[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb eines Hörsystems sowie ein entsprechendes
Hörsystem.
[0002] Ein Hörsystem weist ein oder zwei Hörgeräte auf, welche von einem Anwender am oder
im Ohr getragen werden und welche der Verstärkung oder der Modifikation von Geräuschen
aus der Umgebung des Anwenders dienen. Üblicherweise werden Hörsysteme von Gehörgeschädigten
getragen, d.h. von Personen mit verminderter Hörfähigkeit. Ein Hörgerät nimmt dann
über ein Mikrofon die Geräusche der Umgebung als Mikrofonsignale auf und verstärkt
diese. Die verstärkten Geräusche werden dann als Ausgabesignale über einen Lautsprecher,
auch als Hörer bezeichnet, ausgegeben. Alternativ oder zusätzlich zu einer Verstärkung
werden andere Modifikationen vorgenommen, beispielsweise eine Filterung oder allgemein
eine Veränderung einzelner Frequenzen oder Frequenzbänder.
[0003] Die Verarbeitung der Mikrofonsignale zur Erzeugung geeigneter Ausgabesignale ist
von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Dieser Tatsache wird über einstellbare Betriebsparameter
Rechnung getragen, welche je nach Situation geeignet bestimmt und eingestellt werden.
Dazu weist das Hörsystem, üblicherweise jedes einzelne Hörgerät, eine entsprechende
Steuereinheit auf. Die optimalen Betriebsparameter sind einerseits von der individuellen
Hörcharakteristik des Anwenders abhängig, andererseits auch von der Umgebung, in welcher
sich der Anwender zu einem gegebenen Zeitpunkt befindet.
[0004] Ein besonderes Problem stellt der sogenannte Nachhall dar. Dabei handelt es sich
insbesondere um Geräusche, welche den Anwender und somit das Mikrofon im Hörgerät
aufgrund der Umgebungsbeschaffenheit zeitverzögert und mitunter aufgrund von Reflektion
mehrfach erreichen. Nachhall tritt typischerweise in geschlossenen Räumen auf und
ist von deren konkreter Geometrie und Größe abhängig. Der Nachhall ist insbesondere
diffus und unterscheidet sich insofern vom sogenannten Direktschall, welcher das Mikrofon
aus einer bestimmten Richtung erreicht. Um die Betriebsparameter eines Hörsystems
optimal einstellen zu können, ist eine Quantifizierung des Nachhalls notwendig. Hierzu
wird üblicherweise eine sogenannte Nachhallzeit gemessen. Diese beschreibt das zeitliche
Abklingen eines Geräusches. Eine spezielle Nachhallzeit ist die sogenannte T60-Zeit,
kurz T60. Eine Methode zur Bestimmung der Nachhallzeit ist beispielsweise beschrieben
in der Veröffentlichung "
Single-Channel Maximum-Likelihood T60 Estimation Exploiting Subband Information",
ACE Challenge Workshop, IEEE-WASPAA 2015.
[0005] Vor diesem Hintergrund ist es eine Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zum Betrieb
eines Hörsystems anzugeben, wobei die Bestimmung der Nachhallzeit verbessert ist.
Insbesondere sollen eine möglichst schnelle Ermittlung der Nachhallzeit erfolgen und
dadurch die Betriebsparameter des Hörsystems möglichst schnell an die aktuelle Umgebung
angepasst werden. Weiterhin soll ein entsprechendes Hörsystem angegeben werden.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen gemäß
Anspruch 1 sowie durch ein Hörsystem mit den Merkmalen gemäß Anspruch 15. Vorteilhafte
Ausgestaltungen, Weiterbildungen und Varianten sind Gegenstand der Unteransprüche.
Dabei gelten die Ausführungen im Zusammenhang mit dem Verfahren sinngemäß auch für
das Hörsystem sowie umgekehrt.
[0007] Das Verfahren dient zum Betrieb eines Hörsystems. Ein solches weist üblicherweise
ein oder zwei Hörgeräte auf, welche von einem Anwender oder Träger des Hörsystems
jeweils in oder am Ohr getragen werden. Vorliegend ist das Hörsystem binaural und
weist zwei Hörgeräte auf. Ein Schallsignal, auch Ursprungssignal genannt, welches
von einer Schallquelle ausgeht, wird mittels mehrerer Mikrofone gemessen, wobei die
Mikrofone in unterschiedlichen Geräten verbaut sind. "Ein" ist hier nicht als Zahlwort
zu verstehen, vielmehr werden vorzugsweise mehrere Schallsignale gemessen, bevorzugterweise
auch von mehreren Schallquellen, um möglichst viele Daten zu erhalten. Unter "unterschiedlichen
Geräten" werden insbesondere solche Geräte verstanden, welche räumlich voneinander
getrennt sind und welche üblicherweise nicht fest miteinander verbunden sind, sondern
vielmehr grds. gegeneinander beweglich sind. Beispiele für ein Gerät sind, ein Hörgerät
des Hörsystems, ein Smartphone, ein Telefon, ein Fernseher, ein Computer oder dergleichen.
Wesentlich ist, dass das Gerät zumindest ein Mikrofon aufweist. Vorliegend sind zumindest
zwei Mikrofone verbaut, nämlich jeweils eines in einem der Hörgeräte des Hörsystems.
Die beiden Hörgeräte sind also unterschiedliche Geräte.
[0008] Jedes der Mikrofone nimmt das Schallsignal auf und erzeugt daraus ein Mikrofonsignal.
Mit anderen Worten: die verschiedenen Mikrofone nehmen grundsätzlich alle das gleiche
Schallsignal auf und erzeugen jeweils individuell ein Mikrofonsignal. Das Schallsignal
geht üblicherweise von einer Schallquelle aus, beispielsweise einem Gesprächspartner
oder einem Lautsprecher. Das Schallsignal ist dabei zeitlich begrenzt, sodass von
der Schallquelle zeitlich nacheinander mehrere Schallsignale ausgehen können und dann
ein jeweiliges Mikrofon insbesondere zeitlich nacheinander mehrere Schallsignale empfängt
und daraus jeweils ein Mikrofonsignal erzeugt. Grundsätzlich können auch mehrere Schallquellen
vorhanden sein, welche zeitgleich und/oder zeitversetzt jeweils ein oder mehrere Schallsignale
abgeben.
[0009] Zweckmäßigerweise werden all diese Schallsignale von den Mikrofonen jeweils erfasst
und es wird dann entsprechend eine Vielzahl von Mikrofonsignalen erzeugt. Die Mikrofonsignale
stellen hierbei Rohdaten dar. Ein einzelnes Mikrofonsignal muss dabei nicht notwendigerweise
einen bestimmten Sinngehalt aufweisen. Vielmehr handelt es sich bei den Mikrofonsignal
vorzugsweise um sogenannte "snippets", d.h. Ausschnitte oder Abschnitte. Die Mikrofonsignal,
d.h. die Rohdaten zur späteren Analyse, sind somit vergleichsweise kurz, insbesondere
im Vergleich zu einzelnen gesprochenen Worten. Vorzugsweise sind die Mikrofonsignale
jeweils höchstens 1s lang, besonders bevorzugt höchstens 100ms lang.
[0010] Die Erzeugung von Mikrofonsignalen zur späteren Analyse weist insbesondere zwei Dimensionen
auf: zum Einen wird dasselbe Schallsignal mit mehreren Mikrofonen erfasst, zum Anderen
erfasst dasselbe Mikrofon aber vorzugsweise auch mehrere Schallsignale, z.B. zeitlich
versetzte Schallsignale und/oder Schallsignale von unterschiedlichen Schallquellen.
Diese Vielzahl an aufgenommenen Schallsignalen und an daraus erzeugten Mikrofonsignalen
bildet nachfolgend die Basis für eine besonders effektive und präzise Bestimmung einer
allgemeinen Nachhallzeit in der konkreten Umgebung.
