[0001] Die Erfindung betrifft ein Assistenzsystem und ein Verfahren hierzu zur Unterstützung
wenigstens einer Person bei der Durchführung einer Kontroll-, Überwachungs-, Steuerungs-
und/oder Regelungsaufgabe bezüglich einer Situation, insbesondere einer Verkehrssituation.
[0002] Basierend auf den nunmehr weiteren Fortschritt im Bereich der Digitalisierung befinden
sich Assistenzsysteme zur Unterstützung von Menschen bei der Ausführung von Kontroll-,
Überwachungs-, Steuerung- und/oder Regelungsaufgaben mittlerweile in sehr vielen Bereichen.
So spielt die Unterstützung von Personen bei solchen Kontrollen, Überwachungs-, Steuerungs-
und/oder Regelungsaufgaben, kurz Assistenz, durch computergestützte Systeme gerade
in der Luft- und Raumfahrt, im Automotive-Bereich sowie im nautischen Bereich aber
auch in der Medizin eine große Rolle. So werden beispielsweise mit Hilfe von Lotsenassistenzsystem
dem Lotsen Unterstützungsmöglichkeiten gegeben, die in seinem Luftraum vorherrschende
Verkehrssituationen bestmöglich zu kontrollieren, zu überwachen, zu steuern und/oder
zu regeln.
[0003] Neben der reinen Darstellung der betreffenden Situation, die es durch die Person
kurz gesagt zu kontrollieren gilt, werden Assistenzsysteme vermehrt auch dahingehend
entwickelt, dass sie zumindest teilweise automatisiert entsprechende Kontroll-, Überwachungs-,
Steuerung- und/oder Regelungsaufgaben übernehmen, indem sie Handlungen zur Unterstützung
der Person, die für die betreffende Situation verantwortlich ist, ausführen, um so
die Person insbesondere von Routineaufgaben freizustellen.
[0004] So ist beispielsweise aus der
DE 10 2011 107 934 A1 ein Lotsenassistenzsystem bekannt, welches die zwischen dem Lotsen und einem Piloten
gesprochene Sprache und Anweisungen im Hintergrund erfasst und auswertet und dem Lotsen
basierend auf diese gesprochenen Anweisungen, die an den Piloten gerichtet sind, entsprechenden
Handlungsanweisungen vorschlägt, die der Lotse zur Regelung der Verkehrssituation
in seinem Flugraum ausführen kann oder auch nicht. Auch hier übernimmt das Assistenzsystem
zumindest einen Teil der Regelungsaufgabe, indem es entsprechende Regelungsvorschläge
generiert.
[0005] Der Grad der Automation eines solchen Assistenzsystems ist dabei häufig einstellbar,
damit die die Situation zu kontrollierende Person die Automationsweite an seine Bedürfnisse
anpassen kann. So ist beispielsweise im Automotive-Bereich bekannt, dass moderne Kraftfahrzeuge
neben einem Tempomaten mit Abstandsregelung auch eine Spurhalteassistenz aufweisen,
die separat einstellbar sind, wodurch der Fahrer des Kraftfahrzeuges selber entscheiden
kann, wie hoch der Automatisierungsgrad für ihn sein soll.
[0006] Es hat sich herausgestellt, dass bei der Durchführung von Kontroll-, Überwachungs-,
Steuerung- und/oder Regelungsaufgaben bzgl. einer Situation das Situationsbewusstsein
bzgl. der vorherrschenden Situation durch die betreffende Person relevant ist in Bezug
auf den eingestellten Automatisierungsgrad. Das Maß für das Situationsbewusstsein
(auch als "situation awareness" bekannt) ist dabei eine Kennzahl die angibt, inwieweit
die Person sich seiner Umgebung zutreffend bewusst ist und inwieweit die betreffende
Person den Ereignissen, die innerhalb der Situation passieren, rechtzeitig folgen
kann.
