[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bonden einer ersten Kontaktfläche
eines ersten Substrats mit einer zweiten Kontaktfläche eines zweiten Substrats gemäß
Anspruch 1.
[0002] Seit mehreren Jahren kommt in der Halbleiterindustrie die sogenannte Bonding-Technologie
zum Einsatz. Die Bonding-Technologie erlaubt eine Verbindung zweier oder mehrerer,
meist sehr präzise zueinander ausgerichteter, Substrate. Diese Verbindung erfolgt
in den meisten Fällen permanent, also irreversibel. Irreversibel bedeutet, dass die
Trennung der beiden Substrate nach dem Bondvorgang nicht mehr ohne deren Zerstörung
oder zumindest deren teilweiser Zerstörung möglich ist. Beim Verbinden der Substrate
zeigt sich, dass unterschiedliche chemische und physikalische Mechanismen existieren,
die eine permanente Verbindung hervorrufen. Besonders interessant sind nichtmetallische
Oberflächen. Bei nichtmetallischen Oberflächen kommt es durch reine Kontaktierung
zur Ausbildung eines sogenannten Prebonds.
Diese sich spontan ausbildende, reversible, über Oberflächeneffekte hervorgerufene,
Verbindung der beiden Substrate nennt man Prebond, um sie vom späteren, durch eine
zusätzliche Wärmebehandlung hervorgerufenen wirklichen, nicht mehr trennbaren, also
irreversiblen, eigentlichen Bond zu unterscheiden. Der so erzeugte Prebond zeichnet
sich dennoch durch eine nicht zu unterschätzende Festigkeit aus. Obwohl derartig miteinander
verbundene Wafer für einen permanenten Bond noch bei höheren Temperaturen wärmebehandelt
werden müssen, reicht die Festigkeit des Prebonds bereits aus, um die zwei Substrate
bis zum nächsten Prozessschritt zu fixieren. Der Prebond ist ein extrem nützliches
Mittel für die Vorfixierung zweier Substrate, vor allem nach einem Ausrichtungsprozess,
da sich die beiden Substrate nach dem Ausrichtungsprozess nicht mehr zueinander bewegen
dürfen. Der Prebond dürfte hauptsächlich auf Van der Waals Kräften beruhen, die durch
permanente und induzierte Dipole an der Oberfläche der Substrate vorhanden sind. Da
die Van der Waals Kräfte sehr schwach sind, ist eine entsprechend hohe Kotaktfläche
erforderlich, damit es zu einer nennenswerten Haftwirkung zwischen den Substraten
kommt. Unpolierte Festkörperoberflächen kontaktieren bei entsprechend hoher Rauigkeit
allerdings nicht optimal. Im Fall von reinem Festkörperkontakt entstehen Prebonds
daher vorwiegend zwischen sehr ebenen, polierten Substratoberflächen. Bei Raumtemperatur
können unter Umständen auch bereits vereinzelte, kovalente Bindungen zwischen den
Substratoberflächen entstehen, sogar ohne zusätzliche Temperatur- und/oder Kraftbeaufschlagung
der Substrate. Die Anzahl der bei Raumtemperatur gebildeten kovalenten Verbindungen
dürfte aber vernachlässigbar gering sein.
[0003] Vor allem die Verwendung von Flüssigkeiten könnte eine entsprechende Haftwirkung
zwischen Substraten erhöhen. Die Flüssigkeit gleicht einerseits Unebenheiten an den
Oberflächen der Substrate aus und bildet selbst, mit Vorzug sogar permanente, Dipole
aus. Eine ausgeprägte Prebondfähigkeit stellt man vor allem an nichtmetallischen Oberflächen
fest. Halbleiter wie Silizium, Keramiken, hier vor allem Oxide, Metalloxide die poliert
und extrem eben sind, zeigen bei Kontaktierung ein entsprechendes Verhalten.
[0004] Bei nichtmetallischen Oberflächen, also Oberflächen die einen vorwiegend kovalenten
Bindungscharakter aufzeigen, wie beispielsweise Si, SiO
2 etc. kann ein vorher aufgetragener Flüssigkeitsfilm durch während der Wärmebehandlung
entstehende kovalente Bindungen sogar zur Verstärkung des permanenten Bonds beitragen.
Die nichtmetallischen Oberflächen, werden nach dem Prebond einer Wärmebehandlung unterzogen.
Die thermische Aktivierung erzeugt kovalente Bindungen zwischen den Oberflächen und
erzeugt so eine irreversible Verbindung. So werden einkristalline, hoch präzise geschnittene
und geschliffene Siliziumwafer vor allem durch die Ausbildung kovalenter Verbindungen
zwischen den Siliziumatomen miteinander verschweißt. Befindet sich ein Siliziumoxid
auf einem Siliziumwafer, kommt es vorwiegend zur Ausbildung von kovalenten Silizium-Oxid-
und/oder Oxid-Oxid-Bindungen. Es hat sich gezeigt, dass die Verwendung von sehr dünnen
Flüssigkeitsschichten, meistens von Wasser, die Ausbildung der kovalenten Bindungen
zwischen den Oberflächen hervorruft oder zumindest verbessert. Die Flüssigkeitsschichten
sind dabei nur einige Nanometer dick oder bestehen sogar nur aus einer einzigen Monolage
der Flüssigkeit. Die Flüssigkeitsschichten verbessern damit nicht notwendigerweise
nur das Prebondverhalten sondern tragen auch entscheidend zur Bildung kovalenter Verbindungen
bei. Der Grund liegt, im Fall von Wasser hauptsächlich in der Bereitstellung von Sauerstoff
als Verbindungsatom zwischen den Atomen der Substratoberflächen, die miteinander verbondet
werden sollen. Die Bindungsenergie zwischen dem Wasserstoff und dem Sauerstoff eines
Wassermoleküls ist gering genug um mit der eingebrachten Energie gebrochen zu werden.
Als neue Reaktionspartner für den Sauerstoff kommen dann vor allem die Atome der Substratoberflächen
in Frage. Man muss allerdings erwähnen, dass es Oberflächen gibt, bei denen derartige
Vorgänge, bei denen Atome der Flüssigkeit am permanenten Bondprozess der Substratoberflächen
direkt teilnehmen, nicht notwendigerweise vorkommen müssen.
