[0001] Die Erfindung betrifft eine Greifbacke für einen Leitungsgreifer für ein Paar von
elektrischen oder optischen Leitungen, nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1, sowie
einen Leitungsgreifer für eine Leitungsbearbeitungsanlage, nach dem Oberbegriff des
Anspruchs 10.
[0002] Voraussetzung für einen qualitativ hochwertigen Verdrillprozess eines Leitungspaares
ist eine gleiche Axial-Zugkraft in beiden Leitungen. Wenn die Leitungen einzeln und
nacheinander eingezogen und dem Verdrillprozess zugeführt werden, können die Leitungen
geringfügig unterschiedliche Längen haben. Die Leitungen werden zum Verdrillen an
den Enden in Greiferbacken eingespannt. Bei unterschiedlichen Leitungslängen ist der
Durchhang der beiden Leitungen unterschiedlich (vergleichbar mit Freileitungs-Durchhang).
Dieser unterschiedliche Durchhang (resultierend aus geringfügig unterschiedlichen
Einzelleitungslängen) begünstigt beim Verdrillprozess, der mit sehr hohen Rotationsgeschwindigkeiten
und entsprechend hohen Fliehkräften auf die Leitungen und deren Enden durchgeführt
wird, die Bildung von ungleichmäßigen Verdrillschlägen (sog. Verdrillknoten) im verdrillten
Leitungspaar.
[0003] Derselbe Effekt entsteht auch, wenn ein Leitungspaar gemeinsam eingezogen und der
Verdrilleinrichtung zugeführt wird und die Einstellung der Leitungsrichtwerke unterschiedlich
auf die Leitungen einwirkt. Auch in diesem Fall können die beiden zu verdrillenden
Leitungen unterschiedliche Durchhänge haben, was wie beschrieben zu Störungen im Verdrillprozess
führt. Die Erfindung verspricht also auch eine Verbesserung des Verdrillprozesses
bei Verdrillmaschinen mit parallelem Einzug des zu verdrillenden Leitungspaares.
[0004] Schon die
DE10107670A1 definiert klar das Erfordernis, dass in den zu verdrillenden Leitungen gleiche Zugspannung
herrschen muss, um eine hochwertige Verdrillqualität zu erreichen. Dazu wird ein spezieller
Kabelhaltekopf offenbart, in dem eine der Anzahl an zu verdrillenden Einzelleitungen
entsprechende Anzahl an Spannklemmen vorhanden ist. Die Spannklemmen sind mit einem
vorbestimmten Haltedruck und einem Festklemmdruck beaufschlagbar, wobei der Haltedruck
niedriger ist als der Festklemmdruck. Ersterer dient dazu, dass ein Durchziehen der
Einzelleitungen unter Überwindung der Reibkraft noch möglich ist, jedoch ohne dass
wesentliche Beschädigungen der Einzelleitungen auftreten. Nach dem Spannen der Einzelleitungen
wird dann der Festklemmdruck auf die Spannklemmen aufgebracht, der ein Festhalten
bzw. Festklemmen der Einzelleitungen ohne ein Durchrutschen der Einzelleitungen erlaubt.
Der Kabelhaltekopf könnte auch verdrehbar gestaltet und somit als Verdrillkopf nutzbar
sein.
[0005] Zur noch besseren Vermeidung von Fehlschlägen beim Spannen der Einzelleitungen auf
die vorbestimmte Länge durch Verfahren des Verdrillkopfes längs der Verdrillachse
wird in der
DE10107670A1 auch schon vorgeschlagen, dass vorzugsweise der Verdrillkopf um eine vorbestimmte
Anzahl an Umdrehungen gedreht wird. Durch diese Maßnahme wird in Kombination mit dem
definierten "Durchrutschen lassen" der Einzelleitungen während des Verfahrens des
Verdrillkopfes die Sicherheit im Hinblick auf Fehlschläge weiter erhöht.
[0006] Nachteilig an dieser bekannten Lösung ist, dass eine aufwendige Steuerung und Auslegung
der Anlage für die Einstellung der unterschiedlichen Drücke für das Halten und das
Klemmen notwendig sind. Dennoch lassen sich Beschädigungen der Leitungen nicht gänzlich
vermeiden, da ein vorgewählter Haltedruck nicht auf alle Reibungsverhältnisse zwischen
Spannklemmen und Leiteroberfläche abgestimmt sein kann.
