[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf das Gebiet von Schutzschichten für Stähle,
insbesondere presshärtbare Stähle.
[0002] Im Automobilbau werden für bestimmte Fahrzeuge heute einige Bauteile beispielsweise
aus Mangan-Bor-Stahl (22MnB5) gefertigt. Mit dieser Stahlsorte können durch Warmumformhärtung
Festigkeiten über 1500 MPa erreicht werden, gegenüber herkömmlichen bei Kaltumformung
üblichen Werten von bis zu 1100 MPa. Bei der Warmumformung wird der Stahl durch Aufheizen
auf 950°C unter Luft- oder Schutzgasatmosphäre (Stickstoff) in den austenitischen
Bereich gebracht, anschließend ins Umformwerkzeug überführt, umgeformt und während
der Verformung im Umformwerkzeug schnell abgekühlt. Bei dem nur wenige Sekunden dauernden
Prozess zwischen der Entnahme aus dem Ofen, der Umformung und der Härtung wird im
Stahlteil, durch die schnelle Abkühlung auf Temperaturen unter 400°C, eine martensitische
Gefügestruktur mit großer Festigkeit erzeugt.
[0003] Ein Problem bei diesem Prozess ist die Verzunderung der Bauteile, die sofort auftritt,
sobald das erwärmte Bauteil (850° - 950° C) aus dem Schutzgas enthaltenden Ofen genommen
wird und mit Luftsauerstoff in Berührung kommt. Wird das Bauteil unter Luftatmosphäre
austenitisiert, dann erfolgt eine starke Verzunderung der Oberfläche bereits ab 540°C.
[0004] Die dabei entstehende Zunderschicht ist inhomogen, spröde, platzt schollenförmig
ab und bietet RD 42016 / A1:AH keine Basis für Folgeprozesse wie Schweißen, KTL-Lackierung
etc. Daher wird vor der Weiterverarbeitung des Bauteils die Oxidschicht durch Strahlen
entfernt.
[0005] Dieses Abstrahlen, das zum Teil von Hand durchgeführt wird, ist ein zeitaufwendiger
und teurer Prozess und mit starker Schmutz- und Staubentwicklung verbunden. Insbesondere
beim Sandstrahlen entstehen feinste Stäube, wodurch es nur unter Beachtung des Arbeitsschutzes
durchgeführt werden kann. (Staubabsaugung in einer separaten Kammer, oder Atemmaske
für den Arbeiter).
[0006] Zudem bleiben Bruchteile der Zunderschicht im Umformwerkzeug zurück, was zu einem
starken Verschleiß der Umformwerkzeuge führt, wodurch diese regelmäßig und mit großem
Arbeits- und Zeitaufwand ausgetauscht werden müssen, was einem Durchlauf der gewünschten
Stückzahlen in der Serienproduktion extrem entgegensteht.
[0007] Daher existiert eine sehr starke Nachfrage bzw. stellt sich die Aufgabe, Verfahren
bereitzustellen, die die Verzunderung im Warmumformprozess von vorn herein vermindern
und die insbesondere bei vielen Anwendungen das Stahlsubstrat vor und während der
Austenitisierung und Umformung schützt.
[0008] Diese Aufgabe wird durch den Gegenstand des Anspruchs 1 gelöst. Demgemäß wird eine
Schutzschicht für Stähle, insbesondere presshärtbare Stähle bereitgestellt, die dadurch
gekennzeichnet ist, dass diese mindestens zwei Schichten umfasst, welche beide unabhängig
voneinander überwiegend aus einem Oxidmaterial bestehen und wobei die dem Stahl nächste
Schicht (im Folgenden "erste Schicht" genannt) eine Glasübergangstemperatur von ≥400°C
und ≤500°C aufweist, und die Außenschicht (im Folgenden "zweite Schicht" genannt)
eine Glasübergangstemperatur von ≥500°C und ≤900°C aufweist
[0009] Die Glasübergangstemperatur kann dabei insbesondere durch Dilatometrie der gesinterten
Schichtkörper gemessen werden.
[0010] Der Term "überwiegend bestehen" im Sinne der vorliegenden Erfindung beinhaltet und/oder
umfasst insbesondere einen Gew.-% Anteil von ≥90 Gew-%, mehr bevorzugt ≥95 Gew-% sowie
am meisten bevorzugt ≥97 Gew-%.
