[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum verrohrten Bohren, bei dem in einen Boden
zumindest in einen oberen Bereich eines zu erstellenden Bohrlochs ein Bohrrohr eingebracht
wird und ein Bodenmaterial innerhalb des Bohrrohres mittels eines drehend angetriebenen
Bohrwerkzeugs entfernt und das Bohrloch abgebohrt wird, gemäß dem Oberbegriff des
Anspruchs 1.
[0002] Die Erfindung betrifft weiterhin eine Bohranordnung, insbesondere für ein Verfahren
zum verrohrten Bohren, mit einem Bohrrohr, welches in einen Boden einbringbar ist,
und einem drehend antreibbaren Bohrwerkzeug, welches zum Erstellen eines Bohrlochs
in das Bohrrohr einbringbar ist, gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 6.
[0003] Verfahren zum verrohrten Bohren sowie Bohrvorrichtungen hierfür sind seit Langem
bekannt, etwa aus der
DE 100 23 467 C1. Ein Bohrrohr kann dabei vorauseilend oder gleichzeitig mit einem Bohrwerkzeug in
einen Boden eigebracht werden, durch welches das eigentliche Bohrloch erstellt wird.
Das außenliegende Bohrrohr dient dabei üblicherweise zum Abstützen der Bohrlochwandung.
Nach Erstellen der Bohrung bis zu der gewünschten Endtiefe kann das Bohrrohr etwa
beim Verfüllen des Bohrlochs zum Bilden eines Bohrpfahls wieder aus dem Boden gezogen
werden oder in bestimmten Fällen darin verbleiben.
[0004] Weiterhin ist ein sogenanntes Doppelkopfbohren bekannt, wie es etwa aus der
DE 199 06 687 B4 hervorgeht. Bei einer hierzu vorgesehenen Doppelkopfbohrvorrichtung sind ein rotierend
angetriebenes Innenrohr sowie ein rotierend angetriebenes Außenrohr zum Erstellen
einer Bohrung vorgesehen. Über das rohrförmige Innenbohrwerkzeug kann eine Spülflüssigkeit
in das Bohrloch eingeleitet werden. Über einen ringförmigen Zwischenraum zwischen
dem Innenrohr und dem Außenrohr kann die Spülflüssigkeit zusammen mit abgetragenem
Bohrklein wieder aus dem Bohrloch abgeführt werden. Hierfür ist an einem oberen Ende
eine Drehdurchführung vorgesehen, so dass die Spülflüssigkeit aus dem drehenden Außenrohr
über einen radialen Auslass seitlich abgeführt werden kann. Zur Drehantriebseinheit
hin ist das Außenrohr axial abgedichtet, so dass die Drehantriebseinheit nicht mit
Spülflüssigkeit verunreinigt wird.
[0005] Eine Bohrvorrichtung mit einer Drehdurchführung an einem Bohrrohr ist auch aus der
DE 2 2014 006 208 U1 bekannt. Bei dieser Bohrvorrichtung ist die Drehdurchführung zum radialen Ableiten
von Gasen vorgesehen, damit diese nicht in die Umwelt austreten. An einem oberen Ende
ist eine axiale Abdeckung vorgesehen.
[0006] Bei einem verrohrten Bohren in einem diskontinuierlichen Bohrbetrieb, etwa einem
Bohreimer als Bohrwerkzeug, muss der Bohreimer wiederholt durch die Drehdurchführung
hindurchtreten, um geleert zu werden. Dies kann eine häufige Montage und Demontage
der Drehdurchführung notwendig machen, was zeit- und kostenaufwändig ist.
[0007] Der Erfindung liegt die
Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Bohranordnung zum verrohrten Bohren anzugeben, welche
ein effizientes und zugleich umweltverträgliches Bohren ermöglichen.
[0008] Die Aufgabe wird nach der Erfindung durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1 beziehungsweise eine Bohranordnung mit den Merkmalen des Anspruchs 6 gelöst. Bevorzugte
Ausführungsformen der Erfindung sind in den jeweils abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0009] Das erfindungsgemäße Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass in einem oberen Bereich
des Bohrrohres in dem Bohrrohr ein Unterdruck mittels einer ringförmigen Unterdruckeinheit
erzeugt wird, wobei ein Bereich mit Unterdruck in dem Bohrrohr gebildet wird, und
dass der Unterdruck derart eingestellt wird, dass Umgebungsluft von oben ringförmig
in den Unterdruckbereich einströmt.
[0010] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann beim Bohren innerhalb des Bohrrohres austretendes
Schadgas, welches etwa in einem kontaminierten Boden auftreten kann, zuverlässig aufgefangen.
