[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Diagnose von räumlich
verteilt angeordneten anlagentechnischen Komponenten, insbesondere Komponenten der
Zugsicherung und Zugbeeinflussung, die zur Erfüllung ihrer bestimmungsgemässen Aufgabe
elektrischen Strom verbrauchen.
[0002] Derartige meist dezentral angeordnete anlagentechnische Komponenten werden im Besonderen
in Schienenverkehrsnetzwerken z.B wie die Eisenbahn eingesetzt, wo diese genutzt werden,
um Fahrzeug beeinflussende und/oder Fahrzeug überwachende Einheiten zu steuern und
bezüglich der Funktionalität zu überwachen und um Prozessdaten aufzunehmen und zurück
an eine zentrale Steuerungs- und/oder Überwachungszentrale, wie zum Beispiel eine
Leitstelle oder ein Stellwerk, zu melden. Als zugbeeinflussende Einheiten, die also
Anweisungen an den Fahrzeugführer geben oder sogar direkt Eingriffe in der Fahrzeugsteuerung
vornehmen oder direkt einen sicheren Fahrweg einstellen, können beispielsweise Signale,
Weichen, Balisen, Linienleiter, Gleismagnete und dergleichen sowie auch Sensoren zum
Erfassen von Prozessgrössen des fahrenden Zuges, wie Leistungsaufnahme, Geschwindigkeit
und dergleichen, betrachtet werden. Als Zug- und Gleisabschnitt überwachende Einheiten
können ebenfalls Balisen und Linienleiter, aber auch Achszähler und Gleisstromkreise
und andere Gleisfreimeldesysteme genannt werden. Grundsätzlich betrifft die vorliegende
Erfindung aber alle industriellen Anlagen, in denen funktionale Einheiten über grössere
Strecken verteilt sind und dennoch zentral gesteuert werden müssen. Die zentrale Steuerung
kann dabei von einer ortsfesten Leitstelle, aber auch durch eine nicht-ortsfeste virtuelle
Leitstelle wahrgenommen werden.
[0003] Im Eisenbahnverkehr ist es üblicherweise so, dass diese anlagentechnischen Komponenten
von einem Stellwerk oder einem abgesetzten Stellwerkrechner gesteuert werden. Für
den Datentransfer zwischen dem Stellwerk und den anlagentechnischen Komponenten im
Gleisbereich sind heute in der Regel standardisierte Kupferkabel vorgesehen, für deren
klassische Stelldistanzlängen wegen der physikalischen Übertragungsparameter, den
Kabelbelägen (RLC), bei 10 km in der Praxis die obere Grenze liegt. Bei gewissen Typen
von anlagentechnischen Komponenten kann diese obere Limite jedoch auch nur bei maximal
6,5 km Stelldistanz liegen.
[0004] Der Aufbau von technischen Anlagen, besonders auch in der Bahninfrastruktur, ist
aufgrund der über 100 jährigen Geschichte des Industrieanlagenbaus und des Eisenbahnwesens
auf Robustheit und Zuverlässigkeit ausgelegt. In der damaligen Konzeption wurden besonders
die Aussenelemente der Bahnsicherungsanlagen über relativ kräftige Kabeladern angeschlossen,
um die Schaltzustände über die definierten Distanzen sicher detektieren zu können,
d.h. die Auslegung erfolgt entsprechend der Spitzenbelastungen mit ausreichender Reserve.
Mit dem Schaltvorgang der Aussenelemente wird über die Energiezuführung auch die Information
übermittelt. Daraus folgt aber in naheliegender Weise auch, dass die möglichen Distanzen
durch den detektierbaren Energiefluss begrenzt sind. Unter heutigen Flexibilitäts-,
Kosten- und Ressourcenpolitischen -Aspekten sind diese etablierten Konzepte neben
der durch die
EP 2 301 202 A1 offenbarten Kommunikationsstruktur dringend auch im Bereich der Energiezuführung
zu innovieren und so die bisherige Kopplung von Information und Energie aufzulösen.