[0007] Die Korrelation zwischen dem Maß des Situationsbewusstseins und dem Automationsgrad
des Assistenzsystems zeigt sich beispielsweise dann, wenn diese beiden auseinanderlaufen.
So führt ein niedriges Maß für das Situationsbewusstsein in Verbindung mit einem niedrigen
Automationsgrad dazu, dass die Person überfordert ist, was in aller Regel die Wahrscheinlichkeit
für Fehlentscheidungen der Person erhöht. Andersherum, bei einem hohen Maß für das
Situationsbewusstsein und einem hohen Automationsgrad, ist die betreffende Person
schnell unterfordert und langweilt sich, was ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für
Fehlentscheidungen erhöht.
[0008] Ein Problem hierbei ist jedoch, dass das Situationsbewusstsein an sich nicht direkt
messbar ist, da es sich in Form eines Modells auf die kognitive Fähigkeit einer Person
in Bezug auf eine Situation bezieht. Ein fehlendes oder unzureichendes Situationsbewusstsein
äußert sich dabei auch nicht zwangsläufig in sichtbaren Fehlern, Zwischenfällen oder
Unfällen. Vielmehr steigt lediglich die Wahrscheinlichkeit, wodurch jedoch anhand
der durchgeführten Handlungen einer Person noch nicht zwangsläufig auf ein Maß für
das Situationsbewusstsein geschlossen werden kann. Dieser Umstand führt letztendlich
dazu, dass das Situationsbewusstsein als ein maßgebender Faktor bei Assistenzsystemen
keine Berücksichtigung findet.
[0009] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein verbessertes Assistenzsystem
und ein verbessertes Verfahren hierzu anzugeben, das in der Lage ist, den Automatisierungsgrad
optimal an die betreffende Person anzupassen, um so die Wahrscheinlichkeit von Fehlern
und Zwischenfällen zu verringern.
[0010] Die Aufgabe wird mit dem Assistenzsystem gemäß Anspruch 1 sowie dem Verfahren gemäß
Anspruch 7 erfindungsgemäß gelöst.
[0011] Gemäß Anspruch 1 wird ein Assistenzsystem zur Unterstützung wenigstens einer Person
bei der Durchführung einer Kontroll-, Überwachungs-, Steuerung- und/oder Regelungsaufgabe
bzgl. einer Situation vorgeschlagen, wobei dem Assistenzsystem mit Hilfe von Sensoren
erfasste Zustandsdaten der zu kontrollierenden, zu überwachenden, zu steuernden und/oder
zu regelnden Situationen bereitstellbar sind. Derartige Zustandsdaten können beispielsweise
mit entfernt angeordneten Sensoren erfasst und dann über eine Schnittstelle an das
Assistenzsystem weitergeleitet werden, um so dem Assistenzsystem die entsprechenden
Zustandsdaten der Situation bereitstellen zu können. Bei den Sensoren kann es sich
dabei um Sensoren handeln, welche den entsprechenden Zustand, insbesondere dem Ist-Zustand
der zu kontrollierenden, zu überwachenden, zu steuernden und/oder zu regelnden Situation
erfassen können. Dies können beispielsweise radargestützte Sensoren sein, wenn es
sich beispielsweise um ein Lotsenassistenzsystem handelt. Denkbar sind aber auch Sensoren,
die eine Sprachkommunikation aufnehmen oder anderweitige Aufnahmegeräte beinhalten.
Im Sinne der vorliegenden Erfindung sind somit Sensoren all jene technischen Geräte,
die den Zustand einer zu kontrollierenden, zu überwachenden, zu steuernden und/oder
zu regelnden Situation erfassen können. Der Zustand einer Situation beschreibt dabei
einen oder mehrere Eigenschaften der Situation, wie beispielsweise Eigenschaften anderer
Verkehrsteilnehmer oder ähnliches.