[0005] Gänzlich anders verläuft der Bondprozess bei reinen Metalloberflächen. Da sich Metalle
durch ihren metallischen Bindungscharakter chemisch und physikalisch vollkommen anders
verhalten, bedarf es einer völlig anderen Bondstrategie. Metalle werden vor allem
bei höheren Temperaturen und meist unter sehr hohem Druck miteinander verbondet. Die
hohen Temperaturen, führen zu einer verstärkten Diffusion entlang der Oberflächen
und/oder der Korngrenzen und/oder des Volumens. Durch die erhöhte Mobilität der Atome
treten unterschiedliche physikalische und chemische Effekte ein, die zu einer Verschweißung
der beiden Oberflächen führen. Der Nachteil bei derartigen Metallbonds besteht also
vor allem in der Verwendung sehr hoher Temperaturen und Drücke, um überhaupt eine
Verbindung beider Substrate zu gewährleisten. In der überwiegenden Anzahl der Fälle
wird man allerdings keine reinen Metalloberflächen vorfinden. Beinahe alle Metalle
(mit Ausnahme von sehr inerten Metallen wie Pt, Au und Ag) überziehen sich in der
Atmosphäre mit einer, wenn auch nur sehr dünnen, Oxidschicht. Diese Oxidschicht reicht
aus, um auch zwischen den mit einer sehr dünnen Oxidschicht bedeckten Metalloberflächen
einen Prebond zu erzeugen. Allerdings ist diese Oxidschicht wiederum ungewollt, wenn
man vorhat, zwei Metalle direkt miteinander zu verbonden, beispielsweise um zwei leitfähige
Kontakte miteinander zu verbinden.
[0006] Die Wärmebehandlung der Substrate bedingt entsprechend lange Aufheiz-und Abkühlzeiten.
Die hohen Temperaturen können außerdem zu Störungen in funktionalen Einheiten wie
beispielsweise Mikrochips und vor allem in Speicherchips führen und diese bis zur
Unbrauchbarkeit beschädigen.
[0007] Des Weiteren müssen Substrate mit entsprechenden Oberflächen vor dem eigentlichen
Bondschritt zueinander ausgerichtet werden. Diese einmal durchgeführte Ausrichtung
darf bis zum endgültigen, also permanenten Bondprozess nicht mehr zerstört werden.
Vor allem bei höheren Temperaturen kommt es im Allgemeinen allerdings, auf Grund der
unterschiedlichen thermischen Ausdehnungskoeffizienten unterschiedlicher Materialien
und den daraus resultierenden thermischen Dehnungen, zu einer Verschiebung unterschiedlicher
Teilbereiche der Substrate zueinander. Im schlimmsten Fall bestehen die beiden zueinander
zu verbindenden Substrate aus zwei unterschiedlichen Materialien mit unterschiedlichen
thermischen Ausdehnungskoeffizienten. Diese Verschiebungen sind umso größer, je größer
die Differenz der thermischen Ausdehnungskoeffizienten der unterschiedlichen Materialien
ist.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine möglichst effiziente Methode zum
Niedertemperatur- und/oder Niederdruckbonden von Materialien aufzuzeigen.
[0009] Die vorliegende Aufgabe wird mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben. In den Rahmen
der Erfindung fallen auch sämtliche Kombinationen aus zumindest zwei in der Beschreibung,
in den Ansprüchen und/oder den Zeichnungen angegebenen Merkmalen. Bei angegebenen
Wertebereichen sollen auch innerhalb der genannten Grenzen liegende Werte als Grenzwerte
offenbart gelten und in beliebiger Kombination beanspruchbar sein.
[0010] Der Erfindung liegt der Gedanke zugrunde, mindestens eine ultradünne Opferschicht
auf mindestens einer der Kontaktflächen der zu bondenden Substraten abzuscheiden,
welche während des erfindungsgemäßen Bondschritts im sie umgebenden Material gelöst
oder am Interface verbraucht wird. Ein weiterer Aspekt der Erfindung besteht darin,
dass das Bonden von Metalloberflächen durch einen vorherigen Benetzungsprozess mit
einem Material, insbesondere zumindest überwiegend einer Flüssigkeit, vorzugsweise
zumindest überwiegend Wasser, als Opferschicht, insbesondere zur Erzeugung eines Pre-Bonds
zwischen den Substraten, verwendet wird. Denkbar ist auch eine Kombination aus mehreren
Opferschichten übereinander, mit besonderem Vorzug die Abscheidung einer festen Opferschicht
und einer darauf abgeschiedenen flüssigen Opferschicht. Im Allgemeinen können also
auch mehrere Opferschichten übereinander aufgebracht werden.
[0011] Obwohl die offenbarte Erfindung sich grundsätzlich für alle Materialklassen eignet,
welche die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, sind vor allem Metalle für die erfindungsgemäße
Ausführungsform geeignet. Daher wird in der weiteren Offenbarung die erfindungsgemäße
Ausführungsform exemplarisch an Metalloberflächen veranschaulicht.
[0012] Das Substrat besteht insbesondere aus Silizium, wobei auf dem Substrat eine, insbesondere
metallische, vorzugsweise aus Cu bestehende, Bondschicht zumindest in Bondbereichen
aufgebracht ist. Soweit die Bondschicht nicht das gesamte Substrat bedeckt, sind die
Bondbereiche vorzugsweise von Bulkmaterial, insbesondere des Substrats, umgeben und
bilden gemeinsam die, insbesondere ebene, Kontaktfläche.
[0013] Gemäß einem weiteren, insbesondere eigenständigen, Aspekt der vorliegenden Erfindung
werden die miteinander zu verbondenden Bondbereiche mit einer Opferschicht beschichtet,
die einerseits fähig ist, einen Prebond zu erzeugen, deren Atome andererseits nach
dem Prebond bei möglichst geringer Temperaturbehandlung vom/im Material der Bondbereiche
gelöst werden. Die Materialschicht besteht dabei mit Vorzug aus einem Material, in
welchem zu keinem Zeitpunkt die Löslichkeitsgrenze für das Material der Opferschicht
erreicht wird. Erfindungsgemäß löst sich das Material der Opferschicht vollständig
in der Materialschicht an mindestens einer der Kontaktflächen, vorzugsweise an beiden
Kontaktflächen, auf. Die Konzentration wird mit Vorzug in Atomprozent (at%) angegeben.