[0005] Hierzu offenbart die internationalen Patentanmeldung
WO 2013/013908 A1 eine Lösung. Diese Lösung sieht eine Einrichtung und ein Verfahren zum Betreiben
von in einer industriellen Anlage angeordneten dezentralen Funktionseinheiten vor,
umfassend:
- a) ein übergeordnetes Steuerungssystem, das mit den dezentralen Funktionseinheiten
mittels Datentelegrammen Informationen austauscht,
- b) ein Datentransportnetzwerk mit einer Anzahl von Netzzugangspunkten, wobei das übergeordnete
Steuerungssystem über mindestens einen Netzzugangspunkt an dem Datentransportnetzwerk
angekoppelt ist;
- c) Kommunikationseinheiten, die an einem Netzzugangspunkt angeschlossen sind und den
dezentralen Funktionseinheiten den Zugang zu dem Datentransportnetzwerk bereitstellen,
und
- d) ein Energietransportnetz, an das die dezentralen Funktionseinheiten angeschlossen
sind und das die dezentralen Funktionseinheiten mit elektrischer Energie versorgt.
Auf diese Weise ist nun auch das Energietransportnetz vollkommen von einem Stellwerk
entkoppelt.
[0006] Ausgehend von der heutigen Stellwerkarchitektur mit dezentralen Stationen, aber Punkt-zu-Punkt-Energiezuführung,
wird hiermit ein neuer, innovativer Ansatz beschritten, der von der Siemens Schweiz
AG unter dem Namen Sigrid® vertrieben wird. Die heutigen kabel- und arbeitsintensiven
Punkt- zu Punkt-Verbindungen für die Stromversorgung bzw. die Energieversorgung der
peripheren Elemente entlang dem Gleis (Element Controller oder auch anlagentechnische
Komponente genannt) werden ersetzt durch adernsparende und einfach zu montierende
Bus- oder Ringleitungen.
[0007] Hiermit geht aber die bisher übliche und approbierte Überwachungsstrategie für die
dezentral angeordneten anlagentechnischen Komponenten aufgrund der nicht mehr vorhandenen
Punkt-zu-Punkt-Anbindung verloren. So ist es beispielsweise bei bestehenden Weichendiagnoseeinrichtungen
so, dass diese die Spannungen und Ströme beim Umstellen einer Weiche durch das Anbringen
von Spannungs- und Stromwandlern an den Zuleitungen zum Motor des Weichenantriebs
messen. Bei Signalen wird der am Signal anzuzeigende Signalbegriff von der Stellwerkkarte
mittels eines modulierten Wechselspannungssignals an die gleisseitige Signalsteuereinheit
übertragen und der entsprechende Stromfluss der gemäss dem übermittelten Signalbegriff
aktivierten Lampenströme auf der Stellwerkkarte überwacht. All diese Überwachungsrichtungen,
mit denen Sicherheitslevels bis SIL4 erreichbar sind, erfordern jedoch erhebliche
Mittel im Stellwerk sowie umfangreiche Verkabelungen und sicherheitstechnische Überprüfungen,
sodass ein neuer Weg für ein weniger materialintensive vereinfachte Diagnose der anlagentechnischen
Komponenten beschritten werden muss. Dieser neue Weg muss zudem auch der Anschaltung
der anlagentechnischen Komponenten an die o.g. Energiebusse Rechnung tragen.
[0008] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Diagnose
von räumlich verteilt angeordneten anlagentechnischen Komponenten, insbesondere Komponenten
der Zugsicherung und/oder Zugbeeinflussung, die zur Erfüllung ihrer bestimmungsgemässen
Aufgabe elektrischen Strom verbrauchen, anzugeben, das hinsichtlich des erforderlichen
Verkabelungsaufwandes und des Einsatzes von Überwachungskomponenten erheblich einfacher
ausgestaltet ist.
