[0001] Vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Zinkphosphatierung von Bauteilen
umfassend Oberflächen von Zink zur Unterdrückung der Bildung von auf den Oberflächen
von Zink lose anhaftenden, unlöslichen Bestandteilen der Phosphatierung und demnach
zur weiteren Verbesserung der Haftung nachträglich aufgebrachter Tauchlackbeschichtungen.
In dem Verfahren wird auf eine Aktivierung der Zinkoberflächen mittels Dispersionen
enthaltend partikuläres Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith zurückgegriffen,
wobei der Anteil an partikulären Phosphaten in der Aktivierung der Menge an freiem
Fluorid und gelöstem Silizium in der Zinkphosphatierung angepasst werden muss.
[0002] Im Stand der Technik wird die Zinkphosphatierung mit einer Aktivierung der Metalloberflächen
des zu phosphatierenden Bauteils eingeleitet. Die nasschemische Aktivierung erfolgt
dabei durch In-Kontakt-Bringen mit kolloidalen Dispersionen von Phosphaten, die insofern
auf der Metalloberfläche immobilisiert, in der nachfolgenden Phosphatierung als Wachstumskeim
für die Ausbildung eines kristallinen Überzuges dienen. Geeignete Dispersionen sind
dabei kolloidale zumeist alkalische wässrige Zusammensetzungen auf Basis von Phosphat-Kristalliten,
die in ihrer Kristallstruktur nur geringe kristallographische Abweichungen von der
Art der abzuscheidenden Zinkphosphatschicht aufweisen. Neben dem in der Literatur
häufig als Jernstedt Salz bezeichnetem Titanphosphat eignen sich auch wasserunlösliche
bi- und trivalente Phosphate als Ausgangsmaterialien für die Bereitstellung einer
kolloidalen Lösung, die geeignet ist, eine Metalloberfläche für die Zinkphosphatierung
zu aktivieren. So lehrt die
WO 98/39498 A1 in diesem Zusammenhang insbesondere bi- und trivalente Phosphate der Metalle Zn,
Fe, Mn, Ni, Co, Ca und Al, wobei technisch bevorzugt Phosphate des Metalls Zink zur
Aktivierung für eine nachfolgende Zinkphosphatierung verwendet werden.
[0003] Jede Art der Aktivierung weist ihre Eigenart bezogen auf die im nachfolgenden Schritt
zu erfolgende Phosphatierung auf, die speziell bei der Behandlung von Bauteilen, die
aus einem Mix verschiedener metallischer Materialien zusammengesetzt sind, bedeutsam
wird. Geschlossene kristalline Zinkphosphatüberzüge können auf Stahloberflächen von
mit Jernstedt Salzen aktivierten Bauteilen dann nicht mehr gebildet werden, wenn im
Zinkphosphatierbad der Anteil an gelöstem Aluminium einen bestimmten Schwellenwert
beispielsweise bei Bauteilen mit hohem Aluminiumanteil überschreitet, so dass auf
eine Aktivierung gemäß der
WO 98/39498 A1 ausgewichen werden muss. Eine solche Aktivierung erbringt auch den Vorteil, dass
im Vergleich zur Aktivierung mit Jernstedt-Salzen dünnere und besser vor Korrosion
schützende Phosphatüberzüge auf den Aluminiumoberflächen erzielt werden. Eine Aktivierung
mit bi- und trivalenten Phosphaten liefert jedoch in Zinkphosphatierungsbädern, in
denen auch schichtbildend Oberflächen von Aluminium behandelt werden sollen, häufig
defektreiche Überzüge auf den Zinkoberflächen, die sich dadurch kennzeichnen, dass
lose Anhaftungen von Bestandteilen des Zinkphosphatüberzuges beobachtbar sind, die
in der nachfolgenden Tauchlackierung die Lackhaftung auf den Zinkoberflächen merklich
herabsetzen. Des Weiteren werden die losen aus Phosphaten bestehenden Anhaftungen
teilweise in eine der Zinkphosphatierung nachfolgende Tauchlackierung überschleppt
und dort wiederum teilweise in der wässrigen Bindemitteldispersion aufgelöst. Die
durch Überschleppung in die Tauchlackierung eingetragenen gelösten Phosphate können
zum einen die Abscheidecharakteristik der dispergierten Lackbestandteile negativ beeinflussen
und zum anderen die Effektivkonzentration essentieller Katalysatoren / Vernetzer auf
Basis ausgewählter Schwermetalle durch Ausfällungsreaktionen herabsetzen. Eine Überschleppung
von Phosphaten kann also ursächlich für erhöhte Einbrenntemperaturen sein, insbesondere
für Tauchlacke, die neben dem dispergierten Harz wasserslösliche Salze von Yttrium
und/oder Bismut enthalten.
[0004] Es besteht daher die Aufgabe, für ein Verfahren zur Zinkphosphatierung von metallischen
Bauteilen, das auch hohe Anteile an gelösten Aluminium toleriert, und daher auf einer
Aktivierung auf Basis einer kolloidalen Lösung von bi- und/oder trivalenten Phosphaten
beruht, geeignete Bedingungen aufzufinden, für die auf den Zinkoberflächen weitestgehend
defektfreie, von losen Anhaftungen befreite Zinkphosphatüberzüge gelingen, so dass
insgesamt eine hervorragende Lackhaftung resultiert. Insbesondere soll ein Verfahren
bereitgestellt werden, bei dem metallische Bauteile in der Phosphatierstufe schichtbildend
behandelt werden können, wobei die Bauteile sowohl Oberflächen von Zink als auch Oberflächen
von Aluminium und vorzugsweise auch Stahl aufweisen.
