[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung sowie ein Verfahren zum Bestücken
wenigstens eines Steckergehäuses mit konfektionierten Kabelenden eines insbesondere
verdrillten Kabelstrangs mit wenigstens zwei Kabeln, wobei die Vorrichtung wenigstens
zwei Kabelgreifer zum Greifen jeweils eines der wenigstens zwei Kabel an einem freien,
insbesondere entdrillten Abschnitts des Kabelendes aufweist.
[0002] Kabelbäume, wie sie beispielsweise in Automobilen oder Flugzeugen eingesetzt werden,
bestehen aus mehreren Kabeln, die an ihren konfektionierten Kabelenden mit sogenannten
Steckergehäusen versehen werden, was im Allgemeinen als Bestückung oder Bestücken
der Steckergehäuse bezeichnet wird. Hierzu werden die zuvor konfektionierten, d.h.
abgelängten, abisolierten und mit Kontaktteilen versehenen Kabelenden in die Kammern
bzw. Aufnahmen der Steckergehäuse eingeführt.
[0003] In der Regel liegen die Kabel eines Kabelbaums mit den zu bestückenden Kabelenden
einzeln vor und werden insoweit auch einzeln mit entsprechenden maschinellen Vorrichtungen
in die Kammern der Steckergehäuse eingeführt. In zunehmendem Masse kommen bei Kabelbäumen
neuerdings auch Kabelstränge aus mehreren Einzelkabeln zum Einsatz vornehmlich verdrillte
Kabelpaare, für die ebenfalls das Bedürfnis besteht, die freien, insbesondere entdrillten
und ggf. gestreckten Kabelenden des Kabelstrangs zu bestücken. Neben verdrillten Kabelpaaren
bzw. Kabelsträngen können aber auch unverdrillte Kabelpaare bzw. Kabelstränge oder
andere Mehrkabelsysteme zum Einsatz kommen, bei denen die Kabel lediglich nebeneinander
angeordnet und ggf. in einem Verbund zusammengefasst sind, etwa zwei oder mehrere
von einem Mantel umgebene Einzelkabel. Ganz allgemein besteht daher ein Bedürfnis,
Kabelstränge aus wenigstens zwei Kabeln, insbesondere verdrillten Kabeln, mit entsprechenden
maschinellen Vorrichtungen kabelendseitig bestücken zu können.
[0004] Vorrichtungen zum Bestücken von Steckergehäusen mit einzelnen Kabeln bzw. Kabelenden
einzelner Kabel sind aus dem Stand der Technik grundsätzlich bekannt. So beschreibt
zum Beispiel
EP 2 317 613 A1 eine Vorrichtung und ein entsprechendes Verfahren zum Bestücken von Steckergehäusen
mit Kabelenden mittels eines Kabelgreifers, welcher zwei Klemmbacken zum Greifen des
Kabelendes aufweist, die in einer Grob- und Feinbewegung gesteuert werden können.
EP 1 317 031 A1 beschreibt ebenfalls eine Bestückungsvorrichtung für derartige Zwecke, die ferner
einen Kraftsensor aufweist, der dazu geeignet ist, den Bestückungsvorgang kraftsensorisch
zu überwachen. Eine kraftsensorische Überwachung des Bestückungsvorgangs ist insbesondere
an potentiell kritischen Abschnitten entlang des Vorschubwegs des konfektionierten
Kabelendes in das oder in die Steckergehäuse notwendig. Solche potentiell kritischen
Abschnitte entlang des Vorschubwegs betreffen insbesondere den sogenannten Einführabschnitt
im Eintrittsbereich der Steckergehäuseaufnahme bzw. Steckergehäusekammer, an denen
ein einzuführendes Kabelende aufgrund unzureichender oder fehlerhafter Vorpositionierung
hängen bleiben kann oder den ein einzuführendes Kabelende sogar gänzlich verfehlen
kann. Ferner können Steckergehäuse zur Abdichtung über sogenannte Dichtmatten verfügen,
die von den Kontakten an den konfektionierten Kabelenden während des Bestückungsprozesses
durchstossen werden müssen. Solche Dichtmatten können entweder vor den Kammern bzw.
Steckergehäuseaufnahmen oder aber auch als Zwischenstück in den Kammern bzw. Steckergehäuseaufnahmen
der Steckergehäuse liegen. Insofern stellen auch solche zu durchstossenden Dichtmatten
während des Bestückungsprozesses potentiell kritische Abschnitte entlang des Vorschubwegs
des Kabelendes dar. Damit die konfektionierten Kabel nach der Bestückung nicht mehr
aus dem Steckergehäuse gezogen werden können, sind in den Steckergehäusen Rückhalte-
oder Verriegelungseinrichtungen vorhanden, die mit den eingeführten Kontakten verrasten.
Umgekehrt können auch die Kontakte an den Kabelenden über derartige Rückhalte- oder
Verriegelungseinrichtungen verfügen, die in der Endposition im Gehäuse einrasten.
Um festzustellen, ob der Kontakt ordnungsgemäss verriegelt ist, wird nach der erfolgten
Bestückung üblicherweise ein Auszugstest durchgeführt, bei dem mit einer reduzierten
Kraft am Kabel gezogen und gleichzeitig die auf das Kabel einwirkende Kraft überwacht
wird. Damit stellt auch das Einführen in die Rückhalte- bzw. Verriegelungseinrichtungen
einen kritischen Abschnitt entlang des Vorschubwegs dar.
[0005] Neben
EP 1 317 031 A1 offenbart auch
EP 0 348 615 A1 eine Bestückungsvorrichtung für Einzelkabel, bei der der Kontakt und das Kabel mit
je einem Greifer gehalten wird und die korrekte Verriegelung des Kontakts zum Steckergehäuse
durch eine kraftüberwachte Auszugsbewegung überprüft wird. Treten bei dem Bestücken
von Einzelkabeln an den potentiell kritischen Abschnitten entlang des Vorschubwegs
etwaige Probleme auf, so kann mit den bisher aus dem Stand der Technik bekannten Vorrichtungen
zur Verarbeitung von Einzelkabeln der Bestückungsvorgang problemlos wiederholt werden.
Hierzu wird das einzuführende Kabel entweder zurückgezogen und erneut in Richtung
des Steckergehäuses vorgeschoben, um den Einführ- bzw. Bestückungsprozess zu wiederholen.