[0009] Die Aufgabe wird erfindungsgemäss durch ein Verfahren zur Diagnose von räumlich verteilt
angeordneten anlagentechnischen Komponenten, insbesondere Komponenten der Zugsicherung
und/oder Zugbeeinflussung, die zur Erfüllung ihrer bestimmungsgemässen Aufgabe elektrischen
Strom verbrauchen, gelöst. Dabei umfasst dieses Verfahren die folgenden Verfahrensschritte:
- a) Anschliessen von einer Vielzahl von anlagentechnischen Komponenten an eine elektrische
Stromversorgungsleitung;
- b) Anschliessen eines Messwandlers für Spannung und Strom an die Versorgungsleitung
zwischen einer an die Versorgungsleitung angeschlossenen Versorgungsquelle und einer
nächst zur Versorgungsquelle an der Versorgungsleitung angeschlossenen anlagentechnischen
Komponente;
- c) Auswerten der von dem Messwandler gelieferten Strom- und Spannungswerte durch Vergleich
des in einem Messintervall aufgenommenen Strom- und Spannungsverlaufs mit für die
anlagentechnischen Komponenten im ungestörten Zustand bei Ausübung der bestimmungsgemässen
Funktion aufgenommenen Strom- und Spannungssignaturen; und
- d) bei Erreichen einer vorbestimmten Abweichung Aussenden eines Diagnosesignals.
[0010] Auf diese Weise ist es möglich, bei vielen an der Versorgungsleitung angeschlossenen
Verbraucher (anlagetechnischen Komponenten) ermitteln zu können, welcher Strom- und
Spannungsverlauf aufgrund der bekannten Strom- und Spannungssignaturen von einem Regelverlauf
abweicht und daher ein Diagnosesignal auslöst. Somit ist es hier auch möglich, bereits
frühzeitig eine Abweichung vom Regelverlauf festzustellen, der für eine zukünftige
Fehlfunktion einer anlagentechnischen Komponente im Wege einer Frühwarnung indikativ
sein könnte. Beispielhaft könnte ein fehlerhafter Glühfaden genannt werden, der einen
höheren Widerstand verursacht und daher wohl in Kürze durchbrennen wird. Ein anderes
Beispiel könnte die Leistungsaufnahme eines Weichenmotors sein, die eine auffällig
hohe und lange Leistungsaufnahme zu Beginn der Weichenumstellbewegung zeigt und daher
ein Indiz dafür sein könnte, dass die Gleitbedingungen für die Weichenzunge auf den
Gleitstühlen nicht mehr optimal sind und daher eine Schmierung der Weiche erforderlich
sein dürfte.
[0011] Selbst bei vielbefahrenen Eisenbahnstrecken ist es in der Regel wohl eher nicht so,
dass die Aussagekraft des aufgenommenen Strom- und Spannungsverlauf durch eine zu
hohe Anzahl gleichzeitig aktiver anlagentechnischer Komponenten verwischt wird. Dennoch
kann es in einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung vorgesehen sein, dass die
an der Versorgungsleitung angeschlossenen anlagentechnischen Komponenten schrittweise
oder gezielt einzeln oder in Gruppen zusammengefasst betätigt werden könnten. Damit
ist es möglich, das Verhalten einzelner anlagentechnischen Komponente besonders unter
die Lupe nehmen zu können.
[0012] Damit bei den Vergleichen der aufgenommenen Strom- und Spannungsverläufe sogar innerhalb
von einer Gruppe von gleichartigen anlagentechnischen Komponenten eine bestimmte anlagentechnische
Komponente individualisiert werden kann, kann es sinnvoll sein, bei der Inbetriebnahme
von einer anlagentechnischen Komponente die Strom- und Spannungssignatur aufzuzeichnen
und diese der jeweiligen anlagentechnischen Komponente zuzuordnen. So kann zum Beispiel
auch ein Unterschied im Anlaufen von Weichenmotoren individualiert werden, sodass
ein allenfalls von dem üblichen Strom- und Spannungsverlauf für Weichenmotoren abweichender
Verlauf nicht grundsätzlich schon als Fehler zu bewerten ist, sondern eben einer bestimmten
schon von Beginn an abweichenden anlagentechnischen Komponente, hier anderer Weichenmotor
oder baugleicher Weichenmotor, aber spezielle Weichenkonfiguration/-situation, zugeordnet
werden kann.
