[0001] Die Erfindung betrifft einen Mehrkammer-Folienbeutel für ein anorganisches Mehrkomponenten-Schaumsystem
und die Verwendung des Mehrkammer-Folienbeutels zur Verpackung und/oder Verarbeitung
eines anorganischen Mehrkomponenten-Schaumsystems. Ferner betrifft die Erfindung die
Verwendung des Mehrkammerfolienbeutels in einem Verfahren zur Herstellung eines Ortsschaums,
insbesondere eines anorganischen Brandschutzschaums.
[0002] Zum schnellen Schließen von Öffnungen, wie beispielsweise Brandschutzdurchführungen
im Baubereich, wird ein reaktives Material aus zwei Komponenten vor Ort gemischt und
in die Öffnung eingebracht. Das reaktive Material soll bis zur Aushärtung standfest
sein, damit es nicht wieder aus der Öffnung herausfließt.
[0003] Bei Zweikomponenten-Flüssigharzen wie Polyurethan oder Epoxidharzen wird die Standfestigkeit
durch eine entsprechende Einstellung der Viskosität des Materials erreicht. Die reaktiven
Komponenten werden getrennt in Zweikomponenten-Kartuschen vorgelegt und mit einem
Statikmischer gemischt. Für Mischungen aus Pulverkomponenten und Flüssigkeiten sind
Statikmischer jedoch nicht geeignet, weil in der Pulverkomponente eine Brückenbildung
auftritt, die eine Vermischung im Statikmischer durch Druck verhindert.
[0004] Aus Pulver und Flüssigkeiten bestehende Massen werden daher in einem offenen Gefäß
mit Hilfe von Rührstäben oder anderen Mischhilfsmitteln mechanisch miteinander vermengt.
Die gemischte Masse kann dann manuell in die zu füllende Öffnung eingebracht und/oder
in die gewünschte Form gebracht werden, oder in weitere Applikationshilfsmittel wie
beispielsweise Teigpressen gefüllt und in die Öffnung eingebracht werden.
[0005] Falls das Pulver in einem geschlossenen Behältnis mit der Flüssigkeit gemischt werden
soll, werden weitere Hilfsmittel wie beispielsweise Kugeln in einem zum Teil mit Luft
gefüllten Raum benötigt. Zum Entleeren des Behälters ist eine im Wesentlichen flüssige
Konsistenz der Mischung erforderlich.
[0006] Bekannt sind ferner flüssige Zweikomponenten-Vergussharze, die in einen Zweikammer-Folienbeutel
mit Klemmverschluss eingebracht sind. Hier wird das Vergussharz nach dem Entfernen
des Klemmverschlusses händisch vermischt und anschließend beispielsweise in Kabelschuhe
gegossen.
[0007] Mehrkomponenten-Systeme zur Herstellung von Gipsschäumen und/oder Zement-Schäumen
durch Mischen in offenen Gefäßen sind beispielsweise aus der
EP 2 045 227 A bekannt. Diese Druckschrift beschreibt eine hydraulisch abbindende Zusammensetzung
zur Herstellung von anorganischen Brandschutz- oder Isolier-Ortsschäumen mit einem
pH-neutralen oder alkalischen hydraulischen Bindemittel und einer Schäumungskomponente
sowie einem Schaumstabilisator, wobei die Schäumungskomponente Sauerstoff oder Kohlendioxid
freisetzt. Die bekannten anorganischen Brandschutzsysteme können jedoch nur schwer
in Öffnungen eingebracht werden und sind häufig nur als Vergussmasse mit aufwendigen
Schalungsvorrichtungen anwendbar.
[0008] Eine einfache und kostengünstige Verpackung zum schnellen Vermischen der pulverförmigen
und flüssigen Komponenten für einen anorganischen Schaum auf Basis von Gips oder Mörtel
in einem geschlossenen Behälter ist nicht bekannt. Daher sind derartige anorganische
Schaumsysteme trotz eines relativ geringen Materialpreises bisher nicht marktüblich.
