[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Reduktionsverfahren zur elektrochemischen
Kohlenstoffdioxid-Verwertung. Kohlenstoffdioxid wird in eine Elektrolysezelle eingeleitet
und an einer Kathode reduziert.
Stand der Technik
[0002] Aktuell wird ca. 80 % des weltweiten Energiebedarfs durch die Verbrennung von fossilen
Brennstoffen gedeckt, deren Verbrennungsprozesse eine weltweite Emission von etwa
34000 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre pro Jahr verursacht. Durch
diese Freisetzung in die Atmosphäre wird der Großteil an Kohlenstoffdioxid entsorgt,
was z.B. bei einem Braunkohlekraftwerk bis zu 50000 Tonnen pro Tag betragen kann.
Kohlenstoffdioxid gehört zu den sogenannten Treibhausgasen, deren negative Auswirkungen
auf die Atmosphäre und das Klima diskutiert werden. Da Kohlenstoffdioxid thermodynamisch
sehr niedrig liegt, kann es nur schwierig zu wiederverwertbaren Produkten reduziert
werden, was die tatsächliche Wiederverwertung von Kohlenstoffdioxid bisher in der
Theorie beziehungsweise in der akademischen Welt belassen hat.
[0003] Ein natürlicher Kohlenstoffdioxid-Abbau erfolgt beispielsweise durch Fotosynthese.
Dabei werden in einem zeitlich und auf molekularer Ebene räumlich in viele Teilschritte
aufgegliederten Prozess Kohlenstoffdioxid zu Kohlehydraten umgesetzt. Dieser Prozess
ist so nicht einfach großtechnisch adaptierbar. Eine Kopie des natürlichen Fotosyntheseprozesses
mit großtechnischer Fotokatalyse ist bisher nicht ausreichend effizient.
[0004] Eine Alternative stellt die elektrochemische Reduktion des Kohlenstoffdioxids dar.
Systematische Untersuchungen der elektrochemischen Reduktion von Kohlenstoffdioxid
sind noch ein relativ junges Entwicklungsfeld. Erst seit wenigen Jahren gibt es Bemühungen,
ein elektrochemisches System zu entwickeln, das eine akzeptable Kohlenstoffdioxidmenge
reduzieren kann. Forschungen im Labormaßstab haben gezeigt, dass zur Elektrolyse von
Kohlenstoffdioxid bevorzugt Metalle als Katalysatoren einzusetzen sind.
[0005] US 2012/228147 A1 offenbart Verfahren und Systeme zur elektrochemischen Herstellung von Ameisensäure
aus Kohlendioxid. Die Kathode ist ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Indium,
Blei, Zinn, Cadmium und Wismut.
US 3 959 094 A offenbart ein Verfahren und ein System zur Synthese von Methanol aus dem CO
2 in Luft unter Verwendung elektrischer Energie. Das CO
2 wird von einer Lösung von KOH absorbiert, um K
2CO
3 zu bilden, das elektrolysiert wird, um Methanol, einen flüssigen Kohlenwasserstoffbrennstoff,
zu erzeugen.
US 2008/223727 A1 offenbart elektrochemische Verfahren zur Reduktion von Kohlendioxid, beispielsweise
die Umwandlung von Kohlendioxid in Formiat-Salze oder Ameisensäure.
[0007] Wird Kohlenstoffdioxid beispielsweise an Silber-, Gold- oder Zink-Kathoden reduziert,
entsteht nahezu ausschließlich Kohlenstoffmonoxid.
| Elektrode |
CH4 |
C2H4 |
C2H5OH |
C3H7OH |
CO |
HCOO |
H2 |
Total |
| Cu |
33.3 |
25.5 |
5.7 |
3.0 |
1.3 |
9.4 |
20.5 |
103.5 |
| Au |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
87.1 |
0.7 |
10.2 |
98.0 |
| Ag |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
81.5 |
0.8 |
12.4 |
94.6 |
| Zn |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
79.4 |
6.1 |
9.9 |
95.4 |
| Pd |
2.9 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
28.3 |
2.8 |
26.2 |
60.2 |
| Ga |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
23.2 |
0.0 |
79.0 |
102.0 |
| Pb |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
97.4 |
5.0 |
102.4 |
| Hg |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
99.5 |
0.0 |
99.5 |
| In |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
2.1 |
94.9 |
3.3 |
100.3 |
| Sn |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
7.1 |
88.4 |
4.6 |
100.1 |
| Cd |
1.3 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
13.9 |
78.4 |
9.4 |
103.0 |
| Tl |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
95.1 |
6.2 |
101.3 |
| Ni |
1.8 |
0.1 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
1.4 |
88.9 |
92.4 |
| Fe |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
94.8 |
94.8 |
| Pt |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.1 |
95.7 |
95.8 |
| Ti |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
0.0 |
99.7 |
99.7 |
Tabelle 1:
[0008] In der Tabelle sind Faraday Effizienzen [%] von Produkten angegeben, die bei der
Kohlenstoffdioxid-Reduktion an verschiedenen Metallelektroden entstehen. Die angegebenen
Werte gelten für eine 0,1 M Kaliumhydrogencarbonatlösung als Elektrolyten und Stromdichten
unterhalb von 10 mA/cm
2.
[0009] An einer Silberkathode würden beispielsweise überwiegend Kohlenmonoxid und nur wenig
Wasserstoff entstehen. Die Reaktionen an Anode und Kathode können mit folgenden Reaktionsgleichungen
dargestellt werden:
| Kathode: |
2 CO2 + 4 e- + 4 H+ → 2 CO + 2 H2O |
| Anode: |
2 H2O → O2 + 4 H+ + 4 e- |
[0010] Wie Tabelle 1 außerdem zu entnehmen ist, entstehen etwa an einer Kupferkathode, eine
Vielzahl an Kohlenwasserstoffen als Reaktionsprodukte. Von besonderem wirtschaftlichem
Interesse ist beispielsweise die elektrochemische Erzeugung von Methan oder Ethylen,
Ethanol oder Monoethylenglykol. Dabei handelt es sich um energetisch höherwertige
Produkte als Kohlenstoffdioxid.
| Ethylen: |
2CO2 + 12e- + 8H2O → C2H4 + 12OH- |
| Methan: |
CO2 + 8e- + 4H2O → CH4 + 4OH- |
| Ethanol: |
2CO2 + 12e- + 9H2O → C2H5OH + 12OH- |
| Monoethylenglykol: |
2CO2 + 10e- + 8H2O → HOC2H4OH + 10OH- |
[0011] Mit einem chloridhaltigen Elektrolyten kann folgende Reaktion an der Anode ablaufen:
2 Cl
- → Cl
2 + 2 e
-
[0012] Bei der elektrochemischen Stoffumsetzung von Kohlenstoffdioxid in ein energetisch
höherwertiges Produkt sind die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit von Interesse sowie
eine Verbesserung hinsichtlich der kontinuierlichen Betreibbarkeit der Elektrolysesysteme.