[0013] Ebenso kann es in einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen
sein, dass die an der Versorgungsleitung angeschlossenen anlagentechnischen Komponenten
schrittweise oder gezielt einzeln oder in Gruppen zusammengefasst von der Versorgungsleitung
isoliert werden können. So ist es möglich bei Verdacht einer fehlerhaften anlagentechnischen
Komponente durch das Isolieren einzelner anlagentechnischer Komponente in einem Expertenmodus
die Ursache für einen abweichenden Strom- und Spannungsverlauf eruieren zu können.
[0014] Weiter kann es auch Gründen einer höheren Auswertegeschwindigkeit der aufgenommen
Strom- und Spannungsverläufe und/oder spezifischeren Auswertung auch vorgesehen sein,
dass das Auswerten der von dem Messwandler gelieferten Strom- und Spannungswerte in
einem vorgebbaren Frequenzband ausgeführt wird. Gerade auch durch diese spektrale
Analyse der aufgenommenen Strom- und Spannungsverläufe können bei dem Vergleich mit
den Strom- und Spannungssignaturen des Neuzustandes bereits vor dem Ausfall einer
anlagentechnischen Komponente Aussagen über deren Zustand hinsichtlich Alterung und/oder
Verschleiss abgeleitet werden.
[0015] Für das Umfeld des schienengebundenen Verkehrs ist es typisch, wenn als anlagentechnische
Komponenten eisenbahngleisseitig angeordnete elektronischen Einheiten verwendet werden,
wobei mit den eisenbahngleisseitig angeordneten Komponenten Komponenten der Zugsicherung
und/oder der Zugbeeinflussung, wie Signale, Balisen, Gleismagnete, Gleisstromkreise,
Achszähler, Weichen, Linienleiter, Bahnschranken und dergleichen, angesteuert und/oder
spannungsversorgt werden.
[0016] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung sind den übrigen
Unteransprüchen zu entnehmen.
[0017] Vorteilhafte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung werden anhand der Zeichnung
näher erläutert. Dabei zeigen:
- Figur 1
- in schematischer Ansicht eine Stellwerkarchitektur mit einem Datenbus und einem Energiebus
gemäss dem Stand der Technik;
- Figur 2
- in schematischer Ansicht eine Netzknoteneinheit zur Verbindung einer dezentralen Funktionseinheit
mit dem Datenbus und Energiebus gemäss dem Stand der Technik; und
- Figur 3
- in schematischer Ansicht eines Schaltbildes der für das Verfahren zur Diagnose von
räumlich verteilt angeordneten dezentralen Stellteilen in einem Eisenbahnnetzwerk.
[0018] Figur 1 zeigt schematisch eine moderne Stellwerkarchitektur mit einem System SYS,
das u.a. ein Stellwerk STW, einen redunant aufgebauten Datenbackbone NB1, NB2, einem
Datenbus CB und einen Energiebus EB mit zwei Speisestellen PS1 und PS2 aufweist. Das
Stellwerk STW steuert den Zugverkehr auf einem Gleisabschnitt G, in welchem hier beispielhaft
Signale S, Weichen W, ein Bahnübergang Bue und Achszähler AC angeordnet sind. Diese
Zugsicherungs- und beeinflussungskomponenten koppeln jeweils mit einer dezentralen
Funktionseinheit - auch Element Controller Unit E genannt - an dem Datenbus CB und
dem Energiebus EB an. Die dezentralen Funktionseinheiten E sind dabei so an den ringförmigen
Datenbus CB angeschlossen, dass über jede Seite des ringförmigen Datenbusses CB der
Zugriff auf die Datenbackbones NB1 und NB2 gegeben ist. Der Datenbus CB koppelt dabei
mit entsprechenden Routern/Switches SW an dem jeweiligen Datenbackbone NB1, NB2 an.