[0009] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine einfache, anwenderfreundliche und
kostengünstige Anwendungsform und Verpackung zum schnellen Mischen von Pulver und
Flüssigkeiten in einem geschlossenen Behälter bereitzustellen, insbesondere für einen
anorganischen Schaum auf Basis von Gips oder Mörteln für Brandschutzanwendungen. Die
Anwendungsform soll das Mischen der Komponenten ohne aufwendige Werkzeuge gestatten
und das Einbringen des Schaumsystems auch in enge und/oder schwer zugängliche Öffnungen
ermöglichen.
[0010] Gelöst wird diese Aufgabe durch einen Mehrkammer-Folienbeutel gemäß Anspruch 1. Gegenstand
der Erfindung ist ferner die Verwendung des Mehrkammer-Folienbeutels gemäß Anspruch
10 zur Verpackung und/oder Verarbeitung eines anorganischen Mehrkomponenten-Schaumsystems,
sowie ein Verfahren zur Herstellung eines Ortsschaums aus einem anorganischen Mehrkomponenten-Schaumsystem
unter Verwendung des erfindungsgemäßen Mehrkammer-Folienbeutels mit den Merkmalen
des Anspruchs 11.
[0011] Vorteilhafte und zweckmäßige Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens und
des erfindungsgemäßen Folienbeutels sind in den zugehörigen Unteransprüchen angegeben,
die wahlweise miteinander kombiniert werden können.
[0012] Die Erfindung stellt einen Mehrkammer-Folienbeutel für ein anorganisches Mehrkomponenten-Schaumsystem
bereit, mit wenigstens zwei flüssigkeitsdicht voneinander getrennten Kammern, wobei
eine der Kammern mit einer pulverförmigen anorganischen Komponente, wahlweise auf
Basis von Gips oder Zementmörtel, und eine andere Kammer mit einer, wahlweise für
die anorganische Komponente reaktiven, pulverförmigen Schäumungskomponente gefüllt
ist, und mit einem Trennelement, das die Kammern in einem ersten Zustand flüssigkeitsdicht
voneinander trennt und in einem zweiten Zustand eine Strömungsverbindung zwischen
den Kammern bereitstellen kann, wobei wenigstens eine der Kammern einen Öffnungsabschnitt
aufweist, der zum Austragen des Schaumsystems geöffnet werden kann, und wobei die
den Öffnungsabschnitt aufweisende Kammer ein voreingestelltes Restvolumen zur Aufnahme
einer Flüssigkeit aufweist.
[0013] Der erfindungsgemäße Mehrkammer-Folienbeutel ermöglicht es, ein Foliengebinde mit
festen, durch die Verpackung vorgegebene Mengen der reaktiven Komponenten für das
in Pulverform vorliegende anorganische Schaumsystem bereitzustellen. Damit kann eine
Fehldosierung durch den Anwender sicher vermieden werden und die Mischung steht zur
sofortigen Anwendung bereit. Besonders vorteilhaft ist, dass eine zur Herstellung
des Schaums notwendige Flüssigkeit, üblicherweise Wasser, erst bei Gebrauch vor Ort
in den Folienbeutel eingebracht wird und somit Transportgewicht und Transportvolumen
eingespart werden. Durch das vorgegebene Füllvolumen ist eine genaue Dosierung der
Flüssigkeit ohne Messinstrumente möglich. Das Trennelement des Mehrkammer-Folienbeutels
kann ohne Werkzeug einfach geöffnet werden. Durch einfaches Kneten der Komponenten
können gute Mischungsergebnisse erzielt werden. Zum Austragen des Schaumsystems werden
keine Misch- und Auspresswerkzeuge benötigt. Es bleibt dennoch möglich, den erfindungsgemäßen
Folienbeutel zum Austragen von Restmengen mit einem bekannten Foliendispenser für
Einkomponentenmassen zu verwenden.
[0014] Der in wenigstens einer der Kammern vorgesehene Öffnungsabschnitt für das Austragen
des Schaumsystems kann als spitz zulaufender Auslass, zum Beispiel als eine Düsenspitze
ausgebildet sein und somit eine Dosierung des Schaumsystems in enge und schwer zugängliche
Öffnungen ermöglichen. Weiterhin kann das Schaumsystem nach dem Vermischen der Komponenten
im Folienbeutel bereits in standfester pastöser Konsistenz vorliegen, um das Herausfließen
der Masse aus den zu verfüllenden Öffnungen zu verhindern.
