Hintergrund der Erfindung
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur massenspektrometrischen Untersuchung eines
Gases, unter anderem umfassend:
Ionisieren des Gases zum Erzeugen von Ionen, sowie Speichern, Anregen und Detektieren
zumindest eines Teils der erzeugten Ionen in einer FT("Fouriertransformations")-lonenfalle,
insbesondere einer elektrischen FT-Ionenfalle. Die Erfindung betrifft auch ein Massenspektrometer,
unter anderem umfassend:
eine FT-Ionenfalle, sowie eine Anregungseinrichtung zur Speicherung, Anregung und
Detektion von Ionen in der FT-Ionenfalle.
[0002] Ionen-Speicherung, -Separation und -Detektion sind die Hauptfunktionen von herkömmlichen
Massenspektrometern, die im Allgemeinen in unterschiedlichen Baugruppen untergebracht
werden. Dies hat zur Folge, dass typischerweise aufwändige Schnittstellen zwischen
den Baugruppen eingesetzt werden müssen, was einerseits eine kompakte und effiziente
Lösung und andererseits eine schnelle Manipulation der lonenpopulationen erschwert.
Mit dem Transfer von Ionen durch die Schnittstellen kommt es zudem zu Signalverlusten,
was die Leistung und Empfindlichkeit von Massenspektrometern herabsetzt. In einer
elektrischen oder ggf. einer magnetischen Fourier-Transformations-Ionenfalle (kurz:
FT-Ionenfalle) können hingegen viele Funktionen (z.B. Ionenerzeugung, - Speicherung
und -Detektion) "in situ" in derselben Ionenfalle und sehr kompakt vereint werden.
[0004] Ein Beispiel für ein Massenspektrometer mit einer elektrischen FT-Ionenfalle ist
in der
DE 10 2013 208 959 A beschrieben. Die FT-Ionenfalle weist eine Ringelektrode sowie zwei weitere Elektroden
(Deckelelektroden) auf. Die in der FT-Ionenfalle gespeicherten Ionen werden in situ
angeregt und die Detektion der angeregten Ionen erfolgt durch Aufnehmen und Auswerten
von Spiegelladungen, welche die gespeicherten Ionen auf die Deckelelektroden der FT-Ionenfalle
induzieren. Zur Spiegelladungsmessung werden die in der FT-Ionenfalle gespeicherten
Ionen in situ breitbandig angeregt (stimuliert) und schwingen abhängig vom Masse-Ladungs-Verhältnis
mit charakteristischen Resonanzfrequenzen in der lonenfalle. Dieses Vorgehen unterscheidet
sich grundlegend von den herkömmlichen destruktiven Detektionsmethoden, bei denen
die Ionen nach der Messung nicht mehr zur Verfügung stehen.
[0005] Aus der
WO 2015/003819 A1 ist es bekannt, bei einer FT-ICR("Fourier Transform Ion Cyclotron Resonance")-Falle
durch eine IFT-Anregung in Form einer so genannten SWIFT("Storage Wave-Form Inverse
Fourier Transform")-Anregung einzelne lonenpopulationen aus der lonenfalle zu entfernen
bzw. diese zu unterdrücken, wenn deren Teilchenanzahl bei einem vorgegebenen Masse-zu-Ladungsverhältnis
einen vorgegebenen Schwellwert überschreitet. Auf diese Weise können große Ionenpopulationen
aus der Ionenfalle entfernt werden, so dass bestimmte Untermengen von Ionenpopulationen
genauer gemessen werden können.
[0006] US 4 761 545 beschreibt ein Ionenfalle, bei der mittels einer angepassten Anregung ein maßgeschneiderter
Ausstoß bestimmter Ionenbänder oder - bereiche bewirken wird, wobei die verbleibenden
Ionen in der Zelle zurückgehalten werden.
Aufgabe der Erfindung
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur massenspektrometrischen Untersuchung
eines Gases sowie ein zugehöriges Massenspektrometer derart weiterzubilden, dass die
Leistungsfähigkeit der massenspektrometrischen Untersuchung erhöht wird.
Gegenstand der Erfindung
[0009] Diese Aufgabe wird gemäß einem ersten Aspekt gelöst durch ein Verfahren gemäß Anspruch
1.
[0010] Das Verändern der Phasenlage und/oder der Schwingungs-Amplitude der Ionen in der
FT-Ionenfalle kann insbesondere während des erneuten Anregens der Ionen in der FT-Ionenfalle
durch eine IFT-Anregung, speziell durch eine SWIFT-Anregung, erfolgen.
[0011] Mit Hilfe des hier beschriebenen Verfahrens können Störfrequenzen eindeutig identifiziert
und optional aus den interessierenden Bereichen der Ionen-Resonanzfrequenzen eliminiert
werden. Hierbei wird ausgenutzt, dass nur die in der FT-Ionenfalle gespeicherten Ionen
auf die IFT-Anregung bzw. auf die Veränderung der Ionen-Resonanzfrequenzen reagieren.
Die übrigen im Frequenz-Spektrum vorhandenen Frequenzkomponenten, die sich auf diese
Weise überhaupt nicht beeinflussen lassen, können als Störfrequenzen identifiziert
werden. Die als Störfrequenzen erkannten Masse-zu-Ladungsverhältnisse können aus dem
Massenspektrum, welches dem Frequenz-Spektrum entspricht, herausgefiltert bzw. eliminiert
werden.
[0012] Bei der IFT-Anregung können die Phasenlage und/oder die Schwingungs-Amplitude der
interessierenden Ionen quasi beliebig beeinflusst werden, wobei darauf geachtet werden
sollte, dass hierbei die Ionen nicht aus der FT-Ionenfalle entfernt werden. Beispielsweise
kann die Amplitude und/oder die Phasenlage der in der FT-Ionenfalle gespeicherten
Ionen derart verändert werden, dass sich die Höhe der zugehörigen Linien im Massenspektrum
bzw. im Frequenz-Spektrum verändert, während die Linien der Störfrequenzen sich bei
einer solchen Einwirkung nicht verändern.
[0013] Bei einer Weiterbildung umfasst das Verändern der Ionen-Resonanzfrequenzen das Verändern
einer Speicherspannung und/oder einer Speicherfrequenz der FT-Ionenfalle. Wie weiter
oben erwähnt, werden zur Messung des Masse-zu-Ladungs-Verhältnisses der Ionen diese
durch ein Anregungssignal (Stimulus) zu Schwingungen angeregt, deren Resonanzfrequenzen
abhängig von den Ionenmassen und den Ladungen der Ionen sind, wobei die Ionen-Resonanzfrequenzen
typischerweise im Frequenzbereich in Größenordnungen von kHz bis MHz, z.B. von ca.
1 kHz bis zu 200 kHz, liegen. Bei vorgegebenem Masse-zu-Ladungs-Verhältnis ist eine
jeweilige Ionen-Resonanzfrequenz direkt proportional zur hochfrequenten Speicherspannung
V
RF und invers proportional zum Quadrat der Speicherfrequenz f
RF des hochfrequenten Wechselfeldes, so dass dieses Verhalten genutzt werden kann, um
die Ionen-Resonanzfrequenzen zu verschieben (im Folgenden auch als Frequenz-SHIFT
bezeichnet).
[0014] Beispielsweise können durch Erhöhung der hochfrequenten Speicherspannung V
RF die Ionen-Resonanzfrequenzen erhöht und umgekehrt durch Verkleinerung der hochfrequenten
Speicherspannung V
RF die Ionen-Resonanzfrequenzen verkleinert werden. Dazu invers verhalten sich die Ionen-Resonanzfrequenzen
bei einer Variation der Speicherfrequenz f
RF.
[0015] Gemäß einer Weiterbildung umfasst das Verfahren, dass bei dem Erzeugen und Speichern
der Ionen in der FT-Ionenfalle und/oder dem Anregen der Ionen (unmittelbar) vor dem
Detektieren der Ionen in der FT-Ionenfalle mindestens eine selektive, vom Masse-zu-Ladungsverhältnis
bzw. von den Ionen-Resonanzfrequenzen der Ionen abhängige IFT("Inverse Fouriertransformations")-Anregung,
insbesondere eine SWIFT("Storage Wave Form Inverse Fourier Transform")-Anregung, erfolgt.
[0016] Gemäß dieser Weiterbildung wird vorgeschlagen, in derselben FT-Ionenfalle während
der Erzeugung und Speicherung der Ionen und/oder unmittelbar vor der Detektion der
Ionen bzw. der in der FT-Ionenfalle erzeugten Ionensignale eine selektive Ionen-Anregung
(im Folgenden auch: Stimulation), beispielsweise eine breitband-selektive Ionen-Stimulation
durchzuführen. Eine solche Stimulation erfolgt typischer Weise mittels einer leistungsfähigen
IFT-Anregung, insbesondere mittels einer SWIFT-Anregung, die es ermöglicht, die Leistungsfähigkeit
des Massenspektrometers, in das die FT-Ionenfalle integriert ist, deutlich zu erhöhen.
Auf diese Weise können auch komplexe Ionen-Manipulationen durchgeführt werden, welche
grundlegend neue Leistungsmerkmale der FT-Ionenfalle ermöglichen, wie nachfolgend
im Einzelnen beschrieben wird. Unter einer breitband-selektiven Stimulation wird eine
Anregung in einem großen Ionenresonanzfrequenzband verstanden. Für eine solche breitband-selektive
Anregung kann beispielsweise gelten: (m/z)
MAX / (m/z)
MIN > 5, ggf. > 10, wobei (m/z)
MAX das maximale Masse-zu-Ladungsverhältnis der IFT-Anregung und (m/z)
MIN das minimale Masse-zu-Ladungsverhältnis der IFT-Anregung bezeichnen. Es versteht
sich, dass auch IFT-Anregungen mit einem kleineren Ionenresonanzfrequenzband möglich
sind.
[0017] Bei einer Variante wird während des Erzeugens der Ionen in der FT-Ionenfalle und/oder
während des Speicherns der Ionen in der FT-Ionenfalle mindestens eine IFT-Anregung
zum Selektieren von in der FT-Ionenfalle zu speichernden Ionen durchgeführt. Insbesondere
in einer elektrischen FT-Ionenfalle können unerwünschte, nicht in der FT-Ionenfalle
zu speichernde Ionen, die in einem vorgegebenen Intervall des Masse-zu-Ladungsverhältnisses
liegen (wobei das Intervall mehrere nicht zusammenhängende Teilintervalle aufweisen
kann) mittels einer fortlaufenden SWIFT-Anregung schon während der Ionisierung bzw.
während des Speichervorgangs übermäßig angeregt werden, so dass diese Ionen bzw. Ladungsträger
an die umliegenden Elektroden der FT-Ionenfalle verloren gehen und nur die zu speichernden
Ionen mit den gewünschten Masse-zu-Ladungsverhältnissen in der FT-Ionenfalle verbleiben
und dort gespeichert werden.
[0018] Bei dieser Variante werden die Ionen in der FT-Ionenfalle erzeugt, d.h. das zu untersuchende
Gas wird im ladungsneutralen Zustand in die FT-Ionenfalle eingeleitet. Die Ionisierung
in der FT-Ionenfalle kann beispielsweise wir in der eingangs zitierten
WO 2015/003819 A1 beschrieben durchgeführt werden, d.h. es können Ionen und/oder metastabile Teilchen
eines Ionisierungsgases und/oder Elektronen in die FT-Ionenfalle eingebracht werden,
welche das zu untersuchende Gas bzw. Gasgemisch in der FT-Ionenfalle ionisieren. Es
versteht sich, dass es grundsätzlich auch möglich ist, die Ionen außerhalb der FT-Ionenfalle
zu ionisieren und der FT-Ionenfalle das zu untersuchende Gas in Form von Gas-Ionen
zuzuführen. Auch in diesem Fall kann während des Speicherns der Ionen in der FT-Ionenfalle
eine Selektion von zu speichernden bzw. von in der FT-Ionenfalle zu akkumulierenden
Ionen erfolgen.
[0019] Bei einer Weiterbildung dieser Variante werden nur Ionen zum Speichern bzw. zum Akkumulieren
selektiert, deren Masse-zu-Ladungsverhältnis außerhalb eines Intervalls der Masse-zu-Ladungsverhältnisse
einer Hauptgaskomponente des zu untersuchenden Gases liegt. Unter einer Hauptgaskomponente
wird im Sinne dieser Anmeldung ein Gasbestandteil verstanden, dessen Volumen-Anteil
bei mehr als 50 Vol-%, in vielen Anwendungen mehr als 90 Vol-% des zu untersuchenden
Gases liegt. Bei der Hauptgaskomponente handelt es sich typischer Weise nur um einen
einzigen Gasbestandteil, z.B. um N
2 oder um H
2, d.h. um einen einzigen Stoff, dem in der Regel nur ein Masse-zu-Ladungsverhältnis
im Massenspektrum entspricht. Gegebenenfalls kann die Hauptgaskomponente, deren Volumen-Anteil
bei mehr als 50 Vol-%, ggf. bei mehr als 90 Vol-% liegt, auch aus mehreren Gasbestandteilen
zusammengesetzt sein. In diesem Fall weist jeder der Gasbestandteile der Hauptgaskomponente
mehr als 20 Vol-% oder ggf. mehr als 30 Vol-% des zu untersuchenden Gases auf.