[0011] Insbesondere bedeutet der Term "überwiegend aus einem Oxidmaterial bestehen", dass
die betreffende Schicht keine oder ≤3 Gew.-%, noch bevorzugt ≤1 Gew.-% organische
Restbestände von organischen Vorläufersubstanzen (wie z.B. Silanen etc.) enthält.
[0012] Überraschenderweise hat sich gezeigt, dass eine solche Schutzschicht ein gutes Zunderschutzsystem
darstellt, das zugleich mit den heute in der Automobilindustrie eingesetzten Schweißverfahren
gefügt werden kann. Für viele Anwendungen innerhalb der vorliegenden Erfindung erfüllt
die Schutzschicht mindestens einen oder mehrere der folgenden Vorteile:
- Die erste Schicht kann sowohl bei Raumtemperatur als auch bei hohen Temperaturen umgeformt
werden, ohne die Haftung zum Substrat zu verlieren.
- Die zweite Schicht kann bei hohen Temperaturen ≥500°C umgeformt werden, ohne die Haftung
zum Substrat zu verlieren.
- Die zweite Schicht weist eine hohe thermische Resistenz auf, was zu keiner oder sehr
verminderter Rissbildung bei der Umformung des Stahls führt.
- Die Schutzschicht muss nicht wie ein organisch-anorganisches Schichtsystem durch einen
zusätzlichen Prozessschritt nach dem Formhärten entfernt werden, da die in der Automobilindustrie
üblichen Schweißverfahren (Laserschweißen und Widerstandspunktschweißen) ohne weitere
Vorbehandlung eingesetzt werden können.
- Die meist dünne Schutzschicht ist keine limitierende Randbedingung für das Laserstrahlschweißen,
da die Energiedichte so hoch ist, dass der Laserstrahl die Dünnschicht mit dem Substrat
verflüssigt. Beim Widerstandspressschweißprozess wird die sehr dünne Schicht durch
den hohen Anpressdruck der Elektroden auf das Bauteil lokal zerstört, so dass auch
der notwendige elektrische Kontakt hergestellt werden kann.
- Aufgrund der meist geringen Schutzschichtdicke von 2µm - 10µm entstehen bei Schweißverbindungen
deutlich weniger Fremdeinschlüsse als bei den bislang üblichen AlSi-Schichten und
Zn-Schichten. Dies erzeugt deutlich stabilere Fügeverbindungen an den sicherheitsrelevanten
Verbindungsstellen. Durch die niedrigere Schutzschichtdicke als bei den aus dem Stand
der Technik bekannten AlSi-Schichten (25-60 µm) bildet sich eine sogenannte Übergangsphase,
die für eine gute Haftung der Schicht sorgt, schneller, wodurch deutlich höhere Aufheizraten
erreicht werden.
- Die Schutzschicht trägt im nachfolgenden Beschichtungsaufbau zur Nasskorrosionsbeständigkeit
des Stahls bei.
- In der ersten Schicht wird bei Erwärmung über 500°C eine hochviskose Phase gebildet,
wodurch eine gewisse mechanische Flexibilität der Schutzschicht sowie der Schutz gegen
Sauerstoff der Luft erreicht wird.
- Aufgrund des geringen Anteiles an Schmelzphasen in der zweiten Schicht wird bis 950°C
keine oder nur wenig hochviskose Phase gebildet, anders als bei den aus dem Stand
der Technik bekannten AISi-Schichten. Dadurch werden die Ofenrollen bei den Rollenöfen
nicht durch Schmelzphasen des Zunderschutzes infiltriert und dadurch nicht zerstört.
Ebenfalls wird eine Drehung der Bauteile während ihres Ofendurchlaufs ausgeschlossen,
da sich keine Anhaftungen auf den Rollen bilden, die deren Durchmesser partiell vergrößern,
wodurch unterschiedliche Transportgeschwindigkeiten auf einer Rolle entstehen.
- Die Ausgangsschutzschicht enthält vor der Konsolidierung bzw. dem Sintern über 350°C
sehr geringen Organikabbrand (≤5 Gew.-%), der zu weniger dichten Schutzschicht führen
würde. Auch eine Emission von umwelt- und gesundheitsschädlichen organischen Verbindungen
findet nicht statt.