Dies wird dadurch erreicht, dass in einer ringförmigen Unterdruckeinheit in einem
oberen Endbereich des Bohrrohrs ein derartiger Unterdruck erstellt wird, der ein zuverlässiges
Ansaugen von Umgebungsluft aus der Atmosphäre ermöglicht. Bei einem derartigen Unterdruck
bedarf es keiner speziellen Abdichtung zwischen dem Bohrrohr und dem darin drehend
angetriebenen inneren Bohrwerkzeug. Vielmehr kann ein ringförmiger Zwischenraum zwischen
dem inneren Bohrwerkzeug und dem äußeren Bohrrohr freibleiben, durch welchen durch
den eingestellten Unterdruck Umgebungsluft ringförmig in den Unterdruckbereich im
Bohrrohr einströmt. Somit kann Schadgas zuverlässig nicht durch das Bohrrohr axial
nach außen treten. Vielmehr wird das Schadgas zusammen mit der eingesaugten Umgebungsluft
zuverlässig abgeführt. Gleichzeitig kann das innere Bohrwerkzeug frei bewegt werden
und aus dem Bohrrohr austreten, was insbesondere bei einem diskontinuierlichen Bohren
effizient ist.
[0011] Besonders bevorzugt ist es dabei nach einer Ausführungsvariante der Erfindung, dass
zum Halten eines gewünschten Unterdrucks kontinuierlich Luft aus dem Unterdruckbereich
über einen Abführstutzen abgeführt wird. Der Abführstutzen ist vorzugsweise radial
angeordnet und kann mit entsprechenden Kupplungselementen für einen Leitungsanschluss
versehen sein.
[0012] In bevorzugter Weise ist die Erfindung dadurch weitergebildet, dass die abgeführte
Luft über eine Leitung einer vom Bohrloch entfernt angeordneten Reinigungseinheit
zugeführt wird. Innerhalb der Reinigungseinheit kann ein Schadgas teilweise oder vollständig
gereinigt und zu einem unschädlichen Gas umgesetzt werden. Eine solche Reinigungseinheit
kann auch eine Staub- und/oder Wasserabscheideeinrichtung aufweisen. Die Reinigungseinheit
kann eine Filtereinrichtung, eine Sorptionseinrichtung, eine chemische, biologische
und/oder physikalische Reaktoreinheit und insbesondere eine Kombination dieser Einrichtungen
umfassen. Die Schadstoffe in dem abgeführten Schadgas können als Gas, Flüssigkeitspartikel
und/oder Feststoffpartikel vorliegen.
[0013] Eine weitere vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung besteht darin, dass die Unterdruckeinheit
mit einer oberen Einlassöffnung versehen ist, deren Durchmesser unter Bildung eines
Ringspalts größer als ein Außendurchmesser des Bohrwerkzeugs ist, wobei durch den
Ringspalt die Umgebungsluft einströmt. Ein Innendurchmesser der Unterdruckeinheit
entspricht dabei im Wesentlichen einem Innendurchmesser des Bohrrohres. Die obere
Einlassöffnung kann vorzugsweise eine Verjüngung aufweisen, wobei gegenüber einem
Außendurchmesser des innenliegenden Bohrwerkzeugs ein Durchmesserunterschied gegeben
ist, so dass ein Ringspalt gebildet ist. Aufgrund der Unterdruckeinstellung und des
vorzugsweise ringförmigen Einströmens von Umgebungsluft durch den Ringspalt in das
Bohrrohr wird eine sonstige Abdichtung des Bohrrohres nach oben nicht mehr benötigt.
[0014] Die Unterdruckeinheit kann im Wesentlichen rohr- oder ringförmig ausgebildet sein.
Besonders vorteilhaft ist es nach einer Ausführungsvariante der Erfindung, dass ein
Außenteil der Unterdruckeinheit mittels einer Drehmomentstütze gegenüber einer Drehantriebseinheit
zum drehenden Antreiben des Bohrrohrs und/oder des Bohrwerkzeugs abgestützt wird und
dass die Drehmomentstütze an dem Außenteil lösbar verbunden wird. Die Unterdruckeinheit
weist dabei ein rohrförmiges Innenteil auf, welches drehfest mit dem Bohrrohr verbunden
wird. Das ringförmige Außenteil wird relativ drehbar zum Innenteil gelagert, wobei
eine ringförmige Unterdruckkammer gebildet ist. Die Unterdruckkammer ist über entsprechende
radiale Durchbrechungen an dem rohrförmigen Innenteil mit einem Innenraum des Bohrrohres
verbunden.