[0015] Mit der Erfindung wird ferner eine kostengünstige und platzsparende Folienverpackung
bereitgestellt. Während des Mischens der gegebenenfalls reaktiven Komponenten in dem
Folienbeutel kann keine Staubentwicklung aus der pulverförmigen Komponente auftreten.
Ein Kontakt des Anwenders mit den reaktiven Schaumkomponenten während des Mischens
ist ausgeschlossen, so dass eine Gesundheitsgefährdung durch reaktive Komponenten
vermieden wird. Schließlich ist auch keine Reinigung von Mischwerkzeugen und Behältern
nötig, da das Vermischen der Komponenten innerhalb der Folienverpackung erfolgt.
[0016] Obwohl die Erfindung im Folgenden anhand eines Zweikomponenten-Schaumsystems beschrieben
wird, sind auch Mehrkomponenten-Systeme von der Erfindung umfasst und mit geringem
Aufwand zu verwirklichen, die mehr als zwei, gegebenenfalls reaktive Komponenten aufweisen,
welche in dem Folienbeutel in mehr als zwei durch Trennelemente voneinander getrennten
Kammern eingebracht sind.
[0017] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Mehrkomponenten-Schaumsystem ein
Zweikomponenten-Schaumsystem eines anorganischen Brandschutzschaums oder Isolierschaums
mit wenigstens einem hydraulischen Bindemittel, wenigstens einem Schäumungssystem
sowie wahlweise einem Schaumstabilisator. Als hydraulisches Bindemittel können Zement,
insbesondere Portlandzement, Trass, Puzzolane, hydraulische Kalke und Gips oder deren
Mischungen verwendet werden. Das Schäumungssystem kann beispielsweise aus einem Alkali-
oder Erdalkalicarbonat oder -hydrogencarbonat als Pulverkomponente und einer pulverförmigen
Säure als Schäumungskomponente gebildet sein. Mit einer pulverförmigen Säure ist eine
chemische Verbindung gemeint, die in Wasser gelöst eine saure Reaktion hervorruft,
beispielsweise Zitronensäure oder wasserlösliche Salze einer schwachen Base und einer
starken Säure.
[0018] Das Schäumungssystem kann alternativ oder zusätzlich einen Sauerstoffträger und einen
Katalysator umfassen. Als Sauerstoffträger der Schäumungskomponente können pulverförmige
Peroxide oder Percarbonate, insbesondere Natriumpercarbonat dienen. Zur katalytischen
Zersetzung Percarbonaten geeignete pulverförmige Verbindungen, beispielsweise in Form
von Metallsalzen sind bekannt. Bevorzugt kann der Katalysator Braunstein MnO
2 in Pulverform umfassen.
[0019] Wenigstens eine der Kammern des erfindungsgemäßen Mehrkammer-Folienbeutels weist
einen Öffnungsabschnitt auf, der zum Auffüllen der Kammer mit einer Flüssigkeit und
anschließendem Austragen des Schaumsystems geöffnet werden kann. Die den Öffnungsabschnitt
aufweisende Kammer weist hierfür ein voreingestelltes Restvolumen zur Aufnahme der
Flüssigkeit auf, sodass die anorganische pulverförmige Komponente, die Schäumungskomponente
und die Flüssigkeit nach dem Vermischen einen gebrauchsfertigen Schaum ergeben. Die
Bestimmung der hierzu erforderlichen Mengen der Komponenten und der Flüssigkeit sind
dem Fachmann allgemein bekannt. Vorzugsweise ist die Flüssigkeit Wasser.
[0020] Mit Restvolumen ist das nach Einfüllen einer der Komponenten in die den Öffnungsabschnitt
aufweisenden Kammer verbleibende Volumen der Kammer gemeint. Die Voreinstellung kann
einerseits dadurch erfolgen, dass das nach Einfüllen der Pulverkomponente verbleibende
Volumen der Kammer genau der zur Herstellung eines gebrauchsfertigen Schaums benötigten
Menge der Flüssigkeit entspricht. Die Voreinstellung kann jedoch auch durch eine auf
der Kammer vorgesehenen Markierung erfolgen. In diesem Fall ist die Kammer auch nach
dem Einfüllen der Flüssigkeit nicht vollständig gefüllt. In beiden Fällen kann die
Flüssigkeit jedoch ohne zusätzliche Messinstrumente genau dosiert werden. Gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform liegt die Schäumungskomponente in der den Öffnungsabschnitt
aufweisenden Kammer vor.