[0011] Für zumindest zwei der Mikrofonsignale, bevorzugterweise für jedes der Mikrofonsignale,
wird jeweils eine individuelle Nachhallzeit bestimmt. Die zumindest zwei Mikrofonsignale
stammen dabei insbesondere von zwei unterschiedlichen Mikrofonen, d.h. nicht von demselben
Mikrofon. Vorliegend stammen die zumindest zwei Mikrofonsignale von den beiden Hörgeräten
des Hörsystems. Unter "Bestimmung einer individuellen Nachhallzeit" wird insbesondere
verstanden, dass die Mikrofonsignale vorzugsweise unabhängig voneinander auf das Vorliegen
eines geeigneten Ereignisses oder Merkmals zur Bestimmung einer individuellen Nachhallzeit,
insbesondere T60-Zeit, untersucht werden und bei Vorliegen eines solchen Ereignisses
oder Merkmals dann eine individuelle Nachhallzeit ermittelt wird. Die Bestimmung der
individuellen Nachhallzeit beinhaltet demnach zunächst eine Eignungsprüfung, d.h.
ein jeweiliges Mikrofonsignal wird zunächst dahingehend untersucht, ob aus diesem
eine individuelle Nachhallzeit bestimmbar ist. Vorzugsweise werden alle Mikrofonsignale
zumindest einer solchen Eignungsprüfung, d.h. Untersuchung unterzogen. Ist das Ergebnis
dieser Untersuchung positiv, d.h. ist eine individuelle Nachhallzeit aus dem Mikrofonsignal
bestimmbar, dann wird diese auch bestimmt. Das Mikrofonsignal wird beispielsweise
auf bestimmte charakteristische Merkmale untersucht, um beispielsweise transiente
oder impulsartige Schallsignale zu erkennen, welche besonders geeignet zur Bestimmung
der Nachhallzeit sind. Weist das Mikrofonsignal ein entsprechendes Ereignis oder Merkmal
auf, so wird aus dem Mikrofonsignal eine zugehörige individuelle Nachhallzeit bestimmt.
Eine jeweilige individuelle Nachhallzeit ist somit das Ergebnis eines konkreten Schallsignals,
welches von einem bestimmten der Mikrofone aufgenommen wurde. Insbesondere wird aus
einem einzelnen Schallsignal pro Mikrofon höchstens eine individuelle Nachhallzeit
bestimmt. Das Schallsignal ist dann insbesondere insofern zeitlich begrenzt, als dass
Ereignisse oder Merkmale, welche zur Bestimmung einer weiteren individuellen Nachhallzeit
geeignet sind, einem neuen, nachfolgenden Schallsignal zugeordnet sind. Ein jeweiliges
Schallsignal und das entsprechende Mikrofonsignal stellen somit im Rahmen der Bestimmung
der Nachhallzeit insbesondere einen kleinsten auswertbaren oder verwertbaren Abschnitt
dar.
[0012] Aus demselben Schallsignal werden von den verschiedenen Mikrofonen nicht notwendigerweise
gleichartige Mikrofonsignale erzeugt. Zudem sind verschiedene insbesondere zeitlich
versetzte Schallsignale unter Umständen unterschiedlich gut geeignet um Merkmale zur
Nachhallzeitschätzung, d.h. Nachhallzeitbestimmung, zu bestimmen oder enthalten erst
gar nicht solche Merkmale. Beispielhaft kann ein Abklingen des Schallpegels als Reaktion
auf ein transientes Geräusch zur Nachhallzeitschätzung herangezogen werden. Je nach
Schallsignal und je nach Positionierung der Schallquelle relativ zu einem jeweiligen
Mikrofon ist es möglich, dass das entsprechende Mikrofonsignal keine geeigneten Merkmale
enthält und aus diesem dann keine individuelle Nachhallzeit ermittelt werden kann
oder dass zwar Merkmale vorhanden sind, diese aber zur Bestimmung nicht ausreichend
sind. Das zugehörige Schallsignal wird dann zwar von dem entsprechenden Mikrofon erfasst,
die Bestimmung einer individuellen Nachhallzeit bleibt jedoch ohne Ergebnis. Allgemein
wird demnach die individuelle Nachhallzeit insbesondere bestimmt, indem ein jeweiliges
Mikrofonsignal auf das Vorliegen eines Merkmals zur Bestimmung einer individuellen
Nachhallzeit untersucht wird und indem bei einem entsprechenden Vorliegen dann die
individuelle Nachhallzeit ermittelt wird.
[0013] Zur Bestimmung der individuellen Nachhallzeit wird ein jeweiliges Mikrofonsignal
von einer geeigneten Steuereinheit verarbeitet. Dabei muss nicht notwendigerweise
für alle Mikrofonsignale dieselbe Steuereinheit verwendet werden. Vielmehr werden
in einer Variante die individuellen Nachhallzeiten durch verschiedene Steuereinheiten
bestimmt. Dabei ist es zweckmäßig einen gemeinsamen Standard zugrunde zu legen, z.B.
die genannte T60-Zeit. Die individuellen Nachhallzeiten werden in einem Datensatz
zusammengeführt, aus welchem eine allgemeine Nachhallzeit bestimmt wird. Zweckmäßigerweise
wird die allgemeine Nachhallzeit mittels eines statistischen Verfahrens aus dem Datensatz
individueller Nachhallzeiten bestimmt, beispielsweise als Mittelwert oder im Rahmen
eines maximum-likelihood-Verfahrens. Ein geeignetes Verfahren zur Bestimmung der allgemeinen
Nachhallzeit aus einem Datensatz mit mehreren individuellen Nachhallzeiten ist in
der eingangs bereits zitierten Veröffentlichung "
Single-Channel Maximum-Likelihood T60 Estimation Exploiting Subband Information",
ACE Challenge Workshop, IEEE-WASPAA 2015 beschrieben. Im Gegensatz zur vorliegenden Anmeldung werden dort jedoch nicht die
Mikrofonsignale mehrerer Mikrofone von insbesondere unterschiedlichen Geräten ausgewertet
und zusammengeführt.
[0014] Bei dem Verfahren wird insbesondere davon ausgegangen, dass sich alle Mikrofone in
derselben akustischen Situation befinden, in welcher zumindest ungefähr dieselbe Nachhallzeit
herrscht. Denn insbesondere dann können die Mikrofonsignale auf vorteilhafte Weise
im Rahmen einer statistischen Auswertung wie z.B. oben beschrieben zur Bestimmung
der allgemeinen Nachhallzeit herangezogen werden. Das Vorliegen derselben akustischen
Situation für die Mikrofone kann hinreichend insbesondere durch die örtliche Nähe
der verschiedenen Geräte angenommen werden, welche zweckmäßigerweise durch den technischen
Aufbau, z.B. Verbindungsstrecken zwischen den Geräten, und/oder durch eine Ortsbestimmung,
z.B. mittels GPS, sichergestellt wird.
[0015] In Abhängigkeit der allgemeinen Nachhallzeit wird dann ein Betriebsparameter des
Hörsystems eingestellt, d.h. das Hörgerät wird eingestellt, in einen bestimmten Betriebsmodus
versetzt oder es wird ein bestimmtes Betriebsprogramm geladen. Insbesondere wird durch
das Einstellen des Betriebsparameters der Nachhall verringert, sodass der Hörkomfort
des Anwenders des Hörsystems verbessert ist.
[0016] Vorliegend ist das Hörsystem binaural und zwei der Geräte sind jeweils als ein Hörgerät
des Hörsystems ausgebildet. Mit anderen Worten: das Hörsystem weist zwei Hörgeräte
auf, welche üblicherweise auf unterschiedlichen Seiten des Kopfes eines Nutzers getragen
werden können und vorzugsweise auch getragen werden. Unbeschadet einer zusätzlichen
Verwendung weiterer Mikrofone weiterer Geräte, weist dann das Hörsystem ein erstes
Hörgerät mit einem ersten Mikrofon auf sowie ein zweites Hörgerät mit einem zweitem
Mikrofon. Die beiden Geräte und damit die beiden Mikrofone sind dann auf unterschiedlichen
Seiten des Kopfes angeordnet und decken somit unterschiedliche Hemisphären ab. Die
zumindest zwei Mikrofonsignale, für welche jeweils eine individuelle Nachhallzeit
bestimmt wird, sind demnach Mikrofonsignale, welche von den beiden unterschiedlichen
Hörgeräten des Hörsystems erzeugt werden.