[0020] In vielen Applikationen ist der Nachweis von Gasspuren bzw. Gaskomponenten mit sehr
geringen Partialdrücken bzw. Konzentrationen in einer Gasmatrix eines zu untersuchenden
Gases, beispielsweise eines Prozessgases, mit hohem Gesamtdruck erforderlich. Das
Verhältnis von diesen Partialdrücken zum Gesamtdruck liegt beispielsweise in Größenordnungen
von ppm Volumen (10
-6 ppmV) bis pptV (10
-12) pro Volumen. Durch die weiter oben beschriebene SWIFT-Anregung kann die Hauptgaskomponente
bzw. die Hauptgaskomponenten des zu untersuchenden Gases gefiltert werden, so dass
nur die Ionen der interessierenden Gasspuren bzw. Gaskomponenten in der FT-Ionenfalle
für die nachfolgende Detektion akkumulierend gespeichert werden. Auf diese Weise wird
schon in der Ionisationszeit der zu messenden Gasspuren-Ionen dafür gesorgt, dass
die FT-Ionenfalle von den Ladungsträgern der Hauptgaskomponenten nicht überflutet
wird. Dadurch kann in der nachfolgenden Messung eine Dynamik D von mehr als acht oder
ggf. von mehr als neun Größenordnungen (D > 10
8 oder 10
9) erreicht werden. Zusätzlich nimmt die Empfindlichkeit (absolute Konzentration) der
FT-Ionenfalle und dementsprechend das Signal-zu-Rausch-Verhältnis SNR("Signal-to-Noise
Ratio") mit der Akkumulationszeit zu. Dadurch kann die Nachweisgrenze für einzelne
Gaskomponenten bis zu einer Größenordnung von 10
-16 mbar oder weniger betragen. Die für diesen Nachweis notwendige Dynamik der (elektrischen)
FT-Ionenfalle liegt über der Leistungsfähigkeit von konventionellen Restgasmassenspektrometern.
[0021] Bei einer weiteren Variante werden zwischen einer ersten Anregungsfrequenz und einer
zweiten Anregungsfrequenz der Anregungsgrad und/oder die Phasenlage der IFT-Anregung
variiert, wobei sowohl die erste Anregungsfrequenz als auch die zweite Anregungsfrequenz
um nicht mehr als 10 %, bevorzugt um nicht mehr als 5 %, insbesondere um nicht mehr
als 1 % von einer vorgegebenen Anregungsfrequenz abweichen. Der Anregungsgrad bezeichnet
die Amplitude der IFT-Anregung bezogen auf eine vorgegebene maximale Amplitude und
wird typischer Weise in Prozenten angegeben.
[0022] Beim Nachweis von Ionen in der (elektrischen) FT-Ionenfalle wird vorausgesetzt, dass
das hochfrequente Wechselfeld E allein auf die Ionen wirkt. Dies trifft praktisch
zu, solange in der FT-Ionenfalle nur eine begrenzte Menge von Ladungsträgern gleichen
Vorzeichens vorhanden ist. Die Gesamtzahl an Ladungsträgern wird als "Raumladung"
oder "Ionenwolke" bezeichnet. Das über die Laplace-Gleichung beschreibbare und aus
dem hochfrequenten Wechselfeld E abgeleitete Potential φ (E = - grad(φ)) wird durch
die Raumladung beeinflusst. Diese Beeinflussung des Speicherpotentials durch die Raumladung
in einem gegebenen Volumen innerhalb der FT-Ionenfalle ist umso größer, je größer
die Raumladungsdichte ρ in diesem Volumen und je schwächer die aus dem hochfrequenten
Wechselfeld herrührende mittlere Rückstellkraft im zugehörigen Teilvolumen ist. Es
folgt aus der Laplace-Gleichung (1) für das hochfrequente Wechselfeld:

wobei ε
o die Dielektrizitätskonstante im Vakuum und φ das zum Wechselfeld E zugehörige hochfrequente
Wechselpotential bezeichnen (s.o.).
[0023] Insbesondere bei der Anregung von unterschiedlichen Ionensorten, die nahe beieinanderliegende
Ionen-Resonanzfrequenzen aufweisen, kann sich durch das synchrone Schwingen der Ionenpakete
ergeben, dass streckenweise große Raumladungsdichten in "raumladungsanfälligen" Bereichen
in der FT-Ionenfalle entstehen, wodurch ganze Ionenpakete in ihren Resonanzfrequenzen
stark gestört werden können oder gar nicht mehr speicherbar sind. Dadurch kann sich
eine große Streuung in den gemessenen Ionen-Resonanzfrequenzen ergeben, was eine signifikant
geringere Massenauflösung zur Folge hat.
[0024] Es erweist sich daher als vorteilhaft, wenn die Ladungsträgerpakete bzw. Ionen(-Populationen)
mit benachbarten Ionen-Resonanzfrequenzen nicht gleichzeitig dieselbe Bewegungsbahn
(Orbit) durchfliegen. Durch geeignete orbitale (von Orbit abgeleitet), phasenversetzte
IFT-Anregungen der Ionen (z.B. geringfügiges orbitales Auseinanderziehen der Ionenpakete
durch geeignete SWIFT-Anregung) kann erreicht werden, dass sich überwiegend eine ausreichend
geringe Raumladungsdichte während der Messung bzw. Detektion ergibt. Alternativ oder
zusätzlich kann eine Veränderung des Anregungsgrades bzw. der Amplitude der SWIFT-Anregung
erfolgen, die ebenfalls dazu führen kann, dass sich die Interaktion zwischen benachbarten
Ionenpopulationen stark verringert bzw. die es ermöglicht, dass diese sich auf unterschiedlichen
Bewegungsbahnen bzw. Orbits bewegen.
[0025] Die Variation der Phasenlage und/oder des Anregungsgrades der SWIFT-Anregung erfolgt
hierbei in einem zusammenhängenden Intervall zwischen einer ersten Anregungsfrequenz
f
ion,1 und einer zweiten Anregungsfrequenz f
ion,2 (f
ion,1 < f
ion,2), wobei beide vergleichsweise dicht beieinanderliegen, d.h. sowohl die erste als
auch die zweite (Ionen-)Anregungsfrequenz weichen von einer vorgegebenen Anregungsfrequenz
f
ion,a um nicht mehr als 10 % bzw. 5%, insbesondere um nicht mehr als 1 % nach unten oder
nach oben ab, d.h. es gilt: f
ion,1 ≥ 0,9 f
ion,a und f
ion,2 ≤ 1,1 f
ion,a bzw. entsprechend f
ion,1 ≥ 0,95 f
ion,a und f
ion,2 ≤ 1,05 f
ion,a bzw. f
ion,1 ≥ 0,99 f
ion,a und f
ion,2 ≤ 1,01 f
ion,a . Die vorgegebene Anregungsfrequenz f
ion,a entspricht typischer Weise dem Masse-zu-Ladungsverhältnis der interessierenden Ionen
bzw. Ionenpopulation. Durch die weiter oben beschriebene Variation der Phasenlage
und/oder des Anregungsgrades können innerhalb dieses Intervalls vorhandene Ionenpopulationen
auf unterschiedliche Orbits gebracht werden, wodurch sich die Massenauflösung bei
der Untersuchung der interessierenden lonenpopulation(en) erhöht.
[0026] Bei einer weiteren Variante variieren zwischen der ersten Anregungsfrequenz und der
zweiten Anregungsfrequenz die Phasenlage und/oder der Anregungsgrad in Abhängigkeit
von der Anregungsfrequenz stufenweise. Die Frequenzbreite der Stufen kann insbesondere
gleich groß gewählt werden, d.h. das Intervall zwischen der ersten und der zweiten
Anregungsfrequenz wird in gleich große Teilintervalle bzw. Stufen aufgeteilt, zwischen
denen die Phasenlage und/oder der Anregungsgrad verändert werden können. Es versteht
sich aber, dass die Frequenzbreite der Teilintervalle nicht zwingend gleich groß gewählt
werden muss. Idealer Weise erfolgt beim Übergang zwischen jeweils zwei benachbarten
Teilintervallen jeweils eine Veränderung des Anregungsgrads und/oder der Phasenlage,
um die den benachbarten Teilintervallen zugeordneten Ionen auf unterschiedliche Orbits
zu lenken.
[0027] Bei einer Weiterbildung nehmen zwischen der ersten Anregungsfrequenz und der zweiten
Anregungsfrequenz der Anregungsgrad und/oder die Phasenlage in Abhängigkeit von der
Anregungsfrequenz entweder stufenweise zu oder stufenweise ab. Auf diese Weise können
die benachbarten Teilintervallen zugeordneten Ionen auf besonders einfache Weise auf
unterschiedliche Orbits verteilt werden. Die Zunahme bzw. die Abnahme des Anregungsgrads
und/oder der Phasenlage zwischen benachbarten Stufen bzw. Teilintervallen kann jeweils
gleich groß sein, es ist aber auch möglich, die Zunahme bzw. die Abnahme des Anregungsgrads
zwischen benachbarten Teilintervallen jeweils unterschiedlich zu wählen bzw. zu variieren.
[0028] Die Anregung der Ionenpakete bzw. der Ionen mit benachbartem Masse-zu-Ladungsverhältnis
erfolgt durch kurzzeitiges Einwirken auf die Ionenpakete mittels eines kurzzeitigen
Anregungsimpulses in dem entsprechenden Ionenresonanzband. Werden die Ionen in den
unterschiedlichen Ionenresonanzbändern mit unterschiedlichen Amplituden und Phasen
angeregt, so ist es möglich, die Interaktion zwischen den Ionenpaketen entweder stark
zu minimieren, wie dies weiter oben dargestellt ist, oder absichtlich zu verstärken.
Auch eine solche absichtliche Verstärkung der Interaktionen zwischen den Ionenpopulationen
kann sich unter bestimmten Umständen als vorteilhaft erweisen. In jedem Fall kann
durch die oben beschriebene SWIFT-Anregung ein adaptiver Einfluss auf die Interaktionen
zwischen Ionenpopulationen erfolgen.
[0029] Bei einer weiteren Variante werden dieselben Ionen in der FT-Ionenfalle durch IFT-Anregungen
mehrmals (ggf. breitband-)selektiv angeregt, wobei nach einer jeweiligen IFT-Anregung
eine Detektion der Ionen durchgeführt wird. Bei der Detektion nach einer jeweiligen
IFT-Anregung wird die Anzahl der angeregten Ionen (bzw. der Partialdruck des angeregten
Gasbestandteils) ermittelt. Durch eine Mittelwertbildung über die bei den Detektionen
jeweils ermittelte Anzahl der Ionen kann das Signal-zu-Rausch-Verhältnis (SNR) der
interessierenden, angeregten Ionen signifikant erhöht werden, ohne dass die übrigen
Ionen durch die Anregung beeinflusst werden. Besonders bei sehr geringen Partialdrücken
(z.B. im pptV-Bereich oder darunter) von interessierenden Gasspuren bzw. Gasbestandteilen
ist ein zusätzlicher SNR-Gewinn von 10*log10(N) in dB möglich und vorteilhaft (N beschreibt
die Anzahl der mehrfachen IFT-Anregungen derselben Ionenpopulation). Hier wird vorausgesetzt,
dass die Ionen über die gesamte Messdauer hinweg stabil speicherbar sind und ihre
charakteristischen, chemischen Eigenschaften beibehalten.
[0030] Bei einer Weiterbildung liegt zwischen zwei zeitlich unmittelbar aufeinander folgenden
IFT-Anregungen ein Zeitintervall, das größer ist als eine mittlere freie Flugzeit
der Ionen in der FT-Ionenfalle. Die mittlere freie Flugzeit t
M ist mit der mittleren freien Weglänge L
M durch die mittlere Geschwindigkeit vnn verknüpft, wobei gilt: t
M = L
M / vnn . Die mittlere freie Flugzeit t
M liegt typischer Weise bei mehr als ca. einer Millisekunde ( >1 ms). Die IFT-Anregungen,
insbesondere die SWIFT-Anregungen, werden erst wiederholt, wenn die Ionen ein Vielfaches
der mittleren freien Flugzeit zurückgelegt haben, z.B. mehr als 3 × t
M, mehr als 5 × t
M oder mehr als 10 × t
M.
[0031] Nach der Ionisierung kann es durch Stöße zwischen den neutralen Gasteilen sowie den
ionisierten Gasteilchen zu chemischen Reaktionen wie z.B. Ladungstransfer oder "Protonierung"
kommen, welche die ursprüngliche Ionenpopulation verändern. In vielen Applikationen
ist es von Interesse, die chemischen Zwischenprodukte eines solchen Vorganges in Erfahrung
zu bringen.
[0032] Bei einer Variante erfolgt daher beim Detektieren der Ionen eine massenspektrometrische
Untersuchung eines Ionensignals nur in einem zeitlich verschiebbaren Messzeitintervall.
Nach der IFT-Anregung, insbesondere nach der SWIFT-Anregung, kann mittels eines geeignet
gewählten verschiebbaren, kurzen Messzeitintervalls, welches nachfolgend auch als
FFT-Zeitfenster bezeichnet wird, das zeitveränderliche Massenspektrum errechnet und
dargestellt werden. Das zeitlich verschiebbare Messzeitintervall kann eine Zeitdauer
in der Größenordnung von beispielsweise mehreren Millisekunden, bevorzugt von 10 ms
oder weniger, besonders bevorzugt von 5 ms oder weniger aufweisen. Durch stufenloses
oder diskretes Verschieben des FFT-Zeitfensters ergibt sich eine zeitliche Darstellung
des chemischen Verhaltens der in der Gasmatrix bzw. in dem zu untersuchenden Gas eingebetteten
Ionenpopulation.
