[0001] Die Erfindung betrifft eine Beschichtungsanlage zur automatischen Serienbeschichtung
von Werkstücken, deren Beschichtung mehrere aufeinanderfolgende Beschichtungsprozessschritte
erfordert, umfassend wenigstens zwei Beschichtungsstationen mit jeweiligen Beschichtungsvorrichtungen
zur Durchführung jeweils wenigstens eines Beschichtungsprozessschrittes und umfassend
fernerhin wenigstens eine Übergabestelle. Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren
zum Betreiben einer solchen Beschichtungsanlage.
[0002] Es ist bekannt, dass die industrielle Beschichtung von Werkstücken, beispielsweise
von Automobilkarosserien, eine Vielzahl von Beschichtungsprozessen erfordert, wie
beispielsweise das Nahtabdichten mittels PVC, eine Vorbeschichtung mittels kathodischer
Tauchlackierung oder das Lackieren der Automobilkarosserie. Jeder dieser Beschichtungsprozesse
ist seinerseits wieder in verschiedene Prozessschritte beziehungsweise Beschichtungsprozessschritte
untergliedert, beispielsweise beim Lackieren eine Vorbeschichtung mit einem Füller,
eine nachfolgende - gegebenenfalls mehrschichtige - Lackierung mit einem Basislack,
sowie eine anschließende Lackierung mit einem Klarlack. Fernerhin ist auch zwischen
einer Außen- und einer Innenlackierung zu unterscheiden. Zwischen den verschiedenen
Beschichtungsprozessschritten sind darüber hinaus den Anforderungen des applizierten
Beschichtungsmaterials entsprechend eventuelle Ofen- oder Abdunstzeiten vorzusehen.
[0003] Für die jeweiligen Beschichtungsprozessschritte sind zumeist separate Beschichtungsstationen
sowie zugehörige Öfen, Abdunstzonen und Kühlzonen vorgesehen, welche von einem zu
beschichtenden Werkstück beziehungsweise einer Automobilkarosserie in sequentieller
Weise auf beispielsweise einem Linienförderer durchquert werden. Jedes Werkstück durchläuft
aus diesem Grund jede Beschichtungsstation, beziehungsweise auch jeden Ofen oder jede
Abdunstzone, unabhängig davon, ob dieser jeweilige Prozessschritt im individuellen
Einzelfall erforderlich ist oder nicht.
[0004] Nachteilig hierbei ist, dass eine entsprechende Beschichtungsanlage somit für eine
fest vorgegebene Abfolge von Beschichtungsprozessschritten ausgelegt ist und damit
der zunehmend steigenden Anzahl an Beschichtungsvarianten nur entsprechen kann, indem
Beschichtungsstationen für alle theoretisch benötigten Beschichtungsprozessschritte
vorgehalten werden, welche im Einzelfall bei nicht-Notwendigkeit eines jeweiligen
Beschichtungsprozessschrittes deaktiviert werden. So kann es beispielsweise erforderlich
sein, dass bei bestimmten Beschichtungsvarianten eine Beschichtung mit einem Füller
entfällt oder auch, dass ein Teil der zu beschichtenden Werkstücke mit einer mehrfarbigen
Lackierung zu versehen ist. Ebenso ist es denkbar, dass bestimmte Werkstücke bzw.
Lackmaterialien eine geringere Ofenzeit erfordern als andere.
[0005] Aufgrund der sequentiellen, linienartigen Förderung der zu lackierenden Werkstücke
durch die Beschichtungsstationen einer Beschichtungsanlage entstehen mit zunehmender
Variantenvielfalt daher zunehmend ungenutzte Totzeiten von Beschichtungsstationen,
nämlich genau dann, wenn diese von einem Werkstück durchlaufen werden, welches den
zugehörigen Beschichtungsprozessschritt nicht benötigt und die jeweiligen Bearbeitungskomponenten
während der Durchlaufzeit nicht aktiviert werden.
[0006] Das Patentdokument
EP 1 702 687 B1 versucht - zumindest im Bereich des Lackierens - diesen Nachteil dadurch auszugleichen,
dass die Linienstruktur des Transportsystems abschnittsweise aufgefächert wird und
mehrere parallele alternativ anfahrbare Beschichtungsstationen vorgesehen sind, welche
derart ausgestaltet sind, dass alle Beschichtungsprozessschritte für einen Lackierprozess
in ein und derselben Bearbeitungsstation durchgeführt werden können, insbesondere
auch die Innen- und Außenlackierung eines Fahrzeugs. Nach Verlassen der alternativ
anfahrbaren Beschichtungsstationen wird die abschnittsweise aufgefächerte Linienstruktur
des Transportsystems wieder zusammengeführt. Jede Bearbeitungsstation muss daher in
aufwändiger Weise mit allen Bearbeitungsvorrichtungen ausgestatten sein, welche für
eine Komplettlackierung mit allen jeweiligen Beschichtungsprozessschritten notwendig
sind. Es können gerade auch beim Auftrag mehrerer Lackschichten prozessbedingte Wartezeiten
erforderlich sein, nämlich eventuelle Abdunstzeiten zwischen dem Auftrag der verschiedenen
Lackschichten, in welchen in der Bearbeitungsstation keine Beschichtung erfolgen kann,
obwohl sich das Werkstück darin befindet, so dass hierdurch wieder zusätzliche Totzeiten
entstehen.
[0007] Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es Aufgabe der Erfindung, eine verbesserte
Beschichtungsanlage beziehungsweise ein Verfahren zum Betreiben einer solchen bereitzustellen,
wodurch auf einfache Weise eine gesteigerte Flexibilität bei gleichzeitig hoher Auslastung
der Beschichtungsanlage ermöglicht ist.
[0008] Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Beschichtungsanlage der eingangs genannten Art.
Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass ein automatisches Transportsystem vorgesehen
ist, mittels welchem die Werkstücke individuell und unabhängig voneinander zwischen
den wenigstens zwei Beschichtungsstationen und der wenigstens einen Übergabestelle
verbringbar sind.