[0013] Es sei angemerkt, dass die vorliegende Schutzschicht nicht auf zwei Schichten beschränkt
ist, sondern auch aus mehreren Schichten bestehen kann.
[0014] Im Folgenden seien alle Schichten, die die oben genannte Definition der ersten bzw.
zweiten Schicht erfüllen, zusammengefasst, d.h. der Term "erste Schicht" bezieht sich
auf alle Schichten, welche die oben genannten Bedingungen erfüllen, die zweite ebenso.
[0015] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung weist die erste
Schicht eine Glasübergangstemperatur von ≥450°C und ≤480°C auf. Dies hat sich bei
vielen Anwendungen der vorliegenden Erfindung als vorteilhaft erwiesen.
[0016] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung weist die zweite
Schicht eine Glasübergangstemperatur von ≥600°C und ≤750°C auf. Dies hat sich bei
vielen Anwendungen der vorliegenden Erfindung als vorteilhaft erwiesen.
[0017] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird die erste und/oder zweite Schicht aus
einer jeweiligen Ausgangsschicht durch einen Sintervorgang hergestellt. Unter "Ausgangsschicht"
wird somit im Sinne der vorliegenden Erfindung eine ungesinterte Schicht verstanden,
aus der durch Sintern die jeweilige endgültige Schicht, welche Teil der erfindungsgemäßen
Schutzschicht darstellt, herstellbar ist.
[0018] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung umfasst dabei
die erste und/oder zweite Ausgangsschicht nanopartikulären Oxidpartikel. Bevorzugt
ist dabei die durchschnittliche Größe der oxydischen Nanopartikel in einer Schicht
zwischen ≥5 nm bis ≤100 nm, wobei eine regelmäßige Größenstreuung der Partikel bevorzugt
ist.
[0019] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung werden die erste
und/oder die zweite Schicht und/oder die jeweiligen Ausgangsschichten aus Ausgangsstoffen
(Edukten) aus der Gruppe umfassend Oxide, Hydroxide, Carbonate, Nitrate, Silicate
sowie Salze organischer Säuren von Al, As, B, Ba, Ca, Ce, Co, Cr, Cu, Eu, Fe, K, La,
Li, Mg, Mo, Mn, Na, Ni, P, Sb, Sm, Ti, V, W, Zn, Zr sowie Mischungen daraus erzeugt.
[0020] Im Sinne der vorliegenden Erfindung bedeutet und/oder umfasst der Term "Ausgangsstoff(e)"
insbesondere, dass die betreffende Ausgangsschicht aus diesem/diesen Stoff(en) hergestellt
wird, wobei sich üblicherweise Mischverbindungen / Mischoxide oder ähnliche Verbindungen
bilden können.
[0021] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform enthalten die Edukte der ersten und/oder
zweiten Schicht auch noch Additive, ausgewählt aus der Gruppe enthaltend organische
Inhibitoren, Plastifikatoren, Modifikatoren der Nanopartikeloberflächen. Diese brennen
aber bei den meisten Anwendungen bei der thermischen Konsolidierung bzw. Austenitisierung
des darunter liegenden Stahlsubstrats oder auch beim Sintern ab.
[0022] Bevorzugt ist dabei der addierte Anteil (in Gew.-%) von Al
2O
3, SiO
2, TiO
2, und ZrO
2 in der ersten Schicht ≤50%. Es hat sich auf diese Weise herausgestellt, dass die
gewünschten Eigenschaften der ersten Schicht so oftmals besonders einfach eingestellt
werden können.
[0023] Bevorzugt ist dabei der addierte Anteil (in Gew.-%) von Al
2O
3, SiO
2, TiO
2, und ZrO
2 in der zweiten Schicht ≥75%. Es hat sich auf diese Weise herausgestellt, dass die
gewünschten Eigenschaften der zweiten Schicht so oftmals besonders einfach eingestellt
werden können.
[0024] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung beträgt die Gesamtdicke
der Schutzschicht von ≥2 µm bis ≤ 10 µm, bevorzugt ≥4 µm bis ≤ 6 µm Es hat sich herausgestellt,
dass so die Schutzschicht meist über hervorragende Schutzeigenschaften verfügt, aber
gleichzeitig eine gute Verformbarkeit und Handhabbarkeit ermöglicht.