[0015] Der Unterdruck kann über eine entsprechende Pumpeinrichtung erzeugt werden, über
welche auch das Gas aus dem Bohrrohr über das Innenteil und das Außenteil der Unterdruckeinheit,
vorzugsweise über einen radialen Abführstutzen, nach außen abgeführt wird. Die Pumpe
kann über eine Steuer- und Regeleinheit gesteuert oder mit einem vorgegebenen festen
oder vorauswählbaren Unterdruckwert betrieben werden. Über die Drehmomentstütze kann
das Außenteil somit relativ zum drehend angetriebenen Bohrrohr fixiert werden. Die
Drehmomentstütze kann sich dabei an einem beliebigen feststehenden Teil an einem Bohrgerät
oder einem sonstigen Gerät am Boden abstützen. Die Drehmomentstütze ist dabei lösbar,
etwa durch einen entsprechenden Stellzylinder, so dass die Unterdruckeinheit mit dem
Außenteil auch gemeinsam mit dem Innenteil und dem Bohrrohr gedreht und bewegt werden
kann.
[0016] Die Erfindung betrifft weiterhin eine Bohranordnung, welche dadurch gekennzeichnet
ist, dass an einem oberen Bereich des Bohrrohrs eine ringförmige Unterdruckeinheit
zum Erzeugen eines Unterdrucks angeordnet ist, wobei zwischen der Unterdruckeinheit
und dem eingebrachten Bohrwerkzeug ein Ringspalt ausgebildet ist, und dass der Ringspalt
zum gezielten Einströmen von Umgebungsluft nach oben offen ist.
[0017] Mit einer derartigen Bohranordnung, die insbesondere Teil eines Bohrgerätes sein
kann, kann insbesondere das zuvor beschriebene Verfahren zum verrohrten Bohren durchgeführt
werden.
[0018] Eine bevorzugte Ausführungsform der erfindungsgemäßen Bohranordnung besteht darin,
dass die Unterdruckeinheit ein rohrförmiges Innenteil, welches drehfest und dicht
mit dem Bohrrohr im Boden verbunden ist, und ein Außenteil aufweist, welches relativ
zum Innenteil drehbar gelagert ist. Die Unterdruckeinheit stellt somit eine drehende
Verbindungseinrichtung zum Absaugen von Gas aus dem Bohrrohr dar, welches drehend
bewegt werden kann. Die drehende Lagerung zwischen dem Innenteil und dem Außenteil
kann über Gleit- oder Rollenlager mit entsprechenden Dichtungen bewirkt werden.
[0019] Nach einer Weiterbildung der erfindungsgemäßen Bohranordnung ist es vorteilhaft,
dass an dem Außenteil ein Abführstutzen zum Abführen angesaugter Umgebungsluft angeordnet
ist. An dem Abführstutzen kann insbesondere eine Fluidleitung angeordnet werden, mit
welcher die Unterdruckeinheit mit einer Pumpe und gegebenenfalls einer Reinigungseinheit
verbunden werden kann, um Gas oder ein Fluid abzuführen.
[0020] Eine besonders vorteilhafte Anordnungsvariante besteht nach der Erfindung darin,
dass an dem Innenteil mindestens eine radial vorstehende erste Ringscheibe angeordnet
ist, dass an dem Außenteil mindestens eine radial vorstehende zweite Ringscheibe angeordnet
ist und dass die erste Ringscheibe und die zweite Ringscheibe horizontal gerichtet
und unter Ausbildung einer horizontalen Dichtfläche benachbart zueinander angeordnet
sind. Die jeweils zueinander angeordneten Ringscheibenpaare am Innenteil und dem Außenteil
bilden so eine horizontale Dichtfläche. Insbesondere in einem Bau- oder Bohrbetrieb,
bei welchem das Bohrrohr zumindest zweitweise rotierend angetrieben wird und auch
zusätzliche Bohrrohre aufgesetzt werden können, können erhebliche Querkräfte insbesondere
in horizontaler Richtung auftreten. Diese können von den Ringscheiben mit der dazwischen
liegenden, relativ großen Dichtfläche besonders gut kompensiert werden. Hierdurch
wird eine gute Abdichtung zwischen dem Innenteil und dem Außenteil auch in einem längeren
Betrieb sichergestellt.
