[0001] Die Erfindung betrifft eine Kuppelvorrichtung für eine Profiliermaschine zum An-
und Abkuppeln eines Antriebssystems nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1, eine Profiliermaschine
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 11 sowie ein Verfahren zum Ankuppeln eines Antriebssystems.
[0002] Eine Profiliermaschine der vorliegenden Art umfasst eine Mehrzahl von Rollumformwerkzeugen,
die zum sukzessiven Längsumformen eines Metallbands oder Ausgangsprofils in ein Profil
oder Rohr dienen. Zumindest ein Teil dieser Rollumformwerkzeuge ist zu mehreren Werkzeuggruppen
zusammengefasst, die in Arbeitsrichtung hintereinander angeordnet und jeweils in einem
Gerüst gehalten sind. Die Gerüste mit den Werkzeuggruppen bilden Umformstationen,
die vom Metallband oder Ausgangsprofil sukzessive durchlaufen werden.
[0003] Zumindest ein Teil der in einer Umformstation angeordneten Rollumformwerkzeuge sitzt
auf Arbeitswellen, die im Gerüst gelagert sind und seitlich aus dem Gerüst herausführende
Kupplungsgegenstücke aufweisen. An diese Kupplungsgegenstücke wird ein Antriebssystem
angekuppelt, um ein Drehmoment auf die Arbeitswellen aufzubringen und die entsprechenden
Rollumformwerkzeuge anzutreiben.
[0004] Profiliermaschinen sind in der Lage, aus einem Metallband oder einem Ausgangsprofil
quasi endlos Profile oder Rohre unterschiedlichster Querschnittsformen zu fertigen.
Je nach Profilform kommen hierfür eine Vielzahl von Rollumformwerkzeugen zum Einsatz,
die in typischerweise 20 bis 30 in Linie hintereinander angeordneten Umformstationen
gruppenweise zusammengefasst sind. Wenn auf ein und derselben Profiliermaschine nun
eine andere Profilform produziert werden soll, muss dementsprechend eine Vielzahl
von Rollumformwerkzeugen ausgewechselt werden. Um hierfür nicht die Gerüste der einzelnen
Umformstationen in der Maschine demontieren zu müssen, ist bei einer Profiliermaschine,
wie sie aus der
EP 0 365 976 B1 bekannt ist, zwischen den Umformstationen und dem Antriebssystem jeweils ein Kupplungsständer
vorgesehen, der die Arbeitswellen ein- und auskuppeln kann, so dass die Rollformwerkzeuge
mitsamt ihren Arbeitswellen als Baueinheit ausgetauscht werden können, und zwar ohne
das Gerüst gegenüber dem Maschinenuntergestell oder gegenüber einer Gerüst-Trägerplatte
verschieben zu müssen. Ein Austausch der Rollformwerkzeuge ohne anschließende langwierige
Justierarbeiten, insbesondere in zu den Arbeitswellen achsparalleler Richtung, ist
durch das vorherige Abkuppeln des Antriebssystems möglich. Dies spart Zeit beim Umrüsten
einer Profiliermaschine auf eine andere Profilform und vermindert damit nachteilige
Produktionsstillstände.
[0005] Bei der aus der
EP 0 365 976 B1 bekannten Profiliermaschine sind neben den Gerüsten mit den Werkzeuggruppen Kupplungsständer
vorgesehen, die einerseits an die aus den Gerüsten herausführenden Kupplungsgegenstücke
der Arbeitswellen angekuppelt werden und andererseits Anschlüsse für das Antriebssystem
der Profiliermaschine aufweisen. Hierbei werden üblicherweise Gelenkwellen verwendet,
die das Drehmoment vom Antriebssystem auf die Anschlüsse des Kupplungsständers übertragen,
wo es an die angekuppelten Arbeitswellen weitergegeben wird.
[0006] Um bei solchen Profiliermaschinen die Arbeitswellen der Umformstationen vom Antriebssystem
abkuppeln oder an dieses ankuppeln zu können, ist es aus diesem Stand der Technik
bekannt, dass die Kupplungsständer zu den Gerüsten hin oder von diesen weg bewegbar
ausgebildet werden, so dass die Kupplungsgegenstücke der Arbeitswellen und Kupplungselemente
am Kupplungsständer wahlweise in Eingriff kommen oder aus ihrem Eingriff herausgenommen
werden. Normalerweise ist hierzu eine axiale Verschiebung nötig. Zwischen dem Antriebssystem
der Profiliermaschine und den Kupplungsständern erfolgt die Drehmomentübertragung
daher üblicherweise mittels längenveränderlicher Gelenkwellen.