[0021] Das Trennelement kann als Peelnaht oder als Klemmelement ausgebildet sein. Die Peelnaht
kann durch Heißsiegeln oder Verschweißen der einander gegenüberliegenden Folienwände
des Folienbeutels in einem Randbereich einer Kammer erfolgen, so dass diese Kammer
von der angrenzenden Kammer des Folienbeutels flüssigkeitsdicht abgetrennt wird. Durch
Auswahl des Folienmaterials und/oder von geeigneten Folienbeschichtungen lässt sich
die Reißfestigkeit der Peelnaht so einstellen, dass durch Druck auf eine der Kammern
ein Aufreißen der Peelnaht erfolgt und eine Strömungsverbindung zwischen den Kammern
bereitgestellt wird.
[0022] Gemäß einer weiteren Ausführungsform kann das Trennelement als Klemmnaht ausgebildet
sein. Die Klemmnaht kann nach Art einer Lippenverschlusstasche oder Zipperverbindung
mit zwei ineinander eingreifenden Klemmleisten gebildet sein. Möglich ist auch das
Anbringen einer Klemmschiene an dem Folienbeutel von außen, wobei der Folienbeutel
mit einer Flachseite auf die mit einem Längsschlitz versehene Klemmschiene aufgelegt
und dann mit einem flexiblen oder stabförmigen Klemmstreifen von der anderen Flachseite
des Folienbeutels aus in den Längsschlitz eingedrückt wird. Dadurch werden die einander
gegenüberliegenden Folienwände des Folienbeutels zusammengepresst und es entsteht
eine flüssigkeitsdichte Trennung der an den Klemmverschluss angrenzenden Kammern im
Folienbeutel.
[0023] Die Klemmschiene und/oder der Klemmstreifen können als lose Teile bereitgestellt
werden. Dadurch ist eine flexible Einteilung der Kammern im Folienbeutel möglich.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform ist die Klemmschiene und/oder der Klemmstreifen
bereits an der Außenwand des Folienbeutels befestigt, beispielsweise durch Verkleben
oder Verschweißen.
[0024] Besonders bevorzugt kann das Trennelement mit Zwangsmischverbindungen versehen sein,
die eine schnellere und homogenere Vermischung der anorganischen Pulverkomponente
mit der bei Gebrauch in der Flüssigkeit gelösten Schäumungskomponente ermöglichen.
Insbesondere können im Bereich des Trennelements feste Stege zwischen den einander
gegenüberliegenden Folien des Folienbeutels vorgesehen sein, oder es können Schweißnähte
vorgesehen sein, die beim Druck auf eine der Kammern bestehen bleiben und nicht aufreißen.
[0025] Der Mehrkammerfolienbeutel kann als Standbodenbeutel, als Flachbeutel oder auch als
Schlauchbeutel gebildet sein. Die Herstellung dieser Systeme unter Einhaltung festgelegter
Volumina der Kammern, insbesondere der den Öffnungsabschnitt aufweisenden Kammer,
ist dem Fachmann grundsätzlich bekannt. Standbodenbeutel werden üblicherweise mit
einer W-Falte im Bodenbereich ausgestattet, die sich beim Füllen der Kammer im Bodenbereich
ausdehnt und einen festen Stand des Folienbeutels gewährleistet. Flachbeutel werden
üblicherweise durch Aufeinanderlegen zweier Kunststofffolien und randumlaufendes Verschweißen
der Folien gebildet. Schlauchbeutel entstehen durch Spritzen der Kunststofffolien
aus Runddüsen unter Bildung eines Folienschlauchs und bodenseitiges Verschweißen der
Schlauchenden oder Verklemmen der Schlauchenden mit einem Metall- oder Kunststoffbügel.
Vorzugsweise ist der Mehrkammerfolienbeutel als Flachbeutel mit randumlaufender Schweißnaht
ausgebildet.