[0017] Im Rahmen des Verfahrens wird also zumindest für die beiden Mikrofonsignale der Mikrofone
der Hörgeräte jeweils eine individuelle Nachhallzeit bestimmt. Mit anderen Worten:
das Hörsystem weist zwei Hörgeräte auf, welche jeweils ein Mikrofon aufweisen, wobei
jedes der Mikrofone das Schallsignal aufnimmt und daraus ein Mikrofonsignal erzeugt,
sodass zwei Mikrofonsignale erzeugte werden. Aus den beiden Mikrofonsignalen der Hörgeräte
wird dann jeweils eine individuelle Nachhallzeit bestimmt. Je nach Ausgestaltung kommen
dann weitere Mikrofonsignale anderer Geräte hinzu. In einer ersten Variante umfasst
das Sensornetzwerk lediglich die beiden Mikrofone der beiden Hörgeräte des Hörsystems,
in einer zweiten Variante umfasst das Sensornetzwerk noch zusätzlich weitere Mikrofone,
welche insbesondere in anderen Geräten untergebracht sind und gerade nicht in den
Hörgeräten des Hörsystems.
[0018] Die Kombination beider Mikrofone eines binauralen Hörsystems in einem gemeinsamen
Sensornetzwerk gewährleistet gegenüber einem individuellen Betrieb der Hörgeräte eine
verbesserte Einstellung des Hörsystems insgesamt. Dies wird insbesondere deutlich
hinsichtlich der Abschattung einzelner Mikrofone. Das erste Hörgerät nimmt das Schallsignal
aufgrund einer Abschattung, beispielsweise durch den Kopf des Anwenders, welcher zwischen
der Schallquelle und dem Mikrofon positioniert ist, unter Umständen nicht oder nicht
vollständig wahr. Ein anderes Mikrofon im Raum, insbesondere ein Mikrofon des zweiten
Hörgeräts auf der anderen Seite des Kopfes, nimmt das Schallsignal jedoch vollständig
wahr. Die hieraus bestimmte Nachhallzeit wird dann zweckmäßigerweise zur Einstellung
des ersten Hörgeräts verwendet, welches ansonsten keine Möglichkeit hätte, optimal
eingestellt zu werden. Das Konzept ist dabei auf jegliche Kombination zweier oder
mehr Geräte mit Mikrofon anwendbar, welcher aufgrund ihrer typischerweise unterschiedlichen
Positionierung im Raum dasselbe Schallsignal unter Umständen aufgrund einer Abschattung
nicht aufnehmen.
[0019] Ein besonderer Vorteil bei der oben beschriebenen Verwendung der beiden Hörgeräte
eines binauralen Hörsystems gegenüber einer Kombination mit jeglichen anderen Geräten
ist, dass die relative Lage der beiden Geräte zueinander mit besonders hoher Sicherheit
bekannt ist. Die beiden Hörgeräte sind nämlich durch die Anordnung auf unterschiedlichen
Seiten des Kopfes in einem festen Abstand angeordnet, welcher zwar von Nutzer zu Nutzer
leicht variieren kann, im Mittel jedoch etwa 20cm beträgt. Demgegenüber ist die Lage
anderer Geräte, wie z.B. Smartphone, Telefonanlage, Fernseher oder Computer, relativ
zueinander oder relativ zum Hörsystem mit einer größeren Unsicherheit behaftet und
auch deutlich größeren Schwankungen unterworfen. Die oben beschriebene Annahme, dass
die diversen Mikrofone sich in derselben akustischen Situation befinden, gilt also
besonders für die beiden Hörgeräte eines binauralen Hörsystems, kann jedoch für andere
Geräte nicht zwingend gegen sein, z.B. wenn sich ein Fernseher in einem benachbarten
Raum befindet oder wenn ein Smartphone in einer Tasche untergebracht ist.
[0020] Der Erfindung liegt zunächst insbesondere die Beobachtung zugrunde, dass die Messung
der Nachhallzeit üblicherweise fehlerbehaftet ist und dass die Qualität der Messung
zudem stark umgebungsabhängig ist. Grundsätzlich ist es möglich, mit dem Mikrofon
eines Hörgeräts mehrmals und über einen längeren Zeitraum von typischerweise mehreren
Minuten die Nachhallzeit mehrmals zu ermitteln, um einen möglichst brauchbaren Mittelwert
für die Nachhallzeit zu erhalten. Dadurch ergibt sich jedoch für das Hörsystem eine
entsprechend lange Anpassungsphase, in welcher das Hörsystem möglicherweise nicht
optimal eingestellt ist. Dieser Nachteil wird vorliegend durch eine drastische Verkürzung
derjenigen Zeit reduziert, welche zur Ermittlung der Nachhallzeit notwendig ist. Dies
wird ermöglicht durch die Zusammenführung von Daten mehrerer Mikrofone in unterschiedlichen
Geräten und der gemeinsamen Auswertung dieser Daten, genauer der individuellen Nachhallzeiten.
Dabei besteht ein Kerngedanke der Erfindung insbesondere darin, ein möglichst großes
Sensornetzwerk, d.h. möglichst viele Mikrofone, zu verwenden, um möglichst schnell
möglichst viele Mikrofonsignale und somit Rohdaten zu erhalten und daraus möglichst
viele individuelle Nachhallzeiten zu ermitteln. Diese werden dann verarbeitet, um
zumindest einen Betriebsparameter des Hörsystems besonders schnell und optimal einzustellen.
[0021] Vorliegend wurde erkannt, dass alternativ oder zusätzlich zu dem Mikrofon eines Hörgeräts
auch andere Mikrofone gewinnbringend für die oben dargestellte Aufgabe verwendet werden
können, speziell die Mikrofone der einzelnen Hörgeräte eines binauralen Hörsystems.
Häufig ist in einem Raum zudem eine Vielzahl von weiteren Mikrofonen vorhanden, allen
voran in Telefonen, Mobiltelefonen, insbesondere Smartphones, auch in Fernsehgeräten,
Computern, Videokameras und ähnlichen Geräten, aber auch in den Hörgeräten anderer
Personen, welche sich im gleichen Raum aufhalten. Ein wesentlicher Vorteil der Erfindung
besteht nun insbesondere darin, dass auch die Mikrofone solcher Geräte, d.h. bezüglich
eines bestimmten Hörsystems externe Mikrofone zur Bestimmung der Nachhallzeit verwendet
werden können und zweckmäßigerweise auch verwendet werden und damit zur Einstellung
des Hörsystems herangezogen werden. Die verwendeten Mikrofone bilden ein Sensornetzwerk,
genauer Mikrofonnetzwerk, welches eine besonders schnelle Bestimmung der Nachhallzeit
ermöglicht, da im Vergleich zum einzelnen Hörgerät des Hörsystem deutlich mehr Quellen
für Mikrofonsignale zur Verfügung stehen und genutzt werden. Dies ist insbesondere
dadurch von Bedeutung, da zur Bestimmung der Nachhallzeit vorzugsweise impulsartige
Schallsignale verwendet werden, welche üblicherweise selten sind im Vergleich zu anderen,
z.B. kontinuierlichen Schallsignalen. Durch die Verwendung mehrerer Mikrofone wird
dasselbe Schallsignal effektiver zur Bestimmung der Nachhallzeit genutzt. Vorliegend
umfasst das Sensornetzwerk wenigstens zwei Mikrofone, welche in unterschiedlichen
Hörgeräten des binauralen Hörsystems eines einzelnen Nutzers angeordnet sind und welche
im Betrieb auf unterschiedlichen Seiten des Kopfs des Nutzers angeordnet sind. In
dieser Ausgestaltung decken die beiden Mikrofone vorteilhaft beide Hemisphären, d.h.
Seiten des Kopfes des Nutzers, ab. Zweckmäßigerweise umfasst das Sensornetzwerk jedoch
noch weitere Mikrofone.