[0005] Diese Aufgabe wird überraschenderweise dadurch gelöst, dass der Anteil an zur Aktivierung
beitragenden partikulären Phosphaten auf die Menge an freiem Fluorid und Silizium
in der Zinkphosphatierung angepasst wird.
[0006] Die vorliegende Erfindung betrifft also ein Verfahren zur korrosionsschützenden Behandlung
einer Serie von metallischen Bauteilen, die metallische Bauteile umfasst, die zumindest
teilweise Oberflächen von Zink aufweisen, bei dem die metallischen Bauteile der Serie
nacheinander die folgenden nasschemischen Behandlungsschritte durchlaufen:
- (I) Aktivierung durch In-Kontakt-Bringen mit einer alkalischen wässrigen Dispersion,
die einen D50 Wert von weniger als 3 µm aufweist und deren anorganischer partikulärer
Bestandteil Phosphate umfasst, wobei die Gesamtheit dieser Phosphate zumindest teilweise
aus Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith zusammengesetzt ist;
- (II) Zinkphosphatierung durch In-Kontakt-Bringen mit einer sauren wässrigen Zusammensetzung
enthaltend
- (a) 5-50 g/l an Phosphat-Ionen,
- (b) 0,3-3 g/l an Zink-Ionen, und
- (c) mindestens eine Quelle für freies Fluorid,
wobei der Quotient aus der Konzentration der Phosphate im anorganischen partikulären
Bestandteil der alkalischen wässrigen Dispersion der Aktivierung in mmol/kg bezogen
auf PO
4 zur Summe aus der Konzentration an freiem Fluorid und der Konzentration an Silizium
jeweils in der sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung und jeweils
in mmol/kg größer als 0,5 ist.
[0007] Die gemäß vorliegender Erfindung behandelten Bauteile können alle beliebig geformten
und gestalteten räumlichen Gebilde sein, die einem Fabrikationsprozess entstammen,
insbesondere auch Halbzeuge wie Bänder, Bleche, Stangen, Rohre, etc. und Verbundkonstruktionen
zusammengefügt aus vorgenannten Halbzeugen, wobei die Halbzeuge vorzugsweise durch
Kleben, Schweißen und/oder Bördeln zur Verbundkonstruktion miteinander verbunden sind.
Ein Bauteil ist im Sinne der vorliegenden Erfindung dann metallisch, wenn dessen geometrische
Oberfläche mindestens zu 10% von metallischen Oberflächen gebildet wird.
[0008] Wenn im Rahmen der vorliegenden Erfindung auf die Behandlung von Bauteilen mit Oberflächen
von Zink, Eisen oder Aluminium verwiesen wird, so sind damit alle Oberflächen von
metallischen Substraten oder metallischen Überzügen umfasst, die das jeweilige Element
zu mehr als 50 At.-% enthalten. So bilden verzinkte Stahlsorten erfindungsgemäß Oberflächen
von Zink, wohingegen an den Schnittkanten und Durchschliffstellen beispielsweise einer
Automobilkarosse, die allein aus verzinktem Stahl gefertigt ist, erfindungsgemäß Oberflächen
von Eisen freigelegt sein können. Erfindungsgemäß weisen die Bauteile der Serie, die
zumindest teilweise Oberflächen von Zink aufweisen, vorzugsweise zumindest 5 % bezogen
auf die Bauteiloberfläche Oberflächen von Zink auf. Stahlsorten wie warmumgeformter
Stahl können auch mit einer mehrere Mikrometer dicken metallischen Beschichtung von
Aluminium und Silizium als Verzunderungsschutz und Umformhilfe versehen sein. Ein
derartig beschichteter Stahlwerkstoff weist, obwohl der Grundwerkstoff Stahl ist,
im Kontext der vorliegenden Erfindung eine Aluminiumoberfläche auf.
[0009] Eine korrosionsschützende Behandlung der Bauteile in Serie liegt vor, wenn eine Vielzahl
von Bauteilen mit in der in den jeweiligen Behandlungsschritten bereitgestellten und
üblicherweise in Systemtanks vorgehaltenen Behandlungslösung in Kontakt gebracht wird,
wobei das In-Kontakt-Bringen der einzelnen Bauteile nacheinander und damit zeitlich
voneinander getrennt erfolgt. Der Systemtank ist dabei das Behältnis, in dem sich
die Vorbehandlungslösung, zum Zwecke der korrosionsschützenden Behandlung in Serie
befindet.
[0010] Die Behandlungsschritte der Aktivierung und Zinkphosphatierung erfolgen für ein Bauteil
der korrosionsschützenden Behandlung in Serie dann "nacheinander", wenn sie nicht
durch eine andere als die jeweils vorgesehene nachfolgende nasschemische Behandlung
unterbrochen werden.
[0011] Nasschemische Behandlungsschritte im Sinne der vorliegenden Erfindung sind Behandlungsschritte,
die durch In-Kontakt-Bringen des metallischen Bauteils mit einer im Wesentlich aus
Wasser bestehenden Zusammensetzung erfolgen und keine Spülschritte darstellen. Ein
Spülschritt dient ausschließlich der vollständigen oder teilweisen Entfernung löslicher
Rückstände, Partikel und Wirkkomponenten, die aus einem vorausgegangenem nasschemischen
Behandlungsschritt auf dem Bauteil anhaftend verschleppt werden, vom zu behandelnden
Bauteil, ohne dass in der Spülflüssigkeit selbst Wirkkomponenten auf Basis metallischer
oder halbmetallischer Elemente enthalten sind, die sich bereits durch das bloße In-Kontakt-Bringen
der metallischen Oberflächen des Bauteils mit der Spülflüssigkeit verbrauchen. So
kann die Spülflüssigkeit lediglich Stadtwasser sein.