[0013] Folglich stellt es sich als technisch erforderlich dar, eine verbesserte Lösung für
die elektrochemische Kohlenstoffdioxid-Verwertung vorzuschlagen, welche die aus dem
Stand der Technik bekannten Nachteile vermeidet. Insbesondere soll die vorzuschlagende
Lösung eine kontinuierliche Kohlenstoffdioxidumsetzung ermöglichen. Es ist Aufgabe
der Erfindung, ein verbessertes Reduktionsverfahren zur Kohlenstoffdioxid-Verwertung
anzugeben.
[0014] Diese der vorliegenden Erfindung zugrundeliegenden Aufgaben werden durch ein Reduktionsverfahren
gemäß dem Patentanspruch 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind
Gegenstand der Unteransprüche.
Beschreibung der Erfindung
[0015] Das erfindungsgemäße Reduktionsverfahren zur Kohlenstoffdioxidverwertung mittels
eines Elektrolysesystems ist in Anspruch 1 definiert.
[0016] Ein nicht-erfindungsgemäßes Elektrolysesystem zur Kohlenstoffdioxidverwertung umfasst
zumindest einen Elektrolyseur mit einer Anode in einem Anodenraum und einer Kathode
in einem Kathodenraum, wobei der Kathodenraum zumindest einen Zugang für Kohlenstoffdioxid
aufweist und wobei der Kathodenraum ausgestaltet ist, das zugegangene Kohlenstoffdioxid
in Kontakt mit der Kathode zu bringen. Des Weiteren umfasst der Kathodenraum einen
Katholyten oder ist ausgestaltet, einen Katholyten aufnehmen zu können, wobei der
Katholyt dem Kathodenraum über denselben Zugang wie das Kohlenstoffdioxid oder über
einen separaten zweiten Zugang zugehen kann. Außerdem weist zumindest der Anodenraum,
im Betrieb der Zelle Anoden- und Kathodenraum Alkalikationen auf.
[0017] Als Katholyt wird ein Elektrolyt bezeichnet, der in direktem Einfluss der Kathode
bei der Elektrolyse steht. Entsprechend wird im Folgenden auch von Anolyt gesprochen,
wenn ein Elektrolyt bezeichnet wird, der in direktem Einfluss der Anode bei einer
Elektrolyse steht. Mit Alkalikationen werden positiv geladene Ionen bezeichnet, die
zumindest ein Element der ersten Hauptgruppe des Periodensystems aufweisen.
[0018] Der Anodenraum des Elektrolyseurs weist zumindest einen Zugang für einen Anolyten
auf und umfasst einen Anolyten oder ist zumindest ausgestaltet, über diesen Zugang
einen Anolyten aufzunehmen, wobei dieses Anolyt Chloranionen aufweist.
[0019] Typischerweise sind in dem nicht-erfindungsgemäßen Elektrolysesystem der Anodenraum
und der Kathodenraum durch eine Membran voneinander getrennt. Die Membran ist dabei
zumindest eine mechanisch trennende Schicht, z.B. ein Diaphragma, welches zumindest
die im Anodenraum und Kathodenraum entstehenden Elektrolyseprodukte voneinander trennt.
Man könnte dann auch von Separatormembran oder Trennschicht sprechen. Da es sich bei
den Elektrolyseprodukten insbesondere um gasförmige Stoffe handelt, wird bevorzugt
eine Membran mit einem hohen Bubble-Point von 10 mbar oder größer eingesetzt. Der
sogenannte Bubble-Point ist dabei eine definierende Größe für die eingesetzte Membran,
der beschreibt, ab welchem Druckunterschied ΔP zwischen den zwei Seiten der Membran
ein Gasfluss durch die Membran einsetzen würde. Bei der Membran kann es sich auch
um eine protonen- oder kationenleitende bzw. - durchlässige Membran handeln. Während
Moleküle, Flüssigkeiten oder Gase separiert werden, ist ein Protonen- bzw. Kationenfluss
vom Anodenraum zum Kathodenraum gewährleistet. Vorzugsweise wird eine Membran eingesetzt,
die sulfoniertes Polytetrafluorethylen, z.B. Nafion aufweist.
[0020] Das Elektrolysesystem umfasst des Weiteren zumindest ein Abscheidebecken zur Auskristallisation
eines Alkalihydrogencarbonats und/oder Alkalicarbonats aus dem Katholyten. Insbesondere
weist dieses Abscheidebecken einen Produktauslass auf. Je nach Produkt, ob ein Alkalihydrogencarbonats
und/oder Alkalicarbonat dem Katholyten entnommen werden soll, und je nach Alkalimetall,
kann für einen möglichst vorteilhaften Auskristallisationsprozess auch ein zweites
Abscheidebecken vorgesehen sein. Dieses ist dann typischerweise in Katholytkreislaufrichtung
nach dem ersten Abscheidebecken angeordnet.
[0021] Je nach eingesetztem Kathodenmaterial entstehen bei der Reduktion von Kohlenstoffdioxid
unterschiedliche Produkte: Beispielsweise entstehen Kohlenmonoxid, Ethylen, Methan,
Ethanol oder Monoethylenglykol. In all diesen Fällen entstehen außerdem Hydroxidionen,
welche durch überschüssiges Kohlenstoffdioxid zu Hydrogencarbonat neutralisiert werden.
Die Quelle der Alkalikationen liegt im Anodenraum. Durch die Membran hindurch kompensiert
ein Kationenstrom den durch die angelegte Spannung bedingten elektrischen Strom. Beispielsweise
werden die Alkalikationen und die Chloridanionen in Form eines Chloridsalzes in den
Anolyten zu dosiert. Während die Chloridanionen an der Anode zu Chlor oxidiert werden
und als Chlorgas den Anolytkreislauf verlassen, wandern die Alkalikationen durch die
Membran in den Katholytkreislauf, wo sie im Kathodenraum mit dem dort entstehenden
Carbonat oder Hydrogencarbonat zu einem Alkalicarbonat oder Alkalihydrogencarbonat
reagieren und insbesondere über den separaten Produktauslass des Abscheidebeckens
den Katholytkreislauf verlassen.