[0022] Deutlich wird zudem, dass das Hörsystem grundsätzlich auch vollständig basierend
auf extern ermittelten Nachhallzeiten einstellbar ist. Das Hörsystem selbst braucht
dann keine Nachhallzeiten zu bestimmen, sondern greift dann vollständig auf einen
Datensatz zurück, welcher aus Mikrofonsignalen anderer Mikrofone gebildet wird oder
wurde. Zweckmäßigerweise werden jedoch die Mikrofone des Hörsystems, genauer der Hörgeräte
des Hörsystems verwendet, da diese Mikrofone typischerweise deutlich besser zur Erfassung
von Schallsignalen geeignet sind, als Mikrofone anderer Geräte.
[0023] In einer vorteilhaften Ausgestaltung sind zumindest zwei der Mikrofone in unterschiedlichen
Hörsystemen angeordnet. Mit anderen Worten: die Mikrofone gehören zu unterschiedlichen
Hörsystemen, welche von unterschiedlichen Anwendern genutzt werden. In dieser Ausgestaltung
profitiert der Anwender von den gesammelten Daten, genauer den Mikrofonsignalen, eines
anderen Anwenders. Die beiden Hörsysteme sind zweckmäßigerweise zum Datenaustausch
miteinander verbunden, z.B. über eine Drahtlosverbindung. Die Hörsysteme sind entweder
direkt, d.h. unmittelbar miteinander verbunden oder mittelbar über ein zusätzliches
Gerät, d.h. über ein Zusatzgerät.
[0024] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist eines der Mikrofone in einem Hörgerät
angeordnet und ein anderes der Mikrofone in einem Smartphone. Auf diese Weise wird
ein Mikrofon des Smartphones gewinnbringend zur Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit
verwendet. Die Verwendung eines Smartphones ist besonders vorteilhaft dadurch, dass
ein solches üblicherweise frei positionierbar ist, und beispielsweise in einem Raum
an zentraler Stelle abgelegt werden kann, um möglichst viele Schallsignale möglichst
optimal zu erfassen. Unter Umständen sind dadurch Schallsignale aufnehmbar, welche
das Hörsystem selbst nicht oder nur schlecht aufnimmt. Das Hörsystem ist zum Datenaustausch
zweckmäßigerweise mit dem Smartphone verbunden.
[0025] Die Bestimmung der individuellen Nachhallzeit, das Zusammenführen zu dem Datensatz
und die Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit erfolgen in einer geeigneten Ausgestaltung
sämtlich mittels einer Steuereinheit des Hörsystems. In einer besonders bevorzugten
Ausgestaltung werden dann die Mikrofonsignale zu einem Rohdatensatz zusammengeführt
und gespeichert. Der Rohdatensatz ist nicht zwingend in dem Hörsystem gespeichert,
vielmehr eignet sich hier besonders ein externer Speicher, z.B. als Teil Smartphones,
eines Servers oder Cloud-Dienstes. Mit anderen Worten: die Rohdaten werden extern
bezüglich des Hörsystems gespeichert. Das Hörsystem, genauer dessen Steuereinheit,
greift dann auf die Rohdaten zu und bestimmt aus diesen soweit möglich zunächst die
jeweils individuelle Nachhallzeit und anschließend die allgemeine Nachhallzeit. Dieser
Ausgestaltung liegt die Überlegung zugrunde, dass zumindest das Hörsystem zur Analyse
der Mikrofonsignale geeignet ausgebildet ist, nicht jedoch unbedingt andere Geräte.
Daher werden zunächst lediglich die Rohdaten gesammelt und dann dem Hörsystem zur
Verfügung gestellt. Durch das externe Speichern sind zudem die Mikrofonsignale auch
für mehrere Nutzer nutzbar.
[0026] Diese vollständige Auswertung und Analyse der Rohdaten durch das Hörsystem selbst
ist jedoch nicht zwingend. Daher werden die drei genannten Verfahrensschritte in einer
Variante nicht mittels desselben Geräts durchgeführt. Vielmehr ist eine Verteilung
auf verschiedene Geräte ebenfalls zweckmäßig.
[0027] In einer vorteilhaften Ausgestaltung werden die individuellen Nachhallzeiten auf
einem externen Zusatzgerät zu dem Datensatz zusammengeführt. Dabei werden zuvor vorzugsweise
die individuellen Nachhallzeiten der Mikrofonsignale eines jeweiligen Mikrofons mittels
desjenigen Geräts bestimmt, in welchem das Mikrofon verbaut ist. Konkret werden insbesondere
die mittels eines Mikrofons des Hörsystems aufgenommenen Mikrofonsignale auch mittels
einer Steuereinheit des jeweiligen Hörgeräts, in welchem das Mikrofon verbaut ist,
ausgewertet. Bei einem Smartphone ermittelt dieses selbst die individuellen Nachhallzeiten
der Mikrofonsignale von dessen Mikrofon. Allgemein wird also die individuelle Nachhallzeit
möglichst lokal bestimmt. Dadurch wird die Datenmenge, welche anschließend übertragen
werden muss, um den Datensatz zu bilden, deutlich reduziert, da nicht das gesamt Mikrofonsignal
übertragen wird, sondern lediglich die daraus bestimmte individuelle Nachhallzeit.
Die individuellen Nachhallzeiten werden an das Zusatzgerät übermittelt, z.B. über
eine Drahtlosverbindung, und dort zum Datensatz zusammengeführt. In einer Variante
werden dagegen die Mikrofonsignale an das Zusatzgerät übertragen und dort erst die
individuellen Nachhallzeiten bestimmt. Auf dem Zusatzgerät werden also zunächst die
Mikrofonsignale zu einem Rohdatensatz zusammengeführt und anschließend wird auf dem
Zusatzgerät auch der Datensatz mit den individuellen Nachhallzeiten erzeugt, indem
der Rohdatensatz mittels des Zusatzgeräts ausgewertet wird. Mit anderen Worten: auf
dem Zusatzgerät wird der Datensatz zweckmäßigerweise auch ausgewertet. Zudem ermittelt
das Zusatzgerät vorteilhafterweise aus dem Datensatz auch die allgemeine Nachhallzeit,
welche anschließend an das Hörsystem übermittelt wird. Ein Vorteil dieser Ausgestaltung
besteht insbesondere darin, dass das Zusatzgerät typischerweise mehr Rechenleistung
aufweist und daher effektiver in der Auswertung des Datensatzes ist, als beispielsweise
das Hörsystem. Das Zusatzgerät dient somit der Auslagerung der rechenintensiven Bestimmung
der Nachhallzeit. Des Weiteren wird dadurch vorteilhaft auch der Energieverbrauch
des Hörsystems reduziert.
[0028] Zweckmäßigerweise werden auf dem Zusatzgerät allgemein die Mikrofonsignale und speziell
die individuellen Nachhallzeiten auch anderer Geräte als des Hörsystems in den entsprechenden
Rohdatensatz oder Datensatz aufgenommen, sodass die an das Hörsystem rückübermittelte
allgemeine Nachhallzeit nicht lediglich aus solchen individuellen Nachhallzeiten abgeleitet
ist, welche alleinig vom Hörsystem ermittelt wurden. Stattdessen profitiert das Hörsystem
auch von Nachhallzeiten, welche von anderen Geräten ermittelt wurden.
[0029] In einer bevorzugten Ausgestaltung ist das Zusatzgerät ein Smartphone, d.h. allgemein
insbesondere ein mobiles Gerät. Ein Smartphone zeichnet sich durch eine hohe Rechenleistung
sowie durch eine hohe Energiekapazität aus, zumindest im Vergleich zu einem Hörgerät,
und ist daher als Recheneinheit besonders geeignet. Ein Smartphone verfügt auch über
geeignete Verbindungsmöglichkeiten zur Datenübertragung mit dem Hörsystem, beispielsweise
über eine Bluetooth-Anbindung. Über eine entsprechende Verbindung zur Datenübertragung
wird das Smartphone zweckmäßigerweise auch mit anderen Geräten verbunden, um von diesen
Mikrofonsignale oder individuelle Nachhallzeiten zu empfangen und einen möglichst
großen Datensatz zu bilden. Viele Anwender von Hörgeräten sind zudem bereits im Besitz
eines Smartphones, sodass kein zusätzliches Zusatzgerät angeschafft werden muss. Üblicherweise
befindet sich ein Smartphone auch in räumlicher Nähe zum Anwender und ist dadurch
quasi durchgängig einsatzbereit.
