[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen
aus Metall mit einer Sandgussform gemäss dem Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Die vorliegende Erfindung betrifft insbesondere die Gussteilherstellung mit Sandgussformen,
welche mit einem Unterdruck-Formverfahren hergestellt werden. Giessverfahren zur Herstellung
von Gussteilen aus Metall, z.B. aus Eisen-, Aluminum- oder Magnesiumlegierungen sind
allgemein bekannt. Typische Giessverfahren, welche Sandgussformen benötigen sind das
Schwerkraftgiessen oder das Niederdruck-Giessen.
[0003] Beim Niederdruck-Giessen wird ein Formkasten mit einer unter Vakuum bzw. Unterdruck
stehenden Sandgussform über eine Druckvergiesseinrichtung positioniert. Der Formkasten
mit der unter Vakuum/Unterdruck stehenden Sandgussform wird dann über die Eingussöffnung
des Formkastens am Ofenauslauf der Druckvergiesseinrichtung angedockt und mit dieser
kraftschlüssig verbunden. Durch einen geregelten Druckaufbau im Ofeninneren, steigt
flüssiges Metall über ein Ofensteigrohr in den Ofenauslauf der Druckvergiesseinrichtung
und fliesst über die Eingussöffnung des Formkastens in den Einguss der Sandgussform.
Der Einguss der Sandgussform führt in einen Angussbereich, welcher den Strom flüssigen
Metalls über ein Kanalsystem verteilt und die Formhohlräume der Sandgussform optimal
füllt. Damit beim Fliessen des flüssigen Metalls keine Turbulenzen entstehen oder
werkstoffspezifische kritische Geschwindigkeiten überschritten werden, welche das
spätere Bauteil mechanisch oder chemisch (Oxidationsprozesse) negativ beeinflussen,
wird die Strömungsgeschwindigkeit des flüssigen Metalls über den Druck in der Druckvergiesseinrichtung
geregelt. Nach erfolgtem Vergiessen lässt man die Sandgussform abkühlen, bis das damit
hergestellte Gussteil genug erstarrt ist, dass man dieses aus dem Formkasten auspacken
kann. Die Sandgussform wird zum Beispiel über einen Rütteltisch geführt, damit sich
der Sand vom Gussstück löst.
[0004] Beim Schwerkraftgiessen wird eine Sandgussform von oben mit flüssigem Metall gefüllt.
Das Metall fliesst dank der Schwerkraft - meist turbulent - in den Einguss der Sandgussform
und wird dort ebenfalls im Angussbereich über Verteilkanäle in die Hohlräume der Gussform
verteilt. Durch das Einsetzen von entsprechenden Filtern im Einguss der Sandgussform
kann auch beim Schwerkraftgiessen eine laminare Strömung erzeugt werden. Die Filter
haben den zusätzlichen Vorteil, dass auch noch Verunreinigungen oder Oxidationsprodukte
aus dem flüssigen Metall ausgefiltert werden können.
[0005] Das beschriebenen Niederdruck-Giessverfahren oder das Schwerkraftgiessen wird insbesondere
für das Vergiessen von Leichtmetallen, z.B. AluminiumLegierungen, verwendet.
[0006] Für das Giessen in industriellem Massstab ist es wichtig die Giessanlage möglichst
effizient zu betreiben. Daher ist es wichtig kurze Taktzeiten für das Herstellen der
einzelnen Gussteile zu erreichen. Ein wichtiger Faktor für die Taktzeit ist die Abkühlgeschwindigkeit
des hergestellten Bauteiles. Je schneller das Gussteil erstarrt bzw. starr genug ist,
um es aus der Sandgussform bzw. dem Formkasten auszupacken, desto effizienter kann
die Giessanlage betrieben werden.
Eine schnellere Abschreckung bzw. Erstarrung des flüssigen Metalls bringt aber auch
verbesserte mechanische Eigenschaften für das hergestellte Gussteil mit sich. D.h.
durch eine schnelle und gezielte Abkühlung der Schmelze werden Metallgefüge mit besseren
mechanischen Eigenschaften erzeugt (z.B. Härtung des Gussteiles).
[0007] Um die Abkühlung der Sandgussform zu beschleunigen sind bereits Lösungen aus dem
Stand der Technik bekannt.