[0007] Die
DE202009004913U1 offenbart für eine Maschine mit nur einem angetriebenen Verdrillkopf u.a. eine Ausführungsform,
bei welcher Einklemmstellen für zumindest zwei zu verdrillenden Leitungen auf einem
Kreis mit der Rotationsachse als Zentrum vorgesehen sind. Damit soll in allen Leitungen
gleiche Zugspannung durch einen Längenausgleich bei Vorspannung der Verdrillköpfe
gegeneinander erreicht werden. Für jede einzelne Leitung muss also je eine separate
spannbare Klemmbacke vorgesehen sein. Und jede dieser Klemmbacken ist vorzugsweise
mit einem separaten Längenausgleichselement ausgestattet.
[0008] Nachteilig an dieser bekannten Lösung ist die konstruktionsmässig aufwendige Lösung
mit separaten und einzeln zu betätigenden Klemmbacken. Auch das damit erhöhte Gewicht
des Verdrillkopfes wirkt sich nachteilig aus.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es somit, eine Vorrichtung zu schaffen, welche
die vorgenannten Nachteile nicht aufweist und insbesondere ohne Gefahr der Beschädigung
der geklemmten Leitungen mit einer möglichst einfachen und leichten Vorrichtung einen
qualitativ hochwertigen Verdrillprozess sicherstellt.
[0010] Die Aufgabe wird durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche 1 und 10 gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen sind in den Figuren, der nachfolgenden Beschreibung und in den abhängigen
Patentansprüchen dargelegt.
[0011] Gemäss der Erfindung ist eine Greifbacke für einen Leitungsgreifer für ein Paar von
elektrischen oder optischen Leitungen vorgesehen. Diese Leitungen können beispielsweise
Drähte, Kabel, Leitungsbündel oder Lichtleitfasern sein. Zumindest eine Greifbacke
des Leitungsgreifers ist mittels einer Antriebsanordnung relativ zu einer zweiten,
gegenüberliegenden Greifbacke bewegbar, zwischen welchen beiden Backen die Leitungen
geklemmt werden. Dabei weist die Greifbacke zumindest eine Platte mit einer Greiffläche
auf, welche bei Annäherung der Greifbacken mit der Oberfläche der Leitung durch Reibschluss
die Halte- und Klemmkraft bewirkt.
[0012] Die gegenständliche Erfindung ist nun dadurch gekennzeichnet, dass die Platte mit
der Greiffläche um eine senkrecht zur Greiffläche orientierte und im Wesentlichen
mittig durch diese Greiffläche verlaufende Drehachse gegenüber einem gegen Verdrehung
fixierten Abschnitt drehbar ist, wobei der feststehende Abschnitt mit der Antriebsanordnung
verbunden oder darin ausgebildet ist. Vorzugsweise ist dabei eine passive Drehbarkeit
vorgesehen und ausreichend. Typischerweise ist eine schwenkbare Halterung der Greifflächen
bereits um wenige Winkelgrade ausreichend. Der Begriff «mittig» bezieht sich hauptsächlich
auf die Mitte der Verbindungslinie zwischen den Abschnitten der Greiffläche, welche
zum Klemmen der Leitungsenden dienen. Vorzugsweise liegt die Drehachse aber auch in
Längsrichtung der Leitungsenden gesehen mittig innerhalb der Greiffläche.
[0013] Die Verschwenkbarkeit der mit der Leitung in Reibschluss stehenden Greifflächen gleicht
geringfügige Leitungslängenunterschiede aus, so dass nach einer geringfügigen Bewegung
der beiden eingespannten Enden der Leitungen voneinander weg in beiden eingespannten
Leitungen gleiche Zugkräfte herrschen und beide Leitungen denselben Durchhang haben.
Damit ist die Voraussetzung für einen qualitativ hochwertigen Verdrillprozess gegeben.
[0014] Bevorzugt ist zumindest ein elastisches Element zwischen der Platte mit der Greiffläche
und dem gegen Verdrehung fixierten Abschnitt eingespannt und ist die Platte derart
mit einer Rückstellkraft beaufschlagt, dass die Greiffläche im Wesentlichen quer zur
Verbindungslinie zur gegenüberliegenden Greifbacke ausgerichtet ist. Damit ist für
jeden Einspann- und Verdrillvorgang der gleiche Ausgangszustand der Greifbacke gewährleistet.