[0021] Grundsätzlich können die Ringscheiben plan bearbeitet sein, so dass diese ohne ein
zusätzliches Dichtelement eine hinreichende Abdichtung gewährleisten können. Besonders
vorteilhaft ist es nach einer Weiterbildung der Erfindung, dass an der horizontalen
Dichtfläche mindestens eine Ringdichtung angeordnet ist. Durch einen Dichtring, welcher
als ein Standardteil zukaufbar ist, kann eine besonders zuverlässige Dichtwirkung
erzielt werden. Durch die Anordnung mehrerer Ringdichtungen erhöht sich eine Dichtwirkung.
[0022] Eine weitere Verbesserung der Dichtwirkung wird nach einer Ausführungsvariante der
Erfindung dadurch erzielt, dass eine Schmiermittelzuführung vorgesehen ist, welche
mindestens eine Zuführöffnung zum Zuführen von Schmiermittel in den Bereich der horizontalen
Dichtfläche aufweist. Das Schmiermittel kann insbesondere ein Schmierfett oder ein
Schmieröl sein. Die Schmiermittelzuführung kann insbesondere einen Schmiermittelkanal
mit einem außen angeordneten Schmiermittel sein. Insbesondere bei der Verwendung eines
Schmierfettes als Schmiermittel kann eine zusätzliche Dichtwirkung durch das viskose
Schmiermittel erzielt werden, insbesondere wenn dieses zwischen zwei Dichtringen eingebracht
wird.
[0023] Eine besonders verschleißarme Ausführungsvariante der Bohranordnung nach der Erfindung
besteht darin, dass an dem Außenteil mehrere Rollenkörper angeordnet sind, welche
sich auf einer ringförmigen Laufbahn an dem Innenteil abstützen. Hierdurch kann insbesondere
die Dichtfläche von Axialkräften entlastet werden, was den Reibungsverschleiß vermindert
und die Lebensdauer der Gesamtanordnung erhöht.
[0024] Grundsätzlich kann eine Abstützung des drehfesten Außenteils gegenüber der Umgebung
in einer beliebigen Weise erfolgen. Nach einer Weiterbildung der Erfindung ist es
besonders vorteilhaft, dass eine Drehantriebseinheit zum drehenden Antreiben des Bohrrohres
und/oder des Bohrwerkzeugs vorgesehen ist, dass drehfest relativ zu der Drehantriebseinheit
mindestens eine Drehmomentstütze angeordnet ist und dass die Drehmomentstütze lösbar
mit dem Außenteil der Unterdruckeinheit verbindbar ist. Über diese Drehmomentstütze,
welche vorzugsweise stabförmig ausgebildet ist, wird das ringförmige Außenteil der
Unterdruckeinheit drehfest mit der Drehantriebseinheit verbunden, insbesondere mit
dem Gehäuse der Drehantriebseinheit, und damit mit dem feststehenden Teil eines Bohrgerätes.
Die Drehmomentstütze ist lösbar gegenüber dem Außenteil, was insbesondere durch eine
axiale Verfahrbewegung der Drehantriebseinheit erfolgen kann, welche vorzugsweise
entlang eines Mastes eines Bohrgerätes verschiebbar gelagert und angetrieben ist.
Es ist somit ein schnelles Lösen und Koppeln zwischen der Drehmomentstütze und dem
Außenteil der Unterdruckeinheit möglich.
[0025] Eine besonders zweckmäßige Kopplung des Außenteiles ist nach einer Weiterbildung
der Erfindung dadurch gegeben, dass das Außenteil eine ringförmige Lauffläche aufweist,
auf welche sich ein freies Ende der Drehmomentstütze rollend oder gleitend abstützt,
und dass an der Lauffläche mindestens eine Feststelleinrichtung vorgesehen ist, mit
welcher die Drehmomentstütze an das Außenteil feststellbar und drehfest verbindbar
ist. So kann etwa eine vorzugsweise stabförmige Drehmomentstütze mit der Drehantriebseinheit
axial auf der im Wesentlichen horizontalen ringförmigen Lauffläche am Außenteil aufgesetzt
werden. Bei einem drehenden Antrieb des Bohrrohres kann sich das Außenteil mit dem
Innenteil der Unterdruckeinheit zunächst weiterdrehen. Dabei kann ein freies Ende
der Drehmomentstütze, welches in Kontakt mit der Lauffläche steht, rollend oder gleitend
auf der ringförmigen Lauffläche abstützen. Dieses Bewegen der Drehmomentstütze entlang
der Lauffläche erfolgt so lange, bis die Drehmomentstütze mit einer Feststelleinrichtung
entlang der Lauffläche in Eingriff gelangt. Die Feststelleinrichtung kann ein Anschlag
oder ein sonstiges Halteelement sein.