[0026] Gemäß einer weiteren Ausführungsform des Mehrkammer-Folienbeutels ist der Öffnungsabschnitt
zum Austragen des Schaumsystems mit einem in den Folienbeutel eingeschweißten Schraubverschluss
versehen. Ein Schraubverschluss erlaubt das Anbringen handelsüblicher Kartuschendüsen
oder Düsenspitzen, mit denen das Schaumsystem je nach dem gewünschten Anwendungszweck
am Applikationsort aus dem Folienbeutel ausgetragen werden kann.
[0027] Gemäß einer weiteren Ausführungsform kann der Öffnungsabschnitt zum Austragen des
Schaumsystems durch eine in den Folienbeutel eingeschweißte, bevorzugt konisch oder
spitz zulaufenden Düsenspitze oder Kunststofftülle gebildet sein. Bei Bedarf kann
die Düsenspitze oder Tülle auch durch Aufstecken einer weiteren Kunststoffspitze verlängert
werden. Vorzugsweise ist die Düsenspitze oder Kunststofftülle an ihrem freien Ende
verschlossen und wird am Applikationsort je nach der gewünschten Größe der Düsenöffnung
aufgeschnitten oder kann an einer vorgesehenen Schwächungszone, wie einer Einreißkerbe
oder einer ringförmigen Sollbruchstelle, abgebrochen werden. Hierdurch wird keine
Schere oder Messer benötigt. Die Verfüllung von bauseitigen Öffnungen ist so schnell,
einfach und kostengünstig möglich.
[0028] Besonders bevorzugt ist der Öffnungsabschnitt zum Austragen des Schaumsystems durch
eine an den Folienbeutel einstückig angeformte Tülle gebildet. Die Tülle kann rohrförmig
sein oder zu ihrem der Kammer entgegengesetzten freien Ende hin konisch oder spitz
zulaufen. Besonders bevorzugt ist die Tülle an ihrem freien Ende mit einer Schwächungszone
wie beispielsweise einer Reißnaht versehen, die ein Aufreißen der Tülle ohne Werkzeug
ermöglicht. Auf diese Weise können auch schwer zugängliche Öffnungen schnell, einfach
und kostengünstig mit dem Schaumsystem verfüllt werden. Gegenstand der Erfindung ist
somit auch eine Verwendung des Mehrkammer-Folienbeutels zur Verpackung und/oder Verarbeitung
eines anorganischen Mehrkomponenten-Schaumsystems.
[0029] Unter Verwendung des erfindungsgemäßen Mehrkammer-Folienbeutels kann ein Ortsschaum
aus einem anorganischen Mehrkomponenten-Schaumsystem hergestellt werden, wobei eine
der Kammern des Mehrkammer-Folienbeutels mit einer pulverförmigen anorganischen Komponente
und eine andere Kammer mit einer pulverförmigen Schäumungskomponente gefüllt wird,
wobei die Kammern in einem ersten Lagerzustand durch ein Trennelement flüssigkeitsdicht
voneinander getrennt sind, und wobei in einem zweiten Gebrauchszustand durch Öffnen
des Trennelements eine Strömungsverbindung zwischen den Kammern bereitgestellt werden
kann, wobei der Öffnungsabschnitt vor Öffnen des Trennelements vorübergehend geöffnet
und das voreingestellte Restvolumen der den Öffnungsabschnitt aufweisenden Kammer
mit einer Flüssigkeit aufgefüllt wird. Zur Bildung des Schaums wird durch Öffnen des
Trennelements eine Strömungsverbindung zwischen den Kammern bereitgestellt und die
Komponenten und die Flüssigkeit gemischt. Der gebildete Schaum wird nach dem Vermischen
der Komponenten und des Wassers aus dem Öffnungsabschnitt ausgetragen und in eine
zu füllende Öffnung eingebracht.
[0030] Das anorganische Mehrkomponenten-Schaumsystem ist vorzugsweise ein Zweikomponenten-Schaumsystem,
und besonders bevorzugt ein Brandschutzschaum. Bevorzugt erfolgt das Vermischen der
anorganischen Pulverkomponente mit der pulverförmigen Schäumungskomponente und der
Flüssigkeit, im Gebrauchszustand durch manuelles Kneten der Masse im vorübergehend
verschlossenen Folienbeutel.