[0033] Zur Analyse von komplexen Analyten, die aus einer Vielzahl von unterschiedlichen
Molekülen bestehen, deren Molekülmassen teils weit, teils nahe zusammenliegen, wird
ein großer Massenbereich und eine sehr hohe Massenauflösung benötigt. Um dieser Anforderung
zu genügen, werden in der Regel unterschiedliche Massenanalyse-Methoden miteinander
kombiniert, z.B. zwei Masseanalyse-Methoden (sog. MS/MS) oder allgemeiner n Masseanalyse-Methoden
(sog. MS
n). Typischerweise werden Quadrupol-Massenspektrometer oder herkömmliche Ionenfallen
zur Filterung oder Fragmentierung im interessierenden Massenbereich eingesetzt, und
anschließend der ausgewählte Massenbereich mit einem anderen hochauflösenden Massenanalysator
(z.B. Fourier Transform basierten, Orts- oder Laufzeit-basierten Verfahren) feiner
analysiert um eine Übersteuerung der Analysatoren (siehe Raumladungsproblematik) zu
verhindern und die spätere Analyse zu vereinfachen.
[0034] Aus dem oben beschriebenen Vorgehen wird ersichtlich, dass die zugrunde gelegte FT-Ionenfalle
sowohl als Fragmentierungs- oder Filterungseinrichtung, wie auch als hochauflösender
Massenanalysator sehr gut geeignet ist. Dabei erweist sich als vorteilhaft, durch
IFT- bzw. SWIFT-Anregung nur die interessierenden Massenbereiche schnell umzuschalten
und mit den oben beschriebenen Maßnahmen die Massenauflösung deutlich zu erhöhen.
[0035] Wie weiter oben beschrieben wurde, werden in FT-Massenspektrometern die Masse-zu-Ladungs-Verhältnisse
von Ionen durch Fourier-Transformation anhand ihrer charakteristischen Schwingungen
bzw. Ionen-Resonanzfrequenzen rückwirkungsfrei gemessen. Die hierbei auftretenden
Spiegelladungsströme betragen in der Regel nur wenige fA (10
-15 A). Die Ionen-Resonanzfrequenzen liegen typischer Weise in der Größenordnung von
kHz bis MHz, z.B. von ca. 1 kHz bis zu 200 kHz, und können daher von parasitären Störfrequenzen
überlagert werden, die sogenannte "Phantom-Massen" generieren können. Die systematischen,
d.h. die dem Messsystem bekannten Störfrequenzen können zwar mittels geeigneter Maßnahmen
beseitigt werden, doch parasitäre, meist dem Messsystem unbekannte, externe Störfrequenzen,
können zu einer Fehlinterpretation der Massenspektren führen.
[0036] Bei einer weiteren Variante umfasst das Verfahren: Bestimmen einer Start-Phasenlage
einer Bahnkurve von Ionen einer vorgegebenen Ionen-Resonanzfrequenz (unmittelbar)
nach einer IFT-Anregung anhand eines bei der Detektion aufgenommenen zeitabhängigen
Ionensignals. Zur Bestimmung der Start-Phasenlage der Bahnbewegung von Ionen bzw.
von einer Ionensorte bei der vorgegebenen Ionen-Resonanzfrequenz kann nach der Anregung
das zeitabhängige Ionensignal u
ion(t) in einem ausreichend langen Messzeitfenster T
0 aufgenommen, um einen Diskretisierungsfehler zu vermeiden, und die Ionen-Resonanzfrequenzen
f
ion der Ionen können mittels Fourier-Analyse gewonnen werden, wobei gilt: T
0 >> 1/fior, bzw. T
0 = N
0 × 1/fior, und N
0 ganzzahlig » 1. Das Messzeitfenster T
0 beträgt typischer Weise weniger als ca. 1/10 bzw. 1/50 der gesamten Mess- bzw. Detektionsdauer,
so dass die Amplitude û
ion der Einhüllenden des (oszillierenden) Ionensignals u
ion(t) in dem Messzeitfenster T
0 näherungsweise konstant bleibt.
[0037] Die Start-Phasenlage α
0 der Bahnbewegung zu Beginn der Messung bzw. des Messzeitintervalls kann in diesem
Fall gemäß folgender Formel bestimmt werden:
Aus

folgt:

wobei ϕ eine Startphase der IFT-Anregung der Ionen bei der Ionen-Resonanzfrequenz
f
ion darstellt und wobei û
ion das Maximum des Absolut-Werts der Amplitude bzw. der Einhüllenden des (oszillierenden)
Ionensignals u
ion(t) zu Beginn der Messung (t=0) bezeichnet. Der in (2) in eckigen Klammern angegebene
Ausdruck weist nur dann einen maximalen Betrag auf, wenn die Startphase ϕ der IFT-Anregung
mit der Start-Phasenlage α
0 der Bahnbewegung bis auf k*π übereinstimmt (ϕ = α
0 + k*π, k ganzzahlig). Der Wert des Ausdrucks in eckigen Klammern entspricht in diesem
Fall ½ cos (α
0). Für eine Startphase ϕ=0° der IFT-Anregung ist folgerichtig der Wert des Ausdrucks
in eckigen Klammern ungefähr + ½ und für eine Startphase ϕ=180° der IFT-Anregung ist
der Wert des Ausdrucks in den eckigen Klammern ungefähr - ½. Wie weiter oben beschrieben
wurde, kann die Startphase ϕ bei einer massenabhängigen phasenversetzten orbitalen
IFT-Anregung in Abhängigkeit von der Ionen-Resonanzfrequenz variiert werden. Auf diese
Weise können Ionenpakete im Massenspektrum entsprechend unterschiedlich gekennzeichnet
werden. Ist die Startphase ϕ der IFT-Anregung nicht bekannt, kann diese und somit
die Start-Phasenlage α
0 der Bahnbewegung durch eine Maximierung des Betrages des in eckigen Klammern angegebenen
Ausdrucks bestimmt werden.
[0038] Bei einer Weiterbildung umfasst das Verfahren zusätzlich: Bestimmen einer Ladungspolarität
der Ionen anhand der Start-Phasenlage der Bahnkurve der Ionen nach der IFT-Anregung.
In einer elektrischen FT-Ionenfalle können sowohl positiv als auch negativ geladene
Ionensorten gleichzeitig gefangen werden. Durch Auswertung der Start-Phasenlage α
0 der lonenbewegung bzw. der Bahnkurve der Ionen nach der IFT-Anregung (beispielsweise
einer SWIFT-Anregung), genauer gesagt durch die Auswertung des Ausdrucks ½ cos (α
0), kann die Polarität der Ionen nachgewiesen werden: Werden die Ionen durch eine gleichmäßige
Breitbandanregung stimuliert, bewegen sich unmittelbar nach der Anregung beispielsweise
die positiv geladenen Ionen auf eine der Elektroden zu, während die negativ geladenen
Ionen sich von dieser wegbewegen. Alle Ionen werden unabhängig von ihrer Polarität
nach der Anregung detektiert. Wird für jede Ionen-Resonanzfrequenz f
ion einer zugehörigen Ionensorte die nachfolgende Formel

angewendet, die sich unmittelbar aus Formel (2) ergibt, kann die Polarität (+ bzw.
-) der zugehörigen Ionensorte bestimmt werden.
[0039] Ist die Ladungspolarität der Ionen bekannt, können beispielsweise durch eine SWIFT-(ggf.
breitband-)selektive Anregung Ionenpopulationen in Abhängigkeit von ihrer Polarität
unterschiedlich angeregt werden; dies erfolgt, indem in Abhängigkeit von der Ladungspolarität
unterschiedliche Anregungstransienten an den Messelektroden angelegt werden. Es versteht
sich, dass das oben beschriebene Vorgehen nicht auf die Elektrodengeometrie der zugrunde
liegenden FT-Ionenfalle beschränkt ist, d.h. dieses Verfahren kann bei Mess-Elektroden
mit unterschiedlichen Elektroden-Geometrien angewendet werden, beispielsweise bei
Mess-Elektroden in Form von Mess-Spitzen in den Endkappen oder Form von toroidalen
Messkappen einer toroidalen Ionenfalle, etc.
[0040] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Massenspektrometer gemäß Anspruch
14.
[0041] Bei einer Weiterbildung des Massenspektrometer ist die Anregungseinrichtung ausgebildet,
während der Speicherung und/oder während der Anregung von Ionen mindestens eine selektive,
vom Masse-zu-Ladungsverhältnis der Ionen abhängige IFT-Anregung, insbesondere eine
SWIFT-Anregung, zu erzeugen. Das hier beschriebene Massenspektrometer eignet sich
insbesondere dazu, die weiter oben beschriebenen Verfahren durchzuführen.
[0042] Es hat sich als günstig erwiesen, wenn die FT-Ionenfalle als elektrische FT-Ionenfalle
ausgebildet ist, d.h. es handelt sich bei dem Massenspektrometer um einen elektrischen
lonenresonanz-Massenanalysator, bei dem die Ionen durch ein hochfrequentes Wechselfeld
dynamisch gespeichert werden.
[0043] Bei einer Weiterbildung ist das Massenspektrometer zur Ionisierung eines zu untersuchenden
Gases in der FT-Ionenfalle ausgebildet, wobei die Auswerteeinrichtung bevorzugt ausgebildet
ist, während der Ionisierung (und während der Speicherung) eine IFT-Anregung, insbesondere
eine SWIFT-Anregung, zu erzeugen. Das Massenspektrometer kann zu diesem Zweck eine
Einrichtung zur Zuführung von Elektronen und/oder eines Ionisierungsgases in die FT-Ionenfalle
aufweisen. Wie weiter oben im Zusammenhang mit dem Verfahren beschrieben wurde, kann
auf diese Weise bereits während der Ionisierung eine Selektion von Ionen vorgenommen
werden, die in der FT-Ionenfalle (akkumulierend) gespeichert werden sollen, wodurch
die Dynamik bzw. die Empfindlichkeit der FT-Ionenfalle gesteigert werden kann.
[0044] Bei einer weiteren Ausführungsform ist die Anregungseinrichtung ausgebildet, zwischen
einer ersten Anregungsfrequenz und einer zweiten Anregungsfrequenz den Anregungsgrad
(bzw. die Amplitude) und/oder die Phasenlage der IFT-Anregung zu variieren, wobei
bevorzugt sowohl die erste Anregungsfrequenz als auch die zweite Anregungsfrequenz
um nicht mehr als 10 %, besonders bevorzugt um nicht mehr als 5 %, insbesondere um
nicht mehr als 1 %, von einer vorgegebenen Anregungsfrequenz abweichen. Wie weiter
oben beschrieben wurde, kann bei dieser Ausführungsform die Massenauflösung erhöht
werden, indem gezielt Ionen bzw. Ionenpopulationen mit dicht beieinander liegenden
Masse-zu-Ladungsverhältnissen geeignet orbital angeregt werden, so dass diese nicht
dieselben Bahnkurven durchlaufen.
[0045] Bei einer Weiterbildung dieser Ausführungsform ist die Anregungseinrichtung ausgebildet,
zwischen der ersten Anregungsfrequenz und der zweiten Anregungsfrequenz die Phasenlage
und/oder den Anregungsgrad in Abhängigkeit von der Anregungsfrequenz stufenweise zu
variieren, wobei bevorzugt zwischen der ersten Anregungsfrequenz und der zweiten Anregungsfrequenz
der Anregungsgrad und/oder die Phasenlage in Abhängigkeit von der Anregungsfrequenz
entweder stufenweise zunehmen oder stufenweise abnehmen. Durch die stufenweise, insbesondere
stetig zunehmende oder stetig abnehmende Veränderung des Anregungsgrads bzw. der Phasenlage
kann eine ausreichende Beabstandung der Orbits, eine geringe lokale Raumladungsdichte
während der Messung und somit eine höhere Massenauflösung erreicht werden.
[0046] Bei einer weiteren Ausführungsform umfasst das Massenspektrometer einen Detektor,
welcher ausgebildet ist, nach dem IFT-Anregen eine Phasenlage einer Bahnkurve von
Ionen mit einer vorgegebenen Ionen-Resonanzfrequenz anhand eines bei der Detektion
der Ionen aufgenommenen zeitabhängigen Ionensignals zu bestimmen, wobei der Detektor
bevorzugt ausgebildet ist, anhand der Phasenlage eine Ladungspolarität der detektierten
Ionen zu bestimmen. Wie weiter oben beschrieben wurde, kann durch eine Auswertung
der Phasenlage der lonenbewegung nach der IFT-Anregung die Ladungspolarität der Ionen
nachgewiesen werden.
