GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Verbindungsanordnung für einen oder in einem
Stuhl, insbesondere Konferenz- oder Bürostuhl, ein Verfahren zur Herstellung einer
solchen Verbindungsanordnung sowie einen Stuhl mit einer solchen Verbindungsanordnung.
TECHNISCHER HINTERGRUND
[0002] Obwohl die vorliegende Erfindung sowie die ihr zugrunde liegende Problematik nachstehend
in Bezug auf Bürodrehstühle näher beschrieben wird ist sie darauf nicht beschränkt,
sondern auf vielfältige Stühle, insbesondere Konferenz- oder Bürostühle, übertragbar.
[0003] Bürodrehstühle weisen zumeist eine Schwenkmechanik und eine Armlehne auf. Dabei und
existieren vielfältige Ausgestaltungen von Schwenkmechaniken, Armlehnen und deren
Anbindung.
[0004] Ein Armlehnenträger ist typischerweise an einem Sitzträger befestigt ist. Ein derartiger
Stuhl sowie ein derartiger Armlehnenträger sind beispielsweise in der
DE 10 2008 042 974 B3 beschrieben.
[0005] Daneben existieren auch Ausführungen eines Bürodrehstuhls mit Schwenkmechanik, bei
welchen ein Armlehnenträger an einem Rückenlehnenträger angelenkt ist. Ein solcher
Bürodrehstuhl ist beispielsweise in der
US 2002/0149247 A1 beschrieben.
[0006] Nachteilig ist eine derartige Anlenkung mit einer Vielzahl von Einzelteilen gestaltet,
was die Montage erschwert. Darüber hinaus ist die Anlenkung zu großen Teilen von außen
sichtbar, was unter Designaspekten nachteilig ist.
[0007] Zudem sind Basis und Lenker einer Schwenkmechanik dieses Bürodrehstuhls relativ massiv
ausgelegt und weisen eine in die Schwenkmechanik integrierte Rückstellfeder auf. Insgesamt
wird daher einen relativ großer Bauraum benötigt. Ferner ist der gesamte Aufbau eines
derartigen Bürodrehstuhls sehr massiv, was das Gewicht erhöht und insbesondere unter
Designaspekten nachteilig ist.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
[0008] Vor diesem Hintergrund liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine
verbesserte Verbindungsanordnung für einen Stuhl anzugeben.
[0009] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch eine Verbindungsanordnung mit den Merkmalen
des Patentanspruchs 1 und/oder durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs
12 und/oder einen Stuhl mit den Merkmalen des Patentanspruchs 14 gelöst.
Demgemäß ist vorgesehen:
[0010]
- Eine Verbindungsanordnung für einen oder in einem Stuhl, insbesondere Konferenz- oder
Bürostuhl, mit: einem Armlehnenträger; einem Rückenlehnenträger; und einem in dem
Armlehnenträger fixierten Lagerbolzen, welcher den Armlehnenträger drehbar mit dem
Rückenlehnenträger koppelt.
- Ein Verfahren zur Herstellung einer Verbindungsanordnung für einen oder in einem Stuhl,
insbesondere einer erfindungsgemäßen Verbindungsanordnung, mit den Schritten: Bereitstellen
eines Rückenlehnenträgers, eines Armlehnenträgers, und eines Lagerbolzens; Fixieren
des Lagerbolzens in dem Armlehnenträger; und drehbares Koppeln eines Lagerabschnitts
des Lagerbolzens mit dem Rückenlehnenträger.
- Ein Stuhl, insbesondere Konferenz- oder Bürostuhl, mit einem Sitzträger, mit einer
erfindungsgemäßen Verbindungsanordnung und/oder mit einem erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten Verbindungsanordnung, wobei der Armlehnenträger an einem dem Rückenlehnenträger
abgewandten Ende an dem Sitzträger befestigt ist und die Verbindungsanordnung zur
Übertragung einer Rücklehnkraft zwischen dem Rückenlehnenträger und dem Sitzträger
vorgesehen ist.
[0011] Die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegende Idee besteht darin, einen Armlehnenträger
mittels eines in dem Armlehnenträger fixierten Lagerbolzens drehbar an einen Rückenlehnenträger
zu koppeln.
[0012] Vorteilhaft ist auf diese Weise eine drehbare Anlenkung und damit die Möglichkeit
der Integration in einen vorbestimmten Bewegungsablauf eines Stuhls, beispielsweise
eine Synchronbewegung, geschaffen.
[0013] Die drehbare Anlenkung kommt dabei mit einem Minimum von Einzelteilen aus. Somit
ist die erfindungsgemäße Verbindungsanordnung sehr einfach und kostengünstig zu montieren.
[0014] Darüber hinaus können über die Verbindungsanordnung vorteilhaft Rücklehnkräfte übertragen
werden. Dies eröffnet die Möglichkeit, den Armlehnenträger als Kraftspeicherelement
einer Schwenkmechanik des Stuhls einzusetzen.
[0015] Besonders vorteilhaft kann der Lagerbolzen ferner derart in dem Armlehnenträger,
insbesondere an einer dem Rückenlehnenträger zugewandten Seite, fixiert sein, dass
er von außen unsichtbar ist. Beispielsweise kann er dazu in der Herstellung an der
dem Rückenlehnenträger zugewandten Seite eingelassen oder in einem Sackloch teilweise
versenkt werden.
[0016] Darüber hinaus kommt die erfindungsgemäße Verbindungsanordnung mit besonders wenig
Bauraum aus. Insbesondere ist der Lagerbolzen dazu erfindungsgemäß in einen schmalen
Querschnitt des Armlehnenträgers fixierbarbar. Beispielsweise kann eine Höhe des Querschnitts
kleiner als ein Fünffaches eines Kerndurchmessers des Lagerbolzens sein. Auf diese
Weise ist ein besonders schlankes Design eines Armlehnenträgers ermöglicht.
[0017] Die Fixierung des Lagerbolzens umfasst vorzugsweise eine Festlegung aller Freiheitsgrade
gegenüber dem Armlehnenträger. Insbesondere ist der Lagerbolzen drehfest in dem Armlehnenträger
fixiert. Er kann dazu beispielsweise eingeformt, mit einer Vorspannung eingeschraubt
und/oder stoffschlüssig befestigt sein. Auf diese Weise ist vorteilhaft eine zuverlässige
Kraftübertragung der Rücklehnkräfte über den Armlehnenträger mit hoher Festigkeit
der Verbindung möglich.
[0018] In einem mit der Verbindungsanordnung versehenen Stuhl ist vorzugsweise ein an dem
Rückenlehnenträger angebrachter Rückenlehnenrahmen vorgesehen, welcher eine Ausnehmung
aufweist und im Bereich der Ausnehmung auf den Rückenlehnenträger aufgeschoben ist.