[0012] Außerdem ist das Assistenzsystem ausgebildet, in Abhängigkeit von einem einstellbaren
Automatisierungsgrad des Assistenzsystems zum automatisierten Ausführen von Handlungen
zur Unterstützung der Person bei der Durchführung der Kontroll-, Überwachungs-, Steuerung-
und/oder Regelungsaufgabe bzgl. der Situation auszuführen, um so die betreffende Person
bei ihrer allgemein gesagten Kontrollaufgabe entsprechend assistieren zu können. Je
höher der Automatisierungsgrad ist, der aktuell eingestellt ist, desto mehr Handlungen
zur Unterstützung der Person bei der Durchführung der Kontroll-, Überwachungs-, Steuerung-
und/oder Regelungsaufgabe werden von dem Assistenzsystem automatisiert ausgeführt.
Bei einem sehr geringem Automatisierungsgrad kann sich das automatisierte Ausführen
von Handlungen beispielsweise darin erschöpfen, dass lediglich Vorschläge für Handlungen
angezeigt oder kritische Situationen dargestellt werden. Bei einem mittleren Automatisierungsgrad
werden dann zumindest teilweise entsprechende Handlungen ausgeführt, die sich direkt
auf die Situation beziehen und die Veränderungen an der momentanen Situation bewirken
können. Bei einem hohen Automatisierungsgrad bis einschließlich zur Vollautomatisierung
werden dann nahezu alle Kontroll-, Überwachungs-, Steuerung- und/oder Regelungsaufgaben
von dem Assistenzsystem unternommen, wodurch es dann von der betreffenden Person keine
manuellen Eingriffe mehr bedarf.
[0013] Erfindungsgemäß ist nun vorgesehen, dass das Assistenzsystem ein Evaluationsmodul
hat, mit dem ein Maß für das Situationsbewusstsein ermittelt werden kann. Das Maß
für das Situationsbewusstsein ist dabei eine Kennzahl, die sich auf das Situationsbewusstsein
bezieht und die sich aus Handlungen der betreffenden Person ableiten lässt. Im einfachsten
Fall kann das Maß für das Situationsbewusstsein zwei- oder dreistufig sein, wobei
bei einem dreistufigen System ein niedriges Maß, ein mittleres Maß und ein hohes Maß
für das Situationsbewusstsein angehbar ist.
[0014] Das Maß für das Situationsbewusstsein wird dabei anhand von automatisch generierten
Fragen, die der betreffenden Person präsentiert und beantwortet werden, automatisch
ermittelt, wobei die von der Person eingegebenen Antworten mit korrekten Antworten
verglichen und basierend aus diesem Vergleich dann das Maß für das Situationsbewusstsein
abgeleitet wird.
[0015] Hierfür ist das Evaluationsmodul eingerichtet, eine oder mehrere Fragen bezogen auf
die durch die Person zu kontrollierende, zu überwachende, zu steuernde und/oder zu
regelnde Situation in Abhängigkeit von zumindest einem Teil der bereitgestellten Zustandsdaten
der Situation zu generieren und der Person optisch und/oder akustisch zu präsentieren.
Die generierten und präsentierten Fragen werden dabei basierend auf den aktuellen
Zustandsdaten der Situation erzeugt, sodass die Fragen einen direkten Bezug zu dem
aktuellen Zustand der Situation haben. Die Beantwortung der Fragen bezieht sich somit
direkt auf den Zustand der Situation, sodass aus der Beantwortung der Fragen abgeleitet
werden kann, wie hoch der Zustand des Situationsbewusstseins bei der betreffenden
Person ist.
[0016] Da die Fragen automatisch basierend auf dem aktuellen Zustand bzw. den Zustandsdaten
der Situation generiert werden, müssen auch die Antworten, die sich auf diese Fragen
beziehen, aus den aktuellen Zustandsdaten der Situation abgeleitet werden. Auch dies
geschieht mit Hilfe des Evaluationsmoduls, sodass basierend auf jeder generierten
Frage die entsprechend korrekte Antwort vorliegt.