[0025] Bevorzugt beträgt das Verhältnis zwischen der Dicke der ersten und der zweiten Schicht
(jeweils in µm) von ≥0,8 bis ≤1,2. Dies hat sich als vorteilhaft für viele Anwendungen
innerhalb der vorliegenden Erfindung herausgestellt.
[0026] Die vorliegende Erfindung bezieht sich außerdem auf die Verwendung einer erfindungsgemäßen
Schutzschicht als Zunderschutzsystem für Stähle.
[0027] Dabei bedeutet bzw. umfasst der Term "Zunderschutzsystem" insbesondere den Schutz
des Stahles vor Bildung dicker Schichten von Oxidationsprodukten (Zunderschichten)
bei Temperaturen bis zu 950°C in Zeiträumen bis zu 5 Minuten, mehr bevorzugt bis zu
10 Minuten.
[0028] Die vorliegende Erfindung bezieht sich außerdem auf ein Verfahren zur Herstellung
einer oder mehrerer Ausgangsschichten der erfindungsgemäßen Schutzschicht, wobei das
Verfahren ein Sol-Gel-Verfahren umfasst.
[0029] Der Term "Sol-Gel-Verfahren" bedeutet bzw. umfasst insbesondere ein Verfahren unter
Einsatz von polymeren und/oder partikulären Solen sowie kolloidalen Dispersionen,
wobei auch Kombinationen von Solen und Dispersionen möglich sind. Bevorzugt wird die
Ausgangsschutzschicht durch (ggf. mehrmalige) Tauchbeschichtung aufgebracht.
[0030] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens umfasst dieses einen thermischen
Sinterschritt, der nach der Schichtaufbringung durchgeführt wird und durch den so
die endgültige Schutzschicht hergestellt wird.
[0031] Die vorliegende Erfindung bezieht sich außerdem auf eine Verwendung einer erfindungsgemäßen
Schutzschicht bzw. einer Schutzschicht gemäß der oben beschriebenen Verwendung und/oder
einer Schutzschicht hergestellt nach dem oben beschriebenen Verfahren für eines oder
mehrere der folgenden Gebiete:
- Kraftfahrzeugteile
- Bauteile für Schienenfahrzeuge
- Luftfahrzeugkomponenten
- Maschinenteile
[0032] Die vorgenannten sowie die beanspruchten und in den Ausführungsbeispielen beschriebenen
erfindungsgemäß zu verwendenden Bauteile unterliegen in ihrer Größe, Formgestaltung,
Materialauswahl und technischen Konzeption keinen besonderen Ausnahmebedingungen,
so dass die in dem Anwendungsgebiet bekannten Auswahlkriterien uneingeschränkt Anwendung
finden können.
[0033] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile des Gegenstandes der Erfindung ergeben
sich aus den Unteransprüchen sowie aus der nachfolgenden Beschreibung der zugehörigen
beispielhaften Figur. Diese ist rein illustrativ zu verstehen.
[0034] Figur 1 zeigt dabei ein Diagramm, welches die Massezunahme über die Zeit für zwei
Stahlproben, welche mit einer erfindungsgemäßen Schutzschicht beschichtet wurden,
sowie zwei Vergleichsproben angibt.
[0035] Im Folgenden werden die Herstellungsprozesse zweier Schutzschichten A und B beschrieben,
jeweils mit einer ersten und einer zweiten Schicht. Dabei werden, wenn nicht anders
beschrieben klare Salzlösungen vorbereitet und danach in der gegebenen Reihenfolge
mit kommerziell-zugänglichen Dispersionen anorganischer Nanopartikel zusammengemischt.
[0036] In Tabelle 1 sind die Ausgangskomponenten für die vier Dispersionen gegeben.