Alternativ kann beim Auftreten etwaiger Probleme der Kabelgreifer eine Rüttelbewegung
ausführen, um die kritische Situation zu überwinden, beispielsweise wenn ein Kontakt
beim Einführen in den Einführabschnitt der Steckergehäuseaufnahme aufgrund einer leichten
Fehlpositionierung relativ zur Steckergehäuseaufnahme hängen bleiben oder anstossen
sollte.
[0006] Solche Überwachungs- und Korrekturmassnahmen sind jedoch bei Kabelsträngen aus mehreren
Kabeln mit den bisher aus dem Stand der Technik bekannten Vorrichtungen und Verfahren
nicht möglich, da die einzelnen Kabel innerhalb des Kabelstrangs miteinander verbunden
sind und da die Kabelenden an einem Ende des Kabelstrangs die jeweils potentiell kritischen
Abschnitte entlang des Vorschubwegs im Wesentlichen gleichzeitig erreichen und passieren.
Aus denselben Gründen ist auch die Kraftüberwachung für einzelne Kabel innerhalb des
Kabelstrangs mit den bisher aus dem Stand der Technik bekannten Vorrichtungen nicht
möglich.
[0007] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, eine Vorrichtung sowie
ein Verfahren zum Bestücken wenigstens eines Steckergehäuses mit konfektionierten
Kabelenden eines Kabelstrangs aus mehreren Kabeln zu realisieren, bei der bzw. bei
dem der Bestückungsvorgang für die konfektionierten Kabelenden des Kabelstrangs, insbesondere
im Hinblick auf potentielle kritische Abschnitte entlang des Vorschubwegs in das oder
in dem Steckergehäuse, jeweils möglichst unabhängig voneinander erfolgen kann.
[0008] Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Vorrichtung gemäss Anspruch 1 sowie ein Verfahren
gemäss Anspruch 9. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der
Unteransprüche.
[0009] Um die einzelnen konfektionierten Kabelenden an einem Ende eines Kabelstrangs möglichst
unabhängig voneinander zu bestücken, ist es gemäss der Erfindung vorgesehen, die Kabelenden
in das Steckergehäuse insbesondere durch jene für einen erfolgreichen Bestückungsprozess
potentiell kritischen Abschnitte entlang des Vorschubweges längenversetzt nacheinander
ein- und hindurchzuführen. Hierzu weist die erfindungsgemässe Vorrichtung wenigstens
zwei Kabelgreifer zum Greifen jeweils eines der wenigstens zwei Kabel an einem freien,
insbesondere entdrillten Abschnitts des jeweiligen Kabelendes auf. Um den erfindungsgemässen
Längenversatz zu erzeugen und die Kabelenden entsprechend längenversetzt nacheinander
in und durch die potentiell kritischen Abschnitte entlang des Vorschubweges ein- und
hindurchzuführen, sind die wenigstens zwei Kabelgreifer in Längsrichtung der zu ergreifenden
Kabelenden unabhängig voneinander verschiebbar ausgebildet.
[0010] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung sind die wenigstens zwei Kabelgreifer
in Längsrichtung der zu ergreifenden Kabelenden wenigstens um bzw. über die Länge
eines, insbesondere des längsten der potentiell kritischen Abschnitte entlang des
Vorschubweges unabhängig voneinander verschiebbar ausgebildet. Hierdurch wird insbesondere
erreicht, dass die konfektionierten Kabelenden, insbesondere dort angebrachten Kontaktelemente
jene Abschnitte bzw. Zonen, die für den Bestückungsvorgang potentiell kritisch sind,
und bei denen vorzugsweise eine Kraftüberwachung vorgenommen werden soll, einzeln
passieren können. Somit kann jedes Kabelende individuell bzw. separat durch eine potentiell
kritische Zone hindurch geleitet und kraftsensorisch überwacht werden.
[0011] Im Sinne der vorliegenden Erfindung betreffen die zu bestückenden Kabelenden des
Kabelstrangs jene Kabelenden, die sich an einem Ende des Kabelstrangs befinden. Ferner
sollen im Sinne der vorliegenden Erfindung die zu bestückenden Kabelenden an dem einen
Ende des Kabelstrangs frei vorliegen, d.h. dass der Verbund des Kabelstrangs, etwa
eine Verdrillung, im Bereich der zu bestückenden Kabelenden aufgelöst ist, so dass
etwa bei einem ansonsten verdrillten Kabelstrang die Kabelenden bzw. der Kabelstrang
im Bereich der Kabelenden entdrillt und vorzugsweise auch gestreckt ist. Im Sinne
der vorliegenden Erfindung sollen die Kabelenden jedoch in jedem Fall insoweit "frei"
sein, dass sie im Wesentlichen voneinander entbunden sind, unabhängig voneinander
ergriffen und zumindest in einem bestimmten Bereich relativ zueinander bewegt, insbesondere
in Längsrichtung relativ zueinander versetzt werden können. Sollten die erfindungsgemäss
auszurichtenden Kabelenden noch nicht frei voneinander sein, so kann es nach einer
vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen sein, vor dem Ausrichten die
Kabelenden entsprechend zu "befreien", beispielsweise zu entdrillen, bzw. den Kabelstrang
(den Verbund des Kabelstrangs, beispielsweise die Verdrillung des Kabelstrangs) im
Bereich der auszurichtenden Kabelenden aufzulösen, beispielsweise zu entdrillen.
[0012] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung kann es ferner vorgesehen
sein, dass die wenigstens zwei bzw. mehreren Kabelgreifer in Längsrichtung der zu
ergreifenden Kabelenden hintereinander angeordnet sind und entsprechend unabhängig
voneinander in Längsrichtung versetzt bzw. verschoben werden können. Hierdurch wird
eine besonders kompakte Bauweise der Bestückungsvorrichtung erreicht. Denkbar ist
es aber auch, dass die Kabelgreifer bezüglich der Längsrichtung der zu ergreifenden
Kabelenden auf der gleichen axialen Position angeordnet sind, jedoch aus unterschiedlichen
Richtungen quer, insbesondere senkrecht zur Längsrichtung auf die jeweiligen Kabelenden
zugreifen.
[0013] Bei Kabelsträngen mit mehr als zwei zu verarbeitenden Kabelenden sind entsprechen
mehr als zwei Kabelgreifer, d.h. für jedes Kabelende je ein Kabelgreifer vorgesehen,
die entsprechend unabhängig voneinander in Längsrichtung der zu ergreifenden Kabelenden
versetztet bzw. verschoben werden können und vorzugsweise in Längsrichtung hintereinander
angeordnet sind.
