[0001] Die Erfindung betrifft eine Aufrichthilfe für stehbeeinträchtigte Personen. Ferner
betrifft die Erfindung eine Aufrichthilfe mit einer Hebeeinrichtung und mit einem
solchen Aufrichtegeschirr.
[0002] Aufstehhilfen werden für die Pflege von Personen benötigt, die aus eigenen Kräften
nicht aufstehen oder stehen können, sei es aufgrund eigener Schwächen oder durch eine
Behinderung. Für die Pflege dieser Personen werden Aufstehhilfen benutzt, um die Person
aufzurichten und umzusetzen, beispielsweise von einem Bett in einen Rollstuhl oder
umgekehrt oder um einen Toilettengang zu ermöglichen. Aufsteh- bzw. Umsetzhilfen umfassen
Personenlifter als Hebeeinrichtung, über den nach Anlegen des zum Heben der Person
notwendigen Geschirrs die Person mit dem Lifter angehoben wird. Derartige Lifter können
deckenseitig befestigt sein oder sind bodenseitig auf einem Fahrgestell abgestützt.
Zum Anheben einer Person mit einem solchen Lifter werden beispielsweise flexible,
nach Art eines Sitzgurtes ausgelegte Geschirre eingesetzt. Diese verfügen üblicherweise
über eine Oberschenkelunterstützung sowie über eine Lendenstütze. Eingesetzt werden
auch Schalen. Geschirre, mit denen ein Toilettengang möglich ist, weisen einen entsprechenden
Zwischenraum zwischen der Oberschenkelunterstützung und einer Lendenstütze auf.
[0003] Ein Toilettengang ist mit einer solchen Hilfe zwar auch für stehbeeinträchtigte Personen,
die sich nicht selbstständig aufrichten können, möglich. Nachteilig ist jedoch die
umständliche Handhabung, bei angehobener Person die den Intimbereich bedeckenden Kleidungsstücke
für den Toilettengang zu entfernen. Hinderlich ist hierbei oftmals die notwendige
Oberschenkelunterstützung durch das Hebegeschirr, die das Herunterziehen einer Hose
erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht, da die angehobene Person mit ihrem Gewicht
auf der Oberschenkelunterstützung aufliegt. Als vorteilhaft wird bei dieser Art des
Anhebens einer Person jedoch angesehen, dass die Person insgesamt gehoben werden kann.
[0004] Aus
DE 699 30 673 T2 ist eine Aufstehhilfe für Behinderte bekannt geworden. Diese Aufstehhilfe ist auf
einem Gestell verfahrbar und wird zum Aufrichten von sitzenden Personen verwendet.
Bei dieser vorbekannten Aufstehhilfe dient als Hebegeschirr ein um den Brustkorb zu
legender, entsprechend gepolsterter Gurt, der an die Lift-Einrichtung der Aufstehhilfe
angeschlossen ist. Mit an den Lifter angeschlossenen Gurten wird der um die aufzurichtende
Person gelegte Oberkörpergurt von vorne angehoben. Damit die Beine nicht nach vorne
wegrutschen, verfügt die Aufstehhilfe über zwei Schienbeinstützen. Der Oberkörpergut
trägt dabei das Gewicht der Person, die durch den Gurt rückenseitig die erforderliche
Unterstützung erfährt. Um ein bestimmungsgemäßes Anheben des Oberkörpers der Person
zu ermöglichen, muss sich die anzuhebende Person mit ihrem Oberkörpergewicht nach
hinten in den Oberkörpergurt hineinlegen. Herausgestellt ist in diesem Stand der Technik,
dass der beste Angriffspunkt für das Anheben des Oberkörpers die Vorderseite der Person
ist, und zwar so nah wie möglich am Schwerpunkt. Da die aufzurichtende Person bei
dieser vorbekannten Aufstehhilfe mit ihrem Rücken in dem Oberkörpergurt liegt und
gleichzeitig die Beine an den Schienbeinstützen abgestützt sind, ist diese Haltung
der angehobenen Person für einen Toilettengang ungünstig, auch wenn die den Intimbereich
bedeckenden Kleidungsstücke für einen Toilettengang ohne Weiteres zugänglich sind.
