[0001] Die Erfindung betrifft eine Strukturgeberfolie, ein Verfahren zum Herstellen einer
Strukturgeberfolie und ein Verfahren zum Aufbringen einer Struktur auf die Oberfläche
eines Substrats mittels der Strukturgeberfolie.
[0002] Das Aufbringen einer Struktur auf ein Substrat ist an sich bekannt und wird z. B.
in der
DE 10 2009053 498 A1 so erläutert, dass in einer Presse ein Pressblech mit einer profilierten Oberfläche
eine Folie prägt, die während des Pressens auf ein Substrat laminiert wird. Es wird
gelehrt, mittels Sieb- oder Offsetdruck eine Struktur aus Lack auf das Pressblech
aufzubringen, die sich dann in die Folie einprägt, die auf das Substrat laminiert
wird.
[0003] Die
WO 2014 014400 A9 schlägt zum Einbringen von Strukturen in eine Oberfläche eines Substrats vor, eine
Folie zu bedrucken, so dass diese Strukturgeberfolie eine Außenseite aufweist, auf
die eine Struktur aufgebracht ist und eine Innenseite, die unverändert glatt ist.
Die Innenseite der Folie wird auf das Substrat aufgelegt und Strukturgeberfolie und
Substrat werden gepresst. Die Struktur wird von der Außenseite durch die Strukturgeberfolie
hindurch auf die Oberfläche des Substrats übertragen.
[0004] Die vorstehend geschilderten Verfahren sind aufwändig und damit teuer, insbesondere,
wenn es um das Herstellen von Einzelstücken geht.
[0005] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein alternatives Verfahren für die
Herstellung einer Strukturgeberfolie und eine alternative Strukturgeberfolie herzustellen,
die bevorzugt einfach und kostengünstig herstellbar ist. Der Erfindung liegt weiter
die Aufgabe zugrunde, ein alternatives, insbesondere einfaches und kostengünstiges
Verfahren zum Aufbringen einer Struktur auf eine Oberfläche eines Substrats vorzuschlagen.
[0006] Diese Aufgabe wird gelöst mit einer Strukturgeberfolie nach Anspruch 1, mit einem
Verfahren zum Herstellen einer Strukturgeberfolie nach Anspruch 10 und mit einem Verfahren
zum Aufbringen einer Struktur nach Anspruch 13. Unteransprüche betreffen bevorzugte
Ausführungen der Erfindung.
[0007] Eine Strukturgeberfolie, die eine Außenseite und eine Prägeseite aufweist, ist auf
der Prägeseite mindestens abschnittsweise mit einem Struktur gebenden Medium versehen,
das mit einer digitalen Auftragsvorrichtung, typisch mit einem Laser- oder mit einem
Tintenstrahldrucker aufgebracht ist. Die Prägeseite ist zum Prägen einer Oberfläche
eines Substrats ausgelegt. Die erfindungsgemäße Strukturgeberfolie wird also in der
Weise eingesetzt, dass die Prägeseite mit der darauf aufgebrachten Struktur auf die
Oberfläche des Substrats aufgelegt wird, wonach die Strukturgeberfolie und das Substrat
in einer Presse gepresst werden. Die Struktur prägt sich daraufhin in die Oberfläche
des Substrats ein.
[0008] Das Struktur gebende Medium kann vorzugsweise in einer digitalen Auftragsvorrichtung,
z. B. einem 3D-Drucker, einem Laserdrucker oder einem Tintenstrahldrucker verarbeitet
werden kann. Das Medium kann als Feststoff oder in flüssiger Form verarbeitet werden.
Bevorzugt wird das Struktur gebende Medium mittels eines Digitaldruckers, insbesondere
eines Tintenstrahldruckers, eines Laserdruckers, eines 2-D oder 3-D-Druckers in fester
oder flüssiger Form aufgetragen. Das Medium wird dabei auf die Strukturgeberfolie
aufgetragen und dort gebunden. Es bildet dort eine Struktur aus, dass heißt, dass
das Medium nicht nur als Schicht auf der Oberfläche der Strukturgeberfolie sondern
als Erhebung aufgetragen wird, die über die Oberfläche der Folie hinausragt. Im Gegensatz
zu einem zweidimensionalen Dekor entsteht damit eine dreidimensionale Struktur, die,
je nach Art des verwendeten Mediums, noch trocknen, abbinden oder aushärten muss,
z. B. durch Einwirken von Temperatur oder Strahlung wie Laser oder UV-Licht oder Elektronenstrahlung.