Auf diese Weise kann der Bereich des drehbar in dem Rückenlehnenträger gelagerten
Lagerbolzens, insbesondere vollständig, durch den Rückenlehnenrahmen verdeckt werden,
sodass die Verbindung unter Designaspekten besonders vorteilhaft von außen unsichtbar
ist.
[0019] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen ergeben sich aus den weiteren Unteransprüchen
sowie aus der Beschreibung unter Bezugnahme auf die Figuren der Zeichnung.
[0020] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist der Armlehnenträger eine Bohrung auf,
in welche der Lagerbolzen eingeschraubt ist. Besonders bevorzugt handelt es sich dabei
um eine Sacklochbohrung, welche unter Designaspekten vorteilhaft von außen nicht sichtbar
ist. Somit ist eine ästhetische und einfach zu fertigende Fixierung geschaffen.
[0021] Gemäß einer Weiterbildung weist der Lagerbolzen ein selbsthaltend ausgelegtes Gewinde
und einen Absatz auf, wobei das Gewinde in der Bohrung und der Absatz an einem Ansatz
oder Absatz der Bohrung kraftschlüssig vorgespannt ist. Vorteilhaft wird auf diese
Weise ungewolltes Lösen der Fixierung vermieden. Es sind dazu insbesondere keinerlei
weitere Sicherungsmittel notwendig. Ferner wird auf diese Weise eine hohe Festigkeit
der Verbindung bzw. Fixierung bereitgestellt. Das selbsthaltende Gewinde hält insbesondere
ohne ein Innengewinde der Bohrung in dem Material des Armlehnenträgers ohne dieses
zu schneiden.
[0022] Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist das Material des Armlehnenträgers
im Bereich des Gewindes vollständig ungetrennt. Insbesondere ist das Material nicht
geschnitten. Bei einer Ausführungsform ist dazu die Bohrung im Ausgangszustand gewindefrei.
Ein Bohrungsdurchmesser ist dabei deutlich größer als der Kerndurchmesser des Gewindes,
insbesondere um zumindest 5 %, vorzugsweise um 8 % bis 10 %. Auf diese Weise ist ein
trennfreies Einformen des Gewindes in die Bohrung ermöglicht, wobei der Werkstoff
des Armlehnenträgers, der vorzugsweise ein Kunststoff enthaltender Werkstoff ist,
nicht getrennt bzw. geschnitten sondern lediglich verformt wird. Der größere Durchmesser
der Bohrung schafft dabei Raum zum Ausweichen des Werkstoffes des Armlehnenträgers.
Somit ist das Material lediglich verdrängt. Besonders vorteilhaft sind auf diese Weise
keine Rissansätze in dem Material des Armlehnenträgers vorhanden. Vielmehr bleiben
Materialverbindungen rissfrei erhalten.
[0023] Gemäß einer Ausführungsform weist das Gewinde pro Gewindegang eine Steigung auf,
die zumindest die Hälfte seines Kerndurchmessers beträgt. Bevorzugt sind Steigungen
von beispielsweise zwischen 2,5 mm und 4,5 mm, insbesondere zwischen 3 mm und 4 mm,
bei einem Kerndurchmesser von beispielsweise 5 mm bis 8 mm, insbesondere 6 mm bis
7 mm. Mit dieser sehr hohen Gewindesteigung wird ein Kraftschluss trotz geringer Umformung
des Materials des Armlehnenträgers beim Einschrauben bzw. ein Formen des Gewindes
erreicht.
[0024] Gemäß einer Ausführungsform weist das Gewinde im Profil eine gerundete Spitze mit
einer Breite kleiner als 5% des Kerndurchmessers, insbesondere kleiner als 3% des
Kerndurchmessers, auf. Beispielweise beträgt bei einem Kerndurchmesser von 6,4 mm
die Breite der Spitze weniger als 0,2 mm. Durch die geringe Breite der Spitze kombiniert
mit deren Rundung wird ein Einschneiden in das Material des Armlehnenträgers vermieden.
[0025] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist der Armlehnenträger ein Kunststoffmaterial,
insbesondere Polyamid, vorzugsweise mit Glasfaseranteil, auf. Besonders bevorzugt
wird glasfaserverstärktes Polyamid 6 mit 30 % Glasfaseranteil (PA 6 GF30) eingesetzt.
Insbesondere sind dabei der Werkstoff des Armlehnenträgers und eine Gewindeform des
Gewindes des Lagerbolzens derart aufeinander abgestimmt, dass der Werkstoff im Bereich
des Gewindes ungetrennt verformt ist. Dennoch weist ein derartiger Werkstoff eine
hohe Festigkeit auf. Ferner weist er einen E-Modul auf, welcher ihn als Konstruktionswerkstoff
für ein sehr schlank gestaltbares Kraftspeicherelement qualifiziert. Beispielsweise
liegt der E-Modul von Polyamid mit Glasfaseranteil im Bereich von 6000 bis 10000 MPa.
[0026] Vorteilhaft stellt das Kunststoffmaterial zum Formen des Armlehnenträgers eine sehr
große Freiheit bei der Formgebung bereit. Darüber hinaus ist eine Fertigung großer
Stückzahlen gut darstellbar, beispielsweise durch Spritzgießen. Weiterhin vorzugsweise
ist das Kunststoffmaterial durchgefärbt. Insgesamt sind somit nach einem Urformen
kaum oder nur geringfügige Nacharbeiten notwendig.
[0027] Vorzugsweise wird der Armlehnenträger mit einem solchen Kunststoffmaterial mit schmalem
Querschnitt, dessen Höhe insbesondere kleiner als ein Fünffaches eines Kerndurchmessers
des Lagerbolzens ist, bereitgestellt. Somit ist ein besonders schlankes Design ermöglicht.
[0028] Gemäß einer Ausführungsform weist der Rückenlehnenträger ein steifes Material auf.
Insbesondere kann es sich dabei um ein Metall, vorzugsweise um Aluminium-Druckguss,
handeln. Auf diese Weise ist die drehbare Lagerung des Lagerbolzens in dem Rückenlehnenträger
mit geringem Bauraum ermöglicht.
[0029] Gemäß einer Ausführungsform weist der Rückenlehnenträger einen Aufnahmeabschnitt
mit einer ersten Lagerbuchse zur drehbaren Aufnahme eines Lagerabschnitts des Lagerbolzens
auf. Auf diese Weise ist eine definierte drehbare Lagerung des Lagerbolzens bereitgestellt.