[0012] Der "pH-Wert", wie im Rahmen der vorliegenden Erfindung verwendet, entspricht dem
negativen dekadischen Logarithmus der Hydronium-Ionen Aktivität bei 20 °C und kann
mittels pH-sensitiver Glaselektroden bestimmt werden. Eine Zusammensetzung ist demgemäß
dann sauer, wenn ihr pH-Wert unterhalb von 7 liegt, und alkalisch, wenn ihr pH-Wert
oberhalb von 7 liegt.
[0013] Im erfindungsgemäßen Verfahren ist eine Abstimmung der einzelnen Behandlungsschritte
Aktivierung und Zinkphosphatierung derart realisiert, dass auf den Zinkoberflächen
der metallischen Bauteile im Rahmen der Zinkphosphatierung geschlossene Überzüge entstehen,
auf denen keine feinteiligen Bestandteile des Zinkphosphatüberzuges abgeschieden sind.
Demgemäß sind in der nachfolgenden Tauchlackierung Beschichtungen verfügbar, die hervorragend
auf den erfindungsgemäß behandelten Zinkoberflächen haften. In einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens ist der Quotient aus der Konzentration der Phosphate,
die im anorganischen partikulären Bestandteil der alkalischen wässrigen Dispersion
der Aktivierung enthalten sind, in mmol/kg bezogen auf PO
4 zur Summe aus der Konzentration an freiem Fluorid und der Konzentration an Silizium
jeweils in der sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung und jeweils
in mmol/kg größer als 0,6, besonders bevorzugt größer als 0,7. Die Konzentration an
freiem Fluorid in der sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung ist
nach Kalibrierung mit Fluorid-haltigen Pufferlösungen ohne pH-Pufferung mittels einer
fluoridsensitiven Messelektrode potentiometrisch bei 20 °C in der jeweiligen sauren
wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung zu bestimmen. Die Konzentration an
Silizium in der sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung ist im Filtrat
einer Membranfiltration der sauren wässrigen Zusammensetzung, die unter Verwendung
einer Membran mit einer nominalen Porengröße von 0,2 µm erfolgt ist, mittels Atomemissionsspektrometrie
(ICP-OES) zu bestimmen.
[0014] Der partikuläre Bestandteil der alkalischen wässrigen Dispersion ist derjenige Feststoffanteil,
der nach Trocknung des Retentats einer Ultrafiltration eines definierten Teilvolumens
der alkalischen wässrigen Dispersion mit einer nominalen Ausschlussgrenze von 10 kD
(NMWC, Nominal Molecular Weight Cut Off) verbleibt. Die Ultrafiltration wird unter
Zuspeisung von entionisiertem Wasser (κ<1µScm
-1) solange durchgeführt, bis im Filtrat eine Leitfähigkeit unterhalb von 10 µScm
-1 gemessen wird. Der anorganische partikuläre Bestandteil der alkalischen wässrigen
Dispersion ist wiederum derjenige, der verbleibt, wenn der aus der Trocknung des Retentats
der Ultrafiltration gewonnene partikuläre Bestandteil in einem Reaktionsofen unter
Zuführung eines CO
2-freien Sauerstoffstromes bei 900 °C ohne Beimischung von Katalysatoren oder anderen
Zuschlagsstoffen solange pyrolysiert wird, bis ein Infrarot-Sensor im Auslass des
Reaktionsofens ein mit dem CO
2-freien Trägergas (Blindwert) identisches Signal liefert. Die im anorganischen partikulären
Bestandteil enthaltenen Phosphate werden nach Säureaufschluss desselben mit wässriger
10 Gew.-% HNO
3 Lösung bei 25 °C für 15 min als Phosphorgehalt mittels Atomemissionsspektrometrie
(ICP-OES) unmittelbar aus dem Säureaufschluss bestimmt.
[0015] Entscheidend für eine Aktivierung ist ebenso, dass die alkalische wässrige Dispersion
einen D50 Wert von weniger als 3 µm aufweist, da anderenfalls nur sehr über sehr hohe
und damit nicht wirtschaftliche Anteile an partikulären Bestandteilen eine ausreichende
Belegung der Metalloberflächen mit Partikeln, die Kristallisationskeime für die Zinkphosphatierung
darstellen, erfolgen kann. Zudem neigen Dispersionen, deren Partikel durchschnittlich
größer sind, zur Sedimentation.
[0016] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist der D50-Wert
der alkalischen wässrigen Dispersion der Aktivierung daher kleiner als 2 µm, besonders
bevorzugt kleiner als 1 µm, wobei der D90-Wert, vorzugsweise kleiner als 5 µm ist,
so dass mindestens 90 Vol.-% der in der alkalischen wässrigen Zusammensetzung enthaltenden
partikulären Bestandteile diesen Wert unterschreiten.
[0017] Der D50-Wert bezeichnet in diesem Zusammenhang den volumenmittleren Teilchendurchmesser
den 50 Vol.-% der in der alkalischen wässrigen Zusammensetzung enthaltenden partikulären
Bestandteile nicht überschreiten. Der volumenmittlere Teilchendurchmesser kann gemäß
ISO 13320:2009 mittels Streulichtanalyse nach der Mie-Theorie aus volumengewichteten
kumulativen Partikelgrößenverteilungen als sogenannter D50-Wert unmittelbar in der
jeweiligen Zusammensetzung bei 20 °C bestimmt werden, wobei sphärische Partikel und
ein Brechungsindex der streuenden Partikel von n
D = 1,52-i·0,1 unterstellt werden.