Erfindungsgemäß liegt die Löslichkeit des Materials der Opferschicht im, insbesondere
metallischen, Material mindestens einer der Kontaktflächen zwischen 0 at% und 10 at%,
mit Vorzug zwischen 0 at% und 1 at%, mit größerem Vorzug zwischen 0 at% und 0.1 at%,
mit größtem Vorzug zwischen 0 at% und 0.01 at%, mit allergrößtem Vorzug zwischen 0
at% und 0.001 at%, am bevorzugtesten zwischen 0 at% und 0.0001 at%..
[0014] Die Dicke der Opferschicht ist erfindungsgemäß kleiner als 1000nm, mit Vorzug kleiner
als 100nm, mit größerem Vorzug kleiner als 10nm, mit größtem Vorzug kleiner als 1nm.
Das Verhältnis der Dicke der Opferschicht zur Dicke der Substrate, insbesondere von
Bondbereichen der Substrate, ist kleiner als 1, mit Vorzug kleiner als 10
-2, mit Vorzug kleiner als 10
-4, mit größerem Vorzug kleiner als 10
-6, mit noch größerem Vorzug kleiner als 10
-8.
[0015] Die Opferschicht kann durch jedes beliebige Abscheideverfahren auf mindestens eine
der Kontaktflächen aufgebracht werden. Bevorzugt sind Abscheideverfahren, die eine
möglichst grobkörnige und/oder zumindest überwiegend einkristalline Opferschicht erzeugen.
Erfindungsgemäß denkbare Abscheideverfahren sind insbesondere:
- Atomic Layer Deposition,
- Elektrochemische Abscheidung,
- Physical Vapour Deposition (PVD),
- Chemical Vapour Deposition (CVD),
- Dampfphasenabscheidungen durch Kondensation und/oder Resublimation wie beispielsweise
die direkte Abscheidung von Wasser aus Wasserdampf auf einer Oberfläche,
- Plasma Abscheidung,
- Naschemische Abscheideverfahren,
- Sputtern und/oder
- Molekularstrahlepitaxie.
[0016] Erfindungsgemäß ist es von Vorteil, wenn die Opferschicht, insbesondere Si, in-situ
gemeinsam mit der Bondschicht, insbesondere Cu, auf das Substrat aufgebracht wird.
Hierdurch wird die Bildung von Oxid auf der Bondschicht vermieden.
[0017] Die Opferschicht besteht erfindungsgemäß insbesondere aus einem Material, welches
zur Ausbildung eines Pre-bonds geeignet ist und eine Löslichkeit im Bond- und/oder
Bulkbereich an den Kontaktflächen mindestens eines der zu kontaktierenden Substrate
aufweist. Die Opferschicht besteht insbesondere zumindest teilweise, vorzugsweise
überwiegend, aus wenigstens einem der folgenden Materialen bzw. Stoffe:
- Metalle, insbesondere
∘ Cu, Ag, Au, Al, Fe, Ni, Co, Pt, W, Cr, Pb, Ti, Te, Sn und/oder Zn,
- Legierungen,
- Halbleiter (mit entsprechender Dotierung), insbesondere
∘ Elementhalbleiter, vorzugsweise
▪ Si, Ge, Se, Te, B und/oder α-Sn,
∘ Verbindungshalbleiter, vorzugsweise
▪ GaAs, GaN, InP, InxGa1-x,N,InSb, InAs, GaSb, AIN, InN, GaP, BeTe, ZnO, CuInGaSe2, ZnS, ZnSe, ZnTe, CdS, CdSe, CdTe, Hg(1-x)Cd(x)Te, BeSe, HgS, AlxGa1-xAs, GaS, GaSe, GaTe, InS, InSe, InTe, CuInSe2, CuInS2, CuInGaS2, SiC und/oder SiGe,
∘ Organische Hlableiter, vorzugsweise
▪ Flavanthron, Perinon, Alq3, Perinon, Tetracen, Chinacridon, Pentacen, Phthalocyanine,
Polythiophene, PTCDA, MePTCDI, Acridon und/oder Indanthron,
- Flüssigkeiten, insbesondere
∘ Wasser,
∘ Alkohole,
∘ Aldehyde,
∘ Ketone,
∘ Ether,
∘ Säuren,
∘ Basen.
[0018] In einer ersten erfindungsgemäßen Ausführungsform handelt es sich bei dem Bondbereich
um eine sich über die gesamte Kontaktfläche des Substrats erstreckende Schicht. Die
Rauigkeit der Oberfläche des Bondbereichs wird insbesondere durch bekannte Verfahren
reduziert. Mit Vorzug wird ein chemisch-mechanischer Polierprozess (CMP) verwendet.
Danach wird die gesamte Bondbereichsoberfläche mit der erfindungsgemäßen Opferschicht
bedeckt. Die Opferschicht wird derart aufgebracht oder nach der Aufbringung behandelt,
dass die mittleren Rauhigkeitswerte kleiner als 1 µm, mit Vorzug kleiner als 500nm,
mit größerem Vorzug kleiner als 100nm, mit noch größerem Vorzug kleiner als 10nm,
mit größtem Vorzug kleiner als 1nm, sind.
[0019] In einer zweiten erfindungsgemäßen Ausführungsform sind mehrere, über die gesamte
Kontaktfläche verteilte Bondbereiche vorgesehen. Die Bondbereiche bilden insbesondere
eine die Kontaktfläche mindestens eines der Substrate überragende Topographie, ragen
also über dessen Oberfläche hinaus. Die Bondbereiche werden vorzugsweise von einem
beliebigen Bulkmaterial umgeben. Die Oberflächen des Bulkmaterials und die Bondbereichsoberfläche
bilden insbesondere eine gemeinsame Ebene E. Die aus leitenden Bereichen bestehenden,
von nichtleitenden Bereichen umgebenen, Oberflächen sind auch unter dem Namen Hybridoberflächen
bekannt. Die nichtleitenden Bereiche bestehen aus einem Dielektrikum und isolieren
die leitenden Bereiche. Die denkbar einfachste Ausführungsform wären durch Dielektrika
isolierte Kontaktstellen für den Ladungstransport. Durch das Bonden dieser Hybridoberflächen
kann eine leitende Verbindung zwischen den Substraten über die verbondeten Kontaktstellen
erreicht werden.
[0020] Die Opferschicht wird erfindungsgemäß vollflächig auf den Kontaktflächen, also sowohl
auf der Bulkmaterialoberfläche als auch den Bondbereichsoberflächen abgeschieden.