[0030] Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung nimmt die erste Lagerbuchse eine erste Stufe
des Lagerabschnitts auf. Ferner ist eine zweite Lagerbuchse vorgesehen, welche eine
zweite Stufe des Lagerabschnitts aufnimmt. Auf diese Weise ist die drehbare Lagerung
mit einer sehr hohen Festigkeit und zur Übertragung großer Kräfte geeignet. Das Vorsehen
der Lagerbuchsen senkt ferner vorteilhaft Geräusche bei Bewegung der Verbindungsanordnung.
Insbesondere ist die Kraftabstützung über die erste und zweie Lagerbuchse auch zur
Abstützung von größeren Momenten geeignet. Die Festigkeit kann zusätzlich durch verstärkende
Rippen in Material des Rückenlehnenträgers, insbesondere Aluminium-Druckguss, zur
Lastaufnahme gesteigert werden. Auf diese Weise kann vorteilhaft der Armlehnenträger
als Kraftspeicher- und/oder Kraftübertragungselement ausgebildet sein und/oder unter
einer Vorspannung stehen.
[0031] Gemäß einer Weiterbildung weist die erste Buchse einen kleineren Durchmesser als
die zweite Buchse auf. Beispielsweise ist ein Durchmesser der zweiten Buchse um ein
Viertel bis die Hälfte, insbesondere um ein Drittel, größer. Auf diese Weise ist der
Lagerbolzen sehr viel einfacher in den Aufnahmeabschnitt einführbar, was die Montage
erleichtert.
[0032] Gemäß einer Ausführungsform ist der Lagerabschnitt mittels eines im Bereich der ersten
Stufe vorgesehenen ersten Sicherungsmittels, insbesondere eines montierbaren Sicherungsmittels,
und eines an die zweite Stufe angrenzenden zweiten Sicherungsmittels, insbesondere
eines Absatzes, um die Bolzenachse drehbar in den Lagerbuchsen festgelegt. Auf diese
Weise ist die drehbare Lagerung vorteilhaft gesichert.
[0033] Gemäß einer Ausführungsform weist der Lagerbolzen einen zwischen dem Gewinde und
dem Lagerabschnitt angeordneten Momentenübertragungsabschnitt auf, welcher mit einem
zum Übertragen eines das Gewinde kraftschlüssig in die Bohrung einschraubenden Moments
ausgebildeten Werkzeugansatz versehen ist. Auf diese Weise wird vorteilhaft eine einfache
Montierbarkeit gewährleistet.
[0034] Gemäß einer Ausführungsform des Verfahrens zum Herstellen einer Verbindungsanordnung
wird zum Fixieren ein Gewinde des Lagerbolzens in eine in dem Material des Armlehnenträgers
vorgesehene gewindefreie Bohrung eingeschraubt, wobei das Einschrauben durch trennfreies
Einformen mit langsamer Geschwindigkeit, insbesondere kleiner als eine Umdrehung pro
Sekunde, vorgenommen wird. Die Bohrung weist dazu vorzugsweise einen Durchmesser auf,
der deutlich größer, insbesondere zumindest 5 % größer, vorzugsweise 8 bis 10 % größer,
als der Kerndurchmesser des Gewindes ist. Das Material des Armlehnenträgers, vorzugsweise
ein Kunststoffmaterial, kann so bei dem langsamen Einschrauben ausweichen, sodass
es trennfrei verformt werden kann.
[0035] Gemäß einer Ausführungsform des Stuhls ist der Sitzträger mit dem Rückenlehnenträger
über eine Übersetzung gekoppelt, welche ein Verschwenken des Rückenlehnenträgers und
des Sitzträgers mit einem vorbestimmten Bewegungsablauf erlaubt. Der Armlehnenträger
ist dabei als Kraftspeicherelement ausgebildet und stellt eine Rückstellkraft für
den vorbestimmten Bewegungsablauf bereit. Der Armlehnenträger wird bei Aufbringen
einer Rücklehnkraft und einem daraus resultierenden nach hinten Verschwenken des Rückenlehnenträgers
und des Sitzträgers gespannt und stellt den Rückenlehnenträger und den Sitzträger
wieder in eine aufrechte Position zurück, wenn die Rücklehnkraft weggenommen wird.
[0036] Bei einer Ausführungsform ist der Armlehnenträger als Zug- und/oder Biegekraftspeicherelement
ausgebildet.
[0037] Die obigen Ausgestaltungen und Weiterbildungen lassen sich, sofern sinnvoll, beliebig
miteinander kombinieren. Insbesondere sind die Merkmale einer Verbindungsanordnung
auf ein Verfahren zur Herstellung einer derartigen Verbindungsanordnung übertragbar,
und umgekehrt.
[0038] Weitere mögliche Ausgestaltungen, Weiterbildungen und Implementierungen der Erfindung
umfassen auch nicht explizit genannte Kombinationen von zuvor oder im Folgenden bezüglich
der Ausführungsbeispiele beschriebenen Merkmale der Erfindung. Insbesondere wird dabei
der Fachmann auch Einzelaspekte als Verbesserungen oder Ergänzungen zu der jeweiligen
Grundform der vorliegenden Erfindung hinzufügen.
INHALTSANGABE DER ZEICHNUNG
[0039] Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend anhand der in den schematischen Figuren
der Zeichnung angegebenen Ausführungsbeispiele näher erläutert. Es zeigen dabei:
- Fig. 1
- eine horizontale Längsschnittansicht eines Stuhls mit einer Verbindungsanordnung;
- Fig. 2
- einen vergrößerten Ausschnitt der Längsschnittansicht gemäß Fig. 1 im Bereich der
Verbindungsanordnung;
- Fig. 3
- eine Querschnittansicht eines Gewindes eines Lagerbolzens;
- Fig. 4
- eine Vorderansicht eines Lagerbolzens;
- Fig. 5A
- eine schematische Skizze der Kinematik eines Stuhls in einer aufrechten Position;
- Fig. 5B
- die Skizze der Kinematik eines Stuhls gemäß Fig. 5A in einer nach hinten verschwenkten
Position;
- Fig. 6
- eine schematische Skizze der Kinematik eines Stuhls gemäß einer weiteren Ausführungsform;
- Fig. 7A
- eine Seitenansicht eines Stuhls in einer aufrechten Position;
- Fig. 7B
- eine Seitenansicht des Stuhls gemäß Fig. 7A in einer nach hinten verschwenkten Position;
- Fig. 8
- eine Längsschnittansicht eines Stuhls.
[0040] Die beiliegenden Figuren der Zeichnung sollen ein weiteres Verständnis der Ausführungsformen
der Erfindung vermitteln. Sie veranschaulichen Ausführungsformen und dienen im Zusammenhang
mit der Beschreibung der Erklärung von Prinzipien und Konzepten der Erfindung. Andere
Ausführungsformen und viele der genannten Vorteile ergeben sich im Hinblick auf die
Zeichnungen. Die Elemente der Zeichnungen sind nicht notwendigerweise maßstabsgetreu
zueinander gezeigt.