Allerdings ist eine solche Aufsteh- bzw. Aufrichtehilfe nicht für Personen mit einem
immobilen oder nicht entsprechend kräftigen Oberkörper geeignet, da dann der Oberkörpergurt
unter die Achseln rutscht und dann ein bestimmungsgemäßes Anheben nicht mehr möglich
ist.
[0005] Ausgehend von diesem diskutierten Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe
zugrunde, ein Aufrichtegeschirr sowie eine Aufrichthilfe vorzuschlagen, bei dem bzw.
bei der bei aufgerichteter bzw. angehobener Person, nicht nur der Zugang zu dem Intimbereich
durch eine pflegende Person beispielsweise für einen Toilettengang, die selbsttätigt
nicht stehen bzw. sich nicht aufrichten kann, möglich ist und dennoch die angehobene
Person eine für einen Toilettengang förderliche Haltung einnehmen kann.
[0006] Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß durch ein Aufrichtegeschirr und eine Aufrichthilfe,
bei dem bzw. bei der das Aufrichtegeschirr eine vorderseitig bezüglich des Oberkörpers
der Person anzuordnende, endseitig offene, rohrförmige Armaufnahme zum Einsetzen zumindest
eines gegenüber dem Oberarm abgewinkelten Unterarmes, sowie zwei an die Armaufnahme
mit Abstand zueinander angeschlossene Hebegurte umfasst, die, unterhalb der Achseln
auf die Rückenseite der aufzurichtenden Person geführt, an die Hebeeinrichtung angeschlossen
sind.
[0007] Bei diesem Aufrichtegeschirr wird eine aufzurichtende Person unter Zuhilfenahme der
eigenen Arme aufgerichtet, und zwar durch Anlegen einer rückenseitig bezüglich der
Person angreifenden Zugkraft. Das Aufrichtegeschirr verfügt zu diesem Zweck über eine
endseitig offene, rohrförmige Armaufnahme. In diese werden, wenn möglich, beide Unterarme
der aufzurichtenden Person eingelegt, und zwar jeweils ein Unterarm von jeder Seite
der Armaufnahme. Die Unterarme werden in der rohrförmigen Armaufnahme in einer gegenüber
dem Oberarm abgewinkelten und damit verschränkten Anordnung zueinander gehalten. Mithin
umgibt die Armaufnahme die gegenüber den Oberarmen verschränkten Unterarme. An die
Armaufnahme sind zwei mit Abstand zueinander angeordnete Hebegurte angeschlossen.
Die Hebegurte sind typischerweise abgepolstert. Jeder Hebegurt wird seitlich um den
Oberkörper und unter der jeweiligen Achsel auf die Rückenseite der aufzurichtenden
Person geführt und ist rückenseitig an eine Hebeeinrichtung, typischerweise einen
Personenlifter angeschlossen. Durch das angewinkelte Einlegen der Arme in die Armaufnahme
wird die Aufrichtekraft durch Anlegen einer Hebekraft von der Rückenseite der Person
her über das Aufrichtegeschirr und die Oberarme in den Oberkörper eingeleitet. Bedingt
durch die rückenseitige Hebekrafteinleitung wird hierdurch der Oberkörper automatisch
etwas nach vorne gebeugt, wodurch der Oberkörper der aufzurichtenden Person selbsttätig
in eine optimale Aufrichthaltung gebracht wird, in der die Oberarme parallel oder
etwa parallel zur anliegenden Zugkraft ausgerichtet sind. In dieser Aufrichtehaltung
des Oberkörpers, in der der anliegende Zug über die Oberarme in die Schultern geleitet
wird, wird der Oberkörper entlastet. Eine Einengung oder ein Einquetschen des Oberkörpers,
was mit einem Druck auf die Lunge oder das Herz verbunden sein könnte, wird mit diesem
Aufrichtegeschirr vermieden. Die unter den Achseln der aufzurichtenden Person durchgeführten
Gurte stabilisieren dabei den aufzurichtenden Oberkörper in seitlicher Richtung. Die
Hebegurte sind auf der Rückenseite der Person zusammengeführt an die Hebeeinrichtung
angeschlossen. Die Hebegurte können sich in ihrem Abschnitt hinter der Rückenseite
der Person kreuzen. Dieses stabilisiert die Person beim Anheben. In gleicher Weise
können die Hebegurte im Bereich des Rückens der anzuhebenden Person auch in einer
Gurtschnalle geführt sein, in der die beiden Hebegurte in einem gewissen Abstand zueinander
gehalten sind. Eine solche Gurtschnalle kann über die Länge der Hebegurte verstellt
werden, um auf diese Weise das Aufrichtegeschirr optimal zum Anheben einer Person
an diese anpassen zu können.