[0009] Die Grundidee der Erfindung besteht darin, die seither durch das Transportsystem
fest vorgegebene sequentielle Verkettung der einzelnen Beschichtungsprozessschritte
aufzulösen. Somit ist es im Falle eines individuell nicht erforderlichen Beschichtungsprozessschrittes
möglich, die entsprechende Beschichtungsstation gar nicht mehr mit dem Werkstück anzufahren,
wodurch in vorteilhafter Weise eine Reduktion der Anzahl der Beschichtungsstationen
beziehungsweise eine erhöhte Auslastung der Beschichtungsstationen der erfindungsgemäßen
Beschichtungsanlage sowie reduzierte Transferzeiten ermöglicht sind.
[0010] Eine typische aber nicht notwendigerweise vollständige oder zwingende Abfolge von
Beschichtungsprozessschritten im automobilen Bereich ist beispielsweise die Folgende,
wobei je nach Randbedingungen im Einzelfall ausgewählte Prozessschritte nicht erforderlich
sind:
- Vorbehandlung mit Beschichtungsflüssigkeit A
- Vorbehandlung mit Beschichtungsflüssigkeit B
- KTL Beschichtung
- Nahtabdichten Innenraum Automobilkarosserie mit PVC
- Nahtabdichten Unterboden Automobilkarosserie mit PVC
- Nahtabdichten Türbereich Automobilkarosserie mit PVC
- Lackieren mit einem Füller Innenbereich
- Lackieren mit einem Füller Außenbereich
- Lackieren einem Basislack Innenbereich
- Lackieren mit einem Basislack Außenbereich Schicht 1
- Lackieren mit einem Basislack Außenbereich Schicht 2
- Auftrag Mehrfarblackierung
- Lackieren mit einem Klarlack
- Ggf. Nacharbeit
[0011] Eine Beschichtungsstation ist im Falle einer PVC Applikation oder Lackierung typischerweise
eher kabinenähnlich ausgestaltet, wobei das zu beschichtende Werkstück beispielsweise
mittig über eine der Stirnseiten der Kabine ein- und ausgefahren wird. Ein Ausfahren
ist aber auch ohne Weiteres an der gegenüber liegenden Stirnseite möglich. Beiderseits
der Mitte können Roboter für eine Beschichtung mit einer Abdichtmasse wie PVC oder
für eine Lackierung vorgesehen sein. Eine Beschichtungsstation kann aber auch - beispielsweise
im Falle einer mehrfarbigen Lackierung - Handarbeitsplätze aufweisen, falls die zu
erledigenden Beschichtungsarbeiten nicht völlig automatisiert werden können. Auch
Tür- und Haubenöffnerroboter sind übliche Bearbeitungskomponenten in Beschichtungsstationen.
Eine Beschichtungsstation ist insbesondere im Falle einer Lackierung in vorteilhafter
Weise mit einer Einhausung zu versehen und klimatisiert auszugestalten.
[0012] Im Falle einer Vorbehandlung wie einer kathodischen Tauchlackierung (KTL) ist eine
Beschichtungsstation typischerweise beckenähnlich ausgestaltet, wobei für eine Beschichtung
ein Eintauchen des Werkstückes in das mit einer jeweiligen Beschichtungsflüssigkeit
gefüllte Becken erforderlich ist. Ja nach geforderter Vorbeschichtung kann ein Eintauchen
in ein oder auch in mehrere mit verschiedenen Beschichtungsflüssigkeiten gefüllte
Becken erforderlich sein. Ein Eintauchen einer Automobilkarosserie in ein solches
Becken kann beispielsweise über einen Schwerlastroboter erfolgen, welcher die Automobilkarosserie
unter Verwendung einer Adaptervorrichtung von einer anderen Komponente des Transportsystems
wie einem Fahrzeug eines fahrerlosen Transportsystem (FTS) entnimmt. Ein Becken kann
optionaler Weise auch über eine eigene Tauchvorrichtung verfügen, an welche das Werkstück
beziehungsweise die Automobilkarosserie dann von dem Transportsystem übergeben wird.
[0013] Das Transportsystem ist-abweichend von einem strikt linienartig aufgebautem Transportsystem
des Standes der Technik - derart ausgestaltet, dass die Werkstücke individuell und
unabhängig voneinander zwischen den wenigstens zwei Beschichtungsstationen und der
wenigstens einen Übergabestelle verbringbar sind. Im Falle des Vorhandenseins einer
Vielzahl an Bearbeitungsstationen für verschiedene Beschichtungsarten ist eine völlige
Flexibilität eines individuellen Transportes jedoch nicht erforderlich, diese richtet
sich vielmehr nach den vom Beschichtungsprozess vorgegebenen Randbedingungen.
[0014] So ist es zwar sinnvoll, einen flexiblen Transport innerhalb der Beschichtungsstationen
für eine Vorbehandlung oder innerhalb der Beschichtungsstationen für eine Lackierung
bereitzustellen, aber ein Rücktransport eines lackierten Werkstückes in die Beschichtungsstationen
für Nahtabdichten mit PVC oder für eine Vorbehandlung ist prozesstechnisch nicht erforderlich.
[0015] An einer Übergabestelle wird ein zu beschichtendes Werkstück beziehungsweise eine
Automobilkarosserie an das Transportsystem der Beschichtungsanlage übergeben beziehungsweise
ein fertig beschichtetes Werkstück zur weiteren Bearbeitung aus der Beschichtungsanlage
an ein weiteres Transportsystem übergeben. Je nach verwendetem Transportsystem sind
die Grenzen hier allerdings fließend, es ist auch durchaus möglich, dass ein zu lackierendes
Werkstück aus dem Rohbau direkt mittels eines fahrerlosen Transportsystems in eine
Beschichtungsstation der Beschichtungsanlage verbracht wird. In diesem Falle würde
der Eintrittsort des fahrerlosen Transportsystems in den Bereich der Beschichtungsanlage
als Übergabestelle angesehen werden können.