Es hat sich überraschend herausgestellt, dass die auf die Prägeseite der Strukturgeberfolie
aufgetragene Struktur ausreichend fest ist, um die Oberfläche eines Substrats zu prägen.
[0009] Die Höhe der Struktur kann bevorzugt von 1 µm bis 1000 µm betragen. Sie kann variieren,
um ein vorgegebenes Modell detailgenau nachzubilden. Die minimale Höhe ergibt sich
durch die minimale Auftragsmenge des Struktur gebenden Mediums, die die Auftragsvorrichtung
mindestens verarbeiten kann, die maximale Auftragshöhe ergibt sich durch die maximale
Prägung, die in die Oberfläche des Substrats eingebracht werden kann. Es können beispielsweise
sich wiederholende Muster oder individuelle Bilder (Silhouetten von Personen, Gegenständen
oder Gegenden wie z. B. Stadtsilhouetten), aber auch Nachbildungen von Naturobjekten
wie z. B. Holzmaserung, Rindennachbildungen oder Abbildungen von Pflanzen als Struktur
auf die Strukturgeberfolie aufgetragen werden.
[0010] Die Struktur wird in der Regel auf der Grundlage eines digitalen Datensatzes auf
die Strukturgeberfolie aufgetragen. Vorteilhaft ist, dass z.B. bei naturgetreuen Nachbildungen
von Holzmaserungen der gleiche digitale Datensatz, der für das Herstellen der Struktur
genutzt wird, auch eingesetzt werden kann, um eine Dekorfolie, z. B. eine Papierfolie
oder eine Kunststofffolie mit einem zweidimensionalen Dekor farblich zu bedrucken.
Nach oder vor dem Erzeugen des Dekors wird mit dem identischen Datensatz die korrespondierende
Struktur auf die Folie erhöht gedruckt. Auf diese Weise können Substrate einheitlich
gestaltet werden, z. B. kann eine Dekorfolie oder ein Dekorpapier auf das Substrat
auflaminiert werden, anschließend kann entweder die Dekorfolie oder eine weitere Beschichtung,
die auf die Dekorfolie aufgetragen wird, mittels der Strukturgeberfolie mit einer
dreidimensionalen Struktur versehen werden.
[0011] Durch die einfache und preiswerte Herstellung der Strukturgeberfolie mittels einer
digitalen Auftragsvorrichtung kann eine Folie zur einmaligen Verwendung oder eine
mehrfach verwendbare Folie hergestellt werden. Damit können Einzelaufträge und Kleinserien
wirtschaftlich hergestellt werden.
[0012] In Abhängigkeit von der Auflösung der digitalen Auftragsvorrichtung kann eine hoch
aufgelöste Struktur erzeugt werden. So können Details der Struktur in einer Auflösung
von 25 dpi bis 4800 dpi aufgetragen werden. Durch die digitale Auftragsvorrichtung
kann das Struktur gebende Medium sehr differenziert und fein verteilt in unterschiedlicher
Dicke auf die Druckseite der Strukturgeberfolie aufgetragen werden. Die dreidimensionale
Struktur, die auf der Druckseite der Strukturgeberfolie erzeugt wird, kann, bezogen
auf die Oberfläche der Druckseite, unterschiedlich dick aufgetragen sein, von ca.
µm bis ca. 1000 µm, so dass ausgeprägte reliefartige Strukturen aufgetragen werden
können, die meist an der Oberfläche des Substrats taktil wahrnehmbar sind.
[0013] Die Strukturgeberfolie kann aus einer Vielzahl von Werkstoffen gewählt werden. Die
Strukturgeberfolie kann z. B. aus Metall, insbesondere Aluminium, hergestellt sein.
Sie kann auch aus Kunststoff, Papier, Pappe oder einem Verbundwerkstoff hergestellt
sein. Sie kann ein- oder mehrschichtig ausgeführt sein. Ist die Strukturgeberfolie
aus Kunststoff hergestellt, so weist sie bevorzugt einen oder eine Kombination der
nachfolgend aufgeführten Kunststoffe auf: Polyethylen, hochdichtes Polyethylen, Polypropylen,
Polyethylenterephtalat, Polyurethan, thermoplastisches Polyurethan, Polyacetat, Polycarbonat,
Polyimid, Polystyrol, Polyvinylchlorid oder Polytetrafluorethylen. Zur Herstellung
der Strukturgeberfolie können auch Mischungen der vorgenannten Werkstoffe eingesetzt
werden, z. B. Mischungen verschiedener Kunststoffe oder Schichten unterschiedlicher
Werkstoffe. Optional kann die Strukturgeberfolie auch eine Beschichtung aufweisen,
z. B. einen Lack oder einen Primer. Die Beschichtung kann beispielsweise die Haftung
des Struktur gebenden Mediums an der Strukturgeberfolie verbessern oder sie kann die
Oberflächeneigenschaft der Strukturgeberfolie beeinflussen, z. B. eine matte oder
hochglänzende Oberflächen ermöglichen.