[0047] Bei einer weiteren Ausführungsform ist die FT-Ionenfalle als FT-ICR-Ionenfalle oder
als Orbitrap ausgebildet. Massenspektrometrie mittels einer Fourier-Transformation
kann zur Durchführung schneller Messungen grundsätzlich mit unterschiedlichen Typen
von FT-Ionenfallen durchgeführt werden, wobei die Kombination mit der so genannten
lonenzyklotronresonanz-Falle (FT-ICR-Ionenfalle) am gebräuchlichsten ist. In der FT-ICR-Falle,
die als magnetische oder elektrische ICR-Falle ausgebildet sein kann, wird mittels
Zyklotronresonanzanregung Massenspektrometrie betrieben. Die so genannte Orbitrap
weist eine zentrale, spindelförmige Elektrode auf, um die herum die Ionen durch die
elektrische Anziehung auf Kreisbahnen gehalten werden, wobei durch eine dezentrale
Injektion der Ionen eine Schwingung entlang der Achse der Zentralelektrode erzeugt
wird, die in den Detektorplatten Signale erzeugt, die ähnlich wie bei der FT-ICR-Falle
(durch FT) nachgewiesen werden können. Es versteht sich, dass das Massenspektrometer
auch in Kombination mit anderen Typen von FT-Ionenfallen betrieben werden kann, d.h.
mit Ionenfallen, bei denen ein durch die gespeicherten Ionen auf Mess-Elektroden generierter
Induktionsstrom zeitabhängig detektiert und verstärkt wird.
[0048] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
von Ausführungsbeispielen, anhand der Figuren der Zeichnung, die erfindungswesentliche
Einzelheiten zeigen, und aus den Ansprüchen. Die einzelnen Merkmale können je einzeln
für sich oder zu mehreren in beliebiger Kombination verwirklicht sein.
Zeichnung
[0049] Ausführungsbeispiele sind in der schematischen Zeichnung dargestellt und werden in
der nachfolgenden Beschreibung erläutert. Es zeigt
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung eines Massenspektrometers mit einer elektrischen FT-ICR-Ionenfalle,
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung eines von der Ionen-Resonanzfrequenz abhängigen Anregungsgrads
bei einer SWIFT-Anregung,
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung eines Zeitablaufs bei einer Messung zur Aufnahme eines
Massenspektrums mit Hilfe des Massenspektrometers von Fig. 1,
- Fig. 4
- schematische Darstellungen von drei Massenspektren eines Gases mit einer Hauptgaskomponente,
- Fig. 5a,b
- schematische Darstellungen des Frequenz-Spektrums sowie des Zeitverlaufs einer (breitband-)selektiven
SWIFT-Anregung,
- Fig. 6a-c
- eine schematische Darstellung des Frequenz-Spektrums bei einer gleichmäßigen SWIFT-Anregung
bzw. bei einer im Anregungsgrad und in der Phasenlage frequenzabhängig variierenden
SWIFT-Anregung (Fig. 6a) sowie der zugehörigen Bahnkurven der angeregten Ionen (Fig.
6b,c),
- Fig. 7
- eine schematische Darstellung des Zeitverlaufs einer mehrfachen (breitband-)selektiven
SWIFT-Anregung und einer nachfolgenden Detektion,
- Fig. 8
- eine schematische Darstellung eines detektierten Ionensignals mit einem zeitlich verschiebbaren
Messzeitintervall,
- Fig. 9
- eine schematische Darstellung von zwei bei unterschiedlichen Speicherspannungen aufgenommenen
Frequenz-Spektren, sowie
- Fig. 10a-d
- schematische Darstellungen der Frequenz-Spektren von in der FT-ICR-Ionenfalle gespeicherten
positiv geladenen Ionen (Fig. 10a), negativ geladenen Ionen (Fig. 10b) sowie von allen
in der FT-ICR-Ionenfalle gespeicherten Ionen (Fig. 10c und Fig. 10d).
[0050] In der folgenden Beschreibung der Zeichnungen werden für gleiche bzw. funktionsgleiche
Bauteile identische Bezugszeichen verwendet.
[0051] In Fig. 1 ist schematisch ein Massenspektrometer 1 gezeigt, welches eine elektrische
FT-ICR-Ionenfalle 2 aufweist. Die FT-ICR-Falle 2 weist eine Ringelektrode 3 auf, an
der eine hochfrequente Wechselspannung V
RF angelegt wird, die beispielsweise eine Frequenz f
RF in der Größenordnung von kHz bis MHz, z.B. 1 MHz, und eine Amplitude V
RF von mehreren hundert Volt aufweisen kann. Die hochfrequente Wechselspannung V
RF erzeugt in der FT-ICR-Falle 2 ein hochfrequentes Wechselfeld, in dem Ionen 4a, 4b
eines zu untersuchenden Gases 4 dynamisch gespeichert werden.
[0052] Aus dem hochfrequenten Wechselfeld (E-Feld) resultiert eine mittlere Rückstellkraft,
die auf die Ionen 4a, 4b umso stärker wirkt, je weiter die Ionen 4a, 4b von der Mitte
bzw. vom Zentrum der FT-ICR-Ionenfalle 2 entfernt sind.
[0053] Zur Messung des Masse-zu-Ladungs-Verhältnisses (m/z) der Ionen 4a, 4b werden diese
durch ein Anregungssignal S1, S2 (Stimulus) zu Schwingungen angeregt, deren Frequenz
f
ion abhängig von der Ionenmasse und der Ionenladung ist und typischerweise im Frequenzbereich
in Größenordnungen von kHz bis MHz, z.B. von ca. 1 kHz bis zu 200 kHz liegt. Das jeweilige
Anregungssignal S1, S2 wird von einer zweiten und dritten Anregungseinheit 5b, 5c
erzeugt, die zusammen mit einer ersten Anregungseinheit 5a, die der Erzeugung der
hochfrequenten Speicherspannung V
RF mit der vorgegebenen Speicherfrequenz f
RF dient, eine Anregungseinrichtung 5 bildet. Die Anregungseinrichtung 5 weist auch
eine Synchronisationseinrichtung 5d auf, welche die drei Anregungseinheiten 5a-c zeitlich
synchronisiert. Jeder Anregungseinheit 5a-c ist ein Verstärker nachgeschaltet, die
ebenfalls als Teil der Anregungseinrichtung 5 sind.
[0054] Für eine rückwirkungsfreie, nicht-destruktive Detektion (d.h. die Ionen 4a, 4b sind
nach der Detektion noch vorhanden) werden die Schwingungssignale der Ionen 4a, 4b
in Form von induzierten Spiegelladungen an den Mess-Elektroden 6a, 6b abgegriffen,
wie dies beispielsweise in der eingangs zitierten
DE 10 2013 208 959 A beschrieben ist.
[0055] Wie dort im Einzelnen beschrieben ist, sind die jeweiligen Mess-Elektroden 6a, 6b
über jeweils einen Filter 7a, 7b an jeweils einen rauscharmen Ladungsverstärker 8a,
8b angeschlossen. Die Ladungsverstärker 8a, 8b erfassen und verstärken einerseits
die Ionensignale von den beiden Mess-Elektroden 6a, 6b und halten andererseits die
Mess-Elektroden 6a, 6b für die Speicherfrequenz f
RF auf virtuellem Massepotential. Aus den von den Ladungsverstärkern 8a, 8b gelieferten
Signalen wird durch Differenzbildung ein Ionensignal u
ion(t) erzeugt, dessen zeitlicher Verlauf in Fig. 1 rechts unten dargestellt ist. Das
Ionensignal u
ion(t) wird einem Detektor 9 zugeführt, der im gezeigten Beispiel einen Analog-Digital-Wandler
9a sowie ein Spektrometer 9b zur schnellen Fourier-Analyse (FFT) aufweist, um ein
Massenspektrum zu erzeugen, welches in Fig. 1 rechts oben dargestellt ist. Der Detektor
9 bzw. das Spektrometer 9b erzeugt hierbei zunächst ein Frequenz-Spektrum der charakteristischen
Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion der in der FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeicherten Ionen 4a, 4b, welches aufgrund der Abhängigkeit
der Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion von der Masse und Ladung der jeweiligen Ionen 4a, 4b in ein Massenspektrum umgerechnet
wird. In dem Massenspektrum wird die Anzahl der detektierten Teilchen bzw. Ladungen
in Abhängigkeit vom Masse-zu-Ladungs-Verhältnis m/z dargestellt.
[0056] Die elektrische FT-ICR-Falle 2 ermöglicht somit eine direkte Detektion bzw. die direkte
Aufnahme eines Massenspektrums, wodurch eine schnelle Gasanalyse ermöglicht wird.
Die schnelle Aufnahme eines Massenspektrums mit Hilfe der Fourier-Spektrometrie kann
jedoch nicht nur bei der oben beschriebenen elektrischen FT-ICR-Falle 10, sondern
auch bei Abwandlungen des in Fig. 1 gezeigten Fallentyps, beispielsweise bei einer
so genannten Orbitrap, erfolgen.
[0057] Wie weiter oben beschrieben wurde, weisen alle Ionen 4a, 4b in der FT-ICR-Ionenfalle
2 eine zu ihrem Masse-Ladungsverhältnis (m/z) proportionale Ionen-Resonanzfrequenz
f
ion auf, mit der die gespeicherten Ionen 4a, 4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 schwingen.
Werden die Ionen 4a, 4b mit ihrer jeweiligen Ionen-Resonanzfrequenz f
ion angeregt, so können sie auf diese Weise entweder gezielt angeregt werden oder durch
eine Resonanzüberhöhung aus der FT-ICR-Ionenfalle 2 geworfen werden. Es können somit
Ionen 4a, 4b mit bestimmten Masse-zu-Ladungsverhältnissen m/z selektiv angeregt oder
deren Speicherung in der FT-ICR-Ionenfalle 2 verhindert/unterdrückt werden.
[0058] Die Verallgemeinerung dieses Prinzips führt zu einem oder mehreren Bereichen ("Fenstern")
im Ionen-Resonanzfrequenzbereich, in dem Ionen 4a, 4b, deren Ionen-Resonanzfrequenz
f
ion innerhalb des jeweiligen Fensters liegt, gezielt angeregt oder unterdrückt werden
können. Die Rücktransformation dieser Bereiche über eine Inverse Fourier-Transformation
liefert das für die so genannte IFT-Anregung notwendige Zeitsignal. Werden diese Zeitverläufe
vorab berechnet, wird dies als SWIFT-Anregung 10 bezeichnet. Ein Beispiel für eine
SWIFT-Anregung 10 mit einem breitbandig selektiven Anregungs-Spektrum ist in Fig.
2 dargestellt, wobei die Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion auf die Speicherfrequenz f
RF bezogen sind. Das gewünschte selektive Anregungs-Spektrum hängt von den Ionen-Resonanzfrequenzen
f
ion und somit vom Masse-zu-Ladungsverhältnis (m/z) der Ionen 4a, 4b ab. Die zugehörige
diskrete SWIFT-Zeitfunktion (in Fig. 2 nicht gezeigt) wird zum Zeitpunkt der SWIFT-Anregung
ausgegeben, um das gewünschte in Fig. 2 gezeigte Anregungs-Spektrum zu erhalten.
[0059] Für die SWIFT-Anregung 10 können die Mess-Elektroden 6a, 6b verwendet werden. Durch
die SWIFT-Anregung 10 können die Ionen 4a, 4b in Richtung der Mess-Elektroden 6a,
6b so ausgelenkt werden, dass sowohl während der Ionenerzeugung und Ionen-Speicherung,
als auch unmittelbar vor der Detektion der Ionensignale u
ion(t) bestimmte Ionen 4a, 4b einerseits entweder gespeichert oder nicht gespeichert
werden, andererseits praktisch stufenlos angeregt oder überhaupt nicht angeregt werden.
[0060] Durch die SWIFT-Anregung ergeben sich daher mehrere Möglichkeiten zur Realisierung
von neuen Leistungsmerkmalen des Massenspektrometers 1. Voraussetzung bei allen Messaufgaben
ist, dass die Anregungszeit der Ionen 4a, 4b innerhalb der FT-ICR-Ionenfalle 2 wesentlich
kürzer als die mittlere freie Flugzeit bzw. die mittlere freie Weglänge der interessierenden
Moleküle bzw. Ionen 4a, 4b ist. Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, optimierte SWIFT-Algorithmen
zu nutzen, wie diese beispielsweise in dem Artikel "
Stored Waveform Inverse Fourier Transform Axial Excitation/Ejection for Quardupole
Ion Trap Mass Spectrometry" von S. Guan und A.G. Marshall, Anal. Chem. 1993, Seiten
1288-1294 oder in der
US 4,945,234 dargestellt sind. Opimierte SWIFT-Algorithmen generieren einerseits eine möglichst
kurze SWIFT-Signal-Ausgabe und verhindern andererseits eine Übersteuerung der an den
Mess-Elektroden 6a, 6b angeschlossenen rauscharmen Ladungsverstärker 8a, 8b. Eine
SWIFT-Anregung 10 kann unmittelbar vor der Detektion der Ionen 4a, 4b, d.h. vor der
Aufnahme des (normierten) Ionensignals erfolgen, wie dies in Fig. 3 dargestellt ist,
in der lediglich die Einhüllende des (normierten) Ionensignals u
ion(t) gezeigt ist. Eine SWIFT-Anregung 10 kann aber auch bereits während des Erzeugens
und Speicherns der Ionen 4a, 4b erfolgen, wie dies ebenfalls in dem Zeitablauf von
Fig. 3 angedeutet ist. In diesem Fall dient die SWIFT-Anregung 10 zum Selektieren
von in der FT-ICR-Ionenfalle 2 zu speichernden Ionen 4a, 4b.