[0007] Um die in der
EP 0 365 976 B1 gestellte Aufgabe zu lösen, Rollumformwerkzeug-Paare in den Umformstationen schnell
und vollautomatisch auswechseln zu können, so dass die Stillstandzeit der Profiliermaschine
auf ein Minimum begrenzt wird und dennoch nacheinander Profile unterschiedlichster
Querschnitte hergestellt werden können, wurde dort vorgeschlagen, seitlich bewegbare
Kupplungsständer gemeinsam von den Umformrollen weg zu verschieben, um die Arbeitswellen
freizugeben. Nach dem Auswechseln derselben werden die Kupplungsständer wieder bis
fast an ihre eingekuppelte Ausgangsstellung an die Umformstationen herangefahren und
die gegebenenfalls veränderte Einbauhöhe der Arbeitswellen ermittelt. Sodann werden
die Kupplungsstücke auf den Kupplungsständern vertikal verfahren, um deren Höhe auf
die Höhe der jeweiligen Arbeitswelle anzupassen. Danach werden die Kupplungsständer
weiter gemeinsam an die Umformstationen herangefahren, um die Kupplungselemente in
Eingriff zu bringen, wodurch der Ankuppelvorgang beendet wird. Hierbei wird entweder
ein Getriebeblock des Antriebssystems mit den Kupplungsständern mitbewegt, oder der
sich verändernde Abstand zwischen den Kupplungsständern und dem Antriebssystem wird
von längenveränderlichen Gelenkwellen ausgeglichen.
[0008] Insbesondere in Erprobungsphasen einer Profiliermaschine ist es nun oft wünschenswert,
einzelne Umformstationen antriebslos zu stellen, was im Stand der Technik allerdings
nur dadurch erzielt werden kann, dass die Kupplungsstücke in den entsprechenden Kupplungsständern
durch Leerhülsen ersetzt werden, die kein Drehmoment auf die Arbeitswellen übertragen.
[0009] Zur Lösung dieses Problems ist in der
EP 2 452 760 B1 vorgeschlagen worden, die Kupplungsständer in jeweils mindestens zwei Kupplungsabschnitte
aufzuteilen, die unabhängig voneinander bewegt werden können. Der eigentliche Kupplungsständer
besteht dann nur noch aus einem Tragelement, das neben dem zugeordneten Gerüst ortsfest
angeordnet ist, und an dem die Kupplungsabschnitte separat bewegbar gehalten sind.
[0010] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe
zugrunde, eine Profiliermaschine und insbesondere deren Kuppelvorrichtung hinsichtlich
ihrer Flexibilität weiter zu verbessern und insbesondere ein Nachrüsten der Kuppelvorrichtung
an Profiliermaschinen zu vereinfachen.
[0011] Gelöst ist diese Aufgabe durch eine Kuppelvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs
1, eine Profiliermaschine mit den Merkmalen des Anspruchs 11 sowie durch ein Verfahren
mit den Merkmalen des Anspruchs 12. Bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung sind
in den Ansprüchen 2 bis 10 niedergelegt.
[0012] Eine erfindungsgemäße Kuppelvorrichtung für eine Profiliermaschine, die eine Mehrzahl
von auf Arbeitswellen angeordneten Rollumformwerkzeugen zum sukzessiven Längsumformen
eines Metallbands oder Ausgangsprofils in ein Profil oder Rohr aufweist und die zum
An- und Abkuppeln eines Antriebssystems an und von zumindest einem Teil der Arbeitswellen
dient, enthält, wie an sich bekannt, mindestens eine längenveränderliche Gelenkwelle
zum Übertragen eines Drehmoments vom Antriebssystem an eine Arbeitswelle, wobei die
Gelenkwelle auf einer Antriebsseite mit dem Antriebssystem torsionssteif verbunden
und auf einer Abtriebsseite mit einem Kupplungselement versehen ist.
[0013] Erfindungsgemäß enthält die Kuppelvorrichtung jedoch keinen Kupplungsständer mehr,
der jeweils einem Gerüst fest zugeordnet ist. Vielmehr kann das Kupplungselement an
der Antriebsseite der Gelenkwelle mittels einer im Wesentlichen axialen Bewegung direkt
mit einem Kupplungsgegenstück an der Arbeitswelle in Eingriff gebracht oder aus diesem
Eingriff herausgenommen werden. Die axiale Bewegung versteht sich hierbei bezüglich
der Achse der jeweiligen Arbeitswelle, an die das Kupplungselement der Gelenkwelle
angekuppelt wird.