[0014] Mindestens die Druckseite der Strukturgeberfolie kann eine matte oder glänzende bis
hochglänzende Oberfläche aufweisen. Entsprechend erzeugt die Druckseite eine matte
oder glänzende bzw. hochglänzende Oberfläche auf dem Substrat.
[0015] Die erfindungsgemäße Strukturgeberfolie kann einfach oder mehrfach verwendbar sein.
Nach einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung kann eine einfach verwendbare
Strukturgeberfolie nach dem Prägen der Oberfläche des Substrats auf dem Substrat verbleiben,
bis dieses in Gebrauch genommen wird.
[0016] Die Erfindung umfasst ein Verfahren zum Herstellen der Strukturgeberfolie mit den
Schritten des Bereitstellens einer Folie mit einer Druckseite, die später beim Prägen
des Substrats auf der Oberfläche des Substrats aufliegt, sowie das Aufbringen eines
festen oder flüssigen Struktur gebenden Mediums mittels einer digitalen Aufbringvorrichtung
sowie optional das Trocknen oder Aushärten des Struktur gebenden Mediums.
[0017] Wie bereits zuvor beschrieben, wird ein festes oder flüssiges Medium z. B. durch
einen 3D-Drucker, einen Laserdrucker oder einen Tintenstrahldrucker auf die Druckseite
einer Folie aufgetragen, die so zur Strukturgeberfolie wird. Das Struktur gebende
Medium verbindet sich unlösbar mit der Druckseite der Folie, so dass es während des
Prägens und auch während des Entfernens der Strukturgeberfolie vom Substrat vollständig
an der Druckseite haften bleibt. Dies kann z. B. dadurch geschehen, dass das Struktur
gebende Medium durch Trocknen an der Druckseite haftet, indem beispielsweise Wasser
oder Lösungsmittel verdunstet. Alternativ kann das Medium aushärten, wenn sich z.
B. durch Einwirken von Temperatur und/oder Strahlung Polymere ausbilden oder Feststoffpartikel
miteinander und/oder mit der Druckseite der Strukturgeberfolie verbinden, beispielsweise
verschweißen, verschmelzen oder verkleben. Typisch wird ein durch einen 3D-Drucker
verarbeitetes Medium in Form von Feststoffpartikeln aufgetragen und z. B. durch Laserstrahlung,
UV-Strahlung oder andere Strahlung zu einer festen Struktur gesintert, verschmolzen
oder verschweißt. Wird das Medium flüssig aufgetragen, so enthält es häufig Monomere
oder Oligomere oder Feststoffpartikel, die dann ebenfalls unter Einwirkung von Strahlung
polymerisieren, gesintert werden oder verklebt bzw. verschweißt werden. Besteht das
flüssige Medium ausschließlich aus einer Substanz, die zur Herstellung der Struktur
genutzt wird, entfällt das ansonsten notwendige Entfernen des Lösungsmittels bzw.
Wassers. Struktur gebende Medien, entweder in flüssiger Form als Tinten bezeichnet
oder als Feststoffpartikel sind an sich bekannt.
[0018] Die auf die Druckseite aufgebrachte Struktur, die nach dem Prägen in der Oberfläche
des Substrats als Negativ abgebildet wird, kann entweder ein in sich abgeschlossenes
Motiv sein, sie kann aber auch ein Motiv mehrfach wiedergeben oder sie kann nur den
Teil eines Motivs wiedergeben. Typisch werden z. B. Holzstrukturen oder andere Naturstrukturen
wie z. B. Steinstrukturen abgebildet. Es können aber auch jegliche andere Motive hergestellt
werden.
[0019] Vorteilhaft werden unabhängig vom Motiv weitere Informationen auf die Druckseite
aufgebracht, z. B. Druckmarken oder andere Informationen, die das Ausrichten der Strukturgeberfolie
bezogen auf das Substrat oder eine Presse betreffen, in der die Strukturgeberfolie
und das Substrat verpresst werden, um die Struktur auf die Oberfläche des Substrats
zu übertragen. Diese Informationen können auch, da sie auf die Oberfläche des Substrats
übertragen werden, für spätere Bearbeitungsschritte des Substrats genutzt werden,
z. B. um Hinweise zum Aufteilen des Substrats in Einzelteile zu geben. Diese weiteren
Informationen können ebenfalls durch die digitale Auftragsvorrichtung aufgebracht
werden oder sie können durch andere Auftragsvorrichtungen angebracht werden.