[0030] In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung ist das Zusatzgerät ein insbesondere
feststehender, d.h. ortsfester Server, auf welchem der Datensatz gespeichert und insbesondere
auch ausgewertet wird. In dieser Ausgestaltung stellt das Zusatzgerät auf vorteilhafte
Weise eine zentrale Auswerteeinheit dar, welche eine hinreichende Rechenleistung zur
Auswertung des Datensatzes aufweist und zudem die Mikrofonsignale und/oder individuellen
Nachhallzeiten, d.h. allgemein Daten einer Vielzahl von Geräten zusammenführt. Vorzugsweise
erfolgt das Zusammenführen über das Internet, d.h. im Rahmen einer Cloud-basierten
Lösung. Der Server sammelt dann die Daten der verschiedenen Geräte und führt diese
zentralisiert zusammen, sodass eine besonders schnelle und zuverlässige Bestimmung
der allgemeinen Nachhallzeit und der Einstellung des Hörsystems gewährleistet ist.
Vorteilhafterweise ist mittels des Servers auch eine Crowd-basierte Auswertung realisiert,
indem die Daten mehrerer Hörsysteme von unterschiedlichen Anwendern zusammengeführt
werden, sodass die Anwender untereinander von den Daten der jeweils anderen Anwender
profitieren.
[0031] In einer besonders zweckmäßigen Ausgestaltung werden die beiden oben genannten Konzepte
mit Smartphone und Server kombiniert, sodass zwei Zusatzgeräte verwendet werden, nämlich
ein Smartphone und ein Server. Das Smartphone stellt dann zweckmäßigerweise ein Verbindungsglied
zwischen dem Hörsystem und dem Server dar. Dazu ist das Smartphone beispielsweise
über eine Bluetooth-Verbindung mit dem Hörsystem, genauer dessen Hörgerät oder Hörgeräten
verbunden und empfängt einerseits von diesem aufgenommene Mikrofonsignale und/oder
aus diesen ermittelte individuelle Nachhallzeiten. Auf dem Smartphone wird dann insbesondere
ein lokaler Datensatz von individuellen Nachhallzeiten angelegt. Das Smartphone ist
weiter mit dem Server verbunden, zweckmäßigerweise über das Internet, um von diesem
zusätzliche individuelle Nachhallzeiten oder eine allgemeine Nachhallzeit abzurufen
und/oder um den lokalen Datensatz an den Server zu übermitteln.
[0032] Insgesamt ist aufgrund der Aufteilung der Verfahrensschritte auf die diversen Geräte
und Zusatzgeräte und aufgrund der verschiedenen Daten eine Vielzahl an Ausgestaltungen
denkbar und geeignet. Insgesamt stellt die Verwendung eines Smartphones eine für den
Anwender individuelle Lösung dar, wohingegen die Verwendung eines Servers eine Crowd-Lösung
darstellt. In Kombination ist es einem Anwender dann möglich, grundsätzlich auf den
Server zuzugreifen oder alternativ, z.B. wenn keine Internetverbindung möglich ist,
lediglich auf die individuelle Lösung zurückzugreifen.
[0033] Allgemein sind insbesondere die folgenden Konfigurationen geeignet:
- Ein Hörsystem mit zwei Hörgeräten, welche jeweils individuelle Nachhallzeiten bestimmen,
wobei auf einem der Hörgeräte der Datensatz gebildet wird. Die beiden Hörgeräte sind
mit einer Verbindungseinrichtung verbunden, vorzugsweise drahtlos.
- Ein Hörsystem mit einem oder mit zwei Hörgeräten, welches bzw. welche mit einem Zusatzgerät
verbunden sind, vorzugsweise drahtlos. Das Zusatzgerät ist insbesondere eine Fernbedienung
für das Hörsystem, welche vorzugsweise ein Mikrofon aufweist, dessen Mikrofonsignale
ebenfalls zur Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit verwendet werden.
- Ein Hörsystem mit zwei Hörgeräten und ein Smartphone, welches entweder direkt mit
dem Hörsystem verbunden ist, oder mittelbar über ein Zusatzgerät wie zuvor genannt.
Auch das Smartphone weist ein Mikrofon auf, dessen Mikrofonsignale zur Bestimmung
der allgemeinen Nachhallzeit verwendet werden.
- Mehrere Hörsysteme verschiedener Personen im gleichen Raum. Die Hörsysteme sind untereinander
zum Datenaustausch verbunden, entweder direkt und/oder über ein oder mehrere Smartphones.
Die Daten der Personen werden untereinander ausgetauscht und einem jeweils lokalen
Datensatz hinzugefügt. Alternativ oder zusätzlich sind die Smartphones mit einem Server
verbunden, auf welchem ein gemeinsamer Datensatz gespeichert wird.
- Ein Hörsystem mit zumindest einem Hörgerät, welches mit einem Smartphone verbunden
ist. Das Smartphone versieht die Mikrofonsignale des Hörgeräts oder die daraus abgeleiteten
individuellen Nachhallzeiten oder eine daraus abgeleitete allgemeine Nachhallzeit
mit einem Ortsstempel, d.h. einer geographischen Information. Das Smartphone kombiniert
die aktuellen Daten mit früheren Daten, welche den gleichen Ortsstempel aufweisen.
- Ein Konfiguration wie vorgenannt, wobei das Smartphone mit einem Server verbunden
ist, um einerseits Daten an diesen zu senden und andererseits Daten, insbesondere
auch von anderen Personen, zu empfangen.
- Eine Kombination aller oder mehrerer der vorgenannten Konfigurationen.
[0034] In einer zweckmäßigen Weiterbildung wird die allgemeine Nachhallzeit bestimmt, indem
die Daten für den Datensatz, d.h. die Mikrofonsignale oder die individuellen Nachhallzeiten,
geräteabhängig gewichtet werden. Dem liegt insbesondere die Überlegung zugrunde, dass
unterschiedliche Geräte unter Umständen unterschiedlich gut geeignet sind, um die
entsprechenden Daten bereitzustellen. Außerdem ist es möglich, dass ein Gerät an einer
wenig relevanten Position positioniert ist. Allgemein werden durch die geräteabhängige
Gewichtung die Daten unterschiedlicher Geräte bei der Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit
unterschiedlich stark berücksichtigt. Beispielsweise werden die Mikrofone von Hörgeräten
stärker gewichtet, als ein Mikrofon eines Telefons, da Erstere unter Umständen eine
größere Bandbreite aufweisen und eine zuverlässigere Bestimmung der Nachhallzeit gestatten.
Demnach wird zweckmäßigerweise nach der Art des Geräts gewichtet. Daraus folgt, dass
diese Weiterbildung besonders geeignet ist bei einer Ausgestaltung, bei welcher zusätzlich
den Hörgeräten des Hörsystems noch weitere Geräte vorhanden sind, deren Mikrofone
mit den Mikrofonen der Hörgeräte in ein gemeinsames Sensornetzwerk integriert sind.
[0035] Alternativ oder zusätzlich wird die allgemeine Nachhallzeit vorteilhafterweise bestimmt,
indem die Daten, d.h. die Mikrofonsignale oder die individuellen Nachhallzeiten, besitzerabhängig
gewichtet werden. Dadurch ist es vorteilhaft möglich, die vom eigenen Hörsystem des
Anwenders erzeugten Daten bevorzugt zu verwenden und fremde Daten, d.h. Daten fremden
Ursprungs lediglich nachrangig. Dies ist vor Allem dann von Vorteil, wenn die Herkunft,
die Qualität oder die Korrektheit der fremden Daten unbekannt ist.
[0036] Alternativ oder zusätzlich wird die allgemeine Nachhallzeit zweckmäßigerweise bestimmt,
indem die Daten, d.h. die Mikrofonsignale oder die individuellen Nachhallzeiten zeitabhängig
gewichtet werden. Dem liegt insbesondere die Überlegung zugrunde, dass sich der Anwender
zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Räumen aufhält oder dass sich ein
Raum zeitabhängig verändert, sodass sich auch die Nachhallzeit zeitabhängig verändert.