Der Begriff «quer» umfasst hier alle Anordnungen, bei welcher die längere Dimension
der Greiffläche, in welcher Richtung die Leitungsenden beim Ergreifen voneinander
beabstandet sind, mit der Längsrichtung der zu verdrillenden Leitungen einen Winkel
von etwa 90° einschliesst.
[0015] Eine vorteilhafte Ausführungsform der Greifbacke sieht erfindungsgemäss vor, dass
als elastisches Element zumindest eine Druckfeder zwischen der Platte und dem gegen
Verdrehung fixierten Abschnitt eingesetzt ist. Dies ist eine einfache und störungsunanfällige
Konstruktionsweise. Besonders bevorzugt ist dabei eine Ausführungsform, bei welcher
die oder jede Druckfeder im Wesentlichen parallel zur Verbindungslinie zur gegenüberliegenden
Greifbacke ausgerichtet ist, was durch die Möglichkeit der Positionierung der Federn
seitlich neben der Schwenkachse in Bezug auf die Verbindungslinie der Greifbacken
eine kleine Baugrösse gestattet.
[0016] Bevorzugt sind zumindest zwei elastische Elemente symmetrisch zur Drehachse angeordnet,
was einerseits eine gleichmässige mechanische Belastung innerhalb der Greifbacke gewährleistet
und aufgrund der Redundanz der in die Ausgangslage rückstellenden Bauteile eine erhöhte
Funktionssicherheit bietet.
[0017] Besonders bevorzugt ist eine erfindungsgemässe Ausführungsform, bei welcher die Greiffläche,
die elastischen Elemente und der gegen Verdrehung fixierte Abschnitt eine gemeinsam
handhabbare und mit der Antriebsordnung oder einem feststehenden Lager verbindbare
Einheit bilden. Dies gewährleistet die einfache und rasche Austauschbarkeit bei Funktionsstörungen
für möglichst kurzfristige Prozessunterbrechungen sowie die einfache Nachrüstung bestehender
Leitungsgreifer mit erfindungsgemässen Greifbacken.
[0018] Eine Greifbacke nach einem der vorhergehenden Absätze kann weiters erfindungsgemäss
dadurch gekennzeichnet sein, dass die drehbare Platte zumindest zwei Greifflächen
umfasst, die in der Platte relativ dazu drehbar gelagert sind, wobei die Drehachsen
der drehbaren Greifflächen und der drehbaren Platte im Wesentlichen parallel zueinander
liegen. Vorzugsweise sind die Greifflächen auch hier passiv drehbar in der drehbaren
Platte gelagert.
[0019] Zunächst liegen die Leitungen parallel zueinander beabstandet. Beim Verdrillen umschlingen
die beiden Leitungen einander - sie sind nicht mehr parallel angeordnet. Die Leitungsenden
sind schliesslich V-förmig zueinander angeordnet, wobei mit zunehmender Verdrillung
und damit kürzerer Schlaglänge das V-Maß kürzer wird und der von den Leitungsenden
gebildete V-Winkel größer wird. Dieser Effekt führt dazu, dass die zwischen den Greiferbacken
parallel eingespannten Leitungsenden im Übergangsbereich in diesen V-Bereich an den
Greiferbackenkanten gebogen werden, so dass sichtbare Biegeknicke entstehen können.
Mit der oben erläuterten vorteilhaften Ausführungsform kann dieser nachteilige Effekt
verhindert werden, da aufgrund der gegenüber der Greifbacke drehbaren Greifflächen
für jeweils eines der Leitungsenden die Erhaltung der V-förmigen Lage gewährleistet
ist.
[0020] Die eingangs gestellte Aufgabe kann auch für einen Leitungsgreifer für eine Leitungsbearbeitungsanlage
für ein Paar von elektrischen oder optischen Leitungen gelöst werden. Dabei weist
die Anlage zumindest zwei Leitungsgreifer mit jeweils zumindest einer Greifbacke auf,
welche Leitungsgreifer mittels zumindest einer Antriebsanordnung relativ zueinander
und im Wesentlichen senkrecht zur Lage der Leitungen bewegbar sind. Die Leitungen
können beispielsweise Drähte, Kabel, Leitungsbündel oder Lichtleitfasern sein.