[0041] In den Figuren der Zeichnung sind gleiche, funktionsgleiche und gleich wirkende Elemente,
Merkmale und Komponenten - sofern nichts anderes ausgeführt ist - jeweils mit denselben
Bezugszeichen versehen.
BESCHREIBUNG VON AUSFÜHRUNGSBEISPIELEN
[0042] Fig. 1 zeigt eine horizontale Längsschnittansicht eines Stuhls 1 mit einer Verbindungsanordnung
30. Die dargestellte Perspektive zeigt den Stuhl 1 von oben.
[0043] Die Verbindungsanordnung 30 weist einen Armlehnenträger 4, einen Rückenlehnenträger
3 sowie einen Lagerbolzen 31 auf. Der Lagerbolzen 31 ist in dem Armlehnenträger 4
fixiert und drehbar mit dem Rückenlehnenträger 3 gekoppelt.
[0044] Weitere Merkmale des Stuhls werden mit Bezug auf die Figuren 5 bis 8 näher beschrieben.
[0045] Fig. 2 zeigt einen vergrößerten Ausschnitt der Längsschnittansicht gemäß Fig. 1 im
Bereich der Verbindungsanordnung 30.
[0046] Erkennbar weist der Lagerbolzen 31 ein Gewinde 33 sowie einen Lagerabschnitts 43
auf. Mittels des Gewindes 33 ist der Lagerbolzen 31 in dem Armlehnenträger 4 fixiert.
Dazu ist eine Bohrung 32 in Form einer Sacklochbohrung in dem Armlehnenträger 4 vorgesehen,
in welche der Lagerbolzen 31 eingeschraubt ist.
[0047] Das Gewinde 33 ist selbsthaltend ausgelegt, wobei der Lagerbolzen 31 ferner einen
an das Gewinde 33 angrenzenden Absatz 34 aufweist. Mittels selbsthaltenden Gewindes
33 und des Absatzes 34 wird der Lagerbolzen 31 in der Bohrung 32 kraftschlüssig vorgespannt,
wobei sich der Absatz 34 des Lagerbolzens an einem Absatz 35 der Bohrung 32 abstützt.
[0048] Das Material des Armlehnenträgers 4 ist dabei im Bereich des Gewindes 33 vollständig
ungetrennt. Dies wird zum einen durch eine spezielle Gewindeform und zum anderen dadurch
erreicht, dass die Bohrung 32 im Ausgangszustand gewindefrei ist und ein Bohrungsdurchmesser
deutlich größer als der Kerndurchmesser des Gewindes ist.
[0049] Beispielsweise beträgt der Bohrungsdurchmesser bei einem Ausführungsbeispiel 7 mm,
während ein Kerndurchmesser des Gewindes 6,4 mm beträgt.
[0050] Bei der Herstellung der Verbindungsanordnung 30 wird das Gewinde 33 durch trennfreies
Einformen mit langsamer Geschwindigkeit eingeschraubt, wobei eine Geschwindigkeit
des Einschraubens kleiner als eine Umdrehung pro Sekunde ist. Der Werkstoff des Armlehnenträgers,
der hier beispielhaft Polyamid 6 mit 30 % Glasfaseranteil (PA 6 GF30) ist, wird dabei
nicht getrennt bzw. geschnitten sondern lediglich verformt bzw. verdrängt. Der größere
Durchmesser der Bohrung schafft dabei ausreichend Raum zum Ausweichen des Werkstoffes.
[0051] Der Lagerabschnitt 43 ist in einem Aufnahmeabschnitt 40 des Rückenlehnenträgers 3
drehbar gelagert. Dazu ist er in einer ersten Buchse 41 und in einer zweiten Buchse
42 aufgenommen, welche in einer Ausnehmung des aus Aluminium-Druckguss gebildeten
Rückenlehnenträgers 3 angeordnet sind.
[0052] Die Buchsen 41, 42 sind als Gleitlager ausgebildet und weisen unterschiedliche Durchmesser
auf, wobei ein Durchmesser der zweiten Buchse 42 größer als ein Durchmesser der ersten
Buchse 41 vorgesehen ist.
[0053] Beispielhaft kann ein Durchmesser der ersten Buchse 6 mm und ein Durchmesser der
zweiten Buchse 8 mm betragen.
[0054] Der Lagerbolzen 31 ist in den Buchsen 41, 42 gesichert indem angrenzend an die erste
Buchse 41 ein erstes Sicherungsmittel 46 in Form eines in einer Nut des Lagerbolzens
31 gelagerten Sicherungsrings und angrenzend an die zweite Buchse 42 ein zweites Sicherungsmittel
47 in Form eines an dem Lagerbolzen 31 vorgesehenen Absatzes vorgesehen sind.
[0055] Ein an dem Rückenlehnenträger 3 angebrachter Rückenlehnenrahmen 16 weist eine Ausnehmung
53 auf und ist im Bereich der Ausnehmung 53 auf den Aufnahmeschnitt 40 des Rückenlehnenträgers
3 aufgeschoben. Darüber hinaus besteht zwischen dem Rückenlehnenrahmen 16 und dem
Armlehnenträger 4 lediglich ein kleiner Spalt 54, so dass der Aufnahmeabschnitt 40
und der Lagerbolzen 31 nahezu vollständig, durch den Rückenlehnenrahmen 16 und den
Armlehnenträger 4 von außen unsichtbar verdeckt sind.
[0056] Fig. 3 zeigt eine Querschnittansicht eines Gewindes 33 eines Lagerbolzens 31.
[0057] Das Gewinde 33 weist einen Kerndurchmesser 37 und eine Steigung 36 auf. Die Steigung
36 ist betragsmäßig größer als die Hälfte des Kerndurchmessers 37. Beispielsweise
kann ein Kerndurchmesser 37 6,4 mm betragen, während eine Steigung 3,5 mm beträgt.
[0058] Das Profil des Gewindes 33 weist eine gerundete Spitze 38 auf. Eine Breite 39 der
Spitze 38 beträgt betragsmäßig weniger als 3 % des Kerndurchmessers 37, beispielhaft
0,17 mm.
[0059] Eine Flankenhöhe 51 des Profils ist vergleichsweise groß und beträgt insbesondere
mehr als ein Fünffaches, vorzugsweise mehr als ein Siebenfaches, der Breite 39 der
Spitze 38 oder mehr als ein Fünftel des Kerndurchmessers 37, beispielsweise 1,2 mm.
[0060] Ein gesamter Durchmesser 52 des Gewindes 33 ist somit um mehr als ein Drittel größer
als der Kerndurchmesser 37 und beträgt beispielhaft 8,8 mm.