Tabelle 1: Edukte für die Herstellung der Dispersionen
| |
|
A (erste) |
A(zweite) |
B(erste) |
B(zweite) |
| LiOH |
g |
0,85 |
0,14 |
0,21 |
0,19 |
| NaOH |
g |
1,20 |
0,56 |
0,80 |
0,16 |
| KOH |
g |
1,12 |
0,67 |
0,56 |
0,90 |
| Na2B4O7*10H2O |
g |
2,5 |
0,275 |
1,25 |
1,45 |
| TiO2(∅ = ca. 25nm, i.e. Nanopartikel) |
g |
2,3 |
|
|
|
| Na2CO3 |
g |
1,9 |
|
|
|
| Al(NO3)3*9H2O |
g |
2,8 |
|
1,4 |
|
| Ca(NO3)2 |
g |
4 |
|
|
|
| KNO3 |
g |
1,5 |
|
0,75 |
|
| H3BO3 |
g |
|
0,36 |
|
|
| NaH2PO4 |
g |
|
0,275 |
|
1,5 |
| Zn(NO3)2 |
g |
|
|
1,05 |
|
| H2O |
g |
60 |
50 |
80 |
60 |
| Levasil 300/30® |
g |
7 |
24 |
2 |
4 |
| Bindzil 50/80® |
g |
3,5 |
12 |
5 |
9 |
| Inhibitor (MBTAH)* |
g |
0,112 |
0,074 |
0,147 |
0,112 |
| Harnstoff |
g |
0,120 |
0,100 |
0,161 |
0,120 |
| CMC** |
g |
0,120 |
0,100 |
0,161 |
0,120 |
*MBTAH - Methylbenzotriazol
** CMC - Carboxymethylcellulose |
Herstellung der Dispersion der ersten Schicht für Schutzschicht A
[0037] Für die Herstellung der ersten Schicht der Schutzschicht A werden zuerst alle Edukte
außer Al(NO
3)
3, Ca(NO
3)
2, Levasil 300/30
® und Bindzil 50/80® in gegebenen Mengen in 55 ml Wasser gelöst. Die schnelle Auflösung
erfolgt bei 40°C. Danach wird der pH kontrolliert, dieser soll zwischen 13 und 14
liegen. Die Korrektur des pH erfolgt durch Zugabe von entweder verdünnter HNO
3- oder (NH
4)OH- Lösungen.
[0038] Anschließend wird unter schnellem Rühren bei 40°C das Bindzil 50/80® (SiO
2-Nanopartikeln) langsam zugegeben. Diese Nanopartikel besitzen eine Korona aus einem
Tensid (1,2-Benzisothiazol-3-(2H)-one), der die Partikeln von Koagulation schützt.
Zu diesem Gemisch wird noch 5 ml Wasser mit aufgelösten Al(NO
3)
3 und Ca(NO
3)
2 unter starkem Rühren langsam hinzugegeben. Später erfolgt die Zugabe von Levasil
300/30
® (SiO
2-Nanopartikeln). Am Ende wird wiederum der pH kontrolliert, der diesmal innerhalb
9-13 liegen soll. Je niedriger er ist, desto länger kann die Dispersion gelagert werden.
Das Ergebnis ist eine milchig-weiße, leicht viskose Lösung. Bei längerem Stehenlassen
neigt sie allerdings zur Ausbildung einer Phasentrennung, was durch Schütteln problemlos
beseitigt werden kann.
Herstellung der Dispersion der zweiten Schicht für Schutzschicht A
[0039] Es wird im Folgenden wie zuvor beschrieben vorgegangen, wenn nicht anders angegeben.
[0040] Zur Herstellung der zweiten Schicht der Schutzschicht A werden alle Edukte außer
Levasil 300/30
® und Bindzil 50/80
® in gegebenen Mengen in 50 ml Wasser bei 40°C aufgelöst. Danach wird der pH auf 9-10
eingestellt. Anschließend wird unter schnellem Rühren bei 40°C das Bindzil 50/80®
und später Levasil 300/30
® langsam hinzugegeben. Das Ergebnis ist eine milchig-weiße, leicht viskose Lösung.
Herstellung der Dispersion der ersten Schicht für Schutzschicht B
[0041] Es werden alle Edukte außer Al(NO
3)
3, Zn(NO
3)
2, Levasil 300/30
® und Bindzil 50/80
® in gegebenen Mengen in 75 ml Wasser aufgelöst. Die schnelle Auflösung erfolgt bei
40°C. Danach wird der pH eingestellt (13-14). Anschließend wird unter schnellem Rühren
bei 40°C das Bindzil 50/80
® (SiO
2-Nanopartikeln) langsam hinzugegeben. Zu diesem Gemisch wird noch 5 ml der wässrigen
Lösung von Al(NO
3)
3 und Zn(NO
3)
2 unter starkem Rühren langsam gegeben. Das Ergebnis ist eine milchig-grün-weiße, leicht
viskose Lösung.