[0014] Für das An- und Abkuppeln des Kupplungselements, das an der Abtriebsseite der Gelenkwelle
sitzt, ist die Kuppelvorrichtung erfindungsgemäß mit einer Halterung versehen, die
dem Antriebssystem zugeordnet und an diesem direkt oder indirekt befestigt ist. Diese
Halterung ist mit einer Bewegungsvorrichtung zum axialen Bewegen des Kupplungselements
versehen, wobei das Kupplungselement direkt oder indirekt an dieser Bewegungsvorrichtung
angebracht ist.
[0015] Dadurch, dass die Halterung mit der Bewegungsvorrichtung, die für die An- und Abkuppelbewegung
des Kupplungselements der Gelenkwelle an das und vom Kupplungsgegenstück der Arbeitswelle
sorgt, erfindungsgemäß dem Antriebssystem zugeordnet ist, kann nicht nur der herkömmliche
Kupplungsständer entfallen, was bereits eine konstruktive Vereinfachung der Kuppelvorrichtung
mit sich bringt. Die erfindungsgemäße Lösung ermöglicht es vielmehr auch, Gelenkwellen
einzeln an Arbeitswellen anzukuppeln oder von diesen abzukuppeln. Dies ist zwar nach
dem Stand der Technik gemäß der
EP 2 452 760 B1 ebenfalls möglich, jedoch kann eine erfindungsgemäße Kuppelvorrichtung problemlos
auch bei solchen Profiliermaschinen nachgerüstet werden, die herkömmliche, einteilige
Kupplungsständer oder gar keine Kupplungsständer aufweisen.
[0016] Als weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Lösung, die ohne Kupplungsständer auskommt,
kann die Kuppelvorrichtung beispielsweise an einem Gerüst bzw. einer Umformstation
mit wenigen Handgriffen entfernt werden, um Bauraum für weitere Applikationen wie
zum Beispiel multifunktionale Wechseleinheiten zu gewinnen.
[0017] Die erfindungsgemäße Profiliermaschine zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine erfindungsgemäße
Kuppelvorrichtung aufweist.
[0018] Das Kupplungsgegenstück an der Arbeitswelle und das Kupplungselement an der Abtriebsseite
der Gelenkwelle, die torsionssteif aneinander angekuppelt werden sollen, sind vorzugsweise
einerseits als Kupplungszapfen und andererseits als Kupplungshülse ausgebildet, die
mittels einer Axialbewegung formschlüssig aufeinander steckbar sind, beispielsweise
indem der Kupplungszapfen als Vielkeil ausgebildet ist, der von der Kupplungshülse
formschlüssig aufgenommen wird.
[0019] Im Betrieb einer Profiliermaschine ist es nicht unüblich, zwischen einem Abkuppeln
des Antriebssystems von einer Umformstation und einem Wiederankuppeln die vertikale
Position der anzukuppelnden Arbeitswellen zu verändern. Dies ist insbesondere dann
der Fall, wenn die Rollumformwerkzeuge ausgewechselt worden sind, oder wenn ein anderes
Material profiliert wird. Auch Einricht- und Nachjustierarbeiten führen zu veränderten
vertikalen Positionen der Arbeitswellen.
[0020] Um nun die erfindungsgemäße Kuppelvorrichtung an Arbeitswellen ankuppeln zu können,
deren vertikale Position verändert worden ist, ist es im Rahmen der Erfindung bevorzugt,
wenn die Bewegungsvorrichtung zum axialen Bewegen des Kupplungselements auch für ein
Bewegen des Kupplungselements in mindestens einer zur axialen Richtung orthogonalen
Richtung vorgesehen ist, insbesondere also in vertikaler Richtung.
[0021] Die Bewegungsvorrichtung der erfindungsgemäßen Kuppelvorrichtung weist bevorzugt
zumindest einen Horizontalschlitten und einen Vertikalschlitten auf, um axiale bzw.
horizontale Bewegungen und vertikale Bewegungen durchführen zu können.
[0022] Die Gelenkwellen und die Halterung der erfindungsgemäßen Kuppelvorrichtung sind bevorzugt
lösbar am Antriebssystem befestigt. Dies ermöglicht ein leichtes Entfernen der Halterung
und der Gelenkwellen, um Bauraum für andere Applikationen zu schaffen, ohne das Antriebssystem
bewegen zu müssen.
[0023] Nach einer besonders bevorzugten Weiterbildung der vorliegenden Erfindung wird die
Kupplungshülse mit einem Zentrierelement versehen, das eine Gleitfläche aufweist,
welche zumindest den potentiellen Bewegungsweg des Kupplungselements in der zur axialen
Richtung orthogonalen Richtung überdeckt. Wenn die Kupplungshülse an der Abtriebsseite
der Genlenkwelle angeordnet ist, trägt die Gelenkwelle das Zentrierelement. Wenn umgekehrt
das Kupplungsgegenstück an der Arbeitswelle als Kupplungshülse ausgebildet ist, trägt
dieses das Zentrierelement.