[0018] Die Aktivkomponenten der alkalischen Dispersion, die effektiv die Bildung eines geschlossenen
Zinkphosphatüberzuges auf den Metalloberflächen des Bauteils in der nachfolgenden
Phosphatierung fördern und in diesem Sinne die Metalloberflächen aktivieren, sind
vornehmlich aus Phosphaten zusammengesetzt, die wiederum zumindest teilweise Hopeit,
Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith umfassen. Insofern ist eine solche Aktivierung
bevorzugt, bei der der Phosphatanteil der anorganischen partikulären Bestandteile
der alkalischen wässrigen Dispersion der Aktivierung bei zumindest 30 Gew.-%, besonders
bevorzugt bei zumindest 35 Gew.-%, insbesondere bevorzugt bei zumindest 40 Gew.-%
berechnet als PO
4 und bezogen auf den anorganischen partikulären Bestandteil der Dispersion liegt.
[0019] Eine Aktivierung im Sinne der vorliegenden Erfindung beruht also im Wesentlichen
auf den erfindungsgemäß enthaltenden Phosphaten in partikulärer Form, wobei die Phosphate
vorzugsweise zumindest teilweise aus Hopeit, Phosphophyllit und/oder Scholzit, besonders
bevorzugt auf Hopeit und/oder Phosphophyllit und insbesondere bevorzugt auf Hopeit,
zusammengesetzt sind. Die Phosphate Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith
können zur Bereitstellung der alkalischen wässrigen Dispersion als fein gemahlene
Pulver oder als mit einem Stabilisator verriebene Pulverpaste in eine wässrige Lösung
eindispergiert werden. Hopeite umfassen ohne Berücksichtigung von Kristallwasser stöchiometrisch
Zn
3(PO4)
2 sowie die Nickel- und Manganhaltigen Varianten Zn
2Mn(PO
4)
3, Zn
2Ni(PO
4)
3, wohingegen Phosphophyllit aus Zn
2Fe(PO
4)
3, Scholzit aus Zn
2Ca(PO
4)
3 und Hureaulith aus Mn
3(PO
4)
2 besteht. Die Existenz der kristallinen Phasen Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder
Hureaulith in der alkalischen wässrigen Dispersion kann nach Abtrennung des partikulären
Bestandteils mittels Ultrafiltration mit einer nominalen Ausschlussgrenze von 10 kD
(NMWC, Nominal Molecular Weight Cut Off) wie oben beschrieben und Trocknung des Retentats
bis zur Massenkonstanz bei 105°C mittels röntgendiffraktometrischer Methoden (XRD)
nachgewiesen werden.
[0020] Aufgrund der Präferenz für die Anwesenheit von Phosphaten, die Zink-Ionen umfassen
und eine bestimmte Kristallinität aufweisen, sind für die Bildung fest anhaftender
kristalliner Zinkphosphatüberzüge erfindungsgemäß Verfahren bevorzugt, in denen die
alkalische wässrige Dispersion der Aktivierung mindestens 20 Gew.-%, vorzugsweise
mindestens 30 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 40 Gew.-% an Zink im anorganischen
partikulären Bestandteil der alkalischen wässrigen Dispersion bezogen auf den Phosphatanteil
des anorganischen partikulären Bestanteils, berechnet als PO
4, enthält.
[0021] Eine Aktivierung im Sinne der vorliegenden Erfindung soll jedoch nicht mittels kolloidaler
Lösungen von Titanphosphaten erzielt werden, da anderenfalls die schichtbildende Zinkphosphatierung
auf Oberflächen von Eisen, insbesondere Stahl, nicht zuverlässig gelingt und der Vorteil
dünner effektiv vor Korrosion schützender Phosphatüberzüge auf Aluminium nicht realisiert
wird. In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist daher
der Anteil an Titan im anorganischen partikulären Bestandteil der alkalischen wässrigen
Dispersion der Aktivierung vorzugsweise kleiner als 5 Gew.-%, besonders bevorzugt
kleiner als 1 Gew.-% bezogen auf den anorganischen partikulären Bestandteil der Dispersion
ist. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform enthält die alkalische wässrige
Dispersion der Aktivierung insgesamt weniger als 10 mg/kg, besonders bevorzugt weniger
als 1 mg/kg an Titan.
[0022] Für eine hinreichende Aktivierung sämtlicher metallischer Oberflächen ausgewählt
aus Zink, Aluminium und Eisen sollte der Anteil der anorganischen partikulären Bestandteile,
der Phosphate umfasst, entsprechend angepasst werden. Hierfür ist es allgemein bevorzugt,
wenn im erfindungsgemäßen Verfahren der Anteil der Phosphate im anorganischen partikulären
Bestandteil bezogen auf die alkalische wässrige Dispersion der Aktivierung mindestens
40 mg/kg, vorzugsweise mindestens 80 mg/kg, besonders bevorzugt mindestens 150 mg/kg
berechnet als PO
4 beträgt. Aus wirtschaftlichen Gründen und für reproduzierbare Beschichtungsergebnisse
sollte die Aktivierung mit möglichst verdünnten kolloidalen Lösungen erfolgen. Daher
ist bevorzugt, dass der Anteil der Phosphate im anorganischen partikulären Bestandteil
bezogen auf die alkalische wässrige Dispersion der Aktivierung geringer als 0,8 g/kg,
besonders bevorzugt geringer als 0,6 g/kg, insbesondere bevorzugt geringer als 0,4
g/kg berechnet als PO
4 ist.
