[0001] Die Erfindung betrifft einen Adapter zum sicheren Betätigen von NH-Sicherungseinsätzen
mittels eines NH-Sicherungsaufsteckgriffes, wobei die NH-Sicherungseinsätze über deren
Messerkontakte einfach gezogen werden können.
[0002] Niederspannungs-Hochleistungssicherungen (NH-Sicherungen) sind spezielle Sicherungen,
die zur Absicherung von Anlagen und Netzen eingesetzt werden. Sie sind z.B. zu finden
in Hausanschlusskästen und Kabelverteilerschränken der öffentlichen Energieversorgung.
Ein Merkmal von NH-Sicherungen sind das gegenüber Schraubsicherungen zum Teil deutlich
größere Bauvolumen sowie massive Messerkontaktstücke an beiden Enden. Daher können
sie größere Ströme führen und trennen. Übliche Ausführungen als Hochleistungssicherung
gestatten ein sicheres Abschalten von Fehlerströmen bis zu 120 kA (Bemessungsausschaltvermögen),
wobei der Nennstrom bis zu 1,6 kA (Bemessungsstrom) betragen kann.
[0003] Das Wechseln von NH-Sicherungseinsätzen ist mit elektrischen Gefährdungen verbunden.
Beim Einsetzen und Herausnehmen von NH-Sicherungseinsätzen ist höchste Aufmerksamkeit
erforderlich, denn diese Tätigkeit zählt zu "Arbeiten an unter Spannung stehenden
elektrischen Anlagen". Bei diesen Arbeiten kann es zu Lichtbögen kommen, da die Sicherungen
während einer aufgeschalteten Last herausgenommen oder eingesetzt werden. Dies kann,
wenn die erforderliche Schutzausrüstung und die notwendigen Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen
nicht beachtet werden, zu schweren Unfällen führen.
[0004] Zusätzliche Anforderungen an Sicherungen zum Gebrauch durch Elektrofachkräfte beziehungsweise
elektrotechnisch unterwiesene Personen sind in der internationalen Norm IEC 60269-2:2013
beschrieben, die der DIN VDE 0636-2 entspricht.
[0005] Demnach sind für das Auswechseln von Sicherungseinsätzen folgende Maßnahmen zwingend
notwendig:
Die Stromkreise müssen freigeschaltet sein. Stromführende Sicherungen dürfen nur ausgewechselt
werden, wenn die Stromkreise eine geringe Last haben (Hilfsstromkreise) oder in Stromkreisen,
die durch Sicherungslasttrenner freigeschaltet werden können. NH-Sicherungseinsätze
dürfen nur mit geeigneten Hilfsmitteln und durch besonders geschultes Personal, elektrotechnisch
unterwiesene Personen oder Elektrofachkräfte gewechselt werden. Das Auswechseln von
Sicherungseinsätzen hat mit einem NH-Sicherungsaufsteckgriff mit Handschutzstulpe
nach DIN VDE 0680 zu erfolgen. Das Personal muss eine persönliche Schutzausrüstung
benutzen und weitere Schutzmaßnahmen beachten.
[0006] Niederspannungs-Hochleistungssicherungen (NH-Sicherungen) des NH-Sicherungssystems
bestehen aus dem Sicherungsunterteil, in den der NH-Sicherungseinsatz mit Messerkontaktstücken
eingesteckt wird und dem NH-Sicherungseinsatz, die eigentliche Sicherung. Die NH-Sicherungseinsätze
sind mit einem NH-Sicherungsaufsteckgriff einsetzbar und entnehmbar.
[0007] NH-Sicherungsaufsteckgriffe sind Geräte zum ortsveränderlichen Einsatz, mit denen
NH-Sicherungseinsätze bei Verwendung von NH-Sicherungsunterteilen und NH-Sicherungsleisten
eingesetzt bzw. herausgenommen werden können. Sie sind nicht für den dauernden Verbleib
auf eingesetzten Sicherungseinsätzen geeignet. Ein als Sicherungsgriffzange zum Einsetzen
von NH-Sicherungen bezeichneter NH-Sicherungsaufsteckgriff wird beispielsweise in
DE 1 069 270 B beschrieben.
[0008] Ein NH-Sicherungsaufsteckgriff nach VDE 0680-4 besteht aus dem Griffbügel, der Begrenzungsscheibe
und dem Aufsetzteil. Die Begrenzungsscheibe dient zum Schutz der Hand gegen Berührung
von unter Spannung stehenden Teilen. Das Aufsetzteil des NH-Sicherungsgriffes ist
das Teil jenseits der Begrenzungsscheibe in Richtung Sicherung. Es enthält die Kupplungsvorrichtung.