[0026] Besonders vorteilhaft ist es nach einer Ausführungsvariante der Erfindung, dass die
Feststelleinrichtung mindestens eine Ausnehmung in der Lauffläche umfasst und dass
die Drehmomentstütze stabförmig und teleskopierbar ist und zum Feststellen in die
mindestens eine Ausnehmung einbringbar ist. Die Ausnehmung kann eine Öffnung im Laufweg
der Drehmomentstütze bei einem drehenden Antrieb des Bohrrohres und damit der Unterdruckeinheit
sein. Durch die Teleskopierbarkeit und gegebenenfalls eine Federvorspannung der Drehmomentstütze
kann diese bei Erreichen der Ausnehmung in diese einfahren, so dass dann eine drehfeste
Verbindung zwischen der Drehmomentstütze und dem Außenteil der Unterdruckeinheit gegeben
ist. Ab diesem Zeitpunkt ist das Außenteil feststehend, so dass das Innenteil gegenüber
dem Außenteil weiter drehen kann. Die Teleskopierbarkeit kann auch über einen entsprechenden
Stellzylinder an der Drehmomentstütze bewirkt werden. Zum Lösen ist die Drehmomentstütze
über den Stellzylinder und/oder über die vertikal verstellbare Drehantriebseinheit
wieder aus der Ausnehmung herausziehbar, wobei die drehfeste Verbindung gelöst wird.
[0027] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen weiter
erläutert, welche schematisch in den beigefügten Zeichnungen dargestellt sind. In
den Zeichnungen zeigen:
- Figur 1:
- eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Bohranordnung;
- Figur 2:
- eine perspektivische Ansicht einer Unterdruckeinheit für die Bohranordnung von Figur
1;
- Figur 3:
- eine Seitenansicht der Unterdruckeinheit von Figur 2;
- Figur 4:
- eine geschnittene Seitenansicht der Unterdruckeinheit der Figuren 2 und 3;
- Figur 5:
- eine Draufsicht auf die Unterdruckeinheit von den Figuren 2 bis 4 von oben;
- Figur 6:
- eine vergrößerte Detailansicht zu der Unterdruckeinheit von Figuren 2 bis 5; und
- Figur 7:
- eine vergrößerte, geschnittene Detailansicht zu der Unterdruckeinheit der Figuren
2 bis 6.
[0028] Eine teilweise dargestellte erfindungsgemäße Bohranordnung 10 gemäß Figur 1 ist in
grundsätzlicher bekannter Weise verfahrbar entlang eines Mastes eines nicht dargestellten
Bohrgerätes angeordnet. Zum Abbohren eines nur teilweise dargestellten Bohrrohres
12 in den Boden weist die Bohranordnung 10 eine Drehantriebseinheit 14 auf. Über ein
innen hohles Kardangelenk 16 kann ein Drehmoment der Drehantriebseinheit 14 auf einen
rohrförmigen Drehteller 17 mit seitlichen Durchbrüchen 19 übertragen werden. Über
eine Verbindungseinrichtung 18 am unteren Ende des Drehtellers 17 ist eine ringförmige
Unterdruckeinheit 20 drehfest angeschlossen. Hierzu ist ein oberes Anschlussteil 25,
wie bei einer Rohrverbindung, in die Verbindungseinrichtung 18 eingeschoben und über
radial verschiebbare Riegelelemente befestigt.
[0029] Am unteren Ende der Unterdruckeinheit 20 ist ein unteres Anschlussteil 26 angeordnet,
welches im Wesentlichen wie die Verbindungseinrichtung 18 am Drehteller 17 ausgebildet
ist. Über das untere Anschlussteil 26 kann das Bohrrohr 12 über entsprechende Anschlusselemente
axial eingeschoben und über radial verstellbare Riegelelemente drehfest an der Unterdruckeinheit
20 gehalten werden. In der Darstellung von Figur 1 ist an der ringförmigen Unterdruckeinheit
20 ein ringförmiges Außenteil 24 mit einem radial gerichteten Abführstutzen 40 und
einem oberen Ringkragen 51 gezeigt. An einer Oberseite des Ringkragens 51 ist eine
horizontale Lauffläche 52 angeordnet. An der Lauffläche 52 stützt sich ein unteres
Ende einer stabförmigen Drehmomentstütze 60 ab.
[0030] Die Drehmomentstütze 60 ist an einem Gehäuse 15 der Drehantriebseinheit 14 über einen
Haltebock 62 drehfest gehalten. An dem Haltebock 62 ist ein sich nach unten erstreckendes
Außenrohr 64 befestigt, in welchem verschiebbar eine Innenstange 66 gelagert ist.