[0019] Figur 2 zeigt nun schematisch die daten- und energieversorungstechnische Anschaltung
der Element Controller Unit E einer Zugbeeinflussungskomponente, hier zum Beispiel
eine Weiche W, an den Datenbus CB und den Energiebus EB. Ein derartiger Anschaltpunkt
umfasst eine Netzknoteneinheit SND, eine Kommunikationseinheit SCU und den eigentlichen
Element Controller EC. Die Kommunikationseinheit SCU wird für den Datenaustausch über
beide Äste des Datenbusses CB verwendet. Energieseitig ist die Netzknoteneinheit SND
so ausgestaltet, dass sie an beiden Ästen des Energiebusses EB ankoppelt. Die Netzknoteneinheit
SND steuert und überwacht den Energiebus EB, detektiert Stromüberschreitungen innerhalb
des Energiebusses EB und beim angeschlossenen Verbraucher (SPU mit EC). In redundanter
Weise wird sie immer von zwei Seiten her mit elektrischer Energie versorgt und verfügt
daher in einem Schaltmodul S über einen linken Schalter S1 und einen rechten Schalter
S2 sowie über einen Lastschalter S3 zur Versorgungseinheit SPU des Element Controllers
EC. Das Schaltmodul S umfasst im vorliegenden Ausführungsbeispiel auch eine Steuer-
und/oder Auswertelogik SL, die beispielsweise zur Messung der Spannungen und/oder
Ströme an den Eingängen des Energiebusses EB in der Netzknoteneinheit SND eingesetzt
wird.
[0020] Die Netzknoteneinheit SND versorgt auch die Kommunikationseinheit SCU mit Spannung
und kann mit dieser auch über eine Ethernet-Verbindung Daten austauschen und ist damit
in den Datenbus CB eingebunden (z.B. zum Aktivieren des Handbetriebs des SND über
Fernzugriff und Betätigen der Schalter S1 bis S3, zur Abgabe von Diagnosedaten an
das Stellwerk oder an ein übergeordnetes Service- und Diagnosesytem, Abfrage der aktuellen
Spannungen, Ströme, Energie- und Leistungswerte, Parametrierung des SND, zur Abgabe
und/oder Empfang von Daten für die Aufladung/das Energiemanagement eines hier nicht
weiter dargestellten Energiespeichers oder für die Anmeldung eines zukünftigen Leistungsbedarfs).
In die Netzknoteneinheit SND ist hier über den Schalter S3 die Versorgungseinheit
SPU integriert, die die Spannung des Energiebusses EB auf die für den Element Controller
EC erforderliche Eingangsspannung konvertiert. Zudem ist eine Datenverbindung zwischen
dem Schaltmodul S der Netzknoteneinheit SND und der Versorgungseinheit SPU, z.B. in
Form einer serielle RS 422, vorgesehen. Energietechnisch typisch ist hier zum Beispiel
eine dreiphasige Verbindung mit 400 VAC. Der Element Controller EC steuert und versorgt
in Figur 2 vorliegend die Weiche W. Dabei empfängt der Element Controller EC Datentelegramme
von einem übergeordneten Stellwerksrechner CPU via einer Ethernet-Verbindung von der
Kommunikationseinheit SCU und gibt über diese Kommunikationseinheit SCU die Rückmeldungen
an den Stellwerksrechner CPU. Der Stellwerksrechner CPU repräsentiert hier auch ein
entsprechendes Auswertemodul, dass die empfangenen Daten bestimmungsgemäss auswertet.