Durch die zeitabhängige Gewichtung der Daten werden dann vorteilhaft nur die zum gegebenen
Zeitpunkt relevanten Daten zur Bestimmung der Nachhallzeit herangezogen. Unter "zeitabhängig"
wird dabei insbesondere verstanden, dass die Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt abhängig
von einer Aufnahmezeit in Bezug zu diesem bestimmten Zeitpunkt gewichtet werden. Mit
anderen Worten: jedes Mikrofonsignal wird zu einer entsprechenden Aufnahmezeit erzeugt,
welche mit dem Mikrofonsignal gespeichert wird. Zu einem bestimmten, insbesondere
aktuellen Zeitpunkt wird dieser mit der Aufnahmezeit verglichen und dann entschieden,
wie stark das zugehörige Mikrofonsignal oder die daraus abgeleitete individuelle Nachhallzeit
gewichtet wird. Beispielsweise ändert sich der Nachhall in einem Raum nachts gegenüber
tagsüber dadurch, dass Vorhänge zugezogen werden. Nachts werden dann solche Daten,
deren Aufnahmezeit nachts liegt, stärker gewichtet als andere Daten.
[0037] Alternativ oder zusätzlich werden die Mikrofonsignale oder die individuellen Nachhallzeiten,
d.h. allgemein die Daten, geeigneterweise mit einer Ortsinformation, auch als Standortinformation
bezeichnet, versehen. Darunter wird insbesondere verstanden, dass die Mikrofonsignale
oder die individuellen Nachhallzeiten ortsabhängig zu einem Rohdatensatz oder zu einem
Datensatz oder zu mehreren Rohdatensätzen oder Datensätzen oder einer Kombination
hiervon zusammengeführt werden. Diese Ausgestaltung hat insbesondere den Vorteil,
dass das Hörsystem dann ortsabhängig mit den jeweils relevanten Daten versorgt und
optimal eingestellt wird. Unterschiedlichen Räumen werden dann vorzugsweise unterschiedliche
Rohdatensätze oder Datensätze oder beides zugeordnet, welche jeweils zweckmäßigerweise
lediglich diejenigen Daten enthalten, welche in dem jeweiligen Raum, d.h. am jeweiligen
Ort aufgenommen wurden. Insgesamt werden damit insbesondere alle Mikrofonsignale oder
individuellen Nachhallzeiten in einem bestimmten Gebiet zu einem einzelnen insbesondere
ortsabhängigen Rohdatensatz oder Datensatz vereint. Die Ausgestaltung, bei welcher
die Mikrofonsignale, also die Rohdaten direkt mit einer Ortsinformation versehen werden,
hat den Vorteil, dass jedes Hörsystem dann an einem gegebenen Ort die Analyse der
Rohdaten und die Ermittlung der allgemeinen Nachhallzeit selbst durchführen kann und
insbesondere individuell oder auch nutzerabhängig. Umgekehrt wird bei der Bereitstellung
von individuellen Nachhallzeiten mit Ortsinformation im Hörsystem entsprechend Rechenleistung
eingespart.
[0038] Um die zu verwendenden Daten ortsabhängig zuzuweisen oder auszuwählen, werden diese
mit einer Ortsinformation, d.h. mit einem Ortsstempel versehen, beispielsweise mittels
GPS. Die Ortsinformation besteht dann vorzugsweise aus GPS-Koordinaten. Insbesondere
wird jedem Mikrofonsignal oder jeder individuellen Nachhallzeit jeweils mit einer
eigenen Ortsinformation versehen. Dabei wird für mehrere Mikrofonsignale oder Nachallzeiten
am gleichen Ort oder an hinreichend gleichen Orten zweckmäßigerweise die gleiche Ortsinformation
verwendet.
[0039] Nachfolgend werden der Einfachheit halber lediglich Ausgestaltungen genannt, welche
die individuellen Nachhallzeiten nutzen. Alternativ zu den individuellen Nachhallzeiten
oder zusätzlich hierzu werden jedoch in einer geeigneten Variante die Mikrofonsignale
direkt genutzt. Die Ausführungen gelten demnach sinngemäß auch für Ausgestaltungen
und Weiterbildungen, bei welchen alternativ oder zusätzlich zu den individuellen Nachhallzeiten
die Mikrofonsignale direkt verwendet werden und insbesondere falls alternativ oder
zusätzlich zu einem Datensatz aus individuellen Nachhallzeiten ein Rohdatensatz an
Mikrofonsignalen vorliegt.
[0040] Das Versehen mit einer Ortsinformation, d.h. das Markieren einer individuellen Nachallzeit
mit einer Ortsinformation, erfolgt vorzugsweise in einem Smartphone, welches üblicherweise
bereits über einen GPS-Empfänger verfügt. Alternativ oder zusätzlich weist das Hörsystem
einen GPS-Empfänger auf und versieht die Mikrofonsignale oder die daraus ermittelten
individuellen Nachhallzeiten mit einem Ortsstempel. Alternativ wird lediglich der
Datensatz mit einem Ortsstempel versehen und die Daten werden dann je nach Ort direkt
dem zugehörigen Datensatz hinzugefügt.
[0041] Zweckmäßigerweise werden alle oder einige der vorgenannten geräteabhängigen, besitzerabhängigen,
zeitabhängigen und ortsabhängigen Gewichtung der Daten miteinander kombiniert, um
eine besonders optimale Auswahl zu erhalten und die allgemeine Nachhallzeit entsprechend
optimal zu bestimmen.
[0042] In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung werden die Mikrofonsignale oder die
individuellen Nachhallzeiten eines Ortes gespeichert und bei einem zeitlich späteren
Wiedereintreffen an ebenjenem Ort zur Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit verwendet.
Dem liegt insbesondere der Gedanke zugrunde, dass individuelle Nachhallzeiten, welche
einmal an einem bestimmten Ort bestimmt worden sind, bei späterem Wiederaufsuchen
des Ortes gewinnbringend verwendet werden, insbesondere zusätzlich zu neu bestimmten
individuellen Nachhallzeiten. Das Hörsystem wird dann unter Berücksichtigung der zuvor
bestimmten, d.h. älteren Nachhallzeiten deutlich schneller optimal eingestellt, als
wenn nur neu ermittelte individuelle Nachhallzeiten zur Verfügung stünden.
[0043] Zweckmäßigerweise werden die individuellen Nachhallzeiten hierfür wie oben beschrieben
jeweils mit einer Ortsinformation versehen, sodass das Hörsystem oder ein anderes
Gerät den aktuellen Ort des Anwenders mit den Ortsinformationen vergleicht und bei
einer hinreichenden Übereinstimmung die entsprechenden gespeicherten individuellen
Nachhallzeiten zur Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit zusätzlich hinzuzieht.
In einer Variante, falls z.B. eine Bestimmung weiterer individueller Nachhallzeiten
nicht möglich ist, wird zumindest auf die bereits gespeicherten individuellen Nachhallzeiten
zurückgegriffen, um die allgemeine Nachhallzeit zu bestimmen. Der Ort ist beispielsweise
ein bestimmter Raum. Das spätere Wiedereintreffen an dem Ort kann grundsätzlich beliebig
lang nach dem vorhergehenden Eintreffen oder Verlassen des Orts liegen. Die individuellen
Nachhallzeiten werden entsprechend lang gespeichert. Der Ort kann dabei regelmäßig
aufgesucht werden, beispielsweise ein Restaurant oder ein Arbeitsplatz täglich, wobei
bestimmte Tage, wie z.B. Wochenenden ausgenommen sind. Zusätzlich oder alternativ
kann der Ort unregelmäßig aufgesucht werden, beispielsweise ein Konzertsaal in einem
Abstand von bis zu mehreren Wochen, Monaten oder Jahren. Auch kürzere Intervalle,
beispielsweise einzelne oder mehrere Minuten, Stunden oder Tage sind denkbar.