[0020] Die Erfindung umfasst weiter ein Verfahren zum Aufbringen einer Struktur auf die
Oberfläche eines Substrats. Dieses Verfahren umfasst die Schritte des Bereitstellens
eines Substrats mit einer Oberfläche und das Bereitstellens einer Strukturgeberfolie
mit einer Druckseite, auf die mindestens abschnittsweise ein Struktur gebendes Medium
aufgetragen ist, das eine Struktur bildet. Weiter umfasst das Verfahren das Auflegen
der Druckseite der Strukturgeberfolie auf die Oberfläche des Substrats und das Pressen
von Substrat und Strukturgeberfolie in einer Presse, wobei sich die Struktur, die
auf der Druckseite der Strukturgeberfolie aufgetragen ist, in die Oberfläche des Substrats
einprägt. Das auf die Druckseite der Strukturgeberfolie aufgebrachte Struktur gebende
Medium kommt also in unmittelbaren Kontakt mit der Oberfläche des Substrats, um dort
ein Negativ der auf der Druckseite aufgebrachten Struktur zu erzeugen. Die Oberfläche
des Substrats wird erfindungsgemäß reliefartig geprägt und zeigt damit ebenfalls eine
Struktur.
[0021] Im einfachsten Fall ist nur der Druck der Presse erforderlich, um die Struktur in
die Oberfläche des Substrats einzuprägen. Der Druck beträgt üblicherweise von 10 N/mm
2 bis 1000 N/mm
2. Meist wird jedoch auch zusätzlich eine erhöhte Temperatur angewandt, damit die Oberfläche
des Substrats besser verformbar ist. Die Temperatur beträgt z. B. von 40 °C bis 300
°C, vorzugsweise von 140 °C bis 200 °C.
[0022] Der Druck wird durch eine Presse, üblicherweise eine Kurztaktpresse (KT-Presse) oder
durch eine kontinuierliche Presse aufgebracht. In der Regel genügt eine Pressdauer
von maximal 150 Sekunden, meist genügen 10 Sekunden bis 30 Sekunden, mindestens ist
eine Pressdauer von 5 Sekunden ausreichend, um die Struktur auf der Druckseite der
Strukturgeberfolie als Negativ, und damit ebenfalls als Struktur auf der Oberfläche
des Substrats abzubilden. Die Pressbedingungen werden in Abhängigkeit vom zu prägenden
Substrat gewählt. Optimale Pressbedingungen ermittelt der Fachmann mit wenigen orientierenden
Versuchen.
[0023] Als Substrat sind sämtliche Werkstoffe geeignet, die sich durch die Strukturgeberfolie
prägen lassen, typisch Holz oder Holzwerkstoffe, Kunststoffe, insbesondere thermoplastische
Kunststoffe, Metalle, insbesondere Metallfolien, aber auch keramische Werkstoffe.
Holzfaser- oder Spanplatten, Sperrholz, Schichtholz und OSB-Platten zählen zu den
Holzwerkstoffen, die im Rahmen der Erfindung als Holzwerkstoffe bezeichnet werden.
Die Werkstoffe können auch als Zwischenprodukt, z. B. vor oder während des Trocknens,
Pressens oder Aushärtens geprägt werden, wenn sie sich in einem Fertigungszustand
befinden, in dem sie noch weich genug sind, geprägt zu werden. Die Werkstoffe können
zum Prägen der Oberfläche auch erwärmt oder in anderer Weise temporär erweicht werden,
um ein Prägen der Oberfläche zu ermöglichen.
[0024] Nach einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung weist das Substrat eine Oberflächenbeschichtung
auf, die durch die Strukturgeberfolie geprägt wird. Diese Oberflächenbeschichtung,
die dann die Oberfläche des Substrats bildet, kann bevorzugt aus einem Lack oder einem
Kunstharz bestehen. Lack oder Kunstharz können vorteilhaft hochviskos oder getrocknet,
aber noch nicht ausgehärtet sein. Auch angelierte Lacke, z. B. UV- oder strahlungshärtende
Lacke können auf einfache Weise durch die Strukturgeberfolie geprägt werden, so dass
die Oberflächenbeschichtung als Struktur ein exaktes und detailgenaues Negativ der
auf die Druckseite der Strukturgeberfolie aufgebrachten Struktur zeigt.