Hierdurch wird eine Teleskopierbarkeit der stabförmigen Drehmomentstütze 60 erreicht.
Am unteren Ende der axial verfahrbaren Innenstange 66 ist eine Rolle 68 gelagert,
welche auf der ringförmigen Lauffläche 52 der Unterdruckeinheit 20 abrollen kann.
[0031] Die Drehmomentstütze 60 kann, wie nachfolgend noch beschrieben wird, an dem Außenteil
24 der Unterdruckeinheit 20 fixiert werden, so dass das Außenteil 24 drehfest mit
dem Gehäuse 15 der Drehantriebseinheit 14 verbunden ist. Dabei kann eine definierte
Position des Abführstutzens 40 gehalten werden, während das Bohrrohr 12 drehend angetrieben
wird.
[0032] Der Aufbau der Unterdruckeinheit 20 wird näher im Zusammenhang mit den Figuren 2
bis 5 erläutert. Die Unterdruckeinheit 20 weist ein rohrförmiges Innenteil 22 und
ein Außenteil 24 auf, welches drehbar an der Außenseite des rohrförmigen Innenteils
22 gelagert ist. Ein Innendurchmesser des rohrförmigen Innenteils 22 entspricht einem
Innendurchmesser des abzubohrenden Bohrrohres 12. Durch das rohrförmige Innenteil
22 kann sich ein in den Zeichnungen nicht dargestelltes Bohrwerkzeug, etwa ein Bohreimer
oder eine Bohrschnecke, erstrecken, welches von der Drehantriebseinheit 14 zum Abtragen
von Bodenmaterial innerhalb des Bohrrohres 12 angetrieben wird. Ein Außendurchmesser
des Bohrwerkzeuges ist dabei kleiner als der Innendurchmesser des rohrförmigen Innenteils
22, so dass zumindest bei einem axialen Durchgang des Bohrwerkzeuges durch die Unterdruckeinheit
20 ein ringförmiger Spalt zwischen dem Bohrwerkzeug und dem rohrförmigen Innenteil
22 gebildet ist. Das rohrförmige Innenteil 22 umfasst einen Rohrkörper, an dessen
oberen Ende das obere Anschlussteil 25 zum drehfesten Verbinden mit dem Drehteller
17 und am unteren Ende das untere Anschlussteil 26 zum drehfesten Anschließen des
Bohrrohres 12 angeordnet sind.
[0033] An der Außenseite des rohrförmigen Innenteils 22 ist das ringförmige, kastenartig
ausgebildete Außenteil 24 drehbar gelagert. Das kastenförmige Außenteil 24 umschließt
eine ringförmige Unterdruckkammer 30, welche über den Abführstutzen 40 mit einer nicht
dargestellten Pumpe zum Erzeugen eines Unterdrucks in der Unterdruckkammer 30 verbunden
ist. Weiterhin steht die Unterdruckkammer 30 über radiale Durchgänge 28 in der Wand
des rohrförmigen Innenteils 22 mit dem Innenraum des rohrförmigen Innenteils 22 in
Verbindung. Auf diese Weise kann Luft oder ein Fluid innerhalb des rohrförmigen Innenteils
22 über die kreisförmigen Durchgänge 28, die ringförmige Unterdruckkammer 30 und den
radial gerichteten Abführstutzen 40 nach außen, etwa zu einer Reinigungseinheit, abgeführt
werden.
[0034] Hierdurch kann etwa Schadgas, welches bei einem Bohren in einem kontaminierten Boden
entstehen kann, aus dem Bohrrohr 12 zuverlässig abgeführt, ohne dass hierdurch die
Umgebungsluft kontaminiert wird. Dabei ist ein oberes Ende der Unterdruckeinheit gegenüber
dem darin angeordneten Bohrwerkzeug nicht abgedichtet. Um einen Austritt von Schadgas
nach oben zu verhindern, wird nach der Erfindung der Unterdruck in der Unterdruckkammer
30 derart eingestellt, dass zuverlässig Umgebungsluft von oben angesaugt wird. Dabei
strömt die Umgebungsluft vorzugsweise ringförmig durch den ringförmigen Spalt zwischen
dem Innenteil 22 und dem eingeführten Bohrwerkzeug.