[0022] Das nicht-erfindungsgemäße Elektrolysesystem hat den Vorteil, neben Chlor zusätzlich
wenigstens ein Alkalicarbonat und/oder Alkalihydrogencarbonat als chemischen Wertstoff
zu erzeugen. Ob Alkalicarbonat oder Alkalihydrogencarbonat entsteht hängt z.B. vom
Alkalimetall und vom Verwertungsverfahren ab. In wässriger Lösung etwa ist die Löslichkeit
ausschlaggebend. Das schwerlöslichere Carbonat oder Hydrogencarbonat kristallisiert
aus. Bei Natrium und Kalium ist es das Hydrogencarbonat, das schwerlöslicher als das
Carbonat ist und dann in einem Folgeschritt kalziniert werden muss. Die Verbrennung
von Natrium in Kohlenstoffdioxid ist ein Beispiel, bei dem Kohlenstoffmonoxid und
direkt Natriumcarbonat Na
2CO
3 erzeugt wird.
[0023] Darüber hinaus dient das beschriebene, nicht-erfindungsgemäße Elektrolysesystem der
Kohlenstoffdioxidverwertung und es kann auch damit typischerweise noch wenigstens
ein dritter Wertstoff, wie beispielsweise Kohlenstoffmonoxid, Ethylen, Methan, Ethanol
oder Monoethylenglykol bereitgestellt werden. Über die sehr vorteilhafte Ausnutzung
des Ausgleichsstroms durch die Kationen ist damit ein nicht-erfindungsgemäßes Elektrolysesystem
geschaffen, welches eine kontinuierliche Hydrogencarbonatproduktion ermöglicht.
[0024] Wie bereits beschrieben, folgt der eigentlichen Kathodenreaktion, in der das Kohlenstoffdioxid
reduziert wird, eine Folgereaktion, nämlich die Neutralisierung der Hydroxidionen
(OH-). Diese werden insbesondere durch überschüssiges Kohlenstoffdioxid zu Hydrogencarbonat
(HCO
3-) neutralisiert. Dies hat zum einen die Wirkung, dass der pH-Wert im Kathodenraum
dadurch in einem pH-Wertbereich von 6 bis 8 gepuffert wird. Außerdem hat es die Wirkung,
dass die Elektrolytkonzentration kontinuierlich anstiege. Wird aber der Katholyt in
einen Katholytkreislauf geführt, d.h. in den Kathodenraum hinein gepumpt und daraus
auch wieder abgeleitet, kann dem Katholyten das im Kathodenraum entstandene Hydrogencarbonat
entnommen werden. Dazu ist insbesondere im Katholytkreislauf, beispielsweise aber
auch im Anolytkreislauf, jeweils wenigstens eine Pumpe angeordnet, die für einen Elektrolytkreislauf
sorgt.
[0025] Anschließend an die Neutralisierungsreaktion der Hydroxidionen (OH
-) mit überschüssigem Kohlenstoffdioxid zu Hydrogencarbonationen (HCO
3-) reagieren diese bevorzugt mit Alkalikationen weiter zu Alkalihydrogencarbonaten.
Die Alkalikationen, die im Kathodenraum vorliegen, entstammen dem Anodenraum, in den
sie zunächst insbesondere als Alkalichlorid als Oxidationsedukt oder in Form eines
anderen Alkalisalzes, z.B. zur Erhöhung der Leitfähigkeit, eingebracht wurden. In
den Anodenraum nachgeführt werden die Alkalikation bevorzugt als Alkalichlorid. Die
Membran zwischen dem Anoden- und Kathodenraum ist dabei insbesondere so gewählt, dass
der Kationenstrom vom Anodenraum zur Kathode hin im elektrischen Feld des Elektrolyseurs
gewährleistet ist. Die Temperatur- und auch pH-Wertabhängigkeit der Löslichkeit von
Alkalihydrogencarbonaten führt nun dazu, dass unterschiedliche Prozesse zur Auskristallisation
bzw. zur Entnahme aus dem Katholyten vorgenommen werden:
[0026] Zum einen kann die Temperaturabhängigkeit der Löslichkeit der als Elektrolyseprodukt
erwünschten Alkalihydrogencarbonate genutzt werden. Dazu umfasst das Abscheidebecken
vorzugsweise eine Kühlvorrichtung, mittels der der Katholyt im Gegensatz zum Temperaturbereich,
der im Elektrolyseur vorherrscht, um mehrere Grad Kelvin abgekühlt wird. Bevorzugt
liegt die eingestellte Temperaturdifferenz vom Abscheidebecken zum Elektrolyseur bei
mindestens 15 K, insbesondere mindestens 20 K. Je nach Elektrolytkonzentration im
Katholyten und je nach dem, mit welchen Alkalikationen das Hydrogencarbonat gebildet
ist, kann auch eine Temperaturdifferenz zwischen 30 K und 50 K besonders geeignet
sein. Die Temperaturdifferenz zwischen Elektrolyseur und Abscheidebecken kann in einem
Temperaturbereich zwischen 5 K und 70 K liegen.
[0027] Die Absenkung der Temperatur im Abscheidebecken hat den zusätzlichen Vorteil für
das Gesamtsystem, dass eine Abkühlung im Katholytkreislauf vor der Rückführung des
Katholyten in den Kathodenraum erfolgt. Somit wird eine zu hohe systembedingte Wärmeentwicklung,
gerade im Elektrolyseur vermieden. Aber eine gegebenenfalls extra für diesen Zweck
vorgesehene Kühleinrichtung kann eingespart werden.
[0028] Auch bei der Abscheidemethode der Auskristallisation des Alkalihydrogencarbonats
mittels Abkühlung des Katholyten werden bevorzugt pH-Wertpuffer eingesetzt, die beispielsweise
in einem Pufferreservoir dem Abscheidebecken und/oder dem Katholytkreislauf und/oder
dem Kathodenraum zur Verfügung gestellt werden, um das Katholytvolumen entsprechend
zu puffern.
[0029] Der pH-Wert des Katholyten kann auch als solcher für die Steuerung des Abscheidevorgangs
des Alkalihydrogencarbonats aus dem Elektrolyten herangezogen werden. Dazu wird insbesondere
der pH-Wert im Kathodenraum zunächst auf einem höheren Wert, z.B. bei 8 oder höher
gehalten. Dies kann das Gleichgewicht zugunsten des Alkalicarbonats im Gegensatz zum
Alkalihydrogencarbonat verschieben. Zur Auskristallisation im Abscheidebecken wird
dann der pH-Wert abgesenkt, bevorzugt auf einen Wert von 6 oder weniger, was zur Bildung
und Auskristallisation des Alkalihydrogencarbonats führt. Die pH-Wertabsenkung geschieht
typischerweise durch Einblasen von Kohlenstoffdioxid in das Abscheidebecken.