[0021] Diese vorstehend beschriebenen Ausgestaltungsformen gelten so für ein System SYS
neuester Bauart, bei der die dezentralen Funktionseinheiten nicht mehr stellwerkseitig
auf die Strom- und Leistungsaufnahme überwacht werden. Vielmehr geschieht dies nun
auf den Netzknoteneinheiten SND selbst. Sämtlicher Austausch der Ergebnisse zur Überprüfung
des Strom- und Spannungsverlaufs bei der Ausübung der bestimmungsgemässen Funktion
erfolgt über den Datenbus CB. Es ist dabei leicht ersichtlich, dass der pro Funktionseinheit
zu treibende Aufwand für die aus dem Stellwerk heraus ins Feld verlagerten Überwachungsaufgaben
vergleichsweise gross ist.
[0022] Um nun eine Vielzahl von dezentralen Funktionselementen (anlagetechnischen Komponenten)
elektrisch hinsichtlich des Strom- und Spannungsverlaufs überwachen zu können, schlägt
die vorliegende Erfindung ein gegenüber den System SYS vergleichsweise einfacheres
Verfahren vor. Dieses Verfahren ist auch dann zweckmässig, wenn hinsichtlich der Überwachungs-
und Steuerungslösungen die heute standardmässig eingesetzte Stellwerktechnologie mit
herkömmlichen Relaisstellwerken und/oder elektronischen Stellwerken verwendet wird.
[0023] Das Verfahren sieht es nun vor, dass - wie in Figur 3 gezeigt - mehrere elektrische
Verbraucher (=anlagentechnische Komponenten) V1 bis Vn an einer Versorgungsleitung
L angeschlossen sind. Die Versorgungsleitung L selbst ist an einer Stromversorgungseinheit
PS angeschlossen und bezieht von dort die für die Verbraucher V1 bis Vn erforderliche
elektrische Leistung. In die Versorgungsleitung L sind ein Amperemeter 2 und ein Voltmeter
4 geschaltet, die den Strom- und Spannungsverlauf messen und an eine Diagnoseeinrichtung
6 übertragen. Dabei sind das Amperemeter 2 und das Voltmeter 4 so in die Versorgungsleitung
L eingeschaltet, dass der zwischen einer Stromversorgungseinheit PS und den nächst
zur Stromversorgungseinheit PS angeschlossenen Verbrauchern V1 bis Vn fliessende Strom
I und die Spannung U gemessen werden.
[0024] Die Diagnoseeinheit 6 wertet die von dem Amperemeter 2 und Voltmeter 4 gelieferten
Strom- und Spannungswerte aus, indem diese tatsächlichen Verbrauchswert mit für die
Verbraucher V1 bis Vn im ungestörten Zustand bei Ausübung der bestimmungsgemässen
Funktion aufgenommenen Strom- und Spannungssignatur verglichen werden. Wird dabei
eine vorbestimmte Abweichung erreicht, wird ein Diagnosesignal an eine Wartungsstelle
8 und/oder eine Wartungsperson abgesetzt. Auf diese Weise können mit diesem Verfahren
mit geringem Aufwand ganze Versorgungsbereiche mit einer Vielzahl von darin angeordneten
Verbrauchern V1 bis Vn überwacht werden. Dieses Verfahren erfordert daher weder an
den einzelnen Verbrauchern angeordnete Diagnosemittel noch eine Punkt-zu-Punkt-Verdrahtung
vom Stellwerk zu den Verbrauchern V1 bis Vn. Es können dabei grundsätzlich alle Arten
von elektrischen Verbrauchern mit der Diagnoseeinheit 6 überwacht werden, wenn sich
für diese jeweils ein charakteristische Muster der Verbrauchswerte von Spannung und
Strom (Strom- und Spannungssignatur) ermitteln lässt. Das Diagnoseverfahren besteht
daher im Wesentlichen, ausgehend von den bekannten Mustern der Strom- und Spannungsverläufe
diejenigen Verbraucher zu identifizieren, deren aktuelle Messwerte für den Strom und
die Spannung in ihrer Ausprägung von der für den Normalbetrieb aufgezeichneten Ausprägung
abweichen.