[0061] Fig. 4 zeigt eine Vorderansicht eines Lagerbolzens.
[0062] Der Lagerbolzen 31 weist im Bereich des Lagerabschnitts 43 eine erste Stufe 44 und
eine zweite Stufe 45 auf, welche sich gemäß den unterschiedlichen Durchmessern der
Buchsen 41, 42 ebenfalls unterscheiden. Dementsprechend weist die erste Stufe 44 beispielhaft
einen Durchmesser von 6 mm und die zweite Stufe 45 beispielhaft einen Durchmesser
von 8 mm auf.
[0063] Zwischen dem Gewinde 33 und dem Lagerabschnitt 43, genauer gesagt zwischen dem Absatz
34 und dem Absatz 47 ist ein Momentenübertragungsabschnitt 49 vorgesehen. Dieser weist
einen Werkzeugansatz 50 auf, mittels welchem ein Werkzeugmoment auf den Lagerbolzen
31 übertragbar ist, sodass er auf einfache Weise mit dem Gewinde 33 einschraubbar
ist.
[0064] Fig. 5A zeigt eine schematische Skizze der Kinematik eines Stuhls 1 in einer aufrechten
Position. Die Kinematik wird im Folgenden anhand dieser Skizze erläutert.
[0065] Der Stuhl 1 weist einen schematisch dargestellten Sitzträger 2 und einen schematisch
dargestellten Rückenlehnenträger 3 auf, welche über eine Übersetzung 5 gekoppelt sind.
[0066] Die Übersetzung 5 bestimmt einen Bewegungsablauf des Sitzträgers 2 und des Rückenlehnenträgers
3 bei einem Verschwenken aus der hier dargestellten aufrechten Position in eine nach
hinten verschwenkte Position.
[0067] Darüber hinaus sind der Sitzträger 2 und der Rückenlehnenträger 3 über einen als
Kraftspeicherelement ausgebildeten Armlehnenträger 4 gekoppelt. Der Armlehnenträger
4 ist derart ausgebildet und angeordnet, dass er den durch die Übersetzung vorbestimmten
Bewegungsablauf des Sitzträgers 2 und des Rückenlehnenträgers 3 ermöglicht. Darüber
hinaus stellt der Armlehnenträger 4 eine in die aufrechte Position rückstellende Kraft
bereit.
[0068] Die in die aufrechte Position rückstellende Kraft ist über den gesamten Bewegungsablauf
bereitgestellt. Insbesondere wird der Armlehnenträger mit zunehmender Verschwenkung
nach hinten gespannt.
[0069] Ferner kann eine Vorspannung des Armlehnenträgers 4 vorgesehen sein, sodass auch
in der aufrechten Position eine Rückstellkraft anliegt. Insbesondere ist in diesem
Fall ein hier nicht dargestellter Anschlag vorgesehen, an welchem sich die Vorspannung
in der aufrechten Position abstützt.
[0070] Zum Verschwenken des Sitzträgers und des Rückenlehnenträgers aus der aufrechten Position
in die nach hinten verschwenkte Position muss daher eine externe gegen die Vorspannung
bzw. gegen die rückstellende Kraft arbeitende Rücklehnkraft aufgebracht werden.
[0071] Fig. 5B zeigt die Skizze der Kinematik eines Stuhls 1 gemäß Fig. 5A in einer nach
hinten verschwenkten Position.
[0072] In der nach hinten verschwenkten Position ist der als Kraftspeicherelement ausgebildete
Armlehnenträger 4 elastisch verformt bzw. gespannt und speichert somit eine bei dem
nach hinten Verschwenken und Spannen aufgebrachte Arbeit bzw. Energie. Diese bewirkt
in einem von externen Kräften freien Zustand, insbesondere ohne Rücklehnkraft, eine
in die aufrechte Position rückstellende Kraft.
[0073] Die Übersetzung 5 ist mit einer Sitzbasis 8 gekoppelt. Ein erster Drehpunkt 9 und
ein zweiter Drehpunkt 10 der Übersetzung 5 sind fest an der Sitzbasis angeordnet.
Darüber hinaus sind ein an dem Sitzträger 2 fest angeordneter dritter Drehpunkt 11
und ein weiterer an dem Sitzträger 2 fest angeordneter vierter Drehpunkt 12 vorgesehen.
[0074] Der erste Drehpunkt 9 ist mit dem vierten Drehpunkt 12 über einen ersten Lenker 13
gekoppelt, welcher fest mit dem Rückenlehnenträger 3 verbunden oder integral damit
ausgebildet ist. Der erste Lenker 13 stellt somit kinematisch einen Teil bzw. eine
Verlängerung des Rückenlehnenträgers 3 dar.
[0075] Ein zweiter Lenker 14 koppelt den zweiten Drehpunkt 10 mit dem dritten Drehpunkt
11. Der erste Lenker 13, die Sitzbasis 8, der zweite Lenker 14 und der Sitzträger
2 schließen somit gemeinsam ein kinematisches Viereck mit den ersten bis vierten Drehpunkten
9 bis 12 als Ecken.
[0076] Der erste Lenker 13 und der zweite Lenker 14 sind sowohl in der aufrechten Position
gemäß Fig. 5A als auch in der nach hinten verschwenkten Position gemäß Fig. 5B in
eine gleiche Richtung geneigt, welche eine von dem Rückenlehnenträger 3 abgewandte
Richtung darstellt. Der zweite Lenker 14 ist dabei stets etwas stärker geneigt als
der erste Lenker 13. Für beide Lenker ist eine Neigung zur vertikalen in der aufrechten
Position jeweils größer als in der nach hinten verschwenkten Position. Somit heben
sich der dritte und vierte Drehpunkt 11, 12 und damit der Sitzträger 2 bei dem nach
hinten Verschwenken an.
[0077] Der vierte Drehpunkt 12 ist in einem hinteren Bereich 18 des Sitzträgers 2 und der
dritte Drehpunkt 11 in einem vorderen Bereich 17 des Sitzträgers 2 angeordnet. Ferner
ist der zweite Lenker 14 zusätzlich zu seiner stärkeren Neigung auch länger als der
erste Lenker 13 ausgebildet. Daher hebt sich der vordere Bereich 17 des Sitzträgers
2 bei dem nach hinten Verschwenken stärker als der hintere Bereich 18, sodass der
Sitzträger 2 verschwenkt wird.
[0078] Der als Kraftspeicherelement ausgebildete Armlehnenträger 4 ist an einem ersten Ende
6 drehfest mit dem Sitzträger 2 gekoppelt.