[0021] Zur Lösung der Aufgabe ist unter Erzielung gleichartiger Vorteile und Effekte erfindungsgemäss
zumindest eine der Greifbacken gemäss einem der obigen Absätze ausgeführt.
[0022] Eine bevorzugte Ausführungsform des Leitungsgreifers ist erfindungsgemäss dadurch
gekennzeichnet, dass die Antriebsanordnung zumindest ein elastisches Element umfasst,
welches zumindest einen Leitungsgreifer oder zumindest eine Greifbacke in Richtung
von dem gegenüberliegenden Leitungsgreifer bzw. der gegenüberliegenden Greifbacke
weg mit einer Kraft beaufschlagt. Damit ergibt sich die gewünschte gleiche Vorspannung
in den zu verdrillenden Leitungen automatisch ohne grossen apparativen Aufwand.
[0023] Alternativ kann eine weitere erfindungsgemässe Ausführungsform eine Antriebsanordnung
mit zumindest einem ansteuerbaren elektrischen oder fluidischen Antrieb umfassen,
welcher zumindest eine Bewegung des Leitungsgreifers oder der Greifbacke in Richtung
von dem gegenüberliegenden Leitungsgreifer bzw. der gegenüberliegenden Greifbacke
weg bewirken kann. Mit einer derartigen Anordnung ist eine genaue und für jeden Verdrillprozess
separat adaptierbare Einstellung der Vorspannung der Leitungen machbar.
[0024] Bevorzugt ist dabei eine Messeinrichtung für die zumindest indirekte Ermittlung der
Zugspannung in den Leitungen mit einer Steuerung für die Antriebsanordnung verbunden,
in welcher Steuerung ein Regelkreis zur Vorgabe einer benutzerdefinierbaren Zugspannung
implementiert ist. Diese Ausführungsform bietet die bestmögliche Vorgabe der optimalen
Vorspannung für jeden Leitungstyp und jede Prozessvariante, wobei durch die Überwachung
auch höchstmögliche Sicherheit gewährleistet werden kann.
[0025] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung, in der unter Bezugnahme auf die Zeichnungen Ausführungsbeispiele der
Erfindung beschrieben sind.
[0026] Die Bezugszeichenliste ist wie auch der technische Inhalt der Patentansprüche und
Figuren Bestandteil der Offenbarung. Die Figuren werden zusammenhängend und übergreifend
beschrieben. Gleiche Bezugszeichen bedeuten gleiche Bauteile, Bezugszeichen mit unterschiedlichen
Indices geben funktionsgleiche oder ähnliche Bauteile an.
[0027] Es zeigen dabei:
- Fig. 1
- eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform einer erfindungsgemässen Greifbacke,
- Fig. 2
- eine Explosionsdarstellung der Greifbacke der Fig. 1,
- Fig. 3
- eine Schnittansicht durch die Greifbacke der Fig. 1 in einer Ebene quer zur Verbindungslinie
zur gegenüberliegenden Greifbacke,
- Fig. 4A
- eine schematische Darstellung zweier Leitungen unterschiedlicher Länge, geklemmt in
erfindungsgemässen Greifbacken vor dem Längenausgleich, in einer Ansicht von oben,
- Fig. 4B
- eine Ansicht entsprechend Fig. 4A, auf die Leitungen und Greifbacken nach dem Längenausgleich
durch Auseinanderbewegen der Greifbacken,
- Fig. 5
- eine perspektivische Ansicht einer weiteren Ausführungsform einer erfindungsgemässen
Greifbacke,
- Fig. 6
- eine Explosionsdarstellung der Greifbacke der Fig. 5,
- Fig. 7A bis 7E
- schematische Ansichten auf die Leitungsenden vor, während und nach dem Längenausgleich
und dem Verdrillvorgang, mit einer weiteren Ausführungsform der Erfindung, und
- Fig. 8
- einen Verdrillkopf mit einem Leitungsgreifer entsprechend einer Ausführungsform gemäss
der vorliegenden Erfindung.
[0028] Fig. 1 zeigt eine perspektivische Ansicht einer Greifbacke G, wie sie in Leitungsgreifern
GA zum Einsatz kommt, welche beispielsweise in Verdrillköpfen V (siehe Fig. 8) die
zu verdrillenden Leitungen L1, L2 für den Verdrillvorgang klemmen. Derartige Leitungsgreifer
GA können aber auch für das Einziehen der Leitungen L1, L2 in Einzugsvorrichtungen
oder für die Übergabe von Leitungen L1, L2 an beispielsweise Verdrillköpfe od. dgl.
durch Transfervorrichtungen vorgesehen sein. Die Leitungen L1, L2 können elektrische
oder optische Leitungen sein, wie etwa Drähte, Kabel, Leitungsbündel oder Lichtleitfasern.