[0014] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung weist wenigstens einer,
vorzugsweise alle Kabelgreifer ein Paar relativ zueinander verstellbarer Greifbacken
auf. Diese lassen sich wenigstens in eine Schliessstellung zum klemmenden Festhalten
eines Kabelendes und in eine Offenstellung zum Aufnehmen und Freigeben des Kabelendes
bringen. Vorzugsweise kann es zudem vorgesehen sein, dass die Greifbacken in eine
Zwischenstellung zum zumindest teilweise radialen Umschliessen und Führen des Kabelendes
entlang seiner Längsachse bringbar sind. Diese Zwischenstellung kann insbesondere
dazu benutzt werden, um ein Nachgreifen im Sinne eines stufenweisen Vorschiebens des
Kabelendes in Richtung der Endposition im Steckergehäuse zu ermöglichen.
[0015] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung können die Greifbacken
des wenigstens einen Kabelgreifers derart ausgebildet sein, zusätzlich ein Kabelende
wenigstens eines weiteren Kabels des Kabelstrangs aufzunehmen und in der Schliessstellung
sowie vorzugsweise auch in der Zwischenstellung zumindest teilweise radial zum Schliessen
und entlang seiner Kabellängsachse zu führen. Hierdurch wird das Kabelende beim Einführen
bzw. Bestücken während des Vorschiebens in vorteilhafter Weise zusätzlich stabilisiert.
[0016] Zum Festhalten, teilweise radialen Umschliessen bzw. Führen der jeweiligen Kabelenden
können die Greifbacken des Kabelgreifers nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung
der Erfindung jeweils korrespondierende Greif- oder Aufnahmemulden aufweisen. Denkbar
ist beispielsweise, dass die Greifbacken ähnlich den Backen einer Zange ausgebildet
sind. Zum Festhalten eines Kabelendes in der Schliessstellung können die Greif- bzw.
Aufnahmemulden insbesondere eine aufgeraute Oberfläche oder eine gezahnte Oberfläche
aufweisen. Demgegenüber können die Mulden bzw. jene Bereiche der Greifbacken, die
nur zum radialen Umschliessen und Führen eines weiteren zusätzlichen Kabelendes dienen,
eine glatte Oberfläche aufweisen.
[0017] Um das voneinander unabhängige Verschieben der wenigstens zwei Kabelgreifer in Längsrichtung
der zu ergreifenden Kabelenden zu realisieren, kann es nach einer weiteren vorteilhaften
Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen sein, dass einer der wenigstens zwei Kabelgreifer
relativ zum anderen Kabelgreifer separat, insbesondere mittels einer Greifer-Verschiebeeinrichtung,
in Längsrichtung verschiebbar ist und der andere Kabelgreifer durch Verschieben der
gesamten Bestückungsvorrichtung in Längsrichtung, insbesondere mittels einer Gesamt-Verschiebeeinrichtung,
verschiebbar ist. Alternativ kann es vorgesehen sein, dass zum voneinander unabhängigen
Verschieben der wenigstens zwei Kabelgreifer in Längsrichtung der zu ergreifenden
Kabelenden die wenigstens zwei Kabelgreifer jeweils separat, insbesondere jeweils
mit einer separaten Kabelgreifer-Verschiebeeinrichtung, in Längsrichtung verschiebbar
sind. Als Kabelgreifer-Verschiebeeinrichtung bzw. Gesamt-Verschiebeeinrichtung kommen
insbesondere aktuatorbetriebene (Linear-) Verschiebeeinrichtungen in Betracht. Als
Aktuatoren kommen beispielsweise pneumatisch, hydraulisch oder elektromotorisch betätigte
Aktuatoren (Linearmotoren oder Rotationsmotoren mit Bewegungsumsetzer, beispielsweise
Getriebe) in Betracht.
[0018] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung kann es vorgesehen
sein, dass wenigstens einer der Kabelgreifer in wenigstens einer Richtung quer, insbesondere
senkrecht zur Längsrichtung der zu ergreifenden Kabelenden verschiebbar ist. Hierdurch
kann in vorteilhafter Weise eine vereinfachte Zuführung des Kabelgreifers an die zu
verarbeitenden Kabelenden realisiert werden. Zudem ist es möglich, hierdurch Steckergehäuse
mit unterschiedlichen Abständen zwischen zu bestückenden Steckergehäusekammern zu
verarbeiten. Vorzugsweise sind sämtliche Kabelgreifer quer, insbesondere senkrecht
zur Längsrichtung der zu ergreifenden Kabelenden verschiebbar. Alternativ oder zusätzlich
kann es ferner vorgesehen sein, dass wenigstens einer, vorzugsweise alle Kabelgreifer
zum Ausführen einer Rüttelbewegung längs und/oder quer zur Längsrichtung der zu ergreifenden
Kabelenden ausgebildet sind. Hierzu können entsprechende Aktuatoren an den Kabelgreifern
angebracht sein, die eine derartige Rüttelbewegung erzeugen. Die Rüttelbewegung dient
vornehmlich dazu, im Falle einer kritischen Situation, etwa beim Hängenbleiben des
Kabelendes bzw. des am Kabelende angebrachten Kontakts im Bereich eines kritischen
Abschnitts, etwa im Einführbereich, im Bereich der Dichtmatte oder im Bereich der
Verriegelungs- bzw. Verrastungseinrichtung, das Kabelende in seiner Position zu korrigieren
und dadurch die kritische Situation zu überwinden.
[0019] Zum Überwachen des Bestückungsvorgangs kann es im Weiteren vorgesehen sein, dass
die Vorrichtung wenigstens einen Kraftsensor zum Messen einer auf ein zu ergreifendes
Kabelende einwirkenden Zug- und/oder Druckkraft aufweist. Idealerweise ist für jeden
Kabelgreifer ein Kraftsensor vorgesehen, der die auf das jeweilige Kabel wirkenden
Kräfte messen kann. Alternativ kann aber auch nur ein Kraftsensor für die gesamte
Bestückungsvorrichtung vorgesehen sein, der dann jeweils über die Gesamtvorrichtung
die auf die Kabel einwirkenden Kräfte misst. Aufgrund der Möglichkeit, die Kabelenden
in Längsrichtung versetzt zueinander anzuordnen und entsprechend nacheinander durch
potentiell kritische Abschnitte entlang des Vorschubwegs zu führen, ist es so möglich,
für jedes Kabelende einzeln die entlang des entsprechenden kritischen Abschnitts einwirkenden
Zug- und/oder Druckkräfte zu messen.