Bei den lokalen Bondbereichen handelt es sich insbesondere um Kupferstecker (engl.:
Cu pads), Metallverbindungen (engl.: metal joints) oder Metallrahmen für das Packaging.
Cu pads dienen insbesondere der elektrischen Verbindung zwischen funktionalen Einheiten
in den unterschiedlichen Schichtsystemen. Metal joints könnten insbesondere Siliziumdurchkontakte
(engl.: through silicon vias, TSVs) sein. Bei einem Metallrahmen kann es sich beispielsweise
um eine Mikroverpackung für ein MEMS Device handeln. Diese funktionellen Einheiten
wurden in den Zeichnungen der Übersicht halber nicht dargestellt.
[0021] In einer dritten erfindungsgemäßen Ausführungsform sind mehrere über die gesamte
Kontaktfläche verteilte Bondbereiche unmittelbar innerhalb des Substrats vorgesehen,
wobei das Substrat zuerst durch Ätztechniken strukturiert und danach mit dem entsprechenden
Bondbereichsmaterial aufgefüllt und anschließend vom Opfermaterial bedeckt wird.
[0022] In einem erfindungsgemäßen Bondschritt werden die zwei als beliebige Schichtsysteme
ausgebildeten Substrate einander angenähert, sodass die, auf den Kontaktflächen aufgebrachten
Opferschicht(en) einander berühren und einen Prebond bilden. Die Rauigkeiten der Opferschichtoberflächen
können durch chemische und/oder mechanische Verfahren weitgehend reduziert, vorzugsweise
beseitigt werden. Bei bestimmten Schichtsystemen kann eine Ausrichtung der Schichtsysteme
zueinander in einer Ausrichtungseinheit (engl.: aligner) vor dem prebond erfolgen.
[0023] Vor dem Prebonden können die Opferschichtoberflächen erfindungsgemäß mit einer Flüssigkeit,
mit Vorzug Wasser, benetzt werden. Mit Vorzug ist die aufgetragene Flüssigkeitsschicht
dünner als 100nm, mit größerem Vorzug dünner als 10nm, mit größtem Vorzug dünner als
1nm, mit allergrößtem Vorzug nur eine Monolage. Bei hydrophilen Oberflächen ist es
ausreichend, das Substrat der Umgebungsatmosphäre auszusetzen. Die Oberfläche wird
dann durch den Wasserdampf aus der Atmosphäre benetzt.
[0024] Die Flüssigkeit kann erfindungsgemäß insbesondere durch Kondensation aufgebracht
werden. In einer besonderen Ausführungsform wird das zu beschichtende Substrat, mit
Vorzug in gekühltem Zustand, in einen aufgeheizten Raum mit dampfgesättigter Atmosphäre
eingebracht. Durch die geringe Temperatur des Substrats kondensiert die Flüssigkeit
schlagartig an dessen Oberfläche.
[0025] In einer alternativen Ausführung der Erfindung wird das Material der Opferschicht,
insbesondere als Flüssigkeit, durch einen Schleuderbelackungsprozess aufgebracht.
[0026] In einer weiteren alternativen Ausführung der Erfindung wird das Material der Opferschicht,
insbesondere als Flüssigkeit, durch eine Sprühbelackungsanlage auf die Kontaktfläche
mindestens eines der Substrate gesprüht.
[0027] In besonderen Ausführungsformen wird das Wasser durch einen Dampfdrucksättiger (engl.:
Bubbler) in die Reaktionskammer eingeführt, in der sich das Substrat befindet. Dazu
werden Inertgase wie beispielsweise Argon, Helium, Stickstoff durch ein Wasserbad
getrieben. Das Inertgas unterstützt das Wasser beim Verdampfen und sättigt die Reaktionskammer
mit Wasserdampf. Das Wasser kondensiert an der Oberfläche des Substrats und bildet
einen sehr dünnen Wasserfilm. Durch Kühlung des Substrats kann die Kondensation des
Wassers unterstützt werden.
[0028] In einer weiteren besonderen Ausführungsform wird das Wasser in einem einfachen Verdampfer
verdampft und auf die Oberfläche des Substrats geleitet. Im Gegensatz zum Bubbler
wird hier nicht notwendigerweise mit einem Inertgas gearbeitet, sondern die Temperatur
des Wassers wird möglichst nahe an den Siedepunkt gebracht um die kinetische Energie
des Wassers zu erhöhen und damit die Verdampfung zu beschleunigen. Durch eine Evakuierung
der Reaktionskammer kann der Siedepunkt entsprechend gesenkt und der Vorgang damit
optimiert werden.
[0029] Aus der Überlegung, dass spezielle Reaktionskammern gebaut werden können, die die
erfindungsgemäßen Opferschichten präzise abscheiden können ergibt sich dementsprechend
auch eine erfindungsgemäße Anlage, im weiteren Verlauf der Patentschrift als Reaktionskammer
bezeichnet.
[0030] Der Prebond wird mit Vorzug in einem Kontaktpunkt der Kontaktflächen initiiert und
breitet sich durch eine Bondwelle über die gesamte Oberfläche aus. Der Kontakt beider
Opferschichtoberflächen kann dabei insbesondere durch einen Pin hergestellt werden,
der eines der beiden Substrate verbiegt, sodass sich die Kontaktfläche dieses Substrats
konvex verformt und mit der Opferschichtoberfläche des zweiten, insbesondere plan
auf einer Aufnahmefläche aufliegenden Substrats, in Kontakt gebracht wird.
[0031] Nach der Ausbildung des Prebonds werden die beiden gebondeten Substrate wärmebehandelt.
Die Wärmebehandlung erfolgt bei möglichst niedrigen Temperaturen, im Idealfall bei
Raumtemperatur. Die Temperatur ist dabei kleiner als 500°C, mit Vorzug kleiner als
400°C, bevorzugter kleiner als 300°C, noch bevorzugter kleiner als 200°C, am bevorzugtesten
kleiner als 100°C, am allerbevorzugtesten kleiner als 50°C.