[0079] An einem zweiten Ende 7 ist der Armlehnenträger 7 drehbar mit dem Rückenlehnenträger
3 gekoppelt. Dementsprechend ist ein fünfter Drehpunkt 19 vorgesehen, über welchen
der Armlehnenträger 4 mit dem Rückenlehnenträger 3 drehbar gekoppelt ist.
[0080] Dieser fünfte Drehpunkt 19 ist mit einer Verbindungsanordnung 30 realisierbar. Die
Verbindungsanordnung 30 erfüllt somit die Aufgabe eines Drehpunktes in der Kinematik
des verschwenkbaren und Stuhls 1.
[0081] Der fünfte Drehpunkt 19 bzw. die Verbindungsanordnung 30 ermöglicht vorteilhaft eine
Mischung aus Zug- oder Druck- und Biegebeanspruchung des Armlehnenträgers 4 bei einem
nach hinten Verschwenken. Das Verschwenken verändert einen Abstand des fünften Drehpunktes
19 von dem drehfest mit dem Sitzträger 2 gekoppelten ersten Ende 6, sodass eine Zug-
oder Druckkraft aufgebracht wird. Darüber hinaus wird bei einem Verschwenken der fünfte
Drehpunkt 19 relativ zu dem ersten Ende derart verlagert, dass eine Kraftkomponente
quer zu der reinen Zug- oder Druckbelastung hinzukommt und der Armlehnenträger somit
auch mit einer Biegekraft belastet wird, welche an dem dreh fest mit dem Sitzträger
2 gekoppelten ersten Ende 6 ein Biegemoment hervorruft.
[0082] Diese Lasten werden mittels der Verbindungsanordnung 30 zwischen dem Armlehnenträger
und dem Rückenlehnenträger übertragen.
[0083] Fig. 6 zeigt eine schematische Skizze der Kinematik eines Stuhls gemäß einer weiteren
Ausführungsform.
[0084] Eine Sitzbasis 8 ist hier lediglich mit an dem ersten und zweiten Drehpunkt 9, 10
eingezeichneten Festlagern symbolisiert.
[0085] Der vorbestimmte Bewegungsablauf der Übersetzung 5 hängt insbesondere von der Anordnung
der Drehpunkte 9, 10, 11, 12 ab. Im dargestellten Ausführungsbeispiel ist ein Abstand
zwischen dem zweiten Drehpunkt 10 und dem dritten Drehpunkt 11, welcher durch den
zweiten Lenker 14 gebildet ist, in etwa gleich groß wie ein Abstand zwischen dem vierten
Drehpunkt 12 und dem dritten Drehpunkt 11, welcher durch den Sitzträger 2 gebildet
ist. Ein Abstand zwischen dem ersten Drehpunkt 9 und dem vierten Drehpunkt 12, welcher
durch den ersten Lenker 13 gebildet ist, ist deutlich kleiner und beträgt insbesondere
nur einen Bruchteil davon. Ein Abstand zwischen dem ersten Drehpunkt 9 und dem zweiten
Drehpunkt 10, welcher durch die Sitzbasis 8 gebildet ist, liegt zwischen diesen Abständen.
[0086] Ein Winkel zwischen einem Querelement des Rückenlehnenträgers 3 und dem ersten Lenker
13 ist festgelegt und beträgt vorzugsweise zwischen 90 und 180°, hier beispielhaft
zwischen 125° und 130°. Auf diese Weise wird die von dem Rückenlehnenträger 3 abgewandte
Neigung des ersten Lenkers 13 erreicht.
[0087] Fig. 7A zeigt eine Seitenansicht eines Stuhls in einer aufrechten Position.
[0088] Der Stuhl 1 ist hier beispielhaft in Form eines Konferenzdrehstuhls ausgebildet,
welcher eine Kinematik gemäß Fig. 6 aufweist.
[0089] Der Stuhl 1 weist eine Sitzfläche 20 auf, welche mit einem auf dem Sitzträger 2 angebrachten
Sitzpolster 21 gebildet ist. Ferner ist eine Rückenlehne 22 vorgesehen, welche mit
einem an dem Rückenlehnenträger 3 befestigten Rückenlehnenrahmen 16 und einem daran
angebrachten Rückenlehnenpolster 23 gebildet ist.
[0090] Der Rückenlehnenrahmen 16 ist mit seiner Ausnehmung 53 auf den Aufnahmeabschnitt
40 des Rückenlehnenträgers 3 aufgeschoben und verdeckt somit den Aufnahmeabschnitt,
wie in Fig. 2 dargestellt.
[0091] Die Sitzbasis 8 ist mit einem höhenverstellbaren Druckfederabschnitt 25 gekoppelt,
welcher auf einem rollenfreien Standfuß 24, der als Drehfuß ausgebildet ist, gelagert
ist.
[0092] Ferner ist eine Armlehne 26 vorgesehen, welche mit dem Armlehnenträger 4 und einem
daran angebrachten Armlehnenpolster 27 gebildet ist.
[0093] Der Armlehnenträger 4 ist vollständig aus glasfaserverstärktem Polyamid gefertigt
und mit einer gebogenen Form gebildet, welche einen Winkel von etwa 290° einschließt.
[0094] Mit seinem ersten Ende 6 ist der Armlehnenträger 4 an der Unterseite des Sitzträgers
2 drehfest verschraubt. Das zweite Ende 7 des Armlehnenträgers 4 ist als Teil einer
Verbindungsanordnung 30 drehbar an dem Rückenlehnenträger 3 gelagert, wie in Bezug
auf Figur 1 bis 4 beschrieben.
[0095] Die einzelnen Elemente der Übersetzung 5 sind hier teilweise ebenfalls verdeckt,
insbesondere der zweite und dritte Drehpunkt 10, 11. Von außen gut erkennbar sind
der erste Lenker 13, welcher teilweise integral mit dem Rückenlehnenträger 3 ausgebildet
ist, und der zweite Lenker 14.
[0096] Fig. 7B zeigt eine Seitenansicht des Stuhls gemäß Fig. 7A in einer nach hinten verschwenkten
Position.
[0097] Die Rückenlehne 22 ist hier sichtbar nach hinten verschwenkt. Beispielhaft handelt
es sich um einen Verschwenkwinkel gegenüber der aufrechten Position von 21°. In gleichem
Maße ist der erste Lenker 13 gemeinsam mit dem Rückenlehnenträger 3 verschwenkt.
[0098] Durch die Neigung des ersten Lenkers 13 und des Sitzträgers 2 ist auch der zweite
Lenker 14 verschwenkt, allerdings in deutlich geringerem Maße als der erste Lenker
13.