[0029] Für den Verdrillvorgang im engeren Sinn, also das Verdrehen der einander entgegengesetzten
Leitungsenden relativ zueinander, ist zumindest eine Greifbacke G mittels einer Antriebsanordnung
relativ zu einer zweiten, gegenüberliegenden Greifbacke bewegbar. Vorteilhafterweise
sind beide einander gegenüberliegenden Greifbacken G gleichartig ausgeführt. Beide
Greifbacken G sind an einem Trägergestell befestigt, bzw. ist der diese Greifbacken
G tragende Verdrillkopf V an einem Trägergestell befestigt, wobei zumindest eine Greifbacke
G bzw. ein Verdrillkopf V nicht nur rotativ, sondern auch auf die gegenüberliegenden
Greifbacke G bzw. den gegenüberliegenden Verdrillkopf V hin oder von dieser/diesem
weg beweglich sind.
[0030] Die erfindungsgemässe Greifbacke G umfasst zumindest eine Platte 1 mit einer Greiffläche
2, wobei die Platte 1 mit der Greiffläche 2 um eine senkrecht zur Greiffläche 2 orientierte
und im Wesentlichen mittig durch diese Greiffläche 2 verlaufende Drehachse gegenüber
einem gegen Verdrehung fixierten Abschnitt 3, beispielsweise einem Basiskörper der
Greifbacke G, drehbar ist. Die Platte 1 ist über einen Bolzen 4 mit dem feststehenden
Abschnitt 3 drehbar verbunden, so dass die Drehachse der Platte 1 durch die Mittelachse
des Bolzens 4 gegeben ist. Der fixierte Abschnitt 3 kann beispielsweise am Verdrillkopf
V befestigt sein, allenfalls für Reparatur oder Adaptierung an unterschiedliche Leitungen
lösbar befestigt.
[0031] Die Drehung aus der Ruhelage heraus erfolgt vorzugsweise passiv, d.h. allein aufgrund
der Kräfte, die beim Vorspannen der Leitungen L1, L2 aufgrund unterschiedlicher Leitungslängen
ausgeübt werden. Der feststehende Abschnitt 3 ist typischerweise derart ausgebildet,
um mit der Antriebsanordnung, beispielsweise mittels einer Verbindungsstruktur, hierzu
können auch die Bolzen 4 Verwendung finden, austauschbar bzw. verbindbar und wieder
lösbar zu sein oder ist in dieser Antriebsanordnung selbst ausgebildet. Prinzipiell
ist auch eine aktive Verdrehung der Platte 1 über beliebige Stellantriebe denkbar,
erfordert dann typischerweise aber auch zusätzliche Sensorik, um das Ausmass der Verdrehung
auf die jeweils aktuelle Anordnung genau abzustimmen.
[0032] Die Explosionsdarstellung der Fig. 2 und der Schnitt der Fig. 3 zeigt deutlich, dass
zumindest ein elastisches Element 6 zwischen der Platte 1 mit der Greiffläche 2 und
dem gegen Verdrehung fixierten Abschnitt 3 eingespannt ist. Vorzugsweise sind zwei
elastische Elemente 6 symmetrisch auf beiden Seiten der Drehachse bzw. des Bolzens
4, quer in Bezug auf die Verbindungslinie der einander gegenüberliegenden Greifbacken
G, angeordnet. Über das oder jedes elastische Element 6, vorzugsweise als Druckfedern
ausgeführt, ist die Platte 1 mit einer Rückstellkraft beaufschlagt, welche die Platte
1 und damit auch die Greiffläche 2 im Wesentlichen quer zur Verbindungslinie zur gegenüberliegenden
Greifbacken G ausrichtet, wenn keine andere Kraft auf die Platte 1 bzw. die Greiffläche
2 einwirkt. Vorzugsweise ist die oder jede Druckfeder als elastisches Element 6 parallel
zur Verbindungslinie der einander gegenüberliegenden Greifbacken G ausgerichtet.