[0008] Die Schrift
US 7121318 schlägt vor, dass nach dem Füllen einer Sandform (ein Sandstoff-Konglomerat mit Bindemittel)
mit flüssigem Metall, die Sandform mit einem Lösungsmittel, z.B. Wasser, in Kontakt
kommt. Dadurch wird das flüssige Metall in den Randzonen schneller abgekühlt und beginnt
dort zu erstarren. Der Randbereich des Gussteils mit erstarrter Oberfläche kommt dabei
auch direkt mit dem Lösungsmittel in Kontakt und wird dadurch weiter abgeschreckt.
Durch das Lösungsmittel wird die Sandgussform im gekühlten Bereich auch aufgelöst.
Die US-Schrift schlägt vor, dass die Sandgussform in ein mit dem Lösungsmittel gefülltes
Bad getaucht wird.
[0009] In einem weiteren Dokument, der
US 7 216 691, wird vorgeschlagen eine mit flüssigem Metall gefüllte Sandgussform mit Wasser zu
bespritzen oder in ein Wasserbad einzutauchen zwecks schnellerer Kühlung der Gussform
bzw. schnellerer Erstarrung des darin enthaltenen Gussteiles. Bezweckt wird hierbei
auch die Auflösung der Sandgussform. Durch die gezielte Beaufschlagung einzelner Bereiche
der Sandgussform mit dem Kühlmittel wird auch eine zonal gerichtete Abschreckung erreicht
und damit auch zonal bessere mechanische Eigenschaften am hergestellten Gussteil.
[0010] Die Schrift
DE 11 2006 000 627 T5 beschreibt ein weiteres Verfahren und eine Sandgussform mit verbesserter Wärmeabfuhr,
bevorzugt für die Herstellung von Gussteilen aus Aluminiumlegierungen. Die Sandform
und die Kerne bestehen aus Quarzsand, welcher mit einem wasserlöslichen Bindemittel
versetzt sind, damit der Quarzsand in der gewünschten Form bleibt. Zwecks gezielter
Härtung bestimmter Stellen am herzustellenden Gussteil, werden wasserlösliche Kerne
an entsprechenden Stellen der Sandgussform eingesetzt. Wird nach erfolgtem Giessprozess
die Sandgussform an den Stellen mit eingesetzten, wasserlöslichen Kernen mit einem
Wasserstrahl bespritzt, so löst sich das wasserlösliche Bindemittel auf und die Kerne
werden weggewaschen. Dadurch bildet sich nicht nur in relativ kurzer Zeit eine erstarrte
Randzone am Gussteil, sondern das Gussteil wird an dieser Stelle auch noch weit schneller
abgeschreckt, sobald der Kern weggewaschen ist und der Wasserstrahl direkt mit der
erstarrten Gussteiloberfläche in Berührung kommt. Dadurch kann auch eine lokale Härtung
des Gussteiles stattfinden.
[0011] Die Schrift
US 4 222 429 beschreibt ein Kühlverfahren für eine Vakuum-Sandgussform. Hierbei wird die sich
unter Unterdruck befindliche Sandgussform mit flüssigem Metall gefüllt. Mittels des
durch die Absaugung fortbestehenden Unterdruckes in der Sandgussform werden beim Giessprozess
ev. zusätzlich entstehende Gase (verdampfendes Styrolharz) aus der Sandgussform abgeführt.
Zur Kühlung der Sandgussform wird anschliessend an der Erstarrung des Gussteiles ein
Gas durch die (poröse) Gussform gespült und dann wieder daraus abgesaugt, wodurch
eine zusätzliche Abkühlung bzw. Abschreckung der Gussform und des Gussteiles bewirkt
wird. Als Kühlgas wird z.B. Luft verwendet, welche mittels Kompressor in die Sandgussform
gepumpt wird. Es kann auch mit Wasserdampf anstelle von Luft gespült werden. Diese
Spülung der Sandgussform erzeugt eine Wärmeabführung. Zusätzlich zur Spülung der Sandgussform
mit einem Kühlgas bzw. Luft kann die Sandgussform von aussen noch mit Wasser besprüht
werden.
[0012] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung
von Gussteilen vorzusehen, welches die Abkühlung von mittels Unterdruck-Formverfahren
hergestellter Sandgussformen und der darin erstarrenden Gussteile stark verbessert.