[0008] Mit diesem Aufrichtegeschirr bzw. einer Aufrichthilfe mit einem solchen Aufrichtegeschirr
kann eine immobile und nicht selbstständig Stehen könnende Person beispielsweise aus
einer sitzenden Position aufgerichtet werden. Ist die Person hinreichend aufgerichtet,
kann beispielsweise für einen Pflegevorgang oder einen Toilettengang, die den Intimbereich
bedeckende Kleidung ohne Weiteres entfernt oder wieder angelegt werden. In dieser
Stellung können auch Windeln gewechselt werden.
[0009] Von besonderem Vorteil dieses Aufrichtegeschirrs ist, dass mit diesem auch der Oberkörper
einer Person angehoben werden kann, die nur einen Arm in die Armaufnahme einlegen
kann, da der andere Arm amputiert oder nicht belastbar ist. Da die Hebegurte beidseitig
bezüglich des Oberkörpers auf die Rückenseite geführt sind, ist ein lagestabiles Anheben
des Oberkörpers oder auch der gesamten Person auch in einem solchen Fall möglich.
Dann wird die Hebekraft in den Oberkörper der Person über den einen, in die Armaufnahme
eingelegten Arm und über die Anlage der Armaufnahme an der Vorderseite des Brustkorbs,
und zwar an derjenigen Seite, an der in die Armaufnahme kein Unterarm eingelegt ist,
eingeleitet.
[0010] Personen, deren Beine zwar nicht mit dem gesamtem Gewicht der Person, jedoch noch
mit einem Teilgewicht belastet werden können, sich jedoch nicht selbsttätig aufrichten
können, können einen Teil des eigenen Gewichtes über die eigenen Beine abstützen.
Daher kann eine Aufrichthilfe mit einem solchen Aufrichtegeschirr ebenfalls als Gehunterstützung
oder als Hilfsmittel bei Rehabilitationsmaßnahmen Anwendung finden.
[0011] Die rohrförmige Armaufnahme dieses Aufrichtegeschirrs kann durch einen stabilen flexiblen
Stoff oder auch durch eine Schale, etwa eine Kunststoffschale, wobei diese typischerweise
gepolstert ist, ausgebildet sein. Die Armaufnahme dient zum Übertragen der über die
Hebegurte angelegten Zuglast in die Oberarme und somit in die Schulter. Daher wird
es als zweckmäßig angesehen, die von den Gurtanbindungspunkten wegweisende Seite der
Armaufnahme in einer größeren Länge auszulegen als die in Zugrichtung weisende. Die
längere Seite der Armaufnahme dient sodann auch als Ellbogenunterstützung. Bei einer
solchen Ausgestaltung sind die Enden der Armaufnahmen schräg ausgeführt. Zum Einleiten
der Zuglast auf die Armaufnahme kann vorgesehen sein, dass die Hebegurte endseitig
jeweils eine Schlaufe aufweisen, die um die Armaufnahme herumgeführt sind. Die Schlaufen
sind vorzugsweise feststehende Schlaufen, die sich bei Anlegen einer Zuglast nicht
zuziehen. Es versteht sich, dass die Gurte auch derart an die Armaufnahme mittels
einer Schlaufe angeschlossen sein können, dass sich der Durchmesser der Schlaufe beim
Anlegen der Hebekraft zuzieht. Bei einer solchen Auslegung des Aufrichtegeschirrs
ist es zweckmäßig, die Zuziehbewegung der Schlaufe durch einen Anschlag zu begrenzen.