[0061] Für die Erzeugung der Ionen 4a, 4b durch die Ionisierung des Gases 4 bestehen grundsätzlich
zwei Möglichkeiten: Entweder die Ionen 4a, 4b werden innerhalb der FT-ICR-Ionenfalle
2 erzeugt oder das Gas 4 wird der FT-ICR-Ionenfalle 2 in ladungsneutraler Form zugeführt
und die Ionisierung erfolgt in der FT-ICR-Ionenfalle 2. Eine solche Ionisierung in
der FT-ICR-Ionenfalle 2 kann beispielsweise auf die in der eingangs zitierten
WO 2015/003819 A1 beschriebene Weise durchgeführt werden.
[0062] Erfolgt die Ionisierung in der elektrischen FT-ICR-Ionenfalle 2, kann schon während
der Ionisierung des Gases 4 eine fortlaufende SWIFT-Anregung erfolgen (vgl. Fig. 3),
wodurch unerwünschte Gaskomponenten übermäßig angeregt werden; dadurch gehen die Ladungsträger
der unerwünschten Gaskomponenten an den umliegenden Elektroden 3, 6a, 6b verloren,
und nur die interessierenden Ladungsträger bzw. Ionen 4a, 4b werden zur Messung akkumulierend
in der FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeichert; dadurch wird in der Ionisationszeit der zu
detektierenden Ionen 4a, 4b dafür gesorgt, dass die FT-ICR-Ionenfalle 2 von den unerwünschten
Ladungsträgern nicht überflutet wird. Die zu analysierenden bzw. zu detektierenden
Ionen 4a, 4b werden unmittelbar nach der Ionisierung oder nach dem Transfer in die
FT-ICR-Ionenfalle 2 in der FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeichert und akkumuliert.
[0063] Eine solche Selektion bei bzw. vor der Speicherung ist günstig, da in vielen Applikationen
der Nachweis von Gasspuren bzw. Gaskomponenten mit sehr geringen Partialdrücken bzw.
Konzentrationen in einer Gasmatrix bzw. einem Gas 4 mit hohem Gesamtdruck erforderlich
ist. Ein Beispiel für ein Massenspektrum eines solchen Gases ist in Fig. 4 unten dargestellt.
Sollen Gasspuren mit sehr geringen Partialdrücken detektiert werden, deren Massenspektrum
in Fig. 4 rechts oben dargestellt ist, kann es sich bei den unerwünschten Gaskomponenten,
die nicht in der FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeichert werden sollen, um eine Hauptgaskomponente
11 des zu untersuchenden Gases 2 handeln. Unter einer Hauptgaskomponente 11 wird im
Sinne dieser Anmeldung ein Gasbestandteil verstanden, dessen Volumen-Anteil bei mehr
als 50 Vol-%, in vielen Anwendungen mehr als 90 Vol-% des zu untersuchenden Gases
2 liegt.
[0064] Bei dem in Fig. 4 gezeigten Beispiel weist die Hauptgaskomponente 11 zwei Ionenpopulationen
mit unterschiedlichem Masse-zu-Ladungsverhältnis (m/z)
1 bzw. (m/z)
2 auf, deren Volumen-Anteil bei jeweils mehr als 30 Vol-% des zu untersuchenden Gases
2 liegt, so dass der Volumen-Anteil der Hauptgaskomponente 11 insgesamt bei mehr als
50 Vol-% des zu untersuchenden Gases 2 liegt. Das von dem Massenspektrometer 1 aufgenommene
Massenspektrum des Gases 4 ohne eine massenselektive SWIFT-Anregung ist in Fig. 4
links oben dargestellt. In dem dort dargestellten Massenspektrum sind nur die Ionenpopulationen
der Hauptgaskomponente 11, beispielsweise eines Majoritätsträgergases, zu erkennen,
nicht aber die eigentlich interessierenden Gasspuren, deren Masse-zu-Ladungsverhältnis
außerhalb eines in Fig. 4 dargestellten Intervalls I liegen, in dem die Masse-zu-Ladungsverhältnisse
(m/z)
1 bzw. (m/z)
2 der Hauptgaskomponente 11 enthalten sind.
[0065] Durch die breitband-selektive SWIFT-Anregung 10 kann eine selektive Filterung derjenigen
Masse-zu-Ladungsverhältnisse m/z erfolgen, die innerhalb des Intervalls I liegen oder
es kann eine gezielte Filterung des ersten Masse-zu-Ladungsverhältnisses (m/z)
1 und des zweiten Masse-zu-Ladungsverhältnisses (m/z)
2 der Hauptgaskomponente 11 erfolgen. Auf diese Weise werden nur diejenigen Ionen 4a,
4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeichert, deren Masse-zu-Ladungsverhältnisse m/z
außerhalb des Intervalls I liegen, so dass diese mit hoher Genauigkeit nachgewiesen
werden können, wie anhand des Massenspektrums in Fig. 4 rechts oben zu erkennen ist.
[0066] Das Verhältnis der Partialdrücke der interessierenden Gasbestandteile zum Gesamtdruck
kann beispielsweise in Größenordnungen von ppm Volumen (10
-6 ppmV) bis pptV (10
-12) ligen. Dabei kann die Nachweisgrenze für einzelne Gaskomponenten bis zu Größenordnung
10
-16 mbar betragen. Auf diese Weise eine Dynamik D von mehr als acht Größenordnungen (D
> 10
8) erreicht werden. Zusätzlich nimmt die Empfindlichkeit (absolute Konzentration) der
Ionen 4a, 4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 und dementsprechend das Signal-zu-Rausch-Verhältnis
SNR mit der Akkumulationszeit während des Speicherns zu.
[0067] Bei einer elektrischen FT-ICR-Ionenfalle 2 wird das hochfrequente Wechselfeld (E-Feld)
durch die Raumladung, genauer gesagt durch die Raumladungsdichte, in der FT-ICR-Ionenfalle
2 beeinflusst, d.h. es existiert eine Rückwirkung der in der FT-ICR-Ionenfalle 2 vorhandenen
Ladungen bzw. Ionen 4a, 4b auf das hochfrequente Wechselfeld, welches zur Speicherung
der Ionen 4a, 4b dient. Die Beeinflussung des Wechselfeldes E ist umso größer, je
größer die Raumladungsdichte im jeweiligen Teilvolumen der FT-ICR-Ionenfalle 2 und
je schwächer die aus dem hochfrequenten Wechselfeld E herrührende mittlere Rückstellkraft
im zugehörigen Teilvolumen ist.
[0068] Insbesondere bei der Anregung von Ionen 4a, 4b mit unterschiedlichen, aber nahe zusammenliegenden
Ionen-Resonanzfrequenzen bzw. Masse-zu-Ladungsverhältnissen können streckenweise große
Raumladungsdichten in Bereichen der FT-ICR-Ionenfalle 2 entstehen, die für das Auftreten
von großen Raumladungsdichten besonders anfällig sind. Durch die große Raumladungsdichte
können ganze Ionenpakete in ihren Ionen-Resonanzfrequenzen stark gestört werden, was
eine signifikante Reduzierung der Messauflösung zur Folge hat.
[0069] Die lokale Raumladung in der FT-ICR-Ionenfalle kann verringert werden, wenn Ionen
4a, 4b mit nahe beieinanderliegenden Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion nicht gleichzeitig dieselbe Bewegungsbahn (bzw. dasselbe Orbit) durchlaufen. Dies
kann erreicht werden, indem zwischen einer ersten Ionen-Anregungsfrequenz f
ion1 und einer zweiten Ionen-Anregungsfrequenz f
ion2 der Anregungsgrad A der SWIFT-Anregung 10 frequenzabhängig bzw. in Abhängigkeit von
der Masse bzw. dem Masse-zu-Ladungsverhältnis m/z der Ionen 4a, 4b variiert wird,
wie dies in Fig. 5a dargestellt ist. Fig. 5b zeigt das zugehörige zeitabhängige Anregungssignal
(S1 bzw. S2) der SWIFT-Anregung.
[0070] Bei dem in Fig. 5a,b gezeigten Beispiel variiert der Anregungsgrad Ader SWIFT-Anregung
stufenweise in Abhängigkeit von der Ionen-Anregungsfrequenz f
ion, wobei der Anregungsgrad A über das gesamte Intervall zwischen der ersten Ionen-Anregungsfrequenz
f
ion1 und der zweiten Ionen-Anregungsfrequenz f
ion2 um nicht mehr als ca. 20 % des maximalen Anregungsgrads A (d.h. der maximalen Amplitude
der SWIFT-Anregung 10) variiert. Im gezeigten Beispiel nimmt der Anregungsgrad A von
der ersten Ionen-Anregungsfrequenz f
ion1 zur zweiten Ionen-Anregungsfrequenz f
ion2 stufenweise zu, wobei die Stufenhöhe zwischen benachbarten Stufen des Anregungsgrades
A gleich groß ist. Es versteht sich, dass der Anregungsgrad A von der ersten Ionen-Anregungsfrequenz
f
ion1 zur zweiten, größeren Ionen-Anregungsfrequenz f
ion2 alternativ auch abnehmen kann. Auch die Stufenhöhe, d.h. die Differenz zwischen den
Anregungsgraden benachbarter Stufen der SWIFT-Anregung 10 ist nicht notwendiger Weise
konstant, sondern kann von Stufe zu Stufe variieren. Eine kontinuierliche stufenlose
Variation des Anregungsgrades A zwischen der ersten Ionen-Anregungsfrequenz f
ion1 und der zweiten Ionen-Anregungsfrequenz f
ion2 ist dabei grundsätzlich ebenfalls denkbar.
[0071] Zusätzlich oder alternativ zur Variation des Anregungsgrades A bzw. der Amplitude
der SWIFT-Anregung 10 kann auch eine Variation der Phasenlage ϕ der SWIFT-Anregung
10 erfolgen, wie dies in Fig. 6a dargestellt ist. Im gezeigten Beispiel wird die Phasenlage
ϕ ebenfalls stufenweise geändert, und zwar jeweils um einen Wert von 45°, wobei die
Phasenlage ϕ der SWIFT-Anregung 10 beim in Fig. 6a gezeigten Beispiel mit zunehmenden
Ionen-Anregungsfrequenzen f
ion stufenweise zunimmt. Es versteht sich, dass eine stufenweise Abnahme der Phasenlage
ϕ der SWIFT-Anregung 10 ebenfalls möglich ist und dass die Differenz zwischen den
Phasenlagen ϕ benachbarter Stufen von 45° abweichen und insbesondere von Stufe zu
Stufe variieren kann. Es versteht sich ebenfalls, dass die stufenweise Zunahme bzw.
Abnahme der Phasenlage ϕ nur Modulo 360° definiert ist, d.h. im gezeigten Beispiel
wird nach acht Stufen wieder eine Phasenlage ϕ von 0° erreicht. Die Phasenlage ϕ entspricht
hierbei einer zeitlichen Verschiebung bzw. Verzögerung der SWIFT-Anregung, wobei die
Phasenlage ϕ auf eine vorgegebene Ionen-Anregungsfrequenz f
ion,a bezogen ist.
[0072] Die vorgegebene Ionen-Anregungsfrequenz f
ion,a kann beispielsweise der Ionen-Resonanzfrequenz f
ion bzw. dem Masse-zu-Ladungsverhältnis m/z einer zu analysierenden Ionenpopulation entsprechen.
Die vorgegebene Ionen-Anregungsfrequenz f
ion,a kann aber auch in einem Intervall zwischen zwei Ionen-Anregungsfrequenzen f
ion1, f
ion2 bzw. zwei zugehörigen Ionen-Resonanzfrequenzen liegen, deren Masse-zu-Ladungsverhältnisse
m/z dicht beieinander liegen. Die erste (kleinere) Ionen-Anregungsfrequenz f
ion1 kann beispielsweise um nicht mehr als 10 %, bevorzugt um nicht mehr als 5 %, insbesondere
um nicht mehr als 1 % von der vorgegebenen Ionen-Anregungsfrequenz f
ion,a abweichen. Gleiches gilt für die zweite, größere Ionen-Anregungsfrequenz f
ion2. Bei dem in Fig. 6a gezeigten Beispiel beträgt das Verhältnis f
ion1/f
ion,a ungefähr 0,999 (Abweichung: 0,1 %), während das Verhältnis f
ion2/f
ion,a bei ungefähr 1,009 liegt (Abweichung: 0,9 %), d.h. beide Ionen-Anregungsfrequenzen
f
ion1, f
ion2 liegen innerhalb des weiter oben beschriebenen Wertebereichs von weniger als 1 %
Abweichung.
[0073] Fig. 6b zeigt die Bewegungsbahn B der Ionen 4a, 4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 bei
einer gleichmäßigen SWIFT-Anregung, d.h. einer SWIFT-Anregung mit konstantem Anregungsgrad
A (in Fig. 6a gestrichelt dargestellt), die zudem synchron bzw. phasenstarr erfolgt.
In Fig. 6b bezeichnet der Wert z die Auslenkung der Ionen 4a, 4b in z-Richtung, d.h.
zu den Mess-Elektroden 6a, 6b in der FT-ICR-Ionenfalle 2, wobei z
0 die maximale Auslenkung bezeichnet. Der Wert T bezeichnet die Periodendauer der Schwingung
der Ionen 4a, 4b mit der vorgegebenen Ionen-Anregungsfrequenz f
ion,a. In Fig. 6b ist deutlich zu erkennen, dass die Bewegungsbahnen B der Ionen 4a, 4b
sich überlagern, so dass eine hohe Raumladungsdichte entsteht.