[0013] Diese Aufgabe wird durch das Verfahren zur Herstellung von Gussteilen gemäss Anspruch
1 gelöst.
[0014] Bekannte Giessverfahren zur Herstellung von Gusssteilen mit einer Sandgussform enthalten
die folgenden Schritte:
- Herstellung der Sandgussform in einem Formkasten mit einem Unterdruck-Formverfahren
- Füllung der hergestellten Sandgussform im Formkasten mit flüssigem Metall
- Kühlung der Sandgussform und des darin erstarrenden Gussteiles mit einer Kühlflüssigkeit
(z.B. Wasser).
[0015] Das erfindungsgemässe Verfahren enthält aber noch die folgenden spezifischen Schritte:
- die sich unter Unterdruck befindliche Sandgussform im Formkasten wird zunächst mit
flüssigem Metall gefüllt
- der Formkasten wird anschliessend mit der sich darin unter Unterdruck befindlichen
Sandgussform ganz oder teilweise mit einer Kühlflüssigkeit beaufschlagt
- der Formkasten wird - nach oder unmittelbar vor der Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung
- an Stellen mit Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung geöffnet, so dass die Kühlflüssigkeit
in die sich unter Unterdruck befindliche Sandgussform gesogen wird und dadurch das
erstarrende Gussteil abschreckt.
[0016] Das erfindungsgemässe Verfahren hat zahlreiche Vorteile gegenüber bekannten Giessverfahren.
Dank der Verwendung von im Unterdruck-Verfahren hergestellter Sandgussformen wird
kein Bindemittel benötigt (Kostenersparnis). Die Sandaufbereitung ist sehr einfach.
Es werden keine teuren und sperrige Sandaufbereitungsanlagen benötigt. Der Sandverbrauch
ist mit der erfindungsgemässen Herstellmethode gering und entsprechend umweltschonend,
weil keine Zusatzstoffe benötigt werden. Mittels Unterdruck-Formverfahren hergestellte
Sandgussformen benötigen geringere Formschrägen und können im Gegensatz zu anderen
Sandgussformen auch Hinterschneidungen aufweisen. Da die im Unterdruck-Verfahren hergestellten
Sandgussformen kein Wasser enthalten, wird beim Gussprozess kein Wasserdampf erzeugt.
Damit sind auch geringere Wanddicken am Gussteil giessbar. Damit hergestellte Gussteile
haben zudem eine höhere Masshaltigkeit und können eine sehr feine Oberfläche aufweisen,
da Sand mit kleiner Korngrösse verwendet werden kann. Selbst eine gratfreie Fertigung
ist möglich. Die Gussteile müssen anschliessend nicht zwingend sandgestrahlt werden.
Das erfindungsgemässe Herstellverfahren kann zudem bei allen bekannten und gängigen
Giessverfahren eingesetzt werden.
Beim erfindungsgemässen Herstellverfahren wird die Abschreckung des Gussteiles mit
Wasser oder einer anderen Kühlflüssigkeit durch den entstehenden Ansaugeffekt auf
ein sehr hohes Mass gebracht. Die Kühlflüssigkeit dringt sehr viel schneller und tiefer
in die poröse Sandgussform ein, so dass deutlich höhere Abkühlgeschwindigkeiten der
Gussteile bewirkt werden als mit herkömmlichen Kühlverfahren. Durch die Berührung
des randerstarrten Gussteiles in der Sandgussform mit der Kühlflüssigkeit wird die
Wärme schlagartig abgeführt. Durch die extreme Abkühlgeschwindigkeit fallen sowohl
die Primärdendritenbildung wie auch die eutektische Erstarrung sehr feinkörnig aus.
Die Saugwirkung wird zudem dadurch verbessert, dass die Hohlräume zwischen den Sandkörnern
nicht durch Bindemittel blockiert sind. Die Sandgussform ist damit viel poröser und
die Kühlflüssigkeit wird durch den Unterdruck schlagartig in die Sandgussform gesaugt,
ohne am Durchfluss gehindert zu werden.