Hierdurch kann eine Anpassung an den unterschiedlichen Umfang von in die Armaufnahme
eingelegten Unterarmen erfolgen. Bei dem Anschluss der Hebegurte mittels einer solchen,
bezüglich ihres Durchmessers veränderbaren Schlaufe ist in einer Weiterbildung vorgesehen,
dass der die Zuziehbewegung begrenzende Anschlag an unterschiedlichen Positionen angeordnet
werden kann. Dieses ermöglicht eine individuelle Anpassbarkeit des Schlaufendurchmessers.
[0012] Die Hebegurte können auch auf andere Weise an die Armaufnahme angeschlossen sein.
[0013] Der Abstand der Gurtanbindungspunkte an die Armaufnahme ist vorzugsweise kleiner
als die Breite des Oberkörpers der anzuhebenden Person.
[0014] Aufgrund der Gurtführung unter den Achseln der Person hindurch gewährleistet dieses
zugleich eine effektive Seitenstabilisierung die mit anliegender Zugkraft zunehmend
stabiler wird. Um beim Anheben des Oberkörpers oder auch der gesamten Person auf diese
Weise den Oberkörper seitlich durch die Gurte und den Abstand der Gurtanbindungspunkte
an die Armaufnahme nicht übermäßig einzudrücken, ist der Abstand der Gurtanbindung
der beiden Gurte an die Armaufnahme typischerweise nicht kleiner als 75% der Breite
des aufzurichtenden Oberkörpers. Zum Anheben unterschiedlich breiter Oberkörper kann
daher vorgesehen sein, Aufrichtegeschirre unterschiedlicher Größe, d.h. Aufrichtegeschirre
mit einer unterschiedlichen Beabstandung der Gurtanbindung an die Armaufnahme vorzusehen.
Durchaus möglich ist auch eine Ausgestaltung, bei der der Abstand der Gurtanbindungspunkte
von einander an der Armaufnahme eingestellt werden kann, beispielsweise mit Hilfe
von Ösen und Haken, mit denen die Gurtanbindung an unterschiedlichen Armaufnahme möglich
ist. Unterschiedliche Größen eines solchen Aufrichtegeschirrs können auch durch unterschiedlich
lange Armaufnahmen bereitgestellt sein.
[0015] Bei einem solchen Aufrichtegeschirr können die Hebegurte im Bereich der Abschnitte
derselben, die um den Oberkörper der aufzurichtenden Person herumgeführt sind, auch
als flexible Leisten, beispielsweise Kunststoffleisten ausgeführt sein. Bei einer
Armaufnahme aus Kunststoff können diese an den Kunststoffkörper angeformt sein. In
dem nicht mehr den Oberkörper der aufzurichtenden Person kontaktierenden Bereich sind
diese flexiblen Hebegurtabschnitte sodann an herkömmliche, textile Gurte angeschlossen,
die wiederum an der Aufrichthilfe angeschlossen sind. Bei einer solchen Ausgestaltung
können anstelle herkömmlicher Hebegurte zum Verbinden der flexiblen laschenartigen
Hebegurtabschnitte mit der Aufrichthilfe auch Seile oder Ketten eingesetzt werden.
[0016] Nachfolgend ist die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme
auf die beigefügten Figuren beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1:
- Eine perspektivische Ansicht eines Aufrichtegeschirrs zum Aufrichten einer Person,
- Fig. 2:
- eine Frontansicht auf das Aufrichtegeschirr der Figur 1,
- Fig. 3:
- das Aufrichtegeschirr der vorstehenden Figuren angelegt an den Oberkörper einer aufzurichtenden
Person in einer Seitenansicht,
- Fig. 4:
- die Darstellung der aufzurichtenden Person in einer schematisierten Draufsicht und
- Fig. 5:
- eine Frontansicht eines weiteren Aufrichtegeschirrs.
