem Blendrahmen 1 eingerichtete Dreheinrichtung mit einer Drehachse
3a aufweist, um welche der Flügelrahmen zwischen der ersten Position und der zweiten
Position gedreht werden kann, wobei der Flügelrahmen 2 ein Flügelrahmenelement 21a
aufweist, welches auf der von der Drehachse 3a gegenüberliegenden Seite des Flügelrahmens
2 angeordnet ist, wobei der Blendrahmen 1 ein zu dem Flügelrahmenelement 21a paralleles
und nächstliegendes Blendrahmenelement 11a mit der Dichtung 114 aufweist. Auch hier
kann der Flügelrahmen aus der ersten Position, welcher dem geschlossenen Fenster entspricht,
in eine zweite Position gedreht werden, in welcher die Lüftungskanalöffnungen 121,
122 freigegeben sind und der Flügelrahmen zumindest abschnittsweise, vorzugsweise
das Flügelrahmenelement 21a, an der Dichtung 114 anliegt.
[0040] Auch hier kann vorgesehen sein, dass ein schaltbarer Begrenzer in der Dreheinrichtung
vorgesehen ist, mit dem der Drehwinkel auf den Weg zwischen der ersten Position und
der zweiten Position wahlweise beschränkt werden kann, insbesondere auf das bereits
vorgenannte Maß S. In diesem Falle erfolgt die Lüftung entsprechend über den Lüftungskanal
12. Mit deaktiviertem Begrenzer kann der Fensterflügel entsprechend weiter aufgeschwenkt
werden, wie es von einem herkömmlichen Fenster bekannt ist. In diesem Falle liegt
die Dichtung 114 natürlich nicht mehr auf dem Flügelrahmen 2 auf. Die Lüftung erfolgt
ganz gewöhnlich, aber natürlich nicht mehr schallgedämmt, über das offene Fenster.
[0041] Der Lüftungskanal 12 als solches muss nicht zwangsläufig als durchgängiges, ummanteltes
Rohr ausgestaltet sein. Vielmehr können eine Anzahl von Öffnungen in dem Blendrahmenelement
11, insbesondere in den Isolierstegen 113 und Profilen 111, 112, den Lüftungskanal
12 ausbilden.
[0042] Auch kann vorgesehen sein, dass zahlreiche, über die Länge des Blendrahmens 1 oder
des Blendrahmenelementes 11 bzw. 11a verteilte erste und zweite Lüftungskanalöffnungen
121, 122 vorgesehen sind, die letztendlich alle gemeinsam von dem oder den Verschlussmittel(n)
verschlossen bzw. freigegeben werden können.
[0043] Die Dichtung 114 ist vorzugsweise an dem ersten Blendrahmenelement 11 bzw. 11a angebracht
und verläuft vorzugsweise über die gesamte Länge des Blendrahmenelementes 11 bzw.
11a. Es kann ebenso vorgesehen sein, dass die Dichtung 114 an dem gesamten Blendrahmen
1, sprich an allen vier Blendrahmenelementen angebracht ist oder auch nur an einzelnen
oder einem. Letztendlich ist dort eine Dichtung 114 sinnvoll, wo in einer zweiten
Position des Flügelrahmens 2 ein sich ansonsten bildender Spalt verschlossen werden
kann. Es handelt sich bei der Dichtung 114 vorzugsweise um eine sehr dehnbare Dichtung
aus einem elastischen Material, vorzugsweise eine Hohlkammerdichtung.
[0044] Es kann ferner vorzugsweise vorgesehen sein, dass der Lüftungskanal 12 zumindest
abschnittsweise, vorzugsweise die nach außen gerichtete Seite des Lüftungskanals 12,
mit einem Mittel 5 zur Verhinderung bzw. Reduzierung von Kondenswasser, wie beispielsweise
synthetischem Kautschuk (EPDM - Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk), beklebt ist. Durch
diese Maßnahme kann die Bildung von Kondenswasser in diesem Bereich reduziert oder
vermieden werden.
[0045] Es kann ferner vorgesehen sein, dass der Lüftungskanal zumindest abschnittsweise
von einer akustischen Absorberelementanordnung, umfassend ein oder mehrere akustische
Absorberelemente, gebildet wird. Als Material für die akustische Absorberelementanordnung
kommt beispielsweise Mineralfaser in Frage. Hierdurch kann vermieden oder es zumindest
reduziert werden, dass Schall bei gekipptem oder gedrehtem Fenster über den Lüftungskanal
übertragen wird. Auch kann der Lüftungskanal in Strömungsrichtung unterschiedliche
Querschnitte und/oder Umlenkungen aufweisen. Auch diese Maßnahmen können zu einer
Reduktion der Schallübertragung über den Lüftungskanal beitragen.
[0046] Die Lüftungskanalöffnungen 121, 122 sind dabei in der Regel in der Fensterfalz vorgesehen.
Denkbar sind aber auch andere Orte, wobei jedoch gewährleistet werden sollte, dass
diese in einer ersten Position des Flügelrahmens 2 verschlossen und in einer zweiten
Position des Flügelrahmens 2 geöffnet sind.
[0047] Die Anordnung von Dichtung 114 und Lüftungskanal 12 kann grundsätzlich auch vice
versa oder sogar über Kreuz ausgestaltet sein, sprich die Dichtung 114 und der Lüftungskanal
12 an bzw. in dem Flügelrahmen 2 bzw. die Dichtung 114 an dem Flügelrahmen 2 oder
dem Blendrahmen 1 bzw. der Lüftungskanal 12 in dem Flügelrahmen 2 oder dem Blendrahmen
1.