[0044] Besonders im Rahmen der ortsabhängigen Gewichtung, jedoch auch allgemein, ist es
vorteilhaft, dem Datensatz zusätzliche individuelle Nachhallzeiten hinzuzufügen. So
werden in einer vorteilhaften Ausgestaltung mittels einer Eichmessung zusätzliche
Nachhallzeiten, zumindest jedoch eine zusätzliche Nachhallzeit, gemessen und dem Datensatz
hinzugefügt. Bei der Eichmessung werden insbesondere möglichst hochwertige Mikrofone
verwendet, um ein möglichst gutes Messergebnis zu erzielen. Ein gegebener Raum oder
Ort wird somit insbesondere im Voraus hinsichtlich der Nachhallzeit vermessen und
die dabei gewonnenen Daten gespeichert, um einem Anwender später zugänglich zu sein.
Dadurch entfällt insbesondere jegliche Anpassungszeit für das Hörsystem auch beim
erstmaligen Betreten des Raums, da bereits Daten zu diesem Raum vorhanden sind. Beispielsweise
erfolgt die Eichmessung in einem Theatersaal durch dessen Betreiber. Die zusätzliche
Nachhallzeit wird zweckmäßigerweise online bereitgestellt und dann vom Server oder
vom Smartphone oder direkt vom Hörsystem abgerufen. Die obigen Ausführungen bezüglich
der Verwendung von gespeicherten individuellen Nachhallzeiten bei einem späteren Wiedereintreffen
am gleichen Ort gelten sinngemäß auch für Verwendung zusätzlicher Daten aus einer
Eichmessung und umgekehrt.
[0045] In einer vorteilhaften Weiterbildung werden die Mikrofonsignale oder die individuellen
Nachhallzeiten jeweils mit einem Zeitstempel versehen, insbesondere der oben erwähnten
Aufnahmezeit, und die allgemeine Nachhallzeit wird bestimmt, indem lediglich solche
Mikrofonsignale oder individuellen Nachhallzeiten berücksichtigt werden, deren Zeitstempel
nicht weiter zurückliegt als eine vorbestimmte maximale Dauer. Daraus ergibt sich
insbesondere der Vorteil, dass weit zurückliegende Daten, welche wahrscheinlich unbrauchbar
sind, quasi vergessen und zumindest nicht berücksichtigt werden. Die Dauer gibt dabei
den maximal berücksichtigten zurückliegenden Zeitraum an. Die Dauer beträgt beispielsweise
eine oder mehrere Stunden, Tage, Wochen oder Monate. In einer Weiterbildung wird die
Dauer ortsabhängig unterschiedlich gewählt, um unterschiedlich schnell veränderlichen
Umgebungen optimal Rechnung zu tragen.
[0046] Ein erfindungsgemäßes Hörsystem ist zum Betrieb mittels eines Verfahrens wie oben
beschrieben ausgebildet. Das Hörsystem ist ein binaurales Hörsystem und weist zwei
Hörgeräte auf, welche jeweils wenigstens ein Mikrofon aufweisen, zur Aufnahme eines
Schallsignals und zur Erzeugung eines Mikrofonsignals aus dem Schallsignal. Das Hörsystem
weist zudem eine Steuereinheit auf, welche derart ausgebildet ist, dass das Hörsystem
in Abhängigkeit einer allgemeinen Nachhallzeit eingestellt wird. Insbesondere ist
die Steuereinheit derart ausgebildet, dass ein Verfahren wie oben beschrieben ausführt
wird. Die allgemeine Nachhallzeit wird entweder lokal vom Hörsystem selbst ermittelt
oder extern von einem Zusatzgerät, z.B. einem Smartphone oder Server. Je nach Ausgestaltung
weist das Hörsystem eine Verbindungseinrichtung zur Datenübertragung auf, um ggf.
mit einem Zusatzgerät Daten auszutauschen, wie oben im Zusammenhang mit dem Verfahren
beschrieben.
[0047] Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand einer Zeichnung näher
erläutert. Darin zeigen jeweils schematisch:
Fig. 1 ein Hörsystem sowie weitere Geräte und
Fig. 2 ein Verfahren zum Betrieb des Hörsystems.
[0048] In Fig. 1 ist eine von mehreren möglichen Konfigurationen gezeigt, in welcher ein
Hörsystem 2 mithilfe mehrerer Mikrofone 4 optimal eingestellt wird. Das gezeigte Hörsystem
2 ist binaural ausgebildet und weist zwei Hörgeräte 6 auf, welche jeweils ein Mikrofon
4 und eine Steuereinheit 8 aufweisen. Beide Hörgeräte 6 sind mit einem Smartphone
10 verbunden, beispielsweise über eine Bluetooth- Verbindung. Das Smartphone 10 weist
ebenfalls ein Mikrofon 4 auf, welches jedoch nicht zwingend baugleich mit den Mikrofonen
4 des Hörsystems 2 ist. Das Smartphone 10 ist wiederum mit einem Server 12 verbunden,
z.B. über das Internet. Das Smartphone 10 und der Server 12 sind jeweils ein Zusatzgerät.
Die Hörgeräte 6, das Smartphone 10 und der Server 12 werden jeweils allgemein auch
als Gerät bezeichnet.
[0049] Ein Verfahren zum Betrieb des Hörsystems 2 wird nachfolgend in Verbindung mit dem
in Fig. 2 gezeigten Ablaufschema näher erläutert. Von einer Schallquelle Q geht ein
Schallsignal S aus, welches in einem Schritt S1 mittels mehrerer Mikrofone 4 gemessen
wird. Die Mikrofone 4 sind in unterschiedlichen Geräten 6, 10 verbaut, z.B. in einem
Hörgerät 6, einem Smartphone 10, einem Telefon, einem Fernseher oder einem Computer.
Dabei können in einem Gerät grundsätzlich auch mehrere Mikrofone 4 verbaut sein. Jedes
der Mikrofone 4 nimmt das Schallsignal S auf und erzeugt daraus im Schritt S1 ein
Mikrofonsignal M. Für jedes der Mikrofonsignale M, wenigstens jedoch für die Mikrofonsignale
M der Mikrofone 4 der Hörgeräte 6, wird anschließend in einem Schritt S2 eine individuelle
Nachhallzeit indN bestimmt. Die individuellen Nachhallzeiten indN werden in einem
Schritt S3 in einem Datensatz D zusammengeführt, aus welchem wiederum in einem Schritt
S4 eine allgemeine Nachhallzeit allgN bestimmt wird.
[0050] Vorzugsweise wird die individuelle Nachhallzeit indN eines jeweiligen Mikrofons 4
mittels desjenigen Geräts 6, 10 bestimmt, in welchem das Mikrofon 4 verbaut ist. Auf
diese Weise wird die zu übertragende Datenmenge reduziert. Im Beispiel der Fig. 1
nehmen die Hörgeräte 6 und das Smartphone 10 jeweils das Schallsignal S auf, erzeugen
Mikrofonsignale M und bestimmen aus diesen insbesondere lokal eine individuelle Nachhallzeit
indN. Sämtliche individuellen Nachhallzeiten indN werden an das Smartphone 10 übertragen
und dort zum Datensatz D zusammengefügt, aus welchem dann die allgemeine Nachhallzeit
allgN bestimmt wird, vorzugsweise mittels eines statistischen Verfahrens. In Abhängigkeit
der allgemeinen Nachhallzeit allgN wird dann in einem Schritt S5 ein Betriebsparameter
des Hörsystems 2 eingestellt. Im Beispiel der Fig. 1 wird hierzu die allgemeine Nachhallzeit
allgN an das Hörsystem 2, insbesondere an die Steuereinheiten 8 übertragen.
[0051] Weiter ist in Fig. 1 ein Server 12 als ein Zusatzgerät gezeigt. Dieser übernimmt
je nach Ausgestaltung diverse Aufgaben. In einer Variante wird der Datensatz D auf
den Server 12 übertragen und dort dann die allgemeine Nachhallzeit allgN bestimmt
und über das Smartphone 10 an das Hörsystem 2 zurückgesendet. Das Smartphone 10 braucht
dann selbst keine Auswertung vorzunehmen. Eine Auswertung des Datensatzes 12 kann
jedoch auch sozusagen redundant auf beiden Zusatzgeräten 10, 12 erfolgen. Vorzugsweise
dient der Server 12 jedoch im Rahmen einer Cloud-basierten Lösung zum Zusammenführen
von Daten, d.h. von Mikrofonsignalen M und/oder verschiedenen individuellen Nachhallzeiten
indN einer Vielzahl an Geräten. Der Server 12 sammelt dann die Daten M, indN der verschiedenen
Geräte und führt diese zentralisiert zusammen, sodass eine besonders schnelle und
zuverlässige Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit allgN und der Einstellung des
Hörsystems 2 gewährleistet ist. In einer Variante ist insbesondere eine Crowd-basierte
Auswertung realisiert, bei welcher die Daten M, indN mehrerer Hörsysteme 2 von unterschiedlichen
Anwendern zusammengeführt werden, sodass die Anwender untereinander von den Daten
M, indN der jeweils anderen Anwender profitieren können.