[0017] Ein Aufrichtegeschirr 1 umfasst eine rohrförmige Armaufnahme 2. Die Armaufnahme 2
weist eine etwa ellipsenförmige Querschnittsfläche auf, wobei der Abschnitt mit dem
kleineren Krümmungsradius der in Figur 1 obere und der mit dem größeren Krümmungsradius
der in Figur 1 untere ist. Die rohrförmige Armaufnahme ist bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel
aus einem verstärkten und gepolsterten Tuch hergestellt. Die beiden Enden 3, 3.1 der
Armaufnahme 2 sind bezüglich der Längserstreckung der Armaufnahme 2 schräg ausgeführt,
wobei die Länge der Armaufnahme oberseitig kürzer ist als unterseitig. Angeschlossen
an die Armaufnahme 2 sind zwei Hebegurte 4, 4.1. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel
sind die Hebegurte 4, 4.1 als gewebte Gurte ausgeführt. Es versteht sich, dass auch
andere Gurte, beispielsweise solche aus Leder oder aus anderen flexiblen Materialien,
wie beispielsweise Kunststoff eingesetzt werden können. Jeder Hebegurt 4, 4.1 ist
mittels einer Schlaufe 5, 5.1 an die Armaufnahme 2 angeschlossen. Die Schlaufen 5,
5.1 umgreifen die Armaufnahme 2 außenseitig. Die Schlaufen 5, 5.1 sind mit der Armaufnahme
2 vernäht. Zum Ausbilden der Schlaufen 5, 5.1 ist ein Gurtende 6, lediglich zu dem
Gurt 4 gezeigt, mit dem benachbarten Gurtabschnitt vernäht. Die Länge der Hebegurte
4, 4.1 ist so gewählt, dass diese, um den Oberkörper einer Person herum geführt, an
einen Ring, einen Haken oder ein anderes, die Hebegurte 4, 4.1 zusammenhaltendes Hebezeug
einer Aufrichtehilfe angeschlossen werden können. Zu diesem Zweck verfügen die Hebegurte
4, 4.1 an ihrem freien Ende über eine Anschlussschlaufe 7, 7.1, die beispielsweise
an einen Karabinerhaken angeschlossen werden können.
[0018] Bei dem in den Figuren gezeigten Ausführungsbeispiel sind die Gurte 4, 4.1, wie in
der Draufsicht der Figur 2 erkennbar, bezüglich ihrer Länge gewinkelt ausgeführt,
wobei der Winkel unmittelbar im Anschluss an die Anbindung an die Armaufnahme 2 vorgesehen
ist. Die winkelige Ausführung der Hebegurte 4, 4.1 ist ausgelegt, damit diese, wie
in Figur 2 ersichtlich, einen von der Armaufnahme 2 wegweisend geöffneten Winkel einschließen.
Dieses dient dem Zweck, dass sich bei einer Benutzung des Aufrichtegeschirrs 1 die
Hebegurte 4, 4.1 seitlich an den Oberkörper einer zu hebenden Person besser anlegen.
Durch die seitliche Einfassung des Oberkörpers einer anzuhebenden Person durch die
Hebegurte ist der Oberkörper seitlich stabilisiert.
[0019] Figur 3 zeigt schematisiert das Aufrichtegeschirr 1 während der Benutzung desselben
zum Aufrichten einer Person 8. In die Armaufnahme 2 hat die aufzurichtende Person
ihre Unterarme 9, 9.1 (siehe Figur 4) von entgegengesetzten Seiten eingelegt. Diese
sind sodann in der Armaufnahme 2 verschränkt angeordnet. Die Hebegurte 4, 4.1 sind
unter den Achseln der Person 8 hindurch geführt, sodass die Gurte 4, 4.1 rückenseitig
bezüglich der Person 8 an eine Aufrichtehilfe angeschlossen werden können, wie diese
schematisiert in Figur 3 durch den Lifter L gezeigt ist. Bei Anlegen einer Zugkraft
durch Betätigen der Hebeeinrichtung erfolgt eine Einleitung der Zugkraft über die
Armaufnahme 2 in die Oberarme 10, 10.1 der Person 8. Die Armaufnahme 2 dient dabei
dem Zweck, die Arme der Person 8 zu fixieren. Die Einleitung der Zugkraft erfolgt
über die Oberarme 10, 10.1 in die Schulter 11 der Person 8, so als ob sich die Person
8 mit ihren Oberarmen an der Armaufnahme 2 abstützen würde. Die Hebegurte 4, 4.1 verlaufen
zu diesem Zweck annähernd parallel zu den Oberarmen 10, 10.1. Das Aufrichten der Person
8 führt unweigerlich zu einer leicht nach vorne gebeugten Haltung der Person 8, wie
in Figur 3 dargestellt, wobei diese Haltung eine stabile Haltung ist. Die Arme sind
durch die Armaufnahme 2 und die vorbeschriebene Hebegurtführung fixiert. Eine Krafteinleitung
in den Oberkörper erfolgt ohne jedwede Beeinträchtigung desselben, insbesondere ohne
ein Quetschen. Insbesondere braucht der Oberkörper der aufzurichtenden Person 8 selbst
keinerlei Unterstützung bereitzustellen, um den Aufrichtevorgang zu ermöglichen oder
zu unterstützen.