[0035] An seiner Oberseite weist das Außenteil 24 einen Ringkragen 51 mit der horizontalen
ringförmigen Lauffläche 52 für das untere Ende der Drehmomentstütze 60 auf. Für ein
drehfestes Koppeln des Außenteiles 24 über die Drehmomentstütze 60 an dem Gehäuse
15 der Drehantriebseinheit 14 wird der Drehteller 17 mit der daran drehfest angebrachten
Unterdruckeinheit 20 langsam drehend angetrieben. Dabei dreht zunächst das Außenteil
24 gemeinsam mit dem Innenteil 22. Sobald die Drehmomentstütze 60 zu einer Ausnehmung
54 an der Lauffläche 52 gelangt, fährt die teleskopierbare Drehmomentstütze 60 durch
ihr Gewicht oder eine Federvorsprannung in die Ausnehmung 54 ein, so dass das Außenteil
24 nunmehr blockiert ist. Somit kann das Innenteil 22 weiter gegenüber dem nunmehr
feststehenden Außenteil 24 gedreht werden.
[0036] Mit Bezug auf die Detaildarstellungen gemäß den Figuren 6 und 7 wird der Aufbau der
Unterdruckeinheit 20 weiter erläutert. Das ringförmige Außenteil 20 weist eine trommelförmige
Umfangswand 41 auf, an dessen oberem Ende der Ringkragen 51 mit der horizontalen Lauffläche
52 angebracht ist. Der Ringkragen 51 ist dabei über seitliche erste Versteifungsbleche
43 und zweite Versteifungsbleche 44 zusätzlich an der Außenseite der Umfangswand 41
befestigt, wodurch eine hohe Drehsteifigkeit erreicht wird. Die ersten Versteifungsbleche
43 erstrecken sich dabei über die axiale Länge der trommelförmigen Umfangswand 41.
Die zweiten Versteifungsbleche 44 erstrecken sich axial über die Umfangswand 41 nach
unten hinaus, wobei ein Fußabschnitt 45 zum Aufsetzen der Unterdruckeinheit 20 auf
dem Boden gebildet wird.
[0037] Wie insbesondere aus der Schnittdarstellung von Fig. 7 zu ersehen ist, ist an der
Unterseite der Umfangswand 41 eine zweite Ringscheibe 42 angeordnet, welche sich radial
nach innen erstreckt. Dabei wird unter Ausbildung einer horizontalen Kontakt-oder
Dichtfläche 33 eine horizontale erste Ringscheibe 32 kontaktiert, welche fest an der
Außenseite des rohrförmigen Innenteils 22 angebracht ist. Hierdurch wird die Unterdruckkammer
30 nach unten dicht abgeschlossen. Zur Erhöhung der Dichte ist in der ersten Ringscheibe
32 im Bereich der Dichtfläche 33 eine Ringdichtung 34 angeordnet. Über eine Schmiermittelzuführung
50, welche sich von einer Außenseite der Umfangswand 41 über einen Leitungskanal durch
die zweite Ringscheibe 42 bis zur Dichtfläche 33 erstreckt, kann Schmiermittel in
dem Bereich der Dichtfläche 33 und an die Ringdichtung 34 zugeführt werden.
[0038] Zum dichten Abschließen der Unterdruckkammer 30 nach oben kann eine entsprechende
Dichtanordnung mit einer ersten und zweiten Ringscheibe auch an der Oberseite vorgesehen
sein.
[0039] Zur Entlastung der Dichtfläche 33 ist an dem Innenteil 22 und insbesondere an der
ersten Ringscheibe 32 ein Haltering 35 befestigt. An dem Haltering 35 sind Rollenkörper
36 drehbar gelagert. Auf den Rollenkörpern 36 stützt sich das Außenteil 24 über eine
ringförmige Laufbahn 46 ab, welche fest an der Unterseite der zweiten Ringscheibe
42 angebracht ist. Hierdurch wird ein guter Rundlauf des Außenteils 24 gegenüber dem
Innenteil 22 erreicht.
1. Verfahren zum verrohrten Bohren, bei dem in einen Boden zumindest in einen oberen
Bereich eines zu erstellenden Bohrlochs ein Bohrrohr (12) eingebracht wird und ein
Bodenmaterial innerhalb des Bohrrohres (12) mittels eines drehend angetriebenen Bohrwerkzeugs
entfernt und das Bohrloch abgebohrt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass in einem oberen Bereich des Bohrrohres (12) in dem Bohrrohr (12) ein Unterdruck mittels
einer ringförmigen Unterdruckeinheit (20) erzeugt wird, wobei ein Bereich mit Unterdruck
in dem Bohrrohr (12) gebildet wird, und
dass der Unterdruck derart eingestellt wird, dass Umgebungsluft von oben ringförmig in
den Unterdruckbereich einströmt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass zum Halten eines gewünschten Unterdrucks kontinuierlich Luft aus dem Unterdruckbereich
über einen Abführstutzen (40) abgeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die abgeführte Luft über eine Leitung einer vom Bohrloch entfernt angeordneten Reinigungseinheit
zugeführt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Unterdruckeinheit (20) mit einer oberen Einlassöffnung versehen ist, deren Durchmesser
unter Bildung eines Ringspalts größer als ein Außendurchmesser des Bohrwerkzeugs ist,
wobei durch den Ringspalt die Umgebungsluft einströmt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
- dass ein Außenteil (24) der Unterdruckeinheit (20) mittels einer Drehmomentstütze (60)
gegenüber einer Drehantriebseinheit (14) zum drehenden Antreiben des Bohrrohrs (12)
und/oder des Bohrwerkzeugs abgestützt wird und
- dass die Drehmomentstütze (60) an dem Außenteil (24) lösbar verbunden wird.