[0074] Fig. 6c zeigt die Bewegungsbahnen B der Ionen 4a, 4b bei der in Fig. 6a dargestellten
orbitalen SWIFT-Anregung 10 mit unterschiedlichem Anregungsgrad A, bei der zusätzlich
auch die Phasenlage ϕ wie in Fig. 6a dargestellt variiert wurde, am Beispiel von zehn
Ionenpaketen bzw. Ionenpopulationen mit benachbarten Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion bzw. mit benachbarten Masse-zu-Ladungsverhältnissen m/z. In Fig. 6c ist deutlich
zu erkennen, dass die Bahnkurven B der zehn Ionenpakete durch die SWIFT-Anregung 10
räumlich separiert werden, wodurch die lokale Raumladungsdichte in der FT-ICR-Ionenfalle
2 reduziert und dadurch die Massenauflösung erhöht wird. Die Ionen 4a, 4b durchlaufen
typischer Weise die (periodischen) Bewegungsbahnen B mehr als ca. 100 Mal - 1000 Mal,
bevor die Messung bzw. Detektion erfolgt. Auf diese Weise ist nur ein sehr geringer
Druck in der FT-ICR-Ionenfalle 2 erforderlich, um die Messung bzw. Detektion durchzuführen.
[0075] Fig. 7 zeigt eine weitere Anwendung einer SWIFT-Anregung 10, bei welcher dieselben
Ionen 4a, 4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 durch zwei (breitband-selektive SWIFT-Anregungen
10 nacheinander angeregt und jeweils nachfolgend detektiert werden. Bei der Detektion
nach einer jeweiligen SWIFT-Anregung 10 wird die Anzahl der angeregten Ionen 4a, 4b
(bzw. der Partialdruck des angeregten Gasbestandteils) ermittelt. Durch eine Mittelwertbildung
über die bei den Detektionen jeweils ermittelte Anzahl der Ionen 4a, 4b kann das Signal-zu-Rausch-Verhältnis
(SNR) der interessierenden, angeregten Ionen 4a, 4b signifikant erhöht werden, ohne
dass die übrigen Ionen durch die Anregung beeinflusst werden.
[0076] Voraussetzung für eine solche mehrfache Detektion ist es, dass zwischen zwei zeitlich
unmittelbar aufeinander folgenden IFT-Anregungen 10 ein Zeitintervall τ liegt, das
größer ist als eine mittlere freie Flugzeit t
M der Ionen 4a, 4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2, d.h. es gilt τ > tnn, wobei typischer
Weise t
M bei mehr als ca einer Millisekunde ( >1 ms) liegt. Die SWIFT-Anregungen werden erst
wiederholt, wenn die Ionen 4a, 4b ein Vielfaches der mittleren freien Flugzeit t
M zurückgelegt haben, z.B. mehr als 3 × t
M, mehr als 5 × t
Moder mehr als 10 × t
M.
[0077] Fig. 8 zeigt ein zeitabhängiges Ionensignal u
ion(t) nach einer SWIFT-Anregung 10 sowie ein gestrichelt dargestelltes, zeitlich verschiebbares
Messzeitintervall 12 (FFT-Zeitfenster), welches eine Zeitdauer ti in der Größenordnung
von beispielsweise mehreren Millisekunden, bevorzugt von 10 ms oder weniger, besonders
bevorzugt von 5 ms oder weniger aufweist. Durch ein stufenloses oder diskretes Verschieben
des Messzeitintervalls 12 kann eine zeitaufgelöste Darstellung des chemischen Verhaltens
der in der Gasmatrix bzw. der in dem zu untersuchenden Gas eingebetteten Ionenpopulation
erfolgen. Die massenspektrometrische Untersuchung wird in diesem Fall nur anhand der
Werte des Ionensignals u
ion(t) während des Messzeitintervalls 12 vorgenommen, d.h. nur in dem Messzeitintervall
12 erfolgt eine Auswertung. Dies ist insbesondere günstig, wenn während der Detektion
der Ionen 4a, 4b chemische Reaktionen wie z.B. Ladungstransfer oder "Protonierung"
erfolgen, welche die ursprünglich vorhandene Ionenpopulation während des Detektionszeitraums
verändern. Durch die Auswertung nur in dem Messzeitintervall 12 kann beispielsweise
eine Reaktion wie der Übergang von H
2O
+ zu H
3O
+ praktisch in Echtzeit beobachtet werden, d.h. es können auch Zwischenprodukte von
chemischen Reaktionen detektiert werden. Insbesondere kann auf diese Weise überprüft
werden, ob die selektierten, in der FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeicherten Ionen 4a, 4b
tatsächlich derjenigen Ionenpopulation entspricht, die für die chemische Reaktion
vorgesehen ist. Gegebenenfalls kann die Selektion bzw. der Selektionsprozess der Ionen
4a, 4b, die in der FT-ICR-Ionenfalle 2 akkumuliert werden sollen, geeignet angepasst
werden.
[0078] Bei der Aufnahme von Massenspektren mittels des Massenspektrometers 1 kann es vorkommen,
dass parasitäre Störfrequenzen f
R auftreten, die zu Linien in dem aufgenommenen Massenspektrum führen, die nicht durch
die in der FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeicherten Ionen 4a, 4b erzeugt werden. Derartige
Störfrequenzen f
R können zu einer Fehlinterpretation des Massenspektrums führen.
[0079] Um Störfrequenzen f
R im Massenspektrum zu identifizieren und ggf. zu eliminieren, wird ein Verfahren angewendet,
welches nachfolgend beschrieben wird: In einem ersten Schritt werden die Ionen 4a,
4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 mittels einer SWIFT-Anregung angeregt und nachfolgend
detektiert, um ein erstes Frequenz-Spektrum 13a der Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion aufzunehmen (in Fig. 9 gestrichelt dargestellt). In einem zweiten Schritt werden
die Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion der Ionen 4a, 4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 verändert und in einem dritten Schritt
werden die Ionen 4a, 4b erneut mittels einer SWIFT-Anregung 10 angeregt und nachfolgend
detektiert, wobei ein zweites Frequenz-Spektrum 13b aufgenommen wird, welches in Fig.
9 mit durchgezogenen Linien dargestellt ist.
[0080] Beim Vergleich der beiden in Fig. 9 gezeigten Frequenz-Spektren 13a, 13b ist deutlich
erkennbar, dass das erste und zweite Frequenz-Spektrum 13a, 13b Linien aufweisen,
deren Frequenzen sich bei der Veränderung der Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion in der FT-ICR-Ionenfalle 2 praktisch nicht verschoben haben, so dass deren Lage in
beiden Frequenz-Spektren 13a, 13b praktisch übereinstimmt. Diese Linien können als
Störfrequenzen f
R identifiziert bzw. bestimmt werden. Diejenigen Linien in den beiden Frequenz-Spektren
13a, 13b, die sich durch die Veränderung der Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion systematisch verschieben lassen, können hingegen den in der FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeicherten
Ionen 4a, 4b zugeordnet werden, d.h. es handelt sich um Linien bei "echten" Ionen-Resonanzfrequenzen
f
ion.
[0081] Wie in Fig. 9 angedeutet ist, wurde zum Verändern der Ionen-Resonanzfrequenzen fion
die Speicherspannung V
RF der FT-ICR-Ionenfalle 2 von einem ersten Wert Vrf1 auf einen zweiten Wert Vrf2 geändert.
Da bei vorgegebenem Masse-zu-Ladungsverhältnis m/z die Ionen-Resonanzfrequenz fion
direkt proportional zur Speicherspannung V
RF ist, können durch das Verändern der Speicherspannung V
RF die Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion verschoben werden. Da bei gegebenem Masse-zu-Ladungsverhältnis m/z die Ionen-Resonanzfrequenz
fion umgekehrt proportional zum Quadrat der Speicherfrequenz f
RF ist, kann eine Veränderung der Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion alternativ oder zusätzlich auch durch eine Veränderung der Speicherfrequenz f
RF erfolgen.
[0082] Alternativ oder zusätzlich zu einer Veränderung der Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion kann in dem zweiten Schritt eine Veränderung der Phasenlage ϕ und/oder der Schwingungs-Amplitude
z/z
0 der Bahnkurven B der Ionen 4a, 4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 beispielsweise mittels
einer massenabhängigen SWIFT-Anregung 10 erfolgen, wie sie beispielhaft in Fig. 6a-c
dargestellt ist. Bei einer solchen SWIFT-Anregung verändern sich die Bahnkurven der
Ionen 4a, 4b, was sich beispielsweise durch eine Veränderung der Höhen der Linien
des zweiten Frequenz-Spektrums 13b im Vergleich zum ersten Frequenz-Spektrum 13a bemerkbar
macht. Auf die Störfrequenzen f
R hat die SWIFT-Anregung 10 hingegen praktisch keinen Einfluss, so dass die Störfrequenzen
f
R auch bei dieser Variante durch einen Vergleich der beiden Frequenz-Spektren 13a,
13b detektiert bzw. identifiziert werden können.
[0083] Eine weitere Anwendung einer SWIFT-Anregung 10 besteht in der Bestimmung der Ladungspolaritäten
(pos. / neg.) der in der elektrischen FT-ICR-Ionenfalle 2 gespeicherten Ionen 4a,
4b. Für die Bestimmung bzw. Identifikation der positiv geladenen Ionen 4a bzw. der
negativ geladenen Ionen 4b in der FT-ICR-Ionenfalle 2 wird zunächst eine Phasenlage
α
0 der Bahnbewegung B zu Beginn der Detektion, d.h. unmittelbar nach der SWIFT-Anregung
10, bei einer vorgegebenen Ionen-Resonanzfrequenz f
ion gemäß der weiter oben angegebenen Formel (2) ermittelt, die nachfolgend nochmals
wiedergegeben wird:
Aus

folgt:

wobei ϕ eine Startphase der SWIFT-Anregung 10 der Ionen 4a, 4b bei der Ionen-Resonanzfrequenz
f
ion darstellt, û
ion das Maximum des Absolut-Werts des Ionensignals u
ion(t) zu Beginn der Messung bezeichnet, und wobei gilt: T
0 >> 1/f
ion bzw. T
0 = N
0 × 1/f
ion und N
0 ganzzahlig >> 1. Der Wert der Amplitude bzw. der Einhüllenden des oszillierenden
Ionensignals û
ion verändert sich während des Messzeitintervalls T
0 typischer Weise nur geringfügig, d.h. die Dauer des Messintervalls T
0 ist deutlich kleiner als die mittlere freie Flugzeit der Ionen.
[0084] In der elektrischen FT-ICR-Ionenfalle 2 können sowohl positiv geladene Ionen 4a als
auch negativ geladene Ionen 4b gleichzeitig gefangen werden. Alle Ionen 4a, 4b werden
unabhängig von ihrer Ladungspolarität nach der SWIFT-Anregung 10 detektiert, wodurch
sich beispielsweise ein Frequenz-Spektrum ergeben kann, welches in Fig. 10c dargestellt
ist. Das in Fig. 10c gezeigte Frequenz-Spektrum aller in der FT-ICR-Ionenfalle gespeicherten
Ionen 4a, 4b stellt eine Überlagerung des Frequenz-Spektrums der positiv geladenen
Ionen 4a, welches in Fig. 10a dargestellt ist, und des Frequenz-Spektrums der negativ
geladenen Ionen 4b, welches in Fig. 10b dargestellt ist.
[0085] Durch Auswertung der Phasenlage α
0 der Ionenbewegung bzw. der Bahnkurve B der Ionen 4a, 4b nach der SWIFT-Anregung kann
die Ladungspolarität der Ionen 4a, 4b nachgewiesen werden: Werden die Ionen 4a, 4b
durch eine gleichmäßige Breitbandanregung stimuliert, bewegen sich unmittelbar nach
der SWIFT-Anregung 10 beispielsweise die positiv geladenen Ionen 4a auf die erste
Mess-Elektrode 6a zu, während die negativ geladenen Ionen 4b sich von dieser wegbewegen.
[0086] Wird für jede Ionen-Resonanzfrequenz fion, welche einer Linie in Fig. 10c gezeigten
Frequenz-Spektrum entspricht, beispielsweise die folgende Formel

angewendet, können die positiven Ionen 4a beispielsweise anhand eines positiven Vorzeichens
(α
0 = 0°, Polarität +1) und die negativen Ionen 4b anhand eines negativen Vorzeichens
(α
0 =180°, Polarität -1) identifiziert werden. Die positiven Ionen 4a bzw. die negativen
Ionen 4b können auf diese Weise im Frequenz-Spektrum aller Ionen 4a, 4b identifiziert
werden, wie dies in Fig. 10d dargestellt ist.
[0087] Beim oben beschriebenen Beispiel wurde davon ausgegangen, dass die SWIFT-Anregung
10 mit einer Startphase ϕ = 0 durchgeführt wird. Wie weiter oben beschrieben wurde,
kann die Startphase ϕ bei einer massenabhängigen phasenversetzten orbitalen SWIFT-Anregung
10 aber auch in Abhängigkeit von der Ionen-Resonanzfrequenz f
ion variiert werden. Auf diese Weise können Ionenpakete im Frequenz-Spektrum bzw. im
Massenspektrum entsprechend unterschiedlich gekennzeichnet werden.