[0030] Je nach dem, mit welchem Alkalikation das Hydrogencarbonat reagiert, und abhängig
vom pH-Wert im Kathodenraum, kann zunächst ein Alkalihydrogencarbonat oder ein Alkalicarbonat
gebildet werden. Insbesondere können die beiden beschriebenen Vorgehensweisen zur
Entnahme des erwünschten Produktes aus dem Katholyten auch kombiniert werden. In manchen
Fällen, z.B. bei der Bildung von Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3, kann beispielsweise das Natriumcarbonat Na
2CO
3 auch im Nachhinein aus dem auskristallisierten Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3 durch Erhitzen gewonnen werden. Dann wird sogar bevorzugt zunächst Hydrogencarbonat
erzeugt, abgeschieden, und im Nachgang der gewünschte Mengenanteil davon zu Carbonat
weiterverarbeitet.
[0031] Die pH-Wertabhängigkeit der Hydrogencarbonat- oder Carbonationen ist z.B. in Figur
6 in einem Hägg-Diagramm für eine Natriumcarbonatlösung gezeigt.
[0032] In dem nicht-erfindungsgemäßen Elektrolysesystem ist bevorzugt auch im Anolytkreislauf
ein Pufferreservoir vorgesehen, welches insbesondere auch zum Einbringen bzw. Nachliefern
von Alkalichlorid in den Elektrolyten dienen kann, um den Salzgehalt im Anolyten zu
halten.
[0033] In einer bevorzugten Ausführungsform des nicht-erfindungsgemäßen Elektrolysesystems
weist der Katholyt wenigstens ein Lösemittel auf, insbesondere Wasser. Typischerweise
wird mit wässrigen Elektrolyten und dementsprechend wasserlöslichen Leitsalzen gearbeitet.
Der Leitsalzgehalt kann über die Zugabe von weiteren Carbonaten, Hydrogencarbonaten
aber auch Sulfaten oder anderen Leitsalzen erhöht werden, um die Leitfähigkeit des
Elektrolyten im Katholyt- sowie auch im Anolytkreislauf zu erhöhen, was im Gesamtsystem
zu einer Erhöhung des Stoffumsatzes führt. Je nachdem, welche und in welchen Mengen
zusätzliche Leitsalze im Katholytkreislauf enthalten sind, muss der Auskristallisationsprozess
entsprechend angepasst werden, um das gewünschte Produkt in möglichst reiner Form
zu extrahieren. Eingesetzte Leitsalze werden daher typischerweise so gewählt, dass
deren Löslichkeit sich signifikant von der des Alkalihydrogencarbonats bzw. des Alkalicarbonats
unterscheidet.
[0034] Typischerweise weist das nicht-erfindungsgemäße Elektrolysesystem auf der Anolytseite
eine Gasabtrennungseinrichtung auf, welche ausgestaltet ist, die Chlorgasabtrennung
aus dem Anolyten vorzunehmen. Auch im Katholytkreislauf kann eine Gasabtrennungseinrichtung
vorgesehen sein, z.B. wenn dieser durch Einsatz einer Silber enthaltenden Kathode
auf die Kohlenstoffmonoxidgas-Erzeugung ausgerichtet ist. Im Anolyt- sowie im Katholytkreislauf
können zusätzliche Einrichtungen für Zu- oder Auslässe aus dem System oder zusätzliche
Pufferreservoirs vorgesehen sein.
[0035] Die Art und Qualität der eingesetzten Membran im Elektrolyseur trägt letztendlich
wesentlichen Anteil daran, wie rein das auskristallisierte Produkt ist. Wird als Membran
lediglich ein Separator eingesetzt, können beispielsweise auch Chloridanionen in den
Kathodenraum diffundieren, selbst entgegen des elektrischen Feldes im Elektrolyseur,
so dass neben Hydrogencarbonat gegebenenfalls auch Chloride entstehen. Daher wird
in dem beschriebenen, nicht-erfindungsgemäßen Elektrolysesystem bevorzugt eine kationenleitende
Membran eingesetzt, die nahezu ausschließlich Kationen passieren können. Eine rein
anionenleitende Membran ist dementsprechend nicht von Vorteil.
[0036] Das beschriebene, erfindungsgemäße Reduktionsverfahren zur Kohlenstoffdioxidverwertung
mittels eines Elektrolysesystems, wie oben stehend beschrieben wurde, ist in Anspruch
1 definiert und umfasst folgende Schritte: Ein Wasser und Hydroxidionen umfassender
Katholyt und Kohlenstoffdioxid werden in einen Kathodenraum eingebracht und dort in
Kontakt mit einer Kathode gebracht. Im Inneren des Kathodenraums weist dieser Katholyt
Alkalikationen auf, die durch die kationenleitende Membran, die Anoden- und Kathodenraum
trennt, hindurch wandern. Überschüssiges Kohlenstoffdioxid reagiert im Kathodenraum
mit den Hydroxidionen zu Carbonat und/oder Hydrogencarbonat, welche mit den durch
die Membran in den Katholyt gewanderten Alkalikationen zu Alkali-Hydrogencarbonat
und/oder Alkali-Carbonat reagieren. Zumindest ein Teil des Katholytvolumens wird in
ein Abscheidebecken eingeleitet und dort ein Alkalihydrogencarbonat und/oder ein Alkalicarbonat
auskristallisiert. Außerdem wird ein Anolyt, welcher Chloridanionen aufweist, in einen
Anodenraum eingebracht und dort in Kontakt mit einer Anode gebracht, an der Anode
werden die Chloridanionen zur Chlor oxidiert und dieses als Chlorgas über eine Gasabtrennungseinrichtung
aus dem Anolyten abgetrennt. Typischerweise erfolgt dieses Reduktionsverfahren so,
dass Anolyt und Katholyt jeweils in einem voneinander getrennten Kreislauf geführt
wird, d.h. es sind zwei Pumpen im Elektrolysesystem vorgesehen, die zumindest an einer
Stelle im Kreislauf einen Transport des Katholyten durch den Kathodenraum und einen
Transport des Anolyten durch den Anodenraum bewirken. Die Kreisläufe sind durch die
Membran im Elektrolyseur voneinander getrennt, welche idealerweise ausschließlich
einen Kationentransport aus dem Anodenraum in den Kathodenraum zulässt. Insbesondere
werden die im Kathodenraum benötigten Alkalikationen aus dem Anodenraum erhalten.
Der Anolyt weist dazu bevorzugt ein Alkalichlorid auf, dieses kann dementsprechend
als Leitsalz aber auch als Elektrolyseedukt gleichermaßen eingesetzt werden. Alternativ
kann das Alkalichlorid im Anolyten als Elektrolyseedukt und ein zusätzliches Leitsalz,
z.B. ein Sulfat, ein Phosphat et cetera, bevorzugt ein Alkalisulfat, eingesetzt werden.