[0023] Für eine gute Aktivierung von Bauteilen, die Zinkoberflächen aufweisen, ist es weiterhin
vorteilhaft, wenn die Metalloberflächen während der Aktivierung nur gering gebeizt
werden. Gleiches gilt auch für die Aktivierung auf den Oberflächen von Aluminium und
Eisen. Gleichzeitig sollten die anorganischen partikulären Bestandteile, insbesondere
die unlöslichen Phosphate nur einer geringgradigen Korrosion unterliegen. Demgemäß
ist es im erfindungsgemäßen Verfahren bevorzugt, wenn der pH-Wert der alkalischen
wässrigen Dispersion in der Aktivierung größer als 8, besonders bevorzugt größer als
9, jedoch vorzugsweise kleiner als 12, besonders bevorzugt kleiner als 11 ist.
[0024] Der zweite Behandlungsschritt der Zinkphosphatierung folgt der Aktivierung mit oder
ohne dazwischenliegendem Spülschritt, unmittelbar, so dass jedes Bauteil der Serie
nacheinander die Aktivierung gefolgt von der Zinkphosphatierung ohne dazwischenliegenden
nasschemischen Behandlungsschritt durchläuft. In einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgen zwischen der Aktivierung und der Zinkphosphatierung
weder ein Spül- noch ein Trocknungsschritt für die Bauteile der Serie. Ein Trocknungsschritt
im Sinne der vorliegenden Erfindung bezeichnet einen Vorgang, bei dem die einen Nassfilm
aufweisenden Oberflächen des metallischen Bauteils unter Zuhilfenahme technischer
Maßnahmen getrocknet werden sollen, beispielsweise durch Zuführung thermischer Energie
oder Überleiten eines Luftstromes.
[0025] Die Zinkphosphatierung gelingt, insofern die erfindungsgemäße Abstimmung mit der
Aktivierung erfolgt ist, im Regelfall mit konventionellen Phosphatierbädern, die
- (a) 5 - 50 g/kg, vorzugsweise 10-25 g/kg an Phosphat-Ionen,
- (b) 0,3-3 g/kg, vorzugsweise 0,8-2 g/kg an Zink-Ionen, und
- (c) mindestens eine Quelle für freies Fluorid
enthalten. In einer aus umwelthygienischen Gründen bevorzugten Ausführungsform sind
insgesamt weniger als 10 ppm an Nickel- und/oder Kobalt-Ionen in der sauren wässrigen
Zusammensetzung der Zinkphosphatierung enthalten.
[0026] Die Menge an Phosphat-Ionen umfasst erfindungsgemäß die Orthophosphorsäure sowie
die in Wasser gelösten Anionen der Salze der Orthophosphorsäure berechnet als PO
4.
[0027] Der bevorzugte pH-Wert der sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung
liegt im erfindungsgemäßen Verfahren oberhalb von 2,5, besonders bevorzugt oberhalb
von 2,7, jedoch vorzugsweise unterhalb von 3,5, besonders bevorzugt unterhalb von
3,3. Der Anteil der freien Säure in Punkten beträgt in der sauren wässrigen Zusammensetzung
der Zinkphosphatierung vorzugsweise mindestens 0,4, jedoch vorzugsweise nicht mehr
als 3, besonders bevorzugt nicht mehr als 2. Der Anteil der freien Säure in Punkten
wird bestimmt, indem 10 ml Probevolumen der sauren wässrigen Zusammensetzung auf 50
ml verdünnt und mit 0,1 N Natronlauge bis zu einem pH-Wert von 3,6 titriert werden.
Der Verbrauch an ml Natronlauge gibt die Punktzahl freier Säure an.
[0028] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens enthält die
saure wässrige Zusammensetzung der Zinkphosphatierung zusätzlich Kationen der Metalle
Mangan, Kalzium und/oder Eisen.
[0029] Auch die übliche Additivierung der Zinkphosphatierung kann erfindungsgemäß in analoger
Weise durchgeführt werden, so dass die saure wässrige Zusammensetzung die üblichen
Beschleuniger wie Wasserstoffperoxid, Nitrit, Hydroxylamin, Nitroguanidin und/oder
N-Methylmorpholin-N-Oxid enthalten kann.
[0030] Eine Quelle für freie Fluorid-Ionen ist essentiell für den Prozess der schichtbildenden
Zinkphosphatierung auf allen metallischen Oberflächen des Bauteils, die ausgewählt
sind aus Oberflächen von Zink, Eisen und/oder Aluminium. Sollen sämtliche Oberflächen
der metallischen Materialien der Bauteile, die im Rahmen der Serie behandelt werden,
mit einem Phosphatüberzug versehen werden, so ist die Menge der partikulären Bestandteile
in der Aktivierung an die für die Schichtbildung in der Zinkphosphatierung erforderliche
Menge an freiem Fluorid anzupassen. Sollen neben den Zinkoberflächen als auch die
Oberflächen von Eisen, insbesondere Stahl, mit einem geschlossenen und defektfreien
Phosphatüberzug versehen werden, so ist im erfindungsgemäßen Verfahren bevorzugt,
wenn die Menge an freiem Fluorid in der sauren wässrigen Zusammensetzung mindestens
0,5 mmol/kg beträgt. Sollen zudem auch Oberflächen von Aluminium mit einem geschlossenen
Phosphatüberzug versehen werden, so ist im erfindungsgemäßen Verfahren bevorzugt,
wenn die Menge an freiem Fluorid in der sauren wässrigen Zusammensetzung mindestens
2 mmol/kg beträgt. Die Konzentration an freiem Fluorid sollte keine Werte überschreiten,
oberhalb derer die Phosphatüberzüge überwiegend Anhaftungen aufweisen, die leicht
abwischbar sind, da diese auch durch eine überproportional erhöhte Menge an partikulären
Phosphaten in der alkalischen wässrigen Dispersion der Aktivierung nicht vermieden
werden können. Daher ist es auch aus wirtschaftlichen Erwägungen vorteilhaft, wenn
im erfindungsgemäßen Verfahren die Konzentration an freiem Fluorid in der sauren wässrigen
Zusammensetzung der Zinkphosphatierung unterhalb von 8 mmol/kg liegt.