[0025] Typische Kunstharzbeschichtungen können als Oberflächenbeschichtung eines Substrats
gut geeignet sein, um mit der erfindungsgemäßen Strukturgeberfolie verpresst zu werden,
insbesondere, wenn die Presse mit einer Presstemperatur von ca. 140 °C bis ca. 200
°C betrieben wird. Das Kunstharz wird bevorzugt als vorkondensierte bzw. getrocknete
aber noch nicht ausgehärtete Oberflächenbeschichtung z. B. von Holzwerkstoffplatten
eingesetzt. Es verflüssigt sich in der Presse bei den genannten Temperaturen. In diesem
Zustand kann es durch die Strukturgeberfolie geprägt werden. Im weiteren Verlauf des
Pressvorgangs härtet das Kunstharz bei den genannten Temperaturen aus, so dass eine
dauerhafte Struktur in die Oberfläche eingeprägt werden kann. Typische Kunstharze
sind Melaminharz, Phenolformaldehydharz und Harnstoffharze.
[0026] Aber auch Lacke können ohne Weiteres eingesetzt werden. Häufig verwendete Lacke sind
acrylat- oder metacrylatbasierte Lacke, Polyurethanlacke, Epoxidlacke, oder wasserbasierende
Lacke. Vorzugsweise werden UV- oder strahlungshärtende Lacke sowie thermisch härtende
Lacke verwendet, weil diese Lacke in passgenauer Abstimmung auf die erfindungsgemäße
Strukturgeberfolie angeliert (teilweise gehärtet) werden können, so dass nach dem
Pressvorgang eine optimale Wiedergabe der Struktur der Strukturgeberfolie in der Lackoberfläche
abgebildet ist, z. B. weil der Lack nicht mehr verfließt. Während des Pressvorgangs
oder anschließend daran kann der Lack vollständig ausgehärtet werden.
[0027] Ein wesentlicher Vorteil des vorstehend geschilderten Verfahrens ist, dass es, abgesehen
von einer Presse, vollständig ohne weitere technische Hilfen beim Einprägen der Struktur
in die Oberfläche des Substrats auskommt. Es werden weder Laser noch andere Hilfsmittel
benötigt.
[0028] Details der Erfindung werden nachfolgend an Hand eines Ausführungsbeispiels dargestellt.
Es zeigen, jeweils in nicht-maßstäblicher, schematischer Darstellung:
- Fig. 1
- eine erfindungsgemäße Strukturgeberfolie
- Fig. 2
- ein erfindungsgemäß mit einer Struktur versehenes Substrat
[0029] Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemäße Strukturgeberfolie 1 aus hochdichtem Polyethlyen,
z. B. aus Tyvek®. Die Strukturgeberfolie 1 weist eine Druckseite 2 und eine Außenseite
3 auf. Auf der Druckseite ist eine Struktur 4 aufgetragen. Die Struktur 4 auf der
Druckseite 2 nimmt einen Abschnitt der gesamten Druckseite ein. Diese Struktur 4 weist
abschnittsweise eine unterschiedliche Höhe auf. An der Stelle 4a beträgt die Höhe
10 µm, an der Stelle 4b beträgt die Höhe 150 µm und an der Stelle 4c beträgt die Höhe
450 µm. Die Oberfläche der Druckseite 2, soweit sie nicht mit einer Struktur 4 versehen
ist, ist glatt und die Druckseite 2 kann Glanzgrade von matt bis hochglänzend aufweisen.
[0030] Die Struktur 4 wird hergestellt durch einmaliges oder schichtweises Auftragen und
Aushärten eines flüssigen Mediums 5, das mittels einer digitalen Auftragsvorrichtung,
hier eines Digitaldruckers, aufgetragen und durch UV-Licht oder Laserstrahlung thermisch
ausgehärtet wird. Solche flüssigen Medien sind an sich bekannt, z. B. von den Herstellern,
hier Tintenherstellern wie Hewlett Packard (HP), Durst, Sensient, Mimaki, Seiko oder
Vutek. Tinten, die als flüssiges Medium 5 eingesetzt werden, können aber auch selbst
hergestellt werden, z. B. mit Rohstoffen von BASF, MERK, Clariant oder Acolor. Bekannt
sind verschiedene Typen von Tinten, z. B. lösemittelbasierte Tinten (Solvent- oder
Ecosolventtinten), Latex- und UV-Tinten, die je nach Anwendungsfall eingesetzt werden.
Die Tinten enthalten oder bestehen aus Komponenten, die nach dem Trocknen oder Aushärten
als Feststoff punkt- oder schichtweise auf der Druckseite der Strukturgeberfolie 1
abgelagert werden.