[0033] In Fig. 2 und Fig. 3 ist weiters auch noch zu erkennen, dass der Bolzen 4 über zwei
in den feststehenden Abschnitt 3 einschraubbare Gewindestifte 7 in diesem feststehenden
Abschnitt 3 gehalten ist, indem diese Gewindestifte 7 beispielsweise in Bohrungen
am unteren Ende des Bolzens 4 eingreifen. Die relative Verdrehbarkeit von Platte 1
und feststehendem Abschnitt 3 wird über beispielsweise ein Axialkugellager 8 gewährleistet.
[0034] Die Verbindung der Platte 1 und des gegen Verdrehung fixierten, feststehenden Abschnittes
3, solange letzterer nicht als Teil der Antriebsanordnung der Greifbacken G vorgesehen
ist, mittels des Bolzens 4 und der Gewindestifte 7 hat den zusätzlichen Vorteil, dass
Platte 1 und Abschnitt 3 zu einer gemeinsam handhabbaren und mit einem feststehenden
Lager, insbesondere am Verdrillkopf V, oder der Antriebsanordnung verbindbaren Einheit
zusammengehalten sind.
[0035] Die Platte 1 und damit auch die Greiffläche 2 ist aufgrund des oben erläuterten Aufbaus
um einige Winkelgrade aus der senkrecht auf die Verbindungslinie der einander gegenüberliegenden
Greifbacken G orientierten Ebene heraus schwenkbar. Die parallel zu dieser Ebene liegende
Ruhe- bzw. Ausgangsstellung ist durch die Rückstellwirkung der elastischen Elemente
6 vorgegeben.
[0036] Vor dem eigentlichen Verdrillvorgang während des gesamten Verdrillprozesses werden
die zu verdrillenden Leitungen L1, L2 beidseitig der Verdrillachse, welche mit der
durch die Bolzen 4 gehenden Verbindungslinie der Greifbacken G zusammenfällt, mit
gleichem Abstand zwischen den Greifflächen 2 eingeklemmt. Dann wird die vorgegebene
Axial-Zugkraft in das Leitungspaar L1, L2 eingespeist, bevor der eigentliche Verdrillvorgang
durchgeführt wird. Im Idealfall sind beide Leitungen L1, L2 zwischen den Einspannpunkten
an beiden Greifbacken G gleich lang (dann ist keine Schwenkbewegung der Platten 1
mit den Greifflächen 2 notwendig). Im Normalfall haben die Leitungen L1 und L2 jedoch
geringfügig unterschiedliche Längen, wie in Fig. 4A dargestellt und durch die Längenangaben
«56» bei L1 und «60» bei L2 verdeutlicht ist. Bei Einspeisung der Axial-Zugkraft zur
Vorspannung der Leitungen L1 und L2, welche durch das Auseinanderfahren der Greifbacken
G mittels der Antriebsanordnung bewirkt wird, schwenken die Platten 1 - basierend
rein mechanisch auf dem Waagebalken-Prinzip - je nach Längenunterschied zwischen den
Leitungen L1 und L2 selbsttätig soweit aus, bis in beiden eingespannten Leitungen
L1 und L2 gleiche Zugkräfte herrschen, was in Fig. 4B dargestellt ist, - oder bis
ein allfälliger Schwenkanschlag zwischen Platte 1 und feststehendem Abschnitt 3 erreicht
ist.
[0037] Das horizontale Verschwenken der Platte 1 bzw. der Greifflächen 2 mit den geklemmten
Enden der Leitungen L1 und L2, selbst um wenige Winkelgrade, führt dazu, dass auch
das eingespannte Leitungsende um denselben Winkel verschwenkt wird. Zusätzlich wird
bei zunehmendem Grad der Verdrillung der Leitungen L1, L2 der V-förmige Endbereich
des Leitungspaares derart verändert, dass sich der Winkel zwischen den Leitungsenden
kontinuierlich öffnet, wobei sich eine zusätzliche Biegebelastung an den Leitungsenden
ergibt.
[0038] Obwohl sich die erfindungsgemässen Vorteile auch bei Verdrehbarkeit nur einer der
Greifbacken G ergeben, sind bevorzugt beide Greifbacken G mit verdrehbaren Greifflächen
2 versehen, wie dies in den Fig. 4A und 4B zu erkennen ist.