[0016] Typischerweise sind die zu beschichtenden Werkstücke auf einem Werkstückträger montiert,
welcher seinerseits auf das Transportsystem abgestimmt ist. Das Transportsystem kann
beispielsweise ein fahrerloses Transportsystem mit einer Vielzahl an autonom fahrenden
Transportfahrzeugen umfassen, welche dafür vorgesehen sind, jeweils ein Werkstück
beziehungsweise eine Automobilkarosserie aufzunehmen, welche dann entsprechend den
Anforderungen individuell unter anderem zwischen den Beschichtungsstationen hin und
herfahren.
[0017] Wenn ein Transportfahrzeug eine Beschichtungsstation erreicht hat, ist es sowohl
denkbar, dass ein solches Transportfahrzeug zusammen mit dem Werkstück in die Beschichtungsstation
einfährt, nach erfolgter Beschichtung wieder aus dieser heraus und beispielsweise
zur nächsten Beschichtungsstation weiterfährt. Es ist aber auch denkbar, dass das
Werkstück bei Erreichen der Beschichtungsstation von dem Transportfahrzeug oder einer
entsprechenden Übergabevorrichtung auf ein beschichtungsstationsbezogenes Transportsystem
übergeben wird und nach erfolgter Beschichtung wieder zurück an dieses oder auch ein
anderes Transportfahrzeug. Dies ist beispielsweise bei einem Becken für eine Vorbeschichtung
vorteilhaft, weil sonst das Transportfahrzeug zumindest teilweise ebenfalls in die
Beschichtungsflüssigkeit des Beckens eintauchen würde.
[0018] Selbstverständlich sind auch andere Transportsysteme denkbar, insoweit durch diese
die erfindungsgemäßen Anforderungen an Individualität und Flexibilität erfüllt werden.
So ist es auch durchaus möglich, zumindest bereichsweise ein kranähnliches Transportsystem
vorzusehen, mit welchem die Werkstücke von einem Bodenförderer oder einem Transportfahrzeug
abgehoben und beispielsweise direkt in eine Beschichtungsstation verbracht werden
können.
[0019] Zur Koordination der Beschichtungsvorgänge in der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage
ist zweckmäßigerweise eine Steuerungsvorrichtung vorzusehen, welche die Beschichtungsanlage
auf der Basis eines Produktionsplanes steuert. Der Produktionsplan kann anhand der
Daten von anstehenden Beschichtungsvorgängen entsprechend den jeweils erforderlichen
Beschichtungsprozessschritten erstellt werden, wobei für jedes Werkstück eine individuelle
Reihenfolge ermittelt wird, entsprechend derer das jeweilige Werkstück mittels des
automatischen Transportsystems zur Beschichtung in eine jeweils geeignete Bearbeitungsstationen
oder zu weiteren Komponenten der Beschichtungsanlage zu verbringen ist.
[0020] Gemäß einer weiteren Variante der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage umfasst diese
wenigstens eine Beschichtungsstation zur Durchführung einer Mehrzahl verschiedener
aufeinanderfolgender Beschichtungsprozessschritte. Nicht jede Beschichtungsstation
muss ausschließlich für die Durchführung eines einzigen Beschichtungsprozessschrittes
vorgesehen sein, auch wenn eine zu hohe Integrationsdichte von Prozessschritten in
ein und derselben Beschichtungsstation häufig zu einem unverhältnismäßig hohen Aufwand
bei der Realisation einer entsprechenden Beschichtungsstation führt.
[0021] So lassen sich je nach gegebenen Randbedingungen beispielsweise durchaus mehrere
Beschichtungsprozessschritte beim Nahtabdichten in ein und derselben Beschichtungsstation
vereinen. Hierbei kann gegebenenfalls auch ein jeweiliger automatischer Wechsel des
Applikationswerkzeugs vorgesehen sein, während das Werkstück in der Beschichtungs-
beziehungsweise Bearbeitungsstation befindlich ist. Auch ist es möglich, die für eine
Innenbeschichtung notwendigen Öffnungs- und Schließvorgänge von Hauben oder Türen
durch einen Roboter durchführen zu lassen, welcher primär zur Beschichtung des Werkstückes
mittels eines Applikationswerkzeuges vorgesehen ist.
[0022] Es ist auch möglich, mehrere Beschichtungsprozessschritte eines Lackiervorgangs in
ein und derselben Beschichtungsstation durchführen zu lassen, beispielsweise eine
kombinierte Innen- und Außenlackierung oder das Auftragen einer ersten und einer zweiten
Schicht Basislackes, um nur einige ausgewählte Beispiele zu nennen.
[0023] Für den Fall, dass ein Beschichtungsprozessschritt zwingend einen direkt nachfolgenden
Beschichtungsprozessschritt erfordert, beispielsweise einen Abdunst- oder Trocknungsschritt,
kann der betreffenden Beschichtungsstation auch direkt eine Abdunstzone und/oder ein
Ofen nachgeschaltet sein. Auch ist es denkbar, derartige Funktionalitäten direkt in
eine Beschichtungsstation zu integrieren.
[0024] Ein wesentlicher Vorteil der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage gegenüber dem
Stand der Technik besteht darin, dass mittels des Transportsystems ein Wechsel des
Werkstückes von einer Beschichtungsstation zur anderen zwischen zwei aufeinanderfolgenden
Beschichtungsprozessschritten jederzeit möglich ist, auch wenn ein solcher Wechsel
aufgrund der Auslegung der jeweiligen Beschichtungsstationen theoretisch nicht nötig
wäre. Hierdurch wird nämlich gerade bei Verwendung von Beschichtungsstationen, welche
für die Durchführung von mehreren verschiedenen Prozessschritten oder verschiedenen
Varianten ein und desselben Prozessschrittes vorgesehen sind, eine deutlich erhöhte
Flexibilität bei dem Gesamtbetrieb der Beschichtungsanlage erreicht.
[0025] Auf der anderen Seite führt ein Auslassen eines individuell nicht erforderlichen
Prozess- beziehungsweise Beschichtungsprozessschrittes sowie eine gegebenenfalls erfolgte
Integration mehrerer Beschichtungsprozessschritte in ein und dieselbe Beschichtungsstation
aufgrund des Transportsystems der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage zu einem Entfall
beziehungsweise zu einer Reduktion von Transferzeiten.