[0031] Die Menge an freiem Fluorid ist nach Kalibrierung mit Fluorid-haltigen Pufferlösungen
ohne pH-Pufferung mittels einer fluoridsensitiven Messelektrode potentiometrisch bei
20 °C in der jeweiligen sauren wässrigen Zusammensetzung zu bestimmen. Geeignete Quellen
für freies Fluorid sind Flusssäure sowie deren wasserlöslichen Salze, wie Ammoniumbifluorid
und Natriumfluorid, sowie komplexe Fluoride der Elemente Zr, Ti und/oder Si, insbesondere
komplexe Fluoride des Elements Si. In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens ist die Quelle für freies Fluorid daher ausgewählt aus Flusssäure sowie
deren wasserlöslichen Salzen und/oder komplexen Fluoriden der Elemente Zr, Ti und/oder
Si. Salze der Flusssäure sind dann wasserlöslich im Sinne der vorliegenden Erfindung,
wenn ihre Löslichkeit in entionisiertem Wasser (<1µScm
-1) bei 60°C mindestens 1 g/L berechnet als F beträgt.
[0032] Zur Unterdrückung der sogenannten Stippenbildung auf den Zinkoberflächen des Bauteils
ist es erfindungsgemäß bevorzugt, wenn die Quelle für freies Fluorid zumindest teilweise
ausgewählt ist aus komplexen Fluoriden des Elements Si, insbesondere aus Hexafluorokieselsäure
und ihren Salzen. Unter Stippenbildung versteht der Fachmann in der Phosphatierung
das Phänomen der lokalen Abscheidung von amorphem, weißem Zinkphosphat in einer ansonsten
kristallinen Phosphatschicht auf den behandelten Zinkoberflächen bzw. auf den behandelten
verzinkten oder legierungsverzinkten Stahloberflächen. Die Stippenbildung wird dabei
hervorgerufen durch eine lokal erhöhte Beizrate des Substrats. Derartige Punktdefekte
in der Phosphatierung können Ausgangspunkt für die korrosive Enthaftung nachträglich
aufgebrachter organischer Lacksysteme sein, so dass das Auftreten von Stippen in der
Praxis weitgehend zu vermeiden ist. Bevorzugt ist in diesem Zusammenhang, wenn die
Konzentration an Silizium in Wasser gelöster Form in der sauren wässrigen Zusammensetzung
der Zinkphosphatierung mindestens 0,5 mmol/kg, besonders bevorzugt mindestens 1 mmol/kg,
beträgt, jedoch vorzugsweise kleiner als 6 mmol/kg, besonders bevorzugt kleiner als
5 mmol/kg, insbesondere bevorzugt kleiner als 4,5 mmol/kg ist. Die Obergrenzen für
die Konzentration an Silizium sind bevorzugt, da oberhalb dieser Werte Phosphatüberzüge
begünstig werden, die überwiegend solche lose Anhaftungen aufweisen, die auch durch
eine überproportional erhöhte Menge an partikulären Phosphaten in der alkalischen
wässrigen Dispersion der Aktivierung nicht vermieden werden können. Die Konzentration
an Silizium in der sauren wässrigen Zusammensetzung in Wasser gelöster Form ist im
Filtrat einer Membranfiltration der sauren wässrigen Zusammensetzung, die unter Verwendung
einer Membran mit einer nominalen Porengröße von 0,2 µm erfolgt ist, mittels Atomemissionsspektrometrie
(ICP-OES) zu bestimmen.
[0033] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht darin, dass in dessen
Verlauf auch geschlossene Zinkphosphatüberzüge auf Oberflächen von Aluminium gebildet
werden. Konsequenterweise umfasst die zu behandelnde Serie an Bauteilen im erfindungsgemäßen
Verfahren vorzugsweise auch die Behandlung von Bauteilen, die mindestens eine Oberfläche
von Aluminium aufweisen. Hierbei ist es unerheblich, ob die Oberflächen von Zink und
Aluminium in einem aus entsprechenden Materialien zusammengesetzten Bauteil oder in
verschiedenen Bauteilen der Serie realisiert sind.
[0034] Im erfindungsgemäßen Verfahren wird ein guter Lackhaftgrund für eine nachfolgende
Tauchlackierung, in deren Verlauf eine im Wesentlichen organische Deckschicht aufgebracht
wird, realisiert. Dementsprechend schließt sich in einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens der Zinkphosphatierung mit oder ohne dazwischenliegendem
Spül- und/oder Trocknungsschritt, jedoch vorzugsweise mit Spülschritt, aber ohne Trocknungsschritt,
eine Tauchlackierung an, besonders bevorzugt eine Elektrotauchlackierung, insbesondere
bevorzugt eine kathodische Elektrotauchlackierung, an.
Ausführungsbeispiele:
[0035] Es wurden verzinkte Stahlbleche (HDG) in Zinkphosphatierbädern mit unterschiedlichen
Gehalten an freiem Fluorid nach vorheriger Aktivierung mit Dispersionen von partikulären
Zinkphosphat behandelt und das Erscheinungsbild der Überzüge unmittelbar nach der
Zinkphosphatierung bewertet. Die Tabelle 1 enthält eine Übersicht über die Zusammensetzungen
der Aktivierung und der Zinkphosphatierung und die Ergebnisse hinsichtlich der Bewertung
der Güte der Überzüge. Die Bleche durchliefen die im Folgenden aufgeführten Verfahrensschritte
in der angegebenen Reihenfolge:
A) Reinigung und Entfettung im Spritzen bei 60 °C für 90 Sekunden
25 g/L BONDERITE® C-AK 1565 (Fa. Henkel AG & Co. KGaA)
2 g/L BONDERITE® C-AD 1270 (Fa. Henkel AG & Co. KGaA)
Ansatz mit VE-Wasser (κ<1µScm
-1); Einstellen des pH-Wertes mit Kalilauge auf 11,8.