6. Bohranordnung, insbesondere für ein Verfahren zum verrohrten Bohren nach einem der
Ansprüche 1 bis 5, mit
- einem Bohrrohr (12), welches in einen Boden einbringbar ist, und
- einem drehend antreibbaren Bohrwerkzeug, welches zum Erstellen eines Bohrlochs in
das Bohrrohr (12) einbringbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
- dass an einem oberen Bereich des Bohrrohrs (12) eine ringförmige Unterdruckeinheit (20)
zum Erzeugen eines Unterdrucks angeordnet ist, wobei zwischen der Unterdruckeinheit
(20) und dem eingebrachten Bohrwerkzeug ein Ringspalt ausgebildet ist, und
- dass der Ringspalt zum gezielten Einströmen von Umgebungsluft nach oben offen ist.
7. Bohranordnung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Unterdruckeinheit (20) ein rohrförmiges Innenteil (22), welches drehfest und
dicht mit dem Bohrrohr (12) im Boden verbunden ist, und ein Außenteil (24) aufweist,
welches relativ zum Innenteil (22) drehbar gelagert ist.
8. Bohranordnung nach Anspruch 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass an dem Außenteil (24) ein Abführstutzen (40) zum Abführen angesaugter Umgebungsluft
angeordnet ist.
9. Bohranordnung nach einem der Ansprüche 6 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass an dem Innenteil (24) mindestens eine radial vorstehende erste Ringscheibe angeordnet
ist,
dass an dem Außenteil (24) mindestens eine radial vorstehende zweite Ringscheibe (42)
angeordnet ist und
dass die erste Ringscheibe (32) und die zweite Ringscheibe (42) horizontal gerichtet und
unter Ausbildung einer horizontalen Dichtfläche (33) benachbart zueinander angeordnet
sind.
10. Bohranordnung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass an der horizontalen Dichtfläche (33) mindestens eine Ringdichtung (34) angeordnet
ist.
11. Bohranordnung nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Schmiermittelzuführung (50) vorgesehen ist, welche mindestens eine Zuführöffnung
zum Zuführen von Schmiermittel in den Bereich der horizontalen Dichtfläche (33) aufweist.
12. Bohranordnung nach einem der Ansprüche 6 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass an dem Innenteil (22) und/oder dem Außenteil (24) mehrere Rollenkörper angeordnet
sind, welche sich auf einer ringförmigen Laufbahn (46), an dem gegenüber liegenden
Außenteil (24) beziehungsweise dem Innenteil (22) abstützen.
13. Bohranordnung nach einem der Ansprüche 7 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
- dass eine Drehantriebseinheit (14) zum drehenden Antreiben des Bohrrohres (12) und/oder
des Bohrwerkzeugs vorgesehen ist,
- dass drehfest relativ zu der Drehantriebseinheit (14) mindestens eine Drehmomentstütze
(60) angeordnet ist und
- dass die Drehmomentstütze (60) lösbar mit dem Außenteil (24) der Unterdruckeinheit (20)
verbindbar ist.
14. Bohranordnung nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Außenteil (24) eine ringförmige Lauffläche (52) aufweist, auf welche sich ein
freies Ende der Drehmomentstütze (60) rollend oder gleitend abstützt, und
dass an der Lauffläche (52) mindestens eine Feststelleinrichtung vorgesehen ist, mit welcher
die Drehmomentstütze (60) an dem Außenteil (24) feststellbar und drehfest verbindbar
ist.
15. Bohranordnung nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Feststelleinrichtung mindestens eine Ausnehmung (54) in der Lauffläche (52) umfasst
und
dass die Drehmomentstütze (60) stabförmig und teleskopierbar ist und zum Feststellen in
die mindestens eine Ausnehmung (54) einbringbar ist.