[0024] Aufgrund der erfindungsgemäßen Abmessung der Gleitfläche trifft der Kupplungszapfen
bei einer axialen Ankuppelbewegung der Abtriebsseite der Gelenkwelle immer auf die
Gleitfläche des Zentrierelements auf, wenn sich die Positionen des Kupplungselements
und des Kupplungsgegenstücks bzw. des Kupplungszapfens und der Kupplungshülse nicht
ohnehin entsprechen, also beispielsweise dann, wenn die vertikale Position der Arbeitswelle
verändert worden ist. Durch einfaches Bewegen des Kupplungselements an der Abtriebsseite
der Gelenkwelle in der zur axialen Richtung orthogonalen Richtung können der Kupplungszapfen
und die Kupplungshülse dann in Eingriff gebracht werden, da der Kupplungszapfen entlang
der Gleitfläche gleitet, bis er in die richtige Position für einen Eingriff in die
Kupplungshülse gelangt.
[0025] Hierzu wird bevorzugt das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wonach das Kupplungselement
an der Abtriebsseite der Gelenkwelle an einen Endanschlag der orthogonal zur axialen
Richtung gerichteten Bewegungsachse gebracht und dann axial an das Kupplungsgegenstück
herangefahren wird, bis die Gleitfläche des Zentrierelements an den Kupplungszapfen,
also entweder das Kupplungselement oder das Kupplungsgegenstück, anschlägt. Sodann
wird das Kupplungselement so lange orthogonal zur axialen Richtung bewegt, bis das
Kupplungselement und das Kupplungsgegenstück fluchten.
[0026] Insbesondere in diesem Zusammenhang ist es erfindungsgemäß besonders bevorzugt, wenn
die Bewegungsvorrichtung mit pneumatischen Antrieben, insbesondere pneumatischen Kolben-Zylinder-Einheiten
versehen ist. Pneumatische Antriebe bieten im vorliegenden Zusammenhang den großen
Vorteil, dass sie federnde Eigenschaften haben. Insofern muss zum Durchführen des
erfindungsgemäßen Verfahrens also keine Anschlagserkennung für die axiale Bewegung
vorhanden sein, sondern die axiale Ankuppelbewegung kann auch dann durchgeführt werden,
wenn der Kupplungszapfen nicht in die Kupplungshülse eingreift, sondern an der Gleitfläche
des Zentrierelements anschlägt. Der Kupplungszapfen steht dann aufgrund der federnden
Eigenschaften des pneumatischen Antriebs relativ zum Zentrierelement unter elastischer
Vorspannung und greift dann automatisch in die Kupplungshülse ein, sobald er die richtige
Position erreicht hat.
[0027] Alternativ oder in Ergänzung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann vorgesehen sein,
dass die Bewegungsvorrichtung für das Kupplungselement bedarfsweise handbetätigbar
ist. Denn auch dann, wenn ein vollautomatisches Ankuppeln möglich ist, wie dies die
vorliegende Erfindung gewährleistet, kann es vorteilhaft sein, die axiale und insbesondere
die vertikale Bewegung des Kupplungselements von Hand und "auf Sicht" durchzuführen,
insbesondere beim Einrichten einer Profiliermaschine oder zu Versuchszwecken.
[0028] Die Verwendung von pneumatischen Antrieben ist schließlich auch deswegen vorteilhaft,
weil beim Ankuppeln mit Kupplungshülsen nicht gewährleistet ist, dass sich diese in
einer Rotationswinkelstellung befinden, in der sie in einen in Rotationsrichtung formschlüssigen
Eingriff gelangen können. Denn wenn die Kupplungszapfen und Kupplungshülsen beim Ankuppeln
in einer Rotationswinkelstellung aufeinander treffen, in der sie nicht ineinandergreifen
können, führt dies zu einer Störung im Ankuppelvorgang. Aufgrund der durch den pneumatischen
Antrieb erzeugten elastischen Federkraft sind entweder der Kupplungszapfen oder die
Kupplungshülse federbelastet axial nachgiebig, so dass sie bei einem in Rotationsrichtung
versetzten Aufeinandertreffen axial nachgeben können, ohne eine Störung des Einkuppelvorgangs
zu verursachen. Beim Anlaufen des Antriebssystems oder durch ein kurzes Betätigen
desselben verändern sich die Rotationswinkelstellungen der Kupplungszapfen und Kupplungshülsen
zueinander, so dass in demjenigen Zeitpunkt, in dem ein Formschluss möglich ist, die
Federkraft des federbelasteten Elements für ein Einrücken desselben in den Formschluss
sorgt.