B) Spüle mit VE-Wasser (κ<1µpScm
-1) bei 20°C für 60 Sekunden
C) Tauchaktivierung bei 20 °C für 60 Sekunden
0,5-3 g/kg enthält 8,4 Gew.-% an Zink in Form von Zn3(PO4)2*4H2O
200 mg/kg K4P2O7 PREPALENE® X (Fa. Nihon Parkerizing Co., Ltd.)
Ansatz mit VE-Wasser (κ<1µScm-1); Einstellen des pH-Wertes mit H3PO4 auf 10,0. Der D50 Wert der Dispersion zur Aktivierung betrug 0,25 µm bei 20 °C bestimmt
auf Basis der statischen Streulichtanalyse gemäß Mie-Theorie nach ISO 13320:2009 mittels
Partikelanalysator HORIBA LA-950 (Fa. Horiba Ltd.) unter Annahme eines Brechungsindexes
der streuenden Partikel von n = 1,52-i·0,1.
D) Zinkphosphatierung durch Eintauchen bei 50 °C für 180 Sekunden
| 1,1 g/kg |
Zink |
| 1,0 g/kg |
Mangan |
| 1,0 g/kg |
Nickel |
| 15,7 g/kg |
Phosphat |
| 2 g/kg |
Nitrat |
Die Zugabe einer Menge einer Quelle für Fluorid erfolgte gemäß Tabelle 1.
Ansatz mit VE-Wasser (κ<1µScm
-1); Einstellen der freien Säure mit 10 %iger NaOH Freie Säure:1,0 Punkt
Die freie Säure ist bestimmt aus 10 ml Probevolumen verdünnt auf 50 ml mit VE Wasser
und anschließender Titration mit 0,1 N NaOH bis pH-Wert 3,6, wobei der Verbrauch an
Natronlauge in Millilitern der Menge an freie Säure in Punkten entspricht.
Gesamtsäure: 20 Punkte
Die Gesamtsäure ist bestimmt aus 10 ml Probevolumen verdünnt auf 50 ml mit VE Wasser
und anschließender Titration mit 0,1 N NaOH bis zum pH-Wert 8,5, wobei der Verbrauch
an Natronlauge in Millilitern der Menge an Gesamtsäure in Punkten entspricht. Natriumnitrit:
2,0 Gaspunkte gemessen im Azotometer nach Zugabe von Amidosulfonsäure
E) Spüle mit entionisiertem Wasser (κ<1µScm
-1) bei 20°C für 60 Sekunden
F) Trocknen in Umgebungsluft
Anhand der Tabelle 1 wird ersichtlich, dass zufriedenstellende Phosphatüberzüge, die
also auf dem verzinktem Stahl keine losen Anhaftungen aufweisen, durch Anpassung der
Menge an partikulärem Zinkphosphat in der Aktivierung an die Menge des freien Fluorids
und der Hexafluorokieselsäure in der Zinkphosphatierung erzielt werden können. Fällt
die Menge an partikulärem Zinkphosphat in der Aktivierung unterhalb des durch die
freie Fluoridmenge und der Konzentration an Silizium definierten Wertes, so entstehen
zum Teil staubig erscheinende Überzüge (A1-Si-300, A3-Si-600 und A1-F-90), die gänzlich
ungeeignet für eine nachfolgende Tauchlackierung sind.
| Tabelle 1 |
| |
Aktivierung |
Zinkphosphatierung |
Molares Verhältnis |
Aussehen |
| Beispiel* |
PO4 / mmolkg-1 |
Freies Fluorid# / mmolkg-1 |
Quelle |
Schichtgewicht / gm-2 |

|
0: keine Anhaftung |
| 1: kaum Anhaftungen |
| 2: deutlich sichtbare Anhaftungen |
| 3: staubige Beschichtung |
| A1 |
0,45 |
0 |
- |
3,1 |
- |
0 |
| A4 |
2,68 |
0 |
- |
2,0 |
- |
0 |
| A1-Si-100 |
0,45 |
0,8 |
H2SiF6 |
3,3 |
0,30 |
2 |
| A2-Si-100 |
0,89 |
0,8 |
H2SiF6 |
2,9 |
0,59 |
0 |
| A2-Si-200 |
0,89 |
1,2 |
H2SiF6 |
2,8 |
0,35 |
2 |
| A3-Si-200 |
1,79 |
1,2 |
H2SiF6 |
2,4 |
0,70 |
0 |
| A1-Si-300 |
0,45 |
1,6 |
H2SiF6 |
3,3 |
0,12 |
3 |
| A3-Si-300 |
1,79 |
1,6 |
H2SiF6 |
2,7 |
0,48 |
2 |
| A4-Si-300 |
2,68 |
1,6 |
H2SiF6 |
2,2 |
0,73 |
0 |
| A3-Si-600 |
1,79 |
2,0 |
H2SiF6 |
3,7 |
0,29 |
3 |
| A4-Si-600 |
2,68 |
2,0 |
H2SiF6 |
3,4 |
0,43 |
1 |
| A1-F-90 |
0,45 |
1,6 |
(NH4)HF2 |
3,5 |
0,29 |
3 |
| A2-F-90 |
0,89 |
1,6 |
(NH4)HF2 |
3,3 |
0,56 |
0 |
| A2-F-180 |
0,89 |
3,2 |
(NH4)HF2 |
3,4 |
0,28 |
2 |
| A3-F-180 |
1,79 |
3,2 |
(NH4)HF2 |
2,9 |
0,57 |
0 |
| A2-F-300 |
0,89 |
4,7 |
(NH4)HF2 |
3,6 |
0,19 |
2 |
| A3-F-300 |
1,79 |
4,7 |
(NH4)HF2 |
3,1 |
0,38 |
2 |
| A4-F-300 |
2,68 |
4,7 |
(NH4)HF2 |
2,8 |
0,57 |
0 |
| A4-F-450 |
2,68 |
7.9 |
(NH4)HF2 |
2,6 |
0,34 |
2 |
| * die letzten Ziffern nach dem Bindestrich geben die Menge der Quelle für freies Fluorid
in mg/kg an |
| # gemessen mit Ionenmeter pMX 3000 / Ion (Fa. Xylem Inc.) |
| ** in eckigen Klammer die Konzentrationen an partikulären Phosphaten in der Aktivierung
sowie an freiem Fluorid und Silizium in der Zinkphosphatierung |
1. Verfahren zur korrosionsschützenden Behandlung einer Serie von metallischen Bauteilen,
die metallische Bauteile umfasst, die zumindest teilweise Oberflächen von Zink aufweisen,
bei dem die metallischen Bauteile der Serie nacheinander die folgenden nasschemischen