[0017] Im Folgenden werden das erfindungsgemässe Herstellverfahren und deren Wirkweise anhand
von Ausführungsbeispielen erläutert. Es soll aber ausdrücklich darauf hingewiesen
werden, dass sich das erfindungsgemässe Verfahren und der Erfindungsgedanke nicht
auf die in den Beispielen gezeigten Ausführungsformen beschränkt. Es zeigen:
- Figur 1
- Herstellung einer Sandgussform mit bekanntem Unterdruck- oder Vakuum-Formverfahren
- Figur 2.1 und 2.2
- Bereitstellung des Formkastens mit der sich unter Unterdruck befindliche Sandgussform
- Figur 2.2
- Füllung der Sandgussform mit flüssigem Metall
- Figur 3.1 und 3.2
- Erfindungsgemässes Abkühlen und Auspacken der sich unter Unterdruck befindlichen Sandgussform
- Figur 4.1 und 4.2
- Weitere Variante für das erfindungsgemässe Abkühlen und Auspacken der sich unter Unterdruck
befindlichen Sandgussform
[0018] Die Figur 1 zeigt zunächst die Herstellung einer Sandgussform nach dem Unterdruck-Formverfahren.
Das dargestellte Verfahren ist Stand der Technik und kann auch beim erfinderischen
Herstellverfahren Anwendung finden. Das erste Bild zeigt die Bereitstellung eines
Unterdruckkastens mit einer Modelhälfte der herzustellenden Gussteilform. An der Modelhälfte
ist eine Giesstrichterform angebracht, durch welche das flüssige Metall später in
die Sandgussform fliessen soll. Im zweiten Bild wird ein erster Prozessschritt zur
Herstellung der Sandgussform gezeigt. Hierbei wird eine Folie bzw. Modellfolie erwärmt
bis sie plastisch verformbar wird. Anschliessend wird die Modellfolie von oben über
die Giesstrichterform und die Modellhälfte abgesenkt. Mittels Absaugung an der Unterkasten-Modellplatte
wird ein Unterdruck erzeugt (siehe Pfeil), welcher die Modellfolie an die Modellhälfte
und an den Giesstrichter ansaugt. Die Modellhälfte und die Giesstrichterform können
zwecks besserer Ansaugung der Modellfolie mit kleinen Löchern versetzt sein. Die Modellfolie
kühlt ab und verbleibt in der modellierten Form. Optional kann auf die Modellfolie
anschliessend noch Schlichte aufgebracht werden. Im 4. bis 6. Bild wird gezeigt, wie
das Formkasten-Oberteil über die Modellhälfte mit aufgezogener Modellfolie positioniert
und mit Sand, z.B. Quarzsand, gefüllt und schliesslich mit einer oberen Deckfolie
verschlossen wird. Im Formkasten-Oberteil wird nun ebenfalls ein Unterdruck erzeugt
indem die Luft daraus abgesogen wird (siehe Pfeil in den Figuren). Das Vakuum bzw.
Unterdruck im Formkasten-Oberteil wird mittels Pumpen stabil gehalten, so dass der
Unterdruck im Formkasten-Oberteil bestehen bleibt. Das Formkasten-Oberteil wird nun
von der Modellhälfte und der Giesstrichterform abgezogen (siehe 7. Bild). Die hiermit
aus Sand hergestellte Gussformhälfte verbleibt durch den ausgeübten Unterdruck in
ihrer Form, ähnlich einer vakuumierten Lebensmittelverpackung. Die daraus hervorgehenden
Vorteile wurden bereits weiter oben erläutert. Das Formkasten-Unterteil mit der unteren
Gussformhälfte wird auf gleicher Weise hergestellt. Das Formkasten-Oberteil wird anschiessend
mit dem zugehörigen Formkasten-Unterteil zusammengefügt und miteinander kraftschlüssig
verbunden. Der Formkasten mit der sich darin unter Unterdruck befindlichen Sandgussform
ist nun bereit für die Befüllung mit flüssigem Metall (siehe 8. Bild). Nachdem das
flüssige Metall zum Gussteil erstarrt ist, kann der Unterdruck aufgehoben und das
hergestellte Gussteil aus dem Formkasten entfernt werden (siehe 9. Bild).