[0031] Zum Dispergieren der anorganischen Pulverkomponente oder der Schäumungskomponente
in dem Lösungsmittel kann der Öffungsabschnitt vor dem Öffnen des Trennelements wieder
verschlossen werden. Die Ausdehnung des während des Vermischens aus dem Schaumsystem
gebildeten Schaums kann dadurch berücksichtigt werden, dass nicht das gesamte Kammervolumen
mit der anorganischen Pulverkomponente oder der Schäumungskomponente gefüllt wird.
Damit steht ein hinreichendes Ausgleichsvolumen im Folienbeutel zur Verfügung, bis
die Mischung vollständig ist und der Öffnungsabschnitt wieder geöffnet werden kann.
[0032] Der aus dem Schaumsystem gebildete Schaum kann anschließend durch Druck auf das dem
Öffnungsabschnitt entgegengesetzte Ende des Folienbeutels aus dem Öffnungsabschnitt
ausgetragen und in die zu verfüllende Öffnung eingebracht werden. Die Verwendung von
Düsenspitzen mit einer spitz zulaufenden Auspressöffnung und einem vorgegebenen Öffnungsquerschnitt
ermöglicht ein gezieltes Einbringen des Schaumsystems auch in enge Spalte mit schlechter
Zugänglichkeit. Die Düsenspitzen können mit Schwächungszonen versehen sein, so dass
zum Öffnen der Auspressspitzen keine Schere oder kein Messer benötigt wird. Die bauseitigen
Öffnungen können somit schnell, einfach und kostengünstig mit dem Schaumsystem ausgefüllt
werden.
[0033] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
und aus den nachfolgenden Zeichnungen, auf die Bezug genommen wird. In den Zeichnungen
zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung des erfindungsgemäßen Folienbeutels gemäß einer ersten
Ausführungsform;
- Figur 2
- eine schematische Darstellung des erfindungsgemäßen Folienbeutels gemäß einer weiteren
Ausführungsform.
[0034] Der in Figur 1 dargestellte Mehrkammer-Folienbeutel 10 ist als Flachbeutel mit umlaufender
Schweißnaht 12 und einem Öffnungsabschnitt 14 in Form einer einstückig an den Folienbeutel
angeformten Tülle zum Austragen des Schaumsystems ausgebildet. Der Beutel 10 weist
zwei Kammern 16, 18 auf, wobei die Kammer 16 eine feste anorganische Pulverkomponente
20 und die andere Kammer 18 eine pulverförmige Schäumungskomponente 22 enthält. Die
Kammern 16, 18 werden von der randumlaufenden Schweißnaht 12 und einem Trennelement
24, hier als heißgesiegelte Peelnaht dargestellt, begrenzt. Die Peelnaht stellt eine
im Lagerzustand des Folienbeutels flüssigkeitsdichte Trennung der Kammern 16, 18 bereit.
Ebenfalls gezeigt ist die zum vereinfachten Öffnen des Beutels ausgebildete Reißnaht
26 an der Tülle 14. Diese kann vorteilhafterweise durch eine Einkerbung ergänzt oder
ersetzt werden.
[0035] Der in Figur 2 dargestellte Mehrkammer-Folienbeutel 10 ist ebenfalls als Flachbeutel
mit umlaufender Schweißnaht 12 und einem Öffnungsabschnitt 14 in Form einer einstückig
an den Folienbeutel angeformten Tülle zum Austragen des Schaumsystems ausgebildet.
Der Beutel 10 weist zwei Kammern 16, 18 auf, wobei die eine Kammer 16 die feste anorganische
Pulverkomponente 20 und die andere Kammer 18 die pulverförmige Schäumungskomponente
22 enthält. Die Kammern 16, 18 werden von der randumlaufenden Schweißnaht 12 und einem
Trennelement 24, hier als Klemmschiene 28 mit Klemmleiste 30 dargestellt, begrenzt.
Zur flüssigkeitsdichten Trennung der Kammern 16, 18 wird die Klemmschiene 28 auf eine
Flachseite des Folienbeutels 10 aufgelegt und dann der Klemmstreifen 30 von der anderen
Flachseite des Folienbeutels 10 aus einen in der Klemmschiene gebildeten Längsschlitz
eingedrückt. Dadurch werden die einander gegenüber liegenden Folienwände des Folienbeutels
10 im Lagerzustand zusammengepresst.