[0088] Ist die Ladungspolarität (pos. / neg. bzw. + / -) der Ionen 4a, 4b bekannt, können
beispielsweise durch eine SWIFT-(breitband-)selektive Anregung 10 Ionenpopulationen
in Abhängigkeit von ihrer Ladungspolarität unterschiedlich angeregt werden. Dies kann
erfolgen, indem in Abhängigkeit von der Ladungspolarität bei den jeweils zugehörigen
Ionen-Resonanzfrequenzen f
ion unterschiedliche Anregungstransienten an den Mess-Elektroden 6a, 6b angelegt werden.
Es versteht sich, dass das oben beschriebene Vorgehen nicht auf die in Elektrodengeometrie
der in Fig. 1 gezeigten FT-ICR-Ionenfalle beschränkt ist, d.h. dieses Verfahren kann
bei Mess-Elektroden mit unterschiedlichen Elektroden-Geometrien angewendet werden,
beispielsweise bei Mess-Elektroden in Form von Mess-Spitzen in den Endkappen oder
Form von toroidalen Messkappen einer toroidalen Ionenfalle, etc.
[0089] Zusammenfassend können auf die weiter oben beschriebene Weise die Leistungsmerkmale
eines Massenspektrometers 1 mit einer FT-Ionenfalle 2 deutlich gesteigert werden.
1. Verfahren zur massenspektrometrischen Untersuchung eines Gases (4), umfassend:
Ionisieren des Gases (4) zum Erzeugen von Ionen (4a, 4b), Speichern, Anregen und Detektieren
zumindest eines Teils der erzeugten Ionen (4a, 4b) in einer Fourirer-Transformations(FT)-Ionenfalle
(2),
umfassend:
Anregen der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle (2) und Aufnehmen eines ersten Frequenz-Spektrums
(13a),
Verändern der Phasenlage (ϕ) und/oder der Schwingungs-Amplitude (z/z0) der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle (2) und/oder Verändern der Ionen-Resonanzfrequenzen
(fion) der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle (2), Erneutes Anregen der Ionen (4a, 4b)
in der FT-Ionenfalle (2) und Aufnehmen eines zweiten Frequenz-Spektrums (13b), sowie
Detektieren von Störfrequenzen (fR) in der FT-Ionenfalle (2) durch Vergleichen des ersten und des zweiten aufgenommenen
Frequenz-Spektrums (13a, 13b) als Frequenzkomponenten, die nicht auf das Verändern
der Phasenlage und/oder der Schwingungs-Amplitude und/oder der Ionen-Resonanzfrequenz
der Ionen reagieren.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Erzeugen und Speichern der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle (2) und/oder das
Anregen der Ionen (4a, 4b) vor dem Detektieren der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle
(2) mindestens eine selektive, vom Masse-zu-Ladungsverhältnis (m/z) der Ionen (4a,
4b) abhängige IFT-Anregung, insbesondere eine SWIFT-Anregung (10), umfasst.
3. Verfahren nach Anspruch 2, bei dem während des Erzeugens der Ionen (4a, 4b) in der
FT-Ionenfalle (2) und während des Speicherns der Ionen in der FT-Ionenfalle (2) mindestens
eine IFT-Anregung (10) zum Selektieren von in der FT-Ionenfalle (2) zu speichernden
Ionen (4a, 4b) durchgeführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, bei dem nur Ionen (4a, 4b) zum Speichern selektiert werden,
deren Masse-zu-Ladungsverhältnis (m/z) außerhalb eines Intervalls (I) der Masse-zu-Ladungsverhältnisse
((m/z)1, (m/z)2) einer Hauptgaskomponente (11) des Gases (4) liegt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, bei dem zwischen einer ersten Anregungsfrequenz
(fion1) und einer zweiten Anregungsfrequenz (fion2) der Anregungsgrad (A) und/oder die Phasenlage (ϕ) der IFT-Anregung (10) variiert
werden, wobei sowohl die erste Anregungsfrequenz (fion1) als auch die zweite Anregungsfrequenz (fion2) um nicht mehr als 10 %, bevorzugt um nicht mehr als 5 %, insbesondere um nicht mehr
als 1 % von einer vorgegebenen Anregungsfrequenz (fion,a) abweichen.
6. Verfahren nach Anspruch 5, bei dem zwischen der ersten Anregungsfrequenz (fion1) und der zweiten Anregungsfrequenz (fion2) die Phasenlage (ϕ) und/oder der Anregungsgrad (A) in Abhängigkeit von der Anregungsfrequenz
(fion) stufenweise variieren.
7. Verfahren nach Anspruch 6, bei dem zwischen der ersten Anregungsfrequenz (fion1) und der zweiten Anregungsfrequenz (fion2) der Anregungsgrad (A) und/oder die Phasenlage (ϕ) in Abhängigkeit von der Anregungsfrequenz
(fion) entweder stufenweise zunehmen oder stufenweise abnehmen.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 7, bei dem dieselben Ionen (4a, 4b) in der
FT-Ionenfalle (2) durch IFT-Anregungen (10) mehrmals selektiv angeregt werden, wobei
nach einer jeweiligen IFT-Anregung (10) eine Detektion der Ionen (4a, 4b) durchgeführt
wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, bei dem zwischen zwei zeitlich unmittelbar aufeinander
folgenden IFT-Anregungen (10) ein Zeitintervall (τ) liegt, das größer ist als eine
mittlere freie Flugzeit (tM) der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle (2).
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 9, bei dem beim Detektieren der Ionen (4a,
4b) eine massenspektrometrische Untersuchung eines Ionensignals (uion(t)) nur in einem zeitlich verschiebbaren Messzeitintervall (12) erfolgt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, bei dem das Verändern der Ionen-Resonanzfrequenzen
(fion) das Verändern einer Speicherspannung (VRF) und/oder einer Speicherfrequenz (fRF) der FT-Ionenfalle (2) umfasst.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiter umfassend: Bestimmen einer
Start-Phasenlage (α0) einer Bahnkurve (B) von Ionen (4a, 4b) bei einer vorgegebenen Ionen-Resonanzfrequenz
(fion) nach einer IFT-Anregung (10) anhand eines bei der Detektion der Ionen (4a, 4b) aufgenommenen
zeitabhängigen Ionensignals (uion(t)).
13. Verfahren nach Anspruch 12, weiter umfassend: Bestimmen einer Ladungspolarität der
Ionen (4a, 4b) anhand der Start-Phasenlage (α0) der Ionen (4a, 4b) nach der IFT-Anregung (10).
14. Massenspektrometer (1), umfassend:
eine Fourier-Transformations(FT)-Ionenfalle (2),
eine Anregungseinrichtung (5) zur Speicherung, Anregung und Detektion von Ionen (4a,
4b) in der FT-Ionenfalle (2),
wobei
die Anregungseinrichtung (5) ausgebildet ist, eine Phasenlage (ϕ) und/oder eine Schwingungs-Amplitude
(z/z0) der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle (2) und/oder Ionen-Resonanzfrequenzen (fion) der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle (2) zu verändern, wobei das Massenspektrometer
(1) zusätzlich einen Detektor (9) aufweist, der ausgebildet ist, anhand eines Vergleichs
eines ersten, vor dem Verändern der Phasenlage (ϕ) und/oder der Schwingungs-Amplitude
(z/z0) und/oder der Ionen-Resonanzfrequenzen (fion) aufgenommenen Frequenz-Spektrums (13a) mit einem zweiten, nach dem Verändern der
Phasenlage (ϕ) und/oder der Schwingungs-Amplitude (z/z0)) und/oder der Ionen-Resonanzfrequenzen (fion) der Ionen (4a, 4b) in der FT-Ionenfalle (2) aufgenommenen Frequenz-Spektrums (13b)
Störfrequenzen (fR) in der FT-Ionenfalle (2) als Frequenzkomponenten zu detektieren, die nicht auf das
Verändern der Phasenlage und/oder der Schwingungs-Amplitude und/oder der Ionen-Resonanzfrequenz
der Ionen reagieren.
15. Massenspektrometer nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Anregungseinrichtung (5) ausgebildet ist, während der Speicherung und/oder während
der Anregung von Ionen (4a, 4b) mindestens eine selektive, vom Masse-zu-Ladungsverhältnis
(m/z) der Ionen (4a, 4b) abhängige IFT-Anregung, insbesondere eine SWIFT-Anregung
(10), zu erzeugen.
16. Massenspektrometer nach Anspruch 15, welches zur Ionisierung eines zu untersuchenden
Gases (4) in der FT-Ionenfalle (2) ausgebildet ist, wobei die Anregungseinrichtung
(5) bevorzugt ausgebildet ist, während der Ionisierung eine IFT-Anregung, insbesondere
eine SWIFT-Anregung (10), zu erzeugen.
17. Massenspektrometer nach Anspruch 15 oder 16, bei welchem die Anregungseinrichtung
(5) ausgebildet ist, zwischen einer ersten Anregungsfrequenz (fion1) und einer zweiten Anregungsfrequenz (fion2) den Anregungsgrad (A) und/oder die Phasenlage (ϕ) der IFT-Anregung zu variieren,
wobei bevorzugt sowohl die erste Anregungsfrequenz (fion1) als auch die zweite Anregungsfrequenz (fion2) um nicht mehr als 10 %, besonders bevorzugt um nicht mehr als 5 %, insbesondere
um nicht mehr als 1 % von einer vorgegebenen Anregungsfrequenz (fion,a) abweichen.
18. Massenspektrometer nach Anspruch 17, bei welchem die Anregungseinrichtung (5) ausgebildet
ist, zwischen der ersten Anregungsfrequenz (fion1) und der zweiten Anregungsfrequenz (fion2) die Phasenlage (ϕ) und/oder den Anregungsgrad (A) in Abhängigkeit von der Anregungsfrequenz
(fion) stufenweise zu variieren, wobei bevorzugt zwischen der ersten Anregungsfrequenz
(fion1) und der zweiten Anregungsfrequenz (fion2) der Anregungsgrad (A) und/oder die Phasenlage (ϕ) in Abhängigkeit von der Anregungsfrequenz
(fion) entweder stufenweise zunehmen oder stufenweise abnehmen.
19. Massenspektrometer nach einem der Ansprüche 15 bis 18, weiter umfassend:
einen Detektor (9), welcher ausgebildet ist, nach dem IFT-Anregen eine Start-Phasenlage
(α0) einer Bahnkurve (B) von Ionen (4a, 4b) mit einer vorgegebenen Ionen-Resonanzfrequenz
(fion) anhand eines bei der Detektion der Ionen (4a, 4b) aufgenommenen zeitabhängigen Ionensignals
(uion(t)) zu bestimmen, wobei der Detektor (9) bevorzugt ausgebildet ist, anhand der Start-Phasenlage
(α0) eine Ladungspolarität (pos., neg.) der detektierten Ionen (4a, 4b) zu bestimmen.
20. Massenspektrometer nach einem der Ansprüche 14 bis 19, bei dem die FT-Ionenfalle (2)
als FT-ICR-Ionenfalle oder als Orbitrap ausgebildet ist.
1. Method for a mass-spectrometric analysis of a gas (4) comprising the steps of:
ionizing the gas (4) to generate ions (4a, 4b),
storing, exciting and detecting at least a part of the generated ions (4a, 4b) in
a Fourier transformation (FT) ion trap (2), comprising the steps of:
exciting the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2) and recording a first frequency
spectrum (13a),
changing the phasing (ϕ) and/or the oscillation amplitude (z/z0) of the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2) and/or changing the ion resonance frequencies
(fion) of the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2),
re-exciting the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2) and
recording a second frequency spectrum (13b), as well as
detecting disturbance frequencies (fR) in the FT ion trap (2) by comparing the first and the second recorded frequency
spectrum (13a, 13b) as frequency components which do not react to the change of the
phase and/or the oscillation amplitude and/or the ion resonance frequency of the ions.
2. Method according to claim 1, characterized in that generating and storing the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2) and/or exciting the
ions (4a, 4b) before detecting the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2) comprises
at least one selective IFT excitation dependent on the mass-to-charge ratio (m/z)
of the ions (4a, 4b), in particular a SWIFT excitation (10).
3. Method according to claim 2, wherein during the generation of the ions (4a, 4b) in
the FT ion trap (2) and during the storing of the ions in the FT ion trap (2) at least
one IFT excitation is performed to select ions (4a, 4b) to be stored in the FT ion
trap (2).
4. Method according to claim 3, wherein only ions (4a, 4b) are selected for storing,
the mass-to-charge ratio (m/z) of which is outside an interval (I) of the mass-to-charge
ratios ((m/z)1, (m/z)2) of a main gas component (11) of the gas (4).
5. Method according to one of claims 2 to 4, wherein between a first excitation frequency
(fion1) and a second excitation frequency (fion2), the excitation level (A) and/or the phase (ϕ) of the IFT excitation (10) are varied,
wherein both the first excitation frequency (fion1) and the second excitation frequency (fion2) deviate from a preset excitation frequency (fion a) by no more than 10%, preferably no more than 5%, in particular no more than 1%.
6. Method according to claim 5, wherein between the first excitation frequency (fion1) and the second excitation frequency (fion2), the phase (ϕ) and/or the excitation level (A) vary gradually in dependence on the
excitation frequency (fion).
7. Method according to claim 6, wherein between the first excitation frequency (fion1) and the second excitation frequency (fion2), the excitation level (A) and/or the phase (ϕ) either increase gradually or decrease
gradually in dependence on the excitation frequency (fion).