[0026] So ist es beispielsweise möglich - um den materialbedingten Abdunst-, Ofen- oder
Trocknungszeiten zu entsprechen - ein Werkstück nach Durchführung eines oder mehrerer
Beschichtungsprozessschritte aus der jeweiligen Beschichtungsstation zu verfahren,
beispielsweise in eine Abdunst- oder Kühlzone oder einen Ofen, und danach wieder in
dieselbe Beschichtungsstation zurück zu verbringen, wobei dort in der Zwischenzeit
ein oder mehrere weitere Werkstücke beschichtet werden können.
[0027] Im Übrigen entspricht es dem Gedanken der Erfindung, entsprechend vorgesehene Öfen
oder Abdunstzonen genauso wie Beschichtungsstationen in das Transportsystem der Beschichtungsanlage
einzubinden und bedarfsweise individuell mit dem Werkstück anzufahren. Auch ist es
beispielsweise denkbar, mehrere Öfen mit unterschiedlichen Temperaturen und/oder Verweilzeiten
zu betreiben, um so den Anforderungen einer hohen Variantenvielfalt an Werkstücken
zu entsprechen. Diese können dann sowohl als Durchlauföfen oder als garagenähnliche
Boxen ausgeführt sein. Letztere bieten den Vorteil, dass der Ofenprozess individuell
auf die Beschichtung jedes Werkstücks anpassbar ist.
[0028] Bei der Beschichtung von Werkstücken, insbesondere von Automobilkarosserien, ist
es selten der Fall, dass alle Werkstücke denselben Beschichtungsprozess durchlaufen.
Vielmehr ist mit einer erheblichen Varianz sowohl der Typen von Werkstücken als auch
des jeweiligen Beschichtungsprozesses zu rechnen.
[0029] Um dieser hohen Varianz mit einer hohen Flexibilität der Beschichtungsanlage zu entsprechen,
ist es gemäß einer Variante der Beschichtungsanlage vorgesehen, dass diese wenigstens
zwei identische Beschichtungsstationen zur Durchführung von ähnlichen oder gleichen
Beschichtungsprozessschritten umfasst. Ebenso ist es optional vorgesehen, dass die
erfindungsgemäße Beschichtungsanlage wenigstens zwei unterschiedliche Beschichtungsstationen
zur Durchführung von ähnlichen oder gleichen Beschichtungsprozessschritten umfasst.
In besonders bevorzugter Weise ist es auch vorgesehen, dass wenigstens eine, idealerweise
aber die meisten der Beschichtungsstationen zur Beschichtung von verschiedenen Typen
von Werkstücken vorgesehen sind.
[0030] Durch die zuvor genannten Maßnahmen ist die Anzahl an Produktionsvarianten, mit welchen
ein jeweiliges Werkstück in einer individuell vorgegebenen Sequenz von Beschichtungsprozessschritten
mit identischem Ergebnis beschichtet werden kann, in vorteilhafter Weise gesteigert.
So kann beispielsweise ein Beschichtungsprozessschritt P für ein Werkstück X durch
die Beschichtungsstationen A, B und C ausgeführt werden und für ein Werkstück Y durch
die Beschichtungsstationen B, C und D. Stationen B und C sind somit für beide Werkstücke
geeignet. Je nach aktuellem Produktionsanteil an zu beschichtenden Werkstücken X und
Y können diese in flexibler Weise auf die Beschichtungsstationen A, B, C und D verteilt
werden, so dass ein möglichst hoher Auslastungsgrad erreicht ist.
[0031] Eine analoge Betrachtungsweise ergibt sich beispielsweise auch für verschiedene Beschichtungsprozessschritte
P1, P2, P3 und P4, von denen je Werkstück individuell jeweils zwei durch die Beschichtungsstationen
D und/oder E auszuführen seien, wobei die Beschichtungsstation D für die Beschichtungsprozessschritte
P1, P2 und P3 und die Beschichtungsstation E für die Beschichtungsprozessschritte
P2, P3 und P4 vorgesehen sein mag.
[0032] Die Prozessschrittkombinationen P1 + P2 oder P1 + P3 ist in diesem Fall nur alleinig
durch D und P2 + P4 oder P3 + P4 alleinig nur durch E ausführbar. Die Prozessschrittkombination
P2 + P3 ist in diesem Fall gleichermaßen durch Beschichtungsstationen D und E ausführbar.
Die angenommener Weise sehr selten auftretende Prozessschrittkombination P1 + P4 ist
nur gemeinsam durch die Beschichtungsstationen D und E darstellbar, wobei hier ein
Transport des Werkstückes von Beschichtungsstation D nach E erforderlich ist, welcher
durch das Transportsystem der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage aber problemlos
realisierbar ist. Ebenso lassen sich die Prozessschrittkombinationen P1 + P2, P1 +
P3, P2 + P3, P2 + P4, sowie P3 + P4 auch gemeinsam durch die Beschichtungsstationen
D und E darstellen.
[0033] Mit der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage kann daher in flexibler Weise auf eine
hohe Varianz in den durchzuführenden Beschichtungsvorgängen reagiert werden, wobei
dennoch eine hohe Auslastung der Beschichtungsstationen ermöglicht ist. Trotzdem ist
es in vorteilhafter Weise vermieden, dass jede Beschichtungsstation im maximal möglichen
Umfang zur Durchführung jedes der jeweils in Betracht kommenden Beschichtungsprozessschritte
ausgestattet ist. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist das automatische Transportsystem,
mittels welchem die Werkstücke individuell und unabhängig voneinander zwischen den
Beschichtungsstationen verbringbar sind.
[0034] Gemäß einer weiteren Variante der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage umfasst diese
wenigstens einen Zwischenspeicher für Werkstücke, in welchen beziehungsweise aus welchem
mittels des automatischen Transportsystems Werkstücke individuell und unabhängig voneinander
ein- beziehungsweise auslagerbar sind. Der Zwischenspeicher ist - ähnlich wie die
Bearbeitungsstationen - in das Transportsystem integriert, wobei auch hier die Option
besteht, dass ein separates zwischenspeicherbezogenes Transportsystem vorgesehen ist,
an welches ein Werkstück im Falle einer Einlagerung beispielsweise von einem Fahrzeug
eines fahrerlosen Transportsystems übergeben wird, beziehungsweise von welchem ein
Werkstück im Falle einer Auslagerung an ein Fahrzeug eines fahrerlosen Transportsystems
übergeben wird. Selbstverständlich ist es aber auch möglich, dass anstelle eines derartigen
Fahrzeugs ein anderes geeignetes Transportmittel gewählt wird, beispielsweise auch
ein Bodenförderer als Bestandteil des Transportsystems.