Alternativ können auch Ammoniumsalze oder deren Homologe eingesetzt werden. Imidazoliumsalze
oder andere ionische Flüssigkeiten können die Selektivität der Elektrode, besonders
der Kathode, positiv beeinflussen.
[0037] Typischerweise wird bei dem Reduktionsverfahren bei der Reduktion des Kohlenstoffdioxids
an der Kathode Kohlenstoffmonoxid, Ethylen, Methan, Ethanol und/oder Monoethylenglykol
erzeugt. Dazu wird eine entsprechende Kathode als Katalysator dieser Reaktionen eingesetzt.
Die Kathode ist eine silberhaltige Kathode und bildet aus dem Kohlenstoffdioxid und
dem Katholyten überwiegend Kohlenstoffmonoxid, Hydroxidionen und nur wenig Wasserstoff
als Produkte. Alternativ ist die Kathode eine kupferhaltige Kathode und bildet aus
dem Kohlenstoffdioxid und dem Katholyten Ethylen, Methan, Ethanol und/oder Monoethylenglykol
und Hydroxidionen als Produkte. Der große Vorteil dieses Reduktionsverfahrens ist,
dass neben der Kohlenstoffdioxidverwertung zusätzlich chemische Wertstoffe erzeugt
werden können.
[0038] In einer Ausführungsform des Reduktionsverfahrens werden die bei der Kohlenstoffdioxidreduktion
entstehenden Hydroxidionen mit überschüssig vorhandenem Kohlenstoffdioxid zu Hydrogencarbonationen
umgewandelt. Die Hydrogencarbonaterzeugung direkt im Kathodenraum hat den Vorteil,
dass diese direkt mit im Kathodenraum vorhandenen Alkalikationen weiter reagieren
können zu einem weiteren interessanten Wertstoff, wie er sonst in separaten Herstellungsprozessen
produziert werden müsste.
[0039] Um diesen Wertstoff dem System zu entnehmen, wird insbesondere zumindest ein Teil
des Katholytvolumens in ein Abscheidebecken eingeleitet und dort um wenigstens 15
K, bevorzugt um wenigstens 20 K abgekühlt. Hier wird also die Temperaturabhängigkeit
der Carbonatlöslichkeit ausgenutzt, um den Wertstoff aus dem Katholytkreislauf zu
entnehmen. Die Temperaturdifferenz von Abscheidebecken zu Elektrolyseur kann auch
mehr als 30 K betragen, insbesondere auch mehr als 50 K, je nach vorliegendem zu extrahierendem
Alkalihydrogencarbonat und auch abhängig davon, welche weiteren Salze im Kreislauf
vorhanden sind. Die Temperaturdifferenz zwischen Elektrolyseur und Abscheideeinheit
kann zwischen 5 K und 70 K betragen.
[0040] In einer alternativen Variante zur Extraktion des Hydrogencarbonatproduktes aus dem
Katholytvolumen wird die Abhängigkeit der Löslichkeit vom pH-Wert ausgenutzt. Dieses
Verfahren kann mit dem temperaturabhängigen Verfahren kombiniert werden.
[0041] In einer Ausführungsform des Reduktionsverfahrens wird dazu zumindest ein Teil des
Katholytvolumens in ein Abscheidebecken eingeleitet und dort dessen pH-Wert insbesondere
mittels Einblasen von Kohlenstoffdioxid von über 8 auf einen pH-Wert von 6 oder weniger
abgesenkt. Gerade das Puffern des pH-Werts auf einen Wert über 8 im Kathodenraum bringt
den Vorteil, das Ausfällen des Alkalihydrogencarbonats im Kathodenraum selbst zu verhindern.
[0042] Das Reduktionsverfahren kann so vorgenommen werden, dass das ausgefällte Alkalihydrogencarbonat
durch Erhitzen zu Alkalicarbonat umgewandelt wird. Dies kann direkt im Anschluss an
die Auskristallisation des Hydrogencarbonats im Abscheidebecken vorgenommen werden
oder separat von dem beschriebenen Elektrolysesystem erfolgen.
[0043] Alternativ zur Temperaturmethode der Auskristallisation oder zur temperaturunterstützten
Auskristallisation oder auch in Kombination mit dieser kann der Prozess so gefahren
werden, dass der pH-Wert im Kathodenraum im oberen Limit der Reaktion um 8 oder höher
gehalten wird, so dass das Gleichgewicht zunächst zugunsten von Natriumcarbonat verschoben
ist:
2 NaHCO
3 → Na
2CO
3 + H
2O + CO
2.
[0044] Dazu muss die Kohlenstoffdioxidzufuhr in das System sehr gut kontrolliert werden,
um in dieses basische Regime zu gelangen und dieses zu halten. Im Abscheidebecken
würde dann der pH-Wert zur optimalen Abscheidung des Natriumhydrogencarbonats durch
Einblasen von Kohlenstoffdioxid gesenkt und somit die Gleichgewichtsreaktion wieder
zugunsten von Natriumhydrogencarbonat verschoben.
[0045] Das Verfahren ist aber nicht auf Natriumhydrogencarbonat beschränkt. Beispielsweise
kann auch Kaliumhydrogencarbonat in diesem Verfahren hergestellt werden. Analog zum
beschriebenen Abscheideverfahren für Natriumhydrogencarbonat kann auch das Kaliumhydrogencarbonat
aus einem reinen Kaliumhydrogencarbonatelektrolyten durch Absenken der Temperatur
im Abscheidebecken auskristallisiert werden. Bei 20°C beträgt die Löslichkeit von
Kaliumhydrogencarbonat 337 g/l, bei 60°C 600 g/l.
[0046] Etwas anders muss vorgegangen werden, wenn ein zusätzliches Leitsalz, z.B. Kaliumsulfat
(K
2SO
4) eingesetzt werden soll. Dieses hat eine geringere Löslichkeit von 111,1 g/l bei
20°C und 250 g/l bei 100°C, was dazu führt, dass im gemischten Elektrolyten immer
zunächst das Kaliumsulfat ausfallen würde. Um das Kaliumhydrogencarbonat (KHCO
3) aus einem Elektrolyten, der sowohl Kaliumsulfat als auch Kaliumhydrogencarbonat
enthält, zu gewinnen, muss folgendermaßen vorgegangen werden: Im Abscheidebecken AB
kristallisiert bevorzugt Kaliumsulfat K
2SO
4 aus, welches im Anschluss, also in Kreislaufrichtung nach dem Abscheidebecken AB,
dem Elektrolyten wieder zugeführt werden kann. Das Elektrolytvolumen, dem das Kaliumsulfat
K
2SO
4 bereits entzogen wurde, wird dann, bevorzugt in einem weiteren Abscheidebecken, aufkonzentriert,
d.h. der Kaliumhydrogencarbonatlösung wird z.B. durch Abkühlung das Wasser entzogen,
um das kristalline Material zu erhalten.