[0039] Die weitere Ausführungsform der Erfindung gemäss Fig. 5 und 6 sieht daher vor, dass
die drehbare Platte 1 zumindest zwei separate und unabhängig voneinander drehbare
Greifflächen 9 umfasst, die in der schwenkbaren Platte 1 relativ dazu und vorzugsweise
wieder passiv drehbar gelagert sind. Dazu sind die Greifflächen 9 auf Bolzen 10 befestigt,
welche in beispielsweise Axialkugellagern 11 geführt und mittels in die Platte 1 einschraubbaren
Gewindestiften 12 in der Platte 1 gehalten sind. Die durch die Mittelachsen der Bolzen
10 definierten Drehachsen der drehbaren Greifflächen 9 und die Drehachse der Platte
1, welche durch die Mittelachse des Bolzens 4 definiert ist, sind im Wesentlichen
parallel zueinander orientiert. Damit ist für die sichere Vermeidung von Biegeknicken
an den Leitungsenden beim Verdrillprozess, wie in den Fig. 7A bis 7E schematisch dargestellt,
Sorge getragen. Der Verdrillprozess erfolgt mit relativ hohen Drehzahlen. Dabei treten
entsprechende Fliehkräfte auf. Die Greifflächen 9 und deren Lagerung müssen so gestaltet
sein, dass nur die in den Leitungen L1, L2 wirkenden Zugkräfte bezüglich der Greifbacken-Winkellage
wirksam sind, die Fliehkräfte aber neutralisiert sind.
[0040] Vorzugsweise kommt die oben beschriebene Greifbacke G als Teil eines Verdrillkopfes
V zum Einsatz, wie in Fig. 8 dargestellt ist. Die gesamte Greifbacke G ist vorzugsweise
auswechselbar, insbesondere als Ersatz der üblichen verwendeten Greiferbacken-Paare
und ist in dem entsprechenden Abschnitt der Leitungsgreifer GA angeordnet.
[0041] Der Verdrillkopf V ist typischerweise Teil einer Verdrillvorrichtung, die u.a. einen
Antriebsmotor 13 aufweist, der über beispielsweise einen Antriebsriemen 14 den Verdrillkopf
V mit dem mehrere Baugruppen umfassenden Leitungsgreifer GA antreibt. Die eigentlichen
Greifbacken G sind beispielsweise in Linearführungen im vorderen Bereich eines Verdrillkopfgehäuses
15 geführt. Zum Wechseln der Greifbacken G ist eine stirnseitige Abschlussplatte 16
des Verdrillkopfes V entfernbar ausgebildet. Die Bewegung der einander zugewandten
Greifflächen 2 der Greifbacken G zum Klemmen und Freigeben der Leitungsenden wird
von einem vorzugsweise ortsfesten Antrieb 17, etwa einem am Trägergestell montierten
Pneumatikzylinder, über einen Hebel 18, eine Axial-Wälzlager/Druckring-Anordnung 19
und eine entlang des Verdrillkopfgehäuses 15 geführte Stangen-Hebel-Anordnung 20 bewirkt.
Bezugszeichenliste
[0042]
- 1
- Drehbare Platte
- 2
- Greiffläche
- 3
- Feststehender Abschnitt
- 4
- Bolzen
- 5
- Verbindungsstruktur
- 6
- Elastisches Element
- 7
- Gewindestift
- 8
- Axialkugellager
- 9
- Drehbare Greiffläche
- 10
- Bolzen
- 11
- Axialkugellager
- 12
- Gewindestift
- 13
- Antriebsmotor
- 14
- Antriebsriemen
- 15
- Verdrillkopfgehäuse
- 16
- Stirnseitige Abschlussplatte
- 17
- Antrieb für Greifbacken
- 18
- Hebel
- 19
- Axiallager/Druckring-Anordnung
- 20
- Stangen-Hebel-Anordnung
- G
- Greifbacke
- GA
- Leitungsgreifer
- V
- Verdrillkopf
- L1, L2
- Leitungen
1. Greifbacke (G) für einen Leitungsgreifer (GA) für ein Paar von elektrischen oder optischen
Leitungen (L1, L2) in welchem Leitungsgreifer (GA) zumindest eine Greifbacke (G) mittels
einer Antriebsanordnung relativ zu einer zweiten, gegenüberliegenden Greifbacke bewegbar
ist, wobei die Greifbacke (G) zumindest eine Platte (1) mit einer Greiffläche (2)
umfasst, dadurch gekennzeichnet, dass die Platte (1) mit der Greiffläche (2) um eine senkrecht zur Greiffläche (2) orientierte
und im Wesentlichen mittig durch diese Greiffläche (2) verlaufende Drehachse gegenüber
einem gegen Verdrehung fixierten Abschnitt (3) drehbar ist, wobei der feststehende
Abschnitt (3) mit der Antriebsanordnung verbunden oder darin ausgebildet ist.