[0035] Durch die Verwendung eines Zwischenspeichers lässt sich eine zeitliche Entzerrung
bei der Durchführung der Beschichtungsprozessschritte erreichen und damit eine erhöhte
Auslastung der Beschichtungsstationen. Wenn beispielsweise aufgrund des aktuellen
Aufkommens an zu beschichtenden Werkstücken bei der Bearbeitung eines Beschichtungsprozessschrittes
P1 ein temporärer Engpass herrscht aber für die Prozessschritte P2, P3 und P4 momentan
genügend Kapazität vorhanden ist, dann können diejenigen Werkstücke, welche den Bearbeitungsprozessschritt
P1 erfordern, in den Zwischenspeicher eingelagert werden, bis wieder eine entsprechende
Bearbeitungskapazität vorhanden ist. Hierbei sind als Randbedingung selbstverständlich
eventuell materialbedingte Prozesszeiten zu beachten. Voraussetzung für diese Vorgehensweise
ist wiederum das automatische Transportsystem, mittels welchem die Werkstücke individuell
und unabhängig voneinander zwischen den Beschichtungsstationen und auch dem Zwischenspeicher
verbringbar sind.
[0036] Entsprechend einer weiteren Ausgestaltungsform der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage
ist der wenigstens eine Zwischenspeicher zumindest in Teilbereichen als Abdunstzone,
Kühlzone und / oder Ofen ausgestaltet. Wie bereits beschrieben, sind zwischen den
verschiedenen Beschichtungsprozessschritten den Anforderungen des applizierten Beschichtungsmaterials
entsprechend eventuelle Ofen- oder Abdunst- oder Abkühlzeiten vorzusehen. Hierzu sind
in der Beschichtungsanlage entsprechende Öfen, Abdunst- oder Kühlzonen vorzusehen,
welche ebenfalls in das Transportsystem der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage
zu integrieren sind.
[0037] Gemäß dieser Ausgestaltungsform ist zumindest eine dieser Zonen beziehungsweise ein
Ofen als separater Bereich in den Zwischenspeicher integriert. Es ist beispielsweise
möglich, derartige Bereiche als Durchlaufzonen oder auch als individuelle, garagenähnliche
Boxen auszuführen. Nach Durchlauf eines Werkstückes durch eine Zone kann beispielsweise
dessen Umlagerung auf einen regulären Lagerplatz erfolgen. Hierzu ist es vorteilhaft,
wenn der Zwischenspeicher über ein eigenes Transportsystem verfügt.
[0038] In bevorzugter Weise ist der wenigstens eine Zwischenspeicher als Hochregallager
ausgeprägt. Aufgrund der verhältnismäßig geringen Höhe eines Werkstückes beziehungsweise
einer Automobilkarosserie ist beispielsweise eine Deckenhöhe eines mehrstöckigen Hochregallagers
von 2,5m in der Regel ausreichend. Für den Transport der Werkstücke zwischen den Stockwerken
des Hochregallagers ist in diesem Fall ein entsprechendes Transportsystem vorgesehen,
beispielsweise in Form eines Fahrstuhls. Auf diese Weise lässt sich sowohl der Flächenbedarf
einer Beschichtungsanlage mit Zwischenspeicher reduzieren als auch die für das Ein-
beziehungsweise Auslagern benötigten zwischenspeicherinternen Verfahrwege.
[0039] Eine typische vollumfängliche Beschichtung im automobilen Bereich umfasst wie bereits
beschrieben eine Lackier-Applikation, eine PVC-Applikation für das Abdichten von Nähten
an der Automobilkarosserie sowie eine Vorbehandlung. Deshalb ist es erfindungsgemäß
vorgesehen, dass wenigstens eine der Beschichtungsstationen der erfindungsgemäßen
Beschichtungsanlage für eine Lackier-Applikation, wenigstens eine der Beschichtungsstationen
für eine PVC-Applikation und/oder zumindest eine der Beschichtungsstationen für eine
Tauch-Applikation oder sonstige Vorbehandlung vorgesehen ist.
[0040] Gemäß einer bevorzugten Variante der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage weist
diese einen kreisrunden, quadratischen oder vergleichbaren polygonalen Grundriss auf,
welcher in etwa eine seiner Länge vergleichbare Breite aufweist. Insbesondere bei
Verwendung eines Transportsystems, mittels welchem die Werkstücke individuell und
unabhängig voneinander zwischen den wenigstens zwei Beschichtungsstationen, der wenigstens
einen Übergabestelle und einem eventuellem Zwischenlager verbringbar sind, erweist
sich eine derartige Anordnung als die benötigten Fahrwege verkürzend auf. Der für
den Transport erforderliche technische und zeitliche Aufwand wird hierdurch in vorteilhafter
Weise reduziert.
[0041] Entsprechend einer weiteren Variante der Beschichtungsanlage umfasst das automatische
Transportsystem ein fahrerloses Transportsystem eine kranähnliche Hebevorrichtung,
einen Roboter und/oder ein verzweigtes spurgebundenes Fördersystem. Fahrerlose Transportsysteme
weisen eine Vielzahl an eigenständig längs entsprechender Verfahrwege bewegliche eigenangetriebene
und zumeist zentral koordinierte Flurfahrzeuge auf, welche nicht spurgebunden sind
und deshalb beispielsweise auch aneinander vorbeifahren können. Diese sind für einen
erfindungsgemäßen individuellen Transport von Werkstücken besonders geeignet.