[0099] Beide Lenker 13 und 14 sind sowohl in der aufrechten Position gemäß Fig. 7A als auch
in der nach hinten verschwenken Position gemäß Fig. 7B nach vorne geneigt, sodass
eine Gewichtskraft einer auf dem Stuhl sitzenden Person ein Rückstellmoment bewirkt
und der als Kraftspeicherelement ausgebildete Armlehnenträger 4 somit lediglich gegen
die Rücklehnkraft arbeiten muss.
[0100] Die Sitzfläche 20 ist insgesamt etwas angehoben und zusätzlich ebenfalls verschwenkt,
allerdings im Vergleich zur Rückenlehne 22 in deutlich geringerem Maße. Beispielhaft
handelt es sich hierbei um einen Verschwenkwinkel von 7°.
[0101] Der Armlehnenträger 4 ist in dem dargestellten gespannten Zustand sowohl auf Druck
als auch auf Biegung belastet und somit elastisch gestaucht und gebogen. Die entsprechenden
Kräfte werden über die Verbindungsanordnung 30 zwischen Armlehnenträger 4 und Rückenlehnenträger
3 übertragen.
[0102] Die nach hinten verschwenkte Position wird erreicht, indem sich eine auf dem Stuhl
1 sitzende Person nach hinten lehnt und somit eine Rücklehnkraft auf die Rückenlehne
22 aufbringt, welche eine Federkraft des Armlehnenträgers 4 überwindet.
[0103] Die Rückenlehne 22 kann gegenüber der in Fig. 3B dargestellten nach hinten verschwenkten
Position durch elastische Verformung des Rückenlehnenträgers 3 und des Rückenlehnenrahmens
16 noch weiter nach hinten verschwenkt werden, beispielsweise etwa um weitere 7°.
Ein gesamter möglicher Schwenkwinkel beträgt somit etwa 28°.
[0104] Dabei wird der Armlehnenträger 4 zusätzlich gespannt, sodass zusätzliche Kräfte über
die Verbindungsanordnung 30 übertragen werden.
[0105] Trotz des großen Schwenkbereichs sind sämtliche sichtbaren Komponenten des Stuhls
1, insbesondere der Rückenlehnenträger 3, der erste Lenker 13, die Sitzbasis 8 und
der zweite Lenker 14 sowie der Sitzträger 2, sehr schlank ausgebildet. Gleiches gilt
insbesondere für den Armlehnenträger 4, der einen schmalen Querschnitt aufweist. Eine
Höhe des Querschnitts ist insbesondere kleiner als ein Fünffaches eines Kerndurchmessers
des Lagerbolzens 31.
[0106] Darüber hinaus sind keine weiteren Komponenten zwischen dem Sitzträger 2 und der
Sitzbasis 8 bzw. zwischen dem Sitzträger 2 und dem Rückenlehnenträger 3 angeordnet.
Auf diese Weise entsteht insgesamt ein enorm schlankes Design des Stuhls 1, ohne dass
im Vergleich zu einer herkömmlichen Synchronmechanik Funktionalität verloren geht.
[0107] Fig. 8 zeigt eine Längsschnittansicht eines Stuhls 1.
[0108] Hierbei handelt es sich im Unterschied zur Ausführungsform gemäß Fig. 7A und B um
einen Bürodrehstuhl, was insbesondere an der unterschiedlichen Ausbildung des Standfußes
24' mit Rollen 28 sowie dessen deutlich höher liegende Anbindung an den Druckfederabschnitt
25 auszumachen ist. Im Übrigen ist der Bürodrehstuhl gemäß Fig. 8 im Wesentlichen
gleich dem Konferenzdrehstuhl gemäß Fig. 7A und 7B ausgebildet.
[0109] Der Bürodrehstuhl ist hier in der aufrechten Stellung dargestellt. Ein Verschwenken
in die nach hinten verschwenkte Stellung ist in gleicher Weise wie in Bezug auf Fig.
7B beschrieben möglich.
[0110] In der Schnittdarstellung gut erkennbar sind das Sitzpolster 21 und das Rückenlehnenpolster
23. Darüber hinaus gut zu erkennen ist die mit einem Befestigungsmittel 29 in Form
einer Schraube realisierte Befestigung des Rückenlehnenrahmens 16 an dem Rückenlehnenträger
3.
[0111] Ferner ist in dem Schnitt ein den Verschwenkbereich des Sitzträgers 2 und Rückenlehnenträgers
3 in der aufrechten Position beschränkender Anschlag 15 erkennbar. Dieser ist im Bereich
des dritten Drehpunktes 11 in Form eines Anschlagkeils vorgesehen, welcher sich in
der aufrechten Position an dem zweiten Lenker 14 und in der nach hinten Verschwenkten
Position an dem Sitzträger 2 abstützt. Vorzugsweise ist ein weiterer Anschlag 15 in
ähnlicher Weise an dem vierten Drehpunkt 12 vorgesehen, welcher hier verdeckt ist.
[0112] Der Anschlag 15 ist derart angeordnet und ausgelegt, dass bei Erreichen des Anschlags
15 nach wie vor eine den Rückenlehnenträger 3 und den Sitzträger 2 in der aufrechten
Position haltende Vorspannung des Armlehnenträgers 4 anliegt. Auf diese Weise ist
auch in der aufrechten Position eine definierte Stellung der Übersetzung 5, des Sitzträgers
2 und des Rückenlehnenträgers 3 gewährleistet.
[0113] Obwohl die vorliegende Erfindung anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele vorstehend
vollständig beschrieben wurde, ist sie darauf nicht beschränkt, sondern auf vielfältige
Art und Weise modifizierbar.
[0114] Beispielsweise muss der Armlehnenträger 4 nicht in der dargestellten Weise ausgebildet
sein. Denkbar wäre beispielsweise auch, den Armlehnenträger kinematisch als reine
Zugfeder auszubilden und/oder einen, beispielsweise davon abstehenden, Armlehnenkörper
daran anzubringen. In diesem Fall könnten ggfs. auch beide Enden des Armlehnenträgers
4 drehbar mit dem Rückenlehnenträger 3 bzw. dem Sitzträger 2 gekoppelt sein.
[0115] Denkbar wäre darüber hinaus, den Stuhl nicht als Drehstuhl sondern als drei- oder
vierbeinigen Stuhl auszubilden. In diesem Fall ist die Sitzbasis 8 mit entsprechenden
Stuhlbeinen versehen.