[0019] Die beiden folgenden Teilfiguren 2.1 und 2.2 zeigen in schematischer Darstellung
den zweiteiligen Formkasten 2, wobei jede Formkastenhälfte 2 eine Sandgussformhälfte
enthält, die unter Unterdruck gehalten wird. Die Teilfigur 2.1 zeigt auch, wie beide
Sandgussformhälften aufgrund des Unterdruckes in ihrer durch die Modellfolien 12 gebildeten
Form gehalten werden. Der Unterduck in den beiden Gussteilformhälften wird jeweils
durch den Formkasten 2, sowie einer Formkasten-Deckfolie 7 und einer Modellfolie 12
gehalten. Die schematischen Figuren zeigen an beiden Formkastenhälften eine Absaugstelle
11, mittels welcher Luft aus den Formhälften abgesogen und so der Unterdruck erzeugt
wird. Das Formkasten- Oberteil weist noch einen Giesstrichter 10 auf, durch welchen
in einem späteren Schritt die Schmelze in die geschlossene Gussform gegossen wird.
Gemäss Teilfigur 2.1 werden die beiden mit Unterdruck beaufschlagten Formkastenhälften
aufeinandergelegt und kraftschlüssig miteinander verbunden. In der Teilfigur 2.2 sind
beide Formkastenhälften zusammengefügt. Diese sind kraftschlüssig miteinander verbunden
damit sich die Sandgussform beim Giessprozess nicht öffnet. Die beiden Formkastenhälften
bilden den eigentlichen Formkasten 2 mit der darin aus den beiden Sandgussformhälften
zusammengefügten Sandgussform 1. Die zusammengefügte Sandgussform 1 bildet einen Hohlraum
13, welcher die herzustellende Gussteilform aufweist. Der geschlossene Formkasten
2 kann nun mit der Schmelze, d.h. füssigem Metall 5 gefüllt werden. Die vorliegende
Erfindung kann bei einem beliebigen Giessverfahren angewendet werden, z.B. bei den
weiter vorne beschriebenen Schwerkraft- oder Druckgiessverfahren. Weitere gängige
und anwendbare Giessverfahren wären z.B. das Kippgiessen, das fallende Giessen oder
auch das seitliche Giessen. Die Sandgussform 1 ist nun gemäss Teilfigur 2.2 mit flüssigem
Metall gefüllt, wobei das flüssige Metall abkühlt und - zuerst in den Randzonen zur
Sandform hin - langsam zu erstarren beginnt.
[0020] Die beiden Teilfiguren 3.1 und 3.2 zeigen nun den erfinderischen Verfahrensschritt:
Der Formkasten 2 mit der sich darin weiterhin unter Unterdruck befindlichen Sandgussform
1, welche mit flüssigen, teilerstarrtem Metall gefüllt ist, wird von der Gießvorrichtung
(nicht dargestellt) wegbewegt. Die Gießvorrichtung wird damit für den nächsten Gussvorgang,
d.h. Befüllung eines weiteren Formkastens, freigeben. Der gefüllte Formkasten 2 wird
hierzu, z.B. von einem nicht dargestellten Roboter, von der Gießvorrichtung wegbewegt
und über eine Kühlvorrichtung geschwenkt. Die Kühlvorrichtung kann, wie in den beiden
Teilfiguren dargestellt aus einem grossen Kühlbecken bzw. Bad 6 (z.B. ein Wasserbad)
bestehen. Nebst dem eigentlichen Kühlbecken 6 kann die Kühlvorrichtung auch Düsen
9 für die Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung aufweisen, welche den mit flüssigem Metall
gefüllten Formkasten 2 aus verschiedenen Richtungen, z.B. von oben, mit einer Kühlflüssigkeit
besprühen. Typischerweise wird als Kühlflüssigkeit bzw. Kühlmittel Wasser verwendet.
Der Formkasten 2 wird nun z.B. teilweise in das Kühlbecken 6 getaucht und von oben
mittels der Düsen 9 mit der Kühlflüssigkeit besprüht. Der Formkasten 2 kann auch ganz
in das Kühlbecken 6 getaucht werden, wobei dann keine zusätzlichen Düsen notwendig
sind. Der Formkasten 2 mit der sich weiterhin unter Unterdruck befindlichen Sandgussform
1 wird nun erfindungsgemäss ganz oder auch nur an den Stellen mit Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung
geöffnet. Dies geschieht dadurch, dass die Formkasten-Deckfolien 7 entfernt werden.