[0042] Aber auch kranähnliche Hebevorrichtungen und Roboter sind geeignete Mittel für einen
individuellen Transport von Werkstücken, insbesondere auch für das Verladen von Werkstücken
von einem Transportsystem auf ein anderes. Ebenso lassen sich auch Roboter als eine
lokale und einer Beschichtungsstation zugeordnete Transportvorrichtung verwenden,
beispielsweise zum Eintauchen eines Werkstückes in ein mit einer Beschichtungsflüssigkeit
gefülltes Becken.
[0043] Insoweit entsprechende Verzweigungen vorliegen, ist auch - zumindest in Teilabschnitten
- ein spurgebundenes Fördersystem für einen erfindungsgemäßen Transport von Werkstücken
geeignet. Durch entsprechende Verzweigungen ist keine rein sequenzielle Transportstruktur
mehr gegeben und ein individueller Transport von Werkstücken zumindest eingeschränkt
möglich.
[0044] Gemäß einer besonders bevorzugten Variante der Beschichtungsanlage ist diese zur
Beschichtung von Automobilkarosserien vorgesehen. Dies bedeutet beispielsweise für
das Transportsystem, dass dieses für den Transport von Rohkarosserien mit einem beispielhaften
Grundriss von bis zu ca. 5m x 2m und einer Höhe von ca. 1,8m bei einem Gewicht von
bis zu 1000kg ausgelegt sein muss. Auch die Beschichtungsanlagen müssen entsprechend
in ihren Dimensionen darauf angepasst sein.
[0045] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird auch gelöst durch ein Verfahren zum Betreiben einer
zuvor beschriebenen erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage, gekennzeichnet durch folgende
Schritte:
- Bereitstellen eines Datensatzes mit einer Vielzahl an Daten über zu beschichtende
Werkstücke, umfassend den jeweiligen Typ der Werkstücke und Kenndaten über die jeweils
zur individuellen Beschichtung erforderlichen Beschichtungsprozessschritte,
- automatisches Erstellen eines optimierten Produktionsplanes zur individuellen Beschichtung
der Werkstücke entsprechend den jeweils erforderlichen Beschichtungsprozessschritten,
wobei für jedes Werkstück eine individuelle Reihenfolge ermittelt wird, entsprechend
derer das jeweilige Werkstück mittels des automatischen Transportsystems zur Beschichtung
in jeweils geeignete Bearbeitungsstationen beziehungsweise in den Zwischenspeicher
zu verbringen ist, berücksichtigend folgende Optimierungskriterien:
- Vermeidung des Verbringens von Werkstücken in solche Beschichtungsstation, welche
zumindest auch für Beschichtungsprozessschritte vorgesehen sind, die für die individuelle
Beschichtung des jeweiligen Werkstückes nicht erforderlich sind,
- möglichst homogene Auslastung der Beschichtungsstationen,
- Beschichtung der Werkstücke entsprechend dem Produktionsplan.
[0046] Der Betrieb einer Produktionsanlage ist geprägt davon, dass alle zu beschichtenden
Werkstücke in der erforderlichen Qualität zu beschichten sind, wobei die Anzahl und
Typ der Werkstücke sowie die Kenndaten über deren jeweils individuelle Beschichtung
fremdvorgegeben sind, sich also nach der aktuellen Auftragslage richten.
[0047] Ziel beim Betrieb einer Beschichtungsanlage ist es, neben einer qualitativ hochwertigen
Beschichtung eine im Mittel möglichst hohe Auslastung der Beschichtungsstationen zu
gewährleisten und dies unabhängig von Typ und Beschichtungsanforderungen der aktuell
zu beschichtenden Werkstücke. Durch einen entsprechend optimierten Produktionsplan
wird dies ermöglicht. Dieser gibt die individuelle Reihen- und Abfolge vor, in welcher
die Werkstücke jeweils in die verschiedenen Beschichtungsstationen oder weiteren Analgenkomponenten
wie einen Zwischenspeicher, Ofen, Abdunstbereich oder dergleichen zu verbringen sind.
Ein Produktionsplan kann für ein bestimmtes erwartetes Produktionsvolumen für einen
bestimmten Zeitraum im Voraus erstellt werden, beispielsweise für einen kompletten
Tag, und auch bedarfsweise bei sich ändernden Randbedingungen angepasst werden.
[0048] Wie bei jedem Optimierungsproblem gibt es hierbei eine Zielfunktion, welche in diesem
Falle eine im Mittel möglichst hohe Auslastung der einzelnen Beschichtungsstationen
umfasst, und Randbedingungen, welche einzuhalten sind. Die Randbedingungen umfassen
beispielsweise produktionslogistische Randbedingungen wie den frühesten und spätesten
Termin, an welchem ein Werkstück fertig beschichtet zu sein hat oder auch materialspezifische
Prozessvorgaben wie minimale / maximale Abdunstzeit, Ofenzeit sowie Trocknungszeit.
[0049] Voraussetzung für eine nachhaltige Optimierung ist jedoch, dass möglichst viele Optimierungsfreiheitsgrade
gegeben sind, also Parameter, welche zur Erreichung des Optimierungsziels beeinflusst
werden können. Durch das Transportsystem der erfindungsgemäßen Beschichtungsanlage,
mittels welchem die Werkstücke individuell und unabhängig voneinander zwischen den
wenigstens zwei Beschichtungsstationen und der wenigstens einen Übergabestelle verbringbar
sind, sind entsprechend viele Freiheitsgrade für eine erfolgreiche Optimierung bereitgestellt.
Insbesondere ist es möglich, ein und dasselbe Werkstück über verschiedene Produktionswege
mit ein und demselben Ergebnis individuell zu beschichten.
[0050] Anhand der in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiele sollen die Erfindung,
weitere Ausführungsformen und weitere Vorteile näher beschrieben werden.
[0051] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine exemplarische erste Beschichtungsanlage,
- Fig. 2
- eine exemplarische zweite Beschichtungsanlage sowie
- Fig. 3
- Fahrzeug eines fahrerloses Transportsystem (FTS) mit Werkstück.
[0052] Figur 1 zeigt eine exemplarische erste Beschichtungsanlage 10 für Werkstücke 30,
32, 34, 36 - in diesem Beispiel Automobilkarosserien - in einer schematischen Draufsicht.