[0052] Die Daten M, indN werden insbesondere gewichtet, sodass unterschiedliche Daten M,
indN unterschiedlich stark bei der Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit allgN berücksichtigt
werden. Eine Gewichtung erfolgt insbesondere geräteabhängig, zeitabhängig, ortsabhängig
oder besitzerabhängig. Dazu werden die Daten M, indN mit geeigneten Stempeln oder
Metatags versehen, welch im Rahmen der Auswertung ausgelesen werden.
[0053] Besonders im Rahmen einer ortsabhängigen Gewichtung, jedoch auch allgemein, werden
dem Datensatz insbesondere zusätzliche individuelle Nachhallzeiten zusN hinzugefügt.
Diese werden mittels einer Eichmessung E ermittelt, bei welcher möglichst hochwertige
Mikrofone verwendet werden, um ein möglichst gutes Messergebnis zu erzielen. Ein gegebener
Raum wird dann im Voraus hinsichtlich der Nachhallzeit vermessen und die dabei gewonnenen
Daten gespeichert, z.B. auf dem Server 12, um einem Anwender später zugänglich zu
sein. Dadurch entfällt insbesondere jegliche Anpassungszeit für das Hörsystem 2 auch
beim erstmaligen Betreten eines Raums. Beispielsweise erfolgt die Eichmessung E in
einem Theatersaal durch dessen Betreiber.
[0054] In einer Variante werden individuelle Nachhallzeiten indN nach Ablauf einer bestimmten
Zeitspanne oder Dauer vergessen und aus dem Datensatz D entfernt.
[0055] Das Verfahren ist nicht auf die in Fig. 1 gezeigte Konfiguration beschränkt. Vielmehr
sind auch andere, jedoch nicht gezeigte Konfigurationen geeignet. Beispielsweise sind
die Hörgeräte 6 direkt miteinander verbunden. In einer Variante ist das Hörsystem
2 direkt mit dem Server 12 verbunden. In einer Alternative wird kein Server 12 verwendet,
sondern jegliche Auswertung erfolgt durch das Hörsystem 2 selbst und/oder durch das
Smartphone 10 oder durch ein anderes Gerät.
Bezugszeichenliste
[0056]
- 2
- Hörsystem
- 4
- Mikrofon
- 6
- Hörgerät
- 8
- Steuereinheit
- 10
- Smartphone
- 12
- Server
- allgN
- allgemeine Nachhallzeit
- D
- Datensatz
- E
- Eichmessung
- indN
- individuelle Nachhallzeit
- M
- Mikrofonsignal
- Q
- Schallquelle
- S
- Schallsignal
- S1 bis S5
- Verfahrensschritte
- zusN
- zusätzliche, individuelle Nachhallzeit
1. Verfahren zum Betrieb eines Hörsystems (2),
- wobei ein Schallsignal (S), welches von einer Schallquelle (Q) ausgeht, mittels
mehrerer Mikrofone (4) gemessen wird,
- wobei die Mikrofone (4) in unterschiedlichen Geräten (6, 10) verbaut sind,
- wobei das Hörsystem (2) binaural ist und wobei zwei der Geräte (6, 10) jeweils als
ein Hörgerät (6) des Hörsystems (2) ausgebildet sind,
- wobei jedes der Mikrofone (4) das Schallsignal (S) aufnimmt und daraus ein Mikrofonsignal
(M) erzeugt,
- wobei für zumindest die beiden Mikrofonsignale (M) der Mikrofone (4) der Hörgeräte
(6) jeweils eine individuelle Nachhallzeit (indN) bestimmt wird,
- wobei die individuellen Nachhallzeiten (indN) in einem Datensatz (D) zusammengeführt
werden, aus welchem eine allgemeine Nachhallzeit (allgN) bestimmt wird, und
- wobei ein Betriebsparameter des Hörsystems (2) in Abhängigkeit der allgemeinen Nachhallzeit
(allgN) eingestellt wird.
2. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Mikrofonsignale (M) zu einem Rohdatensatz zusammengeführt werden und bezüglich
des Hörsystems (2) extern gespeichert werden, dass das Hörsystem (2) auf die Rohdaten
zugreift und aus diesen zunächst die jeweils individuelle Nachhallzeit (indN) bestimmt
und anschließend die allgemeine Nachhallzeit (allgN).
3. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet,
dass zumindest zwei der Mikrofone (4) in unterschiedlichen Hörsystemen (2) angeordnet
sind.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass eines der Mikrofone (4) in einem Hörgerät (6) angeordnet ist und ein anderes der
Mikrofone (4) in einem Smartphone (10).
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die individuellen Nachhallzeiten (indN) auf einem externen Zusatzgerät (10, 12) zu
dem Datensatz (D) zusammengeführt werden, wobei zuvor die individuellen Nachhallzeiten
(indN) der Mikrofonsignale (M) eines jeweiligen Mikrofons (4) vorzugsweise mittels
desjenigen Geräts (6, 10) bestimmt werden, in welchem das Mikrofon (4) verbaut ist.
6. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Zusatzgerät (10, 12) aus dem Datensatz (D) die allgemeine Nachhallzeit (allgN)
ermittelt und diese an das Hörsystem (2) übermittelt wird.
7. Verfahren nach einem der beiden vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Zusatzgerät (10, 12) ein Smartphone (10) ist und/oder dass das Zusatzgerät (10,
12) ein Server (12) ist, auf welchem der Datensatz (D) gespeichert wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die allgemeine Nachhallzeit (allgN) bestimmt wird, indem die Mikrofonsignale (M)
oder die individuellen Nachhallzeiten (indN) geräteabhängig gewichtet werden.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die allgemeine Nachhallzeit (allgN) bestimmt wird, indem die Mikrofonsignale (M)
oder die individuellen Nachhallzeiten (indN) besitzerabhängig gewichtet werden.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die allgemeine Nachhallzeit (allgN) bestimmt wird, indem die Mikrofonsignale (M)
oder die individuellen Nachhallzeiten (indN) zeitabhängig gewichtet werden.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Mikrofonsignale (M) oder die individuellen Nachhallzeiten (indN) mit einer Ortsinformation
versehen werden.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Mikrofonsignale (M) oder die individuellen Nachhallzeiten (indN) eines Ortes
gespeichert werden und bei einem zeitlich späteren Wiedereintreffen an ebenjenem Ort
zur Bestimmung der allgemeinen Nachhallzeit (allgN) verwendet werden.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass mittels einer Eichmessung (E) zusätzliche Nachhallzeiten (zusN) gemessen werden und
dem Datensatz (D) hinzugefügt werden.
14. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Mikrofonsignale (M) oder die individuellen Nachhallzeiten (indN) jeweils mit
einem Zeitstempel versehen werden und dass die allgemeine Nachhallzeit (allgN) bestimmt
wird, indem lediglich solche Mikrofonsignale (M) oder individuellen Nachhallzeiten
(indN) berücksichtigt werden, deren Zeitstempel nicht weiter zurückliegt als eine
vorbestimmte maximale Dauer.
15. Hörsystem (2), welches binaural ist und welches zum Betrieb mittels eines Verfahrens
gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche ausgebildet ist, mit zumindest zwei Hörgeräten
(6), welche jeweils wenigstens ein Mikrofon (4) aufweisen, zur Aufnahme eines Schallsignals
(S) und zur Erzeugung eines Mikrofonsignals (M) daraus, und mit einer Steuereinheit
(8), welche derart ausgebildet ist, dass das Hörsystem (2) in Abhängigkeit einer allgemeinen
Nachhallzeit (allgN) eingestellt wird.