[0047] Prinzipiell ist dieses Verfahren auch für andere Kationen bzw. Mischungen von Kationen
anwendbar. Durch die Migration der Kationen konzentriert sich der Katholyt dabei so
weit auf, bis sich das am schwersten löslichste Salz oder Doppelsalz abscheidet. Dabei
ist wichtig, dass der Prozess der Aufkonzentration und Abscheidung nicht im Kathodenraum
also nicht in der Elektrolysezelle selbst erfolgt, sondern der Katholyt dafür in ein
im Elektrolysesystem integriertes Abscheidebecken transportiert wird. Über einen weiteren
zusätzlichen physikalischen oder chemischen Unterschied zwischen Elektrolysezelle
und Abscheidebecken, also z.B. über einen Temperatur-, pH-Wert- oder Druckgradienten
wird die Abscheidung im Abscheidebecken erreicht oder begünstigt. Eine geeignete Druckdifferenz
zwischen Elektrolysezelle und Abscheidebecken kann bis zu 100 bar betragen. Bevorzugt
würde eine Druckdifferenz zwischen 2 bar und 20 bar gewählt werden. Ein erhöhter Druck
im Abscheidebecken würde die Hydrogencarbonatbildung begünstigen.
[0048] Auf Anodenseite sind grundsätzlich auch alternative Anodenreaktionen denkbar, allerdings
ist die Kopplung mit der Chlorproduktion die wirtschaftlich sinnvollste, da der Chlormarkt
bei ca. 75 Millionen Tonnen pro Jahr liegt. Die heutige Produktion an Natriumhydrogencarbonat
(NaHCO
3) liegt bei ca. 50 Millionen Tonnen im Jahr, die bisher über den energetisch ungünstigen
Solvay-Prozess hergestellt werden.
[0049] Mit dem beschriebenen Elektrolysesystem und Reduktionsverfahren ist es möglich, elektrochemisch
kontinuierlich und gleichzeitig drei Wertstoffe zu erzeugen: An der Kathode wird aus
der Kohlenstoffdioxid-Reduktion ein Wertstoff wie Kohlenmonoxid, Ethylen, Methan,
Ethanol oder Monoethylenglykol gewonnen, als Folgeprodukt dieser Reduktion entstehend
im Kathodenraum Natriumhydrogencarbonat und/oder Natriumcarbonat als Koppelprodukt
und auf Anodenseite wird Chlor produziert.
[0050] Beispiele und Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung werden noch in exemplarischer
Weise mit Bezug auf die Figuren 1 bis 6 der angehängten Zeichnung beschrieben:
- Figur 1
- zeigt in schematischer Darstellung ein nichterfindungsgemäßes Elektrolysesystem mit
Kohlenstoffdioxid-Reservoir und Abscheidebecken,
- Figur 2
- zeigt in schematischer Darstellung ein nichterfindungsgemäßes Elektrolysesystem mit
Gasdiffusionselektrode,
- Figur 3
- zeigt in schematischer Darstellung einen PEM-Aufbau einer Elektrolysezelle,
- Figur 4
- zeigt in schematischer Darstellung eine PEM-Halbzelle gekoppelt mit einer Gasdiffusionselektrode,
- Figur 5
- zeigt in schematischer Darstellung eine PEM-Halbzelle gekoppelt mit einer hinterströmten
Kathode und
- Figur 6
- zeigt ein Hägg-Diagramm.
[0051] In den Figuren 1 und 2 sind in schematischer Darstellung Beispiele für nicht-erfindungsgemäße
Elektrolysesysteme zur Kohlenstoffdioxidreduktion gezeigt, welche gleichermaßen als
Flussdiagramme für den beschriebenen Reduktionsprozess gelesen werden können. Auf
der linken Seite ist jeweils der Anolytkreislauf AK, auf der rechten Seite der Katholytkreislauf
KK gezeigt. Verbunden sind diese beiden Kreisläufe AK, KK über den Elektrolyseur E1,
E2, dessen Anodenraum AR und Kathodenraum KR über eine Membran M miteinander verbunden
bzw. über diese voneinander getrennt sind. Als Membran M wird bevorzugt eine kationenleitende
Membran M eingesetzt. Im Anodenraum AR ist eine Anode A, im Kathodenraum KR eine Kathode
K angeordnet, welche über eine Spannungsquelle U elektrisch verbunden sind. Beide
Kreisläufe AK, KK weisen bevorzugt jeweils eine Pumpe P1, P2 auf, welche die Elektrolyten
durch den Elektrolyseur pumpen. Zusätzlich können Einrichtungen N1, N2, N3 in beiden
Kreisläufen AK, KK an unterschiedlicher Stelle der Flussrichtung vorhanden sein, welche
zusätzliche Zu- oder Abflüsse oder als Pufferreservoirs sein können. Im Anolytkreislauf
AK ist zumindest eine Gasabscheideeinrichtung G2 mit einem Produktauslass PA2 vorgesehen,
über welche das Produkt Chlorgas Cl
2 entnommen werden kann. Im Katholytkreislauf KK ist ebenso zumindest eine Gasabscheideeinrichtung
G1 mit Produktauslass PA1 vorgesehen, über welche beispielsweise das Elektrolyseprodukt
Kohlenstoffmonoxid CO, beispielsweise auch Wasserstoff H
2 entnommen werden kann. Aber auch weitere Elektrolyseprodukte, wie Ethylen, Methan,
Ethanol, Monoethlenglykol können über diesen oder beispielswiese über einen weiteren
Produktauslass dem System entnommen werden. Der Elektrolyseur E1, E2 weist beispielsweise
eine Gasdiffusionselektrode GDE für den Kohlenstoffdioxideinlass auf.
[0052] Im Fall des in Figur 1 gezeigten Elektrolyseurs E1 ist ein Zweikammeraufbau gewählt
und das Kohlenstoffdioxid CO
2 wird über ein Reservoir CO
2-R und in Kreislaufrichtung vor dem Kathodenraum KR in den Elektrolyten eingebracht.
Der Katholytkreislauf KK weist in beiden gezeigten Fällen ein Abscheidebecken AB auf,
welches direkt in den Kreislauf eingebunden sein kann oder durch welches nur ein Teil
des Katholytvolumens geführt wird. Dazu kann, wie in den Figuren 1 und 2 gezeigt,
ein Abzweig des Kreislaufs KK vorgesehen sein. Das Abscheidebecken AB oder mehrere
hintereinandergeschaltete Abscheidebecken, können beispielsweise mit einer Kühleinrichtung
oder mit einem Pufferreservoir PR verbunden sein, so dass die Auskristallisation des
Hydrogencarbonats durch Einstellen einer Temperaturdifferenz, Druckdifferenz oder
pH-Wertdifferenz zum Elektrolyseur E1, E2 begünstigt wird. Des Weiteren weist das
Abscheidebecken AB einen Produktauslass PA3 auf. Mehrere hintereinandergeschaltete
Abscheidebecken würden jeweils einen Produktauslass aufweisen.