[0036] Im Bereich des Klemmelements 24 sind weiter Zwangsmischverbindungen 32 in Form von
unterbrochenen Schweißnähten vorgesehen, die nach dem Öffnen des Öffnungsabschnitts
14, Auffüllen der Kammer 18 durch die gebildete Öffnung mit einer Flüssigkeit, vorzugsweise
Wasser, und anschließendem Öffnen des Klemmelements 24 im Gebrauchszustand des Folienbeutels
10 für eine Zwangsmischung der Komponenten in den Kammern 16, 18 sorgen. Ebenfalls
gezeigt ist die zum vereinfachten Öffnen des Beutels an der Tülle 14 ausgebildete
Reißnaht 26. Diese kann vorteilhafterweise durch eine Einkerbung ergänzt oder ersetzt
werden.
[0037] Anstelle der Tülle 14 kann eine in den Folienbeutel eingeschweißte Düsenspitze oder
ein Schraubverschluss vorgesehen sein, auf den eine Kartuschendüse aufgesetzt werden
kann.
[0038] Die Pulverkomponente 20 umfasst in allen Ausführungsformen bevorzugt ein hydraulisch
abbindendes Bindemittel auf Basis von Gips oder Zementmörtel, sowie die festen Bestandteile
des Schäumungssystems wie ein Alkali- oder Erdalkalicarbonat und/oder einen Katalysator
für das Freisetzen von Sauerstoff aus einem Sauerstoffträger. Die Schäumungskomponente
umfasst vorzugsweise eine pulverförmige Säure und/oder Peroxidverbindung.
[0039] Die anorganische Pulverkomponente für einen Brandschutzschaum kann beispielsweise
einen Naturgips, insbesondere Calciumsulfat-Dihydrat und/oder Calciumsulfat-Halbhydrat,
Pentaerythrit, Blähgraphit, Calciumcarbonat, insbesondere gefälltes Calciumcarbonat,
Mangandioxid und Glasfasern umfassen. Die Schäumungskomponente für die anorganische
Pulverkomponente enthält bevorzugt Natriumpercarbonat. Als Dispergier- oder Lösungsmittel
für die Schäumungskomponente wird Wasser verwendet.
[0040] Zur Herstellung eines Ortsschaums aus dem anorganischen Mehrkomponenten-Schaumsystem
20, 22 wird der Öffnungsabschnitt 14 geöffnet und durch die gebildete Öffnung die
bevorzugt die Schäumungskomponente enthaltende Kammer 18 mit einer Flüssigkeit, vorzugsweise
Wasser, aufgefüllt. Der Öffnungsabschnitt wird danach wieder verschlossen. Dies kann
beispielsweise manuell oder durch Verwendung einer Klammer erfolgen.
[0041] Die in der Kammer 18 enthaltene Pulverkomponente kann in der Flüssigkeit dispergiert
oder gelöst werden. Anschließend wird das Trennelement 24 geöffnet und eine Strömungsverbindung
zwischen den Kammern 16, 18 hergestellt. Der Folienbeutel 10 geht damit vom Lagerzustand,
bei dem die Kammern 16, 18 flüssigkeitsdicht getrennt sind, in den Gebrauchszustand
über. Durch manuelles Kneten wird die feste anorganische Pulverkomponente 20 mit der
gelösten Schäumungskomponente 22 unter Bildung eines Schaums bei geschlossenem Öffnungsabschnitt
14 vermischt.
[0042] Nach dem Vermischen wird der Öffnungsabschnitt 14 wieder geöffnet und die aufgeschäumte
Masse durch Druck auf das dem Öffnungsabschnitt 14 entgegengesetzte Ende des Folienbeutels
aus dem Folienbeutel ausgetragen und mithilfe der Tülle am Öffnungsabschnitt 14 direkt
in die zu füllende bauseitige Öffnung eingebracht. Dort kann die Masse nachträglich
in Form gebracht werden und aushärten.