[0029] Auch beim Abkuppeln kommt es vor, dass die Kupplungszapfen nicht aus den Kupplungshülsen
gelöst werden können, da sie in Rotationsrichtung gegeneinander verspannt sind. Dies
kann insbesondere dann der Fall sein, wenn Umformstationen vom Antriebssystem abgekuppelt
werden sollen, in denen sich ein Band oder Profil befindet. Hier verhindert der pneumatische
Antrieb und dessen federelastische Eigenschaft, dass Teile der Kuppelvorrichtung überlastet
werden. Denn auch in diesem Fall bringt der pneumatische Antrieb lediglich eine federnde
Vorspannung auf das Kupplungselement an der Abtriebsseite der Gelenkwelle auf, so
dass dieses sich erst dann bewegt, wenn sich der Kupplungszapfen und die Kupplungshülse
voneinander lösen, beispielsweise durch kurzes Reversieren des Antriebssystems oder
auch durch eine manuell aufgebrachte Erschütterung.
[0030] Ein Ausführungsbeispiel für eine erfindungsgemäße Kuppelvorrichtung wird im Folgenden
anhand der beigefügten Zeichnungen näher beschrieben und erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung eines Querschnitts einer Profiliermaschine mit Ansicht
auf eine Umformstation;
- Figur 2
- eine isometrische Darstellung dieser und einer benachbarten Umformstation;
- Figur 3
- die erfindungsgemäß ausgestaltete Kuppelvorrichtung für die Umformstation aus Figur
1.
[0031] Die Figuren 1 und 2 zeigen in einem schematischen Querschnitt bzw. in einer isometrischen
Ansicht denselben Teil einer erfindungsgemäß ausgestalteten Profiliermaschine. Es
handelt sich um eine Umformstation, bestehend aus einem Gerüst 1 sowie einer oberen
Arbeitswelle 2 und einer unteren Arbeitswelle 3, die im Gerüst 1 gelagert sind. Die
Arbeitswellen 2, 3 dienen zur Aufnahme von Rollumformwerkzeugen (nicht dargestellt).
Das Gerüst 1 ist ortsfest an einem Maschinengestell 4 befestigt. Mittels einer Höhenverstellung
5 können die Arbeitswellen 2, 3 im Gerüst 1 vertikal verschoben werden, um sie insbesondere
mit unterschiedlichen Rollumformwerkzeugen bestücken zu können.
[0032] Stirnseitig sind die Arbeitswellen 2, 3 mit seitlich aus dem Gerüst 1 herausführenden
Kupplungsgegenstücken 6 versehen, die vorliegend als Kupplungszapfen 7 mit Vielkeil
ausgebildet sind.
[0033] In der stirnseitigen Verlängerung der Arbeitswellen 2, 3 ist ein Getriebeblock 8
eines Antriebssystems 9 angeordnet. Auf diesem Getriebeblock 8 sitzen eine obere Gelenkwelle
10 und eine untere Gelenkwelle 11, um ein Drehmoment vom Antriebssystem 9 bzw. vom
Getriebeblock 8 auf die oberen und unteren Arbeitswellen 2, 3 zu übertragen. Die Gelenkwellen
10, 11 sind teleskopartig längenveränderlich und können naturgemäß unabhängig von
ihrer Länge und Winkelstellung ein Drehmoment von einer Antriebsseite 12 auf eine
Abtriebsseite 13 übertragen. An der Abtriebsseite 13 sind die Gelenkwellen 10, 11
mit jeweils einem Kupplungselement 14 versehen, das vorliegend als Kupplungshülse
15 ausgestaltet ist.
[0034] Die Kupplungselemente 14 der Gelenkwellen 10, 11 sind jeweils an einem Vertikalschlitten
16 befestigt, der seinerseits auf einem Horizontalschlitten 17 sitzt (hier verdeckt,
in Figur 3 dagestellt). Der Horizontalschlitten 17 ist an einer Halterung 18 angebracht,
die ihrerseits am Antriebssystem 9 bzw. am Getriebeblock 8 lösbar befestigt ist. Der
Vertikalschlitten 16 ist mittels eines Vertikalantriebs 19 auf und ab bewegbar, während
der Horizontalschlitten 17 mittels eines Horizontalantriebs 20 (Figur 3) axial, also
zu den Arbeitswellen 2, 3 hin und von diesen weg bewegbar ist. Beide Antriebe, der
Vertikalantrieb 19 und der Horizontalantrieb 20, sind pneumatische Kolben-Zylinder-Einheiten.