[0032] Durch eine erfindungsgemäß sehr dünne Ausführung der Opferschicht wird eine schnelle
Diffusion von Atomen der Opferschicht, insbesondere ausschließlich, in den Bondbereichen
ermöglicht. Die erfindungsgemäße Diffusion wird durch eine Wärmebehandlung beschleunigt
und/oder begünstigt. Mit Vorzug lösen sich die Atome der Opferschicht erfindungsgemäß
vollständig im Material des Bondbereichs und/oder des Bulkmaterials auf. Erfindungsgemäß
denkbar ist auch ein Vorgang, bei dem die Atome der Bondbereiche sich in der Opferschicht
lösen, was auf Grund der extrem geringen Dicke der Opferschicht technisch gesehen
identisch mit der oben beschriebenen Ausführung ist.
[0033] Mit Vorzug werden die Substrate während des erfindungsgemäßen Diffusionsvorganges
der Atome der Opferschicht in die Bondbereiche mit Druck beaufschlagt. Der Druck auf
die Oberfläche liegt insbesondere zwischen 0,01MPa und 10MPa, mit Vorzug zwischen
0,1MPa und 8MPa, mit größerem Vorzug zwischen 1MPa und 5MPa, mit größtem Vorzug zwischen
1,5MPa und 3MPa. Diese Werte entsprechen etwa einer Kraftbeaufschlagung von 1kN bis
320kN für ein 200mm-Substrat.
[0034] Die Oberfläche der Opferschicht sollte vor dem erfindungsgemäßen Prebondvorgang frei
von Kontaminationen und/oder zumindest überwiegend, vorzugsweise vollständig, frei
von Oxiden sein. Insbesondere kann es auch nötig sein, das Material, auf dem die Opferschicht
aufgebracht wird, von Oxid zu befreien, bevor die Opferschicht aufgebracht wird. Vor
einem erfindungsgemäßen Prebondvorgang wird daher vorzugsweise eine Reinigung der
Opferschichtoberfläche vorgenommen. Die Entfernung von Oxiden kann durch dem Fachmann
bekannte physikalische und/oder chemische Methoden erfolgen. Dazu zählen chemische
Reduktion durch Gase und/oder Flüssigkeiten mit entsprechendem Abtransport der Abfallprodukte,
mechanisches Abtragen der Oxide durch Sputtern und/oder Plasma und/oder CMP und/oder
einer oder mehrere der nachfolgenden Methoden:
- Chemische Oxidentfernung, insbesondere
∘ Gasförmiges Reduktionsmittel,
∘ Flüssiges Reduktionsmittel,
- Physikalische Oxidentfernung, insbesondere
∘ Plasma,
∘ Ion Assisted Chemical Etching,
∘ Fast Ion Bombardement (FAB, Sputtern),
∘ Schleifen,
∘ Polieren.
[0035] Unter einer chemischen Oxidentfernung versteht man die Entfernung des Oxids durch
einen chemischen Vorgang. Unter einem chemischen Vorgang versteht man eine Stoffumwandlung.
In diesem Fall wird das Oxid durch ein Reduktionsmittel in gasförmiger und/oder flüssiger
Phase reduziert und das Reduktionsmittel entsprechend zur neuen Verbindung oxidiert.
Das oxidierte Reduktionsmittel, also das Reaktionsprodukt wird entsprechend abgeführt.
Eines typisches Reduktionsmittel ist beispielsweise Wasserstoff.
[0036] Unter physikalischer Oxidentfernung versteht man die Entfernung des Oxids durch einen
physikalischen Prozess. Bei einem physikalischen Prozess kommt es nicht zu einer Stoffumwandlung
sondern zu einer rein mechanischen Entfernung des Oxids von der Oberfläche des Substrats.
Die am häufigsten verwendete physikalische Reduktionstechnologie ist die Plasmatechnologie.
Dabei wird ein Plasma erzeugt, welches durch entsprechende Felder auf die Oberfläche
des Substrats beschleunigt wird und eine entsprechende physikalische Oxidentfernung
bewerkstelligt. Denkbar ist auch die Verwendung einer Sputtertechnologie. Im Gegensatz
zum Plasma wird dabei nicht ein statistisches Vielteilchensystem in der Reaktionskammer
erzeugt, sondern man erzeugt Ionen in einer Vorkammer und beschleunigt diese gezielt
auf ein Substrat. Schließlich wären noch das Schleifen und das Polieren als Oxidentfernungsprozesse
zu nennen. Durch ein Schleif- bzw. Polierwerkzeug wird das Oxid schrittweise entfernt.
Schleifen und Polieren eignet sich vor allem als Vorbehandlungsprozess wenn man es
mit sehr dicken Oxidschichten im Mikrometerbereich zu tun hat. Für die korrekte Entfernung
von Oxidschichten im Nanometerbereich sind diese Methoden weniger geeignet.
[0037] Ein Nachweis der Oberflächenreinheit kann sehr schnell und einfach mit der Kontaktwinkelmethode
durchgeführt werden. Es ist bekannt, dass nicht oxidische Oberflächen, vor allem reines
Kupfer, eher hydrophile Eigenschaften besitzen. Das zeigt sich vor allem durch einen
sehr kleinen Kontaktwinkel. Oxidiert die Oberfläche zum Oxid, im Speziellen Kupfer
zu Kupferoxid, werden die Oberflächeneigenschaften immer hydrophober. Ein gemessener
Kontaktwinkel ist entsprechend groß. Um die Änderung des Kontaktwinkels als Funktion
der Zeit, und damit als Funktion fortschreiten der Kupferoxid-Dicke, darzustellen,
wurde der Kontaktwinkel eines Wassertropfens nach definierten Zeiteinheiten, ausgehend
vom Zeitpunkt der völligen Oxidentfernung des nativen Kupferoxids, gemessen. Der Kontaktwinkel
nähert sich mit zunehmender Zeit einem Sättigungswert. Dieser Zusammenhang könnte
mit der Änderung der Elektronenstruktur der Oberfläche durch das rasch wachsende Kupferoxid
erklärt werden. Ab einer gewissen Kupferoxidschichtdicke trägt eine weitere Vermehrung
des Oxids nicht mehr maßgeblich zur Änderung der Elektronenstruktur der Oberfläche
bei, was sich in einem logarithmischen Abklingen des Kontaktwinkels wiederspiegelt
(siehe Figur 4).
[0038] Die so entstehenden Oxide werden bevorzugt vor der Beschichtung der Bondbereichoberflächen
und/oder Bulkmaterialoberflächen mit den Opferschichtoberflächen und/oder vor dem
Bonden der Opferschichtoberflächen miteinander entfernt. Die hier genannte Kontaktwinkelmethode
dient dabei der schnellen, präzisen und kosteneffizienten Evaluierung des Oxidzustandes.