[0020] Auf diese Weise kann eine Person in einer für sie sehr bequemen Art und Weise soweit
von einem Stuhl, etwa einem Rollstuhl angehoben werden, damit Kleidungsstücke auch
von dem Intimbereich der Person 8 entfernt werden können, um beispielsweise einen
Toilettengang, das Wechseln einer Windel oder anderweitige Pflegemaßnahmen durchführen
zu können.
[0021] Wird mit der Aufrichthilfe das Aufrichtegeschirr 1 und somit die Person 8 abgesenkt,
wird diese wieder in die sitzende Position gebracht. Mit diesem Aufrichtegeschirr
1 ist selbstverständlich auch das Umsetzen einer Person von einem Bett auf einen Stuhl
oder in einen Rollstuhl oder von einem Stuhl oder Rollstuhl auf eine Toilette oder
dergleichen möglich.
[0022] Figur 5 zeigt ein weiteres Aufrichtegeschirr 1.1, welches prinzipiell aufgebaut ist
wie das Aufrichtegeschirr 1 der vorstehenden Figuren. Insofern gelten die vorstehenden
Ausführungen zu dem Aufrichtegeschirr 1 gleichermaßen für das Aufrichtegeschirr 1.1.
Das Aufrichtegeschirr 1.1 unterscheidet sich von dem Aufrichtegeschirr 1 der vorstehenden
Figuren dadurch, dass die Hebegurte 4.2, 4.3 in einer Gurtschnalle 12 geführt sind.
Bei der Gurtschnalle 12 handelt es sich um einen starren plattenartigen Körper mit
je zwei langlochartigen Öffnungen zum Durchführen jeweils eines Hebegurtes 4.2 bzw.
4.3. Die Gurtschnalle 12 kann, wie in Figur 5 durch den Doppelpfeil angedeutet, entlang
der Hebegurte 4.2, 4.3 verstellt werden. Zum Anlegen des Aufrichtegeschirrs 1.1 wird
man die Gurtschnalle 12 in Richtung zu den distalen Enden der Hebegurte 4.2, 4.3 verstellen,
um ein Anlegen des Aufrichtegeschirrs 1.1 an eine Person zu erleichtern. Die Gurtschnalle
12 befindet sich dann auf der Rückenseite der aufzurichtenden Person und wird vor
Anheben derselben bis in den Bereich des Rückens der Person verschoben. Hierdurch
ist die aufzurichtende Person bei dem Vorgang des Aufrichtens stabilisiert. Zudem
werden die Hebegurte 4.2, 4.3 aufgrund der Gurtschnalle 12 davon abgehalten, unmittelbar
unter die Achseln der Oberarme bei dem Vorgang des Aufrichtens zu rutschen.
[0023] Die Erfindung ist anhand eines Ausführungsbeispiels beschrieben worden. Ohne den
Umfang der geltenden Ansprüche zu verlassen, ergeben sich für einen Fachmann zahlreiche
weitere Ausgestaltungen, die Erfindung umzusetzen, ohne dass dieses im Rahmen dieser
Ausführungen näher erläutert werden müsste.