[0031] Alternativ kann ein Digitaldrucker eingesetzt werden, mit dem ein Feststoff-Partikel
aufweisendes, Struktur gebendes Medium 5 als Feststoff einmalig oder schichtweise
auf die Druckseite 2 aufgetragen wird und durch Wärme oder UV-Licht oder insbesondere
Laserstrahlung auf an sich bekannte Weise ausgehärtet wird, so dass die Feststoffpartikel
zu einer festen Struktur miteinander verbunden werden. Solche Feststoff-Partikel,
die z. B. mit einem 3-D-Drucker verarbeitet und auf die Druckseite einer Strukturgeberfolie
aufgetragen werden können, sind an sich bekannt. Das Trocknen, Aushärten oder Abbinden
bindet das Medium 5 gleichzeitig an die Druckseite 2 der Strukturgeberfolie 1. Das
Medium 5, das durch die digitale Auftragsvorrichtung auf die Druckseite 2 aufgetragen
wird, bildet die Struktur 4. Die Struktur 4 weist eine Festigkeit auf, die ausreicht,
um die Oberfläche eines Substrats zu prägen.
[0032] Die digitale Auftragsvorrichtung druckt die Struktur 4 nach einem vorgegebenen Datensatz,
der ebenfalls digital gespeichert ist. Ohne Schwierigkeiten können komplexe Designs
verwirklicht werden, z. B. ein Gebirgsrelief in den Maßen 280 x 207 cm oder 560 x
207 cm. Ebenso können Holzstrukturen digitalisiert und auf eine gewünschte Platten
oder Paneelgrösse abgestimmt werden, wobei das Substrat mit mehreren gleichen Holzstrukturen
in Paneelgröße oder Plattengröße bedruckt und anschließend in einzelne Fertigteile
aufgeteilt wird. Auf diese Weise können Strukturen 4 in einer Feinheit auf der Druckseite
2 der Strukturgeberfolie 1 nachgebildet werden, die nur durch die Auflösung der jeweiligen
Auftragsvorrichtung begrenzt ist. Dabei bezieht sich die Feinheit der Struktur nicht
nur auf den schichtweisen flächigen Auftrag sondern auch auf die Höhe bis zu der das
Struktur gebende Medium jeweils aufgetragen wird.
[0033] Das Verfahren zum Erzeugen einer Struktur in der Oberfläche eines Substrats, wie
es in der Fig. 2 dargestellt ist, wird wie folgt durchgeführt: Es wird ein Substrat
6 mit einer Oberfläche 7 bereitgestellt, z. B. aus Holzwerkstoff. Im Objektbereich
werden als Holzwerkstoffplatten vorwiegend Spanplatten eingesetzt, die beschichtet
und nachfolgend mittels der erfindungsgemäßen Strukturgeberfolie strukturiert werden
können. Aber auch Holzfaserplatten sind gut geeignet, mit einer Beschichtung versehen
zu werden, die anschließend geprägt wird.
[0034] Im vorliegenden Ausführungsbeispiel wird eine MDF-Platte als Substrat 6 eingesetzt,
auf die - ausgehend von der Oberseite der Holzwerkstoffplatte - ein Overlay, darunter
ein Dekorpapier und darunter ein Underlay als Schicht 8 aufgebracht sind, die jeweils
mit Kunstharz getränkt sind. Das Overlay bildet in der Schicht 8 die Oberfläche 7
des Substrats 6. Das Kunstharz ist vorgetrocknet, aber noch nicht ausgehärtet. Es
ist, wie auch Underlay und Dekorpapier, mit einem polymerisierenden Kunstharz, vorzugsweise
Melamin oder Melamin und Formaldehyd getränkt bzw. beschichtet. Das Kunstharz ist
durch Einwirkung von Wärme getrocknet, also teilweise gehärtet.
[0035] Auf diese Oberfläche 7 des Substrats 6, die aus noch nicht ausgehärtetem Kunstharz
gebildet ist, wird die Druckseite 2 der vorstehend beschriebenen Strukturgeberfolie
1 aufgelegt. Allgemein erweisen sich Druckmarken, die auf der Druckseite 2 der Strukturgeberfolie
1 aufgetragen sind, als besonders geeignet, eine Ausrichtung der Strukturgeberfolie
1 auf das Dekor zu ermöglichen, das hier durch das Dekorpapier in der Schicht 8 gegeben
ist.