Sie kommt ohne komplizierte chemische und/oder physikalische Analyseapparate aus.
Kontaktwinkelmessgeräte können in entsprechende Modulgruppen der Vorrichtung zur vollautomatischen
Messung und Charakterisierung der Oberflächen eingebaut werden. Alternative Messmethoden
wären die Ellipsometrie oder jedes andere bekannte optische und/oder elektrische Verfahren.
[0039] In einer weiteren erfindungsgemäßen Ausführungsform wird ein Bondvorgang zwischen
den Bondbereichsoberflächen mit Wasser als Opferschicht durchgeführt. Der erfindungsgemäße
Gedanke besteht darin, die Bondbereichsoberflächen vollständig von Oxid zu reinigen
und in einem anschließenden, direkt auf die Oxidentfernung folgenden Schritt, eine
Benetzung der Bondbereichsoberflächen mit Wasser durchzuführen, welches einen Prebond
zwischen den Bondbereichsoberflächen bei Raumtemperatur erlaubt. Die Benetzung erfolgt
dabei durch eine der bereits erwähnten Möglichkeiten wie PVD, CVD, Schleuderbelackung,
Dampfphasenabscheidung oder dem Aussetzen der Substratoberfläche in einer Atmosphäre
die eine genügend hohe Luftfeuchtigkeit besitzt, mit Vorzug sogar an Wasserdampf gesättigt
ist.
[0040] Die Aufbringung der Opferschichten erfolgt in einer Reaktionskammer. Mit Vorzug kann
die Reaktionskammer evakuiert werden. Die, insbesondere kontinuierliche, Evakuierung
der Reaktionskammer ist des Weiteren von Vorteil, um eine gezielte Einstellung der
Atmosphäre zu ermöglichen. Mit Vorzug ist die Reaktionskammer Teil eines Moduls eines
Vakuumelusters, mit Vorzug Teil eines Niedervakuumcluster, mit größerem Vorzug eines
Hochvakuumclusters, mit größtem Vorzug Teil eines Ultrahochvakuumclusters. Der Druck
in der Reaktionskammer beträgt weniger als 1 bar, mit Vorzug weniger als 10
-1 mbar, mit größerem Vorzug weniger als 10
-3 mbar, mit größtem Vorzug weniger als 10
-5 mbar, mit allergrößtem Vorzug weniger als 10
-8 mbar.
[0041] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung
bevorzugter Ausführungsbeispiele sowie anhand der Zeichnungen. Diese zeigen in:
- Fig.1
- eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen ersten Ausführungsform mit vollflächigem
Bondbereich,
- Fig.2
- eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen zweiten Ausführungsform mit mehreren, lokalen
Bondbereichen,
- Fig.3
- eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen dritten Ausführungsform mit mehreren, lokalen
Bondbereichen im Substrat,
- Fig.4
- empirische Messdaten des Kontaktwinkels (engl.: contact angle) zwischen der Flüssigkeitstropfenkante
und der Oberfläche von Kupfer/Kupferoxid, als Funktion der Zeit (engl.: time) und
- Fig. 5
- eine schematische Aufsicht auf ein die Vorrichtung enthaltendes Clustersystem.
[0042] In den Figuren sind gleiche oder gleichwirkende Bauteile mit den gleichen Bezugszeichen
gekennzeichnet. Die Zeichnungen zeigen nur schematisch die erfindungsgemäßen Ausführungsformen
und sind nicht maßstabsgetreu. So sind vor allem die relativen Dicken der Opferschicht,
der Bondbereiche und der Substrate unverhältnismäßig zueinander, genauso wie das Verhältnis
der genannten Dicken zum Durchmesser der Substrate.
[0043] Figur 1 zeigt ein Schichtsystem 7, bestehend aus einem ersten Substrat 1 mit einer
Grenzfläche 10, einem Bondbereich 3 mit einer Bondbereichsoberfläche 30, sowie die
Opferschicht 4 mit der Opferschichtoberfläche 40. Der Bondbereich 3 erstreckt sich
bei der ersten Ausführungsform über die gesamte Grenzfläche 10 des Substrats 1. Die
Bondbereichsoberfläche 30 bildet in diesem Fall eine erste Kontaktfläche des ersten
Substrats 1. Der Bondbereich 3 kann, insbesondere materialeinstückiger (also aus demselben
Material bestehender) und/oder monotlithischer, Bestandteil des ersten Substrats 1
sein. Die Opferschicht 4 ist auf der ersten Kontaktfläche vollflächig aufgebracht.
[0044] Figur 2 zeigt ein Schichtsystem 7', bei dem mehrere, vorzugsweise regelmäßig über
die Grenzfläche 10 verteilte Bondbereiche 3' mit entsprechenden Bondbereichsoberflächen
30' auf dem ersten Substrat aufgebracht sind. Die Bondbereiche 3' bilden somit eine
Topographie über der Oberfläche 10 des Substrats 1. In der gezeigten, bevorzugten
Ausführungsform werden die Bondbereiche 3' von einem Bulkmaterial 5 umgeben. Das Bulkmaterial
kann ein beliebiges Metall, Nichtmetall, eine Keramik oder ein Polymer, wie beispielsweise
ein Resist sein. Mit Vorzug wird es sich allerdings um eine Keramik handeln, insbesondere
Si
3N
4 oder Si
xO
xN
x, mit noch größerem Vorzug um eine Oxidkeramik, insbesondere um SiO
2. Die Bondbereichsoberflächen 3' und die Bulkmaterialoberflächen 50 bilden eine gemeinsame
Ebene E, nämlich die erste Kontaktfläche. Die Ebenheit der Bondbereichsoberflächen
3' und der Bulkmaterialoberflächen 50 sowie deren Koplanarität erlauben eine optimale
Abscheidung der Opferschicht 4 auf der ersten Kontaktfläche.