[0020] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung wird ferner durch das nachfolgend beschriebene
Verfahren zum Bestücken wenigstens eines Steckergehäuses mit konfektionierten Kabelenden
eines insbesondere verdrillten Kabelstrangs aus wenigstens zwei Kabeln gelöst, das
insbesondere unter Verwendung der zuvor beschriebenen erfindungsgemässen Vorrichtung
durchgeführt werden kann. Bei dem Verfahren werden die konfektionierten Kabelenden
in korrespondierende Steckergehäuseaufnahmen bzw. Steckergehäusekammern des wenigstens
einen Steckergehäuses bis in eine jeweilige Endposition eingeführt. Gemäss der Erfindung
zeichnet sich das Verfahren durch die folgenden Schritte aus:
- a. Separates Greifen der wenigstens zwei Kabel an einem Abschnitts des jeweiligen
freien, insbesondere entdrillten Kabelendes;
- b. Vorschieben der ergriffenen Kabelenden entlang ihrer Längsrichtung in Richtung
der jeweiligen Endposition bis zum Erreichen eines für einen erfolgreichen Bestückungsprozesses
potentiell kritischen Abschnitts entlang des Vorschubwegs in das oder in dem Steckergehäuse,
insbesondere bis zum Erreichen eines Einführabschnittes der jeweiligen Steckergehäuseaufnahme
eines Dichtmattenabschnitts in oder vor der Steckergehäuseaufnahme oder eines Fixierabschnitts
der jeweiligen Steckergehäuseaufnahme;
- c. Längenversetztes Vorschieben der Kabelenden durch den kritischen Abschnitt derart,
dass die Kabelenden der wenigstens zwei Kabel nacheinander den kritischen Abschnitt
passieren;
- d. Wiederholen der Schritte b. und c. für jeden weiteren etwaigen kritischen Abschnitt
bis zum Erreichen der jeweiligen Endposition.
[0021] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung des erfindungsgemässen Verfahrens kann es
vorgesehen sein, dass die Kabelenden der wenigstens zwei Kabel vor dem Passieren eines
kritischen Abschnitts entlang ihrer Längsrichtung zueinander längenversetzt um einen
wenigstens der Länge des kritischen Abschnitts entsprechenden Längenversatz angeordnet
werden. Durch diese Massnahme wird eine Situation erreicht, in der die wenigstens
zwei Kabel anschliessend einzeln nacheinander durch den kritischen Abschnitt hindurch
geführt werden können und sichergestellt ist, dass das nacheilende Kabelende in den
kritischen Abschnitt erst eintritt, wenn das vorauseilende Kabelende selbigen bereits
passiert hat. Alternativ kann es ebenfalls vorgesehen sein, dass die Kabelenden der
wenigstens zwei Kabel bis vor einen kritischen Abschnitt vorgeschoben werden und dann
zunächst das eine Kabelende durch den kritischen Abschnitt hindurch geführt wird,
während das andere Kabelende vor dem kritischen Abschnitt verweilt und erst dann in
den kritischen Abschnitt eingeführt und hindurch geführt wird, wenn das vorauseilende
Kabelende den kritischen Abschnitt passiert hat.
[0022] Im Fall, dass die Kabelenden vor dem Passieren eines kritischen Abschnitts entsprechend
längenversetzt angeordnet werden, kann es nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung
der Erfindung vorgesehen sein, dass das längenversetzte Vorschieben der Kabelenden
durch den kritischen Abschnitt folgendes umfasst:
- Synchrones Vorschieben der vor dem Passieren längenversetzt angeordneten Kabelenden
in Richtung der jeweiligen Endposition, bis das vorauseilende Kabelende den kritischen
Abschnitt passiert hat, und anschliessendes separates Vorschieben des nacheilenden
Kabelendes durch den kritischen Abschnitt ohne weiteres Vorschieben des vorauseilenden
Kabelendes;
oder
- Synchrones Vorschieben der vor dem Passieren längenversetzt angeordneten Kabelenden
in Richtung der jeweiligen Endposition, bis das vorauseilende Kabelende und anschliessend
das nacheilende Kabelende den kritischen Abschnitt passiert haben.
[0023] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung kann der Längenversatz
zwischen den Kabelenden der wenigstens zwei Kabel ausgeglichen werden, nachdem das
nacheilende Kabelende den kritischen Abschnitt passiert hat. Dies kann insbesondere
durch separates Vorschieben des nacheilenden Kabelendes ohne weiteres Vorschieben
des vorauseilenden Kabelendes realisiert werden.
[0024] Analog zur erfindungsgemässen Vorrichtung kann es auch bei dem erfindungsgemässen
Verfahren vorgesehen sein, dass beim Vorschieben eines jeweiligen Kabelendes in und/oder
durch einen kritischen Abschnitt eine auf das Kabelende einwirkende Zug- und/oder
Druckkraft gemessen wird. Denkbar ist, dass entweder für jedes der Kabelenden beim
jeweiligen Vorschiebevorgang eine Kraftüberwachung erfolgt. Alternativ ist es aber
auch denkbar, dass lediglich bei einem der, insbesondere wenigstens einem der Kabelenden
eine Kraftüberwachung erfolgt.
[0025] Sollte die gemessene Zug- und/oder Druckkraft einen vorgegebenen Wert überschreiten,
so kann es nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen
sein, dass das Vorschieben des entsprechenden Kabelendes gestoppt wird. Alternativ
oder zusätzlich ist es möglich, dass das Vorschieben wiederholt wird, insbesondere
durch ein Zurückziehen und erneutes Vorschieben des entsprechenden Kabelendes und/oder
durch Ausführen einer Rüttelbewegung des Kabelendes längs und/oder quer zur Längsrichtung
des Kabelendes.
[0026] Insbesondere im Hinblick auf das Erreichen der jeweiligen Endposition kann es nach
einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen sein, dass vorzugsweise
für jedes der wenigstens zwei Kabelenden unabhängig ein Auszugstest durchgeführt wird,
insbesondere durch Ausüben und Messen einer Zugkraft auf das entsprechende Kabelende
entgegen der Einführrichtung.
[0027] Weitere Ziele, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung ergeben
sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels der Erfindung sowie
anhand der beigefügten Figuren.