1. Mehrkammer-Folienbeutel (10) für ein anorganisches Mehrkomponenten-Schaumsystem, mit
wenigstens zwei flüssigkeitsdicht voneinander getrennten Kammern (16, 18), wobei eine
der Kammern (16, 18) mit einer pulverförmigen anorganischen Komponente (20), wahlweise
auf Basis von Gips oder Zementmörtel, und eine andere Kammer mit einer, wahlweise
für die Komponente (20) reaktiven, pulverförmigen Schäumungskomponente (22) gefüllt
ist, und mit einem Trennelement (24), das die Kammern (16, 18) in einem ersten Zustand
flüssigkeitsdicht voneinander trennt und in einem zweiten Zustand eine Strömungsverbindung
zwischen den Kammern (16, 18) bereitstellen kann, wobei wenigstens eine der Kammern
(16, 18) einen Öffnungsabschnitt (14) aufweist, der zum Austragen des Schaumsystems
geöffnet werden kann, und wobei die den Öffnungsabschnitt (14) aufweisende Kammer
ein voreingestelltes Restvolumen zur Aufnahme einer Flüssigkeit aufweist.
2. Mehrkammer-Folienbeutel gemäß Anspruch 1, wobei das Mehrkomponenten-Schaumsystem ein
Brandschutzschaum ist.
3. Mehrkammer-Folienbeutel gemäß Anspruch 1 oder 2, wobei das Trennelement (24) eine
Peelnaht oder ein Klemmelement umfasst.
4. Mehrkammer-Folienbeutel gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Trennelement
(24) eine Klemmnaht oder Klemmschiene (28) mit Klemmstreifen (30) aufweist.
5. Mehrkammer-Folienbeutel gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei Zwangsmischverbindungen
(32) im Bereich des Trennelements (24) vorgesehen sind.
6. Mehrkammer-Folienbeutel gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der Folienbeutel
(10) ein Standbeutel, ein Flachbeutel mit randumlaufend verschweißten Kanten, oder
ein Schlauchbeutel ist.
7. Mehrkammer-Folienbeutel gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der Öffnungsabschnitt
(14) einen Schraubverschluss aufweist.
8. Mehrkammer-Folienbeutel gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der Öffnungsabschnitt
(14) eine in den Beutel eingeschweißte Düsenspitze aus Kunststoff umfasst.
9. Mehrkammer-Folienbeutel gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der Öffnungsabschnitt
(14) eine einstückig an den Folienbeutel angeformte Tülle mit Reißnaht aufweist.
10. Verwendung eines Mehrkammer-Folienbeutels gemäß einem der Ansprüche 1 bis 9 zur Verpackung
und/oder Verarbeitung eines anorganischen Mehrkomponenten-Schaumsystems.
11. Verfahren zur Herstellung eines Ortsschaums aus einem anorganischen Mehrkomponenten-Schaumsystem
unter Verwendung eines Mehrkammer-Folienbeutels gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche
1 bis 9, bei dem
eine der Kammern (16, 18) des Mehrkammer-Folienbeutels (10) mit einer pulverförmigen
anorganischen Komponente (20), wahlweise auf Basis von Gips oder Zementmörtel, und
eine andere Kammer (16, 18) mit einer, wahlweise für die Komponente (20) reaktiven,
pulverförmigen Schäumungskomponente (22) gefüllt wird, wobei die Kammern (16, 18)
in einem ersten Lagerzustand durch ein Trennelement (24) flüssigkeitsdicht voneinander
getrennt sind, und wobei in einem zweiten Gebrauchszustand durch Öffnen des Trennelements
(24) eine Strömungsverbindung zwischen den Kammern (16, 18) bereitgestellt werden
kann, der Öffnungsabschnitt (14) geöffnet und das voreingestellte Restvolumen der
den Öffnungsabschnitt aufweisenden Kammer mit einer Flüssigkeit aufgefüllt wird,
anschließend zur Bildung des Schaums durch Öffnen des Trennelements (24) eine Strömungsverbindung
zwischen den Kammern (16. 18) bereitgestellt wird und
die pulverförmigen Komponenten (20, 22) und die Flüssigkeit gemischt werden, wobei
anschließend der gebildete Schaum aus dem Öffnungsabschnitt (14) ausgetragen und in
eine zu füllende Öffnung eingebracht wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Öffnungsabschnitt (14) vor dem Öffnen des Trennelements (24) wieder verschlossen
wird.
13. Verfahren gemäß Anspruch 11 oder 12, wobei das Mischen der Pulverkomponenten (20,
22) und der Flüssigkeit durch manuelles Kneten erfolgt.