[0036] Dieser Pressgutstapel aus beschichtetem Substrat 6 und der vorstehend beschriebenen
Strukturgeberfolie 1 wird in eine KT-Presse eingelegt. Die Presse wird geschlossen,
wobei eine Unterseite des Substrats und die Außenseite der Strukturgeberfolie jeweils
an einem Pressblech anliegen. Das Pressblech ist ein einfaches, glattes Pressblech,
an das hinsichtlich Glätte oder Glanz keine besonderen Anforderungen gestellt werden.
Etwaige Unebenheiten im Pressblech werden durch die Außenseite der Strukturgeberfolie
ausgeglichen. Der Pressgutstapel wird bei einem Druck von 350 N/mm
2 und einer Temperatur von 180°C für 18 Sekunden geprägt. Während des Pressens wird
das Kunstharz zunächst verflüssigt, um dann auszuhärten und zu verfestigen. Die Strukturgeberfolie
1 wird in der Presse auf die Oberfläche 7 des Substrats 6 gepresst, so dass sich die
Struktur 4 in die Schicht 8 des noch nicht ausgehärteten Kunstharzes einprägt. In
das verflüssigte Kunstharz wird die Struktur 4 der Strukturgeberfolie 1 als Negativ
eingepresst, so dass die Oberfläche 7 des Substrats 6 nun eine negative Struktur 9
aufweist.
[0037] Durch das Verfestigen des Kunstharzes beim Aushärten wird die nun in der Oberfläche
7 des Substrats 6 abgebildete negative Struktur 9 fixiert. Die Oberfläche 7 zeigt
also eine negative Struktur 9, die ein Negativ der Struktur 4 der Strukturgeberfolie
1 ist. Das Aushärten der Schicht 8 nun in der negativen Struktur 9 schafft keine Verbindung
zwischen der Struktur 4 und dem Kunstharz der Schicht 8. Nach dem Aushärten kann die
Strukturgeberfolie 1 ohne weiteres von der Oberfläche 7 des Substrats 6 abgezogen
werden.
[0038] Das Einpressen der negativen Struktur in die Oberfläche 7 des Substrats 6 mittels
einer Strukturgeberfolie 1 kann nach zwei Alternativen erfolgen. Die Strukturgeberfolie
1 kann nach einer ersten Alternative insbesondere für einen mehrmaligen Gebrauch in
die Presse gelegt und fixiert werden und somit mehrmalig als Strukturgeber eingesetzt
werden. Bei dieser ersten Alternative können mehrfach verwendbare Strukturgeberfolien
1 eingesetzt werden, welche entweder in der Kurztaktpresse fixiert werden oder auch
in kontinuierlich arbeitenden Pressen z. B. auch als umlaufende Bänder ausgebildet
sein können.
[0039] Es ist aber nach einer zweiten Alternative auch möglich, die Strukturgeberfolie 1,
die in diesem Fall nicht mit der Presse verbunden ist, sondern die als oberste Lage
des Pressgutstapels mit der Druckseite 2 zur Schicht 8 angeordnet ist und bei der
vorzugsweise Druckmarken auf das Dekor des Dekorpapiers ausgerichtet sind, mit dem
gesamten Sandwichpaket bestehend aus Holzwerkstoff und Substrat 6 in die Presse zu
fahren und so die negative Struktur zu prägen. In diesem Fall kann die Strukturgeberfolie
1 nach dem Pressvorgang auf dem Substrat 6 verbleiben und so zugleich als Schutzfolie
für die Weiterverarbeitung eingesetzt werden. Erst der Endkunde nach Montage zieht
die Strukturgeberfolie 1, die zusätzlich als Schutzfolie dient, vom Werkstück ab.
Diese Alternative wird insbesondere bei hochglänzenden Oberflächen eingesetzt.
[0040] Alternativ wird nach einem weiteren Ausführungsbeispiel eine HDF-Platte mit einer
lackierten Oberfläche als Substrat 6 eingesetzt, wobei eine erste Lackschicht ein
meist farbiges Dekor aufträgt, während eine zweite Lackschicht 8, die auf die erste
Lackschicht aufgetragen wird, meist transparent ist. Die zweite Lackschicht 8 bildet
die Oberfläche 7 des Substrats 6. Die zweite Lackschicht 8 ist teilweise angeliert,
so dass sie nicht mehr fließfähig ist, aber noch geprägt werden kann. Auf diese teilweise
angelierte Oberfläche 7 des Substrats 6 wird eine Strukturgeberfolie 1 aufgelegt.
Die Strukturgeberfolie 1 wird in Abstimmung auf das Dekor ausgerichtet und die Strukturgeberfolie
1 und das Substrat 6 werden miteinander verpresst, wobei der Lack ausgehärtet wird.