[0053] In den Figur 1 und 2 sind also Elektrolysesysteme gezeigt, wie sie für eine Ausführung
des erfindungsgemäßen Reduktionsverfahrens eingesetzt werden können. In diesem Aufbau
wird darauf geachtet, dass separate Anolyt- AK und Katholytkreise KK vorhanden sind.
Die verwendeten Elektrolyte werden dann kontinuierlich durch die Elektrolysezelle
E1, E2, d.h. durch den Anodenraum AR und durch den Kathodenraum KR gepumpt. Dazu sind
in dem Aufbau in jedem der beiden Kreisläufe AK, KK jeweils eine Pumpe P1, P2 vorgesehen.
Der Aufbau kann Materialien aus Kunststoff, kunststoffbeschichtetes Metall oder Glas
aufweisen. Als Vorratsgefäße können Glaskolben eingesetzt werden, die Zelle selbst
ist bspw. aus PTFE, die Schläuche aus Neopren.
[0054] Der Elektrolyseur E1, E2, wie er in den gezeigten Elektrolysesystemen verbaut ist,
kann auch einen anderen Aufbau aufweisen, wie er beispielsweise in den Figuren 3 bis
5 gezeigt ist. Eine alternative Elektrolysezelle ist die nach dem Polymerelektrolytmembranaufbau
(PEM-Aufbau). In diesem Fall liegt zumindest eine Elektrode direkt an der Polymerelektrolytmembran
PEM an. Entsprechend kann die Elektrolysezelle als PEM-Halbzelle ausgestaltet sein,
wie in den Figuren 4 und 5 gezeigt, in denen die Anodenseite als PEM-Halbzelle ausgestaltet
ist, also die Anode A in direktem Kontakt mit der Membran PEM angeordnet ist und der
Anodenraum AR auf der membranabgewandten Seite der Anode A angeordnet ist.
[0055] In den Fällen, wie in Figur 4 und 5 gezeigt, ist die Kathode K porös und zumindest
teilweise gasdurchlässig und/oder elektrolytdurchlässig ausgeführt. In der Figur 4
ist die Anoden-PEM-Halbzelle mit einer Gasdiffusionselektrode GDE zum Einbringen des
Kohlenstoffdioxids CO
2 in den Kathodenraum KR kombiniert. Außerdem ist in der Figur 5 eine hinterströmte
Kathode K gezeigt, deren Kathodenraum KR über die Kathode K mit einem Gasreservoir
verbunden ist. Das Gasreservoir weist dabei seinerseits zumindest einen Gaseinlass
GE und gegebenenfalls Gasauslass GA auf. Eine solche Ausführungsform wird bisher beispielsweise
als Sauerstoffverzehrelektrode eingesetzt, z.B. bei der Herstellung von Natronlauge.
Dann würde die Kathode K mit Sauerstoff hinterströmt. Die Sauerstoffverzehrkathode
kann beispielsweise dazu eingesetzt werden, die Wasserstoffbildung H
2 im Kathodenraum KR zu vermeiden zugunsten einer Reaktion hin zu Wasser H
2O. Dabei senkt die Wasserbildungsenergie die notwendige Systemspannung U und bewirkt
somit einen geringeren Energieverbrauch des Elektrolysesystems. Da die Kathode K einer
Sauerstoffverzehrelektrode vornehmlich aus Silber besteht, kann sie auch die Kohlenstoffdioxidreduktion
katalysieren. Wird kein Sauerstoff zur Verfügung gestellt, kann die Sauerstoffverzehrreaktion
nicht ablaufen. Stattdessen findet die Kohlenstoffdioxidreduktion zu Kohlenstoffmonoxid
CO mit einer gewissen Wasserstoffbildung statt.
[0056] Wird beispielsweise als Alkalimetall Natrium gewählt, laufen bei Einsatz einer kupferhaltigen
Kathode K folgende Reaktionen im Kathodenraum KR ab:
Ethylen: 12 NaCl + 14 CO2 + 8 H2O → C2H4 + 12 NaHCO3 + 6 Cl2
Methan: 8 NaCl + 9 CO2 + 4 H2O → CH4 + 8 NaHCO3 + 4 Cl2
Ethanol: 12 NaCl + 14 CO2 + 9 H2O → C2H5OH + 12 NaHCO3 + 6 Cl2
Monoethylenglykol:
10 NaCl + 12 CO2 + 8 H2O → HOC2H4OH + 10 NaHCO3 + 5 Cl2.
[0057] Bei einer silberhaltigen Kathode K würde folgende Reaktion an der Kathode K ablaufen:
Kohlenstoffmonoxid:
2 NaCl + 3 CO
2 + H
2O → CO + 2 NaHCO
3 + Cl
2.
[0058] Diese Gleichungen beschreiben den Summenprozess in der Elektrolysezelle. Das Chlorgas
Cl
2 entsteht, wie beschrieben, durch Oxidation der Chloridanionen Cl
- an der Anode A, die anderen Elektrolyseprodukte entstehen an der Kathode K bzw. durch
Folgereaktionen im Kathodenraum KR.
[0060] Die Löslichkeit von Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3 in Wasser H
2O ist vergleichsweise gering und zeigt auch eine starke Temperaturabhängigkeit, s.
Tabelle 2.
Tabelle2
| Molekularformel |
KHCO3 |
K2SO4 |
K3PO4 |
KI |
KBr |
KCl |
NaHCO3 |
Na2SO4 |
| Molarmasse in g/mol |
100.1 |
174.3 |
212.3 |
166.0 |
119.0 |
74.6 |
84.01 |
142.04 |
| Löslichkeit in H2O bei 20°C: |
| In g/l |
337 |
111 |
900 |
1400 |
678 |
344 |
96 |
170 |
| In mol/l |
3.37 |
0.64 |
4.24 |
8.43 |
5.70 |
4.61 |
1.19 |
1.14 |
| Leitfähigkeiten σ in mS/cm: |
| Bei 0.05M |
4.8 |
9.9 |
17.3 |
7.2 |
7.7 |
7.4 |
5.8 |
14.8 |
| Bei 0.1M |
9.1 |
19.2 |
30.1 |
14.0 |
14.3 |
13.8 |
28.1 |
51.6 |
| Bei 0.5M |
38.9 |
(69.9) |
108 |
65.2 |
67.5 |
62.8 |
|
|
[0061] In der Tabelle 2 sind weitere Salze, Kaliumhydrogencarbonat KHCO
3, Kaliumsulfat K
2SO
4, Kaliumphosphat K
3PO
4, Kaliumiodid KI, Kaliumbromid KBr, Kaliumchlorid KCl, Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3, Natriumsulfat Na
2SO
4 aufgeführt, die bevorzugt eingesetzt werden können. Aber auch andere Sulfate, Phosphate,
Iodide oder Bromide können zur Erhöhung der Leitfähigkeit im Elektrolyten eingesetzt
werden. Durch ständiges Zuführen des Kohlenstoffdioxids müssen Carbonate bzw. Hydrogencarbonate
nicht zugeführt werden, sondern werden im Betrieb im Kathodenraum KR gebildet.