[0028] Es zeigen:
- Fig. 1
- perspektivische Ansicht einer Bestückungseinheit mit einem möglichen Ausführungsbeispiel
der erfindungsgemässen Bestückungsvorrichtung;
- Fig. 2
- Detailansicht des Ausführungsbeispiels der Bestückungsvorrichtung gemäss Fig. 1; und
- Fig. 3a-i
- Illustration eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemässen Verfahrens unter Verwendung
der Bestückungsvorrichtung gemäss Fig. 1.
[0029] Fig. 1 zeigt eine Bestückungseinheit 400 mit einem möglichen Ausführungsbeispiel
der erfindungsgemässen Bestückungsvorrichtung 1, die dazu dient, Steckergehäuse 200
mit konfektionierten Kabelenden 111, 121 eines vorliegend verdrillten Kabelpaares
100 zu bestücken, wobei die Steckergehäuse in entsprechenden Gehäusehalterungen 500
auf einer sogenannten Palette 501 angeordnet sind. Die Bestückungsvorrichtung 1 übernimmt
das zu verarbeitende Kabelpaar 100 von einer sogenannten Ausrichteeinheit 300, wie
sie beispielsweise in der am selben Tag wie die vorliegende Anmeldung hinterlegten
Europäischen Patentanmeldung Nr.
EP16192006.1 des gleichen Anmelders beschrieben ist. Die Ausrichteeinheit 300 dient dazu, die
fertig konfektionierten, insbesondere mit Kontaktelementen 113, 123 versehenen und
entdrillten bzw. gestreckten Kabelenden 111, 121 des ansonsten verdrillten Kabelpaares
100 bezüglich der zu bestückenden Steckergehäuse 200 rotationslagerichtig auszurichten.
Die Ausrichteeinheit 300 verfügt hierzu über entsprechende Kabelgreifer 310, 320,
die gemeinsam horizontal verfahren und vertikal abgesenkt werden können, um das Kabelpaar
100 an im Wesentlichen gleich ausgebildete Kabelgreifer 10, 20 der Bestückungsvorrichtung
1 zu übergeben. Dabei ist bei der Ausrichteeinheit 300 wie auch bei der Bestückungsvorrichtung
1 pro Kabel 110, 120 jeweils ein Kabelgreifer 10, 20; 310, 320 vorgesehen. Die Übergabe
erfolgt so, dass die Kabel 110, 120 jeweils immer mindestens in einem Kabelgreifer
10, 20; 310, 320 - entweder bestückungsvorrichtungsseitig oder ausrichteeinheitsseitig
- geklemmt bleiben, so dass die rotationslagerichtige Ausrichtung der Kontakte 113,
123 erhalten bleibt.
[0030] Um die so übergebenen Kabel 110, 120 mit Hilfe der Bestückungsvorrichtung 1 in die
Steckergehäuseaufnahmen 210, 220 des in der Steckergehäusehalterung 500 auf der Palette
501 gehaltenen Steckergehäuses 200 einzuführen, ist im vorliegenden Beispiel die Bestückungsvorrichtung
1 in Richtung der Kabellängsachsen L verschiebbar ausgeführt. Das Anfahren der Steckergehäuseaufnahme
210, 220 bzw. Steckergehäusekammern 210, 220 erfolgt über die Palette 501, die hierzu
horizontal und vertikal, d.h. in zwei unabhängigen Richtungen quer, insbesondere senkrecht
zur Kabellängsachse L bewegt werden kann. Selbstverständlich sind auch andere Varianten
denkbar, bei denen die Bestückungsvorrichtung 1 in mehreren Richtungen unabhängig
voneinander verschiebbar ausgebildet ist und die Palette 501 entsprechend über weniger
Freiheitsgrade verfügen muss.
[0031] Unter Bezugnahme auf Fig. 2 wird nachfolgend das vorliegende Ausführungsbeispiel
der Bestückungsvorrichtung 1 näher erläutert. Den Kern der Bestückungsvorrichtung
1 bilden die beiden Kabelgreifer 10, 20, die jeweils über ein Paar Greifbacken 11,
12; 21, 22 verfügen, die insbesondere analog zu denen der Kabelgreifer 310, 320 der
Ausrichteeinheit 300 ausgebildet sein können. Die Greifbacken 11, 12; 21, 22 sind
derart ausgebildet, dass sie in einer Schliessstellung jeweils ein Kabel 110, 120
klemmen und das entsprechend andere Kabel 120, 110 lediglich radial umschliessen und
insoweit entlang seiner Längsrichtung L führen. Die Greifbacken 11, 12; 21, 22 können
im Weiteren in eine Offenstellung überführt werden, um die beiden Kabel 110, 120 zwischen
die Greifbacken 11, 12; 21, 22 des entsprechenden Kabelgreifers 10, 20 einzuführen
bzw. um die beiden Kabel 110, 120 wieder frei zu geben. Zudem können in dem vorliegend
gezeigten Ausführungsbeispiel die Kabelgreifer 10, 20 in eine sogenannte Zwischenstellung
überführt werden, in der die beiden Kabel 110, 120 lediglich radial umschlossen und
insoweit axial geführt sind, wodurch insbesondere ein Nachgreifen der Kabel ermöglicht
wird.
[0032] Die Bestückungsvorrichtung 1 kann als Ganzes in Kabellängsrichtung L verschoben werden.
Hierzu kann beispielsweise eine Aktuatoreinrichtung 601 dienen. Zusätzlich kann einer
der beiden Kabelgreifer 20 der Bestückungsvorrichtung relativ zum anderen Kabelgreifer
10 in Längsrichtung L der Kabel 110, 120 verschoben werden. Auch hierzu kann ein Aktuator
620 vorhanden sein. Als Alternativvariante ist es aber auch möglich, dass die beiden
Kabelgreifer 10, 20 der Bestückungsvorrichtung 1 jeweils einzeln bzw. separat in Kabellängsrichtung
L bewegbar bzw. verschiebbar ausgeführt sind. Auch hier können entsprechende Aktuatoren,
beispielsweise programmierbare Servoachsen (Servomotoren) vorgesehen sein, die nicht
im Detail dargestellt sind.
[0033] Zum Überwachen des Bestückungsvorgangs und zum Durchführen eines sogenannten Auszugstests
verfügt die Bestückungsvorrichtung 1 im vorliegenden Ausführungsbeispiel über (hier
nicht dargestellte) Kraftsensoren. Vorzugsweise weist die Bestückungsvorrichtung 1
für jeden der beiden Kabelgreifer 10, 20 einen Sensor auf, der die auf das jeweils
erfasste bzw. ergriffene Kabel wirkenden Zug- und/oder Druckkräfte messen kann. Alternativ
ist es denkbar, dass lediglich ein Sensor vorhanden ist, der die auf die gesamte Bestückungsvorrichtung
1 einwirkenden Kräfte misst, die jeweils in Kabellängsrichtung L auf die gesamte Bestückungsvorrichtung
1 einwirken.