Auf diese Weise wird die Struktur 4 der Strukturgeberfolie 1 in der Oberfläche 7 des
Substrats 6 als negative Struktur 9 abgebildet. Auch hier kann die Strukturgeberfolie
1 entweder mehrfach verwendet werden oder bei einmaliger Verwendung z. B. als Schutzfolie
auf dem Substrat 6 verbleiben bis zum Beginn der Verwendung.
1. Strukturgeberfolie, die auf einer Prägeseite (2) mindestens abschnittsweise mit einem
Struktur gebenden Medium (5) versehen ist, wobei das Struktur gebende Medium (5) mit
einer digitalen Auftragsvorrichtung aufgebracht ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Prägeseite (2) zum Prägen einer Oberfläche (7) eines Substrats (6) ausgelegt
ist.
2. Strukturgeberfolie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine Struktur (4) ausschließlich unter Einwirkung von Druck und Temperatur in die
Oberfläche (7) des Substrats (6) übertragen wird.
3. Strukturgeberfolie nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Struktur (4), bezogen auf die Druckseite (2) der Strukturgeberfolie (1), eine
Höhe von 1 µm bis 1000 µm aufweist.
4. Strukturgeberfolie nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Struktur (4) eine Auflösung von 25 dpi bis zu 4800 dpi aufweist.
5. Strukturgeberfolie nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturgeberfolie (1) aus Metall, Kunststoff, Papier, Pappe oder einem Verbundwerkstoff
hergestellt ist.
6. Strukturgeberfolie nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturgeberfolie (1) aus Aluminium, Polyethylen, hochdichtem Polyethylen, Polypropylen,
Polyethylenterephtalat, Polyurethan, thermoplastisches Polyurethan, Polyacetat, Polycarbonat,
Polyimid, Polystyrol, Polyvinylchlorid oder Polytetrafluorethylen oder einer Mischung
dieser Werkstoffe hergestellt ist.
7. Strukturgeberfolie nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturgeberfolie (1) eine matte, eine glänzende oder eine hochglänzende Druckseite
(2) aufweist.
8. Strukturgeberfolie nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Struktur gebende Medium (5) in festem oder in flüssigem Zustand aufgetragen wurde.
9. Strukturgeberfolie nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturgeberfolie (1) einmal oder mehrfach verwendbar ist.
10. Verfahren zum Herstellen einer Strukturgeberfolie mit den Schritten
- Bereitstellen einer Folie mit einer Druckseite (2)
- Aufbringen eines festen oder flüssigen Struktur gebenden Mediums (5) mittels einer
digitalen Auftragsvorrichtung, sowie
- optional Trocknen oder Aushärten des Struktur gebenden Mediums (5).
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Struktur gebende Medium (5) unlösbar mit der Strukturgeberfolie (1) verbunden
wird.
12. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass Laserdrucker oder ein Tintenstrahldrucker als digitale Auftragsvorrichtung verwendet
wird.
13. Verfahren zum Aufbringen einer Struktur auf die Oberfläche eines Substrats mit den
Schritten
- Bereitstellen eines Substrats (6) mit einer Oberfläche (7),
- Bereitstellen einer Strukturgeberfolie (1) mit einer Druckseite (2), auf die mindestens
abschnittsweise ein Struktur gebendes Medium (5) aufgetragen ist,
- Auflegen der Druckseite (2) der Strukturgeberfolie (1) auf die Oberfläche (7) des
Substrats (6),
- Pressen von Substrat (6) und Strukturgeberfolie (1) in einer Presse, wobei sich
die Struktur (4), die auf der Druckseite (2) der Strukturgeberfolie (1) aufgetragen
ist, in die Oberfläche (7) des Substrats (6) einprägt.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass ein Druck von 20 N/mm2 bis 1000 N/mm2 angewendet wird, um die Struktur (4) in die Oberfläche (7) des Substrats (6) einzuprägen.
15. Verfahren nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass eine Temperatur von 40 °C bis 280 °C angewendet wird,
16. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 13 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass das Entfernen der Strukturgeberfolie (1) unmittelbar nach dem Pressen oder erst bei
In-Gebrauch-Nahme des Substrats (6) erfolgt.
17. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 13 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass als Substrat (6) ein Holzwerkstoff, ein Metall, ein Kunststoff, insbesondere ein
thermoplastischer Kunststoff oder ein keramisches Substrat verwendet wird.
18. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 13 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass das Substrat (6) eine Schicht (8), insbesondere eine Kunstharzbeschichtung aufweist,
in dessen Oberfläche (7) die Struktur (4) eingebracht wird.