[0048] Es kann ferner vorgesehen sein, dass der Lüftungskanal 12 in Strömungsrichtung unterschiedliche
Querschnitte aufweist. Auch diese Maßnahme kann zur Reduktion der Schallübertragung
beitragen.
1. Fenster, insbesondere Kippfenster, Drehfenster oder Dreh-Kipp-Fenster, umfassend mindestens
- einen Blendrahmen (1) und einen Flügelrahmen (2) mit einem Flächenelement (22),
wobei
- der Flügelrahmen mindestens zwischen einer ersten Position und einer zweiten Position
drehbar und/oder kippbar in dem Blendrahmen aufgenommen ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- der Blendrahmen (1) mit mindestens einem Lüftungskanal (12) ausgestattet ist, der
eine erste Lüftungskanalöffnung (121) und eine zweite Lüftungskanalöffnung (122) aufweist,
wobei
- der Blendrahmen (1) zumindest abschnittsweise, vorzugsweise vollständig, mit einer
Dichtung (114) ausgestattet ist, wobei
- der Flügelrahmen (2) mit einem Verschlussmittel (214) ausgestattet ist, welches
in der ersten Position dazu eingerichtet ist, mindestens einen, vorzugsweise beide,
Lüftungskanalöffnungen (121, 122) zu verschließen, wobei
- der Flügelrahmen (2) in der zweiten Position dazu eingerichtet ist, die Lüftungskanalöffnungen
(121, 122) freizugeben und an der Dichtung (114) anzuliegen.
2. Fenster nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Blendrahmen mehrere, vorzugsweise vier, Blendrahmenelemente umfasst, die zu einem
rechteckförmigen Blendrahmen zusammengesetzt sind, wobei der Flügelrahmen mehrere,
vorzugsweise vier, Flügelrahmenelemente umfasst, die zu einem rechteckförmigen Flügelrahmen
zusammengesetzt sind.
3. Fenster nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das Fenster eine zum Kippen des Flügelrahmens (2) in dem Blendrahmen (1) eingerichtete
Kippeinrichtung mit einer Kippachse (3) aufweist, um welche der Flügelrahmen zwischen
der ersten Position und der zweiten Position gekippt werden kann, wobei
- der Flügelrahmen (2) ein Flügelrahmenelement (21) aufweist, welches auf der von
der Kippachse (3) gegenüberliegenden Seite des Flügelrahmens (2) angeordnet ist, wobei
das Flügelrahmenelement (21) mit dem Verschlussmittel (214) ausgestattet ist, wobei
- der Blendrahmen (1) ein zu dem Flügelrahmenelement (21) paralleles und nächstliegendes
Blendrahmenelement (11) mit der Dichtung (114) und dem Lüftungskanal (12) aufweist.
4. Fenster nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das Fenster eine zum Drehen des Flügelrahmens (2) in dem Blendrahmen (1) eingerichtete
Dreheinrichtung mit einer Drehachse (3a) aufweist, um welche der Flügelrahmen zwischen
der ersten Position und der zweiten Position gedreht werden kann, wobei
- der Flügelrahmen (2) ein Flügelrahmenelement (21a) aufweist, welches auf der von
der Drehachse (3a) gegenüberliegenden Seite des Flügelrahmens (2) angeordnet ist,
wobei das Flügelrahmenelement (21a) mit dem Verschlussmittel (214) ausgestattet ist,
wobei
- der Blendrahmen (1) ein zu dem Flügelrahmenelement (21a) paralleles und nächstliegendes
Blendrahmenelement (11a) mit der Dichtung (114) und dem Lüftungskanal (12) aufweist.
5. Fenster nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Blendrahmenelement (11, 11a) ein erstes Profil (111), ein zweites Profil (112)
und mindestens einen, die Profile (111, 112) verbindenden, Isoliersteg (113) umfasst
und/oder dass das Flügelrahmenelement (21, 21a) ein erstes Profil (211), ein zweites
Profil (212) und mindestens einen, die Profile (211, 212) verbindenden Isoliersteg
(213) umfasst.
6. Fenster nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der Dichtung (114) um eine in dem Fensterfalz angeordnete Dichtung, insbesondere
eine Mitteldichtung, handelt.
7. Fenster nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Lüftungskanalöffnung (121) und die zweite Lüftungskanalöffnung (122) in
den Fensterfalz hin geöffnet sind.
8. Fenster nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Weg zwischen der ersten Position und der zweiten Position des Flügelrahmens (2)
gegenüber dem Blendrahmen (1), gemessen über den Bahnabschnitt S, der von der Oberkante
bzw. Seitenkante des Flügelrahmens beim Kippen oder Drehen zurückgelegt wird, 40 bis
50mm, vorzugsweise 45mm, beträgt.
9. Fenster nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Dichtung (114) zwischen der ersten Lüftungskanalöffnung (121) und der zweiten
Lüftungskanalöffnung (122) angeordnet ist.
10. Fenster nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Lüftungskanal (12) zumindest abschnittsweise mit einem Mittel (5) zur Verhinderung
bzw. Reduzierung von Kondenswasser ausgestattet ist und/oder dass der Lüftungskanal
(12) zumindest abschnittsweise von einer akustischen Absorberelementanordnung gebildet
wird.