Die Erfindung macht sich nun den Saugeffekt des Unterdruckes (typischerweise -0.6
bis -0.8 bar) zunutze: Durch das Entfernen der Deckfolien 7 wird augenblicklich Wasser
in die Sandgussform 1 gesogen, welches das Gussteil 3 augenblicklich abschreckt. Da
die Sandgussform 1 aus Sand, d.h. Quarzsand, besteht und keine blockierende Bindemittel
(z.B. Betonit) oder andere Feinanteile enthält, kann das Wasser dank des vorbestehenden
Unterdruckes/Vakuums sehr schnell und tief in die poröse Sandgussform, d.h. zwischen
den einzelnen Sandkörnern, eindringen. Obschon eine Sandgussform sehr kompakt wirkt,
ist sie in Wirklichkeit porös und besitzt einen theoretischen Formhohlraum zwischen
den Sandkörnern, welcher 33% des gesamten Sandgussformvolumens ausmachen kann. Aufgrund
dessen ist der erfinderische Kühl- oder Abschreckeffekt sehr hoch im Vergleich zu
den bekannten Kühlverfahren.
Selbstverständlich ist nicht ausgeschlossen, dass das erfindungsgemässe Verfahren
auch mit Unterdruck-Sandgussformen Anwendung findet, welche mit Zusätzen versehen
sind. Wie den vorangehenden Ausführungen zu entnehmen ist, muss hierbei darauf geachtet
werden, dass die verwendeten Zusätze die Porosität der Sandgussform bzw. deren Durchlässigkeit
für die Kühlflüssigkeit nicht negativ beeinflussen oder zumindest nicht zu stark negativ
beeinflussen. Entsprechend sollte Betonit als Zusatz / Bindemittel vorzugsweise nicht
verwendet werden, weil dieses bei Kontakt mit Wasser die Hohlräume zwischen den Sandkörnern
verschliesst und die Sandform damit für Wasser undurchlässig macht (es wird trotz
des Unterdruckes wenig oder kein Wasser in die Sandform gesogen).
Nachdem die Deckfolien 7 des Formkastens entfernt wurden ist auch denkbar, dass der
Formkasten 2 tiefer ins Kühlbecken 6 eingetaucht wird. Das Eintauchen des Formkastens
2 in das Wasserbad 6 bietet den zusätzlichen Vorteil, dass der Eintauchvorgang gesteuert
bzw. geregelt erfolgen kann. D.h. der Abkühlvorgang kann über die Eintauchrichtung
und -geschwindigkeit beeinflusst werden. So kann der Formkasten beispielsweise waagrecht
in Giesslage, schräg oder um 180 Grad um eine horizontale oder eine vertikale Achse
gedreht eingetaucht werden. Entsprechend können bestimmte Bereiche des Gussteiles
über die Eintauchrichtung und /oder -geschwindigkeit schneller abgeschreckt werden.
[0021] Die Teilfiguren 4.1 und 4.2 zeigen eine weitere Variante des erfindungsgemässen Verfahrens.
Hierbei wird der mit flüssigem Metall gefüllte Formkasten 2 vollständig in ein Wasserbad
6 getaucht, bevor die Deckfolien 7 am Formkasten entfernt werden. Der Ansaugeffekt
zur Abschreckung des flüssigen oder teils bereits randerstarrten Gussteiles 3 mit
der Kühlflüssigkeit wird hierbei noch effizienter ausgenutzt. Wie in den Teilfiguren
4.1 und 4.2 dargestellt ist, kann der Formkasten anstelle der Deckfolien 7 auch Schieber
8 aufweisen. Diese Schieber 8 übernehmen hierbei die Funktion der Deckfolie. Je nach
Anwendung und Formkastengrösse kann die Verwendung von Schiebern - z.B. an der Formkasten-Unterseite
- vorteilhafter sein als der Einsatz von Deckfolien. Die Schieber können auch ohne
weiteres wiederverwendet werden.
[0022] In der vorangehenden Beschreibung wurde ausgeführt, dass der Formkasten nach der
Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung durch die Entfernung der Deckfolien oder Schieber geöffnet
wird. Selbstverständlich umfasst die Erfindungsidee aber auch die Möglichkeit, dass
die (Teil-)Öffnung des Formkastens vor bzw. unmittelbar vor oder gleichzeitig mit
der Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung erfolgt. Der Formkasten kann also vor oder auch
nach der Kühlflüssigkeit-Beaufschlagung geöffnet werden (vorzugsweise nur an den Stellen
mit Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung). Der erfindungsgemäss verwendete Saug- und damit
Kühleffekt wird natürlich am effizientesten genutzt, wenn die Sandgussform nur oder
grösstenteils nur Kühlflüssigkeit und nicht auch Umgebungsluft (wesentlich geringere
Wärmekapazität) aufsaugt. Es ist daher zu bevorzugen, dass der Formkasten erst nach
der Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung durch die Entfernung der Deckfolien oder Schieber
geöffnet wird.