[0025] Durch die zentrale Anordnung der Diagnoseeinheit 6 in einer derartigen Stromversorgungsinfrastruktur
kann es auch erforderlich sein, weitere Möglichkeiten zur Lokalisierung von entdeckten
fehlerhaften Verbrauchern zu schaffen. Diese Lokalisierung kann beispielsweise auch
durch die schrittweise gezielte Betätigung oder Isolation von einzelnen Verbrauchern
oder Verbrauchergruppen erfolgen (siehe hierzu die angedeuteten Schalter in Figur
3). Durch die Beobachtung der sich durch diese Betätigung oder Isolation verändernden
Strom- und Spannungsverläufe und damit der daraus abgeleiteten Diagnoseergebnisse
ist es möglich, auf einen von einer Störung betroffenen Verbraucher schliessen zu
können. Weiter können auch bei der Inbetriebnahme durch die Diagnoseeinheit 6 die
Signaturen für den Strom- und Spannungsverlauf aufgenommen werden, die sich so den
einzelnen Verbrauchern V1 bis Vn zuordnen lassen. Im Verlauf des Betriebs kann die
Diagnoseeinheit 6 die Veränderungen in den aktuellen Strom- und Spannungsverläufen
verfolgen und bei der Überschreitung von Grenzwerten den betroffenen Verbraucher eindeutig
als schadhaft identifizieren.
1. Verfahren zur Diagnose von räumlich verteilt angeordneten anlagentechnischen Komponenten
(V1 bis Vn), insbesondere Komponenten der Zugsicherung und Zugbeeinflussung, die zur
Erfüllung ihrer bestimmungsgemässen Aufgabe elektrischen Strom (I) verbrauchen; umfassend
die folgenden Verfahrensschritte:
a) Anschliessen von einer Vielzahl von anlagentechnischen Komponenten (V1 bis Vn)
an eine elektrische Stromversorgungsleitung (L);
b) Anschliessen eines Messwandlers für Spannung (4) und Strom (2) an die Versorgungsleitung
(L) zwischen einer Versorgungsquelle (PS) und einer nächst zur Versorgungsquelle (PS)
angeschlossenen anlagentechnischen Komponente (V2, V3);
c) Auswerten der von dem Messwandler (2, 4) gelieferten Strom- und Spannungswerte
durch Vergleich des in einem Messintervall aufgenommenen Strom- und Spannungsverlaufs
mit für die anlagentechnischen Komponenten (V1 bis Vn) im ungestörten Zustand bei
Ausübung der bestimmungsgemässen Funktion aufgenommenen Strom- und Spannungssignatur;
und
d) bei Erreichen einer vorbestimmten Abweichung ein Diagnosesignal abgesetzt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die an der Versorgungsleitung (L) angeschlossenen anlagentechnischen Komponenten (V1
bis Vn) schrittweise oder gezielt einzeln oder in Gruppen zusammengefasst betätigt
werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
bei der Inbetriebnahme von einer anlagentechnischen Komponente (V1 bis Vn) die Strom-
und Spannungssignatur aufgezeichnet wird, die der jeweiligen anlagentechnischen Komponente
zugeordnet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
die an der Versorgungsleitung (L) angeschlossenen anlagentechnischen Komponenten (V1
bis Vn) schrittweise oder gezielt einzeln oder in Gruppen zusammengefasst von der
Versorgungsleitung (L) isoliert werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Auswerten der von dem Messwandler (2, 4) gelieferten Strom- und Spannungswerte
in einem vorgebbaren Frequenzband ausgeführt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
als anlagentechnische Komponenten (V1 bis Vn) eisenbahngleisseitig angeordnete elektronischen
Einheiten verwendet werden, wobei mit den eisenbahngleisseitig angeordneten Komponenten
Komponenten der Zugsicherung und/oder der Zugbeeinflussung, wie Signale, Balisen,
Gleismagnete, Gleisstromkreise, Achszähler, Weichen, Linienleiter, Bahnschranken und
dergleichen, angesteuert und/oder spannungsversorgt werden.