[0062] Die Löslichkeit von Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3 in Wasser beträgt 69 g/l bei 0°C, 96 g/l bei 20°C, 165 g/l bei 60°C und 236 g/l bei
100°C. Natriumcarbonat NaCO
3 löst sich hingegen vergleichsweise gut, dessen Löslichkeit liegt bei 217 g/l bei
20°C. Bei fortlaufender Elektrolyse neigt also das Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3 zu einer Auskristallisation in der Elektrolysezelle E1, E2. Dem kann über eine erhöhte
Temperatur, wie sie ohnehin durch den Betrieb des Systems entsteht und auch durch
eine entsprechende pH-Wertpufferung entgegengewirkt werden. Das Natriumhydrogencarbonat
NaHCO
3 soll erst im Abscheidebecken AB aus dem Elektrolyten auskristallisieren. Durch das
Umpumpen des Elektrolyten in einen Kreislauf KK wird das im Kathodenraum KR gebildete
Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3 aus diesem herausgeführt und der Katholytkreislauf KK kann durch ein Abscheidebecken
AB hindurch verlaufen oder es erfolgt ein Abzweig eines Teilvolumens des Katholyten
in ein Abscheidebecken AB, in dem z.B. durch die Abkühlung des Elektrolyten das Natriumhydrogencarbonat
NaHCO
3 auskristallisiert und somit gewonnen werden kann. Da sich die Elektrolysezellen E1,
E2 im Betrieb durch Prozessverluste ohnehin stark erwärmen, kann es zur effektiven
Auskristallisation auf Temperaturdifferenzen von bis zu 70 K zwischen Kathodenraum
KR und Abscheidebecken AB kommen. Bevorzugt wird in einem Bereich zwischen 30 K und
50 K Temperaturdifferenz gearbeitet. Insbesondere mit einer Temperaturdifferenz von
mindestens 15 K oder sogar mindestens 20 K.
[0063] Enthält der Katholyt noch weitere Zusätze zur Leitfähigkeitssteigerung und damit
Erhöhung der Energieeffizienz, minimiert also ein zusätzliches Leitsalz die ohmschen
Verluste im Elektrolyten, muss dies bei der Auskristallisation des Natriumhydrogencarbonats
NaHCO
3 berücksichtigt werden, um ein möglichst reines Produkt zu erhalten. Bevorzugt wird
ein Hydrogensulfat HSO
4- oder Sulfat SO
42- als Leitzusatz eingesetzt. Dies kann beispielsweise Natriumsulfat Na
2SO
4 oder Natriumhydrogensulfat NaHSO
4 sein. Die Löslichkeit von Natriumhydrogensulfat NaHSO
4 beträgt 1080 g/l bei 20°C und die von Natriumsulfat Na
2SO
4 beträgt 170 g/l bei 20°C, s. Tabelle 2. Bei diesem großen Löslichkeitsunterschied
zu Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3 ist gewährleistet, dass im Abscheidebecken bevorzugt Natriumhydrogencarbonat NHCO
3 auskristallisiert. Diese Variante des Reduktionsverfahrens hat den immensen Vorteil,
dass dieses im Grunde den für die Natriumhydrogencarbonatherstellung bislang standardmäßig
eingesetzten Solvay-Prozess ersetzen kann. Das Solvay-Verfahren zur Natriumhydrogencarbonatherstellung
hat nämlich einen großen Nachteil, nämlich dass es sehr große Mengen an Wasser verbraucht.
Außerdem werden pro Kilogramm Soda, also Natriumcarbonat Na
2CO
3, in etwa auch ein Kilogramm unverwendbares Kalziumchlorid CaCl
2 erzeugt, welches zumeist ins Abwasser und damit in Flüsse und Meere abgegeben wird.
Bei einer Jahresherstellung von 50 Millionen Tonnen Natriumcarbonat Na
2CO
3 beträgt dies also auch in etwa 50 Millionen Tonnen Kalziumchlorid CaCl2.
[0064] Die neben dem Solvay-Prozess verfügbaren natürlichen Quellen für Soda Na
2CO
3 reichen bei Weitem nicht aus. Natriumhydrogencarbonat NaHCO
3 kommt als natürliches Mineral Nahcolith in den Vereinigten Staaten von Amerika vor.
Es tritt meist feinverteilt in Ölschiefer auf und kann dann als Beiprodukt der Ölförderung
gewonnen werden. Ein Bergbau besonders reicher Nahcolith-Horizonte wird im Bundesstaat
Colorado betrieben. Die jährliche Förderung jedoch lag im Jahre 2007 bei lediglich
93.440 Tonnen. Außerdem kommt es beispielsweise in Sodaseen in Ägypten, in der Türkei
im Van-See, in Ostafrika, z. B. im Lake Natron und andere Seen des ostafrikanischen
Grabens, in Mexiko, in Kalifornien (USA), und als Trona (Na(HCO
3) · Na
2CO
3 · 2H
2O) in Wyoming (USA), Mexiko, Ostafrika und in der südlichen Sahara vor.
[0065] In der Figur 6 ist zur Verdeutlichung der Abhängigkeit von den Konzentrations- und
pH-Wertparametern ein Beispiel für ein Hägg-Diagramm einer 0,05 molaren Lösung von
Kohlenstoffdioxid CO
2 gezeigt. In einem mittleren pH-Wert Bereich liegen Kohlenstoffdioxid CO
2 und dessen Salze nebeneinander vor. Während im stark basischen Kohlenstoffdioxid
CO
2 bevorzugt als Carbonat CO
32-, im mittleren pH-Wert-Bereich bevorzugt als Hydrogencarbonat HCO
3- vorliegt, kommt es bei niedrigen pH-Werten im sauren Milieu zur Austreibung der Hydrogencarbonationen
aus der Lösung in Form von Kohlenstoffdioxid CO
2.