[0034] Um das Bestücken von Steckergehäusen 200 mit unterschiedlichen Abständen zwischen
den Steckergehäuseaufnahmen bzw. Steckergehäusekammern 210, 220 zu ermöglichen, kann
es ferner vorgesehen sein, dass die gesamte Bestückungsvorrichtung 1 derart ausgebildet
ist, dass wenigstens einer der beiden Kabelgreifer 10, 20 zusätzlich in einer entsprechenden
Richtung quer zur Kabellängsachse L verschiebbar ausgeführt ist. In diesem Fall können
die Greifbacken 11, 12; 21, 22 des entsprechenden Kabelgreifers 10; 20 derart ausgebildet
sein, dass die nicht klemmenden Innenkonturen der Greifbacken 11, 12; 21, 22 beispielsweise
schlitzförmig ausgebildet sind. Hierdurch können mit denselben Greifbacken 11, 12;
21, 22 unterschiedliche Kabelabstände verarbeitet werden.
[0035] Erfindungsgemäss ist vorgesehen, dass die beiden Kabelgreifer 10, 20 der Bestückungsvorrichtung
1 jeweils ein Kabel 110, 120 des Kabelpaares 100 ergreifen können und erfindungsgemäss
in Längsrichtung L der Kabel 110, 120 unabhängig voneinander bewegbar bzw. verschiebbar
ausgebildet sind. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel sind die Kabelgreifer 10, 20
der Bestückungsvorrichtung 1 zudem in Längsrichtung L der Kabel 110, 120 hintereinander
angeordnet, um eine besonders kompakte Bauweise der Bestückungsvorrichtung 1 zu realisieren.
Im Hinblick auf das erfindungsgemässe Verfahren ist es vorgesehen, dass die beiden
mit Kontaktelementen 113, 123 versehenen Kabelenden 111, 121 für den Bestückungsvorgang
1 jeweils in Längsrichtung L zueinander versetzt angeordnet werden können, so dass
die jeweiligen Kontakte 113, 123 an den konfektionierten Kabelenden 111, 121 der beiden
Kabel 110, 120 potentiell kritische Abschnitte 211, 212, 213; 221, 222, 223 entlang
des Vorschubwegs in Richtung Steckergehäuse 200 bzw. Endposition der Steckergehäuse
200 nacheinander bzw. einzeln passieren können und um insbesondere auch eine unabhängige
Kraftüberwachung realisieren zu können.
[0036] Anhand der Fig. 3a-i wird im Folgenden exemplarisch ein Ausführungsbeispiel des Bestückungsverfahrens
mit Hilfe der hier gezeigten Bestückungsvorrichtung 1 gezeigt, um die konfektionierten,
gestreckten und mit Kontaktelementen 113, 123 versehenen Kabelenden 111, 121 eines
ansonsten verdrillten Kabelpaares 100 in jeweilige Steckergehäuseaufnahmen bzw. Steckergehäusekammern
210, 220 eines Steckergehäuses 200 einzuführen, in dem zusätzlich eine Dichtmatteneinrichtung
212, 222 vorgesehen ist. Das gezeigte Verfahren kann auch analog bei Steckergehäusen
ohne Dichtmatten oder bei Steckergehäusen mit einer Dichtmatte, die aussen vor den
Einführöffnungen der Steckergehäuse angeordnet ist, durchgeführt werden.
[0037] Fig. 3a zeigt die Ausgangslage des Bestückungsverfahrens, bei dem die Kontakte 113,
123 des Kabelpaares 100 in rotationslagerichtiger Orientierung vor den beiden Steckergehäusekammern
210, 220 positioniert sind. Jedes der beiden Kabel 110, 120 ist dabei an einem Abschnitt
des freien, entdrillten Kabelendes 111, 121 von einem jeweiligen Kabelgreifer 10,
20 der Bestückungsvorrichtung 1 festgehalten.
[0038] Im nächsten Schritt (Fig. 3b) wird einer der beiden Kabelgreifer 20 zurückgezogen,
um einen Längenversatz ΔL zwischen den beiden Kabelenden 111, 121 zu erzeugen. Der
Längenversatz ΔL entspricht mindestens der Länge des sogenannten Kammereinlaufs 211,
221 bzw. Einführabschnitts der entsprechenden Steckergehäusekammer 210, 220, welcher
einen ersten für den Bestückungsprozess potentiell kritischen Abschnitt entlang des
Vorschubweges darstellt.
[0039] Anschliessend wird die Bestückungsvorrichtung 1 so weit in Richtung des Steckergehäuses
200 vorgeschoben (vgl. Fig. 3c), bis das Kontaktelement 113 des vorauseilenden Kabelendes
111 gerade noch vor der Dichtmatteneinrichtung 212 steht. Während dieser Vorschiebebewegung
wird die auf dieses Kabelende 111 etwaig einwirkende Kraft überwacht. Da die beiden
Kontaktelemente 113, 123 nacheinander den Kammereinlauf 211, 221 passieren, kann die
entsprechende Bestückungskraft für jeden Kontakt 113, 123 einzeln überwacht werden.
Wird eine vorgegebene Maximalkraft überschritten, so kann auf eine Kollision beim
Kammereinlauf 211, 221 geschlossen werden und der Einführvorgang gegebenenfalls wiederholt
werden.
[0040] Im nächsten Schritt (vgl. Fig. 3d) wird der hintere Kabelgreifer 20 so weit zurückgezogen,
bis ein Längenversatz ΔL entsteht, der mindestens der Dicke der Dichtmatteneinrichtung
212, 222 entspricht, welche einen weiteren für den Bestückungsprozess potentiell kritischen
Abschnitt entlang des Vorschubweges darstellt.
[0041] Anschliessend (vgl. Fig. 3e) wird die Bestückungsvorrichtung so weit vorgefahren,
bis die Dichtmatte 212, 222 vom Kontakt 113 des vorauseilenden Kabelendes 110 durchstossen
ist. Auch hierbei kann die Bestückungskraft überwacht werden.