Die Kupplungsvorrichtung dient zum Kuppeln und Lösen des NH-Sicherungseinsatzes. Sie
besteht aus den Halteteilen, in die die Grifflaschen des NH-Sicherungseinsatzes einrasten
und den Entriegelungsteilen, die das unbeabsichtigte Lösen des NH-Sicherungseinsatzes
verhindern, jedoch bei Betätigung der Betätigungseinrichtung ein Lösen des NH-Sicherungseinsatzes
zulassen. Die Entriegelungsteile werden mit einem Knopf auf dem Griffbügel betätigt.
Beim Aufsetzen des Aufsteckgriffes auf NH-Sicherungseinsätze ist der Griff nach oben
zu verschieben. Hierbei rastet die Entriegungsvorrichtung automatisch ein. Ein Betätigen
des Knopfes ist beim Aufstecken nicht erforderlich. Die NH-Sicherungsaufsteckgriffe
sind mit fest montierter Armstulpe erhältlich. Die Armstulpen müssen grundsätzlich
dann verwendet werden, wenn beim Einsetzen oder Herausnehmen der NH-Sicherungseinsätze
mittels Aufsteckgriff mit einem Störlichtbogen zu rechnen ist oder größere Ströme
zu schalten sind. In solchen Fällen ist zusätzlich ein Elektrikergesichtsschutz, Schutzhandschuhe
und Störlichtbogen-Schutzbekleidung (PSA) zu benutzen.
[0009] Grifflaschen sind Teile des NH-Sicherungseinsatzes, der mit dem NH-Sicherungsaufsteckgriff
als Sicherungshalter gekuppelt ist. Die Grifflaschen können aus Metall oder Isolierstoff
sein. Metallische Grifflaschen sind im Betrieb spannungsführend. Insbesondere bei
Grifflaschen aus Kunststoff kommt es oft vor, dass die Grifflaschen beschädigt oder
abgebrochen sind, wodurch ein Ziehen mit dem zu verwendenden NH-Sicherungsaufsteckgriff
nicht möglich ist.
[0010] Aufgabe der Erfindung ist es, einen Adapter zum sicheren Betätigen von NH-Sicherungseinsätzen
mit Messerkontakten mit einem NH-Sicherungsaufsteckgriff vorzuschlagen, wenn an den
NH-Sicherungseinsätzen die Grifflaschen nicht vorhanden, nicht verwendbar oder nicht
zugänglich sind.
[0011] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die Merkmale des Anspruches 1 gelöst. Ausgestaltende
Merkmale sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0012] Der Adapter dient dem sicheren Betätigen von NH-Sicherungseinsätzen mit Messerkontakten
mit einem NH-Sicherungsaufsteckgriff. Er besteht aus einem Zangenkopf, der aus zwei
Zangenbacken gebildet wird. Die Zangenbacken sind über ein Gelenk mittels zwei Zangenschäften
betätigbar. Üblicherweise werden die Zangenbacken und der Zangenschaft aus einem durchgehenden
Teil gebildet. Der Zangenkopf ist so ausgebildet, dass er der äußeren Form eines NH-Sicherungseinsatzes
entspricht und diesen formschlüssig mindestens teilweise umschließt. Dazu sind die
Zangenbacken an ihren Enden nach innen abgerundet ausgeführt. Die Zangenschäfte verfügen
über eine Arretiereinrichtung, die den Zangenkopf feststellbar macht.
[0013] An einem der beiden Zangenschäfte sind Grifflaschen befestigt, die den Grifflaschen
der Sicherungseinsätze entsprechen und an einem NH-Sicherungsaufsteckgriff arretierbar
sind. Der Adapter besteht mindestens teilweise aus nichtleitendem Material, beispielsweise
Kunststoff oder Keramik.
[0014] Die Zangenschäfte können als Zangengriffe so lang ausgebildet ausgebildet sein, dass
sie eine Handbetätigung des Zangenkopfes ermöglichen.
[0015] Das Gelenk kann in einer bevorzugten Ausführung mittels eines Gelenkstiftes gebildet
werden, der in Gelenkbohrungen in den Zangenschäften geführt wird. Das Gelenk kann
dabei mit einem Arretiermechanismus ausgestattet sein, beispielsweise einer Feststellschraube.
[0016] Für unterschiedlich große NH-Sicherungseinsätze kann der Adapter mehrere Gelenkbohrungen
besitzen. Durch ein Versetzen des Gelenkstiftes ist die Weite des Zangenkopfes variierbar.