[0017] Nachdem nun die betreffende Person die präsentierten Antworten in Form einer Eingabe
in das Assistenzsystem beantwortet hat, können die Antworten der Person mit den automatisch
generierten Antworten des Systems verglichen werden, wobei dann in Abhängigkeit ab
des Vergleiches ein Maß für das Situationsbewusstsein ermittelt werden kann.
[0018] Im einfachsten Fall kann dies beispielsweise dadurch geschehen, dass der Person drei
automatisch generierte Fragen präsentiert werden, die von ihr beantwortet werden müssen.
Werden alle drei Fragen richtig beantwortet, so kann von einem hohen Situationsbewusstsein
ausgegangen werden. Das Maß für das Situationsbewusstsein, d.h. die Kennzahl, wird
dann auf den höchsten Wert gesetzt. Werden indes jedoch nur Fragen richtig beantwortet,
so wird von einem mittleren Situationsbewusstsein ausgegangen. Auch hier wird die
Kennzahl entsprechend für das mittlere Maß des Situationsbewusstseins festgelegt.
Wird nur eine oder gar keine Frage richtig beantwortet, so muss von einem schwachen
Situationsbewusstsein ausgegangen werden.
[0019] Das Assistenzsystem ist nun ausgebildet, basierend auf dem Maß für das Situationsbewusstsein,
das von dem Evaluationsmodul festgelegt wurde, dann den Automatisierungsgrad des Assistenzsystems
einzustellen, um so das Assistenzsystem so einzustellen, dass es die betreffende Person
bestmöglich unterstützt.
[0020] Dadurch wird es erstmals möglich, den Automatisierungsgrad eines Assistenzsystems
automatisiert an das Situationsbewusstsein zu koppeln, sodass je nach Maß des Situationsbewusstseins
der Automatisierungsgrad automatisch für das Assistenzsystem eingestellt wird.
[0021] Vorteilhafterweise wird dabei das Generieren und Präsentieren der Fragen zyklisch
wiederholt, sodass in vorgegeben definierten Zeitabständen oder in zufällig gewählten
Zeitabständen immer wieder der Prozess der Evaluation des Maßes für das Situationsbewusstsein
und des daran anschließend automatischen Einstellens des Automatisierungsgrades durchgeführt
wird. Dabei ist es besonders vorteilhaft, wenn das Assistenzsystem ausgebildet ist,
basieren auf einer Änderung des Zustandes der Situation, die sich aus den Zustandsdaten
ableiten lässt, den Prozess der Evaluation des Maßes für das Situationsbewusstsein
in Gang zu setzen.
[0022] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform wird die Zeit zwischen dem Präsentieren
der automatisch generierten Fragen und der Beantwortung der Fragen durch die Person
gemessen, wobei das Maß für das Situationsbewusstsein weiterhin in Abhängigkeit von
der gemessen Zeit ermittelt wird. So ist es beispielweise vorstellbar, dass zwar alle
Fragen richtig beantwortet werden, die Beantwortung der Fragen aber längere Zeit in
Anspruch nimmt, was darauf schließen lässt, dass das Situationsbewusstsein nicht ganz
so hoch ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Werden die Fragen jedoch sehr zügig
und schnell beantwortet, so ist dies ein Zeichen dafür, dass die betreffende Person
über ein hohes Maß an Situationsbewusstsein verfügt, da die Antworten in diesem Fall
kognitiv direkt verfügbar sind und die Person weder lange darüber nachdenken noch
zunächst dann noch suchen muss.