Sie sorgen dafür, dass die Kupplungselemente 14 an der Abtriebsseite 13 der Gelenkwellen
10, 11 sowohl axial als auch vertikal, also orthogonal zur axialen Richtung, bewegt
werden können.
[0035] Wie anhand Figur 2 besser zu erkennen ist, tragen die Gelenkwellen 10, 11 an ihrer
Abtriebsseite 13 nicht nur Kupplungselemente 14, vorliegend als Kupplungshülsen 15
ausgebildet, sondern außerdem auch Zentrierelemente 21 mit jeweils einer Gleitfläche
22, die vorliegend im Wesentlichen eben ist. Das Zentrierelement 21 der oberen Gelenkwelle
10 weist eine vertikal besonders lange Gleitfläche 22 auf, da die obere Arbeitswelle
2 im vorliegenden Ausführungsbeispiel gegenüber der unteren Arbeitswelle 3 einen größeren
vertikalen Verschiebebereich besitzt. Die untere Arbeitswelle 3 wird hingegen kaum
vertikal bewegt.
[0036] Anhand der Figur 3, die einen Teil der in den Figuren 1 und 2 gezeigten Vorrichtung
darstellt, lässt sich die Bewegungsvorrichtung für die vertikale und die axiale Bewegung
besser erkennen. Eine obere Gelenkwelle 10 und eine benachbarte obere Gelenkwelle
10' sind an ihrer Abtriebsseite 13, an der sich das Kupplungselement 14 und das Zentrierelement
21 befinden, an einem Vertikalschlitten 16 befestigt. Der zugehörige Vertikalantrieb
19, eine pneumatische Kolben-Zylinder-Einheit, ist hier nur angedeutet.
[0037] Der Vertikalschlitten 16 sitzt, vertikal beweglich, auf einem Horizontalschlitten
17, der mittels eines Horizontalantriebs 20, ebenfalls einer pneumatischen Kolben-Zylinder-Einheit,
in vertikaler bzw. axialer Richtung gegenüber der Halterung, auf der er gelagert ist,
beweglich gehalten ist.
[0038] Die Antriebsseite 12 der Gelenkwelle 10 ist (in dieser Figur nicht sichtbar) ortsfest
mit dem Getriebeblock 8 und über diesen ortsfest mit der Halterung 18 verbunden, während
die Abtriebsseite 13 der Gelenkwelle 10 mitsamt dem Kupplungselement 14 und dem Zentrierelement
21 sowohl horizontal bzw. axial als auch vertikal relativ zur Halterung 18 bewegt
werden kann. Mittels der horizontalen bzw. axialen Bewegung kann das Kupplungselement
14 an das Kupplungsgegenstück 6 der (hier nicht dargestellten) oberen Arbeitswelle
2 angekuppelt und von dieser abgekuppelt werden. Dies ist für jede Gelenkwelle 10,
10', 11 unabhängig möglich.
[0039] Wie aus Figur 3 leicht erkennbar ist, kann die Halterung 18 auf unkomplizierte Weise
am Getriebeblock 8 angebracht oder von diesem entfernt werden. Durch ein Entfernen
der Halterung 18 werden auch die Bewegungsvorrichtungen sowie die Gelenkwellen 10,
10' beseitigt, so dass entsprechender Bauraum zwischen dem Gerüst 1 und dem Getriebeblock
8 frei wird.
[0040] Die Figuren 1 und 2 stellen eine Situation vor einem Einkuppelvorgang dar. Um die
untere Arbeitswelle 3 an den Getriebeblock 8 anzukuppeln, wird der Horizontalantrieb
20 der unteren Gelenkwelle 11 aktiviert, so dass sich das Kupplungselement 14 axial
auf das Kupplungsgegenstück 6 an der unteren Arbeitswelle 3 zubewegt, indem der Horizontalschlitten
17 die Abtriebsseite 13 der Gelenkwelle 11 horizontal verschiebt. Das als Kupplungszapfen
7 ausgebildete Kupplungsgegenstück 6 an der unteren Arbeitswelle 3 greift durch diese
Axialbewegung in das als Kupplungshülse ausgebildete Kupplungselement 14 ein und bildet
hierbei einen Formschluss bezüglich einer Rotationsbewegung. Der Ankuppelvorgang der
unteren Arbeitswelle 3 ist damit beendet.
[0041] Zum Ankuppeln der oberen Arbeitswelle 2 an den Getriebeblock 8 reicht eine Axialbewegung
bzw. Horizontalbewegung der Abtriebsseite 13 der oberen Gelenkwelle 10 nicht aus.