Eine weitere Möglichkeit der Verstellung des Zangenkopfes für unterschiedlich große
NH-Sicherungseinsätze besteht darin, dass das Gelenk eine Gelenkbohrung besitzt, die
als Langlochbohrung ausgebildet ist, ähnlich des Gelenkes einer Rohrzange.
[0017] Eine besondere Ausführung sieht vor, dass die Innenflächen der Zangenbacken gerippt
ausgeführt sind oder auf ihnen Kontakteinsätze befestigt sind. Diese Kontakteinsätze
können gerippte oder gummierte Auflageflächen aus nicht leitenden Materialien sein,
beispielsweise aus Gummi oder Kunststoff.
[0018] Die Vorteile der Erfindung bestehen darin, dass auch bei abgebrochenen, defekten
oder nicht zugänglichen Grifflaschen an den NH-Sicherungseinsätzen eine sichere Entnahme
der NH-Sicherungseinsätze mit einem NH-Sicherungsaufsteckgriff möglich wird. Mit dem
erfindungsgemäßen Adapter sind auch Sicherungseinsätze mit Messerkontakten ziehbar,
die konstruktiv keine Grifflaschen besitzen.
[0019] Nachfolgend wird die Erfindung an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- Seitenansicht auf einen Adapter
- Fig. 2
- Draufsicht auf einen Adapter
[0020] Im Bereich der Hauptverteilungen eines Niederspannungsnetzes sind NH-Sicherungseinsätze
1 mit Messerkontaktstücken 2 verbaut. Die NH-Sicherungen verfügen über einen Kennmelder,
der eine defekte Sicherung anzeigt. Um einen defekten NH-Sicherungseinsatz 1 mit beschädigten
oder fehlenden Grifflaschen entfernen zu können, wird ein erfindungsgemäßer Adapter
benutzt.
[0021] Die NH-Sicherungseinsätze sind zur Handhabung mit Grifflaschen 6 ausgestattet, die
aus Metall oder Kunststoff spannungsführend oder spannungsfrei (isoliert) ausgeführt
sein können. Um die NH-Sicherungseinsätze 1 einpolig aus einem Sicherungsunterteil
herauszuziehen, ist ein Sicherungsaufsteckgriff mit einem Einrastmechanismus für die
Grifflaschen 6 notwendig.
[0022] Die Figuren 1 und 2 zeigen eine bevorzugte Ausführung eines erfindungsgemäßen Adapters
zum sicheren Betätigen von NH-Sicherungseinsätzen 1, die mittels zwei Messerkontaktstücken
2 in Sicherungsunterteilen befestigt und dort mit Hilfe eines nicht dargestellten
NH-Sicherungsaufsteckgriffes eingesetzt und entnommen werden können.
[0023] Der Adapter besteht aus einem Zangenkopf 3, der aus zwei Zangenbacken 4 gebildet
wird. Die beiden Zangenbacken 4 und die beiden Zangenschäfte 5 werden aus einem durchgehenden
Kunststoffteil gebildet, in dessen Drehpunkt sich ein Gelenk befindet, über das beide
Zangenteile betätigt werden können. Das Gelenk wird durch einen Gelenkstift 9 gebildet,
der in einer Gelenkbohrung 10 in den Zangenschäften 5 geführt wird. Der Gelenkstift
9 ist nur in einer der beiden Gelenkbohrungen 10 durch eine Presspassung befestigt,
so dass sich die beiden Zangenschäfte 5 leicht von Hand trennen lassen.
[0024] Für unterschiedlich große NH-Sicherungseinsätze besitzt der Adapter mehrere Gelenkbohrungen
10. Durch ein Versetzen des Gelenkstiftes 9 ist die Weite des Zangenkopfes 3 variierbar.
[0025] Der Zangenkopf 3 ist dabei so ausgebildet, dass er geeignet ist, einen NH-Sicherungseinsatz
1 formschlüssig so zu umschließen, dass er ohne herauszurutschen aus dem Sicherungsunterteil
herausgezogen werden kann. Dazu sind die Zangenbacken 4 an ihren Enden nach innen
abgerundet ausgeführt. Die beiden gegenüber liegenden Innenflächen der Zangenbacken
4 sind gerippt ausgeführt.