Bezugszeichenliste
[0024]
- 1, 1.1
- Aufrichtegeschirr
- 2
- Armaufnahme
- 3, 3.1
- Ende
- 4, 4.1, 4.2, 4.3
- Hebegurt
- 5, 5.1
- Schlaufe
- 6
- Gurtende
- 7, 7.1
- Anschlussschlaufe
- 8
- Person
- 9, 9.1
- Unterarm
- 10, 10.1
- Oberarm
- 11
- Schulter
- 12
- Gurtschnalle
- L
- Lifter
1. Aufrichtegeschirr zum Aufrichten einer Person mit einer Hebeeinrichtung (L), dadurch gekennzeichnet, dass das Aufrichtegeschirr (1, 1.1) eine vorderseitig bezüglich des Oberkörpers der Person
(8) anzuordnende, endseitig offene, rohrförmige Armaufnahme (2) zum Einsetzen zumindest
eines gegenüber dem Oberarm (10, 10.1) abgewinkelten Unterarmes (9, 9.1), sowie zwei
an die Armaufnahme (2) mit Abstand zueinander angeschlossene Hebegurte (4, 4.1; 4.2,
4.3) umfasst, die, unterhalb der Achseln auf die Rückenseite der aufzurichtenden Person
(8) geführt, an die Hebeeinrichtung (L) angeschlossen sind.
2. Aufrichtegeschirr nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die rohrförmige Armaufnahme (2) ein durch eine Polsterung verstärktes Tuchrohr ist.
3. Aufrichtegeschirr nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass beide Enden (3, 3.1) der rohrförmigen Armaufnahme (2) offen sind.
4. Aufrichtegeschirr nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Enden (3, 3.1) der Armaufnahme (2) in Richtung zu den Angriffspunkten der Hebegurte
(4, 4.1; 4.2, 4.3) schräg ausgelegt sind.
5. Aufrichtegeschirr nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Hebegurte (4, 4.1; 4.2, 4.3) jeweils eine um die Armaufnahme gelegte Schlaufe
(5, 5.1) aufweisen.
6. Aufrichtegeschirr nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Anbindungspunkte der Hebegurte (4, 4.1; 4.2, 4.3) an der Armaufnahme (2) einen
geringeren Abstand zueinander aufweisen, als die Oberkörperbreite einer mit dem Aufrichtegeschirr
aufzurichtenden Person (8).
7. Aufrichtegeschirr nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Hebegurte im Bereich ihres auf der Rückenseite der aufzurichtenden Person
geführten Abschnittes kreuzen.
8. Aufrichtegeschirr nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Hebegurte (4.2, 4.3) im Bereich ihres auf der Rückenseite der aufzurichtenden
Person geführten Abschnittes in einer gegenüber den Hebegurten (4.2, 4.3) verstellbaren
Gurtschnalle (12) geführt sind.
9. Aufrichthilfe für eine Person mit einer Hebeeinrichtung (L) und einem an die Hebeeinrichtung
(L) angeschlossenen Aufrichtegeschirr (1; 1.1) zum Anheben des Oberkörpers, dadurch gekennzeichnet, dass das Aufrichtegeschirr (1; 1.1) ein Aufrichtegeschirr nach einem der Ansprüche 1 bis
8 ist.
10. Anordnung umfassend eine Aufrichthilfe nach Anspruch 9 sowie eine mit der Aufrichthilfe
anzuhebende Person (8), dadurch gekennzeichnet, dass das Aufrichtegeschirr (1; 1.1) zum Anheben der Person (8) auf der Vorderseite des
Oberkörpers der Person (8) angeordnet ist, die Hebegurte (4, 4.1; 4.2, 4.3) an der
rechten und linken Oberkörperseite unterhalb der Achseln der Person (8) in Richtung
zur Rückenseite geführt und rückenseitig an die Hebeeinrichtung (L) angeschlossen
sind.
11. Anordnung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass aufgrund der Haltung der Person (8) die anliegende Zuglast über die Hebegurte (4,
4.1; 4.2, 4.3) und die Armaufnahme (2) in die Oberarme (10, 10.1) und damit in die
Schulter der Person (8) eingeleitet wird.