8. Method according to one of claims 2 to 7, wherein the same ions (4a, 4b) in the FT
ion trap (2) are selectively excited several times by IFT excitations (10), wherein
a detection of the ions (4a, 4b) is performed after a respective IFT excitation (10).
9. Method according to claim 8, wherein a time interval (τ) exists between two temporally
immediately successive IFT excitations (10), which is greater than a average time
of flight (tM) of the ions (a, 4b) in the FT-ion traps (2).
10. Method according to one of claims 2 to 9, wherein during the detection of the ions
(4a, 4b), a mass-spectrometric analysis of an ion signal (uion(t)) is performed only in a time shifting measurement time interval (12).
11. Method according to one of claims 1 to 10, wherein changing the ion resonance frequencies
(fion) comprises changing a storage voltage (VRF) and/or a storage voltage (fRF) of the FT ion trap (2).
12. Method according to one of the preceding claims, further comprising the step of:
determining an initial phase (α0) of a trajectory (B) of ions (4a, 4b) at a preset ion resonance frequency (fion) after an IFT excitation (10), based on a time-dependent ion signal (uion(t)) recorded during detection of the ions (4a, 4b).
13. Method according to claim 12, further comprising the step of: determining a charge
polarity of the ions (4a, 4b) based on the initial phase (α0) of the ions (4a, 4b) after the IFT excitation (10).
14. Mass spectrometer (1) comprising:
a Fourier transformation (FT) ion trap (2),
an excitation device (5) for storing, exciting and detecting ions (4a, 4b) in the
ion trap (2),
wherein
the excitation device (5) is configured to change a phase (ϕ) and/or an oscillation
amplitude (z/z0) of the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2) and/or changing the ion resonance frequencies
(fion) of the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2), wherein the mass spectrometer (1) additionally
comprises a detector (9) configured to detect, based on a comparison of a first frequency
spectrum (13a) recorded before changing the phase (ϕ) and/or an oscillation amplitude
(z/z0) and/or the ion resonance frequencies (fion) and a second frequency spectrum (13b) recorded after changing the phase (ϕ) and/or
an oscillation amplitude (z/z0) and/or the ion resonance frequencies (fion) of the ions (4a, 4b) in the FT ion trap (2), disturbance frequencies (fR) in the FT ion trap (2) as frequency components which do not react to the change
of the phasing and/or the oscillation amplitude and/or the ion resonance frequency
of the ions.
15. Mass spectrometer according to claim 14, characterized in that the excitation device (5) is configured to generate, during the storage and/or during
the excitation of ions (4a, 4b) at least one selective IFT excitation dependent on
the mass-to-charge ratio (m/z) of the ions (4a, 4b), in particular a SWIFT excitation
(10).
16. Mass spectrometer according to claim 15, which is configured for ionizing a gas (4)
to be analyzed in the FT ion trap (2),wherein the excitation device (5) is preferably
configured to generate an IFT excitation, in particular a SWIFT excitation (10), during
ionization.
17. Mass spectrometer according to claim 15 or 16, wherein the excitation device (5) is
configured to vary, between a first excitation frequency (fion1) and a second excitation frequency (fion2), the excitation level (A) and/or the phase (ϕ) of the IFT excitation (10), wherein
preferably both the first excitation frequency (fion1) and the second excitation frequency (fion2) deviate from a preset excitation frequency (fion a) by no more than 10%, preferably no more than 5%, in particular no more than 1%.
18. Mass spectrometer according to claim 17, wherein the excitation device (5) is configured
to gradually vary, between the first excitation frequency (fion1) and the second excitation frequency (fion2), the phase (ϕ) and/or the excitation level (A) in dependence on the excitation frequency
(fion), wherein preferably between the first excitation frequency (fion1) and the second excitation frequency (fion2), the excitation level (A) and/or the phase (ϕ) either increase gradually or decrease
gradually in dependence on the excitation frequency (fion).
19. Mass spectrometer according to one of claims 15 to 18, further comprising:
a detector (9) configured to determine an initial phase (α0) of a trajectory (B) of ions (4a, 4b) at a preset ion resonance frequency (fion) after an IFT excitation (10), based on a time-dependent ion signal (uion(t)) recorded during detection of the ions (4a, 4b), wherein the detector (9) is preferably
configured to determine a charge polarity (pos., neg.) of the detected ions (4a, 4b)
based on the initial phasing (α0).
20. Mass spectrometer according to one of claims 14 to 19, wherein the FT ion trap (2)
is configured as a FT-ICR ion trap or an orbitrap.
1. Procédé d'analyse d'un gaz (4) par spectrométrie de masse, comprenant les étapes consistant
à :
ioniser le gaz (4) afin de produire des ions (4a, 4b),
stocker, exciter et détecter au moins une partie des ions (4a, 4b) produits dans un
piège à ions à transformée de Fourier (FT) (2), comprenant les étapes consistant à
:
exciter les ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2) et enregistrer un premier spectre
de fréquences (13a),
modifier la phase (ϕ) et/ou l'amplitude des oscillations (z/z0) des ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2) et/ou modifier les fréquences de résonance
ionique (fion) des ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2),
exciter à nouveau les ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2), et
enregistrer un deuxième spectre de fréquences (13b), et
détecter, sous la forme de composantes de fréquence qui ne réagissent pas à la modification
de la phase et/ou de l'amplitude des oscillations et/ou de la fréquence de résonance
ionique des ions, des fréquences parasites (fR) dans le piège à ions FT (2) en comparant les premier et deuxième spectres de fréquences
(13a, 13b) enregistrés.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que la production et le stockage des ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2) et/ou
l'excitation des ions (4a, 4b) avant la détection des ions (4a, 4b) dans le piège
à ions FT (2) comprennent au moins une excitation à transformée de Fourier inverse
(IFT) sélective, dépendante du rapport masse/charge (m/z) des ions (4a, 4b), en particulier
une excitation à transformée de Fourier inverse d'une forme d'onde prédéfinie (SWIFT)
(10).
3. Procédé selon la revendication 2, dans lequel au moins une excitation à IFT (10),
permettant de sélectionner des ions (4a, 4b) à stocker dans le piège à ions FT (2),
est mise en oeuvre pendant la production des ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT
(2) et pendant le stockage des ions dans le piège à ions FT (2).
4. Procédé selon la revendication 3, dans lequel seuls des ions (4a, 4b) dont le rapport
masse/charge (m/z) se situe en dehors d'un intervalle (1) des rapports masse/charge
((m/z)1, (m/z)2) d'un composant gazeux principal (11) du gaz (4) sont sélectionnés pour le stockage.
5. Procédé selon l'une des revendications 2 à 4, dans lequel on fait varier le degré
d'excitation (A) et/ou la phase (ϕ) de l'excitation à IFT (10) entre une première
fréquence d'excitation (fion1) et une deuxième fréquence d'excitation (fion2), où tant la première fréquence d'excitation (fion1) que la deuxième fréquence d'excitation (fion2) ne s'écartent pas d'une fréquence d'excitation prédéfinie (fion,a) de plus de 10 %, de préférence de plus de 5 %, de manière particulièrement préférée
de plus de 1 %.
6. Procédé selon la revendication 5, dans lequel la phase (ϕ) et/ou le degré d'excitation
(A) varie(nt) progressivement entre la première fréquence d'excitation (fion1) et la deuxième fréquence d'excitation (fion2) en fonction de la fréquence d'excitation (fion).
7. Procédé selon la revendication 6, dans lequel le degré d'excitation (A) et/ou la phase
(ϕ) augmente(nt) progressivement ou diminue(nt) progressivement entre la première
fréquence d'excitation (fion1) et la deuxième fréquence d'excitation (fion2) en fonction de la fréquence d'excitation (fion).
8. Procédé selon l'une des revendications 2 à 7, dans lequel les mêmes ions (4a, 4b)
dans le piège à ions FT (2) sont excités de manière sélective plusieurs fois par des
excitations à IFT (10), une détection des ions (4a, 4b) étant réalisée après chaque
excitation à IFT (10).
9. Procédé selon la revendication 8, dans lequel il existe entre deux excitations à IFT
(10) immédiatement consécutives dans le temps un intervalle de temps (T) supérieur
à un temps de vol libre moyen (tM) des ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2).
10. Procédé selon l'une des revendications 2 à 9, dans lequel, lors de la détection des
ions (4a, 4b), un examen par spectrométrie de masse d'un signal ionique (uion(t)) n'a lieu que dans un intervalle de temps de mesure (12) pouvant être décalé dans
le temps.
11. Procédé selon l'une des revendications 1 à 10, dans lequel la modification des fréquences
de résonance ionique (fion) comprend la modification d'une tension de stockage (VRF) et/ou d'une fréquence de stockage (fRF) du piège à ions FT (2).
12. Procédé selon l'une des revendications précédentes, comprenant en outre les étapes
consistant à :
déterminer une phase de départ (α0) d'une trajectoire (B) d'ions (4a, 4b) à une fréquence de résonance ionique (fion) prédéfinie après une excitation à IFT (10) au moyen d'un signal ionique dépendant
du temps (uion(t)) enregistré lors de la détection des ions (4a, 4b).
13. Procédé selon la revendication 12, comprenant en outre une étape consistant à :
déterminer une polarité de charge des ions (4a, 4b) à l'aide de la phase de départ
(α0) des ions (4a, 4b) après l'excitation à IFT (10).
14. Spectromètre de masse (1), comprenant :
un piège à ions à transformée de Fourier (FT) (2),
un dispositif d'excitation (5) permettant de stocker, exciter et détecter des ions
(4a, 4b) dans le piège à ions FT (2),
dans lequel
le dispositif d'excitation (5) est conçu pour modifier une phase (ϕ) et/ou une amplitude
des oscillations (z/z0) des ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2) et/ou des fréquences de résonance
ionique (fion) des ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2), dans lequel le spectromètre de masse
(1) présente en outre un détecteur (9) conçu pour détecter, sous forme de composantes
de fréquence qui ne réagissent pas à la modification de la phase (ϕ) et/ou de l'amplitude
des oscillations (z/z0) et/ou de la fréquence de résonance ionique (fion) des ions, des fréquences parasites (F) dans le piège à ions FT (2) au moyen d'une comparaison entre un premier spectre
de fréquences (13a) enregistré avant la modification de la phase (ϕ) et/ou de l'amplitude
des oscillations (z/z0) et/ou des fréquences de résonance ionique (fion) et un deuxième spectre de fréquences (13b) enregistré après la modification de la
phase (ϕ) et/ou de l'amplitude des oscillations (z/z0) et/ou des fréquences de résonance ionique (fion) des ions (4a, 4b) dans le piège à ions FT (2).
15. Spectromètre de masse selon la revendication 14, caractérisé en ce que le dispositif d'excitation (5) est conçu pour générer au moins une excitation à IFT
sélective, dépendante du rapport masse/charge (m/z) des ions (4a, 4b), en particulier
une excitation à SWIFT (10), pendant le stockage et/ou pendant l'excitation des ions
(4a, 4b).
16. Spectromètre de masse selon la revendication 15, conçu pour ioniser un gaz (4) à analyser
dans le piège à ions FT (2), dans lequel le dispositif d'excitation (5) est de préférence
conçu pour générer une excitation à IFT, en particulier une excitation à SWIFT (10),
pendant l'ionisation.
17. Spectromètre de masse selon la revendication 15 ou 16, dans lequel le dispositif d'excitation
(5) est conçu pour faire varier le degré d'excitation (A) et/ou la phase (ϕ) de l'excitation
à IFT entre une première fréquence d'excitation (fion1) et une deuxième fréquence d'excitation (fion2), et dans lequel de préférence tant la première fréquence d'excitation (fion1) que la deuxième fréquence d'excitation (fion2) ne s'écartent pas d'une fréquence d'excitation (fion,a) prédéfinie de plus de 10 %, de manière particulièrement préférée de plus de 5 %,
et en particulier de plus de 1 %.
18. Spectromètre de masse selon la revendication 17, dans lequel le dispositif d'excitation
(5) est conçu pour faire varier progressivement la phase (ϕ) et/ou le degré d'excitation
(A) entre la première fréquence d'excitation (fion1) et la deuxième fréquence d'excitation (fion2) en fonction de la fréquence d'excitation (fion), dans lequel de préférence le degré d'excitation (A) et/ou la phase (ϕ) augmente(nt)
ou diminue(nt) progressivement entre la première fréquence d'excitation (fion1) et la deuxième fréquence d'excitation (fion2) en fonction de la fréquence d'excitation (fion).
19. Spectromètre de masse selon l'une des revendications 15 à 18, comprenant en outre
:
un détecteur (9) conçu pour déterminer, après l'excitation à IFT, une phase de départ
(α0) d'une trajectoire (B) d'ions (4a, 4b) présentant une fréquence de résonance ionique
(fion) prédéfinie, au moyen d'un signal ionique dépendant du temps (uion(t)) enregistré lors de la détection des ions (4a, 4b), où le détecteur (9) est de
préférence conçu pour déterminer, à l'aide de la phase de départ (α0), une polarité de charge (pos., neg.) des ions (4a, 4b) détectés.
20. Spectromètre de masse selon l'une des revendications 14 à 19, dans lequel le piège
à ions FT (2) est réalisé sous la forme d'un piège à ions à résonance cyclotronique
ionique et transformée de Fourier FT-ICR ou d'un piège orbital.