Auf einer rechteckigen Grundfläche sind mehrere Beschichtungsstationen 12, 14 zum
Nahtabdichten mittels PVC, mehrere Beschichtungsstationen 16, 18 zum Lackieren sowie
mehrere Beschichtungsstationen 20, 22, 24 zur Vorbehandlung angeordnet. Darüber hinaus
ist ein Zwischenspeicher 40 vorgesehen, in welchem die Werkstücke 30, 32, 34, 36 ein-
und ausgelagert werden können.
[0053] Ein Transportsystem 38 ist dafür vorgesehen, die Werkstücke 30, 32, 34, 36 individuell
und unabhängig voneinander zwischen den Beschichtungsstationen 12, 14, 16, 18, 20,
22, 24, dem Zwischenspeicher 40 und zwei Übergabestellen 42, 44 zu verbringen, wie
mit den gestrichelten Linien angedeutet ist. Die gestrichelten Linien repräsentieren
in diesem Beispiel keine direkte Fahrspur sondern vielmehr einen Fahrkorridor, entlang
dessen die Werkstücke 30, 32, 34, 36 mittels Fahrzeugen eines nicht gezeigten fahrerlosen
Transportsystems transportierbar sind. Die Übergabestelle 42 kennzeichnet den Eintrittsort
eines zu beschichtenden Werkstückes in den Bereich der Beschichtungsanlage und die
Übergabestelle 44 kennzeichnet den Austrittsort eines fertig beschichteten Werkstückes
aus der Beschichtungsanlage.
[0054] Die Beschichtungsstationen 12, 14 zum Nahtabdichten mittels PVC umfassen drei beziehungsweise
zwei Beschichtungsroboter 26, 28, welche beiderseits der mittigen Beschichtungsposition
des jeweils zu beschichtenden Werkstückes angeordnet sind. Die Beschichtungsstationen
16, 18 zum Lackieren umfassen jeweils vier Beschichtungsroboter, welche beiderseits
der mittigen Beschichtungsposition des zu beschichtenden Werkstückes angeordnet sind.
Eine Ein- und Ausförderung eines Werkstückes in diese Beschichtungsstationen 12, 14,
16, 18 ist an ihren jeweiligen beiden Stirnseiten möglich, um so eine möglichst hohe
Flexibilität zu erreichen.
[0055] Die Beschichtungsstationen 20, 22, 24 zur Vorbehandlung sind in einem Halbkreis angeordnet.
Ein Werkstück 30, 32, 34, 36 kann mittels eines im Kreismittelpunkt vorgesehenen und
in diesem Bild nicht gezeigten Roboter vom Transportsystem 38 entnommen werden und
wahlweise in eine der als Tauchbecken ausgestalteten Beschichtungsstationen 20, 22,
24 getaucht werden. Die Tauchbecken weisen separate Haltebeziehungsweise Transportvorrichtungen
für die Werkstücke 30, 32, 34, 36 auf, so dass der Roboter nur für das Ein- und Austauchen
erforderlich ist und alle Tauchbecken parallel bedienen kann.
[0056] Der Zwischenspeicher 40 ist als matrixähnlich aufgebautes Hochregallager ausgeführt,
in welchem die Werkstücke 30, 32, 34, 36 zwischengelagert werden können. Darüber hinaus
verfügt der Zwischenspeicher über einen nicht dargestellten Ofen mit nachgeschalteter
Abkühlzone.
[0057] Figur 2 zeigt eine exemplarische zweite Beschichtungsanlage 50 für Werkstücke in
einer schematischen Draufsicht. Es sind mehrere Beschichtungsstationen 52 zum Nahtabdichten
mittels PVC, mehrere Beschichtungsstationen 54 zum Lackieren sowie mehrere Beschichtungsstationen
56 zur Vorbehandlung angeordnet. Darüber hinaus ist ein Zwischenspeicher 60 vorgesehen,
in welchem die Werkstücke ein- und ausgelagert werden können. Ein Transportsystem
62 ist dafür vorgesehen, die Werkstücke zwischen den Beschichtungsstationen 52, 54,
56 und dem Zwischenspeicher 60 zu verfahren. Die Beschichtungsanlage 50 ist durch
einen hexagonalen Grundriss 64 gekennzeichnet, welcher besonders kurze Verfahrwege
der Werkstücke ermöglicht. Die Vorbehandlungsstationen 56 sind in diesem Fall als
mehrere in zwei kreisrunden Formationen angeordnete Tauchbecken angedeutet.
[0058] Figur 3 zeigt in einer schematischen Seitenansicht 70 ein Fahrzeug 72 eines fahrerlosen
Transportsystem (FTS) mit einem darauf angeordneten Werkstück 74, in diesem Fall einer
Automobilkarosserie. Das Fahrzeug 72 verfügt über einen eigenen Antrieb und eine eigene
Lenkung und ist dafür vorgesehen, sich innerhalb bestimmter Korridore auf der Bodenfläche
einer Beschichtungsanlage selbständig zu bewegen. Für den Betrieb einer Beschichtungsanlage
mit einem fahrerlosen Transportsystem (FTS) ist eine Vielzahl solcher Fahrzeuge 72
erforderlich. Eine Koordination der Fahrzeuge erfolgt mittels eines übergeordneten
Steuersystems.