2. Greifbacke (G) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Platte (1) mit der Greiffläche (2) passiv drehbar ist.
3. Greifbacke (G) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein elastisches Element (6) zwischen der Platte (1) mit der Greiffläche
(2) und dem gegen Verdrehung fixierten Abschnitt (3) eingespannt ist und die Platte
(1) derart mit einer Rückstellkraft beaufschlagt, dass die Greiffläche (2) im Wesentlichen
quer zur Verbindungslinie zur gegenüberliegenden Greifbacke (G) ausgerichtet ist.
4. Greifbacke (G) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als elastisches Element (6) zumindest eine Druckfeder zwischen der Platte (1) und
dem gegen Verdrehung fixierten Abschnitt (3) eingesetzt ist.
5. Greifbacke (G) nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass das elastische Element (6), insbesondere die oder jede Druckfeder, im Wesentlichen
parallel zur Verbindungslinie zur gegenüberliegenden Greifbacke (G) ausgerichtet ist.
6. Greifbacke (G) nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein weiteres elastisches Element zwischen der Platte (1) mit der Greiffläche
(2) und dem gegen Verdrehung fixierten Abschnitt (3) angeordnet ist, wobei insbesondere
zumindest zwei elastischen Elemente symmetrisch zur Drehachse angeordnet sind.
7. Greifbacke (G) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die drehbare Platte (1) mit der Greiffläche (2), allenfalls das zumindest eine elastische
Element (6), und der gegen Verdrehung fixierte Abschnitt (3) eine gemeinsam handhabbare
und mit der Antriebsordnung oder einem feststehenden Lager verbindbare Einheit bilden.
8. Greifbacke (G) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die drehbare Platte (1) zumindest zwei Greifflächen (9) umfasst, die in der Platte
(1) relativ dazu drehbar gelagert sind, wobei die Drehachsen der drehbaren Greifflächen
(9) und die Drehachse der drehbaren Platte (1) im Wesentlichen parallel zueinander
liegen.
9. Greifbacke (G) nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die zumindest zwei Greifflächen (9) in der Platte (1) passiv drehbar gelagert sind.
10. Leitungsgreifer (GA) für eine Leitungsbearbeitungsanlage, für ein Paar von elektrischen
oder optischen Leitungen (L1, L2), wobei die Anlage zumindest zwei Leitungsgreifer
mit jeweils zumindest einer Greifbacke (G) aufweist, wobei die Leitungsgreifer mittels
zumindest einer Antriebsanordnung relativ zueinander und im Wesentlichen senkrecht
zur Lage der Leitungen (L1, L2) bewegbar sind, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine der Greifbacken (G) gemäss einem der Ansprüche 1 bis 9 ausgeführt
ist.
11. Leitungsgreifer (GA) nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebsanordnung zumindest ein elastisches Element umfasst, welches zumindest
einen Leitungsgreifer (GA) oder zumindest eine Greifbacke (G) in Richtung von dem
gegenüberliegenden Leitungsgreifer bzw. der gegenüberliegenden Greifbacke weg mit
einer Kraft beaufschlagt.
12. Leitungsgreifer (GA) nach einem der Ansprüche 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebsanordnung zumindest einen ansteuerbaren elektrischen, magnetischen oder
fluidischen Antrieb umfasst, welcher zumindest eine Bewegung des Leitungsgreifers
(GA) oder der Greifbacke (G) in Richtung von dem gegenüberliegenden Leitungsgreifer
bzw. der gegenüberliegenden Greifbacke weg bewirken kann.
13. Leitungsgreifer (GA) nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass eine Messeinrichtung für die zumindest indirekte Ermittlung der Zugspannung in den
Leitungen mit einer Steuerung für die Antriebsanordnung verbunden ist, in welcher
Steuerung ein Regelkreis zur Vorgabe einer benutzerdefinierbaren Zugspannung implementiert
ist.