[0042] Später erfolgt die Zugabe von Levasil 300/30
®. Am Ende wird der pH kontrolliert, der innerhalb 9-13 liegen soll.
Herstellung der Dispersion der zweiten Schicht für Schutzschicht B
[0043] Es werden alle Edukte außer Levasil 300/30
® und Bindzil 50/80
® in gegebenen Mengen in 50 ml Wasser bei 40°C aufgelöst. Danach wird der pH eingestellt
(9-10). Anschließend wird unter schnellem Rühren bei 40°C das Bindzil 50/80
® und später Levasil 300/30
® langsam zugegeben. Das Ergebnis ist eine milchig-weiße, leicht viskose Lösung.
Aufbringung auf eine Stahlprobe und Fertigstellung der Schichten
[0044] Im Folgenden werden die Schutzschichten A und B auf zwei Stahlproben (22MnB5, 35
x 15 x 1.5mm
3) aufgebracht. Vor der Beschichtung werden dabei die Stahlproben mit SiO
2-Mikropartikeln (70-110µm) gestrahlt und sie werden in einem Ethanol-Bad in einem
Ultraschallbad (100W) für 3 min von Resten der Sandpartikeln gereinigt. Danach erfolgt
die Aktivierung der Proben durch Tauchen in einer Nital Lösung (2 Gew.-% HNO
3 in Ethanol) für mindestens 5 Sekunden. Nach der Aktivierung werden die Proben mit
Ethanol gespült und mit heißer Luft (bis 350°C) schnell getrocknet.
[0045] Die Beschichtung des Substrates erfolgt mittels Tauchverfahren bei Raumtemperatur.
Die Geschwindigkeit beim Herausziehen beträgt bis zu 50 mm/s.
[0046] Zuerst wird die Dispersion für die Stahl-nah liegende erste Schicht mittels Eintauchen
aufgebracht, gefolgt von schneller Trocknung mit heißer Luft (bis 350°C). Es wird
eine rissfreie, leicht weiß-trübe und trockene Schicht erhalten.
[0047] Als nächster Schritt wird mittels Eintauchen die Dispersion für die äußere, zweite
Schicht aufgebracht, gefolgt von schneller Trocknung mit heißer Luft (bis 350°C).
Es wird eine rissfreie, leicht weiß-trübe und trockene Schicht erhalten.
[0048] Es werden so zwei Schutzschichten A und B erhalten. Die Schichten A und B sind abriebbeständig
und unter den üblichen Bedingungen stabil gegen Luft-Oxidation.
[0049] Anschließend werden die Stahlproben, auf denen die Schutzschichten A und B aufgebracht
sind, in einem vorgeheizten Ofen (900-950°C) bei Luft-Atmosphäre gesintert.
[0050] In Tabelle 2 sind die chemischen Zusammensetzungen sowie die Glasübergangstemperaturen
und die Ausdehnungskoeffizienten der Schutzschichten A und B nach dem Sintern dargestellt.
Tabelle 2:
| Oxid/Gew% |
A (erste) |
A(zweite) |
B(erste) |
B(zweite) |
| SiO2 |
29,50 |
87,26 |
51,73 |
67,26 |
| B2O3 |
6,99 |
3,34 |
7,61 |
6,25 |
| P2O5 |
0,00 |
0,83 |
0,00 |
8,05 |
| Al2O3 |
2,92 |
0,00 |
3,17 |
0,00 |
| Li2O |
4,12 |
0,59 |
2,24 |
1,41 |
| K2O |
12,57 |
3,74 |
13,69 |
8,89 |
| Na2O |
18,99 |
4,24 |
14,01 |
8,14 |
| CaO |
7,28 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
| ZnO |
0,00 |
0,00 |
7,54 |
0,00 |
| TiO2 |
17,63 |
0,00 |
0,00 |
0,00 |
| Tg, °C (η=ca. 1013Poise) |
460,9°C |
602,4°C |
463,2°C |
509,0°C |
| Ausdehnungskoeffizient x107 K-1 (25-400°C) |
168.7±1.5 |
56.2±2.7 |
139.5±4.8 |
103.6±5.9 |
[0051] In Fig. 1 ist die Massezunahme (als Maß für die Oxidation) im Vergleich zu einem
unbeschichteten 22MnB5-Stahlblech sowie einem AlSi-beschichteten 22MnB5-Stahlblech
(Usibor 1500
®) dargestellt. Man sieht, dass die erfindungsgemäßen Schutzschichten (Schichtdicke
6.0±0.5 µm) eine ähnliche Schutzwirkung aufweisen wie das Usibor 1500, welches allerdings
eine erheblich größere Dicke aufweist (AlSi-Schicht ca. 25-30 µm).