[0026] Die Zangenschäfte 5 verfügen über eine Arretiereinrichtung, die den Zangenkopf 3
feststellbar macht. Dazu sind in den beiden Zangenschäften 5 Bohrungen 13 vorgesehen,
in denen eine Feststellschraube 7 so einschiebbar ist, dass der Zangenkopf 3 mit einer
Feststellmutter 8 arretierbar ist. Wenn der Adapter arretiert ist, kann sich der Zangenkopf
3 nicht mehr öffnen und der NH-Sicherungseinsatz 1 kann sicher entnommen werden, ohne
das die Gefahr besteht, dass der NH-Sicherungseinsatz 1 herausrutscht.
[0027] Einer der beiden Zangenschäfte 5 ist länger ausgebildet als der zweite. Er besitzt
an seiner der Bedienbarkeit zugewandten Seite eine Fläche, an der eine Zuglasche 12
mittels 2 Befestigungsschrauben 11 angeschraubt ist. Die Zuglasche 12 ist an beiden
Enden in Bedienerrichtung gebogen und so ausgebildet, dass sie den üblichen Grifflaschen
eines NH-Sicherungseinsatzes 1 entsprechen. Dadurch ist der Adapter an einem NH-Sicherungsaufsteckgriff
genauso arretierbar, wie direkt an einem NH-Sicherungseinsatz.
[0028] Bis auf die Zuglasche 12 mit den Grifflaschen 6, welche aus Metall bestehen, sind
alle Teile des Adapters aus nichtleitendem Kunststoff gefertigt. Die Zangenbacken
4 sowie die Zangenschäfte 5 sind vorzugsweise Spritzgussteile.
[0029] Da am NH-Sicherungseinsatz 1 die Grifflaschen aus irgend einem Grunde fehlen, abgebrochen
oder nicht zugänglich sind, wird der erfindungsgemäße Adapter als Zwischenstück genutzt,
um den NH-Sicherungseinsatz 1 dennoch aus dem Sicherungsunterteil zu entfernen. Ein
neuer NH-Sicherungseinsatz 1 wird sicherlich dann wieder über Grifflaschen verfügen.
Trotzdem kann der erfindungsgemäße Adapter auch wieder zum Einsetzen der NH-Sicherungseinsätze
1 verwendet werden, da die Grifflaschen 6 am Adapter die gleiche Form und Funktion
besitzen.
Bezugszeichenaufstellung
[0030]
- 1
- NH-Sicherungseinsatz
- 2
- Messerkontaktstück
- 3
- Zangenkopf
- 4
- Zangenbacken
- 5
- Zangenschaft
- 6
- Grifflasche
- 7
- Feststellschraube
- 8
- Feststellmutter
- 9
- Gelenkstift
- 10
- Gelenkbohrung
- 11
- Befestigungsschraube
- 12
- Zuglasche
- 13
- Bohrung
1. Adapter zum sicheren Betätigen von NH-Sicherungseinsätzen mit einem NH-Sicherungsaufsteckgriff,
gekennzeichnet dadurch, dass
- ein Zangenkopf (3) über zwei Zangenbacken (4) verfügt, die über ein Gelenk (9,10)
mittels zwei Zangenschäften (5) betätigbar sind, wobei
- der Zangenkopf (3) geeignet ist, einen NH-Sicherungseinsatz (1) formschlüssig mindestens
teilweise zu umschließen,
- die Zangenschäfte (5) eine Arretiereinrichtung (7,8) für den Zangenkopf (3) besitzen,
- an einem der beiden Zangenschäfte (5) Grifflaschen (6) befestigt sind, die den Grifflaschen
der Sicherungseinsätze (1) entsprechen und an einem NH-Sicherungsaufsteckgriff arretierbar
sind und
- der Adapter mindestens teilweise aus nichtleitendem Material besteht.
2. Adapter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Zangenschäfte (5) als Zangengriffe ausgebildet sind, die eine Handbetätigung
ermöglichen.
3. Adapter nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Gelenk mittels eines Gelenkstiftes (9) gebildet wird, der in Gelenkbohrungen
(10) in den Zangenschäften (5) geführt wird.
4. Adapter nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Gelenk mit einem Arretiermechanismus ausgestattet ist.
5. Adapter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Gelenk mehrere Gelenkbohrungen (10) besitzt.
6. Adapter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Gelenk eine Gelenkbohrung (10) besitzt, die als Langlochbohrung ausgebildet ist.
7. Adapter nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass an den Innenflächen der Zangenbacken (4) Kontakteinsätze befestigt sind.
8. Adapter nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontakteinsätze gerippte oder gummierte Auflageflächen aus nicht leitenden Materialien
sind, beispielsweise aus Gummi oder Kunststoff.