Bezugszeichenliste
[0059]
- 10
- exemplarische erste Beschichtungsanlage
- 12
- erste Beschichtungsstation (PVC)
- 14
- zweite Beschichtungsstation (PVC)
- 16
- dritte Beschichtungsstation (Lackieren)
- 18
- vierte Beschichtungsstation (Lackieren)
- 20
- fünfte Beschichtungsstation (Vorbehandlung)
- 22
- sechste Beschichtungsstation (Vorbehandlung)
- 24
- siebente Beschichtungsstation (Vorbehandlung)
- 26
- Beschichtungsvorrichtung (Roboter)
- 28
- Beschichtungsvorrichtung (Roboter)
- 30
- Werkstück (Automobilkarosserie)
- 32
- Werkstück (Automobilkarosserie)
- 34
- Werkstück (Automobilkarosserie)
- 36
- Werkstück (Automobilkarosserie)
- 38
- Transportsystem
- 40
- Zwischenspeicher
- 42
- Übergabestelle
- 44
- Übergabestelle
- 50
- exemplarische zweite Beschichtungsanlage
- 52
- Beschichtungsstationen (PVC)
- 54
- Beschichtungsstationen (Lackieren)
- 56
- Beschichtungsstationen (Vorbehandlung)
- 58
- Übergabestelle
- 60
- Zwischenspeicher
- 62
- Transportsystem
- 64
- hexagonaler Grundriss Beschichtungsvorrichtung
- 70
- Fahrzeug eines fahrerlosen Transportsystem (FTS) mit Werkstück
- 72
- Fahrzeug eines fahrerlosen Transportsystem (FTS)
- 74
- Werkstück (Automobilkarosserie)
1. Beschichtungsanlage (10, 50) zur automatischen Serienbeschichtung von Werkstücken
(30, 32, 34, 36, 74), deren Beschichtung mehrere aufeinanderfolgende Beschichtungsprozessschritte
erfordert, umfassend
• wenigstens zwei Beschichtungsstationen (12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 52, 54, 56)
mit jeweiligen Beschichtungsvorrichtungen (26, 28) zur Durchführung jeweils wenigstens
eines Beschichtungsprozessschrittes,
• wenigstens eine Übergabestelle (42, 44, 58),
dadurch gekennzeichnet,
dass ein automatisches Transportsystem (38, 62) vorgesehen ist, mittels welchem die Werkstücke
(30, 32, 34, 36, 74) individuell und unabhängig voneinander zwischen den wenigstens
zwei Beschichtungsstationen (12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 52, 54, 56) und der wenigstens
einen Übergabestelle (42, 44, 58) verbringbar sind.
2. Beschichtungsanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass diese wenigstens eine Beschichtungsstation (12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 52, 54, 56)
zur Durchführung einer Mehrzahl verschiedener aufeinanderfolgender Beschichtungsprozessschritte
umfasst.
3. Beschichtungsanlage nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass diese wenigstens zwei identische Beschichtungsstationen (12, 14, 16, 18, 20, 22,
24, 52, 54, 56) zur Durchführung von ähnlichen oder gleichen Beschichtungsprozessschritten
umfasst.
4. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass diese wenigstens zwei unterschiedliche Beschichtungsstationen (12, 14, 16, 18, 20,
22, 24, 52, 54, 56) zur Durchführung von ähnlichen oder gleichen Beschichtungsprozessschritten
umfasst.
5. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der Beschichtungsstationen (12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 52, 54, 56)
zur Beschichtung von verschiedenen Typen von Werkstücken (30, 32, 34, 36, 74) vorgesehen
ist.
6. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass diese wenigstens einen Zwischenspeicher (34, 60) für Werkstücke (30, 32, 34, 36,
74) umfasst, in welchen beziehungsweise aus welchem mittels des automatischen Transportsystems
(38, 62) Werkstücke (30, 32, 34, 36, 74) individuell und unabhängig voneinander ein-
beziehungsweise auslagerbar sind.
7. Beschichtungsanlage nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Zwischenspeicher (34, 60) zumindest in Teilbereichen als Abdunstzone,
Kühlzone und / oder Ofen ausgestaltet ist.
8. Beschichtungsanlage nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Zwischenspeicher (34, 60) als Hochregallager ausgeprägt ist.
9. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der Beschichtungsstationen für eine Lackier-Applikation vorgesehen
ist.
10. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der Beschichtungsstationen (12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 52, 54, 56)
für eine PVC-Applikation vorgesehen ist.
11. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine der Beschichtungsstationen (12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 52, 54, 56)
für eine Tauch-Applikation oder sonstige Vorbehandlung vorgesehen ist.
12. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass diese einen kreisrunden, quadratischen oder vergleichbaren polygonalen (64) Grundriss
aufweist.
13. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das automatische Transportsystem (38, 62) ein fahrerloses Transportsystem (FTS, 70),
eine kranähnliche Hebevorrichtung, einen Roboter und/oder ein verzweigtes spurgebundenes
Fördersystem umfasst.
14. Beschichtungsanlage nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass diese zur Beschichtung von Automobilkarosserien vorgesehen ist.
15. Verfahren zum Betreiben einer Beschichtungsanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 14,
gekennzeichnet durch folgende Schritte:
• Bereitstellen eines Datensatzes mit einer Vielzahl an Daten über zu beschichtende
Werkstücke (30, 32, 34, 36, 74), umfassend den jeweiligen Typ der Werkstücke und Kenndaten
über die jeweils zur individuellen Beschichtung erforderlichen Beschichtungsprozessschritte,
• automatisches Erstellen eines optimierten Produktionsplanes zur individuellen Beschichtung
der Werkstücke (30, 32, 34, 36, 74) entsprechend den jeweils erforderlichen Beschichtungsprozessschritten,
wobei für jedes Werkstück (30, 32, 34, 36, 74) eine individuelle Reihenfolge ermittelt
wird, entsprechend derer das jeweilige Werkstück (30, 32, 34, 36, 74) mittels des
automatischen Transportsystems (38, 62) zur Beschichtung in jeweils geeignete Bearbeitungsstationen
(12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 52, 54, 56) beziehungsweise in den Zwischenspeicher (34,
60) zu verbringen ist, berücksichtigend folgende Optimierungskriterien:
• Vermeidung des Verbringens von Werkstücken in solche Beschichtungsstation (12, 14,
16, 18, 20, 22, 24, 52, 54, 56), welche zumindest auch für Beschichtungsprozessschritte
vorgesehen sind, die für die individuelle Beschichtung des jeweiligen Werkstückes
(30, 32, 34, 36, 74) nicht erforderlich sind,
• möglichst homogene Auslastung der Beschichtungsstationen (12, 14, 16, 18, 20, 22,
24, 52, 54, 56),
• Beschichtung der Werkstücke (30, 32, 34, 36, 74) entsprechend dem Produktionsplan.