Vielmehr muss das Kupplungselement 14 an der Abtriebsseite 13 der oberen Gelenkwelle
10 vertikal nach unten verfahren werden, um die Kupplungshülse 15 mit dem Kupplungszapfen
7 der oberen Arbeitswelle 2 in Eingriff bringen zu können.
[0042] Da der Horizontalantrieb 20 des Horizontalschlittens 17 ein pneumatischer Antrieb
ist, und die Abtriebsseite 13 der Gelenkwelle 10 mit dem Zentrierelement 21 versehen
ist, erübrigt sich ein vorheriges vertikales Ausrichten der Gelenkwelle 10 zur Arbeitswelle
2. Vielmehr kann die axiale bzw. horizontale Bewegung des Horizontalschlittens 20
für einen normalen Ankuppelvorgang ausgeführt werden. Hierbei trifft dann die Gleitfläche
22 des Zentrierelements 21 stirnseitig auf den Kupplungszapfen 7 auf. Aufgrund der
elastischen Federeigenschaften des pneumatischen Horizontalantriebs 20 bewegt sich
die Abtriebsseite 13 der Gelenkwelle 10 nicht weiter horizontal, sondern wird lediglich
in Axialrichtung elastisch vorgespannt.
[0043] Ein Aktivieren des Vertikalantriebs 19, mit dem der Vertikalschlitten 16 abwärtsbewegt
wird, sorgt dann für eine Abwärtsbewegung des Kupplungselements 14, bis der Kupplungszapfen
7 und die Kupplungshülse 15 so weit miteinander fluchten, dass sie aufgrund der elastischen
Vorspannung einrücken und ineinander gesteckt den Kraftfluss vom Getriebeblock 8 in
die obere Arbeitswelle 2 sicherstellen.
[0044] Die Gleitfläche 22 des Zentrierelements 21 ist hierbei so groß bemessen, dass, unabhängig
von den aktuellen möglichen Positionen der Arbeitswelle 2 und des Kupplungselements
14, immer das Zentrierelement 21 auf den Kupplungszapfen 7 trifft, soweit nicht die
Kupplungshülse 15 und der Kupplungszapfen 7 von vornherein in Flucht angeordnet sind.
Dies ermöglicht ein vollautomatisches Ankuppeln, ohne auf die vertikalen Positionen
der Gelenkwellen 10, 11 und der Arbeitswellen 2, 3 achten zu müssen.
[0045] Abschließend sei angemerkt, dass, je nach Ausbildung des Gerüsts 1, auch die untere
Arbeitswelle 3 vertikal verstellt werden kann und somit die untere Gelenkwelle 11
zum Einkuppeln an ihrer Abtriebsseite 13 ebenfalls vertikal bewegt wird. Hierzu ist
die Abtriebsseite 13 der unteren Gelenkwelle 11 ebenfalls mit einem Zentrierelement
21 mit Gleitfläche 22 versehen, die dem maximalen vertikalen Bewegungsweg der unteren
Arbeitswelle 3 angepasst ist.
1. Kuppelvorrichtung für eine Profiliermaschine, die eine Mehrzahl von auf Arbeitswellen
(2, 3) angeordneten Rollumformwerkzeugen zum sukzessiven Längsumformen eines Metallbands
oder Ausgangsprofils in ein Profil oder Rohr aufweist, zum An- und Abkuppeln eines
Antriebssytems (9) an und von zumindest einem Teil der Arbeitswellen (2, 3), wobei
die Kuppelvorrichtung mindestens eine längenveränderliche Gelenkwelle (10, 11), die
auf einer Antriebsseite (12) mit dem Antriebssystem (9) torsionssteif verbunden und
auf einer Abtriebsseite (13) mit einem Kupplungselement (14) versehen ist, zum Übertragen
eines Drehmoments vom Antriebssystem (9) an eine Arbeitswelle (2, 3) enthält,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Kupplungselement (14) an der Abtriebsseite (13) der Gelenkwelle (10, 11) mittels
einer im wesentlichen axialen Bewegung mit einem Kupplungsgegenstück (6) an der Arbeitswelle
(2, 3) in Eingriff gebracht oder aus diesem Eingriff herausgenommen werden kann, und
dass die Kuppelvorrichtung außerdem eine dem Antriebssystem (9) zugeordnete Halterung
(18) aufweist, die mit einer Bewegungsvorrichtung zum axialen Bewegen des Kupplungselements
(14) versehen ist, wobei das Kupplungselement (14) mit der Bewegungsvorrichtung verbunden
ist.