[0045] Figur 3 zeigt ein Schichtsystem 7", bestehend aus einem strukturierten ersten Substrat
1' mit einer Grenzfläche 10 und mehreren, vorzugsweise regelmäßig im Substrat 1' verteilten
Bondbereichen 3' mit Bondbereichsoberflächen 30'. Das Substrat 1 ist durch Ätzen strukturiert
worden, sodass sich im Substrat 1' Kavitäten 2 geformt haben. Die so entstandenen
Kavitäten 2 werden mit dem Material für die Bondbereiche 3' aufgefüllt, insbesondere
mit einem PVD oder CVD Prozess. Das über die gemeinsame Ebene E abgeschiedene Material
der Bondbereiche 3' wird anschließend durch einen Rückdünnprozess entfernt. Denkbar
wäre die Entfernung bis auf die Ebene E durch Schleifprozesse, Polierprozesse, Chemisch-Mechanisches
Polieren etc. Das so hergestellte Substrat 1' mit den Kavitäten 2, die durch das Auffüllen
mit Material die Bondbereiche 3' und somit gemeinsam die Kontaktfläche bilden, wird
anschließend erfindungsgemäß an dieser mit der Opferschicht 4 bedeckt.
[0046] Die Abscheidung der Opferschichten 4 kann für alle erfindungsgemäßen Ausführungsformen
so erfolgen, dass Material für die Opferschicht 4 solange abgeschieden wird, bis die
nötige Schichtdicke erreicht wird. Die zweite Methode besteht darin, in einem ersten
Schritt die Opferschicht 4 dicker auszubilden als erwünscht und sie in einem zweiten
Schritt, einem Rückdünnprozess, auf die gewünschte Dicke zu reduzieren. Denkbar wären
auch in diesem Fall die Anwendung von Schleifprozessen und/oder Polierprozessen und/oder
Chemisch-Mechanischem Polieren. Im Falle flüssiger Opferschichten kann die erforderliche
Schichtdicke auch kontinuierlich aufgebaut werden, indem man die Opferschicht wachsen
lässt. So weiß man beispielsweise, welche Gleichgewichtsschichtdicke an der Oberfläche
eines Substrats entsteht, wenn eine Atmosphäre mit entsprechender Luftfeuchtigkeit
erzeugt wird. Durch die gezielte Steuerung von Temperatur, Druck, und Feuchtigkeit,
kann man eine wohldefinierte Schichtdicke an der Substratoberfläche erzeugen.
[0047] Nachdem zwei Schichtsysteme 7, 7',7" hergestellt sind, werden diese bei niedrigen
Temperaturen und/oder mit niedrigen Drücken an den Bondbereichen unter Ausbildung
eines Prebond miteinander gebondet.
[0048] Vor dem Prebonden können die Opferschichtoberflächen 40 mit einer Flüssigkeit, mit
Vorzug Wasser, zusätzlich benetzt werden. Mit Vorzug sind die aufgetragenen Wasserschichten
dünner als 100nm, mit größerem Vorzug dünner als 10nm, mit größtem Vorzug dünner als
1nm, mit allergrößtem Vorzug nur eine Monolage. Beispielsweise wäre die Verwendung
eines Zweischichtsystems, bestehend aus einer SiO
2-Schicht und einer darauf befindlichen Wasserschicht, denkbar. Die SiO
2-Schicht ist beispielsweise ca. 1.5 nm dick, die Wasserschicht auf der SiO
2-Schicht entsteht alleine durch die Kondensation der Wassermoleküle in der Atmosphäre.
[0049] Während und/oder vor dem Annäherungsprozess können die beiden Substrate 7, 7', 7"
über Ausrichtungsmarken und/oder andere Ausrichtungsmerkmale entlang der Ebene E in
x- und/oder y-Richtung ausgerichtet werden. Der Kontakt der beiden Opferschichten
4 zueinander erfolgt mit Vorzug an einem Punkt, indem eines der beiden Substrate 1,1'
durch einen Pin konvex geformt wird. Nach der Kontaktierung der beiden Opferschichtoberflächen
40 entsteht eine Bondwelle, die beide Opferschichtoberflächen durch einen Prebond
fest miteinander verbindet.
[0050] In einem weiteren erfindungsgemäßen Verfahrensschritt wird eine Wärmebehandlung und/oder
ein Bondschritt bei niedrigen Temperaturen durchgeführt. Die erhöhte Temperatur und/oder
die Krafteinwirkung führt zu einer Diffusion der Atome der Opferschichten 4 in die
Bondbereiche 3, 3'. Die Atome der Opferschichten 4 werden mit Vorzug vollständig in
den Bondbereichen 3, 3' und/oder dem sie umgebenden Bulkmaterial 5 gelöst und führen
somit zu einem erfindungsgemäßen Direktbond der Bondbereichsmaterialien bei möglichst
niedrigen Temperaturen. Der Direktbond kann beispielsweise durch eines der Verfahren
in der Patentschrift
EP2372755 oder der Patentschrift
PCT/EP2012/069268 erfolgen, auf die insofern Bezug genommen wird.
[0051] Das erfindungsgemäße Ausführungsform zur Erzeugung der Opferschichten ist mit Vorzug
Teil eines Moduls 8 (Opferschichtenmodul) eines Clusters 9, insbesondere eines Niedervakuum-,
mit Vorzug eines Hochvakuum-, mit größtem Vorzug eines Ultrahochvakuumclusters. Der
Cluster 9 besteht aus einem evakuierbaren Innenraum 10, der hermetisch zu allen vorhandenen
Modulen über Modulschleusentore 11 abtrennbar ist. Innerhalb des Innenraums 10 transportiert
ein Roboter 12 den Produktwafer 1 von Modul zu Modul. Die Produktwafer 1 gelangen
dabei über eine Clusterschleuse 15 eines Eingangs FOUP 13 für die einkommenden Produktwafer
1 in den Innenraum 10. Nach einer erfolgreichen Prozessierung des Produktwafers 1
innerhalb des Clusters 9, legt der Roboter 12 den Produktwafer 1 wieder über eine
FOUP Schleuse 15 in einem Ausgangs FOUP 14 ab.