[0042] Im Anschluss daran (vgl. Fig. 3f) wird der hintere Kabelgreifer 20 in Richtung Steckergehäuse
200 weiter nach vorne gefahren, bis auch das Kontaktelement 123 des nacheilenden Kabelendes
120 die Dichtmatteneinrichtung 222 durchstossen hat. Als Alternativvariante ist auch
denkbar, dass die Bestückungseinrichtung 1 mit den längenversetzt angeordneten Kabelgreifern
10, 20 vorfährt und der Längenversatz ΔL anschliessend an diesen Schritt ausgeglichen
wird. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn die Bestückungskraft überwacht
werden soll und lediglich ein Kraftsensor für die gesamte Bestückungsvorrichtung 1
und nicht jeweils separate Kraftsensoren für beide Kabelgreifer 10, 20 vorhanden sind.
Im Falle, dass ein Nachgreifen notwendig ist, etwa weil der Vorschubweg innerhalb
des Steckergehäuses 200 länger ist als der freie Verschiebeweg der Kabelgreifer 10,
20, kann die Bestückungsvorrichtung 1 - wie in Fig. 3g gezeigt - so weit wie möglich
in Richtung der Endposition nach vorne gefahren werden und anschliessend die Kabelgreifer
10, 20 bis zur Mittelstellung geöffnet werden. Anschliessend fährt die Bestückungsvorrichtung
1 um den für das Nachgreifen notwendigen Betrag zurück. Danach werden die Greifbacken
11, 12; 21 22 der Kabelgreifer 10, 20 wieder geschlossen, um den Nachgreifvorgang
abzuschliessen (vgl. Fig. 3h).
[0043] Als letzter Schritt erfolgt im vorliegenden Ausführungsbeispiel eine Vorwärtsbewegung
der gesamten Bestückungseinrichtung 1 in die Endposition der beiden Kontaktelemente
113, 123 im Steckergehäuse 200. Das Erreichen dieser Endposition kann durch den Kraftsensor
erkannt und die Vorschubbewegung entsprechend gestoppt werden. Für den Fall, dass
die Kraft nicht für jedes Kabel 110, 120 unabhängig gemessen werden kann, ist es möglich,
diesen Schritt für jedes der beiden Kabel 110, 120 einzeln auszuführen. Hierzu kann
einer der beiden Kabelgreifer 10, 20 bis zur Mittelstellung geöffnet werden, so dass
zunächst nur ein Kabel 110 bis in die entsprechende Endposition eingeschoben wird
(vgl. Fig. 3i).
[0044] Nach Abschluss der erfolgten Bestückung kann zudem ein Auszugstest durchgeführt werden.
Hierzu wird mit reduzierter Kraft über die Bestückungseinrichtung 1 an den beiden
Kabeln 110, 120 gezogen und gleichzeitig die hierbei auf die Kabelenden 111, 121 einwirkende
Kraft überwacht, um festzustellen, ob die beiden Kontaktelemente 113, 123 ordnungsgemäss
in den Endpositionen des Steckergehäuses 200 verriegelt sind. Auch hier kann es notwendig
sein, einen der beiden Kabelgreifer 10, 20 in die Mittelstellung zu bringen, um den
Auszugstest für beide Kabel 110, 120 unabhängig voneinander bzw. nacheinander ausführen
zu können.
[0045] Nach diesem Schritt ist der Bestückungsvorgang für dieses Kabelpaar 100 abgeschlossen.
Die Bestückungsvorrichtung 1 kann anschliessend ein weiteres Kabelpaar von der Ausrichteeinheit
300 übernehmen, während die Palette 501 verfahren wird, um die mit dem nächsten Kabelpaar
zu bestückenden Steckergehäusekammern in die entsprechende Position zu bringen.
1. Vorrichtung (1) zum Bestücken wenigstens eines Steckergehäuses (200) mit konfektionierten
Kabelenden (111, 121) eines insbesondere verdrillten Kabelstrangs (100) aus wenigstens
zwei Kabeln (110, 120), wobei die Vorrichtung (1) wenigstens zwei Kabelgreifer (10,
20) zum Greifen jeweils eines der wenigstens zwei Kabel (110, 120) an einem Abschnitt
(112, 122) seines freien, insbesondere entdrillten Kabelendes (111, 121) aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass zum selektiven Bestücken, insbesondere zum längenversetzten Einführen der Kabelenden
(111, 121) in das Steckergehäuse (200) durch einen für einen erfolgreichen Bestückungsprozess
potentiell kritischen Abschnitt (211, 212, 213; 221, 222, 223) entlang des Vorschubweges,
die wenigstens zwei Kabelgreifer (10, 20) in Längsrichtung (L) der zu ergreifenden
Kabelenden (111, 121) unabhängig voneinander verschiebbar sind.
2. Vorrichtung (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens zwei Kabelgreifer in Längsrichtung (L) der zu ergreifenden Kabelenden
(111, 121) hintereinander angeordnet sind.
3. Vorrichtung (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens einer der wenigstens zwei, vorzugsweise alle Kabelgreifer (10, 20) wenigstens
ein Paar relativ zueinander verstellbarer Greifbacken (11, 12; 21, 22) aufweist, die
in eine Schliessstellung zum klemmenden Festhalten eines Kabelendes (111, 121), in
eine Offenstellung zum Aufnehmen und Freigeben eines Kabelendes (111, 121) und vorzugsweise
in eine Zwischenstellung zum zumindest teilweise radialen Umschliessen und Führen
eines Kabelendes (111, 121) entlang seiner Kabellängsachse (L) bringbar sind.
4. Vorrichtung (1) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Greifbacken (11, 12; 21, 22) des wenigstens einen Kabelgreifers (10; 20) derart
ausgebildet sind, zusätzlich das Kabelende (121; 111) wenigstens eines weiteren Kabels
(120; 110) aufzunehmen und in der Schliessstellung sowie vorzugsweise auch in der
Zwischenstellung zumindest teilweise radial zu umschliessen und entlang seiner Kabellängsachse
(L) zu führen.
5. Vorrichtung (1) nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Greifbacken (11, 12; 21, 22) des Kabelgreifers (10; 20) zum Festhalten, teilweise
radialen Umschliessen bzw. Führen der jeweiligen Kabelenden (111, 121) jeweils korrespondierende
Greif- oder Aufnahmemulden aufweisen.
6. Vorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zum voneinander unabhängigen Verschieben der wenigstens zwei Kabelgreifer (10, 20)
in Längsrichtung (L) der zu ergreifenden Kabelenden (111, 121) einer der wenigstens
zwei Kabelgreifer (20) relativ zum anderen Kabelgreifer (10) separat, insbesondere
mittels einer Greifer-Verschiebeeinrichtung (620), in Längsrichtung (L) verschiebbar
ist und der andere Kabelgreifer (10) durch Verschieben der gesamten Vorrichtung (1)
in Längsrichtung (L), insbesondere mittels einer Gesamt-Verschiebeeinrichtung (601),
verschiebbar ist; oder dass zum voneinander unabhängigen Verschieben der wenigstens
zwei Kabelgreifer (10, 20) in Längsrichtung (L) der zu ergreifenden Kabelenden (111,
121) die beiden Kabelgreifer (10, 20) jeweils separat, insbesondere jeweils mit einer
separaten Greifer-Verschiebeeinrichtung, in Längsrichtung (L) verschiebbar sind.
7. Vorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens einer der Kabelgreifer (10, 20) in wenigstens einer Richtung quer, insbesondere
senkrecht zur Längsrichtung (L) der zu ergreifenden Kabelenden (111, 121) verschiebbar
ist; und/oder dass wenigstens einer der Kabelgreifer (10, 20) zum Ausführen einer
Rüttelbewegung längs und/oder quer zur Längsrichtung (L) der zu ergreifenden Kabelenden
(111, 121) ausgebildet ist.
8. Vorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (1) zum Überwachen des Bestückungsvorgangs wenigstens einen Kraftsensor
zum Messen einer auf ein zu ergreifendes Kabelende einwirkenden Zug- und/oder Druckkraft
aufweist.
9. Verfahren zum Bestücken wenigstens eines Steckergehäuses (200) mit konfektionierten
Kabelenden (111, 121) eines insbesondere verdrillten Kabelstrangs (100) aus wenigstens
zwei Kabeln (110, 120), insbesondere unter Verwendung einer Vorrichtung (1) nach einem
der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Verfahren, bei dem die konfektionierten Kabelenden
(111, 121) in korrespondierende Steckergehäuseaufnahmen (210, 220) des wenigstens
einen Steckergehäuses (200) bis in eine jeweilige Endposition eingeführt werden, die
folgenden Schritte umfasst:
a. Separates Greifen der wenigstens zwei Kabel (110, 120) an einem Abschnitt seines
jeweiligen freien, insbesondere entdrillten Kabelendes;
b. Vorschieben der ergriffenen Kabelenden (111, 121) entlang ihrer Längsrichtung (L)
in Richtung der jeweiligen Endposition bis zum Erreichen eines für einen erfolgreichen
Bestückungsprozess potentiell kritischen Abschnitts (211, 212, 213; 221, 222, 223)
entlang des Vorschubweges in das oder in dem Steckergehäuse (200), insbesondere bis
zum Erreichen eines Einführabschnittes (211, 221) der jeweiligen Steckergehäuseaufnahme
(210, 220), eines Dichtmattenabschnitts (212, 222) in oder vor der jeweiligen Steckergehäuseaufnahme
(210, 220) oder eines Fixierabschnitts (213, 223) der jeweiligen Steckergehäuseaufnahme
(210, 220);
c. längenversetztes Vorschieben der Kabelenden (111, 121) durch den kritischen Abschnitt
(211, 212, 213; 221, 222, 223) derart, dass die Kabelenden (111, 121) der wenigstens
zwei Kabel (110, 210) nacheinander den kritischen Abschnitt (211, 212, 213; 221, 222,
223) passieren;
d. Wiederholen der Schritte b. und c. für jeden weiteren etwaigen kritischen Abschnitt
(211, 212, 213; 221, 222, 223) bis zum Erreichen der jeweiligen Endposition.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Kabelenden (111, 121) der wenigstens zwei Kabel (110, 120) vor dem Passieren
eines kritischen Abschnitts (211, 212, 213; 221, 222, 223) entlang ihrer Längsrichtung
(L) zueinander längenversetzt um einen wenigstens der Länge des kritischen Abschnitts
(211, 212, 213; 221, 222, 223) entsprechenden Längenversatz (ΔL) angeordnet werden.
11. Verfahren nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass das längenversetzte Vorschieben der Kabelenden (111, 121) durch den kritischen Abschnitt
(211, 212, 213; 221, 222, 223) umfasst:
• synchrones Vorschieben der vor dem Passieren längenversetzt angeordneten Kabelenden
(111, 121) in Richtung der jeweiligen Endposition bis das vorauseilende Kabelende
(111) den kritischen Abschnitt (211, 212, 213; 221, 222, 223) passiert hat und anschliessendes
separates Vorschieben des nacheilenden Kabelendes (121) durch den kritischen Abschnitt
(211, 212, 213; 221, 222, 223) ohne weiteres Vorschieben des vorauseilenden Kabelendes
(111);
oder
• synchrones Vorschieben der vor dem Passieren längenversetzt angeordneten Kabelenden
(111, 121) in Richtung der jeweiligen Endposition bis das vorauseilende Kabelende
(111) und anschliessend das nacheilende Kabelende (121) den kritischen Abschnitt (211,
212, 213; 221, 222, 223) passiert haben.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Längenversatz (ΔL)zwischen den Kabelenden (111, 121) der wenigstens zwei Kabel
(110, 120) ausgeglichen wird, nachdem das nacheilende Kabelende (121) den kritischen
Abschnitt (211, 212, 213; 221, 222, 223) passiert hat, insbesondere durch separates
Vorschieben des nacheilenden Kabelendes (121) ohne weiteres Vorschieben des vorauseilenden
Kabelendes (111).
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass beim Vorschieben eines jeweiligen Kabelendes (111, 121) in und/oder durch einen kritischen
Abschnitt (211, 212, 213; 221, 222, 223) eine auf das Kabelende (111, 121) einwirkende
Zug- und/oder Druckkraft gemessen wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass beim Überschreiten eines vorgegebenen Wertes durch die gemessene Zug- und/oder Druckkraft
das Vorschieben gestoppt oder wiederholt wird, insbesondere durch ein Zurückziehen
und erneutes Vorschieben des entsprechenden Kabelendes (111, 121) und/oder unter Ausführen
einer Rüttelbewegung des Kabelendes (111, 121) längs und/oder quer zur Längsrichtung
des Kabelendes (111, 121).
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass beim Erreichen der jeweiligen Endposition, vorzugsweise für jedes der wenigstens
zwei Kabelenden (111, 121) unabhängig, ein Auszugstest durchgeführt wird, insbesondere
durch Ausüben und Messen einer Zugkraft auf das entsprechende Kabelende (111, 121)
entgegen der Einführrichtung.