[0023] Vorteilhafterweise ist das Assistenzsystem eingerichtet, bei einer Verringerung des
Maßes für das Situationsbewusstsein gegenüber einem zuvor ermittelten Maß den aktuell
eingestellten Automatisierungsgrad zu erhöhen und/oder bei einer Erhöhung des Maßes
für das Situationsbewusstsein gegenüber einem zuvor ermittelten Maß den aktuell eingestellten
Automatisierungsgrad zu verringern. Dies gilt selbstverständlich nur, wenn nicht bereits
der höchste bzw. niedrigste Automatisierungsgrad eingestellt ist, sodass eine Erhöhung
bzw. Erniedrigung des Automatisierungsgrades nicht mehr möglich wäre.
[0024] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform handelt es sich bei den generierten
Fragen um Multiple Choice Fragen. Denkbar sind aber auch offene Fragen, die eine direkte
Antwort durch Eingabe von Daten erfordern.
[0025] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform sind in dem Evaluationsmodul eine
Mehrzahl von Fragen in generischer Form hinterlegt, die an entsprechenden Stellen
Platzhalter aufweisen, die dann mit den entsprechenden Daten aus den Zustandsdaten
der Situation befüllt werden. Das Evaluationsmodul ist nun eingerichtet, aus dieser
Mehrzahl von vorgegebenen Fragen eine gewissen Anzahl von Fragen auszuwählen und die
entsprechenden Platzhalter innerhalb der Fragen mit den entsprechenden Daten aus den
Zustandsdaten der Situation zu befüllen, um die so ausgewählten und mit Daten befüllten
Fragen dann der Person zu präsentieren.
[0026] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform handelt es sich bei dem Assistenzsystem
um ein Lotsen Assistenzsystem, das einen Lotsen bei seiner Kontroll-, Überwachungs-,
Steuerungs- und/oder Regelungsaufgabe unterstützen soll. Hierbei kann es sich beispielsweise
um ein Fluglotsenassistenzsystem handeln, das einen Fluglotsen bei seiner Kontroll-,
Überwachungs-, Steuerungs- und/oder Regelungsaufgabe zu unterstützen. Denkbar ist
aber auch, dass es sich um einen Schiffslotsenassistenzsystem handelt, mit dem Schiffe
bei ihrer Fahrt durch den Losten unterstützt werden sollen, beispielweise bei der
Einfahrt in einen Hafen.
[0027] Die Erfindung wird anhand der beigefügten Figuren beispielhaft erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- - schematische Darstellung des Assistenzsystems bzgl. einer fiktiven Situation;
- Figur 2
- - Flussdiagramm eines Ausführungsbeispiels.
[0028] Figur 1 zeigt schematisch in einem Ausführungsbeispiel das Assistenzsystems 1, das
eine Recheneinheit 2 sowie ein Präsentationsmittel in Form eines Bildschirms 3 aufweist.
Der Bildschirm 3 ist im Ausführungsbeispiel der Figur 1 nur beispielhaft näher gezeigt
und kann durch verschiedenste Formen der Präsentation ersetzt werden.
[0029] Die Recheneinheit 2 des Assistenzsystems 1 steht dabei mit einer Mehrzahl von Sensoren
mittelbar oder unmittelbar in Verbindung, um so Zustandsdaten des Zustandes einer
zu kontrollierenden, zu überwachenden, zu steuernden und/oder zu regelnden Situation
5 erfassen zu können.
[0030] Im Ausführungsbeispiel der Figur 1 handelt es sich bei der Situation 5 um eine Luftverkehrssituation,
die durch eine Person 6 in Form eines Lotsen kontrolliert, überwacht, gesteuert und
geregelt werden soll. Innerhalb der Situation 5 befinden sich im Ausführungsbeispiel
der Figur 1 zwei Verkehrsflugzeuge F
1, F
2, die sich in dem vom Lotsen 6 zu kontrollierenden Luftraum befinden und somit Bestandteil
der Situation 5 sind. Mit Hilfe der Sensoren 4 lassen sich dabei Zustandsdaten der
Situation 5 erfassen, wie beispielsweise Flughöhe, Flugrichtung aber auch Wetterinformationen
und dergleichen. Bei den Sensoren 4 kann es sich somit um aktive oder passive Radarsysteme
handeln, um Funksysteme zum Mithören des Funks und ähnlichem.