Bezugszeichenliste
[0116]
- 1
- Stuhl
- 2
- Sitzträger
- 3
- Rückenlehnenträger
- 4
- Armlehnenträger
- 5
- Übersetzung
- 6
- erstes Ende
- 7
- zweites Ende
- 8
- Sitzbasis
- 9
- erster Drehpunkt
- 10
- zweiter Drehpunkt
- 11
- dritter Drehpunkt
- 12
- vierter Drehpunkt
- 13
- erster Lenker
- 14
- zweiter Lenker
- 15
- Anschlag
- 16
- Rückenlehnenrahmen
- 17
- vorderes Ende
- 18
- hinteres Ende
- 19
- fünfter Drehpunkt
- 20
- Sitzfläche
- 21
- Sitzpolster
- 22
- Rückenlehne
- 23
- Rückenlehnenpolster
- 24
- Standfuß
- 25
- Druckfederabschnitt
- 26
- Armlehne
- 27
- Armlehnenpolster
- 28
- Rolle
- 29
- Befestigungsmittel
- 30
- Verbindungsanordnung
- 31
- Lagerbolzen
- 32
- Bohrung
- 33
- Gewinde
- 34
- Absatz
- 35
- Absatz
- 36
- Steigung
- 37
- Kerndurchmesser
- 38
- Spitze
- 39
- Breite
- 40
- Aufnahmeabschnitt
- 41
- erste Lagerbuchse
- 42
- zweite Lagerbuchse
- 43
- Lagerabschnitt
- 44
- erste Stufe
- 45
- zweite Stufe
- 46
- erstes Sicherungsmittel
- 47
- zweites Sicherungsmittel
- 48
- Bolzenachse
- 49
- Momentenübertragungsabschnitt
- 50
- Werkzeugansatz
- 51
- Flankenhöhe
- 52
- Durchmesser
- 53
- Ausnehmung
- 54
- Spalt
1. Verbindungsanordnung (30) für einen oder in einem Stuhl (1), insbesondere Konferenz-
oder Bürostuhl, mit:
einem Armlehnenträger (4);
einem Rückenlehnenträger (3); und
einem in dem Armlehnenträger (4) fixierten Lagerbolzen (31), welcher den Armlehnenträger
(4) drehbar mit dem Rückenlehnenträger (3) koppelt.
2. Verbindungsanordnung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Armlehnenträger (4) eine Bohrung (32), insbesondere Sacklochbohrung, aufweist,
in welche der Lagerbolzen (31) eingeschraubt ist.
3. Verbindungsanordnung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Lagerbolzen (31) ein selbsthaltend ausgelegtes Gewinde (33) und einen Absatz
(34) aufweist, wobei das Gewinde (33) in der Bohrung (32) und der Absatz (34) an einem
Ansatz oder Absatz (35) der Bohrung (32) kraftschlüssig vorgespannt ist.
4. Verbindungsanordnung Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Material des Armlehnenträgers (4) im Bereich des Gewindes (33) vollständig ungetrennt
ist.
5. Verbindungsanordnung nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Gewinde (33) pro Gewindegang eine Steigung (36) aufweist, die zumindest die Hälfte
seines Kerndurchmessers (37) beträgt.
6. Verbindungsanordnung nach einem der Ansprüche 3 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Gewinde (33) im Profil eine gerundete Spitze (38) mit einer Breite (39) kleiner
als 5% des Kerndurchmessers (37), insbesondere kleiner als 3% des Kerndurchmessers
(37), aufweist.
7. Verbindungsanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
der Armlehnenträger (4) ein Kunststoffmaterial, insbesondere Polyamid, vorzugsweise
mit Glasfaseranteil, aufweist.
8. Verbindungsanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rückenlehnenträger (3) einen Aufnahmeabschnitt (40) mit einer ersten Lagerbuchse
(41) zur drehbaren Aufnahme eines Lagerabschnitts (43) des Lagerbolzens (31) aufweist.
9. Verbindungsanordnung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste Lagerbuchse (41) eine erste Stufe (44) des Lagerabschnitts (43) aufnimmt
und eine zweite Lagerbuchse (42) vorgesehen ist, welche eine zweite Stufe (45) des
Lagerabschnitts (43) aufnimmt.
10. Verbindungsanordnung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Lagerabschnitt (43) mittels eines im Bereich der ersten Stufe vorgesehenen ersten
Sicherungsmittels (46), insbesondere eines montierbaren Sicherungsmittels, und eines
an die zweite Stufe (45) angrenzenden zweiten Sicherungsmittels (47), insbesondere
eines Absatzes, um die Bolzenachse (48) drehbar in den Lagerbuchsen (41, 42) festgelegt
ist.
11. Verbindungsanordnung nach einem der Ansprüche 8 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Lagerbolzen (31) einen zwischen dem Gewinde (33) und dem Lagerabschnitt (43)
angeordneten Momentenübertragungsabschnitt (49) aufweist, welcher mit einem zum Übertragen
eines das Gewinde (33) kraftschlüssig in die Bohrung (32) einschraubenden Moments
ausgebildeten Werkzeugansatz (50) versehen ist.
12. Verfahren zur Herstellung einer Verbindungsanordnung (30) für einen oder in einem
Stuhl (1), insbesondere einer Verbindungsanordnung nach einem der vorstehenden Ansprüche,
mit den Schritten:
Bereitstellen eines Rückenlehnenträgers (3), eines Armlehnenträgers (4), und eines
Lagerbolzens (31);
Fixieren des Lagerbolzens (31) in dem Armlehnenträger (4); und
Drehbares Koppeln eines Lagerabschnitts (43) des Lagerbolzens (31) mit dem Rückenlehnenträger
(3).
13. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass zum Fixieren ein Gewinde (33) des Lagerbolzens (31) in eine in dem Material des Armlehnenträgers
(4) vorgesehene gewindefreie Bohrung (32) eingeschraubt wird, wobei das Einschrauben
durch trennfreies Einformen mit langsamer Geschwindigkeit, insbesondere kleiner als
eine Umdrehung pro Sekunde, vorgenommen wird.
14. Stuhl (1), insbesondere Konferenz- oder Bürostuhl,
mit einem Sitzträger (2),
mit einer Verbindungsanordnung (30) gemäß einem der Ansprüche 1 bis 13 und/oder hergestellt
mit einem Verfahren gemäß Anspruch 14, wobei der Armlehnenträger (4) an einem dem
Rückenlehnenträger (3) abgewandten Ende (6) an dem Sitzträger (2) befestigt ist und
die Verbindungsanordnung (30) zur Übertragung einer Rücklehnkraft zwischen dem Rückenlehnenträger
(3) und dem Sitzträger (2) vorgesehen ist.
15. Stuhl nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Sitzträger (2) mit dem Rückenlehnenträger (3) über eine Übersetzung (5) gekoppelt
ist, welche ein Verschwenken des Rückenlehnenträgers (3) und des Sitzträgers (2) mit
einem vorbestimmten Bewegungsablauf erlaubt, wobei der Armlehnenträger (4) als Kraftspeicherelement
ausgebildet ist und eine Rückstellkraft für den vorbestimmten Bewegungsablauf bereitstellt.