Behandlungsschritte durchlaufen:
(I) Aktivierung durch In-Kontakt-Bringen mit einer alkalischen wässrigen Dispersion,
die einen D50 Wert von weniger als 3 µm aufweist und deren anorganischer partikulärer
Bestandteil Phosphate umfasst, wobei die Gesamtheit dieser Phosphate zumindest teilweise
aus Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith zusammengesetzt ist;
(II) Zinkphosphatierung durch In-Kontakt-Bringen mit einer sauren wässrigen Zusammensetzung
enthaltend
(a) 5-50 g/kg an Phosphat-Ionen,
(b) 0,3-3 g/kg an Zink-Ionen, und
(c) mindestens eine Quelle für freies Fluorid,
dadurch gekennzeichnet, dass der Quotient aus der Konzentration der Phosphate im anorganischen partikulären Bestandteil
der alkalischen wässrigen Dispersion der Aktivierung in mmol/kg zur Summe aus der
Konzentration an freiem Fluorid und der Konzentration an Silizium jeweils in der sauren
wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung und jeweils in mmol/kg größer als
0,5 ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil der Phosphate bezogen auf die anorganischen partikulären Bestandteile
der alkalischen wässrigen Dispersion bei zumindest 30 Gew.-%, besonders bevorzugt
bei zumindest 35 Gew.-%, insbesondere bevorzugt bei zumindest 40 Gew.-% berechnet
als PO4 liegt.
3. Verfahren nach einem oder beiden der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Zink im anorganischen partikulären Bestandteil der alkalischen wässrigen
Dispersion in der Aktivierung bei mindestens 20 Gew.-%, vorzugsweise bei mindestens
30 Gew.-%, besonders bevorzugt bei mindestens 40 Gew.-% liegt.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Titan im anorganischen partikulären Bestandteil der alkalischen wässrigen
Dispersion in der Aktivierung kleiner als 5 Gew.-%, besonders bevorzugt kleiner als
1 Gew.-% ist, und insbesondere bevorzugt weniger als 10 mg/kg an Titan in der alkalischen
wässrigen Dispersion der Aktivierung enthalten sind.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Menge der Phosphate aus dem anorganischen partikulären Bestandteil der alkalischen
wässrigen Dispersion in der Aktivierung mindestens 40 mg/kg, vorzugsweise mindestens
80 mg/kg, besonders bevorzugt mindestens 150 mg/kg berechnet als PO4 und bezogen auf die Dispersion beträgt.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der pH-Wert der alkalischen wässrigen Dispersion in der Aktivierung größer als 8,
vorzugsweise größer als 9, jedoch vorzugsweise kleiner als 12, besonders bevorzugt
kleiner als 11 ist.
7. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Quelle für freies Fluorid komplexe Fluoride des Elements Silizium in der sauren
wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung enthalten sind.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Konzentration an Silizium in Wasser gelöster Form mindestens 0,5 mmol/kg, vorzugsweise
mindestens 1 mmol/kg, beträgt, jedoch vorzugsweise kleiner als 6 mmol/kg ist.
9. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die freie Säure in der sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung mindestens
0,4 Punkte, jedoch vorzugsweise nicht mehr als 3 Punkte, besonders bevorzugt nicht
mehr als 2 Punkte beträgt.
10. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Konzentration an freiem Fluorid in der sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung
mindestens 0,5 mmol/kg, vorzugsweise mindestens 2 mmol/kg, jedoch vorzugsweise weniger
als 8 mmol/kg beträgt.
11. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen der Aktivierung und der Zinkphosphatierung weder ein Spül- noch ein Trocknungsschritt
erfolgt.
12. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in der Serie von Bauteilen auch Bauteile behandelt werden, die mindestens eine Oberfläche
von Aluminium aufweisen.
13. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Zinkphosphatierung mit oder ohne dazwischenliegendem Spül- und/oder Trocknungsschritt,
jedoch vorzugsweise mit Spülschritt, aber ohne Trocknungsschritt, eine Tauchlackierung
folgt, vorzugsweise eine Elektrotauchlackierung, besonders bevorzugt eine kathodische
Elektrotauchlackierung.