[0023] Die vorliegende Erfindung ist nicht auf die explizit genannten Möglichkeiten und
Ausführungsformen beschränkt. Diese Varianten sind vielmehr als Anregung für den Fachmann
gedacht, um die Erfindungsidee möglichst günstig umzusetzen.
Bezugszeichenliste
[0024]
- 1
- Sandgussform
- 2
- Formkasten, Formkastenhälfte
- 3
- Gussteil
- 4
- Kühlflüssigkeit, Wasser
- 5
- flüssiges Metall
- 6
- Kühlbecken, Wasserbad
- 7
- Formkasten-Deckfolien
- 8
- Formkasten-Schieber
- 9
- Düsen für die Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung
- 10
- Giesstrichter
- 11
- Absaugstelle Sandgussform
- 12
- Modellfolie
- 13
- Hohlraum der Sandgussform
1. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen aus Metall mit einer Sandgussform (1), wobei
das Verfahren die folgenden Schritte enthält:
- Herstellung der Sandgussform (1) in einem Formkasten (2) mit einem Unterdruck-Formverfahren
- Füllung der hergestellten Sandgussform (1) im Formkasten (2) mit flüssigem Metall
- Kühlung der Sandgussform (1) und des darin erstarrenden Gussteiles (3) mit einer
Kühlflüssigkeit (4),
dadurch gekennzeichnet, dass
die sich unter Unterdruck befindliche Sandgussform (1) im Formkasten (2) zunächst
mit flüssigem Metall (5) gefüllt wird, dass
der Formkasten (2) anschliessend mit der sich darin unter Unterdruck befindlichen
Sandgussform (1) ganz oder teilweise mit einer Kühlflüssigkeit (4) beaufschlagt wird
und dass
der Formkasten (2) nach, gleichzeitig oder vor der Kühlflüssigkeit-Beaufschlagung,
an Stellen mit Kühlflüssigkeitsbeaufschlagung geöffnet wird, so dass die Kühlflüssigkeit
(4) in die sich unter Unterdruck befindliche Sandgussform (1) aufgesogen wird und
dadurch das erstarrende Gussteil (3) abschreckt.
2. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen (3) gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühlflüssigkeit (4) Wasser ist.
3. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen (3) gemäss Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Beaufschlagung des Formkastens (2) mit der Kühlflüssigkeit (4) in einem Kühlbecken
(6), vorzugsweise ein Wasserbad, erfolgt,
besonders bevorzugt wird der Formkasten (2) hierbei teilweise oder vollständig in
das Kühlbecken (6) getaucht.
4. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen (3) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Sandgussform (1) durch den Unterdruck im Formkasten (2) in ihrer Form gehalten
wird.
5. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen (3) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Sandgussform (1) aus Quarzsand gebildet wird, vorzugsweise ohne Bindemittel.
6. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen (3) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Sandgussform (1) kein Bindemittel, insbesondere Betonit, oder Schlichte enthält.
7. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen (3) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Öffnen des Formkastens (2) durch entfernen der Formkasten-Deckfolien (7) oder
mittels sich am Formkasten (2) befindliche Schiebern (8) erfolgt.
8. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen (3) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass der Formkasten (2) waagrecht in Giesslage oder um einen Winkel von 0 bis 180 Grad
um eine horizontale oder vertikale Achse gedrehte Lage in das Kühlbecken (6) eingetaucht
wird, bevorzugt findet das Eintauchen in das Kühlbecken (6) zeitlich gesteuert statt.
9. Verfahren zur Herstellung von Gusssteilen (3) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Gussverfahren ein Vakuum-Formverfahren oder ein Schwerkraft-Verfahren ist.
10. Giessanlage zur Herstellung von Gusssteilen (3) mit einem Verfahren gemäss einem der
vorangehenden Ansprüche.