[0031] Die Recheneinheit 2 weist des Weiteren ein Evaluationsmodul 7 auf, um ein Maß für
das Situationsbewusstsein des Lotsen 6 ermitteln zu können. Hierfür werden automatisch
Fragen bzgl. der Situation 5 generiert und auf dem Bildschirm 3 dem Lotsen 6 präsentiert.
[0032] Im Ausführungsbeispiel der Figur 1 in Bezug auf einen Fluglotsen kann es sich bei
den Fragen beispielsweise um Fragen in Bezug zu den beiden Flugzeugen F
1 und F
2 handeln, wie beispielsweise: "Welche Höhe hat Flugzeug F
1?" oder "Welche Orientierung (heading) hat Flugzeug F
2?".
[0033] Diese Fragen werden nun dem Lotsen 6 auf dem Bildschirm 3 in Form eines Fragenkataloges
8 bereitgestellt, sodass der Lotse 6 die Fragen des Fragenkataloges 8 visuell wahrnehmen
kann. Durch entsprechende Eingabe mittels eines Eingabegerätes (Tastatur, Sprache)
kann der Lotse 6 nun diese Fragen des Fragenkataloges 8 beantworten, was dann zurück
an das Evaluationsmodul 7 gesendet wird.
[0034] Das Evaluationsmodul 7 kann nun die von dem Lotsen 6 eingegebenen Antworten mit seinen
bzgl. der präsentierten Fragen 8 automatisch generierten Antworten vergleichen und
feststellen, ob der Lotse 6 die Fragen richtig oder falsch beantwortet hat. Je nach
Ausgang des Vergleiches erzeugt das Evaluationsmodul ein Maß für das Situationsbewusstsein
des Lotsen 6 bzgl. der Situation 5, sodass das Assistenzsystem 1 dann den Automatisierungsgrad
basierend auf dem festgestellten Maß für das Situationsbewusstsein einstellt.
[0035] In Figur 2 ist hierzu ein Flussdiagramm dargestellt. Zu Anfang wird die laufende
Situation in Schritt S
1 erfasst und analysiert. Basierend darauf wird dann im Schritt S
2 ein Fragenkatalog generiert und der entsprechenden Person angezeigt, sodass diese
entsprechende Antworten eingeben kann.
[0036] Die Antworten der Person werden dann im Schritt S
3 mit den automatisch generierten Antworten basierend auf den Zustandsdaten des Systems
verglichen und ein Maß für das Situationsbewusstsein der Person generiert. Anschließend
wird im Schritt S
4 das Maß des Situationsbewusstseins mit einem vorher ermittelten Maß des Situationsbewusstseins
verglichen und in Abhängigkeit des Vergleiches dann der Automatisierungsgrad des Assistenzsystems
eingestellt.
[0037] Ist das Maß des Situationsbewusstseins im Vergleich zu einem vorhergehenden Maß für
das Situationsbewusstsein gleichbleibend, so wird nichts an der Einstellung des Assistenzsystems
verändert und der Prozess kann nach einer Weile erneut beginnen. Ist das Maß für das
Situationsbewusstsein niedriger als im Verhältnis zu einem vorhergehenden Maß des
Situationsbewusstseins, so wird ausgehend von Schritt S
4 zum Schritt S
5 verzweigt und der Automatisierungsgrad des Assistenzsystems erhöht.
[0038] Ist hingegen das Maß des Situationsbewusstseins höher als zu einem vorhergehenden
Maß, so wird zu einem Schritt S
6 verzweigt, wo der Automatisierungsgrad des Assistenzsystems verringert wird. In beiden
Fällen, S
5 und S
6 wird wieder zum Ausgang S
1 verzweigt, sodass der Prozess nach einer gewissen Zeit erneut beginnen kann.