Bezugszeichenliste
[0052]
- 1, 1'
- Substrat
- 10, 10'
- Grenzfläche
- 2
- Kavitäten
- 3, 3'
- Bondbereich
- 30, 30'
- Bondbereichsoberfläche
- 4
- Opferschicht
- 40
- Opferschichtoberfläche
- 5
- Bulkmaterial
- 50
- Bulkmaterialoberfläche
- 7, 7', 7"
- Schichtsysteme
- 8
- Modul
- 9
- Cluster
- 10
- Innenraum
- 11
- Modulschleusentor
- 12
- Roboter
- 13
- Eingangs FOUP
- 14
- Ausgangs FOUP
- 15
- Clusterschleusentor
1. Verfahren zum Bonden einer ersten teilweise metallischen Kontaktfläche eines ersten
Substrats (1, 1') mit einer zweiten teilweise metallischen Kontaktfläche eines zweiten
Substrats mit folgenden Schritten, insbesondere folgendem Ablauf:
- Aufbringen mehrerer Opferschichten übereinander auf mindestens eine der Kontaktflächen,
- Bonden der Substrate (1, 1'), wobei die Opferschichten während des Bondens im sie
umgebenden Material gelöst werden oder an einem Bondinterface verbraucht werden.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, bei dem mindestens eine Opferschicht (4) mit einer Dicke
von kleiner als 1000nm, mit Vorzug kleiner als 100nm, mit größerem Vorzug kleiner
als 10nm, mit größtem Vorzug kleiner als 1nm, aufgebracht wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem mindestens eine Opferschicht
zumindest überwiegend, insbesondere vollständig aus mindestens einem der nachfolgenden
Materialien besteht:
• Metalle, insbesondere
∘ Cu, Ag, Au, Al, Fe, Ni, Co, Pt, W, Cr, Pb, Ti, Te, Sn und/oder Zn,
• Legierungen,
• Halbleiter (mit entsprechender Dotierung), insbesondere
∘ Elementhalbleiter, vorzugsweise
▪ Si, Ge, Se, Te, B und/oder α-Sn,
∘ Verbindungshalbleiter, vorzugsweise
▪ GaAs, GaN, InP, InxGa1-x,N,InSb, InAs, GaSb, AlN, InN, GaP, BeTe, ZnO, CuInGaSe2, ZnS, ZnSe, ZnTe, CdS, CdSe, CdTe, Hg(1-x)Cd(x)Te, BeSe, HgS, AlxGa1-xAs, GaS, GaSe, GaTe, InS, InSe, InTe, CuInSe2, CuInS2, CuInGaS2, SiC und/oder SiGe,
∘ Organische Hlableiter, vorzugsweise
▪ Flavanthron, Perinon, Alq3, Perinon, Tetracen, Chinacridon, Pentacen, Phthalocyanine,
Polythiophene, PTCDA, MePTCDI, Acridon und/oder Indanthron,
• Flüssigkeiten, insbesondere
∘ Wasser,
∘ Alkohole,
∘ Aldehyde,
∘ Ketone,
∘ Ether,
∘ Säuren,
∘ Basen.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem das Verhältnis der Dicke
mindestens einer Opferschicht (4) zur Dicke der Substrate (1, 1'), insbesondere von
Bondbereichen (3, 3') der Substrate (1,1'), kleiner als 1, mit Vorzug kleiner als
10-2, mit Vorzug kleiner als 10-4, mit größerem Vorzug kleiner als 10-6, mit noch größerem Vorzug kleiner als 10-8, ist.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem mindestens eine der Kontaktflächen
aus mehreren Bondbereichen (3, 3') und die Bondbereiche (3, 3') umgebenden Bulkmaterial
(5) ausgebildet ist.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem mindestens eine der Kontaktflächen
vollflächig an einem Bondbereich (3) angeordnet ist.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem eine feste Opferschicht,
insbesondere aus Si oder SiO2, auf mindestens eine der Kontaktflächen abgeschieden
wird und auf die feste Opferschicht eine flüssige Opferschicht, insbesondere aus Wasser,
abgeschieden wird, wobei die aufgetragene Flüssigkeitsschicht vorzugsweise dünner
als 100nm, mit größerem Vorzug dünner als 10nm, mit größtem Vorzug dünner als 1nm,
mit allergrößtem Vorzug nur eine Monolage ist.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem auf mindestens eines der
Substrate, insbesondere ein Substrat aus Silizium, eine metallische, vorzugsweise
aus Cu bestehende, Bondschicht in Bondbereichen aufgebracht ist, wobei die Bondbereiche
vorzugsweise von Bulkmaterial, insbesondere des Substrats, umgeben sind und die Bondbereiche
und das Bulkmaterial gemeinsam mindestens eine der, insbesondere ebenen, Kontaktfläche
bilden.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem mindestens eine der Opferschichten
einerseits fähig ist, einen Prebond zu erzeugen, deren Atome andererseits nach dem
Prebond bei möglichst geringer Temperaturbehandlung vom/im Material von Bondbereichen
gelöst werden.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem eine Materialschicht von
Bondbereichen aus einem Material besteht, in welchem zu keinem Zeitpunkt die Löslichkeitsgrenze
für das Material mindestens einer der Opferschichten erreicht wird, wobei sich das
Material der mindestens einen Opferschicht vollständig in der Materialschicht an mindestens
einer der Kontaktflächen, vorzugsweise an beiden Kontaktflächen, auflöst.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem mindestens eine Opferschicht
durch eines der folgenden Abscheideverfahren aufgebracht wird:
• Atomic Layer Deposition,
• Elektrochemische Abscheidung,
• Physical Vapour Deposition (PVD),
• Chemical Vapour Deposition (CVD),
• Dampfphasenabscheidungen durch Kondensation und/oder Resublimation wie beispielsweise
die direkte Abscheidung von Wasser aus Wasserdampf auf einer Oberfläche,
• Plasma Abscheidung,
• Naschemische Abscheideverfahren,
• Sputtern und/oder
• Molekularstrahlepitaxie.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem mindestens eine Opferschicht,
insbesondere Si, in-situ gemeinsam mit einer Bondschicht, insbesondere Cu, auf mindestens
eines der Substrate aufgebracht wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem mehrere, über die gesamte
Kontaktfläche, verteilte Bondbereiche vorgesehen sind, wobei die Bondbereiche insbesondere
eine die Kontaktfläche mindestens eines der Substrate überragende Topographie bilden.
14. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Kontaktflächen aus
leitenden und nichtleitenden Bereichen bestehen.
15. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem mindestens eine Opferschichte
vollflächig auf den Kontaktflächen abgeschieden werden, insbesondere sowohl auf einer
Bulkmaterialoberfläche als auch auf Bondbereichsoberflächen.
16. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Substrate einander
angenähert werden und sich die auf den Kontaktflächen aufgebrachten Opferschichten
einander berühren und einen Prebond bilden.