2. Kuppelvorrichtung nach Anspruch 1,
wobei die Bewegungsvorrichtung zum axialen Bewegen des Kupplungselements (14) auch
für ein Bewegen des Kupplungselements (14) in mindestens einer zur axialen Richtung
orthogonalen Richtung vorgesehen ist.
3. Kuppelvorrichtung nach Anspruch 2,
wobei das Kupplungsgegenstück (6) an der Arbeitswelle (2, 3) als Kupplungszapfen (7)
ausgebildet ist und das Kupplungselement (14) an der Abtriebsseite (13) der Gelenkwelle
(10, 11) eine Kupplungshülse (15) ist, die bezüglich einer Rotationsbewegung formschlüssig
auf den Kupplungszapfen (7) steckbar ist.
4. Kuppelvorrichtung nach Anspruch 3,
wobei die Abtriebsseite (13) der Gelenkwelle (10, 11) mit einem Zentrierelement (21)
versehen ist, das eine Gleitfläche (22) aufweist, welche zumindest den potentiellen
Bewegungsweg des Kupplungselements (14) in der zur axialen Richtung orthogonalen Richtung
überdeckt und insbesondere die Form eines Schildes aufweist.
5. Kuppelvorrichtung nach Anspruch 3,
wobei das Kupplungselement (14) an der Abtriebsseite (13) der Gelenkwelle (10, 11)
als Kupplungszapfen ausgebildet ist und das Kupplungsgegenstück (6) an der Arbeitswelle
(2, 3) eine Kupplungshülse ist, die bezüglich einer Rotationsbewegung formschlüssig
auf den Kupplungszapfen steckbar ist.
6. Kuppelvorrichtung nach Anspruch 5,
wobei die Kupplungshülse an der Arbeitswelle (2, 3) mit einem Zentrierelement versehen
ist, das eine Gleitfläche aufweist, welche zumindest den potentiellen Bewegungsweg
des Kupplungselements (14) in der zur axialen Richtung orthogonalen Richtung überdeckt
und insbesondere die Form eines Schildes aufweist.
7. Kuppelvorrichtung nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei die Bewegungsvorrichtung
zumindest einen Horizontalschlitten (17) und einen Vertikalschlitten (16) aufweist.
8. Kuppelvorrichtung nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei die Bewegungsvorrichtung
mit pneumatischen Antrieben (19, 20), insbesondere pneumatischen Kolben-Zylinder-Einheiten
versehen ist.
9. Kuppelvorrichtung nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8,
wobei die Gelenkwellen (10, 11) und die Halterung (18) lösbar am Antriebssystem (9)
befestigt sind.
10. Kuppelvorrichtung nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9,
wobei die Bewegungsvorrichtung für das Kupplungselement (14) bedarfsweise handbetätigbar
ist.
11. Profiliermaschine mit einer Mehrzahl von auf Arbeitswellen (2, 3) angeordneten Rollumformwerkzeugen
zum sukzessiven Längsumformen eines Metallbands oder Ausgangsprofils in ein Profil
oder Rohr, wobei zumindest ein Teil der Rollumformwerkzeuge zu mehreren, in Arbeitsrichtung
hintereinander angeordneten Werkzeuggruppen zusammengefasst ist, die jeweils in einem
Gerüst (1) gehalten sind und mit diesem jeweils eine Umformstation bilden, und wobei
zumindest ein Teil der in einer Umformstation angeordneten Rollumformwerkzeuge auf
im Gerüst (1) gelagerten Arbeitswellen (2, 3) sitzt, die mit seitlich aus dem Gerüst
(1) herausführenden Kupplungsgegenstücken (6) versehen sind, und mit einem Antriebssystem
zum Aufbringen eines Drehmoments auf die Arbeitswellen (2, 3),
gekennzeichnet durch
eine Kuppelvorrichtung nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 10.
12. Verfahren zum Ankuppeln eines Antriebssystems mittels einer Kuppelvorrichtung nach
einem der Ansprüche 4 oder 6, wobei das Kupplungselement (14) an der Abtriebsseite
(13) der Gelenkwelle (10, 11) an einen Endanschlag der orthogonal zur axialen Richtung
gerichteten Bewegungsachse gebracht und dann axial an das Kupplungsgegenstück (6)
herangefahren wird, bis die Gleitfläche (22) des Zentrierelements (21) an das Kupplungselement
(14) oder das Kupplungsgegenstück (6) anschlägt, wonach das Kupplungselement (14)
solange orthogonal zur axialen Richtung bewegt wird, bis das Kupplungselement (14)
und das Kupplungsgegenstück (6) fluchten.