[0039] Somit wird es möglich, das Assistenzsystem immer optimal an die kognitive Leistungsfähigkeit
der Person anzupassen und so die Person bestmöglich zu unterstützen.
Bezugszeichenliste:
[0040]
- 1
- - Assistenzsystem
- 2
- - Recheneinheit
- 3
- - Bildschirm
- 4
- - Sensoren
- 5
- - Situation
- 6
- - Person
- 7
- - Evaluationsmodul
- 8
- - Fragen bzw. Fragenkatalog
- F1
- - erstes Flugzeug
- F2
- - zweites Flugzeug
- S1 bis S6
- - Verfahrensschritte
1. Assistenzsystem (1) zur Unterstützung wenigstens einer Person (6) bei der Durchführung
einer Kontroll-, Überwachungs-, Steuerungs- und/oder Regelungsaufgabe bzgl. einer
Situation (5), wobei dem Assistenzsystem (1) mit Hilfe von Sensoren (4) erfasste Zustandsdaten
der zu kontrollierenden, zu überwachenden, zu steuernden und/oder zu regelnden Situation
(5) bereitstellbar sind und das Assistenzsystem (1) in Abhängigkeit von einem einstellbaren
Automatisierungsgrad des Assistenzsystems (1) zum automatisierten Ausführen von Handlungen
zur Unterstützung der Person (6) bei der Durchführung der Kontroll-, Überwachungs-,
Steuerungs- und/oder Regelungsaufgabe bzgl. der Situation (5) eingerichtet ist, dadurch gekennzeichnet, dass das Assistenzsystem (1) ein Evaluationsmodul (7) hat, das eingerichtet ist, eine
oder mehrere Fragen (8) bezogen auf die durch die Person (6) zu kontrollierende, zu
überwachende, zu steuernde und/oder zu regelnde Situation (5) in Abhängigkeit von
zumindest einem Teil der bereitgestellten Zustandsdaten der Situation (5) zu generieren
und der Person (6) optisch und/oder akustisch zu präsentieren, wobei Antworten auf
die präsentierte Frage (8) oder Fragen (8) durch die Person (6) mittels des Assistenzsystems
(1) durch die Person (6) eingebbar sind und das Evaluationsmodul (7) weiterhin eingerichtet
ist, automatisch in Abhängigkeit von den bereitgestellten Zustandsdaten der Situation
(5) die korrekten Antworten auf die präsentierten Fragen (8) zu ermitteln und die
automatisch ermittelten Antworten mit den durch die Person (6) eingegebenen Antworten
zu vergleichen und in Abhängigkeit von dem Vergleich dann ein Maß für das Situationsbewusstsein
der entsprechenden Person (6) bezüglich der zu kontrollierenden, zu überwachenden,
zu steuernden und/oder zu regelnden Situation (5) zu ermitteln, wobei das Assistenzsystem
(1) eingerichtet ist, in Abhängigkeit von dem ermittelten Maß für das Situationsbewusstsein
den Automatisierungsgrad des Assistenzsystems (1) einzustellen.
2. Assistenzsystem (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Evaluationsmodul (7) eingerichtet ist, die Zeit zwischen dem Präsentieren der
Frage (8) oder Fragen (8) und der Eingabe der Antwort oder Antworten durch die Person
(6) zu messen und das Maß für das Situationsbewusstsein weiterhin in Abhängigkeit
von der gemessenen Zeit zu ermitteln.
3. Assistenzsystem (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Assistenzsystem (1) eingerichtet ist, bei einer Verringerung des Maßes für das
Situationsbewusstsein gegenüber einem zuvor ermittelten Maß den aktuell eingestellten
Automatisierungsgrad zu erhöhen und/oder bei einer Erhöhung des Maßes für das Situationsbewusstsein
gegenüber einem zuvor ermittelten Maß den aktuell eingestellten Automatisierungsgrad
zu verringern.
4. Assistenzsystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die generierten Fragen (8) Multiple-Choice-Fragen sind.
5. Assistenzsystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Evaluationsmodul (7) eingerichtet ist, die zu präsentierenden Fragen (8) aus
einer Mehrzahl von vorgegebenen Fragen (8) auszuwählen und die in den ausgewählten
Fragen (8) enthaltenen Platzhalter durch entsprechende Zustandsdaten der Situation
(5), die bereitgestellt worden, zu ergänzen.
6. Assistenzsystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Assistenzsystem (1) ein Lotsenassistenzsystem ist.
7. Verfahren zur Unterstützung wenigstens einer Person (6) bei der Durchführung einer
Kontroll-, Überwachungs-, Steuerungs- und/oder Regelungsaufgabe mittels eines Assistenzsystems
(1), wobei mit Hilfe von Sensoren (4) erfasste Zustandsdaten einer zu kontrollierenden,
zu überwachenden, zu steuernden und/oder zu regelnden Situation (5) dem Assistenzsystem
(1) bereitgestellt werden, und wobei in Abhängigkeit von einem einstellbaren Automatisierungsgrad
des Assistenzsystems (1) entsprechende Handlungen zur Unterstützung der Person (6)
bei der Durchführung der Kontroll-, Überwachungs-, Steuerungs- und/oder Regelungsaufgabe
durch das Assistenzsystem (1) automatisiert ausgeführt werden, dadurch gekennzeichnet, dass mittels eines Evaluationsmoduls des Assistenzsystems (1) eine oder mehrere Fragen
(8) bezogen auf die durch die Person (6) zu kontrollierende, zu überwachende, zu steuernde
und/oder zu regelnde Situation (5) in Abhängigkeit von zumindest einem Teil der bereitgestellten
Zustandsdaten der Situation (5) generiert und der Person (6) optisch und/oder akustisch
präsentiert werden, wobei automatisch in Abhängigkeit von den bereitgestellten Zustandsdaten
der Situation (5) die korrekten Antworten auf die präsentierten Fragen (8) ermittelt,
die automatisch ermittelten Antworten mit den durch die Person (6) eingegebenen Antworten
verglichen und in Abhängigkeit von dem Vergleich dann ein Maß für das Situationsbewusstsein
der entsprechenden Person (6) bezüglich der zu kontrollierende, zu überwachende, zu
steuernde und/oder zu regelnde Situation (5) durch das Evaluationsmodul (7) ermittelt
wird, wobei in Abhängigkeit von dem Maß für das Situationsbewusstsein dann der Automatisierungsgrad
des Assistenzsystems durch das Assistenzsystem eingestellt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass mittels des Evaluationsmoduls (7) die Zeit zwischen dem Präsentieren der Frage (8)
oder Fragen (8) und der Eingabe der Antwort oder Antworten durch die Person (6) gemessen
und das Maß für das Situationsbewusstsein weiterhin in Abhängigkeit von der gemessenen
Zeit ermittelt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass mittels des Assistenzsystems (1) bei einer Verringerung des Maßes für das Situationsbewusstsein
gegenüber einem zuvor ermittelten Maß der aktuell eingestellte Automatisierungsgrad
erhöht und/oder bei einer Erhöhung des Maßes für das Situationsbewusstsein gegenüber
einem zuvor ermittelten Maß der aktuell eingestellte Automatisierungsgrad verringert
wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass mittels des Evaluationsmoduls (7) die zu präsentierende Frage oder Fragen (8) aus
einer Mehrzahl von vorgegebenen Fragen (8) ausgewählt und die in der ausgewählten
Frage oder Fragen (8) enthaltenen Platzhalter durch entsprechende Zustandsdaten der
Situation (5), die bereitgestellt worden, ergänzt werden.