[0052] Die einzelnen Kombinationen der Bestandteile und der Merkmale von den bereits erwähnten
Ausführungen sind exemplarisch; der Austausch und die Substitution dieser Lehren mit
anderen Lehren, die in dieser Druckschrift enthalten sind mit den zitierten Druckschriften
werden ebenfalls ausdrücklich erwogen. Der Fachmann erkennt, dass Variationen, Modifikationen
und andere Ausführungen, die hier beschrieben werden, ebenfalls auftreten können ohne
von dem Erfindungsgedanken und dem Umfang der Erfindung abzuweichen.
Entsprechend ist die obengenannte Beschreibung beispielhaft und nicht als beschränkend
anzusehen. Das in den Ansprüchen verwendete Wort umfassen schließt nicht andere Bestandteile
oder Schritte aus. Der unbestimmte Artikel "ein" schließt nicht die Bedeutung eines
Plurals aus. Die bloße Tatsache, dass bestimmte Maße in gegenseitig verschiedenen
Ansprüchen rezitiert werden, verdeutlicht nicht, dass eine Kombination von diesen
Maßen nicht zum Vorteil benutzt werden kann. Der Umfang der Erfindung ist in den folgenden
Ansprüchen definiert und den dazugehörigen Äquivalenten.
1. Schutzschicht für Stähle, dadurch gekennzeichnet, dass diese mindestens zwei Schichten umfasst, welche beide unabhängig voneinander aus
Oxiden bestehen und wobei die dem Stahl nächste Schicht (im Folgenden "erste Schicht"
genannt) eine Glasübergangstemperatur von ≥400°C und ≤500°C aufweist, und die Außenschicht
(im Folgenden "zweite Schicht" genannt) eine Glasübergangstemperatur von ≥500°C und
≤900°C aufweist.
2. Schutzschicht nach Anspruch 1, wobei die erste Schicht eine Glasübergangstemperatur
von ≥450°C und ≤480°C aufweist.
3. Schutzschicht nach Anspruch 1 oder 2, wobei die zweite Schicht eine Glasübergangstemperatur
von ≥600°C und ≤750°C aufweist.
4. Schutzschicht nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei der addierte Anteil (in Gew
- %) von Al2O3, SiO2, TiO2, und ZrO2 in der ersten Schicht ≤50% beträgt.
5. Schutzschicht nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei der addierte Anteil (in Gew
- %) von Al2O3, SiO2, TiO2, und ZrO2 in der zweiten Schicht ≥75% beträgt.
6. Schutzschicht nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Gesamtdicke der Schutzschicht
von ≥2 µm bis ≤ 10 µm, bevorzugt ≥4 µm bis ≤ 6 µm beträgt.
7. Schutzschicht nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei das Verhältnis zwischen der
Dicke der ersten und der zweiten Schicht (jeweils in µm) von ≥0,8 bis ≤1,2 beträgt.
8. Verwendung einer Schutzschicht gemäß der Ansprüche 1 bis 7 als Zunderschutzsystem.
9. Verwendung einer Schutzschicht gemäß einem der Ansprüche 1 bis 7 oder einer Schutzschicht
unter Verwendung von Anspruch 8 für eines oder mehrere der folgenden Gebiete
- Kraftfahrzeugteile
- Bauteile für Schienenfahrzeuge
- Luftfahrzeugkomponenten
- Maschinenteile